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Drei Finger: N.Y.D. - New York Detectives

2018 120 Seiten

Leseprobe

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Drei Finger: N.Y.D. – New York Detectives

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Krimi von Wolf G. Rahn

Der Umfang dieses Buchs entspricht 118 Taschenbuchseiten.

Der New Yorker Privatdetektiv Bount Reiniger will einen seiner Informanten wegen des Gangsters „Threefinger“ sprechen – da drückt ihm ein Unbekannter einen Lederkoffer in die Hand und verschwindet. Reiniger glaubt zuerst, dass es sich um eine Bombe handelt und will das gefährliche Objekt in den Hudson werfen. Er staunt dann aber nicht schlecht, als er in dem Koffer hunderttausend Dollar findet, und will der Sache auf den Grund gehen. Den rechtmäßigen Besitzer ausfindig zu machen, ist für den erfahrenen Detektiv kein Problem – doch leider ist dieser tot. Ermordet! Nun ist Reinigers ausgezeichneter Spürsinn gefordert, denn er scheint einer ganz üblen Sache auf der Spur zu sein ...

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Hardy Brack - macht Bount ein verlockendes Angebot, bei dem es ein paar schnelle Dollars zu verdienen gibt.

Bram Carter - glaubt an das Gute im Menschen, bis man ihm den Revolver in die Hand drückt.

Ria Pavotti - leiht Bount einen Hunderter, doch als er ihn zurückzahlen will, ist sie verschwunden.

Dan Blyer - muss erfahren, dass der Strick keine gute Lösung ist. Selbst dann nicht, wenn man keinen anderen Ausweg mehr sieht.

June March - unterstützt Bount Reiniger bei seinen Ermittlungen.

Bount Reiniger - ist Privatdetektiv.

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1

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Es war ein trüber Februarmorgen. Durch die Häuserschluchten von Manhattan jaulte ein eisiger Wind, der vereinzelte Schneeflocken vor sich her peitschte. Um diese Zeit waren erst wenige Menschen unterwegs. Die Müllabfuhr, die Lieferanten für die Supermärkte, die Leute, deren Job besonders zeitig begann.

Und Henry Butterfield.

Henry sah nicht aus, als würde er zur Arbeit wollen. Er hatte die ganze Nacht durchgesoffen, und ein paar schnuckelige Miezen waren auch dabei gewesen. Er hätte Grund gehabt, zufrieden zu sein. Aber er war es nicht. Er war es ganz und gar nicht.

„Dem Schwein drehe ich den Kragen um“, murmelte er verbiestert, während er die Straße überquerte. Sein Gesicht sah so finster aus, dass diese Drohung durchaus ernst zu nehmen war. Allerdings spielte wohl der Einfluss des reichlich genossenen Alkohols eine Rolle, denn besonders heldenhaft war Henry Butterfield normalerweise nicht.

Der Kerl würde sich wundern, dachte er. Mit einem so frühen Besuch rechnete er bestimmt nicht. Und vor allem nicht damit, dass er, Henry Butterfield, nun über alles Bescheid wusste. Zum Glück hatten sie ihm rechtzeitig die Augen geöffnet. Das hätte böse enden können. Wahrscheinlich sogar vor dem Richter.

Aber so dämlich war er nicht. So lange man die richtigen Freunde besaß, konnte man sich immer wieder herausdrehen, auch wenn man sich mal gewaltsam zur Wehr setzen musste.

Henry Butterfield griff unwillkürlich in seine Manteltasche. Er fühlte etwas Kaltes, Metallenes. Er zuckte nicht zurück. Es musste sein. Der Lump hatte es nicht anders verdient.

Er würde die Waffe hinterher verschwinden lassen. Ganz cool. Er hatte oft genug im Fernsehen miterlebt, wie so etwas gemacht wurde.

Die Bullen würden ihn nicht erwischen. Nie! Die konnten seinetwegen bis ans Ende ihrer Tage herum rätseln, wer Hardy Brack erschossen hatte.

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2

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Der Lift brachte ihn ins elfte Stockwerk. Es roch hier nach einem scharfen Putzmittel, obwohl alles nicht besonders sauber aussah. Aber das täuschte wahrscheinlich, weil Henry Butterfield wusste, dass hinter der Tür am Ende des Ganges ein besonders dreckiger Typ wohnte.

Er hatte sich seinen Auftritt genau überlegt. Er wollte ihn genießen. Hardy Brack sollte wissen, warum er starb. Er sollte Todesangst haben. Das hatte der Strolch verdient.

Henry Butterfield war nicht besonders groß und auch nicht besonders kräftig. Aber das musste man auch nicht sein, wenn man eine schussbereite SIG in der Tasche trug.

Ein kleines Stückchen Metall, nur neun Millimeter stark, schien ihm vollwertiger Ersatz für diese fehlen den Eigenschaften.

Der Mann kannte dieses Haus und die Gegend nicht, doch zum Glück hatte er alle notwendigen Einzelheiten in Erfahrung bringen können.

