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Ein fast aussichtsloser Kampf

2018 120 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Ein fast aussichtsloser Kampf

Copyright

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

Ein fast aussichtsloser Kampf

Western von Larry Lash

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 202 Taschenbuchseiten.

 

Alles hat Lex Bogat für Jane, seine Frau, geopfert, selbst seine Freiheit und seinen ehrlichen Namen. Als er zurückkommt, muss er feststellen, dass sie ihn verraten hat und noch weiter gewillt ist, ihn mit allen Mitteln zu vernichten. Mit seinem größten Feind, Corbety, hat sie sich zusammengetan, um die Tannen-Ranch, die Ranch seiner Väter, an sich zu reißen. Corbety aber, der skrupellose Bandit, schickt Lex Bogat seine Schießer entgegen. Lex stellt sich zu einem fast aussichtslosen Kampf und muss durch die Hölle...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

Originaltitel: Der Geächtete

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

1.

An diesem Morgen hatte Morg Corbety ein sonderbares Gefühl. Es kam ans seinem Inneren heraus und ließ ihn nervös und fahrig erscheinen. Dieses Gefühl hämmerte so wild auf ihn ein, dass er sich steil im Sattel hob und der Falbe unter ihm zur Seite ausbrechen wollte. Im letzten Augenblick konnte er mit festem Zügeldruck das Tier zum Stehen bringen. Der Falbe hob den ramsnasigen Kopf. Es schien, als übertrüge sich die Nervosität des Reiters auch auf das Pferd. Man hatte den Eindruck, als wären beide von Geisterhand berührt worden. Himmel und Hölle, was mochte die Ursache der plötzlichen Unruhe sein?

Nun, einen weniger beherzten Mann als Morg Corbety hätte der Anblick des Mannes, der plötzlich vor ihm auftauchte, glatt aus dem Sattel gehoben. War doch jener Reiter ein Mann, den jeder in Stadt und Land für tot hielt.

Morg Corbety war alles andere als ein Hasenfuß. Doch jetzt, in diesem Augenblick, wurde seine massige, wohl an die hundertachtzig Pfund schwere Gestalt wie von innen heraus durchbebt. Seine Lippen bewegten sich, formten Worte, doch nur ein einziges davon kam heraus: „Narr!“

Der Blick des anderen schien Morg zu durchdringen, so dass dieser das Gefühl hatte, aus Glas zu sein. Noch bewegte sich der Mann nicht. Er hockte ein wenig vornübergeneigt im Sattel. Seine Hautfarbe war eher schwarz als braun, helle Augen standen in einem schmalen, männlichen Gesicht, unter denen allerdings im Augenblick tiefe Schatten standen. Viele Kerben durchzogen das Gesicht, und das schwarze Haar,, das unter dem Stetson hervorlugte, war mit grauen Fäden durchzogen.

By gosh, yeah, die Hölle musste ihn wieder ausgespuckt haben. Sein Äußeres allein genügte, um einem Furcht einzuflößen. Eisige Kälte ging von ihm aus, strömte herüber zu Morg. Vielleicht verschärfte auch die schwarze Kleidung den furchterregendem Eindruck - oder was sonst mochte es sein?

Morg hatte sich langsam wieder gefangen, stieß rau hervor: „Niemand wird wünschen, dich wiederzusehen, Lex. Was willst du hier?“ Er starrte auf die beiden Eisern, die sein Gegenüber in eindeutiger Weise trug. Es waren glatte, schlichte 45er Colts, denen Kimme, Korn und Abzugsbügel fehlten, die aber dafür jedem Kenner eine Gänsehaut über den Rücken laufen ließen. Eisen, die nur von Revolvermännern getragen werden konnten, die es verstanden, mit solchen Dingen umzugehen.

„Es wäre eine Lüge, wenn ich sagen würde, dass ich ausgerechnet dich suche, Morg“, klang es zurück, mit einer Stimme, die warm und angenehm war und im krassen Gegensatz zu dem harten Äußeren des Reiters stand. „Ich habe vergessen, dass du einst zu meinen Freunden zähltest. Yeah, ich habe alle ehemaligen Freunde abgeschrieben.“

„Mit Recht! Wer sollte auch mit einem Geächteten Bügel an Bügel reiten“, unterbrach ihn Morg schnell. „Was du getan hast, stellt dich außerhalb jeder menschlichen Gemeinschaft, zwingt dich dazu, einsame Pfade aufzusuchen, treibt dich weiter, immer weiter hinaus aus unserer Mitte. Drei Jahre sind es her und ...“

„In drei Jahren wächst viel Gras!“

„Jedoch nicht hoch genug, um das zu überdecken, was hier geschah, Lex Bogat“, erwiderte Morg. „Es ist wie am ersten Tag, die Wunden heilen nicht. Glaubst du etwa, dass Jane ...“

„Lass Jane aus dem Spiel!“

Morgs Zähne knirschten aufeinander. Er ballte die Rechte zur Faust, fauchte: „Du machst es dir verteufelt einfach, Lex Bogat. Jane trug deinen Namen. Sie war deine Frau!“

„Sie ist es auch heute noch“, entgegnete er.

Doch Morg überhörte diesen Einwurf, fuhr grimmig fort: „Du hast eine Bank ausgeraubt, hast ...“

„Bevor du weitersprichst, lass dir sagen, dass Jane weiß, warum ich es tat. Ich brauchte Geld, Jane war krank ...“

„Das Geld“, hohnlachte Corbety, „half ihr nicht. Es wurde gefunden von dem Aufgebot, das hinter dir her war. Mit deiner Tat hast du ihr nicht geholfen, sondern nur geschadet. Außerdem war sie es, die den Sheriff rief. Sie war es, die dem Aufgebot das Versteck zeigte, denn sie wollte nicht von geraubtem Geld gesund werden, wollte lieber sterben, als sich mitschuldig machen. Oh, yeah, sie war krank, todkrank, aber ihr Stolz war größer als ihre Angst, sterben zu müssen. Drei Jahre lang warst du fort, und jetzt bist du wohl zurückgekommen, um zu erfahren, ob Jane sich ihre Gesundheit erkaufen konnte und ob sie den Rest deines Geldes gut angelegt und eventuell deine Ranch erweitert hat? Yeah, kommst auch, um herauszufinden, was dein Sohn macht, kommst, weil deine Neugier größer ist als die Angst vor dem Gesetz.“ Böse schallte Morgs Lachen zu Rex Bogat hin, er fuhr fort: „Du glaubst sicher auch, dass Jane beide Arme ausbreiten wird, dass sie dir Dank schuldet. By gosh, kehr um! Lex, reite dorthin, woher du gekommen bist, kehre nicht aus dem Totenreich zurück!“

„Aus dem Totenreich?“

„Yeah, für uns alle bist du tot. Es gibt einen Mann, der behauptet, deine Begegnung mit Jim Porter gesehen zu haben. Jim soll schneller gewesen sein als du. Yeah, Nachrichten dieser Art verbreiten sich rasch.“

„Du siehst, ich lebe!“

„Yeah, das sehe ich, aber es wäre besser für dich gewesen, wenn dich Porter richtig getroffen hätte, so dass uns dein Erscheinen hier erspart geblieben wäre“, unterbrach ihn Morg in verteufelt kalter Art. „Du selbst hast dich doch aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, hast Frau und Kind verlassen, hast dich auf den Trail der Geächteten begeben. Du bist tot, Lex Bogat, mausetot!“ Er schrie diese Worte erregt heraus, stemmte sich dabei in den Steigbügeln auf, reckte sich drohend gegen den Reiter, der ihm den Weg versperrte. Es sah so aus, als wolle seine Rechte zur Waffe greifen, als wolle er im nächsten Augenblick seinem Falben die Sporen einsetzen, das Tier vorwärts treiben und den anderen niederreiten.

