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Das Ultimatum der Aliens - Tony Ballard Nr. 119

©2018 120 Seiten

Zusammenfassung

Das Ultimatum der Aliens
Tony Ballard Nr. 119

Teil 3/3

von A.F.Morland

Tony Ballard ist der Dämonenhasser. Er kämpft gegen die Mächte der Finsternis und begegnet dem Unfassbaren. Vampire, Dämonen, Werwölfe und andere Kreaturen der Schattenwelt sind seine unbarmherzigen Gegner. Erfolgsautor A. F. Morland schuf diese einzigartige Horror-Serie, die jetzt endlich auch im E-Book vorliegt.

Leseprobe

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Das Ultimatum der Aliens

Tony Ballard Nr. 119

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Teil 3/3

––––––––

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von A.F.Morland

TONY BALLARD IST DER Dämonenhasser. Er kämpft gegen die Mächte der Finsternis und begegnet dem Unfassbaren. Vampire, Dämonen, Werwölfe und andere Kreaturen der Schattenwelt sind seine unbarmherzigen Gegner. Erfolgsautor A. F. Morland schuf diese einzigartige Horror-Serie, die jetzt endlich auch im E-Book vorliegt.  

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild Michael Sagenhorn

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de  

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Das Ultimatum der Aliens

Außerirdische hatten sich rings um das Raumschiff postiert, weil ihr automatischer Magieschutz, auf den sie sich bisher verlassen konnten, nicht mehr funktionierte.

Boram, der Nessel-Vampir, war in das UFO eingedrungen und hatte die Anlage zerstört. Dadurch waren die Monster aus dem All gezwungen, ihr Raumschiff selbst zu schützen.

Sie waren große, kräftige Wesen mit zotteligem Fell. Ihre breiten Schädel saßen ohne Hals direkt auf den Schultern, ihre Augen glühten, und in ihren Mäuiern schimmerten große weiße Zähne.

Sie waren mit maschinenpistolenähnlichen Waffen ausgerüstet. Einige von ihnen trugen außerdem Laserschwerter, deren Strahlenklinge mit einer gefährlichen Weltraummagie angereichert war.

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Sie verstanden sehr viel von Magie, wußten sie gut zu nützen, mengten sie ihrem Treibstoff bei und verließen sich in lebenswichtigen Bereichen auf sie.

Ihre Anführerin, Japa, nannte sich sogar die ›Königin der Magie‹, und sie hatte den Ehrgeiz, ›Königin des Universums‹ zu werden. Dazu aber wäre es nötig gewesen, daß Japa auf ihren Heimatplaneten Vyppon zurückkehrte.

Die Aliens hatten Vyppon verlassen, um Carrsh, den Mutanten, zu fangen. Sie hatten für ihn einen Tempel gebaut, und er sollte ihr Götze sein.

Unvorstellbare Kräfte befanden sich in ihm. Kräfte, die sich Japa zunutze machen wollte. Es war ihr gelungen, Carrsh zu überlisten und gefangenzunehmen.

Man setzte ihn in einer für ihn gebauten, ausbruchssicheren Spezialkammer fest und wollte ihn auf dem kürzesten Wege nach Vyppon bringen.

Aber es hatte Schwierigkeiten im Treibstoffversorgungssystem gegeben. Die Außerirdischen verloren durch eine defekte Leitung so viel Treibstoff, daß sie zu einer Kursänderung gezwungen waren und auf der Erde - im Herzen von New York: im Central Park - notlanden mußten.[1]

Ohne zunächst aus dem Raumschiff zu kommen, gingen sie daran, die Schäden zu beheben. Der Energiehaushalt war bedenklich niedrig. Hinzu kam, daß die Erdatmosphäre einen gefährlichen Einfluß auf Carrsh hatte.

Der Mutant begann zu wuchern! Obwohl man seinen Kerker für ausbruchssicher gehalten hatte, war es einem Teil von ihm gelungen, das Raumschiff zu verlassen, und dieser Teil führte ein selbständiges Leben.

Carrsh hatte auf jenem Planeten, von dem ihn Japa fortgeholt hatte, jegliches Leben ausgelöscht, und dasselbe würde er mit der Erde tun. Die Menschheit war in großer Gefahr!

Aber auch die Aliens waren in Gefahr, denn Carrsh war eine Zeitbombe. Er konnte ihr Raumschiff zerstören. Das enorme Zellenwachstum würde erst zum Stillstand kommen, wenn sie die Erdatmosphäre verließen.

Für den Start benötigten sie Energie, aber ihre Tanks waren so gut wie leer. Um sie aufzufüllen, verlangte Japa fünfzig Menschen, denn das Raumschiff wurde mit einer Aminosäureverbindung betrieben. Diese war nur in organischen Substanzen zu finden, und die von den Außerirdischen bevorzugte Mischung befand sich ausschließlich in Menschen!

Fünfzig Menschen sollten sterben, damit vier Milliarden Menschen am Leben bleiben konnten.

Und es fanden sich dreiundvierzig, die sich zur Verfügung stellten. Dreiundvierzig Retter der Welt. Zu ihnen gesellten sich der Ex-Dämon Mr. Silver, sein Sohn Metal und die drei Männer aus der Welt des Guten: Daryl Crenna, Mason Marchand und Brian Colley.

Sie wollten verhindern, daß auch nur ein einziger Freiwilliger zu Schaden kam, aber die Außerirdischen hatten sie von Anfang an so gut im Griff, daß sie nichts unternehmen konnten.

Man stellte die Opfer in zylindrische Glasbehälter, und ihr Ende war nahe...

***

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ZUM ERSTENMAL SEIT Bestehen der Welt standen die Menschen und der Höllenclan auf derselben Seite, denn die Außerirdischen stellten eine ernstzunehmende Bedrohung der Erde dar, und das wollten die Höllenstreiter nicht zulassen.

Die Welt sollte eines Tages ihnen gehören. Sie waren nicht bereit, sie mit irgend jemandem zu teilen. Deshalb bezogen sie mit den Menschen gemeinsam Front gegen die Aliens - angeführt von Loxagon, dem kriegerischen Teufelssohn.

Atax, die Seele des Teufels, Phorkys, der Vater der Ungeheuer, Mago, der Schwarzmagier und Jäger der abtrünnigen Hexen, sowie die Totenpriesterin Yora hatten sich in New York eingefunden, um die Welt für sich zu retten.

