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Die falsche Frau (Tödliches Wissen #3)

2018 120 Seiten

Zusammenfassung


Silvia König hat sich in Tunesien in einen Mann verliebt, Thomas Herden. Es gibt nur ein Problem: Wo immer etwas passiert, ist dieser Mann nicht weit. Damit machte sich er sich verdächtig. Ist er schuldig, oder tatsächlich nur ein unschuldiges Opfer?
Auch in Deutschland laufen die Recherchen auf Hochtouren. Fieberhaft wird nach den Hintergründen für die Todesfälle durch den Goldenen Schuss gesucht. Endlich haben sie eine heiße Spur, die sie zu einem Psychologen führt. Steckt er hinter den Morden? Warum wurden diese Taten verübt?
Doch es kommt noch schlimmer: Mitten in den Ermittlungen will man Thorsten Knoll den Fall entziehen. Was wird hier wirklich gespielt? Gibt es einen Zusammenhang mit den Vorfällen in Tunesien?

Dies ist der dritte von insgesamt fünf Bänden und damit die Fortsetzung vom zweiten Band – Urlaub in Tunesien.

Leseprobe

Table of Contents

Tödliches Wissen Band 3 – Die falsche Frau

Klappentext:

Roman:

Tödliches Wissen Band 3 – Die falsche Frau

 

Corinna Kosche

 

 

Krimi in 5 Bänden; Band 3

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover: Pixabay mit Kathrin Peschel, 2018

Korrektorat und Redaktion: Kerstin Peschel

Früherer Titel: Gefährliches Wissen

© dieser Ausgabe 2018 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Klappentext:

 

Silvia König hat sich in Tunesien in einen Mann verliebt, Thomas Herden. Es gibt nur ein Problem: Wo immer etwas passiert, ist dieser Mann nicht weit. Damit machte sich er sich verdächtig. Ist er schuldig, oder tatsächlich nur ein unschuldiges Opfer?

Auch in Deutschland laufen die Recherchen auf Hochtouren. Fieberhaft wird nach den Hintergründen für die Todesfälle durch den Goldenen Schuss gesucht. Endlich haben sie eine heiße Spur, die sie zu einem Psychologen führt. Steckt er hinter den Morden? Warum wurden diese Taten verübt?

Doch es kommt noch schlimmer: Mitten in den Ermittlungen will man Thorsten Knoll den Fall entziehen. Was wird hier wirklich gespielt? Gibt es einen Zusammenhang mit den Vorfällen in Tunesien?

 

Dies ist der dritte von insgesamt fünf Bänden und damit die Fortsetzung vom zweiten Band – Urlaub in Tunesien.

 

 

 

Roman:

 

Deutschland 1997

 

… Zu viert liefen sie einen langen Flur entlang. Hans-Jörg Krause führte die kleine Gruppe an, dann folgten Dr. Gottwald und Ines Bleckert. Thorsten Knoll, genannt Knolle, lief am Schluss. Er hatte es nicht eilig. Es widerstrebte ihm, den anderen zu folgen. Er wusste, was gleich auf ihn zukommen würde. Allein der Leichenkeller selbst war schon ein ziemlich unromantischer Ort, aber wie würde sich Ines Bleckert verhalten? Würde Sie schreien, weinen, um sich schlagen oder nur einfach stumm auf ihre Freundin sehen? Egal, alles war für Knolle nur schwer zu ertragen. In solchen Augenblicken wie diesem verfluchte er seinen Job. Natürlich, er hatte auch seine guten Seiten. Hatte man erst mal einen Mörder gefasst und überführt war man stolz wie Oskar und froh, das Verbrechen gesühnt zu haben. Da konnte man bei dem Gedanken vor Freude regelrecht verrückt werden, dass es mal wieder einer nicht geschafft hatte, ungeschoren davon zu kommen.

Knolle, musste wieder an seine bevorstehende Pensionierung denken und war sich ziemlich sicher, dass er wohl auch weiterhin Hans-Jörg Krause mit seiner Anwesenheit und guten Tipps das Leben schwer machen würde. War er auch Pensionär, so wollte er aber noch lange nicht zum alten Eisen gehören.

Bei der Vorstellung, wie er und Hans-Jörg Krause sich auch in Zukunft in den Haaren liegen würden, musste er leise lachen.

Die drei Menschen vor ihm drehten sich vorwurfsvoll um, was man durchaus verstehen konnte, da die kleine Gruppe soeben den Leichenkeller betreten hatte. Pikiert sahen sie ihn an und hofften wohl, dass er beim Anblick von Cornelia Clemens nicht auch noch einen Lachkrampf kriegen würde. Das hätten sie garantiert total unpassend gefunden.

