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Showdown auf der Conover-Ranch

2018 120 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Title Page

Showdown auf der Conover-Ranch

Klappentext:

Roman:

 

JOHN F. BECK

 

Showdown auf der Conover-Ranch

(ehem. Titel: Die Ranch der Tapferen)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author/Titelbild:

Korrektorat: Dr. Frank Roßnagel

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

 

Klappentext:

Eigentlich wollte Jeff Randall die Connover-Ranch kaufen und sich dort mit seiner Rinderherde niederlassen. Doch der Besitzer hat keinerlei Interesse an einem Verkauf seiner kleinen Ranch. Am nächsten Tag findet man Conover, hinterrücks erschossen. Für seinen Sohn Larry, seine Angestellten und die Menschen aus Whitestone ist die Sache klar: Randall hat Connover ermordet, um an sein Land zu kommen. Als auch noch ein feiger Anschlag auf Jack Keats, den Sheriff, verübt wird, will der Mob Randall gelyncht sehen. John Brown, ein US-Marshal der seinen schwerverletzten Freund Keats vertritt, steht vor einer schier unlösbaren Aufgabe: Er muss Randalls Unschuld beweisen, obwohl alles gegen ihn spricht, verhindern, dass er gehängt wird, und herausfinden, was wirklich hinter dem Mord an Conover steckt. Vor allem aber muss Brown aufpassen, dass er selbst nicht drei brutalen Desperados zum Opfer fällt, die auch vor Mord nicht zurückschrecken, um ihren finsteren Plan zu verwirklichen …

 

 

 

 

 

Roman:

Als die beiden Reiter sich dem langgestreckten Hickory-Wäldchen näherten, verlangsamten sie ihr Tempo. Ihre Mienen spannten sich, und ihre Haltung wurde wachsam und lauernd.

„Auf der anderen Seite werden wir auf sie treffen, Vater“, sagte der jüngere der beiden Männer.

Rud Conover nickte nur. Mit einer gleitenden Bewegung zog er die Winchester aus dem Sattelfutteral und legte sie vor sich quer über das Sattelhorn.

„Komm, Larry!“, sagte er rau zu seinem Sohn. „Bringen wir es hinter uns.“

Larry Conover runzelte zweifelnd die Stirn.

„Wir sollten erst mit ihnen reden, Vater. Vielleicht …“

Die große, breitschultrige Gestalt Rud Conovers straffte sich.

„Reden, Larry?“, schüttelte er den Kopf. „Nein! Ich war immer schon ein Mann der Tat. Hier gibt es nichts mehr zu reden.“

Larry wollte darauf etwas erwidern, aber der große Rancher mit dem hellblonden Schnurrbart über der dünnen Oberlippe hatte bereits seinen Braunen in das Hickorywäldchen getrieben.

Larry zuckte die Schultern und folgte ihm. Das Stampfen der Hufe klang weich und dumpf auf dem Moosboden. Eines der Pferde schnaubte leise.

Dann waren plötzlich auch andere Geräusche zu hören. Es war ein dumpfes, monotones Rumoren, das wie das ferne Brausen eines heraufziehenden Sturmes wirkte. Rud Conover lauschte, und sein breites, kantiges Gesicht spannte sich noch mehr. Sein Mund wurde zu einem schmalen Strich, und er nahm das Winchestergewehr schussbereit in die Fäuste. Larry, der eine halbe Pferdelänge hinter ihm ritt, zog langsam, fast unwillig, den Revolver aus dem Rindslederhalfter.

„Das sind sie“, sagte er. „Es sind zwölfhundert Longhorns, Vater.“

Rud Conover nickte grimmig „Und sie weiden auf unserem Land, Larry. Aber nicht mehr lange.“

Vor ihnen lichtete sich jetzt der Waldgürtel. Zwischen den braunrindigen Stämmen und den vereinzelten dunkelgrünen Sträuchern wurden helle Flecken sichtbar, die sich langsam hin und her bewegten. Das waren die Rinder. Das waren die zwölfhundert texanischen Longhorns, von denen Larry Conover eben gesprochen hatte. Das war die fremde Herde, die seit dem vergangenen Abend auf der Grenzweide der kleinen Conover-Ranch graste.

Larry hatte sie bemerkt, als er auf dem Weg nach Whitestone gewesen war. Und er war sofort umgekehrt, zur Ranch zurück, hatte seinen Vater verständigt, und dann waren sie beide aufgebrochen, um dem Recht ihrer Ranch Geltung zu verschaffen.

Nur noch wenige Yards war der Waldrand entfernt.

Larry Conover trieb seinen Falben dicht neben den Braunen seines Vaters.

„Wir sind nur zu zweit, Vater. Und ich habe drei Reiter bei der Herde gesehen. Wir hätten Mike mitnehmen sollen.“

Rud Conover wandte seinen Blick nicht von den hellen Rinderleibern, die zwischen den Baumstämmen sichtbar wurden. Er zog, unwillig über Larrys Worte, die Augenbrauen zusammen.

„Wir hätten Zeit verloren, wenn wir Mike von der Weide, geholt hätten“, Larry“, knurrte er halblaut. „Schließlich sind wir Conovers, mein Junge! Wir beide würden auch einer Mannschaft von einem Dutzend rauer Burschen gegenübertreten, nicht wahr?“

Larry schwieg. Da waren sie wieder: der Stolz und die Unnachgiebigkeit des alten Rud Conover!

Es blieb keine Zeit zu weiteren Worten. Sie hatten jetzt die andere Seite des Hickorywäldchens erreicht. Rud Conover hielt seinen Braunen an. Die Winchester lag schussbereit in seiner rechten Armbeuge. Die hellblauen, durchdringenden Augen des schnurrbärtigen Ranchers suchten die drei Männer, die sich nach Larrys Angaben bei der fremden Herde befinden mussten. Aber sein Blick suchte vergeblich: Die Fremden waren nicht zu sehen!

