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Sun Koh Taschenbuch #27: Der singende Gaucho

©2018 161 Seiten

Zusammenfassung

Sun Koh - Er war der Sohn der Sonne, dazu ausersehen, das Erbe eines sagenhaften Kontinents anzutreten. Die berühmte phantastische Abenteuerserie aus den dreißiger Jahren erscheint jetzt wieder neu. SUN KOH hat Millionen begeistert, er wird auch die heutige Generation mit seinen atemberaubenden Abenteuern in seinen Bann schlagen. Denn SUN KOH ist von zeitloser Aktualität - so zeitlos wie die Sonne, aus der er kommt.
Borroud fürchtet nur einen Mann auf dieser Welt: Sun Koh. Der Erbe von Atlantis jagt den Mörder erbarmungslos durch den Mato Grosso. Doch Borroud hat überall seine Helfer, die nur darauf warten, Sun Koh ein Bein zu stellen. Noch weiß Sun Koh nicht, warum er plötzlich auch noch die Cavarro-Bande auf dem Hals hat – bis er durch Zufall erfährt, daß er in eine uralte, tödliche Fehde um gewaltige Schätze von Gold und Diamanten geraten ist…

Leseprobe

Table of Contents

Der singende Gaucho

Copyright

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

Der singende Gaucho

Sun Koh Taschenbuch #27

Phantastisches Abenteuer

von Freder van Holk

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 161 Taschenbuchseiten.

 

Sun Koh - Er war der Sohn der Sonne, dazu ausersehen, das Erbe eines sagenhaften Kontinents anzutreten. Die berühmte phantastische Abenteuerserie aus den dreißiger Jahren erscheint jetzt wieder neu. SUN KOH hat Millionen begeistert, er wird auch die heutige Generation mit seinen atemberaubenden Abenteuern in seinen Bann schlagen. Denn SUN KOH ist von zeitloser Aktualität - so zeitlos wie die Sonne, aus der er kommt.

Borroud fürchtet nur einen Mann auf dieser Welt: Sun Koh. Der Erbe von Atlantis jagt den Mörder erbarmungslos durch den Mato Grosso. Doch Borroud hat überall seine Helfer, die nur darauf warten, Sun Koh ein Bein zu stellen. Noch weiß Sun Koh nicht, warum er plötzlich auch noch die Cavarro-Bande auf dem Hals hat – bis er durch Zufall erfährt, daß er in eine uralte, tödliche Fehde um gewaltige Schätze von Gold und Diamanten geraten ist…

 

Die phantastische Abenteuer-Serie SUN KOH von Freder van Holk erschien zum ersten Mal in den 1930er Jahren und wurde nach dem zweiten Weltkrieg in jeweils unterschiedlich bearbeiteten Heft- und Buchausgaben neu herausgebracht – zuletzt in einer Taschenbuchausgabe Ende der 1970er Jahre.

Sprachgebrauch und Wertvorstellungen entsprechen der Entstehungszeit der Romane und unterlagen seitdem einem steten Wandel. So ist beispielsweise eine der Hauptpersonen Schwarzafrikaner und wird durchgängig als „Neger“ bezeichnet. Heute wird dieser Begriff von vielen als diskriminierend empfunden. Bis in die 1970er Jahre hinein war das jedoch nicht so. Das Wort „Neger“ entsprach dem normalen Sprachgebrauch und wurde nicht als herabsetzend angesehen. Selbst der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King sprach in seinen Reden häufig von der „Emanzipation der Neger.“ Für den deutschen Sprachraum markiert der DUDEN das Wort erstmalig in seiner Ausgabe von 1999 mit der Bemerkung „wird heute meist als abwertend empfunden“ und trug damit dem in der Zwischenzeit gewandelten Sprachgebrauch Rechnung.

Da die Romane nur vor dem Hintergrund ihrer Zeit in sich stimmig sind, wurde auf eine sprachliche Glättung ebenso verzichtet wie auf eine Anpassung heute nicht mehr zeitgemäßer Wertvorstellungen oder inzwischen widerlegter wissenschaftlicher Ansichten.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de


 

1.

Zwischen Paraguay und Parana zieht sich von der Grenze des Staates Paraguay aus das Bergland nach Norden, fünfhundert Kilometer weit und ebenso breit. Es leitet zum Mato Grosso über, einem Hochplateau, das sich über tausend Kilometer erstreckt und dann allmählich in das flachere Hügelland des brasilianischen Berglandes übergeht.

Im Südzipfel des Mato Grosso, wo das endlose Sumpfgebiet des Paraguay in das Bergland einschneidet, stieg träge eine dünne bläuliche Rauchfahne zum Himmel. Sie stammte von einem Lagerfeuer, das auf einer kleinen natürlichen Lichtung inmitten der endlosen Wälder brannte.

Am Feuer hockte Nimba und drehte mit Andacht ein Stück Hirsch auf dem Holzspieß. Er lächelte dabei genießerisch.

Ein Stück abseits im Schatten eines Baumes lag Hal Mervin. Er starrte düster auf seinen linken Fuß, der eingebunden im Gras ruhte. Mit dem Fuß war er gestern, als er zu baden versucht hatte, in eine Araja hineingetreten, die unsichtbar und tellerflach auf dem Grund gelegen hatte. Eine der Stacheln, die diese Tiere am Schwanz tragen, war in seinen Fuß eingedrungen. Den Stachel hatte er herausgerissen, aber die Wunde war geblieben. Und sie sah böse aus und schmerzte.

Sun Koh kam heran. Auch sein kühnes Gesicht, dessen Bräune in prachtvollem Gegensatz zu dem lichten Haar stand, verriet mehr den Ernst Hals als die heitere Lebensfreude Nimbas. Er machte sich Sorgen wegen der Wunde des Jungen und suchte vergeblich nach einem Mittel, um drohendem Brand oder Blutvergiftung vorzubeugen. Einen Arzt gab es auf tausend Kilometer im Umkreis nicht.

»Bald fertig«, meldete Nimba.

»Na, wenn schon«, sagte Hal verdrossen.

Nimba hob die Brauen.

»Keinen Hunger? Schlechtes Zeichen. Ich kannte einen, der brachte vor Schmerzen keinen Bissen mehr über die Lippen. Zwei Tage später war er dann tot. Ja, die Schmerzen…«

»Halt den Mund!« zischte Hal wütend.

Nimba schüttelte den Kopf.

»Wie kann man nur so empfindlich sein. Ich habe da mal eine Statistik über Todesfälle gesehen, wonach in jeder Minute…«

Er brach ab und duckte sich. Hals linker Stiefel sauste dicht über seinen Kopf hinweg. Bevor Nimba sich wieder aufrichten konnte, schickte Hal zwei Schüsse hinterher.

Das war zuviel für Nimba.

»Bist du verrückt geworden? Dir ist wohl die Blutvergiftung in den Kopf gestiegen. Schießt einfach auf…«

Hal kniete schon längst mit schußbereiten Waffen.

»Beweg’ dich gefälligst einige Meter zur Seite, Nimba«, wies er kühl an. »Du stehst mir gerade in der Schußrichtung. Und gib acht, daß du keine Blutvergiftung von einem Indianerpfeil bekommst.«

»Au verflixt!« hauchte Nimba und preßte sich an die Erde.

