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Thriller Doppel: Zum Sterben nach Bombay/Liebe auf Russisch

2018 380 Seiten

Leseprobe

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Thriller Doppel: Zum Sterben nach Bombay/Liebe auf Russisch

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Von Franc Helgath

––––––––

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DIESES BUCH ENTHÄLT folgende Thriller:

Franc Helgath: Zum Sterben nach Bombay

Franc Helgath: Liebe auf Russisch

Ursella, die sechzehnjährige Tochter von Regierungsdirektor Gotthelf Hanisch wurde aus ihrem Elternhaus entführt. Erste Ermittlungen Charlotte Gerbers vom Bundeskriminalamt ergeben, dass das Mädchen wahrscheinlich von dem milliardenschweren indischen Maharadscha Ali Risa gekidnappt und außer Landes gebracht wurde. Doch gibt es keinen ersichtlichen Grund dafür. Deshalb folgen die Agentin und ihr Kollege Andreas Jensen einer Spur nach Indien in der Hoffnung, das Mädchen zu finden. Die menschlichen Abgründe, die sich dort vor ihnen auftun, lassen ihr Blut in den Adern gefrieren ...

Mike Borran, CIA-Agent mit besonderen Fähigkeiten, soll die Wahrheit über einen sowjetischen Überläufer herausfinden. Bei der Überprüfung sticht er in ein Wespennest aus Lügen und Verschleierungen. Der Verdacht kommt auf, dass es sich um eine geschickte Täuschung handelt. Wo liegt die Wahrheit wirklich?

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author /COVER TONY MASERO

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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ZUM STERBEN NACH BOMBAY

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Krimi von Franc Helgath

Der Umfang dieses Buchs entspricht 112 Taschenbuchseiten.

Ursella, die sechzehnjährige Tochter von Regierungsdirektor Gotthelf Hanisch wurde aus ihrem Elternhaus entführt. Erste Ermittlungen Charlotte Gerbers vom Bundeskriminalamt ergeben, dass das Mädchen wahrscheinlich von dem milliardenschweren indischen Maharadscha Ali Risa gekidnappt und außer Landes gebracht wurde. Doch gibt es keinen ersichtlichen Grund dafür. Deshalb folgen die Agentin und ihr Kollege Andreas Jensen einer Spur nach Indien in der Hoffnung, das Mädchen zu finden. Die menschlichen Abgründe, die sich dort vor ihnen auftun, lassen ihr Blut in den Adern gefrieren ...

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Gotthelf Hanisch - hat Probleme mit der Vergangenheit, was ihn die Zukunft gar nicht erst wahrnehmen lässt.

Ursella - hält sich für clever, was einen Maharadscha auf die Palme bringt.

Haidar Singh - beherrscht seinen Lancia nur unzureichend, was nicht allein für Brandflecken auf seinem Turban sorgt.

Henry Frost - kann nichts für seinen Taufnamen, was seine Kontakte in Indien nicht mindert.

Jogal - ist eine käufliche Tunte, was ihm nicht allein bare Dollars einbringt.

Andreas Jensen - pflegt seine Macho-Struktur, was ihn in Konflikte verstrickt.

Charlotte Gerber - ist Agentin beim Bundeskriminalamt.

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Turban und Kaftan, unter unauffälligen Tuchmänteln verborgen, wiesen die beiden Männer als Sikhs aus. Sie parkten den dunkelblauen Mercedes nur knapp fünfzig Meter vom Staketenzaun des Hauses Nummer 25 entfernt.

Unter ihren Weichgummisohlen knirschten die bizarren Reliefs in der Fahrrinne der einsamen Vorortstraße.

Die Fenster im ausgebauten Dachgeschoss des zweistöckigen Einfamilienhauses Typ Mittelklasse waren von Eisblumen bedeckt.

Die beiden Männer fröstelten in der klirrenden Kälte, als sie zwischen den tiefverschneiten Zaubernussbüschen durch den Vorgarten schlichen.

Kurz blitzte eine Taschenlampe auf.

„Du wartest hier!“, raunte Charan dem zweiten Inder zu.

„Vergiss das Seil nicht.“

„Gib schon her.“

Der Sikh legte sich das aufgerollte Tau um Kopf und Schulter. Sie hatten das Anwesen lange vorher ausgekundschaftet.

Es gab kaum einen idealeren Platz für ein Kidnapping.

Das Spalier, das bis hinauf zum Mansardenfenster reichte, war mit deutscher Gründlichkeit gezogen und hielt Charan Singhs Gewicht mühelos stand.

Den Körper eng an die Wand gepresst, kletterte er hinauf.

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Die Frau mit dem kastanienbraunen Haar, apart wie ein Titelbild von VOGUE und von der gütigen Mutter Natur mit einer Traumfigur ausgestattet, legte die Klettertour bis zu ihrer Wohnung mit wiegenden Hüften zurück, sperrte auf.

Endlich wieder daheim!

Der Schock traf sie schon beim ersten Schritt ins Wohnzimmer.

„Hi“, grüßte der junge Mann, der in ihrem Lieblingssessel lümmelte, eine Flasche ihres Lieblingsbrandys vor sich, den Cognacschwenker in der Hand. „Gut, dass du endlich da bist. Immer nur mit deinen Drinks rumzumachen, ist doch langweilig, nicht?“

Die junge Frau fasste sich schnell.

„Andreas! Was machst du denn hier? Wie kommst du überhaupt herein?“

„Manchmal stellst du schon seltsame Fragen“, meinte Andreas Jensen und strich mit der freien Hand durchs Blondhaar, das jeder Behandlung mit Bürste und Kamm erfolgreich widerstand. „Schon gut, Mädchen. Ich bin dein Assistent und Wasserträger. Doch hast du vergessen, dass auch ich ’ne gediegene Ausbildung zum Agenten absolvierte? Bezahlt vom BKA, von mir mit zahllosen blauen Flecken und Strömen von Schweiß quittiert? - So ’n Türschloss gehörte schon in eine der ersten Lektionen. Aber im Ernst: Es ist saukalt draußen, und das Café um die Ecke hat heute Ruhetag. Und da dachte ich mir ...“

„Halt die Klappe“, unterbrach Charlotte. In ihrer Stimme schwang noch ein Hauch von Ärger. „Du bist doch nicht eingebrochen, meine Brandybestände zu reduzieren, sondern weil sie dich geschickt haben.“

Es war ein munteres Jungenlächeln, das sich auf seinem männlich markanten Gesicht breitmachte und das schon sehr viele Mädchen zu diversen Schwächen verholfen hatte. Nur bei Charlotte Gerber war seinem gewinnenden Grinsen nie der durchschlagende Erfolg beschieden, doch das wiederum wusste der blonde junge Mann mit Fassung zu tragen.

Bei ihr lag sein Schwerenötertum buchstäblich auf Eis.

„Wie immer hast du des Pudels Kern sofort eins auf die Schale gehämmert“, meinte er, doch dann wurde er ernst. „Auch ’nen Drink?“

„Es sieht aus, als könnte ich sehr bald einen vertragen.“

„Leicht möglich“, räumte Andreas ein. „Ist dir der Name Gotthelf Hanisch ein Begriff?“

Charlotte Gerber setzte sich.

„Muss ich ihn kennen?“

„Nicht unbedingt. Der Mann ist Regierungsdirektor im Justizministerium. Vor zwei Nächten wurde seine Tochter entführt. Sechzehn Jahre alt.“

„Terroristen? Stand nichts in den Zeitungen?“

„Trink erst mal.“

Charlotte Gerber zögerte.

„Gibt’s denn Schlimmeres?“

Dann nippte sie an ihrem Glas. „An eine Aktion der RAF haben die Chefs natürlich zuallererst gedacht. Doch es fehlten die typischen Begleiterscheinungen, die da sind: Bekennerbriefe, Lösegeldforderungen, Forderung nach Freipressung von irgendwelchen Kollegen und so was alles. Und jetzt ist die Spur schon fast drei Tage alt.“

„Gib mir ’ne Zigarette.“

Andreas Jensen gab Charlotte dazu noch Feuer. Sie blies den Rauch aus der Nase.

„Die Zentrale hat dich also geschickt“, resümierte sie kühl. „Weshalb?“

„Weil wir inzwischen vermutlich als die Auslandsfeuerwehr des BKA gelten. Deshalb. Sie setzen große Stücke auf uns. Manchmal zu große, wenn du mich fragst.“

„Ich frag dich aber nicht. Was lässt unsere Leute glauben, irgendjemand aus dem Ausland habe die Hand im Spiel?“

„Die ganze Geschichte ging in Heimerzheim über die Bühne. Du kennst das Kaff?“

„Flüchtig.“

„Tage vor dem Kidnapping wurden Turbanträger dort gesehen. Die Eingeborenen haben sich nicht viel dabei gedacht. Haben die Burschen für Asylanten gehalten. Nur, es gibt dort keine Asylanten. Viel zu nah an Bonn. Doch das Tollste kommt noch.“

Jensen legte eine Kunstpause ein.

„Spann mich nicht auf die Folter. Auf Streckbetten würde ich mich wesentlich schlechter ausmachen als auf jenen, in die du mich pausenlos wünscht.“

Charlottes Assistent seufzte wissend.

„Wir lassen dieses Thema, ja? Also: Irgendeinem Schlaumeier unter den Zeugen ist ein Mercedes 350 SEL aufgefallen. Mit einem CD-Kennzeichen.“

Charlotte Gerber ruckte hoch, verschüttete beinahe den Brandy.