Doch irgendetwas an seinem Gegenüber hinderte ihn an seinem Vorhaben. Ein tiefer Atemzug entfuhr seinem Munde. Mit dem Daumen stieß er sich den Stetson aus der sommersprossigen Stirn. Er lief rot an, fuhr fort: „Ohne mich wären Jane und dein Sohn verloren gewesen, Lex, ohne mich hätten sie die Ranch nicht halten können, ohne mich hätte Jane einen üblen Weg antreten müssen, wäre glatt vor die Hunde gegangen. Jane hat dich für tot erklären lassen und hat mich geheiratet.“

„Weil ich das hörte, Morg, kam ich und stellte mich dir in den Weg. Ich hielt es bislang für ein übles Gerücht, doch jetzt weiß ich, dass es stimmt“, klang es unheimlich ruhig zurück. „Wer war der Mann, der mich von Jim Porters Kugel getroffen fallen sah?“

„Das, mein Lieber, finde am besten selbst heraus. Glaubst du, ich spüre nicht, was in dir vorgeht? Doch lass dir nochmals sagen, lass Jane, den Jungen und mich in Frieden!“

„Wir waren Sattelgefährten, du und ich“, erwiderte Lex. „Dir kam es wohl zurecht, dass Jane eine solche Nachricht bekam, wie?“

„Du solltest, anstatt mir Vorwürfe zu machen, dankbar sein, Lex Bogat“, entgegnete Morg Corbety. „Durch mich hat Jane ihre innere Ruhe wiedergefunden. Das Leben mit dir war für sie eine Kette von Aufregungen und Strapazen. Auch ohne dich habe ich genug Sorgen am Hals, denn mit deiner Ranch übernahm ich gleichzeitig auch deine Feinde, und die sind so mächtig geworden, dass mir das Messer an der Kehle sitzt. Was versprichst du dir jetzt noch von deinem Auftauchen? Etwa, dass Jane zu dir zurückkehrt? Jane kann das nicht, denn dein Sohn hat Geschwister bekommen. Drei Jahre kann man nicht ungeschehen machen, oder auslöschen. Es ist deine Schuld, wenn du nichts von deiner Ehetrennung weißt, aber kein Wunder, denn ein Mann, der über die Kämme reiten muss, kann ...“

Er brach ab. Beide Männer starrten sich an, und ihre Blicke waren wie Schwertklingen, prallten ineinander, krallten sich fest, als wollten sie sich nie wieder voneinander lösen.

„Ich wusste nicht, dass Jane und du zusammen Kinder habt“, klang es abgerissen. „Das ändert die Lage völlig und somit auch mein Vorhaben. Ich wollte dich stellen, Morg Corbety, wollte dich zum Kampf zwingen, doch jetzt kann ich es nicht mehr. Die Vergangenheit ist tot für mich.“

„Und ungesühnt, Lex!“

„Du irrst“, klang es schroff zurück. „Drei Jahre war ich jetzt im Gefängnis, denn ich hatte mich gestellt, und somit kann die Nachricht von meinem Tode nur eine Lüge sein. Niemals fand ein Kampf zwischen Porter und mir statt, niemals wechselten wir unsere Kugeln.“

„Oh, Himmel“, klang es in ehrlichem Entsetzen, „dann bist du also nicht über die Kämme geritten, hast nicht in Banden Unterschlupf gefunden und bist nicht in wilden Städten als Kartenhai aufgetaucht?“

„Ich saß im Gefängnis, und meine tägliche Bewegungsfreiheit bestand darin, dass wir Gefangenen eine halbe Stunde im Gefängnishof schweigend im Kreis herumgeführt wurden. Immer im Kreis, umringt von grauen Mauern; bestand darin, dass wir in den Steinbrüchen arbeiteten, in der prallen Hitze, bis einer nach dem anderen liegenblieb. Ah, ich könnte dir eine Menge mehr davon erzählen, Morg, davon, dass die Sehnsucht nach Jane und dem Jungen von Tag zu Tag wuchs, dass nur die Hoffnung mich davor bewahrte, wahnsinnig zu werden. Janes Bild war es, das mich beschwichtigte, davon abhielt, den Wärter zu überwältigen, einen Ausbruch in die Freiheit zu wagen. James Bild war mir Tag und Nacht vor Augen, und dann, als sich die Tore der Freiheit vor mir öffneten, als ich erfuhr, dass Jane und du — nun, ich hatte Zeit genug, um das zu schlucken und in aller Ruhe diese Begegnung in Szene zu setzen. Ich wollte dich tot vor meinen Stiefeln liegen sehen, Morg Corbety. Doch nun kann ich es nicht, kann meine Waffe nicht gegen dich erheben. Ich werde dich und Jane in Frieden lassen, aber meinen Sohn will ich wenigstens von weitem sehen. Dann will ich Abschied nehmen.“

„Ohne Jane gegenüberzutreten?“, keuchte Morg.

„Yeah“, entgegnete Lex leise, „zwischen Jane und mir ist nichts mehr zu besprechen.“

„Vielleicht doch! Vielleicht würde sie dir sagen, warum sie mich nahm, Lex. Vielleicht erzählt sie dir, wie Midforth und Cumber sie mit ihrer rauen Crew bedrängten und es noch heute tun. Man wollte Jane und wollte auch die Tannen-Ranch. Heute wollen die Schufte nur noch die Tannen-Ranch, die die Quellgebiete einschließt. By gosh, yeah, die Ranch steht auf verdammt wackligen Beinen. Alles habe ich versucht, um sie zu stärken, aber jeden schnellen Mann schnappen sie mir vor der Nase weg und reihen ihn in ihre Crew ein. Wo immer ich auch auftauche, um Reiter anzuwerben, schlägt man ab, für mich zu reiten. Midforth und Cumber zahlen höheren Lohn, als es im Durchschnitt üblich ist, und sie zahlen Sonderlohn an schnelle Männer. Ich habe alles getan, um die Ranch deiner Väter zu halten, Lex, und ich werde auch weiterhin alles tun, um Jane und deinem Jungen die Heimat zu erhalten, und wenn es bis zum letzten Mann und zur letzten Kugel gehen sollte.“

„Die Midforths und Cumbers scheinen sich in den drei Jahren recht breit gemacht zu haben.“

„Ihnen gehört die Stadt und auch ein Großteil der Weide. Sie haben sich verschwägert und bilden nun vereint eine Streitmacht, die niemand unterschätzen darf. Sie sind nicht einmal auf die Hilfe der Kleinranchers, Siedler und Breaksranchers angewiesen. Sie haben einen Sheriff gewählt und regieren nun nach ihrem Gutdünken. Aber ich gebe nicht auf, Lex, um nichts in der Welt!“

Morgs Wangen zuckten, fester legten sich seine Hände um die Zügel. Er sah aus wie ein Wikinger. Breitschultrig, blondmähnig und mit roter Gesichtsfarbe saß er im Sattel, und seine hellen Augen brannten Lex an.

„Du hast dich nie sonderlich um die Ranch gekümmert. Sie war völlig verwahrlost, als du Jane heimführtest, um das Erbe deines verstorbenen Vaters zu übernehmen. Jane hat Tag und Nacht schuften müssen, und obwohl sie krank war, tat sie alles, um für sich und den Jungen zu sorgen. Doch sie wäre zerbrochen, wenn ich nicht gewesen wäre. Ich kam gerade zurecht, um sie vor Chris Midforth in Schutz zu nehmen, und ich vertrieb Ted Cumber, als er zudringlich wurde. Dabei holte dieser sich eine Narbe, die ihn, solange er lebt, an diesen Tag erinnern wird. Yeah, und während dieser Zeit warst du verschwunden, waren Weib und Kind schutzlos, die Ranch jedem Feind preisgegeben.“

„Ich brachte Jane Geld. Ich wollte, dass sie geund würde.“

„Geld, an dem Blut klebt und das Jane nicht wollte, sondern es zurückgab, womit sie nicht einmal deine Freiheit erringen konnte, denn das Aufgebot hetzte dich aus dem Land.“

„Ich habe mich gestellt, um zu Jane zurückkehren zu können“, klang es kehlig zurück. „Nun jedoch reite ich nicht eher aus dem Land, bis ich von weitem meinen Jungen gesehen habe.“

„Komm uns nicht zu nahe!“, keuchte Morg heiser. „Ich sagte dir bereits, dass wir genug Kummer haben und so viel Aufregung, dass wir fast außer Atem geraten. Versuche also nicht, dich richtig ins Blickfeld zu setzen! Hier bist du tot oder immer noch ein Geächteter, und selbst deine drei Jahre im Gefängnis dürften dich nicht reingewaschen haben, Lex Bogat. Du hast verantwortungslos gehandelt. Glaubst du im Ernst, dass Jane stark genug sein würde, jetzt in der Krise auch noch diese Belastung zu ertragen? Lex, du hast ihrem Leben deinen Stempel aufgedrückt. Lass nun die Ranch der Preis dafür sein. Die Ranch wird eines Tages deinem Jungen gehören, so ist es im Testament festgelegt. Für mich und für die Kinder, die ich mit Jane habe, ist die Ranch ebenfalls zur Heimat geworden, doch dein Sohn wird sie später bekommen, und es wird gerecht zugehen, Lex, darauf mein Wort! Dein Junge hält mich für seinen leiblichen Vater, und er soll niemals erfahren, dass das nicht stimmt.“