„Vorsicht, Vater!“, gellte in diesem Augenblick Larry Conovers Stimme.

Der große, schnurrbärtige Rancher wirbelte im Sattel herum. Aber da war es bereits zu spät. Etwas seitlich von ihnen brachen zwei Reiter aus einem hohen Gestrüpp hervor. Jeder dieser beiden Männer hielt einen langläufigen Colt in der rechten Faust. Die Augen, die die Conovers anstarrten, blickten kalt und mit glitzernder Härte.

„Keine Bewegung, Gents!“, befahl einer der beiden Reiter.

Rud Conover beugte sich etwas vor. Er hielt immer noch sein Winchestergewehr in den Fäusten. Seine hellblauen Augen verengten sich. Die schlanke, mittelgroße Gestalt seines Sohnes wirkte wie eine angespannte Stahlfeder. Er ließ den Blick unruhig zwischen den beiden fremden Reitern und seinem Vater hin und her wandern.

„Ihr seid die Männer, die zu dieser Herde gehören, nicht wahr?“ Rud Conovers Frage kam leise über die zusammengepressten Lippen.

„Ja!“, nickte einer der beiden hartgesichtigen, drahtigen Reiter. „Das sind wir. Und wir möchten es auch weiterhin bleiben, verstanden? Wir schätzen es nicht, wenn sich irgendwelche Gents in verdächtiger Weise an unsere Herde heranpirschen.“

„Ihr habt uns also schon bemerkt?“

„Sicher!“ Ein kaltes Grinsen huschte über das Gesicht des Sprechers. „Sonst hätten wir euch wahrscheinlich jetzt nicht vor unseren Läufen.“

„Ihr vergesst, dass auch wir Eisen in den Fäusten halten“, sagte der schnurrbärtige Rancher heiser.

Der zweite der beiden Fremden lachte kurz auf.

„Ich möchte aber bezweifeln, ob ihr so schnell und sicher damit umgehen könnt wie wir.“

Die zwei Reiter hatten ihre Pferde bis dicht an die Conovers herangelenkt. Noch immer zielten ihre Colts auf Vater und Sohn.

„Es wäre gut“, sagte der Mann der zuerst gesprochen hatte, „wenn ihr eure Schießprügel an uns abliefern würdet.“

Rud Conover biss sich auf die Unterlippe.

„Ihr geht mächtig scharf ins Zeug. Wir könnten es ja schließlich auch andersherum versuchen. Wir sind zu zweit – und ihr seid zwei. Wenn wir uns nun eine Chance ausrechnen und den Tanz beginnen? Ich wette, dass euch dann eure Überheblichkeit gleich vergehen würde.“

Doch die beiden fremden Reiter verloren ihre Ruhe nicht.

„Das wäre ein großer Fehler, Mister“, sagte der Sprecher wieder. „Wir lassen es darauf ankommen.“

Larry machte zum ersten Mal den Mund auf.

„Vater! Wir sollten vielleicht die Sache auf andere Weise klären.“

Rud Conover blickte seinen Sohn scharf an. Eine Weile schwieg er, und sein Blick bohrte sich fest in die hellen Augen Larrys. Dann nickte er langsam, fast bedächtig.

„Gut, versuchen wir es anders.“

Die Straffheit seines breiten, schnurrbärtigen Gesichts lockerte sich ein wenig.

„Hier habt ihr unsere Waffen!“

Er ließ sein Gewehr sinken, blickte seinen jungen Sohn nochmals scharf an und reichte dann die Winchester einem der beiden Reiter hin.

Die Haltung der Fremden entspannte sich.

„Schön, dass ihr vernünftig seid“, meinte der Sprecher und beugte sich vor, um Rud Conovers Gewehr in die Linke zu nehmen.

In diesem Augenblick handelte der Rancher!

Und er handelte so rasch, so geschmeidig und zielsicher, wie man es ihm bei seiner wuchtigen Größe und seinem Alter nicht zugetraut hätte.

Er duckte sich zusammen, trieb gleichzeitig seinen Braunen vorwärts und riss das Gewehr mit kraftvollem Schwung in die Höhe. Der Schlag erwischte den drahtigen Reiter und warf ihn aus dem Sattel. Der zweite Mann fuhr herum, brachte seinen Colt auf Rud Conover in Anschlag und drückte ab.

Aber der Rancher hatte nicht in seiner Bewegung innegehalten. Sein Brauner machte einen heftigen Satz nach vorn. Die Kugel flitzte an dem großen Mann vorbei. Als der Fremde erneut den Stecher durchziehen wollte, riss Rud Conover mit einem heiseren, knurrenden Laut das Gewehr an die Schulter hoch. Aber es war nicht mehr notwendig, dass er abdrückte, denn der zweite Fremde kippte nun ebenfalls aus dem Sattel und rutschte in das hohe, saftige Grammagras.

Larry Conover schob mit düsterem Gesicht den Revolver, mit dem er zugeschlagen hatte, in den Halfter zurück. Er schaute seinen Vater an. Dieser ließ das Gewehr sinken und lächelte breit.

„Gut gemacht, Larry!“ Aus seiner vollen Stimme war der Stolz herauszuhören. „Wir haben es also doch geschafft, nicht wahr?"

Larry Conover schob den breitrandigen, staubbedeckten Stetson ins Genick zurück. Sein schmales, junges Gesicht wurde von keiner Freude erhellt.

„Sie waren zu dritt, als ich die Herde sah“, betonte er langsam.

Der schnurrbärtige Rancher ließ seinen durchdringenden Blick in die Runde schweifen. Dann zuckte er die Schultern.

