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Experiment mit der Ewigkeit

2018 129 Seiten

Leseprobe

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Experiment mit der Ewigkeit

Copyright

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Experiment mit der Ewigkeit

von W.W. Shols

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 129 Taschenbuchseiten.

 

Man nennt Perry Barnett den „Rebellen des Weltraums“. Sein Name ist in aller Munde, seitdem er ein neues Kapitel in der Menschheitsgeschichte einleitete. Als Kapitän des sagenhaften, heroischen Rebellenschiffes „Cora“ begab er sich zu den Prokas und schuf die Voraussetzungen für Friedensverhandlungen, mit denen nun ein langer, furchtbarer Krieg beendet werden soll.

Aber während Diplomaten beider Weltraummächte auf Poldini II die Friedensbedingungen aushandeln, wird ein Proka ermordet. Die Prokas behaupten, ein Mensch sei der Mörder, und zwar kein anderer als Praxlomza, der Freund Perry Barnetts. Praxlomza entzieht sich einer Festnahme durch die Flucht in den Weltraum. Der Friede ist bedroht. Er kann nur gerettet werden, wenn Praxlomza den prokaskischen Gerichten ausgeliefert wird.

In dieser kritischen Stunde der Weltgeschichte erhält Perry Barnett den Auftrag, Praxlomza zu jagen und auszuliefern. Er allein ist fähig, den Flüchtigen aufzuspüren. Was wird Perry Barnett tun? Entscheidet er sich für den Frieden oder für den Freund?

 

Sprachgebrauch und Wertvorstellungen entsprechen der Entstehungszeit der Romane und unterlagen seitdem einem steten Wandel. Der vorliegende Roman enthält unter anderem stereotype Begriffe und Vorstellungen, die aber zur Entstehungszeit des Romans in den 1950er Jahren gängige Sprachpraxis waren und nicht als diskriminierend empfunden wurden.

Da Romane nur vor dem Hintergrund ihrer Zeit in sich stimmig sind, wurde auf eine sprachliche Glättung ebenso verzichtet wie auf eine Anpassung heute nicht mehr zeitgemäßer Wertvorstellungen oder inzwischen widerlegter wissenschaftlicher Ansichten.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

1

Perry Barnett hatte dreimal ein Geräusch gehört, aber nichts Verdächtiges entdecken können. Beim vierten Male wußte er, daß es hinter der hohen Mauer des Gartens verursacht worden war. Unwillig verließ er den bequemen Liegestuhl und den kühlenden Schatten der dichten Ziersträucher, um der Störung auf den Grund zu gehen.

Die Mauer war vom Garten aus mannshoch. Auch Barnett konnte nicht hinübersehen. Er sah nur zwei zierliche weiße Hände, die sich in den rauhen Stein verkrampft hatten.

„Warum kommen Sie nicht durchs Tor?“ rief er. Die Hände zuckten etwas, blieben aber auf der Mauer liegen.

„Das Tor ist bewacht“, kam die Antwort. Die Stimme gehörte keinem weiblichen Wesen, wie er zuerst vermutet hatte.

„Okay“, erklärte Barnett. „Warte! Ich hole dich herüber!“

Er arbeitete sich ohne Rücksicht auf seinen Anzug auf die Mauer hinauf und half dem Jungen. Als beide glücklich im Garten standen, grinsten sie.

„Komisch, was?“ sagte der Mann. Der Junge nickte nur.

„Komm in die Laube. Dort ist auch Platz für zwei.“

Der Empfang war sehr unkonventionell. Der Junge hatte offenbar größere Schwierigkeiten, vor allem aber mehr Fragen erwartet. Aber der Mann schwieg hartnäckig. Wenigstens für eine Weile, während der er den seltsamen Besucher ungeniert musterte.

„Du bist vierzehn Jahre alt.“

„Genau. Woher wissen Sie das?“

„Ich habe es erraten. Du bist außerdem das Kind eines Sol-Sirius-Delegierten …“

„Jawohl, Sir. Sie kennen mich?“

„Nein, natürlich nicht. Aber welcher Mensch könnte wohl auf diesem Planeten wohnen, wenn er nicht irgendwie zur Delegation gehörte? Du heißt Barth, stimmt’s.“

Der Junge rutschte ungemütlich in seinem Stuhl hin und her.

„Sie kennen mich also doch.“

„Keineswegs. Ich kenne nur deinen Vater. Du siehst ihm sehr ähnlich.“

„Fatal! Jetzt wissen Sie alles über mich.“

„Alles?“ Barnett lachte. „Dann wärest du ein sehr langweiliger Mensch. Und das kannst du nicht sein, wenn du nach deinem Vater schlägst.“

„Daddy ist wahrhaftig nicht langweilig. Aber Sie sind es auch nicht.“

„Wie hast du das so schnell herausbekommen?“

„Ich weiß, daß Sie Barnett sind … Verzeihung, daß Sie Mister Barnett sind.“

„Laß den Mister weg. Auf welcher altmodischen Schule hast du diese Anrede gelernt?“

„Auf Sohle fünfzig, Terra-Town eins.“

„Tatsächlich, ich hätte es mir denken können. Aber ich kann mir deinen Vornamen nicht denken. Mit der Telepathie hapert es bei mir immer noch etwas, obwohl die Prokas mir das ganze Haus mit Gedankenrelais vorgestellt haben.“

„Ich heiße Kurt. – Kurt Barth.“

„Okay, Kurt. Und jetzt brauchst du ein Autogramm.“

Der Junge schüttelte den Kopf. „Nein Sir, eigentlich nicht …“

„Dann möchte ich wissen, weshalb ich mir die Hände an der Mauer zerschunden hast.“

„Ich wollte Sie etwas fragen.“

„Konnte dir das kein anderer beantworten?“

„Die Leute reden viel. Aber das verträgt sich alles nicht miteinander! Sie sagen, Sie wären früher ein Verbrecher gewesen.“

„So, sagen sie das?“

„Ja, Jimmy Warner erklärte gestern noch, es könne gar nicht gutgehen, was die Menschen hier auf Poldini II machen. Sie wären ein Deserteur. Und nun soll Ihnen die Welt plötzlich den Frieden verdanken. Sie sagte, jetzt wären wir schon ein Vierteljahr bei den Prokas. Die Kugelwesen wollten uns aber nur hinhalten. Eines Tages würde der ganze Waffenstillstand platzen, und die Prokas schlügen dann endgültig zu, um die Menschen zu vernichten. Und Sie trügen die Schuld. Weil Sie ein Verbrecher sind.

Für uns Jungen sind Sie ein Held, Sir. Wenn wir Menschen und Prokas spielen, dann ist es eine Ehre für den, der Barnett sein darf. Ich möchte eigentlich nur wissen, wie es wirklich war. Denn ich weiß ja, daß man Sie vor Monaten noch durch die Regierung hat suchen lassen. Aber irgend etwas kann doch da nicht stimmen. Wenn Sie ein Verbrecher wären, dann würden Sie jetzt auf Sohle hundertdreizehn im Zwangsarbeitslager sein.“

„Verbrecher hat mich bis heute noch keiner meiner Vorgesetzten genannt. Da kannst du ganz beruhigt sein. Trotzdem stimmt es aber, daß ich keine völlig reine Weste habe. Weißt du, in einem Krieg, der beinahe tausend Jahre gedauert hat, ist es schwer, eine reine Weste zu behalten. Ich war ein Rebell und Deserteur. Und das noch nicht einmal aus freiem Willen. Das Gehirn hat mich dazu gezwungen. Das Gehirn wollte es so.“

Kurt sah den Weltraumfahrer verständnislos an.

