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Ein schwarzer Tag für Teddy Doyle: N.Y.D. – New York Detectives

2018 100 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Ein schwarzer Tag für Teddy Doyle: N.Y.D. – New York Detectives

Copyright

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Ein schwarzer Tag für Teddy Doyle: N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 100 Taschenbuchseiten.

 

Mit einem gut ausgeklügelten Plan war das Juweliergeschäft in der Shopping City in Queens von zwei Ganoven ausgeraubt worden. Die Manhattan Mutual Life Insurance, bei der der Juwelier versichert war, beauftragt den Privatdetektiv Bount Reiniger, den geraubten Schmuck wiederzubeschaffen immerhin ist er eineinhalb Millionen Dollar wert. Aber auch der erfolglose Schnüffler Teddy Doyle hängt sich in die Sache, da er eine fette Prämie und eine Menge Publicity wittert, falls es ihm gelang, die Juwelen zu finden. Das hätte er besser dem erfahreneren Detektiv Bount Reiniger überlassen, denn weil Doyle in Hehlerkreisen so viel Staub aufwirbelt, will man ihm jetzt ans Leder ...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author /COVER TONY MASERO

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

1

Der Coup war clever ausbaldowert. Es passte einfach alles. Schiefgehen konnte nichts. Joseph Jackson und George Geer ließen ihren Wagen auf dem Parkplatz der riesigen Shopping City stehen und trabten auf eine der Glastüren zu, die sich bei Annäherung eines Kunden wie von Geisterhand bewegt öffneten und schlossen.

„Hier kannst du alles kaufen“, sagte Jackson. „Vom Schoßhündchen bis zum Diamanten.“

Geer grinste. „Also ehrlich, wegen des Schoßhündchens sind wir nicht hier.“

Eine dicke Frau schob ihren überfüllten Einkaufswagen schnaufend und mit rotem Gesicht vor sich her.

Geer wies mit dem Kopf nach ihr und raunte seinem Komplizen zu: „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, was?“

Die beiden Männer waren völlig normal und unauffällig gekleidet. Jackson hatte eine abgetragene braune Lederjacke an. Geer trug einen petrolfarbenen Pullover. Auf ihren Köpfen saßen graue Wollmützen mit wulstigem Rollrand.

Ihr Ziel war das große Juweliergeschäft in der Nähe einer Rolltreppe, die zur oberen Etage hinaufführte. Die Läden boten Sonderangebote an, und die zahlreichen Lokale unterboten einander mit niedrigen Menüpreisen.

Es war Mittag, und in den Lokalen war kein Platz zu kriegen. Jackson und Geer kannten die Gepflogenheiten des Personals, das im Juwelierladen arbeitete. Sie hatten sich lange genug hier in den verschiedensten Verkleidungen herumgetrieben, ehe sie den Zeitpunkt für den Überfall festsetzten.

Nun war es so weit. Heute sollte abgesahnt werden. Die Beute würde beträchtlich sein, denn der Juwelier hielt sehr viel darauf, reich sortiert zu sein. Wenn jemand sein Geschäft betrat, sollte er nicht weggehen, ohne etwas gekauft zu haben.

Geer und Jackson wollten in dieser Beziehung eine Ausnahme darstellen. Sie hielten nichts vom Kaufen, aber sehr viel vom Mitnehmen.

Rechts rückte das elegante Glasportal des Geschäfts in ihr Blickfeld. Sie sahen eine rotblonde Frau, die eine orangefarbene, ärmellose, nett dekolletierte Bluse trug, und wussten, dass das Ellen Seberg war, die Geschäftsführerin, die selbstverständlich den Safecode kannte.

Ellen Seberg erhob sich in diesem Augenblick. Ein schlanker dunkelhaariger Mann trat aus den Personalräumen. Jackson stieß seinen Komplizen mit dem Ellenbogen an und sagte leise: „Komm. Es wird Zeit für uns.“

Die Verbrecher eilten am Juwelengeschäft vorbei und verschwanden in der angrenzenden Toilette. Das Geschäft hatte für die Angestellten separate Sanitärräume, die mit der öffentlichen Toilette durch eine stets abgeschlossene Tür verbunden waren.

Geer stand Schmiere, während sich Jackson an dieser Tür zu schaffen machte. Dies hier war die einzige Schwachstelle des Juwelierladens.

Man hatte die Tür zwar elektronisch abgesichert, aber nicht besonders viel Geld für das System ausgegeben, und deshalb taugte es auch nichts.