Zunächst hatten sie nur zugesehen, denn es wäre ihnen lieber gewesen, wenn die Menschen ihr Problem selbst gelöst hätten. Es widerstrebte ihnen, Menschen zu schützen, aber es zeigte sich, daß es ohne ihr Eingreifen nicht gehen würde.

Der CIA-Agent Noel Bannister leitete diesen größten Einsatz in der amerikanischen Geschichte. Ihm bot Loxagon seine Unterstützung an, und Bannister wäre verrückt gewesen, sie abzulehnen. Lieber wollte er mit dem Höllenclan paktieren, als die Auseinandersetzung mit den Aliens zu verlieren.

Die Augen der ganzen Welt waren auf New York gerichtet. Wie würde der Besuch aus dem Weltall enden? Wie viele Menschen würden ihr Leben verlieren? Die Aliens hatten bereits gezeigt, wie stark sie waren.

Die Armee hatte sie mit allem eingedeckt, was sie hatte. Zwanzig Minuten Dauerfeuer... Doch danach wies das UFO nicht den geringsten Kratzer auf.

Der Konterschlag der Außerirdischen war mörderisch gewesen. Schwerste Geschütze, Panzer und Soldaten fielen ihm zum Opfer. Seither hatte niemand mehr den Mut, die Außerirdischen anzugreifen.

Niemand außer Loxagon. Er hatte mit seinen Mitstreitern das Krisenhauptquartier, das in einem Apartmenthaus direkt am Central Park eingerichtet war, verlassen.

Sein Vater war Asmodis, seine Mutter eine Schakalin. Der Höllenfürst hatte seine Geburt verhindern wollen, doch er war zu spät gekommen.

Loxagon war lange auf der Flucht gewesen, und die Gefahren der Hölle hatten ihn gestärkt. Er hatte sich an die Spitze eines grausamen Heeres gesetzt und war in viele Höllengebiete eingefallen.[2]

Wer sich ihm nicht unterwarf, verlor sein Leben. Farrac, der Höllenschmied, fertigte eine lebende Waffe für ihn: das Höllenschwert. Von dieser Zeit an hielt sich Loxagon für unbesiegbar, und er schreckte nicht einmal davor zurück, die Hand nach dem Höllenthron auszustrecken. Doch das ließ sich Asmodis nicht gefallen.

Gedungene Mörder lockten Loxagon in eine Falle. Sie dachten damals, den Teufelssohn vernichtet zu haben, doch nach langer Zeit stellte sich das als Irrtum heraus.

Ausgerechnet zwei erbitterte Feinde der schwarzen Macht - Tony Ballard und Mr. Silver - hatten Loxagon die Rückkehr ermöglicht, indem sie Shavenaar, das Höllenschwert, in sein Zeitgrab stießen.

Dadurch zerstörten sie sämtliche magischen Fesseln, und Loxagon konnte sich wieder erheben. Dennoch empfand der Teufelssohn keine Dankbarkeit.

Im Gegenteil; auch er hätte Tony Ballard und Mr. Silver lieber tot gesehen, und er hatte vor, sich bei der erstbesten Gelegenheit das Höllenschwert wiederzuholen.

Shavenaar war durch viele Hände gegangen. Dennoch betrachtete Loxagon das Schwert nach wie vor als sein Eigentum, das er so bald wie möglich wieder in seinen Besitz bringen wollte.

Und dann - wenn ihm Shavenaar wieder gêhörte - würde er abermals gegen Asmodis, seinen Vater, zu Felde ziehen. Natürlich wußte Asmodis, daß sein Sohn das vergessene Grab verlassen hatte, doch der Höllenfürst unternahm nichts gegen ihn.

Hatte Asmodis Angst? Wollte er sich mit Loxagon arrangieren? Es war Platz genug in der Hölle für beide. Man mußte nur gewisse Grenzen abstecken.

Ein solches Angebot war von Asmodis noch nicht gekommen, und Loxagon wußte noch nicht, wie er sich dann entscheiden würde. Aber das war Zukunft.

Die Aliens... das war die Gegenwart! Ein Problem, das die Menschen allein nicht lösen konnten. Deshalb betrat der Höllenclan nun den Central Park.

Als die Außerirdischen sie bemerkten, richteten sie ihre Strahlenwaffen auf sie. Loxagon breitete die Arme aus. »Wir sind unbewaffnet.«

»Was wollt ihr?«

»Wir möchten uns euch zur Verfügung stellen. Das wäre zusätzlich Energie für euer Raumschiff.«

»Wir haben keine Verwendung für euch. Zurück!«

»Japa würde anders entscheiden«, behauptete Loxagon.

»Ihr seid wertlos für uns. Ihr seid keine Menschen.«

Atax, Phorkys und Mago sahen tatsächlich nicht wie Menschen aus. Da die Sperre der Aliens sich nicht öffnete, sagte der Teufelssohn: »Bringt mich zu eurer Nummer eins. Japa will mich sehen. Ich bin Loxagon!«

Diesen Namen hörten die Außerirdischen nicht zum erstenmal. Japa haßte Loxagon, weil er es gewagt hatte, ihr befehlen zu wollen; und wen die Nummer eins haßte, den wollte sie töten, »Gut«, entschieden die Aliens. »Du kommst mit, die anderen bleiben hier.«

»Sie werden mich begleiten!« sagte Loxagon hart.

Da packten ihn schwarze Gorillahände und rissen ihn vorwärts, weg von Atax, Phorkys, Mago und Yora. Und man preßte die Läufe der Strahlenwaffen gegen seinen muskulösen Leib.

Doch Loxagon zeigte keine Furcht. Unerschrocken blickte er den Weltraummonstern in die glühenden Augen, Er spürte, daß seine Begleiter gleich zuschlagen würden.

Die schöne rothaarige, grünäugige Dämonin zog vorsichtig ihren Seelendolch aus dem Gürtel, und im nächsten Moment stürzte sie sich auf den Außerirdischen, der nur zwei Schritte von ihr entfernt stand.

Er schien sie für ungefährlich zu halten, deshalb beachtete er sie kaum. Er fand es nicht einmal der Mühe wert, die Strahlenwaffe auf Yora zu richten.

