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Die Raumflotte von Axarabor #34: Planet der verschwundenen Schiffe

2018 70 Seiten

Leseprobe

Die Raumflotte von Axarabor #34: Planet der verschwundenen Schiffe

Axarabor, Volume 34

Wilfried A. Hary

Published by BEKKERpublishing, 2018.

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Planet der verschwundenen Schiffe

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 34

von Wilfried A. Hary

Der Umfang dieses Buchs entspricht 75 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

CORMONA ist eine der verbotenen Welten. Allerdings hält sich nicht jeder an dieses Verbot. Mit fatalen Folgen. Deshalb muss die Raumflotte von Axarabor eingreifen. Ein für allemal.

Zunächst mit dem Scoutschiff PRODAMIN und seiner Crew unter Captain Turon Palimon, der noch nicht ahnt, was sie erwartet...

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author /Cover 3000AD 123rf Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Ziel erreicht!“, bedeutete das verabredete Signal, das Turon Palimon, der Captain und Kommandant des Scoutschiffes der Entdeckerklasse PRODAMIN, durch seinen Funkoffizier, den Echsenmann Schroma Schribur, absetzen ließ.

Ein codiertes Signal natürlich, wie mit der hohen Admiralität von Axarabor verabredet. Jetzt wusste man dort, dass der Countdown lief. Falls sie sich innerhalb von vierundzwanzig Stunden nicht erneut meldeten, mit einem weiteren verabredeten Code-Signal, wurde die Raumflotte in Marsch gesetzt. Genaugenommen war die PRODAMIN kein reguläres Mitglied der Streitkräfte, sondern vielmehr ein angeheuertes Schiff unter eigenem Vertrag. Es gab Aufträge, für die man bei den Streitkräften lieber ein solches Schiff schickte.

Wer auf ihr Signalausbleiben zum Einsatz kommen würde, interessierte die PRODAMIN zunächst einmal überhaupt nicht. Schließlich redeten sie sich erfolgreich ein, sowieso nicht in Gefahr zu sein.

Nur Schroma Schribur hatte Bedenken angemeldet, als sein Captain den Auftrag angenommen hatte: „Heißt es nicht, dass dort bereits einige Schiffe verloren gingen? Und wieso schicken die jetzt uns dorthin?“

„Die schicken uns nicht einfach hin, sondern haben allgemein gefragt, ob das jemand freiwillig auf sich nehmen würde.“

„Ach ja?“, hatte der Echsenmann mit seiner anatomisch bedingten Zischelstimme geantwortet, „und dann müssen ausgerechnet wir das sein? Und wieso haben die nicht gleich die Raumflotte hin geschickt?“

Turon Palimon hatte einfach nur gelacht. Und dann hatte er erklärt: „Erstens einmal ist der Auftrag so lukrativ, dass wir davon fünf Jahre lang leben können – mindestens. Zweitens war die Raumflotte schon mehrmals vor Ort, ohne jedoch die geringste Gefahr feststellen zu können. Das heißt, sie sind jedes Mal wieder unverrichteter Dinge wieder zurückgekehrt. Drittens sind wir die einzigen, die sich freiwillig gemeldet haben.“

„Weil die anderen wohl schlauer sind als wir!“, hatte Schroma Schribur vermutet.

Turon Palimon hatte nur die Lippen geschürzt und sich in der Runde umgesehen.

„Noch jemand, der nicht mit dabei sein will?“

„Moment mal!“, hatte sich Schroma sogleich beschwert, „niemand hat gesagt, dass ich nicht mitmachen werde! Aber ich bin Miteigentümer der PRODAMIN, genauso wie jeder von uns. Und jeder hat das gleiche Mitspracherecht, auch wenn wir dich zum Kommandanten gemacht haben, Captain Turon Palimon. Also stelle jetzt ich einmal die Frage: Wer ist dafür, dass wir in die Falle fliegen und wer ist dagegen?“

Alle anderen hoben den Arm und sagten: „Dafür!“

Er hob den Arm und sagte: „Dagegen!“

Dann wandte er sich ab und tat so, als müsste er sich ganz dringend mit seiner Funkanlage beschäftigen. Über die Schulter zurück zischelte er nur noch: „Dann ist es mehrheitlich entschieden. Aber sagt nur ja niemals, ich hätte euch nicht gewarnt!“

Seitdem war er jedenfalls mit dabei und hatte bisher kein weiteres Wort mehr darüber verloren.