Jackson überlistete es im Handumdrehen. Er nickte seinem Freund zu, als die Tür offen stand.

Sie rollten den Mützenrand nach unten und waren von diesem Moment an maskiert.

Nur für Augen und Mund waren Löcher ausgeschnitten.

Die Räuber zogen ihre Pistolen und huschten in die Sanitärräume des Juwelierladens. So reibungslos wie bisher sollte der ganze Coup ablaufen ...

 

 

2

Ellen Seberg griff nach den Schlüsseln, um Thomas Bedford hinauszulassen. Bedford war der Don Juan der Firma, die in New York mehrere Zweigstellen hatte. Er war stets adrett gekleidet und seltsamerweise nie aufdringlich. Sein Erfolgsgeheimnis bestand darin, auf den richtigen Moment warten zu können.

„Darf ich dich zum Mittagessen einladen, Ellen?“, fragte er freundlich lächelnd.

Sie gab das Lächeln zurück. „Tut mir leid, dir einen Korb geben zu müssen, Thomas. Aber ich habe heute meinen Joghurttag, das solltest du eigentlich schon wissen.“

„Ach ja, heute ist ja Mittwoch.“ Bedford schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn.

„Und ich muss auf meine Linie achten.“

„Die ist schwer in Ordnung wenn du mir dieses Kompliment gestattest.“

„Eben, weil ich mir keine Ernährungssünden mehr leiste, und das schon seit mehr als zwei Jahren.“

„Eine beachtliche Leistung. Keine Entgleisung?“

Ellen schüttelte den.Kopf. „Keine einzige.“

„Du bist ein standhaftes Mädchen. Das gefällt mir so besonders an dir.“ Sie schob ihn zur Tür hinaus. „Geh’ endlich, sonst wird dir die Mittagspause zu kurz. Ist sowieso nur eine Stunde.“

„Bis später“, sagte Bedford.

Ellen Seberg nickte und schloss die Glastür wieder ab. Sie zog sich in die Personalräume zurück, setzte sich an einen Schreibtisch und stellte ihren Joghurtbecher darauf. Sie merkte nicht, dass sich hinter ihr eine Tür öffnete. Lautlos betraten zwei maskierte Männer die Szene.

Und dann ging alles sehr schnell. Ellen wollte den Becherverschluss aufreißen, da vernahm sie hinter sich ein Geräusch, das entsteht, wenn sich Stoff an Stoff reibt. Verblüfft wandte sie sich um. Im selben Moment wurde sie gepackt und hochgerissen. Hart umfassten ein paar große Hände ihre Arme. Sie stieß einen heiseren Schrei aus. Die beiden Maskierten stießen sie gegen die Wand und bedrohten sie mit ihren Pistolen.

„Wenn du noch eine Weile leben möchtest, Mädchen, rate ich dir, keine Zicken zu machen!“, zischte Joseph Jackson. „Glaube nicht, dass wir bluffen. Wir legen dich eiskalt um, wenn du nicht spurst.“

Ellen Sebergs Augen waren schreckgeweitet. Sie starrte die maskierten Männer entgeistert an. „W...was wollen Sie?“ Es war eine dumme Frage, denn Ellen wusste, was die Verbrecher wollten.

Jackson grinste unter seiner Maske. Ellen sah, wie er das Gesicht verzog und wie sich seine Lippen öffneten. „Dreimal darfst du raten, Schätzchen. Nebenan steht ein schöner großer Safe, den wirst du für uns öffnen.“

Ellen überlegte blitzschnell, ob es möglich war, sich zu weigern. Die Kerle hätten sie garantiert brutal zusammengeschlagen. Sie hätten sie so lange gepeinigt, bis sie den Tresor doch geöffnet hätte. Sie konnte sich viel Leid ersparen, wenn sie sich fügte.

„Vorwärts!“, kommandierte Jackson.

Er und George Geer stießen das Mädchen in den Nachbarraum. Hier befand sich der Safe, in dem die wertvollsten Stücke eingeschlossen waren. Da teure Juwelen nur selten verlangt wurden, blieben sie die meiste Zeit unter Verschluss.

