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Die Raumflotte von Axarabor #19: Das Psi-Experiment

von Wilfried A. Hary (Autor) Marten Munsonius (Autor)

2018 100 Seiten

Leseprobe

Die Raumflotte von Axarabor #19: Das Psi-Experiment

Axarabor, Volume 19

Wilfried A. Hary and Marten Munsonius

Published by Cassiopeiapress Extra Edition, 2018.

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Das Psi-Experiment

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 19

von Wilfried A. Hary & Marten Munsonius

Der Umfang dieses Buchs entspricht 73 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

„Ich fand einen Raum vor, mit zwei gefesselten Kontrahenten. Beide hassten sich aufs Blut und doch waren beide ebenso Gefangene dieses Labors wie ich. Wird es uns gelingen zu entkommen?“

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / COVER 3000AD 123rf Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Prolog

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Ich habe vergessen, in welchem Film es war, aber dieser Dialog blieb für immer in meinem Gedächtnis haften:

„Fahr zur Hölle!“ Er beugte sich provokativ vor. „Oder soll ich dir erst noch den Weg erklären?“

Sein Gegenüber zuckte mit keiner Wimper:

„Das brauchst du nicht. Ich komme direkt von dort!“

Mein Lieblingsdialog allein schon deshalb, weil er haargenau meine eigene Situation erklärt: Ich bin der Hölle gerade erst entronnen, wenn auch noch nicht ganz...

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Wer oder was ich bin, möchte ich nicht verraten. Es wäre mir irgendwie... peinlich. Zumindest ein wenig. Denke dir einfach mal selber was aus.

Ich weiß nicht, wie lange ich in der Hölle gewesen bin. Ich weiß noch nicht einmal, wie alles begonnen hat. Ich weiß nur, dass man endlos Tests an mir durchgeführt hat. Tests, die so grausig waren, dass ich darüber lieber nichts sage, weil dann all diese Erinnerungen wieder aufkochen. Wobei das Vorführen von Filmen, um darauf meine Reaktionen zu testen, noch zu den angenehmen gehörte.

Ich weiß nur eines: Anhand dieser Tests wollte man erfahren, wie man Superkrieger erschaffen kann!

Man stelle sich vor: Setna erschuf den Weltraum. Leer war er zu langweilig. Also setzte Setna Materie hinein. Weil das immer noch nicht genug war, erschuf er das Leben. Und dann bemerkte Setna, dass er von seiner Schöpfung komplett ignoriert wurde. Daher erschuf er den Menschen, damit dieser seine Schöpfung würdigt.

Soweit meine eigene, stark reduzierte Interpretation der Schöpfungsgeschichte, wie die Setna-Jünger sie glauben. Und jetzt stelle man sich vor: Dieselben Menschen, die eigentlich erschaffen wurden, nur um die Schöpfung zu würdigen, benutzen Setnas Werkzeuge, um eigene Kreaturen zu erschaffen! Ist das nicht im höchsten Maße Gotteslästerung?

Nun, damit habe ich zumindest meinen Schöpfern etwas voraus: Sie kennen ihren Schöpfer nicht persönlich, aber ich kenne sie! Und ich hasse sie, weil sie mich nur deshalb schufen, um mich endlos zu quälen auf dem Weg zu ihrem Superkrieger.

Und jetzt konnte ich ihnen entwischen!

Aus dem Labor hinaus in einen seltsamen, großen Raum. Ich kenne die Welt außerhalb nur anhand der Filme. Wenn ich es also vergleiche, ist das wohl so eine Art Halle? Die Wände stehen voll mit irgendwelchen Apparaturen. Der Raum selber ist vollkommen leer, bis auf zwei Stühle und zwei Menschen, die auf jeweils einem der Stühle gefesselt sind.

Ich sehe keinen Ausgang aus diesem Raum, außer dem, den ich benutzt habe, um hierher zu gelangen. Aber ich will nicht zurück, nicht zurück in die Hölle. Lieber verstecke ich mich hier und beobachte erst mal...

