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Schicksale im Haus an der Ecke #9: Hanna macht mobil

©2018 102 Seiten

Zusammenfassung

Agnes, eine von Hamburgs zahlreichen Tüllen, war aus dem Krankenhaus entwischt, nachdem man ihr mitgeteilt hatte, dass sie Aids habe. Im gesamten Kiez sucht man nach ihr, nachdem Kommissar Wegner dem Ludenkönig Marek ein Ultimatum gestellt hatte, um Agnes zu finden. Man befürchtete nämlich, sie würde weiterhin als Hure arbeiten und diese schlimme Krankheit verbreiten. Kein Wunder, dass der Großlude in heller Aufregung war, denn wenn er die Dirne nicht fand, würde die Polizei im Sündenviertel kein Stein mehr auf dem andern lassen – damit wären Mareks Tage als der „King“ gezählt. Allerdings wusste er zu dem Zeitpunkt nicht, dass ihm mit seiner Mutter Lotte noch viel größerer Ärger blühte ...

Leseprobe

Table of Contents

Hanna macht mobil

Copyright

Die Hauptpersonen:

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

Hanna macht mobil

Schicksale im Haus an der Ecke #9

von G. S. Friebel

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 102 Taschenbuchseiten.

 

Agnes, eine von Hamburgs zahlreichen Tüllen, war aus dem Krankenhaus entwischt, nachdem man ihr mitgeteilt hatte, dass sie Aids habe. Im gesamten Kiez sucht man nach ihr, nachdem Kommissar Wegner dem Ludenkönig Marek ein Ultimatum gestellt hatte, um Agnes zu finden. Man befürchtete nämlich, sie würde weiterhin als Hure arbeiten und diese schlimme Krankheit verbreiten. Kein Wunder, dass der Großlude in heller Aufregung war, denn wenn er die Dirne nicht fand, würde die Polizei im Sündenviertel kein Stein mehr auf dem andern lassen – damit wären Mareks Tage als der „King“ gezählt. Allerdings wusste er zu dem Zeitpunkt nicht, dass ihm mit seiner Mutter Lotte noch viel größerer Ärger blühte ...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Die Hauptpersonen:

Agnes, krankes und meistgesuchtes Mädchen in Hamburg.

Lilian, kleine Straßendirne, soll für viel Geld in eine andere Identität schlüpfen.

Hanna, Dirne im Eckhaus, nimmt eine wichtige Sache in die Hand.

Dazu die Bewohner vom Haus an der Ecke.

 

 

1

Marek wurde aus seinem schönsten Tiefschlaf gerissen. Jemand schien die Türglocke eindrücken zu wollen. Der furchtbare Lärm hörte einfach nicht auf. Er schrie nach Lorenz. Bis ihm einfiel, dass der ihm gesagt hatte, er würde heute in aller Frühe mit Deike fortfahren.

Fluchend richtete er sich auf und sah schon im Geiste, wie er denjenigen zur Minna machte, der es wagte, ihm um diese Zeit die Bude einzurennen. Mit einem Ruck riss er die Tür auf und wollte sogleich losbrüllen. Doch in letzter Sekunde erkannte er den Kommissar. Sein Mund klappte zu, und dann sagte er ziemlich mürrisch: »Kommen Sie rein. Frühstück gibt es aber nicht! Ich bin solo!«

»Ihnen laufen wohl die Angestellten weg? Nun, das ist ja nicht so wild. Ich habe eine Sache, wenn wir die nicht sofort in Ordnung bringen, dann wackelt unser beider Stuhl.«

»Witze am Morgen kann ich ganz besonders gut vertragen!«

»Sie werden sofort das Mädchen herbeischaffen! Und dann ist was fällig! Wer sie versteckt hält, kann sich auch auf etwas gefasst machen.«

»Sollen wir uns so einigen, Sie sagen, was Sie von mir wollen. Ich höre schweigend zu, setze anschließend meinen Apparat in Bewegung und kann mich wieder schlafen legen?«, stöhnte der Oberlude.

»Die Agnes, die Tülle, die man zusammengeschlagen hat, ist aus dem Krankenhaus ausgebüxt!«

»Meine Güte, sie wird die Rechnung nicht bezahlen können. Sie weiß ja noch nicht, dass die anderen Tüllen dafür aufkommen müssen!«

»Wenn es das nur wäre! Sie ist ausgebüxt, weil man ihr gesagt hat, dass sie Aids habe!«

Marek wurde jetzt vollkommen wach. »Das darf doch nicht wahr sein«, flüsterte er. Jetzt war das eingetreten, wovor er sich die ganze Zeit gefürchtet hatte. Die Bullen wussten um einen Fall im Viertel. Und die Tülle schien ausgebrochen zu sein.