„Corps Diplomatique?“

„Hm. Und die indische Botschaft hat den Wagen schon vor einer Woche als gestohlen gemeldet ...“

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Wer die Küste links und rechts von Dover kennt, wird zugeben, dass sie Europas Standard längst nicht mehr entspricht. Sie ist weder planiert, noch wachsen Hoteltürme sternenwärts. Sie ist einfach natürlich und unnahbar geblieben. Schmuggler und eine Unzahl anderer Krimineller wissen diesen Umstand wohl zu schätzen.

Und die Küstenwache reagiert darauf. Kürzlich erst hatte sie ihren Etat so heftig aufgestockt, dass Constabler John Smile nicht mehr zu Fuß durch die Klippenlandschaft latschen musste. Sein geländegängiges Fahrrad war nagelneu.

Er sah das Boot auf den Wellen tanzen, bemerkte wie jemand von Bord aus etwas an die felsige Küste schleuderte, das Constabler Smile aus Piratenfilmen kannte: Es war ein Enterhaken.

Die Zacken bissen sich an den Schroffen des Riffs fest. Das Boot landete per Muskelkraft an und geriet in eine Bucht, in der die Brandung weniger heftig an die Felsen schlug.

Die in der Dämmerung ertrinkenden Schatten von drei oder vier Männern hievten gemeinsam eine Kiste auf ein Plateau, das weniger als seine Umgebung von Gischtkronen umspült war. Rufe und Befehle verwehten im Tosen der See. Ein starker Motor brummte. Das Boot legte wieder ab.

Constabler John Smile legte sein Fahrrad ins Riedgras, das den oberen Rand der Klippe büschelweise säumte. Er tastete nach seiner Hüfte, knipste die Lasche auf, die ihm den Griff an die Walther PPK verwehrte.

Im Fernsehen hatte er solche Momente schon fühlend miterlebt, sich in die Rollen hineinversetzt. Da war immer alles einfach gegangen: Gegner erkannt - blank gezogen - Schuss - Treffer ...

John Smile beneidete John Wayne.

Der Constabler war 22 Jahre alt und hatte eine stocknormal beamtete Zukunft vor sich. Jetzt das Herz in die Hand genommen, und er wurde zum Helden. Denn dass da unten etwas oberfaul war, war klar.

John Smile presste sich noch enger an den Boden. Er war nass und matschig, denn es schneite nur äußerst selten rund um Dover. Der nie versiegende Golfstrom ließ seine „Palmen“ nicht verkümmern.

Jetzt wurde die Kiste einen Steilpfad hochgeschleppt, der kaum als solcher zu erkennen war.

Heroin? Kokain? Oder vielleicht auch „nur“ Marihuana?

John Smile verfolgte jede ihrer Bewegungen mit Argusaugen. Deshalb erspähte er auch den Kombi, der in einer Senke wartete, und in den die Kiste nun geschoben wurde. Die Männer trugen seltsame Kopfbedeckungen.

Noch bevor der Fahrer den Wagen anließ, hatte John Smile-Wayne sein Fahrrad aufgehoben und bestiegen. Mit wirbelnden Pedalen strampelte er zum Auto hinunter. Er erinnerte sich genau der Szene: Wayne war ebenso tapfer gewesen. Sechs Mann kamen ihm auf ’nem herbstgrünen Wiesenhang in Wyoming entgegen. John Wayne schoss sich mitten durch sie durch.

Auch John Smile schoss plötzlich. Doch entgegen seinem erklärten Vorbild ballerte er in die Luft.

Die Leute beim Kombi reagierten weniger rücksichtsvoll und jagten ihm die Schüsse in den Leib.

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Charlotte Gerber hatte einen kleinen Imbiss zubereitet, weil die Küchenarbeit ihre Fantasie beflügelte, wenn sie nicht gerade abspülen musste. Sie brachte Shrimps mit Roquefort überbacken zum Wohnzimmertisch, Andreas öffnete gerade eine Flasche roten Landwein aus der Provence.

„Ist die Karre wieder aufgetaucht?“

„Der 350 SEL? Ja. In der Nähe von Calais. Einsam und verlassen. Die französischen Kollegen von der Spurensicherung guckten sich die Augen wund.“

„Mit Erfolg?“

Andreas Jensen winkte ab.

„No. Nicht mal Fingerabdrücke haben sie hinterlassen.“

Charlotte runzelte die Stirn und steckte sich ’ne Zigarette an, als der Vorspeisenteller geleert war. Ihre Lungen leisteten Fronarbeit, so tief inhalierte sie.

„Wieso schon wieder Inder? Wurden denn auch dort Turbanträger gesichtet?“

Ihr blonder Assistent streckte die Beine aus.

„Du hast es wieder mal genau erfasst, meine Liebe. Doch das ist nicht alles. Ein paar Meter vom Wagen entfernt sind die Spürhunde doch noch fündig geworden. Zuerst hatten sie’s ja für Blutspritzer gehalten, was sie aus dem Schnee kratzten. Ich kann mir vorstellen, wie die Gerichtsmediziner fluchten, als sie das Zeug analysieren mussten.“

„Du treibst mich noch zum Wahnsinn, wenn du nicht endlich flüssiger erzählst“, schnaubte die Agentin. Geduld zählte nicht zu den hervorstechenden Tugenden.

„Betel“, sprudelte Andreas heraus. „Ein Genussmittel zum Kauen, verbreitet vor allem in Südostasien und ...“

„Geschenkt“, unterbrach die Frau ungnädig. „Nicht nur du hast deine Lektionen gelernt. Die jeweilige Portion besteht aus ’nem Stück Betelnuss, einem Blatt vom Betelpfeffer und etwas gebranntem Kalk. Das Ganze schmeckt angeblich würzig bitter, wirkt erfrischend, färbt den Speichel rot und die Zähne schwarz. Jetzt brauchen wir also nur noch den Ärmelkanal nach Betelsaft spuckenden Asiaten abzusuchen.“

Andreas Jensen zog einen Flunsch. „Manchmal geht mir deine Art wirklich auf den Keks“, meinte er eingeschnappt. „Vielleicht ist’s dir entgangen, aber ich bin kein kleiner Junge mehr.“

„Nun hab dich nicht gleich so“, versuchte die Frau mit dem rötlichen Schimmer in den Strähnen ihn zu besänftigen. „Meine Nerven sind eben heute Abend auch nicht mehr die besten. Da kommt man von einer anstrengenden Schulung zurück, freut sich auf ein heißes Bad und aufs Bett, da sitzt einer wie du in der Wohnung rum, schluckt meinen Brandy, meinen Wein und hat zu allem Überfluss auch noch ’nen neuen Auftrag. Hast du jemals mit Diplomaten und ihrem Umfeld zu tun gehabt? Vermutlich nicht. Doch ich sag dir eines: Eher fängst du ’nen Zitteraal mit bloßer Hand als einen von diesen Kerlen.“ Andreas Jensen blinzelte verwirrt. „Wie sollen wir was mit Diplomaten zu tun bekommen?“

„Ich will uns das gewiss nicht wünschen“, antwortete sie. „Doch machen wir nur mal ’ne kurze Bestandsaufnahme: Autos mit CD-Nummernschildern stehen gemeinhin nicht auf öffentlichen Parkplätzen herum, werden vielmehr von Chauffeuren in Livree gesteuert und rund um die Uhr bewacht. Und unser Mercedes hat zumindest auch noch eine Grenze passiert. Das soll alles mit rechten Dingen zugegangen sein? Soll ich nun laut lachen oder leise?“

Der junge Mann nickte betroffen. „Und wie sehen deine Schlussfolgerungen aus?“

„Dazu ist’s wohl noch etwas zu früh“, räumte die Agentin ein. „Ich wollte dich lediglich auf einen Aspekt aufmerksam machen, den wir keinesfalls aus den Augen lassen dürfen. Da ein politisches Motiv für das Kidnapping offenbar nicht vorliegt, müssen wir wohl oder übel etwas Schmutz aufwirbeln.“

„Du denkst, der Fall hat ’nen privaten Background?“

„Bleibt denn was anderes übrig?“, antwortete Charlotte Gerber mit einer Gegenfrage. Eine zweite Zigarette war fällig. Die Frau rauchte hastig und sah absolut nicht glücklich drein. „Und jetzt würde ich dich bitten, mir folgende Informationen zu liefern. Am liebsten schon gestern.“

„Heißt das, du klinkst dich in die Geschichte ein?“

Die Agentin seufzte.

„Hat dich nun die Zentrale geschickt, oder was?“

„Sicher. Aber ...“

„Dann hängen wir doch schon mitten drin“, beschied sie ihm kühl. „Oder siehst du das anders?“

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Ein Telefonat genügte, zu erfahren, dass sich Gotthelf Hanisch vorübergehend hatte beurlauben lassen.

Jetzt parkte Charlotte Gerber vor dem Haus Nummer 25 in der Quellenstraße. Es ging auf Mittag zu. Während der Fahrt war genügend Zeit geblieben, ein paar Fragen zurechtzulegen, die von den Kollegen aus Kripo und Verfassungsschutz vermutlich noch nicht gestellt worden waren. Deren eher magere Ermittlungsergebnisse kannte sie inzwischen ebenfalls.

Charlotte Gerber hatte in der vergangenen Nacht nicht viel Schlaf gefunden.

