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Jim Sannon #10: Shannon und die Goldhyänen

2018 120 Seiten

Zusammenfassung

In der Stadt Riverbend beginnt ein riskantes Pokerspiel, an dem auch Jim Shannon beteiligt ist. Die Spannung steigt – und Ärger liegt in der Luft. Da taumelt plötzlich ein völlig erschöpfter und schwerverletzter Mann in den Saloon. Er stimmt vom Flussdampfer „Swallow“, der weiter im Norden vom Eis eingeschlossen worden ist. Die Sioux haben einen Angriff gestartet und angeblich alle Besatzungsmitglieder getötet. Bevor der Mann selbst stirbt, erzählt er den staunenden Saloongästen, dass sich auf dem Dampfer auch viele Abenteurer und Goldsucher befanden, und einige von ihnen waren sehr reich. Auf der „Swallow“ muss sich also noch viel Gold befinden, falls es die Sioux zwischenzeitlich nicht weggebracht haben.
Auch Margy Newman bekommt das mit. Ihr Vater Bill Newman ist der Kapitän der „Swallow“. Margy wollte hier in Riverbend auf die Ankunft des Dampfers warten – und jetzt befürchtet sie, dass auch ihr Vater nicht mehr lebt. Einige Männer aus Riverbend erklären sich sofort bereit, trotz des heftigen Winters nach Norden zu reiten, und Margy will mit ihnen kommen. Auch Shannon schließt sich ihnen an.
Es wird ein Ritt in eine eisige Winterhölle, und die Natur kennt kein Erbarmen. Getrieben von der Gier nach Gold nehmen die Männer jedes Risiko auf sich, um die „Swallow“ zu erreichen. Auch wenn sie wissen, dass es für einige von ihnen keine Rückkehr mehr geben wird.

Leseprobe

In der Stadt Riverbend beginnt ein riskantes Pokerspiel, an dem auch Jim Shannon beteiligt ist. Die Spannung steigt – und Ärger liegt in der Luft. Da taumelt plötzlich ein völlig erschöpfter und schwerverletzter Mann in den Saloon. Er stimmt vom Flussdampfer „Swallow“, der weiter im Norden vom Eis eingeschlossen worden ist. Die Sioux haben einen Angriff gestartet und angeblich alle Besatzungsmitglieder getötet. Bevor der Mann selbst stirbt, erzählt er den staunenden Saloongästen, dass sich auf dem Dampfer auch viele Abenteurer und Goldsucher befanden, und einige von ihnen waren sehr reich. Auf der „Swallow“ muss sich also noch viel Gold befinden, falls es die Sioux zwischenzeitlich nicht weggebracht haben.

Auch Margy Newman bekommt das mit. Ihr Vater Bill Newman ist der Kapitän der „Swallow“. Margy wollte hier in Riverbend auf die Ankunft des Dampfers warten – und jetzt befürchtet sie, dass auch ihr Vater nicht mehr lebt. Einige Männer aus Riverbend erklären sich sofort bereit, trotz des heftigen Winters nach Norden zu reiten, und Margy will mit ihnen kommen. Auch Shannon schließt sich ihnen an.

Es wird ein Ritt in eine eisige Winterhölle, und die Natur kennt kein Erbarmen. Getrieben von der Gier nach Gold nehmen die Männer jedes Risiko auf sich, um die „Swallow“ zu erreichen. Auch wenn sie wissen, dass es für einige von ihnen keine Rückkehr mehr geben wird.

Die drei Männer am Pokertisch starrten Shannon hasserfüllt an. Ihre Hände tasteten zu den halb unter den Jacken verborgenen Waffen. Shannons nervige Rechte lag bereits am Kolben seines 44er Colts. Mit der Linken griff er nach dem Bündel Geldscheine inmitten der ausgebreiteten Karten und leeren Brandygläser. Sein schmales Gesicht war eine glatte kühle Maske.

„Es war ein faires Spiel, Gents. Lasst also lieber eure Schießeisen stecken. Einen von euch würde ich auf jeden Fall mitnehmen. Sind einhundertfünfzig Bucks das wirklich wert?"

Es war totenstill in dem kleinen, verräucherten Saloon, als der dunkelhaarige Satteltramp vorsichtig aufstand. Die übrigen Tische waren leer. Der geiernasige Saloonkeeper war verschwunden, als hätte er das Unheil vorausgeahnt. Nur das Heulen des Sturms, der den ersten Schnee in diesem Winter über den Missouri peitschte, drang herein. Der gusseiserne Kanonenofen bullerte. Die verrußten Petroleumlampen warfen Shannons Schatten verzerrt an die schmucklose Bretterwand.

Ruhig schob der große schlanke Mann die Geldscheine in die mit Fell gefütterte Jacke. Dann bewegte er sich rückwärts zur Tür, ohne die drei wie zum Sprung auf ihren Stühlen kauernden Bürger der einsamen Stadt am Missouri aus den Augen zu lassen.

„Verdammter Kartenhai!“, knirschte Mort Finley, der gedrungene Schmied. „Lass das Geld hier, sonst kommst du nicht lebend aus Riverbend raus!“

„Versucht nicht, mich zu halten. Ihr schafft es nicht.“

„Aber ich! Nimm die Pfoten hoch, Shannon, sonst schieß ich dir ’ne Kugel In den Kopf!“

Die Tür hinter Shannon war plötzlich aufgeflogen. Der Sturm jagte einen eisigen Flockenwirbel herein. Sekundenlang drohten die Lampen zu verlöschen. Dann wurde das Gellen des Sturmes mit dem Zuklappen der Tür wieder gedämpft.

Shannon sah den bläulich schimmernden Colt, der auf seinen Rücken deutete, im Spiegel über der Bar. Mit wuchtigen Schritten kam Joe Blackburn, der Besitzer des einzigen Stores in Riverbend, zwischen den Tischreihen auf ihn zu. Ein Mann wie ein Bär, groß, massig, in einem alten abgetragenen Kavalleriemantel. Ein dichter Vollbart umrahmte sein derbes Gesicht. Er hielt den Navy Colt in der linken Faust. Aus dem rechten Ärmel ragte statt der Hand ein brauner Holzstumpf mit einem Eisenhaken. Dave Dunbar, der Saloonkeeper, war mit ihm hereingekommen, ebenfalls mit einem Sixshooter bewaffnet.

Das Ganze lief wie nach einem Plan ab. Nun sprangen auch die drei am Tisch auf und zogen ihre Revolver. Vor ein paar Minuten hatten sie noch wie friedliche, harmlose Bürger gewirkt. Jetzt waren sie zum rücksichtslosen Schießen entschlossen. Gespielt gleichmütig hob Shannon die Hände.

