Lade Inhalt...

Die Raumflotte von Axarabor #21 - Der Weltenzerstörer

von Wilfried A. Hary (Autor) Marten Munsonius (Autor)

2018 100 Seiten

Leseprobe

Die Raumflotte von Axarabor #21 - Der Weltenzerstörer

Wilfried A. Hary and Marten Munsonius

Published by Uksak Sonder-Edition, 2018.

image
image
image

Der Weltenzerstörer

image

Die Raumflotte von Axarabor -  Band 21

von Wilfried A. Hary & Marten Munsonius

Der Umfang dieses Buchs entspricht 78 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Vor neunhundert Jahren fiel Admiral David Bellfire in Ungnade. Er hatte etwas Ungeheuerliches getan, worüber bis heute geschwiegen wird. Mehr noch: Sein Name und sämtliche Informationen sogar über seine bloße Existenz wurden nachdrücklich getilgt, damit wirklich nichts mehr an ihn jemals erinnern soll.

Und doch erreicht ein nur lichtschnell auf den Weg gebrachtes Datenpaket nach all dieser Zeit heute sein Ziel – und löst die nächste Krise im Sternenreich von Axarabor aus...

image
image
image

Copyright

image

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

image
image
image

1

image

Am Anfang war nichts. Es geschah nichts und es rührte sich nichts. Auf diesem atmosphärelosen Kleinplaneten um eine namenlose Sonne gab es nicht die geringsten Aktivitäten.

Ab und zu schlug ein Meteor auf diesem trostlosen Himmelskörper ein. Das schon seit undenklichen Zeiten.

Die eigentliche Besonderheit in diesem System – obwohl es keine anderen Planeten außer diesem einen in der sogenannten habitablen Zone um die Sonne gab - war, dass genau hier vor Jahrmilliarden tatsächlich ein Planet mit Leben existiert hatte. Dieser jedoch war regelrecht auseinandergebrochen.

Einfach so?

Niemand würde das jetzt noch zweifelfrei feststellen können. Es sei denn, wenn man die Milliarden und Abermilliarden von Gesteinsbrocken unterschiedlichster Größe einzeln genauestens untersucht hätte - und wer hätte das mit welchem unbezahlbaren Aufwand je tun sollen? -, dann wäre klar geworden, dass nicht die Natur jene Gesteinsbrocken geformt hatte, sondern eine wahrlich unvorstellbare Detonation. Dabei war jener Planet, der einst Leben getragen hatte, innerhalb der sogenannten habitablen Zone einfach auseinandergerissen worden.

Dann wäre auch klar geworden, dass es sich bei diesem trostlosen Kleinplaneten... um den ehemaligen Mond handelte, der damals um den Planeten gekreist war, und der allen Erfahrungen zum Trotz diese unvorstellbare Katastrophe irgendwie hatte überstehen können.

Sicherlich mit deutlichen Spuren der Ereignisse, die jedoch im Laufe der Jahrmilliarden, die danach folgten, genauso verloren gegangen waren wie die Erinnerung an die einstigen Bewohner des ehemaligen Planeten.

Der atmosphärelose Mond indessen kreiste als Kleinplanet nach wie vor zwischen diesen Gesteinstrümmern auf seiner Umlaufbahn um die Sonne. Und er ließ nicht erkennen, welches Geheimnis er barg.

image
image
image

2

image

Vor nunmehr neunhundert Jahren kamen die silbern glänzenden Schiffe. Und man schwärmte aus. Das namenlose System erschien den Besatzungen als ideales Versteck.

Später wurde der zum Kleinplaneten gewordene Mond von ihnen endgültig als Stützpunkt auserkoren. Und man machte sich daran, diese eigentlich tote Welt näher zu erforschen.

Dabei stieß man auf ein gigantisches Raumschiff, das sogar Jahrmilliarden überstanden hatte. Tief im Innern des Kleinplaneten, verborgen unter enormen Geröllmassen, als der einzige Zugang dazu verschüttet worden war. Eine der Folgen der kosmisch gesehen doch sehr nah stattgefundenen Katastrophe.

