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San Angelo Country #59: Duell am Sweetwater Creek

2018 120 Seiten

Zusammenfassung

In der Stadt Wheatland bekommt der Scout Roy Catlin Ärger mit Laurence Burr und seinen zwielichtigen Kumpanen. Aus einem Streit wird rasch bitterer Ernst, und Catlin landet im Gefängnis. Aber bevor die Probleme noch weiter eskalieren, beschließt Catlin, bei passender Gelegenheit zu verschwinden. Es gelingt ihm, den Marshal zu überrumpeln und zu fliehen. Catlin ahnt jedoch nicht, dass zum Zeitpunkt seiner Flucht Burr und seine Kumpane ebenfalls das Gefängnis stürmen und ihn umbringen wollen. Der Marshal wird dabei von einer Kugel getroffen – und Catlin soll dafür verantwortlich gemacht werden. Nun beginnt eine Hetzjagd auf den Scout. Wird es ihm gelingen, seine Unschuld trotz der aussichtslosen Lage zu beweisen? Oder gibt es doch noch einen Zeugen, der gesehen hat, was wirklich geschah?

Leseprobe

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SAN ANGELO COUNTRY

Band 59

Duell am Sweetwater Creek

Ein Western von Heinz Squarra

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IMPRESSUM

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Klaus Dill mit Steve Mayer, 2018

Redaktion und Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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IN DER STADT WHEATLAND bekommt der Scout Roy Catlin Ärger mit Laurence Burr und seinen zwielichtigen Kumpanen. Aus einem Streit wird rasch bitterer Ernst, und Catlin landet im Gefängnis. Aber bevor die Probleme noch weiter eskalieren, beschließt Catlin, bei passender Gelegenheit zu verschwinden. Es gelingt ihm, den Marshal zu überrumpeln und zu fliehen. Catlin ahnt jedoch nicht, dass zum Zeitpunkt seiner Flucht Burr und seine Kumpane ebenfalls das Gefängnis stürmen und ihn umbringen wollen. Der Marshal wird dabei von einer Kugel getroffen – und Catlin soll dafür verantwortlich gemacht werden. Nun beginnt eine Hetzjagd auf den Scout. Wird es ihm gelingen, seine Unschuld trotz der aussichtslosen Lage zu beweisen? Oder gibt es doch noch einen Zeugen, der gesehen hat, was wirklich geschah?

Gemächlich ritten die acht Männer in die kleine Stadt Wheatland ein. Sie parierten die Pferde vor dem Mietstall.

»Hey, Bates, nimm uns die Gäule ab!«, dröhnte Laurence Burr, der schnauzbärtige Anführer.

Der alte Stallmann wieselte heran und schnappte den Silberdollar im Flug, den Burr ihm zuwarf.

Die Männer kletterten aus den Sätteln.

»Wir müssen morgen nach Cheyenne weiter«, kündigte Burr barsch an. An der Spitze der Männer schlenderte er zum Saloon hinüber. Er war völlig leer.

»Hey, Whiskypanscher!« Burr schaute sich ungeduldig um. »Wo steckt Julie, das Luder?«

Im Obergeschoss fuhr das schwarzhaarige Mädchen mit einem leisen Schrei vom Bett hoch.

»Was hast du denn? Liegt ’ne Klapperschlange unter der Matratze?«, fragte Roy Catlin, der neben ihr lag.

»Das ist Laurence Burr, der Treckführer.«

»Na und?«

»Der bildet sich ein, ich würde ihm gehören. Es ist besser, du verschwindest gleich.«

Der Keeper watschelte durch die Küche, fuhr sich mit gespreizten Fingern durch das Haar und maulte verdrossen vor sich hin. Die Scherben auf dem Tresen und den Dielen im Saloon konnten seine Laune nicht verbessern, die rauen Kerle vor ihm erst recht nicht. Meist reichte ihre Zeche nicht an den Ärger heran, den sie mit sich schleppten.

»Na endlich!«, dröhnte einer. »Wir dachten schon, du kämst heute gar nicht mehr.«

»Whisky!«, verlangte der nächste.

»Wo ist Julie?« wollte der Anführer wissen.

Keeper Archer Cool, ein rundlicher Fünfziger mit kleinen, von nicht zu übersehender Gier geprägten Schweinsaugen, schenkte für die verstaubten Burschen Whisky ein und schob die Gläser über den Tresen.

Laurence Burr packte ihn und zog ihn halb hinter den Gläsern her. »Ich hab was gefragt, verdammt!«

»Was, was?«

»Wo Julie steckt, zur Hölle!«

»In ... in ihrem Zimmer, nehme ich an.«

Ein Stoß beförderte den Keeper gegen das Flaschenregal. Glas schepperte laut.

»Da stimmt doch was nicht«, mutmaßte Ferdy, ein rotblonder Bursche mit Sommersprossen.

»Ist jemand bei ihr?«, polterte Burr.

»Geht mich das was an?«, jammerte der Keeper.

Laurence Burr trank seinen Whisky und schleuderte das leere Glas ins Spülbecken.

»Vorwärts, es riecht nach Arbeit, Leute!«

*

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ROY CATLIN SCHNALLTE gerade den Patronengurt um, als die Horde mit Gebrüll die Treppe stürmte.

