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Western Sammelband 4 Romane: Rächer ohne Gnade und andere Western

©2018 500 Seiten

Zusammenfassung

Western Sammelband 4 Romane: Rächer ohne Gnade und andere Western
von Alfred Bekker und Pete Hackett und W.W.Shols

Dieses Buch enthält folgende Romane:

W.W.Shols: Warner, der Revolvermann

Alfred Bekker: Die Rache der McCory-Brüder

Pete Hackett: Rächer ohne Gnade

Pete Hackett: Christopher Columbus Slaughter

Der Ex-Sheriff von Little Valley, Steve Gallagher, hat sich mit Frau und Kind in der Nähe dieser Stadt niedergelassen und eine Ranch aufgebaut. Sein ehemaliger Deputy und enger Freund Mike Potter wurde sein Nachfolger und sorgt seitdem in Little Valley für Recht und Ordnung.

Eines Tages fallen die Brüder Roy und Phil McCory mit einer Horde von Banditen über die Stadt her. Sie waren wegen eines Postkutschenüberfalls fünfzehn Jahre in Haft, ihr dritter Bruder Joe wurde wegen Mordes an einem der Kutscher gehängt. Da es Gallagher und Potter waren, die ihnen das Handwerk legten, wollen sie sich nun an diesen beiden rächen.

COVER: FIRUZ ASKIN

Leseprobe

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Western Sammelband 4 Romane: Rächer ohne Gnade und andere Western

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von Alfred Bekker und Pete Hackett und W.W.Shols

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DIESES BUCH ENTHÄLT folgende Romane:

W.W.Shols: Warner, der Revolvermann

Alfred Bekker: Die Rache der McCory-Brüder

Pete Hackett: Rächer ohne Gnade

Pete Hackett: Christopher Columbus Slaughter

Der Ex-Sheriff von Little Valley, Steve Gallagher, hat sich mit Frau und Kind in der Nähe dieser Stadt niedergelassen und eine Ranch aufgebaut. Sein ehemaliger Deputy und enger Freund Mike Potter wurde sein Nachfolger und sorgt seitdem in Little Valley für Recht und Ordnung.

Eines Tages fallen die Brüder Roy und Phil McCory mit einer Horde von Banditen über die Stadt her. Sie waren wegen eines Postkutschenüberfalls fünfzehn Jahre in Haft, ihr dritter Bruder Joe wurde wegen Mordes an einem der Kutscher gehängt. Da es Gallagher und Potter waren, die ihnen das Handwerk legten, wollen sie sich nun an diesen beiden rächen.

COVER: FIRUZ ASKIN

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch

© by Authors

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Warner, der Revolvermann

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Western von W. W. Shols

Der Umfang dieses Buchs entspricht 115 Taschenbuchseiten.

Der alte Goldgräber Tom Applebee wird von Banditen bedroht, weil sie es auf seine Nuggets abgesehen haben. Unverhofft erhält er Hilfe von einem Fremden, der zufällig dahergeritten kommt. Mike Warner, so nennt er sich, gelingt es tatsächlich, Phil Corner und seine Bande unschädlich zu machen. Darauf glaubt der alte Applebee, er habe es mit einem Gunman zu tun und nimmt Reißaus. In Kit Carson verbreitet er das Gerücht, dass Warner ein echter Revolvermann sei, der es ganz allein mit Corner-Bande aufnahm – und niemand hinterfragt, ob es die Wahrheit ist. Als Mike Warner in die Stadt kommt, um nach Arbeit zu suchen, sieht er sich gezwungen, seinen Revolver erneut zu ziehen – ob er will oder nicht ...

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover by Edward Martin, 2018

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Als der Schuss fällt, reißt es Mike Warner fast aus dem Sattel.

Es geschieht alles urplötzlich ...

Das Tal war so einsam und still wie eine Prärie ohne Pferde und Rinder. Die Sonne brannte, und nur die Hufe haben etwas geklappert, wenn sie mal einen Stein auf dem weichen Boden berührten.

Und plötzlich zischt es über sie weg. Die Kugel ist genauso schnell da wie die Detonation im Büchsenschloss. Sie fängt sich in der Felswand, will zurück, hat aber einen schlechten Aufschlagwinkel erwischt und trifft gleich wieder gegen einen Stein.

Kraftlos fällt sie herunter.

Mike Warner hängt schon hinter dem Hals des Pferdes. Der Braune hat einen weiten Sprung gemacht und befindet sich genau hinter einem einzelnen Felsblock, als der zweite Schuss fällt.

Die Kugel trifft oben auf die Kante, splittert eine Handvoll Dreck ab, dass man den Staub wie eine Fontäne aufspritzen sieht.

Der Braune hetzt nervös weiter.

Warner hält die Zügel kurz. Die angezogene Trense schmerzt im Gebiss. Das Tier will auf die Hinterhand gehen und vorn hochsteigen.

Um Gottes willen, Alter, jetzt nur nicht die Nerven verlieren!

So bieten sie ein einziges großes Ziel ...

Die nächsten Schüsse erscheinen fast wie einer. Mike ist im Sattel hochgekommen, hat sich aber sofort nach der anderen Seite fallen lassen, als hätte er es geahnt.

Der Braune hält seinen klugen Kopf hoch in der Luft. Da erwischt es ihn. Mike Warner spürt es daran, wie der Körper des Pferdes reagiert.

Erst zieht das Zittern durch alle Knochen und Muskeln, dann kommt das Nachlassen der Spannkraft. Der Braune wird weich auf den Hinterbeinen.

Doch da ist Mike Warner schon heraus aus dem Sattel. Wie er die zehn Schritte über die freie Fläche geschafft hat, kann er später nicht mehr sagen.

Als er wieder zu denken beginnt, liegt er flach am Boden. Er wundert sich über die Winchester in seiner Hand, die er noch rechtzeitig aus dem Scabbard gerissen hat.

Allerdings kann er hier unten in der Mulde nicht viel damit anfangen. Das Loch, in dem er hockt, ist kaum länger als er selbst. Er kann nicht nach vorn und nicht nach hinten weg. Nach allen Seiten gerät er in freies Schussfeld, denn wo die Burschen sitzen, ist ihm längst kein Geheimnis mehr.

Er kann sie nicht sehen. Aber wenigstens die Richtung ist klar.

Wenn er die Büchse in Anschlag bringt, haben sie ihn längst erwischt. Die wissen bestimmt genau, wo sie ihr Opfer zu suchen haben. Die haben ihn beobachtet.

Nur hier können sie ihn bestimmt nicht fassen! Die Mulde hat seinen Körper aufgenommen, als sei sie nach Maß geschneidert. Wenn er liegen bleibt, können sie ihm gar nichts ...

Bis zur Dunkelheit sind es aber mindestens noch vier Stunden.

So lange kann ein Mensch gar nicht still liegen. Es sei denn, er lebt nicht mehr.

Die Chance könnte, die letzte Chance könnte ...

Mike hat den Kopf nach links gedreht, um nicht immer den Staub ins Gesicht zu bekommen, den er beim Ausatmen aufwirbelt.

He, denkt er, das kann doch nicht wahr sein!

An die Felswand hat jemand eine Blockhütte gequetscht. Sie steht zum Greifen nahe. Aber sie passt wirklich nicht hierher. Kein vernünftiger Mensch würde hier ein Haus errichten, und deshalb wird es sich wohl um die Anfänge geistiger Verwirrung handeln.

Ich sehe Mäuse, by Gosh! Das kann doch nicht wahr sein!

Er steckt den Kopf wieder in den Sand und nimmt den Staub hin. Er schließt die Augen.