„Wenn es so kompliziert ist, brauchen Sie nicht darüber verwundert zu sein, was die Leute von Ihnen erzählen.“

„Ich wundere mich auch nicht. Ich begreife es selbst kaum. Auch heute noch erscheint mir alles wie eine Hexerei.“

„Bitte, Barnett, erzählen Sie!“

„Ja, weißt du, es ist schwer, den Anfang zu finden. Hast du schon einmal die Plakate auf Terra mit den wirklichen Prokas verglichen?“

„Die Plakate waren falsch. Daddy sagte, das hätte man wegen der Propaganda gemacht. Es wußte ja keiner so recht, wie die Prokas aussahen.“

„Siehst du. Und Propaganda hat viel mit Psychologie zu tun. Die Prokas sind beinahe rund wie eine Kugel. Doch eine Kugel wirkt nicht abschreckend. Zur Stärkung der Kampfkraft aber gehört der Haß gegen die Feinde. Darum hat man sie menschenähnlich dargestellt und verzerrt. Man hat aus den Gegnern Teufel gemacht. Und umgekehrt die Prokas. Der Haß war mit dem Krieg in eine Sackgasse gerannt. Das Gehirn hatte eine Wahrscheinlichkeitsrechnung aufgestellt, nach der der Krieg noch etwa achthundert Jahre dauern würde. An seinem Ende hätte die totale Vernichtung beider Rassen gestanden. Der Krieg konnte nur durch einen Rebellen beendet werden.“

„Das verstehe ich nicht.“

„Paß auf! Beide Zivilisationen lebten in der Gewißheit, daß der Gegner zu keinem Kompromiß bereit sei. Jeder sah in dem anderen die Rasse, die nach der absoluten Vernichtung des Feindes trachtete. Es gab nur rein theoretisch die Möglichkeit, daß die anderen zu Friedensverhandlungen bereit seien. Und um das festzustellen, drängte das Gehirn einige hundert ausgewählte Leute in die Rebellion. Es waren Männer, die völlig aus eigener Initiative heraus die Verbindung mit dem Gegner suchten. Zunächst, um ihn zu vernichten. Doch das Gehirn sah in einem solchen persönlichen Kontakt zwischen den Individuen die Möglichkeit, daß sie sich eines Tages nicht mehr töten würden, daß ein Gespräch zustande käme. Bei mir hat es schließlich geklappt. Ich war ein besonderer Rebell, ich hatte den Gedanken an den Frieden in meinem Gehirn aktiviert. Du weißt, daß die Prokas eine starke telepathische Veranlagung haben. Ich hatte nur den Wunsch nach Frieden. Für einen Augenblick, weißt du. Und diese Sekunden entschieden das Schicksal der Galaxis. Die Prokas, denen ich begegnete, waren Wissenschaftler und keine Militärs. Sie verstanden es, uns beizubringen, daß auch sie den Frieden wollten …“

„Demnach hat nie ein Mensch zuvor an den Frieden gedacht, wenn er einem Proka gegenübertrat.“

„Meistens war die Zeit zu kurz. Aus Prinzip wurde zuerst geschossen und dann gefragt. Ich kannte jemanden von unserer Besatzung, der schon für längere Zeit bei den Prokas gewesen war. Auch solche Leute muß es vereinzelt gegeben haben. Doch die waren in der Regel eingefleischte Krieger ohne Objektivität. Oder sie dachten nur an ihre Geschäfte. Die meisten hatten Angst. Und aus der menschlichen Angst hat noch kein Proka unsere Sehnsucht nach Frieden abgelesen.“

„Dann sind Sie also doch ein Held“, stellte Kurt fest. Barnett lächelte.

„Sie hatten keine Angst. Sie dachten an den Frieden.“

„Ich hatte wenig Anlaß, mich zu fürchten, mein Junge. Weißt du, die Prokas waren meine Gefangenen. Wir hatten in einem Duell ihr Schiff vernichtet und Iks-Wol-Esak und Nam-Legak gerettet. Auf diese Weise kam ein längeres Gespräch zustande. Es muß damals vor einem guten Vierteljahr wohl das längste Gespräch gewesen sein, das jemals zwischen Prokas und Menschen geführt worden war.“

„Bis damals, Sir. Heute dauern die Debatten tage- und wochenlang.“

„Es geht um den Frieden, Kurt. Wir haben einen totalen Waffenstillstand. Damit ist schon viel erreicht. Man tötet sich nicht mehr gegenseitig. Jetzt müssen wir Geduld haben.“

Der Junge sah Barnett glücklich an. „Ich bin froh, daß Sie kein Verbrecher sind, Sir. Ein Rebell ist etwas ganz anderes …“

Er hatte plötzlich ein kleines Buch in der Hand und hielt es dem Helden seiner Jugend hin.

„Also, doch ein Autogramm.“

„Als Quittung, Sir. Die anderen glauben sonst nicht, daß Sie mir ein Interview gegeben haben.“

Barnett aber schrieb mehr als seinen Namen. Er schrieb: „Meinem Freunde Kurt Barth. Perry Barnett, Rebell des Weltraums.“ Und das Datum mit der Jahreszahl 13 267.

Das Glücksgefühl hatte sich auf den erwachsenen Mann übertragen. Er konnte nicht anders, als Kurt seinen Freund nennen. Die Begegnung war schöner als jede andere in seinem bisherigen Leben. Er dachte daran, wie er zum ersten Male Cora sah, wie zum ersten Male ein rundes Prokawesen auf ihn zukam. Das war alles anders gewesen.

Der Junge ahnte nichts von den Gedanken des Mannes, der plötzlich nicht mehr jung war, der sekundenlang Rückschau auf sein bisheriges Leben hielt.

Sie hätten sich jetzt eigentlich die Hände reichen und auf Wiedersehen sagen müssen. Das Interview war beendet, und im Rat der Prokas begann in wenigen Minuten eine neue Sitzung. Die einhundertvierundzwanzigste seit Beginn der Friedensverhandlungen.

Doch es kam anders.

Kurt spürte es plötzlich hinter sich. Etwas Fremdes, das er als Drohung auffaßte, weil er es nicht kannte. Barnett riß den erschrockenen Jungen an seine Seite.

„Keine Angst, Kurt. Nam-Legak ist unser Freund.“

Trotzdem fiel es einem Uneingeweihten schwer, keine Angst zu verspüren. Denn die Annäherung des Kugelwesens war beinahe irreal. Im Garten stand nur ein Bild, während das Wesen selbst irgendwoanders weilte. Sie hatten die Energieglocke vor sich, die Barnett von seiner ersten Begegnung mit einem Proka in Erinnerung hatte. Sie traten in das transparente Bild, und Nam-Legaks Körper mischte sich mit ihren Beinen.

