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Die Raumflotte von Axarabor #38: Das Raumschiff aus der Vergangenheit

2018 70 Seiten
Reihe: Axarabor, Band 38

Zusammenfassung

Das Raumschiff aus der Vergangenheit

Die Raumflotte von Axarabor - Band 38

von Wilfried A. Hary

Der Umfang dieses Buchs entspricht 69 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Die Schiffe erschienen wie aus dem Nichts, und sie verteilten sich strategisch im Sonnensystem SERIFA, bevor man auf dem zweiten, dritten und vierten Planeten überhaupt auch nur ahnen konnte, was sie wollten. Erste Kontaktversuche zu den fremdartig aussehenden Schiffen blieben ergebnislos.

Und dann begannen diese Schiffe, systematisch alle Bewohner auf den drei Planeten auszulöschen!

Leseprobe

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Das Raumschiff aus der Vergangenheit

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 38

von Wilfried A. Hary

Der Umfang dieses Buchs entspricht 69 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Die Schiffe erschienen wie aus dem Nichts, und sie verteilten sich strategisch im Sonnensystem SERIFA, bevor man auf dem zweiten, dritten und vierten Planeten überhaupt auch nur ahnen konnte, was sie wollten. Erste Kontaktversuche zu den fremdartig aussehenden Schiffen blieben ergebnislos.

Und dann begannen diese Schiffe, systematisch alle Bewohner auf den drei Planeten auszulöschen!

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author /COVER 3000AD 123rf STEVE MAYER

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Der planetare Schutz bestand bei den betroffenen drei Planeten aus einer sinnvollen Anordnung von Geschützsatelliten, die zum großen Teil ferngesteuert wurden von den wenigen Raumstationen, die eine Besatzung trugen. Alle Satellitenstationen reagierten eigentlich rechtzeitig, indem sie das Feuer auf die Angreifer eröffneten, nachdem diese ihre Kontaktversuche ignoriert hatten.

Das lief ganz nach Vorschrift der Raumflotte von Axarabor ab, die zwar nicht in jedem System stationiert sein konnte, jedoch im Verlauf von Jahrtausenden sinnvolle Vorschriften entwickelt hatte zum Schutz der Welten in ihrem Einflussbereich.

Doch das Feuer ging im wahrsten Sinne des Wortes ins Leere. Die Schutzschirme der Angreifer waren einfach zu stark. Und dann war es sowieso zu spät für die Satellitenstationen, denn sie wurden die ersten Opfer im Feuer der Angreifer.

Um alles Leben auf den Welten erlöschen zu lassen, mussten die Angreifer unterschiedliche Strategien anwenden. Auf dem zweiten und vierten Planeten lebten die Menschen in Kuppelstädten, die sie vor der lebensfeindlichen Umgebung schützten. Diese Kuppeln wurden innerhalb weniger Minuten zum Platzen gebracht.

Selbst wenn es dabei vereinzelt Überlebende geben sollte, würden diese nicht mehr lange durchhalten können. Spätestens wenn die atembare Luft endgültig ausging, würden auch sie sterben müssen. Eine Frage von Stunden.

Der dritte Planet im System SERIFA war da schon eine härtere Nuss. Er hatte eine lebensfreundliche Atmosphäre und erschien einem Besucher geradezu als Paradies, was seine Ökologie betraf. Da war es schon schwieriger, alles Leben auszulöschen.

Es sei denn, man verfügte über die Mittel der Angreifer: Sie wandten zunächst biologische Waffen an in Form von künstlich gezüchteten Mikroorganismen, die sich in rasender Geschwindigkeit vermehrten in dieser auch für sie günstigen Umgebung. Wo immer sie zu dominieren begannen, verdorrten Pflanzen, verendeten auf elende Weise Menschen und Tiere.

Die Wenigen, die sich in Schutzeinrichtungen verschanzten oder in einer der zahlreichen unterirdischen Transportröhren unterwegs waren, blieben nur vorübergehend verschont. Nanobots schwärmten zu Abermilliarden aus und orteten jegliche Lebensaktivitäten, die im Verborgenen sich abspielten. Dann stürzten sie sich in gewaltigen Schwärmen aggressiv darauf und vernichteten jegliche Schutzeinrichtung und alles, was sich darin verschanzte, systematisch.