„Ihr werdet umsonst nach einem fünften Ass in meinen Ärmeln suchen ...“

„Darauf pfeif ich!“, knurrte Blackburn hinter ihm. „Rück den Zaster heraus, den du diesen Narren abgeknöpft hast! Mort, Link, Don, wie konntet ihr auch so verrückt sein, euch mit einem so kaltschnäuzigen Hundesohn an den Spieltisch zu setzen. Das merkt doch ein Blinder, dass dieser Kerl entweder vom Revolver oder von den Karten lebt.“

„Shannon hatte jede Menge Geld bei sich“, keuchte Don Whittaker, der mit seinem Bruder Link die Stellmacherei betrieb. „Mindestens zweihundert Bucks! Weiß der Teufel, wo er die abgestaubt hat. Jedenfalls war das der Grund, warum wir uns mit ihm angelegt haben. Du weißt ja, Joe, dass jeder von uns in diesem lausigen Kaff ein paar Bucks dringend benötigt. Du selber erinnerst uns doch dauernd daran, wie tief wir bereits bei dir in der Kreide stehen. Hölle und Verdammnis, wir konnten nicht ahnen, dass die Runde so ausgehen würde.“

„Redet nicht lange! Nehmt ihm die Moneten ab! Aber Vorsicht, das ist einer von der ganz harten Sorte.“

Sie hatten Jim Shannon gleich Wölfen eingekreist. Gier und Hass glühten auf ihren von einem rauen, entbehrungsreichen Leben gezeichneten Gesichtern.

Shannon lächelte spöttisch. „Sieh an, da bin ich ja in ein richtiges Räubernest geraten ...“

Blackburn schlug jäh und mitleidlos mit dem Coltlauf zu. Shannon stürzte schwer vornüber. Es dauerte eine Weile, bis er wieder denken konnte. Er lag rücklings auf den schmutzigen Saloonbrettern. Die Gesichter von Blackburn, Dunbar, Finley und der beiden Whittaker-Brüder tauchten wie durch Nebelschleier über ihm auf. Gesichter, in denen es keine Spur von Bedauern oder Mitgefühl gab. Ihre Waffen zielten noch immer auf ihn. Shannon musste nicht erst nachsehen, um zu wissen, dass sie seine Taschen gründlich ausgeräumt hatten. Außerdem war die Colthalfter leer.

Der drahtige, lederhäutige Link Whittaker kratzte sich am Kinn.

„Was fangen wir jetzt mit ihm an, Joe?“

Blackburn brummte: „Wenn wir ihn laufen lassen, tauchte er garantiert irgendwann mit ein paar Freunden hier wieder aul und hält uns seine Kugelspritze unter die Nase. Besser, wir gehen kein Risiko ein und werfen ihn in den Fluss. Da bleiben keine Spuren.“

Whittaker fuhr zurück. „Joe, du liebe Zeit, das ist ja ...“

Sein Bruder Don legte ihm die schwielige Hand auf die Schulter. Seine Stimme klang rissig. „Joe ist der Boss. Der weiß schon, was er tut. Willst du, dass dieser Kerl uns eines nachts aus dem Hinterhalt abknallt? Na also! Diese Sattelstrolche mit den tiefgeschnallten Colts haben ja doch alle was auf dem Kerbholz. Um den ist es nicht schade. Kein Hahn kräht nach ihm, wenn er im Big Muddy verschwindet. Uns bleibt keine Wahl.“

Shannon vergaß die Schmerzen in seinem Kopf. Schwankend richtete er sich auf. Riverbend, die kleine armselige Stadt mitten in der Weite des nördlichen Dakota, war plötzlich zu einem Albtraum für ihn geworden.

„Ihr seid ja verrückt!“, keuchte er. „Ihr werdet doch wegen lumpiger dreihundertfünfzig Dollar keinen Mord begehen!“

„Halt die Klappe!“, fuhr Blackburn ihn an. „Dreihundertfünfzig Bucks sind für uns ’ne Menge Geld, genug, um diesen verdammten Winter zu überstehen. Außerdem sind uns revolverschwingende Herumtreiber, wie du einer bist, ein Gräuel. Los, Boys, fesselt ihn!“

Finley und die Whittaker-Brüder stürzten sich wie von der Kette gelassene Hunde auf Shannon. In diesem Augenblick konnten Blackburn und Dunbar nicht schießen, ohne sie zu treffen.

Shannon hatte in tausend Gefahren gelernt, jeden Bruchteil einer Chance zu nutzen. Katzenhaft sprang er zurück, empfing Don Whittaker mit einem knochenharten Schwinger und rammte Mort Finley das rechte Knie in den Leib. Der Schmied brüllte auf, klammerte sich jedoch an ihm fest und riss ihn zu Boden. Shannon schmetterte ihm die Faust seitlich ans Kinn, rollte von ihm weg und sprang auf. Link Whittaker zögerte, als Shannon blitzschnell einen Stuhl hochriss, um sich zu wehren. Dieser pantherhafte Mann mit dem starren Gesicht und den funkelnden Augen war ihm plötzlich unheimlich.

„Gib ihm ’ne Kugel, Joe!“, kreischte Don.

„Aufhören!“ Der helle, empörte Ruf kam von der Treppe, die zum Obergeschoss führte. „Ich schieße, wenn einer von euch abdrückt.“

*

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DIE KÖPFE DER MÄNNER flogen herum. Auf den untersten Stufen stand eine junge hübsche Frau in einem hochgeschlossenen, bis zu den gerundeten Hüften eng anliegenden Kleid. Das hochfrisierte blonde Haar glänzte seidig. Locken ringelten sich über den Ohren. Die schmale Rechte umklammerte einen 32er Smith and Wesson. Abscheu und Zorn funkelten in den dunkelblauen Augen.

Der hagere Dunbar krächzte: „Halten Sie sich da raus. Miss Newman. Gehen Sie wieder auf Ihr Zimmer. Wir haben es hier mit einem gefährlichen Falschspieler zu tun.“

„Pah! Geben Sie sich keine Mühe. Ich habe alles mit angehört. Ihr wart ja laut genug. Die Gier nach seinem Geld hat euch um den Verstand gebracht. Für ein paar Dollars seid ihr wohl zu allem fähig.“

„Ein Grund mehr für Sie, sich nicht einzumischen!“, murmelte der Saloonbesitzer verbissen. „Dieser Satteltramp hat das Geld ja doch nicht ehrlich erworben, und wir sind arme Leute, Ma’ am. Wir haben alles geopfert, um diese verdammte Stadt mit viel Mühe und Entbehrungen aufzubauen, weil wir uns von den Dampfern auf dem Fluss das große Geschäft erhofften. Was ist daraus geworden? Eine Pleite! Kaum ein Steamer hält hier länger als nötig ist, um Brennholz an Bord zu nehmen. Die paar Farmen im Hinterland reichen nicht aus, um ...“

„Sei still, Dave!“, grollte der bärtige Storebesitzer. „Unsere Sorgen gehen niemand was an. Wir schulden niemand Rechenschaft. Wer ist diese Frau überhaupt?“

Die junge Blonde kam entschlossen auf die Gruppe zu. „Mein Name ist Margy Newman. Ich habe mich heute bei Dunbar einquartiert, weil ich hier auf die „Swallow“ warten will, den letzten Flussdampfer, der in diesem Jahr von den Goldfeldern in Montana herabkommt. Mein Vater ist Kapitän des Schiffes. Und jetzt weg mit den Waffen! Lasst Shannon gehen!“

„Mitten in der Nacht wird er bei diesem Schneetreiben nicht weit kommen“, grinste Blackburn verkniffen.

„Weit genug, euch zu vergessen.“ Shannon konnte schon wieder lächeln, als er die junge Frau anblickte. „Vielen Dank. Ma’am. Schade, dass wir uns nicht unter günstigeren Umständen kennengelernt haben. Ich hoffe, die „Swallow“ wird mit Ihrem Vater bald hier sein.“

Er wollte seinen Colt aufheben. Rasch stieß der Einarmige die Waffe mit dem Fuß zur Theke hinüber. „Nicht so hastig, Freundchen! Ich bezweifle, dass die Lady wegen eines fremden Kartenhais tatsächlich auf einen von uns schießen wird. Ich denke, sie blufft nur. Ist es nicht so?“

Seine gefährlich glitzernden Augen hefteten sich lauernd auf Margy Newman.

