Lade Inhalt...

Jim Shannon #11: Shannon und die Kopfgeldjäger

©2018 120 Seiten

Zusammenfassung

Wieder einmal steckt Jim Shannon in der Klemme. Er sitzt im Gefängnis von Willcox City, weil er angeblich zusammen mit anderen Halunken eine Bank überfallen haben soll. Aber mit Hilfe eines Unbekannten kann Shannon fliehen – zusammen mit seinen Zellengenossen. Einer von ihnen ist Clint Ryman, und genau auf den hat es der mächtige Rancher Howard Bliss abgesehen. Ryman ist ihm schon lange ein Dorn im Auge, denn dieser hat sich in Bliss Tochter Janet verliebt, und das passt dem Rancher überhaupt nicht. Deshalb heuert er einen Trupp Kopfgeldjäger an, die sich auf die Spur der flüchtigen Bankräuber setzen sollen. Jeff Colder, der Anführer dieser Männer, ist bekannt als gnadenloser Mann, der sein Ziel bisher immer erreicht hat – selbst wenn Männer deshalb sterben müssen. Und für Jim Shannon bedeutet das nichts anderes, dass er erneut um sein Leben kämpfen muss ...

Leseprobe

Table of Contents

Title Page

Shannon und die Kopfgeldjäger

Klappentext:

Roman:

JIM SHANNON

 

Band 11

 

Shannon und die Kopfgeldjäger

 

Ein Western von John F. Beck

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Edward Martin

Redaktion und Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Klappentext:

Wieder einmal steckt Jim Shannon in der Klemme. Er sitzt im Gefängnis von Willcox City, weil er angeblich zusammen mit anderen Halunken eine Bank überfallen haben soll. Aber mit Hilfe eines Unbekannten kann Shannon fliehen – zusammen mit seinen Zellengenossen. Einer von ihnen ist Clint Ryman, und genau auf den hat es der mächtige Rancher Howard Bliss abgesehen. Ryman ist ihm schon lange ein Dorn im Auge, denn dieser hat sich in Bliss Tochter Janet verliebt, und das passt dem Rancher überhaupt nicht. Deshalb heuert er einen Trupp Kopfgeldjäger an, die sich auf die Spur der flüchtigen Bankräuber setzen sollen. Jeff Colder, der Anführer dieser Männer, ist bekannt als gnadenloser Mann, der sein Ziel bisher immer erreicht hat – selbst wenn Männer deshalb sterben müssen. Und für Jim Shannon bedeutet das nichts anderes, dass er erneut um sein Leben kämpfen muss ...

 

 

 

 

 

 

 

Roman:

„Hängt sie! Hängt sie!", schrie die Menge auf der Main Street. Fackeln loderten. Das Gerüst des roh zusammengezimmerten Galgens ragte drohend in den Sternenhimmel von Arizona. Shannon umklammerte mit seinen gefesselten Händen die Gitterstäbe der Gefängniszelle. Seine fünf Mitgefangenen waren aufgesprungen. Kalter Schweiß glänzte auf ihren Gesichtern.

Männer mit schussbereiten Gewehren und Revolvern betraten das Office des ermordeten Sheriffs von Willcox City. Ihre Gesichter waren hart und mitleidlos.

„Bringt sie raus!“, befahl Howard Bliss, ihr Anführer. „Sie haben nichts anderes als den Galgen verdient. Knüpft sie auf!“ Der herrische Ton des gedrungenen Ranchers duldete keinen Widerspruch.

Shannon rief: „Das ist Mord! Jeder von uns hat das Recht auf eine faire Gerichtsverhandlung!“

Bliss musterte ihn kalt und verächtlich. Er schlug mit der Reitgerte gegen seine hochschäftigen Stiefel, auf denen es kein Stäubchen gab. „Was im Umkreis von hundert Meilen Recht und Gesetz ist, bestimme ich! Gib dir keine Mühe, Bandit. Meine Leute haben dich Seite an Seite mit diesen Schurken erwischt, die unsere Bank überfallen und den Sheriff erschossen haben. Das genügt.“

„Ich habe diese Männer nur zufällig bei der verlassenen Postkutschenstation getroffen“, keuchte der schlanke, dunkelhaarige Mann mit der Schussnarbe an der rechten Schläfe. „Wie sollte ich denn ahnen, was hier geschehen ist? Bliss, Sie sind ja verrückt, wenn Sie deswegen ...“

Einer von den Bewaffneten stieß den Gewehrlauf durchs Gitter. Shannon krümmte sich und fiel auf die Knie. Er biss die Zähne zusammen, um nicht laut aufzustöhnen. Sekundenlang drehte sich alles um ihn. Der etwa gleichaltrige blonde Clint Ryman half ihm hoch. Seine graugrünen Augen funkelten wild.

„Gib es auf, Amigo. Die Wahrheit interessiert diesen aufgeblasenen Bastard ja doch nicht. Ich bin genauso unschuldig wie du, und er weiß es. Aber er ist verrückt darauf, mich baumeln zu sehen. Leider hat er die Macht dazu. Geld und Macht, das ist alles, was für ihn zählt. Aber Janet wird dich dein Leben lang dafür verfluchen, Bliss! Sie wird nie glauben, dass ich Sheriff Williams erschossen habe!“

Einen Moment verzerrte sich Bliss derbes Gesicht vor Wut. Seine Rechte schloss sich hart um den Revolverkolben. „Lass Janet aus dem Spiel, du Hundesohn! Sie wird dich schneller vergessen, als du denkst. Dafür sorge ich schon. Los, zum Teufel, schafft die Halunken raus! Bringt es zu Ende!“

Er schlug mit der Gerte auf den Schreibtisch und verließ sporenklirrend das Office. „Bastard!“, knirschte der bullige ledergekleidete Bucko hinter ihm her. „Verdammt, Ryman, da hast du uns schön in den Dreck geritten.“

Der schlanke Blonde starrte noch auf die Tür, durch die Bliss verschwunden war. „Ich hab euch angeheuert, um Janet nach Mexiko zu bringen, nicht, um die Bank von Willcox City auszuräumen“, antwortete er mit spröder Stimme.

Außer Bucko waren da noch der sehnige, gefährlich aussehende Sixgun-Joe, der geckenhafte junge Johnny Duke und der dunkelhäutige drahtige Mexikaner Felipe. Die Steckbriefe dieser vier hingen an der Bretterwand im Sheriff’s Office. Es waren raue, gesetzlose Burschen, denen ein Menschenleben gewiss nicht mehr bedeutete als den Männern, die jetzt dabei waren, sie zu hängen. Shannon verwünschte die Stunde, in der er sich ahnungslos mit ihnen zu einer Pokerrunde in der einsamen Postkutschenstation zusammengesetzt hatte.

Bliss’ Reiter hatten ihnen nicht die Spur einer Chance gelassen. Plötzlich hatten ein Dutzend Gewehre durch Fenster und Tür der Hütte gezielt, und Shannons Versuch einer Erklärung war unter brutalen Kolbenhieben erstickt. Er seufzte im nachhinein. Es war nun mal seine besondere Gabe, dass er immer wieder in Verdruss geriet, meist dann, wenn er es am wenigsten erwartete. Aber so verflixt tief hatte er schon lange nicht mehr in der Tinte gesessen!

