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Die Raumflotte von Axarabor #31: Die kosmische Anomalie

©2018 100 Seiten
Reihe: Axarabor, Band 31

Zusammenfassung

Die kosmische Anomalie

Die Raumflotte von Axarabor - Band 31

von Roland Heller

Der Umfang dieses Buchs entspricht 82 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Jane Deal und ihr Roboter Schlauköpfchen entdecken auf und um den Planeten Rhu, einer verlorenen Kolonie, eine merkwürdige Anomalie, die den Durchgang in ein anderes Universum ermöglicht.

Der König des Planeten träumt davon, das Universum zu erobern, indem er seine Truppen durch ein anderes Universum an den jeweiligen Zielort bringt. Da sie deshalb im normalen Universum nicht zu orten sind, verspricht er sich überall einen raschen Sieg.

Auf dem Planeten und speziell unter den Wissenschaftlern wächst der Widerstand gegen dieses Vorhaben. Und da gibt es noch eine Institution, die an dieser Anomalie interessiert ist.

Leseprobe

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Die kosmische Anomalie

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 31

von Roland Heller

Der Umfang dieses Buchs entspricht 82 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Jane Deal und ihr Roboter Schlauköpfchen entdecken auf und um den Planeten Rhu, einer verlorenen Kolonie, eine merkwürdige Anomalie, die den Durchgang in ein anderes Universum ermöglicht.

Der König des Planeten träumt davon, das Universum zu erobern, indem er seine Truppen durch ein anderes Universum an den jeweiligen Zielort bringt. Da sie deshalb im normalen Universum nicht zu orten sind, verspricht er sich überall einen raschen Sieg.

Auf dem Planeten und speziell unter den Wissenschaftlern wächst der Widerstand  gegen dieses Vorhaben. Und da gibt es noch eine Institution, die an dieser Anomalie interessiert ist.

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author /COVER 3000AD 123rf mit Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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"Wenn ich nicht ein Roboter wäre, könnten mich manchmal menschliche Gefühle überkommen."

"Hör auf zu philosophieren, Schlauköpfchen, und konzentrier dich auf das Wesentliche." Jane Deal sagte es gewohnheitsmäßig wie so oft, wenn ihr robotischer Begleiter offenbar nach Wegen suchte, seine intellektuellen Fähigkeiten hervorzuheben und Möglichkeiten aufzeigte, sie nicht nur zu beweisen, sondern auch sein Verständnis für alle menschlichen Gefühle zu erklären.

Üblicherweise ließ sie es mit ihrer Bemerkung – "Hör auf!" - bewenden, doch manchmal genoss auch sie es, im Plauderton die monotone Langeweile des Fluges mit Schlauköpfchens Ergüssen zu verkürzen.

"Welche menschlichen Gefühle könnten dich schon überkommen."

"Ich bin nach dem Bild eines Mannes gestaltet, seit ich deinen Besitz übergegangen bin."

"Was du nicht sagst."

"Du bist eine Frau, Jane. Ich weiß, körperlicher Sex ist für mich nicht möglich, aber ein wenig prickelnde Erotik kann jeden langweiligen Flug verkürzen."

"Wer hat dir diese Flausen in den Kopf gesetzt?"

Als wenn sie dies nicht wüsste. 

Jane Deal schüttelte verwirrt ihren Kopf. War ihr Roboter jetzt total übergeschnappt?

"Die Bibliothek ist voll von Beispielen. Und die Frauen können mit ihren Reizen – zumindest in den Büchern – jeden Mann um ihren kleinen Finger wickeln."

"O.K. Schlauköpfchen. Sag, was du sagen willst."

"Mich würde interessieren, was sich verändert, wenn du dein Gewand ablegst."

"Schlauköpfchen, jetzt langt es. Und bist du sicher, dass du alle Aufzeichnungsgeräte abgeschaltet hast? Wer hat dich bestochen? Von dir aus kommst du ja nicht auf solche Gedanken.  Wem solltest du ein paar Aktbilder von mir übergeben?"

