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Die Raumflotte von Axarabor #33: Jungfernflug in das Grauen

2018 0 Seiten

Leseprobe

Die Raumflotte von Axarabor #33: Jungfernflug in das Grauen

Axarabor, Volume 33

Stefan Hensch

Published by Alfred Bekker, 2018.

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Jungfernflug in das Grauen

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 33

von Stefan Hensch

Der Umfang dieses Buchs entspricht 71 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Die NAKAMURA, ein Schlachtschiff der Yamato-Klasse, steht kurz vor ihrem Jungfernflug. Vorher jedoch müssen Schiff und Besatzung eine letzte Feuerprobe bestehen. Doch die Realität ist härter und grausamer als jede Übung! 

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / COVER 3000AD 123rf Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Wayland System, Planet Nilosa in der Nähe des Raumhafens

Die Bar Blackpearl war wie an jedem Ende einer Arbeitswoche voll und weiterhin hatte sich vor dem Eingang eine nicht gerade kurze Menschentraube gebildet. Auch heute würde nicht jeder eingelassen werden.

Cole Walsh war das egal, denn er saß auf seinem Stammplatz an der Bar. Vor ihm stand ein vollsynthetisierter Whiskey in einem voluminösen Glas, hinter ihm tobten sich die anderen Mitglieder der Alpha Group auf der Tanzfläche aus. Die Musik war hier in der Nähe der Bar deutlich leiser als sonst wo im Club. Musik interessierte Walsh nicht, denn er war nur aus zwei Gründen hier. Grund Nummer eins stand vor dem Lieutenant auf dem Tresen, Grund Nummer zwei ließ noch auf sich warten.

In diesem Moment drängte sich ein breitschultriger Gast auf den freien Barhocker neben Walsh.

„Abschiedsdrink?“

Cole Walsh drehte den Kopf und sah Kolja Fomin, seinem Sergeant und besten Freund, ins grinsende Gesicht.

„Wer weiß, ob wir dort draußen je wieder so guten Whiskey bekommen?“

Walsh setzte das Glas an seinen Mund und leerte es in einem Zug.

Fomin nickte und klopfte dem Offizier auf die Schulter. „Wir sehen uns später, ich will mich erst noch was bewegen!“

Walsh blieb allein auf seinem Platz an der Bar sitzen und signalisierte dem Barkeeper, dass er Nachschub wollte.

Der durchtrainierte junge Mann nickte und gleichzeitig schoss die Zunge der tätowierten Schlange auf dessen Hals heraus. Walsh schüttelte unmerklich den Kopf. Mit diesen animierten Tattoos konnte er sich einfach nicht anfreunden.

Da spürte er einen kurzen Luftzug und ein extrem süßliches Parfüm stieg ihm in die Nase.

Als Walsh den Kopf drehte, sah er die Quelle des Geruchs. Der Platz neben ihm war von einer schlanken Blondine in der Ausgehuniform der Flotte von Axarabor besetzt worden. Am Kragenspiegel erkannte er, dass es sich bei der Frau ebenfalls um einen Lieutenant handelte. An der gut gefüllten Bluse unter der Uniformjacke und dem definitiv nicht uninteressierten Lächeln erkannte er, dass sich vielleicht auch der zweite Grund seines Besuchs im Blackpearl vielleicht soeben eingestellt hatte.

Der Barkeeper brachte seinen Whiskey und stellte ihn vor Walsh ab.

„Bringen sie mir auch so einen!“

Der Barkeeper nickte und Walsh war vom angenehm dunklen Timbre ihrer Stimme überrascht.

„Auf die Flotte!“, sagte Walsh und prostete ihr zu.

Die Offizierin lächelte und schob sich eine Strähne ihres weißblonden Haares hinter ihr Ohr.

„Sie sind beim selben Arbeitgeber?“

Walsh grinste und streckte seine Hand aus. „Lieutenant Cole Walsh von der NAKAMURA.“

Sie griff zu und erwiderte den Händedruck. „Tracy Chadwick, John Young.“ 

Der Barkeeper brachte den Drink und beide erhoben sie die Gläser zum Anstoßen.

„Ich habe gehört, morgen findet die letzte Gefechtsübung der NAKAMURA statt?“

Cole schluckte den Whiskey herunter, den er im Mund gekostet hatte. „Danach geht es schnurstracks zum Krieg im Citoyen System. Ich denke, wir werden Azaroth angreifen.“

Tracy sah ihn mit ihren hellgrünen Augen durchdringend an.

