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Tod im Goldenen Dreieck –Todesfalle Grüne Hölle #2

2018 120 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Tod im Goldenen Dreieck – Teil 2 Todesfalle Grüne Hölle

Klappentext:

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

14.

15.

16.

17.

18.

19.

20.

21.

22.

23.

24.

25.

Tod im Goldenen Dreieck – Teil 2 Todesfalle Grüne Hölle

 

 

Hans-Jürgen Raben

 

Zyklus in zwei Teilen: 2. Teil

 

Mafia-Thriller mit dem Geheimagenten Steve McCoy

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover: Pixabay mit Kathrin Peschel, 2018

Lektorat/Korrektorat: Kerstin Peschel

© dieser Ausgabe 2018 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Klappentext:

 

Steve McCoy hat kürzlich der Drogen-Mafia einen sehr empfindlichen Schlag versetzt. Er hat im Goldenen Dreieck eine riesige Ladung Rauschgift vernichtet und einige hochrangige Mafioso getötet. Doch damit nicht genug: Er will der Mafia, die für den Drogenschmuggel in dieser Gegend verantwortlich ist und gerade den größten Drogen-Transport aller Zeiten plant, endgültig das Handwerk legen. Und damit wartet eine nächste noch gefährlichere Aufgabe auf ihn. Ob ihm das geling? Aber eins steht fest, sein Albtraum geht weiter, steigert sich fast ins Unermessliche und wird zur wahren Hölle auf Erden, wo jeder Fehltritt mit dem Tode endet. Denn die Mafia hat über ihn das Todesurteil gesprochen und bekämpft ihn jetzt mit allen Mitteln. Wo er auftaucht, fliegen ohne Vorwarnung die Kugeln …

 

 

***

 

 

1.

 

Im Norden Thailands, März 1984

 

Die drei Männer litten sichtlich unter der Hitze, aber sie rührten sich nicht, sondern achteten angespannt auf ihre Umgebung.

Zwei der Männer waren Chinesen. Sie trugen olivfarbene Uniformen ohne Rangabzeichen. Bewaffnet waren sie mit modernen AK 47-Gewehren, die sie über den Knien liegen hatten.

Der dritte Mann war Amerikaner. Er war nicht viel größer als die Chinesen, aber erheblich breiter. Sein Gesicht war staubverkrustet, und herabrinnender Schweiß hatte helle Furchen darin gezogen. Der Mann trug an der Hüfte eine schwere Armeepistole.

Er wandte den Kopf zu seinen beiden Begleitern. „Seid ihr sicher, dass der Kerl hier entlangkommt?“

Die beiden nickten eifrig. „Es gibt keinen anderen Weg“, bestätigte einer von ihnen schließlich in stockendem Englisch.

Der Amerikaner ließ sich wieder gegen den dicken Stamm eines Teakholzbaumes zurückfallen und starrte in das Blättergewirr über sich. Insekten umschwirrten ihn, und hoch aus den Baumwipfeln drang das Geschrei von Vögeln. Von weiter her hörte er das Gekreisch einer Horde Affen. Der Dschungel hier im äußersten Norden Thailands war lebendig. Bis zur laotischen Grenze war es zu Fuß nur eine halbe Stunde. Dies war allerdings auch die einzige Möglichkeit hinzukommen, denn Straßen gab es in dieser unwegsamen Gegend nicht.

Der Amerikaner schloss die Augen und döste. Die brütende Hitze ließ jede Anstrengung erlahmen. Die beiden Chinesen hockten auf den Fersen, wie sie es gewohnt waren und hefteten ihre Blicke auf eine bestimmte Stelle der grünen Blätterwand.

Dies war nur ein Teil des sogenannten Goldenen Dreiecks, des größten Mohnanbaugebietes der Welt, aus dem das Heroin tonnenweise in die Welt geliefert wurde.

Das Goldene Dreieck lag im Grenzgebiet der Staaten Burma, Thailand und Laos, wobei diese drei Staaten kaum Einfluss in dieser unwegsamen Gegend besaßen. Hier wurde die Kontrolle von ganz anderen Instanzen ausgeübt, und die gültige Währung war oft Rauschgift!

Ein Geräusch ließ die Köpfe der drei Männer hochzucken. Sie kannten sich im Dschungel gut genug aus, um zu wissen, welche Geräusche hierher gehörten und welche nicht.

Das Geschrei der Vögel schien ärgerlicher zu werden. Auch sie schienen zu spüren, dass ein Eindringling sich näherte, der sich nicht lautlos genug bewegen konnte.

„Das muss er sein“, murmelte der Amerikaner und langte nach seiner Pistole. Ohne hinzusehen, zog er den Ladeschlitten nach hinten und ließ die erste Patrone in den Lauf gleiten. Die beiden Chinesen brachten ihre Schnellfeuergewehre in Schussposition.

Jetzt wurde das Knacken brechender Zweige deutlicher. Irgendjemand bahnte sich dort einen Weg durch den Dschungel. Sie kannten das Gelände. Es gab trockenes Unterholz und biegsamen Bambus zwischen den dichten Bäumen. Zu dieser Jahreszeit gab es kaum noch Feuchtigkeit. Es würde noch etwa ein bis zwei Wochen dauern, ehe die Monsunregen einsetzten und den Dschungel in eine feuchte, dampfende Sauna verwandelten.

Die olivgrünen Uniformen der beiden Chinesen verschmolzen mit dem Untergrund. Sie verstanden die Kunst der Tarnung, denn sie lebten schließlich lange genug in dieser Umgebung.