Unwillkürlich trat die junge Frau ein paar Schritte zurück. „Bleiben Sie stehen! Ich werde schießen!“

Joe Blackburn lachte rau. Wie ein gereizter Grisly stapfte er schwerfällig auf die weiter zurückweichende Frau zu. Shannon duckte sich, konnte aber nichts unternehmen. Dunbar presste ihm den Revolver gegen die Rippen.

Eine Bö fauchte plötzlich herein. Krachend schlug die Tür gegen die Bretterwand. Blackburn wirbelte mit der angeschlagenen Waffe trotz seiner massigen Figur so schnell und geschmeidig herum, dass Shannon kein Zweifel mehr blieb. Dieser Mann war, ungeachtet seiner Armprothese, ein höllisch gefährlicher Kämpfer! Ganz sicher hatte er die geringste Zeit seines Lebens hinter der Theke eines Krämerladens verbracht.

Eine taumelnde, über und über mit Schnee bedeckte Gestalt löste sich aus dem Schneegestöber, das der Sturm in den Saloon peitschte. Glasige Augen in einem bärtigen, von der Kälte verfärbten und verschwollenen Gesicht starrten die Männer und die junge Frau an, schienen sie aber nicht zu sehen.

Der Fremde bewegte sich wie von unwiderstehlicher Macht angezogen auf die Brettertheke zu. Bei jedem mühsamen Schritt drohten seine Beine einzuknicken. Erst als er mit dem Rücken zu den anderen an der Theke stand und sich krampfhaft festhielt, entdeckten sie den abgebrochenen Pfeilschaft unter seiner linken Schulter.

„Whisky!“

Die krächzende Stimme drang schwach durch das Wüten des Sturms, der den Saloon mit beißender Kälte füllte. Eine zitternde, von Stofffetzen umwickelte Hand tastete nach der halb vollen bauchigen Flasche, die auf der Theke stand. Im nächsten Augenblick sackte der Mann wie unter einem Kolbenhieb zusammen. Mit dem Kinn auf der Brust, lehnte er an der Theke.

Margy Newman stieß einen Schrei aus. „Mitchell! Um Himmels willen ...“ Sie ließ den Revolver fallen und lief zu ihm.

Blackburn riss sie zurück. Seine Linke umschloss hart ihr Handgelenk. „Wer ist der Mann?“

Margys Augen waren schreckerfüllt. Aber diese Angst galt nicht mehr dem Hünen und seinen Gefährten. Alles, was sich hier eben noch abgespielt hatte, besaß keine Bedeutung mehr für sie. Sie keuchte: „Lassen Sie mich zu ihm! Lew Mitchell ist Steuermann auf der ,Swallow‘, und der Freund meines Vaters. Da ist sicher etwas Schreckliches passiert!“

*

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ENDLICH SCHLUG DER Verwundete die Augen auf. Vorsichtig flößte ihm Link Whittaker ein wenig Brandy ein. Sein Bruder Don hatte inzwischen die Tür geschlossen und frische Scheite in den Ofen geworfen. Als ein gequältes Stöhnen über Mitchells aufgesprungene Lippen kam, hob Margy, die neben ihm kniete, verzweifelt den Kopf. „Mein Gott! Warum holt denn keiner von euch den Doc?“

Joe Blackburn, dessen Hünengestalt die anderen drohend überragte, schüttelte finster den Kopf. „Ich hab’ lange genug in der Armee gedient und gegen die verdammten roten Halsabschneider gekämpft, um zu wissen, wenn sie einen Mann so erwischt haben, dass ihm kein Knochenflicker mehr helfen kann!“

Der Storekeeper behielt recht. Mitchell lebte gerade noch so lange, um zu berichten, was mit der „Swallow“ geschehen war. Der Flussdampfer war weit oben am Missouri, in der Nähe eines als Wolf Point bekannten Felsmassivs, während eines Unwetters auf eine Sandbank am Ufer aufgelaufen. Da lag der Steamer fest wie ein Fisch auf dem Trockenen. Und dann waren die Sioux gekommen, zu Hunderten, wie Mitchell mit verlöschender Stimme beschwor. Mitchell war von einem Pfeil getroffen ins Wasser gestürzt. Später hatte er sich in ein führungslos auf dem Missouri treibendes Boot gerettet, in dem lauter skalpierte Tote lagen, ehemalige Besatzungsmitglieder der „Swallow“. In diesem Boot war dem Steuermann die Flucht geglückt. Ermattet schloss er nun die Augen. Sein Kopf sank zurück.

„Teufel noch mal!“, brummte Blackburn. „Wolf Point liegt weit drüben in Montana. Da muss der Mann ja mindestens fünf Tage unterwegs gewesen sein. Ein Wunder, dass er es so weit geschafft hat.“

Die junge blonde Frau rüttelte Mitchell verzweifelt an den Armen. „Lew, um Himmels willen, was ist aus Dad geworden? Sag mir, wo ist mein Vater?“

„Es war die Hölle“, flüsterte der Verwundete kraftlos. „Alle sind tot, alle. Das viele Gold - verloren ...“

Schaudernd schlug Margy die Hände vors Gesicht. Ein wildes Leuchten war plötzlich auf Blackburns bärtiger Miene. Hastig kauerte er ebenfalls bei Mitchell nieder. „Was sagst du da? Gold?"

Shannon merkte, wie dieses Wort alle elektrisierte. Dunbar, der ihn immer noch mit dem Revolver bedrohte, atmete plötzlich schneller. Er schob Shannon mit der Waffe näher an die Theke, damit ihm nur ja kein Wort entging.

„Gold“, wiederholte der Sterbende schwach. „Mindestens hunderttausend Dollar in Goldstaub und Nuggets. Ausbeute eines ganzen Sommers - viele Digger an Bord, die noch vor Wintereinbruch aus Montana fort wollten - tot - alle von den Sioux ...“ Ein Zittern durchlief ihn. Sein Atem erlosch.

Eine Weile war nur das Prasseln der Flammen und das Sausen des Sturms zu hören. Margy Newman ließ die Hände sinken. Steif, mit kreidebleichem Gesicht, aber tränenleeren Augen erhob sie sich.

„Nein!“, stieß sie tonlos hervor. „Ich kann nicht glauben, dass Dad nicht mehr lebt. Wenn Lew den Indianern entkam, warum nicht auch er?“

Gehetzt flog ihr Blick von einem der Männer zum anderen. „Wir müssen den Fluss hinauf! Wir müssen zum Wolf Point und den Überlebenden helfen, wenn es welche gibt! Großer Himmel, so hört mich doch an! Helft mir, meinen Vater zu finden!“

Es war, als hätte sie die Worte in den Schneesturm hinausgesehrien. Die Männer blickten sie nicht an. Ein seltsam abwesender Ausdruck lag auf ihren verwitterten Gesichtern. Blackburn richtete sich langsam auf, drehte sich seinen Freunden zu und lächelte wie in Trance.

