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Sun Koh Taschenbuch #13: Die Spur des Teufels

2018 150 Seiten

Zusammenfassung

Sun Koh - Er war der Sohn der Sonne, dazu ausersehen, das Erbe eines sagenhaften Kontinents anzutreten. Die berühmte phantastische Abenteuerserie aus den dreißiger Jahren erscheint jetzt wieder neu. SUN KOH hat Millionen begeistert, er wird auch die heutige Generation mit seinen atemberaubenden Abenteuern in seinen Bann schlagen. Denn SUN KOH ist von zeitloser Aktualität - so zeitlos wie die Sonne, aus der er kommt.
Kapitän Scarper shanghait Sun Koh, Nimba bekommt den Boxkampf seines Lebens und ein Eisberg kippt. Ein Koch ist fehl am Platze, ein Pinguin macht sich beliebt, Treibsand zieht die Füße weg und eine goldene Ader lockt. Sun Koh wird entführt, Hal Mervin wandert über Gletscher und Lady Houston erfährt, dass selbst eiserne Gitter Sun Koh nicht halten können. Juan Garcia spukt in Sidney und verrät sich damit, Sun Koh entdeckt sein Versteck in den Blauen Bergen und Hal nimmt ihm die Beute wieder ab.

Leseprobe

Table of Contents

Die Spur des Teufels

Copyright

1.

2.

3.

4.

5.

6.

Die Spur des Teufels

Sun Koh Taschenbuch #13

Phantastisches Abenteuer

von Freder van Holk

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 164 Taschenbuchseiten.

 

Sun Koh - Er war der Sohn der Sonne, dazu ausersehen, das Erbe eines sagenhaften Kontinents anzutreten. Die berühmte phantastische Abenteuerserie aus den dreißiger Jahren erscheint jetzt wieder neu. SUN KOH hat Millionen begeistert, er wird auch die heutige Generation mit seinen atemberaubenden Abenteuern in seinen Bann schlagen. Denn SUN KOH ist von zeitloser Aktualität - so zeitlos wie die Sonne, aus der er kommt.

Kapitän Scarper shanghait Sun Koh, Nimba bekommt den Boxkampf seines Lebens und ein Eisberg kippt. Ein Koch ist fehl am Platze, ein Pinguin macht sich beliebt, Treibsand zieht die Füße weg und eine goldene Ader lockt. Sun Koh wird entführt, Hal Mervin wandert über Gletscher und Lady Houston erfährt, dass selbst eiserne Gitter Sun Koh nicht halten können. Juan Garcia spukt in Sidney und verrät sich damit, Sun Koh entdeckt sein Versteck in den Blauen Bergen und Hal nimmt ihm die Beute wieder ab.

Die phantastische Abenteuer-Serie SUN KOH von Freder van Holk erschien zum ersten Mal in den 1930er Jahren und wurde nach dem zweiten Weltkrieg in jeweils unterschiedlich bearbeiteten Heft- und Buchausgaben neu herausgebracht – zuletzt in einer Taschenbuchausgabe Ende der 1970er Jahre.

Sprachgebrauch und Wertvorstellungen entsprechen der Entstehungszeit der Romane und unterlagen seitdem einem steten Wandel. So ist beispielsweise eine der Hauptpersonen Schwarzafrikaner und wird durchgängig als „Neger“ bezeichnet. Heute wird dieser Begriff von vielen als diskriminierend empfunden. Bis in die 1970er Jahre hinein war das jedoch nicht so. Das Wort „Neger“ entsprach dem normalen Sprachgebrauch und wurde nicht als herabsetzend angesehen. Selbst der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King sprach in seinen Reden häufig von der „Emanzipation der Neger.“ Für den deutschen Sprachraum markiert der DUDEN das Wort erstmalig in seiner Ausgabe von 1999 mit der Bemerkung „wird heute meist als abwertend empfunden“ und trug damit dem in der Zwischenzeit gewandelten Sprachgebrauch Rechnung.

Da die Romane nur vor dem Hintergrund ihrer Zeit in sich stimmig sind, wurde auf eine sprachliche Glättung ebenso verzichtet wie auf eine Anpassung heute nicht mehr zeitgemäßer Wertvorstellungen oder inzwischen widerlegter wissenschaftlicher Ansichten.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

1.

Garcia triumphierte. Er hatte Sun Kohs Flugzeug geraubt und war geflohen. Sun Koh aber saß mit Nimba und Hai Mervin sowie einigen Monteuren Ratcliffs auf Ratcliffs Island, einer winzigen Felsenklippe am Rand der Antarktis, und es sprach viel dafür, daß sie dort verhungern würden. Die Situation war bedrückend. Und sie wurde für Sun Koh nicht erfreulicher, wenn er sich vorstellte, was Juan Garcia alles mit den geraubten Dingen unternehmen konnte. Wenn es nicht gelang, ihm bald zu folgen und ihm alles wieder abzunehmen, wurde er zur ernsten Gefahr für die Sonnenstadt und für alle Pläne Sun Kohs.

Am dritten Tag tauchte die »Bahia« auf, ein Trawler. Sie setzten ein Boot aus. Der Erste Offizier der »Bahia« bemühte sich selbst. Er hieß Manders und war ein Hüne von Mann, dessen Bewegungen erhebliche Geschmeidigkeit verrieten. Sein kantiges, verwettertes, von einigen Narben aufgerissenes Gesicht paßte zu seinem Körper.

Er machte nicht viele Worte, musterte die Männer abschätzend und brachte sie zur »Bahia« hinüber.

 

*

 

Kapitän Scarper besaß drei »gute« Eigenschaften: Erstens schlief er gelegentlich. Zweitens betrank er sich des öfteren. Drittens pflegte er seine Leute nicht eher zur Verzweiflung zu schinden, bevor er nicht den Hafen wieder in erreichbarer Nähe sah.

Darüber hinaus besaß er nur noch schlechte Eigenschaften.

Zwischen Southampton und Hongkong, zwischen Kap Horn und dem Nordkap gab es manchen Seemann, der vor Wut bleich wurde, wenn sein Name genannt wurde. Und es gab manchen, der eine Verwünschung murmelte, wenn die Rede auf diesen Kapitän kam.

Scarper wußte das und lachte darüber. Ein paarmal hatte man es versucht, ihn in irgendeiner dunklen Hafengasse mit Messer oder Revolver aus der Welt zu schaffen, aber stets war er mit Ritzern davongekommen. Neulinge hatten es auch unternommen, ihn beim Seeamt zu verklagen, aber sie hatten die Erfahrung machen müssen, daß Scarper ein Dutzend Meineide schwor und den Ankläger wegen Meuterei auf offener See hineinlegte.

Scarper war seines Ersten würdig. Fast so groß wie Manders stand er auf dem Deck der »Bahia« und blickte mit stiller Genugtuung den Ankommenden entgegen. Er ging mehr in die Breite als Manders, aber es war kein Fett, das ihn massig erscheinen ließ, sondern Muskelfleisch. Unter der niedrigen, fast bis an die Brauen behaarten Stirn blinkten tückische Augen. Die Nase setzte breit und fleischig an, schwang sich jedoch nicht aus, sondern landete häßlich breitgedrückt über dicken, stark umbarteten Lippen. Die Jochbogen fielen zurück, dafür sprangen die Kiefernwinkel um so härter heraus. Der Hals war kurz und gedrungen.

So einstimmig der Kapitän verdammt wurde, so einstimmig lobte man sein Schiff.