Was auf dem zweiten und vierten Planeten insgesamt nur Stunden in Anspruch nahm, dauerte immerhin auf dem dritten Planeten gute drei Tage: Die Jagd auf alles Lebende konnte schließlich beendet werden. Die Angreifer konnten sicher sein, alles getötet zu haben.

Die Natur des dritten Planeten würde aus eigener Kraft Jahrtausende benötigen, um sich auch nur annähernd von diesem beispiellosen Massaker zu erholen. Geschweige denn, dass eine erneute Besiedlung durch Axarabor möglich sein würde. Und selbst wenn Axarabor mit entsprechendem Terraforming nachhelfen sollte, würde es noch ziemlich lange dauern, bis hier wieder ein Mensch herumlaufen konnte ohne besondere Schutzkleidung.

Die Angreifer zogen weiter.

Hatten sie ihr nächstes Ziel bereits im Visier oder kehrten sie zu ihrer Basis zurück, wo auch immer diese sich befinden mochte?

Sie waren sicher, dass so bald niemand etwas von diesem Massaker erfahren würde, denn wer tot war, konnte keinen Bericht mehr erstatten.

Genau darin irrten sie sich jedoch:

Kaum hatten sie nämlich das Sonnensystem verlassen, erfolgte ein solcher Bericht, direkt an die Gewählte Regierung von Axarabor gerichtet.

Dort erfuhr man zum ersten Mal von dem Grauen, das SERIFA heimgesucht hatte, und von Stund an in die Geschichte von Axarabor einging als „Das SERIFA-Massaker“.

Am Ende empfahl der ansonsten anonym bleibende Berichterstatter: „Es ist dringend erforderlich, herauszufinden, woher die Kriegsflotte der NoSinn – und es handelte sich eindeutig um Schiffe dieser Flotte - überhaupt nicht nur die genaue Position von SERIFA kannte, sondern die genauen Umstände vor Ort.

Ohne diese detaillierten Kenntnisse hätten sie niemals so präzise und dermaßen mörderisch vorgehen können, ohne auch nur im Geringsten eine echte Gegenwehr fürchten zu müssen.

Es ist völlig klar, dass es einen Verräter gibt, der unerkannt solche Informationen vor Ort sammelt und damit die Kriegsflotte der NoSinn entsprechend Vorbereitungen treffen lässt für ein solches Massaker. Wenn es der Raumflotte von Axarabor nicht gelingt, dieses Verräters habhaft zu werden, muss das Schlimmste für das Sternenreich befürchtet werden! Denn SERIFA scheint nur der Auftakt zu sein für weitaus Schlimmeres.“

Die Frage blieb offen: Wie konnte auch nur ein einziges Individuum dieses Massaker überhaupt überleben?

Geschweige denn, dass es diesem Individuum anschließend sogar möglich war, einen solch detaillierten Bericht zu übermitteln, ohne dabei seine Anonymität aufzugeben.

Und wieso überhaupt Anonymität?

Aber man nahm die Sache sehr ernst und entsendete auf der Stelle die schnelle Eingreiftruppe des bewährten Admirals Sandor Shatmari, um erstens vor Ort das genaue Ausmaß der Ereignisse selbst einmal zu sichten und zweitens eine mögliche Spur zu finden zu jenem Verräter, der den NoSinn ermöglichte, ein solch schreckliches Massaker anzurichten.

Hätte der Anonymus darüber bereits mehr gewusst, hätte er es sicherlich in seinem Bericht erwähnt.

Oder?

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Eine Woche zuvor

Shelter Tommes war im höchsten Maße betrübt: Seit Millionen von Jahren war er weitgehend ohne fremde Hilfe ausgekommen. Er hatte sich stets selbst reparieren können.

Das hatte zwar nicht gerade dafür gesorgt, dass er noch aussah wie neu, aber alles hatte halt seine Grenzen, und seine Grenzen waren nun leider nach dermaßen langer Zeit erreicht: Es würde ihm wohl nichts anderes übrigblieben, als eine geeignete Welt anzufliegen, um nicht nur auf dieser zu landen, sondern auch, um entsprechende Hilfe zu erhalten.

