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Die Raumflotte von Axarabor #29: Verrat auf Montross

2018 100 Seiten
Reihe: Axarabor, Band 29

Zusammenfassung

Verrat auf Montross
Die Raumflotte von Axarabor - Band 29
von Bernd Teuber

Der Umfang dieses Buchs entspricht 82 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.
In einer spektakulären Aktion befreit der Rote Orden den Mörder Cyrus Crane aus einem Hochsicherheitsgefängnis. Als Gegenleistung soll der Verbrecher die Staatskasse von Montross stehlen. Doch Crane hat eigene Pläne ...

Leseprobe

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Verrat auf Montross

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 29

von Bernd Teuber

Der Umfang dieses Buchs entspricht 82 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

In einer spektakulären Aktion befreit der Rote Orden den Mörder Cyrus Crane aus einem Hochsicherheitsgefängnis. Als Gegenleistung soll der Verbrecher die Staatskasse von Montross stehlen. Doch Crane hat eigene Pläne ...

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Im ersten Licht der Dämmerung erinnerte das Gefängnis auf dem Planeten Dacorish in grotesker Weise an eine Handvoll Blöcke, die eine Kinderhand wahllos auf dem Wüstenboden ausgestreut hatte. Während der ersten Bauphase war es nur ein großer, ungeschlachter Würfel aus Metall gewesen, dessen Mauern von massiv vergitterten Türen und Fenstern durchbrochen wurden. Je höher die Zahl der Insassen stieg, desto mehr Würfel hatte man hinzugefügt.

Da sie sich beträchtlich in Höhe und Größe unterschieden, hätte ein Mann bei dem Versuch, die flachen Dächer zu überqueren, sehr wendig sein müssen. Ständig befand sich ein schwerbewaffneter Robotwächter auf jedem einzelnen Dach. Noch mehr Wächter hielten sich auf den äußeren Treppen und in den inneren Gängen auf. Das Gefängnis war als das härteste und ausbruchsicherste des ganzen Quadranten bekannt. Zu Recht. Die Gitter waren mit einer speziellen Legierung versehen, die dem leistungsstärksten Blasterbeschuss widerstand.

Auf den Mauerkronen und Wachtürmen befanden sich schwere Geschütze, die jeden Ausbrecher gnadenlos unter Feuer nahmen. Jeder Zellentrakt wurde mit hochauflösenden wärmeempfindlichen Kameras überwacht. Alles funktionierte vollautomatisch.

Die Gefangenen waren die einzigen humanoiden Lebensformen in diesem Gefängnis. Das Personal bestand aus Robotern. Sie waren für die Bewachung und die Versorgung der Gefangenen verantwortlich.

Die Mauern, zwei Meter breit und mehr, konnten die Wucht einer Thermorit-Bombe absorbieren, ohne einen Zentimeter nachzugeben. Durch all die Jahre war die Sicherheit des Gefängnisses nie angetastet, geschweige denn bedroht worden, und vielleicht waren die Verantwortlichen deshalb etwas zu sorglos. Sorglosigkeit hätte hier böse ins Auge gehen können, denn das Gefängnis beherbergte die ungezähmtesten Verbrecher, die ein ungezähmtes Universum hervorgebracht hatte.

Aber der Übelste von ihnen war nicht mehr als ein ungezogenes Kind im Vergleich zu Cyrus Crane, den man in der stärksten Zelle im obersten Stockwerk eingesperrt hatte. Dreiundzwanzig unendlich lange Monate hatte er dort wie ein wildes Tier gewütet, während die Behörden über sein weiteres Schicksal debattierten. Es ging das Gerücht, an dem vieles stimmte, dass sich die Gesetzesvertreter fürchteten, das Todesurteil über ihn zu verhängen, das er sich so sehr verdient hatte.