Der Amerikaner war ganz im Schatten des Baumes verschwunden. Er richtete seine Aufmerksamkeit auf einen einzeln stehenden Banyanbaum, dessen zahlreiche Luftwurzeln wie ein undurchdringliches Gewirr wirkten. Er nickte befriedigt.

Zwischen den Ästen war eine kaum sichtbare Bewegung entstanden. Dann erschien plötzlich eine Gestalt. Sie zögerte vor dem Betreten der kleinen Lichtung, an deren anderer Seite die drei Männer mit schussbereiten Waffen lauerten.

Es war ein kleiner dunkelhäutiger Mann. Er trug eine helle Leinenhose und ein blaues Hemd. Seine Gesichtszüge besaßen einen mongolischen Schnitt und verrieten damit, dass es sich um einen Angehörigen der Bergstämme handeln musste. Vielleicht ein Yao.

Der Mann trug einen Beutel bei sich, der locker über seiner Schulter hing. Der Amerikaner nickte grimmig, als er es bemerkte. Er gab ein Handzeichen, und die Chinesen nahmen den Finger zurück, der sich schon um den Abzug gekrümmt hatte.

Der Ankömmling trat einen Schritt nach vorn. Dann noch einen. Er schien die Gefahr zu spüren, sah aber nicht, woher sie kam. Ängstlich wendete er den Kopf. Ein Ast zerbrach unter seinem Fuß, und er zuckte zusammen. Schließlich machte er einen weiteren Schritt.

Jetzt stand er ungedeckt auf der kleinen Lichtung, keine zwanzig Schritt von den Mündungen der tödlichen Waffen entfernt.

Der Amerikaner richtete sich auf und hob seine Pistole. „Bleib stehen und nimm die Hände hoch!“, brüllte er.

Der Eingeborene zuckte zusammen, wandte sich um und konnte noch zwei Schritte machen, ehe die automatischen Waffen loshämmerten. Die Geschosse warfen ihn nach vorn, und er sank ohne einen Laut zwischen die Gräser.

Die Chinesen nahmen die Gewehre von den Schultern, und der Amerikaner stieß seine Pistole in den Gurt. Er nickte befriedigt.

Im Dschungel herrschte Totenstille. Als die Schüsse fielen, hatten die Vögel plötzlich geschwiegen, als seien sie erschrocken über diese Störung. Nur zaghaft setzte das Lärmen wieder ein.

Die drei Männer gingen zu ihrem Opfer hinüber. Der Amerikaner beugte sich hinunter und drehte den Toten um, dessen Augen ihn blicklos anstarrten. Er nahm den Beutel hoch und löste das Band, mit dem er verschnürt war.

Er griff hinein, holte ein durchsichtiges Päckchen heraus und zeigte es seinen beiden Begleitern.

„Ich habe recht gehabt. Der Kerl hat uns bestohlen. Das hier ist zweifellos Heroin, und es kann nur aus unserem Labor stammen.“

Er stieß den Toten mit dem Fuß an. „Er wollte sein eigenes Geschäft machen, aber jeder weiß, dass er damit nicht durchkommt. Ich möchte, dass alle von seinem Tod erfahren.“

Die Chinesen nickten ernst. „Wir werden Hauptmann Tschung unterrichten“, erklärte ihr Sprecher.

„Ich möchte, dass die Sicherheitsmaßnahmen in nächster Zeit verstärkt werden“, fuhr der Amerikaner fort. „Ich will nicht noch einmal erleben, dass diese Typen sich einfach von unserem Eigentum bedienen. Schließlich haben wir für das Zeug bezahlt, und der Boss sieht es nicht gern, wenn er beklaut wird. Außerdem zahlen wir an euch eine beträchtliche Summe, um die entsprechende Unterstützung zu bekommen. Ihr seid auch immer teurer geworden!“

„Wir werden Hauptmann Tschung informieren“, wiederholte der Chinese. In seinem Gesicht regte sich kein Muskel.

Der Amerikaner zuckte mit den Schultern. „Ich verschwinde jetzt. Tschung soll mich aufsuchen. Er weiß, wo er mich findet.“

Die Chinesen starrten ihm nach, als er im Dschungel verschwand.

 

 

2.

 

Leichtfüßige Schritte erklangen auf der Treppe. Der Amerikaner stellte die Bourbonflasche auf den staubigen Boden der Hütte und wandte den Blick zum Eingang.

Ein Mann schlug den Vorhang zur Seite, bückte sich und trat durch die Tür. Für einen Chinesen war er relativ groß.

„Ah, Hauptmann Tschung!“, sagte der Amerikaner. Seine Zunge war schon etwas schwer, denn er hatte bereits die halbe Flasche ausgetrunken.

„Sie sollten in diesem Klima mit Alkohol vorsichtig sein“, bemerkte der Besucher. Er sprach ein ausgezeichnetes Englisch. Er war etwa dreißig Jahre alt und trug eine saubere olivfarbene Uniform. An seiner Hüfte baumelte ein alter, aber gepflegter Colt Government.

