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Wenn schon Paris, dann mit dir

2018 55 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Wenn schon Paris, dann mit dir

Copyright

Wenn schon Paris, dann mit dir

Halbe Miete – doppeltes Glück

Ein Traum in gelb

Eine Frau auf Rezept

Wenn schon Paris, dann mit dir

Vier heiter-romantische Liebeserzählungen

von Wolf G. Rahn

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 66 Taschenbuchseiten.

 

- Eigentlich wird Manuela in einer Woche ihren Robert heiraten. Warum fliegt sie dann ohne dessen Wissen mit einem anderen Mann nach Paris? Das muss ja Komplikationen geben!

- Wenn eine Wohnung gleichzeitig doppelt vermietet wird, sind Komplikationen vorprogrammiert. Besonders wenn es sich um die ordnungsliebende Nathalie und den chaotischen Axel handelt. Und dann gibt es noch den Theo, der aus dieser Situation völlig falsche Schlüsse zieht…

- Das zauberhafte Kleid aus der Auslage muss Isolde unbedingt haben. Aber eine andere Kundin kommt ihr zuvor. Ob ihr Mann Erwin vielleicht…? Doch an ihrem Geburtstag erlebt sie eine herbe Enttäuschung.

- Auf zwei riesige Hunde aufzupassen, hatte sich Thorsten einfacher vorgestellt. Schon am ersten Tag kommt es zu einem Armbruch, und auf die Hilfe seiner Freundin braucht er nicht zu hoffen…

Vier heiter-romantische Erzählungen von Wolf G. Rahn

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK EBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author/ Titelbild: Nach Motiven von Pixabay, 2018

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Wenn schon Paris, dann mit dir

"Natürlich liebe ich dich, Robert. Welche Frage! Würde ich dich sonst heiraten?" Manuela verabschiedete ihren Verlobten mit einem zärtlichen Kuss und verließ das Flughafengebäude erst, als die Maschine nach San Francisco gestartet war.

Sie seufzte. Sechs Tage blieb er fort. Hoffentlich verspätete er sich nicht zu ihrer Hochzeit!

"Hoppala!" Sie war so in Gedanken, dass sie den dunkelhaarigen Mann förmlich umrannte.

"Hallo, Manuela!", rief dieser zerstreut. "Hast du Lilo gesehen? Ich bin sicher, dass sie die Maschine nach Hamburg genommen hat."

Sie runzelte die Stirn und musterte ihren Bekannten. "Etwas nicht in Ordnung bei euch?" Dass es zwischen Lilo und Armin krachte, war ja nichts Ungewöhnliches.

"Diesmal hat sie Ernst gemacht", murmelte Armin zerknirscht und zog einen zerknitterten Brief aus seiner Sakkotasche. "Nach ihrer Meinung bin ich der schlimmste Schürzenjäger unter der Sonne."

Manuela lächelte. "Wohl kaum, Armin", war sie sicher. "Deine wahren Fähigkeiten entwickelst du zweifellos erst bei Mondschein."

"Mach dich getrost über mich lustig. Du ahnst ja nicht, was es für mich bedeutet, dass mich Lilo gerade heute verlassen hat."

Er berichtete, dass er in drei Stunden nach Paris fliegen müsse. "Die Firma Blousseau bietet mir das Geschäft meines Lebens. Aber man erwartet mich dort mit Lilo. Sie ist die halbe Miete. Ihre Entwürfe waren es nämlich, die den alten Blousseau so begeistert haben."

Manuela bedauerte, seine Frau nicht gesehen zu haben. "Ich habe Robert zum Flughafen gebracht. In einer Woche wird geheiratet."

"Ich weiß. Ihr habt uns eingeladen." Armin zögerte, bevor er fortfuhr. "Ohne Robert wird es für dich hier ziemlich langweilig sein."

"Du ahnst nicht, was ich alles zu erledigen..."

"Warst du schon einmal in Paris?", unterbrach Armin sie. "Traumhafte Stadt, sage ich dir."

