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Verschwörung im All

©2018 120 Seiten

Zusammenfassung

Verschwörung im All
Science Fiction-Roman von Harvey Patton

Der Umfang dieses Buchs entspricht 138 Taschenbuchseiten.

Die Galaktische Union stöhnt unter der erbarmungslosen Herrschaft des PVD, des Psychologischen Verhördienstes. Selbst die nominellen Oberhäupter der Union, die Großmeister von Terra, werden von ihm beherrscht. Zusammen mit der Psychopolizei hat er ein Gewaltsystem aufgebaut, vor dem niemand sicher ist, der nur in den Verdacht gerät, er könnte gegen ihn sein.

Auch der Raumfahrer Kit Bronson ist in seine Fänge geraten. In der PVD-Zentrale von Central City versuchen die Kommissare mit brutalsten Methoden, etwas über eine Verschwörung aus ihm herauszuholen.

Vergeblich, denn Kit ist tatsächlich ahnungslos, doch er wird immer wieder neuen Verhören unterzogen. Bis ihm dann unvermutet der Zufall zu Hilfe kommt und es ihm gelingt, aus dem Gefängniskeller zu fliehen. Er erreicht den Raumhafen, überrumpelt den Besitzer eines Schiffes und flüchtet ins All.

Mit knapper Not entkommt er den verfolgenden Polizeikreuzern – doch wohin soll er sich nun wenden? Er wählt den Planeten Zenta als Ziel, wo sich angeblich das Zentrum der vermuteten Verschwörung befinden soll.

Kit Bronson kann nicht ahnen, dass er in Wirklichkeit nur das willenlose Werkzeug in einem raffinierten Plan des PVD sein soll …

Leseprobe

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Verschwörung im All

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SCIENCE FICTION-ROMAN von Harvey Patton

Der Umfang dieses Buchs entspricht 138 Taschenbuchseiten.

Die Galaktische Union stöhnt unter der erbarmungslosen Herrschaft des PVD, des Psychologischen Verhördienstes. Selbst die nominellen Oberhäupter der Union, die Großmeister von Terra, werden von ihm beherrscht. Zusammen mit der Psychopolizei hat er ein Gewaltsystem aufgebaut, vor dem niemand sicher ist, der nur in den Verdacht gerät, er könnte gegen ihn sein.

Auch der Raumfahrer Kit Bronson ist in seine Fänge geraten. In der PVD-Zentrale von Central City versuchen die Kommissare mit brutalsten Methoden, etwas über eine Verschwörung aus ihm herauszuholen.

Vergeblich, denn Kit ist tatsächlich ahnungslos, doch er wird immer wieder neuen Verhören unterzogen. Bis ihm dann unvermutet der Zufall zu Hilfe kommt und es ihm gelingt, aus dem Gefängniskeller zu fliehen. Er erreicht den Raumhafen, überrumpelt den Besitzer eines Schiffes und flüchtet ins All.

Mit knapper Not entkommt er den verfolgenden Polizeikreuzern – doch wohin soll er sich nun wenden? Er wählt den Planeten Zenta als Ziel, wo sich angeblich das Zentrum der vermuteten Verschwörung befinden soll.

Kit Bronson kann nicht ahnen, dass er in Wirklichkeit nur das willenlose Werkzeug in einem raffinierten Plan des PVD sein soll ...

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Copyright

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EIN CASSIOPEIAPRESS Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover von Tony Masero​

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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1

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IM SPIELSALON DES HOTEL GALAXY hatte die Spannung ihren Höhepunkt erreicht.

Ein Mann spielte die letzte Runde von ALLES ODER NICHTS und hatte die große Chance des Abends. Zweimal hatte er bereits die richtige Zahlenkombination getroffen. Erriet er sie ein drittes Mal, würde er den Salon mit dem Tausendfachen seines Einsatzes wieder verlassen!

„Sie sollten jetzt aufhören, Sir Homer!“, raunte ihm sein Begleiter zu. „Mit den fünfhundert Solar, die Sie jetzt schon sicher haben, können Sie doch ganz zufrieden sein.“

Über das Gesicht des Spielers flog ein leichtes Lächeln.

„Das sagen Sie, nachdem Sie mich erst zu dem Spiel hier animiert haben, Fred? Warum sollte ich jetzt aufhören? Verliere ich, bin ich lediglich meine fünf Solar Einsatz losgeworden – gewinne ich noch einmal, habe ich fünftausend Solar verdient!“

„Ja, wenn Sie es so ansehen“, murmelte Fred Tanner resigniert. Er selbst war nicht der Mann, der ein vermeidbares Risiko eingehen mochte.

Homer Edwards hatte ihm schon nicht mehr zugehört. Seine Aufmerksamkeit galt den auf der Leuchtwand des Spieltisches aufflackernden Lämpchen. Er versuchte, in ihnen einen Rhythmus, ein System zu entdecken, doch das war naturgemäß unmöglich. Die Anlage wurde durch einen Computer gesteuert, der die Kombinationen jede Sekunde und vollkommen willkürlich änderte.

„Noch zehn Sekunden!“, verkündete eine Lautsprecherstimme,

Sir Homer gab sich einen Ruck, er furchte die Stirn, senkte den Kopf, und dann drückten

seine Finger die sechs Tasten, die so abgeschirmt waren, dass nur er sie sehen konnte. Dann lehnte er sich zurück, strich sich mit der Rechten über die Stirn und wartete, bis die restlichen Sekunden abgelaufen waren.

Mit ihm warteten etwa hundert andere Gäste, deren Spannung weit größer war als seine eigene.

Ein Gong ertönte, und die Lämpchen hörten nun auf zu flackern, die ständig wechselnden Zahlen kamen zum Stillstand. 416253 lautete die richtige Kombination.

Nun drückte der Spieler auf die große rote Taste vor seinem Gerät. Eine zweite, über der anderen gelegene Tafel leuchtete auf und zeigte die Kombination, die er gewählt hatte.

