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Edgar Wallatze - Der Frosch mit der Glatze - Die Parodie

2018 70 Seiten

Zusammenfassung

Edgar Wallace lässt grüßen: Eine Persiflage auf den typisch englischen Krimi: Es gibt einen ominösen Unbekannten – den Übeltäter und Strippenzieher im Hintergrund –, der Frösche als Markenzeichen hinterlässt, wo immer er auch seine kriminellen Handlungen begeht. Sir Edgar, Chef von New Scotland Yard, sieht sich gezwungen, James Jeremias Decker, in Fachkreisen nur JJ genannt, – einen super geheimen amerikanischen Agenten – hinzuzuziehen, um diesen kniffligen Fall lösen. – Mit einem Augenzwinkern und leichtem Spott versehen werden des „Frosches“ Untaten und andere verworrene Verwicklungen serviert …

Leseprobe

Table of Contents

Edgar Wallatze - Der Frosch mit der Glatze

Copyright

1 Aufregung im Yard

2 Lauter Verdächtige

3 Henker und Dichter

4 Wimbledon

5 Zwischenspiel

6 Wirrungen - Irrungen

7 Im Sumpf des Froschs

8 Die Konkurrenz

9 Wieder im Biotop

10 Der Hexer

11 Doc Sapperstein

12 Der Hexer wird seltsamer

13 Manderly Manor

14 Haunted House

15 Zehn kleine Negerlein

16 Brainstorming

17 Ausbruch

18 Der Terminator

19 Big Ben schlägt dreizehn

20 Does Crime Pay?

21 Morden

22 Enthüllung

Epilog

Edgar Wallatze - Der Frosch mit der Glatze

Die Parodie

von Wolfgang G. Fienhold

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 70 Taschenbuchseiten.

 

Edgar Wallace lässt grüßen: Eine Persiflage auf den typisch englischen Krimi: Es gibt einen ominösen Unbekannten – den Übeltäter und Strippenzieher im Hintergrund –, der Frösche als Markenzeichen hinterlässt, wo immer er auch seine kriminellen Handlungen begeht. Sir Edgar, Chef von New Scotland Yard, sieht sich gezwungen, James Jeremias Decker, in Fachkreisen nur JJ genannt, – einen super geheimen amerikanischen Agenten – hinzuzuziehen, um diesen kniffligen Fall lösen. Mit einem Augenzwinkern und leichtem Spott versehen werden des „Frosches“ Untaten und andere verworrene Verwicklungen serviert …

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover nach Motiven von Pixabay,2018

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

1 Aufregung im Yard

Vereinzelt blitzten Lichter im nebligen London auf. Langsam erwachte der Morgen, dem ein, wie so oft, dämmriger Tag folgen sollte. Auf Geistesblitze warteten auch die drei Männer, die in schweren, bordeauxroten Ledersesseln konferierten. Sie schlürften heißen Kaffee und schüttelten abwechselnd die Köpfe. Sir Edgar, der Chef von Scotland Yard, befand sich in einer Vorstufe zur Panik, was an seinen hochgezogenen Augenbrauen leicht abzulesen war.

»Man verlangt Taten, Ergebnisse, Erfolge. Ich weiß nicht, wie lange ich den Minister noch hinhalten kann. Bald werden Köpfe rollen. Die Froschmaskenbande schaltet und waltet, wie sie will, und die Polizei ist machtlos. So sieht es jedenfalls die Öffentlichkeit.«

Die Inspektoren Jo Foxhiller und Henry Dragon sahen sich bedeutungsvoll an. Dann meinte Foxhiller: »Dieser Verbrecher ist sehr eitel, und über seine Eitelkeit wird er früher oder später stolpern. Seine Macke, nach jeder Untat einen Blechfrosch am Tatort zurückzulassen, wird ihm zum Verhängnis werden.«

»Genau«, gab Dragon Schützenhilfe, »irgendwo muss er diese immensen Mengen von Fröschen ja kaufen, oder?«

Sir Edgar räusperte sich, sein rötlich aufgedunsenes Gesicht mit der unvermeidlichen Zigarre zuckte: »Ich kann nur hoffen, dass Sie mir bald mit besseren Vorschlägen kommen, sonst können Sie sich demnächst in Uniform auf Streife wiederfinden.«

Foxhiller und Dragon verließen den Raum unbeeindruckt, Drohungen wie diese hatten sie schon oft gehört. Was sie nicht hörten, war der Schrei von Sir Edgar, der, als er auf der Suche nach seinem Zigarrenschneider die Schreibtischschublade öffnete, von einem Blechfrosch angegrinst wurde.