„Schließ auf, Mac!“, knurrte einer der Lyncher. „Wir holen sie einzeln ’raus. Duke, du Lackaffe, bist der Erste! Los, komm!“

Der junge Bandit in dem elegant geschnittenen, nun jedoch ziemlich zerknitterten Anzug prallte mit entsetzt aufgerissenen Augen zurück. „Nein, ich will nicht! Ich bin unschuldig! Ich hab nichts getan!“

„Los, zum Teufel! Oder willst du, dass wir dich holen?“

„Wartet!“, kam eine blecherne Stimme vom Eingang. „Lasst mich erst zu diesen Sündern sprechen, bevor sie ihren letzten Gang antreten. Lasst mich meine Pflicht tun, Brüder, damit der Gerechtigkeit Genüge widerfährt.“

 

*

 

Eine seltsame Gestalt schloss die Officetür. Der Mann hatte Ähnlichkeit mit einer Vogelscheuche: lang, knochendürr, in einen bis zu den Knöcheln fallenden schwarzen Umhang gehüllt, der Ärmelschlitze besaß und über dem ein weißer Stehkragen leuchtete. Ein breitkrempiger runder Hut beschattete das hohlwangige, gelbliche Gesicht mit den glühenden Augen. Ein Gesicht wie das einer Mumie. Die knochigen, spinnenfingrigen Hände umklammerten ein versilbertes Kruzifix, das an einer Kette auf seiner Brust hing. Ohne die sofort herumgeschwenkten Gewehre zu beachten, trat der Schwarzgekleidete ans Zellengitter. Bliss’ Revolvercowboys wussten nicht, ob sie lachen oder fluchen sollten. Bevor sie sich entscheiden konnten, füllte wieder die pathetische Blechstimme des seltsamen Fremden das trüb erhellte Office.

„Hört mich an, ihr Mörder und Diebe! Ich bin Salomon, der Prediger. Ich will euch Trost spenden, obwohl ihr mit euren Untaten das Feuer der Hölle über euer Haupt beschworen habt.“

Die vier Kerle mit den Gewehren grinsten spöttisch. Draußen brüllte der aufgeputschte Mob immer noch. Die Stimme des merkwürdigen Predigers steigerte sich zu einem monotonen Singsang. Theatralisch hielt er das Kreuz in die Höhe.

„Oh, ihr Verfluchten! Im glühenden Pfuhl werdet ihr schmoren und eure Schändlichkeiten bejammern. Fleht um Erbarmen, ehe es zu spät ist! Kniet nieder, ihr Sünder, und verhüllt euer Antlitz vor der Macht meines Gebets!“

Shannon war überrascht, wie anstandslos ausgerechnet Bucko und seine hartgesottenen Freunde gehorchten. Ryman, der neben Shannon ans Gitter getreten war, fauchte hitzig: „Hau ab, Mann! Die Mörder und Halunken stehen hinter dir! Knöpfe dir lieber Bliss, diesen Oberbonzen, vor! Lass uns in Ruhe!“ Salomons Augen funkelten fanatisch.

„Verruchter! Die Stimme des Erbfeindes spricht aus dir! Tu Buße, ehe die Pforten der Hölle sich hinter dir schließen! Auf die Knie mit dir!“

„Tu, was er sagt!“, flüsterte Bucko, der hinter Ryman kniete. „Der Kerl kommt von Domingo. Der ist hier, um uns ’rauszuholen.“

„Lobet den Herren!“, sang der angebliche Prediger mehr misstönend als feierlich. Ryman und auch Shannon knieten mechanisch nieder. Auf den Gesichtern ihrer Zellengenossen war ein wildes, mühsam unterdrücktes Lauem.

„Er ist dein Licht“, krächzte Salomon lauthals.

Der stämmige Wortführer der Lyncher fuhr ihm wütend dazwischen: „Mensch, beeile dich! Sag deinen Spruch auf und verschwinde! Der Boss ist nicht sehr geduldig, wenn er einen Befehl gegeben hat.“

„Schon gut, mein Sohn.“ Der Dürre sank nun ebenfalls auf die Knie. Sein im Lampenschein zuckendes Gesicht war den hinter den Eisenstäben Knienden zugewandt. „Beuget euch vor der Allmacht des Herrn! Die Stunde des Aufbruchs ist gekommen!“

Er neigte seinen Oberkörper nach vorn. Im nächsten Augenblick drohte das Krachen mehrerer Gewehre die Gefängnis und Officewände auseinanderzureißen. Stahlläufe ragten durch das vergitterte Fenster hinter den Gefangenen. Ein Hagel von glühendem Blei raste über sie durch das Zellengitter ins Office. Pulverdampf brodelte. Die vier Bliss-Männer wurden gegen Regale, Schränke und Tisch geschmettert. Die gellenden Schreie erstarben im Dröhnen der blitzschnell hinterhergejagten zweiten Salve. Die Petroleumlampe zerplatzte, und als sich der beißende Qualm verzog, lagen die Lyncher im fahl hereinsickernden Mondlicht als dunkle Bündel am Boden.

Die Gewehrläufe waren aus dem Zellenfenster verschwunden. Schrilles Geschrei kam von der Main Street. Die eben noch auf Mord und Totschlag versessene Menge wogte in panischem Entsetzen hin und her. Hufgetrommel brach sich an den Hauswänden. Vereinzelte Schüsse mischten sich in den Lärm.

„Raus mit euch!“, zischte Salomon, der Prediger, mit gänzlich veränderter Stimme. Er hatte einem der Bewacher den Zellenschlüssel entrissen und sperrte hastig die Gittertür auf. „Lasst euch nicht wieder erwischen, ihr Idioten, sonst kann ich nichts mehr für euch tun! Pferde stehen hinterm Haus. Vergesst eure Waffen nicht.“

Anstelle des Kruzifix hielt er jetzt ein Messer in der Faust, mit dem er den nacheinander Heraushuschenden die Fesseln zerschnitt. Keiner verschwendete einen Blick an die Toten. Ihre Waffengurte hingen an der Wand. Sie brauchten nur zuzupacken. Shannon vergaß auch nicht seine Winchester 66. Er bewegte sich schnell und geschmeidig, von einer gefährlichen Entschlossenheit erfüllt. Jetzt war keine Zeit, darüber nachzudenken, dass seine Gefährten skrupellose Banditen waren. Bliss und seine Anhänger würden zwischen ihm und diesen Männern keinen Unterschied machen, das allein zählte. Shannon hielt nichts von falschem Heldentum, schon gar nicht, wenn es mit dem Strick um seinen Hals enden musste. Er wollte fort hier, und wer ihn daran zu hindern versuchte, würde es mit einem zweibeinigen Tiger zu tun bekommen!

