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Dr. Kayser und eine Lüge aus Liebe

2018 102 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Dr. Kayser und eine Lüge aus Liebe

Copyright

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Dr. Kayser und eine Lüge aus Liebe

Arztroman von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 102 Taschenbuchseiten.

 

Aglaja Jörgensen und Elmar Petri treffen zufällig in der Praxis von Dr. Sven Kayser zusammen, und schon funkt es zwischen den beiden. Liebe auf den ersten Blick! Doch da ist noch Ilse Braun. Diese schöne junge Frau ist die Freundin von Elmar. Nach kurzer Zeit trennt sich der gut aussehende Lehrer von ihr, um mit Aglaja zusammen sein zu können. Ilse fühlt sich von Elmar gedemütigt und wünscht ihm und seiner neuen Freundin nur das Schlechteste. Ihr Wunsch scheint sich zu erfüllen, denn auf einer Party erleidet Aglaja schlimmste Verbrennungen und verliert ihr Augenlicht ...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

1

Lothar Scholze, ein weit über die Grenzen Grünwalds, Münchens, ja sogar Bayerns hinaus bekannter Bildhauer, stellte seine Werke in einer großen Kunsthalle in der Geiselgasteigstraße aus, und Dr. Sven Kayser, der praktische Arzt und Geburtshelfer, erschien dort mit seinen beiden Assistentinnen Gudrun Giesecke und Marie-Luise Flanitzer, um sich die eigenwilligen Exponate seines langjährigen Patienten anzusehen.

Schwester Gudrun, die recht rundliche Berlinerin, schüttelte den Kopf. Sie stand vor einem monströsen Gebilde aus vielen, mehrfach verschlungenen Armen und Beinen, das keinen Kopf, dafür aber einen Riesenbuckel hatte.

„Hässlich. Angsteinflößend“, sagte sie schaudernd, ,,‘ne Ausjeburt von ’nem kranken Jehirn. Det würde ick denken, wenn ick den Künstler, der det verbrochen hat, nich persönlich kennen würde.“

Ihre junge Kollegin Marie-Luise Flanitzer schmunzelte.

„Und was werden Sie ihm sagen, wenn er Sie fragt, wie Ihnen das da gefällt?“

„Uff keenen Fall die Wahrheit.“

Schwester Marie-Luise lachte. „Aber, aber.“

„Ick bin normalerweise ’ne ehrliche Haut, det weeßte“, erklärte die Perle von der Spree, „aber wenn ick jemanden mag und ihm nich wehtun möchte, erlaube ick mir schon mal ’ne kleene Notlüje.“

„Ich möchte nicht wissen, wie viele Notlügen sie uns schon aufgetischt hat“, sagte Dr. Kayser grinsend zu Marie-Luise Flanitzer.

„Oh, Chef, det hält sich in erträglichen Jrenzen“, beteuerte Gudrun Giesecke ihrem gut aussehenden Arbeitgeber.

Sie gingen zum nächsten Exponat. „Jonathan“, stand im Katalog.

„Sieht aus wie ein Außerirdischer“, stellte Marie-Luise Flanitzer leise fest. „Man könnte meinen, ein versteinertes Wesen aus einer anderen Galaxis vor sich zu haben.“

„Dann stimmt es also doch, dass es im Universum außer uns noch andere intelligente Wesen gibt“, meinte der Arzt.

Schwester Gudrun betrachtete die Skulptur kritisch.

„Also für intellijent würde ick den da nich halten, Chef. Der hat eher die Visage von ’nem Vollidioten.“

Lothar Scholze trat zu ihnen, ein mittelgroßer, kräftiger Mann mit kahlgeschorenem Kopf und markanten Gesichtszügen. Er war mit achtundfünfzig Jahren noch immer ein Rebell, der niemals Kompromisse machte und deshalb von Zeit zu Zeit die sensiblen Gemüter des Landes erhitzte, wenn er mal wieder irgendwo kräftig angeeckt oder ins Fettnäpfchen getreten war. Bei Dr. Kayser war er wegen seines Diabetes in Behandlung.

„Freut mich, Sie mit Ihrem gesamten Team hier zu sehen, Herr Doktor“, sagte er zu Sven Kayser.

Dann wandte er sich an die Assistentinnen des Grünwalder Arztes. „Nun, wie gefallen Ihnen meine Werke?“

„Sie sind sehr - ausdrucksstark“, antwortete Marie-Luise Flanitzer verlegen. Gudrun Giesecke nickte. „Nett. Sehr nett. Wenn ick mir diesen ,Jonathan’ leisten könnte und wenn er nich so schwer wäre, würde ick ihn uff der Stelle schultern und zu mir nach Hause schleppen. Aber leider bin ick nich kräftig jenug. Und über det nötje Kleinjeld verfüje ick ooch nich.“

Der Künstler lachte.