So riss Knolle sich dann auch mit aller Macht zusammen, als sie gemeinsam auf eine zugedeckte Leiche zusteuerten.

Dass Knolle schon bald keine Mühe mehr haben würde, seinen Humor zu verlieren, ahnte er dabei nicht …

 

*

 

Die unausweichliche Identifizierung von Cornelia Clemens verlief erwartungsgemäß alles andere als schön. Die bis dahin so gefasst wirkende Ines Bleckert wurde beim unerfreulichen Anblick ihrer Freundin erst ganz blass im Gesicht, dann sackte sie in sich zusammen und legte sich ohnmächtig vor Knolles Füße.

Zu spät hatte der versucht, sie aufzufangen. So konnte er nur noch im letzten Moment verhindern, dass ihr Kopf unsanft auf dem Kachelfußboden aufschlug.

Als Ines Bleckert wieder zu sich gekommen war, hatte sich Dr. Gottwald bereits zurückgezogen. Vorher hatte er noch bestätigt, dass die Tote wirklich Cornelia Clemens war.

„Wenn Sie noch irgendwelche Fragen an mich haben, bitte, nur keine Hemmungen“, meinte er danach ziemlich emotionslos und zog eine Visitenkarte aus seiner Brieftasche.

Knolle hatte nur stumm genickt und sie eingesteckt. Er war froh, diesen netten Zeitgenossen vorläufig nicht mehr sehen und hören zu müssen. Übertrieben fürsorglich widmete er sich Ines Bleckert. Väterlich beugte er sich zu ihr hinunter und versuchte, ihr so gut es ging zu helfen. Somit war es Hans-Jörg Krauses Aufgabe gewesen, Dr. Gottwald zu verabschieden. Auch dieser atmete er leichtert auf, als der Psychologe kurz danach endlich die Tür hinter sich zumachte.

Die Freundin von Cornelia Clemens stand inzwischen, am ganzen Körper zitternd, mit dem Rücken zur Leiche. Ines Bleckert konnte den Anblick offensichtlich nicht mehr ertragen.

Behutsam legte Knolle den Arm um sie und führte sie aus dem Leichenkeller.

Hans-Jörg Krause folgte den beiden nachdenklich.

Ein paar Minuten später saßen die beiden Männer wieder hinter ihren Schreibtischen. Von Ines Bleckert hatten sie sich inzwischen ebenfalls verabschiedet.

Knolle war tief in Gedanken versunken. Er überlegte gerade, was er jetzt als Erstes machen sollte.

Zum Vermieter von Michael Wagner fahren?

Herrn Dr. Ulrich Braun einen Besuch abstatten? Hans-Jörg Krause erinnerte ihn unsanft daran, dass da noch eine ganz andere Sache Vorrang vor allem anderen hatte:

„Wann möchtest du eigentlich die Straßensperren und alles Weitere veranlassen? Morgen früh, wenn der Mann ohne Gedächtnis das Land verlassen hat?“

Knolle seufzte. Bevor ihn jedoch sein schlechtes Gewissen zu einer gehässigen Antwort verleiten konnte, klopfte es erneut.

„Hier hat man aber auch wirklich nie seine Ruhe, verdammt noch mal!“, ließ er daher seine schlechte Laune an jemand anderem aus. Knolle wusste, dass das sehr ungerecht war. War er doch im Grunde genommen froh über jeden, der sich aufgrund des Zeitungsartikels bei ihnen meldete. Sie konnten zum jetzigen Zeitpunkt schließlich jeden Hinweis gebrauchen.

Etwas ruhiger sagte er deshalb kurz darauf:

„Herein!“

Beide Männer waren gespannt, wer ihnen jetzt wieder was erzählen wollte. Daher guckten sie auch ziemlich überrascht, als daraufhin die Tür aufging und lediglich ein Streifenpolizist vorsichtig ihr Büro betrat.

„Was gibt’s Kollege?“, fragte Hans-Jörg Krause salopp und gab sich keine Mühe, seine Enttäuschung zu verbergen. Hatte er doch auf neue Informationen gewartet.

„Guten Tag zusammen“, meinte der Mann freundlich, „ich war hier gerade in der Nähe und wollte mich mal erkundigen, was aus diesem Michael Wagner geworden ist? Der Mann hatte doch so akute Gedächtnisstörungen, hat sich das inzwischen wieder gelegt?“

„Nein“, meinte Knolle. Er fing an, sich an den Mann wieder zu erinnern.