Admiral David Bellfire, der einem berühmten axaraborianischen Geschlecht entsprungen war und als Anführer der neuerdings wegen ihrer radikalen Ansichten verbotenen sogenannten Gaia-Fraktion auf Axarabor galt, gab den Befehl, als erster das fremdartige Schiff betreten zu dürfen.

Es gab hier keinerlei Sicherheitsmaßnahmen. Also bereitete das Betreten keinerlei Probleme. Aber es funktionierte auch keine Energieerzeugung mehr. Wozu auch, nach Jahrmilliarden, in denen dieses Raumschiff hier überdauert hatte.

Für Admiral Bellfire war klar: Das hier war das Einzige, was von der Zivilisation noch übrig war, die es dereinst auf jenem untergegangenen Planeten gegeben hatte. War diese Welt etwa durch einen kriegerischen Akt vernichtet worden? Von einer gegnerischen Rasse? Hatte es damals einen interstellaren Krieg gegeben?

Er kannte die Theorie, dass es im Laufe der letzten Jahrmilliarden schon viele interstellare Kriege gegeben hatte. Er wusste auch von der Annahme, dass jede Spezies entweder irgendwann unterging oder aber sich weiter entwickeln konnte, bis zur höchsten Entwicklungsstufe, wenn sämtliche Angehörige einer Spezies sich geistig zu einer sogenannten Entität zusammenschlossen.

Somit musste es viele Entitäten im Universum geben, mit gottähnlichen Eigenschaften, die sich jedoch von allem Lebenden fern hielten. Weil sie jegliche Einmischung verurteilten. Denn keine Spezies sollte dem Willen einer anderen unterliegen, sondern sollte sein eigenes Schicksal bestimmen dürfen. Auch wenn dies zur vollkommenen Auslöschung führen sollte.

Wie in diesem speziellen Fall.

Seltsam erschien in diesem Zusammenhang lediglich, dass es außer dem Raumschiff nichts auf dem einstigen Mond gab, was noch an die untergegangene Zivilisation erinnerte. Also ließ das auch noch einen weiteren Schluss zu: Dieses Raumschiff gehörte gar nicht zu jener Zivilisation, sondern möglicherweise sogar zu denen, die den Planeten vernichtet hatten?

Und wieso war das Raumschiff einfach zurückgelassen worden?

Wohl deshalb, weil es nicht mehr funktionierte?

Dem Admiral war das vorerst egal. Kaum im Innern, wurde ihm bewusst, dass er hier allein nichts ausrichten konnte. Dafür war das Raumschiff einfach zu riesig. Es war wie eine Pyramide gebaut und maß von der Spitze bis zur Sohle über einen Kilometer!

Wer, um alles in der Welt, baute denn ein solches Ungetüm und warum? Was war der eigentliche Sinn einer solchen Gigantonomie?

Er rief die Wissenschaftler aus seiner Anhängerschaft zu sich, und sie wagten sich tiefer in das Innere vor, unterstützt von außen mittels modernster Scantechnik, wobei sie selbst die wichtigsten Orientierungspunkte darstellten.

Auf diese Weise arbeiteten sie sich bis zur Kommandozentrale vor, die in der Spitze untergebracht war, mit einer Kantenlänge von zwanzig Metern. Eine beinahe autarke Pyramide, die man von der übrigen Schiffsmasse absprengen konnte. Allerdings ohne eigenen Antrieb, wie es schien.

Die Kommandozentrale wurde in der Folgezeit gründlich untersucht.

Es dauerte einige Wochen, bis sie aus unerfindlichem Grund zu einem gespenstischen Leben erwachte. Nach all den vorausgegangenen Versuchen, die ergebnislos geblieben waren.

Letztlich wusste man also gar nicht, was überhaupt endlich zum Erfolg geführt hatte. Eine Art Zufallstreffer, den man nicht wiederholen konnte. Aber das musste man ja auch nicht, solange man das Bordsystem nicht einfach wieder abschaltete – und es hatte niemand vor, herauszufinden, wie man auch das noch bewerkstelligen konnte.

