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Die Raumflotte von Axarabor #40: Der Krieg der Falken

2018 120 Seiten

Leseprobe

Die Raumflotte von Axarabor #40: Der Krieg der Falken

Axarabor, Volume 40

Stefan Hensch

Published by BEKKERpublishing, 2018.

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Der Krieg der Falken

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 40

von Stefan Hensch

Der Umfang dieses Buchs entspricht 147 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Das Oberkommando der Raumflotte von Axarabor beschließt den Fernaufklärer CHUCK YEAGER unter dem Kommando des erfahrenen Commanders James Thornton in das Wheeler-System zu entsenden. Das System wurde vor Jahrhunderten als Bollwerk gegen die marodierenden Nomadenvölker des Sektors aufgebaut und geriet nach dem Sieg über diesen Gegner in Vergessenheit. Doch die Besatzung der CHUCK YEAGER trifft auf einen Gegner, der vom unbändigen Hass auf das Sternenreich von Axarabor angetrieben wird!

Die NAKAMURA wurde in einer Raumschlacht zerstört. Commander Nataly Sawyer ist verschollen und ein kleiner Konvoi aus wenigen Jagdmaschinen und Rettungskapseln sieht sich einem überlegenen Feind gegenüber. Zeitgleich kommt es in der Admiralität der Raumflotte zu offenen Machtkämpfen und Uneinigkeit. Ist dies der Anfang vom Untergang des axaraborianischen Sternenreichs?

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author /COVER AD 3000 123rf Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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An Bord der UROBOROS, Flaggschiff der axaraborianischen 3. Raumflotte

„Kommen wir zum letzten Punkt der heutigen Sitzung“, Admiral Wolkow sah in die Gesichter der anwesenden Admiräle und ihrer Stabsoffiziere. „Eine unserer Kernaufgaben als Raumflotte ist neben der Exploration auch die Sicherung des gesamten Sternenreichs. Aus diesem Grund werden wir eine Inspektionsmission in das Wheeler-System starten müssen.“

Über die Kernaufgaben der Raumflotte gab es durchaus unterschiedliche Auffassungen, darüber war sich Wolkow absolut im Klaren. Große Macht brachte immer auch große Verantwortung mit sich und bot ebenfalls das Risiko, dass schwache Charaktere korrumpiert wurden.

Als Wolkow den nächsten Tagesordnungspunkt angekündigt hatte, waren auf dem großen Display hinter ihm die Kenndaten des Wheeler-Systems erschienen.

„Warum war die Kolonisation des Wheeler-Systems so exorbitant kostspielig im Vergleich zum durchschnittlichen Etat- und Personalbedarf?“

Wolkow sah den Offizier an, der sich zu Wort gemeldet hatte. „Es hat sich seinerzeit um eine rein militärische Mission gehandelt. Die Planeten des Systems wurden mit Garnisonen, Geschützstellungen zur orbitalen Verteidigung und defensiven Orbitalstationen ausgestattet, um gegen einen möglichen Angriff der Heuschrecken gewappnet zu sein.“

„Und dann haben unsere Vorväter diese verdammten Nomadenvölker in das Riker-System getrieben und dort in der Schlacht von Sirtis vernichtet.“, fasste Admiral Blundell zusammen. „Das Wheeler-System und seine Stützpunkte verloren somit jede strategische Relevanz und wurden verlassen.“

Wolkow nickte. Dies war der Status Quo.

„Nachdem wir nun alle über den letzten Stand im Bilde sind, möchte ich einen Vorschlag für diese Mission machen.“

Auf dem Display hinter dem Admiral erschien das Modell eines Langstreckenaufklärers.

„Mit der CHUCK YEAGER steht uns das erste Schiff einer neuen Klasse zur Verfügung. Die Klasse basiert auf der Studie eines leichten Torpedobombers. Anstelle der Waffenkammer erhalten die Raumer einen Hyperraumantrieb und eine Einheit zur Subraumkommunikation.“ Wolkow machte eine Pause, damit sich die Informationen setzen konnten.

„Wir schicken die CHUCK YEAGER in das Wheeler-System, lassen einen kurzen Scan durchführen und planen unsere weiten Schritte anhand des Datenmaterials.“

Allgemeine Zustimmung machte sich in der Admiralität breit. Nur einem Offizier schmeckte der Plan nicht ganz so gut.

„Ist die CHUCK YEAGER denn zur Selbstverteidigung überhaupt in der Lage? Bei der Größe?“, fragte Admiral Schneider vom anderen Ende des Konferenztisches aus.

„Jedes Schiff unserer Flotte kann sich selbst verteidigen, Admiral Schneider. Wir können schließlich nicht für jede Mission einen ganzen Schiffsverband entsenden!“, schaltete sich jetzt auch Admiral Jones in die Diskussion ein.

Admiral Schneider verzog das Gesicht, als hätte er in eine Zitrone gebissen. „Da haben Sie natürlich recht. Jedoch handelt es sich bei dem Wheeler-System potenziell um ein System, dass aufgrund seiner militärischen Infrastruktur nicht ganz so typisch für andere Inspektionsflüge sein dürfte.“

Jones verdrehte als Antwort nur gelangweilt die Augen.

„Alternativ könnten wir ja auch über die Entsendung einer der Fregatten nachdenken, die Sie höchstpersönlich zur Aufstellung eines Kampfverbandes im äußeren Rand angefordert haben.“

Jones richtete seine Augen auf Schneider und sie veränderten sich zu Schlitzen. „Dieser Kampfverband soll der Raumflotte als schnelle Eingreiftruppe zur Verfügung stehen, weil die Flotte alleine schon durch die gewaltige Größe des Sternenreichs kaum noch ihre territorialen Aufgaben erfüllen kann.“

„Selbstverständlich, Herr Kollege. Niemand hier wäre auch jemals ernsthaft auf die Idee kommen, dass Sie sich da eine Privatarmee zusammenstellen!“

Bevor die Diskussion vollends eskalieren konnte, ging Wolkow zwischen die Streithähne. „Meine Herren! Das Wheeler-System ist gerade Thema der Sitzung.“

Die Wangen von Jones hatten eine rote Färbung angenommen und die Augen des Admirals versprühten förmlich Funken, doch er verzichtete ebenso wie Schneider auf eine Fortführung der Kampfhandlungen.

„Ich bitte nun alle Anwesenden zu einer Abstimmung. Wer ist für die Entsendung der CHUCK YEAGER?“

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Wheeler-System

Die CHUCK YEAGER materialisierte im Raum. Augenblicklich begannen die Sensoren an Bord des Fernaufklärers mit ihrer Arbeit.

Anders als heutzutage im Quadranten die Norm, war der schlanke Raumer von seinem Design her nicht um eine zentrale Brücke errichtet worden. Anstelle dessen glich die CHUCK YEAGER eher einem etwas aus Form geratenen Jäger. Jedes der insgesamt vier Besatzungsmitglieder hatte seine Arbeitsstation in einer Kanzel, die fest am Rumpf des Raumers befestigt war. Im Notfall konnten die Kanzeln hermetisch verriegelt und als Rettungskapseln abgesprengt werden. Einzig die Schlafquartiere sowie die Nasszelle mit dem WC wurden gemeinschaftlich im Rumpf des Aufklärers genutzt.

Commander Thornton runzelte die Stirn, denn was die Sensoren der Maschine da aufgefangen hatte, verwunderte den erfahrenen Piloten. Das System war voller Raumschiffe!

„Das sieht mal gar nicht nach einem verlassenen System aus, Sir!“, kommentierte der Erste Offizier Lieutenant Dirk Templeton über das Interkom.

„Ein Grund mehr, schnell unsere Arbeit zu erledigen und dann sofort wieder zu verschwinden!“

In diesem Moment ertönte ein Alarmsignal. „Wir bekommen Besuch von zwei Jägern. Sie haben uns bereits als Ziel markiert und aktivieren ihre Waffensysteme!“, meldete der Waffensystemoffizier.

Thornton sah die Jäger wie zwei Kometen im Paarflug an der CHUCK YEAGER vorbeischießen.

„Sehen aus wie modifizierte Cougars“, kommentierte Templeton.

„Schilde hoch, Videokanal öffnen!“

Auf dem Display vor Thornton erschien der Kopf des Rottenführers. Der Pilot trug einen Helm und hatte das getönte Visier heruntergezogen.