„Gold!“ Er ließ das Wort wie einen Leckerbissen auf der Zunge zergehen. Plötzlich war er wieder der alte. Seine Augen blitzten. Er hieb den Armstumpf mit dem Eisenhaken auf die Theke, dass die Bretter wackelten.

„Gold!“, lachte er wild. „Habt ihr das gehört, Jungs? Hunderttausend Dollar herrenloses Gold, das in einem gestrandeten Flussdampfer auf dem Missouri liegt! Verdammt will ich sein, wenn das nicht die Chance ist, auf die wir seit Jahren warten!“

Er stieg über den Toten, angelte sich mit seinem Eisenhaken die Flasche von der Theke und trank gierig.

„Na, was ist? Hat’s euch die Sprache verschlagen? Glotzt mich nicht an wie ein Kalb mit zwei Köpfen. Ganz klar, dass wir uns diesen prächtigen Schatz holen werden. Oder hat etwa einer von euch keine Lust, plötzlich reich zu werden, den ganzen armseligen Kram hier hinzuschmeißen und nur noch zu tun, was ihm gefällt?“ .

Don Whittaker schluckte. Ein fiebriger Glanz lag in seinen Augen. „Und wenn die Rothäute das Gold mitgenommen haben?“

Blackburn lachte grollend. „Für hunderttausend Dollar in Gold lege ich mich mit der ganzen Siouxnation an, wenn es sein muss. Großer Himmel, das ist ’ne Summe, von der unsereins nicht mal zu träumen wagte. Da wird einem ja richtig schwindlig, was? Aber keine Sorge, Don. Ich kenne die Indsmen. Die nehmen sicherlich alles mit, was nicht niet- und nagelfest ist. Aber glaubst du, die Kerle, die von den Goldfeldern kamen, haben ihren Reichtum einfach so rumliegen lassen? Das Gold, mein Lieber, wird schön sicher im Tresor des Kapitäns liegen, gegen den die Messer und Tomahawks der roten Teufel nicht ankommen. Außerdem haben diese Bastarde ja keine Ahnung, dass auf der ,Swallow“ wesentlich mehr zu holen ist als Skalpe! Ich sag euch. Jungs, es kommt nur darauf an, dass wir die exsten bei dem überfallenen Steamer sind. Dann gehört das Gold uns. Und wir werden die ersten sein. Denn kein Mensch außer uns weiß bis jetzt davon!“

Er nahm wieder einen Schluck aus der Flasche. Finley entriss sie ihm. „Lass mir auch was übrig! Verdammt noch mal, ich ersticke, wenn ich jetzt keinen Tropfen in die Kehle gieße! Hunderttausend Dollar, die nur darauf warten, von uns abgeholt zu werden. Meine Alte trifft der Schlag, wenn ich ihr das erzähle!“

Die Whittaker-Brüder fielen sich plötzlich in die Arme, schlugen sich auf die Schultern und lachten wie irr. Margy Newman war ein Stück zurückgewichen. Sie blickte die. Männer fassungslos und entsetzt an. Shannon dagegen erlebte nicht zum ersten mal, dass ausgewachsene Männer wie Kinder bei der Weihnachtsbescherung tobten, wenn es um Gold ging. Er verzog keine Miene.

Dunbar keuchte: „Weckt die ganze Stadt. Ich lade alle zu einer Feier ein! Sauft meinetwegen den ganzen Saloon leer. Wenn wir vom Wolf Point zurückkommen, nehme ich ja doch die Axt und hacke den ganzen lausigen Krempel hier in Stücke. Los, zum Teufel, holt Cooper, Destry und die anderen ...“

Blackburn stieß sich von der Theke ab. „Das werdet ihr schön bleiben lassen! Und du, Mort, kein Wort zu deiner Frau. Verdammt noch mal, das wäre ja das Letzte, wenn sich die ganze Stadt auf die Socken machte, den Goldschatz von der ,Swallow' zu holen! Wenn einer von euch die Schnauze nicht halten kann, zieh ich ihm das Fell über die Ohren! Vor uns liegt kein Spazierritt. Da können wir mit solchen Jammerfiguren wie Cooper und Destry nichts anfangen, die nicht mal wissen, wo bei ’nem Schießeisen vorn und hinten ist. Wir nehmen nur einen Mann aus der Stadt mit, und das ist der Doc.“

„Der kann euch auch nicht mehr helfen, wenn euch die Sioux erwischen oder ein Blizzard“, meinte Shannon kopfschüttelnd. „Was ihr vorhabt, ist verrückt.“

„Verrückt bist du, wenn du dein Maul so weit aufreißt!“, knurrte Mort Finley drohend. „Joe, wir haben ihn glatt vergessen. Was machen wir mit ihm?“

Blackburn musterte Shannon erst finster, dann begann er zu grinsen. „Gebt ihm sein Geld zurück. Wir nehmen ihn mit.“

„Was? Soll das ein Witz sein, Joe?“

„Wieso denn? Shannon ist genau der Typ, der da draußen in der Wildnis seinen Mann steht. So ein schneller Colt auf unserer Seite ist schon einen Anteil an den hunderttausend Dollar wert. Steck dein Schießeisen weg, Dave. Für ein paar Tausender wird er gern vergessen, dass wir ihn in den Big Muddy werfen wollten.“

„Da war ich nicht so sicher!“ Blitzschnell entriss Shannon dem geiernasigen Salooner die Waffe und trat einen Schritt zurück.

Blackburn zog die buschigen Brauen zusammen. „Mach keinen Blödsinn, Mann! So ein Job bietet sich dir so schnell nicht wieder. Du glaubst doch nicht etwa, du hast eine Chance, allein an das Gold ranzukommen?“

„Mein Leben ist mir mehr wert als hunderttausend Dollar in Gold. Bei dem Schnee braucht ihr Wochen, wenn ihr hinüberreitet. Dazu Sioux. Kälte, Schneestürme! Nein, ich bin gar nicht so sehr auf Reichtum versessen, um das alles für vielleicht fünf oder zehntausend Dollar zu riskieren.“

„Warte! Wir werden in sechs oder sieben Tagen am Wolf Point sein. Wir kürzen den Missouribogen ab und ziehen quer durchs Indianerland.“

„Umso schlimmer!“

„Joe, zum Teufel, er hat recht!“, krächzte Dunbar.

Blackburn starrte nur Shannon an. Schon allein die Tatsache, dass ein Mann ihm widersprach, kam einer Herausforderung gleich. „Ich werd ’nen Mann besorgen, der uns hinfährt, der dieses verfluchte Indianerland besser kennt als wir alle zusammen. Ich rede von Tom Talbot.“

„Aber das ist ja wirklich verrückt, Joe!“, schnaufte der Salooner. „Talbot ist selber ein halber Sioux. Seine Squaw, mit der er in der Hütte draußen am Owl Creek lebt, ist eine Oglala. Talbot hasst uns wie die Pest, seit wir uns auf dem Land niederließen, aus dem die Armee seine roten Vettern und Brüder vertrieb.“

„Ich hasse dieses rote Pack noch viel mehr“, knurrte der Hüne mit einem Blick auf seinen Armstumpf. „Aber ich würde mich sogar mit dem Teufel verbünden, wenn es darum geht, einen Goldschatz vom Big Muddy zu holen. Lass es nur meine Sorge sein, Dave, wie ich Talbot dazu bringe, uns ungeschoren von allen Rothäuten zur ,Swallow‘ zu führen. Na, was ist, Shannon? Überlegst du’s dir doch noch anders?“