Ein einziges Aufstöhnen ging durch den Spielsalon. Die Zahlen stimmten zum dritten Mal überein – Homer Edwards hatte fünftausend Solar gewonnen!

Fünf Solar hatte sein Einsatz betragen und sich jedes Mal verzehnfacht. Hunderte von Menschen versuchten jeden Abend, dieses Kunststück zu schaffen, und nur etwa jedem Tausendsten gelang es.

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2

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WIE HABEN SIE DAS nur gemacht?“, fragte ihn sein Begleiter, nachdem ihm der Spielleiter die Summe überreicht hatte. Sir Homer hob die Schultern.

„Ein reiner Zufall, lieber Fred. Ich hatte Glück, das ist alles. Allenfalls mag noch etwas Intuition mit im Spiel gewesen sein. Anders kann man hier gar nicht gewinnen. Haben Sie sich einmal überlegt, wie viele Kombinationen sich allein aus sechs einfachen Zahlen bilden lassen?“

Langsam schritten die beiden dem Ausgang zu. In der Tür drehte sich Fred Tanner noch einmal um und wies auf die Menschen, die sich bereits wieder um die nächsten Spieler der ersten Runde scharten.

„Panem et circenses“, sagte er mit ironisch verzogenen Mundwinkeln. Er wollte noch mehr sagen, doch da klang eine scharfe Stimme hinter ihm auf.

„Was haben Sie da eben gesagt?“

Langsam wandten sich die beiden Männer um. Sie sahen einen Offizier der Psychopolizei vor sich, der sie mit misstrauisch zusammengekniffenem Augen anstarrte.

„Ich sagte, Panem et circenses!“, wiederholte Fred Tanner ruhig. „Das ist Latein und der Ausspruch eines römischen Kaisers, der vor etwa zweitausendfünfhundert Jahren gelebt hat. Die Übersetzung lautet Brot und Spiele. Dieser Mann war der Meinung, dies wären die beiden wichtigsten Bedürfnisse des Volkes, und offenbar sind sie es auch heute noch.“

„Ach so“, knurrte der Offizier, nickte kurz und ging weiter. Tanner sah wütend hinter ihm her.

„Ungebildeter Flegel!“, schimpfte er leise. „So was will Offizier sein und weiß weniger als ein Student im ersten Semester. Und immer dieses verdammte Misstrauen, jedes Wort möchte man auf die Goldwaage legen und ...“

Ein laut hallender Gong schnitt ihm das Wort ab. Diesem folgte eine Lautsprecherdurchsage.

„Achtung! Sir Homer Edwards bitte zum Visiphon. Ein Gespräch für Sir Homer Edwards liegt auf Zelle drei.“

Die beiden Männer eilten in die Halle, und Edwards suchte die angegebene Kabine auf. Schon nach einer Minute erschien er wieder bei seinem Begleiter.

„Aus unserem Nachtbummel durch Central City wird leider nichts mehr, Fred. Das Ministerium hat mir gerade mitgeteilt, dass ich meine Koffer packen und mich zum Verlassen Terras bereitmachen soll. Ich muss nach Kotay, dort ist irgendein hohes Tier erkrankt, und ich soll auf Yerbys Planet noch einen Kollegen an Bord nehmen. Wir werden uns nicht so bald wiedersehen, fürchte ich.“

Tanner schnitt eine Grimasse.

„Das war eine kurze Freude, nachdem wir uns acht Jahre nicht gesehen hatten. Nun, Sie wissen ja jetzt, wo ich zu finden bin. Sie sind mir immer herzlich willkommen.“

Homer Edwards schüttelte ihm die Hand und begab sich in sein Apartment, um zu packen. Eine halbe Stunde später war er bereits unterwegs zum Ministerium für Wissenschaft.

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STEHEN SIE AUF UND kommen Sie mit, Bronson“, befahl die barsche Stimme des Wächters.

Kit Bronson fuhr von seinem Lager auf und musste sich erst einen Augenblick darauf besinnen, wo er eigentlich war. Seine Träume hatten ihm eine gänzlich andere Umgebung vorgespiegelt als die, in der er sich tatsächlich befand.

Sie bestand aus einer Zelle, nicht größer als zwei zu zweieinhalb Metern, deren einziges Mobiliar aus einem kleinen Tisch, einem winzigen Waschbecken und der Plastikliege bestand, auf der er im bleiernen Schlaf der Erschöpfung gelegen hatte. Von oben her ergoss sich das kalte Licht der Leuchtdecke über ihn, in der ein winziges Viereck für die Luftzufuhr ausgespart war.

Wie sehr hatte er dieses Licht in den vergangenen Tagen hassen gelernt!

Ununterbrochen hatte es geleuchtet, hatte ihn auch nach den zahlreichen, bis an den Rand der Erschöpfung führenden Verhören kaum schlafen lassen. Am vergangenen Abend hatte man es erstmals gelöscht, und das hatte Kit die Hoffnung gegeben, seine Peiniger hätten nun wohl doch erkannt, dass es aus ihm nichts herauszuholen gab.

Erlöst hatte er sich dem Schlaf hingegeben und musste nun erkennen, dass er nur getäuscht worden war.

Sie nannten sich eben nicht umsonst „Psychologischer Verhördienst“, die Schergen des Großmeisters von Terra. Wahrscheinlich hatten sie gehofft, ihn nun, da die dauernde geistige Anspannung für eine Weile von ihm genommen war, um so leichter überrumpeln zu können.

Kit Bronson seufzte, schlüpfte unter den wachsamen, misstrauischen Blicken des Wächters in die Plastikschuhe und die Jacke ohne Taschen, wusch sich rasch den Schlaf aus den Augen und nickte dann dem Manne in der schwarzblauen Uniform zu.

„Wir können gehen, Psychoknecht.“

Sein Bewacher grinste nur.

