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Die Raumflotte von Axarabor #24: Das Geheimnis des Dreizehnten

von Wilfried A. Hary (Autor) Wilfried A. Hary (Autor)

2018 80 Seiten

Leseprobe

Die Raumflotte von Axarabor #24: Das Geheimnis des Dreizehnten

Wilfried A. Hary

Published by Uksak Sonder-Edition, 2018.

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Das Geheimnis des Dreizehnten

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 24

von Wilfried A. Hary & Marten Munsonius

Der Umfang dieses Buchs entspricht 72 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Die Farmwelt Lordaas-Spring sendet ein Schiff zur Besiedlung eines Nachbarsystems aus, doch dieses wird unvorhergesehener Weise angegriffen. Die Dreizehn, eine Besonderheit der Gesellschaft von Lordaas-Spring, überlebt den Angriff und kann sich auf den Planeten retten. Doch sie werden verfolgt ...

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author /COVER: 3000AD 123rf Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Ich stecke in der Falle.

Ich bin umgeben von meinen Todfeinden.

Ja, jeder von ihnen, jeder Einzelne, möchte mich töten. Ich würde es in ihren Augen sehen, würden sie mir nahe genug kommen. Ihren tödlichen Hass und diese unendliche Wut auf alles, was wie ein Mensch aussieht.

Ich verstehe es nicht, zumal ich keinen Hass gegen sie empfinde. Nur Furcht und den Willen, gegen sie zu überleben, um jeden Preis.

Denn ich gebe niemals auf. Ich werde mich immer wehren. Bis zum sprichwörtlich letzten Atemzug.

Mein Überlebenswille benötigt keinen Hass und keine Wut. Obwohl jeder Einzelne von ihnen rein körperlich schon mir überlegen zu sein scheint, und zahlenmäßig summiert sich ihre Überlegenheit ins schier Unendliche.

Aber sie dürfen nicht meine Bewaffnung unterschätzen und nicht die zwölf künstlichen FELDWACHEN, die mir zur Seite stehen. Was haben sie dem entgegen zu setzen?

Wir können uns aufeinander verlassen. Die Zwölf und ich, der DREIZEHNTE! Ich liebe sie. Sie sind meine Truppe, die Truppe des einzig wahren DREIZEHNTEN.

Sie sind mehr als nur mein persönlicher Schutz. Ich habe jeden Einzelnen von ihnen persönlich groß gezogen, als sie noch die Nachfahren jener kleinen Nager waren. Bevor ich sie zu Feldwachen machte. Bevor sie zu diesem Zweck in die K-Droiden integriert wurden, was aus den kleinen Nagetiergehirnen meine einzig wahren Freunde und Gefährten machte.

Ja, wir können uns aufeinander verlassen, können uns blind vertrauen. Das ist ja der Sinn jeder Zwölf und jedes Dreizehnten.

Das ist einmalig im Universum. Das gibt es nur auf einer einzigen Welt am Rande des Sternenreiches von Axarabor, nämlich auf Lordaas-Spring.

Wer einmal auf den Farmen mit den betörendsten Farmerinnen des bekannten Universums und ihrer einmaligen und ganz speziellen Zucht von Nagern für alle möglichen Verwendungen gewesen ist, weiß, wovon ich spreche.

Und schon beginnt sich der Himmel zu verdunkeln. Der Feind ist überall. Es gibt kein Entkommen mehr. Gegen diese Übermacht müssen die besten Waffen versagen. Es sei denn, wir bringen uns damit selber um, weil es keine Deckung gibt, nicht einmal vor der eigenen Feuerkraft, wenn der Feind schon so nah ist.

Es ist das Ende.

Vielleicht!

Ich zerknülle die Nachricht meines Feindes und schaue mich ein letztes Mal um.

Zwölf Feldwachen – und ich bin ihr Dreizehnter.

Wenn ich mir eine Lücke schaffe zur Flucht, muss ich sie zurücklassen, damit meine Flucht nicht auffällt. Aber das... wäre tödlicher Verrat an ihnen.