„Was machst du auf der NAKAMURA?“

„Mich langweilen und auf Landurlaub hoffen!“

Walsh lachte. „Ich kommandiere das Alpha Team der Raumlandeinfanterie.“

Der Blick von Tracy weitete sich für Sekundenbruchteile ankerkennend. „Ein Ledernacken also“, kommentierte sie und zwinkerte ihm verheißungsvoll zu.

„Und was macht Miss Chadwick auf der John Young?“

Ein siegessicheres Grinsen erschien auf dem Gesicht der Blondine. „Och nichts Besonderes, ich bin nur Pilotin!“

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Die Musik von der Tanzfläche der Blackpearl war in deren Keller nur noch als fernes Wummern zu hören. Das war auch völlig egal, denn hier unten ging es den Anwesenden um etwas völlig anderes als um Musik, tanzen oder gute Laune. Hier ging es um Leben, Tod und sehr viel Geld!

Der verdreckte Keller war vollbesetzt. Menschen drängelten sich um die zwei Personen, die auf zwei Stühlen unter einer primitiven Lampe platzgenommen hatten. Zwischen den Männern stand ein abgenutzter Holztisch auf dem nur zwei Gegenstände lagen. Zwei altmodische Trommelrevolver!

Die Menschen die sich in der Dunkelheit um die zwei Männer an dem Tisch versammelt hatten, waren sensationslüstern. Allein der Eintritt in den Keller kostete eine stolze Summe. Wer aber hierher kam, wollte noch mehr Geld ausgeben und im Idealfall auch gewinnen. Deshalb lief ein Buchmacher durch die Menge und nahm Geld an, während die Besucher lautstark ihre Wetten platzierten. Wetten! Um nichts anderes ging es hier. Menschen hatten schon immer gewettet: Poker, Aktienmarkt, Sportereignisse. Doch seit Menschen Gedenken gab es eine Sache, die durch nichts getoppt werden konnte. Die Wette auf Leben und Tod!

Kolja Fomin saß auf einem der Stühle an dem Holztisch, während ein ihm Unbekannter an der anderen Seite des Tischs platzgenommen hatte.

Für Fomin hatte diese Sache aber nichts mit Geld zu tun. Er hatte genug Geld, und machte sich auch nichts daraus. Anstelle dessen war es ein Ritual für ihn. Er machte es schon jahrelang, bevor er in einen neuen Einsatz ging. Wenn er irgendwann nicht mehr für das Ritual bereit war, dann würde er seinen Dienst in der Raumflotte quittieren. Denn dieses Ritual war genau wie sein Job. Wenn er plötzlich Angst vor dem Tod bekam, dann war es an der Zeit aufzuhören.

Im Keller wurde eine Druckluftfanfare betätigt. Das Tröten war das Zeichen dafür, dass nun keine Wetten mehr angenommen wurden.

Kolja sah zu seinem Gegenüber. Der Mann war jünger als er. Der Kerl schwitzte sehr stark und atmete stoßweise.

„Dein erstes Mal?“, sagte Kolja.

Der Fremde nickte. „Hoffentlich nicht auch mein Letztes!“

Dann ertönte die Fanfare zum zweiten Mal. Das Spiel hatte begonnen!

Fast gleichzeitig nahmen sich die beiden Männer die bereitgelegten Revolver und setzten die Trommeln geräuschvoll in Gang. Der Fremde starrte den Revolver panisch an. Kolja setzte sich den Lauf der Waffe an die rechte Schläfe und betätigte den Abzug.

Klick!

Dann legte der Sergeant den Revolver wieder auf den Tisch und betrachtete seinen Mitspieler. Wie das Kaninchen die Schlange starrte der Jüngere den Revolver an. Kolja Fomin erkannte das Problem. Der andere war nicht bereit zu sterben, sondern wollte gewinnen.

Sekunden vergingen, das Publikum wurde lauter. Dann endlich setzte der Mann die Waffe an seine Schläfe und drückte ab.

Klick!

Schluchzend vor Freude nahm er die Waffe herunter und legte sie ebenfalls wieder auf den Tisch.

Erneut lief der Buchmacher durch die versammelte Meute und kassierte Geld. Menschen schrien frenetisch ihre Tipps.