„Dir wird das Lästern heute noch vergehen, Bronson!“, versprach er und trat einen Schritt zurück, um Kit durch die Tür zu lassen, die sich an der einen Schmalseite der Zelle befand. Seine Schockwaffe blieb dabei stets in der gleichen Höhe, der Zeigefinger lag am Abzug, um beim geringsten Anzeichen eines Widerstandes losdrücken zu können. Sie verstanden ihr Handwerk, die Handlanger des selbstherrlichen Großmeisters.

Und wozu das alles?, dachte Kit Bronson resigniert. Ich weiß doch wirklich nichts über das, was sie ans mir herauszuholen versuchen.

Der hochgewachsene junge Mann mit dem kurzgeschorenen blonden Haar und den krass dazu kontrastierenden dunklen Augen ging mit müdem Schritt an dem Wächter vorbei. Er hatte bereits jede Hoffnung aufgegeben, dieser Mühle eines rätselhaften, aber unerbittlichen Gesetzes noch entgehen zu können.

Doch – was war das?

Im Vorbeigehen hatte er aus den Augenwinkeln etwas erspäht, das ihm einen Schauer der Erregung über den Rücken trieb.

Nur ruhig weitergehen!, hämmerte er ach ein. Nur sich nichts von dem anmerken lassen, was ich entdeckt habe, ehe ich nicht sicher bin, diese Entdeckung auch ausnützen zu können!

Kit Bronson war blass geworden. Seine Hände zitterten. Doch das konnte der hinter ihm gehende Wächter nicht bemerken. Er gab sich alle Mühe, die ihn beherrschende Erregung zu unterdrücken und teilnahmslos erscheinend dahinzuschlurfen, und die Täuschung schien zu gelingen.

Der Gang war leer und zur Nachtzeit nur spärlich durch kleine quadratische Deckenleuchten erhellt. Kit war ihn bereits zwanzigmal hin und zurück geschritten, denn bisher hatte jeder Tag seiner Gefangenschaft zwei lange Verhöre gebracht.

Sie hatten in jeweils wechselnden Räumen stattgefunden, je nachdem, welche Schikanen sich die Kommissare des PVD gerade wieder ausgedacht hatten. Es fiel daher nicht auf, als Kit an der nächsten Kreuzung stehenblieb und sich halb zu seinem Begleiter herum wandte.

„Wohin geht es denn heute, Psychoknecht? Hell oder dunkel, kalt oder warm, Hypnose oder Elektroschock?“

Der Wächter grinste erneut.

„Diesmal etwas ganz Neues, Freundchen. Es geht zur Abwechslung einmal geradeaus, und dann ...“

Die hämischen Worte blieben ihm im Halse stecken, als Kits Faust ihm entgegenfuhr.

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AUCH DIE BESTE SCHOCKWAFFE kann ihrem Träger nichts nützen, solange sie nicht aktiviert ist.

Der Wächter hatte vergessen, den Sicherungsknopf seines Schockers zu lösen, ehe er zu Bronson in die Zelle trat. Schon auf der Raumkadettenschule hatten die Ausbilder Kit gelehrt, auch auf die geringsten Kleinigkeiten zu achten, und das machte sich jetzt bezahlt. Die Leuchtmarkierung, die immer dann grün anzeigte, wenn eine Schockwaffe schussbereit war, hatte rot angezeigt – und das war eine Gelegenheit, die Kit sich einfach nicht entgehen lassen durfte.

Als der Gefangene stehenblieb, hatte der Wächter noch einen weiteren Schritt gemacht und war damit fast auf Tuchfühlung an ihn herangekommen. Kit hatte damit gerechnet und zögerte nun nicht mehr, zum Angriff überzugehen.

Er drehte sich vollends herum, und seine Rechte schoss unter das Kinn des Wächters, während seine Linke gleichzeitig nach der Waffe griff. Sein Gegner war etwa zwanzig Jahre älter als er und seine Reaktionszeit entsprechend länger. Ehe er noch begriffen hatte, was vorging, lag er bereits auf dem Kunststeinboden des Kellerganges, und Kit Bronson hatte seinen Schocker in der Hand.

Jetzt war es Kit, der grinste.

„So, Psychoknecht, jetzt sind die Rollen einmal vertauscht!“

Er aktivierte rasch die Schockwaffe und überzeugte sich davon, dass sie auf eine Intensität eingestellt war, die keinesfalls tödlich wirken konnte. Ein kurzer Druck auf den Abzugsknopf, die Gestalt des Wächters bäumte sich auf und fiel dann schlaff wieder auf den Boden zurück.

Kit schickte wachsame Blicke in alle Richtungen, doch die vier kreuzförmig abzweigenden Gänge lagen ruhig und menschenleer vor ihm. Er bückte sich rasch und löste ein kleines Schlüsselgerät vom Gürtel des Bewusstlosen. Dann huschte er zur nächsten Zellentür und drückte das Gerät gegen deren Öffnungskontakt. Die Tür schwang lautlos auf, und das gleichzeitig aufflammende Licht zeigte ihm, dass die Zelle zur Zeit unbelegt war.

Kit war durch die Strapazen der vergangenen Tage geschwächt, doch mit einiger Anstrengung gelang es ihm, den Wächter in die Zelle zu schleifen.

Er zog die Tür gerade so weit zu, dass sie nicht zuschnappen konnte, legte den Schocker griffbereit auf die auch hier vorhandene Liege und begann dann hastig, dem Bewusstlosen die Uniform auszuziehen. Anschließend warf er seine Gefängnistracht ab.

Er ließ sie achtlos zu Boden fallen und schlüpfte in die Wächteruniform. Sie war ihm wohl etwas zu weit, passte aber wenigstens in der Länge. Mehr Mühe machten ihm schon die zu engen Stiefel. Nach kaum einer Minute hatte sich Kit Bronson dem Aussehen nach in einen Wächter des Psychologischen Verhördienstes verwandelt.