Eine verhärmt aussehende Frau um die Fünfzig öffnete auf ihr Klingeln. Charlotte ließ nur kurz ihren Ausweis blitzen. Im Inland durfte sie das.

„Polizei?“, fragte die Frau misstrauisch. Doch plötzlich überzog ein Abglanz von Hoffnung ihr verweintes Gesicht. „Ursella wurde gefunden? Gesund?“

Dann las sie die Antwort aus Charlottes bedauerndem Lächeln, das dort Mut zu machen versuchte, wo es keinen spenden konnte. Es war einer jener Augenblicke, in denen Charlotte ihren Beruf verabscheute.

„Wir finden sie schon noch“, meinte die Agentin und hörte selbst, wie schal ihr Trost klang. Frau Hanisch war für Worthülsen nicht mehr empfänglich.

„Kommen Sie rein“, bat sie, schon wieder resigniert. „Sicher wollen Sie auch mit meinem Mann sprechen. Er sitzt schon seit zwei Tagen oben in Ursellas Zimmer, spricht kaum ein Wort.“

Die Treppe war steil und schmal. An den Wänden hingen gerahmte Fotos. Familie Hanisch in Jugoslawien, Familie Hanisch vor dem Petersdom und auf der Seufzerbrücke in Venedig. Ursella Hanisch, wie sie auf dem Markusplatz die Tauben füttert, damals allenfalls vierzehn Jahre alt.

Ein schmales Mädchen mit apartem Gesicht und großen Augen, längst nicht zur Frau gereift. Weizenblonde Zöpfe baumelten ihr über Schultern und aufs bunt getupfte Kleid.

„Besuch, Gotthelf“, sagte Ursellas Mutter und ließ Charlotte an sich vorbei.

Der Regierungsdirektor saß in Filzpantoffeln und einer abgewetzten Strickjacke auf einem jener Betten, wie sie für Jugendzimmer typisch sind; grün-weiß mit Polyester furniert, eine Schaumgummimatratze mit einem Acrylbezug in ähnlicher Farbgebung. Das mit einem Glasschneider aufgekratzte Fenster war notdürftig mit einem Stück Pappe geflickt. Kaum ein Lichtstrahl drang herein.

Charlotte kam sich vor wie in einer Gruft, die’s versehentlich unter ein Mansardendach verschlagen hat. An der Verschalung aus Kiefernholz hingen Poster von Tim Curry und Szenenfotos aus der „Rocky Horror Picture Show“; nicht unbedingt die gängige Dekoration für ein Jungmädchenzimmer.

Gotthelf Hanisch sah auf, doch seine Augen schienen irgendwie erloschen. Ohne rechte Anteilnahme starrte er die Agentin an. Grau und welk hingen seine Wangen. Zwischen seinen Fingern drehte er etwas, das Charlotte Gerber für ’ne Glasmurmel hielt.

„Warum hört man nicht auf, uns zu martern?“, fragte er brüchig. Offenbar kam seine Frau mit diesem Schicksalsschlag besser zurecht. Zumindest ertränkte sie sich nicht in Selbstmitleid. Für einen Mann in Gotthelf Hanischs Position eine reichlich seltsame Reaktion. Als Regierungsdirektor hätte ihm Charlotte Gerber mehr Rückgrat zugetraut.

„Niemand will Sie martern“, erklärte die Agentin brüsker, als sie beabsichtigt hatte. „Gerade Sie sollten genau wissen, dass auch wir nur unsere Pflicht tun.“

Charlotte schätzte ihn auf knapp sechzig, auch wenn er zur Zeit wie ein Greis wirkte. Das Haar hatte er kurz geschoren, wie’s mal in einem Tausendjährigen Reich modern war. Ein feister Nacken wölbte sich über den Kragen des Hemdes. Noch ein Monokel auf’s Auge gedrückt, und Gotthelf Hanisch hätte die Karikatur eines Gauleiters abgegeben.

Ursellas Mutter stand nach wie vor hinter der Agentin. Charlotte begriff allmählich, dass sie ihr verhärmtes Aussehen nicht allein dem Verschwinden des Mädchens verdankte.

„Kann ich allein mit Ihrem Mann sprechen?“, meinte Charlotte, die Frau nickte nur. Eine Frage war ihr schon Befehl. Ihr Schlurfen verklang ins Stockwerk tiefer.

Die Agentin steckte sich eine Zigarette an, und Gotthelf Hanisch reagierte wie erwartet.

„In diesem Haus wird nicht geraucht!“, blaffte er mit jäh erhobener Stimme.

Charlotte Gerber ließ sich davon nicht beeindrucken. Sie paffte absichtlich weiter, blies ihm sogar den Rauch ins Gesicht.

„Sind Sie mit Ursella genauso umgesprungen?“, wollte sie wissen. „Auch in diesem Ton?“

Endlich kam etwas Leben in den Mann. Seine Schultern strafften sich.

„Verdammt!“, entfuhr es ihm. „Wer sind Sie denn, dass Sie mir solche Fragen stellen? Ich ...“

„Halten Sie die Luft an“, fiel ihm die Agentin salopp ins Wort, und mehr denn je hörte sie sich an wie eine fauchende Katze. Gotthelf Hanisch blickte entgeistert drein.

„Aber das ist doch ...“

Charlotte Gerber ließ ihn auch diesmal nicht ausreden.

„Was wird’s schon sein?“, meinte sie. „Die Höhe vielleicht? Ich find es eher bedrückend, wie Sie die ganzen Jahre hier den Pascha mimen. Nach außen ganz der feine Max, zu Hause ein Despot.“

Sie provozierte Gotthelf Hanisch mit voller Absicht. Hier hatte sie in ein Wespennest gestochen, das ihren Kollegen von der Kripo entgangen sein musste. Manche Männer neigten nun mal dazu, vor hohen Regierungsbeamten zu kuschen. Charlotte Gerber litt nicht unter einem solchen Duckmäusersyndrom.

Hanischs Kinnlade klappte herab. Er atmete rasselnd.

Charlotte zog sich einen Stuhl heran.

„Ahnen Sie überhaupt, wie oft Ursella hier in ihrem Zimmer gesessen und sich die Augen ausgeheult hat? Wahrscheinlich, ja. Ist es das, was Sie jetzt krank macht? Ein Anflug von Reue gar? Verteufelt spät, Herr Hanisch. Sie glauben insgeheim ja gar nicht an ’ne Entführung. Sie fürchten vielmehr, sie ist durchgebrannt und hat die Begleitumstände nur fingiert. Zusammen mit ’nem Freund etwa, von dem Sie allerdings nichts wissen. Wie Ihnen auch das Seelenleben Ihrer Tochter bis zum heutigen Tage wohl fremd geblieben ist. Doch das möchten Sie den Ermittlungsbeamten natürlich nicht erzählen. Sie tun mir nur noch leid, Herr Hanisch!“

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Kidnapping ist eines der wenigen Verbrechen, von dem nicht mal die Kriminologen ältester Schule behaupten, den Täter würde es an den Tatort zurückziehen.

Deshalb fühlte sich Haidar Singh auch so sicher. Den Turban unter der Kapuze eines Parka verborgen, stand er in der Telefonzelle an der Ecke zur Quellenstraße. Sein Auftraggeber wollte nichts, aber auch gar nichts dem Zufall überlassen. Vor allem nicht mehr seit vergangener Nacht, als einige Telefondrähte heiß gelaufen waren.

Und selbst wenn Haidar Singh einer Kontrolle unterzogen worden wäre: Pass und Visum waren in Ordnung. Ein wasserdichtes Alibi für die Tatzeit besaß er auch. Es war in diesem Lande noch nicht verboten, ein Sikh zu sein und sich frei zu bewegen.

Außerdem gab’s weit und breit keine Polizei. Um Strafzettel en masse zu verteilen, war Heimerzheim zu klein.

Der Inder warf gleich eine ganze Handvoll Markstücke in den Schlitz des Münzautomaten und drückte dann die Nummer 00 44 als Vorwahl. Es dauerte eine Zeit, bis die Verbindung nach England hergestellt war. Doch dann tönte die Stimme vom anderen Ende der Leitung glasklar durch die Muschel.

Bloß, die Unterhaltung wurde in Urdu geführt.

„Charan?“

„Du, Haidar?“

„Wer sonst?“

„Du solltest doch nur in Notfällen hier anrufen.“

„Ist mir klar. Doch mir wurde auch gesagt, ich sollte auf die geringsten verdächtigen Kleinigkeiten achten.“

„Na und?“

„Vor etwa ’ner halben Stunde ist ein Wagen mit Frankfurter Kennzeichen vorgefahren. Eine Frau. Und an der bewussten Tür zückte sie ’nen Ausweis.“

„Das ist alles?“

Die Stimme aus London klang enttäuscht.

„Ich weiß nicht. Bisher waren nur Bonner Dienststellen hier. Örtliche Polizei. Aber es kommt noch etwas dazu.“

Die Münzen klickten ins „Groschengrab“.

„Ja?“

„Beim Anblick dieser Frau hat’s mich wie mit einem Messerstich durchfahren.“

Der Atem am anderen Ende der Leitung ging auf einmal schwerer.