„Sind Sie nicht einer der beiden Kollegen, die als Erstes in der Waldhütte waren und Michael Wagner verhaftet haben?“

„Das stimmt. Darf ich mich vorstellen? Volker Brandl ist mein Name.“

„Sehr erfreut“, meinte Knolle und machte dabei den Eindruck, als wenn er das sehr ernst meinte.

Hans-Jörg Krause sah ihn irritiert an und ahnte, dass Knolle gerade mal wieder etwas ausgeheckt hatte.

Wie Recht er doch hatte, denn bei dem Anblick des Mannes war diesem plötzlich eine verrückte Idee gekommen, die ihn irgendwie heiter stimmte:

„Sagen Sie mal, entschuldigen Sie bitte die indiskrete Frage, aber was machen Sie im Moment so in Ihrer Freizeit?“

„Wie bitte? Ich glaube, ich hab’ Sie nicht ganz richtig verstanden?“, hakte Volker Brandl noch einmal nach.

Knolle schüttelte daraufhin den Kopf und meinte:

„Ich glaube, das haben Sie durchaus. Was ich schlicht und ergreifend wissen will ist, ob Sie Lust und Zeit hätten, uns einen Gefallen zu tun?“

„Dienstlich oder privat?“

„Dienstlich, keine Angst. Aber wenn Sie nicht mitmachen wollen, brauchen Sie sich auf gar keinen Fall verpflichtet fühlen.“ „Hat es was mit der Toten aus der Waldhütte zu tun?“

Knolle nickte:

„Indirekt auf jeden Fall. Es geht hierbei hauptsächlich um einen Verdächtigen, der sich reichlich merkwürdig benimmt. Ein Psychologe, der einen auf Gruppentherapie macht. Hätten Sie nicht Interesse, dem Mann, als Patient getarnt, ein wenig auf den Zahn zu fühlen? Ich glaube, so erfahren wir am besten, was das für ein seltsamer Vogel ist.“

„Das würde in der Tat meinen Feierabend bereichern“, freute sich Volker Brandl und kam sich richtig wichtig vor. Plötzlich kam ihm eine Idee:

„Sagen Sie mal, was halten Sie denn davon, wenn ich noch eine gute Freundin und Kollegin mitnehme? Dann könnten wir nämlich als zerstrittenes Pärchen auftreten.“

„Das wäre sogar phantastisch! Ich wüsste nur zu gerne, ob der Kerl Ihnen auch die Waldhütte zwecks Klärung Ihrer Probleme anbietet“, stimmte Knolle begeistert zu.

Da Volker Brandl auf diese Bemerkung hin ziemlich irritiert guckte, entschloss er sich, den Mann erst einmal aufzuklären. In wenigen Sätzen beschrieb er kurz und knapp die momentane Situation.

Volker Brandl lauschte dabei gespannt und als Knolle mit seinen Ausführungen fertig war, stellte er sich bereits im Geiste vor, wie er Susi bitten würde, bei der ganzen Sache mitzumachen.

„Also ich für meinen Teil bin dabei. Meine Kollegin werde ich wohl auch herumkriegen. Die ist eigentlich für jeden Spaß zu haben.“

„Tun Sie mir bitte einen Gefallen, Herr Brandl“, unterbrach Knolle ihn. „Nehmen Sie das alles nicht so auf die leichte Schulter. Wenn mit diesem Dr. Gottwald tatsächlich etwas nicht stimmt, dann wird er nicht gerade nett mit Ihnen umgehen, wenn er herausfinden sollte, dass Sie und Ihre Freundin von der Polizei sind.“

Knolle, du wirst langsam alt. Was ist bloß los mit dir?, dachte Hans-Jörg Krause und beobachtete seinen Chef ziemlich genau. Der konnte sie doch wohl wirklich nicht mehr alle auf dem Christbaum haben. Erst ließ er Michael Wagner laufen und jetzt schickte er auch noch diesen jungen Streifenpolizisten auf eine recht zweifelhafte Jagd. Und was hatte der Mann da eben gesagt? Er wollte auch noch seine Freundin und Kollegin mit in die Sache hineinziehen? Ein Blinder konnte erkennen, dass der Mann überhaupt noch nicht reif für eine solche Überwachung, geschweige denn sich der Gefahren bewusst war. Da konnte Knolle ihn noch so sehr auf eventuelle Komplikationen hinweisen.