„Mit anderen Worten, du willst, dass ich auch dem Jungen nicht zu nahekomme?“

„Genau das, Lex“, klang es hart zurück. „Er soll einmal ein guter Rancher werden, der fest im Sattel sitzt und nicht mit vierzehn Jahren ausreißt und auf und davon reitet, weil sein unruhiges Blut ihn auf einen wilden Trail bringt. Er soll nicht wie du erst hierher zurückkommen, wenn man seinen Vater ins Grab legt. Nein, er soll mit der Ranch verwurzelt sein. Ich werde ihm die Liebe zur Weide einimpfen, genauso wie den Hass gegen Männer, die zwei Revolver tragen, den Hass gegen die Langreiter, die wilden Abenteurer im Sattel und gegen die Verlorenen. Ich werde ihm klarmachen, dass harte Arbeit gottgewollt ist. Yeah, dein Sohn, Lex Bogat, wird ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft werden, und das ist eine Aufgabe, der ich mich voll und ganz widmen werde.“

Immer düsterer war Lex Bogats Gesicht geworden, immer härter sein Blick. Als sein Gegenüber schwieg, kam es ihm spröde von den Lippen:

„Jetzt hast du mir ganz genau gesagt, für was du mich hältst, Morg Corbety. Doch das alles sagst du mir, weil du Angst hast, weil dich das Grauen packt, weil mein Erscheinen hier dir verteufelt ungelegen kommt. Aber ich habe alles verloren: Ehre, Ranch, Frau und Kind, und jetzt kommst du verdammt großmäulig daher geritten, spielst dich groß auf und sagst: ,Kehr um, begrab alle Hoffnungen! Ich habe inzwischen alles für dich geregelt. Lass es dabei bewenden und störe unsere Frieden nicht, bleibe ein Schatten! By gosh, Corbety, ich bin ein Mensch aus Fleisch und Blut. Well, ich kehre um, aber nicht, um fortzureiten, sondern um nachzudenken!“

Corbety knirschte: „Ich kann das nicht ändern, tu, wonach dir zumute ist, aber vergiss nicht, ich werde es nicht hinnehmen, dass du Jane und Andy in die Quere kommst. Du, Lex, hast dein Glück allzu leichtfertig zertreten.“

Er brach ab, nahm sein Pferd scharf herum und ritt durch die Büsche querab davon.

Lex aber sah dem Reiter nicht nach, sondere lenkte sein Tier in entgegengesetzter Richtung davon. Irgendetwas schien in ihm zerbrochen zu sein. Drei Jahre lang hatte er sich zurückgesehnt, und nun ...? Nein, man durfte nicht denken, musste die Gedanken auf etwas anderes richten, sonst würde man glatt wahnsinnig.

Heiß kroch es seinen Rücken entlang. Im Schritt ritt er Meile um Meile. Hinter ihm versank jene Weide, die ihm sein Vater einst vererbt hatte, die Weidegründe der Tannen-Ranch, die hochgelegen waren und die Quellgebiete der ganzen Weidegründe um Louisville beherrschten.

Gegen Mittag sah er Louisville rechts in einer Senke liegen. Für einen Augenblick war er versucht, die Stadt anzureiten, doch irgendetwas in seinem Innern warnte ihn davor. So ritt er weiter, kam über die Weidegründe der Midforths, wo er fern dahinziehende Herefordrinderherden, Cowboys und den Küchenwagen sah. Obwohl er Hunger hatte und ein warmes Mahl lockte, gab er seinen Gefühlen nicht nach, holte während des Reitens einige Biskuits aus seinem Packen, stillte damit seinen größten Hunger. Als er den letzten Bissen hinuntergewürgt hatte, hörte er schnellen Hufschlag hinter sich. Er hielt an, sah über die mannshohen Büsche hinweg und gewahrte zwei schnelle Reiter, in eine Staubwolke gehüllt, in Richtung Louisville dahinjagen. Er wartete, bis der Hufschlag verklungen war, beglückwünschte sich selbst, nicht der Stadt zugesteuert zu sein. Sein Warninstinkt wurde reger, und als er weiterritt, zwang er sich dazu, die Umgebung im Auge zu behalten, nach beweglichen Schatten Ausschau zu hallten.

Am späten Nachmittag sah er einige primitive Siedlerhäuser auftauchen. Einige Meilen dahinter lag eine mittelgroße Ranch. Im Bogen wich er der Siedlung aus, näherte sich bald der Ranch.

Er kannte sie genau, hatte er doch einst mitgeholfen, sie zu errichten. Im Schlaf hätte er sich auf ihr zurechtgefunden. Die aus ungeschälten Baumstämmen errichteten Gebäude boten einen trotzigen Anblick. Inmitten des Ranchhofes erhob sich die Schwenkstange des Brunnens wie ein mahnender Finger gen Himmel. Eine hölzerne Wasserrinne lief vom Brunnen zu den Corrals hin. Ranch und Bunkhouse waren ein Gebäude, das zur Hofseite hin eine großartig angelegte, überdachte Veranda hatte. Links und rechts standen Stallungen und Schuppen. Im Schutz der von Hecken eingefassten Corrals ritt er auf die BB-I-Ranch zu. Die weichen Moospolster an der Hecke dämpften den Hufschlag des Rappen so, dass Lex dem Tier heftig in die Zügel fahren musste, als er einen offenen Einblick in die Ranch nehmen konnte.

Das Tier schnaubte nicht, versuchte auch nicht, zur Seite auszubrechen. Es stand sogleich still, ließ sich im nächste Atemzug über die Hinterhand zurück in den Schutz der Hecke drängen.

Sogleich aber glitt Lex mit einer katzenhaften Geschmeidigkeit aus dem Sattel. By gogh, yeah, nur Bruchteile von Sekunden hatte er gehabt, doch die hatten ihm genügt, um die atembeklemmende Situation dort vor ihm auf dem Ranchhof richtig einzuschätzen.

Sieben Reiter hatte er gesehen, die mit angeschlagenen Waffen auf ihren Pferden saßen, Reiter, deren Tiere das Brandzeichen der Bar X trugen, also Chris Midforth gehörten.

Bar-X-Reiter auf der BB-I-Ranch von Reg Thorholm, das hatte sicherlich nichts Gutes zu bedeuten, sah absolut nicht nach einem freundschaftlichen Besuch aus. Reg gehörte nicht zu den Männern, die sich mit Midforth und Cumber an einen Tisch setzten. Nein, der Oldtimer Reg Thorholm gehörte genau wie Lex Vater zu den alten Pionieren. Bevor er sich selbstständig gemacht hatte, gehörte er als Vormann zur Tannen-Crew, und der Tannen-Ranch würde er bis zu seinem Lebensende die Treue halten. Yeah, so waren die echten Männer der Weide, treu bis in den Tod. Hatte nicht Morg Corbety gesagt, dass er mit der Tannen-Ranch auch die Feinde derselben übernommen habe? Nun, Corbety hatte vergessen, hinzuzufügen, dass er auch die Freunde der Tannen-Ranch übernommen hatte. Recht deutlich zeigte sich nun fünfzig Schritte von ihm entfernt, mitten auf dem Ranchhof, dass der Kummer, vom dem Corbety gesprochen hatte, in der Tat reichlich vorhanden zu sein schien. Vor drei fahren hätte weder die Bar-X-Crew, noch die Pferdekopf-Mannschaft es jemals gewagt, einen Angriff auf einen Lehnsmann der Tannen-Ranch zu starten.

„Es sieht trübe aus“, murmelte Lex leise vor sich hin. Und wieder erinnerte er sich, dass Corbety ihm gesagt hatte, dass Midforth und Cumber sich durch Familienbande zusammengetan hatten.

Er ließ den Rappen mit verhängten Zügeln stehen, stand einen Augenblick wie benommen im Schatten der Hecke neben seinem Tier, und seine Hände hoben wie spielerisch die Colts aus dem Holster. Dann verließ er die Deckung, trat auf den Reitweg hinaus und schritt langsam, verteufelt lässig auf die Reitergruppe zu, die ihm den Rücken zeigte, zu sehr mit dem grauhaarigen alten Mann auf der Veranda beschäftigt war und mit dem Mädl, das neben dem Oldtimer stand.

 

2.

