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Die Raumflotte von Axarabor #23: Vendetta zwischen den Sternen

von Wilfried A. Hary (Autor) Marten Munsonius (Autor)
2018 60 Seiten
Reihe: Axarabor , Band 23

Leseprobe

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Vendetta zwischen den Sternen

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 23

von Wilfried A. Hary & Marten Munsonius

Der Umfang dieses Buchs entspricht 72 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

In den Tiefen des Weltraums gibt es unzählige Zivilisationen auf den unterschiedlichsten Stufen ihrer Entwicklung. Aus der Sicht der gewählten Regierung von Axarabor dürfen nur Zivilisationen mit fortgeschrittener Raumfahrttechnik kontaktiert werden. Alle anderen gelten als unantastbar.

Ihre Einstufung: Z3!

Jeglicher Kontakt steht unter Strafe, und das hat durchaus seinen besonderen Grund. Aber natürlich hält sich trotzdem nicht jeder daran...

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author /COVER 3000AD 123rf Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Das hättest du wohl nicht gedacht, dass wir dir auf die Schliche kommen, Arg Fental!“

Der Angesprochene blinzelte in die ungewohnte Helligkeit hinein. Sie hatten ihn auf nächtlicher Straße betäubt und entführt. Nur so viel war ihm klar. Und dass man ihm eine Kapuze über den Kopf gezogen hatte, damit er bei seinem Erwachen nichts sehen konnte.

„Was wollt ihr von mir? Wer seid ihr überhaupt? Ich – ich bin nicht reich. Für mich gibt es kein Geld zu erpressen...“

„Geld?“, lachte sein Gegenüber.

Allmählich schälte sich aus der blendenden Helligkeit ein dunkles Gesicht mit einem zerzausten Vollbart und von wirren Haaren umrahmt.

Die Augen glitzerten fanatisch, als das Gesicht hinzufügte „Davon haben wir bereits genug. Was uns noch fehlt, das erhoffen wir uns von dir!“

„Aber – aber ich kann euch nichts bieten. Was wollt ihr überhaupt?“

Abermals lachte sein Gegenüber hämisch und richtete sich auf, um sich beifallheischend umzuschauen.

„Er meint, er könnte uns nichts bieten!“

Dann erstarb sein Lachen, und er beugte sich wieder zu seinem Gefangenen hinunter.

„Wir haben dich lange genug beobachtet – dich und deinen Geliebten!“

„Meinen... was?“, stieß Arg Fental erschrocken hervor.

Und in Gedanken fügte er hinzu: Wieso wissen die von Peris Sumol? Und vor allem: Was glauben sie zu wissen?

Er wusste doch selber so gut wie gar nichts. Vor Jahren waren sie sich begegnet. Eher zufällig. Er hatte ja schon immer gewusst, dass er eine Neigung zum eigenen Geschlecht hatte. Aber das hatte er bisher immer erfolgreich unterdrücken können. Indem er sich ausschließlich auf Frauen eingelassen hatte.

Denn auf seiner Welt mit Namen TORON, war die Gleichgeschlechtlichkeit etwas, was nicht nur verpönt war, sondern das sogar unter Strafe stand.

Überall auf der Welt, also nicht nur in einzelnen Ländern.

Obwohl es natürlich verteilt auf TORON ganz unterschiedliche Zivilisationsstufen gab. Die höchste Stufe hatte unter anderem das Land erreicht, in dem er geboren worden war und in dem er immer noch lebte: SORUM.

Ja, er hatte es unterdrückt, weil es besser gewesen war für ihn. Bis er eben Peris begegnet war. Seitdem wusste er, dass sie wirklich existierte: Liebe auf den ersten Blick!

„Ah, ich sehe schon, du willst es leugnen. Glaubst du wirklich, du kommst damit durch?“

Sein Gegenüber lachte mal wieder hämisch. Dann zeigte er seinem Gefangenen eine Kneifzange.

Arg Fental riss verzweifelt an seinen Fesseln, aber sie schnitten nur noch tiefer in sein Fleisch und vergrößerten die Schmerzen.

