Lade Inhalt...

Die Raumflotte von Axarabor #39: Kriegsspiele im All

©2018 70 Seiten
Reihe: Axarabor, Band 39

Zusammenfassung

Kriegsspiele im All

Die Raumflotte von Axarabor - Band 39

von Wilfried A. Hary

Der Umfang dieses Buchs entspricht 68 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Die Koordinaten waren eindeutig. Nur die Beschreibung des Ziels war eher dürftig. Auf der anderen Seite jedoch hochbrisant: Hier, in diesem Sonnensystem, das keine nähere Bezeichnung hatte, sollte sich ein ganz besonderer Stützpunkt des Adakoni-Kartells befinden!

Leseprobe

image
image
image

Kriegsspiele im All

image

Die Raumflotte von Axarabor -  Band 39

von Wilfried A. Hary

Der Umfang dieses Buchs entspricht 68 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Die Koordinaten waren eindeutig. Nur die Beschreibung des Ziels war eher dürftig. Auf der anderen Seite jedoch hochbrisant: Hier, in diesem Sonnensystem, das keine nähere Bezeichnung hatte, sollte sich ein ganz besonderer Stützpunkt des Adakoni-Kartells befinden!

image
image
image

Copyright

image

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

image
image
image

1

image

Das jedenfalls behaupteten die Gefangenen, die man hatte machen können: Adakoni-Piraten, die Brisantes zu Tage gefördert hatten. Nicht ganz freiwillig zwar, aber die Raumflotte von Axarabor hatte da ihre Methoden, auch dann etwas zu erfahren, wenn sich die Betreffenden am liebsten stumm wie die sprichwörtlichen Fische gegeben hätten.

Und deshalb war die schnelle Eingreiftruppe von Admiral Sandor Shatmari jetzt hier vor Ort, um sich Klarheit zu verschaffen.

Vorerst ohne Kampfauftrag, nur als eine Art Spähtrupp, bestehend aus fünf Kriegsschiffen der Kreuzerklasse. Das Flottenkommando wollte nicht gleich eine ganze Armada entsenden, solange man nicht wusste, was einen dort erwartete.

Also war Vorsicht geboten. Und Zurückhaltung.

Nicht gerade die hervorstechenden Eigenschaften des Admirals. Aber er war hier zum Zuge gekommen, weil es ausgerechnet ihm gelungen war, diese Gefangenen zu machen. Immerhin. Also lag es in erster Linie auch an ihm, für größere Klarheit zu sorgen.

Sicherheitshalber sorgte er dafür, dass seine fünf Kreuzer gefechtsbereit waren, bevor sie sich aufteilten, um eine strategisch optimierte Formation einzunehmen.

Das Leitschiff mit dem Admiral an Bord näherte sich allein der namenlosen Welt, die aus der Ferne erste Scanergebnisse ermöglichte.

Durchaus ermutigend, wie er fand. Zumindest was die Ökologie dieser Welt betraf. Sie war auf jeden Fall bewohnbar.

Die Frage jedoch blieb: Wohnte dort auch jemand?

Und wenn ja: Wer war es?

Mit wie vielen Bewohnern konnte man überhaupt rechnen – und was machte ausgerechnet diese eine Welt für das Adakoni-Kartell so besonders wertvoll?

Falls die Angaben überhaupt stimmten...

image
image
image

2

image

Hundert Welten wurden von dem Adakoni-Kartell unterdrückt, ausgebeutet, geknechtet und gequält. Mord, Totschlag, Vergewaltigung waren das Geschäft des Kartells.

Für die Raumflotte von Axarabor ein organisiertes Bandentum der schlimmsten Sorte. Schlimmer als alles, was es jemals in dieser Art gegeben hatte. Und größer!

Immerhin war es der Raumflotte gelungen, den Herrschaftsbereich des Kartells von vormals mehr als zweihundert Welten herunter zu schrumpfen auf weniger als hundert. Längst wären es noch weniger geworden, hätte man die Koordinaten jener Welten gekannt.

In einer Galaxis mit weit über einhundert Milliarden Sonnen war das Auffinden einzelner Welten noch wesentlich schwieriger als das berüchtigte Auffinden einer Nadel im Heuhaufen. Mit anderen Worten: Es war praktisch unmöglich. Also war man auf Zufälle und vor allem auf jeglichen noch so vagen Hinweis angewiesen.

Wie in diesem speziellen Fall.

Wie gebannt starrte Sandor Shatmari auf die Projektion der Zielwelt. Es gab dort offensichtlich nicht einmal Überwachungssatelliten. Oder verstand es der Gegner, diese so perfekt zu tarnen, dass man sie nicht sehen konnte?