„Wir sind ein Raumschiff der axaraborianischen Raumflotte und befinden uns auf einer Erkundungsmission. Ich wiederhole, wir befinden uns auf einer Erkundungsmission und haben keine feindseligen Absichten!“

„Unbekanntes Raumschiff, hier Blau Eins. Sie befinden sich auf dem Hoheitsgebiet des Neranischen Reichs. Deaktivieren Sie ihre Schilde, wir geleiten Sie zu einer Raumstation.“

Das war geradezu lächerlich und widersprach sämtlichen Übereinkünften von Grund auf.

„Negativ, Blau Eins. Wir scannen dieses System und treten dann die Heimreise an.“

Commander Thornton spürte den Blick des Piloten in Richtung der Kamera.

„Ihre Entscheidung, Commander.“, dann wurde die Verbindung angebrochen.

„Sir, die Jäger gehen auf Kollisionskurs!“, meldete Templeton.

Die Jungs wollten also Ernst machen. Der Blick von Commander Thornton flog zu seinem Display. Der Scan des Systems war bei weitem noch nicht abgeschlossen. In Gedanken überschlug er seine Optionen. Es handelte sich bisher lediglich um zwei Jäger und die Befehle der CHUCK YEAGER waren eindeutig.

„Mr. Templeton, Ausweichmanöver. Mr. Larson, Saft auf die Waffensysteme!“

Augenblicklich wurde Thornton in die Sitze gepresst, als der Erste Offizier ein lehrbuchmäßiges Manöver startete, um die Angreifer vor sich zu bekommen. Das dreidimensionale Taktikdisplay rotierte, dann hatte es Templeton geschafft.

„Zielcomputer aufgeschaltet und in Feuerreichweite, Sir“, meldete Larson.

„Halten Sie 10 Meter neben die Jäger. Das ist bis hierhin nur Balzverhalten!“

„Aye, Sir!“

Die Minigeschütze unter den Flügeln der CHUCK YEAGER brüllten auf und spien ihre großkalibrigen Projektile aus. Dies wäre bereits das Ende der beiden Jäger gewesen, wenn Thornton es gewollt hätte.

„Videoverbindung zu unserem verehrten Blau Eins herstellen!“

Thornton wartete, bis der Kampfpilot erneut auf dem Display erschien. „Kann ich davon ausgehen, dass die Kampfhandlungen hiermit beendet sind?“, fragte er grinsend.

„Negativ.“

Der Pilot unterbrach die Kommunikation zum zweiten Mal.

„Sie haben es gehört, Mr. Larson. Schluss mit Kuschelkurs, das nächste Mal schalten Sie die Jäger aus!“

Thornton blickte aus der Kanzel heraus und sah, wie die beiden Jäger in entgegengesetzte Richtungen wegfächerten.

„Abfangmanöver, Mr. Templeton!“

Augenblicklich tauchte die CHUCK YEAGER nach unten weg. Auf seinem taktischen Display sah Thornton, dass die zwei Jäger leider viel wendiger als erwartet und leider auch wendiger als ihr eigenes Schiff waren.

Ein schrillender Alarm verkündete das Raketen auf die CHUCK YEAGER abgefeuert worden waren. „Ablenkung abfeuern und ausweichen“, kommandierte Thornton.

Templeton brach das ursprüngliche Manöver ab, stieß Ablenkkörper aus um die Raketen loszuwerden, zwang die CHUCK YEAGER in eine enge Kurve und zündete den Nachbrenner.

„Negativ, Raketen weiterhin auf Kurs!“, brüllte der Waffensystemoffizier.

„Und nochmal das Ganze!“

Erneut zwang Templeton das Schiff in eine enge Kurve.

„Negativ! Einschlag in wenigen Sekunden!“

Die zwei Raketen trafen den Rumpf der CHUCK YEAGER und das Heck. Sirenen dröhnten und Thornton spürte und sah auf seiner Anzeige, dass der Antrieb und auch die Schilde ausgefallen waren. Außerdem trat irgendwo Sauerstoff aus, was aber von den Nanobots in der Außenhaut bereits behoben wurde.

„Eingehende Videokommunikation!“

„Auf den Schirm!“

Erneut sah Thornton den Piloten der Jäger Rotte.

„Befolgen Sie nun unsere Anweisungen, oder soll ich Ihr Schiff zerstören?“

Der Blick des Commanders glitt zur Anzeige des Sensorscans. Sie benötigten einfach noch Zeit!

Dann nickte Thornton. „Sie haben gewonnen!“

Er schluckte hart. Dann war die Videokommunikation beendet. „Senden Sie die unvollständigen Aufklärungsdaten an das Flottenoberkommando und melden Sie unsere Kapitulation!“

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Conrad-System, Planet Rhinestonia

Walsh hatte schon zu viel getrunken, aber ihm war es heute egal. Zusammen mit Kolja Fomin und zwei Unteroffizieren saß er in diesem Striplokal in der Nähe der Bühne und ließ sich mit dem billigen einheimischen Bier volllaufen. Normalerweise bevorzugte Walsh richtigen Alkohol, aber heute sollte es ein netter Abend mit den Jungs werden.

Eben weil er selten Bier trank, hatte er seinen Durst schlecht einschätzen können. Aber noch war kein morgendlicher Kater zu befürchten.

Dem Lieutenant der Raumlandeinfanterie gefiel der Schuppen ganz gut. Die Musik bestand ausschließlich aus dem momentan angesagtesten . Walsh hatte nichts dagegen, denn was gab es besseres als Gitarrenmusik, Bier und hübsche Mädchen?

Und genau ein solches Mädchen landete auf ihrem Tisch. Die blutjunge Schönheit mit schokoladenbrauner Haut war mit einem langen Satz von der Bühne zu ihnen gesprungen.

Die Soldaten klatschten johlend Beifall, denn zum einen war das ein verdammt guter Sprung gewesen, und zum anderen waren sie nun noch viel näher an der Musik.

Das Mädchen ging so richtig auf der Tischplatte ab und warf wild peitschend ihre schwarze Mähne durch die Luft.

Walsh sah nur beeindruckende Brüste, Muskeln und Sehnen. Die rhythmischen Bewegungen der Tänzerin erweckten schließlich auch etwas in seiner Hose vollends zum Leben. Zu schade, dass in diesem Laden das Anfassen der Mädchen streng verboten war.

Walsh lehnte sich also zurück und genoss die Darbietung der Kleinen. Interessiert registrierte er, dass die Tänzerin sich mehr und mehr auf Fomin einzuschießen begann, der im Gegenzug eigentlich gar kein Interesse an der Frau zeigte. Walsh grinste, denn es konnte ja nicht jede Frau einen Alabasterteint und rote Haare haben, um damit seinem Schema zu entsprechen.

Aber die Kleine ließ nicht von Fomin ab, ganz im Gegenteil. Elegant hüpfte sie vom Tisch herunter, stellte sich breitbeinig über den Schoß des Sergeants und rieb ihren Unterkörper, der lediglich von einem winzigen String verhüllt wurde, an ihm. Dann setzte sich das Mädchen sogar auf ihn, presste ihre Brüste an seinen Oberkörper und flüsterte etwas in sein Ohr.

Zu Walshs Überraschung folgte Fomin grinsend der Tänzerin, als sie von ihm abgestiegen war.

„Privat Tanz!“, schrie Shoemaker und zog das Wort dabei frenetisch in die Länge. Walsh schüttelte den Kopf. Als Soldat der Flotte von Axarabor musste man das Leben einfach genießen, denn es konnte schon morgen vorbei sein damit!

„Ob bald Ersatz für den Ersten Offizier gefunden wird?“, schrie ihm Shoemaker ins Ohr.

Pike, der eigentliche Erste Offizier der NAKAMURA, war einfach einen Tag vor dem ersten Einsatz des Schiffs gestorben. Bei der letzten Routineuntersuchung war ein Aneurysma übersehen worden. Der junge Offizier war über Nacht in einem Bett gestorben, er hatte keine Chance gehabt.

„Die Flotte ist die reinste Bürokratie. Warten wir mal ab!“

In diesem Moment legte sich eine zarte Hand auf seine Schulter. Walsh drehte sich um und sah eine Blondine in hellblauen BH, passendem Slip und halterlosen Strümpfen.

„Na großer Mann, Lust auf eine Privatvorstellung?“

Walsh lehnte sich auf der weichen Liege zurück und beobachtete den Tanz der Blondine vor sich. Ihr Körper entsprach dem, was eine professionelle Tänzerin mitbringen sollte. Was Walsh sehr gut gefiel, war ihre ausgeprägte Stundenglasfigur. Die Kleine hatte sowohl eine üppige Oberweite, als auch einen klasse Arsch.