Dann ertönte wieder die Fanfare. Dieses Mal griff nur Fomin zur Waffe und setzte sie ohne Rotation der Kammer an seine Schläfe. Die Regeln waren einfach und immer gleich. Einmal Rotation der Kammer, dreimal Abzug betätigen. Jede Runde wurde somit gefährlicher – aber auch lukrativer.

Kolja legte den Finger auf den Stecher und zog durch. Klick!

Gelassen legte er den Revolver wieder auf den Tisch.

Sein Gegenüber setzte die Waffe an die Schläfe. Ihre Blicke trafen sich. Tränen verschleierten den Blick des anderen. Kolja hatte wenig Mitgefühl. Niemand musste sich auf ein Risiko einlassen, dass er nicht eingehen wollte.

Der Mitspieler atmete immer hektischer und Kolja wusste, dass er diese Art zu atmen nicht mehr lange aushalten würde. In Kürze würde er hyperventilieren, oder ganz zusammenklappen und dann gnade ihm Gott, denn der Veranstalter würde keine Nachsicht zeigen!

Der Schuss bellte auf und der Kopf des Mitspielers ruckte nach links, als das Projektil einschlug. Dann sackte der Oberkörper des Mannes auf dem Tisch zusammen und Blut trat aus der Wunde an der Schläfe aus, tropfte auf den Boden.

„Wollen sie ihr Geld oder verdoppeln sie die Summe?“

Zwei Männer schafften die Leiche des Mitspielers weg. Fomin nickte, nahm den Revolver und setzte ihn sich zum dritten Mal an die Schläfe.

Klick!

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Schon nach relativ kurzer Zeit hatte sich die Blackpearl als ungeeignete Lokation erweisen. Anstelle dessen hatten Walsh und Tracey sich für seine Wohnung entschieden, denn die befand sich in direkter Nähe der Bar.

Doch wie sich herausstellte, war der Weg in den zweiten Stock des eigens für die Offiziere der NAKAMURA angemieteten Gebäudes fast noch zu weit.

Voller Leidenschaft riss die Pilotin Walsh zu sich heran und presste ihre Lippen auf seinen Mund. Gleichzeitig lehnte sie ihren Rücken an die Wand des Treppenhauses und schlang ihr linkes Bein um seinen Rücken, presste ihren Unterleib an seine Lenden.

Walsh schmeckte ihre begierige Zunge und erwiderte den Kuss, zog Tracey dabei näher an sich. Dabei glaubte er ihre Wirbelsäule leicht knacken zu hören, was aber durch ein lustvolles Stöhnen goutiert wurde.

Dann hatten sie es aber doch noch in die Wohnung von Walsh geschafft. Doch kaum hatte er die Tür hinter sich zu gestoßen, nestelte Tracy mit einem teuflischen Grinsen an seinem Gürtel herum und zog seine Hose herunter.

Als Walsh sich bewegen wollte, presste die Pilotin ihn mit ihrer flachen Hand am Bauch gegen die Zimmertür zurück.

„Entspann dich einfach, Großer!“, war das Letzte was Tracy sagte. Dann saugte sie lustvoll an seinem rechten Hoden und nahm als nächstes seinen Penis in den Mund. Wellen der Erregung breiteten sich in Walsh aus und er ergab sich lustvoll seinem Schicksal.

Doch der Anblick erregte den Offizier noch stärker, deshalb griff er mit einer Rechten in die blonde Mähne der Pilotin und zog sie an sich hoch.

„Ich will dich ganz!“

Zuerst zog Walsh Tracy zuerst die Uniformjacke ungestüm von den Schultern, dann riss er ihre Bluse leidenschaftlich auseinander. Knöpfe fielen zu Boden und rollten in alle Richtungen. Darunter kam ein raffinierter schwarzer BH zum Vorschein, der mehr zeigte als er verhüllte. Dann zog er Tracy den Rock herunter.

Schnell entledigte er sich seiner Kleidung, während die Blondine sich vor ihm in einem knappen Slip und einem passenden BH an der Wand räkelte.

Was Walsh sah, gefiel ihm und in der Regel nahm er sich das dann auch. So auch heute. Er wollte sie hier und jetzt!

Mit unmissverständlichen Bewegungen zwang er Tracy auf die Erde. Kaum kniete sie vor ihm, drang er auch schon mit seinem feucht glänzenden Penis tief in sie ein und umfasste ihren Hüften mit beiden Händen. Er spürte ihre Feuchtigkeit, dann schob sie ihr Becken fest gegen ihn. Walsh grinste, entfernte sich und stieß wieder tief zu. Die Blondine stöhnte lustvoll auf, denn auch sie wollte mehr. Also sollte sie es bekommen!

