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Disco-Piraten: Ein Roberto Tardelli Thriller #42

©2018 120 Seiten

Zusammenfassung

Disco-Piraten
Ein Roberto Tardelli Thriller #42
von A. F. Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 99 Taschenbuchseiten.

Dem Reggiani-Mob gehört eine Produktionsfirma für sogenannte „Bootlegs“, das sind illegale Plattenaufnahmen, mit denen die Mafia ein Riesengeschäft macht. Roberto Tardelli, Agent bei COUNTER CRIME - einer geheimen Regierungsstelle des US-Justizministeriums -, soll die Produktionsstätte, die sich irgendwo in New York befindet, ausfindig machen und zerstören. Ein eiskalter Mord an einem Fotomodell führt den jungen Mafiajäger zu dem Radiosender „Friendly Wave“ und dessen Starsprecher Chico Lane, von dem er sich aufklärende Hinweise erhofft. Roberto ahnt zu diesem Zeitpunkt nicht, dass schon längst ein Mafia-Killer auf ihn angesetzt ist ...

Leseprobe

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Disco-Piraten

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Ein Roberto Tardelli Thriller #42

von A. F. Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 99 Taschenbuchseiten.

Dem Reggiani-Mob gehört eine Produktionsfirma für sogenannte „Bootlegs“, das sind illegale Plattenaufnahmen, mit denen die Mafia ein Riesengeschäft macht. Roberto Tardelli, Agent bei COUNTER CRIME - einer geheimen Regierungsstelle des US-Justizministeriums -, soll die Produktionsstätte, die sich irgendwo in New York befindet, ausfindig machen und zerstören. Ein eiskalter Mord an einem Fotomodell führt den jungen Mafiajäger zu dem Radiosender „Friendly Wave“ und dessen Starsprecher Chico Lane, von dem er sich aufklärende Hinweise erhofft. Roberto ahnt zu diesem Zeitpunkt nicht, dass schon längst ein Mafia-Killer auf ihn angesetzt ist ...

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Samson Murane, Luigi Parganese — Sie leiten ein Unternehmen des Reggiani-Mobs, das der Mafia ein Vermögen einbringt, bis sich Roberto Tardelli einmischt.

Chico Lane — Der Starsprecher der New Yorker Rundfunkanstalt 'Friendly Wave' merkt, dass er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat, doch für eine Umkehr ist es zu spät.

Mommo Getto — Er ist ein Killer ohne Nerven und hat den Auftrag, Roberto Tardelli umzubringen.

Samantha Ford — Eine junge Ärztin, die den Mafiajäger in seinem Kampf unterstützt.

Roberto Tardelli — Der Mann, der der Mafia wieder einen harten Kampf liefert und ihr wieder einen schweren Schlag versetzt.

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Es regnete so heftig, dass eine Ente ertrinken konnte. Kein Wunder also, dass Roberto Tardellis Stimmung nicht gerade die beste war. Er passte sich lediglich dem schlechten Wetter an.

Seit zwanzig Minuten war er bereits hinter dem schwarzen Oldsmobile her, und ein Ende der Fahrt war noch nicht abzusehen.

Soeben stoppte der Olds.

Roberto zog seinen gemieteten Cadillac de Ville, der unauffällig schiefergrau war, auf die zweite Spur und rollte an dem Gangsterfahrzeug vorbei. Der strömende Regen rann in gerippten Wellen über die Fenster. Nur undeutlich waren die Gesichter der beiden Wageninsassen zu erkennen.

Auf dem Beifahrersitz saß Luigi Parganese. Der Fahrer war zugleich Parganeses Hitman. Die beiden sprachen kurz miteinander. Dann schwang der Wagenschlag auf der Beifahrerseite auf, und der Hitman spurtete mit hochgezogenen Schultern und aufgestelltem Trenchcoatkragen durch die Wasserpfützen.

Der Mann verschwand in einem Tabakladen.

Roberto Tardelli brachte seinen de Ville in einiger Entfernung zum Stehen. Noch wusste Luigi Parganese nicht, dass er beschattet wurde. Roberto hatte sich die größte Mühe gegeben, dies zu verschleiern. Der Mafiajäger spielte alle Tricks aus, die man ihm im COUNTER CRIME Trainingscamp beigebracht hatte. Und er blieb gekonnt am Ball. Parganese würde nicht die geringste Chance haben, ihm zu entwischen.

Während Roberto im Rückspiegel beobachtete, was dort hinten lief, drückte er auf den Radioknopf. Musik. Progressiv und aggressiv. Die letzten Akkorde. Und dann kam die quicklebendige Stimme eines Sprechers aus dem Lautsprecher, den jedes Kind in New York kannte und liebte.

„Hallo, Freunde, hier ist er wieder, euer Kumpel Chico Lane! Weiß der Teufel, weshalb ich mich heute so besonders gut in Form fühle. Ob’s am Wetter liegt? Hahaha. Kleiner Scherz am Rande, Kameraden!“ Chico Lane war ein Quasselkopf und ein Plappermaul, der mit seiner guten Laune Tag für Tag seine Zuhörer aus ihrem öden, grauen Alltag herausriss und sie für kurze Zeit fröhlich stimmte.

Er war vor einigen Jahren buchstäblich über Nacht berühmt geworden, und heute war er der Starsprecher der „Friendly Wave“, einer kleinen, aber äußerst gewinnorientierten New Yorker Rundfunkanstalt.