Lex hatte das Mädel noch nie gesehen, und ihr Anblick lenkte ihn etwas ab, ließ sogleich sein Herz schneller schlagen, lag doch der Purpurglanz der Abschied nehmenden Sonne wie ein Goldhauch auf ihrem gelockten Haar, das wie ein wunderbarer Helm ein rassig geschnittenes Gesicht umrahmte. Sie stand hochaufgerichtet neben dem Oldtimer Reg Thorholm, und ihre Augen flammten in die Runde.

„Verschwindet!“, hörte Lex sie in heller Empörung rufen. „Ihr habt wohl nur auf den Augenblick gewartet, in dem die Mannschaft hinter den Rustlers her ist und die Ranch schutzlos daliegt?“

„Genauso ist es, Madam“, klang eine tiefe, spöttische Stimme. „Vielleicht sorgten wir sogar dafür, dass die Mannschaft der BB-I in die Sättel kam.“

„Onkel, sie schämen sich nicht, offen die Wahrheit zu enthüllen? Sie wagen es, uns Unverschämtheiten mitten ins Gesicht zu schleudern? Ah, ihr glaubt wohl, dass es nun an der Zeit sei, die Masken fallen zu lassen, wie? Genug Kleinranchers mussten aufgeben, weil ihre Herden abgetrieben wurden und sie zu schwach waren, um die Rustlers zu bestrafen.“

„Madam, es wäre besser, wenn Sie schweigen und es Ihrem Onkel überlassen würden, seine Meinung zu äußern. Yeah, es wäre für Sie gesünder, wenn Sie ins Haus gingen“, klang es aufreizend hart zurück. „Ihr angenommener Onkel hat sich schuldig gemacht!“

„Schuldig?“, stöhnte Reg Thorholm voller Grimm. „Glaubt ihr, ich wüsste nicht, weshalb in der letzten Nacht Rinder von der Bar-X in unsere Herde gekommen sind?“

„Wir trafen einige deiner Cowboys, die gerade dabei waren, ein Rudel der Bar-X-Rinder zu treiben“, nahm der Sprecher dem Oldman das Wort. „Spare deine Erklärungen jetzt! Du kannst sie unserem Boss persönlich vortragen. Wir haben dir nichts weiter zu sagen und geben dir zehn Minuten Zeit.“

„Meine Boys trieben die Bar-X-Rinder, die in der Nacht in unsere Herde geschleust wurden. Meine Cowboys wollten diese Rinder zurückführen.“

„Oldman, keine Ausreden, wir haben bereits die Beweise!“

„Beweise?“, keuchte Reg Thorholm, wobei sich seine Augen weit öffneten, seine hagere Gestalt sich fast auf die Zehenspitzen hob und seine Fäuste durch die Luft schlugen. „Beweise nennt ihr das, dass drei meiner Männer in dieser Nacht ums Leben kamen?“

„Nun, der vierte von ihnen gestand. Wir nahmen ihn mit zur Bar-X. Es war dein eigener Sohn, Reg Thorholm.“

Das Gesicht des Oldtimers veränderte sich, wurde bleich vor Entsetzen.

„Yeah, er gestand! Dein eigener Sohn sagte gegen dich aus“, klang es rau. „Vielleicht kommt er durch, vielleicht aber auch stirbt er noch heute an seinen Verwundungen. Dir bleibt daher keine andere Wahl, als mitzukommen. Vielleicht kannst du ihn noch sprechen.“

„Sie lügen, Onkel!“, schrillte die Stimme des Mädchens dazwischen. Sie packte ihren Onkel am Arm, als wolle sie ihn von den Schuften zurückreißen, die mit gezogenen Waffen auf ihren Pferden saßen, als wolle sie Reg vor dem Rudel menschlicher Wölfe schützen.

„Glaub ihnen nicht, Onkel, glaub ihnen kein Wort!“, kam es heiser aus ihrem Munde.

„In der vergangenen Nacht geschah zu viel“, klang es resigniert zurück. „Während Rinder aus der Bar-X in unsere Herde getrieben wurden und die Cowboys alle Hände voll zu tun hatten, um sie wieder zu vertreiben, wurden die besten Zuchtrinder von Rustlers abgetrieben, und es gab einen Kampf bei den Leuten, die die Bar-X-Rinder forttrieben. Oh, diese Schufte haben es geschickt gemacht und mit einem Schlag mehr Unheil angerichtet, als wir verdauen können, Mädel. Ich muss zu Tom. Wer weiß, was man ihm antat, um ihm dieses falsche Geständnis abzuringen. By gosh, ich muss zu meinem Sohn!“

Er wollte sich von ihr losreißen, doch sie hielt ihn eisern fest, so, als hinge ihr Leben davon ab. Ihre Augen blitzten die sieben Reiter an.

By gosh, yeah, ihr Zorn machte sie noch schöner und begehrenswerter. Alles an ihr war dazu geschaffen, das Auge und Herz eines Mannes zu erfreuen.

Einige der Kerle lachten rau auf. Der Sprecher aber, ein großer, widerlich aussehender Reiter mit hervorstehenden Zähnen und schrägstehenden Augen sagte: „Madam, da Sie so sehr dagegen sind, werden auch Sie mit uns reiten. Ich denke, das wird auch die Gemüter der später zurückkehrenden BB-I-Crew weniger erregen. Außerdem verlangt Tom immerzu nach Ihnen. Sie können doch die letzte Bitte einem Sterbenden nicht abschlagen, oder ...?“, klang es triefend vor Hohn.

„Die zurückkehrende Crew soll nicht gleich in Erfahrung bringen, was hier geschah. Das glaube ich euch. Ihr wollt nur Zeit gewinnen, um meinem Onkel klarzumachen, dass es besser für ihn wäre, Ranch und Weide an Midforth zu verkaufen. Nun, Cumber versuchte es bereits und scheiterte. Midforth glaubt nun mit seiner Methode mehr Glück zu haben, aber er irrt sich! Warum drückt ihr nicht gleich ab? Es wäre doch viel einfacher, auf diese Art die Sache zu regeln. Warum erst noch lange Umschweife? Etwa, damit euer Sheriff im Amt bleiben kann, damit alles so aussieht, als wäre es rechtmäßig geschehen? Oh, ihr Schufte würdet sogar auf einen alten Mann und auf eine wehrlose Frau feuern, wenn es von Nutzen wäre. Hör nicht auf sie, Onkel! Bleib!“

„Yeah, ich bleibe“, knirschte Reg Thorholm völlig umgestimmt. „Sheriff Barton soll kommen! Ich warte auf ihn!“

„Du bist ein Narr“, fauchte der stiernackige Sprecher böse, wobei sich seine Augen sehr schmal zogen und er seinen Männern einen bedeutsamen Blick zuwarf.

„Wir nehmen dich und das Mädel mit und zwar sofort!“

Bis auf achtzehn Schritte war Lex inzwischen herangekommen. Beide Parteien waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um ihre Umgebung zu beachten. Lautlos, katzenhaft weich schritt Lex aus, gleich einem Tiger, der sich einem Rudel Wölfe näherte, das das Wild gestellt hatte und toll vom Erfolg war.

Ein Reiter setzte auf den Wink des stiernackigen Mannes hin sein Pferd in Bewegung, ein zweiter tat es ihm nach.

Was sie vorhatten, war Lex sofort klar. Der eine würde das Mädchen, der andere den alten Mann zu sich in den Sattel reißen, und im nächsten Augenblick würde die wilde raue Mannschaft wie die höllische Jagd davonbrausen. Eine verteufelte Art der Freiheitsberaubung.

Es war nur ein Glück, dass das Mädel Reg Thorholm so heftig am Arm zog, dass beide gegen die Bretterwand der Ranch zurücktaumelten, so dass der erste Reiter, der sich weit nach rechts aus dem Sattel beugte, ins Leere griff. Yeah, er verfehlte mit seinen Krallenhänden die geschmeidige Gestalt des Mädchens nur um Haaresbreite. Der zweite Reiter kam ebenfalls nicht zurecht, denn Old Thorholms Faust schnellte auf den Kerl zu. Gleichzeitig legte der Oldtimer alle Wucht seines Körpers in diesen schmetternden Schlag, der ihn jäh aus der Hand des Mädels befreite, so dass dieses gegen die Wand prallte. Die knöcherne Faust des Alten jagte mitten in das höhnisch triumphierende Gesicht des nach ihm greifenden Reiters hinein, so dass dieser, da er ohnehin halb aus dem Sattel hing, zu Boden geschleudert wurde und im nächsten Augenblick mitsamt dem Oldtimer auf die Dielen der Veranda krachte, dass die Bretter dröhnten. Man hatte den Eindruck, beide Männer müssten sich bei dem Aufprall alle Rippen gebrochen haben. Doch der nächste Augenblick zeigte, dass dem nicht so war. Der Kerl, der Old Thorholm umkrallt hatte, bekam den Oldtimer unter sich zu liegen, zerrte die Linke frei und mit ihr seinen Colt aus dem Futteral, hob die Waffe, um zuzuschlagen.