„Wir werden schon erfahren, wo der andere Kerl steckt“, meinte er gleichmütig.

Einer der beiden Fremden richtete sich ächzend im Gras auf. Er starrte die beiden Conovers wild und grimmig an.

Der Rancher lächle ihn breit an.

„Siehst du, mein Junge, all deine Überheblichkeit war null und nichtig.“

„Warten wir’s ab!“, knirschte der Mann mit glitzernden Augen.

„Pah!“, lachte Rud Conover rau. „Was sollen wir abwarten? Nehmt eure Herde und verschwindet! Dann wird alles okay sein.“

„Ihr habt kein Recht, uns von diesem Land zu vertreiben. Es wird sowieso bald uns gehören. Wer seid ihr überhaupt?“

Rud Conover ließ ihn nicht weitersprechen. Der Rancher beugte sich weit im Sattel vor.

„Was sagst du da? Wir haben kein Recht dazu? Und dieses Land wird euch gehören, sagst du? Bist du verrückt geworden?“

„Wieso verrückt?“, murrte der Mann unwillig. „Jeff Randall braucht dieses Land und …“

„Jeff Randall?“

„Ja, er ist unser Boss.“

„Aha! Also euer dritter Mann? Und wer seid ihr?“

Der hagere, sehnige Mann schaute den Rancher mit gerunzelter Stirn an.

„Mein Name ist Walt Norfolk Und der Mann, den ihr bewusstlos geschlagen habt und der dort im Gras liegt, ist mein Freund. Er heißt Greg Delling.“

„Und wer, glaubt ihr, dass wir sind?“, fragte Rud Conover fast wild.

Walt Norfolk zuckte unwillig die Schultern.

„Ihr habt euch schließlich nicht vorgestellt.“

„Ich will es dir sagen, Norfolk Mein Name ist Rud Conover, und das ist mein Sohn Larry! Uns gehört diese Weide, auf der ihr euch befindet. Und ich denke, das Gerede, dass euer Boss dieses Land besitzen wird, ist barer Unsinn. Nehmt eure Herde und verschwindet von hier!“ Harte Unnachgiebigkeit schwang in Conovers scharfer Stimme.

Das hagere Gesicht Norfolks war überrascht.

„Sie sind Conover? Sie sind wahrhaftig Conover? Oh, heiliger Himmel, Gent! Wahrend wir uns hier herumschlagen, sitzt unser Boss, Jeff Randall, schon sicher auf Ihrer Ranch und wartet auf Sie.“

Rud Conover zuckte unmerklich zusammen. Er warf einen Seitenblick auf seinen Sohn. Larry rutschte unruhig im Sattel hin und her.

Rud Conover ballte die Fäuste. Er schien den Worten nachzuhorchen, die Norfolk gesprochen hatte. Dann stieß er einen verhaltenen Fluch hervor und riss seinen Braunen herum. Er gönnte Norfolk und dem noch immer bewusstlosen Greg Delling keinen Blick mehr. Entschlossen gab er seinem Pferd die Sporen und preschte den Weg zurück, den sie vorhin gekommen waren Larry Conover sah den hageren, sehnigen Norfolk noch einmal scharf und prüfend an, dann lenkte auch er seinen Gaul herum und folgte im Galopp seinem davonjagenden Vater.

 

*

 

Jeff Randall war ein kräftiger, dunkelhaariger Mann mit einem scharf geschnittenen und braun getönten Gesicht. Diese tiefbraune Hautfärbung war schuld daran, dass sich bei jedem Lächeln die weißen Zähne mit doppelter Wirkung blitzend von seinem männlichen Gesicht abhoben. Und das taten sie auch jetzt, als er neben der jungen, blonden Peggy Conover auf der sonnenbeschienenen Veranda der kleinen Ranch stand.

„Sie sind also sicher, Miss Conover, dass Ihr Vater die Ranch nicht verkaufen wird?“

„Ja, das bin ich“, nickte Peggy Conover mit Nachdruck. Sie strich eine goldblonde Locke aus ihrer klaren Stirn und sah Randall mit ihren hellblauen Augen voll an. „Ich kenne meinen Vater gut genug, um zu wissen, wie er sich entscheiden wird.“

Jeff Randall zuckte mit den Achseln. „Ich habe mich in Whitestone erkundigt und hörte, dass es nicht besonders gut steht um die Ranch Ihres Vaters. Ich war fest überzeugt, dass ich Erfolg haben würde.“

Peggy Conover errötete leicht unter dem direkten Blick aus Randalls dunklen Augen.

„Vater hängt sehr an dieser Ranch“, erwiderte sie leise. „Er ist ein sehr stolzer Mann. Und er will alles daransetzen, um diese Ranch wieder in die Höhe zu bringen. Es ist nicht sein Verschulden, dass er in den letzten Jahren etwas Pech hatte.“

„Und Sie?“, fragte Jeff Randall und lächelte wieder mit blitzenden Zähnen. „Teilen Sie die Meinung Ihres Vaters, Miss Conover?“

„Ja!“, sagte das Mädchen fest. „Ich wäre ebenfalls dagegen, die Ranch zu verkaufen. Larry, mein Bruder, und ich sind hier aufgewachsen. Die Ranch bedeutet uns beiden mehr als nur eine Verdienstmöglichkeit.“

„Ich verstehe das.“ Das Lächeln in Jeff Randalls dunklem Gesicht erlosch. „Ich werde dann wohl nicht zu warten brauchen, bis Ihr Vater zurückkommt. Ich werde wieder reiten müssen.“ Er zögerte etwas und wandte sich noch einmal zu Peggy. „Sie müssen wissen, Miss Conover, dass das nicht leicht für mich ist. Ich befinde mich sozusagen in einer Notlage, und ich rechnete bereits fest damit, schon in wenigen Tagen diese Ranch zu besitzen. Nun ja, es ist eben nicht zu ändern.“

Er ging langsam auf die Stufen zu, die von der Veranda hinab in den Sand des Ranchhofes führten. Dort stand sein Pferd und wartete auf ihn. Als Jeff Randall die Stufen erreichte, blieb er stehen und drehte sich langsam zu Peggy Conover um.