Während Chico Lane seine Scherze vom Stapel ließ, die mal seicht, mal tiefsinnig waren, wartete Roberto Tardelli auf die Rückkehr von Luigi Parganeses Hitman. Der vierschrötige Kerl mit den kleinen Eiswürfelaugen trat soeben aus dem Tabakladen.

Eine Stange Zigaretten unterm Arm. Er lief zum Oldsmobile zurück und setzte die Fahrt gleich darauf fort. Roberto ließ das Fahrzeug der Mafiosi ein Stück vorausfahren.

Die Dämmerung setzte an diesem Tag früher ein als sonst. Die Straßenbeleuchtung wurde eingeschaltet.

„Wenn ihr Kummer oder Probleme mit eurem Wellensittich habt, schreibt mir!“, sagte Chico Lane. „Chico Lane ist immer für euch da. Ihm ist keine Sorge zu klein und erst recht keine zu groß. Freunde, lasst uns eine große Familie sein, in der einer dem anderen hilft ...“

Links lag der Greenwood Cemetery.

Roberto Tardelli hatte soeben die Fahrzeugbeleuchtung eingeschaltet.

Der Oldsmobile schwenkte ab, nahm Kurs auf die Gowanus Bay. Roberto fragte sich, wohin Luigi Parganese unterwegs war. Es war verdammt schwierig gewesen, Parganeses Spur zu finden, und nun, wo Roberto die Fährte aufgenommen hatte, wollte er sich so schnell nicht wieder abhängen lassen.

Die Brooklyn Docks kamen in Sicht.

Roberto gab nur noch wenig Gas. Er hatte es im Gefühl, dass die Fahrt hier enden würde. Tatsächlich rollte der Oldsmobile vor einem lang gestreckten Lagerhaus aus, und nun tauchte Luigi Parganese auf. Er war schlank und elegant gekleidet, sah aus wie ein Top-Manager der Privatindustrie, und so etwas Ähnliches war er ja auch. Der Haken war nur: Parganese leitete als zweiter Mann eine Firma, die es eigentlich nicht geben durfte, weil ihre Produktionsmethoden vom Gesetz verboten waren.

Der Mafioso verschwand mit seinem Hitman im Lagerhaus.

Roberto entdeckte im trüben Nebelschleier weitere Fahrzeuge. Hier schien eine Konferenz stattzufinden.

Der Mafiajäger faltete sich aus dem de Ville.

Er lief an einer nassen, grauen Wand entlang, sprang über Pfützen, blieb mehrmals kurz stehen, um sich zu vergewissern, dass er nicht beobachtet wurde, und näherte sich dann weiter dem Ziel.

Es war anzunehmen, dass der Lagerhauseingang bewacht war, deshalb musste sich Roberto Tardelli nach einer anderen Möglichkeit umsehen, um in das Gebäude zu gelangen.

Ein offen stehendes Fenster im ersten Stock fiel ihm auf. Die Mauer des Hauses war so glatt, dass Roberto Saugnäpfe benötigt hätte, um an ihr hochklettern zu können.

Aber der COUNTER-CRIME-Agent hatte Glück. Er entdeckte eine graue Plastikregenrinne. Wenn sie sein Körpergewicht aushielt, konnte er an ihr hochturnen. Es würde sich zeigen, ob sie stark genug verankert war.

Der Regen rann Roberto in breiten Bächen über das Gesicht. Sein dunkles Haar glänzte lackschwarz. Er trug eine kurze Nylonregenjacke. Sie war mitternachtsblau - eine gute Tarnfarbe in der Nacht.

Unter der Jacke trug der Mafiajäger seine Luger in dem Schulterholster. Häufiges Training hatte aus dem einstigen Jurastudenten einen hervorragenden Schützen gemacht.

Er erreichte die Regenrinne, in der die Wassermassen rauschten. Der Himmel schien New York ertränken zu wollen.

New York, diesen riesigen Schmelztiegel der Welt.

Die einen waren davon fasziniert. Die anderen abgestoßen. Die einen nannten New York eine imposante Stadt. Die anderen sagten, das wäre der größte Misthaufen der Welt, eine Lasterhöhle, ein Sündenbabel ...

Im Grunde genommen hatten alle ein bisschen recht. New York war von allem etwas.

Ein kraftvoller Sprung. Roberto Tardelli umklammerte die Kunststoffröhre. Wie ein Kokosnusspflücker am Stamm einer Palme, so kletterte Roberto an der Regenrinne nach oben. Sie hielt.

Innerhalb kürzester Zeit erreichte der Mafiajäger das Obergeschoss des Lagerhauses. Zwei Yards waren nun bis zu dem offenen Fenster zu überwinden, durch das Roberto in das Gebäude einsteigen wollte. Er stemmte sich von der Röhre ab. Einen Augenblick schien er zwischen Himmel und Erde zu hängen. Dann packten seine sehnigen Hände zu. Ein Klimmzug - und Roberto glitt wie eine Schlange über die nasse Fensterbank.

Der Boden war dreckig.

An den Wänden klebten Poster, die Künstler zeigten, von denen die Hälfte bereits am Rauschgift zugrunde gegangen war.

Roberto durchquerte den Raum. Er erreichte eine schäbige Holztür und öffnete sie lautlos.

