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Liebesgeflüster im Lampionschirm

Schicksals-Roman

©2018 120 Seiten

Zusammenfassung

Liebesgeflüster im Lampionschein
Liebesroman von G. S. Friebel

Der Umfang dieses Buchs entspricht 114 Taschenbuchseiten.

Ellen ist ein wirklich sehr schönes Mädchen. Viele Männer werfen ihr verlangende Blicke nach, und sie könnte sich ihre Verehrer aussuchen, aber sie hat überhaupt kein Interesse daran. Die Männer sind ihr zuwider und, obwohl sie schon den Wunsch nach Liebe verspürt, gelingt es ihr nicht, für irgendeinen Mann Gefühle zu entwickeln. Im Beruf dagegen ist sie sehr erfolgreich und sie freut sich sehr, als ihr Vorgesetzter sie nach Japan schickt, um dort wichtige Unterlagen abzugeben und gleichzeitig abzuholen. Wird sie dort den Mann ihrer Träume treffen?

Leseprobe

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Liebesgeflüster im Lampionschein

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Liebesroman von G. S. Friebel

Der Umfang dieses Buchs entspricht 114 Taschenbuchseiten.

Ellen ist ein wirklich sehr schönes Mädchen. Viele Männer werfen ihr verlangende Blicke nach, und sie könnte sich ihre Verehrer aussuchen, aber sie hat überhaupt kein Interesse daran. Die Männer sind ihr zuwider und, obwohl sie schon den Wunsch nach Liebe verspürt, gelingt es ihr nicht, für irgendeinen Mann Gefühle zu entwickeln. Im Beruf dagegen ist sie sehr erfolgreich und sie freut sich sehr, als ihr Vorgesetzter sie nach Japan schickt, um dort wichtige Unterlagen abzugeben und gleichzeitig abzuholen. Wird sie dort den Mann ihrer Träume treffen?

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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1

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»Bitte, ich möchte es nicht. Lass mich in Ruhe!«, sagte Ellen mit ihrer weichen Stimme.

Der Mann atmete schwer. Er hörte gar nicht auf die Worte des Mädchens. Da standen sie nun in dieser engen Nische. Niemand konnte sie sehen. Es war einfach über ihn gekommen. Sie machte ihn wild. Er wusste auch nicht warum. Beim Tanzen hatte er diese Nische entdeckt, war darauf zugesteuert, und nun stand er vor ihr. Hatte ihr mit einem Ruck das Kleid heruntergezogen von den Schultern, fast bis zur Taille Ein Wirbel war in seinem Kopf. Diese samtige, kühle Haut machte ihn einfach rasend. Er umfasste ihre Brüste, beugte sich nieder, küsste sie, war wie in einem Rausch. Er bemerkte nicht mal, dass sie stocksteif dastand. Als er unter ihren Rock griff, verstärkte sich ihre Abwehr noch. Die Augen weit aufgerissen, stand sie einfach da, den nackten Rücken gegen die raue Wand gepresst. Seine Hand hatte schon den Weg gefunden. Der kleine Schlüpfer war für ihn kein Hindernis. Jetzt fühlte er Wonne in sich hochsteigen. Sie war einfach toll, er musste sie besitzen. Bestimmt war sie ebenfalls verrückt nach ihm. Er musste sie haben, wie er sich das seit langem erträumt hatte. Mit ihr würde er die Liebe voll auskosten.

Das ferne Licht schimmerte auf den Brüsten. Er war so in Liebe entbrannt, dass er alles um sich herum vergaß. Ja, er dachte schon daran, sie jetzt hier auf der Stelle zu nehmen! Es würde ungewöhnlich sein, aber er begehrte sie mit einer wilden Leidenschaft. Wenn sie doch jetzt ihre samtigen Arme um seinen Hals legen oder mit ihren Händen zärtlich sein würde.

»Lass das!«

Sie hatte die Sprache wiedergefunden.

Mit einem Ruck hatte sie den verblüfften Mann von sich gestoßen, blitzschnell das Kleid hochgezogen.

Verwundert starrte er sie an.

»Sag mal, verstehst du das nicht? Ich bin wild nach dir, Ellen, und das weißt du. Ich halt es einfach nicht mehr aus. Komm doch mal, gib mir mal deine Hand, dann werde ich es dir beweisen. Los, komm zier dich nicht so! Ich weiß doch, ihr seid alle wild darauf. Mir kannst du nichts vormachen, mir doch nicht. Ihr wartet ja nur darauf, von uns genommen zu werden.« Er lachte leise auf, streckte wieder die Hände nach ihr aus. Wollte sie abermals in die Nische ziehen. Eigentlich war er ein wenig ärgerlich, dass sie ihn unterbrochen hatte. So etwas hat kein Mann gern. Was bildete sie sich nur ein! Er hatte geglaubt, es schmeichelte ihr, begehrt zu werden, und jetzt zierte sie sich.

»Nein«, sagte sie kalt und ging in den Garten. Ihre Schläfen pochten. Warum ließ man sie nicht in Ruhe? Warum begriffen die Männer das einfach nicht?

Sie befand sich auf einer Party bei ihrer Freundin Dagmar Müller. Dagmar war reich und verwöhnt. Es gehörte hier wohl auch dazu, sich vollkommen hemmungslos zu geben. Anders konnte sie sich das einfach nicht vorstellen.

In ihr verkrampfte sich alles. Sie sah den Mann. Er kam ihr nach. Am liebsten hätte sie sich verkrochen.

