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Die Raumflotte von Axarabor #20: Die Menschenjäger von Zacanda

2018 100 Seiten

Leseprobe

Die Raumflotte von Axarabor #20: Die Menschenjäger von Zacanda

Bernd Teuber

Published by Cassiopeiapress Extra Edition, 2018.

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Die Menschenjäger von Zacanda

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 20

von Bernd Teuber

Der Umfang dieses Buchs entspricht 82 Taschenbuchseiten.

Der Planet Zacanda bietet aufgrund seiner Beschaffenheit ideale Bedingungen für eine Besiedlung. Zunächst verläuft die Kolonisierung ohne Probleme, doch dann reißt plötzlich der Kontakt zu den Siedlern ab.

Die Besatzung des Raumschiffs STARFIRE erhält den Auftrag, nach Zacanda zu fliegen, und das Rätsel zu lösen. Welches Geheimnis verbirgt sich hinter dem spurlosen Verschwinden der Männer und Frauen?

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / COVER 3000AD 123rf Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Wir sind verloren.“

Lennard Carboca hatte nur halblaut gesprochen. Trotzdem waren seine Worte den anderen Siedlern nicht entgangen. Die Echsenwesen waren überall und schwangen drohend ihre Schwerter und Speere. Sie waren mindestens 2,50 Meter groß. Carboca konnte dieser Übermacht nicht mehr als vierzig Männer und Frauen gegenüberstellen. Er fragte sich, wie es überhaupt möglich war, dass auf diesem Planeten noch andere intelligente Wesen lebten, ohne von den Forscherteams entdeckt worden zu sein.

Vielleicht besaßen sie magische Kräfte ...

Mit Gewalt unterdrückte Carboca diesen Gedanken. Er zog seinen Blaster aus dem Holster und erschoss einen der Angreifer. Dieser erwies sich als normales Lebewesen. Jedenfalls war es nicht gegen Energiestrahlen gefeit und stürzte zu Boden.

„Rückzug!“, brüllte er. „Verteilen und feuern!“

Die Wesen stürmten von allen Seiten auf die Siedler zu. Es blieb nur ein Ausweg. Sie mussten zurückweichen. Die Luft zitterte von dem grauenvollen Kriegsgeschrei der Angreifer und dem Zischen der Blaster. Die modernen Energiewaffen waren der einzige Vorteil gegen die Übermacht, die offenbar den eigenen Tod nicht fürchtete.

Genau wie die anderen Siedler stolperte auch Carboca rückwärts und schoss dabei in die Menge der Angreifer. Es war fast unmöglich, sie zu verfehlen. Dazu waren es einfach zu viele. Doch für jeden Gefallenen schienen zwei neue aus dem Boden zu wachsen. Das war natürlich Unsinn. Doch Carboca packte allmählich das Grauen. Obwohl die Auseinandersetzung noch nicht länger als drei Minuten gedauert haben konnte, kam es ihm wie Stunden vor.

Plötzlich gab sein Blaster nur noch ein Klicken von sich. Das Energiemagazin war leergeschossen. Schon stürzte ein Angreifer heran, um ihn mit seinem Speer zu töten. Im letzten Moment kam ihm Dustin Moffett zu Hilfe. Er schoss dem Gegner in den Kopf. Dieser brach zusammen. Sein Gesicht, erkannte Carboca schaudernd, zeigte nicht einmal Erschrecken oder Todesangst. Diese Wesen hatten sich mit dem eigenen Tod längst arrangiert. Deshalb waren sie auch so furchtlose Kämpfer.

„Danke“, keuchte Carboca und blickte in das ernste Gesicht seines Lebensretters. Mit fliegenden Fingern schob er ein neues Magazin in den Blaster und rastete es ein. Abermals stürmte eine Echse auf ihn zu. Er zielte und drückte ab. Nichts geschah. Er drückte noch einmal ab, fluchte und sah sich gehetzt um.

„Das Ding hat eine Ladehemmung“, keuchte er.

Sein Lebensretter kam ihm erneut zur Hilfe. Er riss ihm die Waffe aus den Händen, fummelte ungelenk daran herum und stieß Carboca beiseite, um auf die Echse zu zielen. Eine riesige, grüngeschuppte Hand legte sich auf seine Schulter, wirbelte ihn wie ein Spielzeug herum und stieß ihn zurück. Moffett schrie, taumelte und fiel hintenüber. Die Waffe flog aus seiner Hand und polterte zu Boden.

Carboca sprang nach dem Blaster und bekam ihn zu fassen. Mit einer verzweifelten Anstrengung stemmte er sich hoch, zielte – und erstarrte mitten in der Bewegung, als die gigantische, grüngeschuppte Gestalt mit ausgestreckten Armen auf ihn zukam. Mit einer tödlichen Umarmung legte die Echse ihre mächtigen Pranken um Carbocas Brustkorb. Er schrie auf, als die Kreatur zudrückte. Schmerzen, unerträgliche grauenhafte Schmerzen tobten durch seinen Körper.

Sein Schrei brach ab, als er keine Luft mehr bekam. Er spürte, wie seine Rippen unter dem ungeheuren Druck dieser starken Hände zu knacken begannen. Ein Blasterschuss traf die Echse. Sie zuckte zusammen. Die Hände lösten sich. Das Wesen zitterte, trat einen Schritt zurück und wandte sich schwerfällig um. Wieder zischte ein Energiestrahl auf die Echse zu. Carboca sah, wie die Kreatur unter dem Treffer zurücktaumelte. Aber sie stürzte nicht.