"Mich kann man nicht kaufen, Jane."

"Ach komm schon, Schlauköpfchen. So naiv bin ich wirklich nicht, dass ich plötzlich glauben kann, du wärst am Körper einer menschlichen Frau interessiert. Gib es einfach zu. Wer will mich nackt sehen?"

"Ich glaube, da könnte ich dir stundenlang Namen aufzählen ..."

"Schlauköpfchen!!!"

Wenn sie seinen Namen mit drei Rufzeichen aussprach – und der Roboter registrierte es tatsächlich an der Betonung -, wusste selbst Schlauköpfchen, dass das Wortgeplänkel ein Ende finden musste.

"Schade. Ich würde zu gerne das Gefühl kennenlernen ..."

"Das du nicht besitzt."

"Mein vorhergehender Besitzer hatte sich einen weiblichen Roboter gewünscht. Der ließ mich die meiste Zeit unbekleidet meine Arbeit im Schiff verrichten. Bei den Menschen muss das ja etwas bewirken."

"Bei den Menschen? Sind neuerdings die Roboter ebenfalls gefährdet?“

"Zumindest sehr viele Männer."

"Du besitzt keine Gefühle, Schlauköpfchen. Also gib es auf!"

"Leider, Jane. Anatomisch gesehen erfüllst du beinahe zu hundert Prozent die körperliche Wunschvorstellung ..."

"Was heißt hier beinahe?"

"Man kann nicht alle Menschen über einen Kamm scheren. Außerdem hat nicht jeder Mann die gleichen Vorlieben ..."

"Das ist zu hoch für dich, Schlauköpfchen. Bei diesem Thema kannst du einfach nicht mitreden."

"Das heißt, du willst nicht ..."

"Ganz genau das heißt es. Und zukünftig will ich nicht mehr, dass du dieses Thema überhaupt ansprichst."

"Dabei hätte ich mir gerade davon neue Erkenntnisse erhofft."

"Schlauköpfchen, ich bin keine Kontrollperson, die du messen und kontrollieren kannst."

"Dich."

"Kontrollier lieber die Ortung. Der Planet muss hier irgendwo sein."

"Dabei fällt mir ein Witz ein."

"Auch das noch! Womit bin ich gestraft worden, dass ausgerechnet du mein Begleiter bist. Deine Witze sind alt und verstaubt. Darüber hat seit mindestens hundert Jahren niemand mehr gelacht. Womöglich noch ein Frauenwitz!"

"Diesmal ausnahmsweise nicht. Ein Männerwitz. Und es kommt auch keine nackte Frau darin vor, ich schwöre es."

"Spar' ihn dir für eine andere Gelegenheit auf. Hast du nicht mitbekommen, dass sich der Orter gemeldet hat?"

"Natürlich habe ich es mitbekommen. Auch Roboter sind multitaskingfähig. Ich habe mir die Daten längst angeschaut. Deswegen muss ich doch nicht aufhören, mich mit dir zu unterhalten."

"Nun, was sagen die Daten aus? Spann mich doch nicht so auf die Folter!"

"Der Plantet befindet sich in der Lebenszone. Auf den ersten Blick erscheint die Welt ideal, wie geschaffen für eine Kolonie. Soweit die Daten hereingekommen sind, eine Sauerstoffwelt mit erfrischenden 21 Prozent, der Rest verteilt sich auf Stickstoff und die üblichen Edelgase, keine für den Menschen giftige Stoffe feststellbar."

"Kannst du bereits feststellen, ob er bewohnt ist?"

"Wir sind noch zu weit entfernt. Hochauflösende Bilder kommen frühestens in fünf Minuten, wenn wir uns mit konstanter Geschwindigkeit weiterhin der Welt nähern. Aber im Prinzip bietet er alle Voraussetzungen. Du denkst an eine vergessene Kolonie?"

"Möglich. Es ist lange her, dass unsere Schiffe diesen Sektor systematisch durchforstet haben. Wir wissen zwar, dass dieser Sektor durchsucht worden ist, aber die Datenlage ist recht spärlich. Wir haben kaum Daten über diesen Abschnitt der Galaxis. Irgendetwas passt hier also nicht zusammen."