„Schneller!“, hetzte Salomon. „Meine Partner können die Bastarde da draußen nicht ewig beschäftigen!“

Schüsse rasten über die nächtliche Main Street. Kugeln zerschlugen Fensterscheiben, löschten Vordachlaternen und schleuderten brennende Fackeln in den aufgewühlten Sand. Vermummte Reiter preschten am Sheriff’s Office vorbei. Es war eine spukartige Szene. Der massige Bucko und der junge Johnny Duke waren bereits an der Tür.

Ihr Revolverstahl glänzte matt im Mondschein.

„Kommst du nicht mit?“, wandte sich der düstere, sehnige Sixgun-Joe an den „Prediger“.

Salomon grinste knöchern. „Die Hand des Allmächtigen wird mich beschützen. Sein Segen sei mit euch, Brüder.“

„Los jetzt!“, knurrte Bucko und sprang ins Freie. Shannon und Ryman schlossen sich den Desperados an. Wie ein Rudel aus dem Käfig entwichener Raubkatzen stürzten sie auf den Vorbau. Die schießend vorbeijagenden Reiter hatten die Menge zerstreut. Schattenhafte Gestalten bewegten sich auf dem gegenüberliegenden Gehsteig.

„Da sind sie! Lasst sie nicht entkommen!“ Das war Howard Bliss’ hasserfüllter Schrei. Die Banditen eröffneten sofort das Feuer. Das Bleigewitter aus ihren Colts trieb Bliss’ Gefolgsleute in den Schutz der Dunkelheit zwischen den Holz- und Adobelehmgebäuden. Schreie, Flüche und das Hämmern vieler Stiefel vermischten sich mit den pausenlosen Detonationen.

Die Schüsse verstummten erst, als die Befreiten auf ihren nervös tänzelnden Gäulen saßen. Nur Shannons Brauner fehlte. Bucko, Sixgun-Joe, Johnny Duke und Felipe trieben ihre Pferde an, ohne sich um den zufällig zu ihnen gestoßenen Satteltramp zu kümmern. Nur Ryman hielt noch die Zügel seines Schecken straff, obwohl bereits die Tritte der Verfolger über die Main Street hasteten. Das blonde Haar hing ihm schweißverklebt in die Stirn. Seine graugrünen verwegenen Augen funkelten.

„Zum Teufel, worauf wartest du noch? Herauf zu mir!“

Shannon zögerte kurz. Von den anderen war nur noch eine vom Mond versilberte Staubfahne zwischen den Bretterzäunen und Hütten zu sehen. Bliss schrie irgendwo: „Zu den Pferden! Beeilt euch! Tausend Dollar für Ryman, tot oder lebendig!“

Der schlanke Reiter legte Shannons Zaudern falsch aus. Ein harter Zug spannte seine Lippen. Seine Rechte glitt zu dem inzwischen gehalfterten Colt. „Du willst dir doch nicht etwa diese hübsche runde Summe verdienen, Amigo ...“

Shannon grinste. Seine Zähne blitzten in dem schmalen, dunkel gebräunten Gesicht. „Ich glaube nicht, dass dein spezieller Freund Bliss mir das Geld mit in den Sarg legen würde.“ Mit einem kurzen Anlauf sprang er hinter Ryman auf das herumschwingende Pferd. Wiehernd schoss das Tier mit seiner doppelten Last vorwärts.

Als die ersten Verfolger die dunkle Ecke des Sheriffs Office erreichten, trieb Shannon sie mit ein paar schnellen Schüssen aus seiner Winchester zurück.

 

 

*

Dumpfer Hufschlag schreckte die Männer in der Höhle auf. Mit verkniffener Miene richtete Sixgun-Joe seinen Revolver auf Clint Ryman. „Wenn du uns in eine Falle geführt hast, leg ich dich um, bevor Bliss und seine Hundesöhne mich an einem Seil hochziehen! Ich war von Anfang an dafür, hier nicht rumzuhocken, sondern möglichst viele Meilen zwischen uns und Willcox City zu bringen.“

Der Metallhahn knackte drohend unter seinem Daumen. Die Männer lauschten mit angehaltenem Atem. Stille. Nur ein sanfter warmer Wind raschelte im halb vertrockneten Laub der Mesquite- und Kreosotsträucher. Rymans Blick jagte von einem hartlinigen Gesicht zum anderen. Knisternde Feindseligkeit breitete sich aus.

„Zum Teufel, ich sag euch doch, niemand außer Janet und mir kennt diesen Platz! Sie wird kommen.“

„Fragt sich nur, ob allein! Immerhin ist sie die Tochter dieses Burschen, der so versessen darauf ist, uns alle aufzuknüpfen.“

Ryman ballte die Fäuste. Ehe er etwas erwidern konnte, drang der Ruf einer hellen Stimme in die Höhle. „Clint?“

Ryman vergaß die Waffe in der Faust des kaltäugigen Revolvermannes. Mit ein paar Schritten stand er im Höhleneingang. „Hierher, Janet! Sei unbesorgt!“

Ein Pferd stampfte durch die sich leicht im Wind wiegenden, von der Sonne vergoldeten Sträucher. Die junge Frau im Sattel war es wert, dass man sie genau betrachtete: schlank, anmutig, mit keinem madonnenhaften, dafür ausdrucksvollen, herb-schönen Gesicht. Braune Augen, eine kleine Nase, ein lockender Mund. Kastanienbraune Locken schmiegten sich an ihren Kopf. Sie trug einen geteilten Wildlederrock und eine fransenverzierte hüftlange Lederjacke über der weißen Bluse, dazu kurz schäftige. mit Stickereien verzierte Stiefel. Shannon lächelte, als sie sich mit einem Freudenschrei vom Pferderücken in Rymans ausgebreitete Arme warf.

„O Clint, ich hatte schreckliche Angst, dich nie mehr zu sehen! Jetzt bleib ich bei dir, gleich, wohin du reitest. Nur nie mehr auf Dads Ranch zurück!“

„Er wird platzen vor Wut!“, lachte Ryman, fasste sie um die Taille und schwang sie ausgelassen herum. „Soll er! Damit kommt er billig genug davon, nach allem, was er mir angetan hat! Sein Glück, dass er eine so großartige Tochter hat. Nur weiß er dieses Glück nicht zu schätzen. Janet, wir reiten über die Grenze nach Mexiko. Ich habe Freunde dort. Soll dein Vater ruhig auf seinem Geld hocken. Wir brauchen es nicht.“

„Wir müssen sofort von hier verschwinden“, stieß Janet aufgeregt hervor. „Dad hat Jeff Colder und seine Kopfgeldjäger angeheuert, um dich zur Strecke zu bringen. Er behauptet stur und fest, dass du Sheriff Williams getötet hast. Alle glauben ihm. Es ist furchtbar, Clint, aber Dad hat zehntausend Dollar für dich ausgeschrieben!“

Rymans Lachen klang eine Spur härter als zuvor. „Donnerwetter, da bin ich ja ganz schön im Preis gestiegen! Zehntausend Bucks sind auch für deinen Vater ein ansehnlicher Haufen Geld. Und noch dazu Colder, der berüchtigste Menschenjäger im ganzen Südwesten! Damit steht fest, dass Big Boss Bliss höllische Angst hat, dich zu verlieren. An einen Strolch und Taugenichts, wie er mich nennt! In seinen Augen gibt es wahrscheinlich sowieso kein schlimmeres Verbrechen, als es zu nichts zu bringen und ohne einen Dollar in der Tasche dazustehen.“

„Clint, jetzt ist keine Zeit für Scherze! Der Sheriff war ein alter Freund von Jeff Colder. Du weißt, was das bei einem Mann wie Colder bedeutet. Dad und die Kopfgeldjäger sind bereits auf dem Weg hierher. Ich konnte nicht verhindern, dass sie meiner Fährte heimlich folgten. Ich entdeckte sie erst vor ein paar Minuten auf einem Höhenrücken hinter mir. Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren, Clint!“ Ihre braunen Augen flehten ihn an.