Sein Blick glitt an dem Monster vorbei. Er sah den Mann, der ihm schon einmal das Leben gerettet hatte. Moffett stand breitbeinig und zielte mit seinem Blaster auf die Echse. Das grüngeschuppte Wesen knurrte, duckte sich ein wenig und bewegte sich mit wiegenden Schritten auf den Gegner zu. Schwarzes Blut floss aus einer Wunde an der linken Seite. Kurz hintereinander zuckten drei Schüsse aus dem Blaster, gefolgt von einem dumpfen, klatschenden Geräusch, als der Kopf der Echse zerplatzte. Der  Körper blieb noch einen Augenblick stehen, dann kippte er nach hinten und prallte hart auf den Boden.

Bevor Carboca seinem Retter danken konnte, wurde dieser von einem Speer durchbohrt. Die Spitze drang in seinen Rücken und trat an der Vorderseite wieder aus. Moffett hielt sich noch einen Moment aufrecht. Unglauben spiegelte sich in seinen Augen, als er auf die Speerspitze starrte, die aus seiner Brust ragte. Der Blaster entglitt seiner kraftlos gewordenen Hand. Er fiel auf die Knie, blieb einige Sekunden in dieser Haltung, dann kippte er nach vorn und blieb im Staub liegen. Blut floss aus der Wunde, verzweigte sich mehrfach und bildete große Pfützen.

Es fiel Carboca schwer, sich von diesem furchtbaren Anblick loszureißen. Er musste sich wieder auf den Kampf konzentrieren, ob wohl er genau wusste, dass es sinnlos war. Langsam aber sicher wurden die Siedler aufgerieben. Gegen die Übermacht hatten sie keine Chance. Erst fiel einer von ihnen, dann ein zweiter und ein dritter. Zu allem Überfluss wurde es auch allmählich dunkel.

Da ertönte ein verzweifelter Jubelschrei.

„Eine Höhle!“

Carboca warf den Kopf herum. Zwischen einigen aufgewölbten Steinplatten tat sich ein Spalt auf. Das konnte man trotz der hereinbrechenden Dunkelheit erkennen. Der erste Siedler sprang dort hinein. Ein zweiter folgte. Die Angreifer schienen aus irgendeinem Grund zurückzubleiben. Carboca dachte nicht lange darüber nach. Warum die Gegner ihnen nicht folgten, war irrelevant. Wichtig war nur, dass sie zurückblieben. Er und der alte Arteem Golowin bildeten die Nachhut. Sie feuerten auf die Angreifer, bis alle überlebenden Siedler in der Felsspalte verschwunden waren. Schließlich quetschten sich auch Carboca und Golowin durch den Riss.

Unmittelbar hinter dem Eingang führte der Weg schräg nach unten. Golowin holte eine kleine Akkulampe aus der Tasche und schaltete sie ein. Der Lichtstrahl glitt über schroffe Felswände.

„Los, weiter“, sagte Carboca.

Die beiden Männer drangen in das Innere der Höhle vor. Nach einigen Schritten führte der Weg ebenerdig weiter.

„Wo sind denn die anderen?“, fragte Golowin.

„Vermutlich sind sie weiter nach hinten gegangen“, erwiderte Carboca.

Mehrmals wandte er sich um und blickte nach hinten, um festzustellen, ob sie verfolgt wurden. Doch seine Sorge erwies sich als unbegründet. Die Echsen hatten die Verfolgung offenbar aufgegeben. Vielleicht gelang es ihnen auch nicht, sich durch den schmalen Eingang zu quetschen. Golowin blieb plötzlich stehen.

„Verdammt!“

„Was ist los?“

Golowin ließ den Strahl der Lampe über die Felswand gleiten, die ihnen den Weg versperrte.

„Wie ist das möglich?“, fragte Carboca. „Wo sind die Männer und Frauen geblieben?“

„Ich weiß es nicht.“

„Aber das ist doch vollkommen unmöglich. Sie können nicht einfach verschwunden sein.“

„Vielleicht gibt irgendwo noch eine Abzweigung, die wir übersehen haben“, vermutete Golowin.

Carboca schüttelte den Kopf. „Nein, ich habe genau aufgepasst. Zu beiden Seiten des Gangs befindet sich nur massiver Fels.“

„Und wie erklärst du dir das?“

Carboca zuckte hilflos mit den Schultern. „Ich ... ich ... keine Ahnung ...“

Er trat näher an die Wand heran und streckte die Hand nach vorn, um sie zu berühren. Mühelos drangen seine Finger durch den Fels hindurch. Ruckartig zog er den Arm zurück. Golowin blickte ihn ungläubig an. Dann streckte auch er den Arm aus. Seine Hand glitt ebenfalls durch die Steinwand.

„Was ist das?“, fragte er verblüfft.

„Vielleicht eine Projektion“, vermutete Carboca.

„Eine Projektion?“

„Hast du vielleicht eine andere Erklärung?“

„Aber weshalb sollte jemand so etwas hier errichten? Und vor allem, wozu?“

„Ich weiß es nicht. Aber die Sache ist sehr merkwürdig.“

„Vielleicht stecken diese Echsen dahinter“, sagte Golowin.