 

*

 

Zur gleichen Zeit schlingerte ein roter Jaguar E Typ mit hoher Geschwindigkeit durch die Kurven der Landstraße nach Morden, im Süden Londons. Am Steuer saß James Jeremias Decker, in Fachkreisen nur JJ genannt. Das Platzen der beiden Vorderreifen traf mit dem Herausfallen der Fahrertür, dem Heißwerden von Klimaanlage und Kühler sowie dem Abspringen der Motorhaube und des Auspuffs zusammen. Fluchend lenkte JJ sein Gefährt an den Chaussee-Rand.

»Das hat man nun davon, wenn man einen British Elend fährt, da kommt ein Unglück nie allein, aber mit Geduld, Spucke und einigen Eimern Kaltwasser müsste das Ding wieder hinzukriegen sein.«

Er machte sich auf den Weg zu einem nahegelegenen Landhäuschen.

Muss wohl der Ökobauer persönlich bewohnen, dachte JJ beim Anblick des wild wuchernden Gartens, dessen Wirrnis von einem älteren Hippiemädchen mit der Haarfarbe angelaufenen Silbers sanft abgerundet wurde. Das schöne Kind rekelte sich gänzlich unbekleidet in einem blumengemusterten Liegestuhl und trank offensichtlich Tequila.

»Hi, Babe«, begrüßte sie JJ, »mein brandroter Jaguar lechzt nach Wasser, könnten Sie wohl ein paar Eimerchen erübrigen?«

Träge hob das Mädchen die Augenlider und war sofort hellwach.

»Ein schöner, junger Mann kann alles von mir haben«, meinte sie mit rauchzarter Stimme.

JJ wurde es noch heißer. »Kaltes Wasser genügt mir völlig«, murmelte er.

Sie erhob sich und führte ihn zu einem von Unkraut überwucherten Brunnen, neben dem einige rostige Eimer lagen. Vergeblich bemühte sich JJ um eine Füllung Wasser: »Die Eimer sind löchrig.«

»Dann stopf sie, o Henry, o Henry, mach sie zu.«

»Oh, pardon, ich habe mich Ihnen ja noch gar nicht vorgestellt, ich bin JJ Decker, ein amerikanischer Geheimagent in den Diensten der britischen Staatsanwaltschaft.«

Sie lachte: »Und das sagen Sie mir so einfach.«

»Na ja, Sie halten vor mir ja auch nichts verborgen«, konterte er charmant.

Sie lachte wieder, zog sich dann aber doch einen Bademantel über: »Gehen wir auf einen oder zwei Drinks ins Haus und überlegen, was zu tun ist?«

JJ blieb keine Wahl. Das Innere des Landhauses wirkte wie von Ikeas Stardesigner voll durchgestylt. Holz und nichts als Holz hatte man dort angesammelt.

»Ich heiße übrigens Joan Krystal Newton, wie das gleichnamige Fallgesetz.« Sie lachte silberhell, während sie eine große Menge Dry Gin in zwei hölzerne Becher goss.

Sie tranken, und JJ beobachtete fasziniert, wie sich ihr Bademantel langsam öffnete. Plötzlich stürmte ein junger Mann ins Zimmer, der aussah wie Tony Quinn, allerdings in der Rolle des Quasimodo.

»Wem gehört der tolle Schrotthaufen vor unserer Tür?«, nuschelte er.

»Das ist mein Bruder Bobby«, erklärte Joan mit leicht angewidertem Gesicht, »er ist ganz verrückt nach Sportwagen.«

»Ja, aber nur nach deutschen«, erklärte der junge Mann hochnäsig, »was hierzulande zusammengeschustert wird, ist unter aller Sau.«

Auch seine drastische Sprache passte zu seinen unbritischen Ansichten. Er war völlig aus der Art geschlagen, so hätte es wenigstens Sir Edgar ausgedrückt, memorierte JJ.