Turon warf einen Blick auf seinen 1. Offizier Peris Sumol. Er war der einzige in der Runde, der von seinem Geheimnis wusste: Turon Palimon war ein Psioniker. Mit anderen Worten: Er besaß PSI-Kräfte.

Ja, niemand ahnte auch nur davon. Wann immer seine Kräfte zum Einsatz kamen, um sie beispielsweise aus einer ansonsten ausweglosen Situation zu befreien, hatte er das so hingedreht, als hätte er einfach nur Glück gehabt bei seinem Vorgehen.

Peris Sumol erwiderte diesen Blick. Er war allein schon deshalb zuversichtlich, dass sie hier nicht scheitern würden, weil er eben voll und ganz auf seinen Captain vertraute.

Er schielte nach den restlichen beiden Besatzungsmitgliedern. Da war die einzige Frau in der Fünferrunde Cate Lingsdale, die allerdings nicht wie eine menschliche Frau aussah. Wie Schroma Schribur entstammte sie einer langen Mutationsreihe auf einem eigentlich menschenunfreundlichen Planeten, an den sich die einstigen menschlichen Neusiedler über mehrere tausend Jahre hinweg allmählich angepasst hatten.

Echsenmenschen wie Schroma Schribur allerdings gab es innerhalb des Imperiums häufiger als sogenannte Katzenmenschen. Keiner von ihnen hatte außer Cate jemals einen zu Gesicht bekommen. Es wurde sogar gemunkelt, sie wären deshalb so selten außerhalb ihrer Welt zu finden, weil sie sich unter anderen Menschen und da vor allem unter Nichtmutierten äußerst unwohl fühlten. Man sagte ihnen nämlich nach, ganz besonders sensibel zu sein.

Auf Cate Lingsdale traf das allerdings nicht zu. Zwar sah sie als Katzenfrau eher sanft aus, mit ihrem weichen gestreiften Fell, das nur Augen und Ohren frei ließ, aber wenn sie die Krallen ausfuhr nach Katzenart, belehrte einen das sogleich eines anderen.

Die Frage, wieso letztlich innerhalb des Sternenreiches so wenig Katzenmenschen ihres Kalibers unterwegs waren, hatte sie bis heute nicht beantwortet. Auf diesem Ohr war sie gewissermaßen auf Dauer taub. Also mussten selbst ihre engsten Freunde hier an Bord – und dazu zählte eigentlich jeder von ihnen – zugeben, über die Geburtswelt der Katzenfrau praktisch gar nichts zu wissen. Und das sollte wohl nach Meinung von Cate auf Dauer so bleiben, obwohl niemand auch nur ahnte, was der Grund dafür sein sollte. Immerhin war die Katzenwelt, wie man sie allgemein nannte, Vollmitglied des Imperiums und stand unter dem Schutz der Raumflotte von Axarabor, obwohl sie sich weigerten, auch nur ein einziges Raumschiff von außerhalb auf ihrer Welt landen zu lassen.

Dann war da noch Brun Sanwick, ein außerordentlicher Muskelmann, der nur wenig sprach. Er war ein überragender Kämpfer. Aus seiner Vergangenheit war lediglich bekannt, dass er Angehöriger der Raumflotte gewesen war. Dort hatte man ihn zu diesem kampfstarken Krieger ausgebildet. Wieso er letztlich aus der Flotte ausgeschieden war, blieb genauso ungewiss wie seine eigentliche Herkunft.

Immerhin schien die Raumflotte ihm bei seinem Abgang eine hübsche Abfindungssumme bezahlt zu haben, mit der er sich dann als Miteigentümer der PRODAMIN hatte einkaufen können.