Das war der Augenblick, in dem sich Lex rechte, hochgerissene Waffe im einem Feuerstrahl entlud. Im Donnerschlag der heftigen Detonation flog dem Kerl der Colt - wie von Geisterhand fortgerissen - aus der Faust und schepperte gegen die Wand der Ranch. Es war, als hätte ein Blitz aus heiterem Himmel eingeschlagen.

Yeah, nur der Himmel oder die Hölle mochten wissen, was in den Kerlen vor sich ging, was den Kerl, der den Oldtimer unter sich begraben hatte, dazu veranlasste, einen beinahe tierisch klingenden Schrei auszustoßen, wie in blinder Abwehr die Hände gegen Lex auszustrecken, als wolle er eine Erscheinung der Hölle von sich abhalten.

Yeah, der Himmel mochte wissen, weshalb vier Kerle wie angedonnert im Sattel saßen, als wäre eine tödliche Lähmung in ihre Glieder gefahren, weshalb der fünfte Reiter, der gerade das ledige Pferd seines Partners eingefangen hatte, zusammenzuckte, als wäre der Leibhaftige selbst aufgekreuzt.

By gosh, nur Dan Breda, der Sprecher und Vormann der rauen Herde, reagierte, zog blank und wirbelte mit der Waffe in der Hand im Sattel herum. Schon flammte erneut die orangefarbene Mündungsflamme aus Lex Colt heraus, donnerte die Detonation so schnell hinter der ersten drein, dass sie zu einem einzigen Krachen wurden und der Schrei des einen Burschen hinterher klang.

Abermals schepperte ein Colt zu Boden, durch einen Meisterschuss aus der Hand geprellt. Nein, zweimal der gleiche Schuss, das konnte kein Zufall sein! Das grenzte an Zauberei. Es war interessant, in Dan Bredas Gesicht zu schauen, das alle höllischen Empfindungen zeigte, dessen zum Schuss erhobene Hand still in der Luft schwebte und dessen Augen sich weiteten, als könne er nicht glauben, dass ihm die Waffe aus der Hand gerissen wurde. Langsam sank die Hand zurück.

„Bogat!“, bleckte sein Schrei in jähem Erkennen auf. Seine Augen sausten zu dem Mann hin, der fast lässig die rauchende Mündung an die Lippen hob, etwas breitbeinig stand, als hätten sich seine Stiefel einen festen Halt verschafft.

Der Name Bogat schien einen besonderen, aufreizenden Klang zu haben, der die Kerle zusammenzucken ließ, ihre Lähmung hinwegfegte, ihre Sorgen erhöhte.

„Du warst schon immer sehr großspurig, Breda“, klang es eigenartig sanft, ganz im Gegensatz zu der gespannten, an die Nerven gehenden Situation. „Du warst schon immer ein besonderer Maulheld, wenn eine starke Meute hinter dir stand. Mit dieser besonders harten Meute aber fühlst du dich wohl unschlagbar, wie?“

Etwas eisig Kaltes, geradezu Unheimliches ging von Lex Bogat aus, und jeder der Kerle mochte diesen eiskaltem Hauch irgendwie fühlen, jeder spürte, dass die Lässigkeit des Mannes nur gespielt war, dass sich diese Lässigkeit in wenigen Sekunden für jeden von ihnen in einen tödlichen Blitz verwandeln konnte. Jeder einzelne fühlte sich bedroht, als griffe eine unsichtbare Faust ihm an die Kehle. So kam es, dass ihre Gemeinschaft von einem einzigen Mann zerbrochen wurde, als hätte sie nie bestanden. So nur war es zu verstehen, dass keiner von ihnen sich zu einem Ausfall entschloss, niemand daran dachte, die Lage zu wenden.

Zwei Schüsse, wie die eben gezeigten, waren mehr, als das Rudel verdauen konnte. Sie veranlassten auch Breda, so schnell die Arme in die Luft zu heben, als wolle er sie zu den Purpurwolken erheben, um sie herunterzureißen. Sein Beispiel machte augenblicklich Schule. Seine Gefolgsleute taten es ihm nach, so dass Old Thorholm sich herumrollen, von seinem Gegner befreien und dessen Waffe vom Boden aufnehmen konnte.

Und noch eines geschah. Mit katzenhafter Geschmeidigkeit sprang das rothaarige Mädel über das niedrige Haltegeländer der Veranda, bückte sich, bevor es jemand verhindern konnte, und hob auch Bredas Waffe vom Boden auf, und wie ihr Onkel legte sie den Colt auf die Schufte an, war, wie ihr entschlossenes Gesicht verriet, in der unheimlichen Erregung zu allem bereit. Wie sehr aufgewühlt sie war, sah man an dem zuckenden Gesicht und daran, dass der Lauf der Waffe in ihrer Hand hin und her eilte.

„Sie helfen im rechten Augenblick, Fremder“, keuchte sie zu Lex hin, auf den aller Augen gerichtet waren, so, als müssten sich diese Burschen den Meisterschützen genau ansehen und einprägen.

„Ich danke ...“

„Lex - o Lex!“, schrie plötzlich der Oldtimer auf, der erst jetzt erkannte, wer ihm auf die raue Art geholfen hatte. „Träume ich? Sehe ich Gespenster aus der Vergangenheit? Du, Lex ...?“

Die Stimme erstickte ihm, als schlüge die Erregung über ihm zusammen.

Die Augen des Mädchens weiteten sich jäh. Der Name schien ihr etwas zu sagen, aber nicht nur ihr, sondern auch den Kerlen.

Dan Breda kicherte schrill vor sich hin, stieß dann trocken hervor: „Wie soll es nun weitergehen?“ Er schielte dabei zu den beiden Colts hin, die tief an der Hüfte Lex Bogat ruhten. Todbringend, unheimlich, als wäre es die selbstverständlichste Sache von der Welt, dass alle sie respektierten.

„Yeah, wie soll es weitergehen? Für dich gab es keinen Grund, dich hier einzumischen, Bogat. Du hast auf der Weide nichts mehr zu suchen. Ein anderer übernahm das, was dir gehörte, und im Sheriff-Office liegt seit Jahren ein Haftbefehl für dich, noch gestern sah ich diesen Wisch.“

„Dann hat Barton wenig Ordnung in seinem Kram“, klang es eisig zurück. „Aber das ist kein Wunder, in Louisville glaubt man wohl, dass ein Sheriff, der des Lesens und Schreibens unkundig ist, seinen Posten voll und ganz ausfüllen kann. Midforth und Cumber brauchen einen solchen Analphabeten. Sie legen ihm nur die Berichte vor, die für sie interessant sind, alles andere aber ...“ Ein scharfes, unheimlich klingendes Lachen kam von seinen Lippen. „Wie es weitergeht, willst du wissen, Breda? Nun, ich habe das Gespräch hier gehört, aber auch ohne das war ich bereits im Bilde und wusste, mit welch üblen Methoden hier gearbeitet wird. Methoden, die verteufelt erbärmlich und schlecht sind. Der Himmel allein weiß, wie viele gute Boys auf dieser Weide ihr Leben lassen mussten und wie viele Sattelpiraten, bezahlte Revolvermänner die Bar-X und die Pferdekopf-Ranch einstellte. Im Augenblick kümmert mich das auch herzlich wenig. Nur das Eine interessiert mich, nämlich, dass Tom Thorholm ein verteufelt guter Freund von mir war.“

„Du hast nur wenig Freunde, kannst sie an den zehn Fingern abzählen, darum rechne dir aus, was dabei herausspringt, wenn du gegen uns bist, Bogat. Du solltest dir neue Freunde anschaffen, die alten haben sich von dir, dem Geächteten, abgewandt. Nimm dir also Freunde, die voll für dich einstehen! Nur so holst du dir deine Ranch, Frau und Kind zurück.“

„Ein Angebot, das ich leider abschlagen muss, Breda“, knurrte ihn Lex Bogat an. „Steig vom Pferd!“

„Ich?“, zuckte es wild von Bredas Lippen. „Heh, was hast du vor?“

„Ich will dich einladen, Breda. Midforths rechte Hand als Geisel für Tom Thorholm. Steig also ab!“

„By gosh, das wirst du bereuen, bevor es Mitternacht wird, du Narr“, schrie Breda, wobei sein hässliches Gesicht sich zur Grimasse verzog, in der Wut und Hass deutlich zu erkennen waren.