Scarper ließ die Ankömmlinge, die von Manders geführt wurden, herankommen. Er beachtete ihren Gruß nicht und dachte auch nicht daran, sie willkommen zu heißen. Das erste Wort, das er sprach, war an Manders gerichtet und von einem wohlwollenden Grinsen begleitet.

»Hm, sehen nicht übel aus, diese Burschen. Ich denke, wir haben einen guten Fang gemacht.«

»Denke auch.« Der Erste nickte.

Der Kapitän wandte sich an Sun Koh und seine Leute. »Ihr könnt unter Deck gehen. Manders wird euch einteilen. Sorgt dafür, daß alles klappt, sonst geht’s euch Höllenhunden schlecht.«

Die Männer tauschten einen kurzen Blick. Sun Koh reckte sich und sagte ruhig, aber bestimmt: »Irrtum, Kapitän. Wir haben nicht die Absicht, Schiffsdienst zu tun, sondern bitten Sie, uns zum nächsten Hafen zu bringen.«

Der Kapitän winkte mit seiner fleischigen, dicht behaarten Hand gleichmütig ab.

»Schon gut, ist mir alles bekannt, was ihr sagen wollt. Das Lied singt jeder, den wir hier einfangen. Ab!«

Sun Koh blieb stehen. Seine Stimme klang eisig.

»Sie haben eine merkwürdige Manier, Schiffbrüchige zu behandeln. Sie vergessen, daß Sie uns nicht aus einem Hafen geholt haben. Wir sind keine Matrosen. Für Ihre Bemühungen werden Sie reichlich entschädigt werden.«

Scarper reckte den Hals.

»Entschädigen? Haltet ihr die ›Bahia‹ für einen Passagierdampfer? Ihr könnt euer Geld loswerden, aber bis wir zum Hafen kommen, werdet ihr arbeiten. Und nun macht, daß ihr fortkommt!«

Sun Koh rührte sich nicht.

»Wenn Sie Mangel an Leuten haben und dadurch die Fahrt des Schiffes beeinträchtigt wird, sind wir bereit, bis zum nächsten Hafen mit zuzugreifen. Freiwillig selbstverständlich. Würden Sie mir sagen, welchen Hafen Sie anzulaufen gedenken?«

Der Kapitän steckte die Hände in die Hosentaschen und kam wie ein angriffslustiger Stier an Sun Koh herangeschaukelt.

»Du scheinst ja ein ganz besonders frecher Bursche zu sein«, sagte er gereizt. »Wenn ihr euch einbildet, daß ich wegen euch auf schnellstem Weg zum nächsten Hafen fahre, kennt ihr mich schlecht. Unsere Fahrt geht nach Süden, und es wird eine ganze Weile dauern, bis ihr wieder eine Kneipe zu sehen kriegt. Und nun…«

»Augenblick, Kapitän«, gab Sun Koh unbewegt zurück, obgleich sich Scarper in unverkennbar drohender Haltung vor ihm aufgepflanzt hatte. »Es ist nicht unsere Absicht, Sie nach Süden zu begleiten. Ich weiß nicht, was Sie vorhaben und welchen Gewinn Sie sich davon versprechen, Aber ich bin bereit, Ihnen Ihr Schiff abzukaufen und Sie darüber hinaus für allen entgangenen Verdienst reichlich zu entschädigen.«

Scarper sah ihn sekundenlang starr an, ehe er losbrüllte: »Höllenhund, du wagst es, mir ins Gesicht hinein solche Witzchen zu machen? Dich soll doch…«

»Mäßigen Sie Ihre Ausdrücke!« sagte Sun Koh scharf.

Dem Kapitän stieg eine blaurote Welle ins Gesicht. Er hob die Faust. »Zur Hölle mit…«

Er wollte Sun Koh die Faust ins Gesicht schlagen, aber plötzlich fing Sun Koh sein Handgelenk und drehte es mit einer schnellen Bewegung weg, so daß der andere zurücktaumelte.

Doch schon kam er wieder und riß die Pistole heraus.

Da sprang Manders dazwischen und sagte leise, aber eindringlich: »Lassen Sie es für jetzt, Kapitän! Es sind zuviel Zeugen dabei, und die Leute sind noch nicht eingeteilt. Das Seeamt würde es Mord nennen, weil die Leute noch keinen Dienst tun. Überlassen Sie die Sache mir!«

Scarper stieß die Waffe zurück und nickte. »Ich kann schon noch ein paar Stunden warten, bevor ich dem Burschen seine Frechheit heimzahle. Nehmen Sie sich ihrer an!«

Der Erste winkte der Gruppe. »Schluß hier! Vorwärts, dort hinunter!«

Sun Koh beachtete es nicht, sondern wandte sich von neuem an den Kapitän. »Sie lehnen also mein Angebot ab, Kapitän?«

Ein unartikulierter, zorniger Laut war die einzige Antwort. Sun Koh fuhr fort: »Sie haben eine Funkstation an Bord. Geben Sie mir die Erlaubnis, sie zu benutzen, und ich zahle Ihnen tausend Pfund.«

»Hören Sie auf mit Ihrem Unfug!« rief jetzt Manders ärgerlich. »Merken Sie denn nicht, daß Sie Ihr Leben riskieren? Oder bilden Sie sich ernsthaft ein, daß der Kapitän Sie an den Apparat läßt, damit Sie der Behörde mitteilen, Sie wären bei uns geschanghait worden?«

Sun Koh begriff, daß die Denkweise dieser Männer es ihnen von vornherein unmöglich machte, seine Vorschläge auch nur in Erwägung zu ziehen. Er zuckte mit den Schultern.

»Sie wollen uns also jede Möglichkeit zu einer gütlichen Einigung nehmen. Ich betrachte das, was Sie vorhaben, als Freiheitsberaubung und werde entsprechend handeln.«

Der Schimmer von Höflichkeit, den Manders gezeigt hatte, verschwand wieder aus seiner Stimme. Barsch entgegnete er: »Macht keine Worte! Wahrscheinlich landet ihr auf dem Umweg über einige Monate Schiffsdienst immer noch eher in eurer Heimat, als wenn wir euch nicht von der Klippe heruntergeholt hätten.«

Die innere Berechtigung zu diesem Einwurf war kaum abzustreiten, aber andererseits konnten weder Kapitän noch Steuermann dazu reizen, auf diesem Schiff anzuheuern. Und Sun Koh legte nicht den geringsten Wert darauf, sich monatelang in der Antarktis herumzutreiben. Deshalb meinte er: »Ich war und bin bereit, dem Kapitän alle Unkosten und Verluste großzügig zu ersetzen. Wenn er nicht darauf eingeht, ist es sein Schaden. Ich weiß, der Kapitän eines Schiffes hat die oberste Befehlsgewalt. Er ist aber niemals berechtigt, Menschen gegen ihren ausdrücklichen Willen zu heuern. Er beraubt sich damit seines Rechts und gibt uns die Berechtigung, uns zur Wehr zu setzen. Sie werden gut tun, wenn Sie dem Kapitän zureden.«

»Ich werde mich schwer hüten«, antwortete Manders. »Wenn Sie noch mal Ihr ungewaschenes Maul auftun, schlage ich es Ihnen breit. Und mir werden Sie nicht die Hand wegdrehen, davon dürfen Sie überzeugt sein. Vorwärts – oder soll ich Ihnen Beine machen?«

Rechts neben Sun Koh stand Hal, zitternd und bleich vor Wut und bereit, im nächsten Moment zu explodieren. Links wippte Nimba sanft auf seinen Zehen. Auch er wartete nur noch auf das Zeichen. Hinter ihm duckten sich Sayler und seine Kameraden. Sie warteten ab, Unbehaglichkeit und bängliche Zweifel im Gesicht.