Diese Unbekümmertheit bezahlte er mit dem Leben, Blitzschnell stach Yora zu, und die vernichtende Kraft des Seelendolches wurde wirksam. Röchelnd brach der Außerirdische zusammen.

Das war das Startzeichen für die anderen. Mago attackierte ein Monster mit seiner starken Magie, Atax attackierte die Aliens mit einem violetten Lichtbündel, das sie blendete und sie niederwarf.

Phorkys bewies, daß er so gefährlich war wie alle Monster zusammen, die er zu schaffen imstande war, und ehe die Aliens dem Teufelssohn mit ihren Strahlenwaffen gefährlich werden konnten, ließ er sich fallen und verwandelte sich augenblicklich in einen aggressiv knurrenden Schakal, der seine kräftigen Zähne sofort in das Bein schlug, das sich unmittelbar vor seiner Schnauze befand.

Der verletzte Außerirdische brüllte auf, kippte nach hinten und fiel auf den Rücken. Mit einem Satz war Loxagon über ihm, und dann stieß die Schakalschnauze auf das Weltallmonster nieder.

Nur einem einzigen Alien gelang es, zu fliehen. Er hatte seine Waffe weggeworfen, war herumgewirbelt und hetzte nun zur Einstiegstreppe.

»Er darf die Luke nicht schließen!« zischelte Mago mit seiner gespaltenen schwarzen Schlangenzunge.

Yora hob die Strahlenwaffe des Außerirdischen auf und schoß dem Fliehenden nach, doch sie beherrschte die Waffe nicht und schoß immer wieder daneben.

Doch Loxagon hatte die Verfolgung bereits aufgenommen. Mit weiten Sätzen näherte sich der Schakal dem Raumschiff. Auf den Stufen setzte die Rückverwandlung ein, ohne daß Loxagon stehenblieb.

Es gelang dem Außerirdischen nicht, die Luke zu schließen; ihm war es wichtiger, sich in Sicherheit zu bringen. Atax, Phorkys, Mago und Yora folgten dem Teufelssohn.

So gelangten sie alle in das goldene UFO der Außerirdischen.

***

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DIE SCHWARZBLÜTLER hatten Strahlenwaffen erbeutet. Atax hatte sogar zwei an sich genommen. Eine überließ er nun Loxagon. Der Teufelssohn wandte sich seinen Mitstreitern zu.

»Wir schlagen uns zum Kerker durch und befreien Carrsh.«

»Der Mutant ist gefährlich!« sagte Yora.

»Wir befreien ihn und lassen ihn die Arbeit tun«, entschied Loxagon. »Er wird alle, die sich an Bord dieses Raumschiffes befinden, töten. Alle... außer uns. Sobald er getan hat, was wir wollten, vernichten wir ihn.«

Dieser Plan war selbst in den Augen der Mitglieder des Höllenclans riskant, dennoch widersprach niemand dem Teufelssohn. Was Loxagon sagte, sollte geschehen.

Dieses eine Mal würden sie sich ihm unterordnen. Hier und heute sollte er die Entscheidungen treffen, doch morgen schon würde jeder Schwarzblütler wieder seinen eigenen Weg gehen.

Sobald sie Carrsh befreit hatten, würden sie - zur eigenen Sicherheit - aufeinander gut aufpassen müssen, denn wenn der Mutant das Leben eines ganzen Planeten auslöschen konnte, war er auch imstande, jeden einzelnen von ihnen zu vernichten. Nur wenn sie ihm als Einheit begegneten, würde er an ihrer vereinten Höllenkraft scheitern, an ihr zugrunde gehen.

Loxagon führte die Schwarzblütler einen goldenen Gang entlang und eine Treppe hinunter. Kurz darauf wölbte sich über ihnen eine- goldene Kuppel. Sie befanden sich im Zentrum des Raumschiffes, ohne daß ein Außerirdischer versucht hätte, sie aufzuhalten.

Aber nun griffen die Aliens an. Sie kamen aus drei Richtungen, doch die Schwarzblütler eröffneten sofort das Feuer und setzten außerdem ihre konzentrierte Höllenkraft ein.

Damit brachten sie die Aliens aus der Fassung. Mit solchen Gegnern hatten die Außerirdischen noch nie zu tun. Sie vermochten sich nicht auf die Dämonen einzustellen, waren gezwungen, zurückzuweichen, ihnen Terrain zu überlassen.

Loxagon und seine Begleiter befanden sich unaufhaltsam auf dem Vormarsch, Sie drängten die Aliens immer weiter zurück. Selbst Japas Monster-Elite war ihnen nicht gewachsen.

Sie erkämpften sich den Zugang zum Kerker, in dem Carrsh brüllte, heulte und tobte. Man konnte ihn auf vier Monitoren sehen. Der Mutant wuchtete sich gegen die dicken Platten seines Gefängnisses. Er war so stark, daß die Nieten und Verschraubungen knackten.

Wenn er frei war, waren die Aliens dem Tod geweiht. Er würde sie sich alle holen. Und anschließend wollte ihm der Höllenclan den Todesstoß geben.

***

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SIE HATTEN SICH KENNENGELERNT, nachdem sie ihr Leben an den ›New York Chronicle‹ für eine Million Dollar verkauft hatten... Sally Jones und Cliff Belford.

Sie - so bitter von einem Mann enttäuscht, daß sie nicht mehr leben wollte. Er - wegen eines Mordes, den er nicht begangen hatte, zum Tode verurteilt. Drei Jahre Todeszelle hatten ihm gereicht. Wenn er schon sterben mußte, sollte wenigstens sein Bruder Philip etwas davon haben. Deshalb hatte er sich für eine Million freiwillig als Retter der Welt gemeldet.

Und dabei hatte er Sally kennengelernt, klein, zierlich und dunkelhaarig. Ein Mädchen, das man gern haben mußte. Cliff hatte sich in sie verliebt, doch diese Liebe hatte keine Zukunft, denn sie befanden sich in den gläsernen Destillationskammern, und in wenigen Augenblicken würden sie sterben.

Sterben... Das hatte Sally gewollt. Nichts mehr wissen... Vergessen... Keinen Seelenschmerz mehr haben... Inneren Frieden finden - für immer...

