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CIRCLE C – RANCH #30: Allein in der Wüste

2018 120 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Title Page

Allein in der Wüste

Klappentext:

Roman:

CIRCLE C – RANCH

 

Band 30

 

Allein in der Wüste

 

Ein Western von Heinz Squarra

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author / Cover 2018: Tony Masero

Redaktion und Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2018 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Klappentext:

Fünf Longhorn-Rinder sind von der Weide der Circle C-Ranch gestohlen worden. Die Spur der verschwundenen Tiere führt in die Wüste. Buster Tom Copper und seine Männer glauben, dass die Apachen hinter diesem Raub stecken. Bei der Suche bekommen sie unerwartete Unterstützung von einem Trupp Soldaten aus Fort Mason.

Aber die Apachen haben nichts mit dem Viehdiebstahl zu tun. Je weiter Tom Copper und die Soldaten in die Wüste vorstoßen, umso bedrohlicher wird es für sie. Denn die Apachen haben die Weißen natürlich schon längst erspäht. Langsam aber sicher schließt sich der tödliche Ring um die Männer. Der Tod hat schon längst seine Hand nach ihnen ausgestreckt. Und als die Männer von der Circle C-Ranch herausfinden, wer wirklich den Viehdiebstahl begangen hat, kommt die Erkenntnis zu spät. Denn jetzt greifen die Apachen an!

 

 

 

 

Roman:

Sie spähten über das Dickicht, in dem überall Rinder standen, die sich bewegten.

„Ich sehe niemanden“, sagte Sam Cohler, der krummbeinige Texaner, schließlich. „Und ich höre auch nichts! Und du, Rock?“

Rock Gillam schüttelte den Kopf und blickte Jimmy an.

„Jetzt höre ich sie auch nicht mehr“, erwiderte Jimmy Copper. „Aber vorhin habe ich sie gehört!“

„Ich dachte, du hättest geschlafen.“ Der Texaner, er war nicht älter als Jimmy, grinste schief und ungläubig. Plötzlich wieherte ein Pferd.

Die Männer zuckten herum und starrten wieder auf das Dickicht.

„Unsere Pferde stehen auf der anderen Seite“, sagte Jimmy Copper gepresst. „Glaubt ihr es nun?“

Der junge Texaner fluchte nur leise und repetierte sein Gewehr aufgeregt. Eine Patrone flog auf den Boden und rollte durch den Sand.

„Reiter!“, sagte Jimmy Copper zischend. „Das Feuer aus!“

Die beiden Cowboys sprangen auf und traten auf das kleine Feuer zwischen den Büschen. Die Flammen verloschen. Eine kleine Rauchfahne zog durch die mondhelle Nacht zum Himmel. Die Männer bückten sich nach ihren Gewehren und lauschten.

Lauter als vorher schallte das klagende Heulen der Wölfe durch die Nacht.

Dann knackte das Dickicht, wieder wieherte ein Pferd und eine barsche Stimme gab ein Kommando.

Jimmy ging um die beiden Cowboys herum.

„Hier stehen Rinder, Sir!“, rief eine Stimme. „Eine ganze Herde, wie es scheint!“

„Halt!“, kommandierte die barsche Stimme.

Da konnte Jimmy Copper den Reiterpulk sehen und rief: „Wer ist das?“

„Absitzen!“, schrie die barsche Stimme.

Im nächsten Augenblick waren die Reiter verschwunden.

„Hier sind Leute der Circle C-Ranch!“, rief Jimmy. „Zeigt euch, oder wir schießen!“ .

„Nun mal nicht so hitzig“, knurrte der besonnene Rock Gillam, ein lederhäutiger, behäbiger Mann von bereits vierzig Jahren. „Das waren garantiert mehr als zwanzig Mann.“

„Die sind es noch“, brummte der junge Texaner. „Und ich wette, es sind Soldaten!“

„Wie viele seid ihr?“, rief die barsche Stimme durch das Dickicht.

„Das werdet ihr sehen, wenn ihr hier seid“, sagte Jimmy. „Kommen Sie allein!“

Das Dickicht raschelte, dann tauchte eine Gestalt auf, die ein Gewehr in der Hand hatte. Im Mondschein erkannte Jimmy einen hageren, großen Mann, der eine Uniform trug und die Rangabzeichen eines Captains auf den Schultern hatte. Der Offizier blieb vor der Feuerstelle stehen und blickte von einem zum anderen.

„Captain Pearson aus Fort Mason“, sagte der Mann mit der barschen Stimme. „Ist sonst niemand hier?“

„Wir sind genug“, entgegnete Jimmy .„Warum schleichen Sie sich nachts an unser Camp an?“

Der Offizier blickte immer noch herum, dann rief er: „Hier sind sie offenbar nicht, Lieutenant!“

Hinter den Büschen tauchten die Gestalten wieder auf und kamen mit ihren Pferden näher. Eine Minute später waren Jimmy und die beiden Cowboys von den Soldaten eingeschlossen. Ein großer Lieutenant mit einem schmalen Gesicht blieb neben dem Captain stehen.