»Soll ich Ihr Vehikel wieder in Gang bringen?«, fragte er unvermittelt nett.

JJ nickte, und der Junge jumpte hinaus.

»Ihm fehlt einfach die Mutter«, stellte Joan gerade fest, als sich schon wieder die Tür öffnete und ein älterer Mann mit dem Stigma des Asozialen den Raum betrat.

»Mach den Mantel zu, du Schlampe«, herrschte er das Mädchen an.

»Das ist mein Vater«, stellte sie vor.

»John Isaak Newton«, komplettierte der Finsterblickende.

JJ setzte sein gewinnendes Sonnyboy-Lächeln auf und gab sich als amerikanischer Agent zu erkennen.

»Ich mag euch Jungs aus den Kolonien nicht«, brummelte der alte Mann und verließ türschlagend den Raum.

»Kommt mir verdammt bekannt vor, Ihr Vater, wo kann ich ihn nur gesehen haben?«

»Lesen Sie vielleicht die Comic-Strips in der Sun? Ich finde, er sieht aus wie der alte Major.«

Quasimodo hatte den British Elend wieder in Gang gebracht und verkündete dies stolz. JJ gab ihm 5 £, 2 $, ein Päckchen Chewinggum und einen feuchtwarmen Händedruck. Dann machte er sich nachdenklich auf den Weg.

 

 

2 Lauter Verdächtige

Klaussner war ein aus Deutschland West eingewanderter Baulöwe, der es binnen kurzer Zeit auch in London zu einem beträchtlichen Vermögen gebracht hatte. JJ hatte erfahren, dass Quasibobby bei ihm arbeitete, und unter einem Vorwand dessen Arbeitsstelle aufgesucht. Die Wirklichkeit sah so aus, dass er sich hoffnungslos in Krystal verliebt hatte und ihm jedes Mittel recht war, wieder einen Blick unter ihren Bademantel tun zu dürfen.

Bobby machte JJ mit seinem direkten Vorgesetzten, Charly Dull, bekannt, den jeder in der Firma nur »Schweiger« nannte, weil sein Redefluss den Niagara Falls in nichts nachstand. Er war ein dicklicher, ständig vor sich hin redender Mittfünfziger, dessen Worte wahrscheinlich nicht einmal von ihm selbst verstanden wurden. Sie schüttelten sich kurz die Hand, dann rief die Arbeit in Form von Klaussners sonorer Stimme. JJ murmelte eine hastige Entschuldigung und versprach Bobby, in den nächsten Tagen mit seinem neuen deutschen Sportwagen bei ihm vorzufahren. Der junge Mann strahlte über alle vier Backen.

Wieder an der frischen Luft, schalt sich der Agent einen Idioten, weil er einen sündhaft teuren 944er per Kreditkarte erworben hatte und ihm nichts Besseres eingefallen war, Joan wiedertreffen zu können.

Als er in sein Gastbüro beim Yard zurückkehrte, erwartete ihn bereits Sir Edgar.

»Ich habe einen Frosch in meinem Schreibtisch gefunden. Und nach einem Telefongespräch mit dem Innenminister (er sprach wie fast immer völlig zusammenhanglos) war auch Sir Maggie ... ich meine, Frau Maggie der Ansicht, dass man den Froschbefall, den Froschfall nicht mehr alleine Scotland Yard überlassen sollte. Will sagen: Sie, mein lieber Decker, haben jetzt gewissermaßen die Oberhoheit und Hauptverantwortung, was dies betrifft, und unser gesamter Apparat steht Ihnen zur Verfügung: Computer, Raster, na, Sie wissen schon. Außerdem musste ich Ihnen auf höchste Anweisung zwei persönliche Assistenten an die Seite geben. Die Herren Foxhiller und Dragon. Tja, was war noch?«

Sein Gesicht legte sich in Dackelfalten.