„Ich weiß wirklich nicht, was ihr von mir wollt. Ja, ich gebe zu, ich treffe mich manchmal mit Peris Sumol. Wir sind gute Freunde. Aber er ist in geheimer Sache unterwegs, sagte er mir. Mehr weiß ich gar nicht. Dass er halt nicht immer Zeit hat, ja. Aber wann immer er kann, trifft er sich mit mir.“

„Und wie erfährst du, dass es mal wieder so weit ist?“, hakte der Bärtige sofort nach.

„Er ruft mich an!“

„Und wenn du jetzt umgekehrt mal ihn anrufen willst, weil es vielleicht dringend ist?“

„Das – das geht gar nicht, weil ich ja nie weiß, was er gerade macht und wo er sich befindet.“

„Das meine ich gar nicht. Ich meine, gibt es da nicht auch noch eine andere die Möglichkeit, ihn herbei zu rufen?“

„Warum wollt ihr das überhaupt wissen?“, begehrte Arg Fental auf.

Dann stutzte er.

„Moment mal, ihr habt mich gefangenen genommen, um an ihn heran zu kommen? Aber wieso dieser Umstand? Ihr hättet doch einfach nur zu warten brauchen, bis er von allein wieder auftaucht.“

Jetzt konnte er ganz klar sehen. Das Licht blendete nicht mehr.

Der Bärtige richtete sich wieder auf. Er ließ die Zange in seiner Hand mehrmals schnappen. Ein hässliches Geräusch, das Arg Fental einen Schauer nach dem anderen über den Rücken jagte.

„Was meint ihr denn dazu?“, wandte sich der Bärtige in die Runde.

Diese Runde bestand aus drei weiteren Kerlen. Zwei davon übertrafen den Bärtigen beinahe in ihrer finsteren Erscheinung. Sie hatten bullige Figuren und wirkten wie routinierte Todschläger. Der Dritte jedoch steckte in einem feinen Maßanzug. Er war schlank, hochgewachsen und fühlte sich sichtlich unwohl in dieser Umgebung.

Irgendwie kam er Arg Fental bekannt vor.

Was diese Umgebung betraf: Sie befanden sich hier offensichtlich in einem stillgelegte Fabrikgebäude. Wahrscheinlich irgendwo am Rande von Sorum-City, der Hauptstadt von Sorum. Leider nicht nur was die Politik des Landes betraf, sondern auch die Kriminalität. Sie hatte hier den höchsten Stand weltweit, wie Arg Fental wusste.

Von einem Al Capone hatte er genauso wenig gehört wie von einer Stadt namens Chicago, aber Sorum-City war durchaus vergleichbar mit dem Chicago des zwanzigsten Jahrhunderts der Erde. Genauso wie man den Bärtigen vergleichen konnte mit Al Capone. Mit dem Unterschied, dass er als noch brutaler und gnadenloser galt.

Außerdem war es nicht nur sein Ehrgeiz, der größte und mächtigste Verbrecher aller Zeiten zu werden, sondern sein Machthunger ging noch viel weiter...

Deshalb hatte er Arg Fental persönlich gefangengenommen. Denn er hatte den begründeten Verdacht, dass dieser mit einem Alien in Verbindung stand. Mehr noch: Er hatte mit diesem ein sexuelles Verhältnis!

Der Bärtige mit Namen Schomar Falino, „der Al Capone von Sorum-City“, hatte eine ausgeprägte Homophobie. Für ihn war Arg Fental weniger als Dreck, allein schon aus dem Grund, dass dieser auf Männer stand. Dass dieser andere Mann auch noch ein Alien war... Das erzeugte in ihm einen so starken Ekel, dass er am liebsten Arg Fental auf der Stelle getötet hätte, möglichst schmerzhaft sogar. Aber das ging nicht. Noch nicht! Denn nur über Arg Fental würden sie an diesen Peris Sumol heran kommen können.

Das Kalkül war ganz einfach: Wenn es ihnen gelang, an Alientechnologie heranzukommen, hatten sie einen klaren Vorteil, den sie zu ihrem Nutzen einsetzen konnten. Damit würde ihnen möglicherweise die Herrschaft über die ganze Welt offen stehen.

Mit anderen Worten: Schomar Falino sah sich jetzt schon als der uneingeschränkte Herrscher über TORON!

Sein Lachen war so gemein, dass Arg Fental allein schon von daher gesehen glaubte, darüber den Verstand zu verlieren.