Ausgerechnet von mir, ihrem Dreizehnten!

Könnte ich mit dieser Schuld überhaupt weiterleben?

Aber es gibt keine Alternative, wenn ich die nächsten Minuten überleben will.

Oder sind es nur noch Sekunden?

Ich muss mich entscheiden, ehe es zu spät ist.

Und nur wer tot ist, kann nichts mehr bereuen...

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48 Stunden zuvor...

Das Scoutschiff PRODAMIN unter Captain Turon Palimon hatte den Planeten vor knapp zehn Jahren entdeckt, nur zehn Lichtjahre von Lordaas-Spring entfernt. Laut Forschungsergebnis war diese Welt besonders geeignet als Farmwelt, was natürlich das besondere Interesse der Bewohner von Lordaas-Spring geweckt hatte.

Da sie zum Sternenreich von Axarabor gehörten, durften sie nun nicht einfach ein eigenes Siedlerschiff losschicken, sondern mussten erst einmal die Genehmigung der gewählten Regierung von Axarabor einholen. Ein Verfahren, das in der Regel Jahre benötigte.

Und dann war die Genehmigung endlich erfolgt. Der Besiedlung nach dem Muster von Lordaas-Spring stand nichts mehr im Weg. Das Siedlerschiff startete – und war nun endlich am Ziel.

Nicht allein, sondern begleitet von zwei zwar kleinen, aber durchaus schlagkräftigen Kriegsschiffen der Raumflotte von Axarabor, die in den Randbezirken des Imperiums kein Siedlerschiff schutzlos sich selbst überlassen wollte. Denn Siedlerschiffe waren in der Regel nur mit sehr schwacher Bewaffnung ausgestattet. Damit wollten ja Siedler fremde Welten auf friedliche Weise erobern und nicht mit Waffengewalt.

Die ersten dreihundertneunzig Siedler auf dem Schiff waren allerdings keine Menschen, sondern K-Droiden, also menschenähnliche Androiden, jeweils ausgestattet mit einem ganz besonders gezüchteten Gehirn, nämlich das eines Nagetiers mit der ursprünglichen Bezeichnung: Lordaas-Maus.

Das hieß, nicht alle K-Droiden hatten Mäusegehirne implantiert, sondern immer nur zwölf in einer fest strukturierten Gruppe. Der dreizehnte K-Droid hatte eine Besonderheit: Er entstand zuerst, beschäftigte sich mit der Aufzucht der vorher von den Farmerinnen ausgewählten Mäuse, bis deren Gehirne implantiert waren, leitete die Zwölfergruppe dann an und unterrichtete sie. Die Mäusegehirne mussten ja erst einmal an die erweiterten Möglichkeiten gewöhnt und auf ihre besonderen Aufgaben vorbereitet werden.

Durch die Implantation erhielten sie eine höhere Intelligenz, vergleichbar gar mit der von Menschen.

Für den Dreizehnten benutzten die Farmerinnen von Lordaas-Spring ebenfalls eine besondere Züchtung. Allerdings nicht die von Mäusen, sondern die von Rattenartigen. Das Rattengehirn war dem Mäusegehirn von Natur aus überlegen, und so war gewährleistet, dass die K-Droiden einer Zwölfergruppe auch wirklich ihren Dreizehnten als Führer anerkannten.

Eigentlich war die Bezeichnung Farmerinnen schon seit über dreitausend Jahren auf Lordaas-Spring gründlich überholt, denn keine der Biologinnen und hochrangigen Ingenieurinnen bestellte wirklich noch selber Land. Sie verbrachten ihr Leben in den entsprechenden Zuchtlaboren und sorgten dort für Nachschub für die eigentliche Farmerarbeit.

Doch selbst die K-Droiden waren nicht wirklich aktiv tätige Farmer, sondern waren auf dem Feld für den reibungslosen Ablauf der weitgehend automatisierten Farmarbeit verantwortlich. Auch als Wachen, nicht nur als Elektroniker und Techniker. Daher war die Bezeichnung FELDWACHEN auch eher zutreffend.