Geschickt hakte sie sich den BH auf zeigte Walsh ihre chirurgisch verbesserten Brüste. Normalerweise wären sie wohl größer gewesen, aber nach der OP waren sie wohl schöner geformt und straffer.

Dann grinste sie ihn neckisch an und entledigte sich auch ihres Slips und ließ ihr Becken verführerisch vor dem Gesicht von Walsh kreisen. Dann traf ihn ein Blick aus ihren dunklen Augen, der bei ihm Appetit auf mehr machte. Auf viel mehr!

Mit flinken Fingern machte sich das blonde Gift an der Jeans von Walsh zu schaffen.

„Streng` dich an, stolzer Krieger. Wenn du gut bist, geht das gleich auf's Haus!“

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ALS WALSH DAS SEPAREE verließ, war nur noch Fomin an ihrem Tisch übriggeblieben. Der Sergeant grinste wissend, verkniff sich aber jeden Kommentar.

„Guter Laden“, meinte Fomin dann beiläufig.

Walsh nickte zustimmend...

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An Bord der UROBOROS, Flaggschiff der axaraborianischen Raumflotte des Quadranten

Die Sitzung war eiligst zusammengerufen worden, nachdem die Subraum-Nachricht der CHUCK YEAGER über zwei Relaisstationen das Oberkommando der Flotte erreicht hatte.

Admiral Wolkows Gesichtsausdruck war ernst. „Wir haben per Subraum-Kommunikation eine Nachricht der CHUCK YEAGER erhalten. Das Schiff wurde in einen Raumkampf verwickelt und musste in der Folge kapitulieren. Seitdem befindet es sich samt seiner Besatzung in der Hand des sogenannten Neranischen Reichs.“

Wolkow machte eine Pause und blickte auf das Display, das direkt vor ihm in der Tischplatte eingelassen war. „Zum jetzigen Zeitpunkt müssen wir davon ausgehen, dass es sich bei diesem Sternenreich um Nachfahren unserer Kolonisten handelt.“

Ein Raunen ging durch den Saal.

„Genau dies ist die Situation, vor der ich vor etwa 24 Stunden warnen wollte, aber laut Admiral Jones kann sich ja jedes unserer Schiffe bestens seiner Haut erwehren. Es sind damals Leute dort geblieben... auf einer Welt voller Waffen!“

Jones sah wutentbrannt zu Admiral Schneider, sagte aber nichts. Dann wechselte er stumm Blicke mit einigen der anderen hochdekorierten Offiziere der Admiralität, schwieg aber.

„Ich möchte nun definitiv den Vorschlag von Admiral Schneider aufgreifen. Wir sollten umgehend eine Fregatte aus dem Schiffsverband am äußeren Rand in das Wheeler-System entsenden.“, sagte nun Admiral Van Kinsbergen in ruhigem Ton.

Das reichte Jones. Der Admiral sprang von seinem Stuhl auf. „Sie alle verstehen nicht, worum es hier geht. Ich habe mir die Mittel und die Schiffe mit meinem eigenen Schweiß und meinem eigenen Blut erkämpft. Dieser Schiffsverband ist das Rückgrat der Flotte und ich werde nicht zulassen, dass heute eine Fregatte für einen Einsatz im Wheeler-System, morgen ein Zerstörer für eine Patrouille und übermorgen ein Träger für eine Kreuzfahrt abgezogen werden. Womit sollen wir im Falle eines Angriffs reagieren, wenn alle unsere Schiffe im Universum verstreut sind?“

Jones stand die Wut ins Gesicht geschrieben. Admiral Schneider beobachtete den anderen Offizier sehr genau. Zu seinem eigenen Bedauern wusste der Dienstältere jedoch leider schon, dass er in dieser Sitzung nichts ausrichten konnte. Jones war ein Fuchs, so viel stand fest. Er hatte seinen Einfluss in diesem Gremium durch Gefälligkeiten und gegenseitige Verbindlichkeiten zementiert. Doch leider konnte Schneider das noch nicht beweisen.

„Ihre Absichten stehen hier gar nicht zur Debatte, Jones. Dennoch stelle ich den Antrag auf die Entsendung einer Fregatte aus dem äußeren Rand in das Wheeler-System!“, bellte Admiral Van Kinsbergen.

Jones nahm wieder Platz und Schneider sah ein leichtes Lächeln auf seinen Lippen.

„Dies ist ihr gutes Recht als Mitglied des Oberkommandos, Admiral Van Kinsbergen“, bestätigte Wolkow und sah in die Runde. „Meine Herren, ich bitte um ihr Votum. Wer unterstützt den Antrag?“

Admiral Schneider hob zusammen mit Van Kinsbergen und zwei anderen Admirälen die Hände. Der Rest der Offiziere verharrte mit verschlossenen Minen.

Schneider überraschte das nicht, denn er hatte genau ein solches Stimmverhalten erwartet. Jones Seilschaft dominierte ganz ungeniert offen das Flottenoberkommando. Deshalb würde es auf diesem Weg auch keinen Erfolg gegen Jones geben. Aber Schneider war zu lange im Geschäft und vor allem beim auch im Nachrichtendienst der Flotte, um genügend Lösungen für dieses Problem zu kennen. Leider waren die effektivsten Lösungen nicht ganz legal und konnten deshalb seinen Kopf kosten. Wenn es keinen gerechtfertigten Sachgrund gab, musste er geduldig und intelligent agieren.

„Ich freue mich über die Vernunft dieses Gremiums“, begann Admiral Jones und blickte Van Kinsbergen herausfordernd an. „Dennoch halte ich die Entsendung eines Schlachtschiffs für dringend nötig. Ich schlage deshalb die NAKAMURA vor, die nach ihrem ersten Einsatz Zwischenstation im Conrad-System macht. Ihre militärischen Kapazitäten und das positive Abschneiden ihrer ersten Mission qualifizieren das Schiff als Interventionskraft für das Wheeler-System!

Wolkow nickte. „Ich bitte nun ebenfalls über ein Votum zu diesem Antrag!“

Schneider hielt sich ebenso wie die anderen Offiziere, die wie er eine Fregatte hatten entsenden wollen, zurück. Seine Stimme wurde für die Legitimation dieses Antrags auch nicht mehr benötigt. Außerdem fand er, dass die NAKAMURA für diesen Einsatz nicht wirklich geeignet war. Schließlich handelte es sich bei den Schiffen der Yamato-Klasse prinzipiell zwar um Schlachtschiffe, aber es waren praktisch gesehen gepanzerte Packesel mit einem kleinen Kontingent an Jägern und leichten Bombern. 

Der Admiral presste die Lippen zusammen, schwieg aber. Dann umspielte ein hartes Lächeln seinen Mund, sollte Jones seinen Triumph doch genießen. Seine Zeit lief ab!

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Wheeler-System

Die Nanobots in der Hülle der CHUCK YEAGER hatten die Lecks in der Außenhülle im Handumdrehen geschlossen. Bei der Reparatur des Antriebs wurden die mikroskopisch kleinen Roboter von einem Wartungsdroiden der Mecha-Klasse unterstützt, der sich mit Magneten an der Außenhülle der CHUCK YEAGER gesichert hatte.

Nun flog der Fernaufklärer mit reduzierter Impulskraft auf einem Kurs, den Blau Eins ihnen per Datenübertragung zugesandt hatte. Die beiden Jäger befanden sich direkt hinter der CHUCK YEAGER und hatten ihre Waffensystem weiterhin aktiviert, während das Schiff aus Axarabor seine Deflektoren nicht aktivieren durfte. Wenn die Piloten der neranischen Raumüberwachung wollten, konnten sie den Fernaufklärer in der Dauer eines einzigen Wimpernschlags atomisieren.

Commander Thornton gefiel die Situation so gar nicht.

„Schiff zu 65% wieder einsatzfähig“, meldete Templeton.

Thornton zerbiss einen Fluch, denn 65% reichten nicht für einen Flug durch den Hyperraum. Egal wie er es drehte oder wendete, die Mannschaft der CHUCK YEAGER saß ganz schön in der Klemme!

„Die Jäger verfügen über keinen Deflektorschild, Jim. Wir könnten unsere Schilde aktivieren und gleichzeitig mit vollem Rückwärtsschub nach hinten stoßen. Zumindest einen der Jäger sollten wir auf diese Weise schwer beschädigen können!“

Diese Idee hatte der Kommandant des Fernaufklärers auch schon gehabt, aber der Plan krankte an der Realität. Sollten sie nur einen der Jäger erwischen, hatte der andere Pilot alle Zeit der Welt, um seine verbliebenen Raketen auf die CHUCK YEAGER abzufeuern.

