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Ein unheilvolles Geständnis (Tödliches Wissen #4)

©2018 68 Seiten

Zusammenfassung

In Deutschland überschlagen sich die Ereignisse. Hat sich Dr.Ulrich Braun den Goldenen Schuss wirklich selbst gesetzt? Was hat das zu bedeuten? Bettina Braun behauptet zu wissen, wer der Mörder ihres Mannes ist…
Welche Rolle spielt die falsche Reiseleiterin, die plötzlich im Hotel in Tunesien aufgetaucht war? Was ist mit der richtigen Reiseleiterin geschehen? Ist sie überhaupt noch am Leben? Und steckt Thomas Herden tatsächlich hinter dem Übergriff auf Silvia König am Strand, bei dem sie fast ihr Leben lassen musste?

Dieses ist der vierte von insgesamt fünf Bänden und damit die Fortsetzung vom dritten Band – Die falsche Frau

Leseprobe

Table of Contents

Tödliches Wissen Band 4 – Ein unheilvolles Geständnis

Klappentext:

Roman:

Tödliches Wissen Band 4 – Ein unheilvolles Geständnis

 

Corinna Kosche

 

 

Krimi in 5 Bänden; Band 4

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover: Pixabay mit Kathrin Peschel, 2018

Korrektorat und Redaktion: Kerstin Peschel

Früherer Titel: Gefährliches Wissen

© dieser Ausgabe 2018 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Klappentext:

 

In Deutschland überschlagen sich die Ereignisse. Hat sich Dr. Ulrich Braun den Goldenen Schuss wirklich selbst gesetzt? Was hat das zu bedeuten? Bettina Braun behauptet zu wissen, wer der Mörder ihres Mannes ist …

Welche Rolle spielt die falsche Reiseleiterin, die plötzlich im Hotel in Tunesien aufgetaucht war? Was ist mit der richtigen Reiseleiterin geschehen? Ist sie überhaupt noch am Leben? Und steckt Thomas Herden tatsächlich hinter dem Übergriff auf Silvia König am Strand, bei dem sie fast ihr Leben lassen musste?

 

Dieses ist der vierte von insgesamt fünf Bänden und damit die Fortsetzung vom dritten Band – Die falsche Frau

 

 

Roman:

Deutschland 1997

 

Zwei Kollegen von der Mordkommission baten Volker Bradl, einen gewissen Dr. Gottwald zu überprüfen. Der vermietete seltsamerweise seine Waldhütte an Patienten.

Voller Neugier und Hoffnung sah er Susi an und entdeckte tatsächlich einen Hauch von Interesse in ihrem Gesicht.

Ich wusste es. Jetzt nur nicht locker lassen, dachte er.

„Du erinnerst dich doch bestimmt noch an den anonymen Anrufer, der uns in diese Waldhütte gelockt hat. Wo wir dann auch tatsächlich die Leiche einer jungen Frau gefunden haben.“

„Und ob ich mich daran erinnere. Und du meinst, dieser Dr. Gottwald ist ein Mörder?“

„Das ist doch Blödsinn. Der bringt doch nicht seine eigenen Patienten in der eigenen Waldhütte um. So doof ist doch kein Mensch. Und dann zur Mordkommission gehen und erzählen, dass sein eigenes Opfer einen Schlüssel für diese Hütte hatte. Nee, also das wäre doch wohl echt totaler Quatsch!“

„Eben drum“, murmelte Susi leise.

Volker Brandl merkte, dass er sie doch noch nicht so richtig überzeugt hatte und überlegte angestrengt. Sollte er ihr von Knolles Verdacht erzählen? Es schien ihm nichts anderes übrig zu bleiben.

„Also gut, jetzt pass mal auf, Susi. Die Mordkommission ermittelt gegen diesen Psychoonkel nicht direkt in Sachen Mord. Sie haben einen anderen Verdacht.“

„Und der wäre?“

„Die glauben, dass Dr. Gottwald ein kleiner Perverser ist. Er gibt einigen seiner Patienten den Schlüssel und dirigiert das alles so, dass immer noch jemand dabei ist. In der Hoffnung, dass in seiner Hütte dann irgendwelche sexuellen Sachen ablaufen, hat er im Schlafzimmer vielleicht eine Video-Kamera installiert.“