So hatte sie es sich vorgestellt, aber das war gewesen, bevor sie Cliff begegnete. Nun hätte sie furchtbar gern weitergelebt - für ihn, mit ihm...

Doch das Schicksal war gnadenlos. Es akzeptierte nur eine Entscheidung, und diese brachte es konsequent zu Ende. Verzweifelt und unendlich traurig hob Sally den Kopf und blickte durch einen Tränenschleier zu Cliff hinüber.

Wieviel hätte sie darum gegeben, wenn das alles nur ein böser Alptraum gewesen wäre. Sie wünschte sich so sehr, endlich aufzuwachen und festzustellen, daß das alles nicht wahr war.

Es zuckte um Cliffs Lippen. Er versuchte sie mit einem Lächeln aufzumuntern, doch es mißlang. Seine Angst war einfach zu groß. Er konnte sie nicht mehr überspielen.

Sally glaubte ihm, daß er unschuldig war, doch leider waren Richter und Staatsanwälte von seiner Schuld überzeugt.

Was ist das für eine Welt, fragte sich Sally Jones, in der solche schrecklichen Irrtümer passieren können?

Und der wahre Täter befand sich nach wie vor auf freiem Fuß. Vielleicht würde er wieder morden.

Was mit Cliff Belford passierte, war ein Faustschlag in das Gesicht der Gerechtigkeit, doch das wollte niemand wahrhaben.

»Adieu, mein Liebling«, flüsterte Sally. Sie wußte, daß Cliff sie nicht hören konnte. »Wir werden sterben... Vielleicht finden unsere Seelen zueinander... Drüben, in der anderen Welt.«

Er versuchte von ihren bebenden Lippen abzulesen, was sie sagte. Es gelang ihm bruchstückhaft. Er knirschte mit den Zähnen und dachte voller Wut an Tony Ballard.

Verdammt, warum hat Ballard das getan? Warum hat er mir Mut gemacht? Warum hat er behauptet, wir hätten alle eine Chance? Und dann ging er nicht einmal mit an Bord, weil die Angst ihn übermannte. Er ließ uns im Stich. Er wußte wahrscheinlich von Anfang an, daß wir keine Chance haben. Vielleicht wollte er sich selbst Mut machen. Verflucht, hättest du lieber deinen Mund gehalten, Tony Ballard! Es war unfair, in mir eine Hoffnung zu wecken, die zwecklos ist.

Die Aliens hatten alle Opfer in die Glaszylinder gestellt. Es fehlte nur noch Brian Colley, der Mann aus der Welt des Guten. In seiner Heimat hieß er Thar-pex.

Seine Freunde nannten ihn »Speedy«, weil er sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegen konnte. Er gehörte dem ›Weißen Kreis‹ an, und seine enorme Schnelligkeit hatte ihm schon zahlreiche Erfolge über schwarze Feinde beschert.

Man stieß ihn auf den Glaszylinder zu, in den er eingeschlossen werden sollte. Bisher hatte Thar-pex nichts unternommen. Der blonde Mann mit den blauen Augen, der aussah wie ein Germane, hatte bis zuletzt gewartet. Doch nun wollte er sich nicht auch einschließen lassen.

»Speedy« stellte unter Beweis, daß man ihm diesen Spitznamen zu Recht gegeben hatte. Ein Außerirdischer hatte ihn in den Zylinder gestoßen.

Im nächsten Augenblick stand er aber ganz woanders. In seiner Hand entstand ein Dolch, dessen Klinge glühte. Er schleuderte ihn, der getroffene Außerirdische brach zusammen, und in »Speedys« Hand wuchs sofort ein neuer Dolch nach.

Die Aliens nahmen Thar-pex ins Kreuzfeuer, doch er wechselte unentwegt seine Position, war nicht zu treffen. Dafür bekamen die Feinde aus dem All seine glühenden Dolche zu spüren.

Und während er sie beschäftigte, stellte sich heraus, daß noch jemand -heimlich - an Bord gekommen war: Boram, der Nessel-Vampir. Er befand sich bereits zum zweitenmal im UFO.

So eben verdichtete sich der Dampf, aus dem er bestand, und er wurde sichtbar. Er griff sofort in das Geschehen ein. Mit seinen langen Vampirhauern vernichtete er zwei Aliens.

Dann löste er die Zentralverriegelung, und alle Gefangenen waren wieder frei. Sally Jones und Cliff Belford sanken sich in die Arme.

»Halt mich fest«, schluchzte Sally. »Bitte halt mich fest, Cliff. Ich habe so schreckliche Angst.«

Der Kampf eskalierte. Thar-pex brauchte ihn nicht mehr allein zu bestreiten. Daryl Crenna und Mason Marchand warfen sich sofort in das Getümmel.

Auch Mr. Silver hatte jemanden in das Raumschiff geschmuggelt: Shavenaar, das Höllenschwert!

Es war - wie Boram - nicht zu sehen gewesen, doch nun befahl ihm der Ex-Dämon, sichtbar zu werden, denn nur wenn man es sah, konnte es dem Hünen nützen.

Crenna holte sich eine Strahlenwaffe, Marchand auch, und sie setzten sie sofort ein. Das Kampfgeschehen verlagerte sich. Die Aliens zogen sich zurück.

Mr. Silver setzte sich mit Shavenaar an vorderster Front durch. Ihm zur Seite stand sein Sohn Metal, der ihn zum erstenmal unterstützte.

Der Ex-Dämon hätte es begrüßt, wenn es nicht das letzte Mal gewesen wäre, doch diese Entscheidung lag nicht bei ihm, die mußte Metal selbst treffen, aber Metal war noch nicht soweit.

Gegen die Aliens kämpfte er mit seinem Vater, denn sie waren keine Höllenwesen. Gegen Dämonen zu kämpfen, widerstrebte ihm. Schließlich war er ja selbst einer. Außerdem hatte er zu lange auf der schwarzen Seite gestanden. Der Umdenkungsprozeß brauchte seine Zeit.

Die Außerirdischen wurden mehr und mehr in die Defensive gedrängt. Das gab Metal enormen Auftrieb. Er wollte vorwärtsstürmen, doch sein Vater hielt ihn zurück.