„Wir suchen eine Indianerbande“, sagte der Captain. „Seit wann seid ihr hier?“

„Seit drei Tagen“, sagte Jimmy.

„Und ihr habt keine Indianer gesehen?“

„Wir haben seit Wochen keine Indianer gesehen. Und wir kommen mit Cochise ganz gut zurecht.“

Der Captain grinste abfällig. „Kann ich mir denken. Ihr gebt ihm, was er haben will, was?“

„Wir versuchen, mit den Indianern auszukommen, weil wir hier leben wollen“, erwiderte Jimmy schroff. „Was geht es Sie an? Gewehre liefern wir den Apachen nicht.“

„Eine ganze Bande ist über die Grenze gekommen“, erklärte der Lieutenant. „Sie haben ein paar Farmer überfallen und getötet. Und sie sind weiter nach Norden. Wir sind schon zweimal mit ihnen zusammengestoßen, aber sie konnten uns immer wieder entwischen. In den Bergen am Rand der Wüste haben wir die Spuren dann verloren. Das war gestern Morgen.“

„Wie viele?“, wollte der junge Texaner wissen.

„Es waren mindestens fünfzig. Vierzig werden davon noch übrig sein. Sie sind gefährlicher als wir denken. Wir waren einunddreißig und sind jetzt noch zweiundzwanzig.“

„Das dürfte diese Männer kaum interessieren, Mr. Hale!“, zischte der Captain. „Ihr habt also keine Indianer gesehen?“

„Nein, verdammt“, schimpfte Jimmy. „Und wir wollen auch keine sehen.“

„Danach wird diese Bande nicht fragen. Und sie hat ganz bestimmt nichts mit Cochise zu tun. Euer Geschäft mit ihm interessiert sie nicht. Ich hoffe, Sie haben mich verstanden.“ Der Captain tippte an seinen hellen Hut und winkte einem Mann. „Mein Pferd, Sergeant. Wir reiten sofort nach Süden zurück. Sie müssen noch in den Bergen sein. Treibt euer Vieh näher an die Ranch heran! Wenn wir die Bande nicht finden und vernichten können, taucht sie früher oder später hier auf.“

Ein dicker Sergeant von etwa fünfzig Jahren zog ein großes Pferd an Jimmy vorbei. Der Captain griff nach den Zügeln.

„Lassen Sie aufsitzen, Mr. Hale. Wir haben keine Zeit zu verlieren!“

„Aufsitzen!“, kommandierte der Lieutenant.

„Und sagen Sie allen Leuten Bescheid!“, rief der Captain. „Am besten auch in Tucson!“ Dann ritt er durch das Dickicht, und seine Reiter folgten ihm in einer langen Kette.

Als die Reiter verschwunden waren, setzte sich der junge Texaner neben die Feuerstelle und legte sein Gewehr auf seinen Sattel.

„Eine mordende Indianerbande, die aus Mexiko kommt“, knurrte Rock Gillam. „Das hat uns genau noch gefehlt.“

Staub wehte über das Camp und verdunkelte das Mondlicht. Schnell wurde der Hufschlag leiser.

„Und nun?“, fragte der Texaner. „Zu dritt können wir die Rinder nicht wegtreiben.“

Jimmy setzte sich ebenfalls. „Wer weiß, ob sie wirklich bis hierher kommen.“

„Dein Vater muss es auf jeden Fall wissen, Jimmy.“ Gillam stellte sein Gewehr auf den Boden und stützte die Hände auf die Mündung. „Also, wer von uns reitet und sagt es ihm?“

Jimmy blickte den jungen Texaner an.

„Ich nicht“, sagte der sofort.

„Dann also ich“, meinte Gillam. „In fünf Stunden bin ich zurück.“

Der Hufschlag verklang in der Ferne. Der junge Texaner zog Schwefelhölzer aus der Tasche, steckte sie aber wieder ein.

Jimmy stand auf und blickte über die Büsche. Unentschlossen nahm er das Gewehr von einer Hand in die andere.

„Was machen wir denn nun?“, fragte der Texaner mürrisch. „An Schlaf ist doch nicht mehr zu denken.“

Jimmy ging in die Hocke. „Was sollen wir machen? Wir müssen abwarten und aufpassen.“

„Die Soldaten hatten ziemliche Verluste, was?“

„Kann man wohl sagen.“ Jimmy stand wieder auf.

„Angst?“ Der junge Texaner grinste unsicher.

„Kennst du die Apachen?“

„Ich bin noch nicht lange hier. Aber ich kenne die Comanchen. Das wird kaum ein Unterschied sein.“ Sam Cohler stand auch wieder auf. „Man kann das Dickicht nicht übersehen. Vielleicht sind sie doch in der Nähe! Vielleicht waren sie schon vor den Soldaten da!“

„Warum bist du denn nicht zur Ranch geritten, wenn du Angst hast?“, fragte Jimmy scharf. „Denkst du, sie lauern auf dem Wege dorthin?“

„Dummes Zeug“, knurrte Cohler. „Ich habe keine Angst, verstanden! Du musst jetzt nur sagen, was wir machen wollen.“

„Was willst du denn machen?“

„Vielleicht sollten wir uns umsehen. Na ja, damit wir wissen, ob wir hier sicher sind!“

Jimmy sah die Angst in den Augen des jungen Texaners leuchten. Sam Cohler war ein hitziger Bursche, der keinem Streit aus dem Weg gegangen war, seit er vor ein paar Wochen auf die Ranch gekommen war. Aber jetzt hatte er Angst.