Sun Koh hatte den knienden Hal erreicht.

»Was ist?«

»Ein Indianer ist dort drüben, Sir. Ich hatte den Eindruck, daß er uns ein bißchen als Zielscheibe benutzen wollte.«

»Getroffen?«

»Wohl kaum. Mir kam es auf einen Schreckschuß an.«

Sun Koh schritt mit der Waffe in der Hand auf den Waldrand zu und untersuchte die Stelle, die Hal ihm wies.

»Hier hat ein Indianer gestanden«, bestätigte er. »Vielleicht hat er keine feindlichen Absichten, aber wir werden jedenfalls in Zukunft unsere Umgebung sorgfältiger beobachten. Die Gebiete der wilden Indianer liegen nicht besonders weit entfernt.«

Nimba reichte Hal feierlich die Hand.

»Ich betrachte dich als meinen Lebensretter.«

Hal tippte sich an die Stirn.

»Danksagungen werden bei uns nur in der Zeitung veröffentlicht.«

Nimba nickte ernsthaft.

»Gut, ich werde bei nächster Gelegenheit daran denken.«

Etwa eine Stunde später rumpelten knarrend und ächzend zwei hochrädrige Planwagen auf die Lichtung. Mehr als ein halbes Dutzend Männer ritten neben den Wagen her. Sie trugen weite Hosen und breite Hüte und waren mit älteren Gewehren, langläufigen Pistolen und Säbeln bewaffnet.

Einer der beiden Vorreiter hob den Arm und brachte dadurch den Zug zum Stehen. Er war offenbar der Anführer. Haltung, Sprache und nicht zuletzt das Gesicht mit dem grauen Spitzbart drückten eine gewisse Würde aus.

»Halt, Carreteiros!« rief er zurück. »Legen wir eine Rast ein!«

Während sich die anderen Männer zunächst um Wagen und Pferde kümmerten, schwangen sich die beiden Vorreiter aus dem Sattel und kamen auf Sun Koh zu. Der Mann mit dem Spitzbart schwenkte seinen Hut und machte sich in höflicher Form als Kaufmann Roncao bekannt, der mit frischer Handelsware nach seinem Wohnort Valdina unterwegs sei.

Sun Koh gab über sich und seine Begleiter kurz Auskunft. Erst als er danach den zweiten Mann, an dem ihm mancherlei auffiel, fragend anblickte, sagte der kurz: »Ich heiße Borroud.«

Er sagte das in einem Ton, als ärgere er sich etwas. Auch seine Haltung und sein Gesicht drückten klar aus, daß er sich aus irgendwelchen Gründen seiner Umgebung völlig überlegen fühlte und eine Anerkennung dieser Überlegenheit als selbstverständlich voraussetzte. Das Gesicht wirkte außerordentlich finster. Dieser Borroud war sicher ebenso verwegen, zäh und hart, wie er außergewöhnlich stark und gewandt war. Zu diesen Eigenschaften traten Roheit, Gefühllosigkeit und einige andere Eigenschaften, die zur Drohung wurden.

Sun Koh spürte Widerwillen in sich aufsteigen. Die beiden Männer tauschten einen Blick und wußten, daß sie Feinde waren.

Übrigens unterschieden sich Borrouds Bewaffnung und Kleidung wesentlich von der des Kaufmanns. Die Kleidung bestand durchgängig aus weichem Wildleder, und Gewehr und Pistolen gehörten zu den neuesten Modellen.

Sun Koh nahm Borrouds Art gelassen hin, aber Hal ärgerte sich.

»In Ihrem Alter müßten Sie sich daran gewöhnt haben«, meinte er spöttisch vom Boden her.

Borroud begriff nicht recht. Er warf Hal einen scharfen Blick zu und knurrte: »Wieso?«

»Weil Sie sich so anstrengen müssen, um den Mund aufzukriegen«, gab Hal Auskunft.

Borroud machte eine schnelle Bewegung, die Sun Koh mehr verriet als viele Worte. Seine Hand zuckte zur Pistole, aber er wandte sich mit einer Verwünschung ab und ging langsam zu dem in der Nähe liegenden Fluß hin.

»Donnerwetter«, murmelte Hal etwas blaß hinter ihm her, »der ist aber mit dem Schießeisen schnell bei der Hand. Scheint ja eine ganz besondere Nummer zu sein.«

»Er ist Bugerjäger«, teilte Roncao, den der flüchtige Zwischenfall sichtlich bestürzt hatte, gedämpft mit.

»Was ist das?« fragte Sun Koh.

»Oh, Sie wissen nicht – verzeihen Sie bitte einen Augenblick.«

»Setzt euch, Compadres, wir haben noch viel Licht vor uns und können eine Stunde rasten. Die Herren sind Fremde, die zu ihrem Vergnügen durch das Land reisen, um es kennenzulernen. Unsere Gesellschaft ist ihnen willkommen.«

Die Männer nickten, ließen sich schweigend in der Runde nieder und machten sich über das mitgebrachte Brot und Fleisch her. Es waren durchweg jüngere kräftige Gestalten. Sie zollten offenbar ihrem Anführer eine gewisse Ehrerbietung.

»Compadres?« wunderte sich Nimba, als sich der Kaufmann zurückdrehte. »Sie haben aber eine Menge Gevattern.«

»Es sind keine Verwandten von mir«, sagte Roncao lächelnd. »Wir bezeichnen hier jeden Bekannten als Compadre.«

»Ach so.«

Sun Koh lud zum Sitzen ein. Roncao entdeckte das verbundene Bein Hals und erkundigte sich danach. Er erfuhr von dem Stachel der Araja und versicherte, daß eine solche Wunde zwar schwer heile, aber niemals lebensgefährlich sei. Dann kam er wieder auf Borroud zu sprechen, der jetzt am Fluß hockte.

»Er ist ein seltsamer Mensch, Senhores«, berichtete er leise, »und ich muß gestehen, daß es viele Leute gibt, denen ein Schauer über den Rücken geht, wenn er sich in der Nähe befindet. Es gibt auch viele, die ihn hassen, weil er sich mehr erlaubt, als andere dürfen. Aber es ist nicht gut, sich mit ihm anzubinden, und mancher hat es schon bereut. Man muß ihm eben vieles nachsehen, weil er Bugerjäger ist.«

»Und was ist ein Bugerjäger?«

»Ein Indianerjäger, Herr. Wir leben in einem Land, in dem es noch wilde Indianer gibt. Nicht weit von hier beginnen die Sumpfwälder, in denen sie noch zu vielen Tausenden wohnen. In die Dörfer wagen sie sich nicht mehr, aber wenn sie eine Gelegenheit finden, eine einzelne Siedlung zu überfallen, dann tun sie es. Der Bugerjäger ist der Mann, der solche Überfälle rächt.«

»Warum tun das die benachbarten Siedler nicht selbst?«

»Sie sind Bauern, aber keine Jäger und Fährtenleser. Die Indianer sind geschickt und schlau, es ist schwer, sie im Sumpf und Urwald zu finden. Nur der Bugerjäger kann das. Er geht den Spuren nach, die für die Siedler nicht zu sehen sind, er dringt, natürlich begleitet von den jungen Männern der Umgebung, in die Wildnis vor und folgt den Spuren, bis er die Indianer gestellt hat. Dann rottet er sie aus.«

»Sollte man nicht meinen, daß diese Indianer zahlreichere Möglichkeiten finden, sich zu verstecken und zu fliehen, als der Bugerjäger sie zu stellen?«

Roncao strich über seinen Bart.