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Schomar Falino wurde plötzlich sehr ernst, und das war eigentlich eschreckender als sein gemeines Lachen. Er beugte sich wieder zu seinem Gefangen hinab und fixierte ihn mit seinen stechenden Augen. Dabei ließ er mal wieder die Kneifzange schnappen.

„Weißt du, was man mit so einer Zange alles anstellen kann? Ich sage es dir: Man kann beispielsweise einer schwulen Sau die Eier abreißen und sie ihr ins Maul stopfen, damit sie daran erstickt. Wetten, dass die niemals wieder sich auf einen Mann legt?“

Er spuckte verächtlich zur Seite.

„Aber vielleicht überlege ich es mir ja noch, wenn du kooperierst? Na, wie sieht es aus?“

„Wenn ich bloß wüsste, was Sie von mir wollen und warum!“, stöhnte Arg Fental voller Verzweiflung.

„Aber das sagte ich dir doch schon, Sau! Ich weiß um deinen schwulen Freund und dass er ein Alien ist.“

„Peris ist kein Alien!“, widersprach Arg Fental heftig. „Ich – ich weiß nicht, wie Sie darauf kommen.“

„Na, was glaubst du denn, wo er sich die ganze Zeit über herumtreibt – wenn er es gerade mal nicht mit dir treibt? Na?“

„Das – das weiß ich nicht. Er hat mir gesagt, das sei geheim.“

„Nun, egal ob ich dir das jetzt glaube oder nicht: Das macht keinen Unterschied. Ich will nur wissen, wie wir ihn herbeirufen können, und das kann ich leider nur von dir erfahren. Alles andere weiß ich ja schon. Denn wir haben das Ganze immerhin jahrelang beobachtet. Alle Achtung, dass so schwule Säue es überhaupt so lange miteinander aushalten.“

„Wir lieben uns!“

„Aha?“

Der Bärtige lachte wie über einen schlechten Witz. Dann stieß er seinem Gefangenen die geöffnete Kneifzwange brutal zwischen die Beine.

Arg Fental schrie auf vor Schmerzen.

„Tut weh, nicht wahr? Und es wird noch viel schlimmer, glaube mir, denn ich habe es mir gerade anders überlegt: Ich kneife dir die Eier nicht einfach ab, um sie dir ins Maul zu stopfen, sondern ich kneife jetzt so lange und so oft zu, bis dort unten nur noch blutiger Matsch ist. Denkst du, das wirst du überleben? Nun, ich glaube kaum.“

„Aber ich weiß doch nicht...“

„Ah, nicht schon wieder, schwule Sau. Obwohl... Kannst ja ruhig weiter leugnen. Das bringt mich dann wenigstens nicht um das Vergnügen, dich zu verstümmeln, dass du niemals wieder an einen anderen Mann denken kannst. Bevor du abkratzt heißt das.“

„Boss!“, warnte der Feingekleidete.

Schomar Falino zog tatsächlich seine Hand mit der Zange zurück. Aber er gönnte dem anderen keinen Blick, sondern beobachtete ganz genau seinen Gefangenen.

„Letzte Gelegenheit, Arg Fental. Dann werde ich tun, wie versprochen. Ich schätze mal, es wird fünf Minuten dauern, in denen ich dich dort unten komplett zerfleische.

Die Hose wird dir nichts nutzen. Ganz im Gegenteil, ich werde blind zukneifen, immer wieder. Ich zerschnippele deine Eier in tausend Fetzen. Vielleicht hast du dann noch weitere fünf Minuten unter unsäglichen Schmerzen, bevor du so viel Blut verloren hast, dass du abkackst.“ Er leckte sich blitzschnell über die Lippen. „Ah, ich werde es genießen, glaube mir.“

„Er – er hat mir so ein kleines Gerät gegeben!“, rief jetzt Arg Fental schnell. „So ein winziges Kästchen eher. Mit einem Knopf. Er sagte, wenn ich in Not gerate und Hilfe benötige, soll ich einfach auf diesen Knopf drücken.“

„Aha?“ Der bärtige Schomar Falino gab den beiden Schlägertypen einen Wink.

Mit tränenverschleierten Augen beobachtete Arg Fental sie.

Jetzt erst betrachtete er den Gutgekleideten genauer. Ja, irgendwie kam dieser ihm bekannt vor. War das nicht ein hochrangiger Politiker?