„Die Indianer sind mir unheimlich“, sagte Cohler gepresst. „Ja, ich bin deswegen nicht geritten. Allein ist es furchtbar. Sie haben meinen Vater umgebracht und meine Mutter verschleppt. Vor zehn Jahren. Ich habe von meiner Mutter nie mehr gehört.“

„Das tut mir leid, Sam. Also komm, sehen wir uns um, ob wir hier noch sicher sind.“

 

*

 

Sie verließen das Camp und umgingen die Büsche, die Gewehre mit den Kolben unter die Arme geklemmt. Cohler blieb immer wieder stehen und lauschte. Dann warf er sich jäh zu Boden, als vor ihnen ein Schatten zwischen den Büschen auftauchte.

„Es ist ein Rind“, sagte Jimmy leise, um den jungen Texaner nicht noch mehr zu erschrecken.

Sam Cohler stand leise fluchend auf und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

Jimmy ging weiter. Cohler folgte ihm. Er fluchte noch immer. Das Rind trottete weiter und verschwand in den raschelnden Büschen.

Sie schlugen einen großen Bogen um das ganze Camp, konnten aber nirgends etwas Verdächtiges finden. Schließlich gingen sie zum Camp zurück und setzten sich auf den Boden. Der junge Texaner starrte den Sand an.

„Ich werde es keinem Menschen sagen“, versprach Jimmy. „Wie war das damals?“

„Wir hatten einen Keller unter der Hütte ausgehoben. Mein Vater schob mich hinunter. Ich hörte, wie geschossen wurde, hörte die Schreie und das Stöhnen, und dann begriff ich, dass sie im Haus waren.“ Cohler rieb sich mit dem Handrücken über die heiße Stirn. „Jede Sekunde dachte ich, jetzt müsste die Falltür aufgehen. Aber sie ging nicht auf. Dann wurde es still. Ich weiß nicht, wann ich den Keller verließ. Mein Vater lag direkt neben der Falltür. Sie hatten ihn skalpiert. Und meine Mutter war verschwunden. Das war alles.“

„Das tut mir leid für dich, Sam.“

Cohler versuchte zu lächeln, aber es gelang ihm nicht. „Immer, wenn ein paar mehr dabei sind, gebe ich fürchterlich an. Dann merkt niemand was von der Angst.“

„Vor den Indianern haben wir alle Angst“, erwiderte Jimmy. „Jedes mal, wenn wir sie sehen, hoffen wir, sie reiten vorbei.“

„Ob dein Vater die Rinder näher zur Ranch holen lässt?“, fragte der junge Texaner.

„Keine Ahnung, Sam. Vielleicht schickt er Rock allein zurück und sagt ihm, wir sollten die Augen offenhalten, Die Rinder brauchen Wasser. Wo sollen sie das alle bei der Ranch finden? So groß ist der Brunnensee nicht.“

„Ja.“ Cohler stand auf. „Es muss bald Tag werden. Wie weit ist es bis Fort Mason, woher die Soldaten kamen?“

„Von hier aus über fünfzig Meilen, Sam.“

„Dann ist der Captain weit geritten, was?“

„Ja. Hier dürften die Soldaten aus Camp Lowell zuständig sein. Wer weiß, vielleicht will der Captain die Bande unbedingt selbst vernichten. Die Soldaten sahen nicht aus, als hätten sie Spaß an der Verfolgung. Wir nehmen die Pferde und reiten noch mal alles ab.“

 

*

 

Sie hatten sich fast zwei Meilen vom Camp entfernt und hielten dort, wo sie den Staketenzaun im Westen zwischen den Büschen sehen konnten. Das graue Morgenlicht hatte die Schwärze der Nacht verdrängt.

Jimmy schnalzte mit der Zunge und ritt weiter. Der Cowboy folgte ihm, das Gewehr noch immer in der Hand. Jimmy erreichte das steinige Bachbett und sah den armdicken Wasserlauf darin. Noch ein paar Stunden, dann würde die Hitze das Wasser verdunsten lassen, noch bevor es hierher kam. Er blickte über den Bach hinweg. Hinter dem Staketenzaun wurden die Büsche spärlicher, waren mit Kakteen und kahlen Lavafelsen vermischt, und dahinter begann die Wüste. Sie hatten den großen Pferch errichtet, damit die Rinder nicht weiterlaufen sollten.

Cohler blickte den Bachlauf hinauf und hinunter, dann folgte er Jimmy, der nach Süden ritt. Das Gestrüpp wurde noch einmal dichter, und ein paar Longhorns standen dazwischen.

Plötzlich hielt Jimmy an und blickte wieder über das steinige Bachbett hinweg. Zwischen zwei Salbeibüschen klaffte ein Loch im Zaun.