Die Verbrecher fassten Ellen Seberg so hart an, dass ihr ganzer Mut zerbrach. Jackson wies auf den großen Stahlschrank. „Los! Aufmachen! Aber keine faulen Tricks, Miss Seberg! Wenn du Alarm auslöst, bezahlst du das mit deinem Leben!“

Ellen wusste, dass der Gangster nicht bluffte. Aufgeregt trat sie an den Tresor. Nur sie und ihr Stellvertreter kannten die Kombination. Mit zitternder Hand stellte sie die Zahlen ein. Augenblicke später ließ sich die dicke Stahltür des Panzerschranks öffnen.

Jackson stieß das Mädchen zurück. Er gab seinem Komplizen ein Zeichen. Geer stellte einen Stuhl in die Mitte des Raumes. „Setz dich!“, verlangte er von Ellen Seberg.

„Was ... was haben Sie mit mir vor?“, fragte das Mädchen ängstlich.

„Nur eine Sicherheitsmaßnahme. Damit du keinen Mist baust.“

Ellen setzte sich. Während Joseph Jackson den Safe ausräumte, bog Geer dem Mädchen die Arme zurück. Er fesselte Ellen an den Stuhl. Zuerst die Arme, dann die Beine. Anschließend riss er von einer Leukoplastrolle einen breiten Streifen ab und klebte der Geschäftsführerin damit den Mund zu.

„Fertig!“, sagte er zu Jackson.

„Ich bin’s auch gleich“, gab dieser zurück.

Die letzten Juwelen fielen in die schwarze Plastikeinkaufstüte, die Joseph Jackson aufhielt. Danach befand sich nichts Wertvolles mehr in den Fächern des Tresors.

„Erledigt“, sagte Jackson.

„Dann lass uns abhauen.“

Bevor Jackson ging, sah er sich an, wie gut sein Komplize das Mädchen gefesselt hatte. Er war damit zufrieden.

„Nimm’s nicht tragisch, Mädchen“, sagte er zu Ellen Seberg. „Sobald die Mittagspause um ist, bist du ja wieder frei.“

Sie verließen den Juwelierladen auf dem Weg, den sie gekommen waren. Niemandem fiel etwas auf. Sie rollten die Mützen wieder nach oben und schritten ohne Eile durch die Shopping City, auf den Ausgang zu. Fünf Minuten später saßen sie im Wagen, und während Jackson den Motor startete, sagte er zu seinem Komplizen: „Weißt du, was wir jetzt sind, George? Reich!“ Er lachte. „Jawohl, Junge. Nun sind wir reich!“ '

 

 

3

Teddy Doyle war ein kleines Licht, aber ein großer Aufschneider. Blond, leicht übergewichtig, mittelgroß. Ein Durchschnittsmensch in jeder Beziehung. Zwei Ehen waren ihm in die Brüche gegangen. Seither war er bei Bindungen ans weibliche Geschlecht vorsichtig geworden. Lieber ab und zu mal eine Freundin, als ständig einen Drachen im Haus.

Er arbeitete als Privatdetektiv, nachdem er bei der Polizei kein Vorwärtskommen für sich sah. Damals hatte er sich ausgerechnet, dass es ihm finanziell besser gehen würde, wenn er sich selbständig machte, aber das stellte sich schon sehr bald als Irrtum heraus.

Wer selbständig ist, ist einem harten Leistungszwang unterworfen, wenn er es zu etwas bringen möchte, und dafür war Teddy Doyle nicht geeignet. Die Aufträge, die man ihm übertrug, waren nichts Überwältigendes. Zumeist ermittelte er in Scheidungsaffären. Damit hielt er sich so recht und schlecht über Wasser, was ihn aber nicht daran hinderte, große Töne zu spucken.

An diesem Mittwoch hielt er sich in seiner Stammsauna auf und ließ sich mal wieder so richtig vom Masseur durchkneten. Vor dem Massagetisch stand ein Farbfernseher. Ein Kommentator nahm soeben Stellung zur Lage in Polen.