»Mein Gott, das gibt großen Ärger!«, rief Julie entsetzt.

Sie stand erst halb angezogen vor dem Spiegel und war mit ihrem langen schwarzen Haar beschäftigt. Der Kamm fiel ihr aus den Fingern; sie starrte kreidebleich auf Roy.

Catlin war ein großer, schlanker Mann von dreißig Jahren, schwarzhaarig und blauäugig. Er griff nach seinem schwarzen, breitkrempigen Hut. Als er ihn aufsetzte und das Mädchen noch wie erstarrt auf die Tür schaute, langte die laute Horde davor an.

Die Klinke bewegte sich, die Tür wurde heftig gerüttelt und Burr bellte: »Mach auf, verdammt, sonst geht die Tür ins Feuerholz!«

Zorn funkelte jäh in Julies Augen. »Was bildest du dir denn ein?«, schrie sie. »Weder gehöre ich dir, noch sind wir miteinander verheiratet! Verschwindet gefälligst, ihr ungehobelten Klötze!«

»Ferdy, weg von der Tür!«, befahl Zane, ein bärenhafter Kerl.

Im nächsten Augenblick bogen sich die ächzenden Bretter und splitterten. Die Trümmer flogen bis aufs Bett.

Zane stürzte. Die anderen drangen mit gezückten Revolvern ins Zimmer ein und bedrohten Roy Catlin.

»Der Scout aus Fort Laramie«, stellte der langnasige Ol fest. »Soll ich ihm eine verplätten, Laurence?«

Roy hob unaufgefordert die Hände über den Kopf und grinste die Kerle unsicher an. »Das wäre ja Mord. Sag deinem Freund, dass man ihn aufknüpft, wenn er sich so was leistet, Laurence!«

»Julie ist mit mir verlobt!«, giftete Burr voller Wut.

»Davon weiß ich nichts«, sagte Roy.

»Du spinnst doch!«, schimpfte das Mädchen, »Das hättest du vielleicht gern, aber es stimmt nicht.«

»Halt’s Maul!«, herrschte Burr sie an.

Auf der Straße zeterte der Keeper.

»Wo ist der Marshal?«, rief er gerade. »Marshal, Marshal, komm schnell, Burr und seine Kumpels nehmen mir den Saloon auseinander.«

Burr wandte sich an Roy. »Sie gehört mir. Und damit du das nie wieder vergisst, werden wir es dir hinter die Ohren schreiben. Die Kanonen weg, Freunde!«

Die Halunken grinsten böse, als sie die schweren Colts in die Halfter schoben. Begeistert spuckten sie sich in die Hände und ballten die Fäuste. Das war nach ihrem Geschmack.

»Was für ein schöner Tag!«, frohlockte der bärenhafte Zane.

Die Horde schob sich näher. Roy konnte nur einen Schritt zurück, dann hatte er die Gardine vor dem offenen Fenster im Rücken.

Julie wollte hinaus. Ferdy schob ihr den Stiefel in den Weg. Sie stolperte und stürzte. Die Kerle lachten laut.

»Warum denn so eilig?«, höhnte Randall, ein kleiner, verschlagen aussehender Kerl, dessen spitzes Gesicht an eine Ratte erinnerte.

»Gebt’s ihm!«, bellte Burr und griff an.

Roy wehrte den Hieb ab und drosch dem Anführer die Faust so gegen das Kinn, dass er aufs Bett geschleudert wurde. Aber die anderen griffen alle zusammen an.

Vier Fäuste trafen Catlin gleichzeitig. Er taumelte, griff Halt suchend um sich, erwischte die Gardine und riss sie herunter, ohne das zu wollen.

»Aus dem Weg, ich schlage ihm den Schädel ein!«

Zane drängte sich durch, Roy traf ihn, hatte jedoch das Gefühl, gegen eine Wand geschlagen zu haben. Der Bär verzog nicht einmal das Gesicht.

Der schnauzbärtige Anführer bekam einen weiteren Kinnhaken, dann duckte Roy sich unter dem Schlag Zanes hinweg, sprang schon in der Drehung über das Fensterbrett und landete auf dem Vordach. Die morsch gewordenen Bretter splitterten wie kurz vorher an der Tür.

Unter Roy klaffte plötzlich ein Loch, durch das er auf den Bretterfußweg stürzte.

Marshal Edward Finch stand dort parat und richtete den Revolver auf Roy.

»Mein Gott, ist das schlimm!«, jammerte der schwitzende Keeper. »Die nehmen mir den Saloon auseinander. Sperr den Kerl ein, Marshal, bis ich den Gesamtschaden übersehen kann!«

Marshal Finch, ein gedrungener Mann, wackelte auffordernd mit dem Colt.

»Beweg dich, Catlin.«

Menschen liefen auf der Straße zusammen und bildeten ein regelrechtes Spalier zwischen dem Saloon und dem Office des Marshals auf der anderen Seite.

»Der Marshal verhaftet den Scout!« Zane lachte oben am Fenster.

Die anderen hasteten bereits die Treppe herab und tauchten an der knarrenden Schwingtür auf.