Der Amerikaner hob die Hand und ließ sie kraftlos wieder sinken. „Was soll man in diesem Drecksnest schon anders machen. Ich hoffe, dass mein Job hier bald erledigt ist.“

Der Chinese lächelte. „Ihr Amerikaner seid immer so ungeduldig. Wir leben nun schon seit Jahrzehnten hier, und dieses Land ist auch nicht unsere Heimat.“

Tschung war hier geboren worden. Sein Vater stammte aus der chinesischen Provinz Jünnan, und er gehörte zu der Armee, die während des chinesischen Bürgerkrieges nach Süden gegangen war und sich schließlich im Goldenen Dreieck festgesetzt hatte. Seitdem lebten sie hier und kontrollierten weitgehend den Opiumanbau. Auch die folgende Generation hielt die militärische Tradition der Väter hoch. Alles war nach militärischen Kategorien organisiert.

Bisher hatte es keine Regierung der drei Länder, in denen sie saßen, geschafft, sie zu vertreiben. Inzwischen ließ man sie in Ruhe, weil die Chinesen gleichzeitig ein Bollwerk gegen Grenzübergriffe anderer Staaten waren. Denn Burmesen, Laoten und Thais waren nicht gerade Freunde. Alles in allem war es eine ziemlich verrückte Geschichte, aber es funktionierte. Und wer sich am Rauschgifthandel dieser Region beteiligen wollte, musste mit den Chinesen klarkommen.

„Ich stamme aus New York“, sagte der Amerikaner, „und zwischen der Lower Eastside und hier ist ein ganz schöner Unterschied.“

Tschung nickte. „Ich war noch nie in New York. Ihr Vorgänger war ebenfalls Amerikaner. Ich habe mich mit ihm gut verstanden. Er sorgte wie Sie für den Transport der Ware nach Chiang Mai und Bangkok. Er hatte einen großen Vorteil – er sprach unsere Sprache.“

„Was ist aus ihm geworden?“

Tschung zuckte die Schultern. „Ich habe keine Ahnung, Mister Stanton. Man hat mir nicht erzählt, was mit ihm geschehen ist. Eines Tages tauchten Sie hier auf und informierten mich, dass Sie der neue Beauftragte sind. Sie haben sich ordnungsgemäß ausgewiesen, und wir haben Sie akzeptiert. Wir mischen uns nicht in die Angelegenheiten unserer Kunden ein.“

„Der Boss hat mich hergeschickt, weil ich als Soldat in Vietnam war. Damit war ich für seine Zwecke genügend qualifiziert.“

Stanton nahm einen großen Schluck Bourbon. „Ich habe ihm erzählt, dass ich in einer Versorgungseinheit in Saigon stationiert war. Den Dschungel habe ich nicht mal von Weitem gesehen. Ich hatte genug damit zu tun, einige Heeresgüter unauffällig beiseite zu bringen und auf eigene Rechnung zu verkaufen. Es hat sich gelohnt.“

Tschung lächelte. „Nicht so weit, dass Sie sich damit zur Ruhe setzen konnten, sonst wären Sie wohl nicht hier.“

Stanton starrte ihn an. „Ich gehöre einer Organisation an, bei der man sich nicht zur Ruhe setzen kann. Ich verdiene eine Menge Geld, aber ich muss tun, was man mir sagt. Der Boss versteht in dieser Beziehung keinen Spaß. Ungehorsam wird bei uns nur auf eine Weise bestraft.“

Tschung nickte. „Ich habe davon gehört. Sie sind Mitglied der Mafia. Das weiß man selbst bei uns im Dschungel.“

Stantons Gesicht erstarrte. „Sprechen Sie diesen Namen nie wieder aus. Er existiert nicht. Vergessen Sie ihn. Sie werden für Ihre Leistungen bezahlt. Wir sind Geschäftspartner, weiter nichts.“

„Wie Sie wollen.“

„Darüber wollte ich mit Ihnen reden. Sie wissen, dass wir heute Morgen einen der Burschen erwischt haben, als er sich mit einem Kilo Heroin davonmachen wollte. Es war einer der Yao von diesem Stamm. Sie sind für die Sicherheit verantwortlich.“

Tschung nickte. „Ich habe Ihnen doch zwei meiner Leute zur Verfügung gestellt, und sie haben den Kerl auch erwischt! Was wollen Sie mehr! Es wird immer Leute geben, die einen Diebstahl riskieren. Sie wissen, dass sie wesentlich mehr Geld bekommen, wenn es ihnen gelingt, den Stoff im Süden zu verkaufen.“

„Wir müssen so etwas verhindern. Wenn diese Beispiele Schule machen, können wir nur noch auf die Leute aufpassen.“

„Keine Sorge. Alle werden erfahren, was mit diesem Mann geschehen ist. Wir werden den Leichnam im Dorf zeigen. Andererseits brauchen wir die Hilfe der Leute hier, wer sonst soll das Opium ernten?“

„Wir bezahlen sie dafür!“, knurrte Stanton.

„Dies ist unser Land“, erwiderte Tschung etwas schärfer. „Überlassen Sie uns, wie wir damit zurechtkommen. Wir mischen uns auch nicht in Ihre Angelegenheiten, und glauben Sie nur nicht, dass wir nicht darüber Bescheid wissen, was in der Welt vorgeht. Selbst im tiefsten Dschungel gibt es Radios.“

„Entschuldigen Sie. Ich wollte Sie nicht beleidigen. Ich will nur meinen Job erfüllen. In unserer Organisation hat man nämlich nichts für Versager übrig.“

Stanton trank erneut. Seine Stimme war weinerlich geworden. „Ich kann doch nichts dafür, dass man ausgerechnet mich in diesen verdammten Dschungel geschickt hat!"