Im Gegensatz zu Cate hatte er bar bezahlen können. Cate hatte dafür einen Kredit aufnehmen müssen, der bis heute jedoch längst zurück bezahlt war. Ohne die Bürgschaft der anderen, die Cate damals schon blind vertraut hatten, wäre ihr die Aufnahme eines Kredites allerdings niemals gelungen. Welche Bank gab denn schon einer Katzenfrau einfach so einen Kredit?

Schroma Schribur hatte seinerseits genauso bar bezahlen können wie Brun Sanwick. Nicht etwa über eine Bank, sondern in der Tat bar. Turon Palimon nahm heute noch an, dass Schroma Schribur da eine Geldquelle angezapft hatte, über die er zurecht niemals sprach. Vielleicht war er sogar in kriminelle Dinge verwickelt gewesen? Aber es gab dafür nicht wirklich Anhaltspunkte. Vor allem hatte es niemals zu irgendeinem Zwischenfall geführt, der dies hätte vermuten lassen.

„Also gut“, sagte Captain Palimon schließlich, „führen wir unseren Plan durch. Wir landen nicht mit der PRODAMIN, sondern mit einem der Beiboote.“

Er nickte seinem ersten Offizier zu.

„Du bleibst gemeinsam mit Schroma Schribur an Bord. In meiner Abwesenheit vertrittst du mich. Schroma ist verantwortlich für die Funk- und Ortungsanlage. Ihr wisst beide, dass wir die PRODAMIN nicht sich selbst überlassen können. Außerdem ist es uns von der planetaren Oberfläche aus nicht mehr möglich, per Funk die Flotte zu erreichen.“

„Alles klar!“, sagte Peris nur und nickte zustimmend.

Schroma enthielt sich seiner Meinung und beschäftigte sich mal wieder angelegentlich mit seiner Anlage. Als müsste er alles noch einmal sorgfältig überprüfen.

Obwohl die Scanner bestätigt hatten, dass die Atmosphäre auf dem Planeten atembar war, schlüpften sie in Schutzanzüge. Diese waren zwar dünn und anschmiegsam wie eine zweite Haut, aber sie wirkten wie eine Panzerung, die sogar Geschosse abprallen lassen konnten. Zusätzlich besaßen sie einen flexiblen Helm, der bei der geringsten Luftveränderung sich sofort schließen konnte, während er ansonsten zusammengefaltet im Nacken blieb.

Erst jetzt bestiegen sie das Beiboot, das gerade mal genug Platz für drei bereit hielt, eben Turon, Cate und Brun. Dass Turon genau diese beiden als seine Begleiter ausgesucht hatte, war kein Zufall. Es war, als würde er ahnen, dass ihre Kampfkraft vonnöten sein würde.

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Der Planet CORMONA stand so plastisch mitten in der Zentrale des Scoutschiffes der Entdeckerklasse, als könnte man danach greifen. Dabei war es lediglich eine Projektion, die Peris jetzt umschritt und dabei genauestens betrachtete.

„Da stimmt etwas nicht!“, hatte Schroma behauptet, kaum dass ihr Captain mit seinen beiden Begleitern abgelegt hatte.

„Wie bitte?“, hatte Peris gesagt und darum gebeten, den Planeten genauer in Augenschein nehmen zu können.

„Ich weiß nicht, was du meinst“, murmelte er vor sich hin. „Eine Dschungelwelt. Dieser Dschungel ist dermaßen von Nässe gesättigt, um es einmal so zu formulieren, dass nicht mehr viel übrig bleibt für irgendwelche Weltmeere. Deshalb ist wohl nur ein Drittel der Planetenoberfläche von Meer bedeckt. Alles andere ist fast ausschließlich Dschungelgebiet, durchzogen von einem endlosen dichten Netz aus Flüssen und Seen aller Größenordnungen.“

„Das meine ich nicht!“

„Was denn sonst? Ich sehe nur einen verschwindend geringen Anteil von Steppe hoch im Norden. Es gibt praktisch keinerlei Wüstengebiete.“

„Ich habe sämtliche Daten verglichen mit denen, die uns die Raumflotte mit auf den Weg gegeben hat“, ließ Schroma endlich die berüchtigte Katze aus dem Sack: „Keinerlei Abweichungen! Also nicht die geringsten!“

„Und da kommst du auf den Gedanken, dass hier etwas nicht stimmt?“, wunderte sich Peris.