Roberto war gespannt, zu erfahren, was hier in aller Heimlichkeit ausgeknobelt werden sollte.

Sein Auftrag war genau Umrissen. Es ging um sogenannte „Bootlegs“. Eine Bezeichnung, die aus der Zeit der Prohibition stammte, wo die Farmer ihren selbst gebrannten Schnaps im Bootleg, also im Stiefelschaft, getragen hatten. Heute wurden so die unerlaubten Kopien von Plattenaufnahmen genannt. Ein Bombengeschäft, auf das sich die Mafia sofort gestürzt hatte.

Vor allem der New Yorker Reggiani-Mob hatte sich auf die Produktion von Bootlegs spezialisiert.

Der Marktanteil der Mafia-Produkte war inzwischen auf achtzig Prozent angestiegen. Eine alarmierende Zahl. Die Geschädigten verlangten, dass dieses ungesetzliche Geschäft schnellstens gestoppt werden sollte.

Komponisten, Texter, Interpreten - die gesamte Schallplatten und Tonbandindustrie - litt unter dieser neuen Mafia-Rührigkeit, die dem Mob ein Vermögen einbrachte, während jene Leute, die sich mit rechtschaffener Arbeit ihr Brot verdienen wollten, auf Grund der sinkenden Einnahmen kaum mehr die Unkosten decken konnten.

Roberto Tardellis Auftrag war es, diesem neuen Erwerbszweig der Ehrenwerten Gesellschaft einen Riegel vorzuschieben. Er sollte die Bootleg-Produktionsstätte, die sich irgendwo in New York befand, ausfindig machen und dafür sorgen, dass keine schwarzen Erzeugnisse mehr den Markt überschwemmten.

Daran arbeitete der Mafiajäger nun.

Luigi Parganese war das Ende des roten Fadens, dem Roberto Tardelli folgen musste.

Parganese gehörte dem Reggiani-Mob an und arbeitete als rechte Hand von Samson Murane, in dessen clevere Hände die Cosa Nostra die Bootleg-Erzeugung und deren Vertrieb gelegt hatte.

Roberto glitt durch den Türrahmen.

Parganese hielt sich mit seinen Geschäftsfreunden ebenfalls im Obergeschoss auf. Roberto schlich an einer Treppe vorbei, die steil nach unten führte. Die Stimmen wurden allmählich deutlicher.

„Darf ich dir sagen, dass du blendend aussiehst, Amico“, hörte Roberto einen tiefen Bass. „Wir haben einander lange nicht gesehen. Du solltest uns mal wieder in San Francisco besuchen, Luigi ...“

„Das Geschäft wird uns in Zukunft öfter zusammenbringen“, erwiderte Luigi Parganese.

Roberto hörte das Rattern eines Stuhles.

Mit erhobener Stimme sagte Parganese: „Ich möchte euch zunächst einmal dafür danken, dass ihr meiner Einladung so prompt gefolgt seid, Amici.“

„Als ich von Miami abflog, schien die Sonne“, sagte eine polternde Stimme. „Und als ich hier ankam, bedauerte ich, meine Jacht daheim gelassen zu haben.“

Roberto pirschte sich näher an die halb offen stehende Tür heran, hinter der sich Mafiosi aus allen Teilen Amerikas zusammengefunden hatten, um über Geschäfte zu reden.

Plötzlich ein Geräusch.

Roberto Tardelli wirbelte herum. Gleichzeitig zuckte seine Hand zur 38er. Er riss sie heraus und entsicherte sie.

Und dann sah er sich Luigi Parganeses Hitman gegenüber, der soeben die Treppe hochgekommen war ...

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Chico Lane seufzte.

Der Starsprecher der „Friendly Wave“ - der „Freundlichen Welle“ - hatte schwarzes Haar, das er modisch lang trug. Auf seiner Oberlippe wucherte ein dichter Bart. Darüber krümmte sich eine gewaltige Hakennase, die zwei himmelblaue Augen trennte.

Lane trug ein kariertes Hemd, dessen rechter Ärmel hochgekrempelt war. Er saß im Zimmer des Betriebsarztes Jered Kavner. Der Doc maß soeben den Blutdruck des Sprechers.

Als er damit fertig war, schüttelte er unzufrieden den Kopf. Jered Kavner war ein junger Mann, der irgendwie ausgetrocknet wirkte. Seine Wangen sanken tief ein. Die Augen lagen in schattigen Höhlen. Das sandfarbene Haar des Arztes war für sein Alter schon reichlich schütter.

Chico Lane krempelte den Ärmel seines verrückt karierten Hemdes herunter. „Wieder zu hoch?“

„Dein Blutdruck ist viel zu hoch, Chico.“ Jered Kavner seufzte. „Du arbeitest zu viel.“

„Blödsinn. Wenn ich meine Arbeitsstunden zusammenrechne, komme ich auf keine vierzig in der Woche. Du weißt doch, was mich krank macht, Jered!“

Der Doc überging diese Bemerkung. Er sagte: „Du solltest dich schonen. Aufregungen vermeiden. Reichlich schlafen. Vernünftig essen. Wenig - oder besser: gar keinen Alkohol trinken ...“

„Keinen Sex. Also mit einem Wort, ich soll ein Leben wie ein Neunzigjähriger führen, obwohl ich erst fünfunddreißig bin.“

„Ich rate dir als dein Arzt und als dein Freund, Chico.“

Jered Kavner erhob sich. Er öffnete eine Glasvitrine und brachte dem Rundfunksprecher eine Schachtel Tabletten. Er empfahl ihm, dreimal am Tag eine davon zu nehmen.