Bevor der große, dunkelhaarige Mann antworten konnte, lief Margy atemlos zu ihm. „Tun Sie es für mich! Helfen Sie mir, Dad zu finden. Sie sind der einzige, der nicht nur an das Gold denken wird!“

Der gedrungene Finley stellte die Brandyflasche hart auf die Theke zurück. „Das wär ja noch schöner, wenn wir uns mit diesem Frauenzimmer abplagen würden! Joe, sag ihr, dass wir nicht dran denken.“

„Warum nicht?“ Blackburn legte ihm die Hand auf die Schulter und kniff bedeutsam ein Auge zu. „Wir sind schließlich keine Unmenschen, was? Und Shannon wird sich schon um sie kümmern, nicht wahr?“

Seine Worte waren der blanke Hohn. Aber es steckte noch mehr dahinter: eiskalte Berechnung. Seit das Wort „Gold“ gefallen war, kannte Joe Blackburn nur noch ein Ziel. Um es zu erreichen, brauchte er eine schlagkräftige Truppe. Und dafür wiederum war ihm jedes Mittel recht. Eine scharfe Erwiderung lag Shannon auf der Zunge, aber dann sah er das Flehen in Margys blauen Augen.

Shannon seufzte. „Okay“, brummte er dann. „Ich habe schon ’ne Menge Fehler überlebt.“

*

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BLEIGRAUER HIMMEL LAG über Riverbend. Kein Lüftchen regte sich mehr, keine Flocke fiel. An manchen Stellen reichten die Schneewehen bis an die Fenster. Es war so früh, dass noch nirgends Licht brannte, als Blackburn, Dunbar und Shannon die letzte und armseligste Hütte der kleinen Siedlung erreichten. Sie hatten die Kragen hochgeschlagen. Ihr Atem dampfte in der eisigen Luft.

Ungeduldig schlug Blackburn mit seiner Armprothese an die morsche Brettertür. „He, Doc, du Schlafmütze, raus aus den Federn! Wir brauchen dich. Dein Gaul ist schon gesattelt. Wirst dich wundern, wohin es geht.“

Die Tür wurde überraschend schnell geöffnet. Doc Halleran war ein junger, magerer Mann in einem zerknitterten dunklen Anzug, ungekämmt, mit verrutschter Kragenschleife. Seine blassblauen Augen waren entsetzt aufgerissen. Der kalte Stahl einer Coltmündung drückte gegen sein Genick, so dass er steif wie eine Holzpuppe dastand und keinen Ton über die Lippen brachte.

Statt dessen drohte eine leise, aber messerscharfe Stimme hinter ihm: „Nur herein, und keinen Mucks, wenn ihr nicht wollt, dass ich eurem Knochensäger eine Unze heißes Blei ins Gehirn puste!“

Der Mann hinter dem jungen Arzt war groß, breitschultrig, seine Hüften jedoch gertenschlank. Er trug die Kleidung eines Rindermannes: Baumwollhemd, Halstuch, Pelzjacke, Batwing Chaps über der Cordhose und hochhackige Reitstiefel mit großen Sporen. Ein Blick in sein hartliniges Gesicht mit den eiskalten Augen, und Shannon wusste, dass sie es mit einem gefährlichen Killer zu tun hatten.

„Um Himmels willen, tut, was er sagt!“, stöhnte der Doc verzweifelt. „Das ist Bruce Warden, ein berüchtigter Postkutschenräuber. Er ist drüben in Minnesota aus dem Jail ausgebrochen und seitdem auf der Flucht. Der blufft nicht. Der erschießt mich, wenn ihr nicht ...“

„Nun mach’ dir nicht gleich in die Hose, Doc“, knurrte Blackburn und trat in die Hütte. Er wirkte noch genauso furchtlos und entschlossen wie in Dunbars Saloon. Shannon und der Saloonkeeper folgten ihm. Warden drehte sich mit dem Doc und stieß die Tür zu.

Ein Rundofen verbreitete ein wenig Wärme in dem von einer Petroleumlampe erhellten Raum. Wohn-, Schlafzimmer und Arztpraxis waren eins. In dem Durcheinander von wurmstichigen Möbeln, Regalen, Kisten und Fässern fühlte sich Shannon wie in einer Rumpelkammer. Decken und Kleidungsstücke lagen wahllos herum. Auf einem wackligen Bord türmte sich ungewaschenes Geschirr. Durch einen Riss im Dach tropfte es in eine Blechschüssel, die der Doc auf einen dreibeinigen Hocker gestellt hatte.

Blackburn starrte den Mann hinter Doc Halleran finster an. „Was will der Bursche hier?“

„Nichts, was wert wäre, dafür zu sterben!“ Warden grinste wölfisch. „Euer Knochenflicker war so freundlich meine Streifwunde zu verpflastern, die ich mir während der Flucht zugezogen habe. Die verdammten Sternträger waren wie Bluthunde hinter mir her. Und in dem Schneesturm vergangene Nacht hab’ ich alles verloren, außer meinem Schießeisen. Das funktioniert nach wie vor großartig. Und deshalb. Freunde, werdet ihr jetzt die Güte haben, mir ein tüchtiges Pferd zu besorgen, dazu einen Sack Proviant und ein paar Flaschen vom besten Feuerwasser. Los, los, steht nicht rum, als hättet ihr Rüben in den Ohren.“

„Den Teufel tun wir!“ Es war typisch für Blackburn, dass er nicht eine Spur von Unsicherheit zeigte, sondern seinen klobigen alten Navy Colt unter dem verwaschenen Kavalleriemantel hervorzog.

Warden kniff die dünnen Mundwinkel nach unten. „Nur weiter so, dann kannst du zusehen, wie ich den Doc auf die Nase lege!“

Blackburn zog sich mit dem linken Fuß seelenruhig einen Stuhl heran, setzte sich schwerfällig und lehnte sich behaglich zurück. Seine Faust mit dem Colt ruhte auf dem Knie. Die Mündung deutete auf Halleran und den Postkutschenräuber.

„Von mir aus! Um so eine Vogelscheuche wie den Doc ist es nicht schade. Aber rat mal. Freundchen, wer der Nächste sein wird, der hier drinnen auf der Strecke bleibt.“

„Blackburn, um Himmels willen, das ist nicht Ihr Ernst!“, ächzte der junge, verwahrlost aussehende Arzt. Shannon wusste nicht, ob der Storekeeper bluffte. Doch diesem grobschlächtigen, gerissenen Kerl war alles zuzutrauen.

Warden schleuderte den Doc mit einem jähen Griff zur Seite, duckte sich und richtete die Waffe auf den bärtigen Hünen. „Na los, schieß, wenn du Mumm hast, verdammter Pfeffersack. Ich hab’ nichts mehr zu verlieren. Wenn mich die Sternträger erwischen, baumele ich sowieso. Da ist mir eine Kugel noch lieber. Alles, was du erreichst, ist, dass wir uns gegenseitig in die Hölle befördern.“

„Da weiß ich 'nen hübscheren Platz“, grinste Blackburn unbeeindruckt. „Einen Platz, wo hunderttausend Dollar in Gold liegen und nur darauf warten, dass wir uns bedienen.“

„Joe!“, rief Dunbar beschwörend.