»Sie wird anschaffen gehen. Sie denkt sich bestimmt, solange ich es noch kann, werde ich mir Mäuse ein bunkern. Dem Mädchen wird es doch egal sein, ob sie dabei Kerle ansteckt oder nicht. Im Gegenteil, vielleicht ist das sogar noch ihre Rache. Irgendein Kerl muss sie ja angesteckt haben.«

Marek goss sich einen Schnaps ein.

»Sie gehört sozusagen Ihnen«, sagte der Kommissar. »Sie sind für sie verantwortlich!«

»Sie zahlt nur für die Innung. Mehr nicht!«

»Sie werden sie mir herschaffen! Ob tot oder lebendig, das stört mich diesmal nicht. Es muss nur die richtige Person sein. Verstehen Sie! Und wenn Sie sie nicht sehr schnell finden, muss ich alles durchkämmen! Alles!«

Das bedeutete, er würde auch die Bars, die festen Häuser, einfach jeden Stein in dieser Stadt umdrehen, wo man eine Dirne vermuten konnte. Es bedeutete Aufregung und riesigen Geschäftsverlust für alle. Für jeden Luden! Auf unabsehbare Zeit! Man würde erst damit aufhören, wenn man das Mädchen gefunden hatte. Wie gesagt, tot oder lebendig!

»Sie sind verrückt!«

»Sie haben zwanzig Stunden Zeit!«

»Nein! Das ist nicht genug.«

»Doch! Ich kann Ihnen nicht eine Stunde länger geben. Denn ich riskiere schon jetzt meinen Stuhl.«

Marek rannte hin und her.

»Wahnsinn! Ich kann fast Unmögliches möglich machen. Aber was zu viel ist, ist zu viel! Deike ist nicht da. Lorenz ist nicht da. Ich werde noch verrückt!«

Der Kommissar lächelte ihn kühl an.

»Sie wissen jetzt, es tickt eine Zeitbombe im Viertel. Wir müssen sie entschärfen. Packen wir zwei es nicht, dann wird die Presse davon erfahren. Und wie es dann weitergehen soll, kann ich Ihnen auch nicht sagen. Jeder Kunde wird dann nur noch Angst haben, weil er ja glauben muss, ausgerechnet diese Tülle gekauft zu haben.«

»Oh nein!«

Der Großlude fiel auf einem Stuhl zusammen und stöhnte wild auf. »Und das mir! Ausgerechnet!«

»Sie wissen jetzt Bescheid. Mehr kann ich nicht für Sie und Ihr Viertel tun.«

»Ich werde alle Hebel in Bewegung setzen«, versprach Marek.

An schlafen war jetzt nicht mehr zu denken, als der Kommissar ihn verließ.

 

 

2

Großlude zu sein, das hieß, es allen recht machen. Immer die Nase vorn haben. Nie einen Schritt zurück. Immer die besten Wege für die Sache herausfinden. Mit einem Wort, man durfte sich keinen Fehler erlauben. Wenn ja, dann wackelte der Stuhl schnell und unwiderruflich. Man war sich darin einig, wenn einer versagte, dann taugte er nichts mehr. So einfach machten es sich die Zuhälter. In den anderen Städten der Welt reagierten sie genauso. Darum konnte man wirklich von einem kleinen Wunder sprechen, dass Marek noch immer an der Spitze war. Umsonst hatte er nicht schon jetzt graue Schläfen. Das Leben war doch nicht so einfach, wie die Außenstehenden es sich dachten. Viel Geld! Jeden Wunsch sich erfüllen können! Die Nerven und die vielen schlaflosen Stunden, die bei diesem Job draufgingen, all das wurde nicht gesehen.

Sicher kam es immer mal wieder vor, dass auch sein Thron zu wackeln begann. Doch er fing sich jedes Mal und lebte wieder für eine Weile unbehelligt. Marek wusste aus Erfahrung, wer einmal fiel, hatte für immer sein Gesicht verloren. Er würde sich nicht mehr aus dem Staub erheben können. Die anderen würden nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen, und von allem, was er für das Viertel geleistet hatte in den vergangenen Jahren, würden nicht mal mehr die jungen Mädchen auf dem Babystrich reden. Noch ein Jahr weiter, und man würde nicht mal mehr den Namen Marek kennen.

Das Sündenviertel konnte gnadenlos sein.

Der King wusste es.

Es gab auch in seinem Leben immer mal wieder einen Augenblick, in dem er sich verzweifelt sagte: »Verflucht noch einmal! Warum schinde ich mich eigentlich so ab? Was bringt es mir ein? Wahnsinn! Eines Tages lande ich mit einer Kugel zwischen den Rippen, wenn nicht gar mit Betonklötzen an den Füßen im Fluss, und das war es wohl! Das war dann mein Leben! Den Zaster habe ich dann noch nicht mal ausgeben können. Lohnt es sich dafür?«

So ein Augenblick war jetzt mal wieder gekommen!