Hier kriegen sie mich nicht. Nicht solange sie selbst in ihrem Versteck bleiben. Ich muss erst wieder zur Besinnung kommen.

Dieses Haus ...

Er zählt bis zehn.

Bei sechs denkt er, dass lange keiner mehr geschossen hat. Die Schüsse werden doch nicht auch nur Einbildung gewesen sein? — Well, dann müsste der Braune noch leben. Doch der ist tot. Der ist wirklich tot!

Bei zehn hebt er wieder den Kopf und schielt in dieselbe Richtung.

Da ist sie wieder.

Das Bild narrt ihn. — Eine Blockhütte mit einer Tür und zwei Fenstern. Und mit viel Krimskrams drumherum.

Wenn er aufspringt und hinrennt — das werden drei oder vier Sekunden sein. Vielleicht ist der Eigentümer gar nicht zu Hause. Oder er sitzt selbst auf der anderen Seite und wartet nur, bis sein Opfer endgültig in die Falle geht.

Dieses verrückte Haus sieht wahrhaftig eher nach einer Falle als nach irgendetwas anderem aus.

Doch drüben haben zwei geschossen. Und wohnen kann in diesem Haus nur einer, so klein ist es. Wenn dort wirklich mal zwei Männer gleichzeitig übernachten wollen, muss der eine hinausgehen, wenn der andere sich umdreht.

In vier Sekunden könnte er es schaffen. Das ist klar. Es müsste ihm aber einer die Tür aufhalten ...

Da knarrt es schon in den Angeln.

Mike Warner sieht einen zollbreiten schwarzen Spalt. Es knarrt weiter, und der Spalt wird so breit, dass eine Nase darin Platz hat. Dann erscheinen zwei Augen rechts und links, und darunter ein langer strohgelber Bart.

„Die Tür ist angelehnt, Partner“, kommt eine krächzende Stimme aus der Dunkelheit. „Ich gehe jetzt zum Fenster und halte meine Rifle in die Landschaft. Wenn wir Glück haben, gibt’s einen Knall, und der wird die Banditen derb erschrecken.“

So kann eigentlich nur ein Gespenst reden, und Mike Warner ist drauf und dran, sich für verrückt zu halten. Nur kalkuliert er auf Sicherheit, und deshalb muss er so tun, als ob alles reine Wirklichkeit ist.

Er kann die Gestalt auch nichts mehr fragen. Das Gesicht ist verschwunden, die Tür ist wieder zugedrückt, das heißt, angelehnt.

In diesem Augenblick entlädt sich eine Donnerbüchse an der anderen Ecke der Hütte. Der Knall erinnert mehr an eine Sprengung, als an einen Schuss. Eine schmutzige Wolke löst sich zwischen den Ritzen der Holzwand, und die ganze Landschaft scheint eine Weile unter dem Eindruck dieses unüberhörbaren Ereignisses zu stehen.

Mike Warner denkt gar nicht mehr.

Er handelt wie unter einem fremden Zwang. Sein Sprungbein war schon angezogen gewesen, als das bärtige Gesicht seine Prophezeiung ausgesprochen hat.

Mike fliegt die letzten Yards über das freie Gelände. Seine Faust stößt gegen die Tür, als von der anderen Seite der nächste Schuss fällt. Die Tür springt auf, er dreht sich um den Pfosten, die Kugel reißt ein Loch in die Bretter.

„Yeah“, sagt eine rasselnde Stimme. Die Tür wird wieder zurückgestoßen und schließt.sich. Dann ist es dunkel.

„Yeah“, sagt auch Mike Warner. Er meint noch immer, dass er in einer Falle steckt. So dunkel und so übel riechen kann es nur in der Hölle. Du meine Güte, wenn man bedenkt, was für eine reine frische Luft man atmet, solange man draußen über die freie Weide reitet.

Solche Hütten sind widerlich.

„Du wirst noch das Laufen lernen, Cowboy, wenn sie dich noch einmal vor die Mündung kriegen. Bist wohl nicht gut zu Fuß, wie?“

Die Hütte hat zwei Fenster. Langsam gewöhnt sich das Auge an das Zwielicht. Natürlich sind die Fenster schmutzig. Aber irgendwo lassen sie schließlich doch Licht herein. Es ist gerade Mittag vorbei. Und so dreckig kann keine Glasscheibe werden, dass sie den Tag zur Nacht macht.

Das Kichern verrät, in welcher Richtung sich das bärtige Gesicht befinden muss. Mike hat noch immer die Winchester in der Hand. Das gibt der Lage einen Hauch von Wirklichkeit.

Auf dem kalten Steinofen im Hintergrund des Raumes hockt eine dürre Gestalt. Die Beine baumeln zwei Zoll über der Lehmerde. Zwischen den Knien ragt eine langläufige Rifle und reicht mit der Mündung fast bis unter die Decke.

In dieser Stellung ist das Gewehr nicht gefährlich.

„Ich bin so gut zu Fuß wie im Sattel, Mister“, behauptet Mike endlich. Er ist froh, als er seine Stimme hört. Sie klingt noch ganz normal und gibt ihm Auftrieb. „Was ist hier los, Mister?“

„Hölle!“, flucht der Dürre. „Du tust ja wie’n Staaten-Marshal. Aber wenn du meinst, ihr hättet mich jetzt, dann bist du schief gewickelt, Kid.“

„Kannst du dich nicht klarer aus drücken, Mister? Ich habe das Gefühl, jetzt erst richtig in der Falle zu sitzen. Aber ihr seht das wohl anders, wie?“

„Man macht sich so seine Gedanken“, orakelt der Alte.

Alt ist er bestimmt.

Wie sich das Auge langsam an das Zwielicht gewöhnt, merkt Mike, dass der andere ein ganz gelbes Gesicht hat. Fahlgelb und voller Falten ist es, als ob sie ihm die Haut schon bei lebendigem Leibe gegerbt hätten. — Der hat sein Leben bestimmt nicht in dieser muffigen Hütte verbracht. Der hat eine Menge frische Luft gerochen. Dem ist der Wind um die Nase gepfiffen!

„Was für Gedanken?“, forscht Mike Warner.

„Well, sie könnten dich hereingeschickt haben. So ein paar haarscharfe Schüsse über den Skalp — das wirkt überzeugend. Und jetzt haben sie dich eingeschmuggelt, wie?“

„Keine Ahnung, wovon du redest, Alter.“

„Alter?“

„Entschuldigung! — Wenn es Sie nicht stört, nenne ich Sie Sir.“

Jetzt kommt wieder das Kichern von dem kalten Steinofen. Die zerfledderten Mokassins schlagen sechsmal im Takt gegen die Ziegelsteine.