»Liegst du auf den Ohren?«, rief der Keeper und versetzte Roy einen Tritt. »Der Marshal hat dich verhaftet.«

Roy erhob sich.

Noch immer den schweren Colt in der Hand, trat der Marshal zurück.

Hinter Catlin baute sich die Mannschaft des Treckführers wie eine Mauer auf. Jeder der rauen Kerle hatte die Hand auf dem Revolverkolben liegen. Sie grinsten tückisch.

Laurence Burr flackerte die Mordlust in den kalten Augen. Er wartete darauf, dass Roy einen Fluchtversuch unternahm. Dann würde er ihn mit absoluter Sicherheit von hinten niederschießen.

Seine Kumpane dachten das gleiche. Ihre einfache Denkweise schrieb ihnen in die Gesichter, was hinter den Stirnen vorging.

Roy wäre ein Narr gewesen, hätte er einen Fluchtversuch unternommen.

Der Marshal trat zur Seite und winkte wieder mit der Waffe. »Mach keine Faxen, ich mache auch keine, Catlin.«

Enttäuschung stahl sich in die Gesichter von Burrs Begleitung. Ferdy zerbiss einen Fluch.

»Verdammter Feigling«, knurrte Ol. »So ein Spaßverderber.«

»Stehenbleiben!«, befahl der Marshal.

Roy gehorchte.

»Alan, nimm ihm die Kanone ab!«, befahl der Marshal dem Town Mayor.

Alan Stamp, zugleich der Schmied in Wheatland, ein herkulischer Mann, schob sich vor dem Office aus der Menge und vertrat Roy den Weg.

Der Marshal bohrte Catlin die Mündung in den Rücken.

»Ihr müsst alle zusammen ein bisschen verrückt sein«, sagte Roy lahm. »Ich hab nichts weiter getan, als vor dieser wilden Horde Reißaus genommen. Das müsste doch statthaft sein.«

Der Town Mayor zog ihm den Colt aus der Halfter. »Natürlich ist das statthaft, Catlin. Aber für den Flurschaden, der dabei entsteht, muss jemand verantwortlich sein, wo kämen wir sonst hin.«

»Weiter!«, polterte der Marshal barsch.

*

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OFFICE UND JAIL BEFANDEN sich in einem großen Raum. Ein Gitter trennte sie voneinander.

Roy saß auf einer der vier Holzpritschen und rollte sich eine Zigarette. Marshal Finch lümmelte im Ohrenstuhl hinter dem Schreibtisch, auf dem er die Stiefel hatte.

Keeper Archer Cool stand vor dem Schreibtisch.

»Langst du nicht ein bisschen arg hin?«, fragte der Marshal.

»Wieso denn?«, protestierte der Wirt. »Der Kerl hat mir das Vordach und die Zimmertür zertrümmert und die Gardine samt Stange heruntergeholt und den Stoff zertrampelt.«

»Nun mal langsam, mit der Zimmertür hab ich nichts zu schaffen«, sagte Roy. Er klemmte die Zigarette in den Mundwinkel und rieb ein Schwefelholz an der Pritsche an.

»Er ist ganz allein schuld«, behauptete der Keeper. »Hätte die Tür ja aufschließen können, als Mister Burr das verlangte. Man schließt sich nicht mit der Braut eines anderen ein. Die ganze Sache ist so unmoralisch, dass ich an deiner Stelle die Klappe halten würde. Ich verlange jedenfalls zweihundert Dollar für den Schaden.«

Marshal Finch nahm die Füße vom Tisch. »Wenn du darauf bestehst, muss er es bezahlen oder abbrummen.«

Roy rauchte.

»Wieviel Geld hat er?«

Der Marshal stand auf. »Ich hab ihm zwölf Dollar abgenommen. Und mehr besaß er auch nicht.«

»Dann soll ihm das Flittchen aus der Patsche helfen. Die nahm ihn ja mit. Hätte sich doch denken können, dass ihr Bräutigam mal aufkreuzt.«

»Sie behauptet, es sei gar nicht wahr, dass sie mit Burr verlobt sei.« Roy stand auf und näherte sich dem Gitter.

»Ist mir egal, ich will nur den Schaden bezahlt haben. Was Julie angeht, die hat ja selbst nichts drauf. Du könntest dich an seinen Boss wenden, vielleicht hilft der ihm aus der Patsche.«

»Der Major von Fort Laramie?«, höhnte der Marshal. »Da lachen ja die Hühner! Der wird zweihundert Dollar für einen Scout herausrücken, der ihm jeden Tag über den Jordan gehen kann. Daran denkt der noch nicht mal im Traum.«

»Dann wird er es eben abarbeiten. Es gibt genug zu tun. Ich nehme ihn für einen halben Dollar pro Tag, seine Kost natürlich abgezogen.«

»Dann müsste er ja Geld mitbringen, damit sein Schuldenberg nicht mit jedem Tag größer werden soll«, spottete der Marshal.

»Na und, ist das mein Problem? Niemand hat ihm gesagt, er solle wie ein Vandale hausen. Ich warte bis morgen. Dann will ich wissen, ob mit dem Zaster zu rechnen ist, oder ob ich für Arbeit sorgen soll.«

Der Keeper wandte sich ab, schlurfte durch das Office und verließ es.