Ein Stück zurück aber hatten die Begleiter Manders’ aus dem Motorboot ihre Waffen auf die Gruppe angelegt.

Das entschied in diesem Fall.

Sun Koh trug keine Waffe bei sich. Nimba und Hal hatten ihre Pistolen im Gürtel stecken, die sie aus dem Flugzeug mitgenommen hatten, aber in der Nimbas steckten noch zwei Schuß und in der Hals überhaupt keiner.

»Nicht nötig«, erwiderte Sun Koh dem Ersten Offizier auf seine grobe Frage, »wir kommen mit. Wenn Kapitän Scarper seine Reise nicht abbrechen will, müssen wir wohl oder übel einstweilen als Passagiere mitfahren. Zeigen Sie uns unsere Unterkunftsräume!«

Manders warf ihm einen gefährlichen Blick zu, enthielt sich aber außer einem Fluch jeder weiteren Bemerkung und schritt voran.

Der Raum, in den er hineinführte, konnte die Kapitänskajüte sein. Er enthielt einen Schreibtisch, Schränke, nautische Apparate und allerlei Kleinkram, wie man ihn in ähnlichen Räumen findet.

Manders setzte sich an den Schreibtisch und nahm aus einer Schublade eine Mappe heraus.

»So«, verkündete er, »jetzt wollen wir erst mal eure Personalien aufnehmen. Sie heißen Sun Koh?«

»Ja«, bestätigte Sun Koh. »Haben Sie die Absicht, eine Passagierliste anzulegen?«

»Geben Sie nur Antwort, wenn Sie gefragt werden.«

Um Sun Kohs Lippen zuckte es wie ein flüchtiges Lächeln. »Ich fragte nur deshalb, damit Sie sich nicht unnötige Mühe machen. Sollten Sie zufällig den Wunsch haben, daß wir nachher noch unterschreiben, lassen Sie sich gesagt sein, daß wir keine Heuerrolle unterschreiben, selbst wenn sie als Passagierliste frisiert wurde.«

»Was nachher kommt, das laßt meine Sorge sein. Wer auf dem Schiff ist, muß registriert werden. Wann sind Sie geboren?«

»Ich weiß es nicht.«

Manders schlug mit der Faust auf den Tisch.

»Antwort oder…«

»Oder?« fragte Sun Koh. »Ich weiß tatsächlich nicht, wann ich geboren bin.«

Einen Augenblick lang sah es aus, als wollte der Erste aufspringen, aber dann lehnte er sich überraschenderweise zurück. Das war einer jener Momente, in dem sich zeigte, wie gefährlich Manders dank seiner schnellen Beherrschungskraft werden konnte. Er tauchte den Halter ein und begann zu schreiben.

»Gut, sagen wir also: geboren am 25. Juni 1912.«

»Interessant«, sagte Sun Koh lakonisch.

»Wo sind Sie geboren?«

»Ich weiß es nicht.«

»Auch gut, sagen wir in London. Sie sind doch englischer Staatsangehöriger?«

»Keine Ahnung.«

»Also englischer Staatsangehöriger. Und nun du!«

Er blickte dabei zu Hal, der sich mittlerweile etwas beruhigt hatte, weil er sah, daß Sun Koh die ganze Angelegenheit mehr oder weniger als eine Komödie bewertete.

»Wie heißt du?« fragte Manders ihn barsch.

»Was?«

»Wie du heißt?« wiederholte der Erste.

»Lauter«, gab Hal gleichmütig zurück.

Manders streckte die Faust vor. »Wie heißt du?«

»Lauter«, beharrte Hal Mervin grinsend.

Manders verschlug es förmlich die Sprache. Soviel Frechheit wagte er gar nicht zu erfassen. Er würgte.

Sun Koh hatte dem Jungen mittlerweile einen Blick zugeworfen, und Hal sagte daraufhin entschuldigen: »Warum soll ich nicht Lauter heißen?«

»Also Lauter«, zischte Manders. »Ich werde schon dafür sorgen, daß dir deine Frechheiten vergehen, mein Bursche. Vorname?«

»Schreiben Sie Hal Mervin«, sagte der Junge großmütig.

»Geboren?«

»Natürlich.«

»Wo, verdammt noch mal!«

»In meiner Heimat.«

Jetzt wurde es dem Ersten doch zuviel. Er hieb den Schreibstift auf die Tischplatte, sprang auf und reckte sich halb über den Tisch, wobei er brüllte: »Wenn du ungewaschener Lümmel noch einmal eine derartige Antwort gibst, dann klatsche ich dich an die Wand, daß dir Hören und Sehen vergeht.«

Hal trat einen Schritt vor und entgegnete wütend: »Und wenn Sie sich einbilden, mit einer Kugel im Bauch noch jemanden an die Wand klatschen zu können, dann sind Sie schief gewickelt. Das Maul können Sie meinetwegen aufreißen, aber wagen Sie es nicht, zu dicht heranzukommen, sonst haben Sie keine Zeit mehr, es zu bereuen.«

Manders sank zurück. Eine Weile herrschte völliges Schweigen im Raum, dann schrieb Manders irgend etwas hin, was ihm einfiel.

Als Dritter kam Nimba an die Reihe. Er trat gleich dicht an den Schreibtisch heran und erklärte langsam mit seiner tiefen Stimme: »Machen Sie’s ruhig wie vorher und schreiben Sie irgend etwas. Ich habe augenblicklich gerade das, was Sie alles wissen wollen, vergessen. Und wenn Sie schlau sind, so schreiben Sie auch für die anderen irgend etwas hin.«

Der Erste hob die Schultern und schrieb. Offensichtlich hielt er sich an Nimbas Rat, denn er teilte zwischendurch den Einzelnen mit, unter welchem Namen sie verzeichnet würden.

Endlich erhob er sich und hielt Sun Koh den Stift hin.

»So, nun unterschreiben Sie an dieser Stelle!«

Sun Koh sah ihn spöttisch an. »Dazu liegt kein Bedürfnis vor!«

Manders meinte höhnisch: »Schön, wie ihr wollt. Es kommt gar nicht so darauf an, genügt völlig, daß ihr in der Rolle steht.«

»Krankhafte Phantasien eines irregeleiteten Schiffes«, bemerkte Hal halblaut.

»Wollen Sie uns nicht endlich die Quartiere zeigen?« erinnerte Sun Koh.

Manders nickte. »Sie gehen zur ersten Wache, Mannschaftslogis im Vorderdeck, Sie dort zur zweiten ins Hinterdeck. Du hier kannst als Kapitänsjunge laufen.«

Sun Koh winkte mit einer Handbewegung ab.

»Zeigen Sie uns lieber ein Quartier, in dem wir zusammenbleiben können. Mir scheint, es ist besser, wenn wir uns nicht trennen.«

Manders starrte einige Sekunden überlegend vor sich hin. Er war sich wohl nicht ganz im klaren darüber, wie er am zweckmäßigsten den Widerstand zu brechen hatte. Es war nicht leicht für ihn, denn immerhin waren wenigstens einige der Männer um ihn herum ernstzunehmen. Die Leute mit den Waffen hatten ihn nicht herunterbegleitet. Wenn es hier zum Krach kam, konnte es sehr unangenehm für ihn werden. Vielleicht war aber noch nicht einmal diese Erwägung maßgebend für ihn, sondern das kluge Empfinden dafür, wie weit er auf den ersten Anhieb gehen konnte.