Dreißig Gruppen zu je dreizehn Mitgliedern ergaben insgesamt also dreihundertneunzig neue Siedler.

Hinzu kamen zehn Menschen. Drei davon waren die Stammbesatzung des Raumschiffes, das mit diesem nach dem Absetzen der Siedler wieder nach Lordaas-Spring zurückkehrte. Sieben halfen während der Überfahrt in der Zentrale als eine Art erweiterte Besatzung – und waren auf der Zielwelt dafür verantwortlich, dass dort ein entsprechend bestücktes Zuchtlabor entstand, um die Siedlungsarbeit nach der Inbesitznahme dieser Welt zu beschleunigen.

Es war ihnen überlassen, ob sie nach getaner Arbeit wieder zurückkehren wollten auf Lordaas-Spring oder ob sie hier ihre Arbeit fortsetzen wollten. Entsprechend spezialisierte Biologen und Ingenieure würden sowieso noch nachfolgen mit der zweiten Siedlungswelle im Abstand von nur wenigen Jahren.

Traditionsgemäß waren alle Menschen, die für die Laborarbeit verantwortlich zeichneten, Frauen, eben die sogenannten Farmerinnen. Die drei Besatzungsmitglieder des Siedlungsschiffes, die hier zur Stammbesatzung gehörten, waren genauso traditionell männlich. Das war auf Lordaas-Spring streng geregelt. Niemand kam hier jemals auf die Idee, die Richtigkeit einer solchen Einteilung zu bezweifeln.

Das Scoutschiff PRODAMIN hatte dieser Welt nur einen kryptischen Namen gegeben ohne bleibende Bedeutung. Es würde den neuen Siedlern überlassen bleiben, für einen endgültigen Namen zu sorgen. Zum Beispiel Lordaas-Spring II. Aber erst einmal musste das Schiff einen geeigneten Landeplatz finden.

Die PRODAMIN hatte hierfür ein gutes Dutzend Vorschläge hinterlassen. Jetzt galt es, daraus den besten auszusuchen. Aus dem Orbit über dem Planeten.

Dies war der Zeitpunkt, an dem mehrere fremde Schiffe in dem System auftauchten und sogleich das Feuer eröffneten.

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Bevor die beiden Kriegsschiffe der Raumflotte von Axarabor überhaupt reagieren konnten, wurden sie von gleißenden Strahlenbahnen getroffen, die sie regelrecht zerfetzten. Ein Überraschungsangriff, der bewies, dass dieses System inzwischen zu einer tödlichen Falle geworden war.

Beim ersten Schlag wurde das Siedlerschiff noch verschont. Die drei Angreiferschiffe hatten es lediglich auf die Kriegsschiffe der Raumflotte abgesehen. Doch dann stürzten sie sich regelrecht auf das Siedlerschiff, das keine Chance hatte, auszuweichen oder gar auf dem Planeten zu landen.

Wieso zögerten die Angreifer überhaupt noch? Sie schienen keinerlei Gegenwehr zu erwarten. Also wussten sie ziemlich genau, welche Art von Schiffen ihnen gefährlich werden konnte und welche nicht. Sie mussten deutlich erkennen, dass ein Siedlerschiff ihnen nichts entgegen zu setzen hatte. War es denn möglich, dass sie sogar die Absicht hatten, sie zu verschonen?

Etwa um Gefangene zu machen?

Es waren Sekunden, die sich zu gefühlten Ewigkeiten dehnten und schließlich zu Minuten wurden, in denen nichts weiter geschah, außer dass die drei Angreifer das Siedlerschiff regelrecht in die Zange nahmen.

Verzweifelt versuchte der Captain des Siedlerschiffes, Funkkontakt mit den Angreifern zu bekommen, während der Notruf bereits ausgelöst war. Er hatte ja nicht wirklich eine Ahnung, um wen es sich da handelte, weil er diesen Typus von Schiff noch nie zuvor gesehen hatte, noch nicht einmal auf Bildern. Konnte es denn sein, dass es sogar die sagenhaften NoSinns waren?