Während der Himmel in rosigen Farben aufflammte und die Sonne hinter dem Horizont versank, näherten sich zwei Landspeeder mit rasender Geschwindigkeit. Wenige Meter vor dem Gefängnistor stoppten die Fahrzeuge. Das Seitenfenster des ersten Speeders wurde heruntergelassen. Als die beiden Robotwächter die schwarze Kapuze mit den Augenschlitzen sahen, hoben sie sofort ihre Waffen.

Eine Gestalt mit einem Blaster riss die Tür auf, sprang aus dem Speeder und feuerte im selben Moment, wie einer der Roboter. Die Energiestrahlen des Wächters schnitten den maskierten Mann förmlich in zwei Teile. Aber er hatte keine Gelegenheit mehr, das Ergebnis seiner Treffsicherheit zu sehen. Aus dem zweiten Speeder sprang ein weiterer Maskierter. Er zielte kurz und drückte ab. Mehrere Blasterschüsse trafen den Roboter und rissen ihn zu Boden. Dunkler Rauch stieg aus der Maschine empor.

Der Maskierte griff in den Speeder und holte eine Thermorit-Bombe heraus. Sofort warf er sie dem zweiten Roboter genau vor die Füße. Eine gigantische Explosion verwandelte die Maschine in einen rauchenden Metallklumpen. Neben dem Eingangstor öffneten sich zwei Luken. Die Läufe von zwei Schnellfeuerwaffen kamen zum Vorschein. Energieblitze zuckten. Der Kopf des Maskierten verwandelte sich in eine formlose, blutige Masse. Er hielt seinen Blaster noch ein oder zwei Sekunden hoch, ließ ihn dann fast sanft auf den Boden fallen, torkelte wie betrunken und stürzte. Seine Hände waren auf der Brust gefaltet, als läge er bereits im Sarg.

„Wir sind erledigt!“, rief der Fahrer des ersten Speeders.

In wenigen Sekunden würden sie eine ganze Roboterarmee vor sich haben. Schon jetzt gab es keine Möglichkeit für einen Rückzug. Wenn sie den Schutz des Speeders verließen, würden sie sofort unter Dauerfeuer genommen.

„Nur die Ruhe!“, entgegnete zweite Fahrer über Sprechfunk. „Es läuft alles wie geplant.“

In der Ferne tauchte eine Staubwolke auf. Mit rasender Geschwindigkeit kam ein dritter Landspeeder auf die zu. Sofort traten die beiden Schnellfeuerwaffen wieder in Aktion. Der Speeder flog unaufhörlich weiter. Kurz bevor er gegen das Gefängnistor krachte, wurde eine Tür aufgestoßen und ein weiterer Maskierter sprang heraus. Dann erfolgte der Aufprall. Eine gewaltige Explosion schüttelte alles mit Staub und Trümmern zu.

Der Fahrer war zu spät gesprungen. Er wurde von der Druckwelle erfasst und auseinandergerissen. Der Speeder krachte durch das gesprengte Gefängnistor. Dann wurde es still, absolut still nach diesem ohrenbetäubenden Knall. Eine große Wolke aus schwarzem und weißem Rauch hing wie ein Atompilz über dem Platz. Der Speeder hatte sich in winzige Einzelteile aufgelöst. Das große Gefängnistor war nahezu pulverisiert worden. Auch die beiden kleinen dahinterliegenden Tore bildeten kein Hindernis mehr. Weit offen lag der Weg vor den vier maskierten Gestalten, die aus den Speedern heraussprangen und in das Gefängnis hineinrannten.

Im selben Moment schwenkten die Geschütze auf den Mauern herum. Ihre Mündungen richteten sich auf die Eindringlinge. Die Männer hoben ihre Blaster und feuerten. Eine Stichflamme schoss in den mittlerweile dunklen Himmel empor, als das erste Geschütz explodierte. Mehrere Energiestrahlen zuckten aus der Mündung des Zweiten. Aber die Schüsse verfehlten ihr Ziel. Die Maskierten wichen aus und erwiderten das Feuer. Das Geschütz explodierte in einer grellen Detonation. Dunkler Qualm stieg empor.