Er gab jedenfalls nach.

»Schön, dann marsch mit euch ins Vorderdeck!«

Sun Koh und die anderen folgten ihm.

 

*

 

Das Mannschaftslogis im Bug der »Bahia« bestand aus zwei gleichgroßen Räumen, die schräg gegeneinander stießen und einzeln vom Gangende erreichbar waren. Eine Verbindung bestand zwischen ihnen nicht, die gemeinsame Wand war mit Lagern besetzt.

Der Raum, in den Manders die sieben hineinführte, zeigte die übliche Einrichtung eines Mannschaftslogis. Er bot Platz für zwanzig Mann. Die »Bahia« konnte demnach ziemlich viel Leute unterbringen.

Kapitän Scarper hatte gesagt, daß es ihm an Leuten mangele. Das schien zu stimmen, denn offensichtlich war dieses Logis seit langem nicht benutzt worden. Es roch entsprechend.

Manders wies mit einer Handbewegung auf die Schlafgestelle.

»So, da richtet euch ein! Platz ist genug vorhanden. Die anderen liegen nebenan, sind jetzt jedoch in der Back. Steuermann Miguel wird euch nachher weitere Anweisungen geben.«

Damit ging er hinaus und schlug die Tür hinter sich zu.

»Endlich allein«, hauchte Hai und verdrehte die Augen.

»Es wird nicht lange dauern«, sagte Sun Koh ernst. »Es ist wohl allen klar, was hier beabsichtigt wird. Da eine gutwillige Regelung kaum möglich ist, wird es wohl zu Zusammenstößen kommen. Für uns ist unser Verhalten ziemlich klar, wie aber steht’s um Sie, Sayler, und Ihre Kameraden?«

Der dicke Sayler hob die Schultern.

»Selbstverständlich wollen wir auch so schnell als möglich von dem Schiff herunter und in einen Hafen. Bloß, offengestanden, ich würde mir nicht getrauen, gegen den Kapitän oder seinen Ersten Offizier anzugehen.«

Sun Koh nickte.

»Ich würde Ihnen deshalb vorschlagen, sich nach Möglichkeiten zurückhalten. Gibt man Ihnen einen Befehl und es springt nicht einer von uns ein, so führen Sie ihn aus. Gelingt es uns, unseren Willen durchzusetzen, ist alles Weitere ohnehin für Sie hinfällig.«

Sayler kratzte sich am Kopf. »Sie wollen gegen den Kapitän angehen?«

»Ja, – sobald er seine Befugnisse überschreitet«, gab Sun Koh entschieden zur Antwort. »Er ist der Herr des Schiffes. Wir können ihn nicht hindern, monatelang keinen Hafen aufzusuchen und uns solange auf dem Schiff festzuhalten. Das liegt in seinem Ermessen. Er darf uns auch für unsere Rettung und Verpflegung einen angemessenen Betrag in Rechnung stellen. Er darf von uns aber keine Matrosenarbeit gegen unseren Willen verlangen und hat vor allem nicht das Recht, uns zu zwingen. Er wird es versuchen, und es wird zu Zusammenstößen kommen. Ich bin mir darüber im klaren, daß es letzten Endes darauf hinauslaufen wird, daß wir die Führung des Schiffes übernehmen, denn ein ernstlicher Zusammenstoß mit diesen Männern endet bestimmt nicht mit einem lauen Kompromiß.«

»Wir werden sie windelweich prügeln«, warf Hai zuversichtlich ein.

»Du vielleicht am wenigsten«, stellte Sun Koh sachlich fest. »Nimba, gib Hal deine Patronen, er wird sie besser brauchen können als du.«

Hal wehrte ab. »Ich kann auch…«

»Schluß«, sagte Sun Koh scharf. »Du nimmst die Patronen und hebst sie für den schlimmsten Fall auf. Manders hat einen Groll auf dich und wird bald versuchen, dir eins auszuwischen. Und nun müssen wir feststellen, wieviel Besatzung das Schiff hat und wen wir davon als Gegner und wen als Freund zu betrachten haben. Haltet die Augen offen, die entscheidenden Auseinandersetzungen können sehr bald kommen.«

Nimba streckte seine Riesengestalt. »Wir verweigern also jeden Dienst, Sir?«

»Ja.«

»Dann bin ich hoffentlich der erste, mit dem dieser Manders darüber zusammengerät. Er muß boxen können.«

»Nimm ihn nicht leicht«, warnte Sun Koh. »Er ist kalt wie Eis.«

Der Neger nickte. »Um so besser. Ich habe mir schon immer gewünscht, einmal einen ernsthaften Gegner zu kriegen.«

Auf dem Gang nahten Stimmen und Schritte im wirren Durcheinander. Die Besatzung kehrte aus der Back in ihr Logis zurück. Die Leute waren wohl unterrichtet, denn sie rissen die Tür auf und drängten herein. An der Spitze ein untersetzter Seemann mit krummen Beinen, vorspringender Kolbennase, übergroßem Mund und listigen Augen, in denen ebensoviel Gutmütigkeit wie durchtriebene Schläue lagen.

»Hallo, Zuwachs«, krähte er. »Freut mich sehr, wollte sagen, herzliches Beileid, daß ihr dem Höllenhund auf dem Leim gegangen seid. Heiße Stone, ehrsamer Kaufmann im Hobart, bis mich dieses Schwein von Kapitän in der Besoffenheit preßte. Wenn ich je wieder heimkomme, will ich…«

Er quasselte ununterbrochen und gab damit Sun Koh Gelegenheit, die Männer hinter ihm in aller Ruhe zu mustern. Es waren elf Mann, aber von ihnen schien dieser Stone der bei weitem angenehmste zu sein. Höchstens ein alter, stiller Mann an der Seite machte noch einen günstigen Eindruck.

»Seid ihr alle gepreßt worden?« fragte er in das Geschwätz hinein.

Eine grobe Stimme, die zu einem Farbigen gehörte, gab aus der Mitte der Männer Antwort: »Denkt ihr, daß ein Mensch so verrückt ist, freiwillig bei dem Höllenhund anzuheuern?«

»Dann müßt ihr elend besoffen gewesen sein«, platzte Hal heraus.

»Wart ihr etwa besoffen?« fragte ein anderer. »Das Schwein schleppt einen Menschen sogar hinter der Milchflasche weg, wenn er ihn braucht.«

»Aber der Erste Offizier ist doch sicher freiwillig hier?« fragte Sun Koh.

»Der hat auch Gewinnanteil und ist genau so ein Schinder. Von jeder Tonne Tran kriegt er sein Teil.«

Stone fuhr mit einer gewissen Heftigkeit herum.

»Quatsch, ich habe euch schon einmal gesagt, daß Scarper nicht daran denkt, Wale zu fangen. Er ist gar nicht entsprechend ausgerüstet. Wenn wir auch nur einen einzigen Wal fangen, will ich mich zu Frikassee verarbeiten lassen.«

»Was beabsichtigt er denn?« fragte Sun Koh.