Tschung lächelte schwach. Er verachtete den Amerikaner, aber er würde es niemals zeigen. Außerdem war er der Vertreter eines sehr guten Geschäftspartners, und er brachte eine Menge guter Dollars. Dafür konnte man alles kaufen, was man brauchte, und das noch in bester Qualität. Vor allem die modernsten Waffen!

Tschung blickte nachdenklich auf den alten Colt Government an seiner Hüfte. Die Waffe war noch gut in Schuss. Er hätte sich längst eine neue besorgen können. Aber sie hatte seinem Vater gehört, der sie ihm anvertraut hatte, bevor er gestorben war. Tschung war seinem Vater einiges schuldig. Nicht zuletzt seinen heutigen Rang, der ihm die Kontrolle über ein großes Gebiet sicherte.

Drei Dörfer gehörten dazu und zahlreiche Mohnfelder. Knapp achtzig Soldaten unterstanden seinem Kommando, und im Notfall konnte er Unterstützung von einer benachbarten Einheit anfordern. Das war allerdings noch nie notwendig gewesen. Seit vielen Jahren hatten es die Regierungstruppen nicht mehr gewagt, in dieses Gebiet vorzudringen. Tschung war überzeugt, dass es auch so bleiben würde. Schließlich gab es auch in Bangkok Verbündete. Es gab eine Menge Menschen, die von Drogen lebten, und viele davon saßen in hohen Stellungen.

Das war allgemein bekannt, doch niemand unternahm etwas dagegen. Selbst Polizeioffiziere gehörten zu den Rauschgifthändlern.

Tschung wusste auch, dass die Mafia den größten Profit in diesem Geschäft einstrich. Aber das war ihm gleichgültig. Ihm war sein kleines, überschaubares Reich lieber. Hier galt allein sein Wort. Schon in Bangkok herrschte die Welt der Intrige. Die Halsabschneider versuchten sich gegenseitig übers Ohr zu hauen, und schon mancher war in den Klongs gelandet – mit einem Messer im Rücken.

Tschung kannte New York nur vom Hörensagen, aber auch das musste eine Welt sein, die ihm nicht behagte, und Stanton reichte ihm als Verbindung. Er hatte für diesen trunksüchtigen Ganoven, der hier als äußerstes Glied der Rauschgiftlinie saß, die vom Goldenen Dreieck bis nach New York auf der anderen Seite des Erdballs reichte, nicht viel übrig.

 

 

3.

 

Der Grillroom war zu dieser Stunde nur schwach besucht. Steve McCoy, stocherte lustlos in einer trockenen Pizza, die überdies an einer Seite angebrannt war.

„Ich habe schon in besseren Restaurants gegessen“, bemerkte er bissig.

Sein Gegenüber lächelte. „Ich hatte es ziemlich eilig, und ich musste Sie unbedingt sehen. Ich brauche Sie.“

Steve hörte auf zu kauen und lehnte sich zurück. „Ich habe schon einmal für Ihre Interessen gearbeitet, und es hat mich fast das Leben gekostet. Ich bin auf eine Wiederholung gar nicht so scharf.“

Der andere lächelte jetzt nicht mehr. Er war ein Mann von etwa sechzig, mit eisengrauen Haaren und durchdringenden Augen, die wasserklar aussahen. Er war vielfacher Millionär und hieß John C. Barwick.

„Letztlich haben Sie für die Vereinigten Staaten gearbeitet“, stellte er fest. „Auch wenn meine Interessen in diesem Fall die gleichen waren.“

„Das ist schon richtig“, bestätigte Steve und nahm noch einen Bissen von der fast kalten Pizza.

Barwick hatte eine sehr persönliche Rechnung mit Drogengangstern zu begleichen, denn sie hatten seinen einzigen Sohn süchtig gemacht, dann als Kurier zwischen Bangkok und New York eingesetzt und schließlich auf dem Flughafen erschossen, als zwei Beamte des Rauschgiftdezernats auf ihn warteten (vgl. Tod im Goldenen Dreieck – Teil 1 – Im Feuerhagel).

Barwick war ein guter Freund des Justizministers. Vermutlich hatte er einen großen Beitrag zum Wahlkampf des Ministers geleistet. Dem Minister wiederum unterstand das Department of Social Research – natürlich eine Tarnadresse. Denn es handelte sich um eine geheime Behörde zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens. Und diese Behörde war Steve McCoys Arbeitgeber. Sein Boss, Colonel Alec Greene, hatte ihn gebeten, sich mit Barwick in Verbindung zu setzen, da seine Interessen sich mit denen des Departments deckten.

Der Millionär hatte Steve McCoy alle Informationen gegeben, die er über die Hintergründe dieses Falles hatte, und Steve McCoy war nach Thailand gereist. Dort war es ihm gelungen, den größten Teil der Organisation zu zerschlagen. Das alles brachte zwar Barwicks Sohn nicht mehr zurück, aber es verschaffte dem Alten wenigstens eine gewisse Genugtuung.

„Sie kennen meine Motive“, sagte Barwick. „Ich bin bereit, einen großen Teil meines Vermögens im Kampf gegen das Rauschgift einzusetzen. Sie und Ihre Organisation haben mehr Möglichkeiten als andere offiziellere Behörden. Und ich weiß, was Sie können. Deshalb brauche ich Sie.“

Steve hob die Augenbrauen. Colonel Greene hatte ihm geraten, auf Barwicks Wünsche möglichst einzugehen. Der alte Fuchs wusste natürlich, dass sie beim Minister ordentlich Punkte sammeln konnten, wenn sie dem Millionär halfen. Die Bekämpfung dieser Gangster war schließlich auch ihre Aufgabe. Dennoch wollte Steve es Barwick nicht zu leicht machen.