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IRGENDWANN WAREN DIE beiden fertig miteinander und lagen mit ihren schweißnassen Körpern verschlungen nebeneinander im Bett.

„Ob wir das mal wiederholen“, säuselte Tracy genussvoll.

„Die Frage ist ja eigentlich nur, ob wir das jemals wieder gemeinsam machen.“

Tracy atmete protestierend schnaufend aus und kicherte dann. Die Wahrscheinlichkeit, dass sowohl die NAKAMURA als auch die John Young sobald wieder aufeinandertrafen, war wirklich nicht all zu groß.

Cole betrachtete ihre eigentlich für ihre Figur viel zu üppigen Brüste und ihren muskulösen, geradezu definierten Körper und ihre gebräunte Haut. Dann schloss er die Augen.

Als Tracy mit ihren Fingernägeln auf seiner Bauchdecke nach unten fuhr, bekam er eine Gänsehaut. Er öffnete blinzelnd die Augen.

„Wenn das so ist“, sagte sie grinsend und steckte sich ihren linken Zeigefinger aufreizend in den Mund und leckte daran. „Dann bin ich vielleicht doch noch nicht fertig mit dir“. Geschickt fuhr ihre Linke unter der Bettdecke zwischen seine Beine und ihr Zeigefinger glitt in seinen Anus. Dort stimulierte sie treffsicher einen ganz speziellen Punkt, während ihre Rechte seinen Schwanz fordernd zu bearbeiten begann. Überrascht stöhnte Walsh auf. Ohne sein Zutun schoss wieder Blut in seinen Penis und machte ihn wieder hart.

„Wehre dich nicht mein tapferer Krieger, ich hole den letzten Tropfen aus dir raus. Du sollst die gute Tracy schließlich in bleibender Erinnerung behalten, mein Großer!“

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DIE SONNE SCHIEN DURCH das offene Fenster hinein und weckte Walsh. Es musste schon nach Mittag sein, er hatte also ziemlich lange geschlafen.

Die Kopfschmerzen waren fast unerträglich, denn gestern Nach hatten sie sich nach dem endgültigen Ende ihrer Kampfhandlungen noch über eine Flasche einheimischen Schnaps hergemacht. Sie, das bedeutete er und ... Tracy!

Walsh sah neben sich und fand das Bett leer vor. Er setzte sich auf und sah sich suchend um. Die Pilotin lag nicht neben ihm und auch sonst war von ihr keine Spur zu sehen. Dabei musste sie genauso einen Kater haben wie er!

Aber anscheinend war sie nicht nur wie ein Biest über ihn hergefallen, sondern hatte ihn auch unter den Tisch gesoffen. Beides war für Walsh ziemlich verwunderlich und war in dieser Kombination durchaus bemerkenswert. Wenn sich die Gelegenheit bot, sollte er die leidenschaftliche Offizierin durchaus noch einmal treffen. Aber dazu fehlen mir ihre Kontaktdaten, dachte er bedauernd.

Mühselig stand Walsh auf und tapste ins Badezimmer. Aus dem Spiegel starrte ihn zwar nur sein verkatertes Spiegelbild entgegen, wurde aber von einer Adresse und einer Interkomm Nummer eingerahmt. Beides war mit einem Lippenstift geschrieben worden. Darunter war ein Lippenabdruck zu erkennen und der Buchstabe T. Cole ertappte sich selbst dabei, wie er den Lippenabdruck anstarrte und sich überlegte, was Tracy letzte Nacht alles mit diesen Lippen angestellt hatte...

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Walsh stand in einer Gruppe anderer Mitglieder der Alpha Group in einer langen Schlange im Raumhafen von Nilosa. Neben ihm stand Kolja Fomin. Kolja hatte schon auf der Pike Seite an Seite mit Walsh gekämpft, ehe das Schiff in der Schlacht von Aventuris dem Beschuss zweier Großkampfschiffe zum Opfer gefallen und auf der Planetenoberfläche von Aventuris zerschellt war.

Unaufhörlich starteten Shuttles und brachten Soldaten zur NAKAMURA, die in einem stationären Orbit über Nilosa schwebte. Fomin hatte gestern Abend völlig recht gehabt, als er die Bemerkung mit dem Abschiedsdrink gemacht hatte. Auf dem Planeten und in seinem Orbit befand sich eine der größten Werften des axaraborischen Sternenreichs. Hier war die NAKAMURA vor einigen Monaten als drittes Schiff der Yamato-Klasse fertiggestellt worden.