»Vorsicht, Metal. Setz nicht zuviel aufs Spiel!«

Ein greller Strahl sauste haarscharf an Metals Gesicht vorbei. Der Silberdämon zuckte zur Seite, und Fystanat erledigte mit seiner Waffe den Feind.

Mr. Silver, Metal und die Männer aus der Welt des Guten stießen in einem breiten Raum vor. Die Menschen folgten ihnen ängstlich. Cliff Belford hielt Sallys Hand so fest, als wollte er sie nie mehr loslassen. »Wenn wir hier rauskommen... Wenn wir am Leben bleiben, Sally... Würdest... Würdest du mich dann heiraten?«

Sie brachte kein Wort heraus, nickte nur, und Tränen rannen über ihre blassen Wangen.

Er war noch nicht tot. Er würde wieder um sein Leben kämpfen. Es mußte eine Gerechtigkeit für ihn, für Sally, für sie beide geben!

Die Aliens zogen sich durch eine sechseckige Öffnung zurück, und ein Schott krachte sogleich herunter. Mr. Silver erreichte die Tür und versuchte sie zuerst mit Muskelkraft, dann mit Silbermagie zu öffnen.

»Verdammt«, knurrte er ärgerlich. »Da gibt’s kein Durchkommen.«

»Versuchen wir es gemeinsam, Vater«, sagte Metal. Doch auch mit vereinten Kräften erzielten sie keinen Erfolg.

»Wir müssen umkehren«, sagte Packadee.

Jetzt krachte auch hinter ihnen ein Schott herunter.

»Zu spät«, sagte Mr. Silver. »Wir sitzen fest. Ich muß gestehen, daß die Aliens das clever eingefädelt haben.«

Fystanat und Thar-pex machten sich am anderen Schott zu schaffen. Sie hätten sich die Mühe sparen können.

Eine weitere Enttäuschung, dachte Cliff Belford, während er Sally an sich drückte. Er spürte, wie sie zitterte. »Ich... ich dachte, wir würden es schaffen«, sagte sie tonlos.

»Wir werden es schaffen. Hab Vertrauen zu diesen Männern, Sally. Du hast gesehen, wie sie kämpfen. Ich bin sicher, daß sie uns heil rausbringen.«

Aber so sicher, wie er sich den Anschein gab, war er nicht.

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JAPA, DIE NUMMER EINS, hatte das Geschehen auf den Monitoren verfolgt. Sie war schrecklich wütend, weil es den Opfern gelungen war, aus den Destillationskammern auszubrechen.

Zuerst traten sie an, um die Welt zu retten - und dann verließ sie der Mut, und sie brachen aus. Das konnten sie mit Japa nicht machen. Mit der Königin der Magie konnte man nicht spielen.

Das wollte Japa diesen Menschen beweisen. Sie waren an Bord gekommen, um zu sterben, und sie würden sterben.

Japa drückte im Kommandostand auf einen Knopf. Das erste Schott senkte sich, und kaum hatten die Opfer die Schreckenssekunde überwunden, sauste auch das Schott hinter ihnen herab.

Nun saßen sie fest. Nun war es ein leichtes für Japa, sie zu töten. Und die Kameras würden ihr jede Einzelheit des qualvollen Sterbens übermitteln.

Doch vorher setzte sie sich abermals mit Noel Bannister in Verbindung. Sie rief ihn, und er meldete sich sofort.

»Ich will andere Menschen!« sagte sie hart.

»Was ist mit denen geschehen, die ihr an Bord geholt habt?« fragte Noel Bannister aufgeregt.

»Sie sind so gut wie tot.«

Bannister ächzte. »Was habt ihr mit ihnen gemacht?«

»Sie versuchten zu fliehen. Nun sitzen sie fest, und wenn ich auf den Knopf drücke, werden sie sterben. Aber so sind sie für uns wertlos. Ich will andere haben. Fünfzig! Und ich rate dir, sie schnell zu beschaffen, sonst holen wir sie uns!«

Japa unterbrach die Verbindung und wandte sich wieder den Monitoren zu, auf denen Mr. Silver, Metal und die anderen zu sehen waren.

***

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CUCA ÄRGERTE SICH. Sie war nicht nach New York mitgefahren, um hier untätig zu sein, aber Tony Ballard hatte sie nicht mitgenommen, und Loxagon hatte auch auf ihre Unterstützung verzichtet.

Hielt man sie für schwach? Ihr standen immerhin Hexenkräfte zur Verfügung, die sie gegen die Aliens in die Waagschale hätte werfen können, doch niemand wollte etwas von ihr wissen.

Man schien sie einfach vergessen zu haben, und das machte sie wütend. Sie hatte Noel Bannister gegenüber erwähnt, daß sie sich nutzlos vorkomme.

Daraufhin hatte der CIA-Agent erwidert: »Man hat dich zu meinem Schutz hiergelassen.«

»Das hätte auch ein anderer übernehmen können. Tony scheint mir nicht zu trauen.«

»Vielleicht hatte er seine Gründe.«

Es funkelte in Cucas Augen. »Sei vorsichtig mit dem, was du sagst, Noel. Ich habe ein gutes Gedächtnis.«

Der Pentagon-Mann grinste. »Willst du damit versteckt andeuten, du könntest mich auf deine persönliche Abschußliste setzen?«

»Vielleicht.«

»Ich dachte, du bist neutral.«

»Das bin ich«, sagte Cuca. »Aber wer weiß, wie lange noch. Wenn man mich weiter so behandelt und kaum Notiz von mir nimmt, könnte es sein, daß ich mich auf eine Seite stelle, wo man mir mehr Beachtung schenkt.«

Noel Bannister seufzte geplagt. »Deine Sorgen möchte ich haben, dann wäre ich der zufriedenste Mensch. Die Welt steht am Abgrund, knapp vor dem Untergang, und du ringst um mehr Anerkennung. Kann es nicht sein, daß es an dir liegt, wenn niemand was von dir wissen will?«

»Ich weiß, daß mich Tony Ballard haßt«

»Sagen wir, er liebt dich nicht gerade besonders heiß.«

»Er trägt mir nach, daß ich Roxane von Mr. Silvers Seite verdrängt habe«, sagte Cuca.