Nervös rannte er hin und her.

»Kannst du mir mal sagen, warum ich es noch mache? Kannst du es vielleicht?«

Ida wich zurück. So hatte sie den King noch nie erlebt. Als er vorhin in ihre Eckhausküche gestürmt war, hatte sie erst loslegen wollen, weil er hier wieder den Betrieb störte. Und wenn er vielleicht dachte, er könnte hier etwas finden, was nicht so lief, wie es sein sollte, dann konnte er sich einpökeln. Sie, Ida, hatte alles im Griff.

Noch viel mehr Gedanken waren ihr durch den Kopf geschwirrt. Doch dann hatte sie seine Augen gesehen, und ihre Lippen wirkten mal wieder wie zugenäht. Diesen Ausspruch hatten die Eckhausmädchen geprägt. Dann hatte Ida ganz schmale Lippen. Sie waren von lauter kleinen Querfältchen durchzogen. Der ganze Mund sah dann so aus, als würde er sich nie mehr öffnen.

Marek, der Großlude, roch gar nicht den angenehmen Duft, den die Kochtöpfe verströmten. Dabei aß er recht gerne bei ihr. Ida war für Hausmannskost. Und in welchem Feinschmeckerlokal bekam man noch so etwas?

»Wahnsinn! Ich muss wirklich von einem tollwütigen Hund gebissen worden sein«, stöhnte er laut weiter. »Ich verstehe mich selbst nicht mehr. Weiß du, was ich tue? Nein? Du weißt es nicht?«

Ida wandte den Kopf angeekelt zur Seite.

»Rück mir nicht so auf die Pelle«, zischte sie ihn an.

»Ich werde mir irgendwo eine Insel kaufen. Hinziehen und alle Brücken hinter mir abbrechen. Ich werde dann den ganzen Tag am Strand sitzen. Und wenn einer wagen sollte, meine Insel zu betreten, dann werde ich ihn abschießen! Jawohl! Ich werde ständig eine Knarre bei mir haben und jedem das Lebenslicht auspusten. Ich will endlich meine Ruhe!«, brüllte er ganz zum Schluss seiner merkwürdigen Ansprache.

Die Dirnen standen oben im Flur und steckten die Köpfe zusammen. Als sie nun den Schrei des Großluden hörten, zuckten sie zusammen. Selbst Hanna, die sonst nichts so leicht aus der Ruhe brachte, biss sich auf die Lippen.

»Wir müssen etwas tun«, wisperte Bärbel. »Wir können doch Ida mit dem verrückten Kerl nicht allein lassen. Das wird sie uns nie verzeihen.«

»Wir werden viele Wochen angebranntes Essen bekommen«, murmelte auch Gwen.

»Wisst ihr vielleicht, weswegen er sie so anschreit?«

Die Edeltüllen blickten sich ratlos an.

»Nein! Ich habe nichts läuten gehört«, sagte auch Yvette, das Mischlingsmädchen mit den schönen großen Augen.

»Dabei hört die doch das Gras wachsen«, kicherte Rita.

»Hört auf und zankt euch jetzt nicht«, fuhr Hanna dazwischen. »Ich muss herausfinden, was Ida wieder angestellt hat. Verdammt! Konnte sie nicht damit warten, bis Deike wieder hier ist! Ich habe keine Lust, mir die Finger zu verbrennen.«

»Vielleicht gehst du mal nach unten und fragst nach!«

Wenn Hanna nicht ihr Gesicht verlieren wollte, musste sie es wohl oder übel tun. Deike, die Bordellmutter hatte ihr die Verantwortung übertragen. Alles war so gut gelaufen! Ida hatte sich nicht mal ärgerlich gezeigt, als sie gehört hatte, dass ihre heiß geliebte Deike mal wieder fortfahren wollte, ohne zu sagen wohin.

»Wartet hier oben!«

Ihre Knie waren puddingweich. Schließlich hatte sie es mit dem Großluden zu tun. Er konnte sie wegwischen wie eine lästige Fliege. Sie zahlte an die Innung und brauchte deswegen keinen Zuhälter. Der Großlude war sonst sehr verständnisvoll. Aber seine Stimme klang heute so wild, dass sie spürte, wie ihr Herz heftig zu klopfen begann.

Dann hörte sie Ida ein paar Worte murmeln. Hanna dachte nur: Wenn sie doch nur so gescheit wäre und ihn nicht noch reizen würde. Die blöde Ziege soll nicht auch noch Öl ins Feuer gießen. Was will sie damit bezwecken?