Jedenfalls: Anzeigen blinkten auf einmal, die kein Mensch lesen konnte, Bildgeber flammten auf und zeigten Szenen, wie sie fremdartiger gar nicht mehr hätten sein können...

Zumindest dieser Teil des Schiffes war aus einem Schlaf erwacht, der Jahrmilliarden angedauert hatte!

Weitere Wochen vergingen, bis zumindest so viel enträtselt werden konnte:

Dieses Schiff war die letzte Konstruktion gewesen, um die Welt vor der Vernichtung zu bewahren. Indem es selbst zum Weltenzerstörer gemacht worden war!

Mit anderen Worten: Es gab eine Waffe an Bord, mit der man Welten zerstören konnte!

Kein Wunder, dass Admiral David Bellfire eine Weile benötigte, um das zu verdauen. Immer wieder bat er um Überprüfung dieser Mitteilung. Weil sie ihm zu fantastisch vor kam. Vor allem fragte er sich, wieso das Schiff dann hier verborgen war. Wieso hatte man es nicht mehr in den Einsatz geschickt, sondern einfach so verlassen?

Nein, es war nicht einfach verlassen worden! Die direkte Umgebung des gigantischen Schiffes wurde nach und nach ebenfalls enträtselt. Demnach handelte es sich hier um eine Werftanlage, eigens dafür geschaffen, dieses Kriegsschiff der Sonderklasse entstehen zu lassen. Nur hier war das möglich, weil der Mond eine wesentlich geringere Schwerkraft besaß.

Der Energieschock, als der Planet vernichtet worden war, hatte hier schwerste Beben erzeugt und praktisch alles Leben vernichtet. Das anscheinend schon flugfähige Raumschiff jedoch war nicht mehr in den Einsatz gekommen, weil es verschüttet worden war. Und die wenigen Überlebenden, die sich zufällig an Bord befunden hatten, waren im Laufe der Zeit elend umgekommen. Sie hatten keine Möglichkeit besessen, das Schiff wieder frei zu bekommen, und irgendwann waren die Nahrungsvorräte aufgebraucht gewesen.

Offenbar war das Schiff nicht dazu ausgelegt gewesen, längere Zeit unterwegs sein zu können. Zumindest noch nicht!

Admiral Bellfire blieb nichts anderes übrig. Er war ein Geächteter, der sich tödliche Feinde gemacht hatte, nicht nur in der Raumflotte von Axarabor. Und hier hatte er endlich die Möglichkeit, sich für alles das zu rächen, was man ihm angetan hatte. Es musste ihm gelingen, das Kriegsschiff wieder flott zu bekommen, um diese ultimative Waffe an Bord zum Einsatz bringen zu können.

Er nannte diese Waffe BARNARDS PFEIL.

Einige seiner Anhänger wunderten sich, dass er sie nicht BELLFIRES PFEIL nannte, aber das wäre ihm persönlich zu weit gegangen.

Es dauerte diesmal Monate, bis es tatsächlich gelang, das Schiff frei zu bekommen. Und dann erwies es sich, dass es immer noch flugfähig war.

Aber was hieß eigentlich immer noch, denn im Grunde genommen war es ja niemals zuvor geflogen. Bevor dies hatte geschehen können, war es verschüttet worden.

Und so kam es, dass es sich hinaus erhob, um in den Orbit um den Kleinplaneten einzuschwenken.

Die letzten Arbeiten an Bord begannen. Vor allem wollte man wissen, wie BARNARDS PFEIL eingesetzt wurde.

Allerdings machte man dabei die Erfahrung, dass es nicht wirklich eine Möglichkeit gab, diese Technologie auch nur im Geringsten zu kontrollieren. Dafür wussten sie ganz einfach zu wenig – und verstanden noch weniger. Das hieß, wer auch immer es wagte, BARNARDS PFEIL einzusetzen, kannte nicht die Folgen seines Tuns. Es bestand sogar die nicht geringe Möglichkeit, dass er sich dabei selbst vernichtete.