Es war bekannt geworden, dass sich das Sternenreich von Axarabor und die NoSinns in einer Art interstellarem Krieg befanden. Allerdings waren beide Reiche so unvorstellbar groß für menschliche Begriffe, nicht kosmisch gesehen, dass es völlig unmöglich erschien, all die Welten anzugreifen, auf denen man den jeweiligen Feind vermutete.

Einerseits schienen die NoSinns außerdem nicht die Position von Axarabor zu kennen, andererseits hatte die Raumflotte von Axarabor keine Ahnung, wo sich das eigentliche Zentrum der Macht innerhalb des gegnerischen Raumsektors X-Dor-23Y befand.

Das Ganze mutete an wie der Streit zwischen zwei verfeindeten Banden innerhalb einer menschenverlassenen Millionenmetropole, wobei die eine Bande ihr Hauptquartier an ihrem Ende der Stadt unterhielt und die andere Bande an einem völlig anderen Ende. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich beide irgendwo begegneten, war also äußerst gering. Und selbst wenn sie gezielt einander suchten, wurde die Möglichkeit einer Begegnung nicht viel größer.

Mit wenigen Ausnahmen, wie es aussah... Denn die NoSinns hatten offensichtlich von diesem System hier gewusst und es überwacht. Also waren die drei Angreifer nicht aus dem Nichts aufgetaucht, wie es zunächst den Anschein gehabt hatte, sondern waren hier postiert worden für den eigentlich unwahrscheinlichen Fall, dass genau das geschah, was hier und heute geschehen war: Das Auftauchen eines Siedlerschiffes nämlich, begleitet von zwei Kriegsschiffen.

Hätten die NoSinns etwas von Lordaas-Spring gewusst, das sich nur etwa zehn Lichtjahre weit entfernt befand, wäre dort längst ein direkter Angriff der NoSinns erfolgt. Dann würde dort vielleicht nichts und niemand mehr existieren, was auf so etwas wie eine Zivilisation hinwies. Die NoSinns hätten in ihrem Hass auf alles Menschliche wohl die komplette Bevölkerung ausgelöscht.

Und da wusste die Besatzung endlich, wieso die drei Angreifer noch nicht das Feuer auf das Siedlerschiff eröffnet hatten: Wollten sie erst in Erfahrung bringen, von wo aus sie gestartet waren, um den Weg zurück verfolgen zu können? Mit den zu erwartenden Folgen, nämlich der kompletten Auslöschung von Lordaas-Spring?

In diesem Moment wünschte sich der Captain eigentlich nichts sehnlicher, als endlich beschossen zu werden. Nicht weil er Todessehnsucht verspürte oder sonst wie zum Selbstmord neigte. Denn wenn sie mitsamt dem Siedlerschiff allesamt umkamen, nur dann war gewährleistet, dass das Geheimnis ihrer Herkunft ein Geheimnis blieb.

Die zehn Leute Besatzung, von denen sieben Farmerfrauen waren, nicht nur in Biologie, sondern auch in Technik bestens ausgebildet, um in der neuen Heimat auf dem Planeten unter ihnen eben ein Laborzentrum aufzubauen mit allem Drum und Dran, wie es so schön hieß... Sie schauten sich betroffen an.

Sie dachten alle dasselbe:

Was würde geschehen, wenn die Angreifer an Bord kamen, um sie gefangen zu nehmen zum Verhör?

Sie wussten, dass sie das niemals zulassen durften. Sie mussten alles tun, um die Angreifer zu stoppen, um ihre Heimatwelt zu schützen.

Die zehn Leute in der Zentrale wussten das allerdings als einzige, denn die dreihundertneunzig K-Droiden warteten einfach nur auf die Landung und würden in der Kürze der noch zur Verfügung stehenden Zeit nicht begreifen, in welcher Situation sich ihr Schiff befand.

Es sei denn, die Besatzung versuchte endlich, sie in Kenntnis zu setzen.

Waren es denn nicht ausgebildete und hoch spezialisierte Feldwachen? War das denn nicht auch so einer Art Soldaten?