Marek fauchte Ida an. Es entstand ein heftiger Zank. Als Hanna die Küchentür öffnete, fuhren die beiden auseinander.

»Kann ich helfen?«

Ida hatte einen hochroten Kopf. Sie hielt noch ihr Fleischmesser in der Hand.

»Kannst du diesen Idioten mal fragen, was er hier will? Seit einer halben Stunde rennt er hier wie ein Strichjunge in meiner Küche herum, latscht mir die Farben von den Fliesen und kreischt dazu wie ein Papagei. Aber ich weiß immer noch nicht, was er will!«

Hanna warf dem eleganten Großluden einen hastigen Blick zu.

»Deike kommt doch in zwei Tagen wieder«, sagte sie beruhigend. »Ist doch wirklich keine Ewigkeit. Hier läuft alles bestens.«

»Noch«, sagte der Großlude. »Noch! Doch das wird sich ändern. Ich bin nämlich zum ersten Mal an einem Punkt angelangt, wo ich passen muss.«

Selbst Ida, die ihm eben noch die Pest an den Hals gewünscht hatte, fuhr erschrocken zusammen.

»Was ist los? Jetzt rede endlich!«

Marek stöhnte heftig auf. Darin setzte er sich erschöpft an den weiß gescheuerten Küchentisch und legte sein Gesicht in beide Hände. Meine Güte, dachte er unwillkürlich. Wenn mich meine Kollegen so sehen könnten, die würden sich totlachen.

»Also hört genau zu. Es ist zwar alles gelaufen. Doch man kann ja nie wissen. Vier Stunden stehen mir ja noch zur Verfügung.«

»Vier Stunden? Wofür?«

»Ich hatte zwanzig Stunden. Sechzehn Stunden Kleinarbeit sind vorbei.«

Hanna und Ida wussten, was es bedeutete, wenn Marek von Kleinarbeit sprach. Das hieß im Klartext, man hatte im Viertel überall heimlich, praktisch fast lautlos, eine Suchaktion gestartet. Kein Kunde war nervös geworden. Niemand hatte bemerkt, wie fieberhaft die Hilus herumsuchten. Sie hatten sich ja auch als Kunden ausgeben müssen. Man hatte dabei keinen Stein auf dem anderen gelassen.

»Vor einigen Tagen ist auf der Straße eine Strichkatze zusammengeschlagen worden. Sie heißt Agnes. Sie ist von ihren Kolleginnen verprügelt worden. So schlimm, dass man sie ins Krankenhaus bringen musste. Sie ist zu gut gewesen. Weil die Luden das Soll höher schraubten, hatten die verdammten Mädchen diesen Einfall. Agnes ist außerdem bei der Innung angemeldet. Soll ein nettes Mädchen sein. Man hat sie ins Krankenhaus gekarrt und wieder zusammengeflickt. Waren nur viele Platzwunden und Schürfwunden! Ihr wisst ja, das Übliche! Dann hat man ihr Blut untersucht. Aids positiv ist dabei herausgekommen!«

»Verdammt!«, sagte Hanna erschrocken. »Nun geht die Panik also richtig los. Wir mussten ja damit rechnen. Wir werden uns etwas einfallen lassen müssen.«

»Quatsch, das ist es doch nicht! Deswegen würde ich mich doch nicht so aufregen.«

Ida starrte ihn an.

»Warum dann?«

»Der blöde Stationsarzt wusste nichts Besseres, als ihr das Ergebnis auf den Kopf zuzusagen. Weder die Bullen noch sonst einer wurde vorher verständigt.«

»Und?«

»Sie ist aus dem Krankenhaus abgehauen.«

»Au Backe!«, sagte Hanna tief erschrocken. Jetzt begriff sie die Tragweite.

»Der Kommissar wurde sofort verständigt. Ist zu mir gekommen. Wenn wir in vier Stunden das Mädchen nicht ranschleppen, ob lebend oder tot, dann sind wir geliefert.«

Hanna blickte Ida an.

Diese bekam einen mörderischen Blick.

»Soll das vielleicht heißen, wegen so einer miesen kleinen Tülle soll ich mein Lebenswerk hier aufgeben? Soll das vielleicht heißen, wegen so einer heißen Kuh müssen wir alle leiden?«

»Man wird davon ausgehen, dass sie hier irgendwo ist und wir sie nicht rausrücken! Wir müssen sie vorzeigen!«

»Das soll wohl ein Witz sein! Wegner ist doch sonst nicht so bescheuert«, schimpfte die alte Köchin.