„Einen ruhigen Job hast du hier“, sagte Doyle zum Masseur. „Warme Stube. Nette Leute. Kein Stress. Du hast keine Ahnung davon, wie hart es draußen zugeht, auf den Straßen von New York. Raub, Mord, Totschlag, Schießereien. Das ist meine Welt, in der ich mich behaupten muss. Jeder Tag kann mein letzter sein. Neulich haben mich drei Gangster in eine Falle gelockt Mann, um ein Haar hätte ich’s nicht überlebt. Sie lauerten in einem Hinterhof. Ich sage dir, wenn ich nicht so gut mit meiner Kanone umgehen könnte, läge ich jetzt nicht hier. Als Privatdetektiv musst du so etwas wie ’nen sechsten Sinn haben, sonst bist du geliefert. Ich spannte also, dass man mich fertigmachen will, und war auf der Hut. Mein Glück war, dass die Burschen mich für einen Einfaltspinsel hielten. Sie dachten, ich wäre ihnen sicher. Aber da irrten sie sich gewaltig. Als ich den ersten erblickte, ballerte ich los, ließ mich fallen, robbte in Deckung und holte den zweiten von den Beinen, während mir eine Menge Kugeln um die Ohren jaulten. Der dritte Knabe wollte abhauen, als er erkannte, dass für ihn der Karren verfahren war, aber das ließ ich nicht zu. Ich sprintete hinter ihm her und schnappte ihn mir. Jetzt sitzen die Dreckskerle hinter Schloss und Riegel und haben viel Zeit, darüber nachzudenken, ob es richtig war, sich mit Teddy Doyle anzulegen.“

Der Masseur wusste, dass man bei Doyle nicht jedes Wort glauben durfte, aber er hörte dem Detektiv trotzdem gern zu, weil dieser so plastisch erzählen konnte.

„Scheinst wirklich eine Menge auf dem Kasten zu haben, Teddy“, sagte er.

„Man lernt mit der Zeit mit der Gefahr zu leben. Wer es nicht lernt, der wird nicht alt im meinem Beruf.“

„Du solltest mal einen großen Fall übernehmen. Ich würde dich gern mal im Fernsehen sehen.“

„Das kommt noch, verlass dich darauf. In ein paar Jahren gibt es niemanden mehr, der nicht weiß, wer Teddy Doyle ist.“

„Hoffentlich ist dir unsere Sauna dann noch gut genug.“

„Aber ja doch. Teddy Doyle vergisst seine alten Freunde nicht.“

Auf dem Bildschirm erschien ein Reporter. „Meine Damen und Herren, ich befinde mich in der Shopping City von Rego Park in Queens. Vor nicht ganz einer Stunde wurde hier der frechste Raubüberfall seit Bestehen dieses Einkaufszentrums verübt. Zwei maskierte Männer drangen während der Mittagspause in den hiesigen Juwelierladen ein, zwangen die Geschäftsführerin mit vorgehaltener Pistole, den Safe aufzuschließen und nahmen den ganzen Schmuck mit, der sich darin befand.“ Der Masseur pfiff durch die Zähne. „Mann, die haben bestimmt ganz schön abgesahnt.“

„Pst!“, machte Teddy Doyle. „Die Sache interessiert mich.“

Der Reporter sagte: „Neben mir steht Miss Ellen Seberg, die Geschäftsführerin, der so übel mitgespielt wurde.“

Die Kamera ging ein Stück zurück und erfasste das rotblonde Mädchen neben dem Reporter ebenfalls.

„Miss Seberg, was war das für ein Gefühl, als diese Verbrecher ihre Waffen auf Sie richteten? Dachten Sie, Ihre letzte Stunde habe geschlagen?“

Ellen Seberg räusperte sich. „Nun ja, vielleicht dachte ich das im ersten Augenblick. Dann aber wurde mir klar, dass die Gangster meine Hilfe brauchten.“

„Sie rechneten damit, dass die Maskierten Sie nicht erschießen würden.“

„Jedenfalls nicht sofort.“

„Man hat Sie gezwungen, den Tresor zu öffnen, Miss Seberg. Haben Sie versucht, sich zu weigern?“

Ellen Seberg schüttelte den Kopf. „Ich hatte keine andere Wahl. Ich musste es tun.“

„Haben die Verbrecher Sie geschlagen?“

„Das nicht gerade, aber sie haben mich sehr grob angefasst.“

„Miss Seberg, es war Mittagspause, und Sie befanden sich allein im Juweliergeschäft. War das normal? Gehen Sie niemals essen?“

„Doch, an den anderen Tagen schon, nur am Mittwoch nicht.“

„Und warum ausgerechnet am Mittwoch nicht?“

„Da habe ich meinen Joghurttag.“

„Davon müssen die Gangster gewusst haben.“

„Allerdings. Einer sprach mich sogar mit meinem Namen an.“

„Hatten Sie den Eindruck, jemanden vor sich zu haben, dem Sie schon einmal begegnet sind, Miss Seberg?“

„Das kann ich nicht sagen. Die Männer waren ja maskiert.“

„Aber ihre Stimmen.“

„Die waren mir fremd“, sagte die Geschäftsführerin.