Blackburn grinste. Sein abschätzender Blick ließ den Postkutschenräuber, dem von seiner Wunde nichts anzumerken war, keinen Moment los. „Was hast du denn. Dave? Schau dir den Mann doch richtig an. Das ist genauso ein zweibeiniger Tiger wie Shannon, vielleicht sogar noch ’ne Spur gefährlicher, seiner Vergangenheit nach zu urteilen. Genau der Typ, der außer dem Doc und Tom Talbot noch in unserem Verein fehlt.“

Dunbar blinzelte ungläubig. „Aber, Joe, das ...“

„Mal langsam“, sagte Warden schneidend. „Wenn ihr Schufte versucht, mich aufs Kreuz zu legen, dann gibt es hier Zunder.“

Blackburn schob betont gelassen den Navy Colt unter den dunkelblauen Mantel, als drohe ihm von Wardens Waffe keine Gefahr mehr. „Pass mal auf, Warden. Was hältst du von einem gestrandeten, von den Sioux überfallenen Riverboat, auf dem die Jahresausbeute eines ganzen Goldgräbercamps herrenlos rumliegt? Der einzige Haken an der Geschichte ist der Weg dorthin, ein Weg durchs verschneite Indianerland. Aber für einen Anteil an hunderttausend Dollar würdest du sicher noch viel mehr riskieren. Hab’ ich recht?“

„Du hättest recht, wenn du sagen würdest, dass ich dir gleich ein Loch in dein Fell brenne!“, knirschte der Bandit. „Für wie blöd hältst du mich eigentlich, he? Die Geschichte stinkt ja zum Himmel. Blackburn, oder wie du heißt, ich glaub dir kein Wort.“

„Solltest du aber! Denn du bekommst ein Pferd, Proviant und Feuerwasser nur, wenn du dich unserer Schatzsucher-Expedition anschließt.“

Warden zischte: „Das werden wir ja sehen! Da haben schon ganz andere Burschen als ihr Pfeffersäcke versucht, mich reinzulegen. Hunderttausend Dollar in Gold auf ’nem gestrandeten Missouridampfer! Das klingt fast schon wieder zu verrückt, dass man’s glauben könnte - aber nur beinahe!“

„Und warum, denkst du, sind wir hier?“, brummte Blackburn stur. „Um diese Vogelscheuche von Doc zum Frühstück einzuladen? Wir werden ihn für alle Fälle mit auf den Trail nehmen. Soll er endlich mal was tun für das Geld, mit dem er bei mir in der Kreide steht!“

Warden zeigte wieder sein Wolfsgrinsen. Sein Blick war kalt und erbarmungslos. „Du bist ja ein ganz gerissener Hundesohn, was? So gerissen, dass ich dich auf alle Fälle umlegen werde, bevor ich von hier verschwinde.“ Er glitt einen Schritt vorwärts. Sein Colt ruckte.

Niemand wusste, woher Shannon plötzlich seinen 44er hatte. Schnelligkeit war von jeher Shannons großer Trumpf. Seine schlanken, nervigen Hände waren trainiert wie die eines Zauberkünstlers. Warden bemerkte die wischende Bewegung aus den Augenwinkeln, kam aber nicht mehr zum Schuss. Das Krachen von Shannons Waffe rüttelte an den Bretterwänden der baufälligen Hütte.

Es war ein Meisterschuss. Die Kugel prellte dem Desperado den Colt aus der Faust. Aber jetzt bewies Warden, wie gut ihn Blackburn eingeschätzt hatte. Der Knall füllte noch den trüb erhellten Raum, da sprang Warden schon wie ein Tiger auf Shannon los. Nur durch eine geistesgegenwärtige Kopfbewegung entging der Satteltramp der heranzuckenden Faust. Wardens Anprall presste ihn gegen die Wand. Der Bandit wusste genau, worauf es ankam. Blitzschnell umklammerte er Shannons rechtes Handgelenk, um ihn am erneuten Schießen zu hindern. Gleichzeitig riss er ein Messer unter der Pelzjacke hervor.

Shannon hatte jedoch genauso blitzschnell seinen Sixshooter in die Linke gewechselt. Wardens tödliche Klinge erstarrte eine Handbreit von Shannons Kehle entfernt, als der große, geschmeidige Bandit plötzlich den harten Druck der 44er-Mündung über der Gürtelschnalle spürte.

Shannon lächelte kalt.

„Wie du siehst, hab’ ich mich heute schon rasiert, Warden.“

Einen Augenblick sah es aus, als würde Warden doch noch zustoßen. Dann klirrte sein Messer auf den Boden. Mit geballten Fäusten trat er zurück. Hass glühte in seinen hellgrauen Augen, der Hass eines gefährlichen Mannes, der keine Niederlage vertrug.

„Eines Tages werd’ ich dir das heimzahlen!“

Blackburn lachte leise. „Er heißt Shannon und ist ein Kartenhai und Herumtreiber. Wenn du seinen Skalp willst, musst du mit uns durchs Siouxland zum Wolf Point reiten, in dessen .Nähe das gestrandete Flussboot liegt.“

Warden drehte sich fast marionettenhaft um. Er achtete nicht darauf, dass nun auch Dunbar mit dem Revolver auf ihn zielte. „Heißt das, dass die Geschichte mit dem Gold wirklich stimmt?“

Blackburn lachte wieder. „Natürlich. Und nun musst du Shannon auch noch dankbar sein, dass er nicht auf deinen Kopf geschossen hat, was?“

„Joe!“, rief der hagere Salooner. „Du willst ihn doch nicht tatsächlich mitnehmen! Er ist ein steckbrieflich gesuchter Bandit. Das war doch vorhin nur ein Trick, um ihn ...“

„Du mit deinen Bedenken, Dave! Wenn du schwache Nerven hast oder dich zu alt fühlst für den Trip zum Wolf Point, dann bleib doch hier. Warden freut sich bestimmt, wenn er mit einem weniger teilen muss. Ist es nicht so, Warden?“

Er stand auf und klopfte dem Desperado auf die Schulter, als wären sie alte Freunde, als hätte Warden nie versucht, ihn zu töten.

Shannon hatte das Gefühl, dass sich hier zwei vertraute Seelen gefunden hatten. Das hieß aber nicht, dass die beiden einander trauen würden.

Ein dünnes Grinsen umspielte Bruce Wardens Lippen.

„All right, ich bin dabei! Und sei es auch nur, um zu sehen, ob ihr alle verrückt seid, oder ob die Story von dem Goldschatz wirklich stimmt. Jedenfalls werde ich im Indianerland vor meinen Verfolgern sicherer sein als anderswo. Das ist schon etwas.“

Shannon schenkte sich jeden Kommentar. Wäre die Tochter des Missourikapitäns nicht gewesen, hätte ihn nichts mehr an der Seite dieser Männer gehalten.

Blackburn wandte sich an Halleran. „Well, Doc, du weißt jetzt, um was es geht. Pack deinen Krempel zusammen!“

Der junge Arzt lehnte bleich und schwer atmend an der Hüttenwand. Das ungekämmte strähnige Haar hing ihm ins Gesicht. „Macht, was ihr wollt. Ich denke nicht dran, mitten im Winter ins Indianerland zu ...“

Mit zwei, drei Schritten war Blackburn bei ihm. Er zog Halleran mit dem Eisenhaken seiner Prothese zu sich heran.