Stone machte eine bedeutungsvolle Geste mit dem Zeigefinger. »Ich habe ein Gespräch zwischen ihm und Manders belauscht, und ich kann euch sagen, daß ich die Augen aufgerissen habe. Ihr wißt, daß in der letzten Zeit hier unten alles drunter und drüber gegangen ist. Der Kapitän rechnet nun damit, daß er weiter südlich freies Land findet, in dem das Gold in großen Klumpen herumliegt. Möchte nur wissen, wer ihm den Floh ins Ohr gesetzt hat.«

»Da habt ihr ja allerlei angenehme Aussichten«, sagte Sun Koh gleichmütig. »Übrigens muß es eine ganze Reihe Freiwilliger auf dem Schiff geben, zumindest die Leute, die bewaffnet herumlaufen.«

»Die Bande«, schimpfte einer.

Ein Asiate sagte: »Er hat Leute auf seiner Seite. Der Steuermann Miguel und acht Mann decken den beiden den Rücken, sonst wäre es ihnen auch schon mal schiefgegangen.«

Eine Faust hob sich. »Ich wünschte, ich könnte einen von den Kerlen mal im Hafen erwischen.«

Sun Koh sah zu dem grauhaarigen Alten hin. »Hat dich Scarper ebenfalls für einen Seemann gehalten?«

Der Mann nickte demütig.

»Ihm ist alles recht, was zwei Arme hat. Brown heiße ich, war mein Lebtag Schuster. Er bestellte ein Paar Stiefel bei mir, und als ich sie ihm brachte, behielt er mich gleich da. Er ist ein böser Mann, Sir.«

Die Tür wurde aufgerissen. Ein Mann stand auf der Schwelle, den man seiner Statur nach als zierlich bezeichnen konnte. Sein Gesicht verriet den Südamerikaner. Es war schmal und dunkelbraun, die Augen schwarz.

»Was ist denn das für eine Versammlung?« rief er mit nadelscharfer Stimme über die Köpfe. »Raus mit euch!«

Die Männer fuhren zusammen, duckten sich und schlichen wie geprügelt hinaus. Sie mußten schon böse Erfahrungen gesammelt haben, denn keiner von ihnen wagte Widerstand oder Unwillen auch nur anzudeuten.

Der alte Schuster wollte sich an Miguel vorbeidrücken und berührte ihn dabei unglücklicherweise. Sofort stieß dieser ihm brutal die Faust in die Seite und zischte: »Nimm dich in acht, Kerl!«

Der Stoß mußte tief in die Weichteile getroffen haben, denn der Alte ging ächzend zusammen und blieb stehen. Sofort hob der Steuermann von neuem die Faust.

»Soll ich dir Beine machen, du…«

Bevor er zuschlagen konnte, schrie Hal ihm zu: »Erbärmlicher Schinder!«

Miguel fuhr wie von einer Tarantel gestochen herum und trat auf Hal zu, während die Matrosen draußen auf dem Gang zögerten und mit beginnendem Interesse zuschauten.

»Wer hat das gerufen?«

»Ich«, sagte Hal und trat zwischen Sun Koh und Nimba vor. Sun Koh entschloß sich, den Jungen vorläufig gewähren zu lassen.

»Du also«, knurrte der Steuermann grimmig und hob die Faust, »dir werde ich die Flötentöne beibringen.«

Hal grinste.

»Aber möglichst, ohne daß du mich berührst, sonst geige ich dir eine.«

Die Hand des anderen blieb steif in der Luft, so überrascht war er. Es dauerte Sekunden, bevor er die Worte Hals verdaut hatte. Man sah, wie ihm allmählich das Blut in die Stirn stieg und die Schläfenadern anschwollen. Dann kam ein unartikulierter Laut, und endlich schlug die Faust herunter.

Hal wich zur Seite und schoß blitzschnell mit seiner rechten Faust vor. Sie landete krachend auf der Kinnspitze des Steuermanns.

Dieser ruckte mit dem Kopf zurück, breitete die Arme kurz aus und ging dann rückwärts in die Knie. Er war nicht betäubt, aber schwer angeschlagen.

Von draußen tönte beifälliges Gemurmel.

Hal ließ dem Steuermann Zeit, wieder zu sich zu kommen.

Miguel schüttelte sich. Langsam kam er hoch. Sein Kopf war gesenkt, seine Augen schielten nach vorn.

»So«, sagte er leise, »so, du hast mich…«

Plötzlich schnellte er wie eine wilde Katze auf den Jungen zu.

Hal hatte sich geduckt und die Faust vorgerammt. Es war Miguels Schuld, daß er mit seinem Magen gerade auf sie aufschlug. Stöhnend knickte er ein.

Diesmal dauerte es noch eine Kleinigkeit länger, bevor er seinen Lähmungszustand überwinden konnte. Aber dann galt sein nächster Griff der Pistole.

Bevor der Steuermann die Waffe hoch bekam, war Hal über ihm. Während Miguel oben herumfingerte, schmetterten die Schultern Hals bereits gegen seine Kniescheibe. Da der Junge gleichzeitig die Hacken des Steuermanns abstoppte, riß es diesen wie einen gefällten Baum nach hinten über, wobei die Pistole im Bogen aus seiner Hand flog. Ein Glück für ihn, daß er instinktiv den Kopf einzog, sonst hätte er sich in diesem Augenblick eine Gehirnerschütterung zugezogen.

Hal warf sich nach vorn, direkt auf den Leib des Gestürzten. »Schießen willst du?« wütete der Junge. »Schießen? Dir werde ich einiges abgewöhnen.«

Rechts und links knallten dem Mann am Boden Ohrfeigen ins Gesicht.

Auf dem Gang entstand allmählich die Stimmung einer Volksbelustigung.

»Gib ihm Saures! Immer noch ein paar!« ermunterten Zurufe.

Hal war bescheiden. Er packte den Steuermann vorn bei der Brust und riß ihn mit hoch. Hal sah schmächtig aus, verfügte dabei über allerhand Kräfte, und da Miguel nicht schwer war, gelang es ihm auch, den Mann mit einem Ruck hochzubringen. Bevor er sich noch umsehen konnte, hatte ihm der Junge schon einen kräftigen Stoß versetzt.

»Raus mit dir! Und einen schönen Gruß an deine Leute!«

Miguel taumelte zurück, prallte gegen die Männer, die im Gang standen, und kam damit erst aus dem Regen in die Traufe. Diese Männer, seit Wochen von ihm drangsaliert, waren auf einmal wie umgewandelt. Das machte erstens das aufregende Beispiel und zweitens die Tatsache, daß der Steuermann keine Pistole mehr trug.

Miguel flog aus einer Faust in die andere, prallte wiederholt gegen die Wand und verschwand schließlich den Gang hinunter.

Hal Mervin zog sich die Hose hoch.

»Entschuldigen Sie, Sir, daß ich Ihnen zuvorgekommen bin, aber es wäre schließlich doch nichts für Sie gewesen. Das mickrige Kerlchen wäre ja gleich auseinandergegangen, wenn Sie ihn angefaßt hätten. Für den genügt der Denkzettel, den ich ihm gegeben habe.«

»Schon gut«, sagte Sun Koh, »ich habe ihn dir schon überlassen, weil ich annahm, daß du mit ihm fertig werden würdest. Du hast deine Sache gut gemacht. Wir sind übrigens jetzt um eine Pistole reicher geworden. Nimba, nimm sie an dich!«

Der Neger zögerte. »Ist es nicht besser, wenn Sie…?«

»Nimm sie!« wiederholte Sun Koh. Er wandte sich an die Männer, die mit geradezu strahlenden Gesichtern wieder zur Tür hereindrängten. »Ich gebe euch den Rat, zu verschwinden. Es wird nicht lange dauern, und der Steuermann ist wieder da, aber sicher nicht allein.«

Die Gesichter ernüchterten sich. Stone, der wieder vorn stand, sagte: »Da habt ihr recht. Wenn ich nicht irre, wird er Manders Bescheid sagen. Aber – fein war es doch. Die ›Bahia‹ fängt allmählich an, mir zu gefallen. Aber nehmen Sie sich vor Manders in acht!«

Die Männer verdrückten sich durch die gegenüberliegende Tür, ließen sie jedoch spaltweit offen. Wenn sie ängstlich wegen der Folgen waren, so waren sie doch mindestens ebenso neugierig, was sich nun ereignen würde.