„Und das sollen wir jetzt herausfinden?“

„Genau. Und wenn wir das bewiesen haben, sind unsere Kollegen schon ein ganzes Stückchen weiter in diesem Mordfall. Dr. Gottwald ist bestimmt nur ein harmloser Irrer, der sich an so etwas hochzieht, aber die vermuten, dass dieser Michael Wagner etwas mit dem Mord an der Frau zu tun hat.“

„Ist das nicht der Mann, den du in der Hütte sozusagen auf frischer Tat ertappt hast?“

„Genau. Und der kannte das Opfer auch tatsächlich. Sie waren schon öfter dort oben in der Hütte und Dr. Gottwald schien sich ziemlich sicher zu sein, dass da auch immer was im Schlafzimmer lief.“

„Und wir sollen jetzt so tun, als ob wir ein Liebespaar voller Probleme wären und praktisch nur darauf warten, dass er uns ebenfalls den Schlüssel für die Hütte gibt. Dann suchen wir die versteckte Kamera und verschwinden mit dem gefundenen Beweismaterial wieder.“

„Du hast es begriffen“, lobte er sie. „Das ist alles total einfach. Du wirst schon sehen.“

„Ich habe doch noch gar nicht zugesagt. Was ist eigentlich, wenn uns dieser harmlose Irre dabei erwischt?“, gab Susi zu bedenken.

„Für den Fall nehmen wir unsere Waffen mit“, meinte Volker Brandl siegessicher.

Die letzte Bemerkung schien Susi tatsächlich zu beeindrucken. Doch dann fiel ihr auf einmal wieder was Neues ein.

„Aber wenn wir zu dem Kerl hingehen und bei seiner Gruppentherapie mitmachen, können wir wohl kaum unsere Waffen tragen.

„Du machst also mit?“, freute Volker Brandl sich.

„Du hast meine Frage noch nicht beantwortet“, ließ sie sich nicht beirren. Doch eine Antwort darauf war eine seiner leichtesten Übungen:

„Was bedeutet wohl ‚Gruppentherapie‘? Da sind doch noch ein paar Leidensgenossen dabei. Was brauchen wir denn unsere Waffen, wenn wir mit diesem Heini nicht allein sind? Wir kommen und gehen doch alle zusammen.“

Das schien Susi endlich einzuleuchten. Um sie aber endgültig zu überzeugen, fügte er noch hinzu:

„Übrigens, wenn wir die Kamera entdecken, können wir diesem Spinner gründlich ins Handwerk pfuschen und er hat keine Gelegenheit mehr, irgendwelche Patienten für seinen seltsamen Trieb zu missbrauchen.“

Er hatte Recht gehabt. Mit dieser letzten Bemerkung war Susi motiviert genug, um bei der Sache mitzumachen. Aufgeregt schlug sie vor:

„Komm, lass uns zu mir nach Hause fahren. Da können wir uns dann in Ruhe die Telefonnummer dieses sauberen Herrn raussuchen. Danach werde ich da mal anrufen und um einen Termin bitten. Hoffentlich müssen wir nicht allzu lange darauf warten.“

Und wie motiviert sie war! Volker Brandl nickte zufrieden, überzeugt davon, dass er gerade die größte Hürde genommen hatte.

Pech für ihn und Susi, dass er nicht wusste, dass das in Wirklichkeit die kleinste Hürde war und ihnen Dinge bevorstanden, die den Rest ihres Lebens total verändern würden …

 

*

 

„Möchtest du auch einen Kaffee mittrinken?“, fragte Susi ihren Freund und Kollegen Volker Brandl und öffnete dabei einen der vier großen Hängeschränke in ihrer kleinen Einbauküche.

„Gerne“, rief dieser aus dem Wohnzimmer zurück, wo er es sich bereits auf der Couch gemütlich gemacht hatte. Volker Brandl blätterte gerade im Branchenbuch herum und genau in dem Moment, als Susi die Kaffeemaschine anstellte, hatte er gefunden, was er suchte.