„He, Dr. Kayser, ich wusste gar nicht, dass Sie Ihre tüchtigen Mitarbeiterinnen so schlecht bezahlen.“

„Oh, für dreimal tächlich Wasser und Brot reicht et, aber nich für ’ne Skulptur von Lothar Scholze“, scherzte Schwester Gudrun. „Muss ja ooch nich sein, so’n Luxus, nich wahr?“

Elmar Petri, der achtundzwanzigjährige Neffe des Bildhauers, Lehrer von Beruf und ebenfalls ein Patient von Sven Kayser, gesellte sich zu ihnen. Er war groß und schlank, hatte dichtes brünettes Haar und ein sehr angenehmes Wesen. Wenn er lächelte, stahl sich ein spitzbübischer Ausdruck in seine dunklen Augen, und in seinen Wangen bildeten sich hübsche Grübchen. Höflich begrüßte er jetzt die Arzthelferinnen.

Als Lothar Scholzes größter Kritiker - was dieser ihm überhaupt nicht übelnahm, sagte er zu Dr. Kayser: „Ich werde niemals den Erfolg meines Onkels verstehen. Würden Sie sich eine dieser Scheußlichkeiten in den Garten stellen? Oder gar in Ihr Haus? Wenn ja, hätten Sie wahrscheinlich bald keine Patienten mehr.“

„Hören Sie mal“, warf Gudrun Giesecke ermahnend ein, „ Sie könn’ doch die Werke des Meisters nich in seiner Jejenwart so runtermachen.“

„Wieso nicht?“

„Naja ...“ Schwester Gudrun hob die Schultern, und unbeirrt fuhr Elmar Petri fort: „Wir leben in einem freien Land, in dem jeder offen seine Meinung sagen darf. Andere meckern hinter Onkel Lothars Rücken. Das tue ich nicht, weil ich es nicht fair finde. Ich sage ihm ins Gesicht, was ich von seinen Skulpturen halte, und er weiß das zu schätzen.“ Er warf einen leicht ironischen Blick hinüber zu der gewaltigen Arme- und Beine-Skulptur.

„Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Jeder hat - und das finde ich richtig so - einen anderen. Vielen Menschen geht es genau wie mir. Sie wissen mit dem Werk des exzentrischen Meisters zwar ebenfalls nichts anzufangen, kaufen sich aber dennoch was von Lothar Scholze, weil es heute modern ist, eine Skulptur von ihm zu besitzen, und um zu zeigen, wie tolerant sie sind - und wie wohlhabend, denn diese hässlichen Dinger sind nicht gerade billig, wie Sie dem Katalog entnehmen können.“ Er legte seinem kahlköpfigen Onkel liebevoll den Arm um die Schultern und behauptete: „Meister Scholze könnte auch anders. Ich kenne aus seiner frühen Schaffensperiode eine Venus, die kann sich mit der von Michelangelo durchaus messen, aber wenn ein Künstler keinen eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt, bleibt er für immer und ewig einer von vielen. Das hat mein geschäftstüchtiger Onkel vor vielen Jahren schon erkannt, die ersten Ungeheuer geschaffen und mit ihnen den Grundstein für seinen beispiellosen Erfolg gelegt. Heute besitzt er ein tolles Haus in der teuersten Gegend von Grünwald, und in seiner Garage stehen zwei teure Limousinen.“

„Und ich habe einen fantastischen Neffen“, warf der Bildhauer grinsend ein. Er war Witwer, hatte seine Frau vor zehn Jahren verloren. Brustkrebs. Zwei Jahre hatte sie gekämpft, gehofft und gelitten - und er mit ihr. Als sie gestorben war, hatte er ein Jahr lang nicht gearbeitet. Die Ehe war kinderlos gewesen, und ein zweites Mal hatte Lothar Scholze nicht geheiratet. Er hatte gelernt, mit der Einsamkeit umzugehen und fand sich in seinem Single-Dasein sehr gut zurecht.

Jetzt erspähte er in der weitläufigen Kunsthalle einen betuchten Fabrikanten mit einem hübschen rothaarigen Püppchen an seiner Seite, das seine Tochter hätte sein können. Der Mann hatte bereits einige Scholze Skulpturen in seinem Park stehen und schien auf der Suche nach einem neuen Werk des Meisters zu sein, deshalb bat Lothar Scholze, man möge ihn entschuldigen, er müsse jemanden begrüßen, und begab sich sodann zu den beiden.

Seinen Platz nahm einen Augenblick später eine weitere Patientin von Dr. Kayser ein: Ilse Braun. Die schöne schwarzhaarige Zahntechnikerin war seit einem halben Jahr mit Elmar Petri liiert. Davor war sie eine Zeitlang mit dessen Kollegen Götz Hasenauer zusammen gewesen.

„Anscheinend hat unsere gesamte Patientenschar die Absicht, sich hier ein Stelldichein zu geben“, meinte Marie-Luise Flanitzer schmunzelnd.