»Wegner nicht. Wenn ich es nur mit dem zu tun hätte, wäre ich nicht hier. Aber Aids, Ida! Kapiere das doch einmal! Wenn das die Kunden hören!«

Sie blickte ihn wütend an.

»Eine angesteckte Dirne läuft bei uns frei herum! Wenn sich das herumspricht, werden die Straßen und Häuser hier leer werden. Wir können hier dann ein Kinderheim eröffnen. Kapiere das doch endlich!«

»Wir haben damit nichts am Hut. Außerdem, wieso sollen die Kerle davon erfahren?«

»Das Wort Presse ist dir wohl auch noch nicht untergekommen, wie?«

Ida hatte mal einen Pressefotografen verprügelt und hatte kein sehr gutes Verhältnis zu diesen Leuten.

»Wer soll denn plaudern?«

»Mensch, Ida! Da brauchst du doch wirklich nicht lange zu suchen. Für ein paar Scheine plaudert fast jeder, der Geld nötig hat. Außerdem hören die Kerle doch die Läuse husten.«

Hanna lehnte an der Wand und dachte: Oh nein, das ist ja schlimmer, als ich ahnte.

»Und was ist bis jetzt gelaufen?«

»Zwanzig Stunden habe ich Vorsprung bekommen. Ich habe alles, was nicht gerade scheintot ist, zusammengetrommelt und habe denen verklickert, was läuft. Wir haben gesucht bis vor gut einer Stunde. Ich selbst habe mich beteiligt.«

Hanna blickte ihn an. Deswegen sah er so müde und erschöpft aus.

»Tut mir leid! Das ist ja wirklich ein dicker Hammer!«

Sie konnte sich vorstellen, wie seine Kollegen ihn unter Druck setzten.

»Ich muss sie finden«, murmelte er immer wieder. »Ich muss sie finden.«

Ida blickte ihn fast mütterlich an. Dann holte sie einen Teller, füllte ihn mit heißer Suppe und schob ihn dem Großluden hin. »Da, stärke dich erst einmal. Ich koche dir auch einen starken Kaffee.«

»Ich brauche nichts«, sagte er schwach, zog dann doch die Suppe näher.

»Wenn Deike da wäre, würde sie einen Rat wissen!«

Hanna warf ihr einen beschwörenden Blick zu. Doch da hatte sie den Satz schon vollendet.

Marek hob den Kopf.

»Deike! Ja, sicher! Wenn einer noch helfen könnte, dann sie! Wo kann ich sie erreichen?«

Hanna und Ida blickten zu Boden.

Der Großlude wartete auf die Antwort.

»Ich dachte, du weißt, wo sie ist«, murmelte Ida.

»Ich?«

»Hat sie denn nicht deinen Lorenz mitgenommen?«, meinte Ida ein wenig spitz.

»Mir bleibt auch nichts erspart«, flüsterte der Großlude. »Verdammt und zugenäht! Das habe ich halt vergessen. Ich habe es ihr auch noch ans Herz gelegt.«

»Was?«

»Sich um Lorenz zu kümmern«, sagte er.

Ida zog eine Augenbraue hoch.

»Seit wann braucht dein persönlicher Diener Deike? Also hör mal, jetzt gehst du wirklich zu weit, Marek. Deike hat mit sich selbst genug zu tun. Ich dachte, die fährt weg, um ein wenig auszuspannen. Wir waren uns doch einig, dass wir sie alle paar Wochen fortschicken. Da gibst du ihr ein Problem mit!«

»Na ja! Ich dachte halt, dass sie ins Grübeln kommt, wenn sie nichts zu tun hat.«

Ida, die selbst einst eine Dirne gewesen war, im Alter dann in der Gosse gelandet war und kurz vor dem Selbstmord gestanden hatte, von Deike jedoch eine neue Chance bekommen hatte, verehrte diese tief. Für sie tat sie alles. Deike, früher eine begehrte Superedeltülle, war dann an Krebs erkrankt. Man hatte sie operiert. Seither hatte sie ein gestörtes Verhältnis zu den Männern. Sie leitete nun seit ein paar Jahren dieses Eckhaus. Hatte es erst einmal zu dem gemacht, was es jetzt darstellte. Deike musste sich zwischendurch immer mal wieder erholen. Weil man wusste, wie gefährdet ihre Gesundheit war, waren alle darauf bedacht, sie so lange wie nur irgend möglich zu erhalten.

Kein Wunder, dass Ida jetzt fast aus der Haut fuhr.