»Gewiß, das ist wohl richtig. Der Bugerjäger und seine Begleiter können auch selten Indianer töten. Aber die Kinder und Frauen der Indianer sind behindert. Sie sind es, die der Rache zum Opfer fallen.«

»Pfui Deibel«, entfuhr es Hal.

»So denkt der Fremde, aber unser Land ist hart, und es gibt kaum ein anderes Mittel, um die Indianer zurückzuschrecken. Der Stamm, der Frauen und Kinder verloren hat, unternimmt so leicht keinen zweiten Überfall. Die Männer müssen in die Wildnis zurück, um neue Frauen zu suchen. Und die Kinder sind zukünftige Feinde, deren Tod spätere Überfälle verhütet.«

»Die Frauen und Mädchen werden sicher keine Siedlung überfallen.«

»Gewiß«, gab Roncao zu. »Es gibt auch Bugerjäger die nur die Knaben töten, Frauen und Mädchen aber verschonen. Borroud jedoch macht keine Ausnahme. Er haßt die Indianer und tötet meist mit eigener Hand die Wehrlosen. Er ist ein schrecklicher Mann. Aber wir brauchen ihn.«

Sie schwiegen eine Weile, dann sagte Sun Koh nachdenklich: »Dieser Bugerjäger ist also eine Abart des früheren nordamerikanischen Pfadfinders. Zweifellos ist seine Tätigkeit von größter Bedeutung für die Siedlungen im Land. Das Lebensrecht des Siedlers wird auch weitgehend Härten im Kampf gegen die Indianer entschuldigen. Wenn aber ein solcher Bugerjäger Frauen und Mädchen niedermetzelt, dann handelt er nicht mehr aus dem sittlichen Bewußtsein seiner großen Aufgabe heraus. Wohnt Borroud in Valdina?«

»Nein, er ist gerufen worden, weil nicht weit von Valdina ein Überfall stattgefunden hat. Er wohnt viele Tagesreisen entfernt. Es gibt nur wenige Bugerjäger im Land, jeder einzelne hat ein großes Gebiet für sich. Die Überfälle sind immerhin seltener geworden.«

»Geben Sie nur acht, daß man nicht Ihre Wagen ausplündert«, riet Hal.

Roncao lächelte.

»Wir sind zu viele Bewaffnete. So dreist sind die Indianer doch nicht. Außerdem haben sie dieses Gebiet schon längst aufgegeben.«

»Vor einer Stunde haben wir noch am Waldrand einen Indianer bemerkt«, teilte Sun Koh mit.

Der Kaufmann war sehr überrascht.

»Einen Indianer am Pfad? Das ist aber erstaunlich. Sollten sie etwa versuchen wollen, dem Bugerjäger aufzulauern? Das muß ich…«

Er erhob sich und rief Borroud, der mit einer für seine Körpergröße geradezu erstaunlichen Geschmeidigkeit herankam. Sein Gesicht war so finster wie vorher. Der Kaufmann teilte ihm mit, daß die Fremden einen Indianer bemerkt hätten.

Über das Gesicht des Bugerjägers glitt daraufhin offene Geringschätzung.

»Ein Indianer am Pfad?« sagte er. »Die Fremden haben sich durch einen Ast oder einige Blätter täuschen lassen.«

»Sie halten uns wohl für stockblind?« rief Hal entrüstet. »Ich habe den Indianer gesehen, wenn es auch nur flüchtig war. Sicher, zur Not könnten auch Sie es gewesen sein, denn Sie sehen ein bißchen indianisch aus, aber…«

Hal dachte sich nichts bei diesem Vergleich. Er war noch nicht einmal auf die Vermutung gekommen, daß dieser Bugerjäger etwa einen Schuß Indianerblut in den Adern haben könnte, und daß er durch eine derartige Anspielung Borrouds empfindlichste Stelle traf.

Die Wirkung auf Borroud war erstaunlich. Das dunkle Gesicht färbte sich noch dunkler, ein zischender Fluch, ein Sprung nach vorn, und Hals Körper schlug unter einem Tritt zur Seite.

Eine Kleinigkeit zu spät schnellte Sun Koh hoch. Er konnte den Tritt nicht mehr verhindern, aber seine Faust schlug in das haßvolle Gesicht hinein, so daß der Bugerjäger ebenso schnell zurückflog, wie er vorgekommen war.

Ringsum sprangen die Männer auf.

»Du Bastard!« schrillte Hal, vergaß Wunde und Schmerzen und wollte sich auf den Bugerjäger stürzen. Aber ein Griff von Sun Koh hielt ihn zurück.

Borroud war zum Stand gekommen. Halb zurückgebogen und halb wieder im Sprung verharrte er mit hängenden Armen. Die Ohren hörten förmlich schon den peitschenden Knall von Pistolenschüssen.

»Greifen Sie lieber nicht zur Waffe«, warnte Sun Koh in einem Tonfall, dessen völlige Kälte den anderen mehr warnen mußte als die Worte selbst. »Ich schieße von der Hüfte aus.«

Der Bugerjäger kam mit zwei ziehenden Schritten heran.

»Sie haben mich geschlagen«, sagte er heiser, »und…«

»Und Sie haben es verdient«, fiel Sun Koh ein. »Wenn der Junge Sie durch seine Bemerkung verletzte, dann geschah das unabsichtlich. Dieser Tritt war gemein und roh.«

»Und das ist meine Antwort!« fauchte Borroud plötzlich wild auf und warf sich auf Sun Koh, wobei seine Faust mit Wucht vorstieß. Sie fuhr aber nur über den Kopf hin ins Leere. Sun Koh hatte sich blitzschnell geduckt. Borrouds Magengrube lag ungedeckt vor ihm. Der Bugerjäger stöhnte scharf auf, knickte zusammen und taumelte nach vorn an Sun Koh vorbei.

Er fiel nicht, sondern hielt sich auf den Füßen. Das war ein erstaunlicher Beweis für seine Härte im Nehmen.

Sun Koh beobachtete jeden Atemzug. Der Bugerjäger hatte sich wieder erholt und bereitete sich auf einen neuen Angriff vor. Die Augen verrieten es. Jetzt wandte sich Borroud vollends seinem Gegner zu. Seine ganze Haltung verriet, daß er jetzt ernsthaft auf einen Kampf ausging. Die Arme waren leicht angebogen, zu Schlag und Abwehr bereit.

Am gefährlichsten war, daß er sich trotz der beiden Schläge und trotz seiner haßvollen Wut zu beherrschen verstand. Er hielt sich zurück, wollte Sun Koh den ersten Schlag lassen. Und da Sun Koh sich nicht rührte, versuchte er ihn herauszulocken.