„Wenn die Jungs nicht diese verdammten Raketen hätten, würde ich das einen guten Plan nennen!“

„Sir, ein extrem großes Schiff nähert sich uns auf Kollisionskurs!“, meldete der Waffensystemoffizier.

„Was heißt in diesem Fall extrem groß?“

Im Interkom knackte und rauschte es, bevor Decker nachgedacht hatte. „Größer als eines unserer Schiffe aus der  Dreadnought-Klasse!“

„Also so richtig groß“, antwortete Thornton. Die Dreadnought-Klasse befand sich zwar schon lange im Dienst der Raumflotte, wurde aber oft eher für Sondereinsätze benutzt. Die UROBOROS, das Flaggschiff der Flotte, gehörte zu einer Version dieser Klasse. Gerüchten nach verwendete die legendäre Sektion 4 unter Admiral Van Doren ebenfalls einen Dreadnought als Operationsbasis. Die Superschlachtschiffe hatten sich aber aus militärischer Sicht als Fehler erwiesen. Anstelle dessen setzte die Raumflotte nun neben bewährten Einheiten wie Zerstörern und Fregatten zunehmend auf großdimensionierte Träger-Schiffe, die große Verbände von Jagdmaschinen ins Kampfgebiet bringen konnten. Dies sah die neranische Marine anscheinend anders.

Dann sah Thornton das sich schnell nähernde Schiff durch seine Kanzel hindurch. Es schien wahrlich ein Koloss zu sein und als er sich weiter näherte, erkannte der Kommandant die elegante Keilform des Raumers, der in der Mitte eine Art Taillierung aufwies.

„Wir werden angefunkt, Commander!“

Damit hatte Thornton bereits gerechnet. „Auf den Schirm!“

Thornton sah einen Offizier in einer weißen Uniform mit zahlreichen Abzeichen und einer goldenen Achselschnur.

„Axaraborianisches Raumschiff, mein Name ist Großadmiral Gutierrez. Ich bin Kommandant der TICONDEROGA. Wir haben Ihre bedingungslose Kapitulation erhalten und akzeptieren diese. In Kürze erhalten Sie die Koordinaten für einen unserer Hangars. Wenn Sie weiterhin kooperativ bleiben, wird sich dies in der anstehenden Verhandlung vor dem Kriegsgericht positiv auf das zu erwartende Strafmaß auswirken!“

„Was wird uns denn im Detail vorgeworfen, Großadmiral Gutierrez?“

Ein abschätziger Ausdruck erschien auf dem Gesicht des Admirals. „Unbefugtes Eindringen auf das Hoheitsgebiet des Neranischen Reichs und Spionage!“

Der Blick von Thornton raste zu seinem Display. Das Schiff war wieder zu 70% einsatzbereit, doch das würde nicht reichen.

„Dann lotsen Sie uns mal an Bord“, sagte Thornton mit resignierendem Ton in der Stimme.

Dann schaltete sich das Display wieder aus, die Verbindung war unterbrochen worden.

„Ihr habt es gehört Männer, diese Mistkerle wollen uns vor ein Kriegsgericht stellen!“

Die Besatzung der CHUCK YEAGER schwieg, denn wie Thornton waren auch sie zum Zusehen verdammt.

Thornton blickte aus seiner Kanzel hinaus und beobachtete die sekündlich größer werdenden TICONDEROGA. Das Schiff war gigantisch und größer, als alles was Thornton in seiner Karriere jemals gesehen hatte.

In diesem Moment erhielt der Fernaufklärer die Koordinaten für den Anflug auf das monströse Raumschiff. Automatisch errechnete der Computer den optimalen Anflug zur Landung im Hangar der TICONDEROGA.

Die CHUCK YEAGER gewann an Höhe und stieg über das Superschlachtschiff, um einen Überflug zu starten.

Thornton verschlug es ebenso wie den anderen Crewmitgliedern die Sprache, als er die Defensivphalanx des Schlachtschiffs an seinem Rumpf erkannte. Zahlreiche vollautomatische Geschütztürme überzogen das Deck des Schiffs. Anscheinend hatte das neranische Militär ähnliche Erfahrungen mit seinen Superschlachtschiffe gemacht, wie auch die Raumflotte von Axarabor. Thornton konnte sich gut vorstellen, dass Jagdpiloten deutliche Schwierigkeiten beim Anflug auf diese Art von Schlachtschiff haben würden, zudem es auch über eigene Hangars verfügte. Wo Hangars sind, gibt es auch Jagdflieger, wusste Thornton.

Zu den Aufgaben des Ersten Offiziers gehörte auch das gewohnheitsmäßige Recht zur Steuerung der CHUCK YEAGER. Deshalb konnte sich Thornton entspannt zurücklehnen, während Lieutenant Templeton den manuellen Anflug auf das Hangardeck am Heck des Schiffs begann.

Ob die TICONDEROGA Hyperraumantrieb besaß? Erst jetzt wurde ihm seine eigene Nachlässigkeit bewusst. Das neranische Militär hatte sogar eines seiner Superschlachtschiffe geschickt, anstelle die CHUCK YEAGER von den Jägern zu einer Basis eskortieren zu lassen. Dafür gab es nur einen Grund! Der Feind hatte Interesse an der axaraborianischen Technik und allem voran natürlich dem Hyperraumantrieb und der Subraumkommunikation. Falls das Neranische Reich also noch nicht über hyperraumtaugliche Antriebe verfügte, würde das durch die Kapitulation der CHUCK YEAGER in Zukunft drastisch anders aussehen!

Thornton traf eine Entscheidung, die für die Crew und ihn vielleicht das sichere Ende bedeutete.

Blitzschnell hasteten seine Finger über die kleine Tastatur vor ihm. Dann trennte den Kommandanten nur noch ein Tastendruck vor seiner nicht mehr zu korrigierenden Entscheidung.

Thornton nickte, als müsse er sich selbst von der Richtigkeit seines Entschlusses zu überzeugen. Dann drückte er auf die Bestätigungstaste.

„Sorry Jungs!“, klang die Stimme von Thornton über das Interkom, dann verriegelten sich die Schotts der einzelnen Kanzeln hermetisch und zusätzlich wurden stabilisierende Stasisfelder in den Kanzeln generiert.

Die Piloten der Jäger hinter der CHUCK YEAGER wurden von vier kleinen Explosionen überrascht, die die vier Aufbauten vom Rumpf des Fernaufklärers absprengten. Dann detonierte die Primärladung im Rumpf des Schiffs und zerriss ihn in einer gigantischen Explosion. Blitzschnell reagierten die Kampfpiloten und fächerten auseinander, damit sie nicht von Wrackteilen und der Schockwelle erfasst worden.

Zeitgleich schleuderten die vier Besatzungsmitglieder der CHUCK YEAGER hilflos durch den Weltall. Thornton hoffte, dass sich die Neraner wenigstens in dieser Hinsicht an geltende Konventionen hielten und die Kapseln retten würden. Aber stimmte das eigentlich wirklich? Würde eine Bergung eine Rettung darstellen? Commander Thornton war sich plötzlich gar nicht mehr so sicher, denn auch an Bord der TICONDEROGA wartete nur ein Tribunal auf sie, an dessen Ende vielleicht sogar die Todesstrafe stand!

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Die NAKAMURA materialisierte im Wheeler-System. Gemäß Sicherheitsprotokoll der Raumflotte hielt sich eine Staffel Jäger im Haupthangar bereit.

Commander Nataly Sawyer saß entspannt auf ihrem Platz auf der Brücke. Dies war der zweite Einsatz der NAKAMURA und zugleich war Sawyer alles andere als glücklich über ihn. Als Strategin und Kommandantin der NAKAMURA kannte sie die Fähigkeiten ihres Schiffes und seinen Verwendungszweck. Der Auftrag verlangte dabei eher ein Schiff wie eine Fregatte oder einen Zerstörer, das aufgrund von Feuerkraft und Wendigkeit auch einer ausgewachsenen Raumschlacht nicht aus dem Weg gehen musste.

„Was sagen die Sensoren?“

„Viel Verkehr im System, aber darauf waren wir ja schon vorbereitet“, meldete der Sensoroffizier.

Sawyer überflog die schematische Darstellung auf dem Videoschirm.

„Konzentrieren wir uns auf militärische Flugbewegungen, Mr. Kane“, ordnete die Kommandantin der NAKAMURA an.

Sofort verschwanden zahlreiche Raumschiffe von der Darstellung und Sawyer erkannte zwei kleine Raumschiffe, die sich mit hoher Geschwindigkeit ihrer Position näherten.