„Los, vorwärts!“

Die Stimme des Anführers dröhnte über den Gefängnishof und trieb die anderen Männer an, ihm zu folgen. Weit von rechts blitzten Energiestrahlen auf.

„Das gilt uns“, sagte einer der Eindringlinge.

„Witzbold“, erwiderte sein Nebenmann.

In geduckter Haltung liefen sie über den Hof, direkt auf das Hauptgebäude zu. Die Energiestrahlen zischten über sie hinweg, stoben in die Dunkelheit, wo sie fern erloschen. Die Maskierten verteilten sich. Einige suchten Schutz in schmalen Nischen, andere benutzten das Hauptgebäude als Deckung. Überall zuckten Energiestrahlen über den Hof, vereinigten sich, kreuzten sich und fanden ihre Ziele. Eine gewaltige Feuersäule schoss in die Höhe. Gleichzeitig ertönte die Detonation. Einer der Wachtürme glühte in phosphoreszierendem Licht auf und stand plötzlich in Flammen.

Auf dem Gefängnishof wurde es lebendig. Roboter liefen umher. Eine Sirene begann zu heulen. Eine Zweite fiel ein und mit einem Mal wurde die hereinbrechende Nacht von einem halben Dutzend Strahlenfingern zerrissen. Scheinwerfer fuhren suchend über den Himmel, erloschen und flammten wieder auf. Gleichzeitig zuckten Energiestrahlen. Eine Sekunde später schoss eine weitere Detonationssäule in den Himmel. Flammen geisterten empor. Ein weiterer Wachturm brannte.

Scheinwerfer suchten den Innenhof ab. Sie erfassten die Eindringlinge. Sofort begannen die herbeigeeilten Roboterwachen zu feuern. Mit Höchstfahrt kam ein kleiner Panzer herangerast. Auch er schoss aus allen Rohren. Energiestrahlen zischten über den Hof. Die Bahnen verflochten sich miteinander zu einem Gewirr blendender Streifen, die in der Dunkelheit erloschen oder in den Asphaltboden des Innenhofs drangen und tiefe Krater hinterließen.

Plötzlich ertönte ein neuer ohrenbetäubender Krach. Das Tor zum Hauptgebäude verwandelte sich durch eine Thermorit-Bombe in unzählige Einzelteile, die nach allen Seiten davonflogen. Nun hatte auch der letzte Wachroboter begriffen, dass jemand von außen in das Gefängnis eingedrungen war. Und vermutlich würde es auch nicht mehr lange dauern, bis ein Funkspruch den nächstgelegenen Militärstützpunkt erreichte, und dann wimmelte es hier von Kampfjägern.

Unablässig feuerten die Geschütze auf den Gefängnismauern ihre glühenden Todesschnüre aus ihren Mündungen. Einschläge rissen tiefe Löcher in den Asphalt. Gesteinsbrocken spritzten empor. Einer der Maskierten wurde getroffen und fiel blutüberströmt zu Boden. Doch seine Komplizen ließen sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Sie hatten einen Auftrag, und den wollte sie unter allen Umständen erfüllen. In wildem Stakkato wühlten die Geschütze den Boden auf. Es sah so aus, als wollten sie den Eindringlingen den Weg versperren. Die Maskierten erwiderten das Feuer.

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In dem schwachen Dämmerlicht der Deckenbeleuchtung lag Cyrus Crane in seinem Bett auf dem Rücken und hatte seine mächtigen Hände über dem Bauch gefaltet. Seine Brust hob und senkte sich mit der Regelmäßigkeit eines Mannes, der fest schläft. Aber er war hellwach. Plötzlich vernahm er draußen vor dem Fenster das Donnern einer Explosion. Gleich darauf ertönte das unverkennbare Zischen von Strahlenwaffen.

Dann erfolgten zwei weitere Detonationen. Die Geräusche vermischten sich mit dem Scheppern von Metall. Stimmen wurden laut. Wieder ertönten Schüsse. Für einige Zeit wurde es still, dann glitt die Zellentür zur Seite. Zwei maskierte Gestalten traten ein.