„Ich hätte dich nicht ’reingelassen, Kid! By Gosh, das hätte ich nicht. Ich hab’ ’ne Nase dafür, ob sie dich herschickten oder ob du nur so einfach in die Sache hineingerasselt bist. War’n wohl nicht die ersten Kugeln, die dir um die Ohren pfiffen, he?“

„Es hätten die letzten sein können. Mein Brauner liegt draußen mit einem Kopfschuss. In der Satteltasche stecken noch neunzig Dollar.“

„Das ist eine Menge Geld, Kid. Ein Pferd und noch etwas in bar ...“

„Sagen Sie nicht immer Kid zu mir, Alter ...“

„Alter?“

„Solange Sie Kid sagen, sage ich Alter.“

„Well, ich heiße Applebee. Ich hieß schon so, als ich mir noch in die Hosen machte.“

„Dachte ich mir. Leute mit ’ner ehrlichen Haut tragen ihren Namen bis ans Ende. Ich heiße Warner, Mike Warner. Und ich habe mich auch noch nie anders genannt.“

„Yeah, dann bist du ja wohl eine ehrliche Haut, Mike. Aber in der Falle sitzt du trotzdem.“

„Habe ich mir gedacht. So oder so eine Falle. Die meinten am Ende gar nicht mich, oder?“

„Ha! Die meinen immer nur mich, mein Junge. Seit drei Tagen meinen sie mich. Ich habe sie mir bis jetzt vom Halse gehalten. Und dann bist du mitten hineingeritten. Bei solch einer Sache ist ein Fremder natürlich im Wege. Die wollten dich wegräumen, glaub mir’s.“

„Wenn ich wüsste, worum es hier geht ...“

„Um Gold, mein Lieber.“

„Sieh an!“

Applebee rutscht von der Mauer herunter und lehnt seine Büchse an den Tisch. Dann tritt er in die Mitte des Raumes, hebt einen Holzdeckel an und macht ein Loch im Boden frei. Dann zieht er einen Sack heraus, macht ihn auf und zeigt ihn.

Nuggets!

Ein Heidenreichtum! So viel auf einem Haufen gibt es nur in den Stories der Claimers.

„Wirklich! Das ist Gold.“

„Natürlich! Und das wissen die Brüder. Keine Ahnung, wieso. Aber keiner schießt drei Tage lang auf Applebee, ohne zu wissen, was er von ihm will. Außer dem Gold habe ich nichts, was die Burschen reizen könnte. Die haben eine gute Nase gehabt.“

„Und Sie zeigen mir das?“

„Du hast ein ehrliches Gesicht, Mike.“

„Bei so viel Gold hört bei den meisten die Ehrlichkeit auf.“

„Ich soll dich wohl unbedingt für einen schlechten Kerl halten, wie?“

„Ich hatte ganze neunzig Dollar. Und auch die sind jetzt weg, wenn die anderen vor mir zu dem toten Pferd kommen. Aber dieses Gold ...“

„Versuch’s doch, mich umzubringen!“, krächzt der Alte hämisch. „Versuch’s mal!“

„Du meinst wohl, das könnte ich nicht, he?“

„Versuch’s!“

„Blödsinn! — Die da draußen sind wichtiger.“

„Gut, dass du das einsiehst, mein Junge. Selbst wenn du mich schaffst, nützt dir dieser Sack gar nichts. Die anderen würden niemals mit dir teilen.“

„Hör endlich auf damit, Alter — Verzeihung.“

„Mit Vornamen heiße ich Tom. Du wirst also die Nerven behalten, wie?“

„Keine Ahnung. Wenn die Belagerung schon drei Tage dauert, haben die sich ja wohl auf längere Zeit eingerichtet.“

„Vielen Dank! Bis dahin wäre ich übergeschnappt. Hast du nachts eigentlich noch keinen Ausbruch versucht?“

„Himmel! Im Dunkeln habe ich Angst. Ohne Pferd mit einem schweren Sack auf dem Buckel? — No, Partner, das macht Tom Applebee nicht mit. Ich käme keine hundert Yards weit.“

„Wie viele sind es?“

„Ich schätze drei. Vielleicht aber auch mehr. Mehr als drei habe ich aber nie zusammen gesehen.“

Mike Warner tritt ans Fenster. Das ist kein Risiko. Die Scheibe ist so verschmutzt, dass man von draußen bestimmt niemanden dahinter sehen kann. Auch umgekehrt ist die Sicht stark behindert.

Die Felsen auf der anderen Seite der engen Schlucht sind zum Greifen nahe. Da gibt es tausend Verstecke.

Draußen ist niemand zu sehen. Mike überdenkt seine Lage gründlich. Plötzlich hat er eine Idee, die ihm wenig Spaß macht.

Wenn die anderen sie erst haben ... „Das ist hier tatsächlich eine Falle, Tom. Ich begreife nicht, dass du überhaupt noch lebst.“

„Ich schicke immer ’ne Menge Blei in die Luft, wenn sie sich mausig machen. Das hat sie jedes Mal verscheucht ... Wahrscheinlich will keiner den Goldsack als Leiche erreichen. Ist gar nicht so einfach, mit Tom Applebee fertigzuwerden.“

„Nun, die brauchen bloß hinter der Hütte auf den Felsen zu klettern und einen schweren Block losmachen. Das Gold hält’s aus.“

„Das Haus auch. Was meinst du, Mike, wo der Riesenklotz dort draußen vorgestern noch gelegen hat?“

Tom zeigt mit dem Daumen über die Schulter nach dem linken Fenster. Der Felsbrocken liegt mitten im Weg, und obwohl dies hier wahrscheinlich eine gottverlassene Gegend ist, kommen bestimmt dann und wann Leute vorbei. Die Hufspuren führen nicht um den Stein herum, sondern drunter weg.

Mike dreht den Kopf und zuckt mit der Schulter.

„Den haben sie von oben herabgestoßen, jawohl! Einen halben Tag haben sie gebraucht, um mit dem Berg fertigzuwerden. Aber sie hätten sich nur die Wand vorher ein bisschen besser ansehen sollen, dann hätten sie gemerkt, dass Tom Applebee sich sein Grab nicht selbst schaufelt. Über unserem Dach ist nämlich ein Überhang. Alles, was von oben herunterrollt, kriegt zum Schluss noch einen Dreh nach vorn.“

„Wir liegen hier also im toten Winkel?“

„Du hast es erfasst, Mike. Setz dich her und warte, bis ich das Essen warm gemacht habe. Wirst Hunger haben, denke ich.“

Tom bringt einen alten Petroleumkocher zum Brennen und setzt einen Topf mit grünen Bohnen auf. Dann kippt er den Inhalt auf einen Blechteller und schiebt ihn Mike hin.

„Hau rein, Partner. Ich hab’s gerade hinter mir.“

Misstrauisch nimmt Mike den ersten Bissen. Er kann noch nicht sagen, ob es ihm schmeckt, als draußen wieder die Gewehre knallen.

Er legt den Löffel hin und ist sofort auf den Beinen. Während er herumschwenkt, liegt auch schon der Revolver in seiner Hand.

Einige Kugeln schlagen ins Holz, dringen aber nicht durch. Die Wände bestehen aus massiven Stämmen.

Komisch, dass die Scheiben überhaupt noch heil sind ...

Nach ein paar Sekunden ist es wieder still.

„Lass das Gemüse nicht kalt werden“, knurrt Tom Applebee und grinst unverschämt. Er hat sein Kinn auf die verschränkten Unterarme auf der Tischplatte gestützt und scheint jeden Bissen zählen zu wollen, den sich sein Gast in den Mund schiebt.

„Was die da machen, hat doch überhaupt keinen Sinn“, sagt Mike.

„Hast du eine Ahnung! Die wissen jetzt, dass ich Verstärkung im Haus habe. Das regt sie bestimmt auf. Und sie wollen natürlich feststellen, ob du Nerven hast. Bei mir wissen sie’s.“

Mike bedankt sich für das Essen, ohne darüber zu klagen. Dann stellt er sich hinter die Fenster und versucht, sich ein Bild von der Umgebung zu machen. Dabei sagt er kein Wort.

Die Hütte ist mit der Rückwand an den Hang gebaut. Die Schlucht ist hier knapp einen Steinwurf breit. Und sie ist keine halbe Meile lang.

Überall sonst ist das Land hier ziemlich flach. Der Big Sandy Creek kann nicht mehr weit sein.

Mike Warner macht eine Runde um den Tisch. Das ist praktisch der Weg durchs ganze Haus. Einen anderen Raum gibt es hier nicht.