„Also, ich glaube nicht, dass diese Kreaturen so etwas hochtechnisiertes wie eine Projektion erschaffen können.“

„Warum nicht? Nur weil sie mit Speeren bewaffnet sind? Das besagt gar nichts.“

„Trotzdem halte ich es für sehr unwahrscheinlich“, beharrte Carboca.

„Etwa genauso unwahrscheinlich, wie die Tatsache, das es auf diesem Planeten überhaupt solche Lebewesen gibt?“

„Was hat das denn damit zu tun?“

„Eine ganze Menge“, antwortete Golowin gereizt. „Als wir uns für dieses Projekt meldeten, hat man uns versichert, dass es auf Zacanda nur niedere Lebensformen gibt. Von bewaffneten Echsen war nicht die Rede.“

Carboca zuckte nur hilflos mit den Schultern. Was sollte er auch darauf antworten? Ihm war die ganze Angelegenheit ebenso rätselhaft wie Golowin. Abermals streckte er seine Hand nach der Felswand aus. Abermals durchdrang sie das Hindernis. Golowin folgte seinem Beispiel. Im selben Moment wurden die beiden Männer von einem starken Sog erfasst. Schwärze umgab sie.

Carboca stieß einen lauten Schrei aus. Zumindest glaubte er, dass er schrie. Er hatte den Mund weit aufgerissen, doch kein Ton schien daraus hervorzukommen. Die Lampe entglitt Golowins Fingern. Sie trudelte hinab in die Dunkelheit und war gleich darauf verschwunden. Die beiden Männer wussten nicht, wie lange der Sturz in die Tiefe mittlerweile andauerte. Sie verloren jegliches Zeitgefühl. Vielleicht waren es mehrere Stunden, aber es konnte sich auch nur um wenige Minuten handeln.

Aus der Dunkelheit tauchten plötzlich Sterne auf. Planeten zogen an den Männern vorbei. In der Ferne leuchtete eine gigantische Galaxie. Carboca hatte Mühe, diese Eindrücke zu verarbeiten, die auf ihn einstürmten. Wo befanden sie sich? Im Weltraum? Auf den ersten Blick sah es zumindest so aus, doch gleichzeitig wusste er, dass es vollkommen unmöglich war. Im All gab es keinen Sauerstoff. Sie wären unweigerlich erstickt und erfroren. So sehr er auch darüber nachgrübelte, er fand keine logische Erklärung für dieses Phänomen.

Sie schwebten in einer Unendlichkeit, in der offenbar eigene Naturgesetze herrschten. Während Carboca noch darüber nachdachte, erschien ein grelles Licht und hüllte die beiden Männer vollständig ein. Sie wurden fortgerissen und stolperten ins Freie. Carboca prallte hart auf den Boden. Golowin gelang es im letzten Moment, sich abzufangen. Er wollte schon erleichtert aufatmen, weil er glaubte, in Sicherheit zu sein. Doch das war ein Trugschluss. Er befand sich in einer anderen Welt. Erschrocken riss er die Augen weit auf und griff nach seinem Blaster. Doch gleichzeitig spürte er, dass seine Waffe gegen die Gefahren dieser Welt machtlos war.

Dieser Welt?

Auf den ersten Blick unterschied sich die Umgebung nicht von der Landschaft außerhalb der Höhle. Carboca und die anderen Siedler waren unweit einer Baumgruppe durch die Felswand hierher gekommen. Doch gleich darauf bemerkten sie, was hier nicht stimmte. Die Bäume waren riesengroß. Jeder von ihnen ragte weit in den Himmel hinauf. So hoch, dass die Kronen im leichten Morgennebel verschwanden.

Morgennebel?

Carboca stutzte, während er langsam auf die Füße kam. Als sie gerade eben vor den Echsenwesen geflohen waren, dämmerte die Nacht herauf. Es konnte nicht länger als eine oder zwei Minuten gedauert haben, die schmale Felsspalte zu durchqueren und in die Höhle vorzudringen. Irritiert hob er den linken Arm und blickte auf die Uhr an seinem Handgelenk. Die Ziffern der Digitalanzeige flackerten. Dann wurde das Display plötzlich schwarz. Die Uhr war kaputt.

Carboca wirbelte herum. Instinktiv versuchte er, zurückzukehren. Aber hinter ihm war nichts. Nur Felsen. Ein Traum? Eine Halluzination? Gerade eben hatten sie sich doch noch auf Zacanda befunden. Es war dunkel und kühl gewesen. Jetzt aber brach ihm der Schweiß aus. Die übrigen Siedler standen abseits und blickten ihn fragend an. Doch was hätte er ihnen sagen können? Er wusste ja selbst nicht, was hier passiert war. Vorsichtig ging er ein paar Schritte, senkte dann den Blick und erkannte erleichtert seine Spuren im Sand. Also tatsächlich keine Illusion? Das bedeutete, dass er die Stelle jederzeit wiederfinden konnte, an der er hier in dieser fremden Landschaft aufgetaucht war.

Oder wurden ihm auch diese Spuren nur vorgegaukelt? Wenn nicht – was geschah hier? Was war dies für ein Land und wie waren sie hierher geraten?

Golowin blickte ihn überrascht an. „Dieser Ort ist verflucht“, sagte er.