„Du scheinst gegen alles ’ne Tablette zu haben, wie?“, sagte Chico Lane ätzend. „Gibt es auch Pillen gegen die Mafia?“

Jered Kavner schluckte schwer. Er setzte sich umständlich auf die Kante seines Schreibtisches.

Chico Lane kniff die Augen zusammen. „Verdammt noch mal, du sagst, ich soll mich nicht aufregen, aber du kannst mir keinen Tipp geben, wie ich das fertigbringen soll. Mich kotzt das alles hier an, Jered. Ich möchte den ganzen Kram hinschmeißen. Ich habe genug davon, verstehst du? Mir reicht’s bis hier hin!“ Lane wies auf seinen Hals.

Jered Kavner bekam Kummerfalten. Er nagte nervös an seiner Unterlippe. Er liebte dieses Thema nicht. Es war ihm zu gefährlich.

„Weißt du, was ich getan habe?“, fragte Chico Lane mit blitzenden Augen. „Ich habe meine Seele an den Teufel verkauft, ohne an die Folgen zu denken.“

„Hör auf, so zu reden, Chico. Du übertreibst doch.“

„Ich bin seit Jahren kein freier Mann mehr. Diese Bastarde zwingen mich, Dinge zu tun, die ich nicht tun will. Ich hätte ein Superangebot von einer kalifornischen Rundfunkanstalt, aber man will mich nicht gehen lassen. Sie drohen mir versteckt. Sie reden von Ereignissen, die eintreffen könnten, falls ich nicht weiter nach ihrer Pfeife tanzen würde ...“

„Warum findest du dich nicht damit ab?“

„Weil ich nicht so feige bin wie du ... Entschuldige, Jered. Das wollte ich nicht sagen.“

Der Arzt schüttelte bitter den Kopf. „Nein, nein, Chico. Dafür brauchst du dich nicht zu entschuldigen. Es ist schließlich die Wahrheit. Ja, ich bin feige. Ich kann’s nun mal nicht ändern.“

„Einmal - nur ein einziges Mal hat mir die Mafia geholfen. Sie hat mir den Job hier verschafft, und nun komme ich nicht mehr von dieser verfluchten Bande los. Man verlangt von mir ewige Dankbarkeit.“

„Du hättest es dir früher überlegen sollen, ob du dir vom Mob helfen lassen solltest oder nicht.“

„Ich gebe zu, es war ein Fehler. Ich konnte damals die Folgen nicht abschätzen, sonst hätte ich diesen Pakt mit dem Satan nicht geschlossen, das kannst du mir glauben!“

Chico Lane erhob sich. Er ging in dem kleinen Raum auf und ab.

„Du bist mein Freund, Jered. Der einzige, dem ich hier vertraue ... Ich habe genug, verstehst du? Ich lasse mich nicht mehr länger in diese verfluchte Zwangsjacke pressen. Ich will wieder frei sein und tun können, was mir Spaß macht ...“

„Schweig, Chico. Bitte schweig. Erzähl mir nichts davon. Ich will es nicht hören und ich will es nicht wissen.“

Chico Lane blieb stehen. Er blickte den Arzt durchdringend an. „Weißt du, was ich getan habe? Ich habe an verschiedenen Stellen durchsickern lassen, dass ich den Kanal voll habe, dass ich die Absicht habe, einen anderen Job anzunehmen.“

„Du bist verrückt, Chico!“

„Ich habe einen Namen, Jered. Ich bin berühmt. Diese Gangster können mir nichts anhaben. Das würde zu viel Staub aufwirbeln. Es wird in den nächsten Tagen zu einer Aussprache kommen - und nichts wird mir geschehen. Du wirst es erleben. Kein Haar werden sie mir krümmen. Wir werden uns im beiderseitigen Einvernehmen trennen. Dann habe ich diese Hölle hinter mir. Mensch, Jered, ich kann dir nicht sagen, wie ich mich auf den Tag freue, an dem ich von hier für immer weggehe.“

Chico Lane erhob seine Stimme und fing so zu reden an, wie er es immer tat, wenn er auf Sendung war: „Dann, liebe Freunde, wird sich Chico Lane, der Mann, der die ganze Welt liebt, mit einem herzlichen Dankeschön für all die Jahre, die ihr ihm die Treue gehalten habt, verabschieden und sich neuen, größeren Aufgaben zuwenden ...“

Jered Kavner blickte den Sprecher betroffen an. Der Arzt schien der Meinung zu sein, einen Selbstmörder vor sich zu haben.

Der Cosa Nostra die kalte Schulter zu zeigen - das war Selbstmord!

Das Telefon schlug an. Jered Kavner zuckte zusammen. Er griff nach dem Hörer, meldete sich und gab den Hörer an Chico Lane weiter. „Für dich.“

„Lane!“, meldete sich der Starsprecher der „Friendly Wave“. Die Telefonistin in der Zentrale stellte das Gespräch durch.

Aufgeregtes Keuchen kam aus dem Hörer.