Doch seltsam, plötzlich hob er den Kopf und grinste seine Männer an: „Haltet die Hände oben, Freunde, kein Grund zur Aufregung. Bogat und ich, wir haben uns nie sonderlich gut vertragen. Vielleicht ändert sich das in den nächsten Stunden.“

„Eine Hoffnung, um die ich dich ärmer machen muss, Breda“, klang es schroff. „Herunter vom Gaul!“

So zwingend klang es nun, dass Breda es nicht weiter darauf ankommen lassen wollte. Er spürte förmlich, wie sich sein Magen zusammenzog, spürte, dass der Tod auf ihn lauerte, dass dieser Mann da vorn es verstanden hatte, die Horde zu überwältigen, es verstanden hatte, sich eine gute Position zu verschaffen, und dass diesem Mann, die Daumen am Hammer verteufelt locker lagen, dass er einen Dreck um sein eigenes Leben gab, und dass ein solcher Mann gewiss drei oder vier von der rauen Horde mit auf den langen Trail nehmen würde. Breda spürte auch, dass der alte Thorholm sich in erschreckender Art wiedergefunden hatte und bereit war, in dem Totenreigen mitzuspielen, und mit ihm auch das Mädchen, das so ganz anders war als die zahmen Frauen in der Stadt, die zusammenzuckten, wenn ein Mann nur ein lautes Wort sprach. Nein, dieses Mädchen würde kämpfen und keine Furcht zeigen.

Vorsichtig hob er sich aus dem Sattel.

„Grüßt Midforth und Cumber, Freunde“, stieß er heiser hervor. „Sagt, dass ich von Lex Bogat aufgehalten wurde.“

„Und bestellt beiden Ranchern meine Grüße“, nahm ihm Lex schroff das Wort. „Reitet und verschwindet auf dem schnellsten Wege.“ Sein rechter Colt machte eine Bewegung zum Ranchtor hin. Deutlich sah man, wie die Kerle zögerten, wie sie Blicke mit ihrem Vormann wechselten. Einige schienen explodieren zu wollen, andere sogen tief den Atem ein, doch dann humpelte der Kerl, der Thorholm angefallen hatte, zu seinem Pferd, schwang sich in den Sattel und ritt als Erster an. Einer nach dem anderen folgte, und im Galopp brausten sie davon. Staub walkte unter den Hufen ihrer Pferde auf. Jemand aus dem rauen Rudel schrie noch: „Wir sehen uns bald wieder, Bogat!“

„Bestimmt“, entgegnet Lex. Sein rechtes Eisen glitt zurück ins Futteral. Ein, zwei Schritte vorwärts brachten ihn dicht an den riesigen Dan Breda heran, und während er mit dem Eisen den gefährlichen Mann bedrohte, suchte er ihn rasch nach Waffen ab, förderte ein feststehendes Messer und einen kleinen Derringer zutage. Beide Waffen steckte er ein.

„Lex, der Himmel schickte dich!“, hörte er Old Thorholm sagen. Er entgegnete jedoch nichts.

 

3.

Old Thorholm schien sehr schnell die Schmerzen überwunden zu haben. Er blieb jedoch im Hintergrund stehen, wollte Lex nicht stören oder ablenken, denn auch unbewaffnet war Breda ein nicht zu unterschätzender Gegner. Erst wenn man Breda in einer Kammer auf der Ranch eingeschlossen hatte, konnte man aufatmen. Sie beförderten ihn gemeinsam ins Haus und brachten ihm im Erdgeschoss unter.

„Durch das kleine Fenster kann er nicht“, murmelte der Oldman befriedigt. „Die Wände und die Tür sind aus bestem Eichenholz. Wir werden nur achtgeben müssen, dass meine Cowboys ihn nicht bei ihrer Rückkehr auseinandernehmen. So lange wirst du doch bleiben, Lex. Du kannst später noch zur Tannen-Ranch weiterreiten.“

Bei diesen Worten legte Thorholm den schweren Holzriegel vor die Tür, hinter der nun der Vormann der Bar-X gefangen war. Er blickte an Lex, der ruhig im Korridor stand, vorbei zum Wohnzimmer hin, wo das rothaarige Mädel gerade den Tisch deckte.

„Außerdem wäre es wohl besser, wenn du zu deinem Schutz die Hälfte meiner Mannschaft mit zur Tannen-Ranch nehmen würdest.“

„Schutz - wovor?“

„Vor Morg!“, riss es Thorholm von den Lippen.

„Ihm muss dein Wiedererscheinen von den Toten ganz besonders nahegehen, fühlt er sich doch bereits als Herr der Tannen-Ranch.“

Lex schluckte schwer, sagte: „Irgendjemand verstreute das Gerücht, dass ich bei einem Zweikampf mit dem berüchtigten Revolvermann Jim Porter aus den Stiefeln gekippt sei, sozusagen als Abschluss eines wilden unsteten Lebens, das mich mit den Banden reiten ließ, mich zwang, meinen Lebensunterhalt durch Falschspielen und Schießereien zu verdienen. Irgendjemand dichtete mir eine Mär an, Oldman, träufelte das Gift meiner Frau Tropfen für Tropfen ein, bis sie daran glauben musste.“

„Ja, war es denn nicht so, Lex?“, rasselte Thorholm zurück. „In drei Jahren hatte man keinen anderen Gesprächsstoff in der Stadt und auf der Weide, als von deinen wilden Taten zu berichten. Doch mich störte das wenig und heute erst recht nicht mehr, denn du hast hier eingegriffen in einem Moment, in dem uns das Wasser bis zum Hals stand, und nur das allein zählt für mich!“

„Das bestätigte dir wohl die Gerüchte, wie?“

„Du trägst deine Eisen wie Revolverleute es tun, Lex.“

„Ich trug sie schon vor drei Jahren an derselben Stelle, Reg Thorholm!“

„Aber vor drei Jahren hättest du solche Meisterschüsse nicht hervorzaubern können. Vor drei Jahren warst du nicht so unheimlich treffsicher, war dein Auftreten nicht so selbstsicher, so glatt und unheimlich wie heute. An dem Tag, an dem du dich gegen das Gesetz stelltest, Frau und Kind zurückließest, wurdest du sozusagen zu einem berühmten Mann. Kein Wunder also, dass man immer wieder von dir hörte, und nicht alles kann an den Haaren herbeigezogen sein, was über dich aus den entlegensten Orten hierher drang, Es gab Augenzeugen, die dich gesehen haben, Männer, die dich beschrieben, die mit dir gesprochen und von dir geschröpft worden waren. Dein Name, Lex, war wie ein rotes Tuch für die Leute des Gesetzes. Dein Name hat einen eigenartigen Klang bekommen, Buddy.“

Wie vor den Kopf geschlagen war Lex. Er atmete tief ein und aus, um seine Nerven zu beruhigen, um nicht in höllische Erregung zu geraten und loszudonnern. Nein, dieser Oldtimer sprach das aus, was sie alle immer wieder hatten hören müssen.

Auch Old Thorholm war von den Lügen, die man über ihn in Umlauf gesetzt hatte, angesteckt und durchdrungen. By gosh, hatte er vielleicht einen Doppelgänger? Der Gedanke, dass irgendein Schuft sich eine Ähnlichkeit mit ihm zunutze gemacht und Untaten über Untaten auf seinen, Lex Bogats Namen gehäuft haben könnte, nahm ihm schier den Atem.

„Und was war mit Jane? Glaubte auch sie daran?“

„Jane und alle anderen“, klang es heiser zurück. „Doch wenn es nicht stimmt, wie sollte es dir jemals gelingen, es zu entschärfen, Buddy?“

„Dadurch, dass ich drei Jahre im Gefängnis saß, Oldman“, klang es unsagbar bitter und in beißendem Hohn von Lex Lippen. „Weil ein Mann, der in den Steinbrüchen arbeitet, wohl kaum mit rauchenden Eisen durch die Gegend reiten kann. Hier - schau dir diese Papiere an, Oldman!“ Er riss bei diesen Worten ein Bündel Papiere aus seiner Brusttasche heraus, streckte sie Thorholm entgegen. Amtliche Siegel waren darauf, Daten, amtliche Mitteilungen, nüchterne und eindringliche Berichte.

Thorholm schluckte schwer, saß wie gebannt, und als er seinen Blick hob, waren seine Augen von dunklen, tiefen Schatten erfüllt.