Minuten vergingen – Manders kam nicht.

Das widersprach so sehr allen Erwartungen, daß sich allmählich ein immer unbehaglicher werdendes Schweigen über das Mannschaftslogis legte.

»Sie haben eine Teufelei vor«, flüsterte Hal.

»Der Erste Offizier ist ein kalter Gegner«, sagte Sun Koh.

Mit einemmal schallte die harte Stimme des Ersteh Offiziers den Gang herunter: »Freiwache an Deck!«

Die Seeleute drückten ihre Tür auf, stürzten in den Gang. Ihre Blicke gingen unsicher hin und her, jeder von ihnen überzeugt, daß eine neue Teufelei in Szene gesetzt wurde. Aber sie waren gewohnt, zu gehorchen, und beeilten sich denn auch, dem Ruf Folge zu leisten.

Die letzten waren noch nicht verschwunden, als ein harter Stoß durch den Schiffskörper ging.

Und dann begann die »Bahia« zu stampfen und zu schlingern.

Sun Koh wartete noch eine Weile, dann winkte er Hal, die Tür zu schließen.

Manders kam nicht. Niemand ließ sich sehen, um die Unbill, die der Steuermann erlitten hatte, zu rächen.

Die Erklärung war sehr einfach.

Während sich Hal mit dem Steuermann balgte, hatte einer jener plötzlichen Stürme das Schiff überfallen, die in diesen Breiten so häufig waren. Wie eine Ramme traf er auf das Schiff. Er kam in einer mißtönig grauen, dünnen Wolkenwand, die sich wie eine Decke hochschob. Am Horizont schimmerte es fahl weißlich. Und schon nach Minuten stand eine helle Linie über der Kimm: Eisschollen, meterdick und in riesigen Tafeln, eine einzige geschlossene Front.

Treibeis.

Der Südpol schickte wieder seine kalten Sendboten und seinen Atem.

Die graue Decke barst splitternd und warf Millionen und Abermillionen von Eisnadeln in hagelnden Schauern über die »Bahia«, die sich ächzend unter der Gewalt des Sturmes in die See hineindrückte.

Unter diesen Umständen hatte Manders wirklich keine Zeit, sich um die Leute zu kümmern, die den Steuermann angegriffen hatten.

Erbärmliches Volk, diese Pressmen. Wie eine Rotte Mäuse kamen sie hochgestolpert. Die meisten trugen nichts anderes auf dem Leib als den dünnen Baumwollanzug, in dem man sie in der Hafengasse geschnappt hatte. Anzug konnte man es kaum mehr nennen. Der Eissturm sprang die Leute wie ein erbarmungsloser Tiger an, daß sie die Köpfe einzogen und die Buckel krümmten. Fast im Augenblick wurden ihre Hände und Gesichter blau, und aus den Augen schoß das Wasser, um wenig später auf der Backe zu gefrieren.

»Luk schließen!« brüllte Manders und kam in weiten Sprüngen heran. Eben steckte die »Bahia« ihre Nase tief ins Meer.

Krachend schlug das Luk zu, und der erste Bolzen rasselte ein.

Da kam auch schon der Brecher, wölbte sich wie eine grüne, weißgefleckte Muschel über das Schiff – ganz langsam scheinbar –, dann fegten unzählige Tonnen Wasser über das Deck.

»Festhalten!« brüllte Manders.

Zu spät die Warnung und zu blau die Finger.

Als die Augen wieder frei wurden, fehlten drei Mann aus der Freiwache, darunter der friedliche Schuster aus Hobart. Die See hatte sie weggespült.

»Mann über Bord!«

Manders lächelte verächtlich. Wegen solcher Kerle hielt man ein Schiff nicht auf, selbst wenn es nicht so unmöglich gewesen wäre wie in diesem Augenblick.

 

2.

Nach drei Stunden beruhigte sich der Sturm so schnell, wie er gekommen war. Es klarte auf, die See wurde ruhig, das Schiff kam aus dem Treibeisgürtel frei. Durchnäßt, frierend und müde stampften die Leute in ihr Logis.

Es wurde Abend.

Sun Koh und seine Leute peinigten allmählich Hunger und Durst.

Sayler war der erste, der zögernd die Frage aufwarf: »Gibt es denn hier überhaupt nichts zu essen auf diesem Schiff?«

»Große Angst«, brummte einer seiner Kameraden. »Wahrscheinlich will man uns durch Hunger gefügig machen.«

Das entsprach auch Sun Kohs Annahme, aber er tröstete: »Warten wir noch eine Weile. Später werden wir uns nach unserer Mahlzeit umsehen.«

Die Leute schaukelten den Gang hinunter. Hal stieß den Neger an. »Du hättest wohl Lust, nachzusteigen?«

»Klar«, gab Nimba ärgerlich zu. »Mein Magen hängt mir wie ein leerer Sack im Leib.«

»Schlimm« meinte Hal mitleidig. »Wie war’s denn da mit einem Quadratmeter Steak?«

Nimba stöhnte.

»Hör auf, mir läuft das Wasser im Mund zusammen.«

»Dann kannst du wenigstens keinen Durst kriegen«, flachste Hal, enthielt sich aber der weiteren Aufzählung gastronomischer Herrlichkeiten.

Die Männer kamen zurück.

Niemand dachte daran, Sun Koh und seine Leute zum Essen zu rufen oder ihnen gar etwas zu bringen.

Endlich erhob sich Sun Koh.

»Wir müssen uns nun wohl nach dem Essen umsehen. Kommt mit. Für die anderen ist es besser, wenn sie hier auf unsere Rückkehr warten. Man wird uns wohl erst nach einer Auseinandersetzung etwas geben, dann bringen wir alles her.«

»Hoffentlich recht bald«, seufzte Sayler.

Sun Koh verließ mit seinen Gefährten das Logis. Der Geruch von Speisen und das Klappern von Geschirr führte sie zur Kombüse mittschiffs.

Der Koch der »Bahia« war ein Chinese. Ein Witz, daß man ihn ausgerechnet Lotos rief, denn niemand war einer Blume unähnlicher als er. Klein, dürr, verschlagen, ängstlich und schmutzig – das war Lotos, der Küchenmann. Vielleicht charakterisierte niemand sonst die inneren Verhältnisse auf dem Schiff besser als er. Leicht war sein Geschick gewiß nicht. Alle anderen von der Besatzung standen auf einer Seite, aber er war zwischen Kapitän und Mannschaft eingequetscht und diente beiden gleicherweise als Zielpunkt des Grimms und Spotts.

Lotos ließ um ein Haar den Blechtopf fallen, als plötzlich Sun Koh dicht neben ihm stand und ihn fragte: »Bist du der Koch?«

»Ja«, sagte Lotos.

»Weißt du nicht, daß wir heute morgen zu acht an Bord kamen?«

»Ich hörte davon, Mister.«

»Willst du uns verhungern lassen?«

Lotos breitete hilflos seine Arme aus. »Ich weiß nicht – ich kann nicht – Manders hat gesagt…«

»Was hat Manders gesagt?«

Der Koch blinzelte.