„Los, mitkommen!“, befahl der Größere.

„Warum sollte ich?“, fragte Crane.

„Willst du frei sein, oder lieber hier drinnen verrecken?“

Langsam erhob sich der Mann vom Bett. Sein Gesicht verzog sich zu einem humorlosen Grinsen und seine dunklen, klaren Augen leuchteten auf. Er verließ seine Zelle und folgten den Maskierten zu einer breiten Treppe. Von unten erklang das Stampfen von Metallfüßen. Drei Robotwächter stürmten mit vorgehaltenen Waffen in ihr Gesichtsfeld. Sie liefen in die aufblitzenden Blaster der Maskierten und fielen zusammen.

Die Flüchtenden sprangen über die Metallklumpen hinweg und liefen zu einem langen Korridor. Ein halbes Dutzend Roboter war damit beschäftigt, ein großes vergittertes Tor zu schließen und elektronisch zu verriegeln, um die Flucht durch den Korridor zu verhindern. Energiestrahlen stoben den Wächtern entgegen. Sie stürzten zu Boden, ohne dass sie ihren Auftrag hätten vollenden können.

Die Flüchtenden schlüpften durch die kleine Öffnung, gelangten durch Flure und Türen auf den Gefängnishof. Crane sah mehr als ein Dutzend Roboterwachen auf dem Boden liegen. Dunkle Rauchsäulen stiegen aus ihren Metallkörpern. Der gesamte Gefängniskomplex war in gleißende Helligkeit getaucht. Geschütze spien ihre todbringenden Energiestrahlen aus. Drei Wachroboter erschienen auf der linken Seite. Sie kamen schnell näher.

Einer der Maskierten visierte sie nacheinander mit seinem Blaster an. Drei dröhnende Explosionen verwandelten sie in rauchende Metallklumpen. Noch einmal rollte eine schwere Erschütterung durch die Nacht, als eines der Geschütze durch eine Thermorit-Bombe explodierte. Die Maskierten sprangen über die Trümmer des Gefängnistores. Noch immer blitzten Scheinwerfer auf. Mitten in dem fahlen Glanz versuchte Crane, den grellen Lichtern zu entkommen. Er hatte keine Waffe, um sich zu verteidigen. Zwei Explosionen dröhnten auf. Kurz hintereinander ließen sie den Boden erbeben. Während er den Maskierten folgte, konnte er nur hoffen, dass sie genau wussten, was sie taten. Auf jeden Fall schien das Unternehmen sehr gut geplant worden zu sein.

„Dort hinein!“, sagte einer der Männer und deutete auf den offenstehenden Kofferraum des Landspeeders. Crane zögerte einen Moment. Er musste sich erst einmal darüber klar werden, was eigentlich passiert war. Die Ereignisse hatten sich einfach überstürzt.

„Na los!“, forderte der Maskierte. „Wir haben keine Zeit!“

Crane kletterte hinein. Plötzlich spürte er einen Einstich im Nacken. Man hatte ihm eine Spritze verabreicht. Ihm wurde schwindelig. Bevor er reagieren konnte, bekam er einen Tritt in den Hintern und flog in den Speeder. Er versuchte sich noch einmal aufzurichten, doch es gelang ihm nicht. Crane wurde schwarz vor Augen. Er sackte zusammen und blieb im Kofferraum liegen. Der Maskierte klappte den Deckel herunter und setzte sich hinter das Lenkrad. Gleich darauf wurden die Türen geschlossen. Der Speeder setzte sich in Bewegung. Kurz darauf entfernte sich auch das zweite Fahrzeug.

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Cyrus Crane bewegte sich auf einer endlos scheinenden Ebene. Und sie zitterte. Ein Erdbeben! Crane begann zu laufen, aber das Zittern holte ihn ein und wurde stärker, immer stärker. Dann riss der Boden auf und spaltete sich. Crane stürzte in die Tiefe. Verzweifelt versuchte er, sich irgendwo festzuhalten. Doch es gelang ihm nicht. Irgendwann kam er zum Stillstand. Aber das Zittern und Rütteln blieb. Es war der Traum, den man träumt, kurz bevor man aufwacht.