Carboca wollte etwas erwidern, unterließ es jedoch. Es hätte sowieso keinen Sinn gehabt. Ihm selbst war alles andere als wohl zumute. Er trat unter die Bäume. Neben den dicken Stämmen kam er sich wie ein Zwerg vor. Plötzlich flatterte ein Vogel auf. Beinahe hätte Carboca vor Entsetzen geschrien. Auf Zacanda gab es einige seltsame Tiere, doch er hatte noch nie einen Vogel mit drei Köpfen gesehen. Glücklicherweise flog die Kreatur davon, ohne ihn anzugreifen.

Abermals blickte er auf das dunkle Display seiner Uhr. Wir sind hier außerhalb von Raum und Zeit, flüsterte eine leise Stimme in seinem Hinterkopf. Golowin hat recht. Dieser Ort ist verflucht.

„Wir gehen jetzt zu der Hügelkuppe dort drüben.“

Er deutete auf ein paar kahle kleine Berge und setzte sich in Bewegung. Die anderen Siedler formierten sich zu einer halbwegs ordentlichen Marschkolonne. Doch gleich drauf zeigte sich, dass sie keinesfalls außer Gefahr waren. Einer der Männer wurde plötzlich in die Luft gerissen. Er schrie, als eine unsichtbare Macht seinen Körper hoch über dem Boden wie ein Kreisel drehte. Sein Blaster flog in hohem Bogen davon. Carboca hätte am liebsten einen Befehl gebrüllt, doch er wusste nicht, wie man gegen unsichtbare Angreifer kämpfte.

Genau wie die anderen Siedler musste er mitansehen, was mit dem Mann geschah. Die grausame Macht drehte den Körper immer schneller. Schließlich wirbelte er so rasend schnell um die eigene Achse, dass man Einzelheiten seines Mannes nicht mehr wahrnehmen konnte. Schließlich ließ die geheimnisvolle Kraft von ihrem Opfer ab. Der Körper war nur noch ein blutiger Klumpen, als er auf dem Boden auftraf. Ein Großteil der Männer und Frauen musste sich vor Ekel abwenden.

Carboca wurde beinahe wahnsinnig bei dem Gedanken, dass man ihm das Leben der Siedler anvertraut hatte. Nun trug er die Verantwortung dafür, dass sie starben.

„Waffen bereithalten!“, rief er mit zitternder Stimme.

Es war mehr als zweifelhaft, ob sich die vernichtende Macht durch ein paar Blaster einschüchtern lassen würde, doch er wollte den Leuten wenigstens den Anschein geben, die Lage unter Kontrolle zu haben. Die Männer und Frauen gehorchten. Sie zogen ihre Waffen aus den Holstern und brachten sie in Anschlag. Für einen Moment beruhigten sich Carboca aufgewühlte Nerven. Doch das änderte sich, als eine Frau einen panischen Schrei ausstieß.

Wie hingezaubert waren die Angreifer plötzlich da. Sie sahen genauso aus wie die Echsenwesen, vor denen sie geflohen waren. Doch es gab einen entscheidenden Unterschied. Während die Echsen vor der Höhle zu Fuß auf die Siedler zugestürmt waren, attackierten diese Angreifer mit Hilfe von fliegenden Reittieren. Die Flügel hatten eine Spannweite von mehr als zehn Metern. Die Schädel waren raubtierartig.

Das kann doch nicht wahr sein, sagte sich Carboca, während er seinen Blaster aus dem Holster zog. Das träume ich doch nur.

Doch es war bittere Realität. Die Frau, die den Warnruf ausgestoßen hatte, bekam sie als erste zu spüren, als sie von einem langen Speer durchbohrt wurde. Carboca ging in die Hocke und feuerte. Die Siedler folgten seinem Beispiel. Sie mussten nicht erst den Befehl abwarten. Doch die Echsenwesen waren zahlenmäßig weit überlegen. Es handelte sich mindestens um fünfzig Krieger. Und jeder saß auf einem grässlichen Ungeheuer. Die fliegenden Kreaturen verfügten über breite Schwingen. Trotzdem waren sie erstaunlich wendig. Ihre winzigen Augen glotzten die Siedler mitleidlos an. Die Reiter waren mit Speeren und Schwertern bewaffnet.

Verflucht, dachte Carboca. Wo kommen die bloß her? Bis auf ein paar niedere Lebensformen sollte Zacanda eigentlich unbewohnt sein. Immer wieder ging ihm dieser Umstand durch den Kopf.

Einer der Angreifer wendete sein Reittier und jagte direkt auf ihn zu. Carboca sah, wie zwei weitere Siedler durch Speere getötet wurden. Er richtete seinen Blaster auf die Echse und drückte ab. Einmal. Zweimal. Dreimal.

Immer wieder gelang es dem Reiter, den Energiestrahlen durch eine blitzschnelle Reaktion auszuweichen. Bevor Carboca diesen Schock überwunden hatte, war die Echse bereits abgesprungen und riss ihn zu Boden. Ein schmerzhafter Griff in seinen Nacken lähmte seinen Körper. Zu seinem Entsetzen bemerkte er, dass er Arme und Beine nicht mehr bewegen konnte. Inzwischen waren auch die anderen Siedler von den Echsen überwältigt worden. Hilflos und gelähmt lagen sie auf dem Boden.