„Da haben wir ihn ja, den guten Dr. Gottwald“, triumphierte er. Susi kam aufgeregt zurück ins Wohnzimmer und bat:

„Bitte, lass mich anrufen, ja?“

„Warum, das kann ich doch auch machen“, erwiderte er und merkte sogleich, dass er mal wieder was falsch gemacht haben musste, denn Susi verzog verärgert ihr Gesicht. Sofort meinte er beschwichtigend:

„Aber wenn du das unbedingt selber machen willst, bitte, hier ist die Nummer dieses Verrückten.“

Immer noch beleidigt nahm Susi ihm das Telefonbuch aus der Hand und sagte boshaft:

„Vielen, vielen Dank, Papa, dass du mir das schon zutraust.“ Volker Brandl seufzte verzweifelt und dachte im Stillen:

Die ist vielleicht wieder zickig. Aber er sagte nichts. Er hatte noch andere Sorgen:

Hoffentlich bekommen wir schnell einen Termin und nicht erst in drei Monaten, ging es ihm durch den Kopf.

Susi hatte inzwischen die Nummer gewählt und wartete aufgeregt darauf, dass am anderen Ende jemand abnahm.

Sekunden später meldete sie enttäuscht:

„Da ist nur der Anrufbeantworter angegangen.“

„Na dann sprich doch drauf“, schlug Volker Brandl vor.

Susi sprach überhaupt nicht gerne auf Band, aber diese Blöße konnte sie sich jetzt natürlich auch nicht geben. Sie wartete noch ein paar Sekunden, dann nannte sie laut und deutlich ihren Namen und ihre Telefonnummer, damit Dr. Gottwald sich auch wirklich bei ihr melden konnte. Danach legte sie wieder den Hörer auf die Gabel.

„Jetzt können wir nur noch warten“ meinte Volker Brandl bedauernd.

Susi nickte zustimmend.

Etwa eine halbe Stunde später, der Kaffee dampfte gerade in ihren Tassen vor sich hin, kam der heiß ersehnte Rückruf.

Susi ließ noch ein paar Sekunden verstreichen, erst dann ging sie ans Telefon und meldete sich artig.

Da ihr Apparat schon ziemlich alt war und noch nicht über einen Lautsprecher verfügte, konnte Volker Brandl nur hören, was seine Kollegin sagte. Und das klang seiner Meinung nach recht vielversprechend:

„Klingenberg … Ja genau, ich habe vorhin bei Ihnen angerufen … Was ich für Probleme … Also eigentlich … Ja genau, mit meinem Freund … Es wäre toll, wenn der mitkommen könnte, ginge das? … Was, so spät? Ginge das nicht schon ein bisschen eher? … Heute Abend noch? Zwanzig Uhr? … Ja, das könnte klappen … Ja, gut, ich hab hier was zu schreiben … Also dann … Ja, auf Wiederhören und vielen Dank.“

Nachdem sie wieder aufgelegt hatte, brachen Susi und Volker Brandl in Jubelschreie aus.

„Du, der hatte zufällig noch einen Termin frei.“

„Das ist ja herrlich!“, freute er sich.

„Die Sache hat nur einen Haken“, unterbrach Susi ihn.

„Ja?“, fragte er sogleich enttäuscht.

„Das mit der Gruppentherapie wird vorerst nichts. Er will uns erst mal persönlich kennenlernen und erst dann entscheiden, mit welchen Leidensgenossen er uns zusammensteckt.“

„Und was soll daran so schlimm sein?“, fragte Volker Brandl verblüfft.

„Na hör mal“, meinte Susi total entrüstet, „hast du das etwa vergessen? Wir sind wider Erwarten mit dem Perversen ganz allein und ohne Waffen. Wenn das mal gutgeht.“

„Nun mal’ doch nicht gleich den Teufel an die Wand. Das wird schon schiefgehen. Außerdem, wir sind doch schon so weit gekommen, wenn wir jetzt kneifen, würden wir uns das bestimmt nie verzeihen.“

„Du hast vielleicht einen sonnigen Humor. Ich habe Angst und für dich ist das alles anscheinend nur ein nettes Spielchen.“

„Es kann nie schaden, mal aus dem Alltagstrott herauszukommen.“

Sie diskutierten noch lange über das Für und Wider.

Nichts desto trotz parkten sie um Punkt zwanzig Uhr ihren Wagen vor Dr. Gottwalds rot verklinkertem Einfamilienhaus. Der Psychologe hatte Susi noch erzählt, dass die Adresse in dem Branchenbuch nicht mehr passen würde. Aufgrund seiner exakten Wegbeschreibung hatten sie die neue Adresse problemlos gefunden.