»Nun«, höhnte er leise, »wollen Sie nicht mit mir kämpfen? Ist Ihnen der Mut vergangen?«

Sun Koh hob nur flüchtig die Schultern. Er erriet, was sein Gegner beabsichtigt. Borroud fuhr sofort schärfer fort: »Also doch, der Herr kneift und hofft im stillen, daß ich ihm nichts tue, was? Merkwürdig, was so ein fremder Tagedieb sich einbildet. Kommt ins Land und…«

»Sie strengen sich unnötig an«, unterbrach Sun Koh. »Den Tritt habe ich Ihnen heimgezahlt. Sollten Sie weitere Auseinandersetzungen wünschen, würde ich wenigstens empfehlen, die Gürtel mit den Waffen abzulegen. Gewisse Bewegungen könnten leicht zu Mißverständnissen führen.«

»Einverstanden!« stieß Borroud heraus.

Sun Koh löste sofort die Koppelschnalle. Da er dazu beide Hände benötigte, befand er sich für eine Sekunde in einer Lage, die für einen Angreifer unerhört günstig war. Borroud erkannte das, bevor er seine Hände überhaupt noch an den eigenen Gürtel brachte. Und die Gemeinheit seines Charakters ließ es zu, daß er sich über alle Regeln eines fairen Kampfes hinwegsetzte.

Mit einem Triumphruf schnellte er seinen Körper vor und stieß so unerwartet vor, daß Sun Koh die Arme nicht mehr zur Abwehr hochbringen konnte. Er konnte sich gerade noch so weit zur Seite werfen, daß die harte Faust des Bugerjägers nur seine Schläfe streifte. Der Schlag wirkte trotzdem kräftig genug, um ihn taumeln zu lassen.

Borroud setzte sofort nach, aber Sun Koh wich geschickt aus, kam auf die Füße und sprang zurück. Sein Gesicht war bleich vor Zorn.

»Mir scheint«, sagte er, »der Junge hat in seiner Ahnungslosigkeit richtig vermutet. So handelt kein Weißer, höchstens ein Mischling. Mit Menschen Ihrer Art sollte man nicht kämpfen, sondern man sollte sie züchtigen.«

Lachen der Überlegenheit und Wut über die Worte verzerrten das Gesicht des Bugerjägers. Er sprang vor und schlug von neuem zu. Aber diesmal kam ihm Sun Koh auf halbem Weg entgegen. Borrouds Schlag rutschte über die Schulter. Er versuchte es nun mit einem Scheinschlag, dem er einen furchtbaren linken Schwinger folgen ließ. Aber Sun Koh stoppte ab und schmetterte einen Hieb auf das Kinn, der hundert andere umgelegt hätte.

Der Bugerjäger versuchte eine Zeitlang, in den Clinch zu kommen und seinen Gegner durch seine scheinbar überlegene Kraft zu erdrücken. Als ihm das nicht gelang, versuchte er mit Tiefschlägen und allen möglichen Tricks zum Ziel zu kommen. Dieser Kampf glich schon nach kurzer Zeit mehr einem Durcheinander von allerlei Kampfarten.

Aber Borroud steckte die schärfsten Schläge ein, ohne merklich erschüttert zu werden.

Die Minuten vergingen. Borroud steckte alles ein, und Sun Koh wehrte alle Angriffe ab. Und dann war die Entscheidung doch schneller da, als der Verlauf des Kampfes hatte vermuten lassen. Der Bugerjäger versuchte es mit einem Tritt gegen den Unterleib. Sun Koh federte ausweichend hoch und rammte beide Fäuste zugleich in den Leib Borrouds. Es sah ganz harmlos aus, aber plötzlich lag Borroud auf dem Boden und rührte sich nicht mehr.

Es dauerte eine Weile, bevor Borroud wieder zu sich kam. Er richtete sich schwerfällig auf, starrte sekundenlang düster auf Sun Koh und wandte sich dann ab. Wortlos schwang er sich auf sein Pferd, riß hart am Zügel, so daß es wiehernd stieg. Dann verschwand er im Wald.

 

*

 

Einen Tag später erschien ein einzelner Mann auf der Lichtung. Sein Pferd sah ganz stattlich aus, aber der Reiter selbst trug mehr Lumpen als Kleider auf dem Leib.

Er mußte sich lange in der Wildnis aufgehalten haben. Der größte Teil des Gesichts wurde von einem wuchernden Vollbart bedeckt, der sicher seit Monaten weder Kamm noch Schere gesehen hatte. Mit dem Kopfhaar war es nicht anders. Der Mann sah verwildert aus, aber sein Blick war ruhig und frei.

Dieser Fremde, der sich Geraldo nannte, stieg zunächst nicht ab, sondern unterhielt sich vom Pferd aus. Er erkundigte sich wegen der frischen Wagenspuren und verriet, daß er Roncao wie auch Valdina kenne, da er dort beheimatet sei. Dabei prüften seine Augen unablässig Sun Koh und seine Begleiter. Das Mißtrauen in seinen Augen schwand allmählich. Als ihm Sun Koh erklärte, warum Hal den Fuß verbunden hatte, stieg er vom Pferd und sah sich die Wunde an.

»Es gibt ein sicheres Mittel, die Wunde in zwei Tagen heilen zu lassen«, meinte er danach. »Man muß sie mit gewissen Blättern umwickeln, die alles herausziehen. Wenn Sie nichts dagegen haben, will ich mich gern danach umsehen.«

»Wir wären Ihnen dankbar.«

Geraldo verließ die Lichtung. Nach einiger Zeit tauchte er wieder auf. Er brachte eine Handvoll bräunlicher Blätter mit, die er sorgsam um Hals Wunde band.

»Morgen wird sie schon sehr viel besser aussehen«, versprach er, als er fertig war, »und übermorgen kann er den Stiefel überziehen. Es genügt, morgen noch einmal frische Blätter aufzulegen.«

»Wir werden sie kaum finden.«

»Ich will sie Ihnen zeigen. Oder – wenn Sie nichts dagegen haben, bleibe ich über Nacht am Feuer. Der Tag ist ohnehin weit vorgeschritten. Heute erreiche ich Valdina nicht mehr.«

»Sie sind uns ein willkommener Gast«, versicherte Sun Koh freundlich.

Geraldo wurde schnell zutraulicher.

»Ich habe Sie hoffentlich nicht durch mein anfängliches Mißtrauen verletzt?« fragte er später. »Es ist für einen einzelnen Mann immer besser, vorsichtig zu sein.«

»Ist das Land so unsicher?« fragte Sun Koh.

Geraldo hob die Schultern.

»Sie wundern sich vielleicht, daß ein Mann in meinem Aufzug solche Sorgen hat? Nun, die Kleidung will nicht viel besagen. Es kommt mancher aus der Wildnis, der reicher ist als andere.«

Die dunklen Andeutungen reizten zu mancher Frage, aber Geraldos Tonfall war so, daß Sun Koh ablenkte.

Im Laufe des Abends erfuhr Geraldo von dem Zusammenstoß mit dem Bugerjäger. Er war merklich befriedigt davon, daß Borroud den kürzeren gezogen hatte.