Er sieht sich alles genau an, klopft hier und da gegen die Wand, um zu prüfen, ob sie auch wirklich massiv ist.

„Ich werde mich für ein paar Stunden hinlegen, Tom“, sagt er dann.

Der Alte springt sofort zu seiner Koje und will die Sachen abräumen, die drauf herumliegen. Aber Mike Warner winkt ab.

„Mach dir keine Umstände. Ich will dir nicht dein Bett nehmen.“

Er nimmt seine Winchester und kriecht damit unter den Tisch. Kurz darauf scheint er wirklich eingeschlafen zu sein.

Tom Applebee hockt sich neben ihn und studiert sein junges Gesicht.

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Eine Weile später fallen draußen wieder Schüsse. Eine Kugel schlägt in die Hauswand. Tom reißt seine Rifle hoch und schiebt den Lauf durch das Fenster. Ehe er abdrücken kann, zersplittert klirrend eine Scheibe. Scherben schleudern ihm ins Gesicht.

Stöhnend geht er in Deckung.

„Verdammt, jetzt holen sie uns!“, jammert er.

Mike ist längst wach und hinter dem Tisch hochgekommen. Er springt an das andere Fenster und sieht eine Gestalt über den Weg hetzen.

Er drückt das Fenster auf und schießt mit dem Revolver.

Da fliegt die Tür auf.

In seinem Rücken ...

Verflucht, das war der letzte Fehler in deinem Leben, Mike Warner, denkt er. Trotzdem verliert er keine Sekunde. Er handelt so, als ob noch jede Hoffnung berechtigt wäre.

Umdrehen würde zu lange dauern. Er drückt den Alten mit dem Oberkörper gegen die Wand und stößt sich gleichzeitig in der anderen Richtung ab.

Die Kugel pfeift zwischen ihnen hindurch ...

Dann ist Mike herum. Der Colt draußen. Spannen und Abdrücken liegen in einer Bewegung.

Dem anderen reißt es die rechte Schulter nach hinten. Sein Finger ist um den Bruchteil einer Sekunde zu langsam. Der Schuss verliert völlig die Richtung und geht in die Decke.

Der Mann taumelt, will sich fangen, greift nach hinten.

Da ist Mike Warner schon über ihm, dreht ihm den Colt aus den Fingern und kniet auf seiner Brust.

Die Schlägerei kommt nicht. Mike sieht, dass der andere verwundet ist. Nicht nur an der rechten Schulter. Auch am Hals sind Blutspuren zu sehen. Ein Streifschuss ... Der Glücksschuss.

Er steht auf und geht drei Schritt zurück, die beiden Revolver des anderen hat er bei sich und schiebt sie dem Alten hin.

„Heb sie gut auf, Tom! Dieser Mann ist noch nicht tot, wie du vielleicht gemerkt hast.“

Dann kümmert er sich um den Banditen.

Der Streifschuss am Hals ist nicht gefährlich. Er muss nur das Blut stillen und die Wunde verbinden. Mit der Schulter sieht es nicht so gut aus.

„Die Kugel steckt noch drin, Mister“, sagt Mike Warner sachlich. „Ich könnte sie mit dem Messer ’rausholen und die Wunde ausbrennen. Aber das lenkt mich zu sehr ab. Ich brauche meine Ohren und Augen für etwas anderes. Gehen Sie zu Ihren Leuten und bestellen Sie ihnen, dass wir hier noch genügend Lebensmittel und Munition haben. Wir halten noch ein paar Wochen durch. — Ihre Colts können Sie gelegentlich beim Sheriff von Kit Carson abholen.“

Der Mann hockt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Bettkante und macht keine Anstalten, sich zu erheben.

„Es gefällt ihm bei uns“, sagt Tom Applebee grinsend. „Aber selbst als Überläufer wäre er mir nicht gut genug. Well, Mister, ich bin hier der Hausherr und denke, dass Sie jetzt gehen könnten. Bestellen Sie auch von mir herzliche Grüße drüben.“

Dabei kommt die Mündung der Rifle so dicht an den Verwundeten heran, dass dieser doch endlich aufsteht.

„Schon gut, Alter. Reg dich nicht auf. Spar deinen Atem. Du wirst es sowieso nicht mehr lange machen.“

„Ich werde bald neunundneunzig, aber wenn sie dich hängen, werde ich noch dabeistehen und, zugucken. Verlass dich darauf, Greenhorn. Und jetzt verschwinde!“

Tom Applebee stößt die Tür auf und springt zur Seite. Der Desperado geht gebückt hinaus. Der markiert nicht. Dem geht es wirklich dreckig. Er hält sich nur mit äußerster Energie auf den Beinen.

Mike Warner weiß, wie das ist, wenn man eine Kugel im Körper hat und eine Menge Blut weggeflossen ist. Dann stimmt’s im Gehirn nicht mehr ganz, und man sieht und spürt nur noch die Hälfte von allem, was um einen herum vorgeht.

„Geh schon!“, zischt Tom wütend hinter dem Türpfosten.

Der Mann ist stehen geblieben. Er wankt etwas, schwankt. Er hebt den gesunden Arm hoch und winkt.

Ich hätte ihn nicht gehen lassen dürfen, denkt Mike Warner. Das hätte ich nicht tun dürfen. Er schafft es nicht bis drüben zu seinen Leuten. Und die werden ihn nicht wegholen, wo ich freies Schussfeld habe ...

Lange kann der Mann den Arm nicht oben halten. Dann geht er wieder zwei Schritte — drei, vier, fünf ...

Seine Knie werden schwach. Er knickt ein, stemmt sich hoch. Er will nicht sterben! Nicht hier und nicht heute. Der Verband um seinen Hals hält den Kopf noch gerade.

Von drüben fällt ein einzelner Schuss.

Der Mann reckt seinen Kopf noch ein Stück höher. Eine unsichtbare Macht reißt ihn Zoll um Zoll nach oben, dass er für eine Sekunde auf den Zehenspitzen steht.

Dann dreht er sich.

Mike Warner sieht sein Gesicht und seinen verständnislosen Blick.

Seine letzte Enttäuschung ...

Zwischen den Fronten liegt ein Toter.

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Was hast du vor?“, fragt Tom Applebee. Seine Stimme klingt misstrauisch. Als ob es ihm nicht passt, was sein unfreiwilliger Partner da macht.

„Ich stelle deine Möbel um“, sagt Mike ruhig und lässt sich nicht stören.

„Mein Bett hat immer hier gestanden.“

„Morgen ist dein Bett im Himmel, Alter. Außerdem zieht es in der Ecke, seit die Fenster nicht mehr ganz sind.“

„Ich habe sie mit meiner Wäsche zugehängt.“

„Es zieht trotzdem.“

„Du bist ganz schön stur für dein Alter, mein Junge“, schnauft Tom. „Es ist mir unangenehm, dir dasselbe sagen zu müssen, wie dem toten Banditen draußen.“

„Du darfst dich ruhig klarer ausdrücken. Es wird mich nicht gleich umwerfen.“

„Ach, Unsinn! Ich bin hier zwar der Hausherr, aber darum geht es nicht. Du wirst dich jetzt mit mir hinsetzen und warten, bis sie wiederkommen. Einer ist schon weniger.“

„Setz dich nur, aber lass mich zufrieden, altes Haus.“

Mike nimmt den kurzstieligen Spaten, der zwischen allerhand Gerümpel neben dem Ofen liegt, und fängt in der Ecke, wo das Bett gestanden hat, zu graben an.

„Er ist verrückt geworden!“, stöhnt Applebee und ringt die Hände. „Hier gibt’s kein Gold in der Erde, wenn du das denkst. Meins stammt auch nicht von hier. — He, Mike Warner, lass das sein!“

Mike dreht sich kurz um.