Nachdem sie geklingelt hatten, brauchten sie nicht lange zu warten, bis der Mann sie hereinließ. Seine Praxis schien gleich im Erdgeschoss zu liegen. Zumindest führte Dr. Gottwald seine beiden neuen Patienten dort in einen Raum von etwa fünfunddreißig Quadratmetern, der vor dicken Büchern förmlich überquoll. Der altrosafarbene Velourteppichboden, mit dem das Zimmer ausgelegt war, hatte eine so gute Qualität, dass man das Gefühl hatte, bei jedem Schritt regelrecht zu versinken. In der Mitte des Raumes stand ein wuchtiger Schreibtisch, davor befanden sich zwei bequeme Stühle. Der Platz dahinter war für den Psychologen selbst reserviert. Die Möbel waren aus dunkler Eiche und anscheinend in einem Antiquariat gekauft worden.

Nachdem sie sich alle entsprechend hingesetzt hatten, lehnte Dr. Gottwald sich bequem zurück und fragte:

„Nun gut, Sie haben also Beziehungsprobleme. Und wie genau sehen die aus?“

In den letzten Stunden hatten sich Susi und Volker Brandl darauf geeinigt, am besten so nahe wie möglich bei der Wahrheit zu bleiben. Mit ein paar unbedeutenden Änderungen natürlich.

„Wir sind jetzt rund zwei Jahre zusammen und wir lieben uns wirklich“, log Susi hemmungslos, „aber irgendetwas steht zwischen uns. Wenn unsere Beziehung mal ein bisschen zu eng und zu tief wird, driften wir beide automatisch wieder auseinander.“

„Ich verstehe“, behauptete Dr. Gottwald. Verständnisvoll beschrieb er die angebliche Situation:

„Wenn der eine plötzlich besonders liebevoll wird, dann zieht sich der andere postwendend zurück.“

„Ganz genau“, stimmte Susi aufgeregt zu und wunderte sich, dass ihr das trotz aller Lügen bekannt vorkam.

Nun meldete sich auch Volker Brandl zu Wort:

„Ich weiß zum Beispiel ganz genau, worauf meine Freundin allergisch reagiert und trotzdem ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich, wenn ich sie gerade besonders gerne mag, richtig widerlich und gemein werde. Dann bringe ich sie so zur Weißglut, bis wir uns streiten wie die Kesselflicker. Erst dann scheine ich wieder zufrieden zu sein.“

Volker Brandl vermied es, Susi bei diesen Worten anzusehen. Warum? Das verstand er selbst nicht so genau. Er konnte auch gar nicht weiter darüber nachdenken, denn Dr. Gottwald stellte schon die nächste Frage, diesmal direkt an Susi:

„Frau Klingenberg, sagen Sie mir doch bitte mal eins: Sind Sie in Ihrer Kindheit einmal sehr verletzt worden? Fühlten Sie sich sehr verlassen?“

Susi brauchte nun nicht mehr lügen, sondern antwortete wahrheitsgemäß:

„Und ob, Volker und ich haben als Kind schon im Sandkasten gespielt. Dann zogen meine Eltern in den nächsten Ort und dadurch verloren wir uns ein paar Jahre aus den Augen. Ich war damals total wütend auf alle Erwachsenen, die mich nicht gefragt haben, was ich möchte.“

„Wahrscheinlich können Sie es bis heute nicht gut leiden, wenn Ihnen jemand sagt, er wüsste, was für Sie das Beste wäre.“ „Allerdings. Ich kann Kritik nicht ausstehen“, bestätigte Susi. Volker Brandl betrachtete intensiv seine Schuhe.

„Kommt es vor, dass Sie Ihre Freundin schon mal bevormunden? Tun Sie manchmal so, als wenn das, was sie sagt oder tut, falsch ist?“

„Also, bevormunden würde ich nicht unbedingt sagen.“

„Und ob du das tust!“, schnauzte Susi ihn plötzlich an.

Volker Brandl sah sie irritiert an. Sie schien so in ihre Rolle vertieft zu sein, dass selbst er ihr die Wut auf ihn beinahe abgenommen hätte.

„Und woher wissen Sie so genau, dass Sie richtig denken und Ihre Freundin falsch?“, schaltete sich Dr. Gottwald nun wieder ein.

Während Susi froh war, in dem Psychologen sowas wie einen Freund gefunden zu haben, rutschte Volker Brandl immer tiefer in seinen Stuhl. Ratlos starrte er nun auf seine dunkelblauen Socken und suchte nach einer klugen Antwort. Zu seinem Bedauern fand er keine.