Der Admiral sah aus wie aus dem Bilderbuch des optimalen Militaristen entsprungen: Groß, vierschrötig, Nussknackerkinn, Bürstenhaarschnitt – und stets so bärbeißig, als sei er übel gelaunt. Obwohl er zurzeit eigentlich überhaupt keine Laune hatte. Er war einfach nur gesteigert aufmerksam, damit ihm ja auch nicht das Geringste entging.

Der Abstand zwischen den Kreuzern war groß genug, um einem gleichzeitigen Angriff vorzubeugen – und klein genug, um gegenseitigen Feuerschutz zu gewährleisten.

Im Abstand von einer Million Kilometern zur Zielwelt ließ der Admiral den Kurs ändern, damit sein Schiff ganz allmählich in einen großzügigen Orbit um den Planeten einschwenken konnte.

Sämtliche Scanner arbeiteten auf Hochtouren.

Nichts. Gar nichts!

In technischer Hinsicht scheinbar ein toter Planet. Es schien auf der Oberfläche nur primitives Leben zu herrschen und die Luft war mit Sicherheit atembar.

Der Orbit wurde erreicht, sämtliche Messinstrumente arbeiteten weiterhin auf Hochtouren. Gleichzeitig wurden sämtliche Kommunikationskanäle überprüft.

Immer noch nichts.

Natürlich fehlte auch die übliche Aufforderung bei der Annäherung an eine bewohnte Welt, sich zu erkennen zu geben.

Auf Tarnung hatte der Admiral bewusst verzichtet. Obwohl er eigentlich ja betulich hatte vorgehen sollen. Weil er eben nicht hier war, um so etwas wie einen Kampf zu provozieren. Denn das wäre nicht im Sinne der Hohen Admiralität gewesen.

Wenn es hier zum Scharmützel kam, war es immerhin möglich, dass sich das Kartell von allen anderen Welten, die von den Gefangenen verraten werden konnten, zurück zogen, ehe dort die Flotte auftauchte. Jegliche Kampfhandlung würde also unweigerlich der Vorwarnung dienen.

Dem Admiral war das indessen ziemlich egal. Er war keiner, der auf Schleichen setzte. Ganz und gar nicht. Poltern war eher sein Ding.

Außerdem war er ein erklärter Freund rascher Ergebnisse. Anschleichen gehörte seiner Meinung nach sicherlich nicht zum Erfolgsrezept eines rein ergebnisorientierten Militärs...

Selbst nach Stunden im Orbit jedoch blieb die ernüchternde Erkenntnis bestehen: „Da gibt es nichts!“

Der erste Offizier an seiner Seite hatte es ausgesprochen.

Der Kopf des Admirals flog herum. Sein Blick schien töten zu wollen, aber der Erste war das längst gewöhnt. Ihn ließ das kalt.

„Eine belebte, aber unbewohnte Welt!“, verkündete er unverblümt seine Meinung.

„Und wieso gilt ausgerechnet diese Welt als besonders wichtig innerhalb des Kartells?“, bellte der Admiral.

Der Erste zuckte gleichmütig die Achseln: „Sind wir nicht allein deshalb hier, um genau dieses herauszufinden?“

Shatmari schnaubte nur unwillig.

image
image
image

3

image

Weitere Stunden vergingen. Nur die Männer und Frauen an Bord der fünf Kreuzer wussten, dass nicht einfach nur abgewartet wurde, sondern dass diese Stunden mit emsiger Beschäftigung ausgefüllt waren.

Nach diesen Stunden hatte man immerhin alles in Erfahrung bringen können, was man aus dem Weltraum heraus in Erfahrung bringen konnte.

Ansonsten: Fehlanzeige! Auf der ganzen Linie wohlgemerkt.

Der erste Offizier schien völlig richtig zu liegen, wenn er annahm, dass sie sich hier umsonst bemühten. Eigentlich blieb nur noch eine einzige Erklärung im Bereich der Möglichkeiten:

Sie waren in die Irre geführt worden!

Aber wie war es möglich, dass die Gefangenen unter verschärften Bedingungen beim Verhör zu so etwas wie Lügen fähig waren?

Im Grunde genommen unmöglich. Im Grunde genommen wohlgemerkt. Und in diesem speziellen Fall?

„Was tun?“, erkundigte sich der erste Offizier ohne Umschweife.

„Vorschlag?“, war die noch knappere Gegenfrage des Admirals.