Crane kam wieder zu sich. In immer kleineren Kreisen wurde aus der tiefen Bewusstlosigkeit die Realität. Zumindest glaubte er, dass es so war. Mühsam schlug Crane die Augen auf. Um ihn herum herrschte nur Dunkelheit. Aber sie rüttelte und schüttelte ihn immer noch. Wo war er? Sein Kopf schlug auf einem harten Untergrund beständig hin und her. Eine Zeitlang kämpfte er mit einer aufsteigenden Übelkeit, bezwang sie jedoch durch seine eiserne Willenskraft. Dann wusste er plötzlich wieder, was mit ihm geschehen war. Einige maskierte Männer hatten ihn aus dem Gefängnis befreit.

Aber weshalb hatten sie es getan? Doch wohl kaum aus reiner Nächstenliebe. Wer waren sie? Was hatten sie mit ihm vor? Crane richtete sich auf. Im nächsten Moment prallte er mit dem Kopf gegen etwas Hartes und ein scharfer Schmerz durchzuckte ihn. Natürlich, er befand sich im Kofferraum eines Landspeeders. Da konnte er so gut wie nichts machen. Immerhin hatten sie ihn nicht gefesselt. Aber das war nur ein schwacher Trost. Bis jetzt wusste er immer noch nicht, wer ihn befreit hatte. Und zu welchem Zweck.

Vielleicht handelte es sich um einen Racheakt. Während seiner langen Karriere als Verbrecher hatte er etliche Leute getötet. Es konnte gut sein, dass sich einer der Hinterbliebenen dazu berufen fühlte, den Tod dieser Person zu rächen. Aber würde man deshalb einen solchen Aufwand betreiben? Bevor er weiter darüber nachdenken konnte, merkte er, dass der Speeder langsamer wurde und schließlich stoppte. Offenbar hatten sie das Ziel der Reise erreicht. Dumpfe Stimmen ertönten. Dann wurde die Klappe des Kofferraums geöffnet. Geblendet schloss er die Augen.

„Er ist wach“, sagte eine Stimme.

„Dann schicke ihn wieder schlafen“, sagte ein zweiter Mann.

Crane wollte sich aufrichten, doch im nächsten Moment spürte er den Einstich einer Injektionsnadel an seinem Hals. Stöhnend sank er zurück.

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Cyrus Crane erwachte von einem leisen summenden Geräusch. Der Raum war hell erleuchtet. Langsam richtete er sich auf. Er hatte Kopfschmerzen und einen faden Geschmack im Mund. Jemand packte ihn unter den Schultern und zog ihn hoch. Crane blickte sich erstaunt um. Als er die Roboter sah, ballte er unwillkürlich die Fäuste. Doch bevor Crane reagieren konnte, stürzten sich vier Maschinen auf ihn, umklammerten seinen Arme und Beine und machten ihn dadurch bewegungsunfähig.

Er hatte bereits mit dem Leben abgeschlossen gehabt, nun merkte er, dass sie ihn nicht töten wollten. Er wurde hochgehoben und zu einer Schleuse getragen. Es ging durch gläserne Röhren, die von Wasser umgeben waren, durch einen senkrechten Schacht, in den Untergrund des Meeres und in einen Gebäudekomplex, der eine Felsenhöhle ausfüllte.

Crane fragte sich, was man mit ihm vorhatte. Die Roboter brachten ihn in einen dampferfüllten Raum und rissen ihm die Kleider vom Körper. Er sträubte sich, aber gegen die maschinellen Kräfte kam er nicht an. Er wurde gebadet, desinfiziert, und dann streiften ihm die Roboter neue Kleidung über und besprühten ihn mit duftenden Essenzen. Einer bürstete sein feuchtes Haar glatt, während zwei andere seine Fuß- und Zehennägel schnitten.