„Könnten wa jleich hier mit der Sprechstunde anfangen, Chef, wa?“, stellte Schwester Gudrun lachend fest.

„Wie geht es Ihnen?“, fragte Dr. Kayser die Zahntechnikerin.

Ilse Braun schob ihre Hand unter Elmar Petris Arm und antwortete strahlend: „Mir geht es hervorragend. Ich bin verliebt.“

„Det sieht’n Blinder mit ’nem Krückstock“, kicherte Gudrun Giesecke.

Ilse blickte zu Elmar hoch, als würde sie ihn anbeten. Sie konnte sich sehr schnell für jemanden begeistern, das wusste Dr. Kayser, und ihm war auch bekannt, dass sie manchmal sehr sprunghaft war. Deshalb konnte er nicht so recht glauben, dass diese Liaison von Dauer sein würde. Aber im Moment hing für Ilse Braun der Himmel voller Geigen.

Dr. Kaysers Handy läutete.

„Entschuldigung“, sagte der Allgemeinmediziner und nahm den Anruf entgegen.

„Tut mir leid, ich muss gehen“, erklärte er Sekunden später. „Ein Notfall.“

Und weg war er.

 

 

2

Die Situation wurde für Ilse Braun unangenehm, als Götz Hasenauer, ihr Exfreund, in Begleitung einer sehr jungen, auffallend zurechtgemachten Brünetten in der Kunsthalle erschien. Er schien sich mit dem Teenager sehr gut zu verstehen. Sie kicherte ununterbrochen.

Kurz nachdem Dr. Kayser die Halle verlassen hatte, hatten sich auch seine Assistentinnen verabschiedet. Und nun waren Götz Hasenauer und dieses ständig kichernde Kind da. Götz hatte Ilse noch nicht bemerkt. Aber sie ließ ihn seit dem Eintreten nicht mehr aus den Augen.

„Sieh dir das an!“, meinte sie heiser zu Elmar, als das Mädchen an Götz’ Seite mal wieder schrill kicherte. „Woher hat er denn die? Aus dem Kindergarten?“

„Lass ihn doch!“, erwiderte Elmar Petri gleichgültig.

„Die passt doch überhaupt nicht zu ihm.“

„Sein Bier.“

„Er ist dreißig und sie? Ich wette, die kennt die Uhr noch nicht und kann noch nicht mit Messer und Gabel essen.“

„Warum bist du denn so gehässig?“, fragte Elmar Petri verwundert. „Ich finde die Kleine ganz niedlich.“

Ilse funkelte ihn streitlustig an.

„Bin ich dir mit meinen fünfundzwanzig Jahren etwa schon zu alt?“

„Mädchen“, sagte Elmar besänftigend, „krieg dich wieder ein, sonst muss ich noch denken, du bist auf Götz’ Begleiterin eifersüchtig und wärst gerne an ihrer Stelle.“

„An ihrer Stelle?“, fragte Ilse spitz. „An Götz’ Seite? Da war ich schon mal, wie dir bekannt ist, und es hat mir da nicht besonders gefallen, sonst wäre ich ja geblieben.“

Sie zupfte Elmar am Ärmel. „Lass uns verschwinden!“

„Geht nicht mehr“, erklärte Elmar gepresst.

„Wieso nicht?“, wollte Ilse nervös wissen. Sie kehrte ihrem Exfreund den Rücken zu.

„Götz hat uns soeben entdeckt.“

Ilse stöhnte: „Mir bleibt auch nichts erspart.“

„Sie kommen zu uns“, sagte Elmar.

„Macht er sich eigentlich nicht strafbar, wenn er mit so einem blutjungen Ding ...“

„Sie ist bestimmt schon achtzehn.“

„Das glaube ich nicht.“

Elmar griente. „ Soll ich sie fragen?“

„Bist du verrückt?“

Elmar hob belustigt die Schultern. „Ich dachte, es würde dich interessieren?“

„Warum sollte mich diese Lolita interessieren?“

„Du kennst ihren Namen?“

„Man sagt Lolita, wenn ...“

„Das weiß ich, du brauchst es mir nicht zu erklären“, fiel Elmar ihr ins Wort. „Ich wollte dich bloß aufziehen.“

„Hallo, ihr beiden“, dröhnte Götz Hasenauer.

„Hallo, Götz“, entgegnete Elmar Petri.

Ilse Braun drehte sich um und tat überrascht. „Oh, hallo, Götz!“

„Darf ich euch Gitti Wiesner vorstellen?“ Götz Hasenauer schob seine schöne junge Begleiterin vor. „Gitti, das ist mein Kollege Elmar Petri. Und das ist Ilse Braun, meine ...“

Ilse lachte. „Hast du Schwierigkeiten, es auszusprechen?“

Sie wandte sich an Gitti Wiesner und streckte ihr spontan die Hand entgegen.