Cohler war mit einem Satz aus dem Sattel, sprang über den Bach und schob das Geäst des einen Busches zur Seite. Jimmy sah das Loch deutlicher und lenkte sein Pferd herum.

„Das waren keine Rinder“, sagte der Texaner gedehnt. „Jemand hat mit einer Axt nachgeholfen!“

Jimmy ritt bis dicht an das Bachbett heran. Das Loch im Zaun war gerade so groß, dass ein Longhorn hindurch konnte.

„Bestimmt, das war eine Axt!“

„Ja.“ Jimmy ritt über das Bachbett hinweg und durch das Loch im Zaun. Zwischen den spärlichen Büschen und den Kakteen und Felsen sah er Hufeindrücke von Rindern. Erst dort, wo die letzten Grasnarben zu Ende waren, konnte er auch Hufspuren entdecken. Er stieg aus dem Sattel und bückte sich.

Jimmy blickte höher und sah die Spur wie eine geschlängelte Linie nach Südwesten führen. Er führte sein Pferd weiter, bis um ihn nur noch Kakteen und Felsen waren. Dann wartete er, bis der junge Texaner bei ihm war.

„Beschlagene Pferde“, sagte Sam Cohler. „In Texas ritten die Indianer unbeschlagene Pferde!“

„Pferde können gestohlen sein“, sagte Jimmy und blickte in die Wüste hinaus, deren Endlosigkeit die graue Dämmerung und dünne Morgennebel noch verhüllten.

Cohler ging ein Stück weiter, kniete sich in den Sand und tastete die Spuren ab. „Das war aber nicht in dieser Nacht“, sagte er schließlich. „Schon in der letzten wurden hier Rinder weggeführt.“

„Gestohlen.“

„Ja, gestohlen, Jimmy. Der Rancher, bei dem ich in Texas war, hat Viehdiebe an dem nächsten Baum gehenkt. An dem nächsten, den er finden konnte!“

„Komisch, dass wir gar nichts gemerkt haben“, gab Jimmy zurück.

„Es ist zu weit zum Camp, und hier waren wir seit Tagen nicht mehr.“

Jimmy ging ein Stück weiter und kniete sich dann wieder in den Sand. „Sieht aus, als wären es nur zwei Reiter gewesen. Zwei Reiter, die etwa fünf Rinder geholt haben. Sind die Indianer hier in Arizona so bescheiden?“

„Sie stehlen, was sie gerade brauchen. Jedenfalls, wenn sie unterwegs sind.“

„Dann müssen es auch diese Indianer gewesen sein. Aber wieso können sie in der letzten Nacht schon hiergewesen sein?“

„Vielleicht waren sie es auch nicht. Wir kehren um, Sam.“

„Was? Willst du der Spur nicht folgen?“

„Nein. Wir müssen warten, bis Rock kommt. Hast du jetzt keine Angst mehr, dass du der Spur folgen willst?“

Sam Cohler grinste schief. „Am Tage ist es nicht so schlimm wie in der Nacht.“

Jimmy stieg auf sein Pferd und ritt auf der Spur zurück und durch das Loch im Zaun. Er hörte, dass der Texaner ihm folgte. Sie brachen durch das Dickicht und ritten nach Osten. Nach etwa zehn Minuten hallte das Krachen eines Schusses über das Dickicht.

Sie hielten an und lauschten.

„Winchester, würde ich sagen.“ Cohler blickte Jimmy an.

Jimmy zog das Gewehr aus dem Sattelschuh und schoss in die Luft. In der nächsten Minute fiel in der Ferne wieder ein Schuss. Jimmy Copper schob das Gewehr in den Scabbard zurück und trieb sein Pferd an. Hintereinander ritten sie durch das Dickicht. Überall vor ihnen flohen Rinder aus ihrem Weg. Dann sahen sie die Reiter auftauchen und hielten wieder.

Jimmy erkannte, dass Rock Gillam von seinem Vater und dem Vormann begleitet wurde. Der große Tom Copper, dessen graue Schläfen jetzt schon zu erkennen waren, hielt die Augen zusammengekniffen. Der Vormann machte ein unzufriedenes Gesicht und brummte unaufhörlich vor sich hin. Dann hielten die Reiter.

„Wo kommt ihr denn her?“, fragte der Rancher. „Konntet ihr nicht im Camp warten?“

„Es ist nicht so einfach, wenn man nur zu zweit ist und tausend Stimmen durch die Büsche schallen“, gab Jimmy zurück.

Matt Jackson fluchte lauter und rieb mit der Hand durch seinen knisternden Stoppelbart.