„Dann überlege mal, mein Freund“, zischelte der Echsenmann und wandte sich seinem ersten Offizier zu. „Wir sind nun schon einige Jahre gemeinsam unterwegs. Hast du jemals eine Welt erlebt, in der alles gleichbleibend ist? Sieh dir diese Welt doch mal an. Das ist das pralle Leben, wenn man so will. Und Leben verändert sich ständig. Nichts bleibt so wie es ist. Steppengebiete kommen und gehen, sogar die Jahreszeiten hinterlassen Spuren.“

„Und das vermisst du hier?“, blieb Peris verwundert.

„Ja!“, bestätigte Schroma. „Deshalb sage ich ja: Hier stimmt was nicht! Weil es nicht sein kann, dass jedes Mal, wenn die Raumflotte hier aufkreuzte, sich genau dieses Bild geboten hat. Genau dieses Bild! Um überhaupt auf dieser Welt landen zu können, mussten sie ausweichen in eines der vergleichsweise winzigen Steppengebiete. Weil der Dschungel keinerlei Landemöglichkeiten bietet. Es gibt nicht einmal eine Lichtung oder so. Man hätte sich einen Landeplatz quasi erst selber erschaffen müssen. Du weißt, dass niemand das gern tut.“

„Zumindest ist es verboten beziehungsweise auch nicht üblich!“, schränkte Peris ein.

„Wie auch immer, mein Freund: Unser Beiboot wird natürlich ebenfalls dort landen, wo auch die Raumflotte schon war. Stelle dir vor: Sämtliche Daten waren immer gleich, schon vor tausend Jahren.“

„Vor tausend Jahren?“ Peris schürzte nachdenklich die Lippen. „Du hast recht. Das ist eine verdammt lange Zeit. Und seit wann verschwinden hier Schiffe?“

„Schon immer, wenn man so will. Nicht so viele insgesamt gesehen, denn schon nach dem ersten vermissten Raumschiff wurde CORMONA zur verbotenen Welt erklärt.“

„Woran sich offensichtlich nicht jeder hielt.“

„Genau. Aber es gab immerhin jedes Mal einen Notruf der Betroffenen. Das heißt, bevor sie endgültig verschwanden, hatten sie noch Gelegenheit dazu. Natürlich ohne genaue Angaben machen zu können.“

„Womöglich sind sie auch nur mit einem Beiboot gelandet, während ihr Mutterschiff im Orbit blieb?“, vermutete Peris.

„Ja, außerdem müssen wir vielleicht noch berücksichtigen, dass es auch Schiffe gab, die eben keinen Notruf absenden konnten. In all den Jahrtausenden seit dem Verschwinden des ersten Schiffes sind offiziell gesehen mindestens vier weitere verschwunden. Die Raumflotte war eigentlich jedes Mal hier vor Ort, um die Sache zu kontrollieren und möglicherweise Hilfe leisten zu können. Es wurden nicht die geringsten Spuren der verschwunden Schiffe gefunden.“

„Und immer war der Planetenscan genau gleich?“

„Nun, zumindest eben die letzten tausend Jahre. Die Scans, die es möglicherweise vorher schon gab, sind leider nicht verfügbar.“

„Ach so“, murmelte Peris und beugte sich weiter vor, um genauer hinsehen zu können.

Ihm fiel nichts auf. Eine friedliche Welt. Wären eben nicht bereits Schiffe hier verschwunden.

Aber waren sie wirklich verschwunden? Vielleicht hatte der Planet selber ja gar nichts damit zu tun? Vielleicht gab es irgendwelche Unbekannte, die diese Welt als ihr Eigentum ansahen?

Es gab die verrücktesten Motive. Eines davon hätte vielleicht sein können, dass jemand CORMONA als eine Art Heiligtum ansah und jeden bestrafte, der es wagte, ihm zu nahe zu kommen.

Und wieso hatte es nie die Raumflotte betroffen? Angeblich war das ja der Grund dafür, dass sie jetzt hier waren.