„Lex, ich tat dir Unrecht, alle taten dir Unrecht, auch Jane“, kam es heiser von seinen Lippen. „Doch nun ist nichts mehr zu ändern. Sie ist die Frau eines anderen geworden. Irgendjemand hat es in den drei Jahren deiner Abwesenheit geschafft, dich mit Gerüchten totzuschlagen.“

„Jane hätte an mich glauben müssen, Oldman. Sie war meine Frau und musste mich doch kennen wie kein anderer.“

„Jane war nie besonders fest im Charakter, Freund“, murmelte Thorholm erregt. „Auch mit diesen Beweisen würde sie dich abweisen, würde nicht zu dir zurückkehren.“

„Ich weiß, weil sie inzwischen mit Morg Corbety Kinder hat.“

„Kinder? Wer sagt das?“, presste der Oldtimer hervor. „Dann müsste sie die ganz plötzlich adoptiert haben, denn bisher gab es nur ein Kind auf der Tannen-Ranch, deinen Sohn Andy!“

Er schwieg, musste schweigen, denn unvermittelt krallten sich Lex Hände tief in seine Schultern, so dass der Oldtimer einen kleinen Schmerzenslaut ausstieß und vergeblich versuchte, sich zu befreien.

„By gosh, sag die Wahrheit, Oldman! Jane hat keine Kinder mit Corbety?“

„Ich will meinen Stetson fressen, jetzt und auf der Stelle, wenn ich nicht die reine Wahrheit sage! Nur dein kleiner Sohn Andy lebt auf der Tannen-Ranch, wird verhätschelt und verwöhnt von der rauen Mannschaft.“

„Von der rauen Mannschaft?“

„Yeah“, klang es hart zurück. „Corbety entließ die alte Mannschaft und stellte die härtesten Raureiter ein, die jemals über eine Weide ritten. Die entlassene alte Tannen-Crew aber schrieb sich auf der Lohnliste der BB-I ein.“

„By gosh, und Jane hat das zugelassen?“, keuchte Lex bleich vor innerer Erregung.

„Yeah, sie war es selbst, die Corbety dazu veranlasste. Yeah, es mag bitter sein, dies alles zu hören, Lex, aber sie hatte Angst, dass die alte Crew sich dir nicht entgegenstellen würde, wenn du eines Tages doch zurückkehren solltest. Jane hasste und fürchtete dich, und sie hatte eine unheimliche Angst, dass du ...“

„... zurückkommen würdest, denn sie heiratete Corbety bereits, bevor das Gerücht von meinem Tod die Runde machte, wie?“, entfuhr es Lex keuchend. Er ließ den Oldtimer los, so dass dieser gegen die Eichentür prallte.

„Jane verriet mich also!“

„Sie verriet dich schon, als sie das Aufgebot ins Haus holte, Lex“, erwiderte der alte Mann unsagbar bitter. „Vielleicht hasste sie dich schon, als du sie zur Frau nahmst und du dich nicht am Zügel führen ließest, wie sie es sich verstellte. Vielleicht erkannte sie schneller als du, dass ihr nie ein gutes Gespann geben würdet. Sie hatte vor dir viele Männer kennengelernt, und ihre Schönheit hatte manchen Mann vor ihr in die Knie gezwungen, dich aber nahm sie, weil du nicht so schnell zu besiegen warst. Für sie war diese Ehe nichts anderes als ein Experiment, eine Art Kraftprobe, wer der Stärkere sein würde. Nun, es scheiterte zu ihren Ungunsten, und für sie war dem Verstoß gegen das Gesetz die Handhabe, um sich im den Besitz der Tannen-Ranch zu setzen und sich von dir zu lösen, kam gerade im richtigen Augenblick, Lex. By gosh, du hast all die Jahre über geschlafen.“

„Yeah, ich schlief“, klang es abgehackt und heiser, schier unverständlich zurück. „Aber jetzt bin ich aufgewacht, jetzt begreife ich, warum mich Corbety so schnell wieder aus dem Land haben wollte, weshalb er zwei schnelle Reiter hinter mir her schickte. By gosh, jetzt wird mir manches klar.“

„Nicht alles Freund, du musst noch mehr schlucken! Wenn Corbety schon zwei Reiter hinter dir herjagte, so waren es sicher Tim McCarter und Juan de Neuco, zwei besonders üble Burschen.“

„McCarter und de Neuco?“, keuchte Lex überrascht. „Beide Namen habe ich in Verbindung mit der Kupfer-Bande gehört, die jedoch von den Staatenreitern aufgelöst worden sein soll.“

„Dann ist sicher, dass die beiden bei Corbety Unterschlupf fanden. Auffällig ist nur, dass sie es nicht einmal für nötig fanden, ihren Namen zu ändern, aber auch das hat seinen guten Grund, Lex.“

Der Oldtimer stemmte sich von der Tür ab, wischte sich den Schweiß von der Stirn, sagte: „In diesem Land können sie offen auftreten, ohne dass jemand ihnen auch nur das Geringste kann.“

„Und Midforth und Cumber nehmen das Corbety einfach ab?“

„Warum nicht? Midforth und Cumber halben doch Corbetys Schwestern geheiratet. Yeah, sie haben sich alle zu einer großen Sippe zusammengeschlossen, und der Dorn im Fleisch ist nur noch die BB-I. Heute wäre auch hierüber die Entscheidung gefallen, wenn du nicht gekommen wärest und einbegriffen hättest. Lex.“

Minuten brauchte Lex, um diese Hiobsbotschaften richtig zu verdauen, dann schnappte er: „Und du hast nicht versucht, aus dem Nachbar-County Hilfe zu erhalten?“

„Dergleichen Gedanken hatte ich, aber im Nachbar-County, hundert Meilen von hier entfernt, knistert der Boden unter einem Weidekrieg. Der Sheriff dort hatte alle Hände voll zu tun, um die eigenen Angelegenheiten zu ordnen. Yeah, woher sollte da Hilfe für mich kommen? Hilfe wird nicht einmal Gott geben, wenn man nicht entschlossen ist, sich selbst zu helfen.“

Eine bittere Wahrheit offenbarten die Worte des alten Mannes. Ruhiger fügte er hinzu: „Durch dein Eingreifen haben wir etwas Zeit gewonnen, Lex. Wir haben einen Gefangenen gemacht. Aber für wie lange? Der Sheriff wird kommen und den Mann holen.“

„Der Sheriff wird erst dann den Burschen in die Freiheit entlassen können, wenn er deinen Sohn loseist.“

„Du weißt nicht, was du Barton zumutest“, krächzte der Oldtimer. „Barton steht auf der anderen Seite, wenn er auch nicht lesen und schreiben kann, so ist er dafür um so besser mit dem Colt. By gosh, es sieht nicht gut aus für die BB-I, aber für dich, Freund Lex, schon gar nicht! Die Rudel werden jetzt schon überall herumstreichen, um dich, wo immer du auch auftauchst, gnadenlos zu hetzen.“

„Das klingt ganz so, als wolltest du aufgeben, Reg?“

„Wenn ich das gewollt hätte, hätte ich Cumbers oder Corbetys Angebot angenommen. Beide versuchten, die Ranch für einen Spottpreis zu kaufen.“

„Midforth indes versuchte es auf die raue Art?“

„Yeah, denn diese Ranch stößt an alle drei Weidegebiete an. Sicher hätte man meine Weide längst trockengelegt, wenn nicht dadurch auch die Bar-X und die Pferdekopf das gleiche Schicksal erlitten hätten. Da sie die Creeks nicht umleiten können, nagen sie an meiner Herde. Oh, ich weiß längst, dass sie genau abstimmen und nach bestimmten Plänen vorgehen und über meine Herde kommen, dass sie immer neue Methoden ersinnen, um die Herdenmannschaft abzulenken, damit ein anderer Trupp sich genügend Rinder aus der Herde holen kann. Ich weiß auch, dass noch einige Anschläge meinen Ruin bedeuten. Ich habe meiner Mannschaft anheim gestellt, sich von meiner Lohnliste streichen zu lassen, Lex. Nun, sie hat es abgelehnt und will bleiben bis zum letzten Mann, und ich bin der Boss.“ Seine Stimme hob sich, helle Lichter funkelten in seinen Augen. „Aber ich werde Lydia und meinen Sohn Tom bitten, das Land zu verlassen, das heißt, wenn Tom dazu noch fähig sein sollte, wenn sie ihn nicht ...“ Seine Stimme erstickte ihm in der Kehle. Heiser fuhr er nach einem weiteren Atemzug fort: „Tom und Lydia sollen einmal, so es Gott will, Mann und Frau werden.“

„Sie sollen die Ranch verlassen, weil du von ihrem Untergang überzeugt bist, Oldman?“, kam es grimmig von Lex Lippen.