„Richten wir unsere Aufmerksamkeit auf den Besuch, der in Kürze unsere Position erreichen wird.“

„Es handelt sich dabei um zwei Jagdmaschinen, die von ihrer Bauweise sehr an unsere Jäger erinnern. Sie verfügen jedoch über keine Deflektoren!“

Sawyer beobachtete den Flug der Maschinen. In Kürze würden sie in Reichweite ihrer Waffen kommen.

„Schilde hoch“, befahl die Kommandantin.

Einige Sekunden passierte gar nichts. „Die Jäger aktivieren ihre Waffensysteme und schalten sich auf uns auf!“, meldete Kane.

Sawyer grinste, denn sie hatte selbst Jahre hinter dem Steuerknüppel von Jagdmaschinen verbracht. Die Kommandantin konnte sich deshalb mühelos in die Psyche der Piloten versetzen.

„Außenkameras auf den Schirm schalten!“

Im Paarflug rasten die beiden Jagdmaschinen direkt auf die Kamera zu. Interessiert zog Nataly Sawyer die linke Augenbraue hoch. Die Piloten wollten so dicht es nur irgendwo ging, an der NAKAMURA vorbeifliegen. Sawyer hatte das selbst bei Kreuzern der eigenen Flotte, aber natürlich auch besonders gerne bei Schiffen des Feindes getan. Letztlich steckte immer die gleiche Frage dahinter, nämlich wer mehr Mumm hatte!

„Commander, die Schiffe kommen uns verdammt nahe. Sollten wir nicht die Abwehrbatterien aktivieren?“, meldete sich Captain Logan zu Wort.

„Haben Sie noch nie von einem Vorbeiflug gehört? Piloten spielen gerne mit dem Feuer“, fragte Sawyer grinsend.

Aber Logan hatte von diesen Manövern nicht nur gehört, sondern sie im Gegenteil auch oft selbst erlebt, wenn durchgeknallte Piloten mit ihren Maschinen im Tiefflug über Infanterieverbände hinweg gerast waren. Er hatte es gehasst!

Sawyer behielt die Videoaufnahme im Blick. Mal sehen, ob die Jungs wirklich Eier haben, dachte sie.

„Volle Impulskraft voraus!“

„Aye, Commander“, sagte der Steuermann grinsend.

Logan starrte abwechselnd vom Videoschirm zu Sawyer.

„Halten denn die Deflektoren zwei direkten Kollisionen mit Jägern aus?“

Sawyer ignorierte den aufgebrachten Oberbefehlshaber der Raumlandeinfanterie und konzentrierte sich auf den Videoschirm. „Lassen wir es doch einfach darauf ankommen!“

Logan schluckte. Kampfpiloten waren doch alle gleich irre!

Auf dem Videoschirm verfolgte Sawyer die Auswirkungen ihres Befehls. Da die NAKAMURA nun deutlich schneller geworden war und die Kampfpiloten einen Kurs sehr eng am Schiff vorbei gewählt hatten, passierte das, was Sawyer erwartet hatte. Blitzschnell zwangen die Piloten ihre Maschinen voneinander weg in unterschiedliche Richtungen. Der eine Jäger schoss unter der NAKAMURA entlang, der andere darüber hinweg.

„Einmal ist gratis, dass zweite Mal kostet es was!“, sagte Sawyer amüsiert. „Mr. Drake, volle Energie auf die Waffensysteme. Wenn unserer Besucher wiederkommen, bereiten wir ihnen einen schönen Empfang!“

Bevor Logan etwas sagen konnte, sah Sawyer ihn lächelnd an. „Auch das gehört unter Kampfpiloten zum Ritual des Kennenlernens!“

„Commander Sawyer, uns erreicht eine Videonachricht.“

Nataly grinste nur. „Natürlich. Auf den Schirm, Mr. Kane!“

Der Kopf eines der Kampfpiloten erschien auf dem Schirm.

„Sie befinden sich auf dem Territorium des Neranischen Reichs. Deaktivieren Sie umgehend ihre Schilde und übergeben Sie uns ihr Schiff!“

Die Reaktion von Commander Sawyer war eindeutig. Sie lachte ihren Gesprächspartner aus. „Ich bitte Sie, Commander! Die NAKAMURA wurde vom Oberkommando der axaraborianischen Raumflotte entsandt, da die neranische Flotte eines unserer Schiffe samt Besatzung widerrechtlich in ihren Besitz gebracht hat. Nehmen Sie ihren Kameraden und verschwinden Sie von hier, sonst verwandeln wir sie in zwei Miniatursonnen!“

„Sie befinden sich auf neranischem Territorium, befolgen sie unsere Befehle und deaktivieren Sie die Deflektoren!“, beharrte der Rottenführer.

„Verstanden, aber negativ. Verschwinden Sie von hier, wenn Sie nicht kooperieren wollen! NAKAMURA, Ende!“

Auf dem Videoschirm erschien nun ein ausführliches Taktikdisplay.

„Commander, die Jagdmaschinen nähern sich wieder mit hoher Geschwindigkeit!“

Sawyer verschränkte ihre Arme vor der Brust. Sie alleine trug die Verantwortung für diesen Einsatz und die Menschen auf diesem Schiff. Gleichzeitig wollte sie die Situation nicht noch zusätzlich durch vermeidbare Kampfhandlungen anheizen.

„Erteilen Sie Feuererlaubnis?“, fragte Drake von einem Puls aus.

„Negativ, bleiben Sie in Feuerbereitschaft. Wir verhalten uns defensiv, zumindest bis die Jungs uns mit Lenkwaffen angreifen!“

Die schlanken Jäger rasten mit aktivierten Nachbrennern frontal auf die NAKAMURA  zu. Dann waren sie in Reichweite ihrer Bordwaffen. Der Rottenführer legte seinen Zeigefinger auf den Auslöser der Waffen an seinem Steuerknüppel. Sein Herz raste. Würde das Schlachtschiff seine Abwehrbatterien aktivieren?

Dann hatten sie die NAKAMURA erreicht und schossen über das langgezogene Schiff hinweg. Der Pilot schluckte.

„Kurs auf Wegpunkt Zeta. Wir fliegen nach Hause, unser Job ist erledigt!“, befahl der Rottenführer über Funk.

In einer langgezogenen Kurve entfernten sich die Jäger nun wieder von der NAKAMURA und verschwanden in den Tiefen des Wheeler-Systems.

„Woher wussten sie, dass die Kerle nicht angreifen würden?“, wollte Logan wissen.

„Es wäre doch purer Selbstmord gewesen. Nur ein Idiot würde ein Schlachtschiff angreifen, wenn er selbst keine Schilde hat!“

Logan bedachte Sawyer mit einem undefinierbaren Blick.

„Oder sehen Sie das anders, Captain?“

Logan zuckte mit den Schultern. „Das ist wohl der Unterschied zwischen dem Verstand eines Piloten und dem eines Infanteristen!“

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7

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Cassio-System

Der Schiffsverband materialisierte und hielt mit voller Impulskraft auf den Planeten Rogadia zu. Die Vorhut bildeten zwei Zerstörer der Cerberus-Klasse. Dahinter folgte der Zerstörer ENDEAVOR, das Flaggschiff der kleinen Flotte, sowie drei Fregatten und ein Schiff der Yamato-Klasse. Die Nachhut bildeten zwei Trägerschiffe.

Admiral Jones saß auf seinem Platz auf der Brücke der ENDEAVOR und lächelte still in sich hinein.

„Sir, eine Fregatte der Flotte kontaktiert uns!“

„Auf den Schirm damit!“

Sofort erschien der Kommandant der Fregatte auf dem Display. „Guten Tag, Commander!“

Jones lächelte in sich hinein, als er den Ruck sah, der durch den Körper des Kommandanten ging. Anscheinend hatte er nicht mit einem Admiral gerechnet.

Ruckartig salutierte der Kommandant und Jones erwiderte den Gruß lässig.

„Wir sind auf einer routinemäßigen Piratenjagd in diesem System. Ich wurde nicht über eine so hohe Truppenpräsenz unterrichtet!“, begann der Kommandant zögerlich.

„Wir führen eine Übung durch und werden nur für kurze Zeit in diesem System sein. Setzen Sie Ihren Einsatz also unbedingt fort!“

Der Kommandant nickte Jones kurz zu. „Viel Erfolg bei Ihrer Übung, Admiral!“

Jones nickte, dann zeigte der Videoschirm wieder das taktische Display. Jones verzog sein Gesicht zu einem bösen Lächeln. Bürokratien hatten durchaus etwas mit Diktaturen gemeinsam. Ein ausreichend hoher Platz in der Hierarchie bot in beiden Herrschaftssystemen ein Maximum an Freiheiten.