"Es sind nicht alle Schiffe zurückgekehrt. Besonders in diesem Gebiet sind einige Schiffe abgängig. Aus diesem Grund ist unsere Datenlage unvollständig."

Schlauköpfchen rezitierte sein Wissen wie ein sprechendes Lexikon – was er im Grunde auch war -  und zog seine Schlüsse daraus.

"Möglich, dass dieses Schiff nicht mehr zurückgekehrt ist, das genau diesen Sektor abgesucht hat. Rechnest du deshalb mit einer Gefahr?"

"Die Wahrscheinlichkeit ist nicht höher als üblich. Bislang weisen die Daten keinerlei Anomalien auf."

Jane Deal wurde plötzlich hellhörig. Wieso hatte Schlauköpfchen gerade diesen Ausdruck verwendet? Er musste anhand der Daten etwas festgestellt haben, das von der Norm abwich.

"Du hast doch etwas gefunden!", sagte sie. "Was ist dir aufgefallen?"

"Das ist es ja eben. Ich kann es nicht klar definieren. Die Daten kommen alle klar herein, sie entsprechen im Prinzip der Norm, aber alle befinden sich im absolut untersten Bereich der Schwankungsbreite. Das kann bei einigen Messergebnissen zutreffen, aber bei allen? Das macht mich stutzig."

"Bleib dran, Schlauköpfchen. Ich sehe mir derweil die restlichen Daten an, vielleicht entdecke ich eine Anomalie."

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DAS KLEINE SCOUTBOOT hatte sich dem Planeten so weit genähert, das bald Einzelheiten erkennbar waren.

Der Planet Rhu war äußerst dünn besiedelt. Er besaß fünf Kontinente, von denen bisher nur der größte besiedelt war. Er allein zeigte Anzeichen von Besiedlung, die bereits aus dem Weltall erkennbar waren. Landwirtschaftlich genutzte Flächen, die durch ihre geometrischen Grenzen sofort als künstlich angelegt zu erkennen waren, gerade Straßen, die bebaute Siedlungen verbanden. Eigentlich bot der Planet das Bild einer x-beliebigen Welt – mit einer Ausnahme. Wenn man die Straßen betrachtete, die größtenteils gerade verliefen, dann hatte man eine erste unlogische Planung gefunden. Die Ausnahme bestand darin, dass die Straße einen bestimmten Landstrich – obwohl topographisch kein Grund dafür vorlag – mied. Die Straße machte einen weiten Bogen, um dann die gedachte gerade Linie wieder aufzunehmen.

Das musste einen bestimmten Grund haben.

Entlang dieser in etwa ringförmigen Anomalie gab es mehrere Ansiedlungen. Jane Deal entschloss sich, am Rande einer dieser Siedlungen das Schiff zu Boden zu bringen.

„Schlauköpfchen, mach dich für die Landung bereit. Ein, zwei Umrundungen noch, bis wir einen optimalen Landeplatz finden.“

Jane Deal war eine attraktiv und jung gebliebene sechzig Jahre zählende Frau, hoch gewachsen und mit einer ein wenig zur Molligkeit neigenden Figur. Dunkles, manchmal blauschwarz schimmerndes Haar lag eng an ihrem Kopf an, reichte am Rücken jedoch weit hinunter. Meist trug sie es zu zwei Zöpfen geflochten. Neben ihr saß Schlauköpfchen an den Kontrollen. Er war äußerlich dem Idealbild eines jungen Mannes nachempfunden. Obwohl ein Roboter, verfügte er über die ganze Bandbreite, wie er seine Gefühle seinem Gegenüber sichtbar machen konnte. Meistens trug er ein gewinnendes Lächeln zur Schau. Als Jane ihn übernommen hatte, war seine Größe der ihren angepasst worden. Selbstverständlich verfügte er über einen absolut makellosen Sixpack. Eine schwarze Kurzhaarfrisur vervollständigte den menschlichen Eindruck. Meistens stellte er sich von vorneherein als Roboter vor, aber es kam schon manchmal vor, dass man ihn für einen Menschen hielt..