»Du bist ein komisches Mädchen.«

Er zog sie an sich. Sie spürte seine Männlichkeit und ekelte sich davor.

»Ich bin frigide.« Fast schrie sie es ihm ins Gesicht. So, jetzt wusste er es, jetzt sollte er sie endlich in Frieden lassen.

»Wie bitte?«

»Du hast richtig gehört.«

Er war gekränkt. Er fühlte sich in seinem Stolz verletzt. Wie schwierig Männer doch manchmal sein können, dachte sie. Warum mussten sie immer über eine Frau herfallen, wenn sie allein mit ihr waren?

»Du bist verrückt«, sagte er. »Das stimmt doch nicht, wie kannst du nur so etwas behaupten?«

»Ich behaupte es nicht, sondern gebe nur etwas weiter, was man mir ständig vorwirft. Nun glaube ich es auch. So ist es und nicht anders.«

»Du bist komisch. Machst du dir wirklich aus allem nichts? « Er war noch immer gekränkt.

»Nein!«

»Ellen, du bist schön und begehrenswert. Jeder, der dich sieht, muss sich in dich verlieben. Eben, weil du die Kalte, die Unnahbare spielst. Ich dachte, das wäre nur Taktik von dir. Verstehst du mich?«

Der Garten lag wie bezaubernd da. Die laue Luft, alles war wie geschaffen für Liebe und Zärtlichkeit. Er stand hier mit dem schönsten Mädchen der Stadt, und sie unterhielten sich darüber, dass sie nicht mehr lieben konnte oder wollte.

»Gehen wir zurück?«

Dagmar stand auf der Terrasse und meinte: »Ja, ja, ich sage immer, stille Wasser sind sehr tief.«

Ellen lächelte zurück. Sie kannte sich so gut aus auf diesen Festen. Nein, sie konnte sich nicht dafür hergeben. Warum eigentlich nicht?

Wieder einmal grübelte sie darüber nach.

Warum hatte sie nichts empfunden vorhin, in der Nische, als seine Hände auf ihrer nackten Haut lagen? Warum hatte sie zumindest nicht versucht, es schön zu finden? Konnte man sich nicht dazu erziehen?

Ach, sie wollte nicht mehr daran denken. Morgen war wieder ein anstrengender Tag. Sie verabschiedete sich und fuhr heim.

Die Mutter war noch auf.

»Ich habe dir etwas zu essen hingestellt.«

»Ich habe schon gegessen, Mutter.«

Für ihr Alter sah die Mutter noch sehr gut aus. Ihre Schönheit und die schlanke Figur hatte sie der Tochter vererbt. Ellen zündete sich eine Zigarette an und betrachtete die Mutter verstohlen. Es lag ihr auf der Zunge zu fragen: Hör mal, hat es dir Spaß gemacht? Oder liebst du vielleicht jetzt auch einen Mann? Seit der Vater tot war, ging die Mutter auch wieder ins Büro. Sie bewohnten gemeinsam diese Wohnung. Das war auch schon seltsam. Aber sie wollte nicht allein sein. Sie war mit ihren Gefühlen noch nicht ins reine gekommen. Sie wusste nur eins, sie wollte keinen Mann um sich haben.

Die Mutter wusste darum und fühlte manchmal Angst in sich hochsteigen. Hatte sie vielleicht etwas in ihrer Erziehung falsch gemacht? Warum sprach Ellen sich nicht aus? Von Frau zu Frau? Vielleicht konnte sie ihr helfen? Sie spürte doch ganz deutlich, dass sie unter diesem Zustand litt.

Die Mutter dachte: Irgend etwas hat sie mal getroffen, sehr tief, darum hat sie sich jetzt diesen Eisenpanzer zugelegt.

Dann fiel ihr wieder etwas ein.

»Roeder hat heute Abend angerufen. Er war enttäuscht, dich nicht erreichen zu können.«

»Mutter, warum hast du nicht gesagt, wo ich bin?«

»Weil ich möchte, dass du deine Freizeit genießt, mein Mädchen. Die Arbeit frisst dich fast auf. Dein Privatleben muss man respektieren.«

Ellen stand auf.

»Ich gehe zu Bett. Jetzt um Mitternacht will ich ihn auch nicht mehr anrufen.«

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2

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Ellen Berger stellte ihren Wagen vor dem großen Bürohaus ab. Sie stieg aus und starrte für einen Augenblick die Häuserfront hinauf. Import und Exportgeschäfte Richard Bertels. Mit aller Welt hatten sie Verbindung.

Sie zupfte das strenge Kostüm zurecht und fuhr dann mit dem Fahrstuhl hinauf, ging zu ihrem Zimmer und öffnete die Tür.

Roeder, ihr Chef, war schon da. Er war ein Frühaufsteher, in den vierziger Jahren und unglücklich verheiratet.

»Ellen, endlich sind Sie da! Ich warte schon eine Ewigkeit auf Sie!«

Sie lächelte leicht. »Es ist noch nicht acht.«

»Mein Gott, Ellen, gibt es etwas, das Sie aus der Ruhe bringen kann?«

»Möglich!«, sagte sie. »Aber ich wüsste nicht, was es sein könnte.«

»Der Chef will Sie sprechen!«

Sie runzelte die Stirn. Das war wirklich etwas Neues. Denn er war meistens auf Geschäftsreisen, gar nicht erreichbar.