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Zeros von Maynfeld erwachte mit einem mächtigen Brummschädel. Hatte er wieder zu viel getrunken? Aber wieso konnte er sich nicht daran erinnern?

Erschrocken sah er an sich hinab. Waren das etwa Fesseln?

Er saß offensichtlich auf einem Stuhl – und war daran festgebunden. Seine Hände waren hinter der Lehne zusammengeschnürt. Wenn er sich bewegte, schnürten sich die Fesseln noch fester um seine Handgelenke und verursachten Schmerzen.

Ein Stöhnen entrang sich seiner Kehle.

„Verdammt, was ist geschehen?“

Sein verschleierter Blick hob sich – und fiel auf seinen Gegenüber. Schätzungsweise zehn Meter entfernt. Ebenfalls an einen Stuhl gefesselt.

Ein letzter Versuch, sich loszureißen, zumindest den Stuhl umzuwerfen, um vielleicht doch noch aus den Fesseln herausschlüpfen zu können.

Es ging nicht. Der Stuhl war fest mit dem Boden verbunden. Ein harter, metallisch glänzender Boden.

Seine Blicke irrten umher. Die seitlichen Wände waren zehn Meter entfernt, genauso weit wie der andere Gefangene ihm gegenüber, der offensichtlich sein Bewusstsein noch nicht wiedererlangt hatte. An den Wänden standen seltsame Apparate und Instrumente, deren Sinn er nicht einmal erraten konnte.

Das Einzige, was er noch wusste, das war sein Name, eben Zeros von Meynfeld. Was bedeutete er? Wie war er hierher gekommen? Wer war der andere Gefangene?

Er betrachtete den Bewusstlosen und spürte in seiner Brust ein mächtiges Gefühl aufkeimen, gegen das er sich nicht wehren konnte:

Hass!

Er hasste diesen anderen, ohne überhaupt zu wissen, wer er war. Aber wieso konnte er ihn dann... hassen?

Das Gefühl wurde schier übermächtig. Zeros von Meynfeld legte den Kopf in den Nacken und schrie aus Leibeskräften, als könnte er damit alles hinausschreien, was ihn quälte.

Es nutzte nichts. Er schrie, bis er heiser war, und doch war der Hass immer noch da, pochte mächtig in seiner Brust, ließ seine Muskeln schwellen, dass er fast meinte, die Fesseln sprengen zu können, die ihn am Stuhl fixierten.

Sie schienen allerdings aus einem unzerreißbaren Material zu bestehen. Er konnte sie nicht sprengen, auch nicht, wenn er es mit aller Kraft versuchte. Sie schnürten ihn dadurch nur noch enger und schmerzhafter ein.

Also entspannte er sich wieder. Allerdings nur äußerlich. Innerlich kochte er. Am liebsten hätte er den anderen vernichtet. Aber wie? Er kam nicht an diesen heran.

Und da erwachte auch der andere. Er hob den Kopf, und ihre Blicke kreuzten sich.

Im nächsten Augenblick schrie auch der andere aus Leibeskräften, und als er sich heiser geschrien hatte, glühten seine Augen vor... Hass!

„Ich bin Turna de Clarc, und ich werde dich zerquetschen wie einen Wurm!“, drohte er.

Zeros von Meynfeld schüttelte den Kopf, wie um einen Alpdruck los zu werden, doch es half alles nichts. Er musste seinen Gegner vernichten, ehe dieser ihn vernichtete. Zwar hatte er keine Ahnung, wieso er ihn hasste, aber er wusste, dass sein Hass erwidert wurde. Es gab keine Alternative. Einer von ihnen musste sterben, koste es, was es wolle.

Und wie, wenn beide an einen Stuhl gefesselt waren, der sich nicht bewegen ließ?

Zeros von Maynfeld schloss fest die Augen und versuchte, sich zu konzentrieren. Da war nicht nur Hass in ihm, sondern noch etwas. Er hatte keine Ahnung, was es war, genauso wie er nicht wusste, wer sein Gegner war.