Die Weiber waren doch selig, wenn sie reden konnten. Als er vor der Tür stand, stellte er sich die Frage, ob Brack überhaupt zu Hause war. An diese Möglichkeit hatte er noch nicht gedacht. Es würde die Sache erschweren, denn je später er die Tat ausführte, umso schwieriger würde es für ihn sein, ungesehen von der Bildfläche zu verschwinden.

Er drückte auf den Klingelknopf und grinste dabei. Er hatte daran gedacht, die Handschuhe anzubehalten. Er wollte seine Fingerabdrücke nicht hinterlassen. So blöd war er nicht, auch wenn er zum ersten Mal einen Menschen tötete. Gerade die Profis begingen nach seiner Überzeugung die schlimmsten Fehler, weil sie sich zu sicher fühlten und leichtsinnig wurden.

Henry Butterfields Grinsen verstärkte sich, als er die schlurfenden Schritte hinter der Tür vernahm. Er hatte also Glück. Alles lief bestens.

Er setzte sein unschuldiges Gesicht auf, denn er wusste, dass er nun durch den Spion beobachtet wurde.

Wenig später wurde die Tür geöffnet. Matter Lichtschein fiel auf den Gang.

Hardy Brack befand sich im Pyjama. Er hatte flüchtig einen seidenen Hausmantel übergeworfen. Er blickte seinen frühen Besucher verschlafen an.

„Du, Henry? Was, zum Teufel, willst du denn mitten in der Nacht bei mir? Hat dich Biggy aus dem Bett geworfen? Dann solltest du ihr eine Tracht Prügel verabreichen. Die Weiber brauchen das ab und zu. Sie betteln förmlich danach.“

„Ich muss dich sprechen, Hardy“, sagte der Kleinere. Seine Stimme klang irgendwie verzweifelt.

Brack musterte ihn misstrauisch und ungnädig. „Jetzt? Hat das nicht Zeit bis nach dem dritten Whisky?“

„Es hat keine Zeit. Ich brauche deine Hilfe.“

Der andere seufzte. „Also gut! Komm rein! Aber wenn es nicht wirklich wichtig ist, kannst du was erleben.“

„Du wirst es ja sehen.“

Hardy Brack ging voraus und stieß die Tür zu einem Zimmer auf, das überraschend einfach möbliert war. Henry Butterfield wusste, dass Brack stinkreich war. Er war eine große Nummer. Dass er so ärmlich wohnte, konnte er gar nicht glauben.

„Willst du ’nen Drink?“, erkundigte sich der Verschlafene.

„Später, Hardy. Hinterher werde ich wahrscheinlich einen brauchen.“ Er nahm die Hand aus der Manteltasche, und die nagelneue Pistole blitzte gefährlich auf.

Brack sah den Besucher verständnislos an. „Was ist in dich gefahren? Was willst du denn mit der Kanone?“

„Weißt du das nicht? Weißt du das wirklich nicht, du gemeiner Lump?“, fauchte Butterfield. Er spürte, dass er es schnell erledigen musste, bevor seine Erregung so wuchs, dass er die Waffe nicht mehr ruhig halten konnte. „Ich bin hier, um dich umzubringen. Du sollst deine gerechte Strafe erhalten.“

Brack wich einen halben Schritt zurück und stieß gegen einen halbhohen Tisch. „Mach keinen Blödsinn!“, keuchte er. „Man kann doch über alles reden. Es findet sich immer eine Lösung.“

„Die habe ich schon gefunden. Du legst keinen mehr herein, Hardy Brack. Dafür sorge ich.“

„Was du vorhast, ist Mord. Dafür gehst du für den Rest deines Lebens in den Bunker. Und wofür? Weil du Gerüchten glaubst.“

„Es sind keine Gerüchte. Und ins Gefängnis gehe ich auch nicht. Niemand wird auf mich als Täter kommen. Ein Lump wie du besitzt genügend Feinde. Da wird sich die Polizei nicht lange den Kopf zerbrechen. Einer hat ihnen die Arbeit abgenommen. Was soll schon sein?“

„Du schaffst es nicht, Henry Butterfield“, sagte Brack spöttisch. Er schien noch immer nicht zu glauben, dass es sich um blutigen Ernst handelte. „Für dieses Ding bist du viel zu mickerig. Dazu gehört schon Format, und das geht dir leider gänzlich ab.“

„Zerbrich dir darüber nicht den Kopf“, kreischte der andere. Die SIG begann langsam zu zittern. Jetzt musste er es tun.

Hardy Brack richtete seine grauen, trotz der brenzligen Situation kühl wirkenden Augen auf ihn. Er streckte die Hand aus und forderte leise: „Gib mir dein Spielzeug, Henry. Es ist besser für dich, glaube mir!“

„Für dich vielleicht“, krächzte der Mann mit der Pistole, „aber nicht für mich.“

Dann schoss er. Aus kürzester Distanz. Er konnte sein Ziel nicht verfehlen. Nicht mal in der Erregung, in der er sich befand.

Hardy Brack starrte ihn entgeistert an.

„Du hast es tatsächlich getan, du Dreckskerl. Du hast es gewagt, auf Hardy Brack zu schießen, dem du so viel zu verdanken hast.“

Dann lachte er. Es klang schaurig, als ob bereits sein Geist lachte, denn eigentlich musste er längst auf den Fußboden liegen und wimmern.