„Stellen Sie eine Verbindung zu Präsident Hilmaz her und legen Sie sie bitte auf den Schirm im Kapitänszimmer, Consuelo!“

*

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DIE AUTOMATIKTÜR SCHLOSS sich, als Jones das Zimmer betrat, das sich direkt neben der Brücke befand.

Jones umrundete den übergroßen Schreibtisch aus Edelholz und ließ sich auf den gepolsterten Sessel dahinter fallen. Hinter ihm in der Wand stand ein Modell eines Segelschiffes, dessen Original als Namensgeberin für den Zerstörer fungiert hatte.

Das Kapitänszimmer stand Jones für alle offiziellen und informellen Anlässe zur Verfügung. Doch heute wollte er es aufgrund seiner absoluten Diskretion nutzen.

Ein akustisches Signal ertönte. „Verbindung zu Präsident Hilmaz steht bereit!“, erklang dann die Stimme der Kommunikationsoffizierin aus den Lautsprechern.

Jones drückte einen Knopf direkt vor sich auf der Oberfläche des Schreibtischs und aktivierte damit die Videoverbindung.

„Schön Sie zu sehen, Erol!“

Das Gesicht auf dem Bildschirm nickte kurz, war aber alles andere als erfreut.

„Was wollen Sie Jones? Warum bringen Sie gleich einen ganzen Kampfverband der Flotte in das System?“

Jones lächelte weiterhin, doch der Präsident verzog keine Miene.

„Sehen Sie, Erol... Es gibt da so etwas wie ein Problem, aber ich bin sicher das wir es gemeinsam lösen können!“

Der Präsident von Rogadia betrachtete den Admiral mit stechendem Blick. „So etwas wie ein Problem? Was verstehen Sie darunter?“

Jones zuckte mit den Schultern. Warum sollte er mit der Wahrheit hinter dem Berg halten, wenn es sowieso unvermeidlich war sie auszusprechen?

„Du hast die Förderung von Lithon verstaatlicht.“

Präsident Hilmaz nickte verstehend. Darum ging es dem Admiral also!

„Das ist ein Problem. Eines, dass Dich den Kopf kosten könnte!“

Jones sah, wie sich hektische Flecken auf dem Gesicht des Präsidenten bildeten. „Willst du mir drohen, Terry?“

„Es ist ganz einfach. Privatisiere die Förderung, wie es allgemein im Sternenreich üblich ist. Sonst verlange ich nichts!“

Hilmaz presste die Lippen zusammen und sagte kein Wort.

„Es soll natürlich auch nicht dein Schaden sein, du kennst mich ja. Meinen Freunden soll es schließlich gut gehen!“

„Wer sagt dir eigentlich, dass ich dieses Gespräch nicht einfach aufzeichne?“

Jones lachte hämisch. „Ach, Erol. Es gibt so viele Aufzeichnungen. Manche zeigen sogar hohe Staatsmänner wie sie ihre Assistentinnen vergewaltigen!“

Die Kiefer von Hilmaz mahlten übereinander. „Ich habe diese Schlampe nicht vergewaltigt, sie war doch von irgendwem bezahlt. Vermutlich von dir, Terry!“

Jones machte eine wegwerfende Handbewegung. „Wie gesagt, es gibt so viele Aufnahmen, die meisten verrotten in irgendwelchen Schubladen.“

„Und wenn ich nicht mitspiele?“

Jones breitete die Arme aus. „Laut dem letzten Bericht des Nachrichtendienstes habt ihr ja ziemliche Probleme mit Terroristen auf Rogadia. Falls es zu einem Anschlag kommen sollte, würden wir dem Planeten natürlich beistehen – wo wir doch gerade sowieso hier sind!“

„Ich verstehe!“

Dann sah Jones Hilmaz fest an. „Ich meine ich es absolut ernst. Du musst die Lithon Förderung privatisieren. Haben wir uns da verstanden?“

Hilmaz schien noch etwas sagen zu wollen, nickte dann aber stumm.

Jones zwinkerte ihm zu. „Du hast dich richtig entschieden, mein Freund.“

Dann trennte der Admiral die Verbindung und entspannte sich. Für einen kleinen Bluff war sein kleiner Schiffsverband jederzeit gut. Aber im Zweifel ließ sich natürlich auch immer ein Grund konstruieren, weshalb eine Intervention nötig war. Angriffe von Terroristen und Separatisten gab es schließlich überall. Es war nur bedauerlich, wenn ein hoher Offizieller des Planeten einem solchen Planeten zum Opfer fiel...

Jetzt hatte Jones noch ein weiteres Gespräch zu führen. Dieses Mal würde er die Kommunikationsverbindung selbst herstellen, denn dieses Gespräch war etwas delikater.

Mit flinken Fingern gab Jones die Kennung eines nicht registrierten Kommunikationspartners ein. Während die Verbindung hergestellt wurde, blieb der Videoschirm schwarz, denn es handelte sich lediglich um eine Sprachverbindung.

„Ja?“, meldete sich eine Stimme knapp angebunden.

„Die Vortexia Mining wird in naher Zukunft mit dem Abbau von Lithon auf Rogadia beginnen können. Die gesetzlichen Beschränkungen werden in Kürze aufgehoben werden!“

Einen Moment herrschte Stille am anderen Ende der Kommunikationsverbindung.

„Es ist wie immer eine Freude mit Ihnen Geschäfte zu machen, Admiral!“

„Ganz meinerseits, Mr. Howard!“

Dann wurde die Verbindung getrennt. Jones lehnte sich im bequemen Sessel zurück und legte seine Füße auf den Schreibtisch. Diese kleine Intervention würde sich in Form eines ansehnlichen Betrags auf einem seiner ohnehin schon gut gefüllten Nummernkonten auszahlen. Nach dem Ende seiner aktiven Dienstzeit in der Flotte würde er dann als Vorstandsmitglied bei Vortexia aktiv werden. Der Offizier hatte sein Schicksal schon immer gerne in die eigenen Hände genommen. Außerdem wurden immer Geschäfte gemacht, wenn dieser Deal nicht von ihm eingefädelt worden wäre, hätte eben jemand anderes profitiert. Das war der Lauf der Dinge!

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8

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An Bord der UROBOROS, Flaggschiff der axaraborianischen Raumflotte des Quadranten

Erneut waren die Kommandanten der Raumflotte auf der UROBOROS zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengekommen.

„Der Bordcomputer der CHUCK YEAGER hat eine automatisierte Nachricht per Subraumkommunikation an uns geschickt. Kommandant James Thornton hat den Selbstzerstörungsmechanismus ausgelöst und nach allem was wir wissen, wurde der Befehl auch ausgelöst. Über den Verbleib der Besatzungsmitglieder liegen uns keine Informationen vor.“

Betroffene Stille trat im Konferenzraum ein.

„Das bedeutet Krieg!“, sprach Admiral Blundell das Offensichtliche aus.

„Zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir lediglich von einem Raumkampf, bei dem die CHUCK YEAGER schwer beschädigt wurde. Was aber Commander Thornton nun genau zur Zerstörung des Fernaufklärers motiviert hat, wissen wir jedoch nicht.“

Eiskaltes Schweigen verbreitete sich unter den Offizieren.

„Was für eine Ungeheuerlichkeit! Die Nachfahren unserer Kolonisten erheben sich gegen uns. Das kann und darf die Raumflotte nicht akzeptieren“, ereiferte sich der dickliche Admiral Brewer.

„Bevor wir uns zu einem Schuss aus der Hüfte hinreißen lassen, sollten wir uns einen Überblick über die Situation verschaffen. Ich möchte daran erinnern, dass die NAKAMURA im Wheeler-System operiert.“

„Dann kann die NAKAMURA die nötigen Informationen für uns einholen. Sollte sich jedoch unser Verdacht bestätigen, muss der Hochadmiral in alle weiteren Entscheidungen einbezogen werden“, meldete sich nun auch Admiral Schneider zu Wort.

Dieser Vorschlag schien auf allgemeine Zustimmung zu stoßen. „Ich möchte um eine Abstimmung über diesen Antrag von Admiral Schneider bitten!“

Augenblicklich hoben alle stimmberechtigten Admiräle ihre Hand. Damit war der Antrag einstimmig angenommen worden.