„Ich bin seine Exfreundin. Guten Tag, freut mich, Sie kennenzulernen. Ich nehme an, Sie sind Götz’ neue Flamme.“

„Flamme?“, fragte Gitti Wiesner verwirrt. „Oh.“ Sie begriff und errötete. „Nein.“ Sie lachte gezwungen. „Wir spielen zusammen Tennis im selben Klub, und da Götz sich diese Ausstellung ansehen wollte, schloss ich mich ihm an. Ich bin nämlich ein ganz großer Fan von Lothar Scholze. Ich halte ihn für einen begnadeten Künstler.“

„Dieser Müll gefällt Ihnen?“, fragte Elmar Petri.

Gitti sah ihn empört an. „Wie können Sie sich anmaßen ...“

„Er darf das“, sagte Götz Hasenauer grinsend. „Er ist der Neffe des Meisters.“

Gitti Wiesner sah Elmar Petri leidenschaftlich an.

„Sie sollten dennoch nicht so abwertend über die Arbeit Ihres höchst erfolgreichen Onkels reden, Herr Petri.“

„Elmar, wenn Sie möchten.“

„Was gefällt Ihnen an diesen Skulpturen?“, wollte Ilse Braun wissen.

Gitti Wiesner zuckte mit den Schultern.

„Alles. Einfach alles. Die geniale Formgebung. Die unverwechselbare Art, mit der der Künstler den Stein bearbeitet. Die gewollten Stilbrüche. Der Ideenreichtum, der jeder dieser Skulpturen anhaftet.“

„Ich bin überrascht, was sich in diese unansehnlichen Klötze alles hineindeuten lässt“, lachte Elmar Petri. „Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, Gitti, aber ich kann diesen furchterregenden Ungetümen einfach nichts abgewinnen, und ich weigere mich, mich zu verstellen, bloß weil ich mit dem Künstler, der sie geschaffen hat, zufällig verwandt bin.“

Gitti lächelte versöhnlich.

„Wenn wir auch nicht einer Meinung sind, so gefällt mir doch Ihre Ehrlichkeit, Elmar.“

„Und mir imponiert Ihre Toleranz, Gitti.“

„Was macht dein Knie, Götz?“, fragte Ilse Braun, um das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken.

„Oh, das ist wieder voll belastbar“, antwortete Götz Hasenauer und machte ein paar tänzelnde Schritte.

„Was war mit deinem Knie?“, wollte Gitti Wiesner wissen.

„Ich hatte vergangenen Winter einen Skiunfall“, klärte Götz das hübsche Mädchen, das so viel von Lothar Scholzes unverständlicher Kunst hielt, auf. „Vier Wochen Gips, humpeln auf Krücken, Muskelaufbautraining, Reizstrommassage, gymnastische Therapie ... War eine langwierige Sache, aber nun ist alles wieder bestens.“ Er tänzelte noch einmal, um es zu beweisen.

Ilse bat Elmar, sie nach Hause zu bringen.

„Wir sind bereits zwei Stunden hier“, sagte sie zu Gitti und Götz.

„Und wir haben noch so gut wie nichts gesehen“, sagte Götz Hasenauer.

„Dann mal ran an die steinernen Missgeburten“, empfahl Elmar grinsend. Und zu Gitti ernst: „Entschuldigung.“ Er deutete auf Götz. „Wir sehen einander morgen in der Schule.“

„Aber sicher doch“, erwiderte Götz Hasenauer und nickte.

Ilse und Elmar wünschten Gitti und Götz einen angenehmen Kunstgenuss, verabschiedeten sich von ihnen und danach auch von Lothar Scholze und verließen die Kunsthalle.

Während der Heimfahrt äffte Ilse ihren Freund nach: „Elmar, wenn Sie möchten.“

„Na und?“, gab Elmar grinsend zurück.

„Wie rührend.“ Ilse schüttelte den Kopf. „Warum hast du dich nicht vollends zum Deppen gemacht und dem Kind auch noch galant die Hand geküsst?“

„Warum hätte ich nicht freundlich zu ihr sein sollen? Du warst ja auch nicht gerade besonders abweisend zu ihr.“ Jetzt äffte Elmar Ilse nach: „‘Guten Tag, freut mich, Sie kennenzulernen. Ich nehme an, Sie sind Götz’ neue Flamme.’“

„Ich habe gute Miene zum bösen Spiel gemacht“, verteidigte sich Ilse Braun. „Hast du ihre Fingernägel gesehen?“

Elmar Petri schüttelte den Kopf. „Was war damit?“

„Viel zu lang waren sie.“

„Das kann dir doch egal sein.“

„Die tut zu Hause mit Sicherheit keinen Handgriff. Lässt sich von Mutti und Vati verwöhnen, das Prinzesschen.“

„Stört dich das?“

Ilse machte mit dem Nachäffen weiter. Nun war Gitti dran: „‘Wenn wir auch nicht einer Meinung sind, so gefällt mir doch Ihre Ehrlichkeit, Elmar.’“ Und dann nahm sie wieder ihren Freund aufs Korn: „‘Und mir imponiert Ihre Toleranz, Gitti.’ Ach herrje! Nicht auszuhalten ist so viel Schleimerei.“

„Ich begreife deine zynische Reaktion nicht“, stellte Elmar gekränkt fest.