Er schnallte sich nun auch den Gürtel um, drückte die Mütze mit dem dreizackigen Stern schief auf den Kopf und warf dann seinem Opfer einen letzten Blick zu, der alles andere als freundlich war.

„Hoffentlich holst du dir auf dem Steinboden wenigstens eine anständige Erkältung!“

Mit diesem gemurmelten Wunsch auf den Lippen zog er die Tür der Zelle hinter sich ins Schloss und begab sich auf den Weg ins Abenteuer, der ihm, wie er hoffte, die Freiheit wiederbringen würde.

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ZEHN TAGE LANG HATTE sich Kit Bronson im Gewahrsam des PVD befunden, und er hatte in dieser Zeit die Augen gut offen gehalten.

Man hatte ihn zu allen möglichen Tages- und Nachtzeiten zum Verhör geführt, und so hatte er nach und nach einen guten Überblick erhalten, was die räumlichen Verhältnisse wie auch den Dienstbetrieb anging. Er wusste nicht nur aus schmerzlicher Erfahrung, wo die einzelnen Verhörräume lagen, sondern auch, wo sich die Wachzentrale befand. Sie lag vorn am Ende des längsten Korridors, wo der einzige Zugang zu diesem unterirdischen Gefängnistrakt des PVD war.

Irgendwo in einem der Verhörzimmer würden jetzt zwei der drei Kommissare auf ihn warten; doch das bereitete ihm wenig Sorge. Er wusste, dass es hier unten in den Gängen keine Spionaugen oder Abhöranlagen gab, der Vorfall also von niemandem beobachtet worden sein konnte. Die Kommissare des Psychologischen Verhördienstes waren aber viel zu selbstherrlich, um auch nur einen Gedanken auf derartige Unwahrscheinlichkeiten, wie beispielsweise den Ausbruchsversuch eines Gefangenen zu verschwenden.

Sie würden sich nichts weiter denken und warten. Es würden noch fünf oder gar zehn Minuten vergehen, bis sie ungeduldig werden mussten, und bis dahin hatte er Zeit.

Am Tage hätte er gar nicht daran denken können, ein solch kühnes Unternehmen zu starten, denn dann war fast ständig jemand zwischen Zellen, Verhörräumen und Wachzentrale unterwegs. Nachts aber war der Dienstbetrieb auf ein Minimum reduziert, und man holte nur zuweilen einzelne Gefangene zu Verhören. Das Gefühl unbedingter Überlegenheit beherrschte auch die Wächter. Nur so hatte es geschehen können, dass einer von ihnen vergaß, seine Waffe zu aktivieren.

Kit Bronson gedachte diese Vergesslichkeit nach Kräften für sich auszunutzen.

Die Stiefel des Wächters an seinen Füßen verursachten wohl Schmerzen an seinen kleinen

Zehen, aber dafür keine Geräusche auf dem Boden. Rasch bewegte Kit sich vorwärts, bis er den Zugang zur Wachzentrale erreicht hatte. Zwar befand sich in der Tür ein kleines Sichtfenster, doch es war niemand da, der den Korridor beobachtete.

Kit Bronson lächelte leicht und griff nach dem erbeuteten Schlüsselgerät. Es war ein Universalgerät, das alle Türen hier unten öffnete, das wusste er aus Erfahrung. Er drückte es an den Kontakt des Eingangs, ließ es dann sofort wieder fallen und ergriff stattdessen den Schocker.

Die Tür der Wachzentrale öffnete sich geräuschlos und gab ihm den Blick auf drei sorgenlose Wächter frei.

Sie saßen um den Tisch in der Mitte des Raumes und würfelten. Die aufgestapelten Münzen vor ihnen zeigten, wie eifrig sie ihre Pflicht vernachlässigten. Mit grimmigem Gesicht hob Kit die Schockwaffe und ließ deren lautlosen Strahl von einem zum anderen wandern, ehe sie überhaupt bemerken konnten, dass ein Fremder, ein Gefangener, in der Uniform ihres vierten Kollegen steckte ...

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DIE ERSTE ETAPPE WAR geschafft.

Vermutlich war es die leichteste, darüber war sich Kit Bronson klar. Er wusste nicht, wie es oben im Hauptquartier des Psychologischen Verhördienstes aussah, denn er war bewusstlos gewesen, als man ihn hereingebracht hatte. Von jetzt ab bestand die Gefahr, dass er Fehler machte, die einem echten Wächter nie unterlaufen konnten, das war ihm bewusst.

Nun konnte nur schärfstes Überlegen weiter helfen.

Kit verschwendete keinen Augenblick auf die bewusstlosen Wächter. Sie waren für Stunden ausgeschaltet, das stand fest. Ihm wäre wohler gewesen, hätte er die Kommissare weiter hinten im gleichen Zustand gewusst. Zweifellos besaßen diese Visiphon-Verbindungen hinauf zum Hauptquartier und würden dort Alarm schlagen, sobald sie Verdacht geschöpft hatten. Noch hatte er einen Vorsprung, doch dieser verringerte sich mit jeder verstreichenden Minute, also hieß es rasch zu handeln.

Rasch – aber doch überlegt!

Er fand an der Tür hinter sich einen Knopf, der sie blockierte, so dass sie vom Gefängnistrakt her nicht mehr zu öffnen war. Kit betätigte ihn, um zumindest eine Verfolgung vom Rücken her auszuschließen. Nicht zuletzt aber auch, um seine bisherigen Peiniger wenigstens für eine Weile ebenso gefangen zu setzen, wie er es noch vor Minuten gewesen war.

Dann wandte er sich dem Inneren der Wachzentrale zu, um die Möglichkeiten für sein ferneres Vorgehen zu fixieren.

Die Auswahl war nicht groß. Bald schon hatte er erkannt, dass es nur einen Weg gab, um dieser Unterwelt zu entfliehen. Die einzige Verbindung nach oben bestand in einem Lift, der hier endete, und dessen Zugang sich in einem der beiden Nebenräume befand.