»Ich darf nichts geben, er hat es verboten.«

»Dann werden wir uns nehmen, was wir brauchen«, entschied Sun Koh. »Wo hast du deine Vorräte?«

Der Mann zog den Kopf ein.

»Ich darf nichts hergeben. Er schlägt mich tot, wenn…«

Sun Koh wandte sich zu seinen Begleitern um.

»Dort hinten muß der Vorratsraum sein. Räumt aus!«

Die beiden ließen sich das nicht zweimal sagen, sondern eilten durch die Kombüse in den angrenzenden Raum, der tatsächlich die Küchenvorräte barg, soweit sie nicht unten im Laderaum verstaut waren. Lotos versuchte, sich ihnen in den Weg zu stellen, aber Nimba gab ihm einen freundschaftlichen Stoß. Darauf begann er zu jammern und zu zetern.

»Still«, herrschte ihn Sun Koh an. »Wenn wir fertig sind, kannst du zum Kapitän laufen und ihm Meldung machen. Sag ihm, daß wir mit Gewalt vorgegangen sind, und laß das andere unsere Sache sein. Aber vorläufig hältst du dich gefälligst ein paar Minuten ruhig.«

Der Chinese schwieg eingeschüchtert.

Nimba und Hal holten einen ganzen Packen Lebensmittel heraus. Die Auswahl war freilich denkbar gering. Außer einigen Konservenbüchsen gab es nur Pökelfleisch und Schiffszwieback. Die vorhandenen Hülsenfrüchte nützten nichts, wenn man sie nicht roh essen wollte.

»Alles?« fragte Sun Koh.

»Mehr und Besseres ist nicht vorhanden«, sagte Nimba.

»Dann zurück! Nimm die Kanne Wasser noch mit!«

Während die beiden lostrotteten, sagte Sun Koh zu Lotos: »So, jetzt hast du freie Hand. Beschwere dich gründlich, dann wird dir schon nichts geschehen. Und die nächste Mahlzeit richtest du gleich mit für uns vor, sonst kommen wir von neuem.«

Lotos lief wie gehetzt. Vermutlich hoffte er insgeheim, sich durch seine Eile ein Verdienst zu erwerben.

Und jetzt kam Manders.

Die acht im Mannschaftslogis waren noch nicht zum Essen gekommen, als sie auch schon seine kräftigen Schritte draußen hörten.

»Er kommt«, stellte Hal fest, als alle lauschten. »Jetzt geht der Tanz los.«

»Er hätte uns erst essen lassen sollen«, sagte Sun Koh. »Erfahrungsgemäß sind hungrige Menschen gefährlicher als satte.«

Der Neger drückte prüfend seine Handgelenke. In seinen Augen glomm ein seltsames Licht auf.

»Sir«, flüsterte er, »ich habe lange nicht richtig geboxt, und Manders ist sicher ein guter Partner.«

Sun Koh nickte.

»Warum nicht, wenn er darauf eingeht? Du mußt aber durchkämpfen. Eine Hilfe hast du nicht zu erwarten, solange er fair bleibt.«

Die Tür wurde mit einem scharfen Ruck aufgerissen. Manders stand wuchtig und groß auf der Schwelle. Seine hellen Augen flogen scharf und drohend über die Gesichter und über die Lebensmittel. Irgendwelche Spuren von Besorgnis waren bestimmt nicht in dem Mann. Er fühlte sich überlegen, obwohl er das Schicksal des Steuermanns kannte und zugleich wußte, daß sich hier unten Waffen befanden. In seiner Art war er allerhand Achtung wert.

»Da sitzt ja die ganze Bagage«, sagte er kalt und ohne jede Erregung. »Vor der Arbeit wollt ihr euch drücken – aber fressen! Das könnte euch so passen!«

Sun Koh erhob sich und erwiderte mit der gleichen Ruhe: »Sie werden hoffentlich nicht erwarten, daß wir hier einen freiwilligen Hungertod sterben wollen. Wenn Sie uns nichts zu essen geben, zwingen Sie uns, selbst dafür zu sorgen.«

Manders musterte die schlanke Gestalt mit abwägenden Blicken. Er hatte gerade über diesen Sun Koh noch kein abschließendes Urteil gewonnen. Man konnte ihn einfach zusammenschlagen, aber andererseits warnte etwas im ganzen Auftreten dieses Mannes. Oder waren es die Augen, die so unsicher machten?

Der Erste betonte seine Ruhe, indem er die Arme kreuzte.

»Wer nicht arbeitet, wird auch nicht essen«, erklärte er kurz. »Ich gebe euch eine Minute Zeit, um zu erklären, daß ihr euch der Schiffsordnung fügen und euren Dienst verrichten wollt. Dann dürft ihr behalten, was ihr da habt. Im anderen Fall…«

Er ließ unausgesprochen, was passieren würde. Sun Koh war auch nicht neugierig, sondern erwiderte sofort: »Geben Sie sich keine Mühe, wir bleiben bei unserem bisherigen Standpunkt. Ich entschädige den Kapitän mit jeder angemessenen Summe, wenn er uns sofort zum nächsten Hafen bringt oder uns wenigstens das Funkgerät benutzen läßt. Tut er es nicht, ist es seine Sache, sich damit abzufinden, daß wir auf seinem Schiff lästig fallen.«

»Darüber werden Sie bald anders denken«, drohte Manders. »Eine halbe Minute ist um.«

Sun Koh trat einen Schritt vor und sagte fast freundlich: »Es ist besser, Manders, wenn Sie keine Unklugheit begehen. Sollten Sie die Absicht haben, uns wieder mit der Waffe zu drohen, so lassen Sie sich gesagt sein, daß Sie dabei den kürzeren ziehen. Selbst dieser Junge zieht bestimmt schneller als Sie, und Sie würden nur einen törichten Selbstmord begehen.«

Der sachliche, ernste Ton verfehlte auf den Offizier sicher nicht ganz seine Wirkung. Manders hob jedenfalls verächtlich die Schultern und sagte kalt: »Wenn ich euch ein paar Kugeln in den Leib jagen will, brauche ich meine Pistole nicht erst dreckig zu machen. Vor der seid ihr sicher. Aber das garantiere ich euch, daß ich euch mit der bloßen Faust zusammenschlage, falls ihr nicht endlich vernünftig werdet. Die Minute ist um. Wer von euch will sich immer noch weigern, auf der ›Bahia‹ anzuheuern?«

Nimba sprang hoch, stellte sich dicht vor Manders. »Ich weigere mich.«

Bei jedem ändern hätte Manders wohl sofort zugeschlagen, aber die muskulöse Gestalt des Negers ließ ihn doch erst einmal die Augen zusammenkneifen.

Schleppend und langsam murmelte er wie im Selbstgespräch: »Du weigerst dich? Ausgerechnet du?«

Er begriff in diesem Augenblick, daß er einer Verabredung gegenüberstand, daß sich ihm Nimba nicht gerade durch Zufall als Gegner stellte.

Es passierte Manders nicht zum erstenmal, daß sich ihm ein Gegner gegenüberstellte mit der Absicht und Überzeugung, ihn niederzuzwingen.

Er hatte sich den Neger genau angesehen und wußte, daß ihm dieser im Gewicht und in der Reichweite überlegen war. Es waren jedoch noch stärkere Männer durch ihn gefallen. Noch immer hatte die hohe Kunst, die Zähigkeit und der kühle Willen zum Sieg geholfen. Und ob dieser Neger mithalten konnte, war noch sehr die Frage.