„Wenn du mich an den Beginn der Sitzung erinnern willst, Nam, dann bedenke, daß ich selbst einen genaugehenden Wecker besitze. Oder wolltest du unserem jungen Freunde hier eure prokaskischen Tricks zeigen?“

„Unsere Tricks gehen euch Menschen in der Regel auf die Nerven, solange ihr sie nicht kennt. Wenn ich dich auf diese Weise besuche, dann also nur, weil es eilig ist. Ich habe dir etwas Wichtiges zu erklären, Perry, und möchte, daß du den Jungen wegschickst.“

„Ich verschwinde schon“, beeilte sich Kurt zu sagen. Barnett gab dem Jungen einen Klaps auf die Wange. „Komm morgen wieder!“

Nam-Legak wartete, bis Kurt hinter der Mauer untergetaucht war.

„Du mußt sofort aus deinem Haus verschwinden, Perry! Nimm aber nicht die Flugkuppel.“

„Verdammt! Willst du das nicht etwas genauer erklären? Ich muß jetzt zur Sitzung und nehme den Flitzer. Zu Fuß dürfte ich kaum vor Ende der Debatte eintreffen.“

„Du tust nichts dergleichen“, widersprach Nam-Legak energisch. „Die Sitzung fällt für dich aus. Und wenn du nicht umgehend dein Haus verläßt und dich nicht unauffällig zu mir begibst, dann ist deine Freiheit keinen Solar mehr wert.“

„Was ist denn passiert?“

„Ein Mord.“

 

 

2

Nam-Legaks Energiebild löste sich auf. Obgleich Barnett die Forderung des Prokas völlig absurd vorkam, handelte er dennoch danach. Er kannte das Gefühl, Verfolger hinter sich zu wissen. Deshalb ging er auch nicht mehr ins Haus, wo er bereits dem ersten Ordnungshüter in die Arme laufen konnte. Er nahm den Weg, den Kurt gegangen war. Den Sprung über die Gartenmauer.

Jenseits der Mauer lag ein städtischer Park mit dichtem Baumbestand. Das Unterholz bot genügend Deckung, und Barnett hastete im Dauerlauf in der Richtung von Nam-Legaks augenblicklicher Dienstwohnung davon.

Es war von Vorteil, daß jeder Teilnehmer an den großen Friedensverhandlungen ein eigenes Haus zur Verfügung gestellt bekommen hatte. Der Friede für ein ganzes Milchstraßensystem rechtfertigte den Aufwand. Und diese Sachlage machte es möglich, daß Barnett unerkannt zu Nam-Legak hineinschlich und dort ohne Zeugen mit dem Proka sprechen konnte.

Nam-Legak war allein. Er zerrte den Menschen mit seinen langen Armen aufgeregt durch die Tür und ließ sie sofort wieder zurollen.

Der Kugelmann hüpfte voraus in einen größeren Salon. Er war auf Menschenbesuch nicht eingerichtet, doch die dicken, weich gepolsterten Stand- und Ruhekissen eigneten sich recht gut, daß sich ein Mensch darauf setzte. Er mußte nur die Knie ein wenig anziehen.

Erst als Barnett bequem saß, spürte er etwas von der Aufregung des Prokas auf sich übergreifen.

„Für einen Scherz, Nam, bist du nicht der richtige Mann. Du sprichst von einem Mord, und du bringst mich offenbar damit in Verbindung. Denn sonst wären deine Befürchtungen um meine Sicherheit doch sinnlos.“

„Im Augenblick ist kein Mensch sicher.“

„Man sagt – kein Mensch. Meinst du auch die Prokas damit?“

„Ich meine nur die Menschen. Denn ein Mensch ist der Mörder. Sogar einer, der dir sehr teuer ist.“

„Einer von der Besatzung?“

Nam-Legak bejahte, indem er zustimmend mit seinen drei Armen schlug. „Praxlomza“, erklärte er.

Perry Barnett wollte aufspringen, besann sich aber rechtzeitig, bevor sein Kopf gegen die Decke stoßen konnte.

„Das glaube ich nicht eher, als bis es mir bewiesen wird. Bei der Cora-Besatzung gibt es keinen, der weniger für einen Mord in Frage kommt als ausgerechnet Praxlomza. Wen soll er denn umgebracht haben?“

„Einen Proka. Man hat die Leiche noch nicht identifizieren können. Papiere hatte der Tote nicht bei sich.“

„Wo ist es passiert?“ fragte Barnett.

„In Praxlomzas Haus.“

„Dann muß der Fremde sein Gast gewesen sein. Und jeder Proka, der Prax kennt, ist auch in der Delegation der Person nach bekannt.“

„In diesem Falle nicht“, stellte Nam-Legak unwillig fest. „Ich gebe dir den guten Rat, Perry, kümmere dich nicht um die Identität des Toten. Es geht um deine Sicherheit.“

„Das ist Unsinn“, widersprach der Mensch in Unkenntnis der prokaskischen Gesetze. „Wenn der Tote nicht hierhergehörte, dann war er auch für Prax ein Fremder. Ich schätze, es handelt sich um einen Fall von Notwehr oder Hausfriedensbruch. Und der Tote wäre damit gleichzeitig der Schuldige.“

„Deine Schlußfolgerungen sind scheinheilig, Perry. Ich weiß nicht, ob ihr Menschen alle so denkt. Aber es ist doch Wahnsinn, einem Ermordeten die Schuld für die Tat des Mörders zuschreiben zu wollen!“

„Nach dem menschlichen Rechtsgefühl gibt es auch Totschlag und Unglücksfälle. Es ist durchaus möglich, daß Praxlomza unter Bedrohung seines Lebens provoziert wurde.“

Nam-Legaks vibrierender Körper verriet seine Erregung.

„Es ist unmöglich, daß wir uns ausgerechnet jetzt über die Unterschiede menschlicher und prokaskischer Rechtsauffassung streiten. Der Mord geschah hier auf Poldini. Und du mußt dich damit abfinden, daß unsere Polizei und die Richter den Fall so sehen, wie sie es gewohnt sind.“

„Und wie sind sie es gewohnt?“

„Sie werden auch Praxlomza töten, sobald sie ihn gefaßt haben.“

„Sobald sie ihn gefaßt haben? Ist er geflohen?“

„Ja. Und damit hat er auch seine Schuld eingestanden …“

„Natürlich, bei der Primitivität eurer Beweisführung liegt das auf der Hand. Verdammt, Nam, ich habe dich und deinen Freund als Wissenschaftler kennengelernt, deren geistiges Niveau uns Menschen oft zu Halbwilden degradierte. Aber im Augenblick scheinen mir die Rollen vertauscht zu sein.“

„Ich rate dir, dich an die Tatsachen zu halten.“

„Nun gut, weiß jemand, wohin sich Praxlomza gewandt hat?“

„Natürlich nicht. Sonst wäre seine Festnahme nur eine Frage der Zeit.“

Perry Barnett atmete hörbar auf.

„Prax ist also verschwunden. Eure Polizei ist nicht auf dem Posten, muß ich sagen. Aber, bitte, mir kann es nur recht sein. Ich habe nämlich kein Interesse daran, daß man ihn erwischt.“

Nam-Legak teilte diese Zufriedenheit nicht. Seinen Körper durchrieselte noch immer das leichte Zittern, mit dem jeder Proka seine Erregung verrät.