Das war allerdings nicht ganz so einfach. Nicht dass es schwierig gewesen wäre, eine solche Welt anzufliegen und eben auch darauf zu landen. Dafür hatte er sich ja auch selber diesen Namen gegeben: Shelter Tommes. Es stand in großen, leuchtenden Lettern auf seinem Schiffsrumpf, um den Eindruck zu vermitteln, dass er sozusagen dazu gehörte. Obwohl er schon existiert hatte, lange bevor es überhaupt auch nur die gegenwärtigen Reiche gegeben hatte.

Es hatte ihm jedenfalls bisher jegliche Landung möglich gemacht, außer vielleicht direkt auf Axarabor, wo die Kontrollen naturgemäß wesentlich strenger waren.

Aber es war eine Sache, auf einer Welt als Besucher zu landen – und eine völlig andere, so etwas wie eine Reparatur oder gar eine Generalüberholung zu ermöglichen. Er musste schließlich damit rechnen, dass man ihm dabei auf die Schliche kommen würde: Dass eben das Schiff keine Sonderanfertigung eines in der Öffentlichkeit unbekannt gebliebenen Milliardärs war, der seine Zeit mit Weltraumexkursionen verbrachte, sondern um etwas, was unmöglich axaraboranisch sein konnte.

Nur weil die Umstände ihn dazu zwangen und es wirklich keinerlei Alternative mehr gab, flog er schließlich das Sonnensystem SERIFA an.

Der dritte Planet schien im geeignet zu sein. Er meldete sich an, übermittelte seine Scheinidentität und wurde schließlich herzlich willkommen geheißen.

Doch das war ja erst die erste Hürde.

Das Schiff mit dem Namen SHELTER TOMMES ging auf dem einzigen Raumhafen der Hauptstadt von SERIFA 3 mit Namen GROAMOR nieder und landete an zugewiesener Stelle.

Nun begann der zweite Schritt: Es musste jemand dieses Schiff verlassen, um im Raumhafengebäude die nötigen Formalitäten zu erledigen. Derjenige musste als Mensch auftreten und durfte sich durch nichts verraten, damit die Tarnung nicht aufflog.

Aber Shelter Tommes war nun einmal kein Mensch. Er, der seit Jahrmillionen existierte, war noch nicht einmal ein lebendes Wesen. Denn Shelter Tommes... das war das Schiff selbst!

Besser gesagt: Sein Ichbewusstsein steckte im zentralen Biogehirn, ein ganz besonderes Kunstwerk seiner Erbauer, die es seit Jahrmillionen nicht mehr in der Form gab, in der sie ihn erbaut hatten. Sie hatten als Volk die allerhöchste Entwicklungsstufe erreicht und waren zu einer Entität verschmolzen.

Seitdem musste er ohne sie auskommen, wie alles, was die Erbauer damals hinterlassen hatten. Und einiges von ihnen war mit so etwas wie einem freien Willen ausgestattet gewesen.

Stationäre Einrichtungen hatten sich einfach abgeschaltet. Die meisten jedenfalls, soweit Shelter wusste. Die wenigen Raumschiffe, die so waren wie er, hatten sich im wahrsten Sinne des Wortes in alle Winde zerstreut, und er war sogar in Millionen Jahren keinem einzigen mehr von ihnen begegnet. Es war fast so, als würden sie jeglichen Kontakt untereinander aktiv vermeiden wollen.

Shelter sah das zwar selber nicht so, aber andererseits hatte er nicht gerade Sehnsucht nach seinen Brüdern und Schwestern von einst. Er kam ganz gut allein zurecht und hatte das mit den erfolgreich überstandenen Millionen Jahren sicherlich hinreichend bewiesen.

Und jetzt stand er da auf seinem Landeplatz und musste endlich handeln, ehe er vollends das Misstrauen der hiesigen Weltraumbehörde erregte. Zumal er allein schon mit seiner Bauart als Kuriosum gelten musste.