„Hör jetzt mal zu, Tom Applebee! Ich will nicht, dass du so schreist. Die können draußen jedes Wort verstehen, und durch dich lasse ich meinen Plan nicht verraten. Deine Bude ist nämlich langsam sturmreif.“

„Was hast du vor?“

„Wenn du es jetzt noch nicht weißt, kannst du ja darüber nachdenken. In einer Viertelstunde ist es dunkel. Dann musst du mir Feuerschutz geben. Kurz nach neun geht der Mond auf. Bis dahin muss ich verschwunden sein.“

„Du willst dich also aus dem Staube machen?“

„Das hattest du mir ja angeboten. Ich könnte natürlich auch versuchen, den Belagerungsring aufzuknacken.“

Tom Applebee lacht abscheulich.

„Na klar, du könntest es versuchen. Ich hab auch gar nichts dagegen, Kid. So gute Freunde sind wir nicht, dass ich dir eine Träne nachweine, wenn sie dich aus den Stiefeln geschossen haben.“

„Dann sind wir uns ja einig.“

Mike Warner wendet sich wieder seiner Arbeit zu. Er gräbt ein langes, flaches Loch unter die Balken.

Als die Dämmerung kommt, muss er noch zur anderen Seite durchstoßen. Das letzte Stück Arbeit ist wesentlich schwieriger. Er muss immer wieder eine Pause einlegen, um nach draußen zu horchen.

Er will sich nicht überraschen lassen. Endlich ist es so weit! Die Banditen haben sich nicht gerührt. Vielleicht liegen sie bereits dicht an der Hütte und können jeden Augenblick zuschlagen.

„Du kannst meine Winchester nehmen“, sagt Mike. „Ich brauche sie heute nicht. Und wahrscheinlich kannst du damit mehr ausrichten als mit deiner alten Rifle.“

„Kümmere dich nicht um meine Waffen“, wehrt Tom missmutig ab. „Deine Winchester brauche ich nicht. Aber wenn du von einem alten Mann noch einen Rat annehmen willst, dann überlege dir die Sache noch mal. Ich seh’s gar nicht gern, wenn sich einer für mich opfert.“

„Ich habe die besten Chancen.“

„Well, du lässt es dir nicht ausreden. Beschwer dich nur nicht im Himmel, wenn wir uns da wiedersehen.“

„Mit so viel Geld kommst du nicht in den Himmel, Tom Applebee. Versteif dich also nicht auf ein Wiedersehen.

Mein nächstes Ziel ist übrigens Kit Carson.“

Damit verschwindet Mike Warner. Er hat nur seinen Colt bei sich. Die Winchester steht noch am Ofen. Tom nimmt sie nachdenklich in die Hand.

Könnte vielleicht ein Andenken werden an ein paar heiße Tage am Big Sandy Creek, und an ein unverbesserliches Greenhorn, das zu früh sterben musste ...

Draußen liegt ein Haufen schießwütiger Desperados, Kid. Von denen ist jeder dreimal so schnell wie du. Du hast keine Chance gegen sie, Mike Warner.

Eigentlich schade um dich!

Für die Strecke von dreißig Yards braucht Mike eine Viertelstunde. Zoll um Zoll schiebt er sich an der Felswand entlang nach Norden. Er vermeidet jedes Geräusch. Er bleibt nur im Schatten, und legt lange Pausen ein, um den Gegner zu belauschen.

Auf der anderen Seite der Schlucht liegt kaltes, silbernes Mondlicht. Doch der zerklüftete Hang hat mehr Licht als Schatten.

Er fühlt sich sicherer, als er eine Viertelmeile zurückgelegt hat. Er nimmt es nicht mehr so genau mit jedem einzelnen Zoll Boden. Halb aufgerichtet überquert er den Weg, erreicht die andere Seite der hier schon sehr flach gewordenen Schlucht und findet wieder Deckung.

Jetzt noch ein weiter Bogen nach Westen.

Der Mond ist höher gestiegen.

Zwei Stunden nach seinem Aufbruch erreicht Mike Warner die Pferde. Es sind vier. Unbewacht. — Vier Pferde und vier Reiter, so müsste es zusammenpassen.

Einer der Reiter ist tot.

Noch ein Bogen. Die Tiere sollen nicht unruhig werden. Mike wird wieder vorsichtiger. Er achtet auf den Stein, den seine tastenden Finger berühren. Plötzlich liegt die Schlucht vor ihm. Früher als er gedacht hat.

Die Hütte liegt noch im Schatten der hohen Felswand. Aber davor ist alles in helles Licht getaucht.

„Yeah!“, sagt da eine Stimme. „Der Boss lässt sich Zeit. Ich würde nicht so lange fackeln.“

„Reg dich nicht auf, Al! Die Nacht ist noch lang. Hauptsache, es klappt diesmal. Vier Tage und Nächte Aufenthalt an einem Ort ist das höchste der Gefühle.“

„Wenn sich eine Sache lohnt, musst du anders rechnen.“

Mike Warner ist eins mit der Erde. Er rührt keinen Muskel. Die Unterhaltung findet direkt vor seiner Nase statt.

„Ich weiß schon, wie man rechnen muss“, sagt der eine. „Ein Haufen Gold durch vier ist nicht so gut wie unter uns dreien aufgeteilt. Wenn sich der Boss jetzt auch noch das Genick bricht ...“

„Du kannst tatsächlich rechnen, Jim. Vielleicht sogar etwas zu gut. Erst muss der Boss seinen Plan verwirklicht haben.“

„So lange soll er auch noch leben.“

„Darauf kannst du dich verlassen, Partner!“

„Schieb dein Eisen in Stellung! Und keinen Schuss auf Phil Corner, bevor er nicht die beiden anderen ausgeräuchert hat.“

„Aber dann!“

„Dann ist er reif. Der Sheriff wird es sich zusammenreimen. Schließlich kann der alte Goldsucher auch noch einen Schuss ins Schwarze gesetzt haben, bevor er starb.“

Die Banditen liegen rechts von Mike Warner. Höchstens fünfzehn Yards entfernt. Mike schiebt sich vor, sodass er nach rechts gedeckt ist.

Im Tal sitzt ein Mann seitlich von der Hütte. Tom Applebee kann ihn nicht sehen, auch wenn er sich weit zum Fenster hinauslehnen würde. Umso besser erkennt man ihn von dieser Seite.

Das Mondlicht liegt voll auf ihm.

Er hat einen Haufen Holz bei sich. An dem müssen drei Männer einen halben Tag gesammelt haben. Holz ist knapp auf dieser Seite vom Big Sandy Creek. Aber wenn man Holz findet, dann ist es knochentrocken.

Ein gescheiter Plan, dem Alten das Haus über dem Kopf anzuzünden. Gescheit und einfach. Man fragt sich, welches Geschick dafür gesorgt hat, dass die Banditen nicht gleich am ersten Tag auf die Idee gekommen sind. Dass sie gewartet haben, bis Tom Applebee einen Bundesgenossen bekommen hat.

Für den Colt ist die Entfernung allerdings zu groß. Jetzt müsste Mike die Winchester bei sich haben ...

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Unten flackert eine Flamme auf.

Mike Warners Winchester liegt im Blockhaus.

Aber Jim und Sammy haben Gewehre, und ihre Aufmerksamkeit gilt den Ereignissen in der Hütte.

Das Feuer frisst sich gierig in das trockene Grasbündel, springt auf das Reisig über, knistert.

Hinter den Banditen taucht eine Gestalt auf.