Rymans Miene verhärtete sich. Seine Stimme bekam wieder einen spröden Klang. „Nur keine Bange, Janet. Diese Männer hier sind aus mindestens ebenso hartem Holz wie Colder und seine Killer. Ich habe ihnen alles gegeben, was ich noch besaß, nachdem dein Vater mich von meiner kleinen Ranch am Cherry Creek vertrieb. Dafür werden sie uns heil über die Grenze bringen.“

„Davon kann keine Rede mehr sein“, sagte Bucko schroff.

Ryman zuckte herum. „Was soll das heißen?“

Bucko spuckte wütend auf den Felsboden der Höhle. „Das heißt, dass unser Geschäft nicht mehr gilt, seit Jeff Colder mit im Spiel ist. Ich hab schon zuviel von diesem verdammten Banditenjäger gehört, um scharf drauf zu sein, mich mit ihm in die Wolle zu kriegen.“

„In Mexiko sind wir vor ihm sicher!“ Der Bullige schüttelte mürrisch den Kopf. „Colder ist kein Sternträger, der irgendeine Grenze respektiert.“

„Zum Teufel, wohin willst du dann?“

„Dumme Frage! Natürlich hinauf in die Galiuro Mountains. Zu Juan Domingo, dessen Leute uns in Willcox City rausgepaukt haben. Ich bin schon früher für Domingo geritten. Ich werd es wieder tun. Das hatte ich schon lange vor und mit Domingo abgesprochen. Nur deswegen hat er uns Hilfe geschickt. Domingo ist der einzige, der Colder und seinen Kopfgeldjägern bisher die Stirn bieten konnte. Nur in seinem Schlupfwinkel sind wir sicher. Für unsereins gibt es keinen besseren Platz in ganz Arizona.

Starr mich nicht so an, Ryman! Wenn dir meine Freundschaft mit Juan Domingo nicht passt, dann brauchst du ja nicht mitzukommen. Aber deine hübsche Freundin wird uns ganz gewiss begleiten. Schon für den Fall, dass ihr Vater und Jeff Colders Schießer uns doch über den Weg laufen. Mit der süßen Kleinen als Faustpfand schaffen wir den Weg zu Domingos Bandenversteck bestimmt. Was meint ihr, Amigos?“

Die junge Frau starrte Bucko entsetzt an. Johnny Duke kicherte leise. Fahrig zupfte er seine verrutschte Kragenschleife zurecht. Ein gieriges Glitzern war in seinen farblosen Augen. „Mann, Bucko, das ist die Idee! War schon immer mein Wunsch, mal in so bezaubernder Gesellschaft zu reisen!“ Er verschlang Janet förmlich mit den Blicken.

„Ihr seid ja verrückt!“, keuchte Ryman. „Das kommt überhaupt nicht in Frage! Reitet, wohin ihr wollt! Aber rührt Janet nicht an, sonst...“ Er duckte sich. Seine Faust schwebte über dem Revolverkolben.

„Sonst – was?“, höhnte Sixgun-Joe. Er hatte den Colt nicht weggesteckt. Die Mündung deutete drohend auf Rymans Kopf. „Wenn du dein Schießeisen nur anrührst, bekommst du meine Kugel! Kein großartiges Geschäft, was?“

Ryman atmete schwer. Schweiß glänzte auf seiner Stirn. Erschrocken klammerte sich Janet Bliss an ihn. Shannon schob sich vorsichtig an der Felswand entlang tiefer in die Höhle. Seine nervige Rechte tastete zum Hickorykolben des tiefgehalfterten 44er Colts. Ryman hatte ihm in der vergangenen Nacht höchstwahrscheinlich das Leben gerettet, und Jim Shannon war nicht der Mann, der eine Schuld unbezahlt ließ. Doch diesmal hatte er es mit einem Rudel zweibeiniger Wölfe zu tun.

Bevor er die Waffe unbemerkt aus dem eingefetteten Leder brachte, spürte er den harten Druck einer Revolvermündung in den Rippen. Felipes Stimme zischelte an seinem Ohr: „Halt dich da raus, Compadre! Auf einen Toten mehr oder weniger kommt es mir und meinen Amigos nicht an!“ Der Mexikaner grinste hässlich. Shannon erstarrte.

Ryman knirschte verbittert: „Ihr Teufel! Wie kam ich nur jemals auf die Idee, gemeinsame Sache mit euch zu machen, um Janet aus Bliss’ Land fortzuholen! Ihr hattet es ja von Anfang an nur auf die Bank in Willcox City abgesehen, ihr Schufte!“

„Warum auch nicht?“, lachte Bucko rau. „Das meiste Geld, das dort liegt, gehört schließlich Howard Bliss. Schade, dass uns der verdammte Sternträger in die Quere kam. Stell dich nur nicht so an, Ryman. Du bist auch nicht besser! Vergiss nicht, dass auf deinen Kopf jetzt mehr Bucks ausgesetzt sind, als für uns andere zusammen. Wenn das kein Grund ist, mit zu Domingo zu reiten, dann tust du mir leid. Colders Leute werden dich wie einen Hasen jagen, wart es ab! Dann bleibt dir keine Chance mehr, deine niedliche kleine Freundin jemals wiederzusehen.“

„Janet bleibt bei mir! Ich lasse nicht zu, dass ihr sie zu diesem Oberhalunken Domingo schleppt!“

„Wie willst du es verhindern, du Narr?“ Der bullige ledergekleidete Bandit lachte verächtlich. „Kennst du uns immer noch nicht gut genug? Meinst du etwa, Joe blufft nur? Du liebe Zeit! Wenn Joe mal seine Kugelspritze auf einen Burschen richtet, dann ist der schon so gut wie tot.“

„Einen von euch nehm ich auf alle Fälle noch mit, und das wirst du sein, Bucko! Janet, geh zu deinem Pferd. Steig auf und reite, was immer hier auch geschieht.“ Rymans Muskeln' vibrierten. Er ließ seine ehemaligen Partner keinen Moment aus den Augen. Zögernd, mit schreckdunklen Augen, trat Bliss’ Tochter einen Schritt zurück.

Da zog Bucko seinen Colt. Der schwergewichtige Desperado war unheimlich schnell. Fast sah es so aus, als würde ihm der klobige Whitneyville Walker Colt von selbst in die zupackende Faust springen. Bucko grinste hämisch.