„Warum kannst du nicht einmal einen Augenblick an dich denken?“

„Wieso an mich? Du hast verlangt, daß ich hierher komme. Ich bin da. Und du siehst, daß ich dir vertraue, obgleich ich ein Mensch bin, dessen Artgenosse einen Proka getötet hat. Über eure Bräuche bin ich schließlich soweit orientiert, daß man mich mit Gewalt nicht einmal durch einen Haftbefehl aus deinem Haus holen kann.“

„Die Wohnung ist tabu. Sie ist unantastbar.“

„Die Wohnung eines Prokas“, entgegnete Barnett nicht ohne Zynismus. „Bei euren menschlichen Gästen nehmt ihr dieses Gesetz offenbar nicht so genau.“

„Wie soll ich das verstehen?“

„Du kannst dich dumm stellen, mein Guter. Warum sollte ich so eilig mein Grundstück verlassen?“

„Nun, ja! Wahrscheinlich bist du dort tatsächlich nicht so sicher. Doch auch das Tabu meiner Wohnung ist nur eine scheinbare Geborgenheit.“

„Ich verstehe“, nickte Barnett. „Ich kann mir denken, daß es für dich unangenehm werden könnte, wenn sie herausbekommen, daß ich hier bin.“

„So ist es.“

Für eine Weile herrschte Stille, und die beiden artfremden Wesen versuchten gegenseitig in den Gedanken zu lesen. Ohne Telepathierelais wollte das heute jedoch nicht so recht gelingen, denn die Gedanken waren ungeordnet und hektisch. Sie überlagerten und störten sich, daß ohne akustische Hilfe kein Gespräch möglich war. Barnett brach schließlich das Schweigen.

„Ich wäre ein Schweinehund, wenn ich dich auf diese Weise in Schwierigkeiten brächte, Nam-Legak. Aber mir will es nicht in den Schädel, weshalb man mich haben will, wenn man genau weiß, daß Praxlomza der Täter ist. Sucht man ein Ersatzopfer, weil man ihn nicht erwischt hat?“

„Ich kann es nicht sagen. Ich weiß nur, daß man hinter dir her ist. Ich habe bei der Ordnungseinheit, die die Bewachung des Konferenzpalastes durchführt, gehört, daß man dich sucht.“

„Und zu welchem Zweck?“

„Wenn Selam-Yak die Aufgabe erhält, nach dir zu forschen, dann hängt eine Verhaftung dahinter. Das hat mir vollkommen genügt, um sofort nach Hause zu gehen.“

„Wer ist Selam-Yak?“

„Der erste Ordnungs-Offizier der Einheit.“

„Hör zu, Nam. Wie könnte man herauskriegen, daß ich hier bin? Du darfst dabei voraussetzen, daß mich niemand gesehen hat, als ich hierherkam.“

„Der dümmste Polizist wird nach weniger als drei Fehlschlägen auf mich kommen. Zwischen Iks-Wol-Esak und uns beiden fand die Begegnung statt, die zu den Friedensverhandlungen geführt hat. Man weiß, daß wir Freunde sind …“

„Na, schön, aber du sagtest, sie dürften nicht herein, wenn du ihnen den Zutritt verweigerst. Dein Haus ist tabu.“

„Natürlich, sie können uns unmittelbar nicht fassen. Als Prokabürger habe ich jedoch die Pflicht, dich auszuliefern.“

„Und warum tust du es nicht?“

„Weil ich offiziell noch nichts davon weiß, daß man dich sucht.“

„Hm, und wenn sie es dir mitteilen, wenn sie es verbreiten, daß es jeder Bürger wissen muß?“

„Ich weiß nicht, dann …“

„Was würde geschehen, wenn du leugnest, mich hier zu verstecken?“

„In dieser Mordsache wäre mir das Todesurteil sicher.“

„Verdammt, eure Kugelzivilisation wird mir allmählich unheimlich. Man kann doch meiner Person nicht eine solche Bedeutung beimessen, wenn Prax der Täter ist. Irgend etwas stimmt doch da nicht …“

Barnett zuckte zusammen. Diese letzte Antwort war nicht von Nam-Legak gekommen. Sie war klar gewesen. Aber ohne jede akustische Unterstützung. Er sah den Proka an.

„Wer ist das?“

„Ich glaube, ich gehe an die Tür.“

Barnett empfand plötzlich Angst. „Warte, Nam! Laß mich verschwinden, wenn es eure Polizei ist. Ich stelle mich draußen. Aber dich soll man in diese Sache nicht hineinziehen.“

Merkwürdigerweise war der Proka ruhiger geworden. Er rollte unbeirrt zur Tür.

„Vor dem Haus steht Iks-Wol-Esak. Ich werde ihn hereinlassen …“

„Der Philosoph und der Terra-Kapitän“, war Iks-Wol-Esaks erste entrüstete Bemerkung. „Ihr unterhaltet euch hier mit einer Intensität, die einfach unglaublich ist. Wer ein schlechtes Gewissen hat, der sollte seine Gehirnwellen auf die schwächste Berieselung einstellen, die nur möglich ist.“

„Woher weißt du, daß wir ein schlechtes Gewissen haben?“ wollte Nam wissen.

„Ich habe zwei Minuten vor dem Haus gestanden und euer unsinniges Gespräch verfolgt. Wenn euer persönliches Schicksal tatsächlich so sehr in Gefahr wäre, wie ihr glaubt, dann hättet ihr längst das Interesse von etlichen Denunzianten erregt.“

„Willst du vielleicht behaupten, Barnett würde nicht verfolgt?“

„Er wird gesucht, weiter nichts.“

„Weiter nichts? Selam-Yak sucht ihn. Was das bedeutet, brauche ich dir wohl nicht erst zu erklären.“

„Du kannst es nicht erklären, weil du es nicht weißt. Es ist wohl besser, daß ich das übernehme.“

„Was weißt du, Iks?“ forschte Barnett.

„Ich weiß einiges, das euch zur Beruhigung gereichen wird. Anderes wieder ist sehr bedenklich. Praxlomza hat den Unbekannten bereits in dieser Nacht getötet. Er wäre niemals entkommen, wenn man die Leiche früher entdeckt hätte.“

„Ist er denn entkommen?“

„Allerdings. Denn sonst hätte man ihn längst gefaßt. Die Ordnungskräfte haben jeden Quadratmeter dieses Planeten unter Kontrolle.“

„Demnach ist Prax in den Raum entwischt?“

„Wahrscheinlich. Im Laufe der Nacht sind fünf Privatschiffe mit Sondervollmacht gestartet. Ihr wißt, daß Praxlomza als Angehöriger der Delegation eine solche Vollmacht besitzt. Er hatte keine Schwierigkeiten mit dem Flugplatzpersonal.“

„Aber er besitzt kein Schiff und keine Mannschaft.“

„Er hat die ‚Cora’ mitgenommen.“

Barnett sprang auf.