»Kann sein. Wir hatten Roxane alle sehr gern.«

»Sie hat nicht einmal den Versuch unternommen, um Mr. Silver zu kämpfen. Sehr weit kann es da mit ihrer Liebe zu ihm nicht her gewesen sein.«

»Ich könnte mir vorstellen, daß sie irgendwann zurückkehrt und dir den Kampf, den sie dir schuldet, liefert«, bemerkte Noel Bannister.

Cuca kniff kampflustig die Augen zusammen. »Es ist besser für sie, wenn sie bleibt, wo sie ist, denn wenn sie zurückkehrt, werde ich sie töten.«

»Das kannst du nicht Nicht, solange du neutral bleiben willst. Wenn du der weißen Hexe das Leben nimmst, beziehst du auf der schwarzen Seite Stellung. Dann hast du Mr. Silver und das gesamte Ballard-Team gegen dich.«

»Es wäre nicht das erste Mal...«

»Und Mr. Silver wäre für immer für dich verloren. Er wäre dein Todfeind, würde dich mit dem Höllenschwert verfolgen. Du hättest einen Sieg errungen, der gleichzeitig eine Niederlage wäre. Im übrigen glaube ich nicht, daß du es schaffen würdest, mit Roxane fertigzuwerden.«

»Ich werde es beweisen«, fauchte Cuca.

Und dann kam Japas Stimme aus dem Funkgerät...

Die Nummer eins der Aliens verlangte abermals fünfzig Menschen.

Das trieb Noel Bannister den kalten Schweiß aus den Poren. Er wischte sich mit der Hand über die Augen. Was war mit Loxagon und seinem Höllenclan? Kamen sie nicht zu Mr. Silver und den anderen durch?

Hatten sie überhaupt nicht die Absicht, ihnen beizustehen? Ging es ihnen lediglich darum, das Alien-Problem zu lösen? Noel Bannister ließ sich von dem farbigen Sergeant Baker das Fernglas geben.

Er trat ans Fenster und schaute zum Raumschiff hinüber. Er war schon mit den ersten Freiwilligen nicht einverstanden gewesen. Verflucht, er hätte sich von Tony Ballard nicht überreden lassen sollen.

Dreiundvierzig Menschen würden ihr Leben verlieren - und drei Männer aus der Welt des Guten und zwei Silberdämonen...

Und all das muß ich verantworten! dachte Noel Bannister angeschlagen. Noch einmal fünfzig Menschen? Kommt nicht in Frage, das kannst du dir aus deinem verdammten Monsterschädel schlagen, Nummer eins!

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JAPA WUßTE, DAß NOEL Bannister das erst einmal verdauen mußte. Aber danach würde er ihrer Forderung nachgeben. Er hatte keine andere Wahl. Er konnte nicht das Leben aller Menschen aufs Spiel setzen.

Daß seit dem Ausbruch des Teil-Mutanten bereits größte Gefahr für die Erde bestand, schien noch niemand begriffen zu haben. Carrsh II würde wuchern und wachsen, würde seine Gestalt vervielfachen und sich gegen alles wenden, was auf diesem Planeten lebte.

Doch so lange würde Japa mit ihrer Mannschaft nicht mehr hier sein. Die Saat des Grauens würde aufgehen, wenn sich das Raumschiff auf dem Weg nach Vyppon befand.

Sie würden eine Welt der Verlorenen zurücklassen. Das Opfer weiterer Menschen würde nur ihnen, den Außerirdischen, nützen.

Japa beobachtete die Eingeschlossenen. Sie hätten diesen Fluchtversuch nicht unternehmen dürfen, sondern sich in ihr Schicksal fügen sollen, denn ihr Leben hatten sie bereits verloren, als sie an Bord des Raumschiffes gekommen waren.

Japa trat an ein goldenes Schaltpult, und ihre schwarze Gorillahand näherte sich jenem Knopf, der das Ende der Eingeschlossenen einleiten würde.

Noch glaubten sie an eine Möglichkeit, freikommen zu können, doch in Kürze würde ihre Todesangst die schwache Flamme der Hoffnung ersticken.

Einige Sekunden gönnte Japa den Menschen noch.

Dann begrub sie den Knopf unter ihrem Daumen...

***

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PAKKA-DEE, FYSTANAT und Thar-pex setzten Strahlenwaffen ein. Sie versuchten das Schott ›aufzuschweißen‹, doch die Goldwand war zu dick, die Legierung zu hart, zu widerstandsfähig.

Das Gold schmolz lediglich an der Oberfläche. Die Strahlen vermochten das Schott nicht zu durchdringen. Dichtgedrängt standen die dreiundvierzig Menschen beisammen.

Frauen und Männer, jung und alt. Jeder hatte einen anderen Grund gehabt, sich zu melden. Dreiundvierzig verschiedene Schicksale, aber das Ende sollte für sie alle gleich aussehen.

Sally Jones klammerte sich an Cliff Belford. Die beiden sahen und hörten die anderen nicht. Sie waren für sich allein - dem Schicksal dankbar, daß sie einander noch einmal spüren durften.

Zum letztenmal, wenn es nach Japas Willen ging...

In diesem breiten Raum nützte es Thar-pex überhaupt nichts, daß er so schnell war. Solange er hier festsaß, konnte er diesen Vorteil nicht ausspielen.

Mr. Silver musterte seinen Sohn. »Irgendeine Idee, Metal?«

Der Gefragte schüttelte den Kopf. »Wie lange werden sie warten?«

»Warten? Worauf?«

»Sie führen doch sicher irgend etwas gegen uns im Schilde«, sagte Metal. »Wenn wir wüßten, was, könnten wir uns rechtzeitig darauf einstellen.«

Mr. Silver ließ seinen Blick schweifen. »Wir werden garantiert beobachtet.«

Metal entdeckte eine Kamera und machte seinen Vater darauf aufmerksam. Kalt starrte das Glasauge sie an. Es gab mit Sicherheit weitere Kameras, doch Mr. Silver wandte sich dieser zu.

Er legte beide Hände um den Griff des Höllenschwerts und streckte die Waffe dem Glasauge entgegen. Er rechnete damit, daß Japa ihn auch hören konnte, und er hatte die Absicht, die Nummer eins der Aliens aus der Reserve zu locken.