„Es hat mich sehr gefreut, Ihre Bekanntschaft zu machen, Miss Conover“, lächelte er freundlich. „Und ich würde mich freuen, wenn ich Sie wieder einmal sehen und sprechen dürfte.“

Er sah sie gerade und erwartungsvoll an. Sie senkte den Blick. Eine leichte Röte stieg in ihre Wangen.

„Goodbye, Mister Randall!“, sagte sie dann hastig, drehte sich um und verschwand durch die Tür im Innern des langgestreckten, niedrigen Ranchhauses.

Das Lächeln in Randalls Gesicht verstärkte sich.

„Goodbye, Miss Conover!“, rief er laut. Dann ging er die Stufen hinab und schwang sich in den Sattel.

Er hatte eben den Rand des Ranchhofes erreicht, als er zwei Reiter in gestrecktem Galopp über die offene Prärie heranjagen sah.

Er zügelte sein Pferd und schaute ihnen entgegen. Sie hielten direkt auf ihn zu. Als sie nahe genug heran waren, konnte er den Grimm und die Härte in ihren Gesichtern erkennen. Er vermutete sofort, dass er Rud Conover und dessen Sohn Larry vor sich hatte.

„Sie sind Randall, nicht wahr?“, fragte Rud Conover rau und brachte mit einem harten Ruck seinen Braunen zum Stehen. Larry hielt ebenfalls an.

„Ja“, nickte Jeff Randall erstaunt. „Ich war eben auf Ihrer Ranch. Ich wollte …“

„Randall!“, unterbrach ihn Rud Conover scharf. „Wir hatten eben einen Zusammenstoß mit Ihren Männern. Ihre Herde steht auf meiner Weide, und einer Ihrer Männer sagte mir, dass Sie mein Land besitzen wollen. Randall, daraus wird nichts! Machen Sie, dass Sie fortkommen! Ich lasse nicht zu, dass Ihre Longhorns das Gras von meinem Land fressen.“

„Aber, Conover“, begann Jeff Randall. „Das ist ein Missverständnis! Ich war fest davon überzeugt, dass Sie die Ranch an mich verkaufen würden Deshalb ließ ich meine Herde auf Ihre Grenzweide stellen. Conover, ich brauche dringend Land! Lassen Sie sich erklären, wie …“

„Behalten Sie Ihre Erklärung. Randall!“, knurrte der Rancher wild „Reiten Sie fort! Ich will Sie, Ihre Männer und Ihre verfluchten Rinder nicht mehr sehen. Verstanden? Sie denken wohl, weil meine Ranch die kleinste im County ist, können Sie sich alles erlauben? Aber da täuschen Sie sich, Randall! Gewaltig täuschen Sie sich da. Los, worauf warten Sie eigentlich noch?“

Jeff Randalls dunkel getöntes Gesicht wurde noch dunkler. Er presste die Lippen zusammen. Seine Augen begannen zu funkeln.

Larry Conover sah den Wechsel im Gesichtsausdruck. Er wollte etwas Beschwichtigendes sagen. Aber Rud Conover redete bereits weiter.

„Ich will, dass absolute Klarheit herrscht, Randall! Ich gebe Ihnen eine Frist von zwei Stunden. Dann will ich nichts mehr von Ihnen und Ihrer Herde auf meinem Land sehen!“

„Aber Conover“, sagte Randall mit mühsam unterdrücktem Zorn. „Sie sollten sich erst einmal anhören, um was es geht. Sie können doch nicht einfach …“

„Doch, ich kann!“ Rud Conovers Stimme wurde noch schärfer. „Geduld ist nicht gerade meine stärkste Seite, Randall. Reiten Sie jetzt!“

Er legte dabei seine behaarte, kräftige Faust auf den glatten Kolben der Winchester, der aus dem ledernen Sattelfutteral ragte.

Jeff Randall starrte ihn mit funkelnden Augen an. Eine volle halbe Minute verstrich, in der kein Wort fiel.

„Gut“, sagte Randall schließlich tonlos. „Gut, ich reite, Conover.“

Das war alles, kein Wort mehr oder weniger.

Die beiden Conovers sahen ihm nach, als er rasch davongaloppierte. Locker und geschmeidig saß er im Sattel, und der tief geschnallte Revolverhalfter schlug klatschend gegen seinen Oberschenkel.

„Vater“, sagte Larry Conover leise, „du hättest nicht so mit ihm sprechen sollen. Ich glaube, wir haben heute bereits genug Fehler gemacht.“

„Fehler?“, stieß Rud Conover rau hervor. „Ich bin kein Mann, der Fehler macht.“

Larry Conover lächelte bitter. Er sah seinen Vater von der Seite an, sah die Selbstsicherheit seiner großen, breiten Figur und das harte Blinken in seinen hellblauen Augen. Dann blickte er wieder hinter dem davonreitenden Jeff Randall her.

Larry Conover hielt in dieser Minute seine Gedanken zurück. Er verschwieg, dass er jenen Fremden, der sich Jeff Randall nannte, für einen gefährlichen, harten Mann hielt. Und er verschwieg auch seine Meinung, dass sein Vater sich in dieser Minute einen nicht zu unterschätzenden Feind gemacht hatte.