»Ich gönne ihm die Abfuhr von Herzen«, meinte er. »Dieses Halbblut – denn das ist er – platzt bald vor Einbildung und Anmaßung.«

»Er besitzt aber auch einige Eigenschaften, die ihn herausheben. Und man muß auch berücksichtigen, daß er sich uneigennützig für das Gemeinwohl einsetzt.«

Geraldo blickte erstaunt.

»Wieso uneigennützig? Er bekommt doch seine Tätigkeit bezahlt, sehr gut bezahlt sogar.«

»Das wußte ich nicht.«

»Tja«, lachte der andere kurz auf, »da haben Sie Borroud natürlich bedeutend überschätzt. Er wäre der letzte, der etwas umsonst macht. Er ist sogar ausgesprochen habgierig.«

Geraldo blieb über Nacht. Am Morgen ging er mit Sun Koh in den Wald und zeigte ihm die Blätter, die die Araja-Wunde heilten. Auf dem Weg zur Lichtung sagte Sun Koh: »Sie haben mir einen großen Dienst erwiesen, indem Sie dem Jungen halfen. Kann ich mich irgendwie erkenntlich zeigen?«

»Nein. Es war doch selbstverständlich, daß ich Ihnen die Blätter brachte. Ich habe dafür die Nacht hindurch ruhig unter Ihrem Schutz geschlafen, damit bin ich schon in Ihrer Schuld.«

»Darüber sind wir verschiedener Meinung«, widersprach Sun Koh. »Ich hoffe, Sie werden wenigstens diese Scheine annehmen. Es liegt mir fern, Sie bezahlen zu wollen…«

Geraldo schob die Hand, die ihm die Scheine bot, entschieden zurück. Sein Gesicht hatte dabei einen merkwürdigen Ausdruck.

»Danke«, sagte er langsam. »Vor einigen Monaten hätte ich wahrscheinlich mit beiden Händen zugegriffen, aber heute?« Er lachte plötzlich auf. »Wahrhaftig, das Leben ist eine seltsame Sache. Wenn einer einmal Geld hat, dann kommt es von allen Seiten. Nein, Senhor, ich freue mich, daß Sie meine kleine Gefälligkeit so hoch einschätzen. Vielleicht bin ich reicher als Sie.«

Sun Koh blickte ihn fragend an.

Geraldo lachte still in sich hinein, griff in seine Tasche und brachte ein Beutelchen zum Vorschein. Er löste die Schnur, mit der es zugebunden war, und schüttelte etwas von dem Inhalt auf die Hand.

Es waren unscheinbare Steine, die meisten unter Erbsengröße. Einige zeigten freie gläserne Stellen. In diesen mündete sprühend das Sonnenlicht.

Stolz reckte Geraldo die Hand hin.

»Wissen Sie, was das ist?«

»Diamanten«, erriet Sun Koh sofort.

»Ja. Chibius sind es, kleine Diamanten. Aber sie sind ihr Geld wert, zumal wenn man viele davon besitzt. Und ich weiß eine Stelle, wo man sie findet.«

Sun Koh prüfte einige der Steine und legte sie wieder zurück.

»Offenbar reine Steine. Dieses Säckchen voll macht Sie zu einem reichen Mann. Gibt es denn Diamanten in diesem Land?«

Geraldo nickte.

»Im nördlichen Matto Grosso werden schon seit Jahrzehnten Diamanten gewaschen. Hier in diesem Gebiet vermutet man keine, aber ich hörte bereits als Kind von einem sagenhaften Fluß, an dem man die Diamanten bloß mit den Händen aufzulesen braucht. Damals sind Leute durch das Land gezogen, die so viele Diamanten bei sich führten, wie sie nur tragen konnten. Es waren zwei Männer, und sie erzählten von jenem Fluß, ohne seine Lage zu verraten. Sie wurden überfallen und starben. Vor zwei Jahren zog ein Mann durch Valdina, der trug Diamanten bei sich und tat so, als habe er einen Diamantenfluß gefunden. Durch Zufall fand man nach einigen Tagen seine Leiche im Wald. Er war ermordet worden. Der Mörder blieb unbekannt. Aber in Valdina sind die Diamanten nicht aufgetaucht, und der einzige Fremde, der sich zu jener Zeit bei uns aufhielt, war der Bugerjäger.«

»Sie halten ihn für den Mörder?«

Geraldo hob die Schultern.

»Ich will ihn nicht verdächtigen, aber er war wirklich der einzige, der die Steine verwerten konnte. Jedenfalls ließen mir die Andeutungen jenes Mannes keine Ruhe mehr, und ich träumte immer wieder von dem Fluß, an dem die Diamanten haufenweise liegen sollten. Also zog ich vor einigen Monaten los, Und ich glaube, ich habe den Diamantenfluß gefunden. Es sind nur kleine Steine, aber weiter oben am Fluß liegen sicher auch größere. Ich habe nicht weiter gesucht. Aber wenn man dann mit Menschen zusammentrifft und trägt die Taschen voll Diamanten, wird man plötzlich mißtrauisch und argwöhnisch. Verstehen Sie das?«

»Natürlich«, erwiderte Sun Koh. »Wahrscheinlich sind Sie noch lange nicht vorsichtig genug. Sie kennen mich zu wenig, um…«

»Oh«, wehrte Geraldo ab, »ein bißchen verstehe ich schon die Menschen einzuschätzen. Und ich bin doch seit gestern mit Ihnen zusammen. Ich habe mir offen gestanden schon überlegt, ob ich Sie zu meinem Partner machen soll, bevor ich in Valdina über die Sache spreche. Aber ich dachte dann, das könnte ich allemal noch tun, weil Sie doch nach Valdina nachkommen. Ich habe aber kein Geld mehr bei mir. Könnten Sie mir nicht einige von den Steinen abkaufen?«

»Ich stelle Ihnen das Geld auch so zur Verfügung.«

Davon wollte Geraldo nichts wissen. Er drängte Sun Koh einige Steine auf. Dann kehrten sie zur Lichtung zurück. Etwas später verabschiedete sich Geraldo und ritt nordwärts.

 

*

 

Am nächsten Morgen war die Wunde zu einer unbedeutenden verheilenden Verletzung geworden. Hal fühlte sich gesund und brachte mühelos seinen Stiefel über den Fuß.

Sie brachen auf. Nach Roncaos Mitteilungen genügte ein bequemer Tagesritt, um die Ortschaft Valdina zu erreichen.

Nach drei Stunden stießen sie auf ein totes Pferd, das am Pfad lag. Es war durch einen Schuß in den Kopf getötet worden. Der rechte Vorderfuß war gebrochen.

»Das ist doch Geraldos Pferd.«

»Geraldo selbst muß es erschossen haben, um es nicht leiden zu lassen.«

»Es hat sich den Fuß gebrochen. Dort ist das Loch, in das es hineingeriet.«

»Und Geraldo?«

»Er hat seinen Weg zu Fuß fortgesetzt. Dort sind seine Spuren.«

»Dann hat er Valdina aber gestern nicht mehr erreicht.«

»Wohl kaum.«

Sie ritten weiter.