„Doch nicht wieder eine deiner Ahnungen?“

„Leider ja. Du erinnerst dich: Ich hab meine Kindheit bei einem Sadhu verbracht, einem heiligen Mann.“

„Natürlich. Und ich weiß auch, dass deine Ahnungen die fatale Eigenschaft haben, sich meist zu bewahrheiten. Was ist mit dieser Frau?“

„Sie ist gefährlich.“

„Warte einen Moment“, bat Charan Jamal Singh. In London wurde getuschelt.

„Bist du noch dran, Haidar?“

„Nicht mehr lange. Das Geld ist fast alle.“

„Dann hör mir jetzt gut zu ...“

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Charlotte Gerber hatte offenbar einen Stausee voller Tränen angestochen.

Gotthelf Hanisch heulte schon seit zwei Minuten hemmungslos. Er zuckte wie unter Krämpfen. Es musste viele Jahre her sein, dass er wieder weinte. Zu viele Jahre, fand die Agentin.

Sie reichte ihm ein Taschentuch und fühlte sich vergleichsweise hilflos. Ihre Erfahrungen mit schluchzenden Regierungsdirektoren hielten sich in Grenzen.

Nach drei Minuten fühlte sie sich fast ein bisschen schuldig.

„Reicht es nicht allmählich?“

„Es ..., ist ... doch nur, weil Sie in allem recht hatten“, erklärte er stockend. „Und jetzt mach ich mir die bittersten Vorwürfe. Ich wollte doch nur, dass aus dem Kind mal was wird.“

„Dann scheinen Sie auf jeden Fall zur Peitsche das Zuckerbrot vergessen zu haben“, kommentierte Charlotte Gerber sachlich. „Und jetzt versuchen wir, uns zur Abwechslung mal wie zwei vernünftige Menschen zu unterhalten.“

Gotthelf Hanisch knüllte das nasse Taschentuch zusammen. Dabei entglitt ihm die Glasmurmel. Charlotte hob sie automatisch auf, reichte sie jedoch nicht zurück, sondern schob sie gedankenlos in die Seitentasche ihres Kostüms.

„Was soll ich nur tun?“, jammerte Ursellas Vater. „Ich hab mein Kind doch lieb.“

„Fällt Ihnen das nicht reichlich spät ein?“

In seine Augen trat plötzlich ein Ausdruck renitenter Wachsamkeit.

„Na gut“, sagte er. „Jetzt haben Sie mich dort, wo Sie mich haben wollten. Warum haben Sie das getan?“

„Wegen des Leumunds, den Sie Ihrer Tochter angedichtet haben. Nach den polizeilichen Protokollen ist sie ein Engel in Reinkultur. Und darüber bin ich gestolpert, als ich Tim Curry in ihrem Zimmer hängen und Sie so herumsitzen sah.“

„Tim Curry?“ Gotthelf Hanisch wirkte ratlos.

„Dieser Transvestit dort an der Wand.“

„Was?“

„Ein durchaus talentierter Mann.“ Doch der Beamte schien nur das Wort „Transvestit“ gehört zu haben. Seine Augen wurden kugelrund.

„Mein Gott! Wenn ich das geahnt hätte!“

„Dann hätten Sie das Poster zur nächsten Bücherverbrennung abgeliefert, ich weiß. Das kommt davon, wenn einer so konsequent an seiner Umwelt vorbeilebt, wie Sie das offensichtlich bisher getan haben.“

Gotthelf Hanisch schluckte.

„Jetzt werden Sie schon wieder unverschämt“, meinte er.

„Ich kann’s noch dreister“, beschied ihm die Agentin kalt. „Sie halten Ihre Tochter also in Wahrheit für ein Flittchen?“

Der Regierungsdirektor nickte düster.

„Sie war auch eins!“, stieß er bitter hervor. Seine Kiefer mahlten, die Wangen spannten sich.

„War?“, wunderte sich Charlotte. „Sie haben Ursella aber höllisch schnell aufgegeben. Dabei lebt sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch.“

Gotthelf Hanisch zuckte zusammen. Das war sein schlechter Tag heute. Charlotte Gerber verhalf ihm von einer entgegengesetzten Emotion zur anderen, zu einem Wechselbad der Gefühle sozusagen. Dieser Mann brauchte das. Der Agentin waren Leute, die Kinder in die Welt setzten und dann nicht vernünftig anleiten mochten, von Herzen zuwider.

„Es hat wohl keinen Zweck, Sie zu fragen, wo und mit wem sie ihre Freizeit verbrachte“, meinte Charlotte Gerber und stand auf. „Ihnen genügt es doch vollauf, sie tüchtig zu vertrimmen, wenn sie Ihrer Meinung nach wieder mal über die Stränge schlug. Und Sie können sich jetzt auch nicht mehr hinter der bequemen Annahme verstecken, Ihre Tochter sei aus lauter Verstocktheit durchgebrannt. Die Ergebnisse der Spurensicherung sind inzwischen eindeutig. Jemand ist in jener Nacht das Spalier heraufgeklettert, hat Ursella im Schlaf überrascht, vermutlich betäubt und anschließend mit einem Tau abgeseilt.“

„Betäubt?“

„Ja. Denn es fanden sich nur die Fußstapfen von zwei Männern im Schnee hinterm Haus. Und Ursella hat Schuhgröße 36, nicht wahr? Sie muss getragen worden sein.“

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Charlotte Gerber war noch wütend, als sie sich längst wieder auf dem Weg nach Bonn befand. Viel mehr hatte sie nicht mehr erfahren. Nur dass Ursella seit etwa einem halben Jahr ein eigenes Leben zu leben versuchte und dabei ständig aneckte. Das Mädchen war regelmäßig geprügelt und bei dieser Behandlung ständig verstockter geworden. Jede andere Entwicklung wäre einem Wunder gleichgekommen, und entsprechend unergiebig war auch das Gespräch mit der Mutter verlaufen. Ursella hatte sich in letzter Zeit regelrecht eingeigelt.

Und trotzdem war’s kein verlorener Vormittag, wenngleich Charlotte Gerber bezüglich des Motivs nach wie vor vollkommen im Dunkeln tappte. Doch ein paar andere Ansatzpunkte gab’s jetzt immerhin.

Der Motor ihres Sportflitzers wenigstens brummte satt und zufrieden über die kurvenreiche Straße durch den Naturpark nach Bornheim hinüber. Erst hier fiel Charlotte ein grüner Lancia auf, der schon längere Zeit hinter ihr kleben musste, denn zur Straße durch das Landschaftsschutzgebiet stießen keinerlei weitere Verbindungswege.

Die Agentin glaubte längst nicht mehr an Zufälle. Dafür war sie zu gut geschult. Schon aus Gewohnheit bog sie deshalb von der Bornheimer Ortsdurchfahrt in eine Seitengasse ab.

Ihr Verfolger war kein Profi, denn er folgte ihr brav wie ein Hündchen, wenn auch in einem respektvollen Abstand.

Damit hatte die Agentin nicht gerechnet, doch sie machte sich auch keine großen Gedanken darüber. Sie hatte es zu akzeptieren, so einfach war das. Gewisse Situationen eigneten sich nun mal nicht zum Grübeln, und sie tat das, was ihr beigebracht worden war.

Kurz nach der Stadt ging sie mit Bleifuß aufs Gaspedal. Der Wagen sprang los wie ein Tiger, hinter den Reifen verwirbelte Schnee zusammen mit Matsch zu einer Dreckfontäne, die dem grünen Verfolgerauto voll gegen die Windschutzscheibe klatschte.

Sofort nahm Charlotte das Tempo wieder zurück, sie war ja keine Selbstmörderin. Ihr Wagen schlingerte leicht, doch sie fing das Schleudern beinahe mühelos ab.

Ein Blick in den Rückspiegel verriet, dass der Verfolger mit weitaus mehr Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Er sah nichts mehr, viel zu spät offenbar schaltete er den Wischer ein.

An ihrem Seitenfenster wischte ein Kreuz vorbei, denn auch im katholischen Rheinland war der Brauch nicht unbekannt, Verkehrstoten am Straßenrand eine Gedenkstätte zu errichten.

Hier musste ein besonders beliebter Mensch sein Leben gelassen haben, denn ihm hatten die trauernden Hinterbliebenen nicht nur ein einfaches Kreuz aus Schmiedeeisen aufgestellt. Nein, da stand schon eine Miniaturkapelle mit eingelassener Nische samt Madonnenstatue. Der Blumenschmuck war derzeit zu Eis erstarrt.

Es schepperte fürchterlich, als der italienische Wagen mit der Präzision eines gut gezielten Geschosses dagegen prallte.

Blech kreischte, Kotflügel segelten ohne Auto weiter und bohrten sich in die schneebedeckte Wiese daneben und hinter dem in seine Einzelteile zerbröckelnden frommen Bauwerk. Schon nach einer Sekunde war alles vorbei. Flammen schlugen aus dem Motorraum, besser aus dem, was von ihm geblieben war. Aus den Splittern der Windschutzscheibe ragte ein Kopf. Das Feuer leckte nach dem weißen Turban.

Charlotte Gerber bremste in Stuntman-Manier, indem sie gleichzeitig mit Gaspedal und Bremse spielte und dabei noch heftig am Lenkrad gegenkurbelte.

Ihr Flitzer drehte sich mitten auf der Fahrbahn, kam dann mit der Haube in Richtung Bornheim zum Stehen.

Da schoss schon eine riesige Stichflamme aus dem Autowrack mit jeder Menge beißendem, schwarzem Qualm im Gefolge. Wenn der Fahrer vorher noch überlebt haben sollte, jetzt spätestens war es aus mit ihm. Das Feuer loderte meterhoch.