"Hatte noch keine Gelegenheit."

"Jetzt hast du sie, und mir tust du damit einen Riesengefallen."

"Womit?", fragte Manuela verdutzt, obwohl sie Armins verrückten Vorschlag bereits ahnte.

"Du begleitest mich", erklärte er tatsächlich. "Natürlich unter Lilos Namen. Blousseau kennt nur ihre Entwürfe, nicht aber ihr Foto."

"Du spinnst", gab Manuela lachend zurück. "Bei der ersten fachlichen Frage würde der Schwindel auffliegen. Ich habe keine Ahnung vom Beruf einer Möbeldesignerin."

Armin bemühte sich, ihre Bedenken zu zerstreuen. "Es wird keine Fachfragen geben", beteuerte er. "Diesbezüglich ist alles geklärt. Die Reise dient nur noch der Vertragsunterzeichnung und dem bei Geschäften dieser Größenordnung üblichen Drumherum."

Worum es sich bei diesem Drumherum handelte, wusste Manuela nicht. Umso genauer erinnerte sie sich, dass sie in einer Woche neben Robert vor dem Altar stehen würde. Es war ausgeschlossen, während seiner Abwesenheit die Frau eines Anderen zu spielen. Schon gar nicht die Frau von Armin, und keinesfalls in Paris.

Armin hob abwehrend die Hände. "Was traust du mir denn zu? Ich liebe Lilo."

"Selbstverständlich", meinte Manuela und dachte an Armins zahlreiche Seitensprünge.

"Und 2000 Euro wirst du doch nicht ausschlagen?"

Manuela schnappte nach Luft. "2000 Euro?", wiederholte sie ungläubig. "Nur dafür, dass ich behaupte, deine Frau zu sein?"

"Daran siehst du, wie wichtig es ist. Ich flehe dich an! Du darfst einen alten Freund in der Stunde der Not nicht im Stich lassen."

Manuela traute sich zu, sich notfalls ihrer Haut zu wehren. Doch was würde Robert dazu sagen?

"Am besten, du behältst die Sache für dich", schlug Armin vor. "Bis er zurückkommt, sind wir wieder da. Möglicherweise würde er sich die verrücktesten Sachen einbilden."

"Ich habe keine Zeit", versuchte es Manuela ein letztes Mal, während sie bereits überlegte, was sie mit dem unerwarteten Geld anfangen könnte. Gerade jetzt waren so viele Rechnungen zu bezahlen.

"Unsinn!", wehrte Armin ab. "Deine geplanten Einkäufe erledigst du eben in Paris, und übermorgen bist du ja wieder zu Hause."

Sie sträubte sich noch eine Weile, ehe sie endlich einwilligte. Ganz wohl war ihr aber nicht dabei.

Bei ihrer Ankunft erwartete sie die erste Überraschung. "Ein Doppelzimmer?", zischte sie entrüstet an der Rezeption.

Auf dem Weg in die zweite Etage erklärte Armin ihr, dass Blousseau das Zimmer habe reservieren lassen. "Für ein Ehepaar wird er kaum zwei Einzelzimmer mieten. Sei unbesorgt! Heute Nacht machen wir ohnehin den Montmartre unsicher."

Maurice Blousseau zeigte sich von der zauberhaften Frau seines Geschäftspartners entzückt. Als er ihre Hand küsste, fühlte sich Manuela an eine Piranha erinnert. Sie spürte seinen Appetit auf junges Fleisch förmlich.

Beim Essen saß sie an der Seite des Franzosen und suchte hilfeheischend Armins Blick, doch dieser war zu gleichen Teilen mit der köstlichen Vorspeise und Mademoiselle Yvette beschäftigt, der Tochter und Mitarbeiterin des Witwers.

Beim Fisch rückte Blousseau merklich näher, bei der getrüffelten Gänseleber kannte Manuela seine komplette Lebensgeschichte, den Käse nahm sie zusammen mit glühendsten Komplimenten zu sich.