„Hallo!“, rief Chico Lane nervös in die Sprechrillen. „Wer ist da?“

„Chico, ich ...“ Eine Mädchenstimme. Obwohl sie schrill klang, erkannte sie der Rundfunksprecher sofort. Das war die Stimme seiner Freundin Carol Bell. Das Mädchen schien schreckliche Angst zu haben.

„Carol!“, rief Chico Lane beunruhigt. „Carol, was hast du? Was ist passiert?“

„Zwei Männer ... Sie sind hinter mir her, Chico. Ich habe solche Angst. Ich weiß nicht, was sie von mir wollen. Vielleicht ... vielleicht wollen sie mich töten!“

Chico Lane rieselte es kalt über den Rücken. „Mein Gott, Carol, wie kommst du denn darauf?“

„Es sind furchterregende Kerle. Sie sehen wie Killer aus ... Oh, Chico, ich werd’ noch verrückt vor Angst!“

„Wo bist du jetzt, Carol? Von wo aus rufst du an?“

„Ich befinde mich in dem English Pub gegenüber dem RCA-Building.“

„Und diese Männer, wo sind die?“

„Das weiß ich nicht. Ich hoffe, ich konnte sie abhängen. Sie werden mich suchen, Chico, und wenn sie mich gefunden haben ... Gütiger Himmel ...“

„Hör zu, Carol, du rührst dich nicht von der Stelle, hast du verstanden? Bleib, wo du bist. Du darfst das Pub nicht verlassen. Ich fahr’ sofort los. In fünfzehn Minuten bin ich bei dir.“

„Fünfzehn Minuten, oh, mein Gott ...“

„Mach dir keine Sorgen. Es wird alles gut.“

Chico Lane warf den Hörer in die Gabel. „Diese Dreckschweine. Diese Mistkerle. Sie sind hinter Carol her.“

„Vorhin sagtest du, man könne dir nichts tun, das würde zu viel Staub aufwirbeln. Kein Haar würde man dir krümmen. Dir nicht ... aber Carol Bell. Jetzt muss sie die Suppe auslöffeln, die du ihr eingebrockt hat.“

Chico Lane schüttelte den Kopf. „Ihr wird nichts geschehen, sonst ...“ Er sprach nicht weiter, sondern drehte sich auf den Absätzen um und hastete aus dem Raum.

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Der Hitman mit den kleinen Eiswürfelaugen griff ebenfalls sofort zur Kanone. Roberto Tardelli war gezwungen, schneller zu schießen als sein Gegner. Eine Notwehrsituation. Als die Waffe des Gangsters aus der Manteltasche herausflog, drückte Roberto ab.

Robertos Geschoss entwaffnete den Hitman und stieß ihn die Treppe hinunter.

Und dann brach im Lagerhaus die Hölle los.

Aufgeregte Rufe. Schnelle Schritte. Stühle fielen zu Boden. Gangstervisagen tauchten auf. Die Männer, deren geheime Geschäftskonferenz gleich zu Beginn geplatzt war, erschienen ebenfalls auf der Bildfläche.

Manche von ihnen waren sogar mit zwei Revolvern bewaffnet. Sie feuerten aus allen Rohren. Ein ohrenbetäubender Lärm erfüllte das Lagerhaus. Roberto lieferte den Gangstern ein hartnäckiges Rückzugsgefecht.

Er setzte sich durch einen breiten Gang ab. Mehrmals verfehlten ihn die Gangsterkugeln nur um Haaresbreite. Die Geschosse ratschten über den Boden, schrammten über die Decke oder klatschten in die Wand.

Der Gang machte einen Knick.

Atemlos brachte sich Roberto Tardelli aus dem Schussfeld der Mafiosi. Acht bis zehn Gegner mussten es sein. Ein paar Gesichter hatte er wiedererkannt.

Gesichter, die er mit Städten in Verbindung brachte: Chicago, Los Angeles, Washington ...

Zurufe hallten durch den Gang. Wie Bluthunde folgten sie Roberto Tardellis Spur. Der Mafiajäger entdeckte eine Aluminiumleiter. Sie führte nach oben, endete vor einer geschlossenen Luke, auf die der Regen klopfte.

Wieselflink kletterte Roberto die Sprossen hinauf. Die ersten Mafiosi tauchten auf. Roberto trieb sie mit gezielten Schüssen zurück. Sie brachten sich vor seinen Kugeln fluchend in Sicherheit.

Nun feuerten sie blind. Sie hielten einfach ihre Kanonen um die Ecke und drückten mehrmals ab. Eine dieser Hände traf Roberto. Sie verschwand augenblicklich, und ein Schmerzensschrei flog durch das Lagerhaus.

Roberto erreichte die Luke.

Er hielt die Luger an das Vorhängeschloss und zog den Stecker durch. Das Schloss fiel herunter. Roberto stieß die Luke mit der Linken auf. Wie aus Eimern floss ihm das Wasser ins Gesicht.

Er kletterte auf das Flachdach des Lagerhauses.

Seine Gegner hatten keine Chance, ihm hier herauf zu folgen. Er konnte jeden Einzelnen mit einem Präzisionsschuss wieder nach unten befördern. Roberto brauchte die Gangster deswegen nicht einmal zu töten.

Die Mafiosi waren keine Dummköpfe. Sie schätzten ihre Möglichkeiten richtig ein und disponierten augenblicklich um. Roberto vernahm hetzende Schritte. Er eilte zum Dachrand.