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DIE ACCOUNT WAR EIN riesiges Trägerschiff. In ihr fanden nahezu fünfzig Scoutschiffe und mehrere Aufklärer sowie fünf sogenannte Lander Platz. Mit einer Länge von nahezu einem halben Kilometer gehörte die ACCOUNT zu den größeren Schiffen in der Flotte von Axarabor. Den Kopf des Schiffes bildete eine Kugel mit einem Durchmesser von 70 Metern. An diesen Kopf schloss sich der 500 Meter lange Verbindungsgang an mit den Andockstutzen für die Scoutschiffe und Aufklärer. Am Ende dieses Ganges fand sich eine weitere 70 Meter durchmessende Kugel, welche die Antriebseinheiten und die Rückstrahldüsen beinhaltete.

Über die Andockstutzen hatten die Besatzungen jederzeit die Möglichkeit, ohne allzu große Umstände die Einrichtungen des Trägers zu nutzen. Die Aufklärer und Scoutschiffe waren reine Arbeitsstätten. Der Träger bot in seinem Bauch sämtliche Möglichkeiten der Zerstreuung – natürlich im Rahmen einer militärischen Einheit. Wer ein Spielcasino oder ein Bordell suchte, der wurde nicht fündig, aber daneben gab es eine weite Palette von Unterhaltungsmöglichkeiten. Das Kino bot die neuesten Produktionen, die Restaurants und Bars waren für jeden Geschmack ausgerichtet, Kulturinteressierte konnten sich in jedes bekannte Museum einloggen und und und ...

Die Gesellschaftsräume pulsierten von Leben.

In der Zentrale ging es üblicherweise gemütlicher zu, es sei denn, ein Notfall verlangte erhöhte Aktivität.

Commander Eneim saß vor seiner Steuereinheit und blickte auf den großen Panoramaschirm, der die zurückkehrenden Scoutschiffe zeigte.

„Commander“, rief der zweite Funkoffizier Perkins lautstark, so laut, wie es eigentlich nicht notwendig gewesen wäre. „Scoutboot sieben meldet sich nicht.“

„Wie lange versuchen Sie bereits, Kontakt herzustellen?“

„Eine halbe Stunde.“ Das war exakt jene Zeitspanne, ab der ein Vorgesetzter informiert werden musste. Es konnte immer wieder vorkommen, dass eines der Scoutboote in einen Funkschatten geriet, wie immer der auch geartet sein mochte. In den meisten Fällen, in denen die Verbindung zu einem Scoutboot nicht zustandekam, lagen natürliche Ursachen als Grund vor. Dennoch konnte immer wieder ein echter Notfall eintreten, das hieß, Commander Eneim musste reagieren.

„In welchem Raumsektor operiert das Boot.“

Perkins antwortete automatisch und Eneim brachte den betreffenden Ausschnitt in das Bild des großen Panoramaschirmes.

„Haben wir nähere Daten über diesen Raumsektor?“

„Es sind lediglich zwei Sonnen katalogisiert. Der Reste ist Wüste für uns. Deshalb ist Scoutboot sieben vermutlich in diesen Sektor aufgebrochen.“

„Wer fliegt Scoutboot sieben? Und was ist die letzte exakte Position?“

Perkins holte sich die Informationen auf seinen Schirm. „Die Pilotin ist Jane Deal. Ihr robotischer Begleiter ist Schlauköpfchen.“

„Schlauköpfchen? Der Name dieses Robots kommt mir bekannt vor. Liegt über die beiden etwas Spezielles vor?“

„Über Jane Deal – negativ, Moment mal, sie hat ausgezeichnete Beurteilungen. Sie war allerdings mit Commander Thornt liiert.“

„Aha!“, entfuhr es Eneim und „Allerdings?“ setzte er hinzu.