„Lass es brennen, Sammy! Kein Schuss, bevor die Kerle das Haus nicht verlassen. Bei dem Licht haben wir Zeit ...“

Da bricht der spröde Stein unter Mike Warners Stiefel.

Er wollte sie mit dem Kolben kampfunfähig machen. Aber jetzt haben sie es gehört. Jetzt sind sie wie auf Kommando herum.

Mike steht aufgerichtet da.

„Hoch mit den Händen!“

Auch das Kommando kommt zu spät. Die anderen fragen nicht lange. Noch in der Drehung ihrer Körper sind ihre Hände am Gürtel, die Revolver aus den Holstern.

Sie können gar nicht anders. Es steckt ihnen in Fleisch und Blut. Mike Warner denkt nicht mehr.

Seine Hand hat noch einen knappen Vorsprung. Sie ist schon am Kolben, als die anderen der Schreck trifft.

Sie stößt vor. Die Kugel wirft Jim nach hinten. Der Stein, hinter dem er gelegen hat, ist ihm im Wege. Sein Körper verschwindet im Abgrund.

Sammy hat eine Gnadenfrist.

Mike taucht rechtzeitig weg. Die Kugel jagt links an seinem Ohr vorbei. Sammy spannt den Hammer.

Mike Warners Absatz steckt wie in einem Startloch. Er spürt es am Widerstand und drückt sich ab. Er fliegt auf Sam zu und erreicht ihn, bevor die Kugel sich löst.

Sammys Arm fliegt nach oben. Der Schuss geht in den Himmel. Mikes Eisen kracht auf seine Schulter. Er geht in die Knie, holt die Schusshand herunter und will sie mit der Waffe gegen Mikes Kopf jagen.

Aber der hat die linke Hand bereits zum Griff aufgerichtet und fängt das Handgelenk des Gegners ab. Sammy verliert den Revolver.

Mike springt zurück.

„Keine Bewegung, oder ...“

Weiter kommt er nicht. Der Bandit ist nicht zum Verhandeln aufgelegt. Er hört auch auf keine Befehle. Er rennt mit den blanken Fäusten gegen die schwarze Mündung an.

Doch Mike hat nicht die Nerven, abzudrücken. Nicht gegen einen, dessen Eisen im Sand liegt.

Er schlägt nur zu — und trifft nicht genau.

Der Mond scheint — aber es ist immerhin Nacht. Die scharfen Schatten verzerren alles. Man braucht sich nur um zwei Zoll in der Entfernung zu verschätzen, und es kommt ein ganz anderes Ergebnis heraus.

Mikes Eisen kracht auf Sammys Schulter. Der sackt in die Knie und quittiert mit einem Stöhnen. Doch sofort kippt er nach vorn und rennt Mike Warner seinen Kopf in den Magen.

Mike verkneift sich die Reaktion.

Er möchte auch stöhnen, aber jetzt frisst sich die Wut still in ihn hinein und sammelt sich dort.

Der Stoß hat ihm die Luft geraubt. Das ist Zeitgewinn für Sammys Fäuste. Der Bandit schießt ein ganzes Trommelfeuer ab.

Allerdings ist auch für ihn Nacht. Seine meisten Schwinger bohren Löcher in die Luft. Wenn es nicht so wäre, könnte Mike nicht einmal mehr sein Testament machen.

So schmerzt es nur.

Seine Brust steckt in seiner Klammer. Er kann sie dadurch lösen, dass er seine freien Fäuste auf die Nieren des Gegners ansetzt.

Für Sekunden hat er Luft, kann sich hochstemmen und findet Halt mit den Stiefeln.

Wie der Schatten des anderen erneut auf ihn zufliegt und fast den ganzen Himmel verdeckt, kann er zur Seite ausweichen. Sammy erwischt seinen Arm und dreht ihn.

Mike Warner kann nicht anders. Er muss der Bewegung folgen, wenn er keine gebrochenen Knochen riskieren will. Er macht das einzig Richtige. Er unterstützt die Bewegung noch. Aus dem Sturz wird ein Überschlag. Er rollt ab und kommt wieder auf die Beine.

Wieder hat Sam den kürzeren Weg und ist längst in Kampfstellung, als Mike zu ihm herumfährt. Sammy ist ein Berg von einem Mann und drahtig dazu. Sein Gewicht und sein Schwung reißen Mike Warner um.

Der fällt diesmal nach hinten. Er zieht den Kopf ein. Instinktiv tut er das. Trotzdem fehlt noch etwas. Sein Schädel schlägt hart auf.

Er weiß, dass ihm langsam die Besinnung schwindet. Er denkt noch, dass es jetzt keine Hoffnung mehr gibt.

Als er mit seinem Bewusstsein aus dem dunklen Nichts zurückkehrt, ist noch alles beim Alten.

Sammy ist zurückgesprungen und sucht einen neuen Ausgangspunkt für seinen Angriff. Es kann nicht viel mehr als eine Sekunde vergangen sein, obwohl es Mike wie eine Ewigkeit vorkommt.

Im hellen Mondlicht sieht er die Umrisse des Gegners ganz genau.

Er zieht die Beine an und stößt sie von sich. Gleichzeitig rollt er sich einmal um seine Achse.

Neben ihm schlägt etwas Schweres zu Boden. Es erschüttert die Erde. Und es scheint viel mehr als ein Mensch zu sein. Aber als Mike hochschnellt und sich aufstellt, um den nächsten Angriff abzufangen, bleibt es still.

Sammy liegt da wie ein Toter — ein dunkler, schwarzer Koloss.

Mike Warner geht langsam näher, beugt sich zu ihm und sieht das fahle Gesicht.

Sammy liegt mit dem Rücken auf einem scharfkantigen Stein. Sein Kopf hängt nach hinten, und seine Augen sind offen.

Mike fasst ihn an und schüttelt ihn. Da weiß er, dass er einen Toten berührt.

Er hat nicht viel dazu getan. Er hat nur gekämpft. Nicht einmal sonderlich gut. Und trotzdem ist er der Sieger geblieben.

Vom Tal her leuchtet ein roter Schein. Das bringt Warner zur Besinnung.

Irgendwo muss sein Revolver liegen. Der Kampf hat sich auf kleinstem Raum abgespielt. Er sucht so lange, bis er den Colt gefunden hat. Als er den Kolben in der verschwitzten Hand spürt, fühlt er sich wieder sicherer.

Er tritt an den Hang und sieht es.

Phil Corner hat den brennenden Holzhaufen direkt an der Hütte aufgeschichtet. Die Flammen schlagen an der Wand des Blockhauses hoch und züngeln in die offenen Fenster.

Aber sonst ist nichts zu erkennen.

Phil Corner liegt irgendwo in Deckung. Und Tom Applebee rührt sich nicht. Er wehrt sich nicht und schießt nicht.

Yeah, vielleicht ist er schon tot. Vielleicht hat ihn schon der Schreck getötet. In zwei oder drei Minuten wird sein Haus eine einzige Feuerbrunst sein ...

Mike Warner überlegt nicht lange.

Er sieht genau, wie schlecht es um Tom Applebees Chancen steht.

Wenn er in die Schlucht hinabrennt und das Feuer auseinanderreißt, wird ihn von irgendwoher eine Kugel erwischen. Wenn er es darauf anlegt, Phil Corner zu suchen, wird eine Ewigkeit vergehen ...

Jim und Sammy sind tot. Phil Corner allein wird sich das Gold holen. Genau wie er es sich ausgerechnet hat.

Die Zeit arbeitet für ihn.

Nein, so darf es nicht ausgehen!

Mike Warner steht plötzlich auf der höchsten Kante der Felswand.