Turon hatte es ihnen erklärt:

„Die Raumflotte kam jedes Mal mit Kriegsschiffen. Vielleicht war es gerade die Präsentation militärischer Macht, die dazu geführt hat, dass nichts passierte?“

Nur eine Vermutung, klar, aber vielleicht gab es trotzdem so etwas wie einen wahren Kern dabei?

„Wir haben einen geeigneten Landeplatz gefunden“, berichtete in diesem Moment ihr Captain über Funk.

Sie hätten eigentlich auch Sonden schicken können, aber das hatte die Raumflotte ja ebenfalls versucht. Sie hatten nichts gefunden. Nur eine unvorstellbar dicht bewachsene Pflanzenwelt eben.

„Sag einmal, Schroma“, fiel Peris auf einmal ein, „gibt es auf dieser Welt vielleicht Insekten?“

„Seltsame Frage. Wieso eigentlich nicht? Jede Dschungelwelt hat eine Fülle von Insekten, die sich gerade in diesem Klima... Moment mal!“, unterbrach Schroma sich selber. „Da ist ja überhaupt nichts in den Berichten mit drin. Auch keine sonstigen Tiere. Es werden lediglich ganz unterschiedliche Arten von Pflanzen erwähnt. Näher untersucht hat man das allerdings nicht.“

„Du meinst, es ist noch niemals jemandem aufgefallen, dass wir hier eine Dschungelwelt völlig ohne Tiere haben? Also keine Flora, sondern nur Fauna? Wie kann denn so überhaupt ein funktionierendes Ökosystem entstehen?“, fragte sich jetzt auch Peris.

„Keine Ahnung“, gab Schroma zu. „Eigentlich überhaupt nicht.“

Er wandte sich an Peris.

„Eigentlich hätte ich mit dabei sein müssen, mit auf die Planetenoberfläche fliegen“, platzte es aus ihm heraus. „Sieh mich an, Peris: Bin ich nicht ein Echsenmensch? Die Mutation, der meine Art entspricht, konnte nur auf einem höllischen Dschungelplaneten entstehen. Und dort unten haben wir einen Dschungelplaneten.“

„Aber keinen höllischen!“, gab Peris zu bedenken.

„Oh, ja, da hast du allerdings recht“, musste Schroma einlenken. „Aber trotzdem...“

Er wandte sich wieder seinen Kontrollen zu. Dann zischelte er:

„Ich werde hier nicht eher weggehen, bis ich herausgefunden habe, wie eine vollkommene Pflanzenwelt überhaupt existieren kann!“

Es klang wie ein heiliger Schwur, und Peris hätte wetten können, dass es genau das war: Ein heiliger Schwur nämlich!

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Sie blieben eine Weile im Beiboot sitzen und betrachteten die Kontrollen, im Wechsel zu Blicken nach draußen.

Die Rundumkanzel war vollkommen transparent, aber das war eigentlich nur eine optische Täuschung. In Wahrheit sahen sie nur die Projektion von draußen. Das konnte man so steigern, dass der Eindruck entstand, sie würden hier vollkommen im Freien sitzen.

Schaltete man die Drohnen hinzu, konnte man es visuell auf die Spitze treiben. Dann wäre es so gewesen, als würden sie sich auf einem fliegenden Sessel sitzend durch die Gegend bewegen.

Keiner schaltete jedoch die Drohnen ein. Sie hatten zunächst nur Augen und Ohren für die unmittelbare Umgebung.

Der Boden war ungewöhnlich trocken. Kein Wunder, dass es nur einen kargen Bewuchs gab. Pflanzen, die offensichtlich nicht so viel Wasser benötigten.

Cate fiel es als erster auf:

„Es gibt keine Insekten! Sie müssten uns als Fremdobjekt regelrecht umschwärmen. Nicht dass ich ein Fan von Insekten wäre, aber ist das nicht seltsam?“

Turon drehte den Bioscanner hoch.

„Ja“, bestätigte er, „keinerlei Fauna. Auch nicht im Boden. Also weder Würmer, noch Raupen oder sonst etwas.“

„Wie sieht es mit Mikroorganismen aus?“, erkundigte sich Brun Sanwick.