Bei dieser Gelegenheit wurde endlich auch klar, wieso dieses Raumschiff dermaßen gigantisch sein musste: Die Waffe befand sich im hinteren Teil des pyramidenförmigen Aufbaus, während der Kommandoteil die Spitze bildete. Der Impuls, der von dieser fünfhundert Quadratmeter umfassenden Anordnung von scheinbar willkürlich angeordneten Einzelteilen mit völlig unbekannter Technologie ausgestoßen wurde, hatte auch Auswirkungen auf das Schiff selbst. Diese Auswirkungen sollten von der schieren Größe abgepuffert werden.

Nicht nur Admiral Bellfire gelangte zu der Ansicht, dass die Erbauer selbst gar nicht gewusst hatten, was sie da überhaupt entwickelt hatten. Das hieß, es gab mit Sicherheit nicht die geringsten Vorversuche oder gar eine Erprobung der Waffe. Ihr Einsatz würde von daher gesehen auf jeden Fall ein tödliches Risiko bedeuten auch für den Anwender.

Trotzdem beschloss Admiral David Bellfire, mit diesem Kriegsschiff zu starten. Nach Axarabor, dem Zentrum der Macht in diesem Sternenreich. Um Axarabor nachhaltig zu vernichten. Koste es sogar ihn selber und die engsten Vertrauten, die sich bei ihm befanden!

Und seine übrigen Leute würden nicht mit an Bord bleiben. Sie würden beim Einsatz der Waffe mit ihren Raumjägern das Schiff verlassen, um auf Sicherheitsabstand zu gehen.

In der Hoffnung, dass es so etwas wie einen Sicherheitsabstand überhaupt gab!

image
image
image

3

image

Einen Monat bevor sich die Flucht von Admiral David Bellfire aus dem Sternenreich von Axarabor zum ersten Mal jährte, begann die entscheidende Reise mit dem gigantischen Kriegsschiff unbekannter Herkunft. Dieses Schiff war das Einzige, was von seinen ehemaligen Erbauern übriggeblieben war, und Admiral Bellfire, der sich mit einigen wenigen Getreuen in der Kommandozentrale befand, war es egal, ob es nach der Aktion das Schiff noch geben würde. Es war ihm egal, ob er mit seiner Aktion die letzte Erinnerung an jene Spezies mit vernichtete.

Dabei war eigentlich nur eines klar, was diese Spezies betraf: Sie war menschenähnlich gewesen!

Der Vergleich mit der Welt Gaia und ihrem Mond drängte sich einem förmlich auf. Es hatte in diesem unbekannten System also schon vor Jahrmilliarden eine Welt wie Gaia gegeben. Gaia, so nannte man auf Axarabor die sagenumrankte Welt, von der angeblich die Menschen stammen sollten. Und sie war für immer vernichtet worden. Andere behaupteten, die Geschichten über die Erde und über den Planeten Gaia, würden den selben Planeten meinen. Doch gab es sehr unterschiedliche Meinungen darüber. Besonders an Gaia war, das es angeblich vernichtet worden war.

Das war dasselbe, was Admiral David Bellfire jetzt mit Axarabor tun wollte!

Die Koordinaten waren ja bekannt. Die Schwierigkeiten bestanden lediglich darin, der Bord-KI diese beizubringen, denn natürlich hatte das untergegangene Volk damals ein völlig anderes Koordinatensystem benutzt. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass sämtliche Konstellationen in der Galaxis damals völlig anders gewesen waren. Immerhin waren seitdem Jahrmilliarden vergangen.

Also benötigte Bellfire viele Sprünge, um endlich am Ziel anzulangen. Nur wenn er zurück sprang zum Stützpunkt auf dem ehemaligen Mond, das würde dann mit einem einzigen Sprung gelingen können, weil sich die KI die Ausgangsposition gemerkt hatte.

Sobald das gigantische Kriegsschiff über der Ebene der Ekliptik des Systems von Axarabor materialisierte, befahl Bellfire, die ultimative Waffe klar zu machen.

Und schon wurde das Schiff angefunkt von der Systemkontrolle, die überwiegend vollautomatisch erfolgte.

Die Raumjäger verließen das Schiff und schwärmten aus. Sie umschwirrten das Kriegsschiff jetzt wie ein Schwarm Moskitos einen lohnend erscheinenden Blutspender.