 

*

 

Um die Mittagszeit lastete Tag für Tag die Hitze mit flimmernder Wucht über dem sanftwelligen Prärieland, das sich vor den steilen, zerklüfteten Abhängen der Sierra Bianca nach Osten hin ausdehnte. Diese Hitze war der Grund, dass sich um diese Zeit kein Mensch auf der Straße von Whitestone aufhielt. Um diese Zeit zogen sich die Bewohner des kleinen Städtchens ins dämmerige Innere ihrer Häuser zurück. Und die Stille, die über Whitestone lag, ließ Tag für Tag die kleine Präriestadt wie ausgestorben erscheinen.

Deshalb war es mehr als verwunderlich, dass man an diesem Tag auf der einzigen Straße, die sich in schnurgerader Linie zwischen den Häuserfronten hinzog, Hufschlag hörte. Und es war kein müdes Klopfen, das einen gemächlich dahinziehenden Reiter angekündigt hätte. Es war ein wirbelndes Rasen, ein wilder, trommelnder Rhythmus.

Der Hufschlag verebbte erst, als sich der Reiter dem Sheriff's Office näherte.

Sheriff Jack Keats war an die Tür getreten, die halb offen stand.

Er kniff die Augen zusammen, als er den blonden Mann sah, der sich eben aus dem Sattel schwang und sein schweißbedecktes Pferd an dem glattgescheuerten Haltegeländer vor dem Office festband. Dann sagte Sheriff Keats halblaut über die Schulter nach hinten:

„Es ist Mike Lawton, der einzige Reiter, den die kleine Conover-Ranch besitzt. Er hat seinen Klepper halb zuschanden geritten. John, ich denke, aus der Ruhepause, die du bei mir in Whitestone einlegen wolltest, wird nicht viel werden.“

Grimmiges Bedauern schwang in den Worten Jack Keats’. Er drehte sich jetzt um und wandte sein faltiges Gesicht dem Mann zu, der auf einem Stuhl neben dem breiten, massiven Schreibtisch saß.

US-Marshal John Brown stand langsam auf und trat neben den Sheriff.

„Jack“, sagte er ruhig, „ich habe mir noch nie viel aus Ruhepausen gemacht. Sicher, es wäre schön gewesen, bei dir in Whitestone ein wenig Atem holen zu können. Aber wenn es nicht sein soll – dann eben nicht.“

Er lächelte leicht und klopfte dem Sheriff auf die Schulter.

Sie sahen jetzt beide dem blonden Mann entgegen, der mit langen Schritten die Stufen heraufstürmte, die breite Veranda überquerte und auf die halboffene Tür zukam. Das volle Gesicht des etwas untersetzten, muskulösen Blonden war von einem glitzernden Netz winziger Schweißperlen bedeckt.

Jack Keats stieß die Office-Tür vollends auf.

„Hallo, Mike!“, sagte er. „Was gibt es denn?“

Mike Lawton blieb stehen. Seine nervige Faust wischte fahrig den Schweiß von der Stirn. Sein Atem ging rasch und keuchend. Die breite Brust unter dem straff sitzenden, großkarierten Hemd hob und senkte sich.

„Sheriff“, stieß er mühsam hervor, „Sie bekommen Arbeit.“

Jack Keats runzelte die Stirn Sein Gesicht schien sich unter den ledernen Hautfalten zusammenzuziehen. Er trat in den dämmerigen Raum zurück.

„Komm herein, Mike! Erzähle, was los ist!“

Während er dies sagte, ging er zu seinem Schreibtisch, zog eine Schublade auf und holte den Revolvergurt heraus, an dem ein kurzläufiger Peacemaker-Colt in einem dunklen Halfter hing. Mit geübtem Schwung schnallte Jack Keats den Gurt um.

Mike Lawton trat mit schweren Schritten in das Office.

„Also, Mike, was ist geschehen?“, fragte der Sheriff hart.

John Brown lehnte neben der Tür und hatte die Arme vor der Brust verschränkt. Er musterte Lawton mit raschen, abschätzenden Blicken – so, wie er es gewohnt war.

Mike Lawton hatte die Fäuste geballt. Sein kräftiges Gesicht war leicht verzerrt. Er starrte den Sheriff wie hypnotisiert an.

„Sie haben ihn erschossen!“, keuchte er hervor. „Von hinten hat er eine Kugel ins Herz bekommen – genau ins Herz.“

Jack Keats schluckte.

„Von wem sprichst du, Mike?“

„Von wem?“, presste der Cowboy hervor. „Vom Boss natürlich! Von Rud Conover!“

Die eiskalte Ruhe des Sheriffs war verflogen.

„Conover? Du willst sagen, dass Rud Conover erschossen wurde?“

„Genau das!“, krächzte Lawton „Ermordet wurde er. Heimtückisch und gemein ermordet.“

John Brown lehnte noch immer an der Wand neben der Tür. Noch immer hielt er die Arme vor der Brust verschränkt. Aber in seinen Augen war ein eisiges Funkeln erwacht. Er fing einen Blick seines Freundes, des Sheriffs von Whitestone, auf.

„Du scheinst mit der Prophezeiung recht zu behalten, Jack“, sagte er ruhig. Er schob sich näher an die beiden Männer heran, die sich vor dem breiten Eichenschreibtisch gegenüberstanden.

Seine knappen Worte waren für Sheriff Jack Keats ein Versprechen. Sie waren das Versprechen dafür, dass Keats in den kommenden Stunden mit der Unterstützung Browns rechnen konnte.

 

*

 

Ein Mann stand am Fenster des „Golden Sun Saloon“. Er stand etwas seitlich des offenen Fensterflügels, damit seine hagere Gestalt von draußen nicht zu sehen war. Er behielt unverwandt die Straße im Auge. Ganz starr und reglos stand er. Und diese Reglosigkeit verriet sehr viel Körperbeherrschung.

Erst nach einer geraumen Weile drehte er sich um und beugte sich zu den beiden Männern nieder, die an einem nahen Tisch schweigend ihren Whisky schlürften.