„Glaubst du noch immer, du kannst mich mitnehmen, Freundchen?“

Clint Rymans Wangen wurden fleckig. Dennoch brach das Feuer wilder Verwegenheit wieder in seinen Augen durch. „Ja, zum Teufel, ich tu es!“, fauchte er.

„Nein, Clint!“ Janet hielt seinen Arm fest. „Sie werden dich töten! Lieber reite ich freiwillig mit ihnen!“ Sie lief auf die geduckt lauernden Banditen zu.

Bucko lachte glucksend. „Das ist ein Wort, Ma’am! Das nenn ich Vernunft!“ Und dann scharf und ungeduldig: „Los, Johnny, schnapp dir die Puppe! Glotz nicht wie ein abgestochenes Kalb! Fessle sie, und dann nichts wie weg von hier!“

Janet stieß einen spitzen Schrei aus, als der junge, hagere Bandit auf sie zusprang und sie keuchend an sich riss. In diesem Augenblick sah Ryman rot.

Sixgun-Joe war ein Mann, der selten ein Ziel verfehlte. Er feuerte sofort, und die Detonation hallte in dem Felsgewölbe wie ein Kanonenschuss. Doch Ryman war schneller. Wie ein Panther sauste er durch die Luft. Seine Faust knallte wie ein Schmiedehammer gegen Johnny Dukes Kinn. Der junge Bandit wurde mehrere Schritte gegen die Felswand geschleudert.

Doch Ryman hätte besser versuchen sollen, seinen Sixshooter zu ziehen. Jetzt kam er nicht mehr dazu. Bucko entschied den Kampf auf seine Weise. Wieder war er verblüffend schnell. Bevor Ryman begriff, was geschah, stand er schon hinter ihm und schlug mit dem Coltlauf zu. Ryman brach auf die Knie und kippte bewusstlos zur Seite.

Shannon wartete indessen gerade so lange, bis der Mexikaner neben ihm gebannt auf das wilde Durcheinander starrte; Sein Revolver drückte zwar noch immer gegen Shannons Seite, aber der dunkelhaarige Satteltramp wusste genau, was er sich zutrauen durfte und vor allem, wenn der richtige Augenblick dafür da war. Seine herabsausende linke Handkante fegte Felipes Waffe zur Seite. Eine blitzschnelle halbe Drehung, und der Bandit bekam Shannons geballte Rechte wie einen Pferdehuf in den Bauch. Das war entschieden mehr, als er vertragen konnte. Wie ein Gummiball sauste er quer durch die Höhle und riss Sixgun-Joe um.

Nichts und niemand hätte Jim Shannon jetzt daran hindern können, das Blatt doch noch zu seinen und Rymans Gunsten zu wenden, wenn ... ja, wenn seine schlangenhaft zustoßende Faust nicht bloß die leere Halfter am Gurt gefunden hätte. Dieser Hundesohn Felipe hatte ihm doch tatsächlich unbemerkt den 44er Colt aus dem Leder gezogen. Damit war alles entschieden gegen ihn. Denn Bucko hatte nun genug Zeit, sich umzudrehen und seelenruhig den Whitneyville Walker auf ihn zu richten.

Der Bandit grinste halb wütend, halb respektvoll. „Nicht schlecht, Hombre. Domingo hätte seine Freunde an dir. Nur schade, dass du die falsche Seite gewählt hast. Das reicht gerade zu einem Freibillett für ’ne Höllenfahrt.“

„Leg ihn um, Bucko!“, keuchte Duke, der alle Hände voll zu tun hatte, die sich verzweifelt wehrende junge Frau festzuhalten.

Bucko schüttelte bedächtig den Kopf. „Nicht doch!“, dehnte er grausam. „Warum Bliss und seinen Menschenjägern die Arbeit abnehmen? Das würde uns nur um den Vorsprung bringen, auf den es vielleicht ankommt. Fesselt ihn, aber schnell! Bliss und seine Revolverschwinger können jeden Augenblick hier sein.“

 

*

 

Shannon zerrte an den Fesseln, ohne dass es etwas nützte. Eine wilde Wut auf Bucko und seine Kumpane erfüllte ihn. Aber er verschwendete keinen Gedanken an eine Verwünschung, die ihm ja doch nicht weiterhelfen würde. Endlich — nach einer halben Ewigkeit, wie es Shannon schien — hob Ryman benommen den Kopf. Buckos Hieb mit dem Coltlauf hatte ihn also doch nicht so hart erwischt, wie die Banditen gedacht hatten. Shannon grinste sauer.

„Na, ausgeschlafen? Wird auch Zeit, Amigo. Wir werden nämlich gleich Besuch bekommen.“

Ryman starrte ihn aus glasigen Augen an. Dann hörte auch er die Geräusche, die der Wind herantrieb: undeutliche raue Stimmen, Hufgetrappel, das Klirren von Steinen. Shannons Grinsen war nur mehr eine Grimasse. „Sie suchen schon eine Weile nach uns. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie die Höhle finden.“

„Verdammt!“ Keuchend fuhr der Blonde hoch und zog den Revolver.

Shannon schüttelte den Kopf. „Ich glaube nicht, dass du damit meine verflixten Armbänder durchschneiden kannst. Nimm lieber das Messer in meinem rechten Stiefel.“

Gleich darauf war er frei, packte seinen am Boden liegenden Colt und sprang auf.

Gehetzt blickte sich Ryman um. „Diese verdammten Verräter haben alle Pferde mitgenommen. Wenn diese Schufte Janet auch nur ein Haar krümmen ..

„Spar dir deinen Atem für Bliss und seine Kopfgeldjäger!“, knurrte Shannon. „Los, verschwinden wir! Ich bekomme so ein komisches Jucken am Hals, wenn ich an den Galgen in Willcox City denke.“

Außer dem trockenen Rascheln der Sträucher zwischen den steilen, sonnenbeschienenen Felswänden war nichts mehr zu hören. Doch kaum hatten die beiden Männer vorsichtig einen Fuß aus der Dämmerung des Felsgewölbes gesetzt, da peitschte von der anderen Schluchtseite ein Schuss. Klatschend hieb die Kugel über ihnen gegen das rissige Gestein. Wie auf Kommando ließen sich Shannon und Ryman fallen. Der zweite Schuss warf eine Sandfontäne vor ihnen auf. Hastig krochen sie hinter einen Felsblock beim Höhleneingang. Das Wiehern eines erschreckten Pferdes vermischte sich mit dem ausrollenden Echo, dann herschte Stille.

Ryman knirschte mit den Zähnen. „Das sieht ganz nach Jeff Colder aus. Wir sind geliefert, Shannon! Zu Fuß haben wir keine Chance, lebend von hier wegzukommen. Wenn ich nur Janet in Sicherheit wüsste ...“ Verzweifelt biss er sich auf die Unterlippe.