„Jimmy ist wegen mir mitgeritten“, mischte sich der junge Texaner ein. „Ich habe es einfach nicht mehr an dem Platz ausgehalten. Mir war es, als wären überall Fratzen, die mich angrinsen.“

„Das ist ein Texaner, Buster Tom.“ Der Vormann gähnte. „Letzte Woche auf der Ranch hat er so getan, als würde es zwischen der Gila-Wüste und dem Pecos River keinen Mann geben, der mit dem Revolver schneller ist als er.“

„Vielleicht gibt es auch keinen!“, erwiderte Cohler aufsässig und legte die Hand auf den tiefgeschnallten Kolben seines Colts. „Was hat das mit Indianern zu tun?“

„Nichts“, sagte der Rancher. „Habt ihr nun Indianer gesehen?“

„Indianer nicht“, erwiderte Jimmy. „Aber ein Loch in unserem Zaun, durch das ein paar Rinder verschwunden sind. Vielleicht fünf, die von zwei Reitern begleitet wurden.“

„Reiter mit beschlagenen Pferden“, sagte Sam Cohler und ließ den Revolverkolben wieder los. „Du sagst mir sicher Bescheid, wenn du es doch noch mit mir versuchen willst, Vormann, was?“

„Natürlich, mein Junge“, gab Matt Jackson zurück. „Ich sage dir Bescheid, sobald du lange genug gelebt hast.“

„Aufhören!“, kommandierte der Rancher. „Zwei beschlagene Pferde also“, sinnierte der Rancher. „In der vorletzten Nacht.“

„Dann wird man die Spur nicht weit verfolgen können, Buster Tom.“ Der Vormann richtete sich im Sattel auf. „Der Sand wird sie zugedeckt haben.“

Tom Copper stieg auf sein Pferd. „Wenn die Soldaten die Indianer verfolgt haben und von Süden kamen, dann können die Apachen unmöglich vor dreißig Stunden schon hier gewesen sein. Habt ihr denn vorgestern gar keinen Reiter gesehen?“

Jimmy blickte Sam Cohler an, der den Kopf schüttelte.

„Keinen“, sagte Rock Gillam. „Es ist nur ein paar Minuten zu reiten, Boss. Dann kannst du es selbst sehen.“

 

*

 

Der große, hagere Rancher kam zurück. Die Männer blickten ihm entgegen und hörten, wie die Halfter seines Revolvers gegen seine Chaps klatschte.

Über der Wüste hatten sich die Nebelfelder verdichtet, so dass manche der spitzen Felsen aussahen, als würden sie auf Wolken schweben.

Tom Copper blieb stehen und blickte zu Matt Jackson hinauf.

„Wenn ich nur wüsste, wo die Indianer jetzt sind“, sagte der Rancher verdrossen.

„Fünf Rinder, das ist nicht viel“, knurrte der Vormann und gähnte wieder.

„Was ist denn nur mit Matt?“, fragte Jimmy.

„Der kann neuerdings Tag und Nacht schlafen“, meinte der Rancher. „Zuerst werden uns fünf Rinder gestohlen, dann vielleicht zehn und schließlich fünfzig. Man darf das gar nicht erst einreißen lassen. Was sagst du denn dazu, Jimmy?“

Der junge Copper blickte seinen Vater verblüfft an. „Was ich dazu sage?“

„Ja! Rede ich denn nicht deutlich genug? Wir sind so wenige, dass wir darüber reden müssen.“

„Es ist nicht, weil wir wenige sind“, erklärte der Vormann. „Es ist, weil wir auf Indianer anstatt auf Viehdiebe treffen könnten. Vielleicht hat Morrison auch damit zu tun.“

„Unwahrscheinlich, dass er fünf Rinder von uns in die Wüste schaffen lässt“, entgegnete der Rancher. „Überhaupt, wer stiehlt fünf Rinder? Die Hunger haben, stehlen ein Rind. Die das Vieh verkaufen wollen, nehmen mindestens fünfzig.“

"Es können auch viele Männer Hunger haben“, sagte der Vormann. „Sehr viele, Buster Tom!“

„Dann müssten es doch die Indianer sein.“

Der Vormann blickte über die Schulter und sah das flammende Morgenrot über den Büschen. „Gleich geht die Sonne auf“, erklärte er. „Dann wird es da draußen in der Wüste schön warm.“ Der Rancher nagte sich an der Lippe und blickte von einem zum anderen. Schließlich sagte er: „Ob fünf oder zehn, wir können uns das nicht bieten lassen. Jimmy, füllt alle Flaschen und die Schläuche! Jetzt ist noch Wasser im Bach.“

Jimmy stieg ab. Der junge Texaner folgte seinem Beispiel und sammelte die Flaschen ein, während Jimmy die Wasserschläuche nahm. Sie gingen zum Bach zurück und ließen den armdicken Wasserstrahl über die Flaschen und Schläuche laufen.

„Aus dem Vormann werde ich nicht schlau, Jimmy. Würde der es wirklich mit mir versuchen?“

„Mit dem Revolver?“

„Ja.“

„Keiner würde es mit dir versuchen, Sam. Bei meinem Vater gibt es solche Späße nicht. Das müsstest du eigentlich schon bemerkt haben. Im übrigen ist der Vormann ein feiner Kerl. Er ist mit meinem Vater zusammen, solange ich denken kann. Und wenn hier überhaupt einer im Ernst widersprechen kann, dann ist er es.“

 

*

 

„Ich hab’ doch gleich gesagt, dass der Sand die Spur zugedeckt hat“, schimpfte Matt Jackson und hielt sein Pferd an.