Admiral Van Kinsbergen nickte Schneider zu. Der Vorschlag des Offiziers bedeutete vor allem einen Zeitgewinn. Vielleicht war ein Krieg wirklich unausweichlich, aber oftmals entschied die richtige Strategie um dessen Ausgang. Der Admiral wollte aber die Verschwendung von Material und Humankapital möglichst minimieren.

Damit war die Sitzung beendet. Jones verließ umringt von seinen Getreuen den Konferenzraum und dem Offizier war es nun nach etwas Konversation. Deshalb stand er ebenfalls von seinem Platz auf und schlenderte gelassen zum Platz von Schneider.

„Haben Sie schon neue Informationen über unseren gemeinsamen Freund?“

Schneider klappte gerade seine Aktentasche zu und erhob sich. „Sie meinen den Prinzen, der gerade mit seinem Gefolge die Tafelrunde verlassen hat?“ Schneider musste selbst über seinen Spruch schmunzeln. „Er hat wieder eine seiner Sauereien im Cassio-System abgezogen, aber wie immer habe ich  lediglich Indizien.“

Admiral Van Kinsbergen klopfte seinem Kollegen aufmunternd auf die Schulter. „Jones wird einen Fehler machen, das ist so sicher!“

Dann verließ der Admiral den Sitzungsraum in Richtung des Hangars, wo ein Shuttle bereitstand, um ihn auf sein Schiff zu bringen.

Schneider blieb allein im Sitzungssaal zurück. Sein Offizierskollege hatte natürlich recht, denn schließlich machte jeder irgendwann einmal einen Fehler. Doch Schneider war weniger Optimistisch als der andere Admiral, denn Jones hatte verdammt gute Arbeit geleistet und ein gigantisches Netzwerk innerhalb der Flotte aufgebaut.

Peer Schneider schätzte Admiral Van Kinsbergen als gewieften Strategen, doch vielleicht war er zu duldsam und gleichsam zu geduldig. Geduld war zwar immer noch eine der königlichen Tugenden, aber bisher war eben auch noch jeder König gestürzt!

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Wheeler-System, Planet Neran, Justizpalast

Commander James Thornton, Lieutenant Dirk Templeton, der Waffensystemoffizier Gregg Larson und der Sensoroffizier Thomas Rhodes kamen sich vor wie in einer Arena. Sie standen nebeneinander auf der ebenen Basisfläche, während sich darüber spiralförmig zahlreiche kreisförmige Ränge erhoben, die allesamt mit johlenden und grölenden Besuchern gefüllt waren. Wie viele Menschen es waren, konnte keiner der Männer von der CHUCK YEAGER abschätzen. Es war einfach eine lärmende, gesichtslose Masse!

Die Basis des Gerichtssaals wurde gesäumt von etwa zwanzig Wächtern, die mit schwerer Körperpanzerung ausgestattet waren und eher Raumlandeinfanteristen als herkömmlichen Gerichtsdienern glichen. Neben großkalibrigen Pistolen trug jeder der Soldaten eine respekteinflößende Klinge an seiner Seite.

Bevor über der ebenen Basis die Plätze für die Zuschauer anfingen, waren direkt darunter die Plätze für die aktiv an der Verhandlung beteiligten Juristen eingerichtet. Da die Ränge wie eine sich nach oben verbreiternde Spirale angelegt waren, war dies der Rang mit dem schmalsten Durchmesser.

Commander Thornton betrachtete die dort anwesenden Gestalten in ihren knallgelben Roben und den feuerroten Perücken, die ihn irgendwie an die historischen Zeichnungen aus den Gerichtssälen der Axarabors erinnerten, die er als kleiner Junge in der Schule gezeigt bekommen hatte.

Dann sah er, wie die Juristen seine Besatzung und ihn mit absolut hasserfüllten Blicken musterten. Wahrscheinlich sind das Ankläger und Richter in Personalunion, dachte der Kommandant.

Das Geschrei der Menge erreichte seinen bisherigen Höhepunkt und Templeton beugte sich zu Thornton herüber.

„Das ist ein verdammter Schauprozess!“

Thornton wusste, dass sein Erster Offizier recht hatte. „Abwarten!“, sagte er aber nur. Es machte einfach keinen Sinn, wenn seine Männer hier schon die Flinte ins Korn warfen. Es würde so oder so noch hart genug für sie werden!

„Seine Exzellenz Richter Zugoru Didiee betritt den Saal!“

Donnerte eine Stimme über eine Lautsprecheranlage, die sogar noch den Lärm der Masse übertönen konnte. Thornton hatte sich also getäuscht, denn das Neranische Sternenreich gönnte sich sogar den Luxus eines Richters für dieses Tribunal.

Instinktiv hatte Thornton schon damit gerechnet, dass die Massen nun verstummen würden. Doch anstelle dessen begannen die Menschen in einem eingängigen Rhythmus zu klatschen und riefen dazu „Didiee! Didiee! Didiee!“.

Dann erschien auch schon der angekündigte Richter auf dem obersten Rang des Justizpalasts in einer hellblauen Robe. Der Mann trat an die Brüstung und hob gebieterisch beide Arme. Ein greller Scheinwerfer richtete sich auf den Mann in der blauen Robe und begleitete ihn auf seinem Weg nach unten.

„Richter sind bei den Neranern wohl so etwas wie Stars“, rief Thornton zu seinen Männern herüber.

„Das ist lächerlich!“, stieß Templeton aus.

Zur Tatenlosigkeit verdammt beobachteten die angeblichen Delinquenten, wie ihr Richter endlich seinen Platz im Zentrum des ersten Ranges über ihnen einnahm. Unvermittelt stoppten den Klatschen und auch die Rufe. Es wurde so still wie auf einem Friedhof.

„Ich eröffne hiermit die Verhandlung des Neranischen Sternenreichs gegen die Spione der Axaraborischen Flotte dort unten!“

Frenetischer Jubel brandete unter den unzähligen Zuschauern auf.

Soviel zu einem fairen Prozess, dachte Thornton. Als er Templeton ansah, las er in seinem Blick ab, dass dieser genauso dachte. Die Männer der CHUCK YEAGER hatten hier keinerlei Gnade zu erwarten, denn es würde sie hier ausschließlich der blinde Zorn eines fremden Sternenreichs treffen.

„Männer des Raumschiffs aus Axarabor! Das Neranische Sternenreich wirft euch die Verletzung seines Hoheitsgebietes aufgrund von Spionage und zu verschwörerischen Zwecken vor. Bekennt ihr euch schuldig?“

Commander Thornton hatte dazu eine glasklare Meinung. „Nicht schuldig!“, gellte seine Stimme durch den Justizpalast.

Ein Raunen breitete sich aus, dem sich sofort Pfiffe und Buhrufe anschlossen. Einer nach dem anderen traten die anderen Besatzungsmitglieder vor und erklärten sich für nicht schuldig. Die Menge tobte und forderte Blut!

Der Richter Zugoru Didiee trat an die Brüstung und erhob erneut beide Arme und die Schreie der Menge erstarben schlagartig.

„Ihr könnt leugnen so viel ihr wollt. Die Beweislast ist erdrückend! Daran ändert auch die vorsätzliche Zerstörung eures Raumschiffs nichts, denn unsere Raumüberwachung hat euren Flug durch unsere Territorium absolut wahrheitsgetreu aufgezeichnet!“

Thornton kommentierte die Worte des Richters mit einem spöttischen Lächeln. Das einzige was ihnen die Neraner vorwerfen konnten, war der Flug durch das Wheeler-System. Alles andere war völliger Unsinn. Aber dem Kommandanten der CHUCK YEAGER dämmerte plötzlich der Sinn dieses Schauprozesses. Das Neranische Sternenreich nutzte ihn, um einen Krieg mit Axarabor provozieren. Anscheinend wollten einflussreiche Kräfte die nackte Konfrontation und hatten nur auf eine Gelegenheit gewartet!

Didiee zeigte mit seinem Zeigefinger auf Thornton. „Das Grinsen wird ihnen noch vergehen, Thornton. Als Kommandant der CHUCK YEAGER tragen nämlich Sie die Verantwortung für das Geschehen und nicht ihre Männer!“

Darauf erwachte die blutgierige und sensationslüsterne Meute wieder und erfüllte den Justizpalast mit ihrer Kakophonie.

Doch dann wurden die Männer in den gelben Roben aktiv und hoben nun ihrerseits gleichzeitig die Arme.

„Die Geschworenen haben ein Urteil gefällt!“, donnerte Didiee.

„Wie lautet das Urteil im Fall des Kommandanten James Thornton?“

„Schuldig! Schuldig! Schuldig!“, kreischten die angeblichen Geschworenen.