Der Anführer der Echsen stieß ein höhnisches Lachen aus. „Der Sieg ist unser! Wir bringen diese Sklaven nach Dagort!“

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Die Eroberung des Weltraums war nie ein einfaches Unternehmen. Zahlreiche Hindernisse mussten überwunden werden. Die unermessliche Weite des Alls war den Menschen gegenüber feindlich eingestellt, sodass sie sich auf die Wirksamkeit von Maschinen verlassen mussten. Trotz aller Gefahren bahnte sich die Menschheit einen Weg zu den Sternen, deren Einsamkeit so nach Jahrtausenden mit Leben erfüllt wurde. Auf diesen Welten entwickelten sich Kolonien, die bald zur Heimat von Tausenden wurden.

Im Laufe der Jahre beschleunigte sich der Expansionsprozess. Die Männer und Frauen von Axarabor drangen immer tiefer in den Weltraum vor, dennoch war die Gefahr allgegenwärtig, und der kleinste Irrtum oder Fehltritt konnte stets in einem Desaster enden. 210 Lichtjahre von Axarabor entfernt befindet sich das Lyanda-System. Vor 36 Jahren wurde festgestellt, dass die gelbe Sonne ein Planetensystem mit vier Himmelskörpern besitzt. Die Untersuchung durch eine Sonde zeigte, dass einer davon für eine Besiedlung geeignet war. Er erhielt den Namen Zacanda.

Ein spezielles Forschungsteam wurde zusammengestellt und nach kurzer Einweisung auf die Reise geschickt. In der Umlaufbahn ergaben schon die Anfangsstudien, dass hier nahezu ideale Bedingungen anzutreffen waren. Es gab ausreichend Wasser, eine sauerstoffreiche Atmosphäre, geringe Klimaunterschiede zwischen den Polen und üppige Vegetation. Vom Orbit aus waren keine künstlichen Strukturen zu entdecken, was darauf schließen ließ, dass mögliche Bewohner nicht in Großgruppen lebten und technologisch auf einer niedrigen Stufe stehen mussten.

Das Forscherteam entschloss sich deshalb, eine Beobachtung aus geringer Entfernung vorzunehmen und sobald wie möglich zu landen. Bei dieser Erkundung konnten die Männer und Frauen unschwer einige größere Tierarten erkennen, die in den ausgedehnten Wäldern und Steppen lebten. Andere schwammen in den Meeren und Seen. Höher entwickelte Lebensformen konnten allerdings nicht entdeckt werden. Und so beschloss die Regierung des gewählten Hochadmirals von Axarabor, den Planeten zur Besiedlung freizugeben.

Einige Jahre später brachte ein Raumschiff die ersten Kolonisten nach Zacanda. Zuvor waren bereits Frachtschiffe auf dem Planeten gelandet. An Bord befanden sich Roboter, die aus den mitgeführten Materialien Wohnhäuser errichten. Außerdem wurden Landwirtschaftsroboter nach Zacanda geschickt, um Nahrungsmittel anzubauen. Die ersten Jahre verliefen ohne Zwischenfälle.

Doch vor einigen Monaten brach plötzlich der Funkkontakt zu den Siedlern ab. Über die Gründe konnte nur spekuliert werden. Gab es technische Probleme oder war den Kolonisten etwas zugestoßen?

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Die STARFIRE schwenkte in den Orbit ein und umkreiste Zacanda mehrmals, während die Scanner eine Oberflächenabtastung durchführten.

„Negativ“, sagte Commander Gavin Overdic. „Auf diesem Planeten gibt es keine menschlichen Lebensformen.“

Captain Simon Hackett blickte auf den Panoramabildschirm, der die Längstseite der Kommandozentrale einnahm. Dort zeigte sich Zacanda in seiner ganzen Pracht.

„Aber wie ist das möglich?“, fragte er.

„Ich weiß es nicht“, antwortete der Commander. „Die Thermo-Scanner haben lediglich einige niedere Lebensformen geortet.“ Er deutete mit dem ausgestreckten Arm auf den Bildschirm. „Dort drüben an den Ausläufern des Gebirges befindet die Ansiedlung aus Fertighäusern. Das Einzige, was fehlt, sind die Siedler.“

Hackett versuchte sich die Verhältnisse vorzustellen, die auf Zacanda herrschten. Wo mochten sich die Menschen aufhalten? Waren sie Opfer einer Naturkatastrophe geworden? Oder einer Seuche? Und weshalb hatten sie keinen Notruf abgesetzt? Er schüttelte unmerklich den Kopf. Es war sinnlos, sich darüber Gedanken zu machen. Er brauchte Gewissheit.

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Leutnant Kami Asgar war von dem Auftrag nicht sehr erbaut. Ihm erschien die Angelegenheit mehr als unheimlich. Er war auch nicht darauf bedacht, sich bei jeder ihm bietenden Gelegenheit auszuzeichnen, aber er hatte keine andere Wahl. Asgar war intelligent und besaß eine schnelle Auffassungsgabe, aber er war leider auch ziemlich faul und benutzte stets den bequemsten Weg, um sein Ziel zu erreichen.