„Meldung machen und weitere Befehle einholen!“, schlug der Erste vor.

Der Admiral schüttelte bedächtig den Kopf.

„Nein!“, sagte er schließlich. „Wir haben noch nicht alles ausgeschöpft.“

„So?“, wunderte sich sein erster Offizier. „Haben wir nicht?“

„Na, sind wir etwa auf dieser scheiß Welt bereits gelandet oder was?“

Der erste Offizier schürzte die Lippen und schien nachzudenken. Dann:

„Nein!“

„Also haben wir doch noch nicht alles ausgeschöpft, nicht wahr?“

„In Ordnung, landen wir mit dem Schiff oder mit einem Beiboot?“

„Mit dem Schiff!“

Das war Befehl genug. Der Kreuzer leitete ein Bremsmanöver ein, um den Orbit zu verlassen.

Der Admiral hatte es dabei keineswegs eilig.

Sein erster Offizier beobachtete ihn heimlich von der Seite und wunderte sich. Er, der ganz und gar nicht wie ein typischer Soldat wirkte, war eigentlich das krasse Gegenteil des Admirals. Auf der Straße hätte man ihn für einen einfachen Büroangestellten gehalten. Leicht übergewichtig, um nicht zu sagen untersetzt behäbig, bevorzugt in Kleidung gehüllt, die mindestens eine halbe Nummer zu groß erschien, körperlich natürlich kleiner als der Admiral...

Aber er war nicht erster Offizier geworden, weil er nichts drauf hatte. Das hatte er sogar in jeglicher Hinsicht.

Donar Änn war besonders deshalb erster Offizier des Raumkreuzers TOMAHAWK geworden, weil er ein Elitekämpfer war, obwohl ihm das niemand ansehen konnte. Natürlich zusätzlich zu seiner fachlichen Qualifikation. Was ihn sogar zum ersten Offizier an Bord des Leitschiffes hatte werden lassen, unmittelbar dem Admiral unterstellt und dessen Stellvertreter.

Normalerweise wurden kleinere Kampftrupps, die aus fünf Kreuzern oder ähnlich kampfstarken Einheiten bestanden, niemals von einem Kommandanten im Range eines Admirals angeführt. Der schnelle Eingreiftrupp unter Shatmari war da eine absolute Ausnahme. Das wussten aber außer den unmittelbar Beteiligten nur noch die obersten Kommandierenden der Raumflotte von Axarabor.

Mit anderen Worten: Eigentlich wurde dieser Kampftrupp nur in ganz speziellen Fällen eingesetzt.

War dies hier ein solch spezieller Fall?

Anscheinend ja, wenn man die Auffassung des Flottenkommandos in Betracht zog. Shatmari selbst war bislang skeptisch geblieben.

Seine Skepsis war mit jeder Minute, die er sich in diesem System befand, sogar noch gestiegen. Was ihn jedoch nicht unvorsichtig werden ließ.

Nach wie vor arbeiteten sämtliche Ortungs- und Scaneinheiten mit Hochdruck. Sogar Nanosonden waren bereit, aber diese wollte er erst später einsetzen, wenn überhaupt, denn sie mochte er nicht sonderlich, ohne dies begründen zu können.

Erst einmal wollte er auf dieser Welt landen.

Von der Bord-KI ließ er sich Vorschläge für einen geeigneten Landeplatz heraussuchen. Das dauerte nur Sekunden, nachdem die wichtigsten Daten längst gesammelt waren.

Shatmari entschied sich für den Nordkontinent des überwiegend mit Wasser bedeckten Planeten. Dort gab es einen Landstrich, der nicht so dicht bewachsen war, ohne jedoch gleich Wüste oder auch nur Steppe zu sein.

Alle verfolgten das Manöver vor und während des Landevorgangs voller Spannung. Die geringste Abweichung würde den sofortigen Alarmstart auslösen. Schneller als es ein Mensch überhaupt vermocht hätte, also vollautomatisch von der KI gesteuert.

Es wurde nicht nötig.

Bis das Schiff den Boden berührte.

Die Natur außerhalb schien den Atem anzuhalten. Kein Geräusch drang über die Außenmikrophone herein.

Eine Ruhe, die allerdings nur Sekunden anhielt. Dann hatte sich die Natur anscheinend von ihrem Schock erholt, den die Landung verursacht hatte. Das Zirpen, Quietschen, Kreischen  und Rauschen wurde so unerträglich, dass die Lautstärke automatisch herunter geregelt werden musste.