Ohne Pause fuhr der Richter fort. „Wie lautet das Urteil der Jury für den Ersten Offizier Dirk Templeton?“

„Schuldig! Schuldig! Schuldig!“

Templeton beugte sich zu Thornton herüber, als der Richter bereits den Namen des Waffensystemoffiziers nannte.

„Das wird aber irgendwie langweilig“, sagte er grinsend. Doch es war Galgenhumor, das erkannte Commander Thornton im Blick des Ersten Offiziers. Da gellte auch schon der Schuldspruch für Larson durch den Justizpalast. Natürlich war auch der Waffensystemoffizier schuldig.

„Und wie sieht das Urteil für den Sensoroffizier Thomas Rhodes aus?“

Templeton hielt es nicht mehr aus. „Spart Euch die Show. Für euch sind wir doch sowieso alle schuldig. Dafür reißt euch unsere Flotte noch den Arsch auf!“, schrie der Erste Offizier und entfesselte damit vollends den Zorn der Masse.

Dieses Mal beschränkten sich die Einheimischen nicht nur darauf, den Männern aus Axarabor wüste Beschimpfungen entgegenzuschleudern. Anstelle dessen wurden sie mit den Gegenständen beworfen, die gerade eben greifbar waren. Schuhe, Uhren und sogar kleine Operngläser wurden von den Rängen nach unten geworfen. Eine große Münze aus Silber traf Thornton an der Schläfe und schickte ihn zu Boden.

Templeton reichte seinem Kommandanten die Hand und zog ihn wieder auf die Beine. Gleichzeitig schaffte der Richter wieder Ruhe im Gerichtssaal.

„Nun möchte ich das Strafmaß verkünden!“, sagte er und blickte kalt auf die Angeklagten herab. „James Thornton verurteile ich zum Tod durch das Schwert...“, die jubilierenden Massen unterbrachen den Richter, der sich wieder um Ruhe bemühen musste. Commander Thornton blieb äußerlich gelassen, doch er konnte in dem Moment kaum noch durchatmen. Sein Herz raste. War sein Ende tatsächlich besiegelt? Oder blufften die Neraner nur, um ein Faustpfand für die Verhandlungen mit Axarabor zu haben?

„Der Erste Offizier Dirk Templeton hat mit seiner Hassrede demonstriert, dass er ebenso ein Überzeugungstäter ist wie sein Kommandant. Ich verurteile ihn zu lebenslanger Zwangsarbeit in den Bergwerken von Simerien. Die beiden anderen Besatzungsmitglieder erhalten eine Strafe von jeweils 20 Jahren Zwangsarbeit in den Bergwerken!“

Unschlüssig betrachtete Thornton die Rampe, über die sie in den Gerichtssaal gekommen waren. Sie war der einzige Fluchtweg für die Männer der CHUCK YEAGER, wären davor nicht die Wächter gewesen, die sie sicher liebend gerne ins Jenseits befördert hätten.

In diesem Moment sah Thornton eine Bewegung am Ende der Rampe. Es kam jemand!

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Wheeler-System, An Bord der NAKAMURA

Der Kommunikationsoffizier hatte soeben die Nachricht des Flottenoberkommandos vorgelesen. Nataly Sawyer saß stumm auf ihrem Platz und dachte darüber nach. Der Status ihrer Mission hatte sich soeben drastisch verändert.

„Mr. Kane, senden Sie auf allen existierenden Kanälen folgende Botschaft.“ Die Kommandantin der NAKAMURA machte eine kurze Pause, dann nickte sie stumm.  „Die Raumflotte von Axarabor vermisst eines ihrer Raumschiffe samt seiner Besatzung. Wir bestehen auf einer Klärung des Sachverhalts und einer Auslieferung unserer Kameraden. Andernfalls wird dies unweigerlich zu schwerwiegenden Konsequenzen führen!“

„Aye, Commander!“, bestätigte Kane und sendete die Nachricht. Ein Signal quittierte den Abschluss dieses Vorgangs.

„Was glauben Sie, wie die Neraner reagieren werden, Logan?“

Der Captain der Raumlandeinfanterie straffte sich. „Ich denke, wir sind vogelfrei. Jetzt ist die Jagd auf uns freigegeben.“

Sawyer nickte, denn sie glaubte nicht mehr an eine mögliche Verhandlungsbasis mit diesem Gegner.

Die Kommandantin stand von ihrem Platz auf. Es war bisher ein langer Dienst gewesen, vielleicht zu lange. Nataly brauchte etwas Schlaf. „Captain Logan, sie haben die Brücke. Ich brauche dringend eine Pause!“

In diesem Moment hörte Sawyer erneut ein Signal und drehte sich zu zum Sensoroffizier um.

„Commander, wir haben eine Antwort des neranischen Reichs!“

„Auf den Schirm, Mr. Kane!“

Auf dem Videoschirm erschien ein Mann im mittleren Alter. Er trug Bart und eine schiffchenförmige Kopfbedeckung aus schwarzem Samt.

„Ich bin Kaiser Mohammed Al Faroukis. Axarabor hat in diesem System nichts mehr verloren, diese Zeiten sind längst vorbei. Verschwinden Sie mit der NAKAMURA, Sie sind hier nicht erwünscht und ich kann auch nicht für ihre Sicherheit garantieren. Desweiteren findet soeben eine Sitzung des Kriegsgericht statt, damit ihre Kameraden ihre gerechte Strafe erhalten!!“

Sawyer blieb äußerlich völlig gelassen als sie antwortete. „Sie entfachen einen Sturm, eure Hoheit. Lassen Sie unsere Männer frei, dann können Sie vielleicht noch einen Krieg mit Axarabor verhindern!“

Doch Nataly Sawyer sollte darauf keine Antwort mehr bekommen, denn der Videoschirm verdunkelte sich langsam. Der Kaiser des neranischen Sternenreichs hatte die Verbindung abgebrochen.

„Also stehen wir am Vorabend eines Kriegs“, sagte Logan.

„Eigentlich tobt er doch schon. Es ist nur eine Frage, wann wir mittendrin sind“, entgegnete Sawyer.

Nataly Sawyer stand immer noch wie angewurzelt auf der Brücke der NAKAMURA. Die NAKAMURA war zum jetzigen Zeitpunkt das einzige Schiff der Flotte im Wheeler-System und damit wohl tatsächlich vogelfrei. Die Flotte musste von der Reaktion des neranischen Kaisers unterrichtet werden, damit sie der NAKAMURA neue Befehle geben konnte.

„Mr. Kane, stellen Sie mir eine Verbindung zum Flaggschiff der Flotte her. Ich möchte die Besprechung im Kapitänszimmer führen.“

Sawyer wartete einen Moment. Als sich Captain Logan nicht rührte, sah sie ihn unvermittelt an. „Ich wünsche diese Unterredung mit einem kommissarischen Ersten Offizier zu führen!“

Logan grinste. „Wer hätte gedacht, dass ich auf meine alten Tage noch so einen Karrieresprung hinlege?“

Zusammen betraten die beiden Offiziere das Kapitänszimmer.

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Wheeler-System, Planet Neran, Justizpalast

Dann sah auch Templeton die Gestalt. Es war ein wahrer Gigant. Und es konnte keine Frage über die Rolle des Mannes geben. Es war der Henker!

Der massige Mann trug eine Kombination, die aus einem roten Gewand mit weiten Puffärmeln, einem ebenso roten Turban, gelben Hosen und Stiefeln bestand. Das auffallendste Merkmal war neben der reinen Masse des Hünen aber nicht sein Gewand, sondern der geradezu monströse Zweihänder, denn er mit fast spielerischer Leichtigkeit in einer Hand trug.

Dann fiel der Blick des Ersten Offiziers auf den nicht minder gefährlich aussehenden Dolch in einer Scheide am Gürtel des Henkers. Wenn der Hieb des Schwertes nicht saß, würde er damit seinen Auftrag erfüllen.

Blitzschnell huschte der Blick von Templeton zu seinen Kameraden von der CHUCK YEAGER. Sowohl Larson als auch Rhodes waren ebenso schockiert wie auch der Erste Offizier es war.

Larson bemerkte den Blick von Templeton und erwiderte ihn. Dann nickte der Waffensystemoffizier unmerklich in Richtung des Henkers.

Templeton verstand sofort, was Larson ihm signalisieren wollte. Sein Kamerad wollte den Henker angreifen, bevor er Hand an ihren Kommandanten anlegen konnte.

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738923643
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v448627
Schlagworte
raumflotte axarabor krieg falken

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Titel: Die Raumflotte von Axarabor #40: Der Krieg der Falken