»Was will er denn von mir?«

»Kommen Sie, dann werden Sie es schon erfahren.«

Richard Bertels war etwa fünfzig Jahre alt und hatte ein Glatze, außerdem war er fürchterlich dick. Bertels blickte erstaunt auf das junge Mädchen. In seinen Augen glomm ein kleines Licht, es wirkte kalt und ein wenig grausam. Aber da er im Schatten saß, konnten Ellen und ihr Chef das nicht sehen.

Er kam sofort zur Sache.

»Roeder sagt, Sie wären seine rechte Hand, sozusagen?«

Ellen errötete leicht. »Ich weiß nicht«, antwortete sie. Das Lob hatte sie überrascht.

»Na, kommen wir zur Sache. Roeder, haben Sie ihr schon etwas gesagt?«

»Nein.«

Richard Bertels musterte das Mädchen eingehend. Seine Lippen verzogen sich. »Ich habe eine Arbeit für Sie, eine schöne Arbeit.« Er lächelte hintergründig.

»Ich werde mich bemühen, Ihnen in allem gerecht zu werden«, erwiderte Ellen.

»Na, zuerst müssen Sie mal wissen, worum es geht, kleines Fräulein«, sagte der Chef, und sein Blick wanderte nun über ihre schlanken Beine.

»Roeder, geben Sie mal die Akte da rüber.«

»Bitte, Herr Bertels.«

Dieser brummte statt einer Antwort vor sich hin. Ellen war nicht sehr entzückt von ihm.

»Sie sprechen perfekt Englisch?«

»Ja!«

»Schön, also kommen wir zur Sache. Ich bin in einer Zwickmühle. Unser Exportgeschäft in Japan benötigt unbedingt sehr wichtige Unterlagen. Ich will sie aber nicht mit der Post schicken. Bisher ist immer Weber rübergeflogen, hat die Sachen hingebracht und Material herübergeschafft. Nun ist, wie Sie wissen, Weber erkrankt und kann nicht reisen. Roeder sagte mir gestern, man könne Sie mit dieser Mission betrauen. Was halten Sie davon?«

Ellen war für einen Moment sprachlos. »Ich soll nach Japan fliegen?«, stammelte sie heiser.

»Ja, und wenn ich mit Ihnen zufrieden bin, dann wollen wir doch mal sehen, was sich in Zukunft alles machen lässt. Ich muss selbst diese Woche nach Schweden. Also, Sie können alles mit Roeder genau absprechen.«

Ellen hatte sich soweit wieder gefangen, dass sie sagen konnte: »Ich bin glücklich, Herr Bertels, dass Sie gerade mich dazu ausgewählt haben. Ich werde Sie nicht enttäuschen.«

»Gut, passen Sie auf. Ihre Flugkarte besorgt Roeder. Natürlich müssen Sie zwischenlanden. Aber das erklärt Ihnen alles Roeder. Bevor Sie fliegen, bekommen Sie von mir einen kleinen Handkoffer mit den wichtigen Akten. Diesen Koffer dürfen Sie nicht aus der Hand legen. Haben Sie mich verstanden? Er ist sehr wertvoll. Wenn Sie in Tokio ankommen, denn das ist Ihr Reiseziel, werden Sie von einem Mann am Flughafen empfangen. Er ist Deutscher, wird Sie betreuen, Ihnen Ihr Hotel zeigen und auch weiterhin bei Ihnen bleiben. Dieser Mann wird Sie auch zu meinem Geschäftspartner in Tokio führen. Wenn Sie im Hotel ankommen, hinterlegen Sie den Koffer im Safe. Es kann sein, dass Sie einige Tage warten müssen, bis der Geschäftsmann für Sie zu sprechen ist. Tokio liegt nicht in Deutschland. Nur diesem Geschäftsmann, es ist ein Japaner mit Namen Hua Lao, geben Sie den Koffer. Keinem anderen, haben Sie verstanden? Hua Lao wird Ihnen einige Akten für mich mitgeben. Das ist alles, was Sie zu tun haben.

Sollten Sie warten müssen, bis Sie zu Hua Lao fahren können, vertreiben Sie sich mit Ihrem Begleiter die Zeit. Na, ich brauche Ihnen ja wohl nicht zu sagen, wie angenehm man Zeit totschlagen kann, nicht?« Er lachte. »Haben Sie noch Fragen? «

Das war so plötzlich über sie gekommen, dass sie einfach keine Worte fand. Es war einfach wundervoll. Sie sollte nach Japan, nach Japan!

Ehe sie sich versah, hatte sie Bertels Büro verlassen.

»Ach, bitte, zwicken Sie mich doch mal, ich glaube, ich träume, mein Lieber.«

Roeder tat es mit Vergnügen.

»Au, so fest brauchten Sie es nicht gerade zu machen. Wirklich, ich darf nach Tokio fliegen!«

»Sie wollen tatsächlich fliegen?«

»Na hören Sie mal, ist das eine Frage? Natürlich will ich. So etwas wird mir nie mehr geboten. Du liebe Güte, ich kann es noch immer nicht fassen.«

Roeder sah sie von der Seite an und lächelte etwas gezwungen.

»Wir haben noch eine ganze Menge zu besprechen, meine Liebe. Sollen wir gleich damit anfangen?«

»O ja, natürlich. Denn ich will doch alles wissen, ich will doch meine Sache gut machen, nicht wahr?«

»Gehen wir in mein Arbeitszimmer, dort können wir in Ruhe miteinander reden.« Als sie eintraten, erklärte er seiner Sekretärin, dass er jetzt nicht gestört werden wolle.