Heute würde die letzte Gefechtsübung stattfinden, danach würde die NAKAMURA ihren Dienst in den Weiten des Weltraums aufnehmen. So schnell würden sie also Nilosa definitiv nicht wieder zu Gesicht bekommen, vielleicht sogar gar nicht mehr. Außer den Werften hatte der Planet nämlich nicht so viel zu bieten, wenn man von der letzten Nacht einmal absah.

„War die Kleine eigentlich so heiß, wie sie aussah?“

Walsh sah Fomin an und schüttelte stumm seinen Kopf.

„Ist doch immer das Gleiche mit den Weibern!“

Doch in diesem Moment verbeiterte sich das Lächeln auf dem Gesicht von Walsh. „Sie war sogar noch besser, als sie aussah!“

Fomin wollte noch etwas entgegnen, aber dann konnten sie das nächste Shuttle besteigen. Walsh nahm Platz, Fomin setzte sich neben ihn. Die beiden Corporals Roy Hanson und Hank Nolan setzten sich ihnen gegenüber. Hanson war wie Fomin und Walsh eine Altlast von der Pike, während Nolan ein Neuzugang war. Walsh musterte den jungen Mann mit der Adlernase neugierig. Bisher hatte er ihn nur in simulierten Kampfhandlungen gesehen, aber das würde sich in Kürze ändern. Dies war nämlich der absolute Stress-Test für Walsh: die Fratze des Krieges. Manche Männer machte der Anblick davon zu Helden, andere machten ihren Job tadellos und wieder andere wurden zu absoluten Feiglingen. Walsh traute nur der zweiten Gruppe über den Weg, denn die beiden anderen Gruppen überlebten meist nicht sehr lange auf dem Schlachtfeld.

Das Einstiegsschott des Shuttles schloss sich automatisch und sofort startete der Impulsantrieb. Der Pilot steuerte das Schiff in einem großen Bogen weg vom Raumhafen.

Auf Wiedersehen, dachte Walsh und korrigierte sich dann in Gedanken selbst. Er würde in Kürze wieder Richtung Nilosa rasen, dann aber in einem Exoskelett und an Bord eines aus allen Rohren feuernden Landungsschiffs.

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DANN WAR ES SOWEIT und das Shuttle verließ die Atmosphäre von Nilosa, steuerte auf die NAKAMURA zu.

Walsh sah das Schiff nicht zum ersten Mal, doch immer noch flößte es ihm Respekt ein. Das Schiff besaß einen langgezogenen Rumpf und erinnerte ihn an die Abbildungen von Seekampfschiffen. Walsh hatte die Abbildungen als kleiner Junge gesehen und sich dabei den Geschützdonner der Schiffe vorgestellt.

Die Geschütze der NAKAMURA war jedoch anderer Natur. Die Geschütze zum Beschuss von Planetenoberflächen befanden sich auf beiden Seiten des Schiffes und wenn sie während einer Landungsoperation feuerten, war rein gar nichts zu hören.

Der Pilot flog um das Trägerschiff der Yamato-Klasse herum und bot somit allen Passagieren einen Panoramaausblick auf das gerade in Dienst gestellte Schiff.

Die Augen von Walsh lagen dabei auf der sich über dem hinteren Teil des Schiffs erhebenden Brücke. Dort befand sich jetzt bereits Commander Gloria Sawyer und überwachte die Ankunft von Personal und Ladung.

Walsh kannte den Namen der Kommandantin bereits seit längerer Zeit. Vor etwa zehn Jahren hatte sie einen Jäger mit ausgefallenem Triebwerk im Hangar eines Trägerraumschiffs sicher gelandet und hatte damit einen ehernen Grundsatz der Flotte ad absurdum geführt. Wenn er sich richtig erinnerte, hatte es sich um den Prototypen eines Jäger gehandelt, der im Rahmen eines Kommandoeinsatzes aus den Werften einer mit Axarabor verfeindeten Konföderation aus einem abgelegenen Quadranten entwendet worden war. Tagelang waren die Nachrichten voll mit den Bildern der Landung des Jägers auf dem Trägerschiff gewesen. Das Sternenreich feierte eben seine Helden.