Admiral Bellfire wollte keine Zeit verlieren. Trotzdem wollte er nicht darauf verzichten, die Funksignale persönlich zu beantworten, damit man genau wusste, wer Axarabor letztlich vernichtet hatte, und gab dann erst den entscheidenden Befehl: Vorbereitung zur Vernichtung von Axarabor.

Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, erst näher heran zu fliegen, weil der vernichtende Energieschock aus dieser Entfernung noch ungenauer ausfallen würde als ohnedies schon zu befürchten war. Aber inzwischen befanden sich bereits Abfangjäger im Anflug, und Bellfires Getreuen hatten immer noch nicht herausgefunden, wie man so etwas wie Schutzschirme errichten konnte. Einmal abgesehen davon, dass sie noch nicht einmal wussten, ob es solche überhaupt gab.

Die „Moskitos“ zogen sich schleunigst zurück und gingen auf Sicherheitsabstand, eben in der Hoffnung, dass es genügte. Und dann betätigte David Bellfire persönlich den Auslöser.

Ein Brummton entstand in der Schiffshülle, der sich rasend schnell verstärkte und das gesamte Schiff zum Schwingen brachte, als wollte er es auf diese Weise zerfetzen.

Gleichzeitig löste sich der Energieschock aus der Konfiguration am anderen Ende des Schiffes, ungefähr ausgerichtet auf Axarabor, eben das, was Bellfire BARNARDS PFEIL nannte. Dieser tödliche Pfeil sollte eigentlich nach Annahme der Wissenschaftler unter Bellfires Getreuen lichtschnell sich ausbreiten, tat er aber nicht. Ganz im Gegenteil: Er kroch regelrecht dahin.

Anfangs hatte er einen Durchmesser von nur wenigen Metern. Dabei entstand ein mächtiger Rückstoß, der das Schiff abrupt beschleunigte.

Die Andruckneutralisatoren, die sich automatisch einschalteten, von der KI gesteuert, konnten das Schlimmste abfangen, aber die Schiffshülle verbog und verwand sich regelrecht, als wollte sie in tausend Stücke zerplatzen. Dass sie trotzdem hielt, erschien sogar David Bellfire wie ein Wunder.

BARNARDS Pfeil breitete sich allmählich aus und wurde gleichzeitig schneller.

Ein physikalisches Phänomen sondergleichen: Die Energie war schwarz wie ein schwarzes Loch und schien auch ähnliche Eigenschaften zu haben. Die Anfangsgeschwindigkeit betrug nur wenige Meter pro Sekunde. Die allmähliche Steigerung brachte den Energieschock auf eine Geschwindigkeit von mehreren tausend Kilometern pro Sekunde, bei einem Durchmesser von zu diesem Zeitpunkt über zehntausend Kilometer. Sicherlich ausreichend, um Axarabor regelrecht zu zerfetzen. Axarabor würde genauso enden wie die Welt der Erbauer dieser fürchterlichen Waffe.

Atemlos verfolgte David Bellfire die Endphase, obwohl seine Leute dazu drängten, schleunigst die Flucht anzutreten, denn die Raumjäger von Axarabor waren bereits gefährlich nah.

Nein, er konnte jetzt nicht einfach fliehen. Er musste sich persönlich davon überzeugen, ob es ihm wirklich gelang, Axarabor zu vernichten. Und wenn dies geschah, würden die Abfangjäger das Interesse an ihm verlieren. Die Besatzungen würden zu schockiert sein und lieber zurückfliegen, um zu sehen, ob nicht doch noch etwas zu retten war.

Und dann war es endgültig so weit: BARNARDS PFEIL erreichte die Umlaufbahn von Axarabor und... ging in einem Abstand von nur dreitausend Kilometern glatt daran vorbei!

BARNARDS PFEIL bewegte sich weiter durch das System, um sich schließlich irgendwo in den unvorstellbaren Weiten zwischen den Sternen zu verlieren. Dabei breitete sich der Energieschock immer weiter aus, um gleichzeitig immer schwächer zu werden. Nach einigen Lichtjahren würde er wohl so schwach geworden sein, dass es ihm nicht mehr möglich war, eine ganze Welt auf einmal zu vernichten.