Nun, er hatte sich noch nie sonderlich für Politik interessiert, deshalb konnte er da nicht sicher sein.

Und dieser Schomar Falino?

Tatsächlich, dessen Konterfei hatte er schon mehrfach gesehen, in der Berichterstattung. Immer wieder war Schomar Falino angeklagt worden, als angeblich einer der höchsten Mafia-Bosse, wenn nicht sogar der größte. Aber er hatte jedes Mal wieder frei gesprochen werden müssen. Es wurde sogar gemunkelt, natürlich nur hinter vorgehaltener Hand, weil man mögliche Konsequenzen fürchtete, dass er Verbündete bis in die höchsten Kreise hatte.

Nicht zu Unrecht, wie man hier deutlich sah!

Die beiden Gorillas durchsuchten derweil seine Sachen, die als kleines Bündel achtlos neben dem Stuhl lagen, auf dem Arg Fental saß.

Der Stuhl war fest mit dem Boden verbunden, und er war so kunstgerecht gefesselt, dass er sich kaum bewegen konnte.

„Da ist so etwas!“, grollte der eine Gorilla und hielt das Kästchen hoch.

„Das – das trage ich immer bei mir“, bekannte Arg Fental in seiner Not.

Er wollte doch bloß nicht zu Tode gefoltert werden. Die Angst davor war größer als jegliche Vernunft.

Doch dann wurde ihm bewusst, dass er diesen Verbrechern half, seine große Liebe in eine Falle zu locken.

Jetzt war ihm klar, wieso die Gangster nicht direkt zugreifen wollten, wenn Peris wieder einmal bei ihm war. Sie wollten, dass er auf die Suche nach ihm ging, wobei er immer tiefer in die Falle geraten würde. So tief schließlich, dass es für ihn kein Entrinnen mehr gab.

Aber was sollte die Behauptung, Peris sei ein Alien?

Das konnte und wollte Arg Fental nicht glauben. Weil er es nicht einmal im Entferntesten überhaupt für möglich hielt. Für ihn existierte nur eine Welt – und das war TORON.

Was sonst?

„Und jetzt brauche ich nur diesen Knopf zu drücken?“, vergewisserte sich Schomar Falino.

Arg Fental schüttelte schwach den Kopf.

„Nein, das muss ich selber tun, sonst nutzt es nichts. Das Gerät ist auf mich programmiert.“

„Im Ernst?“

„So hat Peris mir das gesagt!“, antwortete Arg Fental und dachte im Stillen: Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder Peris ist tatsächlich ein Alien und besitzt daher unbekannte Technologien, die ihm helfen werden – oder eben nicht. In beiden Fällen wird Peris wissen, was zu tun ist. Er ist stark und der intelligenteste Mann, den ich je gesehen habe. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er so einfach auf diese Typen hier hereinfällt.

Dabei war natürlich die Hoffnung Vater des Gedankens. Um sein schlechtes Gewissen zu schmälern, weil er den Gangstern eben half, seine große und einzige Liebe in die Falle zu locken.

Eine Falle, wie er sich einzureden versuchte, die ihnen nichts nutzen würde. Weil Peris stark genug war, um daraus zu entrinnen. Und ihn zu finden.

Schomar Falino umrundete den Stuhl mit seinem Gefangenen, ergriff dessen gefesselte rechte Hand und drückte den Daumen auf den Knopf an dem Kästchen.

Fest und nachhaltig.

Dann ließ er das Kästchen einfach zu Boden fallen und kam wieder nach vorn.

Arg Fental sah sein süffisantes Grinsen und die Zange in der Hand des Mafia-Bosses. Dann stieß dieser mit der geöffneten Zange seinem Gefangenen mit aller Kraft zwischen die Beine.

Arg Fental raubte der Schmerz den Atem, dann schrie er aus Leibeskräften.

Doch das nutzte ihm nichts. Der Mafia-Boss hatte, was er wollte. Jetzt brauchte er seinen Gefangenen nicht mehr und konnte sich ungehemmt seinen niedrigsten Trieben hingeben.

Systematisch kniff Schomar Falino zu. Immer wieder.

Blut floss in Strömen. Der Gepeinigte wand sich in seinen Fesseln, ohne die geringste Chance, ihnen zu entkommen.