Der Pilot lenkte das Shuttle nun auf einen Kurs, der sie direkt zum hinteren Hangar der NAKAMURA führte. In wenigen Minuten würden sie in dem Hangar landen.

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DIES WAR JEDOCH KEIN Kreuzfahrtschiff, ihr Ankommen war kein Startschuss für eine Periode des Müßiggangs und der Sinnesfreunden.

Kaum öffneten sich die Türen des Shuttles, da schlugen Walsh auch schon Trillerpfeifen und gebrüllte Kommandos entgegen. Dies lag in der logistischen Herausforderung begründet, der sich die NAKAMURA stellen musste.

Das frisch in den Dienst gestellte Schiff war bis zum heutigen Tag von Commander Sawyer und ihrer Crew ausführlich auf Herz und Nieren geprüft worden. Bei diesen Tests waren außer der Brückenbesatzung und dringend benötigtem Personal keine weiteren Passagiere erlaubt gewesen. Deshalb mussten nun alles weitere Personal und Material auf einmal an Bord gebracht werden.

Im Fall der Alpha Group war dies umso absurder, da ihre Aufgabe an Bord lediglich das Anlegen der Exoskelette, die Bewaffnung und das Besteigen der Landungsschiffe war. Dann würden sie im Rahmen der Gefechtsübung zurück zur Planetenoberfläche rasen und die holografischen Feinde ausschalten.

Hart lächelnd verließ Walsh das Shuttle und ging in dem Chaos aus durcheinander hastenden Soldaten und Mannschaftsmitgliedern auf die etwas abseitsstehende Gruppe von Offizieren der Raumlandeinfanterie zu. Als er in Reichweite stand, salutierte er Captain Logan. Der ranghöchste Offizier der Raumlandeinfanterie an Bord der NAKAMURA erwiderte den Gruß kurz, dann traf Walsh ein spöttischer Blick.

„Die Alphas sind immer irgendwie die Letzten!“

„Das gehört sich doch für die Infanterie, Sir. Wir sind doch immer die letzten auf der Planetenoberfläche!“

Es geschah nicht oft, aber selbst der Captain musste kurz schmunzeln.

„Ich erwarte gleich eine lupenreine Landung. Den Plan haben wir bis zum Erbrechen beim letzten Briefing durchgespielt und auch praktisch auf der Oberfläche eingeübt.“

Captain Logan blickte jedem der Offiziere direkt in die Augen, ehe er fortfuhr. „Ich will heute den Flottenrekord fallen sehen!“

Sofort verstummten die Offiziere der anderen Kampfgruppen. Der Flottenrekord bei einer Landeoperation lag verdammt niedrig und war auf einem Planeten aufgestellt worden, dessen planetaren Verteidigungstruppen nach einem mehrtägigen Saufgelage völlig derangiert und zum größten Teil nicht auf ihren Posten waren. Heute kämpfte die Raumlandeinfanterie zwar nur gegen Hologramme, aber diese Hologramme waren bewaffnet  und jeder simulierte Treffer tat verdammt weh und konnte im Wiederholungsfall auch zu harmlosen Verletzungen wie Prellungen und Gehirnerschütterungen, oder sogar bis zur Bewusstlosigkeit führen. Außerdem befand sich die holografische Planetenverteidigung auf einem mehr als nur ausgeschlafen zu nennenden Zustand.

„Für den Rekord werden wir schneller und riskanter als im Training vorgehen müssen. Deshalb besteht die reale Gefahr eines Misserfolges.“

Nun war es unter den Offizieren noch leiser geworden. Lieutenant Alvarez von der Gamma Group hatte aber lediglich eine Selbstverständlichkeit ausgesprochen, denn diese Gefechtsübung konnte auch mit einem Sieg der holografischen Streitkräfte enden. Captain Logan sah Alvarez an und sein flammender Blick schien ihn rösten zu wollen.

„Ich verstehe den Stress, unter dem sie stehen“, sagte Logan dann betont sanft und atmete tief ein, bevor er die nächsten Worte herausschrie. „Wenn wir diesen Rekord heute nicht brechen, gebe ich Sergeant Morris ihren Job. Reicht ihnen das als zusätzliche Motivation?“

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Walsh hatte sich bereits in seinem Exoskelett festgeschnallt. An Bord der NAKAMURA war die aktive Tarnung der Anzüge abgeschaltet, so dass alle Anzüge in einem orangefarbenen Signalton erstrahlten, damit sie für alle an Bord gut sichtbar waren. Durch die Panzerung der Exoskelette waren die Ledernacken der Raumlandeinfanterie gegenüber dem Feuer leichter Handfeuerwaffen relativ unverwundbar. Zusätzlich waren die Soldaten durch die Servomotoren des Skeletts schneller und konnten ebenso auch mühelos schwere Waffen mit sich führen.