„Und die Kleidung?“

„Sie trugen nichts Auffallendes. Der eine hatte eine braune Lederjacke an, der andere einen petrolfarbenen Pullover.“

„Kennen Sie sich mit Waffen ein bisschen aus, Miss Seberg?“

„Kaum.“

„Dann können Sie uns nicht sagen, was für Pistolen die Verbrecher auf Sie richteten.“

„Leider nein“, sagte die Geschäftsführerin bedauernd.

„Was passierte, nachdem Sie den Tresor für die Gangster geöffnet hatten, Miss Seberg?“, fragte der Reporter weiter.

„Ich musste mich auf einen Stuhl setzen und wurde gefesselt. Man klebte mir auch noch mit einem Pflasterstreifen den Mund zu.“

„Dachten Sie zu diesem Zeitpunkt: Jetzt ist es aus?“

„Ich weiß nicht mehr, was ich dachte. Ich war so aufgeregt ...“

„Verständlich. Erlauben Sie noch eine abschließende Frage, Miss Seberg: Wie hoch ist der Wert der Beute?“

„Etwa eineinhalb Millionen Dollar.“

„Wir können nur hoffen, dass die Juwelen versichert sind.“

„Das sind sie“, erwiderte die Geschäftsführerin. „Unsere Firma wird selbstverständlich Ersatzansprüche an die Versicherungsgesellschaft stellen.“

„Dann trifft der Schaden nicht Ihre Firma, sondern die Gesellschaft.“

„So ist es.“

„Miss Seberg, ich danke Ihnen für das Gespräch.“ Der Reporter lieferte eine Zusammenfassung des Ereignisses und kündigte an, dass man versuchen würde, den Verantwortlichen vom Raubdezernat vor die Kamera zu holen.

„Eineinhalb Millionen Dollar“, sagte der Masseur und wiegte den Kopf. „Das ist ein hübscher Batzen Geld. Dafür muss eine alte Oma verdammt lange stricken.“

Teddy Doyle setzte sich auf. „Kein Hehler zahlt für die Sore eineinhalb Millionen. Wenn die Verbrecher eine Million kriegen, sind sie bestens bedient.“

„Sag mal, wäre das kein Fall für dich, Teddy? Ich kann mir zwar nicht vorstellen, wie man es anstellt, den Gangstern die Beute wieder abzujagen, aber wenn dir das gelingt, steigt dein Bekanntheitsgrad gewaltig.“

Doyle nickte. „Klar, Mann. Ich werde mich da reinhängen. Die Wiederbeschaffung der Klunker wird mir eine Menge Moos einbringen.“ Der Detektiv sprang vom Massagebett und schlang ein Handtuch um seine Hüften. „Ich muss gehen, ’ne Menge Arbeit wartet auf mich.“

„Ich drück dir die Daumen.“

„Kann nicht schaden“, sagte Teddy Doyle und verließ den Massageraum.

 

 

4

June March sah hinreißend aus in ihrem weißen Tenniskleidchen. Bei nahezu jeder Bewegung war der blütenweiße Rüschenslip zu sehen. Das blonde Mädchen trug ein buntes Stirnband, das nicht nur den Schweiß aufsaugen, sondern auch die lange Mähne ein wenig aus dem Gesicht halten sollte. June spielte mit viel Ehrgeiz, aber sie hatte keine echte Chance gegen ihren Chef Bount Reiniger.

Bount Reiniger war der routiniertere Spieler, und seine Topspin-Schläge nagelten das Mädchen auf der Grundlinie fest. June kam kaum einmal dazu anzugreifen, Bount unter Druck zu setzen und am Netz zu punkten.

Bount Reiniger fehlte nur noch ein einziger Punkt zum Sieg. June wehrte sich verbissen. Bount lockte sie ans Netz, und dann entschied er die Partie mit einem präzise gesetzten Passierball.

Anschließend lief auch er ans Netz und reichte seiner Mitarbeiterin die Hand. „Du warst sehr gut.“

„Ich habe alles versucht, es hat nicht gereicht“, meinte June March.

„Wenn es dir ein Trost ist: Du hast es mir nicht leicht gemacht zu siegen“, erwiderte Bount Reiniger.

„Warte, bis ich so viele Stunden gespielt habe wie du, dann hast du nichts mehr zu lachen.“

June hängte sich bei Bount ein und verließ mit ihm die Halle.