Am Spätnachmittag hörten sie vor sich einen Schuß. Sie fanden nichts dabei, da sie die Ortschaft bereits in der Nähe vermuten mußten. Irgendwer hatte auf ein Wild geschossen.

Doch einige hundert Meter weiter verhielten sie scharf die Pferde. Auf dem Pfad lag ein Toter.

Geraldo.

Aus der Herzwunde sickerte noch das Blut. Das Hemd war gewaltsam aufgerissen worden. Das Futter der Innentasche an der verschlissenen Jacke war nach außen gestülpt.

Der Beutel mit den Diamanten, den Sun Koh gesehen hatte, fehlte.

»Raubmord«, sagte Sun Koh ernst.

»Dort sind Fußspuren«, meldete Nimba.

»Hier auch«, rief Hal.

»Bleib hier, Nimba«, ordnete Sun Koh an. »Wir wollen sehen, ob wir die Spur weiter verfolgen können. Der Mörder muß sich noch in der Nähe aufhalten.«

Die Spur war zunächst deutlich lesbar. Sie führte in den Wald hinein. Dort wurde sie bald schwächer und konnte schließlich nicht weiter verfolgt werden. Der Mörder mußte es verstehen, durch den Wald zu gehen, ohne Spuren zu hinterlassen.

Nimba blieb geduldig neben dem Toten stehen, als Sun Koh und Hal im Wald verschwanden. Er bückte sich erst, als er etwas im Gras glitzern sah.

Zwei unscheinbare, erbsengroße Steine lagen da nebeneinander. Von dem einen war ein Eckchen abgeschlagen, die glänzende Stelle war unter einem Sonnenstrahl aufgeglüht. Das konnten nur zwei von Geraldos Diamanten sein.

Während Nimba sie aufklaubte, entdeckte er noch einen dritten Stein unmittelbar neben dem Toten. Er bemühte sich auch um diesen.

Plötzlich schreckte er hoch.

»Dort!« rief jemand.

Dreißig Meter entfernt standen an der Krümmung des Pfades zwei Männer, von denen der eine auf Nimba wies. Jetzt kamen die beiden angelaufen. Sie zogen dabei ihre Pistolen, richteten sie auf Nimba und forderten ihn drohend auf, die Hände zu heben.

Die beiden, ein älterer und ein jüngerer Mann, wirkten überhaupt nicht als Räuber, so daß Nimba keine Gefahr vermutete. Sie sahen wie Bauern aus, die eben von ihrer Feldarbeit weggelaufen sind.

Nimba schüttelte den Kopf, während er sich aufrichtete.

»Keine Aufregung, Senhores. Der eine Tote hier genügt gerade. Kommen Sie von Valdina?«

»Ja – Jesus, Maria…«

»Ein Ermordeter!« schrie der Jüngere auf. »Und – ist das nicht…«

»Francisco?« sagte dumpf der Ältere. »Das ist doch Francisco Geraldo.«

»Es ist Geraldo«, bestätigte hastig der Jüngere. »Und man hat ihn ermordet.«

Die Blicke der beiden hefteten sich auf Nimba.

»Ich nicht«, wehrte dieser trocken ab. »Wir hörten den Schuß von weitem. Sie müssen wissen, daß wir zu dritt sind. Dort stehen unsere Pferde. Die beiden anderen verfolgen den Mörder.«

»Hm, Sie sind zu dritt?« murmelte der Ältere bedenklich und schielte in die Runde. Es fiel ihm wohl plötzlich ein, daß seine Lage nicht gerade günstig war, falls er wirklich dem Mörder gegenüberstand.

»Keine Angst«, beruhigte Nimba. »Wir haben mit dem Mord nichts zu tun. Ein anderer ist es gewesen, vielleicht einer, den Sie gesehen haben. Er muß doch von Valdina her gekommen sein?«

»Von Valdina ist den ganzen Tag über niemand gekommen«, behauptete der Jüngere bestimmt. »Deshalb wunderten wir uns doch, daß im Wald ein Schuß fiel.«

Nimba hob die Schultern.

»Dann ist er eben aus einer anderen Richtung gekommen. Ich hoffe, daß Sie mich nicht ernstlich für den Mörder halten wollen.«

Die beiden blickten ihn und sich dann gegenseitig an. Ihre Gesichter wurden freundlicher.

»Eigentlich nicht«, meinte der Jüngere endlich. »Es ist nur – irgend jemand muß doch Geraldo erschossen haben. Und warum…«

»Durchsuchten Sie seine Sachen?« forschte der Ältere.

»Nein«, erwiderte Nimba und spielte dabei gedankenlos mit den Steinchen. »Das hat der Mörder schon getan.«

»Was haben Sie denn da?« fragte der Ältere.

»Diamanten. Ich habe sie hier gefunden. Der Tote hatte sie bei sich, und der Mörder hat ihn ausgeplündert. Wahrscheinlich hat er in der Eile einige verloren.«

Schnell stieß der Jüngere zu.

»Woher wußten Sie denn, daß Geraldo Diamanten bei sich trug?«

»Er hat es erzählt.«

»Ah.«

Riesengroß stand wieder das Mißtrauen über der Gruppe. Nimba fühlte es und wollte es beseitigen. Bevor er es konnte, kamen Sun Koh und Hal zurück. Die beiden Männer aus Valdina griffen zu ihren Waffen, aber Nimba schlug ihre Arme weg und fauchte sie an: »Lassen Sie den Unfug!«

»Was ist denn los?« erkundigte sich Sun Koh.

»Die beiden Leute sind von Valdina gekommen«, berichtete Nimba. »Sie halten uns glatt für die Mörder, besonders weil ich diese Steine im Gras entdeckt habe.«

»Wir halten niemand für den Mörder«, meinte der Ältere ausweichend.

»Der Mörder ist in den Wald geflohen«, erwiderte Sun Koh sachlich. »Wegen der Steine brauchen Sie sich nicht zu wundern. Geraldo besaß eine Menge davon. Er hat sie mir gestern, als er an unserem Feuer übernachtete, selbst gezeigt und mir auch einige gegeben. Hier sind sie. Er behauptete, den sagenhaften Diamantenfluß entdeckt zu haben. Wahrscheinlich ist er seinem Mörder gegenüber nicht vorsichtig genug gewesen.«

Die beiden schwiegen. Ihre Gesichter verrieten weiterhin starkes Mißtrauen, aber sie äußerten es nicht.

»Wir können ihn hier nicht liegen lassen«, murmelte der Jüngere. »Wir wollen ihn nach Valdina tragen.«

»Ich werde ihn aufs Pferd nehmen«, schlug Sun Koh vor. »Seine Angehörigen leben in Valdina?«

»Seine Mutter, sein Bruder und einige entfernte Verwandte.«

»Es wäre gut, wenn wenigstens die Mutter schonend vorbereitet würde. Wollen Sie das übernehmen?«

»Wir wollen gern vorauseilen«, sagten die Männer und trabten bereits los.

Ihre Erleichterung war so offensichtlich, daß Nimba besorgt sagte: »Sir, die beiden halten uns sicher für die Mörder. Sie werden uns in ein schlechtes Licht bringen.«

»Der wahre Mörder wird sich finden lassen«, gab Sun Koh kurz zurück.