Da Roeder Bertels’ Stellvertreter war, war sein Büro nicht minder elegant eingerichtet. Dicke Teppiche, eine hübsche Couchgarnitur, Wandschränke, eine Bar, alles war vorhanden.

Ellen arbeitete in der Exportabteilung, und weil sie nicht nur sehr gute Englisch, sondern auch Französischkenntnisse besaß, hatte sie einen guten Posten.

Ellen setzte sich auf einen Stuhl und ließ ihre langen, schlanken Beine baumeln. Sie bemerkte gar nicht, wie der Blick des Mannes darauf ruhte und sich nicht davon losreißen konnte.

Der Rock war ziemlich hochgerutscht. Nicht mal das bemerkte sie, denn die Aussicht auf die unerwartete Geschäftsreise nahm sie völlig gefangen.

Ganz in Gedanken vertieft, zündete sie sich eine Zigarette an. Dabei dachte sie: Es ist wirklich furchtbar nett von Roeder, dass er mich dafür ausgesucht hat. Wirklich, das darf ich nicht vergessen. Da gibt es noch ein paar andere Leute im Betrieb, die es ebenso gut hätten machen können. Aber er hat mich vorgeschlagen. Meine Güte, ich kann es noch immer nicht so recht glauben. Ich soll nach Japan. Eine ganze Woche! Herrlich, herrlich, ich bin so aufgeregt wie ein kleines Mädchen vor der Weihnachtsbescherung.

Das dunkle Haar umrahmte ihr Gesicht. Ihre Wangen waren leicht gerötet. Sie lächelte weich, drehte sich um und sah den Mann an. Dann bemerkte sie seinen Blick, war verdutzt, fühlte einen seltsamen Schauer über ihren Rücken laufen.

Roeder bemerkte noch gar nicht, dass sie ihn musterte. An seinem Blick konnte sie erkennen, dass er sie liebte. Du meine Güte, das hatte sie ja schon die ganze Zeit gewusst und sich nichts daraus gemacht. Warum denn auch? Sie mochte doch die Männer nicht.

Roeder liebte sie, aber er hatte nie einen Augenblick lang versucht, sie zu erobern, oder wie die anderen jungen Männer im Haus, sie in den dunklen Fluren zu küssen und was nicht noch alles. Nein, er blieb im Hintergrund und litt.

Ellen blies den Rauch aus und dachte bestürzt: Einmal habe ich auch geliebt, einen Mann wirklich geliebt. Ich weiß, wie man leiden kann, wenn man hoffnungslos liebt. Das ist ja auch der Grund, warum ich mich abgekapselt habe. Ich will nicht mehr verletzt werden.

Damals hat man mit mir gespielt, Jürgen, hat sich einen Spaß daraus gemacht, mich zu quälen. Er hat es gewusst, die ganze Zeit hat er mich betteln lassen. Ja, da bin ich dann kalt geworden. Eiskalt. Jetzt kann ich nicht mehr lieben.

Wieder glitt ihr Blick zu dem Mann hinüber.

Roeder war nett, wirklich nett!

Er war unglücklich verheiratet. Seine Frau betrog ihn, das wussten sie alle. Ellen hatte sich oft gefragt, warum er noch bei ihr blieb, warum er sich nicht einfach scheiden ließ.

Fast so etwas wie Zärtlichkeit durchpulste ihr Herz. Es krampfte sich ein wenig zusammen. Sie fühlte ein Prickeln auf ihrer Haut.

Roeder, armer, lieber Kerl!

Roeder hatte alles für sie getan, hatte sie dem Chef empfohlen. Sie musste einfach dankbar sein.

Langsam erhob sie sich.

»Peter?«

»Ja?«

Seine Hände zitterten.

Er konnte nun nicht mehr verheimlichen, wie es um ihn stand. Sie kam um den Schreibtisch herum. Die Kostümjacke hatte sie abgelegt. Durch die zarte Bluse konnte man recht gut die Konturen der kleinen Brüste sehen. Eine Parfümwolke umgab sie, hüllte sie ein.

Peter Roeder versuchte verzweifelt, die Augen von ihr abzuwenden, aber er brachte es nicht fertig.

Sie setzte sich auf den Schreibtisch, baumelte mit den Beinen. Sie war ihm so nahe.

Ellen empfand echte Zärtlichkeit für ihn.

Sie streckte die Hand aus und liebkoste sein weiches Haar.

»Warum hast du es mir nie gesagt?«

»Was soll ich deiner Meinung nach sagen?« Er gebrauchte spontan das Du, so wie sie es getan hatte.

Seine Augen waren samtig und dunkel. Sie durchforschten ihr Gesicht.

Ellen war ihm so nahe. Er fühlte sie fast schmerzhaft. Aber er bezwang sich, denn nie und nimmer würde er es sich verzeihen, über eine Frau hergefallen zu sein. In dieser Firma konnte man so viel erleben. Nein, er war ein anständiger Mann.

Ellen war noch immer von diesem seltsamen Gefühl beherrscht. Sie konnte es auch nicht erklären. Sie wollte ihm nur einfach gut sein, mehr nicht.

»Dass du mich liebst«, sagte sie mit weicher Stimme.

Ihre Hand strich über das volle Haar.

Er zitterte.

»Oder stimmt es vielleicht nicht?«

Ihre Nähe wirkte berauschend auf ihn, er liebte sie so leidenschaftlich. Nachts träumte er oft von ihr.

Ellen beugte sich vor. Ihr Gesicht war dem seinen ganz nah.