Turna de Clac?

Das sagte ihm nichts.

Er riss die Augen wieder auf.

„Turna de Clarc? Ich bin Zeros von Meynfeld, und es ist das Letzte, was du je hören wirst. Denn ich habe die Macht, dich zu vernichten!“

Sein Gegner lachte nur hämisch. Und dann züngelten aus seinen Augen... Flammen des Hasses. Als könnte er seinen Hass in Energie verwandeln, die im nächsten Augenblick sich los löste von ihm und auf Zeros von Meynfeld zu raste. Dabei wurde daraus ein regelrechtes Flammeninferno, das fauchte und schrie.

Bis es sein Ziel erreichte und Zeros von Meynfeld einhüllte.

Doch der Getroffene lachte nur ein ähnlich hämisch klingendes Lachen. Denn das Feuer konnte ihm nichts anhaben. Er konnte den Angriff mit Leichtigkeit abwehren. Das Feuer erreichte noch nicht einmal die Fesseln, etwa um sie zu verbrennen, was zu seiner Befreiung geführt hätte.

Aber dann konnte er plötzlich doch die Hände bewegen.

Trotz der Fesseln?

Wie war das möglich?

Weil die Fesseln sich einfach aufgelöst hatten.

Er sah umher.

Kein Wunder, denn nicht nur die Fesseln hatten sich aufgelöst, sondern alles um ihn herum, einschließlich der Halle, in der er erwacht war.

Er saß immer noch auf diesem Stuhl und betrachtete verwundert seine befreiten Hände.

Konnte es sein, dass sie aus sich heraus glühten? Nur eine Illusion oder war das jetzt wirklich die Realität?

Er befand sich auf einer weiten Lichtung. Der Dschungelrand war mindestens hundert Meter entfernt, in jeder Richtung.

Langsam stand er vom Stuhl auf.

„Zeros von Meynfeld!“, murmelte er vor sich hin. Es klang fast wie eine Beschwörung.

War er nicht der selbsternannte König von Meynfeld, einer ehemaligen Kolonie, die er als Söldner des Adakoni-Kartells überfallen und vereinnahmt hatte.

Ja, hier war er uneingeschränkter Herrscher über Leben und Tod.

Aber wieso war er in dieser Halle erwacht, gefesselt an einen Stuhl? Und wer war dieser Turna de Clarc?

„Ich bin hier, um dir das Handwerk zu legen, elender Schurke!“, brüllte in diesem Moment jemand.

Zeros von Meynfeld fuhr erschrocken herum – und stand Turna de Clarc gegenüber.

Auch dieser war von seinen Fesseln befreit. Er steckte in einer seltsamen Uniform, die innerhalb des Adakoni-Kartells nicht bekannt war. Also gehörte er offensichtlich nicht dazu.

„Du bist hierher nach Meynfeld gekommen, um mir meinen Rang streitig zu machen?“, erkundigte sich Zeros von Meynfeld mit vor Hass bebender Stimme. „Dann werde ich dich lehren, was mit denjenigen geschieht, die das wagen!“

Sein Gegner lachte nur. Auch als Zeros von Meynfeld die glühenden Hände hob und daraus rotglühende Lanzen entstehen ließ.

Er holte aus und warf erst mit der rechten Hand die Lanze. Über die kurze Distanz von höchstens zehn Metern war sein Gegner nicht zu verfehlen.

Die Lanze begann auf dem Flug dorthin zu brennen. Sie würde sich tief in die Brust des verhassten Feindes bohren, der es wagte, ihm auf seiner eigenen Welt den Rang streitig zu machen. Er würde diesen Frevel mit dem Leben bezahlen. Wie jeder bisher, der es gewagt hatte, Zeros von Meynfeld irgendetwas streitig zu machen.

Es gab nur eine einzige Person, von der er sich jemals etwas sagen lassen würde, und das war Großmogul Tscholu Fandamino, der Anführer des mächtigsten Kartells des Universums. Zumindest des bekannten Universums...