Die Tür knallte zu. Marshal Finch lehnte sich zurück. Roy stand am Gitter und rauchte.

»Wenn dir nicht bald was einfällt, woher du die zweihundert Piepen holen könntest, siehst du ziemlich alt aus, Catlin. Er wird für die Verpflegung mindestens einen Dollar verlangen. Du kannst dir also leicht ausrechnen, wie lang deine Latte schon nach einem Monat ist.«

»Wäre es nicht Ihre Aufgabe, einen Richter zu bemühen?«

»Meine Aufgabe?« Der Marshal hob die Augenbrauen an. »Wegen so einer Sache?«

»Es hätte ja sein können.« Roy kehrte zur Pritsche zurück und setzte sich.

Der Major würde ihm mit so einer großen Summe nicht helfen. Ein Scout ritt ständig am Abgrund entlang, dem gab niemand einen so großen Vorschuss.

Marshal Finch hatte wohl das Gefühl, doch etwas zu seiner Verteidigung sagen zu müssen, als er brummte: »Jedem Richter wird einleuchten, dass Cools Schaden bezahlt werden muss.«

»Und wieso nicht von denen, die ihn verursachten?«

»Der Wirt behauptet, das wärst du gewesen. Wegen dem Mädchen.«

»Und weil ihr alle vor der Bande einen Heidenrespekt habt. Deswegen ist ein Sündenbock immer bequemer.«

»Hast du nicht gewusst, dass sie zu ihm gehört?«

»Nein. Hat nie jemand zu mir gesagt, sie übrigens auch nicht. Und ob’s stimmt, glaube ich sowieso nicht. Oder fand hier mal ne richtige Verlobung statt?«

»Wieso hier? Laurence Burr hat sie ja schon gekannt, bevor sie hier aufkreuzte.«

»Hat er Ihnen das erzählt?«

»Ja.«

»Wann?«

»Vorhin«, gab der Marshal zu.

»Und Julie, was sagt die dazu?«

»Sie streitet alles ab. Mister Burrs Freunde beschwören, dass die Verlobung stattgefunden hat.«

»So einfach ist das.« Roy stand auf, ging zum vergitterten Mauerdurchbruch im Hintergrund und warf den Zigarettenstummel hinaus.

Auf normalem Weg kam er hier nicht heraus. Im Gegenteil. Der geldgierige Keeper würde dafür sorgen, dass er sich immer tiefer in Abhängigkeit verstrickte.

Er wandte sich um und betrachtete den Marshal, der wieder in den Ohrensessel sank. Zufrieden sah der keineswegs aus. Was sich abspielte, schien eher sein Missfallen zu erregen. Aber ändern würde er daran nichts. Finch war alt und bequem geworden.

Hier kam er nur mit Gewalt heraus. Und Roy war entschlossen, Gewalt anzuwenden, um frei zu sein.

*

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»WO IST DAS MISTSTÜCK?«, polterte der Treckführer. Burr stand mit seinen Kumpanen am Tresen und schaute zu dem Keeper hinauf, der die Treppe herabwalzte.

»Hat ein anderes Zimmer genommen. Aber wenn ihr noch eine Tür einschlagt, könnt ihr das dem Scout nicht anhängen. Der sitzt im Jail, hat eine prima Ausrede, dass er es nicht gewesen sein kann.«

»Willst du mich verhöhnen?«

Der Keeper wollte vorbei, aber Burr packte ihn und schleuderte ihn neben der Schwingtür gegen die Wand. Die Bretter ächzten, eine Scheibe klirrte.

»Ich rufe den Marshal!« Pure Angst funkelte in den Augen des Keepers, aber er bereute seine vorlaute Bemerkung und setzte deswegen nach: »War doch nicht so gemeint, Mister Burr.«

»Das will ich auch stark hoffen!«, schnaubte der Treckführer.

Archer Cool schlurfte hinter den Tresen und schenkte den Halunken unaufgefordert Whisky ein. »Sie reagiert gar nicht, wenn ich sie rufe. Tut mir leid, ich kann es nicht ändern.

»Der Marshal«, sagte Ferdy warnend.

Burr schaute über die Schulter und sah den Mann mit dem Silberstern am Hemd über die Straße kommen. Er betrat den Fußweg und schob die Schwingflügel zurück.

Die Haltung der Halunken versteifte sich, als Edward Finch von einem zum anderen schaute.

»Ist was?«, knurrte der Anführer.

»Was soll sein?«, fragte der Marshal zurück. »Ich brauche für den Gefangenen was zu essen. Er soll ja nicht in der Zelle verhungern.«

Keeper Cool verzog das Gesicht zu einer Grimasse. »Und wer bezahlt, wenn ich ihn versorge?«

»Keine Ahnung, sprich den Town Mayor und den Stadtrat darauf an. Meine Sache ist es nicht.«

»Warum tust du’s nicht?«

»Weil es nicht meine Sache ist.«

»Meine vielleicht?«

»Bevor er bei mir verhungert, lasse ich ihn laufen«, brummte der Marshal. »Soviel kann ich mit Gewissheit sagen, Archer. Ich warte eine Stunde. Du kannst es dir ja überlegen.«

»Verdammt und zugenäht, ich will meinen Schaden bezahlt haben, weiter nichts.«

Der Marshal schaute die acht rauen Burschen an.