Zwanzig Minuten später saßen sie im Restaurant. June trank Apfelsaft. Bount genehmigte sich ein herrlich kühles Kräuterbier.

„Möchtest du etwas essen?“, fragte Bount Reiniger.

June schüttelte den Kopf. „Ich bin nicht hungrig.“

„Vielleicht werde ich eine Kleinigkeit ...“ Bount hob den Kopf und hielt nach dem Kellner Ausschau. Der peilte in diesem Moment gerade ihren Tisch an und sagte: „Telefon für Sie, Mister Reiniger.“

„Ja, danke“, sagte Bount und erhob sich. Das Büro war in seiner Abwesenheit von Wilkie Lenning besetzt. Er hatte dem Jungen aufgetragen, etwaigen Klienten nur dann zu sagen, wo er zu erreichen war, wenn es sich um eine dringende Angelegenheit handelte.

Bount Reiniger betrat die Telefonzelle. Er griff sich den Hörer. „Reiniger.“

„Na, Mister Reiniger, haben Sie gewonnen?“

„Ich gewinne meistens.“

„Aus diesem Grund rufe ich Sie an. Wir brauchen mal wieder Ihre Hilfe.“

Bount wusste, wen er an der Strippe hatte. Das war Vince Collard von der Manhattan Mutual Life Insurance, deren Büros sich in der Fifth Avenue befanden. Bount war mit der Versicherungsgesellschaft eine ständige Geschäftsverbindung eingegangen. Das brachte ihm regelmäßig Aufträge und ein sicheres Einkommen ein.

„Worum geht es denn diesmal?“, erkundigte sich Bount Reiniger.

„Juwelenraub. Wenn es Ihnen nicht gelingt, die Beute wiederzubeschaffen, müssen wir diesmal gehörig in die Tasche greifen.“

„Wie tief?“

„Eineinhalb Millionen Dollar.“

„Soll ich in Ihr Büro kommen?“

„Darum wollte ich Sie gerade bitten.“

„Okay, ich erscheine so bald wie möglich.“ Bount hängte ein und kehrte zu June March zurück. Er setzte sich nicht mehr. „Ich muss gehen“, sagte er. „Vince Collard erwartet mich.“

„Ein neuer Fall?“, fragte das attraktive Mädchen.

„Ja. Juwelenraub. Es geht um eineinhalb Millionen.“ Bount verlangte die Rechnung. Er brachte June zum Büro zurück und fuhr anschließend zur Manhattan Mutual Life Insurance weiter. Als er das Vorzimmer von Collards Büro betrat, schenkte ihm die Sekretärin ein freundliches Lächeln.

„Hallo, Mister Reiniger. Lange nicht mehr gesehen.“

„Wie geht’s immer?“, erkundigte sich Bount Reiniger.

„Oh, meine Biokurven zeigen zurzeit alle eine aufsteigende Tendenz.“

„Dazu gratuliere ich.“

„Sie können gleich reingehen, Mister Collard erwartet Sie.“

„Danke.“

Bount betrat das Allerheiligste des Chefs der Schadenabteilung. Vince Collard erhob sich, ging ihm tipptopp wie immer gekleidet entgegen und reichte ihm die Hand. „Tut mir leid, Ihren Tennisnachmittag gestört zu haben, Mister Reiniger.“

Bount zuckte mit den Schultern. „Das Geschäft hat Vorrang.“

Collard bot Bount Reiniger Platz an. Bount setzte sich und zündete sich eine Pall Mall an. Collard lehnte die angebotene Zigarette ab. Er versuchte mal wieder, sich das Rauchen abzugewöhnen. Der Chef der Schadensabteilung holte einen Ordner von seinem Schreibtisch und setzte sich zu Bount. Er berichtete dem Detektiv, was sich ereignet hatte und zeigte ihm anschließend die Zertifikate der versicherten Juwelen.

Bount erhielt eine Namensliste. Darauf waren alle Personen aufgeführt, die in dem beraubten Juwelengeschäft tätig waren. Darüber hinaus erfuhr er, dass auch Lieutenant Anthony Waite Jagd auf die Diebe und deren Beute machte. Waite vom Raubdezernat war ein fähiger Polizist. Dennoch schaltete Vince Collard auch Bount Reiniger hinzu. Er wollte alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Juwelen so rasch wie möglich wiederzubeschaffen.