Aber auch das nur aus reinen Vernunftgründen. Denn Tscholu Fandamino war der Garant für die Macht des Kartells, weil nur ihm gelungen war, woran alle seine Vorgänger hatten scheitern müssen: Das Bündeln der Kräfte, die von den einzelnen Führern innerhalb des Kartells repräsentiert wurden.

Und dann wollte so ein Möchtegern namens Turna de Clarc ausgerechnet ihm, Zeros von Meynfeld, das streitig machen?

Der flammende Speer erreichte jedoch nicht sein Ziel. Turna de Clarc machte im letzten Augenblick blitzschnell einen Schritt beiseite und ließ die tödliche Lanze ins Leere zischen. Wenige Meter weiter löste sie sich in Nichts auf.

Knurrend schickte Zeros von Meynfeld die linke Lanze auf den Weg.

Abermals lachte Turna de Clarc nur hämisch und tat einen weiteren Seitenschritt.

„Mehr hast du nicht zu bieten?“, erkundigte er sich zynisch. „Und so einer wie du schwingt sich zum Herrscher über eine ganze Welt auf? Eine Milliarde Menschen beugen sich dir und deiner gnadenlosen Knechtschaft. Damit ist jetzt Schluss!“

„Weil du gekommen bist, um mir das Handwerk zu legen?“, lachte Zeros von Meynfeld. „Ich muss zugegen, ich habe dich unterschätzt. Einen so starken Gegner hatte ich schon lange nicht mehr.

Aber verlasse dich nicht darauf, dass ich etwa eingerostet bin. Was glaubst du, wie ich es schaffen konnte, zum Alleinherrscher zu werden? Nicht nur die Nachkommen der ehemaligen Siedler beugen sich bedingungslos meinem Willen, sondern auch die Mitglieder meines Syndikats. Sie fürchten mich ob meiner besonderen Macht.“

„Meinst du eine Macht vergleichbar mit dieser?“, erkundigte sich jetzt Turna und schickte einen Eishauch auf die Reise.

Es sah aus wie eine kalte Wolke. Sie bewegt sich nicht schnell und brauchte für die kurze Distanz fast eine ganze Sekunde lang.

Zeit genug für Zeros von Meynfeld, um sich gegen den Angriff rechtzeitig zu wappnen. Er brauchte dabei nur die Arme vor der Brust zu kreuzen und sich erneut zu konzentrieren, um die Wolke mit einem Feuerstoß aufzulösen, noch bevor sie ihn erreicht hatte.

„Ja, genau!“, antwortete er auf die Frage mit einem geringschätzigen Lächeln. „Wie ich sehe, hast auch du die Macht in dir.“

„Es ist nicht die Macht, wie du es nennst, sondern es ist PSI. Ich bin ein Esper, genauso wie du, Blödmann. Deshalb bin ich hier, weil nur ich dich besiegen kann.“

„Aha? Ich weiß nicht, wie man das nennt. Ich nenne es jedenfalls die Macht in mir. Und ich habe gelernt, davon Gebrauch zu machen, ohne jegliche Rücksichtnahme. So habe ich rasant Karriere gemacht innerhalb des Kartells. Ich bin einer der Mächtigen. Und nur einer steht noch über mir. Ihm will ich den Rang nicht streitig machen, weil es nicht mein Ehrgeiz ist, meine Macht dafür einzusetzen, das Kartell zu erhalten.“

„Nein, du bleibst lieber Bandenchef auf Meynfeld, ich verstehe. Umso besser, verfluchter Zeros. Ich werde diese Welt von dir befreien. Und dann werde ich mich näher mit diesem verabscheuungswürdigen Kartell beschäftigen.“

„Als Toter etwa?“, fragte Zersos hinterhältig und stürmte jetzt vor. Gleichzeitig baute er ein Schutzschild vor sich auf. Keinen gewöhnlichen, sondern einen mit langen Dornen, mit denen er seinen Gegner aufspießen wollte.