„Sie haben es schon einmal geschafft, diesen Leuten eine empfindliche Schlappe beizubringen. Sie können es wieder schaffen“, drängte der Millionär.

„Heißt das, Sie wollen mich noch einmal nach Thailand schicken?“, fragte Steve McCoy erstaunt.

„Ich rechne damit, dass Sie mir helfen.“

Steve seufzte. „Ich habe nur Glück gehabt, als es mir gelang, die Heroinlinie auszuschalten. So etwas lässt sich nicht beliebig oft wiederholen.“

„Es war nur ein Teilerfolg. Die Gangster haben ihre Schmuggellinie außerordentlich schnell wieder reorganisiert. Sie haben in Thailand verdammt viele Verbündete, die am großen Geschäft mitverdienen. Die personellen Verluste waren in wenigen Tagen wieder aufgefüllt, und die eigentlich Verantwortlichen waren sowieso noch nicht aus ihren Löchern gekrochen. Für die Transportwege gab es Ausweichrouten, die schon lange vorbereitet waren, und ein ausgefallenes Labor in Bangkok wurde durch ein geheimes Dschungellabor ersetzt.“

„Woher haben Sie diese Informationen?“, fragte Steve neugierig.

„Ich habe Freunde im Außenministerium“, gab Barwick kurz zurück.

Das war ja klar, dachte Steve. „Na, schön. Aber warum sind Sie so scharf darauf, diese Leute weiter zu bekämpfen?“

Barwick starrte Steve grimmig an. „Mein Sohn ist tot, das weiß ich. Aber ich möchte verhindern, dass es vielen tausend anderen ebenso geht. Aus dem Goldenen Dreieck gelangt tonnenweise Heroin in unser Land, und diese tödliche Droge zerstört das Leben von Menschen. Ich kann etwas dagegen tun, da ich Geld habe, und Sie können dabei helfen, da Ihre Organisation für den Kampf gegen das Verbrechen zuständig ist. So einfach ist das.“

Steve nickte. „Gut, ich übernehme diese Aufgabe. Ich habe noch einen Verbündeten in Thailand. Er wird mir helfen – wenn er noch lebt.“

Barwick zuckte mit den Schultern. „Sie treffen die Entscheidungen, doch denken Sie daran, dass zusätzliches Geld keine Rolle spielt. Wenn Sie diesen Mann brauchen, dann bezahlen Sie ihn gut. Soweit ich mich erinnere, hat er Ihnen das Leben gerettet. Sie haben mir übrigens seinen Namen nie genannt.“

Steve lächelte. „Er wurde von allen nur Charlie genannt. Er ist Amerikaner, aber es ist vielleicht besser, wenn sein richtiger Name nie erwähnt wird. Möglicherweise kommt er eines Tages in die Staaten zurück, um ein neues Leben anzufangen. Bis dahin dürfte er für seine Fehler genug bezahlt haben. Lassen wir es also bei Charlie. Schließlich stand er auf der anderen Seite, aber im entscheidenden Augenblick hat er sich dafür entschieden, mir zu helfen. Es hat ihm eine Kugel des Killers eingebracht.“

Barwick nickte nachdenklich. „Nehmen Sie die Spur der Gangster wieder auf. Sie müssen die Organisation zerschlagen. Von der einheimischen Polizei haben Sie dabei keine Hilfe zu erwarten. Selbst hohe Offiziere stehen im Dienst der Gangster. Alle verdienen sie mit an diesem Dreckszeug. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie ich dieses Heroin hasse.“

„Es hat Ihnen Ihren Sohn genommen. Das ist Grund genug.“ Steves Gesicht wirkte jetzt ernst und verschlossen. Er dachte bereits darüber nach, wie er die Geschichte diesmal anpacken sollte.

Auf jeden Fall musste er Verbindung zu Charlie herstellen, der eigentlich Ronald Meade hieß. Er war im Vietnamkrieg hinter den feindlichen Linien eingesetzt und sollte die Bergstämme in ihrem Kampf gegen den Vietcong unterstützen. Irgendwie war er dann dort hängen geblieben, und hatte natürlich das Angebot angenommen, das man ihm eines Tages machte. Nämlich den Transport des Rauschgiftes von den Feldern im Norden nach Süden zu überwachen.

Charlie hatte sich nichts bei diesem Job gedacht. Er lebte bei den Bergstämmen und kam ab und zu in die nächste Stadt, um sich volllaufen zu lassen und die Mädchen zu besuchen. Es kümmerte ihn nicht weiter, was mit dem Heroin geschah, das dann seinen weiten Weg um die halbe Welt antrat. Für die Bergstämme war Opium etwas völlig Normales. Hier rauchte jeder sein Pfeifchen, und auch er hatte es oft versucht.

Nun, jedenfalls hatte Charlie im richtigen Moment die Fronten gewechselt, dachte Steve. Ein englischer Berufskiller hatte Steve McCoy bereits vor dem Lauf gehabt, und es sah nicht mehr danach aus, als könnte es noch einen Ausweg geben. Aber dann war Charlie auf der Bildfläche erschienen, und die Situation hatte sich geändert.

„Gibt es noch etwas, das ich wissen müsste?“, fragte Steve.