Im zweiten gab es zwei Liegebetten, einen Schrank für die persönlichen Sachen der Wächter und einen Waffenschrank. Kit begutachtete dessen Inhalt und entschloss sich, zusätzlich einen kleinen Handstrahler mitzunehmen. Es war eine Waffe, wie säe nur die Kommissare trugen, und er musste sie in die Hosentasche stecken.

Er war nicht sicher, ob sein Schlüsselgerät auch auf die Türen der oberen Räume wirkte. War dies nicht der Fall, konnte er sie mittels des Strahlers aufbrennen. Auf Menschen wollte er keinesfalls damit schießen. Zwar war sein Vorgehen in den Augen der PVD-Kommissare so oder so todeswürdig; doch es widerstrebte ihm, ohne Not Männer umzubringen, die ebenso an ihrem Leben hingen, wie er an seinem.

Der Lift war nicht besonders gesichert. Kit setzte das Schlüsselgerät an den dafür vorgesehenen Kontakt, die Tür glitt zur Seite und schloss sich hinter ihm wieder. Ein Knopfdruck, ein kaum vernehmbares Summen, und die Kabine glitt mit ihm aufwärts.

Es handelte sich um einen Separataufzug, der nur bis zum Erdgeschoss fuhr. Kit wäre es lieber gewesen, weiter hinauffahren und erst einmal vorsichtig die Lage erkunden zu können, doch vielleicht war es so besser. Waren die Kommissare erst einmal auf seine Flucht aufmerksam geworden, musste jede gewonnene Sekunde doppelt zählen.

Nach etwa vier Sekunden hielt die Kabine an und die Tür schob sich zur Seite. Kit Bronson sah in eine große halbdunkle Halle, von der zahlreiche Gänge abzweigten, während zur Rechten Stufen hinab zum Ausgang führten. Vor diesem standen todsicher Posten, und Kit wusste noch nicht, wie er an diesen würde vorbeikommen können.

Er wusste nur, dass er es schaffen musste.

Er würde irgendetwas improvisieren, je nach Lage der Dinge, irgendwelche Ausreden erfinden. Schließlich trug er ja eine Wächteruniform, so bald würde also wohl niemand Verdacht schöpfen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Und wenn doch – dann musste eben der Schocker helfen.

Kit holte noch einmal tief Atem und trat dann entschlossen aus dem Lift.

Er lief genau einem PVD-Kommissar in die Arme, der sich im selben Moment von der Seite her näherte ...

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WAR DAS BEREITS DAS Ende seines Ausbruchsversuchs?

Kit Bronson war zu Tode erschrocken. Sofort blieb er stehen, bereit, die Schockwaffe von der Schulter zu reißen und abzudrücken. Trotzdem konnte er den Zusammenstoß nicht vermeiden, und bald bemerkte er auch, warum. Der Kommissar war so betrunken, dass er sich kaum noch auf den Beinen halten konnte!

Geistesgegenwärtig griff Kit au und hielt den Schwankenden fest. Der Kommissar sah ihn aus schwimmenden Augen an, wackelte mit dem Kopf und murmelte: „Geht nicht mehr – geht einfach nicht mehr. Sn-sind S-sie dienstfrei, W-Wächter?“

Kit nahm Haltung an, soweit ihm das unter diesen Umständen möglich war. „Jawohl, Sir.“

„G-gut, dann – dann k-kommen Sie mit!“, bestimmte der Offizier mit einer unsicheren Handbewegung in die Richtung das Ausgangs. „Brauche – brauche meinen G-gleiter – muss nach H-hause.“ Seine weiteren Worte verloren sich in einem undeutlichen Gestammel.

Der Flüchtling erkannte seine Chance. Fast hätte er laut aufgelacht, nachdem er seinen Schock überwunden und die Lage erfasst hatte.

Der Kommissar des PVD brauchte einen Begleiter, um das Gebäude verlassen zu können – nichts konnte Kit willkommener sein! An seiner Seite konnte er ungehindert ins Freie

kommen, denn kein Posten würde ihn behelligen, solange er sich in dieser hohen Gesellschaft befand. Der Alkoholdunst benahm ihm fast den Atem, doch entschlossen packte er den Arm des Betrunkenen und dirigierte ihn dem Portal entgegen.

Die Stufen bereiteten einige Mühe, doch dann standen beide vor dem Glasfenster der Wachstube, die sich rechts des Ausganges befand. Der Wächter, der sich hinter demselben aufhielt, sprang eilfertig auf, obwohl er den Zustand seines Vorgesetzten bemerkte.

„Ihren Gleiter, Sir?“, fragte er devot, blinzelte Kit aber mit einem Auge zu. Der Kommissar versuchte zu nicken, doch es wurde nur ein haltloses Pendeln des Kopfes daraus.

Kit Bronson zwinkerte zurück.

„Welche Maschine ist es?“, fragte er entschlossen. „Ich bin noch neu hier und weiß nicht richtig Bescheid.“

„Die dritte von rechts“, gab der Wachhabende zurück. „Es ist die Privatmaschine des

Kommissars, die Automatik ist eingestellt. Sie brauchen ihn nur einzuladen, er kommt dann von selbst nach Hause.“

In diesem Augenblick sackte der Betrunkene in Kits Armen zusammen, und der Wächter zog die Brauen hoch. „Wahrscheinlich wird es doch besser sein, wenn Sie mitfliegen, sonst bekommen wir morgen Schwierigkeiten. Soll ich Ihnen hinaushelfen?“

„Danke, es wird schon gehen“, wehrte Kit ab, der keinerlei Wert auf diese Begleitung legte. Der Wachhabende zuckte mit den Schultern und drückte auf den Öffnungskontakt des Portals, als Kit dieses erreicht hatte, den Kommissar mehr tragend als führend. Lautlos schwang ein Türflügel auf – und Kit schritt an den beiden Posten rechts und links vorbei hinaus in die Freiheit.