„Tut mir leid, Commander, das ist mir nur so herausgerutscht.“

„Dafür gibt es sicherlich einen Grund.“

„Nun ja, ich kenne Thornt und seinen Roboter.“

„Das trifft leider auch auf mich zu. Deshalb kommt mir der Name Schlauköpfchen so bekannt vor.“ Commander Eneim sah im Geiste das Bild Thornts vor sich, wie er mit seinem verrückten Roboter die ACCOUNT einmal beinahe zum Absturz auf einen Mond gebracht hätte. Der Robot hatte in letzter Sekunde die Katastrophe doch noch verhindern können. Das war auch der Grund dafür, dass er nicht augenblicklich verschrottet worden war.  Commander Thornt war allerdings bald darauf auf ein anderes Schiff versetzt und rangmäßig zwei Stufen zurückgestuft worden. Erst viel später sollte Commander Einem erfahren, dass diese Degradierung im Grunde nur Teil eines ausgeklügelten Manövers war.

Der Roboter gehörte zum Inventar der ACCOUNT.

So kam er zu Jane Deal als neue Partnerin, die er ja bereits kannte, ein durchaus nicht unüblicher Vorgang, denn dieser Roboter besaß ein hochgezüchtetes Positronengehirn, das ihn gefühlsecht reagieren ließ, ja manche hielten man sie sogar zu echten Gefühlen fähig. Jane Deal hatte allerdings darauf bestanden, aus dem bislang „weiblichen“ Roboter ein männliches Exemplar zu machen. Schlauköpfchen hatte dem vorbehaltlos zugestimmt.

„Hat Schlauköpfchen immer noch seine Marotten?“

„Moment“, meinte Perkins und suchte in den Erinnerungsspeichern nach den entsprechenden Infos. „Er dürfte sich zu einem vernünftigen Roboter entwickelt haben, zumindest liegen keine anderslautenden Berichte vor. Thornt hat ihn für seine Zwecke zwar umprogrammiert, die meisten Marotten dürfte Jane Deal ihm aber ausgetrieben haben.“

„Die meisten?“, fragte Eneim nach.

„Er ist nach wie vor von der Sexualität der Menschen fasziniert und versucht den menschlichen Humor zu ergründen.“

„Wie will er das denn machen?“

„Er erzählt für sein Leben gerne Witze.“

„Aha!“

„Das sollten Sie einmal miterleben. Er kann absolut keinen Witz erzählen. Für Witze fehlt ihm die korrekte Betonung. Die herrlichsten Pointen erzählt er in seiner langsamen, monotonen Sprechweise ...“

„Genügt schon, Perkins. Ich kann es mir vorstellen. Versuch es noch eine weitere halbe Stunde. Wenn wir bis dahin keinen Kontakt hergestellt haben, setzten wir die ACCOUNT in diesen Raumabschnitt in Bewegung. Beorder sämtliche andere Scouts zurück bzw. gib ihnen unsere Zielkoordinaten an, falls sie es nicht rechtzeitig zurückschaffen.“

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NACH EINER HALBEN STUNDE hatte sich absolut nichts geändert an der Situation. Der Kontakt zu Jane Deal war abgebrochen.

„Dann brechen wir in den besagten Raumabschnitt auf“, bestimmte Eneim und gab in der Zentrale alle entsprechenden Anweisungen.

Die ACCOUNT bewegte sich aufgrund ihrer Größe nur schwerfällig, aber sowie sie eine gewisse Anfangsgeschwindigkeit erreicht hatte, stand sie in Puncto Beschleunigung und Manövrierfähigkeit den anderen Einheiten der Flotte in Nichts nach.

Zwei Tage rechnete Eneim, bis sie jenen Raumabschnitt erreichen würden, in dem Scoutboot sieben verschollen war.

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Ich bin mit meiner Weisheit am Ende.“

Jane Deals Stimme klang resignierend, als sie dies sagte.