Die Macht in ihm verlieh ihm genügend Geschwindigkeit, dass er mit großer Wucht auf den Gegner treffen würde.

Doch dort, wo dieser Gegner noch Sekundenbruchteile zuvor noch gestanden hatte, war der Platz leer.

Wie hatte es Turna de Clarc bloß schaffen können, schon wieder auszuweichen?

Zeros von Meynfeld raste noch einige Meter weiter, bis es ihm gelang, diesen rasenden Lauf zu stoppen und sich herumzuwerfen.

Keinen Sekundenbruchteil zu früh, denn im gleichen Moment wurde er ebenfalls von zwei rotglühenden Lanzen heimgesucht, die Turna de Clarc mit beiden Händen gleichzeitig auf die Reise geschickt hatte.

Sie zerschellten an dem Schutzschild, der immer noch bestand. Doch die Wucht des Aufpralls war so groß, dass Zeros von Meynfeld mehrere Schritte rückwärts taumelte.

Er schrie vor Zorn und schickte jetzt diesen Schutzschirm selbständig auf die Reise. Er konzentrierte sich mit aller Macht darauf, damit der Schutzschild mitsamt den tödlichen Dornenbesätzen selbständig sein Ziel fand, um es zu durchbohren.

Diesmal konnte Turna de Clarc nicht rechtzeitig ausweichen und benötigte ebenfalls alle Kraft, um mit einem eigenen Schutzschild die Attacke abzublocken.

Beide Schutzschilde zerplatzen wie Seifenblasen, die jemand mit einer Nadel gepiekt hatte.

Im nächsten Augenblick befanden sie sich beide wieder in jener Halle, gefesselt an ihre Stühle, auf denen sie nicht mehr saßen, sondern eher erschöpft hingen.

Es bereitete Zeros von Meynfeld sogar alle Mühe, auch nur den Kopf zu heben.

Er fühlte sich wie ausgelaugt.

Wie war das möglich? Der Einsatz seiner Macht hatte ihn noch nie zuvor dermaßen erschöpft.

Aber auch sein Gegner war total erschöpft. Sein hasserfüllter Blick erschien halbwegs gebrochen.

Aber nur halbwegs!

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Was ist eigentlich passiert?, fragte sich Turna de Clarc. Wieso war ich plötzlich auf Meynfeld?

Er runzelte die Stirn und dachte angestrengt nach.

Ja, er erinnerte sich daran, von Clarc zu stammen, einer Randwelt im Sternenreich von Axarabor. Mehrfach war Clarc überfallen worden von diesen Kartell-Gangstern.

War er nicht der oberste Beschützer seiner Welt?

Dabei war er nur einem verpflichtet, nämlich dem gewählten Präsidenten von Clarc. Dieser hatte mehrfach die Raumflotte von Axarabor um Hilfe gebeten. Die war ihm auch gewährt worden. Clarc war von der Raumflotte beschützt worden. Zumindest eine Weile. Doch dann wurden die Raumschiffe nach und nach zurück beordert, weil sie anderswo benötigt wurden.

Die Raumflotte hatte auch vergeblich versucht, die Planeten ausfindig zu machen, auf denen das Kartell sich ausgebreitet hatte. Doch das Universum war so unendlich wie die Anzahl möglicher Welten und damit an Möglichkeiten, sich zu verstecken.

Zwar wurde gemunkelt, dass inzwischen dennoch viele Welten des Kartells durch die Raumflotte von der blutrünstigen Herrschaft des Kartells befreit werden konnten. Aber am Ende hatte es nur dazu geführt, dass Clarc wieder schutzlos gewesen war. Denn die Raumschiffe von Axarabor waren für den Krieg gegen das Kartell gebraucht worden.

Angeblich war das Kartell inzwischen zumindest zur Hälfte geschlagen. Die andere Hälfte der besetzten Welten war einfach noch nicht gefunden worden. Trotzdem wurde Clarc nicht mehr länger beschützt, zumindest nicht über den normalen Schutz hinausgehend, der sich auf ein einzelnes Raumschiff beschränkte. Weil es einen neuen Feind gab. Sie wurden NoSinn genannt und stammten aus der sich über hunderte von Lichtjahren ausdehnenden Raumzone X-Dor-23Y.