„Übernehmen Sie den Fall, Mister Reiniger?“

Bount schmunzelte. „Habe ich bei Ihnen schon mal nein gesagt?“

„Die üblichen Konditionen.“

„Ist klar“, sagte Bount und erhob sich. Auch Collard stand auf. „Sollten Sie noch irgendwelche Fragen haben, für die ich zuständig bin, wissen Sie ja, wo Sie mich erreichen.“

Bount ging, und ein Fall mit vielen Schwierigkeiten gehörte ihm.

 

 

5

Von Teddy Doyles Aktivitäten hatte Bount Reiniger keine Ahnung. Der kleine Schnüffler, der endlich einmal etwas Großes leisten wollte, um bekannt und gefragt zu werden, war in den folgenden Tagen äußerst rührig. Er wühlte sich hartnäckig durch die Unterwelt und trat etlichen Leuten hart auf die Zehen. Doyles Pech war nur, dass es immer die falschen Leute waren, die er bearbeitete.

Aber er ließ nicht locker. Er besuchte eine Menge Spitzel und versprach ihnen eine Menge Geld, wenn sie ihm die entsprechende Information lieferten. Und er tauchte bei Glenn Ridgewood auf.

Ridgewood war ein Juwelier, der als nicht ganz astrein galt. Man sagte ihm nach, dass er auch als Hehler arbeitete und mit dieser Tätigkeit mehr Geld verdiente als mit seinem seriösen Geschäft.

Bei kurzem Hinsehen hatte Ridgewood eine gewisse Ähnlichkeit mit dem französischen Starkomiker Louis de Funes. Er saß an seinem Schreibtisch, die Lampe mit dem roten Pilzschirm war eingeschaltet, neben ihm stand ein Karton und vor ihm lag ein hochkarätiger Edelstein, den er sich durch die Lupe genau betrachtete.

Jemand klopfte draußen an die abgeschlossene Ladentür.

Ridgewoods Kopf zuckte hoch. Er verstaute alles, was auf dem Schreibtisch herumlag, gewissenhaft in der untersten Lade, sperrte zu, zupfte den weißen Arbeitsmantel, den er trug, zurecht, und betrat den Verkaufsraum.

Vor der Ladentür stand ein Mann, den Ridgewood nicht schätzte: Teddy Doyle. Aus verständlichen Gründen hatte Glenn Ridgewood einiges gegen Schnüffler, und er fragte sich, was dieser von ihm wollte.

Unwillig schloss er auf, und er bemühte sich um ein freundliches Lächeln, obwohl ihm Teddy Doyle schon mal einigen Ärger bereitet hatte.

„Hallo, Mister Doyle. Hat es Sie mal wieder in diese Gegend verschlagen?“

„Darf ich reinkommen, Ridgewood?“

„Selbstverständlich. Ich wollte zwar gerade nach Hause gehen, aber wenn Sie etwas Wichtiges mit mir zu besprechen haben, stehe ich Ihnen selbstverständlich gern zur Verfügung.“

Seit sich Doyle dieses großen Falles angenommen hatte, fühlte er sich auch selbst größer. Der Mensch wächst mit seiner Aufgabe. Er verlieh seiner Miene einen wichtigen Ausdruck und betrat das Juweliergeschäft.

Ridgewood wartete.

„Wie geht das Geschäft?“, erkundigte sich Teddy Doyle.

„Ich kann nicht klagen. Es könnte natürlich besser gehen, aber man darf nicht unbescheiden sein.“

„Was sagen Sie zu dem Juwelenraub, der sich am Mittwoch ereignet hat?“

„Ich habe davon in der Zeitung gelesen. Wenn ich denke, dass mir das auch mal passieren könnte ...“

„Unsinn. Eine Krähe hackt der andern doch kein Auge aus.“

„Wie meinen Sie das?“

„Dass Sie zur Unterwelt gehören, oder hat sich diesbezüglich etwas geändert? Haben Sie die Hehlerei etwa fallen gelassen?“

Glenn Ridgewood schluckte. „Hören Sie, Doyle, ich habe noch nie wissentlich gestohlenen Schmuck angekauft, so etwas dürfen Sie mir nicht unterstellen.“

Teddy Doyle winkte gelassen ab. „Geben Sie sich keine Mühe, jedermann in den einschlägigen Kreisen weiß, womit Sie sich gesundstoßen. Der Laden hier wirft doch nicht besonders viel ab.“

„Es reicht. Ich lebe genügsam.“

„Ich wette, Sie haben eine Menge Geld auf der hohen Kante, aber das rühren Sie erst an, wenn Sie sich zur Ruhe setzen. Wo werden Sie es ausgeben? In Brasilien?“

„Vielleicht sollten Sie mir jetzt endlich den Grund Ihres Besuchs nennen, Doyle!“, erwiderte der Hehler abweisend.