Charlotte ließ den Motor wieder an. Vorsichtig lenkte sie den Wagen an der brennenden Blechruine vorbei zurück nach Bornheim.

Nicht nur nach Rom führten mehrere Wege. Nach Frankfurt auch.

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Bin total geschafft“, bekannte die Agentin, als sie noch am selben Abend mit Jensen zusammensaß.

„Mein Job war auch kein Däumchendrehen“, meinte der Assistent, der so gern als gleichrangiger Partner galt. „Nach deinem perversen Verlangen nach so vielen Informationen raucht mir jetzt noch der Schädel.“

„Dann könntest du eigentlich auf meine Zigaretten verzichten, du Schnorrer.“

Andreas leistete sich ein schmerzliches Lächeln.

„Du bist verteufelt hart zu mir.“

„Nicht allein zu dir, mein Lieber.“ Und dann berichtete Charlotte Gerber vom verbrannten Turbanträger. Andreas’ Gesicht wurde immer länger.

„Wow!“, äußerte er schließlich. „Das is’n Ding. Und du bist sicher, dass die Geschichte mit unserem Fall zu tun hat?“

„Wenn’s nicht so ist, spiel ich mit dem Gedanken, dir ’ne Nacht zu gewähren ...“

„Oh weh. Dann hat er damit zu tun.“

„Du kannst Zyankali darauf nehmen, selbst wenn nur mehr die Identität des Autos feststellbar war. Ein Leihwagen. Gemietet ganz in der Nähe der Indischen Botschaft. Sämtliche übrigen Papiere sind verbrannt. Und das Gebiss des Toten weist aus, dass er zu Lebzeiten keinem Zahnarzt begegnet ist. Für die kassenärztliche Vereinigung hierzulande gewiss ein Schock.“

Andreas Jensen runzelte die Stirn. „Bedeutet das nicht auch, dass du bereits enttarnt bist?“

„Glaub ich nicht. Dann hätten die Drahtzieher keinen derartigen Dilettanten auf mich angesetzt.“

„Eingebildet bist du wohl gar nicht, was?“

„Eher meines Wertes bewusst“, konterte Charlotte. „Und jetzt zu dir. Was hast du ausgegraben?“

„Dass in der BRD mindestens vierzigtausend Inder leben, zum Beispiel. Mehr als die Hälfte davon sind Sikhs.“

„Du machst mir Mut. Das vereinfacht es natürlich kolossal.“

„So schlimm ist’s nun auch wieder nicht. Immerhin waren deine Fragen sehr präzise.“

„Danke. Erlaubst du, dass ich’s mir ein bisschen bequemer mache, bevor wir uns erneut ’ne halbe Nacht um die Ohren schlagen?“

„Ich schlage vor, du hüllst dich in ein Negligé“, war Andreas Jensen sofort Feuer und Flamme.

„Wirst du nie gescheiter? Ich will lediglich raus aus diesem Kostüm.“

„Tu dir keinerlei Zwang an, geschätzte Chefin. Doch leider ist’s nun mal so: Arbeiter malochen, während Chefs scheffeln.“

„Ist das ein zarter Hinweis darauf, dass du schon wieder mal pleite bist?“ Der blonde Schwerenöter zuckte die Achseln.

„Kleine Mädchen kosten nun mal großes Geld.“

„Was meint: Du hast schon wieder nicht zu Abend gegessen.“

„Nicht mal zu Mittag. Um all die gewünschten Auskünfte zu ergattern, war ich den ganzen Tag auf Trab.“

„Dann muss ich ja wohl.“

Charlotte stand auf, schlüpfte aus der Kostümjacke, warf sie achtlos über die Sessellehne und wollte sich eben auf den Weg zur Kochnische machen, als Andreas Jensen sie zurückrief.

„Spielst du neuerdings mit Murmeln?“

„Spinnst du?“

„Eben ist dir so’n Ding aus der Tasche gekullert.“

Der blonde junge Mann bückte sich zum Teppichboden und hielt den Fund zwischen Daumen und Zeigefinger hoch.

„Oh“, sagte Charlotte. „Das hab ich versehentlich bei unserem „Gauleiter“ mitgehen lassen.“

Doch dann schrak sie zusammen. Andreas hielt die „Murmel“ genau vor das Licht einer Stehlampe, in die eine viel zu starke Birne geschraubt war. Das „Stückchen Glas“ davor hatte einen grün funkelnden Strahlenkranz bekommen, der Charlotte im Zwielicht der mit Pappe verdunkelten Mansardengruft nicht aufgefallen war.

„Zeig mal her!“, verlangte sie atemlos und war mit wenigen Schritten wieder bei der Sitzgruppe. Wie alle Frauen hatte auch die Agentin ihre Schwäche. Eine davon hieß „Edelsteine“. Sie riss Andreas den Smaragd fast aus der Hand und erschauerte ehrfürchtig.

„Ist was?“, fragte ihr Assistent leicht irritiert. Ein ähnliches Verhalten kannte er vermutlich nur von besonders glanzsüchtigen Elstern.

Charlotte Gerber jedoch fasste sich verhältnismäßig schnell. Sie schloss die Faust um den Stein.

„Mein Gott ...“, hauchte sie. „Mindestens dreißig Karat! Das kann doch nicht wahr sein!“

In diesen Sekunden machte Andreas Jensen wohl einen leicht dümmlichen Eindruck. Denn seine „Edelsteine“ waren fast ausschließlich in Schlüpfer und allenfalls noch in ’nen BPI gefasst.

„Was ist?“ Dann kapierte auch er. Auf der Stelle schaute er noch verdutzter drein. „Ein dreißigkarätiger Smaragd bei Gotthelf Hanisch? Und du hast ihn mitgehen lassen? Einfach so?“

„Ach was. Er hat den Wert des Steins ebenso wenig erkannt wie ich heute Mittag. Hat nur rumgespielt damit.“

Und nun bewies Andreas Jensen, dass auch er seinen Verstand sehr wohl zu gebrauchen wusste. Von einer Sekunde zur anderen fiel dieser unvorteilhafte Gesichtsausdruck von ihm ab, wie eine von Charlottes gelegentlichen Schönheitsmasken. Er griff nach der Collegetasche, die er mitgebracht hatte, pfiff durch die Zähne.

„Mädchen, Mädchen“, sagte er anschließend. „Dann glaub ich, haben wir schon die halbe Miete. Unser Zielobjekt heißt Ali Risa und ist Maharadscha von Oudh ...“

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Kein Gedanke mehr an Essen oder Drinks, nur der gemeinsame Zigarettenkonsum stieg in astronomische Höhen, während sie den Austausch an Informationen pflegten.

„Also“, resümierte Andreas Jensen, „die vierzigtausend übrigen Inder können wir unter diesen Umständen wohl weitgehend vergessen. Ursella Hanisch hat den Stein wohl kaum auf der Müllhalde gefunden. Was ist er deiner Schätzung nach eigentlich ungefähr wert?“

„Zehn bis fünfzehntausend.“

„Mark oder Lire?“

„Dollar.“

„Und Daddy hält das Töchterlein für ein loses Flittchen auf der Suche nach dem großen Abenteuer, das ihr in ihrem heimischen Mief nie geboten werden konnte.“

„Ja.“

„Dann habe ich hier den Rest“, verkündete Andreas Jensen und klopfte stolz auf die Collegemappe. „Du warst es ja, die mich auf den Publikumsverkehr bei der Indischen Botschaft angesetzt hat. Viel war nicht los.“

„Du wirst schon wieder umständlich. Was hat dich auf diesen Maharadscha gebracht?“

„Dein Gerede von diplomatischen Schwierigkeiten, die uns erwachsen könnten. Von wegen geklautem SEL 350, Grenzübergang und so. Und meine Allgemeinbildung, die mir sagt, dass die Maharadschas seit 1971 per Dekret von Indira Ghandi rechtlos sind. Allerdings nur auf dem Papier. In einigen Gebieten üben sie sogar noch die Gerichtsbarkeit aus. Das heißt, einige von ihnen können immer noch tun und lassen, was sie wollen.“

„Unser Ali Risa gehört dazu?“

„Er ist sogar einer der Obermacker.“

„Und er kann es sich leisten, solche Geschenke zu machen?“

„Ich glaube nicht, dass er auf zehn Millionen Dollar genau weiß, wie groß sein Vermögen ist. Es bewegt sich eher in der Region von ein oder zwei Milliarden.“

„Genießt er trotz diesem seltsamen Dekret auch noch diplomatischen Schutz?“, fragte Charlotte Gerber erstickt.

„Das nicht gerade. Doch er hat natürlich Leute, die ihn vergöttern in seinem heimischen Einzugsbereich. Einige sitzen auf den verschiedenen Botschaften verteilt. Doch es kommt noch besser. Es existiert ein Dossier über ihn. Nur zwei Seiten zwar, aber immerhin. Auf Männer solchen Kalibers achtet auch dieses und jenes unserer Institute. Vor allem dann, wenn sie sich öfter in Europa aufhalten.“

„Er war auch in der Bundesrepublik?“

„Bis vor genau einer Woche.“

„Und wo steckt er jetzt?“

„In merry old England. Ein paar Lords und Earls besuchen, mit denen er in Oxford studierte.“

„Hast du noch mehr Überraschungen auf Lager?“, wollte die Agentin wissen.