„Prax ist nichts als eine gute Hilfskraft auf einem Raumschiff. Der bekommt eine Maschine der Beteigeuze-Klasse nicht zehn Zentimeter vom Boden weg.“

„Man vermißt außer ihm Lisman und Lavesta. Und Lisman ist inzwischen ein vollwertiger Pilot.“

„Also Lisman hat ihm geholfen.“ Barnett knirschte mit den Zähnen. „Ich hätte es mir denken können.“

„Deine Gedanken sind sehr durcheinander“, mischte sich Nam-Legak ein. „Du solltest dich freuen, daß den dreien die Flucht geglückt ist. Statt dessen bist du wütend, daß sie dein Schiff entführt haben.“

„Es war nicht einmal mein Schiff. Du weißt genau, daß ich es lediglich nach Cox’ Tod übernahm.“

„Eure Gerichte werden es Cora als Erbe zuschreiben. Und du wirst sie heiraten …“

Der Logiker trat dem Philosophen leicht auf das Ende des rechten Armes.

„Ich schlage vor, wir brechen die Party hier ab. Wenn auch die heutige Sitzung der Friedensdelegation ausfällt, so ist im Palast trotzdem der Teufel los. Du solltest mitkommen, bevor Selam-Yaks Leute dich hier aufstöbern.“

„Was will man von mir?“ fragte Barnett.

„Man will, daß du dabei bist. Selam-Yak hat natürlich sofort die Zentralregierung informiert. In etwa einer Prokastunde wird unser Oberhaupt Que-Talak auf Poldini II erwartet.“

Perry Barnett überlegte kurz.

„Wenn Selam-Yak mich rufen läßt, so überschreitet er damit seine Kompetenzen. Ich unterstehe einzig und allein dem Befehl meines Ministers.“

„Nam wird nichts dagegen haben, daß du Skeen anrufst. Es ist sogar besser, wenn du dich vorher mit ihm verständigst.“

„Wie soll ich das machen? Ich habe kein Funkgerät bei mir. Und mit euren Telegrafen können Menschen nichts anfangen. Hast du ein Fahrzeug da? Ich möchte meine Wohnung aufsuchen. Von dort aus kann ich Skeen per Telefon anrufen.“

Kaum hatte die Maschine im Garten aufgesetzt, so rannte der Mensch schon ins Haus und stürzte ans Telefon. Er wählte Skeens Nummer, erhielt von dem Roboter aber lediglich die Antwort, daß der Marinepsychologe und Minister zur Sitzung geflogen sei.

Sie flogen also weiter zum Palast.

Auf dem weiten Vorplatz wimmelte es von Prokas. Es handelte sich zweifellos um eine Massendemonstration, die eine Landung auf dem Feld unmöglich machte. Nam-Legak wählte deshalb das Dach zum Aufsetzen. Auch hier war das Gedränge größer, als es die Verkehrsvorschrift zuließ. Doch Nam-Legak erhielt sofort Landeerlaubnis, als er bekanntgab, daß Perry Barnett an Bord sei.

Auf dem Dach hielten sich außer den Parkwächtern mehrere Leute der prokaskischen Ordnungsorgane auf. Eine recht stattliche Kugel machte sich sofort an die drei Ankömmlinge heran. Aus seinem Gehirn sprudelte ein Hagel von Gedanken, daß Barnett auch mit Unterstützung seines Telepathierelais Mühe hatte, den Wortlaut zu verstehen. Immerhin begriff er den Sinn und wartete gar nicht erst ab, daß einer seiner Begleiter sich als Dolmetscher einschaltete.

„Ich habe volles Verständnis für Selam-Yaks Wunsch, mich zu sprechen. Ich verlange jedoch, daß man mir vorerst Gelegenheit gibt, Skeen zu sehen. Alle Menschen auf Poldini II unterstehen keinem anderen als ihm.“

„Ihre Delegation steht geschlossen unter dem prokaskischen Strafrecht, sobald es sich um Mord handelt. Ich denke, Sie sind orientiert über den Vorfall.“

„Noch nicht ausreichend. Und eben deshalb verlange ich, meinen Minister zu sprechen. Wahrscheinlich bin ich Ihnen der Person nach bekannt. Infolgedessen werden Sie mir glauben, daß ich über sämtliche Bestimmungen orientiert bin, die die rechtliche Position der Menschen auf Poldini II regeln. Sie haben keine Handhabe, mich zu irgend etwas zu zwingen, zu dem ich nicht freiwillig bereit bin.“

Der dicke Proka stand genau vor ihm und versperrte den Zugang zum Fahrstuhl.

„Praxlomzas Verbrechen ist ein Sonderfall, der in den Abmachungen nicht berücksichtigt war.“

„Das ist Ihr Pech.“

Perry Barnett sagte es so selbstbewußt wie möglich.

Auf dem Dach wimmelte es von Prokas. Und kein einziger Mensch befand sich zwischen ihnen – bis auf Barnett. Es war nicht einmal sicher, ob Nam und Iks seine Partei ergreifen würden, wenn er es auf eine Kraftprobe ankommen ließe. Also verzichtete Barnett auf die Kraftprobe.

„Ich weiche der Gewalt, betone aber ausdrücklich, daß ich das unter Protest tue, indem ich mich auf die Immunität berufe, die mir das Gesetz über die Friedensverhandlungen zubilligt und die auch Paragraph sieben des Waffenstillstandsvertrages garantiert.“

Der Polizeimann ging auf Barnetts Rede nicht ein. Er befahl nur: „Folgen Sie mir!“

Niemand hatte etwas dagegen, daß Nam und Iks sich anschlossen.

Sie betraten einen Lift mit Kabinen. Barnett stellte mit Verwunderung fest, daß er zwischen der oberen, der 70., und der 35. Etage nicht einen Menschen hatte entdecken können. Wenn er bedachte, daß die Delegation der Sol-Sirius-Union aus zweihundertfünfundsechzig Leuten bestand, die täglich alle einmal in diesem Gebäude zu tun hatten, dann war diese Feststellung beängstigend.

Sein Verdacht, daß man sie möglicherweise alle schon verhaftet hatte, machte sich so breit in seinem Gehirn, daß die Prokas ihn bequem ablesen konnten. Doch ihm machte das nichts mehr aus. Er wunderte sich kaum noch über die Pedanterie, mit der die Prokas wegen eines Mordfalles anscheinend den Frieden der ganzen Galaxis in Frage stellten. Er ahnte einen Sinn hinter der Farce und dachte sogar an Verrat. An eine Falle, die die Kugelwesen der gesamten Menschheit mit ihrer Bereitschaft zu Friedensverhandlungen gestellt hatten.

Der Mensch spürte plötzlich einen leichten Druck auf den Füßen. Er sah an sich hinunter und erkannte, daß Iks-Wol-Esak auf seinen Schuhen stand. Die Warnung kam jedoch zu spät. Der Polizeimann erklärte mit Genugtuung:

„Ihre Gedanken, Barnett, zeigen nicht die Falschheit der Prokas, sondern Ihre eigene schmutzige Phantasie.“

Perry Barnett zuckte mit den Schultern.

„Es wird sich noch herausstellen, ob Sie das Recht haben, vor mir den Moralprediger zu spielen.“

„Dann empfehle ich Ihnen Geduld. Ich meine, für den Fall, daß Sie das Gegenteil erhoffen …“

In diesem Augenblick hielt die Kabine im dritten Stockwerk. Hier befanden sich die Zugänge zum oberen Rang des Sitzungssaales und die Büros der Delegationsprominenz beider Rassen. Die fünf unteren Etagen des Palastes wiesen eine Deckenhöhe von 2,50 Meter auf. Hier allein war es möglich gewesen, den Menschen annähernd die Größenverhältnisse zu bieten, die sie auf Grund ihrer Körpermaße brauchten.