„Den habe ich bereits genannt. Ich bin wegen der geraubten Juwelen bei Ihnen.“

„Hoffen Sie etwa sie hier zu finden?“

„Wer hat Ihrer Meinung nach das Ding gedreht, Ridgewood?“

„Ich habe keinen blassen Schimmer.“

„Hat man Ihnen die Sore noch nicht angeboten?“

„Bestimmt nicht.“

„Ihnen kommt in dieser Hinsicht auf jeden Fall mehr zu Ohren als mir, Ridgewood. Deshalb erwarte ich von Ihnen, dass Sie mich anrufen, wenn Sie was erfahren, was mich interessiert.“ Teddy Doyle legte seine Visitenkarte auf den Ladentisch. „Ein Rat von mir gratis, mein Lieber: Finger weg von der Sore. Sie ist zu heiß für Sie!“

„Verdammt noch mal, jetzt reichen mir Ihre Sticheleien aber langsam“, brauste Glenn Ridgewood auf.

Teddy Doyle packte ihn vorne beim Arbeitsmantel. Er krallte seine Finger in den weißen Stoff und stieß den Hehler gegen die Wand. Es war seine Absicht, den Mann auf diese Weise einzuschüchtern. Seine Augen wurden zu schmalen Strichen.

„Jetzt hör mir mal genau zu, Ridgewood. Ich bleibe am Ball, und wenn ich erfahre, dass du mir eine Information vorenthalten hast, befasse ich mich eingehender mit dir, und dann kriegst du mehr Schwierigkeiten an den Hals, als du verkraften kannst!“

Er ließ Ridgewood los und verzog dabei das Gesicht so, als hätte er sich schmutzig gemacht. Er wies auf die Visitenkarte.

„Du wirst mich anrufen, und zwar innerhalb der nächsten achtundvierzig Stunden. Du wirst dich in der Branche für mich umhören, und ich kann mir nicht vorstellen, dass du nichts erfährst.“

Teddy Doyle fand, dass sein Auftritt einigen Eindruck auf den Hehler gemacht haben musste. Er verließ den Laden und rechnete damit, dass sich innerhalb der nächsten achtundvierzig Stunden etwas Entscheidendes tun würde, denn er hatte auch anderen Unterweltlern dieses Ultimatum gestellt.

In gewisser Hinsicht sollte seine Rechnung aufgehen. Es sollte sich tatsächlich etwas ereignen, aber etwas, worauf Teddy Doyle nicht vorbereitet war.

 

 

6

Die brünette, zarte Frau hieß Jenny Jackson. Sie lag im Bett und warf ab und zu einen Blick auf ihre Uhr. Bald war Besuchszeit. Dann kam Joseph, ihr Mann, wieder und brachte ihr Blumen. Er besuchte sie so oft wie möglich. Jenny war in das Hospital eingeliefert worden, weil sie zu Hause dreimal hintereinander zusammengefallen war. Inzwischen hatte man sie auf Herz und Nieren untersucht, aber außer einer leichten Anämie nichts gefunden. Und sie war seit damals auch nicht wieder ohnmächtig geworden.

Jenny verließ das Bett und begab sich zum Spiegel. Die anderen weiblichen Patienten dösten vor sich hin. Jenny kämmte ihr Haar, zog den weinroten Morgenmantel an, den ihr Joseph eigens für den Krankenhausaufenthalt gekauft hatte, und verließ das Zimmer.

Sie erwartete ihren Mann auf dem Gang.

Er erschien mit roten Rosen und küsste sie auf beide Wangen und auf den Mund. Nachdem er die Blumen versorgt hatte, setzten sie sich auf eine weiß gestrichene Bank.

„Ich komme soeben vom Chefarzt“, sagte Joseph Jackson, „und habe dir eine erfreuliche Mitteilung zu machen, Jenny: Du brauchst nicht mehr länger hierzubleiben. Man wird dich morgen entlassen.“

Jenny strahlte. „Ist das wahr? Ich darf wieder nach Hause?“

Details

Seiten
100
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738921953
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Juni)
Schlagworte
teddy doyle york detectives

Autor

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Titel: Ein schwarzer Tag für Teddy Doyle: N.Y.D. – New York Detectives