Zu sehen war eine Art Tundra, übersät mit Buschreihen, mannigfaltigen Arten von Farngewächsen in allen Größen und auch kleinere, irgendwie verkrüppelt wirkende Baumgruppen. Eine reichlich gemischt aussehende Landschaft. Die Pflanzen ähnelten denen von anderen Welten, hatten jedoch ihre individuellen Merkmale, die sie von allen anderen unterschieden.

Wie so üblich auf einer Stickstoffwelt mit hohem Sauerstoffanteil.

Eigentlich waren die Welten untereinander relativ ähnlich. Je nach Alter, also je nach Entwicklungsstand der Oberflächennatur.

Sicher schien vor allem eines zu sein:

„Diese Welt sieht so aus, als hätte noch niemals zuvor eines Menschen Fuß sie berührt!“

Es war wieder Donar Änn, der erste Offizier der TOMAHAWK, der es wagte, ohne Rücksicht auf die Laune des Admirals, solches auszusprechen.

image
image
image

4

image

Bevor Admiral Sandor Shatmari seinen Leuten mitteilen konnte, wie er sich ein weiteres Vorgehen vorstellte, gellte der Alarm durch das Schiff.

Die KI erläuterte, was den Alarm ausgelöst hatte:

„Unbekanntes Flugobjekt. Geschwindigkeit: Geschätzte dreifache Schallgeschwindigkeit. Flugobjekt nur in der optischen Erfassung. Keinerlei Ortung möglich.“

Nur in der optischen Erfassung? Das war ein Unding an sich. Wenn etwas so deutlich sichtbar war, musste man es auch orten können. Das ergab doch sonst keinen Sinn.

Ein Alarmstart wurde nicht vorgenommen. Anscheinend wurde das Flugobjekt dafür von der KI nicht als gefährlich genug eingeschätzt.

„Schutzschirme!“, bellte der Admiral trotzdem.

„Sind aktiviert!“, meldete der Feuerleitstand unter der Leitung von Krobar Tolum im Rang eines Hauptmannes.

Er hatte noch nicht ganz ausgesprochen, als sich aus dem anfliegenden Objekt ein Feuerstrahl löste und mit annähernder Lichtgeschwindigkeit die TOMAHAWK erreichte.

Er schlug in die Schutzschirme ein, wurde dort zerstreut und verursachte ein Feuerwerk, das sie für Sekundenbruchteile komplett jeglicher Sicht in dieser Richtung beraubte.

Als die Sicht wieder frei wurde, meldete die KI:

„Unbekanntes Flugobjekt nicht mehr sichtbar!“

„Wie bitte?“, ächzte irgendwer.

Der Admiral ignorierte es. Er bellte:

„Schutzschirme maximale Stärke bei Bodenaufenthalt!“

„Ist gewährt!“, meldete Hauptmann Tolum.

„Meldung an den Verband“, lautete der nächste Befehl, in Richtung Funkleitstand gebellt, der gleichzeitig die Kommunikationszentrale war, wenn man so wollte: „Wir wurden angegriffen! Gegner unbekannt. Angriff abgewehrt. Angreifer hat sich...“ Er zögerte kurz. Dann fuhr der fort: „Gegner hat sich zurückgezogen.“

Grimmig betrachtete er die Bildgebung. Verdammt, wohin konnte der Gegner so schnell verschwinden? Das war doch nicht möglich. Nicht mit dreifacher Schallgeschwindigkeit jedenfalls. Dafür waren sie nicht lange genug der direkten Sicht beraubt geblieben.

Per Ortung war der Gegner sowieso nicht erfasst worden. Also kam nur die optische Erfassung in Frage.

Fehlanzeige!

Bedeutete das wirklich, dass sich der Angreifer zurückgezogen hatte? Oder tat er nur so, weil er sich perfekt zu tarnen verstand?

Und wo befand er sich dann?

Weiterhin im Anflug?

Aber dann hätte man es anhand der Verdrängung der Luftmassen durchaus feststellen können.

Es wurden keine Luftmassen verdrängt.

„Der unbekannte Angreifer hat auch vor dem Schuss und vor seinem Verschwinden keinerlei Luftmassen verdrängt!“, kam es aus der Ecke der Ortungszentrale unter der Leitung der einzigen Frau in der Zentrale Hauptmann Conina Dorino.

„Was, bei den Raumverschlingern...“ Admiral Sandor Shatmari brach erschüttert ab. Und schon wieder durchfuhr es ihn:

Das alles ergibt doch nicht den geringsten Sinn!

Was war das für ein Angreifer gewesen? Ein Phantom oder was? Aber immerhin eines mit Feuerkraft...