„Du hast dich vor diesem Teenager ja beinahe hingekniet“, behauptete Ilse Braun.

„Blödsinn!“

„Willst du das etwa leugnen?“

„Und ob“, erwiderte Elmar Petri empört. „Weißt du, was ich glaube?“, fragte er, als das Fahrzeug vor einer roten Ampel hielt. Er sah Ilse dabei an.

„Was?“

„Ich glaube, du hast ein Problem.“

„Ich? Welches Problem sollte ich haben?“

„Mir kommt so vor, als wärst du über die Trennung von Götz noch überhaupt nicht hinweg.“

„Was soll denn der Quatsch?“

„Trauerst du dieser Beziehung noch nach?“, wollte Elmar Petri wissen. Er hätte es Ilse nicht übelgenommen.

„Warum sollte ich?“

Elmar zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Sag du es mir!“

„Ich habe mit Götz Schluss gemacht.“

Elmar nickte. „Das ist mir bekannt. Aber vielleicht hast du dir von mir mehr versprochen. Vielleicht werde ich aber deinen hochgesteckten Erwartungen nicht gerecht, und nun sehnst du dich wieder nach Götz. Das wäre eine plausible Erklärung dafür, dass du an seiner Seite kein weibliches Wesen sehen möchtest.“

„Das ist keine plausible, sondern eine absolut dumme Erklärung, die jeglicher Logik entbehrt“, entgegnete Ilse. Sie schwieg einen Moment, dann fauchte sie: „Jede Wette, dass Götz was mit der Kleinen hat. Ich kenne ihn doch.“

Es wurde grün, Elmar fuhr weiter. Er spürte, dass die Stimmung einen leichten Knacks abbekommen hatte.

 

 

3

„Ich glaube, deine Exfreundin mag mich nicht“, stellte Gitti Wiesner fest, nachdem Ilse Braun und Elmar Petri die Kunsthalle verlassen hatten.

„Ach, Unsinn.“ Götz Hasenauer schüttelte den Kopf.

„Ich hab’s gespürt. Sie hätte mich am liebsten auf den Mond geschossen.“

„Das bildest du dir ein“, entgegnete Götz.

„Elmar dagegen ist nett.“

Götz nickte. „Er ist ein großartiger Kollege, auf den man sich jederzeit voll verlassen kann.“

„Macht es dir nichts aus, dass er jetzt mit Ilse zusammen ist?“

Götz zuckte mit den Schultern.

„Ich kann es nicht ändern. Sie hat sich für ihn entschieden, und ich konnte sie nicht daran hindern, sich von mir zu trennen.“

„Wenn du sie daran hättest hindern können - hättest du’s getan?“

„Ja“, erwiderte er, es klang irgendwie traurig.

„Hättest du sie gerne wieder?“

„Ja“, sagte Götz Hasenauer noch einmal.

Es war tatsächlich nichts zwischen Gitti und ihm. Er hatte sie im Klub nur ein bisschen unter seine Fittiche genommen, weil sie so gut Tennis spielte und er ihr helfen wollte, noch besser zu werden.

„Dann solltest du nichts unversucht lassen, um sie wiederzubekommen“, riet Gitti ihm.

Er ließ den Kopf hängen und seufzte.

„Ich habe keine Chance gegen Elmar.“

Gitti bohrte ihm kichernd ihren Zeigefinger in den Bauch.

„He, stell dein Licht nicht unter den Scheffel! Du bist mindestens genauso gut wie Elmar Petri. Also kämpf gefälligst um deine Liebe!“

„Ich soll einem anderen die Partnerin ausspannen? Das liegt mir nicht.“

„Die beiden passen ohnehin nicht richtig zusammen“, behauptete Gitti. „Glaub mir, du tust sowohl dir als auch Elmar nur einen Gefallen, wenn du dir Ilse wiederholst.“

Götz musterte sie von Kopf bis Fuß und fragte grinsend: „Sag mal, bist du sicher, dass du erst achtzehn und nicht bereits achtundzwanzig bist?“

„Köpfchen zu haben und zu wissen, wann das Richtige zu tun ist, hat nicht unbedingt etwas mit dem Alter zu tun. Mir ist das angeboren.“ Sie hängte sich bei ihm ein. „So, und nun lass uns die Ausstellung genießen.“

„Würdest du Lothar Scholze gerne kennenlernen?“, erkundigte sich Götz Hasenauer.