Doch Hardy Brack wimmerte nicht, und er wankte auch nicht. Er stand auf beiden Beinen fest vor Henry Butterfield und lachte diesem ins gerötete Gesicht.

Henry drückte erneut ab. Immer wieder. Er zählte die Schüsse nicht. Er wusste nur, dass sein verhasster Gegner nun mit Blei vollgepumpt war, und dass ihn kein verdammter Doc wieder zusammenflicken würde.

Und Hardy Brack lachte immer noch. Er konnte sich gar nicht beruhigen.

Dann griff er in die Tasche seines großblumigen Hausmantels und förderte nun ebenfalls eine Schusswaffe zutage. Es war ein Revolver, und mit diesem schoss er nur ein einziges Mal, dann brach sein Gelächter ab.

Henry Butterfield erfuhr, dass es wirklich nicht schwierig war, aus dieser Entfernung einen Mann tödlich zu treffen. Auf seiner langen Reise in das Reich, in dem es keine Schusswaffen gab, hatte er Zeit genug, sich darüber Gedanken zu machen, woran es gelegen haben mochte, warum Hardy Brack mit einem einzigen Schuss gelungen war, was er mit einem ganzen Magazin nicht geschafft hatte. Und vielleicht fand er die Lösung, dass man sich bei einem solchen Vorhaben am besten scharfer Munition bediente.

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Obwohl der Tote nach verhältnismäßig kurzer Zeit entdeckt wurde, erfuhr Bount Reiniger zunächst nichts davon. Ihn ging der Mord nichts an. Mit einem Henry Butterfield hatte er nie etwas zu tun gehabt.

Bount schlenderte die 42ste hinunter. Das tat er immer dann, wenn er einen bestimmten Mann suchte, von dem er eine Information brauchte.

Der Mann hieß Flat Pummy, und sie hatten schon viele kleine Geschäfte miteinander getätigt. Pummy war ein Gelegenheitsgauner, und heute schien er im Dienst zu sein, denn Bount vermochte ihn in keiner seiner Stammkneipen zu entdecken.

Das war Schicksal, aber es würde auch ohne Flat Pummy gehen. Bount hatte nämlich läuten hören, dass ein gewisser „Threefinger“ ein dickes Ding plante, und er hätte gern Näheres darüber erfahren, obwohl sich darum eigentlich die Polizei zu kümmern hatte. Weil dieses dicke Ding aber angeblich auf die „Commodore-Discothek“ zielte und Judy Kinley, die Besitzerin, eine frühere Klientin Bounts war, interessierte er sich dafür.

Pummy war bestimmt über Zeitpunkt und Art der Gaunerei informiert. Dieses Wissen hätte Bount Reiniger die Arbeit wesentlich erleichtert, doch er konnte den Dicken nun mal nicht herbeizaubern. Also war er gezwungen, es ein anderes Mal zu versuchen und in der Zwischenzeit ein wachsames Auge auf die „Commodore-Discothek“ zu halten.

Bount überlegte, ob er sich durch das vergebliche Suchen in der Kälte einen wärmenden Drink verdient hatte, als er das Gefühl hatte, beobachtet zu werden.

Dieses Gefühl war nicht neu für den Privatdetektiv. Diesmal aber konnte er sich nicht denken, wessen Interesse er erregt haben könnte.

Er schlenderte scheinbar unbekümmert weiter, und blieb nach einer kurzen Strecke stehen, um sich eine Pall Mall anzuzünden. Da der eisige Wind dieses Vorhaben erschwerte, war er gezwungen, sich ein wenig umzudrehen, um die Feuerzeugflamme zu schützen. Dabei entdeckte er den Mann, der ihn unablässig anstarrte.

Es handelte sich um einen mittelgroßen, untersetzten Typ, der schwer einzuordnen war. Eine auffallende Verbrechervisage besaß er eigentlich nicht, aber dass etwas mit ihm nicht in Ordnung war, war deutlich an seinen nervösen Bewegungen zu erkennen und an der Tatsache, dass er Bounts kurzem Blick nicht standhielt.

Bount Reiniger hatte sich längst wieder abgewandt, um nicht zu verraten, dass er Verdacht geschöpft hatte. Nein, diesen Burschen kannte er nicht. Da war er völlig sicher. In seinem Gedächtnis waren Hunderte von Gesichtern gespeichert. Er erinnerte sich oft an winzige Einzelheiten, an Stimmen, an typische Bewegungen oder Eigenarten. Dieser Mann im dunkelgrauen Wollmantel war ihm fremd.

Was mochte er von ihm wollen? Oder täuschte er sich? Betrachtete der Fremde seine Mitmenschen lediglich mit dem gleichen Interesse, wie er selbst es oft tat, wenn er sich bemühte, hinter ihre Fassaden zu blicken?

Es war nicht schwierig, sich Gewissheit zu verschaffen.

Bount schlenderte langsam weiter, betrachtete scheinbar interessiert die Fassaden der Häuser, obwohl er jede einzelne Bar in dieser Straße in- und auswendig kannte. Er entschied sich schließlich für „Gregorys“, eine Bar, in der man noch seinen Drink nehmen konnte, ohne unbedingt mit dem Rücken zur Wand sitzen zu müssen.