»Warum gibst du mir darauf keine Antwort, Peter? Oder stimmt das vielleicht nicht?«

»Ellen«, stöhnte er.

Sie nahm sein Gesicht in beide Hände, lächelte zärtlich und sah ihm in die Augen.

»Warum nicht?«

»Du weißt es doch schon«, flüsterte er und saß starr auf seinem Sessel. Er begriff die Welt nicht mehr. So lange kannten sie sich nun schon, aber nie hatte sie ihm zu verstehen gegeben, dass sie ihn auch mochte.

Ihre Lippen streiften seine Stirn.

Da hielt er es einfach nicht mehr aus. Alles um ihn herum war vergessen, Büro, Sekretärin im Vorzimmer, einfach alles. Für ihn existierte jetzt nur noch dieses wundervolle Mädchen.

Sie legte ihre schlanken Arme um seinen Hals, rutschte auf seinen Schoß, und jetzt spürte sie ganz deutlich, wie heftig sie ihn erregt hatte.

Er küsste sie leidenschaftlich.

Ihre Körper waren sich so nahe. Beide fühlten die Erregung des anderen, und sie blickten sich an. Peter Roeder war wie in einem Taumel, und auch Ellen wusste einfach nicht, was mit ihr geschah.

Er hob die Hände, legte sie um ihre Brüste und drückte sie. Um ihre Haut spüren zu können, öffnete er die Blusenknöpfe, schob den Stoff zur Seite. Er liebte sie so sehr, diese Gestalt, dass ein tiefes Aufstöhnen durch ihn ging. Er beugte sich nieder und küsste sie.

Ellen blickte zur Wand und sah den Kalender.

»Hör zu«, sagte sie mit weicher Stimme. »Ich möchte es, wirklich, Peter.«

Sie war so glücklich, sie musste sich ihm einfach hingeben. Es sollte kein Danke sein, nein, das auch wieder nicht. Sie hatte einfach nur das Bedürfnis, zu erfahren: Bin ich jetzt wirklich gefühlskalt oder nicht? Vielleicht bilde ich mir das alles nur ein. Bis jetzt habe ich keinen Menschen gefunden, den ich mag. Doch bei Peter habe ich selbst den Wunsch verspürt, mit ihm möchte ich es gern versuchen.

Roeder war ein liebenswerter Mensch. Ihn mochte sie, er war so still, bescheiden, obschon er eine hohe Position innehatte. Wenn sie da an die kleinen Angestellten dachte, was die sich nicht alles herausnahmen.

»Peter, warum sagst du nichts?«

Er blickte sie an.

»Warum, Ellen?«, fragte er leise. »Ich verstehe das einfach nicht.«

Sie küsste ihn, drückte ihren Körper an ihn und sagte dann nach einer Weile: »Es ist auch für mich schwer zu verstehen, doch ich hoffe, dass du nicht schlecht von mir denkst, ich meine, weil ich es will. Du bist doch ...«

Er zog sie noch fester an sich und fragte:

»Du willst es wirklich? Du weißt, wie sehr ich dich liebe, Ellen.«

»Das ist sehr schön«, sagte sie weich.

Sie blickte zur Tür, dann lachte sie leise auf. Nein, wenn sie sich schon verschenkte, dann sollte es schön sein. Nicht hastig und voller Angst, entdeckt zu werden. Sie wollte es jetzt endlich wissen. Etwas peitschte sie einfach dazu auf, sie musste es. Sie glaubte zu ersticken, wenn sie es nicht tat.

Sie erhob sich, knöpfte die dünne Bluse zu. Sie betrachtete ihn lächelnd. Weiß schimmerten die Zähne zwischen ihren vollen Lippen. Sie stand hoch aufgerichtet vor ihm, er brauchte nur die Hände auszustrecken, und er hätte ihre Schenkel streicheln können.

»Wir müssen noch so viel bereden, das hast du doch eben gesagt, nicht wahr?«

Er nickte leicht.

»Komm, gehen wir zu mir. Mutter kommt erst gegen Abend wieder, wir können bei mir zu Hause ungestört alles durchgehen. Ich mache uns auch einen Tee.«

Seine Augen glitzerten sie an, dann stand er auf.

»Ellen, du weißt nicht, was es mir bedeutet, ich meine, du sollst wissen...«

Sie schüttelte den Kopf und unterbrach ihn rasch: »Mein Lieber, bitte keine Versprechungen, ja?«

Er nahm ihre Hände und küsste sie.

»Du bist anbetungswürdig.«

Sie lachte hell auf.

»Nein, nein, ich bin ein ganz gewöhnliches Mädchen, merk dir das. Vielleicht bist du sogar von mir enttäuscht, ich weiß es noch nicht.«

»Niemals«, sagte er leidenschaftlich. »Nie und nimmer, das sagst du doch nur, um mich zu necken.«

Ellen war versucht, ihm die Wahrheit zu sagen, aber dann ließ sie es doch. Vielleicht würde es ihn verletzten, und er würde sich nur als Versuchskaninchen sehen. Dann würde der schöne

Zauber vorbei sein.

Ich muss es wissen, dachte sie, ich muss, muss. Mutter hält mich auch schon für nicht mehr normal. Mein Gott, kann man sich denn nicht wieder ändern?

»Wir nehmen meinen Wagen, er steht vor der Tür.«

Sie verließen das Büro.

Roeder sagte zu seiner Sekretärin: »Ich bin bald wieder zurück.« Dabei blickte er Ellen an.