„Wirfst du immer so früh die Flinte ins Korn?“ Shannon grinste, berührte Ryman an der Schulter und deutete auf das braune Pferd, das sich ein Dutzend Schritte entfernt mit den Zügeln im Gebüsch verheddert hatte. „Deine Ex-Freunde hatten es verdammt eilig, von hier zu verschwinden. Sie haben Janets Pferd vergessen. Lauf! Ich geb dir Feuerschutz.“

Aus brennenden Augen starrte Ryman auf das an der Leine zerrende Tier. In seinem Gesicht arbeitete es heftig. Mit einer zähflüssigen Bewegung drehte er den Kopf. „Warum gerade ich?“

Wieder peitschte es an der gegenüberliegenden Schluchtseite auf. Die Kugel prallte von dem Felsklotz ab und jaulte als Querschläger davon. Shannon sah ein Pulverwölkchen hinter einem Felsvorsprung hervortreiben, aber die Entfernung war für seinen 44er zu groß. Zu seinem Pech hatten die Banditen die Winchester mitgenommen. Ein weiterer Grund, ihnen die Pest an den Hals zu wünschen. Aber nach außen hin blieb Shannon gelassen. Das hatte er in den langen gefahrvollen Jahren eines unsteten Lebens als wurzelloser Satteltramp und gewiefter Pokerspieler gelernt: seine Gefühle hinter einer Maske kühler Ausdruckslos!gkeit zu verbergen.

Er zuckte die Achseln. „Es hätte wenig Sinn, wenn wir es beide versuchten. Einer muss Colder und seine Schießer beschäftigten. Das werde ich sein. Ich begleiche nur eine Schuld. Also, worauf wartest du noch?“

„So ein Unsinn! Du bist mir zu nichts verpflichtet. Ich will keinen Vorteil, verdammt noch mal! Losen wir aus, wer den Gaul bekommt.“

Shannon erkannte, dass er eher eine im Sand festgefahrene Lok von der Stelle bewegen konnte, als den Mann an seiner Seite, dessen graugrüne Augen wie Raubtierlichter funkelten. Gelassen zog Shannon ein Päckchen abgegriffener Spielkarten aus der Jacken tasche. „Wie du willst, Amigo ..."

Die nächste Kugel schrammte über ihre Deckung. Steinsplitter regneten auf sie herab. Dann wehte Bliss’’ Stimme über das Gewoge der graugrünen Büsche, die wie ein Teppich die breite Schluchtsohle bedeckten.

„Ryman, Shannon, ihr Hundesöhne, ergebt euch! Ihr habt ja doch keine Chance mehr!“

Shannon opferte als Antwort eine Kugel aus seinem 44er Colt. Dann legte er die Waffe neben sich. Mit flinken Fingern mischte er die Karten, so schnell, dass kein Auge folgen konnte. Stirnrunzelnd schaute ihm Ryman auf die Hände. „Sieh an, du bist ja ein richtiger Kartenhai! Versuch ja nicht, mich reinzulegen.“

Shannon grinste. Es war schon irgendwie verrückt, dass sie beide zu stolz waren, die eigene Sicherheit mit dem Leben des anderen zu erkaufen. Ryman gefiel ihm. Verdammt wollte er sein, wenn er schuld daran sein würde, dass dieser Hombre seine hübsche Freundin nie wiedersah! Die Karten wirbelten zwischen Shannons Fingern. Dann schob er sie zusammen.

„Wer das erste Ass erwischt, dem gehört das Pferd. Einverstanden?“

„Klar! Mach schnell! Colders Killer werden nicht mehr lange warten.“

Damit hatte er recht. Die Mesquites schwankten an einigen Stellen heftiger, obwohl der Wind gleichbleibend sanft durch die einsame Schlucht strich. Shannon teilte mit unbewegter Miene die Karten aus: eine für Ryman, eine für sich und so fort. Plötzlich hielt er inne, ergriff blitzschnell den Colt und jagte einen Schuss in die Sträucher. Ein halb wütender, halb schmerzvoller Aufschrei erklang. Im nächsten Moment raste ein wahrer Feuerhagel aus den Sträuchern.

Shannon zog den Kopf ein und schob seinem Partner seelenruhig die nächste Karte zu: Karo-Ass. Ryman starrte die Karte an, schluckte und hob den Blick langsam in Shannons kühl lächelndes Gesicht. „Keine Sorge. Wenn ich bleibe, heißt das noch lange nicht, dass Bliss und Colder mich schnappen“, meinte der Satteltramp.

„Verdammt, und du hast mich doch reingelegt!“, knirschte Ryman und starrte wieder auf die Karten.

Shannon ersetzte die abgeschossene Patrone. Die Gewehre und Revolver der Gegner schwiegen. Es war die Stille vor dem Sturm. Noch hatten die Banditenjäger das Pferd nicht entdeckt. „Hau ab, Mann, ehe du anfängst, mir auf die Nerven zu fallen!“, brummte Shannon. „Los jetzt!“

Er schob den Coltlauf über die Deckung. Als Ryman hochfederte und zu rennen begann, jagte Shannon Schuss auf Schuss hinaus. Blätter und Zweigstücke wirbelten durch die Luft. Hinter der graugrünen Buschmauer entstand heftige Bewegung. Flüche schallten. Mehrere Sekunden vergingen, bis die Kopfgeldjäger zum wütenden Gegenschlag ausholten und die Höhlenöffnung mit einem Bleihagel überschütteten. Da aber saß Ryman bereits geduckt auf dem erschreckt schnaubenden Braunen, löste die Zügel und preschte los.

Shannons Colt war leergeschossen. Eine Weile blieb ihm nichts anderes übrig, als sich hinter dem Felsblock flach auf den Boden zu pressen. Die Luft um ihn war von einem nervenzerrenden Fauchen und Pfeifen erfüllt. Im ohrenbetäubenden Dröhnen der Waffen versank das Hufgetrommel des davonstiebenden Pferdes.

Shannon hatte gerade noch Zeit, seine Waffe nachzuladen. Dann sah er sie wie Schatten zwischen den Büschen heranhuschen. Sie tauchten immer gerade für Sekundenbruchteile auf. Ein Zielen war unmöglich. Überall raschelte, knackte und schwankte es, als würden die Sträucher wie von Geisterhand bewegt. Dazu blitzten die Mündungsfeuer einmal da und einmal dort, nie jedoch an derselben Stelle.

Shannon war nicht so vermessen, dass er sich einbildete, sie aufhalten zu können. Bucko hatte nicht übertrieben. Die Burschen da draußen, das waren richtige Profis, die einem in die Enge getriebenen Wild keine Chance mehr ließen. Shannon kroch tiefer in die Höhle. Dämmerung umfing ihn. Suchend glitt sein Blick über die Nischen und Ausbuchtungen. Von irgendwoher kam ein leichter kühler Luftzug. Ein schwacher Hoffnungsfunken glomm in dem einsamen Mann. Es war sein Prinzip, niemals aufzugeben, solange er noch imstande war, eine Waffe in der Faust zu halten.

Dann entdeckte er den schmalen, senkrecht nach oben führenden Felskamin. Der blaue Himmel darüber war ein geradezu erbärmlich winziger Fleck. Shannon kratzte sich unbehaglich am Kinn. Aber er hatte nichts zu verlieren. Die Hombres, die Bliss da auf ihn und Ryman angesetzt hatte, pumpten mit unverschämter Freigebigkeit ihr heißes Blei zu ihm in die Höhle.