Die Männer und Frauen am Raumhafen hatten sicherlich schon einiges zu Gesicht bekommen, aber auch unter den seltsamsten Raumschiffen war Shelter Tommes doch noch eines, das selbst die größten Kuriositäten übertraf.

Vielleicht hätte er einfach mal daran denken sollen, sich komplett umzubauen und sich damit mehr an das anzupassen, was man im Sternenreich von Axarabor gewöhnt war?

Davor scheute er natürlich zurück, weil er ungern etwas ändern wollte, was sich Millionen von Jahre bewährt hatte.

Allerdings war er jetzt dermaßen in Not, dass er diese Form sowieso nicht mehr länger halten konnte.

Das war zwar nicht unbedingt abhängig von der äußeren Form, aber wenn er nichts unternahm, blieb er in der nächsten Zeit schon irgendwo im Weltraum hängen und war nicht mehr in der Lage, irgendwo hin zu fliegen, geschweige denn irgendwo zu landen.

Ein wahrhaft schrecklicher Gedanke, für immer in der Leere des Weltraums verbringen zu müssen, ohne jeglichen Kontakt mit Lebendem. Auch für ihn, der selber gar kein Lebender war, streng genommen. Zumindest kein Lebender, wie es die meisten Spezies verstanden, obwohl sein Gehirn ja durchaus irgendwie lebte, wenngleich künstlich gezüchtet.

Endlich schickte er einen seiner Roboter los, der von ihm persönlich entsprechend programmiert worden war und den üblichen Scanversuchen relativ mühelos widerstand. Man würde ihn als axaraborianischen Menschen identifizieren, und Shelter hatte ihm eingeimpft, sich als Shelter Tommes auszugeben, dem das gleichnamige Schiff gehörte.

Einmal war es ihm passiert.

„Shelter?“, hatte der Beamte misstrauisch gefragt.

„Ja, Shelter Tommes!“, hatte der Roboter ungerührt bestätigt.

„Aber Shelter?“

„Was gibt es da zu beanstanden?“

„Shelter?“, beharrte der Beamte.

„Das ist dort, wo ich her komme, ein ganz normaler Vorname!“, hatte der Roboter weisungsgemäß reagiert.

„Ach so? Ja, dann...“, und schon war die Einreise genehmigt worden und somit die Berechtigung, für die Dauer der Aufenthaltserlaubnis auf dem entsprechenden Planeten verweilen zu dürfen.

Genau das würde jetzt sein Roboter erneut in Angriff nehmen. Um anschließend sich auf die Suche nach geeigneten Möglichkeiten zu machen, um das Schiff wieder auf Vordermann zu bringen.

Das war nicht ganz so einfach, weil es sich um Dinge handelte, die den Axaraboranern gar nicht bekannt waren. Da war eine Technik im Spiel, die es im Sternenreich von Axarabor schlicht und einfach überhaupt nicht gab. Also musste der Roboter im Namen des echten Shelter Tommes Komponenten zusammentragen, aus denen er dann selber das Geeignete basteln konnte.

Shelter Tommes besaß kein Herz, aber hätte er eins besessen, hätte das jetzt ziemlich aufgeregt gepocht, als er den Roboter von Bord ließ.

Er sah aus wie ein mittelalter Mann, hochgewachsen und dennoch irgendwie unscheinbar wirkend. Sein Vollbart passte irgendwie nicht so recht zu der schneeweißen Fantasieuniform mit dem Sternenabzeichen auf der linken Brusttasche, das es im gesamten Sternenreich eigentlich überhaupt nicht gab.

Der erste Gedanke eines Beamten sollte sein:

„Ach, wieder so ein superreicher Spinner! Na, dann...“

Es würde dafür sorgen, dass die Kontrollen nicht verschärft abliefen, damit nicht dadurch ein unkalkulierbares Risiko entstehen konnte.

Hoffte Shelter Tommes zumindest.

Der Roboter, der wie ein Mensch wirkte, ging zu Fuß zum Raumhafengebäude hinüber.