„Was du denkst, Bürschchen, ist mir egal. Du bist monatelang auf der faulen Haut gelegen und hast von den Waren aus meinem Store gelebt, ohne zu bezahlen. Jetzt wirst du endlich mal was tun, und zwar das, was ich dir sage. Damit es klar ist, du Jämmerling: Ich bin hier der Boss! Wenn du zu feige bist, dir von selber ’nen Anteil an dem Gold zu sichern und aus diesem elenden Kaff rauszukommen, dann werd ich dich eben dazu zwingen!“

*

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IM SCHUTZ DER DICHTVERSCHNEITEN Sträucher luden die pelzvermummten Reiter ihre Gewehre durch. Das fahle Licht des Wintertages spiegelte sich kalt auf den blanken Stahlläufen. So leise das metallische Schnappen der Repetierbügel auch war, der Reiter auf der freien, schneebedeckten Fläche zügelte sofort sein struppiges, in der Kälte dampfendes Pferd. Es war ein hochgewachsener, grauhaariger Indianer, völlig in eine bunt bemalte Büffelhaut gehüllt. An seiner Fellmütze war eine Habichtfeder befestigt. Einige Dutzend Yard hinter ihm duckte sich Talbots schneebeladenes Blockhaus unter den Weiden am Ufer des Owl Creek. Rauch kräuselte aus dem steingemauerten Kamin. Aus dem Stallanbau drang das Schnauben von Pferden. An einem Stangengerüst hingen gefrorene Rehkeulen und Fische.

Die dunkel glühenden Augen in dem braunen, verwitterten Indianergesicht hefteten sich starr auf die weiße Mauer der Büsche. Mann und Pferd glichen einer Statue. Hinter den Sträuchern flüsterte Blackburn gepresst:

„Lasst ihm keine Chance. Auf dieser Seite des Owl Creek hat keiner von diesen roten Schurken was zu suchen. Schießt nur ja nicht daneben.“

Seine kleinen braunen Augen glitzerten. Fiebrige Röte hatte sein bärtiges Gesicht überzogen. Vorsichtig, so dass sich kein Zweig bewegte, kein Schneeklumpen herabfiel, schoben die Männer aus Riverbend ihre Karabiner durchs Gestrüpp.

Shannon zischte: „Es spielt keine Rolle, ob dieser Mann das Recht hat, sich auf dieser Seite des Flusses aufzuhalten oder nicht. Was ihr vorhabt, ist Mord.“

„Ein hässliches Wort, solange es sich nur um eine lausige Rothaut handelt“, grinste Bruce Warden zynisch. Shannon spürte eine kalte Gewehrmündung an der Kehle. „Misch dich da nicht ein, Kartenhai, sonst könnte mir einfallen, dass wir beide sowieso noch ein Hühnchen miteinander zu rupfen haben.“

Die anderen wandten nicht mal den Kopf, für so bedeutungslos hielten sie, was Shannon gesagt hatte. Jeder Indianer war für sie ein Feind, nicht viel besser als ein tollwütiger Wolf, auf den man schießen musste, wo man ihm begegnete. Nur Blackburn knurrte: „Ich hasse diese roten Teufel. Ihnen verdanke ich, dass ich meinen Arm verlor und den Dienst in der Armee quittieren musste.“

Gehetzt warf Shannon einen Blick über die Schulter. Dort hinten zwischen den Hügeln kamen Link Whittaker, der Doc und Margy Newman, noch zu weit entfernt, dass der Indianer sie entdecken und gewarnt sein konnte. Statt davonzujagen, schlug der Grauhaarige die Büffeldecke zurück und zog ein kurzläufiges Henrygewehr darunter hervor. Langsam und leicht nach vorn gebeugt, lenkte er seinen Mustang auf die verschneiten Sträucher zu.

Warden grinste teuflisch. „Da reitet er geradewegs in sein Verderben!“ Der Druck seines Gewehrs an Shannons Kehle verstärkte sich. Er sah die Schweißperlen auf Shannons Stirn und wartete nur darauf, dass der dunkelhaarige Mann jetzt die Nerven verlor.

„Feuer!“, brüllte Blackburn. Blitze, Rauch und tödliches Blei brachen aus vier Gewehren. In das ohrenbetäubende Krachen mischte sich Blackburns wildes Lachen.

Auf der Ebene vor dem Owl Creek stand eine von hämmernden Hufen hochgerissene Schneewolke in der Luft. Als sie sich senkte, lag der grauhaarige Indianer tot am Boden. Der Mustang jagte den von grauer Dämmerung umhüllten Hügeln zu. Shannons Kehle war ausgetrocknet. Der Geruch des träge abziehenden Pulverdampfes ekelte ihn. Warden senkte langsam sein Remingtongewehr, noch immer grinsend, noch immer ein gehässiges Funkeln in den hellen Augen.

Blackburn repetierte seinen Karabiner. Er hantierte mit seinem hakenbewehrten Armstumpf wie mit einer richtigen Hand. „Los, Jungs, jetzt knöpfen wir uns Talbot vor! Vergesst nicht, wir brauchen ihn lebend.“

Sie trieben ihre Pferde aus dem Gebüsch. Schnee fiel auf ihre Schultern. Die von der weißen Last befreiten Zweige schnellten hoch. Der massige Storekeeper zügelte seinen grauen Wallach neben dem toten Sioux.

„So ein Skalp bringt unten in Cheyenne oder Omaha ’ne Menge Geld. Schade, dass ich keine zwei gesunden Hände mehr habe.“

Er blickte seine Begleiter auffordernd an. Finley, Dunbar und Don Whittaker wichen seinem Blick aus. Warden jedoch schwang sich geschmeidig aus dem Sattel und zog ein breitklingiges Bowiemesser aus dem Stiefelschaft. Als er sich über den Indianer neigte, riss Shannon jäh und heftig seinen Braunen herum. Shannons wütender Tritt schleuderte den Postkutschenräuber drei Schritte von dem Toten entfernt in den Schnee.

Kein Ton kam über Wardens Lippen. Aber als er aufstand, brannte tödlicher Hass in seinen Augen. Shannon trug, wie die anderen auch, seinen Revolvergurt über der dicken, fellgefütterten Jacke. Er senkte die behandschuhte Rechte auf den glatten Hickorykolben. Warden atmete schwer, schob mit Überwindung das Messer zurück und zuckte die Achseln.

„Schluss damit!“, schimpfte Blackburn. „Schneidet euch meinetwegen gegenseitig die Kehle durch, aber erst, wenn wir das Gold haben. Bis dahin brauchen wir euch noch. He, da ist ja Talbot endlich! Aufgepasst, Freunde!“

Die Reiter schwärmten aus und richteten ihre Gewehre auf den sehnigen, ledergekleideten Mann, der aus der lautlos aufschwingenden Blockhaustür trat. Talbots tiefbraunes Gesicht mit den hervorstechenden Backenknochen verriet auf den ersten Blick die indianische Abstammung. Einen auffälligen Kontrast dazu boten seine grünen Augen. Talbots Fäuste umklammerten ein Spencergewehr. An seinem breiten Gurt baumelten Colt und Jagdmesser. Der gefrorene Schnee knirschte laut unter seinen dicksohligen, bis zu den Knien reichenden Mokassins. Er schien die auf ihn gerichteten Waffen gar nicht wahrzunehmen. Schweigend, wie in Trance, ging er auf die Reiter zu, blieb bei dem auf dem Gesicht liegenden Indianer stehen und blickte mit steinerner Miene auf ihn nieder.