Maßlos enttäuscht gab Bellfire den Befehl zur Flucht. Er wollte seine Jäger nicht in einen Kampf verwickeln mit den Verteidigern von Axarabor. Das hätte nur unnötig Menschenleben gekostet, und dem Admiral war jeder seiner Leute besonders wichtig, zumal ihre Anzahl sowieso begrenzt war.

Die Beschleunigung des gigantischen Kriegsschiffes war enorm. Die Abfangjäger konnten es nicht einholen. Als ihre Piloten das erkannten, eröffneten sie aus der Ferne das Feuer.

Die Raumjäger Bellfires waren allesamt bereits an Bord des völlig ungeschützten Kriegsschiffes, als dieses von mehreren schweren Treffern gebeutelt wurde.

Der Sprung erfolgte.

Wäre er nur eine Minute früher geflohen, hätte es keine Treffer mehr geben können. Doch Bellfire hatte zu lange gezögert. Und das nur, um das klägliche Scheitern seiner Vernichtungsaktion persönlich mitzuerleben.

Admiral David Bellfire raste vor Zorn. Doch das nutzte ihm nichts mehr.

image
image
image

4

image

Das schwere Kriegsschiff materialisierte außerhalb der Ebene der Ekliptik in dem unbenannten System. Die vergleichsweise winzigen Jäger mit immer nur einem bis zwei Mann Besatzung schwärmten aus und umschwirrten das monströs große Kampfschiff erneut wie eine Wolke Moskitos.

Sicherheitshalber herrschte Funkstille. Man war nicht sicher, ob es den Verfolgern geklungen war, den Sprung zu verfolgen und ebenfalls hier zu erscheinen.

Alles Weitere geschah gewissermaßen lautlos.

Eine Aufklärungseinheit gab optische Signale – und das Kriegsschiff reagierte darauf. Das war eine Verständigung, die abhörsicher war. Für alle Fälle.

Und so erfuhren alle, dass ihr gigantisches Kriegsschiff schwer beschädigt war. Wie ein zutiefst waidwundes Tier.

Überall flackerten kleine Explosionen auf der schwarzen und manchmal rötlich glühenden Schiffshaut auf.

Es sah verdammt wie Blut aus. Rötlich und gelb und manchmal tief blau.

Das Schiff war zwar über einen Kilometer lang und nicht für Landungen auf Planeten geeignet, aber der Kleinplanet war eine Ausnahme, auf Grund seiner geringen Schwerkraft. Also steuerte das Kriegsschiff genau darauf zu.

Die Oberfläche des pyramidenförmigen Kriegsschiffes war nicht mehr glatt, sondern übersät mit Einschnitten, Narben und Kratzern.

An einer Stelle war die Außenhaut wie von einem Dosenöffner geöffnet worden und ließ einen tiefen Einblick in das Innere zu. Fahlblaues, düsteres Schimmern und dazwischen Schatten.

Wenn es eine weitere Detonation gab, in der Nähe dieser Stellen, dann schienen die Schatten sich zu bewegen. Aber träge. Eigentlich unwirklich, und man musste schon ziemlich nah an das betreffende Segment herangehen, um zu sehen, dass es sich tatsächlich um KI-gesteuerte also unabhängig von der Besatzung eingesetzte Reparaturbots handelte.

Das Schiff war anscheinend trotzdem am Ende, wenn nicht doch noch ein Wunder geschah.

Und das wurde immer deutlicher, je näher es dem namenlosen Kleinplaneten kam: Verfolgt von der Flotte von Axarabor hatte sich das gigantische Raumschiff zwar in dieses System flüchten können... Nur um hier endgültig unterzugehen?

Und während es auf sein letztes Ziel zusteuerte, erschütterten es noch einmal gleich mehrere gigantische Detonationen tief im Innern das Raumschiff, schüttelten es wie ein sterbendes Tier, und schließlich zerbrach es in mehrere große Teile.