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SO LEICHT WAR ES GEWESEN, dem berüchtigten Psychologischen Verhördienst zu entfliehen!

Kit Bronson gestand sich aber ehrlich ein, dass ihm das ohne die kräftige Nachhilfe des Zufalls nie gelungen wäre. Er war ihm zweimal begegnet, einmal in Gestalt eines vergessenen Sicherungsknopfes und einmal in der des betrunkenen Kommissars, und das war weit mehr, als man von diesem unberechenbaren Gesellen erhoffen konnte. Jetzt kam es darauf an, dieses Geschenk auch richtig zu nutzen.

Mit einiger Mühe verstaute er den fast hilflosen Kommissar in der Kabine des luxuriösen Gleiters und überlegte dabei bereits seine weiteren Schritte. Es gab zwei Möglichkeiten für ihn.

Die eine bestand darin, den Kommissar einfach allein abfliegen zu lassen, sich eines anderen Gleiters zu bemächtigen und mit diesem zu entwischen. Die andere war, ihn nach Hause zu bringen, dann kurzerhand wieder zu starten und die Flucht mit dieser Maschine zu bewerkstelligen.

Kit analysierte die Erfolgsaussichten beider Versionen und kam dann zu dem Schluss, dass keine davon etwas taugte.

Bestimmt hatte man inzwischen in der PVD Zentrale seine Flucht bemerkt, ohne aber zu wissen, wohin er sich dabei gewandt haben mochte. Man würde ihn zuerst innerhalb des Gebäudes suchen, denn niemand würde annehmen, dass er trotz der erbeuteten Wächteruniform hinausgelangt sein könnte. Bis der Wachhabende am Portal darauf kommen würde, den Begleiter eines – wenn auch betrunkenen – Kommissars als den Flüchtling zu verdächtigen, mochte noch einige Zeit vergehen. Ob diese Zeit aber auch ausreichen mochte, das Haus des Offiziers zu erreichen und unbehelligt weiterzufliegen, erschien Kit mehr als fraglich.

Stahl er aber jetzt einen zweiten Gleiter, würde das sofort auffallen und ihm die Häscher des PVD auf den Hals bringen. Kit entschloss sich also, einen dritten Weg zu wählen.

Er brachte den Kommissar auf den hinteren Sitz, wo dieser sofort einschlief, schaltete den Antrieb des Gleiters ein, verzichtete aber auf die vorprogrammierte Automatik und nahm die Manuellsteuerung in Betrieb.

Er kannte sich in Central City gut aus und wusste, wohin er sich zu wenden hatte. Sein weiterer Fluchtweg war ihm vorgezeichnet. Auf der Erde konnte er nicht bleiben, der Arm des PVD reichte weit, und man würde ihn innerhalb von kurzer Zeit wieder einfangen. Ihm blieb als einziges Ziel das, worauf man ihn praktisch mit der Nase gestoßen hatte.

Entschlossen zog Kit Bronson den Steuerknüppel an und nahm Kurs auf den Raumhafen.

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ES WAR DREI UHR MORGENS, und der Gleiterverkehr über der Stadt war praktisch eingeschlafen. Nur ab und zu sah Kit die Positionslichter anderer Maschinen in verschiedenen Höhen aufblinken, je nach der Richtung, in der sie flogen. Er selbst hatte die Lampen nicht eingeschaltet, damit niemand seinen Kurs verfolgen konnte.

Stattdessen stellte er das Radio des Gleiters an und registrierte befriedigt, dass die darauf eingestellte Welle die des Psychologischen Verhördienstes war. Schon nach Anhören der ersten Durchsagen flog ein spöttisches Lächeln über seine Züge. Man wusste, dass er geflohen war, vermutete ihn aber noch innerhalb der PVD-Zentrale und hatte diese hermetisch abgeriegelt.

Er vernahm die Routinedurchsagen zahlreicher Fahrzeuge der Wächtertruppe, die rings um das Gebäude aufgefahren waren, um ihn im Falle eines Ausbruchs abfangen zu können, und war fürs erste beruhigt. Die Zentrale war ein großer Komplex, dreißig Stockwerke hoch, und bis man diese alle gründlich durchsucht hatte, musste einige Zeit vergehen.

Er verstellte die Skala des Empfängers und suchte die Frequenz des Raumhafen-Kontrollgebäudes.

Central City besaß einen großen Hafen, der aber ausschließlich zivilen Zwecken diente. Hier landeten und starteten nur Handels- und Verkehrsraumer, sowie Privatschiffe. Der militärische Raumhafen lag entgegengesetzt in einer Entfernung von sechzig Meilen, bedeutete also keine Gefahr für seine Pläne.

Ein Handelsschiff meldete sich, erhielt Landeerlaubnis und würde in etwa einer Viertelstunde niedergehen. Gleich darauf kam ein weiteres Gespräch. Die Privatjacht ERSKINE erbat Startfreigabe, erhielt sie und würde um drei Uhr zwanzig in Richtung nach Yerbys Planet starten. Kit horchte auf, denn das war etwas, das seinen Absichten entgegenkam.

Kit hatte vorgehabt, sich an Bord eines zum Start anstehenden Schiffes zu schleichen, was bei Handelsraumern relativ einfach war, solange die Ladeluken offenstanden. Von seiner

Flottendienstzeit her war er mit Schiffen aller Typen vertraut und kannte Verstecke, in denen ihn auch kein Spürgerät das PVD aufstöbern konnte.

Das hätte aber unter Umständen ein tagelanges Warten für ihn zur Folge gehabt, denn es war als sicher anzunehmen, dass der Psychologische Verhördienst alle Starts sperren würde, sobald feststand, dass er aus der Zentrale entkommen war. Es wären Tage ohne Wasser und Verpflegung gewesen, und auch später auf der Reise hätte er sich mühsam alles stehlen müssen. Das wiederum konnte leicht auffallen, und dann war es nur eine Frage der Zeit, bis er entdeckt und vom Kapitän am Zielhafen der Polizei ausgeliefert werden würde. Blinde Passagiere waren unbeliebt, und sicher hatte man bis dahin schon eine hohe Belohnung auf seinen Kopf ausgesetzt ...