Axarabor hatte nach dem erfolgreichen Schlag gegen das Adakoni-Kartell den Großteil seiner Raumflotte zu diesem Bereich entsendet, um die NoSinn zu überfallen. Dabei waren sie allerdings in eine Falle geraten und hatten einige Schiffe verloren, ehe sie sich schleunigst wieder zurückgezogen hatten.

Nun wurde bereits befürchtet, die NoSinn würden zurückschlagen. Es musste jeder der Welten innerhalb des Sternenreiches mit einem Überfall durch die NoSinn rechnen.

Also war zu der Gefahr durch das Adakoni-Kartell und aller anderer Gefahren auch noch die Gefahr durch die NoSinn hinzu gekommen!

Turna de Clarc kannte die Zusammenhänge nicht so genau, die zu alledem geführt hatten. Er wusste nur, dass er sich zur Aufgabe gemacht hatte, auf eigene Faust zu ermitteln, um gegen das Kartell vorzugehen und weitere Überfälle zu unterbinden. Allerdings hatte er keine Ahnung mehr, was nach dieser Absicht erfolgt war. Er wusste noch nicht einmal mehr, wie er überhaupt seinen Heimatplaneten Clarc verlassen hatte.

Erst hier, in dieser Halle, war er zu sich gekommen, gegenüber dem verhassten Mafia-Boss Zeros von Meynfeld. Um sich jetzt erst wieder an das Vorangegangene erinnern zu können.

Woher kannte er eigentlich dessen Namen?

Jemand hatte ihn gefangen genommen. Logisch, sonst wäre er ja nicht an diesen Stuhl gefesselt. Und auch dieser Zeros von Meynfeld, diese verabscheuungswürdige Kreatur von einem Mörder und Banditen, war ein Gefangener.

Er schloss fest die Augen und forschte in seinem Innern.

Die Erschöpfung wich nur allmählich. Er hatte diese Erschöpfung auch an seinem Feind erkannt. Hoffentlich erholte dieser sich nicht schneller als er. Sonst wurde er ihm vielleicht doch noch gefährlich?

Er riss die Augen wieder auf.

Wieso war er vorhin noch auf dieser weiten Lichtung gewesen, im Kampf gegen Zeros von Meynfeld, um jetzt wieder an diesen Stuhl gefesselt zu sein? Und wenn er sich jetzt bemühte, die Fesseln mittels seiner PSI-Kräfte zu sprengen?

Aber allein schon der Gedanke daran bereitete ihm Höllenqualen. Wenn er sich gar darauf konzentrieren wollte, hätte er am liebsten vor Pein aufgeschrien.

Nein, das war nicht möglich. Aus welchem Grund auch immer. Irgendwann hatten diejenigen, in deren Gefangenschaft er geraten war, dafür gesorgt, dass er sich nicht von diesem Stuhl befreien konnte.

Aber wieso war er dann vorhin erst ohne jegliche Fesseln auf Meynfeld gewesen?

Das war vielleicht die Lösung? Wenn er sich nur fest genug konzentrierte, konnte er vielleicht auf diese Weise von hier fliehen?

Immerhin war er so lange dort geblieben, bis die Erschöpfung ihn übermannt hatte, in einer Art und Weise, wie er es noch niemals zuvor erfahren hatte.

Egal, womit dies zusammenhing. Es war eine Chance, und er musste zuerst diese Chance nutzen, denn nur wenn es ihm gelang, der Gefangenschaft zu entfliehen, konnte er weiter gegen das Kartell vorgehen. Auch geben diesen Zeros von Meynfeld. Er musste doch eigentlich nur dafür sorgen, dorthin wieder zu kommen. Eben auf den Planeten Meynfeld. Dann würde der verfluchte Zeros mit Sicherheit zu finden sein, falls es ihm ebenfalls gelingen sollte, zu fliehen. Schließlich war es ihm ja vorhin auch gelungen, nicht wahr?