„Ali Risa gilt als Sympathisant der Amal Dak.“

„Aha.“

„Eine militante Vereinigung der Sikhs ist das“, erläuterte Andreas Jensen leichthin. „Man munkelt, unser Mann unterstützt sie finanziell. Ein Mäzen für Handgranaten, Mörser und ähnliche unerfreuliche Dinge, dazu ein gehätschelter Kunde der Rüstungsindustrie. Ich will hier keine Namen nennen. Du kennst sie alle selbst.“

„Wird irgendwas, das mit Ursella Hanisch zu tun hat, von ,oben‘ gedeckt?“

„Mit Sicherheit nicht. Sonst hätten sie dich nicht auf den Plan gerufen. Vorerst leben wir immer noch im Rechtsstaat. Und es scheint genügend Leute zu geben, die es dabei belassen wollen.“

„Was gibt’s noch?“ Sie klang ziemlich erschöpft.

Andreas Jensen blätterte in seinen Papieren.

„Einen sehr seltsamen Zwischenfall in der Nähe von Dover. Kam erst vor drei Stunden über Interpol London herein. Das heißt, so seltsam ist das Geschehen gar nicht, eher tragisch. Ein gewisser John Smile von der Küstenwache wurde niedergeschossen. Gestern Nacht. Müsste um jene Zeit passiert sein, als wir uns gerade so angeregt unterhielten. Der Mann dachte, ein paar Schmuggler auf frischer Tat ertappen zu können und ritt mit seinem Drahtesel auf sie los. Männer, drei oder vier, verstauten aus einem Boot, das möglicherweise aus Calais angelandet war, in einem Kombi eine längliche Kiste. Das kann nichts bedeuten und alles. Der Constabler ist jetzt querschnittsgelähmt. Interpol vermutet, die Täter haben ihn für tot gehalten und nur deshalb auf den Fangschuss verzichtet. Dieser Smile berichtete übrigens noch von irgendwelchen seltsamen Kopfbedeckungen, die die Schmuggler trugen.“

Charlottes grüne Augen blitzten.

„Und du hast keine Schlüsse daraus gezogen?“

„Keine Panik, Mädchen“, bat Andreas Jensen schnell, denn seine Chefin holte mit der Brandyflasche aus. „Maharadscha Ali Risa reist morgen Vormittag mit der AIRINDIA-Maschine, die aus Chicago über New York nach Heathrow kommt, nach Bombay ab. Die 747 legt noch ’ne Zwischenlandung in Frankfurt ein. Die Tickets hab ich schon mitgebracht.“ Andreas warf die Flugscheine auf den Tisch.

„Bedien’ dich, aber Erster Klasse war nicht mehr zu bekommen. Die hat unser Ali Risa ganz für sich allein.“

Der Blonde nützte Charlottes Verblüffung, rasch weiterzureden.

„Ali Risa ist vierundfünfzig, klein und untersetzt, glatzköpfig wie Yul Brynner, reist mit großem Tross, dafür ohne Harem. Und das scheint ihm dann und wann zum Problem zu werden.“

„Was?“

„Zu Hause hat er natürlich ’nen Vorrat angelegt. Ist ja auch keine Schwierigkeit in ’nem Land, wo die Kinder mitunter schon mit elf Jahren heiraten.“

Charlotte schaute ihren Partner ausnahmsweise mal verdattert an. „Was willst du damit sagen?“

„Dass unser Mann ausnahmslos auf jüngste und allerjüngste Mädchen abfährt. Ab und an steht ihm der Sinn samt Beischlafwerkzeug nach jungen Europäerinnen.“

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Andreas Jensens Augenringe waren groß wie Wagenräder, als er am nächsten Vormittag buchstäblich in letzter Minute anhechelte. Charlotte Gerber erwartete ihn voller Ungeduld.

„Wo warst du bloß so lange?“, murrte sie. „Unser Flug ist schon aufgerufen.“

Im Gegensatz zu ihrem Assistenten wirkte sie wie aus dem Ei gepellt: Ebenso sorgfältig wie dezent geschminkt, trug sie ein sanft kariertes Kleid aus Baumwollflanell mit indisch angehauchten Applikationen und Stickereien. Der wadenlange Tellerrock fiel besonders weich, die makellosen Beine steckten in schwarzen Western-Boots.

Andreas funkelte sie giftig an.

„Während du deinen Schönheitsschlaf hieltst, hab ich mir auch noch den Rest der Nacht ’nen Spaß draus gemacht, all das zu besorgen, was du sonst noch wissen wolltest. Mein Trommelfell ist wund telefoniert.“

Charlotte Gerber grinste infam.

„Nun hab dich nicht gleich so. Der Wagen wartet.“

Draußen vor Gate 8 stand ein natogrüner BMW vom Bundesgrenzschutz. Hier wirkte Charlottes Ausweis noch wahre Wunder, doch wenn sie ihren Fuß erst in die Maschine gesetzt hatte, war er nur mehr Makulatur. Da wilderten sie nämlich auf fremdem Terrain.

Der Fahrer brachte sie an die Maschine, die vier Aggregate des Jumbo Jet lärmten bereits höllisch. Eine freundliche Stewardess im roten Sari empfing sie am Ende der Gangway.

Gleich hinter ihnen wurde die Tür geschlossen. Zischend fiel sie in ihre tresorähnlichen Halterungen. Charlotte und Andreas saßen noch nicht richtig, als die Maschine schon anrollte. Kurz darauf blieb Frankfurt samt seiner Smog und Dunstglocke unter ihnen zurück, der Himmel wurde klar.

Sie hatten einen Platz im Mittelteil der Boeing 747, in der Nähe der vorderen Filmleinwand und einer der drei Pantrys.

Die Agentin überzeugte sich davon, dass sie samt und sonders von Ausländern umgeben waren, die sie nicht verstanden. Ein Restrisiko blieb natürlich, doch sie hatten ja nicht vor, sich anzuschreien.

„Also“, begann Charlotte Gerber, „frisch ans Werk, mein Junge.“

„Kann ich nicht erst mal schlafen? Ich bin hundemüde. Wenn ich die Augen länger als zehn Minuten offen halten soll, muss ich Streichhölzer dazwischen stecken.“

„Pennen kannst du noch ausgiebig“, beschied ihm seine Chefin. „Wir sind locker siebzehn Stunden unterwegs. Nur mehr eine einzige Zwischenlandung bis Bombay. In Kuwait. Dort ist’s dann Mitternacht.“

„Danke für die freundliche Auskunft“, antwortete Andreas Jensen zerknirscht.

„Willst du Fragen stellen wie ’ne Lehrerin, oder darf ich freien Vortrag halten?“

„Letzteres, bitte. Aber ohne Abschweifungen, wenn sich's machen lässt.“

„Als ich von dir wegging und nochmals in die Zentrale fuhr, musste ich die halbe Flughafenpolizei in Heathrow rebellisch machen.“

„Du sollst nicht jammern, sondern berichten“, erklärte ihm Charlotte, öffnete ihr Bordgepäck und fing an, die Lippen nachzuziehen.

Andreas schaute sie kurz an, dann lehnte er sich tief in den Sitz zurück.

„Ali reist mit einem riesigen Tross. Sogar Pferde und Hunde führt er mit. Doch so weit, dass er die Zossen mit an Bord dieses Flugzeugs nehmen durfte, reicht nicht mal sein Einfluss. Wird alles mit ’ner Sondermaschine per Charter nachgeflogen. Nein - eine Kiste, wie wir sie suchen, befindet sich nicht in diesem Jet, vermutlich reist sie mit den Gäulen. Vielleicht wird unsere Ursella beim Zoll als bissige Dogge deklariert. - Weshalb nimmst du eigentlich an, dass sie nach Indien verfrachtet wird?“

Die Agentin steckte den Lippenstift in die Hülse zurück und betrachtete sich prüfend im Spiegel der Puderdose.

„Erstens“, sagte sie dann, „wurde die Kleine mit riesigem Aufwand von zu Hause abgeholt und nach England geschafft, wie wir jetzt voraussetzen dürfen, und drittens ist Ali ein Fan blutjunger Mädchen.“

„Viertens“, ergänzte Andreas Jensen, „spielt Geld für ihn sowieso keine Rolle. Was für ein Motiv hast du dir denn ausgedacht? Das würd ich zu gern hören.“

„Liebe?“, meinte Charlotte vage. „Er hat sie irgendwo zufällig kennengelernt, sich in sie vergafft und beschlossen, sie auf Dauer seiner Sammlung einzuverleiben. Doch sie wollte nicht von dem einen Knast in ’nen anderen und lehnte deshalb ab. Jetzt tut er’s eben mit Gewalt.“ Andreas Jensen lachte hämisch. „Ich hatte zwar seit meiner Pubertät nichts mehr mit Sechzehnjährigen zu tun“, sagte er dann, „aber mein einschlägiges Erinnerungsvermögen ist noch in Ordnung. Da kommt ein glatzköpfiger Nabob, verspricht einem halbwüchsigem Tim-Curry-Groupie goldene Berge. Und zur greifbaren Unterstützung seiner Versprechen schenkt er ihm auch noch ’nen Fünfzehntausend-Dollar-Smaragd. Und das bei ’nem Mädchen, das in einem Hanischlager beheimatet ist. Was hättest du denn in ihrem Alter vorgezogen?“

„Scheiße“, sagte Charlotte Gerber wenig damenhaft. „Jetzt hast du ’nen Pfahl mitten ins Zentrum meines Selbstbewusstseins getrieben. Leider kann ich mich dieser Argumentation nicht verschließen ...“

Charlottes Monolog hielt noch eine ganze Weile an, ehe leise Schnarchtöne sie aus den einsamen Gedanken rissen.