Einen Raumkampf konnte hier niemand mehr gewinnen, aber sobald die Fremden an Bord kamen...

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Es hallte infernalisch laut durch das ganze Schiff, als hätte es sich in eine einzige riesige Glocke verwandelt.

Unwillkürlich hielten sich alle die Ohren zu in der Zentrale. Die dreihundertneunzig K-Droiden brauchten das nicht. Sie sahen zwar aus wie Menschen, aber sie konnten ihre künstlichen Ohren bewusst steuern.

Der Captain hieb auf den roten Alarmknopf. Er hätte auch die Bord-KI verbal um den Alarm bitten können, doch die manuelle Auslösung war ihm sozusagen ein persönliches Bedürfnis.

Grimmig schaute er umher. Dann erhob er seine Stimme, die durch das gesamte Schiff hallte, um von jedem gehört zu werden:

„Alarm! Das Schiff wird von einer fremden Macht gekapert. Wir müssen alles tun, um uns zur Wehr zu setzen gegen jeglichen Angreifer. Sie dürfen nicht erfahren, woher wir kommen, sonst ist unsere Heimat verloren!“

Mehr brauchte er jetzt nicht mehr zu sagen. Keinerlei weiterführende Erklärungen waren erforderlich, zumal sie nur auf Vermutungen sich stützen würden. Dieser einzige Glockenschlag hatte genügt, um zu beweisen, wie ernst die Lage war.

Und schon erfolgte der zweite Glockenschlag. Kurz darauf der dritte.

„Das – das sind Fesselfelder. Diese Technik kennen wir gar nicht!“, rief der technische Offizier entgeistert. „Alle drei Angreifer haben uns jetzt fest im Griff. Wir könnten nicht mehr fliehen, selbst wenn wir das noch wollten. Sie brauchen uns nicht mehr abzuschießen, um jegliche Flucht zu verhindern.“

Dem Captain war das sowieso schon klar, wie jedem anderen in der Zentrale auch. Er hatte es trotzdem sagen müssen.

Der erste Offizier ging zum Waffenschrank und riss ihn auf. Er nahm wahllos Handfeuerwaffen heraus und warf sie den Besatzungsmitgliedern in der Zentrale zu.

Sie waren alle an den Waffen ausgebildet. Das gehörte ganz einfach zur Gesamtausbildung dazu. Aber keiner von ihnen hatte in den letzten Jahren eine Waffe auch nur in den Händen gehalten, geschweige denn benutzt.

Aber es kam ja auch nicht mehr darauf an, den bevorstehenden Kampf zu gewinnen. Das war ihnen sowieso kaum möglich, wie sie vermuteten. Der Gegner hatte längst seine Überlegenheit unter Beweis gestellt. Allein schon durch die Art und Weise, mit der so einfach mal wie nebenbei zwei Kriegsschiffe der Raumflotte von Axarabor vernichtet worden waren. Es war sicherlich erst recht unmöglich, dass in einem Kampf Auge in Auge das Ergebnis viel anders aussah.

Allerdings gab es bei alledem natürlich immer noch einen winzigen Funken namens Hoffnung. Sie würden auf jeden Fall lieber sterben als in Gefangenschaft zu geraten und die eigene Heimatwelt zu verraten.

Auf dem Hauptbildschirm tauchten plötzlich mehrere tausend Punkte auf, die sich wie Moskitos auf das Siedlerschiff stürzten. Das waren keine Drohnen, sondern irgendwelche unförmigen Raumanzüge.

Steckten darin ihre Feinde? Gleich mehrere tausend von ihnen?

Was für ein Aufwand!

Und sicher würden sie nicht kommen, um höflich um Einlass zu bitten. Das wurde spätestens dann deutlich, als gezielte Strahlschüsse die ersten Löcher in die Außenhaut des Siedlerschiffes brannten.

Die K-Droiden hatten keine Raumanzüge. Die brauchten sie aber auch nicht. Ihre kleinen Nagergehirne waren gut geschützt im Brustraum. Dort würden sie die Kälte und Leere des Weltraums mindestens einen Tag lang überleben können.