Es war eine ganze Menge los.

Er setzte sich an einen Tisch gleich neben dem Eingang, aber so, dass er von einem Eintretenden nicht sofort bemerkt wurde.

Noch bevor er den bestellten Katarakt serviert bekam, erschien sein anhänglicher Schatten. Der Mann, der einen kleinen Handkoffer trug, in dem gut und gerne eine auseinandergenommene Maschinenpistole Platz fand, trat ein paar Schritte in den halbdunklen Raum, dessen Luft durch unter der Decke hängende Rauchschwaden noch undurchsichtiger wurde, und sah sich suchend um.

„Ich habe schon auf Sie gewartet“, sagte Bount Reiniger mit leichtem Spott.

Der Mann wirbelte herum. Er sah blass aus. Seine Lippen zitterten etwas. Der Schreck saß ihm in den Knochen.

„Es ... es ging nicht früher. Es tut mir ... leid, Mister.“

„Ist das Ihre ganze Erklärung? Ich glaube, Sie sind mir noch ein bisschen mehr schuldig.“ Bount erkannte, dass der Bursche schnell reden würde. Er war nicht besonders hart. Die Aufgabe, die ihm irgendjemand angehängt hatte, schmeckte ihm nicht.

„Selbstverständlich, Mister. Deswegen bin ich ja hier. Ich war mir nur nicht ganz sicher. Ehrlich gesagt, hatte ich Sie mir etwas anders vorgestellt.“

„Anders? Wie anders? Vielleicht dämlicher?“

Der andere schluckte verwirrt. „Ich dachte nicht, dass Sie so groß sind.“

Bount grinste. „Ihr Pech! Ich bin nicht nur groß, sondern auch ziemlich kräftig, und wenn Sie nicht gleich damit herausrücken, was Sie ...“

„Bitte nicht schlagen!“ Entsetzen stand in dem Gesicht des Untersetzten. Er wich zurück, überlegte es sich aber doch und kehrte um. Hastig stellte er den Handkoffer auf den Tisch. „Hier! Ich hoffe, dass Sie mich jetzt endlich in Ruhe lassen.“

Mit diesen Worten verschwand er durch die Eingangstür der Bar und ließ einen einigermaßen verblüfften Bount Reiniger zurück.

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Bounts Überraschungsmoment dauerte nur Bruchteile von Sekunden. Dann schoss er auf und raste hinter dem merkwürdigen Zeitgenossen her.

Der aber war in der Menschenmenge untergetaucht. Es hielt gerade ein Bus in der Nähe und entließ einen ganzen Schwarm, der sich nach allen Seiten ausbreitete. Bount wurde behindert, und so emsig er sich auch umsah, der Fremde tauchte nicht mehr auf.

Nachdenklich ging er in „Gregorys“ zurück, wo der kleine Handkoffer noch immer auf dem runden Tisch lag.

Ein Gedanke schoss Bount durch den Kopf. Eine Bombe! Was sonst sollte es sein, was dieser Halunke, den seine explosive Last sichtlich durcheinandergebracht hatte, ihm aufdrängen wollte?

Das Ding musste schnellstens fort von hier, sonst war die Katastrophe in der überfüllten Bar nicht aufzuhalten.

Bount Reiniger packte den Koffer und rannte damit auf die Straße.

Auch hier empfingen ihn Menschenmengen. Er hatte keine Möglichkeit, sich des Sprengkörpers zu entledigen, ohne unschuldige Frauen und Männer zu gefährden.

Was tun? Er befand sich im Herzen von Manhattan. Der Hudson lag eine knappe Meile entfernt. Und doch war er die einzige Möglichkeit. Falls die Ladung nicht ferngezündet wurde, war der Zeitzünder sicher nicht so exakt eingestellt worden, weil der Kerl nicht vorausbestimmen konnte, wann er ihm den Koffer anhängen würde. Vielleicht ging das Ding auch erst hoch, wenn man ahnungslos den Deckel öffnete.

Egal! Für Spekulationen und tiefschürfende Gedanken blieb keine Zeit. Im Hafenbecken konnte die Bombe schadlos explodieren. Es war nur die Frage, ob er es noch rechtzeitig erreichte.

Bount fetzte los. Obwohl er den unheimlichen schwarzen Koffer lieber weit von sich geworfen hätte, klemmte er ihn wie einen kostbaren Schatz unter den Arm.

Er bahnte sich rücksichtslos einen Weg durch die Passanten, die ihn mit erstaunten Blicken, Kopfschütteln und wütenden Flüchen bedachten. Ein paar Burschen wollten sogar handgreiflich werden, doch er kaufte ihnen mit einer Kreiselbewegung, die beide von den hochhackigen Schuhen riss, die Schneid ab.

Weiter ging es. Normalerweise benahm er sich höflicher, aber hier ging es um Menschenleben. In der nächsten Sekunde konnte sich die quirlige 42ste bereits in ein Inferno verwandeln.