»Was hat Lorenz denn angestellt?«, sagte Hanna hastig, an Marek gerichtet. Sie spürte, wie Ida sich aufblähte, und wenn sie erst einmal eine Chance bekam, sich zu äußern, würde man wieder da sein, wo man vor einer guten Viertelstunde gewesen war, bevor sie, Hanna, in die Küche gekommen war. Die beiden würden sich wieder wild anschreien, und die Nachtschicht würde dabei kein Auge zutun können. Schlaf hatten die Mädchen aber bitter nötig. Schließlich hatten sie die ganze Nacht auf der Rampe gestanden oder im Zimmer gearbeitet.

»Mein Lorenz stellt nichts an«, sagte der Großlude wütend. »Er hat nur ein paar Probleme und ist unglücklich.«

Lorenz, ein Mann in den Fünfzigern, wurde von allen Eckhausmädchen gern gemocht. Gundalena, ein junges Mädchen aus den Bergen, hatte es mal ganz besonders auf ihn abgesehen gehabt und hatte sich den netten und immer wie ein Butler herausstaffierten Lorenz unter den Nagel reißen wollen. Es war ihr nicht gelungen, denn er liebte keine Frauen. Gundalena hatte nie die Wahrheit erfahren, wie überhaupt nur ganz wenige im Eckhaus von seiner Veranlagung wussten. Die alten Stammhasen waren eingeweiht. Die hielten aber dicht.

»Mann, als wenn wir keine anderen Probleme hätten!«, entfuhr es Hanna unwillkürlich. Doch dann lächelte sie leicht vor sich hin. Deike war ja fortgefahren, um für die Mädchen einen Ausflug zu arrangieren, den der Großlude mal wieder bezahlen sollte. Davon hatte der noch keine blasse Ahnung.

»Wir sollten lieber noch einmal suchen«, entfuhr es Hanna, »als hier herumzusitzen und uns anzugiften.«

»Warum fährt sie immer fort, ohne zu sagen, wohin?«, stöhnte Marek.

»Ganz einfach! Weil du sofort hinterhertelefonieren würdest«, sagte Ida hämisch grinsend.

»Ist doch gar nicht wahr!«, schrie der Großlude.

»Und? Würdest du es jetzt nicht tun?«

»Dies ist doch eine Ausnahme!«

»Wir werden es auch ohne sie schaffen. Eine Ida lässt sich nicht unterkriegen. In meinem Leben habe ich schon ganz andere Stürme überstanden. Ein wenig wanken dürfen wir alle mal. Doch jetzt stramm die Schultern und ran an den Feind! Wir bringen es bestimmt.«

»Und wenn nicht? Diesmal können wir die Beamten nicht mit Worten besoffen machen«, sagte Marek ätzend.

»Wir werden ihnen das Mädchen bringen!«

»Tot oder lebendig!«

»Sie wollen die Tülle, also werden sie die Tülle kriegen!«

»Ida, du bist verrückt! Was alle Hilus nicht geschafft haben, wie willst du das bringen?«

»Du hast doch eben gesagt, sie wollen das Mädchen, dann sind sie zufrieden? Klar! Also beschaffen wir ihnen ein Mädchen, und wir sind alle Sorgen los. Hier laufen doch genug herum. Ich meine, es dürfte uns doch wirklich nicht schwerfallen, ein Mädchen dafür zu gewinnen.«

Der Großlude riss die Augen auf.

»Du willst ihnen ein falsches Mädchen unterschieben?«

»Willst du deinen Kopf riskieren?«

Marek stöhnte auf.

»Du bist wahnsinnig, Ida. Du hast wirklich noch immer nicht begriffen, was hier läuft. Aids! Verstehst du? Die sind langsam in Panik!«

»Schrei mich doch nicht so an!«, fuhr Ida ihn an. »Ich brauche meine Nerven noch. Meine Güte, Marek! Wir wollen ja sauber bleiben. Wir brauchen nur ein wenig Zeit.«

Marek ging hin und her. Der Gedanke, ein falsches Mädchen zu liefern, war nicht schlecht. Die Polizei würde sich mit ihr befassen und eine Zeit lang Ruhe geben. Diese Zeit würde man dann nutzen können, um die richtige Agnes zu finden. Wirklich, Ida hatte nicht mal so unrecht. Sie brauchten nur einfach ein Mädchen abzuliefern. Wenn sie dann später Agnes fanden, würden sie sie bringen und konnten dann noch immer sagen, sie hätten aus Versehen einen falschen Griff getan.

Ida blickte ihn scharf an.

»Nun?«

Marek seufzte. »Mensch, Ida, wenn das rauskommt, dann bringen sie uns zur Strecke.«

»Wir können auch mal einen Fehler machen!«

Marek ging hin und her. Seine Gedanken rasten. Sollte er mit den anderen Großluden das absprechen? Würden sie helfen? Das Mädchen war schließlich in der Innung. Somit gehörte sie vielen Luden zugleich. Diese Beträge teilten sie nach einem gewissen Schlüsselverfahren unter sich auf. Die Luden mussten ihm beistehen. Saßen sie denn nicht alle im selben Boot?