Theoretisch waren sie sogar in der Lage, das Schiff zu verlassen, um irgendwie auf den Planeten hinab zu stürzen. Sie würden die Bruchlandung überleben, mit ein wenig Glück.

Ob die Angreifer davon etwas ahnten? Oder von der schweren Bewaffnung eines jeden K-Droiden, wie sie allein schon der Tradition der Feldwachen entsprach?

Sie waren jedenfalls allesamt bereit. Genauso bereit wie die Männer und Frauen in der Zentrale, die diese zusätzlich abschotteten. Nicht nur, indem sie sämtliche Schotten dicht machten, sondern auch mittels eines starken Energiefeldes.

Immer noch in der winzigen Hoffnung, dass sie sämtlichen Angriffen dadurch standhalten würden.

Obwohl: Was würde es ihnen letztlich nutzen? Falls die Angreifer das Energiefeld nicht überwinden konnten, brauchten sie nur abzuwarten, bis die Energie sich aufbrauchte oder der Sauerstoff im Innern der Zentrale zur Neige ging. Sie würden es ja nicht eilig haben, denn die Wahrscheinlichkeit, dass rechtzeitig Hilfe für das Siedlerschiff kam, war absolut null. Trotz des ständig hinausgehenden Notrufes, von dem noch nicht einmal klar war, ob er von den Gegnern nicht bereits abgefangen werden konnte.

Alles dies ging den zehn Männern und Frauen durch den Kopf, während sie in der Zentrale abwarteten, was weiter geschah.

Und sie konnten es über die Sichtverbindungen genauestens mit verfolgen: Die Angreifer verschwanden in den Löchern, die ihre Strahlenkanonen in die Schiffshülle gebrannt hatten.

An Bord brach der Krieg aus. Überall wurde geschossen und gekämpft.

Doch nicht nur das: Die Angreifer erreichten trotz des erbitterten Widerstandes die ersten Bereiche mit Atmosphäre. Wie auch immer sie es geschafft hatten, die Schotten zu überwinden, ohne sie zu zerstören: Jetzt waren sie endgültig an Bord.

Die Kameras zeigten den Leuten in der Zentrale, was dort geschah: Die Angreifer schälten sich aus ihren unförmigen Raumanzügen und offenbarten ihr wahres Aussehen:

Riesenspinnen mit Köpfen wie Haifische. Wenn sich K-Droiden todesmutig ihnen in den Weg warfen, öffneten sie das grausige Maul und stießen damit Druckwellen aus, die innerhalb von etwa anderthalb Metern alles pulverisierten, ob Metalle, Kunststoffe oder auch Fleisch.

Auf Fleisch trafen sie dort unten allerdings nicht, denn die K-Droiden bestanden zum größten Teil aus Kunststoffen und Metallen. Und natürlich aus einer hochgezüchteten Elektronik. Das einzige Lebende an ihnen war ihr Nagergehirn.

Die Angreifer waren gnadenlos, und jetzt wussten die Leute in der Zentrale, dass es sich eben tatsächlich um NoSinns handelte: Genauso hatte man sie ihnen beschrieben.

Zu Tausenden durchkämmten sie systematisch das angeschlagene Schiff und vernichteten alles und jeden, der ihnen in den Weg kam. Dabei wehrten sie jeglichen Beschuss ab mit tragbaren Energieprojektoren, die einerseits zwar jene Druckwellen von innen nach außen dringen, andererseits jedoch nichts von außen eindringen ließen.

Es sei denn, die K-Droiden hätten stärkere Waffen benutzt. Davor jedoch schreckten sie bislang noch zurück, weil sie dadurch in der Enge des Schiffes Gefahr liefen, sich damit selbst zu vernichten.

„Da!“, schrie der erste Offizier und deutete auf einen Nebenschirm.

An dieser Stelle, gelegen in einer Art totem Winkel, nicht einsehbar von den drei Angreiferschiffen, gab es ebenfalls ein Loch in der Hülle. Alle Angreifer, die an dieser Stelle eingedrungen waren, hatten sich bereits im Schiff verteilt, aber irgendwie war es dreizehn K-Droiden gelungen, sie zu umgehen und nun ihrerseits das Schiff an dieser Stelle zu verlassen.