Den Wert konnte nur Turon ermitteln.

„Fehlanzeige!“, berichtete er.

„Wie bitte?“, hörte er Cate und Brun wie aus einem Munde.

Er nickte bekräftigend.

„Ja, Fehlanzeige: Es gibt nicht nur keine Insekten oder sogar größere Tiere, sondern außer den durchaus vitalen Pflanzen... gar nichts. Vielleicht sogar keine Viren? Falls diese überhaupt vom System erfasst werden können.“

„Aber wieso wurde darüber nie berichtet?“, fragte Cate.

„Keine Ahnung. Vielleicht erschien es nicht wichtig genug? Ganz im Gegenteil: Ohne Krankheitserreger und lästige Insekten ist das hier ja eigentlich das absolute Paradies.“

„Vielleicht hat die Ökologie auf CORMONA einen ganz anderen Weg beschritten als üblich?“, sinnierte Brun laut. „Es gibt nur Pflanzen, aber vielleicht gibt es halt auch Pflanzen, die ansonsten vorhandene Tiere ersetzen? Fleischfressende Pflanzen gibt es ja eigentlich überall auf bewohnbaren Welten.“

„Fleischfressende Pflanzen auf einer Welt, auf der es überhaupt kein Fleisch gibt?“, hielt ihm Cate entgegen.

Er sah sie an.

„Sorry, hast ja recht.“

„Aber es würde natürlich auch nicht erklären, wieso es keine Mikroorganismen gibt!“, gab jetzt Turon zu bedenken. „Entsteht nicht jegliches Leben zunächst als Mikroorganismen? Daraus entwickelt sich dann das Leben auf der sogenannten höheren Ebene. Wenn sich Zellen zu Mehrzellern organisieren. Mit dem Höhepunkt, als der wir herumlaufen: Billionen von einzelnen Zellen, die gemeinschaftlich ein hochfunktionstüchtiges System bilden wie unseren Körper.“

Cate schüttelte den Kopf.

„Es kann ja hier genauso abgelaufen sein, aber dann dominierten die Pflanzen. Und vielleicht gab es dabei auch welche, die sich von Mikroorganismen ernährten, bis es keine mehr gab? Dadurch hat sich dann diese reine Pflanzenwelt gebildet, wie wir sie heute vorfinden.“

Sie wusste nichts von dem Gespräch in der Zentrale zwischen Peris und Schroma, denn die Tatsache, dass sich hier zumindest in den letzten tausend Jahren nicht das Geringste verändert hatte, schien gegen ihre Theorie zu sprechen.

Turon und Brun ihrerseits hatten nichts dazu zu sagen.

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Der Captain machte letzte Tests, bevor er sich an seine beiden Begleiter wandte.

„Es graut mir irgendwie davor auszusteigen, wenn ich ehrlich sein will. Obwohl alles dermaßen friedlich wirkt.“

„Gerade weil alles so friedlich wirkt!“, betonte jedoch Brun. „Da schrillen bei mir sämtliche Alarmglocken.“

Cate nickte ihm zu.

„Wir sind zwar nicht so oft einer Meinung, aber diesmal muss ich dir voll und ganz rechtgeben.“

„Was schlagt ihr also vor?“, erkundigte sich Turon.

„Aussteigen natürlich“, antwortete Cate. „Aber vorher vielleicht die Helme schließen. Die Luft ist zwar vollkommen rein und unbelastet, weil es noch nicht einmal Viren zu geben scheint, aber es ist ja nicht auszuschließen, dass wir trotzdem etwas übersehen, weil es etwas ist, was wir nur noch nicht kennen?“

Das klang zwar nicht sehr wahrscheinlich, aber Turon und Brun hatten nichts gegen die Vorsichtsmaßnahme einzuwenden. Sie schlossen gleich ihr ihre Helme, bevor Turon für den Luftausgleich sorgte. Dann klaffte das Kapselbeiboot auseinander.