Als er die elfte Avenue überqueren musste, brachte er Bremsen zum Kreischen und Pneus zum Heulen. Er entging nur mit knapper Mühe der Faust eines aufgebrachten Schwarzen, der ihn bestimmt gelyncht hätte, weil er seinen funkelnagelneuen Rambler um ein Haar gegen einen Laternenmast gesetzt hätte.

Bount rannte unbeirrt weiter. Er nahm sich nicht die Zeit, auf das eventuelle Ticken im Koffer zu lauschen. Die Detonation würde unüberhörbar sein, falls er nicht schnell genug war.

Er rempelte Menschen an. Sie taten ihm leid, aber sie blieben am Leben. Nur das zählte im Moment.

Bount dachte nur an die anderen, dass er selbst vielleicht den Tod unterm Arm trug, vergaß er fast. Er lebte mit der Gefahr. Irgendwann würde es ihn erwischen. Vielleicht diesmal. Aber es sollte keine Unbeteiligten treffen.

Natürlich hätte er gern gewusst, wem er dieses Präsent zu verdanken hatte. Die Liste derer, die dafür in Frage kamen, war lang. Bount Reiniger war einer der gefürchtetsten Privatdetektive von ganz New York City, und nicht nur außerhalb der Stadtgrenzen, sondern in fast allen Bundesstaaten, im Ausland und selbstverständlich auch in Übersee hatte er seine Handschrift hinterlassen. Wer ihn zu Fall brachte, würde eine große Nummer in der Unterwelt sein.

Weiter, weiter! Seine Lungen pfiffen, sein Atem ging keuchend. Würde er es schaffen?

Schon sah er den West Side Express Highway vor sich. Das mächtige Betonband stand auf riesigen Stelzen. Darüber war ein unaufhörliches Brummen und Vibrieren.

Bount kurvte wie ein Slalomspezialist über die zwölfte Avenue und fegte unter dem Highway hindurch. Der Gestank der Hudsonbrühe hatte längst von seiner Nase Besitz ergriffen. Trotzdem konnte er sich etwas vorstellen, was noch ekelhafter roch. Und dazu noch fürchterlich knallte.

Dann sah er die Hafenanlagen vor sich. Die Hallen und Schuppen, die Gleise und Kräne. Und den Kai Nummer 81.

Wie er schon fast befürchtet hatte, lag dort ein Passagierschiff. Aufgeregtes Treiben kündigte die bevorstehende Abfahrt an.

Er musste sich weiter rechts halten. Dort konnte er den Teufelskoffer ins Wasser werfen, ohne dass die Umgebung in Mitleidenschaft gezogen wurde.

„Beeilen Sie sich, wenn Sie noch mitwollen!“, schrie jemand vom Schiff herüber.

Bount wandte seinen Kopf, und da passierte es. Er übersah eine winzige Pfütze, die gefroren war. Sie war spiegelglatt, und als Bount daraufgeriet, rutschte er aus und stürzte kopfüber.

Er war geistesgegenwärtig genug, den Koffer in eine Richtung zu schleudern, die ihm verhältnismäßig menschenleer erschien. Es war klar, dass die Erschütterung beim Aufprall die Explosion auslösen musste.

Bount fing seinen Sturz leidlich mit einer Drehung ab, riss die Arme über den Kopf und erwartete die Detonation.

Aber nichts geschah. Außer dem üblichen Hafenlärm war nichts zu hören.

Ungläubig hob Bount den Kopf.

Der Koffer lag ungefähr zwanzig Yards von ihm entfernt. Seine beiden Schnappschlösser waren aufgesprungen. Der Deckel hob sich geringfügig.

Bount glaubte seinen Augen nicht zu trauen. Wie der Blitz schnellte er in die Höhe und flitzte zu dem Koffer.

„Kann ich Ihnen helfen, Sir?“, erkundigte sich jemand angelegentlich neben ihm.

Bount Reiniger klemmte sich den Koffer unter den Arm, ohne sich die Zeit zu nehmen, die Schlösser, wieder zuschnappen zu lassen. Er sah den Hilfsbereiten an. Es war ein junger Bursche mit lauerndem Blick, unreiner Haut und schwarzen Fingernägeln. Er streckte die Hand nach dem Koffer aus.

Bount warf ihm einen abweisenden Blick zu, der so kühl war wie das Wasser im Hafen um diese Zeit.

„Nicht nötig, mein Junge“, erklärte er. „Ich absolviere nur gerade meine täglichen Übungen, die mir der Arzt verordnet hat.“

„Ha? Übungen? Aber das sah doch so aus, als ob Sie ...“

„Der Schein trügt manchmal“, versicherte Bount. „Ich bin ja auch der Meinung, dass ein paar Tabletten den gleichen Zweck erfüllen müssten, aber manchmal was gegen einen Doc.“ Er zwinkerte dem Burschen zu und spazierte ungerührt davon, ohne sich darum zu kümmern, wie intensiv der Zeigefinger des anderen gegen dessen Stirn tippte.

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Vollends öffnete Bount Reiniger den Koffer erst, als er sich in seinem Büro befand.