Nur noch vereinzelt standen Kakteen und Felsen in dem weiten, welligen Sandmeer der Wüste. Glühend wie Feuer stach die Sonne vom Himmel und zeichnete die schwarzen Schatten der Reiter auf den unebenen Boden.

Tom Copper stieg ab und lief hin und her. Der feine Sand knirschte unter seinen Stiefeln. Er suchte hinter Kakteen und Vulkanfelsen den Boden ab und kam dann zurück. Die anderen Männer sahen seinem Gesicht an, dass er nichts gefunden hatte.

„Es ist sinnlos“, sagte der Vormann und blickte nach Süden, wo in der Ferne die grauen Felshänge der Berge zu sehen waren.

„Vielleicht finden wir die Spur wieder.“ Tom Copper stieg auf sein Pferd und ritt weiter, den Blick zum Boden gerichtet.

„Also dann.“ Der Vormann folgte dem Rancher.

Rock Gillam zuckte die Schultern, als er neben Jimmy und dem jungen Texaner weiterritt.

Kakteen und Felsen blieben zurück. Sie ritten ein Stück über kahles Lavagestein, dann bedeckte wieder Sand den Boden. Hinter ihnen wehte eine dünne Staubfahne in der Luft.

Nach zehn Minuten hielt der Rancher wieder an. Eine breite, noch ziemlich frisch aussehende Spur führte von Norden kommend nach Süden.

Der Vormann warf nur einen Blick auf die Eindrücke, dann sagte er: „Das dürften die Soldaten aus Fort Mason gewesen sein. Sie sind wieder in die Berge, Buster Tom.“

Der Rancher hob den Kopf und blickte zu den fernen Granitfelsen, von denen sie alle wussten, dass sie sich dreißig Meilen weit nach Süden hinunterzogen.

„Haben die Soldaten nicht irgendwen außer den Indianern gesehen?“ Tom Copper blickte seinen Sohn an.

„Sie haben nichts gesagt“, antwortete Jimmy. „Oder haben Sie was gehört, Rock?“

„Nein.“

„Die Soldaten holen wir sicher noch ein“, sagte der Vormann. „Vielleicht haben sie doch jemanden gesehen und nur nichts davon gesagt. Oder sie haben wenigstens eine Spur gefunden, als sie von Süden kamen. So langsam wird mir das mit den Rindern auch komisch. Man treibt doch keine fünf Rinder in die Wüste!“

„Weiter!“ Der Rancher schnalzte mit der Zunge.

Sie folgten der Spur der Soldaten, erreichten die Berge aber erst, als die Sonne über ihnen stand und die Gluthitze ihre Schultern mit voller Wucht traf. Sie ritten in eine hundert Yard breite Schlucht hinein, zu deren Seiten sich terrassenförmige rote Felsen erhoben, die aber schon bald dichter zusammentraten. Dann wurden Steilwände daraus, zwischen denen die Luft stickig in der Hitze stand und das Atmen schwer machte. Nur noch manchmal sahen sie eine Spur im Sand oder einen Kratzer auf einem Stein, der darauf hinwies, dass hier Reiter vorbeigekommen waren. Dann fiel die Schlucht in eine unwegsame Tiefe ab, und sie mussten einem Hohlweg folgen, der schmal wurde und anstieg.

Matt Jackson wischte sich immer öfter den Schweiß mit dem Halstuch vom Gesicht. Dann kamen sie über ein Plateau und sahen die Schlucht in der Tiefe wieder. Sie war von Geröll übersät, aber hier und da standen ein paar trockene Büsche, die kaum Blätter hatten und fast keine Schatten warfen.

Tom Copper ritt vor den anderen über das Plateau hinweg und sagte: „Noch eine Meile. Wenn wir die Soldaten dann nicht treffen, kehren wir um!“

Hinter dem Plateau nahm sie ein Hohlweg auf, der sich wieder senkte. Mit jedem Yard schien die glühende Hitze zwischen den Felsen stärker zu werden. Der Vormann fluchte und wischte sich wieder über das Gesicht. Er blickte dabei zum Himmel und sah plötzlich eine Gestalt auf der Felswand. Ein grausam verzerrtes Gesicht blickte zu ihm herunter, das zwei weiße Striche, die quer über die Nase liefen, hässlich und gefährlich aussehen ließen.

„Achtung, Indianer!“, schrie der Vormann mit überkippender Stimme.

Im gleichen Augenblick waren noch mehr bronzefarbene Gesichter auf den Felsen. Ein Pfeil schwirrte herunter und zerbrach neben Tom Coppers Pferd auf dem harten Boden. Gellendes Geschrei schallte in den Hohlweg. Das Pferd des Ranchers stieg in die Höhe, wirbelte mit den Hufen durch die Luft und wieherte scharf.

Sie spornten die Pferde an und griffen nach den Revolvern.

Matt Jackson und der junge Texaner schossen als erste. Ein Indianer stieß einen Schrei aus und stürzte mit ausgebreiteten Armen in den Hohlweg herunter. Hinter den losstürmenden Pferden schlug er auf das Gestein.