Shelter beobachtete ihn zwar mit seinen Außenkameras, aber er wagte es nicht, Verbindung mit ihm zu halten. Der Roboter musste selbständig agieren. Wenn er versuchte, ihn fernzusteuern, wäre eine Ortung möglich geworden. Man hätte sich zumindest darüber gewundert, was vielleicht Misstrauen erzeugt hätte.

Nicht dass Shelter Tommes ein Feigling war oder gar paranoid, aber er scheute jegliches Risiko, was sich immerhin seit Jahrmillionen bestens bewährte. Vor allem wollte er keinerlei Aufsehen erregen. Obwohl er sich im Falle eines Übergriffsversuches durchaus hätte wehren können. Es musste jedoch tunlichst alles vermieden werden, was solches provoziert hätte.

Der Roboter betrat das Raumhafengebäude und verschwand aus seinem Blickfeld.

Bange Minuten entstanden für Shelter Tommes.

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Der Gang vor der autarken Einheit Shelter Tommes war breit und freundlich. Die Wände und auch die Decke waren mit Ornamenten verziert.

Die Einheit wusste, dass damit die diversen Scangeräte verborgen wurden, die jetzt alles an ihm erfassten. Doch ihre Tarnung war weitgehend perfekt. Sie durfte sicher sein, dass die automatische Überwachung nicht feststellen konnte, was sie wirklich war: Kein Mensch im klassischen Sinne.

Andererseits war Shelter schon lange nicht mehr auf einer Welt des Sternenreichs gelandet, weil er lieber allein im Weltraum blieb. Nur gelegentlich überkam ihn halt dieses Gefühl von Einsamkeit und zwang ihn dazu. Diesmal war ja auch noch hinzu gekommen, dass es dringend erforderlich geworden war. Vielleicht also glaubte er ja nur, auf dem neuesten Stand der Ortungs- und Beschnüffelungstechnik zu sein innerhalb des Sternenreiches?

Bisher jedenfalls hatte die Tarnung des Roboters durchaus gereicht.

Die autarke Einheit mit dem Tarnnamen Shelter Tommes sah sich wie neugierig um. In Wirklichkeit versuchte sie herauszufinden, ob die Tarnung wirklich nicht durchschaut wurde.

Keinerlei Anzeichen einer Gefahr. Also konnte sie getrost weitergehen und musste sich nicht mehr weiter darum kümmern.

Der Gang endete an einem breiten Portal, das sich selbständig öffnete, sobald es erreicht war.

Die Einheit durchschritt es.

Es war die letzte automatisierte Kontrolle. Nun wurde sie mit einem Menschen konfrontiert.

Eine freundlich lächelnde junge Dame in einem anscheinend mit der Zeit zu eng gewordenen Kostüm, womit sie ihre üppigen Reize nur unvollkommen kaschierte.

Vielleicht sogar so gewollt?

Nun, die autarke Roboteinheit von Shelter Tommes ließ das natürlich kalt. Naturgemäß sozusagen.

„Willkommen auf SERIFA 3!“, begrüßte die junge Dame fröhlich den Neuankömmling. „Legen Sie bitte ihre Bordpapiere vor und weisen Sie sich in Ihrer Funktion an Bord des Raumschiffes SHELTER TOMMES aus.“

Die Einheit tat wie von ihr verlangt: Laut Unterlagen war sie der Milliardär Shelter Tommes, der allein mit seinem Raumschiff unterwegs war, um neue Welten zu erkunden und alte Welten zu besuchen.

Die junge, attraktive Dame sah alles durch und legte die Papiere zusätzlich auf diverse Scangeräte. Das nahm einige Zeit in Anspruch. Überhaupt schien sie es in keiner Weise eilig zu haben.

Die Einheit kannte keine Ungeduld. Also wartete sie einfach nur ab, wobei sie natürlich alles akribisch beobachtete, damit der echte Shelter Tommes später aus ihren Erinnerungsspeichern alles in auswertbarer Ausführung vorfinden konnte. Es war ja wichtig, keinerlei Verdacht zu erregen. Noch wichtiger jedoch war dabei, dass beim geringsten Misstrauen ihr gegenüber selbstverständlich Klarheit geschaffen werden musste, um sich rechtzeitig schützen zu können, zum Beispiel auch durch eilige Flucht.