Sie dachte an Robert. Zweifellos hatte er längst versucht, sie telefonisch zu erreichen. Sie musste ihn unbedingt anrufen, damit er sich nicht unnötige Sorgen machte.

Vorläufig aber bot sich dazu keine Gelegenheit. Blousseau drängte zum Aufbruch. Er wollte seinen Gästen Paris bei Nacht vorführen.

Obwohl Armin kaum eine Sekunde von Yvettes Seite wich, gelang es Manuela doch, ein paar ungestörte Worte mit ihm zu wechseln.

"Du könntest dich ruhig ein wenig mehr um deine Frau kümmern", fand sie erbost. "Blousseau wird immer zudringlicher. Ich kann für nichts garantieren."

"Mach bloß keinen Quatsch!", murmelte Armin erschrocken. "Wenn du ihn vor den Kopf stößt, kann ich das Geschäft vergessen."

"Lieber dein Geschäft im Eimer als ich in Blousseaus Bett", fauchte Manuela wütend. "Von derlei Diensten war keine Rede."

"Natürlich nicht. Blousseau schleppt uns jetzt in eine gewagte Show. Das wird sein Interesse an dir vermindern."

Der Franzose fühlte sich durch die Darbietungen auf der Bühne eher angeregt und säuselte Manuela ins Ohr, dass er unbedingt mit ihr tanzen wolle. "Ich kenne ein romantisches Lokal, das Sie begeistern wird."

Die angekündigte Romantik erschöpfte sich in nahezu völliger Finsternis. Nur winzige rote Lämpchen sorgten dafür, dass die Bedienung zu den einzelnen Nischen fand.

Auf der Tanzfläche bewegten sich nur wenige Paare. Maurice Blousseau dirigierte Manuela hinüber.

Sie hielt verzweifelt nach Armin Ausschau. Warum forderte er Yvette nicht ebenfalls auf? Aber nein, er blieb mit der zierlichen Französin am Tisch, und als sie nach drei unendlich langen, unendlich gefühlvollen Tänzen zurückkehrten, fanden sie eine kurze Nachricht: "Hier ist es uns zu langweilig. Kommt in die 'Batterie' nach. Yvette."

Blousseau verspürte keine Lust, diesem Angebot zu folgen, womit Manuela auch nicht gerechnet hatte. Jetzt war sie ihm endgültig ausgeliefert. Warum war sie nur auf Armins Vorschlag eingegangen?

Armin war ein Schuft. An Lilos Stelle hätte sie ihn ebenfalls verlassen. Aber gab ihr das das Recht, ihm sein bisher dickstes Auslandsgeschäft zu verderben? Für 2000 Euro durfte er zumindest etwas Diplomatie und Geschick erwarten.

"Sie sind die wundervollste Frau, die ich kennengelernt habe", flüsterte Blousseau ihr ins Ohr, und seine Hände unterstrichen nachdrücklich diese Behauptung.

Manuela wehrte ihn empört ab. Eine kräftige Ohrfeige genügte, um ihren Verehrer zu ernüchtern.

"Pardon, Madame!", presste er hervor und hatte es nun sehr eilig, sie zum Hotel zu bringen.

Großartig!, dachte Manuela bekümmert. Auf deine diplomatischen Fähigkeiten kannst du dir etwas einbilden. Dabei hätte morgen Vormittag der Vertrag unterzeichnet werden sollen.

Sie ließ sich den Schlüssel geben und suchte ihr Zimmer auf. Dort warf sie sich schluchzend aufs Bett und fühlte sich entsetzlich. Was würde Robert sagen?

Dieser Gedanke erinnerte sie an das geplante Telefonat. Sie meldete das Gespräch nach San Francisco an.

Ihr Verlobter hielt sich nicht im Hotel auf. Kein Wunder! Dort drüben war jetzt heller Tag.