Sie hieben auf die Pferde ein und stießen ihnen die Sporen in die Flanken. Großkalibrige Gewehre entluden sich hinter ihnen, und Pfeile flogen vorbei. Eine Kugel schrammte irgendwo gegen das Gestein und pfiff über sie hinweg.

Hinter ihnen hob wildes Geschrei an.

Jimmy blickte zurück und sah Indianer durch den Hohlweg kommen.

„Sie müssen sich irgendwo versteckt haben!“, schrie der junge Texaner, dem die Angst ins Gesicht geschrieben stand,

Sie schossen hinter sich und sahen einen Indianer vom Pferd stürzen und sich überschlagen.

„Achtung!“, schrie der Rancher, als sich vor ihm eine Kluft im Boden auftat. Da flog sein Pferd schon darüber hinweg.

Die anderen Tiere folgten. Als Jimmys Pferd zum Sprung ansetzte, wurde es getroffen, wieherte und stoppte so jäh, dass seine Vorderhufe ins Leere fielen.

Jimmy schrie erschrocken und flog über den einknickenden Pferdehals hinweg. Er überschlug sich in der Luft, sah unter sich einen Busch in dem klaffenden Spalt und landete in der nächsten Sekunde schon darin. Aber die Wucht riss den Busch aus der Wand und ließ ihn mit dem Mann tiefer fallen. Der Busch prallte gegen die jetzt schräg abfallende Wand und flog auseinander.

Für einen winzigen Moment sah Jimmy Pferde oben über den Spalt springen, und er hörte das infernalische Geschrei der Indianer. Dann gingen die Geräusche im Poltern losgerissenen Gesteins unter. Jimmy schrammte abermals gegen die Wand und rollte sich überschlagend eine Rinne hinunter, um mit einem jähen Aufprall gestoppt zu werden.

Gestein ging über ihn hinweg. Obwohl er nicht wusste, wo er war und wo sich oben und unten befand, zog er noch den Kopf ein und hielt die Arme schützend darüber. Die Steine trafen ihn, dass es wie tausend Nadelstiche durch seinen Körper zuckte, rollten über ihn hinweg und schlugen irgendwo knallend auf. Dann verklangen die Geräusche. Jimmy hörte das Geschrei wieder, aber es schien sich zu entfernen. Er ließ die Arme sinken und wälzte sich herum. Über ihm schob sich das Gestein wie ein Trichter auseinander, und darüber war der fahlgrüne Himmel mit der Sonne, die in großer Höhe ein Staubvorhang zu verdecken schien. Er hörte Schüsse und Schreie wieder lauter, dann, abermals leiser werden.

Jimmy wälzte sich stöhnend herum. Ein paar kleine Steine rollten von ihm und klickerten gegen andere. Er setzte sich. Er saß am Ende des Spalts und sah einen Riss, hinter dem es hell war. Er fragte sich, wo sein Pferd geblieben war und blickte abermals zur Höhe hinauf. Da sah er den Kopf des Tieres, der über eine Abstufung ragte. Das Pferd musste auf der anderen Wandseite abgestürzt und dort oben liegengeblieben sein. Er tastete seine Arme und Beine ab, dann stand er auf und bewegte sich. Alles schien heil geblieben zu sein.

Alkalistaub rieselte aus seinen Kleidern und fiel auf das angehäufte Gestein, unter dem der zerschmetterte Busch begraben lag. Er begriff den Zufall nicht, der ihn vor dem Ende der Rinne angehalten hatte.

Dann lauschte er. Manchmal drang das entfernte Kampfgetümmel noch zu ihm herunter, bis es schließlich ganz unhörbar wurde. Er schleppte sich ächzend durch den Gesteinsriss. Das Gestein unter seinen Füßen bewegte sich mit prasselnden Geräuschen. Seine Schultern scheuerten immer wieder gegen den bizarr geformten Felsen. Über ihm war der Trichter zu einem winzigen Riss geworden.

Dann stand er am Ende des Spalts und sah vor sich eine Schlucht, die von Gestein übersät war. Da und dort standen ein paar trockene Büsche, die aussahen, als wären sie auch schon zu Stein geworden. Er wagte sich nicht hinaus, weil er fürchtete, die Indianer könnten ihn sehen. Denn die, die er auf den Felsen gesehen hatte, konnten sich an der Verfolgung nicht beteiligt haben. Er kauerte sich an die Wand und wartete, ohne zu wissen, worauf.

 

*

 

Tom Coppers Pferd setzte über einen Wall. Vor dem Rancher stieg der Boden des Hohlweges wieder an. Buster Tom riss das Pferd scharf zurück und sprang aus dem Sattel.

Die anderen sprengten vorbei, parierten die Pferde und sprangen ebenfalls ab. Sie zerrten die Gewehre aus den Scabbards und ließen die Pferde los. Einer nach dem anderen rannten sie zurück und warfen sich am Wall neben den Rancher.

Der Hufschlag der Verfolgermustangs ging wie ein Brausen über die Männer hinweg. Dann tauchten die ersten auf und kamen wie der Sturm den Hohlweg herunter.