„Es ist so weit“, sagte der Hagere.

Einer der beiden Männer am runden Tisch gähnte.

„Wir haben lange genug gewartet.

Dann bringen wir es eben hinter uns, Jim.“

Er stand auf und rückte mit einer automatischen Bewegung seinen Revolvergurt zurecht. Der tiefgeschnallte Colt klatschte leise gegen seinen Oberschenkel. Der zweite Mann erhob sich ebenfalls. Sein Stuhl scharrte dabei über den ungehobelten Bretterboden.

Der Hagere machte eine unwillige Handbewegung und deutete wortlos zu dem dicken, glatzköpfigen Keeper hin, der hinter der Theke eingenickt war. Außer diesem befand sich sonst niemand im Saloon.

„Ist schon gut, Jim“, nickte der zweite Mann. „Der Kerl dort hat einen gesunden Schlaf. Überdies hat er keine Ahnung, um was es geht.“

„Das ist auch gut so“, nickte Jim Bellew hämisch.

„Lassen wir ihn vorausreiten?“, fragte Cole Hillman, einer der beiden anderen, leise. Es war offensichtlich, dass seine Worte nicht dem schlafenden Barkeeper, sondern einem anderen Mann galten.

„Natürlich!“, erklärte Jim Bellew flüsternd. „Er soll erst zur Conover-Ranch hinausreiten. Ich möchte wetten, dass er sich dann auf den Weg macht, um Jeff Randall zu finden. Erst dann ist unsere Zeit gekommen, amigos!“

Sie traten jetzt zu dritt neben das Fenster, aus dem der hagere Jim Bellew vorhin gespäht hatte.

Rust Looney stieß einen dumpfen Fluch aus.

„Damned! Er ist nicht allein.“

Sie starrten wie gebannt zu den beiden Reitern hin, die in raschem Tempo die Straße herabkamen. Der eine dieser Reiter war Sheriff Keats. Anscheinend war er es, auf den die drei Männer im „Golden Sun Saloon“ gewartet halten „Wer ist der andere?“, fragte Cole Hillman finster.

„Ich kenne ihn nicht“, murrte Rust Looney.

Mit durchdringender Schärfe musterten ihre Blicke jetzt die Gestalt von John Brown, der locker und geschmeidig auf seinem Rappenhengst saß.

„Der Kerl scheint eine harte Nuss zu sein“, brummte Cole Hillman, „Ich verstehe was von Männern dieser Sorte.“

Jim Bellews Augen verengten sich. „Und? Sind wir etwa weniger hart?“

„Keine Sorge, Jim“, lachte Hillman leise und rau. „Ich weiß gut genug, dass wir drei ein unschlagbares Kleeblatt bilden.“

Ein grimmiger Stolz klang aus diesen Worten. Die Augen der drei glitzerten eisig und selbstbewusst. Rust Looneys Finger streichelten fast zärtlich über den rotbraunen Walnussholzkolben seines Colts. Es war ein abgewetzter Kolben, der verriet, dass er oft benutzt worden war. Und allein die Tatsache, dass sein Träger noch lebte, war bedeutsam genug.

„Well“, meinte Looney gleichmütig, „ich bin froh, dass es jetzt losgeht. Warten ist nichts für einen Mann wie mich. Allerdings wird es ein mächtig rau es Spiel werden.“

„Darauf können wir uns verlassen“, sagte Hillman. Aber es klang keine Furcht, nur eine harte Gespanntheit aus seiner Stimme.

Jim Bellew zuckte die Achseln.

„Es bleibt uns keine andere Wahl. Der Plan ist eingefädelt, und er wird ausgeführt werden. Der Gewinn wird jedes Risiko rechtfertigen. Und auch der Fremde, der den Sheriff begleitet, wird uns nicht davon abhalten können, unser Vorhaben auszuführen.“

Sheriff Keats und John Brown befanden sich jetzt auf gleicher Höhe mit dem „Golden Sun Saloon“. Das Tempo ihrer Pferde hatte sich noch gesteigert. Staub wirbelte wie eine gelbe Wolke unter den Hufen auf. Im nächsten Moment hatten die Reiter den drei Männern im Saloon die Rücken zugekehrt. Ein anderer Mann kam langsam vom Sheriff's Office die Straße herab. Er führte ein erschöpftes, schweißbedecktes Pferd hinter sich am Zügel.

„Der arme Mike Lawton“, sagte Jim Bellew mit leisem Spott. „Er scheint hart geritten zu sein.“

Dann blickte Bellew rasch zur Theke hin. Aber der dicke Keeper dahinter regte sich nicht.

Jim Bellew grinste zufrieden. Aber das Grinsen erreichte nicht seine Augen. Sie blieben kalt und ausdruckslos.

„Amigos, seid ihr bereit?“, fragte er dann.

Die beiden anderen nickte.

„Dann gehen wir!“, entschied Jim Bellew, ohne die Stimme zu heben. Und mit der gleichen Ausdruckslosigkeit fügte er hinzu: „Bis zum Abend wird sich bereits mächtig viel getan haben.“

Sie verließen den Saloon, ohne ein Geräusch zu machen, durch den Hinterausgang. Der Barkeeper schlief noch immer. Er wurde erst wach, als Mike Lawton mit polternden Schritten den Raum betrat.

Aber um diese Zeit saßen die drei Desperados bereits auf ihren Pferden und ritten in gestrecktem Galopp in die hitzeflimmernde Prärie hinein, um für John Brown und Sheriff Keats einen tödlichen Hinterhalt zu legen.

 

*

 

Larry Conovers schmales, junges Gesicht war bleich. Seine Hände waren so stark um das Verandageländer gekrampft, dass die Knöchel weiß hervortraten.