Volker Brandl witterte ganz offensichtlich ein Abenteuer und wollte es sich auf gar keinen Fall entgehen lassen. Über seine Begleitung konnte Hans-Jörg Krause sich natürlich kein Urteil erlauben. Die Dame kannte er ja nicht. Im Moment ging er jedoch davon aus, dass die auch nicht viel reifer war, wenn sie „für jeden Spaß zu haben“ war. Wie konnte Knolle es nur wagen, die beiden Kollegen in die Höhle des Löwen zu schicken?

Hans-Jörg Krause bedachte seinen Chef mit einem bitterbösen Blick und hoffte, ihn so von seinem Plan abzuhalten.

Knolle zuckte daraufhin leicht zusammen. Danach räusperte er sich kurz aber vernehmlich und schlug vor:

„Also gut Herr Brandl, ich würde sagen, dass Sie sich sofort mit uns in Verbindung setzen, sobald Sie von Ihrer Freundin und Kollegin eine Antwort erhalten haben. Gut möglich, dass die Dame diesmal gar nicht so begeistert ist, wie Sie glauben. Wenn sie sich an dieser Überwachung nicht beteiligen möchte, könnte ich das gut verstehen.“

„Abwarten. Ich kenne sie ein bisschen besser“, grinste der Polizist zuversichtlich. Er ließ noch ein paar Sekunden verstreichen, dann war er sich endgültig sicher, dass er gerade freundlich nach draußen befördert worden war. Knolle hatte nämlich bei seiner letzten Bemerkung nur stumm genickt und mit seinem Kugelschreiber ein paar Kringel auf ein Blatt Papier gemalt. Es schien sich dabei um eine wahnsinnig interessante und schwere Aufgabe zu handeln, so intensiv widmete er sich dieser Tätigkeit. Volker Brandl war ein wenig verstimmt, hatte er Knolle doch zunächst für einen sehr netten Menschen gehalten. Dass er ihn für diese Überprüfung ausgewählt hatte, machte ihn stolz wie Oskar. Und nun dieser taktlose Rausschmiss. Knolle schien ein Mann mit zwei Gesichtern zu sein.

Kopfschüttelnd verließ Volker Brandl das Büro wieder.

Draußen auf dem Flur angekommen, musste er leider feststellen, dass seine anfänglich gute Laune und Abenteuerlust auf ein Minimum geschrumpft war. Plötzlich war er wieder auf dem Boden der Tatsachen. Er fragte sich, auf was er sich da bloß eingelassen hatte. Bevor er sich auf dem Weg zu seiner Kollegin Susi machen konnte, hörte er einen laut fluchenden Hans-Jörg Krause: „Sag mal, bist Du wahnsinnig?!“

Die nächsten Sekunden herrschte Totenstille. Unschlüssig stand Volker Brandl vor der Tür. Er überlegte gerade, was er von diesem Wutausbruch halten sollte, als Hans-Jörg Krause auf einmal höchstpersönlich vor ihm stand. Er hatte nämlich die Tür aufgerissen und sich anschließend direkt vor dem Streifenpolizisten aufgebaut. Um ein Haar hätte noch nicht einmal ein Löschblatt dazwischen gepasst. Vor lauter Schreck machte Volker Brandl eine Kehrtwendung und eilte mit langen Schritten den Flur entlang. Er hörte noch, wie die Tür hinter ihm wieder ins Schloss fiel, dann fand er sich auch schon im Treppenhaus wieder. Dort atmete er erst mal tief durch.

In der Zwischenzeit hatte Hans-Jörg Krause sich vor Knolles Schreibtisch gestellt. Mit den Händen in den Hosentaschen sah er ihn nur stumm an.

Sein Chef wusste, dass das höchste Alarmstufe zu bedeuten hatte. Ohne Umschweife begann Knolle, eine Erklärung abzugeben: „Was sollen wir denn sonst machen? Hast du vielleicht ’nen besseren Vorschlag? Dr. Gottwald ist für meine Begriffe sehr verdächtig, mal ganz davon abgesehen, dass ich ihn persönlich nicht besonders mag. Der trieft ja schon vor lauter Arroganz …“

„Ach so, und deshalb stürzt du gleich zwei Kollegen ins Unglück?!“, stellte Hans-Jörg Krause hemmungslos fest.

„Na, nun übertreib mal nicht. Du musst doch zugeben, dass meine Idee gut war“, trat Knolle die Flucht nach vorn an.