Die „Moskitos“ kümmerten sich einerseits nur um das Kommandomodul an der Spitze, jene nur zwanzig Meter Kantenlänge messende Pyramide, die sich auf dem bisherigen Höhepunkt der Katastrophe abgesprengt hatte von den übrigen Trümmern. Andererseits wiederum interessierten sie sich für die Waffeneinheit, von der jener BARNARDS PFEIL erzeugt werden konnte.

Die Detonationen hatten dazu geführt, dass ausgerechnet die Superwaffe stark abgebremst worden war und wesentlich weniger unsanft auf der Oberfläche des Zwergplaneten auftreffen würde.

Trudelnd und schlingernd und vor allem gar nicht ausreichend gebremst hingegen, was ein völliges Zerschellen möglich machte, bewegte sich das Kommandomodul auf die Oberfläche des Kleinplaneten zu.

Ein letztes Signal von Admiral David Bellfire von dort. Er hatte keine Möglichkeit mehr, sich und seine engsten Vertrauten noch in Sicherheit zu bringen, bevor sie auf dem fast völlig atmosphärelosen Kleinplaneten auftrafen und tatsächlich... dort zumindest halbwegs zerschellten.

Das hieß, die Pyramide brach auf und ließ explosionsartig die Atmosphäre entweichen. Das konnte niemand überleben.

Es dauerte eine ganze Weile, bis die Staubwolke sich endlich gelegt und die Überreste des Kommandomoduls unter sich begraben hatte, was es beinahe unsichtbar werden ließ.

Die „Moskitos“ suchten trotz alledem nach eventuellen Überlebenden. Doch da war in der Tat nichts mehr, was diesen Absturz hatte überstehen können. Wie erwartet. Auch kein Admiral David Bellfire, der für seine letzte Aktion gegen das Sternenreich gestorben war – dasselbe Sternenreich, das ihn immerhin einst zum Admiral hatte emporsteigen lassen.

Parallel dazu überzeugten sich die Überlebenden in ihren Raumjägern davon, ob es nicht doch noch Verfolger gab.

Es gab keine. Der letzte Sprung war von der Flotte nicht verfolgt worden.

Dann erst perfektionierte man die Tarnung, und aus fast unsichtbar wurde ganz unsichtbar, indem man dafür sorgte, dass der Trümmerhaufen namens ehemalige Kommandozentrale unter der dicken Staubschicht zufälligen Strukturen gleich kam.

Auch wenn es fast unmöglich erschien in diesem doch so unendlich großen Universum, dass man das Wrack des Kommandomoduls hier finden konnte, wollte man keinen Fehler machen und jegliche zufällige Entdeckung von vornherein verhindern.

Außerdem natürlich kümmerte man sich um die Waffe, die Bellfire BARNARDS PFEIL genannt hatte. Sie war wie durch ein Wunder unbeschädigt geblieben, aber um sie erneut einsetzen zu können, würde man ein ähnlich großes Kriegsschiff benötigen, das man hier nicht mehr bauen konnte. Außerdem gab es ein solches Schiff im gesamten Sternenreich nicht.

Fast ein Jahr hielt man sich noch in diesem namenlosen System mit dem namenlosen Kleinplaneten in der Trümmerzone auf. Immer wieder beratschlagten sie, wie es ohne ihren Admiral weitergehen würde. Ihnen war klar, dass nach ihnen gefahndet wurde. Sie würden nicht wieder zurückkehren können in das Sternenreich, sondern mussten sich trennen, um in einzelnen Gruppen zu versuchen, sich außerhalb irgendwie durchzuschlagen.

Einzelne Gruppen deshalb, um die Idee zumindest weiterleben zu lassen: Herrschaft Gaias über das Sternenreich Axarabor.

Und dann wurden die wichtigsten Entscheidungen gefällt: Man schickte einen nur lichtschnellen kurzen Impuls, der sich ständig wiederholte, und versteckte die Botschaft als Datenpakete in den Interferenzen des Normalraums, wo Wasserstoff und Helium die Zeichenfolge eines intelligenten Lebens einfach verschwinden ließen. Nur von jenen noch enträtselbar, die den Code kannten. Und diese gab es nur noch im Machtbereich der alten Welt Gaia, die zwar als vergessen galt, aber Bellfire hatte ihnen die wahren Koordinaten mitgeteilt. Bellfire war immer Sicher gewesen, das sie kein Mythos war, sondern die wahre Wiege der Menschheit! Er, der eben aus jenem alten Gaia-Geschlecht stammte, hatte diese von Generation zu Generation weitergegebenen Koordinaten als einziger noch gekannt.