Wie graue Schemen huschten die Gangster nach allen Himmelsrichtungen davon. Wagentüren flogen zu. Automotoren heulten. Die ersten Fahrzeuge fuhren an. Sekunden später herrschte eine seltsame Stille. Roberto schob ein neues Magazin in die Waffe.

Wie aufgescheuchte Hühner hatten die Mafiosi Reißaus genommen. In alle Winde hatte es sie verstreut. Kein Schuss fiel mehr. Keine Schritte waren mehr zu hören. Nur das Rauschen des Regens blieb.

Roberto kehrte zur Dachluke zurück. Er war vorsichtig, als er die Aluminiumleiter wieder hinunterkletterte. Es war nicht ausgeschlossen, dass hier irgendwo noch ein Ganove auf seine Chance lauerte.

Der Mafiajäger schlich den Gang entlang.

Es roch nach verbranntem Kordit. Hier und da entdeckte Roberto Blutspuren, aber er glaubte nicht, dass er einen der Gangster schwer verletzt hatte. Sogar Luigi Parganeses Hitman war nicht zurückgeblieben.

Menschenleer war das Lagerhaus.

Es gab keinen Grund für Roberto Tardelli, noch länger in diesem Gebäude zu bleiben.

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Carol Bell war zweiundzwanzig. Ein Mädchen, nach dem sich die Männer auf der Straße umdrehten. Im Mittelalter wäre sie wahrscheinlich auf den Scheiterhaufen gestellt worden, denn sie hatte flammendrotes Haar und meergrüne Augen. Damals hatte das genügt, um sie als Hexe anzuprangern. Heute denken vor allem die Männer über Girls wie Carol Bell vollkommen anders.

Sie arbeitete als Fotomodell. Mit ihrer Figur wäre es ein Verbrechen gewesen, hinter irgendeinem Schreibtisch zu jobben.

Soeben hängte sie den Telefonhörer auf den Haken. Sie bebte innerlich vor Aufregung. Diese beiden Killertypen hatten ihr einen mordsmäßigen Schrecken eingejagt.

Carol Bell trat aus der engen Telefonzelle. Sie trug einen weiten, modisch geschnittenen Regenmantel und ein gleichfarbiges Kopftuch aus demselben wasserundurchlässigen Material.

Das English Pub war zwar klein, und man fühlte sich darin ein bisschen beengt, aber dem Lokal war dennoch eine gewisse wohltuende Atmosphäre nicht abzusprechen.

An den Wänden gab es Spiegel. Alles war mit Mahagoniholz verschalt. Die meisten Tische waren besetzt. Viele der Gäste tranken das englische Bier, das in diesem Lokal ausgeschenkt wurde.

Carol Bell war im Begriff, sich zum Tresen durchzuschlängeln, als sie plötzlich das Gefühl hatte, ihr Herz würde stehen bleiben. Ihre Augen weiteten sich erschrocken, und ein eiskalter Schauer überlief sie. Beinahe hätte sie einen heiseren Schrei ausgestoßen.

Verwirrt und verstört presste sie die vollen Lippen aufeinander.

Einer der Kerle hatte soeben das Lokal betreten.

Carol Bell drehte vor Schreck beinahe durch. Der Vierschrötige mit den harten Zügen sah sich jedes Gesicht genau an. Er ging von Tisch zu Tisch. Es konnte sich nur noch um wenige Augenblicke handeln, dann würde er sie entdeckt haben.

Und was dann?

Der Mann sah nicht so aus, als ob er bloß ein paar harmlose Fragen stellen wollte. Dem machte es garantiert nichts aus, hier vor allen Augen einen Mord zu begehen!

Carol Bell hatte das Gefühl, Eiswasser würde durch ihre Adern fließen. Mit hölzernen Bewegungen zog sie sich zurück. Sie trachtete, dass eine Säule stets zwischen ihr und dem Killer blieb, damit er sie nicht sehen konnte.

Mit wild gegen die Rippen hämmerndem Herzen setzte sich das zitternde Mädchen ab. Wenn es eine Chance gab, zu entkommen, dann nur durch die Hintertür.

Carol Bell wandte sich hastig um. An der Telefonzelle vorbei ging es zu den Toiletten. Dann knickte der Gang nach rechts weg. Hier standen die Kunststoffkisten mit den leeren Flaschen. Und dahinter gab es eine Tür, die zum Glück nicht abgeschlossen war.

Das Mädchen drückte sie auf.

Rauschender Regen.

Carol Bell warf einen Blick über die Schulter zurück. Noch war der Kerl nicht zu sehen. Noch konnte sie unbemerkt entwischen. Sie lief in den Regen hinaus und drückte die Tür hinter sich sofort wieder zu. Abermals begegnete sie aufgestapelten Kisten. Klatschnass waren sie. Trübes Licht spiegelte sich in dem großen See, der ein Viertel des Hinterhofes bedeckte.

Chico Lanes Freundin huschte an der rissigen Mauer entlang. Chico hatte ihr zwar aufgetragen, sich nicht vom Fleck zu rühren, aber zu diesem Zeitpunkt war die Situation noch eine andere gewesen. Da hatte der Vierschrötige das English Pub noch nicht betreten.

Carol Bell konnte sich vorstellen, dass Chico erschrecken würde, wenn er sie im Pub nicht antraf. Sie nahm sich vor, das Lokal von der nächsten Telefonbox aus anzurufen, um ihm mitzuteilen, dass er sich keine Sorgen zu machen brauche.