„Nein, ich überlasse alles Ihnen. Es würde mich sehr freuen, wenn der nächste Herointransport die Vereinigten Staaten nicht erreicht.“

John Barwick griff in seine Brusttasche und zog einen dicken Umschlag heraus, den er über den Tisch schob. „Hier ist alles drin, was Sie brauchen. Flugticket und Geld. Außerdem alle notwendigen Informationen, die ich von meinen Freunden bei anderen Behörden habe.“

„Ich nehme an, mein Flugzeug startet in Kürze.“

Jetzt lächelte Barwick. „Ja, in drei Stunden.“

 

 

4.

 

Unter der Zimmerdecke drehte sich träge ein Ventilator, der die heiße Luft nur umwälzte, aber kaum kühlte.

Oberst Kuang Thanarat betrachtete seine Fingernägel, sie waren jedoch einwandfrei poliert. Er legte Wert auf Äußerlichkeiten. Dann hob er den Kopf und blickte die beiden anderen Männer an, die sich ebenfalls im Raum aufhielten.

Der eine war Li Fang, ein dicker Chinese von etwa fünfzig Jahren. Davon hatte er die meiste Zeit mit dem Schmuggeln von Drogen zugebracht und ein riesiges Vermögen damit angehäuft. Eigentlich hatte er sich lange zur Ruhe setzen wollen, doch die Verlockungen des Geldes waren stärker. Zumal es gerade jetzt wieder zahlungskräftige Kundschaft gab, die den Stoff mit Dollars bezahlten. Die hübschen grünen Scheine erfreuten jedes Mal Li Fangs Auge. Er mochte den Geruch des Geldes, und es gab nichts Schöneres für ihn, als Banknoten durch die Finger gleiten zu lassen.

Der zweite Mann, er saß direkt gegenüber von Kuang Thanarat, war Amerikaner, auch wenn er nicht so aussah. Man hätte ihn eher für einen Südeuropäer gehalten.

Der Verdacht war auch richtig.

Denn Carlo Peretti war in Palermo geboren worden. Seine Eltern wanderten aber schon in die Staaten aus, als er noch Kind war. Insofern hatte er nur eine blasse Erinnerung an seine sizilianische Heimat. Sein Vater hatte ihm verboten, jemals seinen Fuß auf die Insel zu setzen. Den Grund hatte er nie genannt. Aber Carlo wusste ihn von seiner Mutter.

Sie hatten auswandern müssen, weil es die einzige Möglichkeit war, einer lange andauernden Blutrache zu entkommen.

Carlo Peretti wusste, dass diese Blutrache auch heute noch nicht vergessen war. Niemand wusste den ursprünglichen Grund dafür, aber das alte Gesetz der Insel verlangte das Prinzip Auge um Auge.

Carlo verspürte demzufolge keine große Lust, in die Heimat seiner Vorväter zu gehen, zumal er es in der neuen Welt weit gebracht hatte. Sein Vater hatte seinerzeit einen Gemüseladen im italienischen Viertel New Yorks eröffnet, und es blieb nicht aus, dass sich andere Italiener für ihn interessierten. Es gab nächtelange, heimliche Besprechungen im Hinterzimmer, und als Carlo herangewachsen war, besaß sein Vater eine ganze Kette von Geschäften.

Und eines Tages weihte er ihn ein bisschen ein. Viele Dinge, über die Carlo nachgedacht hatte, waren ihm jetzt klar, und er war Feuer und Flamme, als sein Vater ihn in die Organisation übernahm. Einige Jahre später hatte er seine ersten Verdienste errungen, und einer der wichtigeren Leute wurde auf ihn aufmerksam.

Carlo Peretti lächelte flüchtig, als in Sekundenschnelle die Stationen seines Lebens an ihm vorüberhuschten. Heute war er ein wichtiger Mann. Er war hier in Bangkok als bevollmächtigter Vertreter von Robert Lucas, einem Mafiaboss aus New York.

Lucas saß zwar im Augenblick in Untersuchungshaft, aber davon ließ sich der alte Fuchs nicht stören. Seine Geschäfte liefen auch so weiter. Er zog auch hinter Gittern an den Fäden.

„Wir müssen zu einer Einigung kommen“, brach Li Fang das Schweigen, das ziemlich lange gedauert hatte.

Oberst Thanarat nickte. Er hatte noch keinen Entschluss gefasst. In Bangkok war er ein bekannter Mann. Er kommandierte eine Eliteeinheit der thailändischen Armee, die in der Hauptstadt stationiert war. Im Kampf gegen die aufständischen Muslimen an der Südgrenze hatte er sich mehrfach bewährt und war dafür mit Orden ausgezeichnet worden.

Er war ein gern gesehener Gast auf den Partys der Oberschicht, und er galt als sogenannte gute Partie. Denn alle wussten, dass Oberst Thanarat nicht unvermögend war.

Kaum jemand wusste jedoch, woher der Oberst das Geld hatte. Der Sold der Armee war nicht sonderlich hoch, aber Thanarat bezog ein Vielfaches davon aus dem Rauschgiftgeschäft. Der Chinese Li Fang war der Finanzier. Er hatte den Oberst ins Spiel gebracht. Er sollte dafür sorgen, dass die Transporte aus dem Dschungel im Norden unbehelligt über die Bühne gingen, und dass die Razzias, die von der Armee von Zeit zu Zeit durchgeführt wurden, keinen Erfolg hatten.