June March musterte ihn mit merkwürdigem Gesichtsausdruck. „Lass mich raten!“, bat sie. „Deinem lädierten Aussehen nach zu urteilen, bist du an einen eifersüchtigen Liebhaber geraten.“

Bount lächelte und schüttelte den Kopf. „Kalt, Kleines.“

Die Blondine versuchte es erneut. „Toby Rogers hat dich erwischt, als du ihm seinen letzten Whisky wegschlucken wolltest.“

Der Detektiv runzelte die Stirn. „Du wirst anzüglich, aber es wird immer noch nicht wärmer.“

Seine Volontärin seufzte. „Es gibt ein paar Millionen Männer in New York. Warum kann ich nicht einen von den normalen als Chef haben?“

„Und was verstehst du unter normal?“

„Normal ist, dass man sich um eine Frau geprügelt hat oder in einer finsteren Kneipe versackt ist, wenn man schon mit zerfetztem Anzug und sichtlich erhöhtem Blutdruck zur Arbeit erscheint. Aber wie ich dich kenne, hast du höchstens aus drei Gangstern Kleinholz gemacht. Hat sich Flat Pummy diesmal stur gestellt?“

„Ich habe ihn überhaupt nicht getroffen. Dafür aber einen auch nicht uninteressanten Mann, der mir diesen Koffer aufdrängte.“

„Aufdrängte? Hat er ihn dir verkauft? Er sieht durchaus nicht neu aus.“

„Trotzdem handelt es sich um ein besonders wertvolles Stück.“

Jetzt endlich hob Bount den Deckel, und June March fielen fast die hübschen veilchenblauen Kulleraugen aus den Höhlen.

„Beim heiligen Matriz, dem Schutzpatron der Falschgelddrucker! Da hast du ja direkt meine Lieblingstapete aufgetrieben.“

Sie nahm ein paar der aus dem Koffer quellenden Fünfzig-Dollar-Noten in die Hand und ließ sie zurückflattern.

„Jetzt verstehe ich deinen ramponierten Zustand“, meinte sie. „Ein solches Vermögen hätte ich mir auch nicht freiwillig abjagen lassen.“

„Du bist schon wieder auf dem Holzweg, Mädchen“, widersprach Bount Reiniger. „Ich erklärte doch bereits, dass mir das Zeug regelrecht aufgezwungen wurde. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich eine Zeitbombe in dem Koffer vermutet hatte, weil der edle Spender es so eilig hatte, wieder zu verschwinden. Ich habe die ganze Zweiundvierzigste in Aufruhr versetzt, und um ein Haar hätte ich die Scheinchen im Hudson versenkt.“

June schmunzelte. „Du bleibst eben ein echter Snob. Deine arme Angestellte muss sich mit einem Hungerlohn über Wasser halten, während du aus den Tausendern Papierschiffchen faltest und im Hafen damit spielst. Ich nehme doch an, dass die Herrlichkeit falsch ist, oder?“

Bount zuckte die Schultern. „Was anderes kann ich mir auch nicht vorstellen, aber das werden wir bald wissen. Ich werde Roy Flint vom Falschgelddezernat ein paar Proben geben. Der hat das schnell heraus. Rätselhaft bleibt die Sache aber so oder so. Der Bursche wird mich doch nicht etwa für einen Verteiler gehalten haben, der die faulen Mäuse unter die Leute bringen soll?“

Er berichtete von Anfang an, was sich zugetragen hatte, und June March lauschte interessiert.

„Der Typ hat dich verwechselt“, sagte sie schließlich, als Bount geendet hatte.

Das stand für den Detektiv jetzt ebenfalls fest. Er dachte angestrengt nach und versuchte, sich an jedes Wort zu erinnern, das der Fremde zu ihm gesagt hatte.

Es war nicht viel gewesen. Meistens verwirrtes Gestammel. Der Bursche hatte Angst gehabt. Ob vor ihm oder vor etwas anderem, war noch nicht klar zu erkennen. Anscheinend handelte es sich um eine Art Boten einer Bande. Er schien noch nicht lange im Geschäft zu sein. Dafür hatte er sich zu ungeschickt benommen.

„Wie viel mag es sein?“, fragte June und versuchte zu schätzen.

Bount sah sie prüfend an. „Gestattest du mir zwei vertrauliche Fragen?“

Sie hob den Zeigefinger. „Mister Reiniger, denken Sie an Ihre Erziehung. Aber schieß schon los. Ich kann es kaum noch erwarten.“

„Okay! Also wie viele Mannschaften stehen sich beim Football gegenüber?“

Sie sah ihn verwirrt an. „Was soll das? Zwei natürlich.“

„Aha! Und wie viele Räder hat mein Mercedes, der unten in der Tiefgarage steht?“

„Na höre mal!“, empörte sie sich.

„Wie viele?“, beharrte Bount.

„Vier. Mit Ersatzrad natürlich fünf.“

Der Detektiv strahlte. „Du bist ein wirklicher Glücksfall. Bei deinem enormen Zahlenverständnis bist du geradezu prädestiniert, die vielen bunten Scheinchen zu zählen. Bis ich von Roy Flint zurück bin, bist du sicher damit fertig.“

Er fischte sich zwei Banknoten aus dem Packen und verschwand in seinem angrenzenden Apartment, in dem er Hose und Jacke wechselte.