Wichtig war im Augenblick nur, dass sie so schnell wie möglich unbemerkt von hier fortkam.

Mit schnellen Schritten eilte das Mädchen auf den Hinterhofdurchgang zu, durch den sie entkommen wollte.

Ein schiefergrauer Regenvorhang hing davor.

Plötzlich stutzte Carol Bell. Stand dort nicht jemand im Schatten des Durchgangs? Ein hochgewachsener Mann! Unbeweglich stand er da. Er hatte einen schwarzen Schlapphut auf dem Kopf. Carol Bell glaubte zu spüren, wie ihr ein Eissplitter ins Herz fuhr.

Der einzige Fluchtweg, den es gab, war verstellt!

Der Mann löste sich aus dem finsteren Rahmen. Schwerfällig wie ein Bär bewegte er sich. Carol Bell wollte um Hilfe rufen, doch ihre Stimmbänder versagten. Tapsend wich sie vor dem unheimlichen Kerl zurück. Sie sah, wie seine Hand im Mantel verschwand.

Gleich darauf hörte sie das Klicken eines Springmessers.

Verzweifelt schüttelte sie den Kopf. „Nein“, krächzte sie. „Nein. Warum denn? Was habe ich denn getan?“

Panik befiel Carol Bell.

Das Mädchen wirbelte bestürzt herum und jagte - von Todesangst vorwärtsgetrieben - durch den Hinterhof.

Ihre Flucht endete vor einer hohen Ziegelmauer. Schluchzend versuchte sie, daran hochzuklettern, doch sie schaffte es nicht. Sie rutschte daran immer wieder ab.

Patschend war der letzte Schritt des Killers zu hören.

Zitternd drehte sich Carol Bell um. Unter dem breiten Rand des schwarzen Schlapphutes glitzerte ihr ein mitleidloses Augenpaar entgegen.

In diesem Moment wusste sie, dass es keine Rettung mehr gab.

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Nass wie ein begossener Pudel betrat Roberto Tardelli das Apartment, das einer jungen Ärztin namens Samantha Ford gehörte. Der Mafiajäger war mit dem hübschen Mädchen seit einiger Zeit befreundet. Begonnen hatte ihre Freundschaft damit, dass Roberto die junge Ärztin den Klauen der Mafia entrissen hatte, für die sie zu arbeiten gezwungen war.

Seither hatte Roberto Tardelli bereits einige Male auf ihre Hilfe zurückgegriffen, und er nahm gern ihr Angebot in Anspruch, bei ihr zu wohnen, wenn ihn ein Auftrag nach New York führte.

Samantha Ford hatte schöne, zarte Züge. Ihre Augen waren von einem strahlenden Veilchenblau. Das Haar fiel ihr seidig blond über die wohlgerundeten Schultern.

„Keinen Hund jagt man bei diesem Wetter aus dem Haus“, sagte Samantha.

„Deshalb bin ich ja auch selbst gegangen“, erwiderte Roberto.

Das Mädchen nahm ihm die nassen Kleider ab. Er stellte sich unter die warme Dusche, und nachdem er in seinen malvenfarbenen Bademantel geschlüpft war, kredenzte ihm Samantha einen Drink.

„Ist lange her, seit ich zum letzten Mal so verwöhnt wurde“, sagte Roberto.

„Du brauchst nur öfter mal vorbeizukommen.“

„Ich wollte, ich könnte das“, erwiderte Roberto und griff sich das Telefon. Samantha Ford zog sich in die Küche zurück, um nach dem Braten zu sehen, der bald gar sein musste.

Roberto wählte eine Nummer, die er auswendig kannte. Ein Anschluss in Washington. Es war eine direkte Verbindung zu Colonel Myer, Robertos unmittelbarem Vorgesetzten.

Myer leitete mit viel Gespür die geheime Abteilung des Department of Justice: Counter Organized Crime Department - kurz COUNTER CRIME genannt. Mit allen technischen Mitteln bekämpfte diese Organisation die Mafia. Datenbanken und Computer wurden in diesen erbitterten Kampf mit einbezogen. Doch all die Technik und Elektronik konnte „den Mann an der Front“ nur ergänzen, aber nicht ersetzen.

Solch ein Mann war Roberto Tardelli. Myer war sofort am Apparat. Man konnte ihn in dringenden Fällen zu jeder Tages und Nachtzeit erreichen. Er war für seine Männer immer da, und dasselbe verlangte er auch von ihnen.

Knirschend berichtete Roberto Tardelli: „Die Sache, die wir angekurbelt haben, ging leider voll daneben, Sir.“

„Was ist passiert, Roberto?“

Der Mafiajäger erzählte knapp und präzise, was sich ereignet hatte.

„Ich hoffe, Sie lassen deswegen den Kopf nicht hängen“, sagte Colonel Myer, als Roberto geendet hatte.