Dies alles bereitete Thanarat kein Kopfzerbrechen, aber diesmal wollten seine Verbündeten mehr von ihm.

„Das ist unmöglich“, sagte der Oberst schließlich. Sie sprachen Englisch, das alle drei perfekt beherrschten.

Li Fang schüttelte den Kopf. „Es gibt keine andere Möglichkeit. Sie wissen doch, dass wir Schwierigkeiten hatten. Sie selbst haben diesen Amerikaner doch kennengelernt, der uns hier in die Suppe gespuckt hat. Sie hätten ihn gleich ausschalten sollen. Dann wäre jetzt alles ein bisschen einfacher.“

Thanarat deutete auf Peretti. „Eure Leute sind schuld. Sie wollten den Kerl unbedingt haben. Also habe ich ihn ausgeliefert. Ich verbitte mir jeden Vorwurf.“

Peretti hob die Hand. „Ist schon gut. Ich kann wirklich nichts dafür, weil ich noch gar nicht im Land war. Das ist im Grunde auch gleichgültig, denn schließlich ist dieser verdammte Kerl nicht mehr hier. Jedenfalls haben wir nichts mehr mit ihm zu tun. Aber dennoch müssen wir die nächste Lieferung in die Staaten schaffen.“

„Das ist mir schon klar“, sagte Thanarat heftig, „aber warum können Sie nicht den üblichen Weg gehen?“

Peretti wandte sich hilfesuchend an Li Fang. Der Chinese nickte. „Das würden wir gern tun. Aber der Weg geht nicht mehr. Wir müssen eine andere Möglichkeit wählen. Und aus diesem Grund sind wir auf Sie gekommen. Sie sind uns schließlich freundschaftlich verbunden.“

Li Fang lächelte fein, und die kalten Augen versanken fast unter den Fettpolstern seiner Wangen. „Sie sind uns einen Gefallen schuldig, Oberst. Bisher haben wir Sie kaum um einen großen Gefallen gebeten, aber heute ist es so weit.“

„Das grenzt an Erpressung!“, fuhr der Oberst hoch.

„Regen Sie sich nicht auf, versuchte Peretti ihn zu beschwichtigen. „Aber Li Fang hat recht. Es gibt keinen anderen Weg, und wir müssen das Zeug aus dem Land bringen. Die Verbraucher in den Staaten warten schon sehnsüchtig darauf. Die Preise sind gestiegen. Es handelt sich um eine ziemlich große Menge, und wir haben überlegt, dass es besser ist, sie mit einem Schlag auf einer sicheren Route zu transportieren als sie zu zerstückeln und auf verschiedenen Wegen hinüberzubringen.“

Thanarat schüttelte den Kopf. „Wenn das herauskommt, bin ich erledigt.“

„Es wird nichts herauskommen“, bemerkte Li Fang ruhig. „Das ist ja das Schöne an unserem Plan. Niemand wird dahinterkommen, weil es so unglaublich ist. Es ist ein Plan, der unserer Verbindung würdig ist. Wir alle haben viel Geld und Zeit in dieses Projekt investiert. Ich erinnere mich, dass Sie auch zu einem gewissen Prozentsatz beteiligt sind, Oberst.“

„Sicher, das bin ich ja immer. Aber trotzdem haben wir noch nie gewagt, in dieser Weise unser Geschäft zu betreiben. Ich kann mich noch nicht damit anfreunden.“

Peretti beugte sich vor. „Oberst Thanarat, wir haben keine Zeit für merkwürdige Spielchen oder Bedenken, die Sie plötzlich entwickeln. Sie stecken bis zum Hals in der Geschichte drin, und Sie haben sich bis jetzt noch nie die Finger schmutzig gemacht. Es wird Zeit, dass Sie sich Ihr Geld auch mal richtig verdienen.“

Thanarat zuckte zusammen. Seine Augen hefteten sich auf den Amerikaner. „Beleidigen Sie mich nicht!“

Li Fang hob beschwichtigend die Arme. „Meine Herren, auf diese Weise kommen wir nicht weiter. Wir müssen heute eine Entscheidung treffen.“

„Sehr richtig“, knurrte Peretti. „Schließlich hat meine Organisation bereits einen beträchtlichen Vorschuss geleistet. Ich will jetzt die Ware sehen, und ich kann nicht begreifen, dass sich der Oberst plötzlich so sträubt, auf diese lächerliche Sache einzugehen.“

Thanarat schwieg und stierte auf den Boden.

„Sie haben doch auch einen Verbindungsmann im Norden?“, fragte Li Fang.

Peretti nickte. „Er treibt sich bei den Yaos und Akhas herum und sorgt dafür, dass sich niemand an unserem Eigentum vergreift. Wir halten es für besser, wenn jemand den Kerlen auf die Finger schaut. Die Versuchung ist sonst zu groß, ein wenig von dem Stoff auf die Seite zu schaffen und später auf eigene Rechnung zu verkaufen.“

Li Fang nickte. „Ein paar von meinen Landsleuten sind auch dort oben. Sie arbeiten hart in der Landwirtschaft.“

Peretti sah den Chinesen an, und sein Mund klappte auf und zu, als hätte er soeben eine Ungeheuerlichkeit vernommen. „Was haben Sie da eben gesagt? In der Landwirtschaft?“