Während sie mit schlechtem Gewissen auf Armin wartete, rief sie noch ein paarmal an. Jedesmal ohne Erfolg.

Mitternacht war längst vorüber. Manuela fielen die Augen zu, doch sie dachte nicht daran, sich ins Doppelbett zu legen. Schließlich schlief sie auf dem Stuhl ein.

Am anderen Morgen erwachte sie mit schmerzendem Rücken und dröhnendem Kopf. Das Bett war noch immer unberührt. Armin hatte sich also die Gelegenheit mit Yvette nicht entgehen lassen.

Manuela schaute auf die Uhr. Erst sechs, aber in San Francisco war es abends. Vielleicht erreichte sie jetzt Robert.

Diesmal klappte es. Robert freute sich, ihre Stimme zu hören. "Verrückte Amerikaner!", spottete er. "Mir wurde ein Anruf aus Paris angekündigt. Hast du etwa die Hochzeitsreise allein angetreten?", Er lachte vergnügt.

Manuela brachte es nicht übers Herz, ihm die Wahrheit zu gestehen. Fernmündlich kam es ja doch nur zu Missverständnissen.

"Ich habe gestern mindestens zehnmal versucht, dich anzurufen", beschwerte sich ihr Verlobter. "Wo warst du denn die ganze Zeit?"

Manuela erzählte etwas von vielen Besorgungen und fühlte sich wie eine Ehebrecherin.

Robert wunderte sich, dass sie um diese Zeit schon wach war. "Bei euch ist es doch erst sechs Uhr."

"Schönen guten Morgen", ertönte es fröhlich hinter Manuela. Sie fuhr herum und starrte Armin an, der sich in bester Stimmung befand.

"Wer ist denn bei dir?", wollte Robert irritiert wissen. "Das war doch eine Männerstimme."

Manuela deutete Armin, um Himmels willen den Mund zu halten."Machst du Witze?", antwortete sie mühsam. "Ich höre Radio. Ein fremder Mann um sechs Uhr früh. Also weisst du!"

Robert versprach, gegen Abend bei ihr anzurufen, doch Manuela lehnte erschrocken ab. "Lieber nicht. Abends nehme ich den Hörer nicht mehr ab. In letzter Zeit erhielt ich ein paarmal so widerliche Anrufe. Ich melde mich wieder."

Robert versicherte, dass sie ihm sehr fehle und er die Tage bis zu ihrer Hochzeit kaum noch aushalte. Dann beendeten sie ihr Gespräch.

Manuela knallte wütend den Hörer auf die Gabel. Sie begriff nicht, warum sie gelogen hatte. Nun war es noch viel schwieriger, Robert die Wahrheit auseinanderzusetzen.

Aber zunächst wartete Armin auf ihren Bericht.

"Ich habe dir ja gleich gesagt, dass es schiefgeht", stieß sie hervor und brach unvermittelt in Tränen aus.

Armin begann mit tröstendem Zuspruch. Dabei wollte er genau wissen, wie der Abend mit Blousseau verlaufen war.

Nach Manuelas stockendem Geständnis brauchte auch er Trost. "Das darf nicht wahr sein", stammelte er. "Weißt du, wielange Lilo und ich für diesen Auftrag geschuftet haben? Ich bin ruiniert. Und das nur, weil du dich wie eine Klosterschülerin benimmst."

Manuela schüttelte seinen Arm von ihrem Rücken. "Lass mich in Ruhe!", blitzte sie ihn an. "Ich habe dich nicht um diese Reise gebeten."

Sie stürzte ins Bad. Nach ausgiebiger Morgentoilette fühlte sie sich um keinen Deut besser.

Beim Frühstück sagte keiner ein Wort. Erst als Armin die Serviette auf den Tisch warf, murmelte er: "Ich muss zu Blousseau. Vielleicht kann ich noch etwas retten."

Manuela bummelte über die Champs Elys‚es, fand Paris trostlos und sehnte sich nach Robert, obwohl sie ihm einiges zu erklären hatte.