»Und wieso soll sich eine Tülle dazu bereit erklären?«

Ida sagte: »Es soll ja nur eine Notlösung sein. Wir werden erst suchen. Aber die Kleine müsste schon im Kasten sitzen. Ich meine hier im Haus. In letzter Sekunde werden wir sie dann präsentieren. Natürlich mit Geld! Geld ist doch immer ein gutes Lockmittel. Such mir eine billige Tülle, die nicht auf Geld abfährt!«

Marek konnte jetzt nicht mehr klar denken. Er musste erst mit den anderen darüber sprechen.

Er ging zur Tür.

»Was ist denn jetzt?«

»Ich werde mich wieder melden.«

Ida nickte grimmig.

»Wir bringen das schon.«

»Du weißt wirklich nicht, wo Deike ist?«

»Du hast sie doch selbst mit Lorenz fortgeschickt. Hast du das vergessen?«

»Nein!«

 

 

3

Lorenz war einerseits glücklich, mit Deike zusammen sein zu dürfen. Andererseits war er auch unglücklich. Jemand, der liebt, ist unglücklich, wenn er weiß, dass seine Liebe nicht erwidert wird. Oder anders ausgedrückt, er will es einfach nicht wahrhaben. Er gaukelt sich etwas vor.

»Was hältst du davon, wenn wir hier Station machen?«, wollte Deike wissen.

Sie waren kurz vor ihrem Ziel. In diesem exklusiven Hotel war sie schon mal gewesen. Seinerzeit hatte sie sich hier für ein paar Tage erholt. Marek und Lorenz hatten sie dann abgeholt. Man kannte sie also recht gut hier.

»Du meinst, wir sollen hier übernachten?«

»Ja! Dann machen wir einen Plan zusammen und fahren morgen früh weiter. Wir müssen uns einen sehr hübschen Ort aussuchen, sonst sind die Mädchen nicht zufrieden. Er darf ja nicht zu still, aber auch nicht zu unruhig und überlaufen sein. Sie wollen in Ruhe gelassen werden. Sonst könnten wir ja gleich in Hamburg bleiben. Na, was meinst du?«

»Gut!«

Sie stiegen aus. Die guten Geister des Hotels kümmerten sieh sogleich um das Gepäck und den Wagen. Ja, man hatte zwei Zimmer für sie. Deike blickte Lorenz an.

»In drei Stunden treffen wir uns unten zum Essen, ja?«

Lorenz nickte. In seiner stillen, demütigen Art richtete er sich ständig nach anderen Menschen.

»Gern. Ich werde unten sein.«

Deike war müde und wollte sich ein wenig ausruhen. Sie kam nicht einen Augenblick lang auf die Idee, dass es vielleicht nicht gut war, ihn allein zu lassen.

Kaum hatte sie also die Halle verlassen, ging Lorenz zum Telefon. So kam es, dass er seiner Liebe mitteilte, wo er sich gerade befand. Er konnte ja nicht ahnen, dass Deike ihn mitgenommen hatte, damit er davon loskam.

»Ja, ich bleibe hier über Nacht!«

Lorenz bettelte ihn an. Er wollte nicht ohne Gefühle leben. Er hatte mal wieder einen Rappel, wie er das selber nannte. Alle zehn bis fünfzehn Monate kam das mal vor, dass er sich verliebte. Immer in die falschen Typen. Weil er eben so weichherzig war. Diesmal hatte es ihn ganz besonders schlimm gepackt. Deike ahnte es nicht.

Oben im Zimmer angekommen, packte sie sogleich die Koffer aus und legte sich hin. Sie sah aus dem Fenster und dachte: Es ist schön, mal wieder frei zu haben. Frei wie ein normaler Mensch sein. Meine Güte, wie genieße ich das. Sie hob den Hörer auf und rief ihre Haushälterin an. Imka sollte heimfahren und sich auch ein paar nette Tage gönnen. Doch sie hatte es abgelehnt. Mit den Worten: »Was soll ich dort? Ich verstehe sie nicht mehr. Mein Leben hier in Hamburg ist so anders geworden. Die Eltern und Geschwister leben auf dem Land und kennen nicht meine Gedanken und Interessen. Wir reden aneinander vorbei. Für ein paar Stunden bin ich ganz gerne mit ihnen zusammen. Doch dann langweile ich mich entsetzlich.«

Sie hatte das junge Mädchen verstanden. Imka war bezaubernd. Einst hatte man sie mit brutaler Gewalt ins Eckhaus verschleppt und sie gezwungen, als Dirne zu arbeiten. Deike hatte sie davon befreien können. Seither liebte Imka Deike über alles und war ihr treu ergeben.