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Andreas Jensen verschlief sämtliche Mahlzeiten, trotzte den Geräuschen, die die Reinigungskolonne in Kuwait verursachte, gleichermaßen und wachte erst wieder auf, als der Jumbo Jet der AIR INDIA über den nördlichen Malediven von seiner Reiseflughöhe Abschied nahm. Strahlend stieg die Sonne auf.

Er gähnte herzhaft.

„Hab’ ich ’nen guten Film versäumt?“

„Einen schlechten“, meinte Charlotte Gerber sauer. „Siebzehn Stunden im Alleinflug sind kein Vergnügen.“

Andreas setzte sich auf, fuhr sich mit den Fingern, wie immer vergeblich, durchs zerwühlte Haar.

„Du wirst doch nicht behaupten wollen, dass wir schon da sind?“

„In zwanzig Minuten“, sagte die Agentin mit einer Stimme on the Rocks.

„Oh! Hab’ ich was verpasst? Dir ist doch klar, dass du mich immer auf dem Laufenden halten musst, wenn ich dir ’ne echte Hilfe sein soll. Ich nehme nicht an, dass du die ganze Zeit über verbissen schweigend neben mir ausgeharrt hast. Wie war’s in der Ersten Klasse? Du hast es doch bestimmt versucht.“

„Hermetisch abgeriegelt“, gestand Charlotte. „Weder mit guten Worten noch Bakschisch war was zu machen. Ich bin gegen ’ne Mauer gelaufen. Und zu auffällig durfte ich mich schließlich auch nicht benehmen. Ein Zeitverlust auf der ganzen Linie.“

„Spürst du’s, wie mir die Seele weh tut?“, grinste Andreas.

„Noch so ein Satz, und ich werde klassisch. Dann erzähl ich dir was vom Götz von Berlichingen.“

„Nicht nötig. Die Story kenn ich schon. Ein Ausfluss meiner durch und durch humanistischen Bildung.“

„Grrrrgh.“

Charlotte Gerber schnurrte wieder, diesmal freilich mit gesträubtem Fell. Andreas’ Grinsen gewann eher noch an Breite.

„Bleiben wir Freunde“, meinte er. „Du hast mich mit deinen Aufträgen gepiesackt, ich dich mit meinem Nachholbedürfnis an Schlaf. Ich war wirklich fix und foxi.“

Letztere Sentenz wies ihn als Comickenner aus.

„Schieß los“, verlangte Charlotte knapp.

„Unter zahllosen anderen hab ich auch noch unseren Kontaktmann in Delhi an die Strippe bekommen. Henry Frost heißt er, ist ’n Indienkenner durch und durch. Er werkelt als Drogenfahnder, und dafür gibt’s ein offizielles Abkommen mit der indischen Regierung. Im Gegensatz zu uns arbeitet er vollkommen legal. Wenn’s wirklich hart auf hart kommt, müsste auch er uns verleugnen.“

„Noch mehr solche Frohbotschaften?“

„Hm. Er holt uns am Flughafen ab, steht uns für die gesamte Dauer des Einsatzes mit Rat und Tat zur Verfügung. Wobei es bei der ,Tat‘ hapern dürfte. Er ist sehr genau umrissenen Bestimmungen unterworfen. Gegen ’nen Maharadscha beispielsweise ist er so machtlos wie ’n Embryo gegen die Zeugung.“

Der Pilot war zum Glück ein absoluter Könner. Er setzte den Riesenvogel so sanft auf wie ’ne Daunenfeder auf ’ne Schlaraffiamatratze.

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Unweit der Boeing 747 parkte die Frachtkutsche der CATHAI AIR. Sie war bereits eine Stunde früher gelandet und spuckte trotzdem jetzt erst Pferde aus. Vielleicht, weil ’ne Kiste mit so viel Vorrang und Sorgfalt behandelt werden musste.

Charlotte Gerber bekam nichts davon mit. Die Hässlichkeit des Bombay International Airport nahm sie gefangen samt der Bürokratie, die der bundesdeutschen an Ineffizienz in nichts nachstand. Erst nach zwei Stunden hatten sie sämtliche Formularschleusen des Arrivals passiert.

Henry Frost, ein mehr als beziehungsreicher Name für die 30 Grad, die schon jetzt in Bombay waberten, war ein Mann um die vierzig. Die Schwimmreifen um die Hüften und sein rundes Gesicht ließen ihn womöglich harmloser erscheinen, als er das in Wirklichkeit war. Seine Augen strahlten in einem hellen Blau. Auf der Radikalglatze spiegelte sich die Sonne. Damit trug er den gleichen Kopfschmuck wie der Maharadscha.

„Frau Gerber? Herr Jensen?“, grüßte er überschwänglich und drückte der Agentin einen Handkuss auf den überraschten Handrücken. „Naundra nanda, herzlich willkommen, wenn Sie das Hindi nicht stört. Der Wagen wartet draußen. Ihr Gepäck?“

„Nur Lippenstift und Puderquaste“, antwortete Andreas Jensen an Charlottes Stelle. „Die Abreise war etwas chaotisch.“

„Ich verstehe, bin ja informiert. „Haben wir beide nicht miteinander gesprochen?“

„Haben wir“, bestätigte Andreas.

Um sie herum feierte auch hier das Chaos fröhliche Urständ. Menschen aus aller Herren Länder gaben sich ein Stelldichein. Das Sprachgewirr als babylonisch zu bezeichnen, wäre einer maßlosen Untertreibung gleichgekommen. Allein in Indien wurden rund siebenhundert Dialekte angewandt.

„Hm“, meinte Henry Frost, „ich weiß in etwa, worum’s geht. Ihr seid gekommen, um so nebenbei mal ein bisschen Sisyphusarbeit zu erledigen.“ Er grinste freudlos. „Habt ihr auch nur die geringste Vorstellung davon, was euch hier erwartet?“

Charlotte schaute sich um.

„Mir schwant Fürchterliches“, gestand sie.

„Ihr seid noch nie in Indien gewesen?“

„Nein“, gestand die Agentin.

„Nein“, räumte auch Andreas Jensen ein.

„Ach, du heiliger Krishna und all ihr übrigen zweihunderttausend Götter“, japste Henry Frost. „Ihr tut mir jetzt schon leid. Ihr seid hier quasi auf ’nem anderen Stern. Vergesst all eure Erfahrungen, wo auch immer ihr sie bisher gesammelt habt. Hier nützen sie euch nichts. Ach, du heiliger Bimbam!“

„Ist das Gott zweihunderttausendundeins?“, fragte Charlotte gefasst. „Wir kommen schon zurecht. Verlassen Sie sich drauf.“ Sie rieb sich ein wenig an der leutselig überheblichen Art von Henry Frost. Hielt er sie wirklich für Pauschalreisende?

Auf einmal änderte sich der Ausdruck in seinen hundsveilchenblauen Augen. Denn die Agentin konnte hübsch eiskalt dreinschauen.

„Hm“, meinte er dann schon wieder mal. „Rede ich Ihnen zu viel?“

„Das ist es nicht“, antwortete Charlotte Gerber. „Ich verstehe ja, wenn Sie uns für Greenhorns halten. Sind wir ja auch. Doch nur, soweit es die Unkenntnis dieses Landes betrifft. Selbstverständlich beneide ich Sie um den Heimvorteil, aber werden Verbrechen überall auf der Welt nicht mit derselben Methodik aufgeklärt? Haben die Leute hier zwei Köpfe? Warum, glauben Sie, wurden Sie aus Delhi herbeordert? Weil Sie uns lehren sollen, wie man Curry mischt?“

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Die Fahrt hinaus nach Juhu verlief danach eher schweigsam. Henry Frost verzichtete endgültig auf das Fremdenführerimage. Er harrte nur mehr der Dinge, die da kommen sollten.

Er war die Soft-, Charlotte die Hardware. Das hatte er inzwischen notgedrungen akzeptiert.

„Ich hab Ihnen Zimmer im Holiday Inn reservieren lassen“, verriet er, während an den Seitenfenstern des Wagens das nackte Elend Schlange fuhr. Nur eingefleischte Neckermänner konnten die grausliche Szenerie noch als pittoresk empfinden. „Wir sind gleich da. Ich hab das Hotel ausgewählt, weil sich das Jaipuram in unmittelbarer Nachbarschaft befindet. Es gehört Ali Risa, und er hat die oberen drei Etagen mit Beschlag belegt. - Ist Ihnen das recht, Frau Gerber?“

„Weshalb gekränkt?“, fragte die Agentin mit Menschenkenntnis. „Ich hab doch nichts gegen Sie und bin überdies sicher, dass Sie uns eine überaus wertvolle Hilfe sein werden.“

Noch ein paar Sätze dieser Güte, und Henry fraß Charlotte aus der Hand. Er schien jetzt schon von ihr eingenommen, grinste gebremst fröhlich. So wie einer, der von einem mittleren Lottogewinn erfährt, während ihn horrende Zahnschmerzen plagen.