Allerdings würde diese Nachricht Jahrhunderte lang unterwegs sein, um letztendlich ihr Ziel zu erreichen. Aber dann würde man am Ziel wissen, wo die ultimative Waffe zu finden war.

Dann erst, als die Nachricht auf den Weg gebracht war, konnten und wollten die Verantwortlichen das System und die Artefakte, die man hier vergraben hatte, verlassen. Nichts sollte jetzt mehr für den Unbedarften auf Menschen hindeuten. Gar nichts! Und vor allem nicht auf die ultimative Waffe namens BARNARDS PFEIL.

Diese durfte niemals in die Hände ihrer Feinde fallen.

Nicht in die Hände der Hochadmiralität von Axarabor!

image
image
image

5

image

Einige Anhänger des ehemaligen Admirals David Bellfire  gründeten damals nach ihrer letzten Flucht aus dem namenlosen System die Vorläufer des Adakoni-Kartells. Andere gingen andere Wege, die allerdings nicht weniger terroristisch oder zumindest kriminell waren.

Bis heute. Eben bis die Nachricht von damals ihren ersten Empfänger fand.

Nicht auf den Resten des Planeten Gaia, wie eigentlich vorgesehen, sondern auf einem Begleiter namens Alpha Karia, der sozusagen auf dem Weg lag. Die Nachricht würde Gaia erst in den nächsten Jahren erreichen. Aber so lange wollten die Empfänger im System Alpha Karia natürlich nicht warten.

Sie schickten ein entsprechend groß dimensioniertes Kriegsschiff los.

image
image
image

6

image

Während ich mir alles zusammen träume,

ist es draußen bereits dunkel geworden -

Ich gehe in einem Park umher

und komme schließlich auf eine weitläufige Lichtung.

Ich schaue nach oben, während ein eisiger Wind aufkommt.

Sofort setzen sich Eiskristalle auf meinen Bart.

Über mir ist mit seinem eiskalten Sternenglitzern

ein trostloser und feindlicher Himmel...

(Admiral Bellfire zugeschrieben)

image
image
image

7

image

Das Schlachtschiff TUBULAR BELL war schon ein Schiff der Sonderklasse. Einerseits ein Kriegsschiff mit den fürchterlichsten Waffen, außerdem mit modernsten Schutzschirmen ausgestattet, andererseits erinnernd an einen Flugzeugträger. Wobei die TUBULAR BELL natürlich keine Flugzeuge trug, sondern „ausgewachsene“ Raumschiffe. Also nicht nur Raumjäger, sondern auch größere Kaliber bis hin zu Kriegsschiffen der Kreuzerklasse.

Zumindest wäre es möglich gewesen. Aber die TUBULAR BELL hatte lieber Raumjäger mit dabei. Das war allein schon deshalb wichtig, weil das Schiff so gigantisch war. Immerhin eine Pyramide von zwei Kilometern vom Boden bis zur Spitze. Da hatten ohne größere Probleme eintausend Raumjäger Platz. Plus Besatzung wohlgemerkt. Wobei die meisten Raumjäger nur eine Person Besatzung benötigten. Bei einem Platzangebot für höchstens drei.

Die schiere Größe hatte natürlich nicht nur Vorteile, sondern auch gravierende Nachteile. Dazu gehörte die relative Trägheit. Die TUBULAR BELL benötigte bis zu hundertmal so lang, um die Ebene der Ekliptik des Systems Alpha Karia zu verlassen, wie es ein Raumjäger benötigt hätte.

Details

Seiten
100
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738921021
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v433215
Schlagworte
raumflotte axarabor weltenzerstörer

Autoren

Zurück

Titel: Die Raumflotte von Axarabor #21 - Der Weltenzerstörer