Barnett kannte das Stockwerk wie seine Westentasche. Obgleich er kein Politiker war, gehörte er dennoch zur Prominenz der Sol-Sirius-Abordnung. Denn er allein hatte den ersten Kontakt zwischen den Gegnern hergestellt. Er war der Kapitän des Rebellenschiffes ‚Cora’.

Am Ende des Ganges lag Selam-Yaks Büro. Dort ging in diesem Augenblick die Tür auf, und ein Mensch erschien.

„Hallo, Herter!“ rief Barnett und blieb stehen. „Sie laufen noch frei herum?“

Der Staatssekretär hielt ebenfalls den Schritt an. Er hatte ein ernstes Gesicht. Doch jetzt mischte sich dem Ausdruck der Verwunderung bei.

„Weshalb sollte ich nicht frei sein?“

„Weil mir die Prokas seit einer halben Stunde nicht mehr gefallen.“

„Das beruht auf Gegenseitigkeit, mein Lieber. Ich habe das Gefühl, wir gefallen den Prokas im Augenblick auch nicht.“

„Kommen Sie weiter“, drängte der Ordnungsbeamte und ließ die Erlaubnis durchblicken, daß Nam-Legak und lks-Wol-Esak ebenfalls eintreten durften.

Das Zentral-Büro Selam-Yaks wimmelte von Intelligenzlern. Es waren mindestens ebenso viele Menschen wie Prokas anwesend. Das Gemurmel verstummte etwas, und man ließ die sechs höflich durch. Sie mußten noch zwei Vorzimmer passieren, ehe sie im Arbeitszimmer des Ordnungs-Offiziers standen. Hier sorgten schalldichte Türen und Wände für absolute Stille.

Barnett spürte eine Erleichterung beim Anblick von Skeen. Außerdem entdeckte er seinen Freund Bannister und Selam-Yak mit seinem Adjutanten. Der dritte Proka war Que-Talak, das Staatsoberhaupt aller Prokas.

„Sie haben ein Relais bei sich“, erklärte Skeen. „Denken Sie an unsere Bedingungen, Skeen-Yak!“

Das Telepathierelais wurde sofort entfernt. Skeen hatte offenbar schon ein Gefecht gewonnen, denn durch ein Relais wäre es den Prokas natürlich ein leichtes gewesen, jeden Gedanken der Menschen aufzufangen. Und umgekehrt standen die Chancen wesentlich schlechter. Trotz technischer Hilfsmittel blieben die Menschen immer noch stümperhafte Gedankenleser und ließen sich durch gewisse Gehirntricks hinters Licht führen.

„Man hat mich mit Gewalt hierhergebracht“, erklärte Barnett. „Ich möchte zunächst Sie sprechen, Skeen.“

„Sie irren, wenn Sie sich als Gefangener betrachten“, sagte Selam-Yak schnell. Skeen nickte.

„Es ist nicht notwendig, Barnett, daß wir unter vier Augen sprechen“, ergänzte Skeen. „Ich habe inzwischen mit Que-Talak und dem Ordnungs-Offizier die Verhandlungssituation klären können. Die ursprünglichen Abmachungen haben nach wie vor für beide Delegationen und für alle Prokas hier Gültigkeit. Auch der angebliche Mordfall kann daran nichts ändern. Ich darf Ihnen außerdem versichern, daß Que-Talak für das Mißliche unserer Situation Verständnis gezeigt hat. Wie weit sind Sie orientiert?“

„Ich weiß, daß Praxlomza einen bisher nicht identifizierten Proka getötet haben soll. Prax befindet sich anscheinend außerhalb dieses Sonnensystems. Er hat die ‚Cora’ zur Flucht benutzt und wahrscheinlich Isman und Lavista mit an Bord. Was mir unser Freund Nam-Legak außerdem in dieser kurzen Zeit an Kenntnissen über die prokaskische Ethik und Rechtsauffassung beigebracht hat, erscheint mir, vorsichtig ausgedrückt, sehr sonderbar.“

„Wir kommen trotzdem nicht umhin, diese Auffassung als Tatsache vorauszusetzen. Selam-Yak hat mir soeben die Resolution von fünf hiesigen Organisationen vorgelesen, mit denen der sofortige Abbruch der Friedensverhandlungen gefordert wird. Ich denke, Sie haben die Demonstration der Massen draußen beobachtet. Unsere Schwierigkeit ist, daß wir nicht begreifen können, daß das Schicksal eines Individuums plötzlich entscheidend für das Schicksal ganzer Welten sein soll. Die Schwierigkeit unserer Partner ist, daß sie neben ihrer arteigenen Einstellung unerwartet unter einem äußerst starken Druck der öffentlichen Meinung stehen.“

In diesem Augenblick trat Que-Talak in die Mitte des Raumes und zog die Aufmerksamkeit auf sich.

„Sie werfen uns Prokas vor, Perry Barnett, daß wir wegen eines Toten den Krieg erneut entfachen wollen. Das stimmt nicht. Sie sollten die Demonstration des Volkes zu verstehen versuchen. Dieser Mord hat Ihrer Rasse den Kredit genommen. Wenn die Massen spontan reagieren, dann liegt das an ihrer unkomplizierten Schlußfolgerung. Ein Mensch hat getötet, also werden die Menschen weiter töten. Diese Logik ist Ihnen unangenehm, aber Sie können sie nicht aus der Welt schaffen. Ich, als das Staatsoberhaupt aller Prokas, versichere Ihnen noch trotzdem, daß wir gewillt sind, die Friedensverhandlungen ohne Belastung für die Menschheit fortzusetzen, wenn Sie uns den nötigen Vertrauensbeweis geben.“

„Wie kann ich Ihnen das beweisen?“

„Durch die Tat.“

„Ich verstehe Sie nicht.“

„Bringen Sie Praxlomza zurück!“

Barnett verzog das Gesicht. Er starrte hilfesuchend zu Skeen hinüber. Und Skeen nickte.

„Ein Rebell hat es nicht leicht, Perry. Glauben Sie niemals, daß Sie aus der Weltgeschichte entlassen sind. Nur wenn Praxlomza hier einem ordentlichen Gericht vorgeführt wird, ist es möglich, daß das alte Vertrauensverhältnis zwischen den Delegationen wieder hergestellt wird. Nur so ist der Frieden zu retten.“

„Sie glauben doch nicht im Ernst, daß ich meinen Freund verrate!“

„Auch nicht, wenn andernfalls die Galaxis darüber zum Teufel geht?“

„Sie wollen mich mit meinen eigenen Argumenten schlagen.“

„Man hat es bereits getan. Wenn Sie den Prokas vorwerfen, daß sie die schicksalhafte Entscheidung der Geschichte von einem lächerlichen Totschlag abhängig machen, dann trifft Sie der Vorwurf, daß Sie den Frieden der Milchstraße für ein unbedeutendes Individuum opfern.“

„Aber, meine Herren, die Konsequenzen sind doch völlig überstürzt. Hat die Polizei überhaupt schon genügend Material gesammelt, um Praxlomza des Mordes zu überführen?“

„Ihr Schiffsjunge hat den Proka im Handgemenge getötet. Ihm wurde der mittlere Arm ausgerissen. Daraufhin trat sofort die Besinnungslosigkeit ein, und der Verwundete verblutete. Außerdem fanden wir ein Geschoß in seinem Körper. Also eine doppelte Todesursache. Das alles geschah in Praxlomzas Wohnung zu Beginn der Nacht. Seine Flucht bestätigt nur die Feststellung der Polizei. Im übrigen haben Sie die Garantie, daß der Mann nicht ohne Gerichtsverhandlung abgeurteilt werden kann.“

„Und wie lautet das Urteil bei schuldig?“

„Tod!“ stellte Que-Talak fest.