„Ich habe keine Ahnung, was daran so toll sein soll?“, ließ Hans-Jörg Krause nicht locker. „Was um Himmels Willen willst du bloß damit erreichen? Meinst du denn wirklich, dass dieser Psychoonkel sofort ein Geständnis ablegt, wenn er merkt, dass sich zwei Polizisten in Zivil in seine Gruppe eingeschlichen haben? Ist der Typ wirklich ein Mörder, dann können die beiden von Glück reden, da heile wieder rauszukommen!“

Knolle schluckte schuldbewusst. Leise meinte er:

„Ich weiß in diesem Fall einfach nicht mehr weiter. Als der Kollege Brandl eben so vor mir stand, hatte ich diese großartige Idee.

Okay, jetzt, wo ein bisschen Zeit verstrichen ist, werde ich mir der Gefahren mehr und mehr bewusst. Was meinst du? Soll ich den Mann zurückpfeifen?“

„Besser wäre es“, meinte Hans-Jörg Krause, schon milder gestimmt.

Knolle saß hinter seinem Schreibtisch wie ein Häufchen Elend und rieb sich verzweifelt die Augen.

„Also jetzt pass mal auf. Da du anscheinend nicht mehr klar denken kannst und keine Ahnung hast, wie es weitergehen soll, werde ich dir jetzt mal einfach sagen, was wir als Nächstes machen werden“, meinte Hans-Jörg Krause fürsorglich. Mit einem Satz setzte er sich auf Knolles Schreibtisch und klopfte seinem armen Kollegen kräftig auf die Schulter.

„Zuerst einmal wirst du eine Großfahndung nach Michael Wagner einleiten. Ich wäre dafür, dass wir ihn nur beschatten lassen, damit er sich sicher fühlt. Aber auf keinen Fall dürfen wir den aus den Augen verlieren!“

Knolle schüttelte den Kopf und meinte, jetzt schon wieder energischer:

„Der Mann ist unschuldig. Glaub mir doch endlich! Auch wenn alles gegen ihn spricht. Aber genau das macht mich ja so stutzig.“ Hans-Jörg Krause verdrehte die Augen und stöhnte:

„Okay, lass uns das Thema wechseln. Was hältst du davon, wenn wir diesem Dr. Ulrich Braun mal auf die Finger klopfen?“ Jetzt wurde Knolle wieder munter.

„Da halte ich eine Menge von!“, stimmte er begeistert zu. Endlich kamen seine Lebensgeister zurück. Erstaunlich schnell sprang er von seinem Stuhl auf, umrundete den wuchtigen Schreibtisch und erreichte noch vor Hans-Jörg Krause die Tür, was ihn ein wenig stolz machte.

„Mensch wo bleibst du denn?“, fragte Knolle herausfordernd. Er war wieder fast der Alte. Das Thema „Großfahndung“, überging er geflissentlich, in der Hoffnung, dass Hans-Jörg Krause ihn nicht mehr darauf ansprach.

Dieser Plan ging auch tatsächlich auf und so kam es, dass Michael Wagner auch weiterhin nicht von der Polizei überwacht wurde.

„Nun mal keine Panik!“, antwortete Hans-Jörg Krause gedehnt. Dann sprang er gemächlich vom Schreibtisch und folgte seinem Chef, der inzwischen schon auf dem langen Flur stand und ihn dort sehnsüchtig erwartete.

Es war übrigens gut, dass sie sich wegen Dr. Ulrich Braun beeilten, denn die Zeit wurde dafür langsam knapp. Das sollten sie jedoch erst etwas später erfahren …

 

*

 

Als Silvia König ihre Augen wieder aufschlug, es war eigentlich mehr ein Blinzeln, sah sie erst mal rot. Das lag an der beginnenden Morgendämmerung. Die Sonne war gerade im Begriff, die dunkle Nacht zu verscheuchen und das Zimmer in entsprechendes Licht zu tauchen.

Schon wieder eine Nacht, in der sie nicht viel geschlafen hatte. Entsprechend gerädert schloss sie sofort wieder ihre Augen. Dieser Sonnenaufgang passte nicht im Geringsten zu ihrer momentanen Verfassung. Sie war nämlich weit davon entfernt, romantische Gefühle zu hegen. Total fertig war sie vor noch gar nicht langer Zeit gewesen. Sie hatte sich in Thomas Herdens Armen ausgeweint. Irgendwann kamen keine Tränen mehr, aber die Angst war geblieben. Sie spürte, dass ihr Leben in Gefahr war. Da sie jedoch nicht wusste, was für ein Spiel mit ihr gespielt wurde, konnte sie nichts dagegen tun. Die Machtlosigkeit machte sie maßlos wütend.