Sie ritten langsam nach Valdina hinein. Sun Koh trug den Toten vor sich auf dem Pferd. Das Gerücht mußte sehr schnell durch den Ort gelaufen sein, der aus einigen Dutzend Gehöften bestand. Auf den Straßen standen neugierig Männer und Frauen. Nach ihrem Aussehen zu urteilen, setzte sich die Bevölkerung aus spanischen und nordeuropäischen Siedlern zusammen.

Es gab nur eine einzige Straße, und sie führte unmittelbar auf einen freien Platz, auf dem rechts eine schlichte Kirche, links die Venda, der Kaufladen, stand.

Am Laden trat Roncao den Ankommenden entgegen.

»Willkommen, Senhores«, rief er laut und mit betonter Freundlichkeit. »Ich freue mich, Sie in Valdina zu sehen, und hoffe, daß Sie mir die Ehre geben werden, meine Gäste zu sein.«

»Ich nehme Ihr Anerbieten mit Dank an«, sagte Sun Koh zu ihm. »Wo finde ich das Haus Geraldos?«

»Es ist das viertletzte Haus auf der linken Seite der Straße. Man erwartet Sie bereits.«

So war es. Vor dem Gehöft stand eine Gruppe von Männern, die den Toten in Empfang nahmen und ins Haus trugen. Sie schwiegen, deshalb ritten Sun Koh und seine Begleiter zur Venda zurück.

Roncao wies seinen Gästen ein sauberes Zimmer an und kümmerte sich um ihr Wohlbefinden. Als sie sich erfrischt und gestärkt hatten, erschien der Vorsteher von Valdina, ein schwerer ruhiger Mann, der Mustertyp eines norddeutschen Bauern. Er hieß Marhus, Roncao redete ihn jedoch mit Pedro an.

»Ich möchte mit Ihnen einige Worte sprechen«, sagte er zu Sun Koh. »Es handelt sich um den Toten, den Sie gefunden haben. Man sagt, daß Sie ihn ermordet hätten.«

»Unmöglich!« rief Roncao hitzig. »Ich bürge für die Herren. Sie sind keine Mörder.«

Marhus wischte seinen Zwischenruf mit einer Handbewegung weg.

»Laß den Herrn sprechen. Ich wollte ihm nur sagen, was gegen ihn vorliegt.«

Sun Koh berichtete ruhig und sachlich, was er über und von Geraldo wußte und wie sich alle Ereignisse abgespielt hatten. Marhus hörte aufmerksam und ohne zu unterbrechen zu. Zum Schluß nickte er.

»Das klingt vernünftig, und ich will es den Leuten so sagen. Aber andererseits dürfte es nicht leicht sein, einen Mann zu finden, der außer Ihnen den Mord begangen haben könnte. Unsere Gemeinschaft ist nicht groß, wir werden von jedem einzelnen genau feststellen können, wo er sich aufgehalten hat. Und Fremde gibt es hier nicht.«

»Borroud«, erinnerte Roncao.

»Er ist seit heute früh mit der Mannschaft unterwegs, um die Indianer zu jagen«, wehrte Marhus ab. »Wir müssen natürlich abwarten, ob er oder ein anderer den Trupp verlassen hat.«

Er erhob sich und verabschiedete sich kurz.

»Es tut mir sehr leid«, erklärte Roncao verlegen, als er zurückkehrte. »Natürlich ist es sinnlos, daß man Sie für Mörder hält. Sie sind Fremde, und Fremden traut man am ehesten alles zu.«

»Es ist verständlich«, meinte Sun Koh. »Wir werden uns jedenfalls bemühen, den Mörder zu finden. Wird man irgendwelche Schritte gegen uns unternehmen?«

»Aber nein.« Der Kaufmann schüttelte den Kopf. »Marhus ist ein ruhiger Mann. Ohne klare Beweise unternimmt er nichts. Es ist bloß…«

»Ja?«

Roncao zögerte, entschloß sich dann aber doch zu sprechen.

»Sehen Sie, die Sitten sind bei uns vielleicht eigentümlicher als woanders. Wenn irgendwo im Land ein Verbrechen geschieht, dann rufen wir nur selten die Gesetze an, sondern helfen uns selbst. Die Sippe des Ermordeten bestimmt einen Rächer, der den Mord zu sühnen hat, indem er den Mörder tötet. Ich fürchte, daß die Sippe Geraldos von Ihrer Täterschaft überzeugt ist und schon jetzt berät, wer der Capanga, der Rächer sein soll. Und wenn dessen Name einmal gefallen ist, dann wird er versuchen, seine Aufgabe so schnell wie möglich zu erledigen.«

»Also eine Art Blutrache?« erwiderte Sun Koh verwundert. »Sie meinen, daß man ernstlich den Versuch machen wird, uns drei zu töten?«

»Einen von Ihnen, den, den man für den Schuldigen hält. Der Capanga muß die abgeschnittenen Ohren als Zeichen der vollzogenen Rache mitbringen.«

 

2.

Zum Abendessen erschien Maria, die Tochter Roncaos, die bis zum Abend den häufig besuchten Laden versorgt hatte. Sie war jung und bildhübsch, aber sehr befangen und aus irgendeinem Grund ziemlich verstört. Bemerkenswert war der große Respekt vor ihrem Vater, doch der war in diesem Landstrich üblich.

Als Roncao einmal hinausgegangen war, wandte sich das junge Mädchen hastig an Sun Koh.

»Verzeihen Sie bitte, Herr«, flüsterte sie verlegen, »ich möchte – würden Sie mir erlauben, Sie nachher einmal allein zu sprechen?«

»Gewiß – aber ich bin fremd hier und…«

»Mein Vater besucht nachher einen Freund«, flüsterte sie. »Ich warte im Garten auf Sie. Aber, bitte, sagen Sie nichts meinem Vater. Es ist sehr wichtig und handelt sich…«

»Sie können es mir dann erzählen«, unterbrach Sun Koh freundlich, und unterhielt sich mit Hal weiter, um dem Mädchen Gelegenheit zu geben, sich zu fassen.

Zwei Stunden später traf Sun Koh Maria Roncao in dem Garten hinter dem Haus.

»Ich danke Ihnen, daß Sie gekommen sind«, flüsterte sie und begann zu weinen.

»Bitte, beruhigen Sie sich, Senhorita. Sie wollten mir etwas anvertrauen?«

Sie schluchzte noch einige Male, dann begann sie.

»Es handelt sich um José. Er kann doch nichts dafür, aber er muß es tun. Wenn Sie den Bugerjäger sogar besiegt haben, wie Vater erzählte, wie soll er es dann fertigbringen? Sie werden ihn töten und…«

»Wer ist José?«

»José Geraldo«, schluchzte sie. »Er ist der Bruder von Francisco.«

»Jetzt verstehe ich schon eher«, sagte Sun Koh lächelnd. »Sie sind mit ihm verlobt?«

Maria Roncao schüttelte den Kopf.