Sie brauchten nur noch aufzustehen und ein paar Schritte zu laufen, um sich inmitten einer völlig fremden und irgendwie unheimlich wirkenden Welt zu befinden.

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Der Blick ging nicht bis zum Horizont, denn mit zunehmender Entfernung erschien eine Art Nebel, der immer dichter wurde, ab einer Entfernung von schätzungsweise fünf Kilometern. Ansonsten war die Ebene vollkommen glatt.

Es gab eine dominierende Art von Steppengras, das nur wenig ergänzt wurde von einem halben Dutzend anderer Pflanzen, die teilweise sogar blühten. Zu wenige, um so etwas wie ein Blütenmeer zu erzeugen, aber auch zu viele, um die ganze Ebene so trist wirken zu lassen wie bedeckt von verdorrtem Steppengras.

„Seltsamer Nebel!“, meinte Cate misstrauisch.

„Aber er bewegt sich nicht“, kommentierte Brun. „Sieh doch, Cate, alles bleibt genau gleich.“

„Wie willst du das wissen?“, fragte ihn Turon. „Wir sind doch noch gar nicht lange genug draußen.“

„Ich habe den Nebel vorher schon gesehen. Ihr habt euch um die nähere Umgebung gekümmert, ich um die weitere“, erläuterte Brun.

Turon sagte nichts mehr. Er griff nach dem Kommunikator.

„Schiff?“

„Ja, bei euch alles klar?“, kam die Stimme von Schroma zurück.

„Wie sieht es aus, von euch aus betrachtet: Gibt es Nebel?“

„Was für ein Nebel?“

Turon beschrieb, was sie hier unten sahen. Er ergänzte es schließlich mit der Bildübermittlung.

Es dauerte nicht lange.

„Alles noch einmal überprüft“, berichtete Schroma schließlich. „Da existiert kein Nebel. Wenn ihr nach Süden schaut, müsst ihr den Dschungelrand sehen. Der ist nur einen Kilometer von euch entfernt.“

„Unmöglich!“, widersprach Turon, „wir sind mitten in dieser Steppe gelandet. Nicht automatisch, sondern auf Sicht. Extra weit genug vom Dschungel entfernt, weil wir ja nicht gerade zu Fuß dorthin wollten. Wir wollten einfach nur...“

„Ich sehe euch klar und deutlich in der Fernerfassung. Also nicht nur das Beiboot als Landefähre, sondern auch euch. Die Bildwiedergabe ist prima. Und wenn ich die Daten einblende: Der Dschungel ist südlich eine Art Band, von euch aus gesehen. Eben rund einen Kilometer entfernt. Den könntet ihr durchaus zu Fuß erreichen.“

Noch einmal wandten sich Turon, Cate und Brun nach Süden. Die Anzeige an ihrem Armchronometer war eindeutig. Das da war in der Tat der Süden.

„Siehst du, in welche Richtung wir blicken?“, erkundigte sich Turon.

„Ja, nach Süden, wie empfohlen“, bestätigte Schroma.

„Der Nebel beginnt in einer Entfernung von etwa fünf Kilometern und wird mit zunehmender Entfernung dichter!“, wiederholte Turon genau das, was er sehen konnte, untermauert mit der automatischen Aufnahme an seinem Helm.

Brun fügte hinzu:

„Wie in einem graphisch nicht so anspruchsvollen Spiel: Da wird ab einem gewissen Abstand Nebel eingefügt, um die Graphikverarbeitung zu schonen.“

Die Antwort von Bord kam mit Verzögerung:

„Kein Nebel!“, beharrte Schroma. „Von hier oben aus betrachtet halt. Ich habe sogar das Blickfeld erweitert, um exakt fünf Kilometer im Radius. Es bleibt dabei. Nach einem Kilometer beginnt der schier endlos erscheinende Dschungel. Alles grün, ohne erkennbare Farbtupfer. Die gibt es wahrscheinlich nur im Kleinen und äußerst selten.“

„Aber du siehst doch unsere eigene Bilderfassung, die genau dem entspricht, was wir mit eigenen Augen sehen können!“, trumpfte Turon auf.