Das süffisante Lächeln blieb im Gesicht des brutalen Gangster-Bosses. Es bereitete ihm offensichtlich Vergnügen, seinen Gefangen dermaßen zu quälen, während er ihn für immer verstümmelte. Mit seiner Zange, die immer wieder zukniff, wahllos, um Fleisch, Sehnen und Blutgefäße zu zerfetzen.

Es dauerte noch nicht einmal fünf Minuten, bis der Gefolterte vor lauter Schmerzen das Bewusstsein verlor.

Zumindest spürte er jetzt nichts mehr.

Für Schomar Falino eher unbefriedigend, weshalb er, selber vom Blut seines Opfer überströmt, sein grausiges Werk beendete und sich aufrichtete.

Sogar die beiden abgebrühten Gorillas waren kreidebleich geworden. Der eine schien mit einer unaufhaltsam aufsteigenden Übelkeit zu kämpfen.

Der Gutgekleidete hatte sich längst abgewendet und hielt sich sogar jetzt noch die Ohren zu, um die grausigen Schreie des Gepeinigten nicht so deutlich hören zu müssen.

Schomar Falino lachte verächtlich über so viel seiner Meinung nach Schwäche.

„Wir brauchen diese schwule Sau nicht mehr. Jetzt kann sie verrecken. Und schaut euch das Kästchen an: Der Knopf blieb eingedrückt. Also gibt es wahrscheinlich so eine Art Peilsignal. Es wird Zeit, dass wir uns auf unseren Besuch vorbereiten.“

Der Gutgekleidete ließ die Hände sinken und wandte sich ihm zu.

„Bist du wirklich ganz sicher, dass es sich bei diesem Peris Sumol um ein Alien handelt?“

Schomar Falino knurrte nur.

„Immer wieder tauchte der Typ wie aus dem Nichts auf. Wir haben alles lückenlos beobachtet. Anscheinend kam er jedes Mal mit einem Flugapparat, der sich unsichtbar machen kann. Wenn er ihn bestieg, wurde er selber unsichtbar.“

„Und das mit diesem Kästchen...?“ Der Gutgekleidete brach ab.

„Wir haben alles belauscht. Natürlich wusste ich von dem Kästchen. Ich wollte nur von ihm noch einmal die Bestätigung. Ich wusste auch, dass er den Knopf selber eindrücken musste. Dieser Peris Sumol versprach ihm, ihn überall zu empfangen, egal wo er auch sei.“

„Auch zwischen den Sternen irgendwo?“

„Davon können wir wohl ausgehen. Was ja nur beweist, dass die Aliens uns dermaßen überlegen sind, dass wir mit ihrer Technologie locker die Herren der Welt werden können.“

„Aber wieso zeigen die sich nie? Wieso diese Heimlichtuerei? Warum lassen sie uns noch nicht einmal wissen, dass es sie überhaupt gibt?“

„Das wissen wir nicht. Aber wir werden es vielleicht erfahren, wenn dieser Peris Sumol uns in die Falle tappt?“

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Peris Sumol, Erster Offizier des Scoutschiffes der Entdeckerklasse PRODAMIN, befand sich auf EPSELON. Eigentlich nur ein Zwischenstopp. Hier wollte die fünfköpfige Besatzung auf Weisung von Captain Turon Palimon Vorräte an Bord nehmen. Damit sie unterwegs auf ihrer nächsten Exkursion nicht nur auf die künstlich erzeugte Nahrung aus Bordmitteln angewiesen waren.

Für den Captain bedeutete das auch, dass er einige Flaschen eines edlen Gesöffs an Bord holte, das allerdings nur ihm allein schmeckte. Alle anderen aus der Besatzung fanden es ungenießbar, um nicht zu sagen eklig. Sie hatten halt keinen Geschmack, seiner Meinung nach.

Da erreichte Peris das Signal.

Er benötigte eine volle Minute, um überhaupt zu begreifen, was da in seiner Tasche summte und rumorte. Dann erst griff er danach und zog es hervor. Nicht ohne einen verstohlenen Blick in die Runde zu werfen.

Er befand sich auf offener Straße, im Hafengebiet, nahe des hauptsächlichen Raumhafens von EPSELON. Außer ihm war hier kaum jemand zu Fuß unterwegs. Zum Glück, denn er wäre in Erklärungsnot geraten, was das kleine Signalkästchen betraf.