»Japa!« rief er abschätzig. »Bist du so feige, daß du dich hinter dem Glasauge einer Kamera verstecken mußt? Mein Name ist Silver. Du solltest ihn dir merken. Ich bin nicht wie diese Menschen, die sich ängstlich zusammengerottet haben. Ich fürchte dich nicht, und ich bin entschlossen, dir das zu beweisen! Ich hoffe, du kannst mein Schwert gut sehen, denn mit dieser Waffe werde ich dich töten. Ich fordere dich zum Kampf, Japa. Wenn du Mut hast, tritt mir entgegen. Ich warte. Und mein Schwert freut sich darauf, dir den Kopf vom Rumpf zu schlagen!«

Die Stimme des Ex-Dämons verhallte, doch die Nummer eins fand es wieder einmal unter ihrer Würde, zu antworten. Metal hob den Kopf.

»Die Decke«, sagte er. »Sie hat sich gesenkt, und sie senkt sich weiter, Vater!«

Mr. Silver schaute nach oben und stellte fest, daß sein Sohn recht hatte. Sie schienen sich in einer riesigen Schrottpresse zu befinden. Nirgendwo im Raum waren sie sicher. Die Wände waren glatt und boten keinen Unterschlupf. Lautlos bewegte sich die goldene Decke.

Metal wurde zu Silber. Er hob die Arme und legte die Hände auf die Decke. Er wollte ihre Abwärtsbewegung stoppen, doch seine Kraft reichte nicht.

Selbst als ihn Mr. Silver dabei - ebenfalls zu Silber erstarrt - unterstützte, kam die Decke weiter herunter. Die Menschen waren verzweifelt.

Einige gaben sich auf, andere flehten den Himmel an, ihnen beizustehen. Sie alle hatten längst begriffen, daß man sein Leben - aus welchen Gründen auch immer - nicht wegwerfen darf.

Sie hätten gern weitergelebt, aber wie lange würde das noch möglich sein? Bald war die Decke so tief, daß niemand mehr stehen konnte. Die Opfer saßen oder lagen auf dem Boden, das Gesicht von der Decke abgewandt, weil sie nicht die Kraft hatten, ihrem schrecklichen Ende entgegenzusehen, Cliff Belford lag neben Sally Jones. Er hatte seinen Arm um sie gelegt.

»Wenn es sein muß«, sagte er heiser, »werden wir gemeinsam in den Tod gehen. Wir werden im Tod vereint sein, Sally. Das ist mehr, als ich vor wenigen Minuten - als ich allein in diesem Glaszylinder stand - zu hoffen wagte.«

Mr. Silver hockte auf seinen Fersen und beobachtete die Decke. »Sie wird uns zu Silberblech plattdrücken«, knurrte er.

Metal sagte nichts.

Der Ex-Dämon zermarterte sich den Kopf, wie er sich und die anderen retten konnte.

Plötzlich hatte er eine Idee: Shavenaar!

Er drehte das Höllenschwert um, so daß die Spitze nach oben wies, und die goldene Decke senkte sich darauf nieder. Würde Shavenaar brechen?

Selbst Mr. Silver wußte nicht, wie stark das Höllenschwert war. Wo waren Shavenaars Grenzen? Wenn die Waffe brach, waren sie verloren, denn weder die Männer aus der Welt des Guten noch die Silberdämonen vermochten die Decke aufzuhalten. Würde es Shavenaar gelingen?

Als Klinge und Decke sich berührten, gab es ein knirschendes Geräusch. Gespannt wartete Mr. Silver, was nun geschehen würde. Der Druck der Decke war enorm, das hatte der Ex-Dämon zu spüren gekriegt.

Wie sollte ihm Shavenaar standhalten? Die Klinge, im Höllenfeuer gehärtet, begann zu fluoreszieren. Shavenaar bot seine ganze Kraft auf, um dem Druck der Decke zu widerstehen.

Und das Höllenschwert siegte bei dieser Kraftprobe!

Als das für die Menschen Gewißheit geworden war, stießen sie Freudenschreie aus.

»Es hält«, sagte Mr. Silver erleichtert. »Metal, es hält!«

Auch Mr. Silvers Sohn entspannte sich, und er hatte plötzlich noch mehr Achtung vor der Stärke dieser ungewöhnlichsten aller Waffen.

Cliff Belford wischte Sally mit seinem Taschentuch die Tränen vom Gesicht. »Siehst du... Wir schaffen es«, sagte er mit belegter Stimme. »Ich wußte, daß wir es schaffen.« Er lächelte. »Du hast mir etwas versprochen. Weißt du es noch? Ich habe dich etwas gefragt, und du hast genickt, hast zugestimmt.«

Sally küßte ihn. »Ich möchte sehr gern deine Frau werden, Cliff.«

»Wir werden sehr glücklich sein«, sagte er. »Die ganze Welt wird von der Ungerechtigkeit erfahren, die mir passiert ist. Man wird mich freilassen müssen. Der Druck der Öffentlichkeit wird einfach zu groß sein. Sie werden nicht den falschen Mann zum Tode verurteilen. Nicht nach all dem, was ich hinter mir haben werde, wenn wir erst aus diesem UFO entkommen sind. Ich werde treu sein bis ans Ende meiner Tage, Sally. Ich schwör’s dir heute schon.«

Sie streichelte sein Gesicht, »Es ist noch zu früh.«

»Es kann nicht früh genug sein«, behauptete Cliff Belford. »Vor dem Traualtar werde ich meinen Schwur wiederholen.«

»Ach, Cliff, du bist verrückt. Wir befinden uns immer noch in der Gewalt dieser Bestien.«

Er legte ihr den Zeigefinger auf die Lippen und brachte sie zum Schweigen. »Pst! Keine solchen Worte, Sally. Wir haben Grund zu hoffen. Du hast gesehen, was dieser Mr. Silver mit seinem Schwert zustande gebracht hat. Und Metal... Crenna, Marchand und Colley... Das sind keine Menschen. Ich habe keine Ahnung, woher sie kommen und was sie sind. Ich bin nur froh, daß es sie gibt, denn sie finden mit Sicherheit einen Weg nach draußen.«

»Hoffentlich behältst du recht.«

***

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ALS JAPA SAH, WAS MR. Silver mit dem Höllenschwert zuwege brachte, fluchte sie in der Vyppon-Sprache. Sie drückte mehrmals zornig auf den Knopf, doch die massive Golddecke bewegte sich keinen Millimeter tiefer.