„Hey, Corner! Kommen Sie heraus und stellen Sie sich einem ehrlichen Kampf! Ihre Männer rühren keinen Finger mehr für Sie. Sie sehen, dass Ihr Schlupfwinkel bereits in unserer Hand ist.“

Mike erschrickt fast vor der eigenen Stimme. Jedes seiner Worte steht klar in der schweigenden Nacht. Und die Schlucht wirft ein zögerndes Echo zurück.

Er steht ungedeckt im hellen Mondlicht.

Seiner Aufforderung folgt tödliche Stille.

„Well, Sie sind ein Feigling, Corner! Bleiben Sie in Ihrem Loch, bis wir Sie gefunden haben. — Hallo, Tom! Komm endlich heraus! Corner wird dir nichts anhaben können. Eine Winchester zeigt genau auf seinen Kopf!“

Warners Kehle brennt wie Feuer. Wenn es mit dieser Behauptung schiefgeht, wird er es in diesem Leben nicht mehr gutmachen können.

Einer wird auf diesen Bluff hereinfallen. Tom Applebee oder Phil Corner ...

Corner ist es.

Dann steht Mike auf dem Weg.

„Well, hier bin ich, Corner!“

Applebee ist genau zwischen ihnen.

„Dreht euch beide um und geht los! Ich sag’s, wenn es so weit ist.“

Kurz darauf kommt sein Haltzeichen. „Damit ihr euch gegenseitig kontrollieren könnt, dreht euch erst um! Ziehen werdet ihr, wenn das Goldstück fällt, das ich hochwerfe.“

Corner ist einverstanden. Mike macht es nichts aus. Er ist in einer Stimmung, in der er jede Bedingung annimmt. Nicht, dass er sich so sehr überlegen fühlt. Im Gegenteil!

Er hat keine Erfahrung im Zweikampf. Er hat noch nie in einem Duell gestanden. Sie haben nur immer wieder mit dem Colt geübt, wenn sie auf dem langen Trail waren. Sie haben versucht, sich gegenseitig zu überbieten, wenn es ums Ziehen und Treffen ging. Es hat nie etwas mit Blut zu tun gehabt, obgleich der Trailboss manchmal gar nicht von ihren Spielen erbaut war.

Wenn ihr so weitermacht, habe ich eines Tages eine Mannschaft von Killern und nicht von Weidereitern, hat er gesagt.

Wir schießen nur auf tote Gegenstände, Boss. Oder mal auf einen Vogel oder einen Schneehasen. Und schon morgen können Sie darauf angewiesen sein, dass Ihre Leute mit der Waffe umzugehen verstehen.

Well, Männer, ich sag’s nur, damit kein Irrtum aufkommt. Solange ihr euern privaten Streit mit den Fäusten austragt, habe ich nichts dagegen. Aber wehe, ich erwische bei einer solchen Gelegenheit einen Mann mit dem Revolver in der Hand.

Das alles scheint eine Ewigkeit her zu sein. Die Treibermannschaft hat sich in alle Winde zerstreut. Heute ist Mike Warner allein.

Er dreht sich um und sieht Phil Corners klare Gestalt im Mondlicht. Links am Wege steht Tom Applebee. Genau vor dem roten Schein des brennenden Hauses. Ganz heiß muss es in seinem Rücken sein. Aber der Alte dreht sich nicht um.

Er hat zwei Colts in den Händen. Den eigenen und den des Banditenchefs. Den einen steckt er jetzt weg und holt etwas aus der Tasche.

„Ich habe einen schweren Goldnugget in der Hand, Gents. Wenn er auftrifft, könnt ihr ziehen. Verhaltet euch ruhig, damit ihr das Geräusch nicht überhört. — Fertig?“

Mike Warner nickt nur. Er sieht die gespreizten Hände des Banditen. Er sieht Applebees Hand hochfliegen und hat plötzlich ein schreckliches Sausen in den Ohren. So laut, dass er das entscheidende Geräusch kaum hören wird.

Wie konnte er sich nur auf so etwas einlassen?

Aber dann muss er den Aufschlag doch wohl gehört haben. Er muss schließlich noch eine ganze Weile nachdenken, wie alles gekommen ist.

Das Geräusch und gleich darauf der Schuss.

By Gosh, nur dieser eine Schuss! Phil Corner steht noch einen Augenblick, als ob nichts gewesen wäre. Dann wird sein schwarzer scharfer Schatten müde und sackt zusammen.

Mike steckt den Revolver zurück und geht vorwärts, bis er vor dem Toten steht. Die letzte Chance für Phil Corner ist endgültig vorbei.

Und Mike Warner ist Sieger geblieben.

Er muss plötzlich lachen und sich den Hals reiben, weil alle Muskeln unterhalb des Kinns verkrampft sind. Wie er Tom Applebees erstauntes Gesicht erkennt, wird sein Lachen noch lauter.

„Was ist, Alter? Du scheinst mit diesem Ergebnis nicht zufrieden zu sein, was?“

Die Augen des Alten sind plötzlich vom Schreck geweitet.

„By Gosh, Mike Warner, du bist ein — Revolvermann!“

Dann dreht er sich um und rennt durch das enge Tal.

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5

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Die Hütte ist nicht mehr zu retten.

In der Hütte liegt das Gold.

Gold verbrennt nicht, es kann höchstens schmelzen.

Tom ist weggelaufen ...

Diese Augen!

Du bist ein Revolvermann!

Mike Warner setzt sich auf einen Stein. Er ist müde, und er scheint noch auf etwas zu warten. Wenige Schritte entfernt liegt Phil Corner. Auf der anderen Seite Jim und oben auf dem Plateau Sammy, der dritte Bandit ... Dann kommt Tom Applebee zurück. „Entschuldige, Mike! Es hat mich vorhin gepackt. Ich konnte nicht anders. Ich musste weglaufen. Ich hätte es keine Sekunde mehr bei dir ausgehalten.“

„Du bist ein verrückter alter Sonderling, Tom. Wenn du behauptest, neunundneunzig Jahre zu sein, will ich dir aufs Wort glauben. Auch wenn du rennen kannst wie eine dreijährige Stute!“

„Ich hab gesehen, wie du sie fertiggemacht hast. Nacheinander! Alle drei. Ich habe geglaubt, du wärest ein unbeschriebenes Blatt. Mit meiner Menschenkenntnis ist wohl doch nicht mehr viel los. Du hast sie alle ...“

„Was wirst du mit deiner Hütte machen, Alter? — Wenn du vernünftig gewesen wärst, hättest du in der Nähe wenigstens einen Brunnen gegraben.“

„Auf meine alten Tage? Was ich an Wasser brauchte, habe ich mir zweimal in der Woche aus dem Creek geholt. — Die Hütte lass nur brennen. Da ist nichts mehr zu retten.“

„Und das Gold?“

„Yeah, das interessiert dich wohl, wie?“

„Ich denke, du könntest mir etwas geben. Im Wert von hundert Dollar vielleicht. Nicht, weil ich ’ne Belohnung haben will. Ich muss etwas Geld haben, um zu einem neuen Pferd zu kommen.“ „Hatten die Banditen keine Pferde?“

„Vier stehen oben auf dem Plateau.“

„Well, das genügt für den Anfang. Und meines dazu. Was hältst du davon, wenn wir nach Kit Carson reiten?“

„Eine Menge. Ich wollte sowieso hin.“

„Dann lass uns aufbrechen, solange der Mond scheint.“

Mike holt die vier Pferde vom Plateau. Er muss einen größeren Bogen reiten. Tom hat geduldig auf ihn gewartet.