„Was soll die Frage?“ Gitti Wiesner kicherte aufgeregt. „Ja. Natürlich. Ich wäre überglücklich.“

Er nickte. „Das kann ich arrangieren.“

Sie drückte sich an ihn. „O Götz, du bist ein Schatz.“

 

 

4

„Dieser Notfall jestern, Chef“, sagte Schwester Gudrun, als Dr. Sven Kayser im Sprechzimmer seinen weißen Arbeitskittel anzog und sich auf die Vormittagssprechstunde vorbereitete. „Wat war det?“

„Frau Brunnenfels“, antwortete der Grünwalder Arzt. „Ein schwerer Asthmaanfall. Ich musste sie in die Seeberg-Klinik einweisen.“

Therese Brunnenfels litt seit ihrer Kindheit an Asthma, aber einen so schweren Anfall wie gestern hatte sie noch nie gehabt.

„Ich habe sie heute Morgen besucht“, fuhr der Allgemeinmediziner fort. „Es geht ihr schon wieder gut. Morgen darf sie nach Hause gehen.“ Der praktische Arzt setzte sich an seinen Schreibtisch. „Sind Sie und Marie-Luise noch lange in der Kunsthalle geblieben?“

„Nee.“ Die Berlinerin schüttelte den Kopf. „Wir sind bald nach Ihnen jejangen. Und in der Nacht hatte ick Alpträume.“

„Wegen der Skulpturen?“ Sven Kayser lachte.

„Sie erwachten zum Leben.“ Gudrun riss die Augen auf. „Ach, du liebes bisscken, war det vielleicht schaurig, det kann ick Ihnen flüstern. Ick war die halbe Nacht uff der Flucht vor diesen Scheusalen.“

„Arme Icke“, bedauerte der Arzt seine tüchtige Helferin.

„Und mit so wat macht Lothar Scholze ooch noch klotzich viel Jeld!“ Gudrun Giesecke schüttelte verständnislos den Kopf. „Manchmal denke ick, die Menschheit muss bescheuert sein.“ Dr. Kayser wechselte das Thema.

„Was halten Sie von Ilse Braun und Elmar Petri?“

„Wat soll ick von denen halten? Sind ’n schönet Paar, die beeden.“

,,Hat dieses Paar Ihrer Meinung nach Zukunft?“

„Nun, wenn Sie mir so jenau ins Jebet nehmen, Chef ...“ Die alte Arzthelferin schüttelte langsam den Kopf. „Nee. Lange werden die wohl nich zusammenbleiben. Sobald det hochlodernde Strohfeuer niederjebrannt is, werden sich ihre Weje trennen.“

Sven Kayser nickte.

„Das glaube ich auch“, meinte er, schaute auf seine Armbanduhr und bat seine Sprechstundenhilfe, ins Wartezimmer zu gehen und den ersten Patienten hereinzuschicken.

 

 

5

In der große Pause beaufsichtigten Elmar Petri und Götz Hasenauer die Schüler auf dem Schulhof.

„Hübsches Ding, die kleine Gitti Wiesner“, sagte Elmar zu seinem Kollegen.

Götz schmunzelte. „Möchtest du tauschen?“

„Wie - tauschen?“

„Ich bekomme Ilse wieder und du ... “

„Liebst du Ilse noch?“, wollte Elmar wissen.

Götz nickte ernst. „Ich kann sie nicht vergessen. Jedes Mal wenn ich sie sehe, werden in mir so viele schöne Erinnerungen wach, dass mir das Herz wehtut.“ Er sah dem Kollegen fest in die Augen, während er sehr ernst fortfuhr: „Ich will ehrlich sein, Elmar: Wenn ich könnte, würde ich dir Ilse glatt wegnehmen, aber da sie bedauerlicherweise auch ein Wörtchen mitzureden hat, lässt sich das leider nicht bewerkstelligen.“

Zwei Schüler gerieten in Streit. Ehe sie handgreiflich werden konnten, ging Elmar Petri dazwischen. Sobald er die Situation entschärft hatte, kehrte er zu Götz Hasenauer zurück.

„Darf ich eine indiskrete Frage stellen?“, wollte er in Anknüpfung an ihr vorheriges Gespräch wissen.