Seine Miene verzerrte sich zu einer höhnischen Grimasse. Er hielt den Blick fest auf Zeros von Meynfeld gerichtet, während er sich auf diese Welt konzentrierte.

Nicht dieselbe Lichtung, wenn möglich, aber was kannte er sonst noch von Meynfeld?

Leider gar nichts. Also doch wieder diese Lichtung.

Und im nächsten Moment war er dort.

Die Fesseln waren weg, und als er vom Stuhl aufstand, verschwand auch dieser.

Turna de Clarc war tatsächlich wieder frei, doch als er sich zum Gehen abwandte, erschien auch wieder Zeros von Meynfeld.

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Ich habe alles mitbekommen. Nichts ist mir entgangen. Ich habe gesehen, was geschah. Die beiden Gefangenen haben miteinander gekämpft, in einer anderen Umgebung. Sie haben ungeheure Energien entfesselt, von denen ich gar nicht gewusst habe, dass sie überhaupt möglich sind. Dabei haben sie sich völlig verausgabt.

Allerdings gab es da noch etwas anderes, etwas, was anscheinend nur ich bemerkt habe: Je schwächer die beiden wurden, desto stärker... wurde ich! Das heißt, ich spürte in mir eine Macht wachsen, die vorher da mit Sicherheit noch nicht gewesen war. Oder aber sie war so schwach gewesen, dass sie mir nicht auffallen konnte.

Und dann waren die beiden einfach wieder da. Als Gefangene, an Stühlen gefesselt.

Ich bin ihnen nah genug, dass mir nichts entgeht, und dennoch fern genug, um von ihnen nicht entdeckt werden zu können.

Was ist wirklich geschehen?

Mir fällt es wie die sprichwörtlichen Schuppen von den Augen: Sie haben sich überhaupt nicht von der Stelle bewegt! Nach wie vor waren und sind sie an ihre Stühle gefesselt, in Sichtweite, damit sie sich jederzeit ansehen können.

Diese andere Welt war um sie herum entstanden, wie durch Zauberkraft.

Apropos Zauberkraft: Ist das, was in mir erwacht ist, nicht auch so etwas? Wie nennt man es? Einer von ihnen hat es die Macht genannt. Der andere sprach von PSI.

Mir ist es egal, wie man es nennt. Ich will einfach nur wissen, was hier geschieht. Wieso sind sie körperlich hier, während sie sich auf einer anderen Welt bekämpfen?

Jene andere Welt... Ist sie überhaupt real? Entsteht sie etwa durch diese Kräfte? Erschaffen die beiden Kontrahenten ein Szenario, in dem sie sich gegenseitig bekämpfen?

Hier sind sie gefesselt. Sie können nicht unmittelbar gegeneinander antreten.

Doch, anfangs haben sie auch hier gekämpft. Mit ihren unbegreiflichen Kräften. Bevor sie jene weite Lichtung haben entstehen lassen.

Ich muss noch einmal über alles nachdenken, um es vielleicht begreifen zu lernen.

Und dann sehe ich, dass sie schon wieder jene Lichtung entstehen lassen. Ich sehe sie mit eigenen Augen immer noch in diesem großen Raum, groß wie eine Halle. Als Gefangene. Gleichzeitig jedoch sehe ich sie auf jener Lichtung stehen. Sie belauern sich gegenseitig.

Jetzt bewegen sie sich, schleichen sie umeinander herum. Jeder lauert darauf, dass jeden Augenblick der andere angreifen wird.

Wer wird diesmal damit anfangen?

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Das erste Mal ging es unentschieden aus!, dachte Zeros von Meynfeld zerknirscht. Dieser Turna ist nicht leicht zu besiegen.

Es war das erste Mal in seinem Leben, dass er auf einen anderen Esper getroffen war. Er war bislang der Überzeugung gewesen, der einzige dieser Art zu sein. Dabei war er sich beinahe wie ein Gott vorgekommen.