Crane atmete auf, als die Prozedur endlich vorüber war. Die Roboter drängten ihn in einen Wohnraum, der vor Sauberkeit glänzte. Die Tür öffnete sich geräuschlos und eine kleine, breitschultrige Gestalt erschien wie ein Schatten aus dem grellen Licht, das den dahinterliegenden Gang erfüllte. Crane starrte den Fremden an. Ein faltiges, merkwürdig dreinschauendes Gesicht lächelte ihm entgegen.

„Der erhabene Cad Urusai möchte mit Ihnen sprechen“, sagte der Fremde.

Crane rührte sich nicht. Unbeweglich starrte er den Mann an, der vor ihm stand.

„Wo bin ich?“, wollte er wissen.

„Der erhabene Cad Urusai wird all Ihre Fragen beantworten. Folgen Sie mir bitte.“

Der Mann wandte sich um und verließ den Raum durch die offenstehende Tür. Schulterzuckend ging Crane hinter ihm her. Der hellerleuchtete Gang endete am Rand einer geräumigen, kreisrunden Halle. In den Seitenwänden bemerkte Crane die Mündungen anderer Gänge, die aus allen Richtungen zu kommen schienen. Der riesige, leere Raum machte den Eindruck, als sei er noch nicht ganz fertig.

Crane roch den süßlichen Duft frischer Baumaterialien. Am gegenüberliegenden Ende der Halle gab es eine Reihe von Türen, die in regelmäßigen Abständen die Wand durchbrachen. Eine von ihnen öffnete sich, als der Mann darauf zukam. Crane, der unmittelbar hinter ihm ging, sah einen rechteckigen Raum, der mit verblüffendem Luxus eingerichtet war. Inmitten schwellender Teppiche, kunstvoll gearbeiteter Möbel und verzierter Wände, stand ein wuchtiger, weit ausladender Arbeitstisch.

Dahinter saß in lässiger Haltung ein Mann in den mittleren Jahren und sah Crane halb neugierig, halb gelangweilt entgegen. Die Tür schloss sich. Der Mann hinter dem Arbeitstisch stand langsam auf. Er war schlank, groß und hatte ein sonnengebräuntes Gesicht. Die Kleidung bestand aus einem enganliegenden roten Overall. Crane fand, er sah aus wie jemand, der vor wenigen Minuten aus einem gelandeten Raumschiff gestiegen war. Er nahm sich Zeit, Crane zu mustern.

„Ich freue mich, Sie wohlauf zu sehen“, sagte er mit dunkler Stimme. „Mein Name ist Cad Urusai. Ich werde eine Zeitlang Ihr Gastgeber sein. Ihr Wohlergehen liegt mir am Herzen. Es soll Ihnen an nichts mangeln, denn Sie werden der Sache des Rechts äußerst dienlich sein.“

Er sprach mit Betonung und doch etwas zu schnell für Cranes Begriffe. Es klang, als hätte er sich die Worte eingeprägt und rasselte sie nun herunter wie ein mittelmäßiger Schauspieler seinen Text. Crane war davon überzeugt, dass er nicht ernst meinte, was er sagte.

„Ich bin mir allerdings darüber im Klaren“, fuhr Urusai fort, „dass Sie mir Ihre Mitarbeit nicht freiwillig geben werden. Schlimmer noch, Sie könnten auf die Idee kommen, von diesem Ort fliehen zu wollen. Sie könnten mir alle möglichen Unannehmlichkeiten verursachen, die ich im Augenblick nicht gebrauchen kann.“

„Warum sollte ich das tun?“, wollte Crane wissen. „Haben Sie mich extra aus dem Knast befreit, um mir diesen Vortrag zu halten?“

„Nein.“

„Dann will ich endlich wissen, was das alles zu bedeuten hat!“, rief Crane. „Wo bin ich hier?“

„Im Unterwasserstützpunkt des Roten Ordens.“

„Roter Orden? Nie davon gehört.“

„Wir verfolgen bestimmte Interessen.“

„Das ist ja schön für Sie, aber es erklärt immer noch nicht, was dieses ganze Theater soll. Warum habt ihr mich aus dem Knast rausgeholt?“

„Wir wollen Ihnen ein Geschäft vorschlagen.“

„Ein Geschäft?“, fragte Crane.