„Sie sind bereit, Lieutenant?“, fragte der Waffentechniker direkt vor ihm.

„So bereit, wie es nur geht“, grinste Walsh.

Der Techniker nickte und klappte den schweren Brustpanzer zu, der gleichzeitig als Zugang in das Exoskelett diente. Augenblicklich wurden hydraulische Sicherungsbolzen ausgelöst, die die Einstiegsöffnung untrennbar mit dem übrigen Anzug verbanden.

Nun wirkte Walsh wie ein ziemlich unförmiges und grobschlächtiges Schwergewicht, das zudem auch noch über keinen erkennbaren Hals verfügte.

Als der Techniker den Helm nach unten klappte, hörte Walsh als letztes noch, wie ihm der Techniker viel Glück für den Einsatz wünschte.

Augenblicklich erwachte die Innenseite des Helms zum Leben. Ein Systemcheck lief auf dem Display ab, das sich über den gesamten Sichtbereich des Helms erstreckte. Dann war das System einsatzbereit.

Walsh absolvierte eine im Systemspeicher des Exoskeletts programmierte Abfolge von Körperbewegungen, um alle Funktionen des Anzugs freizuschalten. Auf diese Weise wurde eine nicht autorisierte Nutzung des Anzugs erschwert und die Soldaten bekamen sofort wieder ein Gefühl für ihre Ausrüstung.

Augenblicklich erschien die Statusmeldung, dass das Exoskelett nun gefechtsbereit war.

Zufrieden trat Walsh an die Wand vor sich und nahm das Minigeschütz aus seiner Verankerung.

Auf dem Helmdisplay erschien das Symbol, dass die gesamte Alpha Group online war und Sergeant Fomin das Betreten des Landungsschiffs bereits angeordnet hatte.

Walsh verließ die Waffenkammer in Richtung des Hangars für die Landungsschiffe.

Die letzten Alphas betraten gerade das Landungsschiff, als sich Walsh ihnen anschloss. Während die Männer vor ihm über die Rampe das Landungsschiff betraten, ruhte der Blick von ihm auf dem gedrungenen Landungsschiff. Seit jeher hatten ihn die gepanzerten Transporter immer an die Bussarde erinnert, die auf vielen Planeten des axaraborischen Reichs heimisch waren. In diesem Fall war es ein Bussard, der dreißig schwergepanzerte und –bewaffnete Männer auf einem irren Ritt durch das Feuer der orbitalen Verteidigung bis auf die Planetenoberfläche bringen konnte.

Walsh trat auf die Rampe, die ihn in den Laderaum des Landeschiffs führte. Seine überdimensionierten Stiefel erzeugten bei jedem Schritt einen harten Klang auf dem stählernen Untergrund. Dann blieb Walsh stehen und sah in die Gesichter seiner bereits vollständig anwesenden Soldaten.

„Alphas, ich erwarte heute viel von euch. Wir sind die Speerspitze des Angriffs auf den Präsidentenpalast. Der Captain will heute den Flottenrekord brechen. Was sagt ihr dazu? Schaffen wir das?“

Die Stimme von Walsh wurde elektronisch verstärkt und erfüllte das Innere des Landeschiffs.

„Ja, Sir!“, brandete die Antwort der Alphas auf und zur Bekräftigung reckten sie ihre gepanzerten Fäuste in die Höhe.

Walsh nickte bestätigend und setzte sich auf seinen Platz neben Fomin, dann klappte er den Sicherungsbügel herunter, der nun sein Schicksal untrennbar mit dem des Landungsschiffs verband und ihn zeitgleich vor Turbulenzen schützte.

Durch einen Fingerdruck auf dem haptischen Interface an seiner rechten Hand öffnete er einen  Kanal zum Piloten des Landeschiffs.

„Alphas vollständig an Bord und einsatzbereit, Hobbs!“

Details

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Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738923131
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v443890
Schlagworte
raumflotte axarabor jungfernflug grauen

Autor

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Titel: Die Raumflotte von Axarabor #33: Jungfernflug in das Grauen