Javier Delgado war das genaue Gegenteil. Er tat alles, um voranzukommen. Die beiden Männer waren sich zum ersten Mal begegnet, als auf Axarabor die Besatzung der STARFIRE zusammengestellt wurde. Seitdem bewohnten Asgar und Delgado dieselbe Kabine. So unterschiedlich ihr Äußeres war, so schnell waren sie Freunde geworden. Kami Asgar war mittelgroß und wuchtig gebaut. Er hatte eine niedere Stirn und ein breites, flaches Gesicht, das träge und nichtssagend wirkte. Die Art, wie er seine hellen, strähnigen Haare trug, verstärkte diesen Eindruck.

Javier Delgado war das genaue Gegenteil. Er wirkte zierlich und wenig belastbar. Er war etwas kleiner als Asgar. Seine Schulterpartie maß gerade zwei von Asgars Handspannen. Er hatte ein schmales Gesicht mit großen blauen Augen und einer hohen Stirn. Sein dunkles Haar war schütter.

„Warum ausgerechnet mit einer Fähre?“, fragte Asgar, als sie im Hangar der STARFIRE auf den Start warteten. „Nicht, dass ich Captain Hackett kritisieren möchte, aber meiner Meinung nach würden wir mit dem großen Schiff ein kleineres Risiko eingehen.“

Asgar wusste genau, dass er im Unrecht war, aber es machte ihm einfach Spaß gegen seine Vorgesetzten zu opponieren. Das stärkte sein Selbstvertrauen.

„Natürlich ist die Kampfkraft der STARFIRE größer und zudem glaube ich kaum, dass uns außer den Naturgewalten Gefahren drohen.“ Er zuckte mit den Schultern. „Na, wir werden ja sehen.“

„Ich bin mir da nicht so sicher“, sagte Delgado. „Man sollte diesen Einsatz nicht unterschätzen.“

Asgar warf ihm einen vernichtenden Blick zu. „Pah! Bis jetzt sind wir immer noch mit allem fertig geworden.“

Das interne Kommunikationssystem summte. Auf dem Bildschirm erschien das Gesicht von Commander Overdic.

„Start in dreißig Sekunden!“

Der Hangar war leer. Das Schott öffnete sich. Die Landefähre schoss hinaus in den Weltraum. An Bord befand sich das Einsatzteam Alpha unter dem Kommando von Major Miguel Yacoban. Außer ihm saßen noch fünf weitere Männer in der Fähre: Travis, der Pilot, und die Soldaten Dan Reynolds, Kami Asgar, Javier Delgado und Todd Tucker. Die Fähre ließ die STARFIRE schnell hinter sich, blieb aber in ständiger Funkverbindung.

Die ersten Wolkenfetzen trieben vorbei, als sie in die Atmosphäre eintauchte. Während die Fähre tiefer sank, konzentrierte sich Yacoban auf die abwechslungsreiche Landschaft, die unter ihnen vorbeizog. Es war eine einladende Welt, daran bestand kein Zweifel. Aber der erste Eindruck konnte auch täuschen. Das wusste er aus Erfahrung.

„Dort drüben ist die Siedlung“, sagte Travis. „Soll ich landen?“

„Nein, noch nicht“, antwortete Yacoban. „Wir landen erst, wenn wir sicher sein können, dass wir in keine Falle fliegen. Schutzschirm einschalten und die Bordwaffen gefechtsklar machen.“

Langsam näherte sich die Fähre der Siedlung. Sie wirkte verlassen. Nirgendwo auf den Straßen waren Menschen zu sehen. Yacoban fragte sich, was dort unten wohl geschehen sein mochte. Lediglich das Bewusstsein, die STARFIRE im Notfall als Unterstützung anfordern zu können, bewog ihn, die Erkundung fortzusetzen. Ein untrügliches Gefühl sagte ihm, dass dort eine Falle auf sie wartete.

Mehrmals überflogen sie die Siedlung, konnten jedoch keine Gefahr erkennen. Schließlich gab der Major den Befehl zum Landen. Eine leichte Erschütterung durchlief die Fähre, als sie auf dem Boden aufsetzte. Yacoban erhob sich aus dem Sitz des Copiloten und ging in die Schleuse. Die anderen Männer erwarteten ihn bereits.

„Überprüfen Sie vorsichtshalber noch einmal ihre Waffen“, ordnete er an.

„Glauben Sie, dass es Schwierigkeiten gibt?“, wollte Asgar wissen.

„Ich will nur auf alles vorbereitet sein“, antwortete der Major.

Das Schott glitt zur Seite. Die Rampe wurde ausgefahren. Yacoban verließ als erster die Fähre. Delgado, Reynolds, Tucker und Asgar folgten ihm. Travis blieb in der Fähre vor seinen Geräten sitzen. Die Ortungsschirme leuchteten. Der Hauptmonitor zeigte die nähere Umgebung der Fähre in naturgetreuen Farben. Viel war im ersten Augenblick nicht zu sehen. Yacoban setzte sich noch einmal mit Captain Hackett in Verbindung, dann hielt er eine kurze Ansprache und setzte sich in Bewegung. Die Männer trugen leichte Schutzanzüge und ihre Blaster, obwohl nicht damit zu rechnen war, dass eventuelle Gegner auftauchten.

Nach etwa zweihundert Metern erreichten sie die Ansiedlung. Sie bestand aus grauen, einstöckigen Häusern. Kein Mensch war zu sehen. Der Ort schien ausgestorben zu sein. Eine Geisterstadt. Langsam gingen die Männer weiter.