„Ich bin kein Verräter!“ stöhnte Barnett.

„Das ist Ihr Dilemma, Captain“, sagte Skeen mitfühlend. „Sie sind in jedem Falle ein Verräter. Sie müssen sich nur entscheiden, wen Sie verraten. Praxlomza oder die übrige Menschheit.“

Barnett blickte einmal im Kreise herum.

„Okay! Ich verrate den Freund.“

 

 

3

„Sie haben keine vollständige Mannschaft“, bemerkte Skeen mit einem Ton, der durchblicken ließ, daß er bereits wieder zur Tagesordnung übergegangen war.

„Ich habe nicht einmal ein Schiff.“

„Es gibt bessere als die ‚Cora’.“

„Aber kein schöneres.“

„Geht es heute vielleicht um Schönheit?“

„Selbstverständlich nicht, Skeen. Perkins und Bannister möchte ich auf jeden Fall wieder mitnehmen.“

„Perkins ist ein Bandit.“

„Mit diesem Banditen habe ich die ‚Cora’ geflogen, Herr Minister.“

„Schon gut, Sie sollen ihn haben. Ich besorge Ihnen noch sechs weitere Leute.“

„Drei bitte nur.“

„Wieso?“

„Für den Rest nehme ich Cora und Nam und Iks mit.“

„Eine Frau und zwei Prokas. Ich glaube, Sie sind doch eher ein Pirat als ein Soldat.“

„Die Frau ist meine Braut. Und bei den Prokas handelt es sich um Wissenschaftler.“

„Okay! Sie müssen es selbst wissen, welche Besatzung Sie nehmen. Kommen Sie mit in die Bereitschaft. Ich werde Ihnen ein paar Leute zeigen, unter denen Sie sich drei aussuchen können.“

Nachdem man sich noch über einige technische Einzelheiten geeinigt hatte, verließen Skeen, Barnett, Bannister, Nam-Legak und Iks-Wol-Esak das Büro Selam-Yaks und fuhren mit dem Lift zum Dachlandeplatz hinauf. Ein Polizist lud sie ein, in einem kleinen Flugbus Platz zu nehmen, mit dem er sie ohne Zwischenfälle auf dem Militärflughafen absetzte.

Auf dem Startfeld standen zur Zeit vier raumtüchtige Maschinen. Eine davon war ein Schiff der Beteigeuze-Klasse.

„Die muß ich haben“, sagte Barnett sofort, ohne daran zu denken, daß der Eigentümer vielleicht etwas dagegen haben konnte. Glücklicherweise nickte der Marineminister mit dem selbstverständlichsten Gesicht von der Welt.

„Wenn Sie nach der Besichtigung noch Wert darauf legen …“

„Taugt sie nichts.“ fragte Barnett.

„Ich bin nicht Fachmann genug. Wenn Sie nach der Tradition gehen, können Sie sich kein besseres Schiff wünschen. Es hat mehr als dreißig Raumschlachten und Gefechte überstanden. Und es hat Narben.“

„Kapella steht am Bug!“ rief Bannister. „Der Name bürgt tatsächlich für Qualität.“

In der Unterkunft der Marine stellte Skeen ihnen Captain Wilton vor. Der Mann zuckte mit keiner Miene, als er erfuhr, daß er sein Schiff abgeben mußte. Er nahm die Gründe zur Kenntnis, obgleich man sie ihm sehr knapp und unvollständig darlegte. Und er gab schließlich noch einen guten Rat, indem er zur Auffrischung von Barnetts Mannschaft drei seiner Leute vorschlug.

„Sie kennen die ‚Kapella’, Barnett. Das kann Ihnen unter Umständen sehr nützlich sein.“

Skeen und Barnett sprachen dann mit der Mannschaft. Nach einer halbstündigen Diskussion sagte Perry, daß er sich entschieden habe.

„Ich möchte King, Dr. Norton und Weingärtner.“

Damit war die Sache abgemacht.

Der Dürrste von allen war Ernest King, der Navigator. Dr. Ing. Norton sah aus wie ein typischer Intellektueller, und Jo Weingärtner, den Wilton einen zuverlässigen Alleskönner nannte, wirkte durch seine Figur sehr beruhigend. Aber natürlich nur dann, wenn man ihn auf seiner Seite wußte.

Danach wurde das Schiff besichtigt. Seine Außenhaut zeigte überall Flicknähte und Pflaster. Man konnte zu diesem Eindruck stehen wie man wollte, im Innern gab es jedenfalls nichts zu beanstanden.

Der Start wurde für den späten Nachmittag angesetzt. Das war eine Frist von etwa sieben Terrastunden. In dieser Zeit mußte das Bodenpersonal das Schiff startklar haben. Die alte Cora-Besatzung flog noch einmal in die Stadt zurück, um sich für eine Reise vorzubereiten, von der keiner wußte, wohin sie führte und wie lange sie dauern würde.

Für Barnett waren die sieben Stunden eine Qual.

Nicht, daß er in dieser knappen Zeit nicht alles hätte schaffen können. Die anderen hatten ihn allein gelassen, weil jeder in sein Haus gehen mußte, um die gleichen Vorbereitungen zu treffen, wie er. Und das Alleinsein ließ ihn zum ersten Male seit der Besprechung mit Que-Talak bewußt werden, in was für eine Sache er sich da eingelassen hatte.

Gegen sein Gewissen stand das Ultimatum der Prokas. Es hieß: Praxlomza oder die Menschheit.

Selam-Yak hatte gesagt, außer Barnett wäre kein Mensch geeignet, Praxlomza unter Umständen auch mit falschen Versprechungen zur Umkehr nach Poldini II zu bewegen. Man verlangte nicht nur den Verrat der Freundschaft, man verlangte ein konsequent falsches und heuchlerisches Spiel zwischen Barnett und Prax.

Barnett merkte plötzlich, daß er laut redete, obwohl er allein war.

„Ich denke zuviel an mich. Erst muß ich fliegen. Dann kommt das Universum, das Sonnen verschlucken kann. Niemand wird Prax finden, wenn er gescheit ist. Und wenn ich ihn finde, kann ich ihn laufen lassen. Ich kann mich immer noch entscheiden. So oder so. Ich kann Prax retten und die Galaxis in den zweiten Akt des Krieges stürzen, der Prokas und Menschen endgültig vernichten wird. In tausend Jahren ist es dann aus. Man kann sich immer noch entscheiden. Für das kleine Leid und für das große Leid. Der mit dem kleinen Leid wird nichts spüren, wenn es ihm erspart bleibt …“

„Was redest du für einen Unsinn!“

Barnett erschrak nicht, als er Coras Worte hörte. Er war noch viel zu weit weg, um ihre plötzliche Gegenwart sofort ganz zu erfassen.