Burr grinste. »Du hast was auf der Zunge, aber das will nicht heraus, was, Marshal?«

»Ich bin ein alter Mann, Mister Burr. Und ich bin allein.«

Der Marshal wandte sich ab und verließ das Office.

»Was sollte denn das heißen?«, schnaubte Ferdy.

»Das ist zu hoch für dich«, brummte Laurence Burr. »Streng deinen Schädel nicht zu sehr an.«

»Was mache ich nur?« Cool kratzte seinen Schädel. »Wenn ich ihn durchfüttern muss, wird’s ne teure Sache für mich. Der Town Mayor gibt mir keinen müden Cent dazu, den kenne ich viel zu gut.«

Burr grinste schon wieder. »Wie ärgerlich für dich, Whiskypanscher. Aber du willst ja deinen Schaden ersetzt haben.«

»Ob ich davon einen roten Cent sehe, weiß noch keiner.«

»Ein ziemlich übles Spiel, auf das du dich da einlassen musst. Könnte dich an den Bettelstab bringen, was?«

Die Kerle lachten und tranken weiter Whisky.

»Wenn du schon die Spendierhosen anziehst, dann sei so nett und schenk uns noch was ein!«, verlangte Burr.

»Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen«, sagte der Wirt.

»So ist es.« Burr nahm ihm die Flasche ab. »Her damit, das geht mir zu langsam.« Er schenkte selbst ein.

Der Keeper eilte in die Küche, kniete am Herd, öffnete die Klappe, stocherte in der Asche herum und blies hinein.

»Er wird ihn durchfüttern«, sagte Zane. »Und wie einen Sklaven für sich schuften lassen. Das alles verdankt er einzig und allein uns. Eigentlich müsste er dafür was Größeres springen lassen.«

»Wenn es soweit kommt«, entgegnete Burr leise.

»Was meinst du?«

»Wenn der Scout dieses Spiel mitmacht.« Burr schaute die Treppe hinauf. Er dachte an Julie, als er hinzusetzte: »Der Kerl stinkt mir, ich möchte ihn lieber ganz aus dem Weg räumen.«

In der Küche richtete der Keeper sich auf und walzte zu seiner Vorratskammer.

Zane trank sein Glas leer und schenkte es hastig wieder voll.

»Nur nichts verkommen lassen.« Er grinste den Komplizen an und beeilte sich, seinem Beispiel zu folgen.

Burr stieg die Treppe hinauf. Die Trümmer der Tür lagen auf der Galerie und im Zimmer dahinter. Laurence Burr blieb vor dem Zimmer stehen, in dem sich Julie inzwischen befand.

Er schlug dagegen. »Mach auf, Darling, lass uns vernünftig miteinander reden.«

»Verschwinde!«, kam es zurück. »Mit dir will ich nichts mehr zu tun haben. Was bildest du dir eigentlich ein, zur Hölle?«

Helle Wut schoss in Burr hoch und rötete sein schnauzbärtiges Gesicht. Seine Hand lag auf dem Revolverkolben. Er starrte auf das primitive Schloss, das er sicher kaputtschießen konnte. Aber er dachte an die Warnung des Keepers.

Burr wandte sich ab und stieg die Treppe wieder hinunter.

»Das Luder sollten wir uns mal kaufen«, schlug Ferdy vor.

»Nicht jetzt«, knurrte Laurence Burr. »Und nicht hier, wo es so viele Zeugen gibt.«

*

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ES WAR DUNKEL UND STILL in der Stadt. Aber es brannte Licht in den Hütten. Allerdings hatten die Leute die Vorhänge zugezogen.

Laurence Burr stand mit seinen Freunden an einem Schuppen in der Nähe des Saloons. In der Dunkelheit war von den Kerlen keiner zu erkennen.

»Ob er versucht, zu entwischen?«, fragte Ferdy, ohne den Blick vom Office schräg gegenüber zu wenden.

»Da er weiß, was der Keeper mit ihm vorhat und er sich ausrechnen kann, was das für ihn bedeutet, wird er’s wohl versuchen«, vermutete Burr.

»Und wann ist es soweit?«

»Wenn er es riskiert, so schnell wie möglich. Bei der ersten Gelegenheit, die sich bietet.«

»Also vielleicht in dieser Stunde?«

»Vielleicht. Wir warten jedenfalls. Und wenn er auftaucht, wird er sofort abgeknallt. Auf der Flucht erschossen.« Laurence Burr lächelte gehässig.

»So ein feiner Grund, einem anderen kalte Füße zu verschaffen, findet sich selten.« Ein freudiges Grinsen überzog Zanes Gesicht.

Der Keeper tauchte vor dem Saloon auf, eine Schüssel in den Händen.

»He, der bringt dem Hundesohn aber ne reichliche Portion!«, staunte Jethro.