Sheriff Keats schaute den jungen Mann mitfühlend von der Seite an, als er leise fragte:

„Du bist also fest überzeugt, Larry, dass dieser Jeff Randall der Täter ist?“

John Brown hielt sich etwas abseits. Er beteiligte sich nicht an dem Gespräch. Aber keines der Worte entging ihm. Er dachte an den Toten, den er drinnen im Haus gesehen hatte und an das Entsetzen in den hellblauen Augen der jungen Peggy Conover. Er dachte an die mühsam unterdrückte Verzweiflung im Gesicht des Sohnes des Ermordeten. Und John wusste, dass er Jack Keats nicht nur deshalb unterstützen würde, weil der Sheriff sein Freund war. Nein, hier war ein gemeiner, hinterhältiger Mord geschehen. So eine Tat durfte nicht ungesühnt bleiben. Der Mann oder die Männer, die dafür verantwortlich waren, durften nicht länger frei über die offene Weide in New Mexico reiten. Das war es, was John bewegte, als er den Worten lauschte, die Keats und Conover wechselten.

„Sheriff, ich habe Ihnen bereits alles erzählt, was gestern vorgefallen ist. Ich habe nichts beschönigt. Vater ist ziemlich schroff aufgetreten, ich gebe es zu. Und schon gestern hatte ich das Gefühl, dass er sich Randall zum unversöhnlichen Feind machte. Es kommt überhaupt kein anderer Mann in Frage.“

„Well, Rud hatte keine Feinde hier im Bezirk“, überlegte Keats mit gerunzelter Stirn. „Das weiß ich gut genug.“

„Yeah. Bis gestern“, nickte Larry Conover heftig. „Gestern machte er sich einen Feind, und heute schon ist er tot. Überdies wurde er dort draußen gefunden, wo wir gestern den Zusammenstoß mit den beiden Reitern Randalls hatten.“

„Rud wollte nachsehen, ob die Herde abgezogen sei, nicht wahr?“, fragte Keats.

„Das wollte er. Und er kam nicht mehr zurück. Ich fand ihn und schickte dann gleich darauf Mike los, um Sie zu verständigen.“

„Darf ich vielleicht zwischendurch eine Frage stellen?“, mischte sich John ein und trat etwas näher.

Larry drehte ihm sein schmales, gequält wirkendes Gesicht zu.

„Aber sicher, Mr. Brown, fragen Sie!“

„Mich würde nur interessieren, ob die Herde bereits abgezogen war, als Ihr Vater erschossen wurde. Das müsste sich doch anhand der Spuren feststellen lassen.“

„Sie war abgezogen", sagte Conover düster. „Nach den Fährten zu urteilen, musste es schon gestern gewesen sein. Aber Randall musste ja damit rechnen, dass Vater nochmals auf der Grenzweide auftauchen würde. Bestimmt lauerte er ihm dort auf.“

„Das schon“, meinte Brown nachdenklich. „Aber sagten Sie vorhin nicht einmal, dass Ihr Vater diesem Jeff Randall gestern eine Frist von nur zwei Stunden einräumte? Er ritt jedoch erst heute Vormittag hinaus, um sich davon zu überzeugen, ob die Rinder fort seien. Randall aber musste annehmen, dass er es gestern noch tun würde.“

„Er ist ein gefährlicher Mann, dieser Randall“, erwiderte Larry Conover grimmig und bitter. „Er ist ein zäher Mann, ich habe das erkannt. Es wird ihm nicht viel ausgemacht haben, die Nacht über zu warten. Randall ist meiner Meinung nach ein Mann, der keine Beleidigung hinnimmt, auch nicht die kleinste. Und mein Vater hat ihn sehr beleidigt.“

„Was allerdings noch lange kein Grund ist, ihm eine Kugel in den Rücken zu jagen“, knurrte der Sheriff. „Wenn Randall wirklich der Täter ist, dann entschuldigt ihn der gestrige Vorfall nicht im Mindesten. Dann ist er nichts weiter als ein hinterhältiger, schuftiger Mörder. Und als solcher wird er sterben.“

„Wenn wir ihn erwischen“, warf Conover skeptisch ein.

„Oh, ich denke doch!“ Sheriff Keats zog sich den Hut tiefer in die Stirn. „Mit zwölfhundert Longhorns kann er sich nicht so rasch aus dem Staub machen. John, was meinst du? Wollen wir uns diesen Randall gleich einmal ansehen?“

„Ich wollte eben den Vorschlag machen“, lächelte John Brown hart.

„Ich komme mit“, warf Larry Conover eilig hin.

Keats warf John einen fragenden Blick zu. Der schüttelte den Kopf.

„Mr. Conover“, sagte er leise. „Denken Sie an Ihre Schwester! Sie dürfen Sie in dieser Situation nicht allem lassen.“

Im bleichen Gesicht des jungen Ranchersohnes arbeitete es.

Jack Keats legte ihm die rechte Hand auf die Schulter.

„Er hat recht, Larry“, erklärte er heiser. „Wir beide werden es schon schaffen. Dein Platz ist hier auf der Ranch und bei Peggy.“

Larry Conover schluckte. Er nickte nur. Schweigend drückte er dem Sheriff und John Brown die Hand. Und wortlos und ohne Bewegung sah er ihnen nach, wie sie eilig vom Ranchhof ritten.

 

*

Eine Stunde später folgten John Brown und der Sheriff einer breiten, deutlichen Rinderfährte, die in die Richtung zum Rio Branco führte.

Sie ritten schweigend Seite an Seite. Beide waren sie Männer, die nichts von unnützen Worten hielten. Und deshalb war nur das Pochen der Pferdehufe und ab und zu das Knarren des Lederzeugs zu hören.

Bis dann plötzlich ein Alarmschrei die Stille zerriss.