Die freundliche junge Dame gab schließlich alles zurück und fragte: „Was ist der eigentliche Grund ihres Hierseins?“

„Nun, wie aus meinen Papieren schon hervorgeht...“

„Der eigentliche Grund!“, beharrte die junge Dame, ohne ihre Freundlichkeit und das liebreizend-freundliche Lächeln auch nur für Sekundenbruchteile zu vergessen.

„Nun, ich brauche Material für eine dringend nötige Reparatur an Bord und...“, antwortete die Einheit wahrheitsgemäß.

„Kann ich Ihnen hierbei behilflich sein?“, wurde sie unterbrochen, natürlich in aller Höflichkeit. „Ich kann Ihnen diverse Werkstätten und auch Lieferanten empfehlen.“

„Nein, danke, ich muss das selber herausfinden.“

„Aha, deshalb also Ihr Aufenthalt über vorerst vier Wochen?“

„Genau das ist der Grund.“

„Und wieso denken Sie, so lange dafür zu benötigen?“

„Weil es sich selbstverständlich um Spezialanfertigungen handelt“, erläuterte ihr die Einheit. „Sehen Sie sich mein Schiff an. Es ist eine Sonderanfertigung. Normale Ersatzteile funktionieren nicht.“

„Aber mittels der hiesigen Replikatoren könnte man sie jederzeit herstellen“, gab die junge Dame zu bedenken und verlor nach wie vor für keinen Sekundenbruchteil ihr freundliches Lächeln.

„Das weiß ich natürlich, aber Sie verstehen vielleicht, dass ich mich darauf nicht einlassen kann und will? Das alles muss ich selber in Angriff nehmen.“

„Ach ja? Meinen Sie?“

Längst war der Punkt überschritten, an dem der Einheit endgültig klar werden musste, dass hier etwas nicht stimmte: Diese junge Dame hier vor ihr versuchte irgendwie Zeit herauszuschinden.

Zeit wofür?

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Der mittelalte Mann, der in der Zentrale der SHELTER TOMMES auftauchte, sah haargenau so aus wie die Roboteinheit, die Shelter hinüber in das Raumhafengebäude geschickt hatte. Aber es konnte sich nur um eine Kopie handeln – und diese Kopie war anscheinend noch nicht einmal gegenständlich. Irgendwie wirkte sie wie eine Projektion, aber dermaßen perfekt, dass sie andererseits wiederum wie echt erschien.

Die Projektion - oder was immer sie war - lächelte entwaffnend.

„Tut mir leid, dass ich uneingeladen an Bord komme, aber es ist wirklich dringend.“

„Dringend? Was ist dringend?“, fragte Shelter ärgerlich.

Seine Stimme drang vor der Projektion aus dem Bedienungspaneel der Kontrollwand.

„Dein Roboter, den du zur Anmeldung geschickt hast, ist aufgeflogen!“

„Wie bitte?“

Mit seinen Kameras beobachtete Shelter akribisch das Gebäude. Allerdings wagte er es nicht, die Scanner einzusetzen. Die dabei frei werdende Strahlung hätte angemessen werden können.

Es gab keinerlei Hinweise darauf, dass die Projektion die Wahrheit sagte.

„Noch wird der Roboter hingehalten, weil man nicht ganz sicher ist. Die Untersuchungen laufen noch. Die Dame vom Empfang, übrigens ebenfalls ein perfekt getarnter Roboter, hält die Einheit noch so lange hin, wie es erforderlich erscheint. In den nächsten Sekunden schon wird die Entscheidung fallen. Ich würde dir raten, dir etwas einfallen zu lassen, ehe es endgültig zu spät ist.“

„Was denn zum Beispiel?“, rief Shelter alarmiert.

„Oh, ich sehe mit Genugtuung, dass du mir vertraust. Das ist der erste Schritt zu deiner Rettung.“

Details

Seiten
70
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738923513
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Oktober)
Schlagworte
raumflotte axarabor raumschiff vergangenheit

Autor

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Titel: Die Raumflotte von Axarabor #38: Das Raumschiff aus der Vergangenheit