Als sie an diesem Morgen aufwachte, hatte sie Kopfschmerzen. Der Rest des Körpers war auch nicht gerade in besserer Verfassung. Sie sehnte sich erneut nach starken Armen und griff mit geschlossenen Augen neben sich. Es dauerte eine Weile, bis sie kapierte, dass dort niemand lag. Wo war Thomas Herden?!

Jetzt drehte sie sich doch verblüfft um, blinzelte erneut und suchte den Raum nach ihm ab. Doch er blieb verschwunden.

Mühsam schälte sie sich daraufhin aus dem Bett und sah im Badezimmer nach.

Doch weder dort, noch auf der Terrasse war Thomas Herden zu sehen.

Nun gut, vielleicht war er in seinen eigenen Bungalow zurückgekehrt, ohne dass sie dies bemerkt hatte. Wahrscheinlich hatte sie doch noch tief geschlafen und er wollte sie nur nicht wecken. Sie beschloss, es dort zu versuchen. Deshalb zog sie sich ihren Bikini an und versteckte diesen unter einer dunkelblauen Jeans und einem weißen T-Shirt.

Danach öffnete sie die Tür und betrat den Hotelgarten. Nachdem sie sorgfältig abgeschlossen hatte, atmete sie erst mal tief durch und genoss den Augenblick. Die Luft war einfach traumhaft, die Vögel zwitscherten wild durcheinander, die Sonne stieg unaufhaltsam höher. Es war jetzt deutlich heller als noch vor wenigen Minuten. Die ersten Strahlen wärmten schon und ermöglichten den Blick auf den blühenden Garten.

Während sie gemütlich dahinschlenderte, stellte sie fest, dass außer ihr noch keiner wach zu sein schien. In keinem der Bungalows, an denen sie vorbeiging, brannte Licht. Es war aber auch wirklich noch viel zu früh dafür. Ein Blick auf ihre Armbanduhr, die sie sich noch schnell übergestreift hatte, bevor sie den Bungalow verließ, zeigte ihr, dass es erst kurz nach fünf Uhr morgens war.

Kurze Zeit später hatte sie ihr Ziel erreicht und klopfte vorsichtig an die Tür. Sie versuchte es mehrmals vergeblich und musste dann einsehen, dass Thomas Herden entweder zu fest schlief oder gar nicht da war.

Enttäuscht beschloss sie, den Strand aufzusuchen. Sie wollte zurück zu der Stelle, an der sie sich noch vor wenigen Stunden geliebt hatten. Da ahnte Silvia König noch nichts von den Schlangen und dem Skorpion. Unwillkürlich schüttelte sie sich.

Sie schlenderte erneut durch den Garten, durchquerte kurz darauf die Hotelhalle und erreichte schließlich den Swimmingpool. Dort schien ein weiterer Frühaufsteher nicht schlafen zu können. Zuerst dachte sie, es wäre Thomas Herden selbst und freute sich schon. Doch dann erschrak sie zutiefst. Dieser Mann war vor noch gar nicht langer Zeit in der Hotelhalle gewesen. Es war wieder dieser Tunesier, den sie bald darauf wieder aus den Augen verloren hatte und der ihr so unheimlich gewesen war. Sie schien dafür alle Gründe dieser Welt zu haben, denn als sie ihn jetzt genauer betrachtete, entdeckte sie eine hässliche Narbe an seinem linken Arm. Silvia König vermutete, dass es sich dabei um eine schlecht verheilte Schusswunde handelte.

Sie musste allen Mut zusammennehmen, mit hocherhobenem Haupt an ihm vorbeizugehen. Sie wünschte ihm sogar noch einen guten Morgen.

Der Mann nickte nur kurz und beeilte sich, ins Wasser zu kommen. Über diese Hektik wunderte sie sich ein bisschen, dachte sich jedoch nichts weiter dabei. Sie hatte im Moment andere Sorgen. Ihr war eine gewisse Angst in den Augen des Tunesiers aufgefallen, die sie nicht verstand.

Etwas verwirrt darüber betrat sie mit nackten Füßen den Strand. Ihre Sandalen hatte sie gleich in ihrem Bungalow gelassen. Nach ein paar Schritten auf dem kühlen Sand drehte sie sich noch einmal um, um sich zu vergewissern, dass der Tunesier ihr nicht gefolgt war. Aber sie konnte ihn nirgendwo entdecken. Er schien also tatsächlich harmlos zu sein und wollte nur ein paar Bahnen schwimmen.

Diese merkwürdige Unruhe in ihr verstärkte sich trotzdem. Sie hatte auf einmal das untrügliche Gefühl, in Gefahr zu sein.

Oder hatte sie nur zu viele Krimis gelesen?