„Vorsicht, Jack!“ Es war John, der den Ruf hinausschrie.

Sie ritten unweit einer dichten, mannshohen Gruppe von Mesquitebüschen. John Brown hatte dort mit wachsamem Blick eine schattenhafte Bewegung wahrgenommen. Er war der Mann, der eine solche Bewegung sofort zu deuten wusste.

Aber sein Schrei kam zu spät.

Drei grellrote Blitze zuckten zwischen dem graugrünen Blattwerk hervor. Das Krachen der Schüsse hallte wie das rollende Dröhnen eines gewaltigen Donnerschlages.

John hatte keine Sekunde verloren und ließ sich aus dem Sattel fallen. Auf gebuckeltem Rücken landete er im Gras und rollte sich sofort herum.

Dort, wo er eben noch gelegen hatte, wischte gleich darauf eine Kugel ins Gras. Im selben Moment war ein dumpfes Fallgeräusch zu hören.

John fand keine Zeit, sich umzusehen. Noch im Rollen hatte er den Colt gezogen und gab nun einen hastigen Schuss auf das dichte Strauchwerk ab.

Im nächsten Moment flammten wieder die drei grellen Mündungsfeuer auf. John schnellte seitlich in die Höbe. Er hörte das Pfeifen der Geschosse, spürte, wie etwas heiß über seine linke Schulter schrammte, und zog erneut den Stecher durch. Eine raschelnde Bewegung in den Mesquitebüschen wurde laut. Nochmals schoss John und machte gleichzeitig einen Satz zur Seite. Er befand sich auf freier Fläche, und seine Gegner schossen verteufelt gut. Eine eiskalte Wut stieg in ihm auf. als ihm bewusst wurde, wie gering seine Chancen waren.

Er kam nicht dazu, weiter darüber nachzudenken. Er stolperte. Daran war ein massiger, großer Gegenstand schuld, der dicht neben ihm im Gras lag. Aber vielleicht rettete dieses Stolpern John Brown das Leben. Denn eine Kugel jaulte nur einen Zoll entfernt an seinem Kopf vorüber. Und dann lag John in Deckung, obwohl es bis vor einer halben Minuten noch keine Deckung gegeben hatte.

Er lag hinter dem toten Pferd des Sheriffs. Eine Kugel hatte das Tier genau zwischen die Augen in die Stirn getroffen.

John blickte sich nach Jack Keats um. Er hatte keinen Schuss vom Sheriff gehört, und eine bange Ahnung stieg in ihm auf. Und als er Keats nur wenige Yards von sich entfernt reglos und mit dem Gesicht nach unten am Boden liegen sah, da traf ihn dieser Anblick wie ein Faustschlag.

Er duckte sich tief hinter den noch warmen Leib des toten Pferdes, als neue Kugeln aus dem Mesquitegebüsch heranpfiffen. Schlagartig begriff er: Dieser gemeine, hinterhältige Überfall galt allein dem Sheriff! Auf ihn waren die ersten zwei Coltschüsse gezielt gewesen. Einer davon hatte seinen Gaul, der zweite aber ihn selber getroffen. Es waren drei Männer, die dort zwischen den Sträuchern kauerten, das war weiterhin klar. Und es mussten harte, gefährliche Männer sein, wenn sie es sogar wagten, auf einen Sternträger zu schießen. Es mussten wahrhaftig gefährliche Burschen sein, und sie mussten weiterhin einen triftigen Grund für ihr Vorgehen haben.

Noch etwas anderes begriff John Brown in diesen Sekunden: Seine Gegner würden nicht ruhen, bis sie auch ihn ausgeschaltet hatten. Es blieb ihnen gar nichts anderes übrig, als dies zu tun. Sie hatten gemordet. Sie hatten einen Sheriff erschossen. Binnen kurzer Zeit würde darüber das ganze Land in Aufruhr sein. Deshalb durften sie nicht zulassen, dass ein Zeuge dieser Tat entkam. Und der Art nach, wie jene Verbrecher vorgingen, war John überzeugt, dass ihm einige der härtesten Minuten bevorstanden, die er je erlebt hatte.

Zwischen den Büschen war es still. Die Banditen waren klug genug, um einzusehen, dass John momentan gut gedeckt war. Sie waren nicht die Männer, die unnütz Munition verschwendeten. Nichts regte sich. Die Stille, die jetzt über der sonnenhellen Prärie lag, wirkte so, als wäre nichts geschehen.

Aber dann war plötzlich ein leises Geräusch zu hören. Es kam nicht von den Sträuchern her. Es wehte von der Seite an den wartenden Mann hinter dem toten Pferd heran. Es war ein leises Stöhnen.

Johns Kopf ruckte herum. Er starrte mit angespannter Miene zu Jack Keats hin. Und dann sah er, wie der Sheriff anfing, sich mühsam zu bewegen.

Aus engen Augen spähte John rasch zu den Sträuchern hin. Es kam jetzt darauf an, ob die Banditen die Bewegung des Sheriffs ebenfalls wahrgenommen hatten. Aber zwischen dem Gebüsch war alles ruhig.

Keats versuchte, sich auf die Ellenbogen zu stützen. Aber er schaffte es nicht. Kraftlos sank er vornüber und blieb wieder reglos im Gras liegen. Er konnte es unmöglich fertigbringen, aus eigener Kraft hinter dem toten Gaul in Deckung zu gelangen.

Das bedeutete: John musste ihn holen!

Er schätzte die Wegstrecke ab. Es waren nicht mehr als vier Yards. Aber es waren vier Yards über eine offene, ungeschützte Fläche, vier Yards, auf denen er den Desperados eine wunderbare Zielscheibe bieten würde.

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738921939
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v436865
Schlagworte
showdown conover-ranch

Autor

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Titel: Showdown auf der Conover-Ranch