Hinter ihm regte sich der Kommissar und machte Anstalten, sich zu erhaben. Das hätte Schwierigkeiten mit sich bringen können, also rastete Kit die Steuerung ein, drehte sich um und hob seinen Schocker. Als er sicher war, dass der PVD-Mann ihn nicht mehr stören konnte, übernahm er wieder das Steuer und flog einen Bogen, um von hinten an den Raumhafen heranzukommen, der nun schon dicht vor der Maschine lag.

Er drückte den Gleiter weiter hinab und hielt angestrengt Ausschau. Bald schon hatte er das kleine Raumschiff entdeckt, dessen Luken hell erleuchtet waren, während die Umgebung völlig im Dunkeln lag. Als er dann das Hafengebiet erreicht hatte, landete er dicht hinter der Absperrung, wo ihm der massige Körper eines Passagierschiffes Deckung bot.

Kit Bronson schaltete nun die Automatik ein, sprang aus der Maschine und schlug die Kabinentür hinter sich zu. Sekunden später startete der Gleiter und nahm Kurs auf das Haus des Kommissars, wo er mit dem Bewusstlosen sicher landen würde.

Kit aber warf sich die Schockwaffe über die Schulter und rannte los, der Jacht ERSKINE entgegen. Für ihn ging es jetzt um Minuten, denn es war inzwischen drei Uhr fünfzehn geworden.

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SIR HOMER EDWARDS SAß im Pilotensitz seiner Jacht, sog an einer würzigen Zigarre und dachte an nichts Böses. Zuweilen lächelte er still vor sich hin, wenn er an den überraschenden Gewinn dieses Abends dachte.

Er war ein Mann von fünfundvierzig Jahren, hatte ein rundliches Gesicht mit hellen intelligenten Augen und schütterem, leicht angegrauten Haar darüber. Nur mittelgroß und schon leicht korpulent, bot er den Anblick eines gutsituierten Geschäftsmannes, ein Eindruck, der durch die luxuriöse Ausstattung seines Fahrzeuges noch unterstrichen wurde.

Noch zwei Minuten bis zum Start.

Edwards streckte eben die Hand aus, um die bereits vorprogrammierte Startautomatik

einzuschalten, als von außen an die Hülle der Jacht geklopft wurde. Es war ein energisches Klopfen, und so gab Sir Homer seiner Hand eine andere Richtung und schaltete statt der Automatik die Außenbord-Sprechanlage ein.

„Ja, was gibt es denn?“

„Psychologischer Verhördienst! Öffnen Sie die Luftschleuse, damit ein Mann an Bord kommen und Ihr Fahrzeug durchsuchen kann. Ein gefährlicher Sträfling ist entflohen, und es besteht der Verdacht, dass er mit einem Raumschiff von Terra entkommen will.“

„In Ordnung!“, entgegnete Sir Homer, schaltete die Sprechanlage aus und drückte auf den Öffnungskontakt der Luftschleuse. Es gab kein Auflehnen gegen die Maßnahmen des PVD, das wusste jeder der sechs Milliarden Erdbewohner. Der PVD handelte im Namen des Großmeisters und war damit automatisch unfehlbar.

Kit Bronson atmete tief auf und warf noch einen wachsamen Blick dm die Runde. Der Raumhafen lag ruhig da, und das Dunkel über dem gewaltigen Areal wurde nur durch die Lichter vom etwa drei Meilen entfernten Kontrollturm her unterbrochen, in dessen Nähe das avisierte Handelsschiff vor Kurzem gelandet war.

Ein leises Scharren ertönte, dann öffnete sich dicht oberhalb der Landestützen das helle Rechteck einer Schleuse, und die Gangway senkte sich auf den Boden herab.

Kit atmete auf – doch im nächsten Moment drang von weither das unverkennbare Geräusch von Alarmsirenen an seine Ohren. Es kam aus der Richtung der Stadt, doch er zweifelte nicht daran, dass innerhalb kürzester Zeit auch auf dem Hafen Alarm gegeben werden würde. Rasch eilte er die Treppe empor, trat in die Schleuse und drückte sofort den darin angebrachten rot markierten Knopf, Die Gangway schob sich nach oben zusammen, doch der Flüchtling wartete nicht erst ab, bis sich das Außenschott geschlossen hatte, sondern schob sich hastig durch die Innentür.

Vor ihm lag ein kurzer Gang, der vor einem weiteren Schott endete. Es glitt automatisch zur Seite als die Fotozellen die Annäherung eines Menschen meldeten. Kit trat hindurch und hielt dem Mann in der Zentrale seinen Schocker entgegen.

„Sie sind allein im Schiff?“, forschte er und ließ seine Augen umherwandern. Sir Homer nickte eifrig.

„Jawohl, Sir, ganz allein. Ich wollte in einer Minute starten und halte mich seit einer halben Stunde im der Jacht auf. Seitdem habe ich keinen Menschen mehr gesehen.“

Die gefürchtete schwarzblaue Uniform beeindruckte ihn sichtlich, und Kits grimmiger Gesichtsausdruck mochte noch einiges dazu beitragen. Der angebliche PVD-Wächter war zufrieden.

„Sie unterstehen ab sofort meinem Befehl. Starten Sie umgehend!“

„Ich – Ich verstehe nicht, Sir“, stotterte Homer Edwards verstört.

Kit Bronson lächelte bösartig.