Vielleicht waren auch die Ereignisse der letzten Zeit schuld daran, dass ihre Nerven jetzt blank lagen.

Verunsichert richtete sie ihren Blick auf die Stelle, an der sie und Thomas Herden erst vor Kurzem unvergessliche Minuten verlebt hatten. Dabei machte ihr Herz einen Sprung. Anscheinend war es ihm genauso ergangen wie ihr, denn in einiger Entfernung konnte sie ihn genau dort ausmachen, wo sie sich geliebt hatten. Sie konnte erkennen, dass er sich gerade über etwas beugte, wusste aber nicht, was das war. Das musste sie sich unbedingt genauer ansehen.

Sie hatte gerade die Hälfte des Weges zurückgelegt, als Thomas Herden sich umdrehte und sie ebenfalls entdeckte. Er sprang sofort auf und lief eilig auf sie zu.

Silvia König blieb ruckartig stehen. Jetzt war sie nahe genug herangekommen, um zu erkennen, dass sich Thomas Herden über einen leblosen menschlichen Körper gebeugt hatte. Hatte sie bisher Angst empfunden, so gipfelten ihre Gefühle jetzt in Panik. Sie wollte nicht glauben, was sie bereits ahnte. Nicht weit von ihr entfernt lag eine Leiche! Ein überaus unangenehmer Gedanke schoss ihr durch den Kopf. War Thomas Herden doch ein eiskalter Mörder?

Jetzt hatte er sie fast erreicht. Sie konnte deutlich erkennen, dass auch er seine Fassung verloren hatte. Etwas außer Atem meinte er:

„Ich weiß was du gerade denkst. Aber ich war es nicht. Das musst du mir glauben!“

Wie oft hatte sie das jetzt schon von ihm gehört. Bisher war dieser Satz auch nie ohne Wirkung geblieben. Er hatte sich ständig aufgeführt wie ein Unschuldiger, der aus Versehen in Verdacht geraten war. Wahrscheinlich dachte er, solange er ihre Gedanken laut aussprach, würde sie schon nicht misstrauisch werden. Kein normaler Verbrecher würde sich schließlich seiner Taten selbst bezichtigen. Genau das sollte sie wahrscheinlich denken. Doch nun konnte sie keine Entschuldigungen mehr für ihn finden. Alles, was ihr bisher passiert war, fügte sich wie Puzzleteile zusammen und ergab ein Bild, das Thomas Herden in ein völlig anderes Licht rückte. Endlich konnte sie wieder klar denken!

Aber nicht lange, denn kurze Zeit später vernebelten andere Gedanken ihr Hirn. Ihr wurde schlagartig bewusst, dass sie einem Killer gegenüberstand. Angst breitete sich in ihrem ganzen Körper aus und lähmte sie. Sie wusste nur noch, dass sie ihn bei einem Mord auf frischer Tat ertappt hatte. Würde er jetzt nicht seine Maske fallen lassen müssen? Ihr war klar, dass er sie nun ebenfalls umbringen würde.

Ihr blieb fast das Herz stehen, als er sie in seine Arme nehmen wollte. Silvia König hob abwehrend die Hände und stemmte sie gegen seine halbnackte Brust. Er hatte ein weit geöffnetes buntes Hemd und eine weiße Jeans an. Sie kannte diese Sachen noch nicht an ihm, also musste er tatsächlich in seinem Bungalow gewesen sein, bevor er hierher an den Strand gekommen war.

Als ihre Hände ihn berührten, zuckten beide zusammen. Sie, weil sie unwillkürlich daran denken musste, wie sie diese Brust noch vor Kurzem mit unzähligen Küssen liebkost hatte und er aus einem ihr unerfindlichen Grund. War er vielleicht über ihre Abwehr entsetzt? Musste er jetzt, in diesem Augenblick, endgültig einsehen, dass seine Maskerade aufgeflogen war? Spätestens jetzt musste er sie doch einfach umbringen! Sie fragte sich nicht mehr, warum er das nicht schon längst gemacht hatte und was das ganze Spiel sollte. Sie würde die Antwort nun nie mehr erfahren. Ihre Knie wurden weich. Sie konnte ihre Panik nicht mehr länger vor ihm verbergen. Er konnte jetzt ganz bequem in ihrem Gesicht wie in einem Buch lesen. Sie sackte zusammen, weinte hemmungslos und bettelte unsinnig:

„Bitte bring mich nicht um!“

Er zog sie wieder auf die Beine, riss sie in seine Arme und fluchte:

„Oh Gott, verdammt noch mal!“

Sie zitterte am ganzen Körper und wagte nicht, sich irgendwie zu rühren.