„Und Sie, Herr Brandl, wie haben Sie die Trennung von Ihrer damaligen Sandkastenliebe ertragen?“

„Ich war stocksauer! Vor allem auf ihre Eltern, aber auch ein bisschen auf Susi selbst, weil ich das Gefühl hatte, sie hätte sich nicht genügend gegen den Umzug gewehrt.“, schimpfte er. Die Erinnerung an seine Kindheit schlug wie eine Welle über ihn zusammen. Das machte ihn stutzig. Er hatte gar nicht gewusst, dass ihn der damalige Verlust seiner Susi noch so belastete.

„Sie müssen als Kind gedacht haben, dass Sie sie für immer verloren haben.“

„Ich hätte nie gedacht, dass ich Susi noch mal wiedersehe“, gab Volker Brandl kleinlaut zu.

„Und dann geschah das Wunder doch noch. Sie haben sich nach Jahren wiedergetroffen und verliebten sich erneut.“

„Naja, also als Kind waren wir nicht unbedingt verknallt ineinander“, bemerkte Susi lachend und dachte dabei an Volker Brandls Nase, die sie ihm damals um ein Haar gebrochen hatte.

Dr. Gottwald überhörte diese Bemerkung und redete einfach weiter:

„Solange Sie immer noch, jeder auf seine Art, unter der Trennung leiden, die Sie als Kinder ertragen mussten, weil die großen bösen Erwachsenen einfach über Ihre Wünsche hinweggesehen haben, solange werden Sie in Ihrer jetzigen Beziehung Schwierigkeiten haben, sich auf den anderen voll und ganz einzulassen.“

Susi sah zuerst den verdatterten Volker Brandl an, dann meinte sie:

„Glauben Sie ehrlich, dass unsere Beziehung noch zu retten ist und uns eine Gruppentherapie bei der Bewältigung unserer furchtbaren Kindheit helfen wird?“

Sie schien jetzt ehrlich interessiert zu sein.

Auch Volker Brandl sah neugierig von seinen Socken auf und war gespannt auf Dr. Gottwalds Antwort.

Die fiel allerdings völlig anders aus, als er das vorhersehen konnte.

„Also, ich würde vorschlagen, dass Sie beide eine Gruppentherapie bei mir erst mal ganz vergessen.“

Langsam beugte sich der Psychologe nach links vorn und zog eine Schublade auf. Dann schlug er eine andere Therapieform vor, die weder Susi noch Volker Brandl besonders gut gefiel:

„Wenn man nicht weiß, wie wichtig einem der andere ist und ob man ihn wirklich liebt, so bekommt man die Antwort darauf auf jeden Fall immer dann, wenn das eigene oder das Leben des anderen sich in akuter Gefahr befindet.“

Mit diesen lässig dahingesagten Worten zog Dr. Helmut Gottwald plötzlich eine Pistole hervor. Der Lauf zeigte bedauerlicherweise auf Susis Herzgegend. Als der Psychologe mit einem teuflischen Grinsen den Hahn spannte, merkten beide in der Tat, was ihm der andere bedeutete, sie hatten aber den Eindruck, dieses Wissen schon ziemlich bald mit in die ewigen Jagdgründe nehmen zu müssen …

 

*

 

Als Knolle zum zweiten Mal innerhalb von zwölf Stunden auf die Klingel vor Dr. Ulrich Brauns Villa drückte, fühlte er sich äußerst unwohl. Hans-Jörg Krause war auch nicht gerade eine seelische Stütze, denn er hatte die gleichen Probleme wie sein Chef.

Beiden graute es davor, Bettina Braun mitteilen zu müssen, dass sie Witwe geworden war.

Erneut war die bellende Dogge sofort wieder vor dem Gartentor aufgetaucht, Bettina Braun brauchte dagegen etwas länger. Als sie sich schließlich über die Gegensprechanlage meldete, klang sie verschlafen:

„Ja, bitte? Wer ist denn da?“

„Hier ist noch mal die Mordkommission. Wir waren heute Mittag schon einmal bei Ihnen.“

Details

Seiten
68
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738923568
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Oktober)
Schlagworte
geständnis tödliches wissen
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Titel: Ein unheilvolles Geständnis (Tödliches Wissen #4)