Als er wieder auftauchte, hatte er sich auch gesäubert und nichts erinnerte mehr an seine unfreiwillige Hafenrutschpartie.

June March funkelte ihn drohend an. „Das zahle ich dir noch mal heim“, versicherte sie. „Mich so an der Nase herumzuführen!“

Aber Bount rauschte mit einem Augenzwinkern an ihr vorbei und verschwand durch die Tür. Wenig später hörte June, wie sich der Lift nach unten in Bewegung setzte.

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Schon während der Fahrt zur Tiefgarage hing Bount seinen Gedanken nach, und er setzte sie fort, als er längst in dem silbergrauen 450 SL saß und ihn durch den nahezu stehenden Verkehr lenkte.

Wort für Wort ging er seine kurze Unterhaltung mit dem seltsamen Fremden durch, der ihm bestimmt nur versehentlich ein Vermögen überlassen hatte. Was hatte er gesagt? „Ich dachte nicht, dass Sie so groß sind.“ Jemand musste ihm einen Mann beschrieben haben, dem er den Koffer mit den Banknoten aushändigen sollte. Vielleicht war er nur deshalb auf ihn, Bount Reiniger, verfallen, weil er sich ein bisschen auffallend benommen hatte.

Seinen Namen hatte er jedenfalls nicht gewusst, sonst hätte er ihn nicht lediglich mit Mister angeredet. Er hatte sich sogar entschuldigt, weil er nicht früher gekommen war, und er musste ihn so verstanden haben, dass er, Bount, schon auf den Koffer wartete.

Ein kleines Licht in einem großen Leuchter. Irgendeine Randfigur, aber wenn sich sein Verdacht mit den Blüten bestätigte, würde sich Roy Flint über eine exakte Personenbeschreibung sicher freuen.

Bount Reiniger ging noch ein anderer Gedanke durch den Kopf. Wenn der Bursche seinen Mann in der 42sten Straße treffen sollte, dann hatte der sich vielleicht ganz in der Nähe aufgehalten. Wahrscheinlich hatte er sogar die missglückte Übergabe und seine verrückte Reaktion beobachtet. Er wusste nun, wohin er den Koffer mit dem Geld gebracht hatte, und es war damit zu rechnen, dass er die Sache nicht auf sich beruhen ließ.

Beunruhigt griff Bount nach dem Autotelefon. Er wählte die Nummer seines Büros und war erleichtert, als er kurz darauf Junes Stimme vernahm.

„Alles in Ordnung, Kleines?“, erkundigte er sich.

Sie schnaubte. „Du wagst es auch noch, mich beim Zählen zu stören? Sei froh, dass du dich nicht in meiner Griffnähe befindest. Ich habe gerade meine Fingernägel zurechtgefeilt. Die Mordkommission wird sich den Kopf über die unerklärliche Tatwaffe zerbrechen.“

Bount lachte amüsiert. „Im Ernst“, sagte er. „Ich wollte dich warnen. Mir ist eingefallen, dass es für den Koffer vermutlich noch andere Interessenten gibt. Halte also die Tür verschlossen, solange ich nicht da bin. Es könnte sein, dass du aufdringliche Besucher erhältst.“

„Hauptsache ein Mann!“, ulkte June, deren Zorn natürlich nur gespielt war. Gleich darauf wurde sie wieder ernst. „Daran habe ich auch schon gedacht“, sagte sie. „Sei unbesorgt! Ich hüte dein Allerheiligstes wie meinen Augapfel.“

„Prima! Hast du schon eine ungefähre Vorstellung von der Summe im Koffer?“

„Sogar eine ganz genaue. Es handelt sich um neunundneunzigtausendneunhundert Dollar.“

„Mit den hundert, die ich abgezweigt habe, also genau hundert Riesen“, stellte Bount fest. „Damit kann man schon ein paar Tage in der Südsee verbringen.“

„Oder ein paar Jahre hinter Gittern. Hast du neue Anweisungen für mich? Ich habe ja nun bewiesen, dass ich nicht nur bis drei zählen kann.“

„Dann hätte ich schon wieder ein mathematisches Problem für dich zu lösen.“

„Soll ich die Registriernummern auf den Geldscheinen addieren und die Quersumme daraus bilden?“

„Leichter. Widme dich der Zahlenkombination unseres Wandsafes und bring das Geld darin unter!“

„Aye, ay, Sir. Und was stelle ich mit dem Koffer an?“

„Nichts. Mit dem habe ich noch etwas Besonderes vor.“

„Ich kann mir auch schon denken, was das sein könnte, Bount.“

„Natürlich! Dafür arbeiten wir schon zu lange zusammen. Vor dir kann man keine Geheimnisse haben.“

„Du versuchst es aber doch immer wieder.“

Bount lachte. „Das versuchen altgediente Ehemänner auch, und bei denen klappt es genauso wenig.“

„Sonst noch was, Bount?“

„Im Augenblick nicht. Ich melde mich wieder, falls ich nicht ohnehin bald bei dir aufkreuze.“

Er beendete das Gespräch und konzentrierte sich auf den Verkehr.