Gegen Mittag entdeckte sie Armin in einem Bistro. Seine Miene sprach Bände. "Ich war in Blousseaus Büro", berichtete er. "Der Mann lässt sich verleugnen."

"Es tut mir leid", hauchte Manuela und hastete zum Hotel. Ihr Entschluss stand fest. Mit der nächsten Maschine wollte sie nach Hause fliegen.

An der Rezeption wurde sie aufgehalten. "Der Herr bittet um Ihren Rückruf, Madame. Er hat dreimal versucht, Sie zu erreichen."

Manuela studierte die Telefonnummer. Es konnte sich nur um Blousseau handeln.

Es war der Franzose. Er bat sie, mit ihm zu speisen.

Bot sich doch noch eine Chance, Armin den Auftrag zu sichern? Manuela zögerte. Dann entgegnete sie kühl, leider keine Zeit zu haben. "Wir reisen ab. Sie erwarten sicher nicht, dass mein Mann noch zu einer Unterzeichnung des Vertrages bereit ist, sobald er erfährt, wie Sie..."

"Sie haben ihm noch nichts gesagt?", fiel ihr Blousseau ins Wort. "Wo kann ich ihn erreichen?"

Manuela versprach einen Anruf ihres Mannes, machte Blousseau aber wenig Hoffnungen. Danach gefiel ihr Paris schon besser. Sie hinterließ für Armin eine Nachricht und schlenderte erneut über die Boulevards. Irgendwann wollte sie unbedingt mit Robert hierher kommen.

Am späten Nachmittag kehrte sie müde ins Hotel zurück. Armin wartete mit einer Flasche Champagner auf sie. Er fiel ihr um den Hals und war bester Laune.

"Blousseau war ganz wild darauf, den Vertrag unter Dach und Fach zu bekommen. Sag mal, habt ihr vielleicht doch noch...?"

Manuela spürte große Lust, ihm ebenfalls eine Ohrfeige zu verabreichen, verzichtete aber darauf und erinnerte ihn an Yvette.

Er schmunzelte. "Süßes Biest, aber sie ist ihrem Freund treu."

"Du Ärmster!", Manuela lachte fröhlich und strich ihrem Gegenüber tröstend über die Wange.

In diesem Moment flog die Hotelzimmertür auf. Armins Frau stand mit einer Reisetasche auf dem Gang.

"Lilo?", rief der Mann überrascht.

"Ich wollte dich nicht im Stich lassen", verkündete Lilo drohend. "Aber ich sehe, dass du die Situation voll im Griff hast. Champagner und Streicheleinheiten, mehr kannst du wirklich nicht verlangen."

"Ich glaube, ich muss da etwas erklären", meldete sich Manuela, die der Sekt bereits in übermütige Stimmung versetzte.

Lilo ließ sie nicht zu Worte kommen. "Ausgerechnet du!", fauchte sie verächtlich. "Ich bin gespannt, was Robert dazu sagt, wenn ich ihm die Augen über seine Braut öffne."

"Das darfst du nicht", beschwor Manuela die Freundin entsetzt, doch sie redete bereits mit der zugeschlagenen Tür.

"Halte sie doch zurück", forderte Manuela Armin verzweifelt auf.

Armin verließ das Zimmer, kam aber Minuten später achselzuckend zurück. "Sie war wieder einmal schneller", bedauerte er. "Mach dir keine Sorgen. Wir haben Grund zum Feiern."

Davon wollte Manuela nichts mehr wissen, und überhaupt lag ihr dieses Paris entsetzlich im Magen. Die Stadt brachte nur Unheil über sie.

Am Abend gab ein Bote ein Paket für Manuela ab. Der Karton enthielt ein traumhaftes Kleid aus dem Modehaus Nina Ricci. Maurice Blousseau schickte es ihr. Als Dank für ihr Schweigen.

"Möchtest du es nicht wenigstens anprobieren?", wunderte sich Armin über ihre fehlende Begeisterung.