„Ein Geschäft, das sich für beide Seiten lohnen wird“, verbesserte Urusai.

„Den Spruch habe ich schon mal gehört. Deswegen bin ich ja im Gefängnis gelandet.“

„Keine Sorge“, wiegelte Urusai ab. „Es besteht absolut kein Risiko.“

Crane grinste. „Den Spruch habe ich auch schon mal gehört.“

„Wenn Sie auf unseren Vorschlag eingehen, haben Sie bis an Ihr Lebensende ausgesorgt. Sie werden im Geld schwimmen.“

Crane musterte sein Gegenüber. Man konnte seinem Gesichtsausdruck ansehen, dass er angestrengt nachdachte und seine Möglichkeiten abwog.

„Was passiert, wenn ich mich weigere?“

„Dann werden wir Sie an die Behörden ausliefern und das Kopfgeld kassieren, das man auf Sie ausgesetzt hat.“

Crane runzelte die Stirn. Mit dieser Antwort hatte er nicht gerechnet.

„Tja, wenn das so ist, dann habe ich wohl keine große Wahl, oder?“

„Warum hören Sie sich unseren Vorschlag nicht erst einmal an? Dann können Sie weitaus besser beurteilen, ob sich das Geschäft für Sie lohnt.“

Crane zuckte mit den Schultern. „Was soll ich machen? Irgendjemanden umlegen? Oder Waffen schmuggeln? Drogen? Sklaven?“

„Nichts dergleichen“, antwortete Urusai. „Obwohl Sie auf diesen Gebieten mit Sicherheit über ausreichend Erfahrung verfügen.“

„Was wollen Sie dann?“

„Es geht um die Staatskasse von Montross.“

„Das soll doch wohl ein Witz, oder?“, fragte Crane lachend.

„Absolut nicht.“

„Sie wollen allen Ernstes die Staatskasse von Montross plündern?“

„Ja.“

„Das ist vollkommen unmöglich.“

„Es gibt einen Weg.“

„Welchen?“

Ein Teil der rechten Wand glitt lautlos zur Seite. Dahinter wurde ein großer Bildschirm sichtbar. Auf ihm war ein großes, weißes Gebäude mit fünf Türmen und einer abseits gelegenen Kuppel zu erkennen.

„Dies ist der Palast von Gouverneur Malik Nogoff“, erklärte Urusai. „In seinen Kellergewölben befindet sich das Staatsvermögen von Montross.“

Das Bild wechselte. Nun konnte Crane eine Nahaufnahme des Palastes sehen.

„Natürlich sind sämtliche Zugänge streng bewacht“, fuhr Urusai fort. „Alle Bewegungen, die mit der offiziellen Routine nichts zu tun haben, unterliegen scharfen Kontrollen. Das Problem, wie Sie in den Palast gelangen, ist jedoch relativ einfach zu lösen. Jede Woche bringt ein Konvoi die Steuereinnahmen in den Palast. Wir haben alles so eingerichtet, dass Sie in einem Schiff des nächsten Transports mitfliegen können.“

„Und dann?“, fragte Crane.

„Nachdem das Geld verstaut ist, wird der Transporter ohne Sie wieder abfliegen. Sie bleiben dann in der Nähe des Palastes und werden versuchen, in die Kellergewölbe einzudringen, um in die Tresorkammer zu gelangen. Zuvor müssen Sie allerdings die mörderischen Maschinen neutralisieren, die den Zugang verteidigen.“

„So weit ich weiß, hat dieses Verteidigungssystem den Ruf, unüberwindbar zu sein“, warf Crane ein.

Details

Seiten
100
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738922400
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (August)
Schlagworte
raumflotte axarabor verrat montross

Autor

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Titel: Die Raumflotte von Axarabor #29: Verrat auf Montross