„Noch etwas!“, merkte die Leiterin der Ortungszentrale vorsichtig an.

„Was denn noch?“, herrschte der Admiral sie an.

Sie ließ sich nicht wirklich einschüchtern:

„Der Schuss hat ausschließlich Wirkung auf die Schutzschirme gehabt. Er hätte eigentlich als Reststrahlung und auch als Nebeneffekt Auswirkungen auf die Umgebung haben müssen. Hat es aber nicht. Zumindest ist nichts dergleichen nachweisbar.

Alles ist so dort draußen, als sei überhaupt kein Schuss erfolgt.“

Admiral Sandor Shatmari stierte sie an, als hätte er sie noch nie zuvor in seinem Leben gesehen.

Er war bekannt dafür, dass er nicht gerade ein Frauenfreund war. Anscheinend kam er beim weiblichen Geschlecht als Mann nicht besonders gut an und konnte das keiner verzeihen. So jedenfalls die Theorie von Hauptmann Conina Dorino. Immerhin musste es ja einen Grund gehabt haben, dass sie hier in der Zentrale die einzige Frau war. Sie nahm an, dass es sich dabei um eine Art Alibiposten handelte, gegen das erklärte Votum des Admirals.

Andererseits machte sie gut und gern ihre Arbeit. Der Admiral sollte niemals Gelegenheit bekommen, ihr so etwas wie Versagen vorwerfen zu können.

Bis jetzt jedenfalls. Und würde sich das jetzt ändern?

„Wie erklären sie sich das?“, bellte er.

„Gar nicht!“, gab sie zu.

Keineswegs kleinlaut. Nein, das würde sie gegenüber dem Admiral niemals sein. Sie hatte es sich zumindest fest vorgenommen, schon bevor sie diesen Posten übernommen hatte.

Der erste Offizier seufzte ergeben.

„Da passt nicht das eine zum anderen. Eine Unmöglichkeit jagt sozusagen die nächste.“

„In der Tat!“, meldete sich jetzt der Funkleitstand unter der Leitung von Hauptmann Zolan Schubur zu Wort. Das klang jetzt durchaus kleinlaut.

„Was denn nun schon wieder?“, regte sich der Admiral auf. Und wenn sich Admiral Sandor Shatmari einmal aufregte...

Hauptmann Schubur rief schnell:

„Kein Kontakt mehr zu den anderen Einheiten!“

„Was?“ Für einen Augenblick lang sah es so aus, als wollte der Admiral aufspringen und sich auf den Funkleitoffizier stürzen. Doch er blieb sitzen und schüttelte den Kopf.

„Weiter versuchen!“

„Keinerlei Funk. Als wäre das Gerät ausgefallen. Doch laut Anzeigen ist es vollkommen intakt. Es ist gerade so... – bitte, es fällt mir zwar schwer, es so zu formulieren, aber es geht nicht anders: Es ist gerade so, als wäre Hyperraum-Funk überhaupt nicht mehr möglich.“

„Etwa als würde uns jemand perfekt von außen abschirmen?“, rief jetzt der erste Offizier dazwischen.

„Ja, könnte so sein, aber dann würde es so etwas wie ein geringfügiges Echo geben bei jedem Funkversuch. Gibt es aber nicht. Es ist wirklich so, als würde es sich bei der gesamten Anlage nur noch um ein nicht wirklich funktionierendes Kinderspielzeug handeln.“

„Also Abschirmung!“, entschied der Admiral kurz angebunden. „Ob nun typisch oder nicht: Was ist hier überhaupt noch typisch? Aber dann werden die vier Kreuzer aufmerksam und forschen nach.“

„Wollen Sie tatsächlich so lange hier am Boden warten?“, wollte Donar Änn an seiner Seite wissen.

„Nicht mehr lange!“, wich der Admiral aus und kontrollierte sämtliche Anzeigen.

Zwischendurch warf er immer wieder einen Blick auf die Bildgebung.

Ein weiterer Angreifer blieb aus. Niemand schien sich um sie zu kümmern.

Wer denn überhaupt, wenn es hier laut ihren Scans gar niemanden gab?

„Wie sieht es mit den Nanosonden aus?“, fragte jetzt Ortungsoffizier Hauptmann Conina Dorino, mal wieder ohne die eigentlich übliche Anrede Admiral.

Shatmari schien es nicht zu bemerken.

Details

Seiten
70
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738923636
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Mai)
Schlagworte
raumflotte axarabor kriegsspiele
Zurück

Titel: Die Raumflotte von Axarabor #39: Kriegsspiele im All