Das Geschäft auf der rechten Seite war geschlossen. Schräg gegenüber lag ein Restaurant, ebenfalls zu. Die Straße mündete in einem großen Platz, auf dem ein Zierbrunnen stand. Die Männer verharrten einen Moment. Nichts rührte sich. Der Platz bestand aus einem großen Kreis, der nur von zwei Straßen unterbrochen wurde. Ein Haus unterschied sich von den anderen. Es war größer und hatte zwei Stockwerke. Dem Schild neben dem Eingang zufolge handelte es sich um das Verwaltungsgebäude.

„Reynolds, Sie begleiten mich“, sagte Yacoban. „Die anderen warten hier.“

Er ging auf die Tür zu und blieb plötzlich stehen. Langsam wandte er den Kopf. Er hatte den Eindruck, von allen Seiten beobachtet zu werden. Doch so sehr er die Häuser anstarrte, er konnte kein Gesicht hinter den trüben Fensterscheiben entdecken. Yacoban berührte die Taste neben dem Eingang. Mit einem leisen Zischen glitt die Tür zur Seite. Die Luft roch muffig und abgestanden. Ein langer, breiter Korridor lag vor ihm. Er trat ein. Reynolds folgte ihm mit einigem Abstand.

Rechts hing eine Anschlagtafel. Sie war leer. Dann entdeckte er den Pfeil. Hauptverwaltung, stand darauf. Langsam gingen die Männer weiter. Ihre Schritte klangen unnatürlich laut. Am Ende des Ganges entdeckte Yacoban eine Tür, auf der in Blockbuchstaben HAUPTVERWALTUNG stand. Sekundenlang blieb er stehen. Er fühlte sich unbehaglich und konnte sich nicht erklären, worauf das zurückzuführen war.

Die Tür glitt zur Seite, als Yacoban darauf zuging. Der Raum war düster, sehr klein und wurde von einem alten Schreibtisch beherrscht. Die Jalousien waren heruntergelassen. Es dauerte einige Sekunden, bis er Einzelheiten ausmachen konnte. Ein dunkler Teppich führte zum Schreibtisch. Rechts stand eine schäbige Couch mit einem kleinen Tisch. Die linke Wand wurde von Schränken eingenommen, die bis zur Decke reichten.

„Niemand zuhause“, sagte Reynolds überflüssigerweise.

„Der Staubschicht nach zu urteilen, war hier schon seit Monaten niemand mehr.“

„Vielleicht sollten wir uns mal in den Wohnhäusern umsehen.“

„Ja“, stimmte Yacoban ihm zu. „Obwohl ich nicht glaube, dass wir dort jemanden finden werden.“

Sie verließen das Verwaltungsgebäude. Die anderen Männer sahen sie fragend an. Yacoban schüttelte den Kopf und ging auf eines der Wohnhäuser zu. Reynolds folgte ihm. Die Fenster waren schmutzig. Das Gartentor stand offen. Yacoban durchquerte den kleinen, ungepflegten Garten, in dem Unkraut wuchs, und betätigte den Öffnungsmechanismus für die Haustür. Mit einem leisen Zischen glitt sie zur Seite. Der Geruch von Räumen, die lange nicht gelüftet wurden, schlug ihm entgegen.

Die Diele war völlig leer. Auf dem Boden lag eine dicke Staubschicht, die hochgewirbelt wurde, als Yacoban einige Schritte ins Innere machte. Reynolds folgte ihm. Eine Viertelstunde durchsuchten sie sämtliche Räume, konnten jedoch keinen Hinweis auf den Verbleib der Bewohner finden. Sämtliche Möbel standen akkurat an ihrem Platz. Es gab auch keine Spuren, die daraufhin deuteten, dass hier ein Kampf stattgefunden hatte. Abgesehen von der dicken Staubschicht wirkte alles so, als wären die Menschen, die hier gelebt hatten, erst vor wenigen Minuten verschwunden.

Die beiden Männer verließen das Gebäude und schauten vorsichtig die umliegenden Häuser an. Sie sahen nichts als die leeren Augen der Fenster. Überrascht stellte Reynolds fest, dass seine Hände schweißnass waren. Der Tod war ihm ebenso wenig fremd wie Gewalt, aber das hier war etwas Absurdes, etwas Groteskes. Es gab nur diese schreckliche Stille, das beängstigende Nichts völliger Ruhe.

Die Männer warteten bewegungslos, waren gefasst auf Angriff, Lärm, irgendetwas. Es kam nichts. Sie gingen vorsichtig weiter. Haus um Haus spukte nichts als Stille aus. Es wirkte so, als habe sich die ganze Siedlung in eine Filmkulisse verwandelt. Sie untersuchten noch fünf weitere Häuser, konnten aber auch dort nichts Ungewöhnliches entdecken.

„Wie ist das nur möglich?“, fragte Asgar. „Hier lebten mehr als fünfzig Siedler. Die können sich doch nicht einfach in Luft aufgelöst haben.“

„Nein, das können sie nicht“, pflichtete Yacoban ihm bei.

Aber irgendwo musste es doch einen Hinweis geben, überlegte der Major. Diesen Hinweis mussten sie finden, dann wussten sie auch, was weiter zu tun war. Welche Nachricht die Siedler auch immer hinterlassen haben mochten, sie hatten sie dort hinterlassen, wo jeder vernünftige Mensch nach ihr suchen würde. Allerdings dürfte es ziemlich viel Zeit in Anspruch nehmen, diese Stelle zu finden.