Manuela knautschte es wortlos in ihren Koffer, den sie bereits für den morgigen Abflug gepackt hatte. Sie trug sich nicht mit der Absicht, vor Armins Augen eine Modenschau zu veranstalten.

Sie dachte an ihre bevorstehende Hochzeit. Ihr Brautkleid verblasste im Vergleich zu dieser sündhaft teuren Creation. Das störte sie nicht. Doch wenn Lilo Robert ihre Version von den Pariser Geschehnissen mitteilte, würde sie die Komposition aus weißer Seide und Tüll nie tragen.

Am nächsten Morgen flogen sie zurück. Ihr blieben nun nur noch vier Tage für die restlichen Vorbereitungen.

Robert rief täglich an. Seine Besprechungen in San Francisco schienen erfolgreich zu verlaufen. Manuela erwähnte ihren Ausflug mit keinem Wort. Er brauchte für die schwierigen Verhandlungen seine volle Konzentration.

Sie wollte ihn vom Flugplatz abholen und während der Heimfahrt alles erklären. Unglücklicherweise traf Robert bereits mit einer früheren Maschine ein. Als er an ihrer Tür läutete, probierte sie gerade das Modellkleid an.

Sekundenlang waren sie beide sprachlos.

"Toll siehst du darin aus", fand Robert endlich.

"Du bist schon zurück?", erwiderte Manuela schwach.

"Ich wäre sogar eine halbe Stunde früher gekommen", entschuldigte sich Robert, "aber unterwegs traf ich Lilo. Du kennst sie ja. Wenn sie einmal zu reden anfängt, ist sie nur schwer zu bremsen. Sie machte so seltsame Andeutungen, aus denen ich schließen muss, dass dieses Kleid direkt aus Paris stammt. Aber das ist ja nicht möglich. Schließlich haben wir jeden Tag miteinander telefoniert."

Manuela bat ihn in die Wohnung und schälte sich aus dem Kleid. Sie schlüpfte in ihren Hausanzug und schaltete die Kaffeemaschine ein. Sie wusste nicht, wie sie beginnen sollte.

"Du warst in Paris", stellte Robert ruhig fest.

Manuela nickte.

"Mit Armin", fuhr er fort. "Ihr habt dort als Ehepaar in einem Doppelzimmer genächtigt.

"So kann man es ausdrücken."

"Irgendwie sollst du es geschafft haben, trotz widriger Umstände Armin zu einem Bombengeschäft zu verhelfen."

"Auch das ist richtig."

"Natürlich musste dieser Erfolg mit Champagner begossen werden. Stammt das Kleid von Armin?"

"Nein, von Blousseau."

"Aha! Viel mehr wusste Lilo nicht, aber das erfahre ich bestimmt von dir, nicht wahr?" Er blieb immer noch erstaunlich gelassen.

"Tut mir leid, Robert, aber mehr gibt es nicht zu gestehen. Wenn du unter diesen Umständen dein Wort zurück haben willst, kann ich es nicht ändern."

"Was meinst du damit?" Erst jetzt kam Bewegung in ihn.

"Ich könnte verstehen, wenn du keine Frau heiraten willst, die hinter deinem Rücken mit einem Anderen nach Paris fliegt. Allerdings..."

"Allerdings hast du jetzt genug Unsinn geredet, Liebling. Es wäre traurig, würde ich schon vor der Trauung an dir zweifeln. Ich liebe dich. Deshalb weiß ich, dass du mir nichts Wesentliches verschweigst."

"Nun, eine Kleinigkeit gibt es da schon noch", gestand Manuela.

Robert runzelte die Stirn. "Sag's lieber gleich."

"Ohne dich ist das vielbesungene Paris die deprimierendste und langweiligste Stadt, die ich kenne."

Details

Seiten
55
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738921274
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Juli)
Schlagworte
wenn paris

Autor

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Titel: Wenn schon Paris, dann mit dir