Um sich hinunter auf den Planeten stürzen zu lassen, der ihre neue Heimat hatte werden sollen und nun womöglich ihr Grab wurde.

„Viel Glück!“, wünschte der Captain, bevor eine mächtige Detonation das Hauptschott sprengte, das in die Zentrale führte.

Der Schutzschirm hatte ihnen nichts genutzt. Die Angreifer waren bereits da.

Die Strahlenschüsse allerdings, die sie abgaben auf die zehn Männer und Frauen, waren nicht tödlich. Es handelte sich wohl um eine Art Betäubungsstrahlen. Damit trafen sie die ersten drei, die zufällig im Weg standen. Bewusstlos brachen sie zusammen.

Da wussten die restlichen sieben Besatzungsmitglieder, dass sie der Gefangenschaft nur durch eines entgehen konnten: Indem sie sich gegenseitig umbrachten. Nur so würden sie ihre Heimatwelt retten können.

Und sie waren viel zu tief verwurzelt in die Bräuche und Rituale von Lordaas-Spring, das sie für die beste Welt im gesamten Universum hielten, dass sie nicht freiwillig ihr Leben dafür geopfert hätten.

Hier, in diesem System, dem sie noch nicht einmal einen eigenen Namen mehr hatten geben können, hatten sie ihre Heimat sozusagen erweitern wollen. Jetzt galt es nur noch, die bereits bestehende Heimat zu erhalten.

So kam es, dass die Eindringlinge in der Zentrale des Siedlerschiffes nur noch Tote vorfanden. Und die Übernahme der Zentrale nutzte ihnen auch ansonsten überhaupt nichts, weil auch die Bord-KI weisungsgemäß eine Art Selbstmord beging und sämtliche vorhandene Daten unwiderruflich löschte.

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Dreizehn wusste selbst nicht, wie es ihm und seinen Zwölf gelingen konnte, die Angreiferfront zu durchbrechen, ohne jegliche Feindberührung. Obwohl die Angreifer systematisch vorgingen, um wirklich jeden an Bord zu töten. Wahrscheinlich außer den Besatzungsmitgliedern, weil diese am besten die Position ihres Heimatplaneten verraten konnten.

Diese für seine Begriffe unvorstellbare Grausamkeit der Vorgehensweise erschütterte ihn zutiefst. Genauso wie seine Zwölf.

Aber sie hatten keine Zeit, sich zu wundern über das unerklärliche Gelingen ihrer Flucht. Zumal sie bei weitem noch nicht in Sicherheit waren, nach dem bloßen Verlassen des Schiffes.

Unter ihnen war der Planet, der zu ihrer neuen Heimat hatte werden sollen. Eine blau schimmernde Welt, überwiegend von Meer bedeckt, aber mit einer ausreichend riesigen Landmasse, die untereinander verbunden war und enorme Fruchtbarkeit versprach. Der ideale Farmerplanet und somit die ideale Heimat für jeden aus Lordaas-Spring.

Sie hatten niemandem je etwas Böses getan, und laut dem Scoutschiff PRODAMIN gab es keinerlei intelligentes Leben auf diesem Planeten. Welchen Grund also hatten die Fremden, so gnadenlos vorzugehen?

Zwar hatte der Dreizehnte von dem Krieg zwischen den NoSinns und Axarabor gehört, aber was, um alles im Universum, hatten denn die Farmer von Lordaas-Spring damit zu tun?

Er konnte sich allerdings durchaus vorstellen, dass ein NoSinn auf einen Menschen monströs und schockierend wirkte, allein schon von seinem Anblick her. Hinzu kam die Tatsache, dass sie mit ihren Mäulern solche vernichtenden Druckwellen ausstoßen konnten. Da war es sozusagen nur natürlich, dass beide Spezies niemals zu Freunden werden konnten.