„Verdammte Mörder!“, murmelte er schließlich heiser, den Blick noch immer starr auf den Toten gerichtet. „Genügt es euch nicht mehr, dass ihr in dem Land lebt, das meinem Volk gehört? Müsst ihr nun auch noch die töten, die euretwegen in die Wälder und Prärien jenseits des Owl Creek zurückweichen mussten?“

Blackburn lachte roh. „Dein Volk! Du liebe Zeit, wenn ich das schön höre! An deiner Stelle würde ich stolz drauf sein, wenigstens ein paar Tropfen weißes Blut in den Adern zu haben. Aber nein, du hältst es ja lieber .mit diesem verlausten Pack, das ...“

Eben noch war Tom Talbot wie versteinert dagestanden, jetzt fuhr er wie eine Raubkatze herum und richtete blitzschnell sein Gewehr auf den einarmigen Hünen.

Doch Blackburn war darauf vorbereitet. Sein Gaul machte einen Satz vorwärts und stieß den Halbblulmann um. Der Storekeeper hatte die Zügel um seinen hölzernen Armstumpf gewickelt, stoppte den Wallach mit jähem Ruck und richtete mit der Linken sein Gewehr auf den im Schnee Liegenden.

„Versuch so was lieber nicht mehr! Du weißt so gut wie wir, dass kein verdammter Sioux auf dieser Seite des. Flusses was verloren hat.“

„Er wollte zu mir. Er hatte keine bösen Absichten.“

„Gib dir keine Mühe, Talbot, wir wissen Bescheid. Du versorgst diese roten Halunken schon lange heimlich mit Feuerwasser und Schießprügeln, damit sie nur ja recht viele anständige weiße Männer unter die Erde bringen. Wenn es nach mir ginge. Talbot, würdest du längst an einem dicken Ast baumeln.“

Der Mischling richtete sich auf. Seine grünen Augen glühten wie Raubtierlichter. „Worauf wartet ihr dann noch? Ihr seid doch genug, um mit einem einzelnen Mann fertigzuwerden.“ Er spuckte aus.

Blackburn grinste. „Du nennst uns Mörder, dabei sind wir so verdammt großzügige Burschen, dass wir sogar dir noch eine Chance geben.“

Die Männer wurden von Talbots Frau abgelenkt, die vom Blockhaus herüberlief. Sie war eine Sioux mit bronzefarbenem, breitflächigem, aber dennoch ansprechenden Gesicht. Die dicken schwarzen Zöpfe reichten ihr fast bis zu den Hüften. Sie trug indianische, fransenverzierte Lederkleidung. Um die Schultern hatte sie ein Wolltuch geschlungen. Als sie den Toten sah, stieß sie einen leisen Schrei aus. Talbots Kopf flog herum. Er rief ihr ein paar harte, kehlige Worte in der Siouxsprache zu. Die Squaw presste die Finger der rechten Hand vor den Mund, um ein Schluchzen zu ersticken. Entsetzt flog ihr Blick über die reglos im Sattel verharrenden Reiter. Dann sank sie neben der schlaffen Gestalt des Grauhaarigen auf die Knie, wiegte ihren Oberkörper und stimmte mit leiser Stimme die Totenklagen ihres Volkes an.

Talbot machte keinen Versuch, sein im Schnee liegendes Spencergewehr aufzuheben. Er starrte Blackburn mit geballten Fäusten furchtlos an. „Was wollt ihr von mir?“

Blackburn zwinkerte seinen Begleitern listig zu. Die Mündung seines Gewehrs war nur eine Armlänge von Talbot entfernt. „Wir brauchen einen Führer durchs Indianerland. Wir wollen nach Montana hinüber, zum Wolf Point am Missouri.“

„Was wollt ihr dort?“

„Das geht dich einen Dreck an, Rothaut“, fauchte Warden. Doch der Storekeeper winkte lässig ab.

„Er wird es ja doch erfahren. Wenn er uns schon hinbringt, soll er auch wissen, um was es geht. Drüben in der Nähe des Wolf Point liegt ein gestrandeter Flussdampfer mit einer Goldladung. Deine roten Freunde haben die Besatzung und die Passagiere massakriert, aber ich wette, das Gold ist noch da. Wir sind nicht kleinlich, Talbot, alter Präriefuchs. Wenn du deine Sache gut machst, springt auch für mich was dabei raus. Na, was hältst du davon?“

„So viel“, knurrte der Ledergekleidete und spuckte abermals aus.

„Ich sagte ja, den Weg hätten wir uns sparen können“, keuchte Dunbar missmutig.

„Halt die Klappe! Talbot wird tun, was wir verlangen. Er wird sogar, wenn nötig, gegen seine verdammten Siouxfreunde kämpfen, um uns heil ans Ziel zu bringen.“

„Niemals!“, sagte Talbot entschlossen.

„Willst du lieber baumeln, Rothaut?“, warf Bruce Warden hin.

Der Halbindianer lächelte verächtlich. „Macht, was ihr wollt. Ich habe keine Angst. Was hättet ihr davon, wenn ich ja sage und euch dann mitten in der Wildnis sitzen lasse?“

Blackburn beugte sich im Sattel vor und grinste tückisch. „Jetzt kommst du dir wohl mächtig schlau vor, was? Aber wir sind schlauer, mein Junge. Denn wir werden deine Squaw als Geisel haben, und du wirst schön brav nach unserer Pfeife tanzen.“

Schlagartig veränderte sich Talbots Haltung. Er duckte sich. Sein Blick schätzte die Entfernung zu seinem Gewehr. Dabei stieß er wieder ein paar Worte im Siouxdialekt hervor. Die Squaw hörte auf mit dem monotonen Singsang, blickte erschrocken auf die schwerbewaffneten, pelzvermummten Reiter und schnellte plötzlich hoch. Es war ein verzweifelter Fluchtversuch. Sie hatte keine Chance, die Hütte unter den schneebeladenen Weidenbäumen zu erreichen. Finley und Don Whittaker spornten ihre Gäule hinter ihr her. Nach wenigen Sätzen hatten sie die Indianerin eingeholt.

Mort Finley warf sich mit einem heiseren Triumphschrei vom Sattel auf sie hinab, presste sie in den Schnee und umklammerte ihre Handgelenke. Die Squaw wehrte sich heftig, bäumte sich auf, versuchte sich unter dem Mann hervorzuwinden. Der gedrungene Schmied lachte nur rau.

„Teufel, die hat Feuer! Eine richtige Wildkatze hat Talbot sich da angelacht. Nicht übel die Kleine! Da kann meine Alte nicht mithalten. Verdammt, die ist genau richtig, um ...“

„Fesselt sie!“, schnauzte Blackburn ärgerlich. „Wir sind nicht auf Weiberjagd. sondern unterwegs, um einen Goldschatz zu heben, verdammt noch mal!“

Whittaker sprang ab und half Finley, der Indianerin die Hände auf den Rücken zu binden. Ihre Gegenwehr erlahmte. Ein Schluchzen entrang sich ihrer Kehle. Talbots braunes Gesicht war eine unheimliche Maske. Seine Fäuste öffneten und schlossen sich.

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738919295
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (April)
Schlagworte
sannon shannon goldhyänen

Autor

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Titel: Jim Sannon #10: Shannon und die Goldhyänen