Er drückte die Bestätigung. Sogleich entstand ein Hologramm. Es zeigte... Arg Fental!

Er war der Gefangene von vier Männern, deren Gesichter Peris Sumol niemals wieder vergessen würde.

Es wurde deutlich, dass der Bärtige Arg Fental gezwungen hatte, das Signal auszulösen.

Und dann wurde Peris Sumol Zeuge von allem, was danach geschah. Er erlebte die Folterqualen seines Geliebten mit, so sehr, als würden ihm selbst diese Schmerzen zugefügt werden. Es war für ihn so schlimm, dass er auf der Straße zusammenbrach.

Niemand kümmerte sich darum. Die wenigen Passanten hielten ihn anscheinend für betrunken und machten lieber einen großen Bogen um ihn.

So wurde er von Turon Palimon, seinem Captain, vorgefunden.

Das Hologramm stand immer noch. Automatisch wurde alles aufgezeichnet. Auch die gesprochenen Worte, die Peris Sumol zunächst gar nicht gehört hatte, weil sicherheitshalber der Ton ausgeschaltet gewesen war. Um eben nicht darauf aufmerksam zu machen.

Peris Sumol lag am Boden und brabbelte wie ein Wahnsinniger vor sich hin. Besorgt beugte sich Turon Palimon über ihn, sah das Empfängerkästchen und schaltete den Ton dazu.

So bekam er die letzten Worte mit, die zwischen dem Gutgekleideten und dem Mafia-Boss gesprochen wurden.

„Scheiße, Peris, was hast du getan?“, schimpfte Turon Palimon halblaut und half seinem Ersten wieder auf die Beine.

Er steckte das Kästchen in die Tasche. Die Projektion erlosch dabei, aber die Verbindung bestand immer noch.

Turon konnte sich denken, wie das möglich war: Peris hatte wohl heimlich mehrere Nanosonden als Satelliten um den entsprechenden Planeten kreisen lassen. Und dass es sich um eine Z3-Welt handelte, musste man ihm gegenüber nicht betonen. Und das Signal ging erst zu den Satelliten, die das dann weitergaben zum Schiff im Hafen. Von dort war das Signal hierher gegangen.

„Wieso, bei den Sternen, konntest du so etwas überhaupt tun? Weißt du denn nicht, dass darauf die Höchststrafe steht?“

Er packte seinen Ersten bei den Schultern und schüttelte ihn kräftig, was diesen tatsächlich zu sich kommen ließ.

Er blinzelte verwirrt und sah seinen Captain an, als hätte er ihn nie zuvor gesehen.

„Arg Fental!“, weinte er plötzlich, und dicke Tränen kullerten ihm über die Wangen.

„Ja, ich weiß! Er wurde wohl zu Tode gefoltert.“

„Ich – ich wollte das alles doch gar nicht!“, stammelte Peris.

„Was denn sonst? Um diesen Arg Fental kennenzulernen, musst du ja zunächst einmal verbotenerweise auf diesem Planeten gelandet sein. Welcher ist es denn eigentlich?“

„Sie nennen ihre Welt TORON!“, gestand Peris.

„TORON?“, echote der Captain. „Und ich heiße Turon. Passt irgendwie.“

Er sah, dass der Scherz in dieser Situation völlig unangebracht war. Also schüttelte er seinen Ersten noch einmal kräftig.

„Verdammt, wie hast du das eigentlich gemacht? Du hast doch überhaupt kein eigenes Raumschiff.“

„Ich - ich habe das unsrige geklaut! Das heißt, eigentlich habe ich es mir nur ausgeborgt. Es kann auch mit einem Mann Besatzung fliegen.“

„Oder mit zwei!“, betonte Turon Palimon.

„Was willst du damit sagen?“

„Verdammt noch mal, kapierst du denn nicht, dass du uns alle da mit hineingezogen hast? Auch wenn wir nichts davon wussten: Es wird herauskommen, dass du mit unserem Raumschiff dort warst. Es gehört dir ja nicht allein, sondern uns fünf.“

„Und du willst mit mir tatsächlich dorthin fliegen?“

Details

Seiten
60
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738921304
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Juli)
Schlagworte
raumflotte axarabor vendetta sternen

Autoren

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Titel: Die Raumflotte von Axarabor #23: Vendetta zwischen den Sternen