„Wir sind in der Tat in etwas hineingeraten, das ich nicht sofort erklären kann“, antwortete Schlauköpfchen,“aber aussichtslos ist unsere Lage deshalb noch lange nicht.“

„Kannst du uns herausbringen?“

„Nein, im Augenblick nicht. Das habe ich auch nicht behauptet.“

„Also aussichtslos?“

„Jane, momentan sage ich Nein. Ich muss erst weitere Daten auswerten. Morgen kann es ganz anders aussehen. Und jetzt ist es das Beste, wenn du mich  nicht störst. Verschwinde in die Küche und bereite ein leckeres Abendmahl vor!“

„Verdammt, Schlauköpfchen, was hättest du denn gerne? Geschmorte Schrauben in angegrillten

Nagelköpfchen?“

Schlauköpfchen antwortete in nüchternem Ton. „Deine Witze kannst du dir für deinen  künftigen Ehegatten aufbehalten. Was mich betrifft, ziehe ich Olivenöl vor. Hast du dir die eingehenden Daten nicht angesehen?“

„Noch sagen mir die Zahlenreihen nichts.“

„Ihr Menschen seid in manchen Dingen etwas unbeholfen. Tja, es sieht so aus, als hätten wir unser

bekanntes Universum verlassen.“

„Verdammt, Schlauköpfchen, drück dich genauer aus.“

„Das ist eine Zahl mit siebzehn Stellen hinter dem Komma.“

„Wen willst du verarschen?“

„Diesmal bin ich vollkommen ernst. Ich erzähle auch keinen Witz. Schon gar keinen Frauenwitz. Wir haben unser Universum verlassen. Deshalb bekommen wir auch keine Verbindung mit unserer Flotte.“

„Okay. Was schlägst du vor? Im Ernst.“

„Wir sollten landen.“

„Im Nirgendwo?“

„Es sieht nur so aus. Unsere Sensoren zeigen in dieser Umgebung nichts an. Halte dich an den Bildschirm.“

„Der zeigt doch nur grau in grau.“

„Solange es nichts anzuzeigen gibt, das ist doch klar.“

„Verdammt, Schlauköpfchen, übernimm du das Steuer!“

„Weshalb nicht gleich!“

Schlauköpfchen hantierte an den Schaltern und Hebeln, veränderte hier etwas und nahm dort eine neue Einstellung vor. Nach einiger Zeit zeigte sich ein erster Erfolg.

Der Bildschirm flimmerte nicht mehr nur grau, sondern zeigte seit längerem wieder scharfe Konturen. Schlauköpfchen bemühte sich weiter und der Erfolg gab ihm bald recht.

Eine gestochen scharfe Ansicht des Weltalls mit dem Planeten in der Mitte war plötzlich zu sehen.

„Na also“, meinte Schlauköpfchen befriedigt und nahm damit nur Jane Deal die Worte aus dem Mund. „Wir können zumindest wieder sehen, wohin wir fliegen.“

„Was ist das?“, fragte Jane und deutete auf den Planeten auf dem Bildschirm. Ein violett schimmernder Ring umgab den Planeten.

„Ich bekomme noch keine neuen Daten herein.“

„Strahlt der Ring?“

„Wir sollten landen und uns alles aus der Nähe und in Ruhe ansehen.“

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DAS IST UNGEFÄHR DIE Position, von der sich Scoutboot sieben zuletzt gemeldet hat“, sagte Peter Muller, als die ACCOUNT bereits wieder mit langsamer Fahrt das System durcheilte. Drei Planeten kreisten voraus um die Sonne. Keiner befand sich in gefährlicher Nähe. Für den Tender gab es keinen Zwang  zum Ausweichen.

„Gibt es eine Energiespur des Scoutbootes?“, fragte Eneim.