»Drei Stunden wird es wohl dauern, bis wir dort sind. Vergessen sie nicht die belebten Straßen«, sagte sie lächelnd.

»Gut, drei Stunden wird es also dauern. Ich habe Fräulein Berger einiges zu erklären, sie wird nach Tokio fliegen.«

»Ist gut«, sagte Frau Schön, »ich habe es mir gemerkt.«

Als sie durch die langen Flure gingen, sagte Ellen lachend: »Sie errät nie die Wahrheit.«

»Wenn sie das täte, würde sie der Schlag treffen«, meinte Roeder.

»Ach ja, sie ist ein armes Geschöpf.« Aber dann wurde sie ernst und dachte: Wenn ich nicht langsam die Liebe kennenlerne, dann werde ich auch eines Tages so seltsam sein, dann werden jüngere Mädchen an mir vorbeigehen und das Gleiche von mir denken. Lieber Gott, ich flehe dich an, lass es mich endlich überstanden haben.

Sie fuhr durch das Gewühl. Ab und zu warf sie ihrem Begleiter einen Blick zu. Er saß zurückgelehnt neben ihr und sah sie voller Zärtlichkeit an. Und sie dachte bestürzt: Jetzt wird alles so ruhig vorbereitet, gleich ist die herrliche Stimmung vorbei. Sie darf nicht verfliegen, dann ist alles aus. Ich muss sie mit beiden Händen festhalten.

Noch einmal glückte es ihr, als sie daran dachte, dass sie in wenigen Stunden ja eine Reise antreten durfte. Ganz weit weg. Nach Japan. Da spürte sie wieder das Glücksgefühl in sich.

Als sie vor dem Haus standen, blickte Roeder die Front hinauf und meinte zögernd: »Wirst du auch keine Schwierigkeiten bekommen, ich meine, wegen der Nachbarn?«

»Ach Gott«, sagte sie fast nervös. »Wir leben in einem modernen Block. Du wirst dich vielleicht wundern, wenn ich dir sage, dass ich die Leute noch nicht mal mit Namen kenne. Wie sollte ich mich da über ihre Meinungen aufregen?«

Die Wohnung war hübsch und behaglich eingerichtet. Bei diesem Anblick dachte der Mann an sein Haus. Seine Frau war davon besessen, alles besser und pompöser als die übrigen Verwandten zu haben. Das war bei ihr eine regelrechte Sucht, und sie zerstörte damit jede Gemütlichkeit. Er hatte viele Schätze daheim, aber diese hübsche Wohnung, von zwei modernen Frauen bewohnt, behagte ihm viel mehr, und er träumte davon, eines Tages gemeinsam mit Ellen in so einer Wohnung leben zu können.

Wenn sie mich doch lieben würde, dachte er ein wenig traurig, ich meine wirklich lieben, dann könnte noch alles gut werden. Dann bekäme ich auch meinen alten Schwung wieder. Denn so hat mein Leben seinen Sinn verloren.

»Ich habe schon das Teewasser aufgesetzt«, rief sie freundlich und verschwand im Bad.

Er stand im Wohnzimmer am Fenster und blickte auf die Dächer der umliegenden Häuser. Eine Tür klappte. Er drehte sich um.

Sie stand in einem entzückenden Morgenmantel vor ihm. Leise Musik ertönte plötzlich irgendwo aus dem Hintergrund. Er sah das zauberhafte Mädchen auf sich zukommen.

»Peter, jetzt sind wir allein. Worauf wartest du denn noch?« Sie hatte einen kleinen Schmollmund.

Der weiche Stoff zeichnete ihre Figur hervorragend ab. Er bekam schon keine Luft mehr. Er konnte sie nur ansehen. Sein Herz klopfte zum Zerspringen. Dass man so leidenschaftlich lieben kann!

»Ellen«, flüsterte er und streckte die Arme nach ihr aus.

Sie küssten sich, und sein Verlangen wuchs. Der Boden schien zu schwanken, so empfand es zumindest der Mann. Er hätte Stunden so stehen können, aber seine Lenden brannten heiß, er brauchte das Mädchen, er musste diese wilde Glut löschen. Um Gottes willen, ich darf nicht zu stürmisch sein, sagte er sich bestürzt, sonst erschrecke ich sie noch.

Ihre schlanken Hände zogen ihn aus. Als ihre Fingerspitzen seine nackte Brust berührten, stöhnte er auf, riss sie abermals in seine Arme.

Ellen schien sich langsam zu beleben.

Dann fiel der Morgenmantel wie zufällig von ihren Schultern. Jetzt stand sie nackt vor dem Mann.

Er hielt ihre Hände und sah sie an. Den kleinen Bauch, die Lenden, die Brüste und die schönen Beine.

Er zog Ellen ganz langsam zu sich heran. Sie umschlangen sich und sanken zu Boden.

Er musste diesen reizvollen Körper küssen, überall.

Sie balgten sich wie zwei Kinder auf dem Boden. Ellen war gelöst, fast ausgelassen. Sie lachte und drückte sich an ihn, und er zwickte sie. Sie lachten gemeinsam und fühlten das wilde Verlangen aufeinander. Ellen hatte zerzaustes Haar, gerötete Wangen und ein ganz weiches, zärtliches Gesicht.

»Peter!« Sie presste ihren heißen Körper an ihn.

»Oh, du bist herrlich.«

»Ja?«

Jetzt konnte er nicht mehr an sich halten. Die heiße Glut, die von ihr ausging, überschwemmte ihn, er brauchte jetzt die Erlösung.