»Ich glaube, das genügt fürs Erste«, beeilte sich JJ zu versichern, »ich bin mir der Ehre voll bewusst.«

Umgehend machte sich der amerikanische Freund an das Studium der Mikrofilme. Er fand heraus, dass die Gilde der Froschmänner streng hierarchisch organisiert war. An der Spitze stand der große Unbekannte, der innerbetrieblich den Spitznamen »Fat Wellknown« oder »Ochsenfrosch« trug. Seine Hilfskräfte teilte man in vier Kategorien auf:

a) die Laubfrösche, sie waren die untersten Chargen, zuständig für kleinere Verbrechen wie Diebstahl, Raub und Einbruch;

b) die Knallfrösche, zuständig für Morde, Attentate und Gewaltverbrechen die Killertruppe eben;

c) die Froschaugen, zuständig für Observierungen, Infiltrationen, Unterwanderungen und Ähnliches; seriöse Leute, Under-Cover-Gangster und

d) die Kaulquappen — Menschen in guter Stellung, Menschen wie du und ich, die nur bei besonders großen Sachen miteinbezogen wurden und deren Identität in Gangsterkreisen völlig unbekannt war. Die wichtigste Gruppe, denn sie saß in den Vorzimmern zur Macht oder gar in den Schaltstellen des Empires.

Mitten in diese interessante Lektüre brach Inspector Dragon mit einer Schreckensmeldung ein: »Unser bester Mann, der Berny Ganter, den wir in die Froschbande einschleusen konnten, ist tot aufgefunden worden. Ermordet! Jetzt stehen wir wieder ganz am Anfang.«

»Traurig, aber unbedeutend. Was mich viel mehr interessiert ist, warum hat Bobby Newton vor zwei Stunden seinen Job aufgegeben und zu einer gewissen Lalo Montez Beziehungen aufgenommen?«

»Woher wissen Sie denn das jetzt schon?«

»Nun, mit der Einführung der computerlesbaren und fälschungssicheren ID-Karten in diesem ihrem Lande ist der Weg eines jeden Bürgers per Knopfdruck abrufbar.«

»Es lebe der Fortschritt«, meinte Dragon trocken.

»Ja, aber leider haben wir noch nicht in jedem Haus eine Video-Kamera installieren können, deshalb sollten Sie sich auf die Socken machen und alles über dieses Verhältnis eruieren.«

»Hm, diese Lalo Montez ist eine sehr zwielichtige Barsängerin, ich glaube, sie ist vorbestraft wegen Rauschgifthandels.«

»Weiß ich, weiß ich, aber ich brauche mehr. Ab durch die Mitte!«

Dragon nahm Foxhiller zu seiner Unterstützung mit, bei Barsängerinnen war Alarmstufe 1 geboten.

Am Trafalgar Square fiel ihnen auf, dass ein ziemlich abgerissener Mann kleine weiße Tütchen in einem Bauchladen feilbot.

»Verdächtig«, meinte Foxhiller.

»Höchst verdächtig«, stimmte Dragon zu, »den nehmen wir uns vor.«

»Wie läuft’s Geschäft?«, fragte Dragon leutselig.

»Beschissen wäre geprahlt«, gab der erpelgesichtige Mann zurück.

»Wer kauft schon Puderzucker von einem Platzierer?«

»Einem was?«, hakte Foxhiller nach, dem sofort der amerikanische Akzent seines Visavis aufgefallen war.

»Na, Platzierer, das ist doch wohl ein Platz und kein Haus oder was?«

»Ah, verstehe, Sie sind ein Hausierer ohne Haus und festen Wohnsitz, ein fliegender, vogelfreier Straßenhändler.«

»Straßen habe ich momentan nicht im Angebot, aber wenn Sie ein Tütchen Puderzucker möchten ...«

»Zeigen Sie Ihren Ausweis, die Aufenthaltsgenehmigung und den Kleingewerbeschein«, wurde Foxhiller amtlich.

Man reichte es ihm. Foxhiller reichte alles zurück, und die beiden Inspektoren setzten kopfschüttelnd ihren Weg fort.

»Irgendetwas ist faul an dem Mann, wenn ich nur wüsste, was!«

»Er ist ein Ami!«

»Das allein genügt nicht für eine Festnahme, wir müssen Decker informieren, er ist ja auch Ami, vielleicht kennt er den Mann.«

»Klar, die USA sind ein Dorf.«

Als die beiden Männer sich der Bar näherten, hielt Foxhiller Dragon am Ärmel fest.