»Was ist das für ein Schwert?« zischte sie.

Gleichzeitig erwachte in ihr der Wunsch, diese Waffe zu besitzen.

Der Ausbruch der Gefangenen hatte Japa so sehr beschäftigt, daß sie die anderen Monitore völlig außer acht gelassen hatte. Dadurch war ihr entgangen, daß Dämonen das Kaumschiff gestürmt hatten.

Sie wußte nicht, daß Loxagon mit seinen Mitstreitern Carrshs Gefängnis erreicht hatte. Ugun, ihr unmittelbarer Untergebener, die Nummer zwei im Raumschiff, meldete sich aufgeregt.

»Japa! Nummer eins!«

»Was ist los, Ugun?«

»Ein Überfall! Unsere Wachen wurden ausgeschaltet! Wir mußten uns zurückziehen! Den Feinden ist es gelungen, bis zu Carrshs Kerker vorzudringen!«

Japa suchte die Bestätigung auf den Bildschirmen, und sie sah die Dämonenclique.

»Sie werden von Loxagon angeführt...«, meldete Ugun.

»Loxagon!« kreischte Japa vor Wut.

»Er hat es gewagt, mir Befehle erteilen zu wollen, und nun stürmt er auch noch mein Raumschiff!«

»Er will Carrsh befreien!«

»Carrsh wird ihn fressen!« schrie die Nummer eins. »Nachdem ich ihn getötet habe!«

Japa griff nach ihrem Laserschwert und verließ den Kommandostand. Loxagon sollte durch ihre Hand sterben -und Mr. Silver auch. Sie hatte nicht vergessen, was er gesagt hatte.

***

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DAS RIESIGE FRACHTSCHIFF hieß NEPTUN und hatte erst vor kurzem New York verlassen. Jetzt befand es sich auf dem Atlantik, mit Kurs nach Europa -ein langer Weg.

Das Kommando hatte Kapitän Gene Neame, ein erfahrener Seebär der alten Schule. Seiner Ansicht nach kam der Kapitän gleich nach dem lieben Gott, wenn nicht gar mit diesem zugleich. Und er konnte es nicht ausstehen, wenn man ihn mißachtete oder überging, denn dafür nahm er sich zu wichtig.

Genau dazu war es aber gekommen: Ein Sanitätshubschrauber der Armee war auf dem Kahn gelandet, ohne daß jemand gefragt hätte, ob der Kapitän das erlaubte.

Und dahinter flatterte ein zweiter Hubschrauber, der auch in wenigen Minuten aufsetzen würde.

Die Armee konnte doch nicht machen, was sie wollte! Deshalb hatte der bärtige Kapitän seinen Ersten Offizier Ernest Stevens losgeschickt, um den Soldaten das klarzumachen. Man befand sich nicht im Krieg; doch selbst dann hätte man sich per Funk mit dem Frachter in Verbindung setzen können, fand der Kapitän. Wozu gab es schließlich Funkgeräte?

Okay, er nahm noch hin, daß vielleicht ein Gerät ausgefallen war. Aber gleich alle beide? Nein, das zeugte eher von schlechten Manieren.

Nun, Kapitän Neame war entschlossen, den Soldaten bessere Manieren beizubringen. Er konnte verdammt ungenießbar sein, wenn man ihn ärgerte, und er fand, daß sein Ärger berechtigt war.

Ernest Stevens hatte die Brücke verlassen und kletterte nun die Leiter hinunter. Unten angekommen, zog er den Schirm seiner Mütze etwas tiefer in die Stirn, und dann näherte er sich mit grimmiger Miene dem Sani-Copter. Sein Gesicht drückte den Unmut des Kapitäns aus.

Ihm selbst war der Zwischenfall eher gleichgültig. Die Soldaten hatten mit Sicherheit einen triftigen Grund, auf dem Frachter zu landen.

In wenigen Minuten würde sich alles aufgeklärt haben. Aber Kapitän Neame wollte die Soldaten gemaßregelt sehen, deshalb würde der Erste Offizier denkbar unfreundlich sein.

Noch hing der zweite Hubschrauber in der Luft, aber er würde nur mit einer geringen Verzögerung aufsetzen. So etwas hatte Ernest Stevens noch nicht erlebt.

Er war gespannt auf die Ausreden der Soldaten. Wenn er geahnt hätte, daß sich Carrsh, der Mutant, an Bord des Sani-Copters befand, wäre er wohl augenblicklich ins Meer gesprungen.

Doch woher hätte er das wissen sollen?

***

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DEN SANITÄTER UND DEN Arzt hatte Carrsh getötet und aus dem Hubschrauber geworfen. Ihre Leichen waren in den Fluten des East Hiver versunken, und Carrsh hatte den Piloten Carl Addams gezwungen, auf’s Meer hinauszufliegen.

Soeben hatte der Sani-Copter auf der NEPTUN aufgesetzt. Addams, der Sohn eines ehrgeizigen Luftwaffengenerals, zitterte wie Espenlaub. Der Schweiß rann ihm in breiten Bächen über das Gesicht.

Er hatte kurz vor der Landung aus dem Hubschrauber springen wollen, aber dann war ihm aus Carrsh ein gelber Stachel entgegengewachsen, und ihm war klar gewesen, daß der Mutant damit zustoßen würde, wenn er auch nur den Versuch unternahm, aus der Maschine zu kommen, Addams’ Herz schlug wie verrückt gegen die Rippen. Das Wesen auf dem Copilotensitz war ständig in Bewegung, immerzu im Begriff, sich zu verändern.

Aus einem Schnabelmaul hingen schorfige Lappen, die sich soeben aufrollten und zu käferähnlichen Gebilden wurden. Addams wagte sich nicht zu regen.

Er hatte getan, was Carrsh von ihm verlangte. Würde dieses Weltraumungeheuer ihm dafür das Leben lassen? Addams glaubte es eher nicht.

Carrsh war ohne jegliches Gefühl. Er reagierte lediglich auf Leben. Und seine Reaktion war immer die gleiche: Er vernichtete dieses Leben!

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738920055
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Mai)
Schlagworte
ultimatum aliens tony ballard
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Titel: Das Ultimatum der Aliens - Tony Ballard Nr. 119