Tom Coppers Gewehr spie Feuer aus, der Kolben schlug ihm hart gegen die Schulter und der Pulverrauch wehte ihm ins Gesicht. Die anderen feuerten ebenfalls. Schaurig wieherten Pferde und stiegen in die Höhe. Das Geschrei der Indianer nahm zu. Eine Gestalt in einer fast unkenntlichen Armeeuniform rollte über den Weg. Die nachdrängenden Apachen stießen mit den tänzelnden Pferden zusammen, und der ganze Pulk kam zum Stehen.

„Feuer!“, schrie der Rancher und schoss wieder.

Das Krachen der Gewehre raste hundertfach zwischen den Steilwänden hin und her, dass es klang, als wären es fünfzig Männer, die gleichzeitig schossen.

Pferde brachen zusammen. Indianer kamen mit Pfeil und Bogen, andere mit Gewehren um die Tiere gerannt und schossen.

Die vier Männer repetierten die Gewehre und schossen wieder. Ein paar Indianer brachen zusammen. Andere sprangen über sie hinweg.

Sam Cohler ließ das Gewehr fallen und feuerte fünfmal aus seinem Revolver, dass es wie ein einziger Schuss klang, aber von ihm wurden zwei der Apachen gestoppt und zu Boden geworfen.

Die anderen blieben unentschlossen stehen. Einer gab ein kehliges Kommando, Pfeile schwirrten über den Wall oder zerbrachen davor auf dem Gestein.

Wieder entluden sich die Gewehre. Sie schossen die Läufe heiß und sahen die schnatternden Indianer zurückdrängen.

„Weiter!“, schrie der Rancher und schoss wieder.

Rock Gillam schrie etwas, kletterte auf den Wall und schoss stehend auf die teuflische Horde.

„Zurück!“, brüllte der Vormann und wollte nach Gillams Bein greifen. Da zuckte der lederhäutige Cowboy zusammen.

Sie sahen einen Pfeil, der sich in Gillams Brust gebohrt hatte. Der Cowboy schwankte rückwärts, stürzte vom Wall und blieb auf dem Rücken liegen.

Sie waren so erschrocken, dass keiner mehr schoss. Alle starrten auf den Cowboy, der gellend schrie, dem Blut aus dem Mund lief und der beide Hände um den Pfeilschaft presste, der ihm aus der Brust ragte. Tom Copper war der Mund so trocken, dass er nichts zu sagen vermochte. Endlich brüllte der Vormann: „Schießen! Los, weiter, wenn ihr leben wollt!“

Tom Copper kniete sich. Der Vormann und der junge Texaner hatten sich abgewandt und feuerten wieder. Die alten Gewehre der Indianer entluden sich krachend.

„Rock“, murmelte der Rancher, als die Hände des Cowboys vom Pfeilschaft fielen und das Licht mit dem Schmerz in Gillams Augen verlosch. Im nächsten Augenblick lag die Gestalt erstarrt auf dem Boden, den leeren Blick zum Himmel gerichtet.

„Buster Tom!“, schrie der Vormann.

Der Rancher schnellte herum, warf sich hinter den Wall und griff nach seinem Gewehr. Eine Kugel ging an seinem Kopf vorbei und schlug irgendwo gegen den Felsen. Er sah die Indianer wieder den Hohlweg herunterkommen, aber sie hatten nun alle keine Pferde mehr. Die Tiere standen weiter hinten und wieherten immer wieder. Pfeile flogen über den Wall hinweg.

Tom Copper schoss, sah eine Gestalt die Arme in die Höhe werfen und zusammenbrechen. Auch Cohler und der Vormann schossen. Die Indianer wichen schreiend zurück. Noch einen holte eine Kugel ein, warf ihn gegen den Felsen und zu Boden. Dann waren die anderen bei den Pferden, die hinter den Knick des Weges drängten.

Die drei Männer schossen noch, als schon keine lebende Gestalt mehr zu sehen war. Sie hörten die kehligen Laute in das infernalische Echo der Schüsse. Dann war auch Hufschlag zu hören.

Tom Copper ließ sein Gewehr sinken und wischte sich den Pulverschleim von den Lippen. Der Vormann wandte ihm das rauchgeschwärzte Gesicht zu, das maskenhaft starr aussah. Der junge Texaner blickte auf den Toten, der hinter ihnen lag.

Rasch entfernte sich der Hufschlag. Tom Copper lud sein Gewehr. Er tat es langsam, weil ihm die Hände noch zitterten.

„Jimmy ist abgestürzt“, sagte Matt Jackson. „Ich habe es gesehen. Und ich weiß auch noch, wo es war.“

„Die verdammten Soldaten haben uns die Rothäute bis hier herauf gehetzt!“, schimpfte der Rancher. „Und wo sind sie jetzt? Wenn sich die Bande mit Cochise verbündet, weiß der Teufel, was passieren kann.“

„Ich habe eben von Jimmy gesprochen“, sagte der Vormann gepresst.

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738923582
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Oktober)
Schlagworte
circle ranch allein wüste

Autor

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Titel: CIRCLE C – RANCH #30: Allein in der Wüste