„Das ist auch gar nicht notwendig, Mister. Los, drücken Sie schon auf den Knopf! Ich kann es auch selbst tun, aber in diesem Fall ...“

Ein bezeichnender Wink mit dem Schocker ergänzte seine Worte, und ergeben tat Sir Homer, wie ihm geheißen wurde. Zwei Minuten lang standen sich die beiden Kontrahenten stumm gegenüber, dann begann das Triebwerk zu dröhnen, und die ERSKINE hob sich vom Boden des Raumhafens ab, um mit rasch wachsender Beschleunigung in den Nachthimmel zu schießen.

Im gleichen Moment sprach der Empfänger des Bordfunkgerätes an.

„Achtung, Raumjacht ERSKINE: Hier spricht der Psychologische Verhördienst! Sie haben Startverbot, bis wir Ihr Fahrzeug durchsucht haben. Ein entflohener Sträfling ist ...“

Mit einem raschen Griff schaltete Kit Bronson das Gerät aus, doch Homer Edwards hatte bereits begriffen.

„Die Leute waren um genau zwei Minuten zu langsam, nicht wahr? Nun, dafür haben sie jetzt auch das Nachsehen!“

Sie wurden verfolgt.

Zwar führte der Kurs der ERSKINE senkrecht aus dem Sonnensystem hinaus, doch offenbar waren bereits Polizeifahrzeuge im Raum gewesen. Sie besaßen dadurch natürlich den Vorteil ihrer bereits vorhandenen Geschwindigkeit, während die Jacht diese erst gewinnen musste. Günstig für die ERSKINE war aber, dass die anderen, um ihr folgen zu können, erst Anpassungsmanöver fliegen mussten, wodurch wiederum Zeit verlorenging.

Trotzdem machte Homer Edwards ein besorgtes Gesicht.

„Das wird ein sehr knappes Rennen“, äußerte er missmutig. „Ich hole aus der Jacht heraus, was ich kann. Aber wenn sie herankommen, ehe wir die Sprunggeschwindigkeit erreicht haben, sehe ich schwarz.“

Kit Bronson saß hinter ihm, den Schocker griffbereit auf den Knien.

„Meinen Sie, dass sie feuern werden?“, fragte er. „Schließlich wissen sie doch, dass Sie mit an Bord sind.“

Der Ältere zog eine Grimasse.

„Sie werden schießen, verlassen Sie sich darauf!“, prophezeite er. „Zwar ist die Psychopolizei nicht so schlimm wie der PVD, aber sie untersteht diesem und muss seine Befehle ausführen. Da Sie aber jetzt als ein besonders gefährliches Individuum gelten, kann ich mir lebhaft vorstellen, wie diese Befehle aussehen werden.“

Er behielt Recht.

Vier Polizeikreuzer waren es, die der Jacht folgten, doch zwei von ihnen gaben das Rennen nach zwei Stunden auf. Die beiden anderen dagegen holten nach und nach auf und schoben sich immer näher an die ERSKINE heran. Als sie noch knapp hunderttausend Kilometer entfernt waren, sprach das Funkgerät an.

„Darf ich einschalten?“, erkundigte sich Sir Homer, der großen Respekt vor Kits Waffe zu haben schien. Der Flüchtling nickte.

„Selbstverständlich, dadurch erhalten wir Informationen. Es interessiert mich natürlich, was sie mit uns vorhaben.“

Wenig später knallte eine harte Stimme aus dem Lautsprecher.

„Polizeikreuzer AB 3 an Raumjacht ERSKINE: Wir fordern Sie auf, unverzüglich Ihre Fahrt zu verringern und sich zu ergeben. Falls Sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, werden wir rücksichtslos das Feuer eröffnen! Melden Sie sich. Ende.“

Edwards drehte sich halb zu Kit herum. „Na, habe ich es nicht gesagt? Wie stellen Sie sich dazu?“

Kit Bronson lächelte grimmig.

„Mein Leben ist so oder so nicht viel wert, also ziehe ich es vor, den Weg zu wählen, der mir wenigstens eine kleine Chance bietet. Sagen Sie das den Herren von der Psychopolizei.“

Der Besitzer der ERSKINE kam diesem Befehl nach. Er erhielt darauf keine Antwort, und die Jagd nahm ihren Fortgang. Die Jacht war ein schnelles Schiff, doch die Motoren der Polizeikreuzer erwiesen sich als stärker. – Schließlich betrug der Abstand zu den Verfolgern nur noch zwanzigtausend Kilometer, und Sir Homer begann zu schwitzen.

„Wir schaffen es nicht mehr“, knurrte er heiser. „In fünfzehn Minuten haben sie uns. Wir brauchen aber noch zwanzig Minuten bis zum Erreichen der Sprunggeschwindigkeit.“

Kit schüttelte den Kopf.

„Sie haben uns sogar schon in zehn Minuten, denn auf zehntausend Kilometer Distanz können sie das Feuer eröffnen. Ich gebe aber trotzdem nicht auf. Wir machen eine Nottransition!“

„Sie müssen verrückt sein!“, protestierte Homer Edwards.

„Ich denke nicht daran, dieses Risiko einzugehen.“

Kit Bronson stand auf.

„Machen Sie Platz!“, kommandierte er jetzt barsch. „Ich übernehme jetzt das Steuer.“ Er hob die Schockwaffe. „Los, Beeilung bitte!“

Der andere sah Kits zu allem entschlossenes Gesicht und gab nach. Er räumte den Pilotensitz, und Kit schob sich an ihm vorbei nach vorn. Plötzlich aber stellte Edwards ihm ein Bein, Kit stolperte und fiel über den zweiten Sitz. Blitzschnell war der andere über ihm und versuchte, ihm den Schocker zu entreißen.

Der Flüchtling kämpfte um sein Leben. Edwards entwickelte erstaunliche Kräfte, doch Kit Bronson war jünger und beweglicher. Es gelang ihm, sich halb aufzurichten und die Mündung der Waffe in Richtung seines Gegners zu bringen. Ein Druck auf den Abzug, und Edwards sank in sich zusammen.

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738920819
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Juli)
Schlagworte
verschwörung

Autor

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Titel: Verschwörung im All