Keeper Cool überquerte die Straße und trat gegen die Tür des Office. »Ich bin’s, Marshal, mach mal auf!«

»Es ist offen!«

»Hab die Pfoten voll. Zum Teufel, wenn du zu faul bist, mir zu öffnen, gehe ich halt wieder. Dann kannst du zusehen, wie du den Gefangenen über die Runden bringst.«

Die Kerle sahen den Marshal im erleuchteten Office zur Tür gehen.

»Das einzige Haus ohne Gardine«, murmelte Ol.

»Ihrem Office spendieren sie nur, was nicht zu umgehen ist«, erwiderte Zane.

Die Tür wurde geöffnet und der Keeper eingelassen.

»Was ist das denn?«, fragte der Marshal, während er zum Tisch zurückkehrte.

»Kartoffelsuppe.«

»Und was kommt noch?«

Cool stellte die Schüssel auf den Tisch. »Was noch?«

»Na ja, was es dazu gibt?«

»Dazu?« Cool runzelte die Stirn. »Ich kann ein Glas Wasser dazu bringen. Aber das hast du hier selbst. Oder ist deine Pumpe nicht in Ordnung?«

»Doch. Ich dachte nur, dir liege für morgen an einem gestärkten Arbeiter.«

Cool schaute auf den Mann in der Zelle, der ans Gitter kam. »Dem helfe ich schon, wenn er nicht spurt.«

Er wandte sich ab, verließ das Office und schloss die Tür.

Burr und seine Freunde sahen ihn, wie er über die Straße zum Saloon zurückkehrte und dort verschwand. Laut knarrten die Schwingflügel, dann wurde es still.

Im Saloon befanden sich keine Gäste. Und im Obergeschoss, wo Julie in einem Zimmer war, brannte kein Licht.

Laurence Burr verließ den Schuppen und erreichte die Ecke des Saloons. Er konnte von diesem Standort aus mehr vom Office sehen.

*

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DER MARSHAL STAND AM Tisch, beugte sich über die Schüssel, roch an der Suppe und rümpfte die Nase.

Roy lehnte am Gitter und beobachtete den Mann. Wenn er überhaupt eine Chance zur Flucht bekam, würde es sein, wenn der Marshal ihm die Schüssel brachte und wenn er dumm genug war, dabei den Colt an der Hüfte zu behalten.

»Na ja, was Besonderes ist es nicht, aber das hast du ja auch nicht verdient.«

»Sie sind zu nett«, gab Roy zurück.

»Bin ich zu Dummköpfen immer. Einer wie du müsste eigentlich ein Mädchen finden, auf das Kerle wie Burr keine Ansprüche erheben.«

»Sie haben in Wahrheit etwas gegen Julie, wie?«

»Ich mag diese Flittchen nicht. Hatte im ganzen Leben nichts als Ärger mit ihnen oder wegen ihnen. Und der reißt selbst in diesem Nest nicht ab.«

»Amen.«

»Was?«

»Es war ’ne schöne Predigt. Vielleicht hätten Sie Pfaffe werden sollen, Marshal.«

»Dazu fehlten mir leider ein paar wesentliche Voraussetzungen.« Der Marshal hob die heiße Schüssel an und brachte sie ans Gitter.

Er war wirklich so dumm oder naiv. Roy griff zu.

Aber nicht nach der Schüssel, sondern nach dem Revolver des Marshals. Er zog ihn aus der Halfter und stieß ihn dem Mann gegen das Hemd.

Edward Finch ließ die Schüssel fallen. Sie landete auf dem Boden und zerplatzte; die Suppe spritzte durch das halbe Office.

»Schließen Sie auf!«, herrschte Roy ihn an, während er mit dem Daumen den Hammer der Waffe spannte.

Finch trat kreidebleich zurück. »Bist du verrückt geworden, Roy? Du bringst dich selbst an den Galgen!«

»Ich zähle bis drei!«, drohte Roy. »Wenn Sie dann nicht aufgeschlossen haben, hören Sie den Knall nicht mehr!«

»Du musst den Verstand verloren haben, Roy.« Der Marshal bewegte sich rückwärts.

»Eins ...«, zählte Roy.

»Jaja, ist gut, ich hole den Schlüssel ja schon.« Finch drehte sich halb um und zog den Schlüssel aus dem Kasten am Tisch. »Dafür wirst du am nächsten Baum ...«

»Zwei!«, zählte Roy mit entschlossen klingender Stimme, obwohl er wusste, dass er nicht schießen würde.

Aber Edward Finchs Angst war größer als sein Glaube, dass ihm nichts passieren würde. »Ist ja gut, ist ja gut. Ein Mann in meinem Alter übt sich nicht mehr in Rechthaberei.«

Er kam an die Gittertür, schob den Schlüssel ins Schloss und drehte sich um.

»Zurück!«

Der Marshal gehorchte abermals und hob sogar die Hände. »Du machst mich traurig, mein Junge. Konntest du nicht die zwei oder drei Tage mitspielen? Bis die Bande aus der Stadt ist? Ich erkläre dem Keeper schon, dass es so nicht geht.«

»Sie sind nicht nur alt geworden, Finch, sondern auch geschwätzig.« Roy schob die Tür auf und trat heraus.

Der Marshal griff ihn unerwartet an, aber viel zu langsam. Roy hätte ihn mühelos erschießen können.