Mit einem tiefen Aufstöhnen nahm er das Mädchen, versank in dieses wilde, selige Feuer. Er schloss die Augen und gab sich nur der Liebe hin. Er fühlte, wie sie ihn forttrug, wie auf einer lichten Wolke. Er schwebte viele Meilen über sich selbst, fühlte dabei jede Faser seines Herzens. Es war so köstlich, ließ ihn alles vergessen. Die Bereitschaft des Mädchens, ihr weicher Körper erregten ihn unbeschreiblich, und er spürte, hier ist alles gut, hier kann man glücklich sein. Sie ist einfach wunderbar.

Und Ellen?

Als sie fühlte, jetzt ist es soweit, jetzt wird er bald die Erfüllung finden, in diesen Sekunden davor, wusste sie, sie konnte es nicht. Sie hatte wieder die alte Angst. Sie drückte ihr die Kehle zu, und so brachte sie keinen Ton über die Lippen.

Sie sah das schweißnasse Gesicht des Mannes, seine selbstvergessenen Züge und spürte seine zärtlichen Hände. Sie hätte in Tränen ausbrechen können.

Den Kopf zurückgeworfen, lag sie auf dem Teppich, die Augen weit aufgerissen. Sie verkrallte die Hände in seinem Rücken. Er glaubte, sie befände sich in einer wilden Liebesekstase, für ihn war einfach alles schön.

Er stöhnte und drückte sie noch fester an sich. Schon lange hatte ihn kein Mädchen so erregt wie Ellen.

Ellen unterdrückte das Schluchzen in ihrer Kehle. Sie durfte jetzt nicht weinen. Sie wusste nur eins, sie musste sich fügen, sich dem Schicksal beugen, aber der Mann durfte um Gottes willen nie

erfahren, welche Qual dieser Akt für sie war. Sie dachte verzweifelt: Warum hört er noch nicht auf, ich ertrag es nicht mehr, ich kann doch nicht mehr.

Noch einmal versuchte sich das Mädchen in den alten Zauber zurückzuversetzen. Verzweifelt dachte sie an die schöne Reise, die ihr bevorstand. Aber in diesen Sekunden hätte sie alles dafür gegeben, wenn man den Mann von ihr fortgerissen hätte. Sie war nahe daran, den Verstand zu verlieren. Es war wie immer, sie ...

»Ellen, mein Kleines, ich liebe dich, ich habe noch nie ein Mädchen so zärtlich geliebt wie dich ...«

Alles war vorbei.

Er lag neben ihr, hielt sie noch immer umfangen. Sie spürte sein klopfendes Herz an ihrer rechten Brust. Seine Hände streichelten ihr Gesicht, den Nacken, den Busenansatz. Sie hatte es überstanden. Es war alles vorbei. Sie war nicht verrückt geworden.

Ellen öffnete die Augen.

Er betrachtete sie mit einem zärtlichen Blick, so stolz war er auf sie! So glücklich! Nur mühsam bewahrte sie die Fassung.

Ich darf jetzt nichts kaputtmachen, das hat er nicht verdient. Er kann ja nichts dafür. Trotz allem war er der beste Liebhaber, den ich bisher hatte. Ach, wie schön er doch ist in seiner Zärtlichkeit.

»Peter«, sagte sie ganz leise.

Er küsste ihre Nasenspitze.

»Ich danke dir, dass ich das erleben durfte, Ellen.«

Sie stützte sich auf ihre Ellenbogen. Sie konnte ihn jetzt einfach nicht ansehen. Vielleicht hätte er am Ausdruck ihrer Augen die Wahrheit erkennen können.

Graziös erhob sie sich. Sie nahm den Morgenmantel, er schleifte hinter ihr her, und sie ging ins Bad. Als sie ihr Gesicht betrachtete, war sie entsetzt. Es wirkte wie erloschen. Tot, leer!

Da hockte sie nun auf dem Badewannenrand und weinte. Sie schluchzte und hielt sich das dicke Badetuch vor die Lippen, damit er es draußen nicht hörte.

Es war schrecklich, sie würde es nie erleben, nie lernen, sich vollkommen dem Glück hinzugeben.

»O mein Gott, o du mein Gott!«

Aber sie wusste, ewig konnte sie nicht hier sitzen, das Leben ging weiter. Sie musste sich damit abfinden, es blieb ihr wohl nichts anderes übrig.

Sie öffnete die Dusche, stellte sich darunter. Wenige Augenblicke später hatte sie sich wieder angezogen. Danach rief sie Peter zu: »Das Bad ist frei, du kannst es jetzt benutzen.«

»Danke, Ellen!«

Sie ging in die Küche.

Natürlich war inzwischen das Teewasser verkocht. Sie setzte neues auf, holte die Kanne, die Tassen, machte sich im Wohnzimmer zu schaffen.

Fast wütend starrte sie den Teppich an. Dort hatte sie eben wieder eine Niederlage erlebt. Sie biss sich auf die Lippen. Du musst es vergessen, sagte sie sich. Aber zugleich dachte sie: Es war wirklich dumm von mir, es hier zu versuchen. Jetzt werde ich immer daran erinnert.

Peter Roeder kam aus dem Bad.

Sein Körper war noch immer voller Zärtlichkeit.

Von hinten umarmte er das Mädchen, drückte für einen Augenblick sein Gesicht in ihr duftendes Haar.