Shannon stieß den Colt ins Leder, zwängte sich in die Felsspalte und begann sich nach oben zu winden. Dazu stemmte er sich mit Rücken und Armen fest ein, schob mit den Füßen nach und bewegte sich wie eine überdimensionale Raupe empor. Poröses Gestein bröckelte unter ihm ab. Der Aufschlag musste ihn sofort verraten, wenn Bliss Schießer hereinkamen. Dann brauchte nur einer sein Gewehr in den steinernen Kamin zu halten und aufs Geratewohl abzudrücken. Diese Vorstellung spornte Shannon zu einer verzweifelten Kraftanstrengung. Er schwitzte und keuchte. Das Fleckchen verheißungsvolle Helligkeit über ihm wollte einfach nicht größer sein. Sollte sich der Schacht etwa nach oben hin verengen? Dann würde er wie ein vollgefressener Fuchs in der Röhre feststecken.

Sein Körper schmerzte. Überall drückte ihn das scharfkantige, rissige Gestein. Faustgroße Brocken sausten in die Tiefe. Shannon hörte keine Schüsse mehr, nur seinen eigenen stoßweisen Atem und das Rauschen des Blutes in seinen Ohren. Allmählich wurden seine Bewegungen mühsamer. Aber er gönnte sich keine Verschnaufpause. Jede Sekunde zählte.

Er klebte schon weit über der Höhle zwischen den engen Felswänden, als er unter sich ein Gewirr wütender heiserer Stimmen hörte. Einen Augenblick lang wagte er keine Bewegung. Der blaue Himmel über ihm kam näher. Shannon spürte den Luftzug deutlicher auf seinem glühenden, schweißbedeckten Gesicht. Hölle, wollten diese letzten Yards zur Felskante denn nie mehr enden?

„Da!“, schrie ein Mann unter ihm. Shannon wartete auf das Donnern des entscheidenden Schusses, das Letzte das er in seinem Leben hören würde. Ein Schwall Felsbrocken brach unter seinen Stiefeln und zwang die Männer in der Höhle zum Zurückspringen.

Shannon drohte abzurutschen. Seine Hände zuckten verzweifelt hoch.

Und da war die Felskante!

Er krallte sich fest. Mit letzter Anstrengung zog er sich hoch, schob sich über den Rand des Felskamins und wälzte sich zur Seite.

Ein paar Minuten lang lag er ausgepumpt da, unfähig, auch nur eine Hand zu rühren. Die Arizona-Sonne glühte erbarmungslos auf ihn herab. Er fühlte sich wie gerädert. Aber das spielte jetzt keine Rolle, genauso wenig wie die Tatsache, dass er ohne Pferd mitten in der zerklüfteten Wildnis der Galiuro-Ausläufer steckte. Hauptsache, er lebte! Shannon rollte sich auf den Rücken, breitete entspannt die Arme aus und grinste.

So lag er auch noch da, als sich plötzlich eine hagere Gestalt vor die weiß lodernde Sonnenscheibe schob und ein silbrig glänzender Gewehrlauf über seinem Gesicht auftauchte. Das Schnappen des Repetierbügels war ein altvertrautes Geräusch, das Shannon dennoch bis ins Mark traf.

„Ich bin Jeff Colder“. sagte eine Stimme, die wie brechendes Eis klang. Und damit war tatsächlich alles gesagt. Shannon wusste, dass jetzt die geringste falsche Bewegung genügt, ihn in die Hölle zu befördern.

Das hagere Gesicht über dem Gewehrlauf wirkte wie aus Stein gehauen, ein Gesicht, in dem sich mitleidlose Härte spiegelte: Schmale Lippen unter einem buschigen eisgrauen Schnurrbart, messerscharfe Falten zu beiden Seiten des Mundes, eine geradlinige Nase und Augen kalt und hell wie Kristallsplitter.

Colder saß auf einem pechschwarzen rassigen Pferd. Ein gelber langer Staubmantel verdeckte seine Kleidung bis auf die Stiefel mit den großen Radsporen. Unter dem fleckigen Stetson lugten graue Strähnen hervor. Die Spur des Rappen führte zum Rand eines kahlen, sandigen Plateaus, das der Wind dünne Staubschleier trieb. Entweder besaß der berühmt-berüchtigte Kopfgeldjägerboss einen sechsten Sinn, der ihn hier heraufgeführt hatte, oder er kannte die Gegend von einer seiner früheren Banditenjagden.

Shannon zerbrach sich darüber nicht den Kopf. Für ihn war nur wichtig, dass der hagere, schnurrbärtige Reiter allein war. In Colders eisigen Augen glitzerte der Tod.

Shannons Gedanken jagten sich. Er musste Zeit gewinnen. Vorsichtig richtete er sich auf. Colders Winchester folgte jeder Bewegung. Ein mühsames Lächeln zuckte um Shannons Mund. „Scheint so, dass ich wieder mal ne richtige Pechsträhne erwischt habe ...“

Unaufgefordert schnallte er den Coltgurt ab und hielt ihn dem reglosen Reiter hin. Aber Jeff Colder war kein Mann, bei dem ein so simpler Trick verfing. Shannon wartete umsonst darauf, dass der Kopfgeldjäger zugreifen und vielleicht dabei sein Gewehr aus der Richtung bringen würde. Kein Wimpernzucken, kein Aufblitzen in den erbarmungslos kalten Augen verriet Colders Reaktion.

Sein blitzschneller Hieb mit der Winchester traf den Satteltramp so jäh und wuchtig, dass er wie von einer Kugel gefällt niederstürzte.

 

*

 

Ein brutaler Fußtritt schleuderte ihn herum. Shannon öffnete die Augen. Das erste, was er sah, war die im Wind schaukelnde Henkerschlinge, die aus dem kahlen, sonnengebleichten Geäst einer abgestorbenen Pinie baumelte. Der Anblick schnürte Shannons Kehle zusammen und ließ ihn die heftigen Kopfschmerzen vergessen. Ein schaler Geschmack füllte plötzlich seine ausgetrocknete Mundhöhle. Dann neigte sich Howard Bliss derbes, breitflächiges Gesicht über ihn. Abermals traf ihn ein Tritt, ohne dass er sich wehren konnte. Seine Hände und Füße waren mit Stricken zusammengebunden. Als hilfloses Bündel lag Shannon im Sand. Ringsum türmten sich rotschimmernde Felsmauern. Da und dort ein paar Büschel verdorrtes Gras, einige Kakteen und Dornbüsche, das war die ganze Vegetation.