Aber er ließ den Colt fallen und schlug zu. Finch flog mit rudernden Armen rückwärts, knallte zwischen Blechschrank und Gewehrständer an die Wand, verdrehte die Augen und rutschte langsam zu Boden.

Das letzte Stück der Szene hatten die Halunken draußen in der Dunkelheit sehen können.

»Der hat sich befreit!«, brüllte Zane.

»Vorwärts!« Burr zog den Colt und rannte los.

Mit lautem Gebrüll spurteten die anderen mit. Ihre Revolver dröhnten.

Roy sah die Mündungsflammen, während ihm die Kugeln um die Ohren schwirrten. Die Fensterscheibe wurde getroffen und zersplitterte.

»Der Hundesohn hat sich befreit!«, schrie einer der Horde durch die Stadt.

Pausenlos krachten die Revolver.

Roy schoss durch das Fenster zurück. Aber damit konnte er die Bande nicht aufhalten. Er lief schießend nach hinten, sprang aufs Fensterbrett und in die Dunkelheit.

*

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JULIE STAND IM DUNKEL hinter dem Fenster ihres neuen Zimmers. Sie konnte ins Office schauen. So sah sie Roy Catlin verschwinden und den Marshal aufstehen.

Sie sah auch die Mündungsflammen und die rennenden Halunken, die das Office erreichten und wie besessen schießend stürmten.

Marshal Edward Finch zuckte plötzlich zusammen.

Burr blieb auf der Türschwelle stehen.

»Verdammter Mist«, sagte Zane.

»Schnauze, Blödmann!«, zischte der Bandenführer.

Laut schrie er in die Stille: »Der Hundesohn hat den Marshal abgeknallt!«

Männer wagten sich aus den Häusern.

»Was ist passiert?«, fragte jemand.

»Der Gefangene hat sich befreit und den Marshal erledigt«, sagte Laurence Burr.

Der Marshal war an der Wand im Zeitlupentempo zusammengerutscht und fiel steif aufs Gesicht.

Burr ging weiter, kniete und wälzte die Gestalt auf den Rücken.

Zane beugte sich herab.

Marshal Finch war tot.

Town Mayor Alan Stamp wagte sich bis ans Office. Die anderen Männer folgten ihm mit Abstand.

Als der Schmied in das vom Pulverdampf erfüllte Haus trat, umstanden die Halunken den Toten und hielten die Hüte in den Händen.

»Der Scout«, sagte Burr und schaute den Town Mayor an. »Ist das zu fassen?«

»Gott möge seiner Seele gnädig sein«, murmelte Ferdy.

Das Trommeln von Hufen erinnerte die Kerle wieder an den Scout.

»Hölle und Schwefel, der schafft es!«, rief Zane und hastete hinaus.

Als sie den Hof des Mietstalls erreichten, war der Fliehende bereits in der Dunkelheit untergetaucht. Der Hufschlag wurde leiser.

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IM STALL KROCH BATES durch das raschelnde Stroh, hielt inne und tastete vorsichtig sein Kinn ab.

»Mann, der hat ne Faust, die trifft einen wie der Huf eines Stiers.«

»Hinterher, den greifen wir uns!«, bellte Burr. »Los, los, sattelt die Pferde!«

Sie stürmten gleichzeitig in den Stall und behinderten sich gegenseitig. Dadurch vergingen weitere Minuten, bis die ersten endlich mit gesattelten Pferden wieder im Hof erschienen.

Inzwischen war das Hufgetrappel verklungen.

»Wohin ist er?«, fragte der Town Mayor, der als einziger Mann der Stadt sein Pferd am Zügel hielt.

»Da hinaus.« Burr deutete nach Westen. Er schwang sich in den Sattel und gab seinem Pferd die Sporen.

Die Horde sprengte dem Town Mayor hinterdrein.

Julie stand am Fenster und lauschte dem Klappern der Hufe nach. Sie sah immer mehr Menschen vor dem Office ins Licht und dann das Haus selbst betreten.

»Der Scout«, sagte jemand. »Eigentlich war er gar kein schlechter Mensch.«

»Dafür wird man ihn hängen!«, polterte der Keeper, der unter der Menge stand.

Das scharfe Knallen einer Peitsche schallte durch die Stadt. Gleich darauf war neuer Hufschlag zu hören. Räder rasselten. Lauter knallte jetzt die Peitsche.

»Die Postkutsche kommt!«

Die Menge drängte aus dem Office.

Die Concordkutsche der Wells Fargo rollte in die Stadt, wurde langsamer und hielt vor der Station.

Der Postagent lief ihr entgegen und rief: »Ein Scout aus Fort Laramie hat den Marshal umgebracht und ist getürmt. Alles wegen so ’nem Flittchen. Ich werde dir einen Brief für den Kommandanten mitgeben, damit der Bescheid weiß.«

Julie verließ ihr Zimmer, stieg die Treppe hinunter und schenkte sich am Tresen Whisky in ein großes Glas, das sie auf einen Zug leertrank. Sie fühlte sich mitschuldig daran, dass der Marshal nun tot war und Roy Catlin gehetzt wurde.

Draußen debattierten die Männer vor der Poststation. Die Kutsche würde die Nachricht weitertransportieren.