Dann drehte er sich um und sah sie in der Tür zum Garten stehen.

„Ich rede völlig normal für einen Verrückten.“

Sie kam langsam näher und blieb dicht vor ihm stehen.

„Was wirst du tun, Perry?“

„Ich sechs Stunden starten. Alles andere weiß ich noch nicht.“

„Wirst du auch an uns denken, wenn du vor der Entscheidung stehst?“

„Ich hoffe, daß ich stark genug bin, es nicht zu tun. Wir haben kein Recht, an uns zu denken.“

„Jeder normale Mensch denkt an sich. Und wenn er liebt, dann denkt er auch an den anderen.“

„Der andere ist Praxlomza.“

„Perry! Werde doch wach! Der andere bin ich. Nicht wahr, du läßt uns nicht im Stich. Du weißt genau, daß du die Welt retten mußt. Und nicht den einen.“

„In Wahrheit meinst du doch, daß ich dich retten soll.“

Sie sah ihn verwirrt an.

„Ist es eine Schande, wenn ich das wirklich wünschte? Perry, was ist mit dir? Ich bin eine Frau, die leben will. Genau wie jeder andere Mensch. Und … ich liebe dich.“

„Cora!“

Barnett schrie ihren Namen. „Warum sprichst du so? Warum sprichst du ausgerechnet jetzt so?“

„Ist dieser Augenblick ungeeignet?“

„Allerdings! Ich muß packen und so schnell wie möglich zum Flughafen zurück. Wenn wir in sechs Stunden starten wollen, ist jede Sekunde zu kostbar für solche Gespräche.“

Er sah den inneren Kampf in ihrer Haltung. Sie hatte ein sehr wichtiges Problem, aber sie verriet es nicht. Sie sah ihn nur an mit ihren schwarzen, tiefen Augen. Und die sagten genug.

„Ich bin ein Narr“, kam seine prompte Reaktion.

„Cora, du solltest schnellstens Telepath werden, damit du meine Gedanken erraten kannst. Bei meiner chronischen Zerstreutheit wird es sonst dauernd Mißverständnisse in unserer Ehe geben, weil ich immer vergessen werde, dir das Wichtigste zu sagen.“

„Was hast du denn vergessen, mir zu sagen?“

„Daß du mitfährst!“

Sie kamen auf den klugen Einfall, daß Cora beim Packen helfen konnte. Dadurch ging es tatsächlich schneller. Schließlich blieb auch noch Zeit, in Coras Haus zu gehen, um den Auszug vorzubereiten.

Zwei Stunden später landete eine Flugkabine mit Skeen im Garten.

„Hallo, Barnett! Fertig?“

„Dachten Sie, ich wäre nicht pünktlich? Aber nichts für ungut. Es stört mich nicht, daß Sie mich besuchen.“

„Das ist nett von Ihnen! Ich hatte noch einen Tanz mit Selam-Yak.“

„Macht er Schwierigkeiten?“

„Nicht wegen Ihres Starts. Er betrachtet Sie als Pfadfinder. Eine Zwölfer-Kugel-Staffel ist bereits in Alarmzustand und wird Ihnen folgen. Ich habe gegen diese Anordnung entschieden protestiert.“

„Verdammt!“ stöhnte Barnett. „Mit einer solchen Eskorte hatte ich allerdings nicht gerechnet. Das widerspricht meinem Gefühl für Freiheit.“

„… und außerdem der psychologischen Anlage unseres Plans.“

„Hm, schon recht“, gab der Captain zu bedenken. „Aber wie wollen Sie den Prokas verbieten, mit ihren Schiffen Patrouillen durchzuführen?“

„Die sollen fliegen, wohin sie wollen. Nur nicht im Kielstaub der ‚Kapella’. Und wenn sie das versuchen, müssen Sie es verhindern, Barnett! Sie müssen sich absetzen. Die können nichts bessern, höchstens alles verderben.“

„Was könnten sie verderben?“

„Mein Gott, Barnett! Ihr Kontakt mit Praxlomza ist weltbedeutend. Nur Sie können es schaffen, ihn zur Rückkehr nach Poldini zu bewegen.“

„Vorausgesetzt, daß ich ihn finde. Sind Sie sich im klaren darüber, Skeen, daß es noch nie in der menschlichen Geschichte ein aussichtsloseres Problem gegeben hat?“

„Wir haben es bedacht, Barnett. Die Prokas gilt es abzuhängen, das ist klar. Aber nutzen Sie jede Kontaktmöglichkeit mit Unions-Schiffen. Wir werden mit Tausenden von Schiffen die erforschte Galaxis durchkämmen. Sobald wir auf Praxlomzas Spur sind, bekommen Sie von mir Bescheid. Der Rest ist dann Ihre Sache.“

Auf der Wiese stand eine Kabine für sechs Personen.

Barnett wollte als letzter einsteigen, als er ein Geräusch hinter sich vernahm. Kurt Barth war über die Mauer gekommen.

„Hallo, Sir! Ich komme wohl ungelegen?“

„Es sieht so aus, mein Junge. Ich hatte dich für morgen erwartet.“

„Natürlich. Aber die Sache mit Praxlomza hat mich so aufgeregt. Ich kann es gar nicht glauben und dachte, Sie würden mir mehr erzählen können.“

„Die Sache mit Prax verstehst du nicht. Die versteht nicht einmal ein Erwachsener. Hast du Lust, einen Flughafen zu besichtigen?“

Kurts Augen leuchteten. Er hatte Praxlomza im Nu vergessen und sprang ohne weitere Diskussion in den Flugwagen.

Im Raumhafen angekommen, stellte Barnett fest, daß es unklug gewesen war, Kurt mitzunehmen. Kurt war stark minderjährig, stand in seiner kindlichen Neugierde überall im Wege und brauchte ein Kindermädchen. Schließlich kam Jo Weingärtner mit seinem Raummannspäckchen über die Grasnarbe gekeucht, um seine Siebensachen an Bord zu verstauen. Er bekam den Auftrag, sich um Kurt zu kümmern. Und Barnett war den Jungen los.

 

 

4

Es blieben noch fünf Stunden bis zum Start.

Das Gepäck der Leute war in kurzer Zeit an Bord untergebracht. Auch die Auffüllung der Schiffsvorräte war kein Problem. Es war alles okay. Nur eins störte Barnett. Die beiden Prokas fehlten.

 

 

5

Später ergab es sich, daß Barnett allein in der Kommandozentrale stand. Diesen Augenblick wartete Iks-Wol-Esak ab.

Er betrat den Raum aus einer Richtung, in der sich kein Eingang befand.

„Hallo, Captain!“

Das Summen eines Relais, das Schnarren eines Prokaorgans, das sich mit sehr wenig Erfolg mühte, den Klang der menschlichen Stimme zu formen – und ein Gedankenstrom.

Barnett fuhr herum und wurde mißtrauisch.

„Seit wann bist du hier, Iks?“

Details

Seiten
129
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738922141
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v437534
Schlagworte
experiment ewigkeit

Autor

Zurück

Titel: Experiment mit der Ewigkeit