»Schau, da geht die kleine Joan Krystal mit ihrem Bruder.«

Er sah sie nur von hinten, doch sein Auge war auf Ärsche aller Art geschult, und keiner konnte sich ihm entziehen.

Umständlich stellten sich die vier einander vor. Und ohne etwas Entscheidendes gesagt zu haben, verabschiedeten sie sich auch wieder umständlich. Kurz vor der Bar sah Foxhiller einen verdächtigen Hintern in einem eleganten Apartmenthaus verschwinden.

»Da war gerade Lalo Montez, ihren Arsch würde ich aus Millionen heraus erkennen. Diese Frau ist einmalig. Nichts wie hinterher!«

Dragon schmunzelte, ihm war die anale Fixierung seines Freundes nicht neu. Sie betraten das Haus und steuerten sofort auf den Portier in seiner Glasloge zu.

»Wo wohnt Frau Montez und wie lange schon?«

»Das geht euch ...«

Die Polizeimarken, die plötzlich unter seiner Nase auftauchten, machten ihn freundlicher.

»Sie wohnt im Penthouse, seit einigen Wochen; gegenüber im zweiten Penthouse wohnt ein amerikanischer Playboy.«

»Sehr sinnig.«

Die Inspektoren nahmen den Lift.

Die Wohnungstüren der Penthouses standen offen, und auf jeder Türschwelle lag ein kleiner Blechfrosch.

»Verdammt«, entfuhr es Foxhiller, »wir kommen zu spät.«

»Gott bewahre«, beruhigte sie eine Stimme aus dem rechten Penthouse, »ich bin wohlauf, und auch Frau Montez erfreut sich bester Gesundheit.«

Staunend erkannten sie den Puderzucker-Platzierer.

»Toll, was für eine schöne Wohnung Sie sich durch den Verkauf Ihrer kleinen Tütchen leisten können«, Dragons Stimme klang neidisch.

»Ach, es sind nicht die kleinen Tütchen allein, ich betreibe mehrere Geschäfte. Und als Amerikaner, noch dazu aus der Dynastie der Undings, habe ich ein sozialpsychologisch-kriminologisches Faible für Ihre Insel.«

Foxhiller war indigniert: »Mr. Jock Unding, wer sind Sie wirklich?«

»Sagen wir einfach, ich bin ein spleeniger Millionär.«

»Und was halten Sie von diesen beiden Fröschen?«

»Meine Herren, nie würde ich mir erlauben, Sie als Frösche zu bezeichnen.«

»Ich meine die Blechdinger auf den Türschwellen.«

»Ach so, dazu habe ich keine Meinung. Allerdings werde ich jetzt Frau Montez einen Besuch abstatten, bye, bye!«

Er ging nicht zu Lalo, und die Inspektoren merkten es nicht einmal, denn sie hatten begonnen, mit den beiden Fröschen zu spielen.

Lalo Montez hatte inzwischen ihre Tür geschlossen und wartete auf Quasibobby. Bei ihr war nur ihr Angetrauter, der Ex-Raumfahrer Rusty »the ear« Loosah.

»Rusty, Liebling, du wirst entschieden zu fett. Ich sollte wirklich ernsthaft erwägen, den armen Bobby zu heiraten und dich in die Wüste zu schicken.«

»Diesem tumben Toren werden noch die Augen überquellen, wenn er erfährt, was und wer du wirklich bist. Er wird geradezu basedowsche Froschaugen bekommen.« Er lachte distinguiert.

Obwohl er jahrelang den Beruf eines Vollidioten ausgeübt und nur im Kreis geflogen war, so seine späte Selbsterkenntnis, ließ sich seine gute Erziehung nicht verleugnen.

»Stimmt, ich habe nie einen dümmeren Menschen getroffen. Wer sich erzählen lässt, der quambodschanische Geheimdienst brauche dringend einen Londoner Agenten für die Überwachung von Parisern, der glaubt auch an den Weihnachtshasen.« Sie lachte müllmäßig.

Als Quasibobby klingelte, fiel sie ihm überschwänglich um den Hals und herzte ihn.