Thorholm gab keine Antwort, nickte nur schwer.

„Vielleicht bin ich schlimmer als ein Ketzer, wenn ich behaupte, dass es gut ist, dass Tom zusammengestaucht wurde. Vielleicht kann man ihn so wider seinen Willen auf ein Pferd binden und ...“

„Und mit dem Mädel fortschicken, nicht wahr?“

„Sie wird ihren Stolz dämpfen und einsehen müssen, dass es für beide das Beste ist.“

„Du glaubst wirklich, dass Tom, wenn er freikommt, das mitmachen wird?“

„Yeah“, klang es hart. „Nur für die beiden verlange ich noch Pardon, für mich selbst nicht.“

„Zum Teufel mit dieser Einstellung!“, fuhr ihm Lex heftig ins Wort.

„Auch du darfst mir nicht in die Quere kommen. Niemand darf mich in meinem Vorhaben beeinflussen“, krächzte der Oldtimer und zog die Augen zu schmalen Spalten zusammen.

„Ich werde nicht mehr warten, bis Sheriff Barton Toms Befreiung übernimmt, Oldman“, entgegnete Lex sehr bestimmt. „Ich will nicht, dass man ihn, falls er noch nicht eingebrochen ist, so fertig macht, dass er, wenn man ihn in die Freiheit schickt, sich nie wieder von seiner Niederlage erholen kann. Ich denke, dass damit dem stolzen Mädel ein Schlag versetzt würde, über den es niemals hinwegkäme, und das kann geschehen, wenn Sheriff Barton Tom holt.“

Ihre Blicke kreuzten sich, klammerten sich ineinander fest, als wollten sie nie wieder voneinander lassen.

„Du hast dich einmal in meine Angelegenheit eingemischt, und ich war froh darüber. Doch jetzt sage ich dir offen: Versuch es nicht wieder! Wenn ich die Absicht hatte, dich zu bitten, zu bleiben und deine Eisen zur Verfügung zu stellen, so ist das jetzt vorbei. Weil es um Toms und des Mädels Rettung geht, weil ich klug genug bin, um in die Zukunft zu schauen, werde ich nicht gestatten, dass du dich um Toms Freilassung kümmerst, sondern Barton, der Sheriff, wird das übernehmen. Aber wenn du unbedingt kämpfen willst, dann warte, bis die beiden das Land verlassen haben. Dann bist du jederzeit willkommen hier.“

Lex Schultern hoben sich. Mitleid mit dem alten Mann überkam ihn plötzlich. Ein eigenartiges Mitleid, versuchte doch dieser Oldtimer, das Liebste, was er hatte, aus dem sich anbahnenden Chaos zu retten. Dieser alte Haudegen, der schon seinem Vater gedient hatte, war bereit, in den Tod zu gehen, wollte kämpfend sterben, doch erst dann, wenn er seinen Sohn und Lydia in Sicherheit wusste.

Wie verteufelt musste die Situation sein, dass Thorholm es für gut hielt, wenn sein Sohn angeschlagen war, so angeschlagen, dass kein Wille zu Kampf und Widerstand mehr in ihm wohnte.

Langsam drehte Lex sich um. Der Alte folgte ihm augenblicklich ins Wohnzimmer, wo Lydia die beiden schon am gedeckten Tisch erwartete. Sie hatte eine Petroleumlampe angezündet, bei deren hellem Licht die tiefen Furchen und Schatten aus den Gesichtern der beiden Männer wichen.

„Iss und trink, Lex!“, forderte ihn der Oldtimer auf. Beide nahmen Platz, griffen zu. Immer wieder jedoch schaute Lex zu Lydia hin.

Würde sie sich befehlen lassen, mit Tom das Land zu verlassen? Eine ruhige Gelassenheit ging von ihr aus. Manchmal begegneten sich ihre Blicke, und es dünkte Lex, als wolle sie auf dem Grund seiner Seele lesen. Sie schlug die Augen nicht nieder, errötete auch nicht, als sich ihre Blicke zum dritten Mal kreuzten. Im Gegenteil! Ein weiches Lächeln umspielte ihren Mund.

Es war Lex, als hätte ein Sonnenstrahl sich durch finstere Wolkenbänke gestohlen. Lydia hieß sie, ein Name, der zu ihr passte, der so lebendig war wie sie selbst, voller Klang und Anmut.

Weder sie noch Thorholm fragten, ob er zu Fuß oder mit dem Pferd gekommen sei. Beide waren sicherlich noch zu sehr mit dem soeben Erlebten beschäftigt, so dass ihnen eine solche Frage gar nicht einfiel. Der Rappe aber würde noch an der gleichen Stelle stehen, an der er ihn verlassen hatte.

Mitten im Mahl ließ Thorholm plötzlich seinen Löffel sinken, erhob sich und lauschte, nickte dann, stieß durch die Zähne hervor: „Die Crew kommt.“

Ohne eine weitere Erklärung abzuwarten, verließ er den Raum. Die Tür fiel dumpf hinter ihm ins Schloss.

„Ich habe alles gehört“, wandte sich das Mädchen sogleich an Lex, als hätte sie nur auf diesen Augenblick dies Alleinseins gewartet. „Vom Korridor her schallen die Stimmen so laut, dass man jedes Wort hier gut verstehen konnte. Ich wollte nicht lauschen, Lex Bogat.“

„Und nun?“

Seine eigene Stimme klang ihm kehlig und die Bemerkung überflüssig. Aber sie ging sofort darauf ein, als hätte sie die Befürchtung, dass der Oldtimer wieder hereinkommen könnte.

„Ich bin nicht Toms Braut. Wir sind lediglich gute Freunde“, flüsterte sie, wobei sie näher kam und ihre grün schillernden Augen ihn fest ansahen, ihn bannten und sein Blut schneller durch die Adern trieben. „Man darf nicht so lange warten, bis Sheriff Barton Tom zur Hilfe kommt!“

„So?“

„Yeah, wer weiß, was er schon zu leiden hatte. Aber es ist sicher, dass er noch mehr leiden wird, bevor ihn Barton für Midforths Vormann Breda einlöst.“

„Er würde in Ihren Augen verlieren, Madam, wenn er sich fortschicken lassen würde?“

„Nur wenn ich mein Herz an ihn verloren hätte. So aber würde er mir nur schrecklich leidtun.“

„Um ganz offen zu sein, Sie wünschen, dass ich ihn hole?“

„Yeah“, gab sie ohne Umschweife zu. „Ein Rudel würde es nicht schaffen, nur ein Einzelgänger! Sie sind ein solcher, Mister Bogat, und ich täusche mich nicht, wenn ich behaupte, dass Sie es schaffen würden. Sie könnten es auch fertigbringen, Tom, was immer auch geschah, den Rücken zu stärken, so dass er sich nicht von seinem Vater fortschicken lässt. In diesem Kampf muss jeder seine Pflicht tun, muss jeder durchstehen, kann sich niemand in Sicherheit bringen. Es wäre verachtenswert, wenn Tom einem Befehl gehorchen würde, der nur dazu dienen soll, mir und ihm eine falsche Sicherheit zu geben, verachtenswert, wenn er seinen Vater und die Crew weiterkämpfen lassen würde, nur damit ihm und mir eine Zeitspanne zur Flucht bleibt. Wir könnten uns nie, in welchem Land wir uns auch niederlassen würden, in die Augen schauen. Was Reg Thorholm nun tun wird, ist an allen zehn Fingern abzuzählen. Er wird warten, bis Sheriff Barton kommt, und Barton kommt sicher bald, von Midforth geschickt, um Breda zu holen. Reg wird seine Mannschaft hier behalten, um den nötigen Druck gegen den Sheriff ausüben zu können, falls dieser mit einem Aufgebot auftauchen sollte. Er wird die Auslieferung seines Sohnes zur Bedingung machen. Ich flehe Sie an, Mister Bogat, reiten Sie, bevor die Crew kommt, bevor Reg Thorholm seinen Willen durchsetzt, reiten Sie für Tom!“

Er erhob sich vom Tisch, schob seinen Teller mit samt dem Essgeschirr zur Tischmitte, stieß rau hervor: „Tom war mein Freund, Madam, aber nicht für ihm allein reite ich. Es gibt noch verschiedenes anderes, was ich zu regeln habe.“

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738920888
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v432616
Schlagworte
kampf

Autor

Zurück

Titel: Ein fast aussichtsloser Kampf