Er fing an, sich Gedanken darüber zu machen, was für ein Ereignis die Siedler zum Verlassen ihrer Häuser veranlasst haben könne, und die Resultate waren alles andere als vielversprechend. Gesetz den Fall, die Menschen hätten den Ort aus eigenem Antrieb verlassen – zum Beispiel, weil sie einen aus irgendeinem Grund günstigeren Standort beziehen wollten – dann wäre die Nachricht offen und leicht auffindbar hinterlassen worden. Das war jedoch nicht der Fall.

Als einzige Erklärung dafür bot sich an, dass das Verschwinden der Siedler nicht aus eigenem Antrieb erfolgt war. Es gab eine Menge denkbarer äußerer Anlässe, weshalb die Menschen geflohen oder vertrieben worden waren, aber nur einer klang plausibel genug. Irgendjemand hatte diesen Ort entdeckt und die Bewohner entführt. Es war müßig zu fragen, warum dieser Jemand es getan hatte. Möglichkeiten gab es viele.

Yacoban fragte sich, wie die hinterlassene Nachricht – falls es überhaupt eine gab - wohl aussehen mochte. Er stellte sich eine Mikrokapsel vor, ausgerüstet mit einem Signalgeber, dessen Ausstrahlungen zwar von den Geräten des Einsatzteams aufgefangen und verstanden wurden, für andere aber unverständlich waren. Irgendetwas Derartiges musste es geben. Aber so sehr Yacoban sich auch anstrengte, es gelang ihm nicht, sich einen Mechanismus vorzustellen, mit dem sich so etwas bewerkstelligen ließe.

Die Frage war: Hatten die Siedler von der drohenden Gefahr gewusst, um eine Nachricht zu hinterlassen? Yacoban zweifelte daran. Der Angriff musste überraschen gekommen sein. Delgados Stimme riss ihn aus seinen Überlegungen.

„Seltsamerweise gibt es nirgendwo Spuren eines Kampfes“, meinte der Leutnant.

„Stimmt. Und genau das macht mir Sorgen.“

Schweigend blickten sich die Männer um.

„Na gut“, sagte der Major schließlich. „Es will scheinbar nicht zu uns kommen, also müssen wir gehen und es suchen. Halten Sie sich ungefähr fünf Schritte hinter mir und beobachten sie beide Straßenseiten. Hier muss etwas völlig Verrücktes passiert sein.“

Langsam setzten sich die Männer wieder in Bewegung. Sie folgten einem schmalen Pfad, der aus dem Ort führte. Schon von Weitem war zu erkennen, dass auf den Feldern gearbeitet wurde. Dunkle Gestalten gingen hin und her. Maschinen bewegten schwere Lasten. Erst als sie näher kamen, entpuppten sich die Gestalten, die man zuerst für Menschen gehalten hatte, als Landwirtschaftsroboter. Sie rodeten die Felder, pflanzten Setzlinge und wässerten sie.

Das Erkundungsteam war nur noch zweihundert Meter entfernt. Aber kein einziger Roboter kam, um sich um die Menschen zu kümmern. Es handelte sich um mehrere Modelle. Der Größte war offensichtlich dafür konstruiert worden, um die Erde aufzulockern, denn er besaß die dafür notwendigen Werkzeuge. Dann war da noch ein mittleres Modell mit vier Armen, dass Löcher in den Boden grub, und die Setzlinge hineinsteckte. Das kleinste Modell war für die Bewässerung zuständig.

„Welche Befehle haben Sie?“, fragte Todd Tucker. „Sollen wir versuchen, Verbindung mit den Robotern aufzunehmen? Vielleicht wissen Sie, wo sich ihre Besitzer aufhalten.“

„Das wäre sinnlos“, erwiderte Major Yacoban. „Das sind einfache Landwirtschaftsroboter. Ihre Programmierung und Kommunikationsfähigkeiten beschränken sich ausschließlich auf ihre Tätigkeit.“

„Es wäre ja auch zu einfach gewesen“, murmelte Asgar.

Die Männer setzten ihren Weg fort. Das Gelände war nicht ganz so eben, wie es von Weitem gewirkt hatte. Mehrmals mussten sie Hindernisse umgehen oder überklettern. Reynolds hatte seinen Scanner hervorgeholt und suchte die Umgebung ab. Er konnte jedoch keine verdächtigen Signale empfangen.

„Da vorn hat sich etwas bewegt“, sagte Asgar plötzlich und hielt den Major am Arm fest.

Yacoban schüttelte Asgars Arm ab, ehe er nach dem Ausschau hielt, was sich da vorn bewegt hatte. Er sah nichts.

„Wo denn?“, erkundigte er sich ungehalten.

„Jetzt sehe ich es auch nicht mehr“, meinte Asgar verschüchtert. „Aber ich habe mich bestimmt nicht geirrt. Auf der anderen Seite der Schlucht.“

Die Schlucht war nur einen Meter breit und höchstens fünfzig Zentimeter tief. Yacoban ging näher heran. Die Männer folgten ihm.

Details

Seiten
100
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738920673
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v430962
Schlagworte
raumflotte axarabor# menschenjäger zacanda

Autor

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Titel: Die Raumflotte von Axarabor #20: Die Menschenjäger von Zacanda