»Ach Bobby, schön, dass du da bist. Kennst du übrigens schon unseren lieben Rusty. Er wird bei unserer wichtigen Mission mit von der Partie sein.«

Die Männer begrüßten sich kühl, was bei dem Ausfall der Klimaanlage als angenehm empfunden wurde (von Lalo, die ihre Hedwig C. M., ihr großes Vorbild, intus hatte). Und wahrscheinlich gab es auf der ganzen Welt nur zwei Leute Rusty und Sir Edgar , die der Redundanz mächtiger waren, als sie selbst.

 

3 Henker und Dichter

JJ saß vor dem Fernseher und lauschte mit einem Ohr der Musik-Show, die gerade seinen Lieblingssänger Elton John präsentierte, während er mit dem anderen Ohr Dragons telefonischen Zwischenbericht entgegennahm. Seine Gedanken jedoch waren bei Joan Krystals Bademantel.

Zwischenzeitlich war versucht worden, das elegante Mietshaus, in dem Unding und die Montez wohnten, in die Luft zu blasen die Knallfrösche, wer sonst? Und der junge Bobby war auf unerklärliche Weise selbst zu einem Porsche 928 (immerhin!) gekommen. JJ dachte laut: »Eine gute Gelegenheit, ihn zu einem Match gegen meinen 944er herauszufordern.«

Dragon verstand nicht. JJ erklärte: »Haltet ihr euch mal eine Weile bedeckt, ich werde mir den jungen Newton, den zwielichtigen alten Newton und die Tochter«, er hechelte wie ein altersschwacher Bernhardiner, »selbst schnellstmöglich vornehmen.« Er legte auf.

Es holte ihn fast aus den Schuhen, als er bei den Newtons auch den Baulöwen Klaussner vorfand. Das Ikea-Öko-Landhaus wirkte durch seine Anwesenheit irgendwie anders, und JJ war ehrlich befangen.

Joan machte dem Geldmann schöne Augen, den Bademantel hatte sie inzwischen gegen einen überlangen Pullover, unter dem sie nichts trug, getauscht.

Sie versuchte verzweifelt, Klaussner und Dull (auch er fehlte nicht) von der Notwendigkeit der Wiedereinstellung ihres Bruders zu überzeugen. Sie biss auf Granit.

Quasibobby lachte abwesend, so, als ginge ihn die ganze Sache überhaupt nichts an, und schnüffelte ab und zu an einer Tüte, die, wie wir alle wissen, Puderzucker enthielt.

»No chance«, bekräftigte Klaussner nochmals seine vorausgegangene Rede, und Charly Dull zuckte hilflos mit den Schultern. Da sprach Vater John Isaak Newton ein mächtiges Machtwort.

»Warum soll ich euch alle noch länger warten lassen, es gibt mit Sicherheit noch Geheimnisvolleres als mich. So sei es denn.«

Er holte einen schwarzen Koffer unter der Eckbank aus Billig-Eiche hervor und öffnete ihn. Die Anwesenden erstarrten.

»Ja«, sagte der alte Newton leise, »ich bin es wirklich, und deshalb kam ich dem einen oder anderen so bekannt vor.«

JJ Decker räusperte sich vernehmlich: »Mir war klar, dass Sie kein >Outlaw< sein können. Sie haben ein echt kernig ehrliches Gesicht, wenn auch finster und asozial. Aber, dass Sie diesen Beruf haben ... darauf wäre ich nie gekommen.«

Klaussner schaute entsetzt auf die Mordwerkzeuge im Koffer.

»Sie sind, Sie sind ...«, stotterte er.

»Ja, ich bin es«, antwortete der Angesprochene kalt.

»Vater, du bist ...«, das war Joan Krystal.

»Vater bist du wirklich der, der ...«, das war Bobby.

Die schwarz gekleidete Gestalt reckte sich: »Nun wisst ihr es alle: Ich bin, und ihr seht es an meinen diversen Hackebeilchen, nicht der Harmann, sondern der Henker von London.«

»Bei den vier Gerechten«, entfuhr es Klaussner, »ich hätte Ihnen ja einiges zugetraut, aber dass Sie der Hexer von London ...«

»Mann, Sie sind wohl nicht ganz bei Verstand, ich bin der Henker.«

Details

Seiten
70
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738922295
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Januar)
Schlagworte
edgar wallatze frosch glatze parodie

Autor

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Titel: Edgar Wallatze - Der Frosch mit der Glatze  - Die Parodie