„Es gibt überhaupt keine Energiespuren mehr hier“, sagte Muller. „Fast sieht es so aus, als wäre Scoutboot 7 hier nie gewesen.“

„Lassen sich andere Energiespuren finden?“

„Keine von einem Raumboot.“

„Die letzten Positionsdaten sprechen aber eine eindeutige Sprache.“

„Diese Daten hier sprechen einen ebenso deutliche Sprache. Demnach ist Scoutboot 7 hier niemals angekommen.“

„Das Boot hat etwas von einer Anomalie übermittelt...“

„Es gibt eine Reihe von Daten, die wir nicht gleich zuordnen können. Dieses System ist in der Tat  außerordentlich, aber nichts deutete darauf hin, dass hier eine Gefahr für uns besteht.“

„Was ist mit den Daten, die sich nicht zuordnen lassen?“

„Ein unsichtbarer Ring umgibt diese Welt.“

„Strahlen?“

„Ja, aber gänzlich unbekannter Natur.“

„Das heißt: Vorsicht. Wir bleiben mit der ACCOUNT in einem Sicherheitsabstand. Nur so nahe herangehen, dass unsere Geräte ordentlich Daten aufzeichnen können“, befahl Commander Eneim.

Der Pilot bestätigte.

Bald zeigte der Bildschirm erste Einzelheiten der Welt, die sie anflogen.

„Deutliche Anzeichen einer Zivilisation“, sagte Uwe Shepherd. Er projizierte das Bild seiner Geräte auf den großen Panoramaschirm. Die Welt, die sich unter ihnen ausbreitete, wirkte auf den ersten Blick sehr einladend. Riesige Wälder dominierten die Oberfläche. Auf den gerodeten Flächen zeichneten sich rechteckige Felder ab. Dies war ein deutliches Zeichen bewusster Nutzung des Bodens.

Die landwirtschaftlich genutzten Flächen konzentrierten sich auf wenige Gebiete, die sie ringförmig umschlossen. Dass sich in der Mitte dieser Flächen eine größere Ansiedlung befinden musste, lag nahe, auch wenn die Bilder keine Stadt oder eine dicht verbaute Siedlung bislang anzeigten.

Auch den Beobachtern in der ACCOUNT fiel jene Anomalie auf.

„Seht euch die Straßen an!“, rief Muller.

„Du hast recht, verdammt“, brummte Shephard.

„Weshalb diese Kurve?“

Ja, weshalb gab es bei einer schnurgeraden Straße plötzlich eine unerklärliche Kurve. Ganz offensichtlich umfuhr die Straße ein Gebiet. Vom Weltall aus war nicht ersichtlich, was der Grund dafür sein könnte, denn weder änderte sich die Beschaffenheit des Bodens noch ließ sich in diesem Gebiet eine erhöhte Strahlung anmessen.

„Bereitet einen Lander vor“, sagte Eneim, „das müssen wir uns aus der Nähe ansehen!“

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Jane Deal landete das Schiff dicht neben einer Reihe von Gebäuden. Dicht neben bedeutete in diesem Fall in einer Entfernung von zwei Kilometern.

Ihre Landung war natürlich nicht unbemerkt geblieben. Kaum kamen die Triebwerke zum Stillstand, öffnete sich die Tür einer der Hütten und drei Menschen traten vor das Haus und blickten durch Ferngläser zu dem gelandeten Schiff herüber.

„Allzu überrascht über unsere Landung scheinen sie nicht zu sein“, bemerkte Schlauköpfchen, der seine Linsen natürlich so einstellen konnte, dass er auch auf diese Entfernung scharf sah. Lediglich Jane Deal musste sich ebenfalls eines optischen Hilfsmittels bedienen.

Schlauköpfchen analysierte das Verhalten der Männer. Sie beschränkten sich rein auf das Beobachten. Mit keiner Bewegung zeigten sie an, dass die Landung sie etwa überrascht hatte oder dass sie überhaupt etwas Ungewöhnliches in ihrem Tagesablauf darstellte.

„Ich glaube, denen können wir uns gefahrlos nähern“, sagte Schlauköpfchen.

„Sollten wir uns nicht doch lieber bewaffnen?“, meinte Jane.

Details

Seiten
100
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738922875
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (September)
Schlagworte
raumflotte axarabor anomalie
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Titel: Die Raumflotte von Axarabor #31: Die kosmische Anomalie