„Klar, aber diese wirkt... wie gefälscht. Sorry, ich kann es nicht anders bezeichnen. Weil ich eben etwas ganz anderes von hier oben aus sehe.“

„Was sagst du übrigens dazu, dass es hier keinerlei Insekten gibt oder sonstige Tiere?“, fuhr Cate dazwischen.

„Das ist inzwischen auch uns klar“, gab Schroma zu. „Außerdem wurde es niemals erwähnt in den Berichten der Raumflotte. Andererseits sind die Beschreibungen und Aufnahmen von CORMONA in den letzten tausend Jahren stets genau gleich geblieben. Als würde es keine Jahreszeiten geben, keinerlei Veränderungen in der Natur.“

„Dafür sind die Veränderungen am Boden sichtbar“, sagte Turon. „Ich meine, ich kann nur sagen, was ich sehe. Und Brun hat recht: Als würde ein Graphiker einfach Details verschleiern, eben mit Nebel. Ich frage mich inzwischen, was wohl passieren würde, wenn wir jetzt einfach in Richtung Dschungel gehen würden, den wir von hier aus überhaupt nicht sehen können.“

„Ihr seht nur die Steppenebene, also auch dort, wo eigentlich der Dschungelrand sein müsste?“, vergewisserte sich Schroma Schribur.

„Schau selber auf die Aufnahmen, wie wir sie übermitteln: Genauso ist es, mein Freund!“, bestätigte Turon Palimon.

„Dann würde ich dringend davon abraten, jetzt in diese Richtung zu gehen. Ich habe keine Ahnung, was da unten läuft, aber es scheint nichts Positives zu sein.“

„Was schlägst du stattdessen vor?“, wollte Brun wissen.

„Kehrt schleunigst zurück zum Schiff. Wir sollten die ganze Aktion abbrechen.“

„Und was berichten wir der Flotte?“, wollte jetzt Turon wissen.

„Dafür haben wir jetzt schon genug Ungereimtheiten entdeckt, die insgesamt gesehen ganz eindeutig jedem abraten, dieser Welt auch nur nahe zu kommen!“, meinte Schroma überzeugt.

Turon sah seine beiden Begleiter an.

„Was meint ihr dazu?“

Cate antwortete als erste:

„Nun, objektiv betrachtet gibt es hier etwas, das uns irgendwie eine Sicht vorgaukelt, die es nicht geben kann.“

„Oder aber die Sicht von Bord aus stimmt nicht!“, gab Brun an ihrer Seite zu bedenken.

Er wandte sich an Turon.

„Ich weiß zwar nicht, wie das möglich sein könnte, aber wir müssen in Betracht ziehen, dass es hier etwas gibt, das in der Lage ist, sozusagen zwei verschiedene Versionen zu erzeugen. Und vergiss nicht, Turon, ich habe diesen Nebel schon entdeckt, als wir noch im Boot saßen. Das war eine Projektion. Hier könnten wir jetzt behaupten, jemand würde uns eine optische Täuschung vorsetzen, aber die Sensoren und Optiken des Bootes sind nicht so leicht zu manipulieren wie das menschliche Auge. Und das trifft natürlich auch auf die Helmkameras zu.“

„Wie weit haben wir uns eigentlich von unserem Boot entfernt?“, rief in diesem Moment Cate erschrocken.

„Nun, ein paar Schritte...“, begann Turon und wandte sich um.

Aber da war überhaupt kein Boot mehr.

„Scheiße!“, entfuhr es Brun.

Aus dem Stand heraus sprintete er los. Mit ausgestreckten Armen, um sich nicht an einem plötzlich irgendwie unsichtbar gewordenen Boot den Schädel einzurennen.

Doch er traf auf keinen Widerstand. Auch nicht nach zwanzig Metern.

Er stoppte seinen Lauf und wandte sich Turon und Cate zu.

„Was für eine verdammte Scheiße geht hier ab?“, knurrte er. Laut genug, dass beide ihn verstehen konnten.

Details

Seiten
70
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738923254
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v444770
Schlagworte
raumflotte axarabor planet schiffe

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Titel: Die Raumflotte von Axarabor #34: Planet der verschwundenen Schiffe