In den Augen des gedrungenen Ranchers flackerte Hass. „Wo sind die anderen?“

„Unterwegs zu Domingo.“ Shannons Stimme klang wie eingerostet. Aber er starrte Bliss furchtlos an. „Statt deine Zeit damit zu vertun, mich als Fußabstreifer zu benutzen, solltest du alles daransetzen, diesen Burschen deine Tochter abzujagen.“

Bliss ballte die Fäuste. „Wenn deine Partner ihr nur ein Haar krümmen, lass ich sie nicht hängen, sondern zu Tode peitschen. Ich habe die Macht dazu! Hier ist mein Grund und Boden, den ich der Wildnis und den Apachen abgerungen habe. Mein Wort gilt hier als Gesetz. Nach solchen Burschen wie du einer bist kräht hier kein Hahn. Wenn du nicht hängen willst, dann beschreib uns den Weg zu Domingos Schlupfwinkel, und zwar sofort!“

Kein Muskel zuckte in Shannons Gesicht. „Erstens siind die Entführer deiner Tochter nicht meine Partner. Zweitens hab ich keine blasse Ahnung, wo Domingo steckt. Bliss, zum Teufel, wann will es endlich in deinen Schädel, dass ich nicht der Mann bin, für den du mich hältst!“

Das war genau der Ton, den Bliss auf den Tod nicht ausstehen konnte. Sein rohes Gesicht lief dunkel an. Er sah aus, als wollte er sich auf den Gefangenen stürzen. Ein leises spöttisches Auflachen hielt ihn zurück. Ein großer, drahtiger Mann mit einem unangenehmen, tückischen Raubvogelgesicht trat lässig neben den Rancher. Seine abgetragene Reitertracht war staubbedeckt und verschlissen. Das einzige Gepflegte an ihm waren die beiden schwerkalib rigen tiefhängenden Colts. Höhnisch blickte er auf den Gefesselten.

„Jedes Wort ist bei dem Zeitverschwendung. Ich kenne mich aus mit solchen Typen. Shannon, oder wie er heißt, ist nur mit ’nem Strick um den Hals und ein paar Fuß hoch über dem Erdboden am richtigen Platz. Überlassen Sie ihn mir, Bliss. Ich werde ihn schön langsam am Ast hochziehen. Vielleicht fällt ihm dann doch noch ein, wie der Weg zu Juan Domingo aussieht. He, Jack, Ben, kommt her und stellt ihn mal auf die Füße!“

Etwas war in seinen Raubvogelaugen, das sogar Shannon frösteln ließ, obwohl er schon vielen solchen abgebrühten Schurken begegnet war. Das war einer, dem es auch noch Spass machte, ein Opfer zu quälen und zu verhöhnen.

Kräftige Fäuste zerrten Shannon hoch. Ringsum waren verkniffene, mitleidlose Gesichter. Ein rohes, von gnadenloser Menschenjagd erfülltes Leben hatte sie gezeichnet. Die Männer waren ausgerüstet, als wollten sie gegen sämtliche Apachenstämme von Arizona und New Mexiko zugleich antreten. Sie schleppten ein ganzes Arsenal von Revolvern, Gewehren, Messern und patronenschweren Gurten mit sich herum.

Der mit den beiden Colts verschränkte herausfordernd die Arme vor der Brust. „Weißt du, wer ich bin, Shannon? Man kennt meinen Namen überall da, wo man auch von Jeff Colder spricht. Nach ihm bin ich der erste Mann in seiner Crew. Slim Everett. Man nennt mich auch Colders Henker! Der Boss hält nämlich nichts davon, solche Bastarde wie dich als Gefangene rumzuschleppen. Kopfgeld oder nicht, wir liefern nur Tote ab. Wie gefällt dir das, eh?“

„Bind mich los und gib mir ein Messer oder einen Revolver, dann werd ich dir antworten.“

„Na großartig, der Hundesohn hat wenigstens Humor!“ Colders Henker lachte schallend. Im nächsten Moment klatschte seine Faust in Shannons Gesicht. Der Gefesselte wäre gestürzt, hätten ihn die Kopfgeldjäger nicht festgehalten. Ein paar von den verrohten Burschen lachten. Sie waren allesamt keinen Deut besser als Kerle von Buckos oder Sixgun-Joes Schlag.

Wieder mal war Shannon vom Regen in die Traufe geraten. Er hatte ein bemerkenswertes Talent dazu, sich immer genau zwischen die Stühle zu setzen. Lachend und grölend zerrten ihn die Banditenjäger unter das Galgenseil. Plötzlich verstummte jeder Laut. Die sonst so rauen, hartgesottenen Schießer starrten unsicher auf Jeff Colder, der reglos am Stamm der kahlen Pinie lehnte.

Colders Miene glich einer Steinmaske. Sein eisiger Blick genügte, um jede Bewegung zu bannen. Ein kalter, unnahbarer Hauch ging von ihm aus. Es war seltsam, fast so, als würde die Sonne in seiner Nähe weniger grell und heiß scheinen. Colders Stimme klang hart und spröde.

„Nächstes mal wartest du auf meinen Befehl, Slim! Hier wird kein Mann gehängt, bevor ich nicht das Urteil gefällt habe.“

Everett duckte sich wie ein an der Kette gehaltener Wolf. Ein unstetes Flimmern lebte in seinen bernsteinfarbenen Augen auf. „Bliss hat bereits vergeblich versucht, ihn zum Reden zu bringen. Er wollte ...“

„Bliss hat uns hergeholt. Er bezahlt uns. Aber er ist nicht dein Boss, Slim. Die Befehle geb hier immer noch ich. Besonders, wenn es darum geht, Ben Williams Mörder zur Strecke zu bringen.“

Colder stieß sich vom Baum ab und kam sporenklirrend nahe an Shannon heran. Sein Blick bohrte sich in Shannons dunkle Augen. „Ich will Ryman, tot oder lebendig! Du hast nur noch eine Chance, wenn du mir sagst, wo ich ihn finde.“

„Auch wenn ich es wüsste, ich würde es für mich behalten! Ryman ist unschuldig!“

„Er lügt!“ Wütend bahnte sich Bliss einen Weg durch die dichtgedrängte Schar. Er fuchtelte mit einer Reitgerte vor Shannons Gesicht herum. „Der Schuft steckt mit Ryman unter einer Decke. Er hat bei Janets Entführung mitgeholfen. Verdammt, Everett hat recht: Er soll hängen!“

Colders knappe Handbewegung erstickte das aufbrandende heisere Gemurmel. Er blickte den Rancher durchdringend an. „Ich bin nicht nur hier, weil Sie zehntausend Bucks für Rymans Skalp ausgeschrieben haben. Der Mann, den Ryman auf dem Gewissen hat, war mein Freund. Ich würde Ryman auch ohne einen Dollar Belohnung jagen und zur Strecke bringen. Aber das ,Wie‘ bestimme ich.“

Bliss, der sonst keinen Widerspruch ertrug, beherrschte sich und schwieg.

Entschlossen wandte sich Colder wieder an Shannon. „Alles, was ich will, ist Gerechtigkeit. Wenn du einen Mörder schützt, stirbst du.“

Shannon lachte bitter. „Großartige Gerechtigkeit, wenn ein Mann ohne Gerichtsurteil gehängt werden soll!“

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738920741
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Juni)
Schlagworte
shannon kopfgeldjäger
Zurück

Titel: Jim Shannon #11: Shannon und die Kopfgeldjäger