Da Nimba schwieg, entstand eine Pause, die wie die Ruhe vor dem Sturm quälend auf die Nerven drückte. Beide Männer standen sich unbeweglich gegenüber. Der Neger ließ die Arme schlaff herunterhängen, Manders hielt sie noch immer über die Brust gekreuzt. Jetzt ließ er sich fallen und trat mit dem rechten Fuß eine Kleinigkeit zurück.

Nimba wußte, daß der andere den Kampf annahm.

Und nun brach blitzschnell der Sturm los. Die beiden Männer prallten aufeinander mit der elementaren Wucht von Naturgewalten. Ihre riesenhaften Körper bewegten sich geschmeidig und schnell wie die großer Raubtiere, ihre Fäuste stießen wie unter dem Druck von Explosionen vernichtend vorwärts. Der Platz war denkbar ungünstig für einen Boxkampf. Obwohl Sun Koh und die anderen zurückwichen, entstand nur ein freier Raum von wenigen Quadratmetern, ein schmaler Gang zwischen Tür, Betten und Rückwand.

Manders war zuerst in den Angriff gegangen. Mit einer schnellen Bewegung hatte er sich zusammengeduckt und seine rechte Faust zu einer Geraden gestoßen. Nimba hatte ihn links abgleiten lassen und im Gegenstoß nach der Kinnspitze gepunktet, aber Manders war ebenfalls ausgewichen, so daß der Stoß am linken Ohr vorbeiglitt. Damit war der Kampf eröffnet.

Eines wurde gleich zu Anfang klar: Manders kämpfte fair und schien die Absicht zu haben, dabei zu bleiben. Und zweitens stand fest, daß sich die beiden Gegner gegenseitig kaum etwas nachgaben.

Sie tasteten sich zunächst aneinander heran. Obwohl sie beide sehr schnell schlugen und hinter jedem Schlag genügend Kraft steckte, landeten sie anfänglich nur einige leichte Gesichtstreffer, die keine Wirkung zeigten. Erst allmählich wurde der Kampf lebhafter und schärfer. Es gelang Nimba, eine Linke anzubringen und einen scharfen Aufwärtshaken anzuschließen, aber er vermochte Manders damit nicht zu erschüttern. Dieser wiederum brachte eine gerade Linke scharf zur Geltung, doch Nimba schüttelte nur den Kopf.

Er ging mit einer schnellen Schlagserie gegen das Gesicht des Offiziers vor. Sie sah gefährlich aus und veranlaßte Manders auch, zurückzuweichen. Aber sie schadete ihm nicht weiter. Er schaffte sich Luft durch eine knallharte Rechte, an die er gleich zwei Aufwärtshaken anhängte. Nimba ging zurück.

Der andere setzte nach und versuchte ihn durch wütende Körperschläge zuzudecken. Der Neger wehrte jedoch geschickt ab, erholte sich inzwischen von den beiden Haken und stieß dann so kräftig auf Manders’ Mund, daß dieser heftig zu bluten begann.

Nimba setzte seinen Angriff fort. Manders hatte zu tun, um sich einigermaßen zu schützen. Man merkte jetzt, daß er auf die Dauer, falls keine besonderen Überraschungen eintraten, unterliegen mußte. Sein Atem wurde bereits etwas kurz. Auch eine kleine Ungenauigkeit der Bewegungen hätte man schon feststellen können. Immerhin landete er sehr geschickt zwei harte Rechte auf Nimbas Gesicht. Dafür mußte er freilich eine schwere Linke einstecken, die ihn gegen die eisernen Lagergestelle warf.

Einen Augenblick lang ruhte der Kampf. Nimba ließ dem Gegner Zeit, wieder zu Atem zu kommen. Sie hatten sich in der Hitze des Gefechts so weit gedreht, daß der Neger jetzt zur Tür stand, während der Rücken von Manders zur Hinterwand zeigte.

Manders hatte die Lippen hart aufeinandergepreßt. Er wußte jetzt, daß er an einen Gegner geraten war, der ihm gefährlich werden konnte.

Wieder prallten die beiden aufeinander. Aus dem Schlagwechsel war nur eine gerade Linke Nimbas erwähnenswert, die die Braue seines Gegners aufriß. Blut verschmierte das Gesicht des Ersten Offiziers.

Manders suchte sich durch eine Linke in Nimbas Gesicht zu revanchieren, aber seine Faust hatte schon nicht mehr die erforderliche Kraft. Der Neger kam mit zwei Haken nach.

In diesen Sekunden war das Schicksal des Offiziers praktisch schon entschieden. Seine Schläge waren merkbar ungenau und weich geworden. Er war müde, seine Muskeln gaben nicht mehr die erforderliche Kraft und Gewandtheit her.

Um so verbissener war freilich sein Wille. Obgleich seine Sehkraft durch das Blut stark geschmälert war, obgleich er manchmal weit daneben schlug, hielt er zäh durch. Jetzt war es freilich auch dem Laien offensichtlich, daß er mehr auf Deckung ging.

Eine Weile ging der Kampf hin und her. Manders stand nach besten Kräften seine Zeit durch.

»Mach Schluß, Nimba!« rief Hal.

Der Neger wandte ihm den Kopf zu und nickte. Manders versuchte, die günstige Gelegenheit auszunützen und warf seine letzte Kraft in einen furchtbaren Schwinger hinein. Aber Nimba bemerkte es noch rechtzeitig, und da sich Manders einmal entblößt hatte, nutzte er gleich die Gelegenheit, um der Aufforderung nachzukommen. Seine ganze Kraft schnellte förmlich sichtbar in die Faust hinein, ein blitzschnell geführter Hieb, und Manders brach unter lautem Stöhnen nach hinten zusammen.

Nimba setzte sich, immerhin schweratmend, auf eines der Lager.

Nun kamen die anderen vor.

»Großartig«, lobte Hal. »Wie fühlst du dich?«

»Recht gut.« Nimba grinste. »Ein schwerer Brocken.«

Sun Koh klopfte ihm auf die Schulter.

»Du warst besser in Form, als ich nach der langen Ruhepause dachte. Manders hat dich vermutlich zu leicht genommen.«

»Er hat aber gut gekämpft«, erwiderte der Neger.

Sun Koh nickte. »Neugierig bin ich, was er nachher sagen wird.«

Sie beugten sich zu dem Geschlagenen nieder. Er war schwer getroffen und rang noch gegen die Bewußtlosigkeit. Sun Koh winkte dem Jungen.

»Wasser, Hal!«

Hal brachte die Kanne, und sie wuschen Manders das Gesicht.

Unterdessen kam er langsam zu sich.

Als er das rechte Auge öffnete – das linke war verquollen, so daß er es nicht öffnen konnte –, lag darin neben starker Verwirrung grenzenloses Erstaunen. Und das schwand auch nicht, als er die Männer über sich sah, die ihm behutsam die Wunden auswuschen. Wahrscheinlich bereitete ihm das einiges Kopfzerbrechen, denn sein Auge schloß sich wieder, und auf seinem Gesicht erschien ein grübelnder Zug.

Sun Koh hob den schweren Körper auf und legte ihn auf eines der Betten. Manders schien es gar nicht zu bemerken.

Details

Seiten
150
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738921243
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Juli)
Schlagworte
taschenbuch spur teufels

Autor

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Titel: Sun Koh Taschenbuch #13: Die Spur des Teufels