Hunderttausend Dollar! Ein hübsches Sümmchen. Zwar war es in früheren Fällen, mit denen er zu tun gehabt hatte, schon um erheblich größere Beträge gegangen, trotzdem beeindruckte ihn eine Zahl mit fünf Nullen auch jetzt noch. Besonders dann, wenn sie mit einem hilflosen Männchen im Zusammenhang stand, das nicht den Eindruck eines Gangsters großen Stils auf ihn gemacht hatte.

Er prägte sich Gesicht und Figur genau in seinem Gedächtnis ein. Er war sicher, dass er mit diesem Mann noch zu tun bekommen würde.

Roy Flint war Lieutenant im Falschgelddezernat. Als er Bount Reiniger sah, verzog er sein ohnehin nicht besonders schönes Gesicht zu einer hässlichen Fratze.

„Darf ich mal abbeißen?“, fragte Bount.

„Wovon?“

„Von der Essiggurke, mein Lieber. Deinem Gesicht nach zu urteilen, bist du gerade dabei, einige zu verspeisen.“

„Irrtum! Ich bekomme soeben einen Besuch, den ich meinem schlimmsten Feind nicht wünsche. Wenn du dich blicken lässt, bedeutet das regelmäßig einen Packen Arbeit, für die du hinterher das Lob einstreichst.“

„Wenn dir so viel an einem Lob liegt“, entgegnete Bount ungerührt, „dann versichere ich dir hiermit, dass ich dich für einen der fähigsten Wasserköpfe, äh, ich meine natürlich Wasserzeichenspezialisten halte. Zufrieden?“

Es war Roy Flint anzusehen, dass er keineswegs zufrieden war, aber als Bount mit der Sprache herausrückte, wurde er sofort gnädiger.

„Du hast also den Verdacht, dass man dir zwei Blüten untergejubelt hat?“, meinte er gedehnt und hielt die beiden Fünfzig-Dollar-Noten gegen das Licht. „Hast du noch mehr davon?“ Ein lauernder Blick traf Bount Reiniger, der sein unschuldigstes Gesicht aufgesetzt hatte.

„Denkst du vielleicht, ich beziehe das Zeug im Großhandel? Hundert Bucks sind für einen armen Teck eine Menge Geld, und wenn die Dinger tatsächlich gefälscht sind, ersetzt mir keine Wohlfahrtsorganisation den Schaden.“

„Mir kommen die Tränen, armer Junge“, sagte Roy Flint. „Bei der nächsten Weihnachtsfeier lasse ich meine Leute für dich sammeln, damit du dir wenigstens ein kleines Sportflugzeug kaufen kannst. Das Papier fühlt sich gut an. Scheint echt zu sein. Aber das hat schließlich noch nichts zu sagen. Wer benutzt heute schon noch sein eigenes Papier, wenn er zu Geld kommen will?“

„Wie schnell kannst du feststellen lassen, ob es sich um Falschgeld handelt?“

„Das geht umso schneller, je mehr du mir erzählst“, sagte der Lieutenant gerissen.

Bount schmunzelte. „Habe ich dich schon jemals betrogen?“

„Nein“, gab Flint wahrheitsgemäß zu. „Nur genervt.“

„Das ist nicht strafbar. Ich werde dir also eine exakte Geschichte erzählen, sobald feststeht, dass du der zuständige Mann dafür bist. Oder interessierst du dich neuerdings auch für den Kreislauf von echtem Geld?“

„Nur am Rande, du verdammtes Schlitzohr. Ich frage mich, warum ich dir immer wieder meine kostbare, vom Staat finanzierte Zeit opfere.“

„Das kann ich dir sagen, wenn du schon nicht selbst darauf kommst. Du hast mich in dein Polizistenherz geschlossen. Und das liegt vielleicht daran, weil ich dir und deiner lausigen Bande schon so viele Tipps gegeben habe, dass deine Erfolgsquote in beängstigende Höhen geschnellt ist. Sonst noch eine Unklarheit?“

Roy Flint verzog abermals das Gesicht. „Lümmel!“, stieß er hervor. Insgeheim aber wusste er, dass der Detektiv gar nicht so Unrecht hatte.

Zusammenfassung

Drei Finger: N.Y.D. – New York Detectives
Krimi von Wolf G. Rahn

Der Umfang dieses Buchs entspricht 118 Taschenbuchseiten.

Der New Yorker Privatdetektiv Bount Reiniger will einen seiner Informanten wegen des Gangsters „Threefinger“ sprechen – da drückt ihm ein Unbekannter einen Lederkoffer in die Hand und verschwindet. Reiniger glaubt zuerst, dass es sich um eine Bombe handelt und will das gefährliche Objekt in den Hudson werfen. Er staunt dann aber nicht schlecht, als er in dem Koffer hunderttausend Dollar findet, und will der Sache auf den Grund gehen. Den rechtmäßigen Besitzer ausfindig zu machen, ist für den erfahrenen Detektiv kein Problem – doch leider ist dieser tot. Ermordet! Nun ist Reinigers ausgezeichneter Spürsinn gefordert, denn er scheint einer ganz üblen Sache auf der Spur zu sein ...

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738919080
ISBN (Buch)
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (März)
Schlagworte
drei finger york detectives

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Titel: Drei Finger: N.Y.D. - New York Detectives