»Nein, Vater weiß nichts davon. Aber – aber – wir sehen uns gern.«

»Hm, und wie kommen Sie auf die Vermutung, daß ich ihn töten werde?«

»Sie werden es tun. Sie sind stärker als er. Und Sie sind zu dritt. Sie werden sich wehren.«

Sun Koh ahnte zwar, worauf diese dunklen Andeutungen hinausgingen, aber er tastete vorsichtig weiter.

»Sie meinen, daß ich mich gegen Ihren José zur Wehr setzen müßte und ihn dabei töten könnte? Das setzt doch wohl voraus, daß er mich angreift, nicht wahr?«

Sie nickte. »Das muß er doch tun!«

»Warum?«

»Weil er zum Capanga, zum Rächer, bestimmt worden ist. Die Geraldos haben bereits neben dem Toten beraten. Man hat Sie als den Mörder bezeichnet, und José soll der Capanga sein.«

»Sehr nett«, erwiderte Sun Koh belustigt. »Sie halten mich also für einen Mörder?«

Erschreckt bog sie den Kopf zurück.

»Ich? Nein, ich nicht! Aber die Geraldos tun es, und José muß ausführen, was ihm aufgetragen worden ist, sonst wird er ausgestoßen.«

»Ach so«, sagte Sun Koh, »er ist schließlich gebunden. Eine sehr unangenehme Aufgabe ist es schon. Wie dachten Sie sich denn, daß ich ihm und Ihnen helfen könnte? Erwarten Sie, daß wir uns widerstandslos töten lassen?«

»Nein, das können Sie natürlich nicht. Aber es genügt, wenn Sie noch heute nacht fortreiten. Wenn José Ihre Spur nicht mehr finden kann, muß er heimkehren, und dann wird es ihm niemand übelnehmen. Ja, das würde gehen. Ich will Ihnen genügend Vorräte einpacken, daß…«

»Es hat noch Zeit«, unterbrach Sun Koh ihren Eifer. »Der Vorschlag ist nicht schlecht, wenigstens nicht für Ihren José, aber er hat einen großen Nachteil.«

»Ja?«

»Da weder ich noch meine Begleiter Francisco Geraldo ermordet haben, würden wir ganz unschuldig den Ruf von Mördern übernehmen. Der wirkliche Mörder aber könnte sich ungestraft über seine Tat freuen. Ich kann nicht fort, solange der Mörder nicht gestellt ist.«

Sie preßte die Hände vor der Brust zusammen.

»Aber es ist doch viel wichtiger, daß José nicht stirbt!«

»Ich töte so leicht nicht, selbst wenn man mich angreift. Ich verspreche Ihnen, daß ich alles tun werde, um ihm keinen Schaden zuzufügen. Wird er mit dem Messer oder mit der Pistole kommen?«

»Das weiß ich nicht. Der Capanga kann es halten, wie er will.«

»Er kann also auch von hinten schießen?«

»Ja, aber José wird das nicht tun. Er ist sehr mutig.«

»Um so besser«, meinte Sun Koh. »Was sehen denn Ihre Sitten für den Fall vor, daß ich ihn entwaffne und ihn zu meinem Gefangenen mache?«

Sie schüttelte wieder den Kopf.

»Das gibt es doch gar nicht! Der Capanga tötet den Mörder, oder er wird getötet.«

»Aber was würde die Einwohnerschaft von Valdina dazu sagen?«

»Nichts«, antwortete sie verwundert. »Wenn es sich um eine Rache handelt, mischt sich niemand ein. Das ist streng verboten.«

»Aber die Polizei?«

»Es gibt keine Polizei bei uns!«

»Dann könnte ich José also fesseln und hier ins Haus als Gefangenen bringen, die Erlaubnis Ihres Vaters vorausgesetzt?«

»Ja. Meinen Vater dürfen Sie aber nicht fragen. Er muß so tun, als ob er von nichts wüßte. Nur die Familie wird sich darum kümmern. Sie wird von neuem beraten und vielleicht einen anderen Capanga ernennen. Aber die Geraldos können das nicht mehr, weil eine Frau nicht Capanga sein darf. Und die anderen Männer sind zu alt.«

»Ausgezeichnet«, meinte Sun Koh. »Dann hoffe ich, daß ich Ihren José bald Ihrer Pflege anvertrauen darf.«

 

*

 

Am nächsten Vormittag schlenderte Sun Koh allein durch die langgezogene Hauptstraße des Ortes. Er wollte José Geraldo eine Gelegenheit geben.

Hinter ihm tuschelten die Menschen, aber niemand machte eine laute Bemerkung.

Sun Koh hatte den Kirchplatz schon fast erreicht, als er eilende Schritte hinter sich hörte. Ein junger Mann kam hinter ihm hergestürmt. Das mußte wohl José Geraldo sein.

Sun Koh schritt nach einer flüchtigen Kopfwendung weiter. Jetzt kam wenige Meter hinter ihm der Anruf.

»Halt, Fremder!«

Sun Koh wandte sich um. Er bemerkte einige Neugierige, die sich an den Toreinfahrten der Gehöfte eingefunden hatten und die Hälse reckten.

José Geraldo war bleich vor Erregung. Viel älter als zwanzig konnte er nicht sein. Er machte einen angenehmen Eindruck.

»Halt!« wiederholte José ganz unnötig. »Ich bin José Geraldo. Sie haben meinen Bruder ermordet. Sein Blut…«

»Einen Augenblick!« unterbrach Sun Koh mit einer Schärfe, die Josés Bewegung unterbrach. »Man nennt einen Mann erst dann einen Mörder, wenn man es beweisen kann. Ihr Bruder war mein Freund, er ist nicht durch mich oder meine Begleiter gestorben!«

José Geraldo lachte höhnisch auf.

»Das sagt jeder Mörder, wenn der Rächer vor ihm steht.«

Der junge Mann war nicht mehr aufzuhalten. Er riß seine Pistole heraus.

Sun Koh schoß von der Hüfte aus. Geraldos Pistole flog weg. Unsäglich verwundert brachte José die Hand, die etwas von dem harten Schlag abbekommen hatte, halb hoch. Doch dann kam er wieder in Bewegung. Mit einem Aufschrei riß er sein Messer aus dem Gürtel und stürzte sich auf Sun Koh.

Sun Koh fing den Stoß mit dem Arm auf, José beschrieb einen Kreis um seine eigene Achse, während das Messer wegflog und sein Arm auf den Rücken wanderte. Bevor sich José noch von seiner Überraschung erholen konnte, hakte sich schon Sun Koh in seinen anderen Arm ein und drückte ihm das Handgelenk herum, so daß José vor Schmerz stöhnte.

»Kommen Sie mit!« befahl Sun Koh kurz. »Ich hoffe, Sie sehen ein, daß Sie sich völlig in meiner Gewalt befinden und daß Ihnen ein Widerstand höchstens das Handgelenk kostet.«

Wenn José es auch nicht einsah, so fühlte er es doch deutlich. Er ging mit. Sein Gesicht war von Wut, Scham und Enttäuschung verzerrt, aber es blieb ihm nun einmal nichts anderes übrig, als zu gehorchen.

Details

Seiten
161
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738922189
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (August)
Schlagworte
taschenbuch gaucho

Autor

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Titel: Sun Koh Taschenbuch #27: Der singende Gaucho