Doch der Dreizehnte, der schließlich nicht als Mensch, sondern ursprünglich als Ratte geboren worden war, als besondere Züchtung, um nach erlangter Reife sein Gehirn an einen K-Droiden zu spenden... Als Dreizehnter war er dermaßen auf sein besonderes Leben vorbereitet und somit spezialisiert worden, dass er solche Vorbehalte persönlich nicht teilen konnte. Zwar durchaus verstehen, wenn er sich in die Denkweise eines Menschen zu versetzen versuchte, aber eben nicht unbedingt nachvollziehen.

Mittels Funk blieb er mit seinen Zwölf ständig in Verbindung. Dabei hatten sie den Funkreichweite so stark gedrosselt, dass sie nicht Gefahr liefen, von den Gegnern abgehört zu werden. Diese durften nicht einmal ahnen, dass es sie überhaupt noch gab.

Bis sie aus dem Sichtschatten des Siedlerschiffes gerieten und direkte Sicht auf zwei der Angreiferschiffe bekamen. Jetzt liefen sie durchaus Gefahr, entdeckt zu werden.

Bange Sekunden verstrichen, in denen es sich entschied, ob man die Verfolgung aufnahm oder gar von Bord aus direkt auf sie schoss.

Nichts dergleichen geschah vorerst.

Die K-Droidenkörper waren nicht flugfähig. Mit ihnen war höchstens ein mehr oder weniger kontrollierter Absturz möglich. Mittels eines Prallfeldes, das einen solchen Sturz entscheidend verzögern konnte und im gewissen Rahmen sogar so etwas wie Manövrierfähigkeit verlieh.

Sie mussten dicht beisammen bleiben, um nicht den Funkkontakt untereinander zu verlieren. Dieser war allein schon deshalb nötig, um jedem Einzelnen der Zwölf ständig den Eindruck zu vermitteln, nicht allein zu sein. Sie waren und blieben eine verschworene Gemeinschaft, optimal aufeinander abgestimmt. Nur gemeinsam funktionierten sie gut. Als Einzelwesen wurden sie mehr oder weniger hilflos.

Außer dem Dreizehnten. Dieser allein hätte auch als Einzelwesen weiter existieren können. Seine Abhängigkeit von der Gruppe war weitaus geringer als die Abhängigkeit der Zwölf von ihm.

Das war nun einmal so!

Aber er wäre niemals auf die Idee gekommen, dies zu seinem eigenen Vorteil zu nutzen.

Niemals?

Nun, bislang hatte es noch keine Situation gegeben, die dies hätte erforderlich machen können.

Sie näherten sich in rasender Geschwindigkeit den obersten Schichten der Atmosphäre. Knapp oberhalb befand sich das Siedlerschiff im Orbit.

Jetzt mussten sie sämtliche verfügbare Energie darauf verwenden, ihre Geschwindigkeit zu reduzieren, um nicht in den dichteren atmosphärischen Schichten zu verglühen.

Dies gelang.

Nun mussten sie den Abstand zueinander doch noch vergrößern, um nicht Gefahr zu laufen, bei den unweigerlich auftretenden Turbulenzen sich gegenseitig zu beschädigen. Eine permanente Funkverbindung wurde damit natürlich erschwert, aber dies war jetzt ihr kleinstes Problem.

Dreizehn schaute nach unten, erweiterte dabei seine Sicht und blendete die erforderlichen Werte in das Sichtfeld ein: Geschwindigkeit, Reibungswiderstand, Eintauchwinkel und voraussichtlicher Landepunkt.

Weitab jedenfalls von jeglichem vorgeschlagenem Landeplatz. Dort unten schien sich eine weite Savanne zu erstrecken. Zu trocken, um höhere Gewächse zuzulassen, aber hin und wieder mit genügend Wasser ausgestattet, um nicht zur Wüste werden zu müssen.

Details

Seiten
80
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738921359
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v434671
Schlagworte
raumflotte axarabor geheimnis dreizehnten

Autoren

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Titel: Die Raumflotte von Axarabor #24: Das Geheimnis des Dreizehnten