Li Fang verzog keine Miene. „Natürlich.“

„Ihre sogenannten Landsleute sind Blutsauger. Sie pressen jeden Cent aus uns heraus, den sie kriegen können. Sie kontrollieren die Bergstämme und sorgen dafür, dass niemand in ihr Gebiet kommt. Sie haben sich einen kleinen Privatstaat geschaffen, aus dem niemand sie zu vertreiben wagt. Und sie nutzen die Situation natürlich aus.“

„Was stört Sie daran? Die Chinesen sorgen für Ruhe.“

„Zu viele Händler verderben die Preise. Sie gehören hier im Goldenen Dreieck sowieso zu den höchsten der Welt. In der Türkei kaufen wir das Rohopium billiger ein.“

Li Fang lächelte wieder. „Dort ist die Qualität auch schlechter. Unser Preis ist durchaus angemessen. Viel wichtiger wäre zu erfahren, wie Oberst Thanarat inzwischen entschieden hat.“

Der Angesprochene hob den Kopf. Seine Augen blickten von einem zum anderen. „Ich mache es“, sagte er dumpf. „Es bleibt wohl keine andere Wahl. Aber es wird bei diesem einem Mal bleiben – sofern alles klappt.“

„Was soll denn nicht klappen?“, fragte Li Fang. „Wir haben alles vorbereitet. Niemand wird Verdacht schöpfen, und die Amerikaner schon gar nicht. Sie werden nicht im Traum daran denken, dass der kostbare Stoff auf diesem Wege ihre Grenze passiert.“

Peretti kicherte. „Das ist ein guter Witz.“

Thanarat äußerte sich nicht dazu. Er stand ruckartig auf. „Ich muss zurück in die Kaserne. Wir setzen uns auf dem üblichen Weg miteinander in Verbindung. Wann soll ich mich melden?“

Li Fang winkte ab. „Wir melden uns. Ihr Abflug ist in drei Tagen, das ist doch richtig?“

Thanarat nickte. „Ja. Ich fliege mit dem Verteidigungsminister in einer Maschine.“

„Sehr schön. Wir haben bis zu diesem Zeitpunkt alles geregelt. Auf Sie wird nicht der Schatten eines Verdachts fallen.“

Thanarat verbeugte sich kurz und verließ den Raum, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Es dauerte eine ganze Weile, ehe Peretti das Schweigen brach. „Wird dieser Plan funktionieren? Untersucht wirklich niemand das Gepäck der Delegation unmittelbar vor dem Abflug? Können wir Thanarat trauen?“

„Viele Fragen. Ich habe mir noch ein paar mehr gestellt, und meine Leute haben alles gründlich geprüft. Das Gepäck der Delegation wird sofort verladen. Die Sondermaschine steht etwas abseits auf dem Rollfeld, und der Bus mit den Passagieren fährt direkt bis an die Maschine. Das Gepäck nimmt einen anderen Weg. Schließlich kann man dem Minister nicht zumuten, dass er mit gewöhnlichen Passagieren an der Gepäckabfertigung steht.“

„Natürlich nicht“, brummte Peretti. „Das ist überall so. Ich wollte nur wissen, ob es besondere Sicherheitsmaßnahmen gibt, wenn der Minister mit einigen hohen Militärs nach Washington fliegt.“

Li Fang schüttelte den Kopf. „Wir haben Glück, dass unser lieber Freund Thanarat mitfliegt. Er kann als Einziger dafür sorgen, dass bestimmte Gepäckstücke ohne besondere Prüfung in die Maschine kommen. In den Staaten gilt das Gepäck als Diplomatengepäck. Es wird bei der Einreise natürlich nicht kontrolliert, da es sich um einen offiziellen Besuch handelt. Alles wird glatt über die Bühne gehen.“

„Thanarat schien mir nicht so sicher. Ich hoffe nur, dass er in letzter Minute keinen Fehler macht.“

Der Chinese schüttelte den Kopf. „Bei Oberst Thanarat wird sich am Ende immer der gesunde Menschenverstand durchsetzen, und der ist bei ihm an das Geld gekoppelt. Er weiß genau, dass er uns braucht. Er hat schließlich einen ziemlich aufwendigen Lebensstil, der finanziert werden muss. Korrupt war er schon immer. Wir haben ihn in der Hand, wenn er Schwierigkeiten machen sollte. Aber er wird folgsam sein wie ein kleines Hündchen. Denn wir werden ihm noch einen Extrabonus versprechen, wenn er die Ware gut zu den Abnehmern bringt.“

„Es darf nichts passieren“, meinte Peretti nachdenklich. „Meines Wissens hat noch nie eine solche Riesenmenge Heroin das Land in einer einzigen Sendung verlassen. Wenn der Stoff abgefangen wird, haben wir einen Verlust, der uns den Ruin bringen kann. Uns und Ihnen sowieso. Dann wären wir aus diesem Geschäftszweig zunächst draußen. Denn mein Boss hat mir klar gesagt, dass er nur noch einen Versuch riskiert. Ich habe damit begriffen, dass es auch um meinen Kopf geht.“

Li Fangs Augen waren zu schmalen Schlitzen zusammengezogen. „Damit wollen Sie sicher andeuten, dass auch mein Kopf in Gefahr ist. Sie meinen, dass unser Schicksal in diesem Fall untrennbar miteinander verbunden ist?“

Peretti strahlte ihn an. „Sie haben eine bemerkenswerte Auffassungsgabe. Genau das habe ich gemeint.“

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738923421
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Mai)
Schlagworte
goldenen dreieck grüne hölle

Autor

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Titel: Tod im Goldenen Dreieck –Todesfalle Grüne Hölle #2