Die Gegner, die er vernichtet hatte, wären wahrscheinlich eher der Meinung gewesen, dass es sich bei ihm um einen Dämon handelte oder sogar um den Teufel persönlich. Aber das hätte ihn nur noch mehr amüsiert.

Jetzt beschäftigte ihn eigentlich nur noch eines: Was konnte er tun, um seinen verhassten Kontrahenten zu besiegen?

„Es kann nur einen geben!“, sagte er laut.

„Da muss ich dir ausnahmsweise zustimmen!“, gab Turna de Clarc grimmig zurück.

Sie schlichen umeinander, im Abstand von rund zehn Metern, und belauerten jede Mimik, jede Geste. Um herauszufinden, ob der Gegner vielleicht doch noch einen Schwachpunkt hatte.

Und dann fiel Zeros endlich ein, wie er seinen Feind austricksen konnte: War das hier nicht so eine Art Heimspiel für ihn? Dies war der Planet Meynfeld, so genannt nach seinem Entdecker. Aus den wenigen Siedlern von einst war eine Bevölkerung herangewachsen, die über eine Milliarde zählte. Dabei hatte sich diese Welt schon vor Jahrtausenden von Axarabor losgesagt. Um dadurch seine Freiheit zu erlangen. Ohne allerdings zu bedenken, dass der Anschluss an das Sternenreich nicht nur Abhängigkeit bedeutete, sondern auch Schutz. Das war ihnen erst klar geworden, als das Kartell auftauchte und den Planeten im Handstreich einnahm.

Zeros hatte dann den Menschen hier gewissermaßen den Rest gegeben. Er hatte sie mit seiner Gewaltherrschaft in Not, Elend und vor allem in die Sklaverei gezwungen. Er und seine gnadenlosen Schergen, die sich einen Spaß daraus machten, raubend, mordend und vergewaltigend durch Städte zu ziehen, um dabei eine Spur der Verwüstung zu hinterlassen.

Und dieser Turna de Clarc war hier, um das aufzuhalten?

Zeros, der sich seit seiner Gewaltherrschaft Zeros von Meynfeld nannte, lachte hässlich.

Was wusste denn schon dieser Turna über den Planeten Meynfeld? Hätte er sich hier ausgekannt, wäre er sicherlich schon früher in Erscheinung getreten, aber es gab auf Meynfeld schon seit sehr langer Zeit keinerlei Gegenwehr mehr. Die Menschen hatten verstanden, dass sie keine Chance hatten gegen das Kartell und vor allem nicht gegen ihren Herrscher, der wahrlich mit dem Teufel im Bunde zu stehen schien.

Blitzschnell wechselte Zeros von Meynfeld über zum Palast. Er materialisierte inmitten der großen Eingangshalle.

„Tötet ihn!“, brüllte er seinen entscheidenden Befehl – und schon stürzte sich die Palastwache auf den einsamen Mann von Clarc.

Die vorderste Front mit gezogenen Schwertern, wie es im Palast von jeher Tradition war. Die zweite Linie jedoch bereits mit Schusswaffen. Die Schwerter ließen sie stecken.

Sie würden nur schießen, falls die erste Welle versagen sollte.

Aber auch Turna de Clarc lachte jetzt, obwohl er unbewaffnet war.

Das hieß, seine eigenen Waffen waren nicht Schwerter und nicht Handfeuerwaffen. Seine Waffen kamen aus ihm selbst. Er brauchte nur einen Schutzwall aufzustellen, mit langen Dornen gespickt – und diesen Schutzwall zu sprengen, um die vorderste Front mit den Dornen niederzumähen, mit all jenen, die ihn kreisförmig in die Zange genommen hatten. Sie waren noch nicht einmal auf dreifache Schwertlänge an ihn heran gekommen.

Details

Seiten
100
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738920604
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v430115
Schlagworte
raumflotte axarabor psi-experiment

Autoren

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Titel: Die Raumflotte von Axarabor #19: Das Psi-Experiment