»Freu dich, dass du noch Familie hast«, hatte sie gemeint. »Was glaubst du, wie sehr sich die Mädchen im Eckhaus danach sehnen, eine Anlaufstelle zu haben, wo sie immer wieder hingehen können. Du musst dich auch darüber freuen, dass deine Eltern und Geschwister nie erfahren haben, dass du mal ein anderes Leben führen musstest.«

»Ich bin dir dankbar«, hatte sie geantwortet. »Wenn ich dich nicht kennengelernt hätte, Deike, wäre ich jetzt bestimmt nicht mehr am Leben.«

»Aber, aber. So schlimm war es auch wieder nicht! Niemand wollte dich umbringen.«

»Nein, ich hätte mich selbst getötet«, hatte sie ruhig geantwortet.

Als sie jetzt die helle Stimme vernahm, fühlte sie Freude in sich hochkommen. Imka war ihr so vertraut geworden, und es war wichtig für Deike, einen solchen Menschen um sich zu haben. Sie konnte sich zwar wirklich jeden Luxus erlauben. Jeden Wunsch, der ihr in den Sinn kam, hätte sie sich erfüllen können. Doch Deike hatte durch ihre Erkrankung sehr wohl erfahren müssen, wie wenig man im Grunde genommen mit Geld wirklich anstellen konnte. Was war das denn schon? Eine tolle Wohnung, ein großes Auto? Viele schöne Kleider? Schmuck? Wenn man nicht gesund war, war das alles überflüssig. Dann konnte man es nicht mehr ertragen.

»Hallo! Ich bin hier gut angekommen. Hast du etwas gehört?«

Imka lachte leise auf.

»Ida hat vor einer guten Stunde angerufen.«

»Ach ja? Warum denn?«

»Das Übliche! Sie ist mal wieder sauer, dass sie nicht weiß, wo du dich herumtreibst!«

Deike schmunzelte vor sich hin.

»Aber, aber, Ida ist doch so beschäftigt!«

»Ihre Stimme klang ein wenig seltsam«, gab Imka jetzt zu. »Vielleicht solltest du dich doch mal bei ihr melden? Das alte Mädchen würde sich freuen.«

»Lass sie das nicht hören, dass du sie altes Mädchen genannt hast«, gab Deike lachend zurück. »Nein, ich werde mich nicht melden. Sie hat ja auch ihre Geheimnisse. Ich habe die meinen. Also sind wir uns einig?«

»Na schön! Kannst du mir denn sagen, wo du im Augenblick bist?«

»Nein«, lachte Deike fröhlich. »Ich kenne dich. Du wirst dann hingehen und Ida alles ausplaudern. Du willst dich nur bei ihr einschmeicheln.«

»Es könnte doch mal sein, dass im Eckhaus irgendwas nicht recht klappt«, sagte Imka hastig. »Wäre ja nicht das erste Mal.«

»Dann sollen sie endlich mal lernen, allein damit fertigzuwerden. Sie sind erwachsen. Außerdem wird Hanna schon dafür sorgen, dass Ida nicht das Eckhaus abbrennt.«

»Ich wünsche dir schöne Tage, Deike. Ist Lorenz wirklich nett zu dir?«

»Wenn er doch nur ein wenig fröhlicher wäre«, seufzte Deike auf. »Langsam fange ich an, es zu bereuen, dass ich ihn mitgenommen habe. Er hat fast den ganzen Weg vor sich hin geschwiegen. Der arme Bursche! Wie kann man ihn nur aufmuntern? Weißt du nicht, ob er für irgendetwas eine Vorliebe hat? Deswegen habe ich ihn doch mitgenommen, um ihn wieder fröhlich zu stimmen. Na ja! Vielleicht fällt mir noch was ein.«

Imka meinte trocken: »Ich denke, er verehrt dich?«

»Im Augenblick wohl nicht.«

»Dann liegt es an dir, wenn er dich nicht sieht.«

»Hör mal! Was soll das denn heißen?«

»Zeige ihm, dass du ihn magst! Dass du ihn schätzt! Zwinge ihn einfach dazu, sich zu unterhalten! Rede wie ein Wasserfall, dann kommt er nicht dazu, zu grübeln!«

»Danke für deinen Rat«, seufzte die Bordellmutter. »Ich wollte eigentlich abschalten. Mit Ida muss ich schon immer lange Gespräche führen. Sag mal, was ist aus dem alten Mädchen geworden, das Ida angefahren hat?«

»Wir wissen es noch immer nicht. Sie scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein.«

Details

Seiten
102
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738921687
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (November)
Schlagworte
schicksale haus ecke hanna
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