„Das nicht, aber es wurmt mich, dass ich, kaum dass ich Luigi Parganese gefunden hatte, schon wieder verloren habe.“

„Das kann passieren. Die Gangster waren in der Überzahl.“

„Ich sag’ ja nicht, dass ich etwas dafür kann, Sir. Es ärgert mich nur, dass es Parganese gelungen ist, wieder auf Tauchstation zu gehen. So schnell wird der nicht wieder hochkommen, darauf können Sie Gift nehmen.“

„Immerhin konnten Sie in Erfahrung bringen, dass der Reggiani-Mob die Absicht hat, sein Geschäft auszuweiten. Achtzig Prozent Marktanteil in New York sind ihm nicht mehr genug.“

„Das war zu erwarten“, sagte Roberto. Die Geheimkonferenz war zwar durch sein Erscheinen geplatzt, aber er war sicher, dass sie an einem anderen Ort, unter größeren Sicherheitsvorkehrungen doch noch über die Bühne gehen würde.

„Vielleicht sollten Sie sich mit Cy Dobkin in Verbindung setzen“, schlug Colonel Myer vor. „Der Mann war bis vor kurzem Vizedirektor der Rundfunkanstalt 'Friendly Wave', die von Strohmännern der Mafia gekauft wurde. Vielleicht ist Dobkin gewillt und in der Lage, Ihnen weiterzuhelfen. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass er weiß, wo Sie Ihren Hebel ansetzen müssen, um die Bootleg-Gangster aus der Balance zu bringen.“

„Weshalb ist Cy Dobkin aus dem Unternehmen ausgeschieden?“

„Aus gesundheitlichen Gründen, soviel mir bekannt ist.“

„Okay, dann werde ich mir den Knaben also mal ganz unverbindlich ansehen.“

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Chico Lane war, als hätte er Fieber. Schweiß glänzte auf seiner Stirn. Die Wut, die in ihm tobte, brachte sein Blut zum Kochen. Er liebte Carol Bell. Sie war zu seinem Lebensinhalt geworden. Er, der Mann, der von so vielen weiblichen Fans angehimmelt wurde, hatte nur Augen für Carol Bell.

Die Fans, das war sein Job. Eine Begleiterscheinung davon.

Carol Bell aber war sein Leben. Die ganz private, intime Sphäre des Starsprechers der „Friendly Wave“. Vor einem Monat hatte Chico Lane den Entschluss gefasst, Carol zu heiraten.

Sie wusste es noch nicht. Er hatte noch nicht mit ihr darüber gesprochen, aber er war sicher, dass sie sich über seinen Antrag freuen würde.

Doch noch war nicht reiner Tisch gemacht.

Noch stand die Mafia zwischen ihnen.

Erst wollte sich Chico Lane von dieser Verbrecherorganisation trennen, die ihn lange genug als Zugpferd benützt hatte. Dann konnte er Carol Bell reinen Gewissens bitten, seine Frau zu werden.

Chico Lane bog in die Fifth Avenue ein. Die tickenden Scheibenwischer machten ihn nervös. Obwohl sie im Schnellgang liefen, wurden sie mit den vom Himmel stürzenden Wassermassen kaum fertig. Die nasse Straße glänzte wie poliertes schwarzes Glas.

Lower Plaza. Aus dem Grau des Regens hob sich das mächtige RCA-Gebäude hervor. Ein paar Radumdrehungen noch. Dann war er bei Carol und sie brauchte keine Angst mehr vor irgendwelchen Leuten zu haben.

Plötzlich stockte der Verkehr.

Chico Lane hatte sofort ein unangenehmes Gefühl. Er lenkte den Wagen rechts ran. Halteverbot. Egal. Chico Lane sprang aus dem Fahrzeug. Er machte den Hals lang. Der Regen rann ihm in den Kragen. Er spürte es nicht. Etwa hundert Yards weiter entdeckte er zuckende Rotlichter.

Polizei!

Chico hatte das Gefühl, eine Eishand würde sich um sein Herz schließen. Polizei! Er fing zu laufen an. Der Regen klatschte ihm ins Gesicht, ohne dass er es bemerkte. Zwei, drei Polizeifahrzeuge sah er. Und Menschen. Eine ganze Menschentraube. Trotz des strömenden Regens. Die Leute standen unter ihren Schirmen und verdeckten die Sicht auf das English Pub, in dem Carol Bell auf ihn, Chico Lane, warten sollte.

Der Starsprecher befürchtete das Schlimmste.

Die Kerle, die hinter Carol Bell her gewesen waren ... Hatten sie sie in dem Pub gefunden?

„Oh, Gott. Oh, mein Gott!“, keuchte Chico Lane.

Er erreichte die Menschentraube, stieß die Leute mit den Ellenbogen zur Seite.

„Manieren sind das!“, maulte jemand.

„Sagen Sie mal, was iss’n das für ’ne komische Art!“, begehrte jemand anders auf.

Chico Lane hörte nichts. Er war taub vor Angst und Sorge um Carol Bell. Mit vibrierenden Nerven kämpfte er sich vorwärts. Nicht aufregen sollte er sich. Verdammt noch mal, Jered Kavner hatte leicht reden. Wie machte man das, sich nicht aufregen, wenn man befürchtete, den einzigen Menschen, der einem auf dieser Welt etwas bedeutete, verloren zu haben?

Er durchbrach die vorderste Linie.

Ein Cop schüttelte ärgerlich den Kopf.

„Ich bin Chico Lane ...“

„Na und? Ich kann Ihre Sendungen nicht ausstehen.“

„Was ist passiert?“

„Ein Mädchen wurde umgebracht.“

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738918687
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (März)
Schlagworte
disco-piraten roberto tardelli thriller

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Titel: Disco-Piraten: Ein Roberto Tardelli Thriller #42