„Von mir aus.“ Götz lächelte. „Wenn sie mir zu indiskret ist, brauche ich sie ja nicht zu beantworten.“

„Hast du wirklich nichts mit Gitti Wiesner?“

„Wir sind lediglich gute Freunde.“

„Und warum nicht mehr?“

„Diese Frage kann ich dir ganz leicht beantworten: Gitti ist mir einfach zu jung“, erklärte Götz Hasenauer. „Sie ist achtzehn, ich bin dreißig ...“

„Sie ist ein sehr hübsches, begehrenswertes Mädchen.“

Götz nickte. „Das ist sie zweifellos, aber ich ,spiele’ lieber in einer anderen Altersklasse, weil ich mich da sehr viel wohler fühle.“ Er sah Elmar an. „Ich habe nichts gegen dich. Du bist ein prima Kollege. Ilse hat gewählt. Sie hat sich gegen mich und für dich entschieden. Ich finde mich fürs Erste damit ab. Du hast sie mir nicht abspenstig gemacht, deshalb bin ich dir auch nicht böse. Fairerweise möchte ich, dass du eines weißt: Sobald ich auch nur eine winzige Chance sehe, Ilse zurückzubekommen, werde ich sie nutzen.“

Ehe Elmar etwas erwidern konnte, schrillte es laut über den Schulhof - die große Pause war zu Ende. Lehrer und Schüler kehrten in das Schulgebäude zurück.

 

 

6

Der kleine Daniel Fendel hatte die Windpocken gehabt. Am ganzen Körper hatte er unter schmerzhaft juckenden roten Knötchen gelitten. Nun war Ruth Fendel, Daniels Mutter, mit ihm bei Sven Kayser, und der Grünwalder Arzt stellte zufrieden fest, dass der Achtjährige wieder völlig gesund war.

„Na also“, sagte der Allgemeinmediziner und strich dem Kind lächelnd übers Haar. „Glückwunsch, Daniel. Du hast es überstanden. Es ist wieder alles in bester Ordnung.“

„Muss er sich nicht mehr schonen, Herr Doktor?“, fragte die besorgte Mutter. „Er möchte mit seinen Freunden so gerne wieder Fußball spielen.“

Dr. Kayser legte dem Kleinen die Hand auf die Schulter.

„Ich würde sagen, du stellst dich für den Rest der Woche noch ins Tor, und nächste Woche darfst du dich dann als Stürmer wieder voll ins Zeug legen. Na? Ist das ein Wort? Kann ich mich darauf verlassen? Ist das abgemacht?“ Er streckte dem Kind die Hand entgegen. „Versprichst du mir das?“

Daniel schlug ein. „Ja, Herr Doktor.“

„Wunderbar“, freute sich Dr. Kayser. Draußen im Wartezimmer stand nur noch Elmar Petri. Nicht, um sich von Sven Kayser untersuchen zu lassen, sondern um ein Rezept für seinen zuckerkranken Onkel abzuholen. Als Schwester Gudrun auch ihm von ihren Alpträumen erzählte, musste er herzlich lachen.

„Ick hoffe, Sie behalten det für sich“, sagte die Berlinerin. „Ick möchte nich, det Ihr Onkel meinetwejen ’n schlechtes Jewissen bekommt.“

„Ach, bitte, lassen Sie es mich ihm sagen, Schwester“, flehte Elmar grinsend.

„Nee.“ Sie schüttelte heftig ihren grauen Kopf. „Uff jar keenen Fall.“

„Vielleicht schafft er dann mit Hammer und Meißel endlich mal ansehnliche Skulpturen. Er kann es. Ich weiß es.“

„Er soll tun, wat er für richtich hält. Ick muss mir uff seiner Ausstellung ja nich mehr blicken lassen.“

Die Tür des Sprechzimmers öffnete sich, und Frau Fendel kam mit ihrem Sohn heraus.

„Also dann“, Dr. Kayser beugte sich verabschiedend zu dem Kleinen. „Nicht vergessen, was du mir versprochen hast.“ Er gab Ruth Fendel die Hand. „Auf Wiedersehen, Frau Fendel.“

„Auf Wiedersehen, Herr Doktor“, sagte Daniels Mutter. Sie nickte Schwester Gudrun und Elmar Petri freundlich zu und verließ dann mit ihrem Sohn das Grünwalder Arzthaus.

Sven Kayser wandte sich an Elmar und forderte ihn auf, einzutreten. Als die Sprechzimmertür sich eben schloss, betrat Aglaja Jörgensen die Praxis. Die attraktive junge Frau von vierundzwanzig Jahren, mit selbstbewusstem Auftreten, war todschick gekleidet. Sie gehörte seit vielen Jahren zu Dr. Kaysers Stammpatientinnen, wollte heute aber nicht zum Doktor, sondern war gekommen, um Marie-Luise Flanitzer abzuholen, mit der sie seit langem befreundet war. Auch Gudrun Giesecke war sie sehr zugetan.

„Alles paletti, Schwester?“, fragte sie jovial.

„Mir jeht es ausjezeichnet. Und Ihnen?“

„Mir ooch“, berlinerte Aglaja Jörgensen verschmitzt.

„Wie is die Auftragslaje?“

„Könnte nicht besser sein“, antwortete die schöne Blondine. Aglaja Jörgensen hatte keinen ganz alltäglichen Beruf. Sie war Komponistin, schrieb für viele bekannte Sänger und Musikgruppen ins Ohr gehende volkstümliche Schlager und war sehr gut im Geschäft. Man schätzte ihren unerschöpflichen Ideenreichtum. Ihre harmonischen Melodien gingen unter die Haut und gefielen den Menschen.