Wahrscheinlich verbreitete sie sich danach in Windeseile.

Der Keeper kehrte zurück. Er schaute sie wütend an. »Die längste Zeit warst du hier. Am besten, du packst deinen Krempel und haust gleich ab.«

»Jetzt willst du nur von deiner Gier ablenken«, sagte sie. »Du hast dir eingebildet, du könntest aus dieser Sache zweihundert Dollar schinden. Oder eine Arbeitskraft, die sogar Geld bringt. Ich gehe, Archer, keine Sorge. Aber den Zeitpunkt, wann das ist, bestimme ich selbst.«

Cool schaute ihr nach, wie sie die Treppe hinaufstieg und in ihrem Zimmer verschwand. Den Schlüssel hörte er nicht scharren. Also verzichtete sie darauf, die Tür zu sichern.

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DIE KERLE KEHRTEN ERST im Morgengrauen zurück, brachten ihre Pferde in den Mietstall und kamen zum Saloon, weil da noch Licht brannte. Der Keeper hatte ein bisschen am Tresen dösen wollen, war aber fest eingeschlafen.

Er schreckte auf, als die Bande laut den Saloon betrat und nach Whisky verlangte.

»Ich würde auch mal wieder was essen«, sagte Zane.

»Nicht nur du!«, knurrte Ol.

Der Town Mayor kam nicht.

»Wo steckt euer Boss?«, fragte Burr seine Kumpane.

Ferdy schaute über die Schwingflügel. »Der geht eben nach Hause. Ist wohl zu müde für einen letzten Schluck, der arme alte Mann.«

Archer Cool schenkte den Männern Whisky ein. »Er ist euch durch die Lappen gegangen, stimmt’s?«

»Hellseher«, brummelte Jethro.

»Aber die Postkutsche war da. In ein paar Tagen kann er sich in ganz Wyoming in keine Stadt mehr wagen.« Burr trank seinen Whisky und schaute zur Galerie hinauf.

»Verdammt, wir haben Hunger!«, schimpfte Ol.

Burr verließ die anderen und stieg die Treppe hoch.

Einen Moment schaute der Wirt ihm nach, dann hastete er in die Küche. »Ja, ihr bekommt wunderschöne saftige Steaks, Leute!«

Obwohl Burr überzeugt war, dass Julie abgeschlossen hatte, legte er die Hand auf die Klinke und drückte sie nach unten. Zu seiner Verwunderung gab die Tür nach.

Noch mehr verblüffte es ihn, dass Julie nicht schlief, sondern an der Wand lehnte und einen Revolver auf ihn richtete. Aber da war er schon drin, schob die Tür mit dem Fuß zu und wollte weitergehen.

Sie spannte den Hammer. »Beim nächsten Schritt bist du zu weit, Laurence!«

Er sah am Funkeln ihrer grünen Augen, dass sie nicht bluffte. Er wagte den entscheidenden Schritt nicht.

»Was willst du mit diesem Scout, Darling? Der ist bekannt dafür, ein Indianerfreund zü sein. Bestimmt hat er ’ne Squaw, von der hier keiner was weiß. Jedenfalls hab ich ihn schon mit einer Rothaut gesehen. Mit einer ganz ansehnlichen übrigens.«

»Soll ich dir sagen, was ich vom Fenster aus sah, Laurence? Ich sah euch schießend das Office stürmen und den Marshal umfallen.«

Burr starrte sie mit offenem Mund an, trat zurück und prallte mit dem Rücken gegen die Tür.

»Da bist du platt, was?«

»Allerdings«, gab er zu. »Aber das weiß außer dir niemand, Goldschatz. Und du wirst es schön für dich behalten, weil ich sonst dafür sorge, dass du als Lügnerin verurteilt wirst. Oder ganz von der Bildfläche verschwindest.«

Ihre Hand mit dem Revolver sank herab.

»Wir würden Stein und Bein schwören, dass du aus purer Niedertracht was gegen uns ausgeheckt hast. Und wir sind acht gegen dich.«

»Du bist ein Schwein, Laurence.«

Er grinste und zeigte seine Zähne. »Dass du zu den Engeln gehörst, ist für mich neu, Goldschatz. Also sei ein kluges Kind, dreht dir nicht selbst einen Strick zusammen.« Er griff hinter sich nach der Klinke.

Burrs Bewegung brachte Julie dazu, den Colt wieder auf ihn zu richten.

Er schüttelte den Kopf. »An dir vergreife ich mich nicht, Darling. Dich lasse ich von anderen ins Jenseits befördern, wenn du dir einbildest, mich in die Pfanne hauen zu können.«

Er öffnete, trat zur Seite, wandte sich ab und verließ das Zimmer. Die Tür fiel zu.

Laurence Burr stieg die Treppe hinunter. Die Überraschung steckte ihm noch in den Knochen. Er war aber so sehr von sich eingenommen, dass er glaubte, sie genügend eingeschüchtert zu haben.

Draußen kroch die Dämmerung am Horizont empor.

Zane stand draußen und schaute nach Süden.

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738919042
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (März)
Schlagworte
angelo country duell sweetwater creek

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Titel: San Angelo Country #59: Duell am Sweetwater Creek