„Du glaubst doch wohl nicht, dass ich dich jemals umbringen könnte! Ich liebe dich doch!“

Silvia König ließ sich willenlos mit Küssen bedecken und verstand die Welt nicht mehr, als sie feststellen musste, dass auch Thomas Herden weinte. Jetzt schluchzten sie beide, hielten sich eng umschlungen und vergruben ihre Gesichter in den Haaren des anderen.

„Wie kommst du bloß darauf, dass ich dich umbringen will?“, stammelte er fassungslos.

„Du hast dich über die Leiche gebeugt.“

Thomas Herden nickte.

„Es ist übrigens der Schlangenbeschwörer. Der Mann sieht nicht mehr gut aus, aber ich habe das nicht getan. Im Gegensatz zu dir habe ich nicht schlafen können. Also bin ich kurzerhand wieder in meinen Bungalow zurückgekehrt. Als ich dort immer noch nicht zur Ruhe kam, zog ich mich um und ging hierher an den Strand. Ich wollte noch einmal an die Stelle, an der wir vor wenigen Stunden noch so glücklich waren. Ich dachte, hier komme ich vielleicht wieder zu mir. Glaubst du etwa, mich belastet das alles nicht? Ich lerne die Frau meines Lebens kennen und ausgerechnet die wird ständig bedroht. Das allein ist schon schlimm genug, aber dass es ständig so aussieht, als wenn ich etwas damit zu tun habe, finde ich überhaupt nicht witzig. Irgendwer will einen Keil zwischen uns schieben. Ich weiß nicht, was das alles soll!“

Silvia König sah ihn an. Es war ihr dabei völlig egal, dass sie ihm keinen schönen Anblick bot. Sie musste fürchterlich aussehen, so blass, übermüdet und verheult wie sie war, das wusste sie. „Wie ist es eigentlich passiert?“

Thomas Herden zuckte leicht zusammen und antwortete:

„Er ist erstochen worden.“

Silvia König wurde erneut stutzig.

„Du verheimlichst mir doch was!“

Er legte sich rücklings in den Sand und starrte in den Himmel. Dann gestand er:

„Das Messer steckte noch in seinem Bauch. Ich habe es angefasst. Meine Fingerabdrücke sind jetzt drauf.“

Verzweifelt sah er sie an.

Sie wusste, so sahen Unschuldige aus.

Aber auch Mörder, die ihre Tarnung nicht preisgeben wollten. Andererseits fiel ihr nun auch wieder dieser Tunesier ein, der es bei ihrem Anblick so eilig hatte, ins Wasser zu springen. Irgendwas war ihr in diesem Augenblick aufgefallen, was sie seltsam fand, sie wusste jedoch immer noch nicht, was das war.

Unsicher teilte sie Thomas Herden mit, was sie am Swimmingpool erlebt hatte.

Der sprang daraufhin auf, wischte sich die letzten Tränen aus den Augen und sagte aufgeregt:

„Dann lass uns jetzt schnell dorthin zurück. Vielleicht ist der Typ wider Erwarten noch da. Wenn ja, ist er höchstwahrscheinlich kein Mörder und genauso unschuldig wie ich. Ist er weg, könnte er tatsächlich unser Mann sein!“

„Und was machen wir dann?“

„Ist doch wohl klar oder nicht? Wir gehen noch ein Stück weiter und melden den Mord bei der Polizei. Der Nachtportier wird uns da sicherlich behilflich sein.“

Jetzt sprang auch Silvia König auf.

„Dann komm, lass uns gehen!“

Langsam kehrte ihre Energie wieder zurück. Sie wurde jedoch sofort wieder ernst, als sie einen Blick auf den toten Schlangenbeschwörer warf. Sie wünschte, sie hätte nicht hingesehen. Es war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie eine Leiche sah. Angewidert schüttelte sie sich, doch plötzlich fiel ihr etwas auf.

„Das gibt’s doch wohl nicht!“

Thomas Herden sah sie verwundert an.

„Was ist denn jetzt schon wieder los?“

„Siehst du diese Schleifspuren im Sand? Der Schlangenbeschwörer muss woanders umgebracht worden sein. Die Spuren führen direkt ins Wasser.“

„Das würde erklären, warum der Mann und seine Kleidung so nass sind. Hat mich schon gewundert. Aber warum liegt er dann ein ganzes Stück vom Ufer entfernt?“

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738923551
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Oktober)
Schlagworte
frau tödliches wissen

Autor

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Titel: Die falsche Frau (Tödliches Wissen #3)