»Du bist schöner und attraktiver denn je!«

Was sollte sie sagen?

Weil sie schweigsam blieb, glaubte er, sie sei in der Tat schüchtern. Das hatte ihn ja so an Ellen angezogen, dass sie eben noch anders war als die anderen Frauen im Betrieb, deren Koketterie und Aufdringlichkeit ihn abstießen. Das konnte er einfach nicht ausstehen. Ellen dagegen war so zärtlich, so scheu, auch jetzt noch.

»Der Tee ist jetzt soweit, komm!«

Er reichte ihr die Tasse, blickte sie von unten herauf an.

»Ellen?«

»Bitte«, sagte sie hastig, »bitte, sprich jetzt nicht mehr darüber.«

»Warum nicht?«

»Weißt du«, sie blickte ihn flüchtig an, »ich möchte es einfach nicht.«

»Wie meinst du das?«

»Ich brauche Zeit«, sagte sie vage. »Man muss es einfach auf sich zukommen lassen, Peter, ich ...«

Er glaubte sie zu verstehen.

»Du meinst, wir sollen uns noch prüfen?«

Sie nickte hastig.

Sein Herz wurde schwer.

»Aber ich brauche mir nichts mehr zu überlegen, Ellen, ich liebe dich schon seit langem. Ja, hast du denn tatsächlich gedacht, ich sehe dies als ein kleines Abenteuer an?«

»Oh, du liebe Güte«, sagte sie hastig. »Peter, so darfst du nicht reden. Natürlich weiß ich, dass du nicht so denkst, aber bitte, lass mir noch Zeit.«

»Du liebst mich also nicht?«, fragte er ruhig.

»Peter, quäle mich doch nicht so! Später will ich dir ja gern alles erklären, wirklich.«

»Wenn du zurück bist?«

Sie nickte schnell.

Er erhob sich.

»Gut, Liebes, ich will dich nicht drängen. Aber du weißt, ich liebe dich, hörst du, ich will alles für dich tun, einfach alles. Du hast mich heute zum glücklichsten Menschen auf dieser Welt gemacht.«

»Wir müssen wieder gehen«, brachte sie mühsam über die Lippen. »Du hast es doch versprochen.«

Noch einmal nahm er ihr Gesicht in beide Hände.

»Wenn ich daran denke, dass du jetzt so weit fortfährst, dann möchte ich am liebsten alles wieder rückgängig machen. Ich möchte dich jetzt nur noch in meiner Nähe sehen, Ellen, verstehst du das?«

»Natürlich«, sagte sie schnell.

Dann saßen sie wieder im Wagen. Traurig dachte sie: Jetzt habe ich ihn in eine richtige Klemme gebracht. Mein Gott, das habe ich doch nicht gewollt. Aber ich kann doch keine Liebe für ihn empfinden. Ich habe mich so schrecklich bemüht. Er kann doch wirklich nicht von mir verlangen, dass ich bei ihm bleibe, wo jedes Beisammensein für mich eine Qual sein würde. Immer kann ich es doch nicht verbergen. Wenn er es dann erfährt, wird er mir nie verzeihen können. Einmal habe ich es doch versucht, habe mit dem Mann vorher gesprochen. Doch er war so eitel und hatte nur gelacht. War so siegessicher. Und als es dann doch nicht geklappt hat, da hat er nur noch Schimpfworte für mich übrig gehabt. Hat die Schuld von sich gewiesen. Dabei habe ich ihm doch vorher alles erklärt.

Ellen wusste eines, Männer reagieren in dieser Sache sehr, sehr eigen. Und weil sie das wusste, hatte sie jetzt auch keine Hoffnung mehr, erlöst zu werden.

Da hatte ihr mal ein kluger Mann erzählt: »Es muss nur erst einmal der Richtige kommen, dann wird alles gut, dann können Sie nur noch darüber lachen.«

Der Richtige!

Den gibt es wohl überhaupt nicht, dachte sie müde.

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3

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Der große Augenblick war gekommen, Ellen stand im Büro, und Richard Bertels überreichte ihr einen kleinen, wertvollen Handkoffer. Darin waren die wichtigen Akten verstaut. Noch einmal schärfte er ihr ein, den Koffer nicht aus den Augen zu lassen.

»Sie geben nur Hua Lao den Koffer, keinem anderen, haben Sie mich verstanden?«

»Ja, Herr Bertels. Entschuldigen Sie, wenn ich frage, aber Sie sagten, Hua Lao sei Japaner, doch das ist ein chinesischer Name!«

Für einen Moment blitzte es in Bertels’ Augen seltsam auf. Er starrte das Mädchen an. Aber schon senkten sich die schweren Lider.

»Wie kommen Sie darauf?«

»Ich lese alles, was ich über China und Japan bekommen kann. Darum weiß ich es.«

»Sie haben recht, Hua Lao ist ein chinesischer Name. Seine Vorfahren sind aus China nach Japan übergewechselt. Daher der Name, meine Verehrteste.«

»Ach, das ist ja auch nicht wichtig. Es interessierte mich bloß«, entgegnete Ellen.

»Kleine Mädchen sollen sich ruhig für alles interessieren«, sagte Bertels gönnerhaft. »Aber nun wünsche ich Ihnen eine gute Reise. Grüßen Sie Hua Lao von mir. Demnächst werde ich mal wieder rüberkommen.«

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738920727
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Juni)
Schlagworte
liebesgeflüster lampionschirm schicksals-roman
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Titel: Liebesgeflüster im Lampionschirm