„Alle Welt will Lieder von mir“, sagte Aglaja. „Ich könnte Tag und Nacht komponieren.“

Gudrun Giesecke schüttelte den Kopf.

„Det Ihnen ständig wat Neues einfällt, finde ick phänomenal. Ick bewundere Sie. Ick hätte nich mal ’ne Idee für eene Melodei. Jeschweije denn für so viele.“

„Das muss man im Blut haben“, erwiderte die noch so junge und schon so erfolgreiche Komponistin.

„Denke ick ooch.“

„Ist Marie-Luise schon fertig?“, erkundigte sich Aglaja Jörgensen.

„Sie zieht sich jerade um“, gab die Arzthelferin Auskunft. „Wat steht’n uff’m Projramm?“

„Wir wollen ins Kino gehen.“

„Kino.“ Gudrun Giesecke hob die Augenbrauen. „War ick schon ’ne Ewichkeit nich mehr. Wat wollt ihr euch denn ankucken?“

„Den neuen Film mit Richard Gere.“

Die Berlinerin hob die Augenbrauen noch höher. „Toller Mann. Jefällt mir sehr jjut. Wenn ick vierzig Jahre jünger wäre, würde ick ihm jlatt ’nen jlühenden Fanbrief schreiben.“

„Das können Sie doch auch noch mit vierundsechzig tun.“

„Ach, nee.“

„Warum denn nicht?“

Die rundliche Schwester lachte ein bisschen verlegen, ein bisschen selbstironisch. „Stelln se sich vor, der findet meene Schreibe dufte und will mir persönlich kennenlernen. Det kann ick ihm nich antun.“

Die Sprechzimmertür ging auf, und Dr. Kayser und Elmar Petri erschienen.

Aglaja Jörgensen hatte plötzlich das Gefühl, von prickelndem Champagner durchrieselt zu werden. Das war ihr beim Anblick eines Mannes noch nie passiert. Ihre heftige Reaktion verwirrte sie.

Als Dr. Kayser Aglaja bemerkte, begrüßte er sie mit besonderer Herzlichkeit und machte Elmar Petri mit ihr bekannt. Aglaja, für gewöhnlich überhaupt nicht schüchtern, wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie war verwirrt und verlegen und hoffte, dass es dem gut aussehenden Mann nicht auffiel. Sie glaubte, in seinen Augen Bewunderung und Interesse zu erkennen. Viele Menschen reagierten so, wenn sie erfuhren, dass sie Komponistin war.

„Als wäre ich eine Kuh mit drei Hörnern“, hatte sie schon mal scherzhaft zu Marie-Luise Flanitzer gesagt.

Schwester Gudruns junge Kollegin erschien in diesem Moment. Elmar Petri erweckte den Anschein, als ob er noch gerne etwas zu Aglaja gesagt hätte, doch er hatte keine Gelegenheit mehr zu irgendeiner Äußerung, denn Marie-Luise platzte mit den Worten in die Runde: „Ach, du bist schon da, Aglaja. Ich hoffe, du wartest noch nicht lange.“ Sie wandte sich an die anderen. „Wir wollen uns den neuen Richard Gere-Film ansehen.“

„Ich wünsche den Damen viel Vergnügen“, sagte Elmar Petri. Dann verabschiedete er sich und ging.

Aglaja sah ihm enttäuscht nach. Würde sie diesen bemerkenswerten Mann, der von der ersten Sekunde an so großen Eindruck auf sie gemacht hatte, noch mal wiedersehen?

Der Kinobesuch mit Marie-Luise war ihr mit einem Mal nicht mehr wichtig. Jemand wie Elmar Petri lief ihr nicht jeden Tag über den Weg. Genau genommen war ihr überhaupt noch nie so ein außergewöhnlicher Mann begegnet, deshalb hätte sie ihn gerne festgehalten, um zu sehen, was dann weiter mit ihnen passierte. Vielleicht hätte sich etwas ganz Wunderbares zwischen ihnen entwickelt, aber diese Chance war ja nun leider vertan.

Ich hätte sofort reagieren müssen, dachte Aglaja betrübt. Hätte etwas sagen, ihn in ein Gespräch verwickeln, ihm zeigen müssen, dass er mir gefällt. Doch ich stand bloß verwirrt da und starrte ihn nicht gerade sehr intelligent an. Und nun ist er weg.

„He!“, drang Marie-Luises Stimme zu Aglajas Bewusstsein vor.

Die schöne Komponistin blinzelte. „Ja?“ Sie nahm die Freundin jetzt wieder wahr.

Marie-Luise Flanitzer lachte.

Details

Seiten
102
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738921441
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v434708
Schlagworte
kayser lüge liebe

Autor

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Titel: Dr. Kayser und eine Lüge aus Liebe