Es roch nach Salz und See und Kardamom, nachdem sie eine Schranke hinter sich hatten, die postenbewacht Slums und Bewohner außerhalb des Hotelviertels hielt. Die acht Stockwerke des Holiday Inn wuchsen vor ihnen in die Höhe. Palmen säumten den Weg. Einheimische Gärtner zupften penibel das Gras der Grünanlagen zu ’nem englischen Rasen. In Great Britain versuchten das Schafe oder indische Einwanderer.

Das kunstvoll geschmiedete Eingangstor war vergoldet oder zumindest geschickt eloxiert. Sofort dahinter folgte eine Front aus Glastüren, von einem Turbanträger in Operettenuniform à la Punjab eskortiert. Er hielt nicht die Hand, sondern die Türen auf. Eine leistungsfähige Klimaanlage verpasste den Ankömmlingen beim Betreten des weiträumigen Foyers den Kälteschock. Nüchterne Eleganz kreiste sie ein. Der Westen hatte sie wieder.

„Sie kennen sich auch hier aus?“, fragte Charlotte. Henry Frost nickte.

„Bestimmt werden Sie erschöpft sein.“

„Zeigen Sie uns lieber den Coffee Shop“, unterbrach die Agentin. „Ich lege großen Wert auf jene Insiderinformationen, die Sie seit Herrn Jensens Anruf gewiss gesammelt haben.“ Und nach einem Seitenblick zu Andreas: „Ich habe im Flugzeug auch ein bisschen geschlafen und bin jetzt frisch wie ein Fisch im Wasser.“

„Wie ein Piranha“, verbesserte der blonde Assistent. Er war seit einer halben Stunde nicht mehr zu Wort gekommen.

Für seine Bemerkung heimste er von Charlotte ein Haifischlächeln ein.

„Folgen Sie mir“, bat Henry Frost. „Wir müssen geradeaus, dann ...“

Da hatten sie die Rückseite des Holiday Inn, Juhu, Bombay, und gleichzeitig die Meerseite auch schon erreicht. Vor ihnen lag ein Swimmingpool mit integrierter Bar. Gäste, die dort ihre Drinks nahmen, saßen bis zum Nabel auf Marmorsockeln im Wasser.

Andreas Jensen pfiff andächtig durch die Zähne, wollte wohl wieder etwas sagen. Er kam nicht dazu, weil Henry Frost zu zielstrebig den Coffee Shop ansteuerte, der sich etwas abgesetzt vom kristallblauen Becken in einem seitlichen Anbau befand.

„Hier sind wir ungestört“, sagte der nach Indien abgeordnete Kollege. „Kein Schwein versteht deutsch.“

„Und wie steht’s mit den Kellnern?“, fragte Charlotte Gerber leicht pikiert.

„Die noch weniger.“ Henry Frost hatte sich offenbar wieder gefangen. „Ich weiß jetzt, dass Sie ’ne große Nummer bei uns sind“, fuhr er fort. „Und dass Sie die Art nicht mögen, in der ich Sie empfangen hab. Einverstanden. Möglicherweise habe ich Sie anfangs unterschätzt.“ Frosts rundes Gesicht wurde auf einmal eckig. „Vielleicht mag ich Sie sogar. Aber unterschätzen Sie bloß Indien nicht. Hier hat die Hölle jeden Freiraum. Und wenn ich ehrlich bin - ich halt es nach wie vor für unmöglich, dass Sie die kleine Hanisch aufstöbern.“

Die Agentin ging in die vollen. „Liegt’s an Ali Risa?“

„Es wäre besser, Sie sprächen diesen Namen nicht aus, Lady!“

„Okay, okay“, lenkte Charlotte Gerber ein. „Haben wir uns eben in uns getäuscht. Sie sind ein harter Knochen, ich bin’s auch. Dass ich zufällig auch noch ’ne Frau bin, sollten Sie hinnehmen. Können wir uns auf der Basis einigen?“

Henry Frost brauchte nicht lange zu überlegen.

„Akzeptiert, Frau Gerber.“

Diesmal küsste er nicht mehr den Handrücken, streckte vielmehr seine Hand aus.

Charlotte drückte sie fest.

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Nach einem kleinen Frühstück - Andreas allerdings verschlang drei Portionen - gingen sie hinunter zum schneeweißen Strand. Um diese Zeit war er noch menschenleer.

„Ali Risa“, begann Henry Frost, „ist ein unerfreuliches Thema.“

„Ich hab nicht erwartet, dass Sie ihm ein Loblied singen“, blieb Charlotte Gerber nüchtern.

Der Agent aus Delhi griente.

„Der Maharadscha von Oudh ist ein Fiesling. Ich traue ihm durchaus zu, was Sie ihm zum Vorwurf machen. Nur warum er das gemacht haben soll, darüber rätsle ich.“

Charlotte schwieg betreten. Henry Frost hatte da den Finger in ’ne offene Wunde gelegt.

„Dann sind wir schon zu dritt“, bekannte sie schließlich. „Überdies haben wir gegen ihn auch nicht den geringsten Beweis in der Hand.“

„Kriegen Sie auch schwerlich. Und wenn doch, wird er Ihnen nicht viel nützen. Maharadschas von seinem Schlag genießen hier Narrenfreiheit. Sie sind die Parias vom anderen Ende der Skala, bloß viel unberührbarer.“

„Unantastbar, also?“

„Mit Fingern schon. Kugelfest ist er natürlich auch nicht, doch ich zweifle sehr, dass Sie sich ihm überhaupt auf Schussweite nähern können.“

„Das ist nicht meine Absicht“, entgegnete Charlotte Gerber spröde. Ihr Haar leuchtete kupfern in der Vormittagssonne. „Wir wollen dieses Mädchen finden. Egal, welche Hintergründe das Kidnapping haben mag. - Erzählen Sie mehr über diesen Knilch. Unser Dossier über ihn ist vergleichsweise recht mager.“

„Ali Risa ist es nicht. Der ist ausgesprochen fett. Sieht aus wie ’ne Qualle mit Kopf.“ Henry Frost betastete die eigene füllige Leibesmitte. „Gegen ihn bin ich ein Jüngling, rank und schlank. Ein wahrer Adonis.“

„Und warum unterstützt er die Amal Dak?“, fragte Charlotte. Sie hatten sich schon ziemlich weit vom Hotelgrundstück entfernt und kehrten nun um. Ein wahres Wunder, dass sie bisher noch auf keinen einzigen Bettler gestoßen waren.

„Ach, das weiß niemand so genau“, wand sich Frost. „Ich vermute, dass das nur ein Spleen von ihm ist. Politisch engagiert hat er sich jedenfalls noch nie.“

„Ist es kein politisches Engagement, wenn er ’ne militante Gruppierung mit Waffen versorgt?“

„Nicht die Bohne. Er verdient sich bloß dumm und dämlich dran. Ali Risa hat nur zwei Leidenschaften. Die eine ist, sein auf etwa eineinhalb Milliarden geschätztes Vermögen auf zwei Milliarden aufzustocken. Die andere sind die kleinen Mädchen.“ Charlotte Gerber dachte an den Dreißigkaräter.

„Wie verträgt sich das mit den großzügigen Geschenken, die er macht?“

„Was verstehen Sie unter großzügig, Frau Kollegin? Unser lieber Fiesling hält hunderttausend Mark für ein besseres Trinkgeld. Ihm gehört eine Hotelkette, die sich über ganz Ostasien erstreckt. Er ist an mindestens drei Filmgesellschaften beteiligt. Außerdem hat er seine Finger ganz dick im Geschäft mit der käuflichen Liebe.“

Die Agentin horchte auf.

„Er betreibt ’nen Callgirlring oder was?“

Henry Frost lachte verhalten.

„Das gibt’s hier natürlich auch“, meinte er dann. „Wir sprechen doch jetzt über die Vermittlung von Edelnutten, nicht wahr?“

„Richtig“, fiel Andreas Jensen interessiert ein.

„Ein paar Tausend-Dollar-Nutten findet man überall“, plauderte der Mann aus Delhi munter. „Doch bei Ali Risa macht’s die Masse. Sie haben schon was von den ,Cages‘ gehört?“

Bevor ihr Assistent eine weitere Bemerkung ablassen konnte, antwortete Charlotte Gerber.

„Die Cages sind mindestens ebenso bekannt wie der Gateway of India oder der Goldene Tempel von Amritsar.“

Henry Frost nickte zustimmend.

„Ja, ja, da werden die Mädchen in Käfigen gehalten wie Tiere. Niemand kennt ihre genaue Zahl. Und hauptsächlich an denen verdient unser guter Maharadscha ein Vermögen. Fragen Sie mich bloß nicht, wie die Geschäfte tatsächlich abgewickelt werden. Ich bin kein Fachmann auf dem Gebiet.“

Charlotte überschlug kurz, welche Summe Ali Risa für die Entführung eines kleinen Heimerzheimer Mädchens ausgegeben haben mochte. Danach stand fest, dass Ursella Hanisch dieses Geld nicht als Nutte der Upper Class wieder einbringen würde. Ali Risas Motiv stand ferner denn je in den Sternen.

„Was wissen Sie noch über ihn?“

„Nun, er ist ein Exzentriker durch und durch, mit allen unguten Eigenschaften behaftet, die Sie sich nur vorstellen können.“

Details

Seiten
380
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738922967
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (September)
Schlagworte
thriller doppel sterben bombay/liebe russisch

Autor

Zurück

Titel: Thriller Doppel: Zum Sterben nach Bombay/Liebe auf Russisch