„Und jetzt noch meinen eigenen Gaul, Partner. Denk nicht, dass ich dich in der Landschaft herum jagen will und dich als meinen Pferdeburschen betrachte. Du bist der beste Freund, den ich je besessen habe, Mike.“

„Aber du bist ein alter Mann, wolltest du sagen?“

„Ich wusste, du verstehst mich, Partner. Mein Pferd steht auf der Ostseite.“

„Du hast nie von einem Pferd gesprochen. Träumst du vielleicht?“

„Du denkst, Corner hätte es längst wegschnappen müssen, hm? No, Kid, Tom Applebee hat eine gute Weide für seinen Braunen. Sie liegt ein Stück weg. Du wirst zehn Minuten gehen müssen. Aber der Schlupfwinkel ist nicht zu verfehlen. Du gehst genau hier den Abhang hoch und immer geradeaus. Mach dreihundert Schritte, dann siehst du rechts von dir die Mulde. Mehr brauche ich dir nicht zu erklären.“

„Well, Alter, warte hier!“

Mike Warner macht alles genau, wie es ihm erklärt wurde. Spätestens nach fünf Minuten weiß er, dass Tom Applebee ihn belogen hat. In der Schlucht erklingen plötzlich scharfe Hufschläge. Er rennt zurück. Vom Rande des Plateaus aus erkennt er, dass der alte Gauner nicht ein einziges Pferd zurückgelassen hat.

Mike Warner ist zwischen Pferden und Rindern groß geworden. Es fällt ihm deshalb nicht schwer, die Hufschläge von vier Pferden herauszuhören.

Nur mit dem alten Tom Applebee kennt er sich nicht mehr aus.

Der Greis ist weggeritten, und das Gold liegt in der brennenden Hütte. Wenn es schmilzt, ist es ein einziger großer Klumpen.

Ein Klumpen Gold, by Gosh!

Mike starrt verwirrt auf das Feuer, das in züngelnden Flammen zum Himmel schlägt.

Dann weiß er plötzlich, dass es hier auch kein Gold mehr gibt.

Kein Gold und kein Pferd ...

Und vier Banditen, die nicht mehr gefährlich werden können.

Mach dich fertig, Mike Warner! Du hast noch neunzig Dollar in der Tasche. Und vor dir liegt ein weiter Weg.

Der Weg nach Kit Carson ...

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6

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Kit Carson liegt an der Bahnlinie von Cheyenne Wells nach Denver. Und es liegt am Big Sandy Creek. Kit Carson ist also schon heute eine bedeutende Stadt, ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Alles, was zum Arkansas hinunter will oder was von dort kommt, geht meistens für eine Nacht ins Hotel.

Tom Applebee hat deshalb Schwierigkeiten.

Im „Red Lion“, im „Escorial“ und im „Arikaree“, haben sie ihn wieder weggeschickt, obwohl es ganz früh am Morgen ist.

Dann führt er seine vier Pferde an den Hitchtrail vom North-Western-Banking-Centre, bindet sie liebevoll und mit viel Geduld fest, nimmt die drei kleinen Säcke von den Sätteln und schleppt sie an die Tür.

Dreimal klopft er an. Nicht mit dem Knöchel des Mittelfingers, sondern mit der ganzen Faust.

„Hallo, McAdoo, machen Sie auf! Ich weiß zwar, dass die Bürozeit erst in einer halben Stunde beginnt, aber genauso gut weiß ich, dass Sie schon mit Geldzählen beschäftigt sind.“

„Hallo, Mr. Applebee!“

Die Tür zur Bank steht offen. Der Alte greift nach den Säcken und geht in den Kassenraum.

„Well, Mr. McAdoo, hier sind drei Säcke mit purem Gold, und ich wünsche, dass Sie es wiegen. Vor meinen Augen. Wenn Ihr Bargeld nicht reicht, bin ich bereit, ein Konto bei Ihnen zu errichten, auf das Sie mir die übliche Gutschrift geben. — Aber wiegen Sie endlich!“

Er reißt einen Sack auf und schüttelt den Inhalt auf den Tisch.

„Wollen Sie jetzt endlich wiegen, Mr. McAdoo, oder muss ich bis Aroya reiten, damit dort der Bankier seinen Reibach machen kann?“

McAdoos Augen werden groß.

„Zounds! Ich verstehe die Welt nicht mehr. Das ist richtiges Gold, Mr. Applebee ...“

„Habe ich jemals etwas anderes behauptet?“

Der Bankier wird plötzlich der liebenswürdigste Mensch in Kit Carson. Er rennt um seinen Kassentisch, dreht den Schlüssel in der Tür und kontrolliert die Gardinen, ob sie auch alle fest schließen. Dann hastet er zurück und holt die Goldwaage.

Der alte Tom öffnet auch die anderen Säcke.

„Nehmen Sie doch Platz, Mr. Applebee! Es wird eine Weile dauern, bis ich alles geprüft habe. — Sie werden nicht alles in bar haben wollen, Mr. Applebee? Bedenken Sie, wie gefährlich das ist! Und rechnen Sie sich die Zinsen aus, die ich Ihnen jährlich zahlen kann.“

„Wir werden sehen“, erwidert der Alte lässig wie ein Pokerspieler. „Wiegen Sie, Mr. McAdoo! Ich möchte wissen, wie weit Sie mich übers Ohr hauen wollen.“

„Aber, Mr. Applebee!“

„Schon gut! Wiegen Sie!“

Die größten Nuggets untersucht McAdoo mit der Lupe. Manchmal wiegt er bedenklich den Kopf.

„Können Sie mir den Fundort nennen?“

„Das tut nichts zur Sache. Es ist schon lange her, dass ich das Gold erwarb. Es ist echtes Gold, Mister, und Sie brauchen auch nicht immer mit dem Kopf zu wackeln.“

„Es ist Gold mit starken wertlosen Beimischungen ...“

„Geben Sie her, McAdoo! Ich werde wohl doch nach Aroya reiten.“

Der Alte legt seine Arme über das Gold, aber der Bankier protestiert.

„Warten Sie doch erst ab, bis ich den Wert errechnet habe. Wir werden ein ehrliches Geschäft machen.“

Endlich beeilt sich McAdoo mit dem Wiegen.

„Ich gebe Ihnen sechstausend Dollar, Mr. Applebee.“

„Well, zweimal sechstausend. Ich bin einverstanden.“

„Sechstausend, und keine Zwölf! Das ist der amtliche Kurswert. Hier haben Sie es schriftlich. Der letzte Kurszettel von der Geldbörse in Denver.“

„Danke! Ich glaube nicht, was die Leute aufs Papier drucken, damit es wie die Wahrheit aussieht. — Zehntausend, Mr. McAdoo!“

„Hören Sie zu. Sie können auf einer Bank doch nicht handeln. Geldgeschäfte sind reell!“

„Well, wenn ich sie mache. Ich habe jahrelang auf den Knochen gelegen, um das hier zusammenzubringen. Ich weiß, was dieses Gold wert ist.“

„Bedenken Sie mein Risiko, Mr. Applebee. Das Geschäft muss sich auch für mich lohnen. Bei einer groben Untersuchung kann man sich verschätzen. Ich habe keine Sicherheit, dass ...“ „Zehntausend!“

„Siebentausend. — Bei siebentausend trage ich das Risiko allein, und Sie sind der gemachte Mann.“

„Wenn Sie neun gesagt hätten ...“ McAdoo hält plötzlich ein Quittungsbuch in der Hand und schreibt die Zahl achttausend in die 'erste Zeile. „Mein letztes Angebot, Applebee. Mein allerletztes. Soll ich nun Ihren Namen hier eintragen, oder wollen Sie die Nuggets wieder mitnehmen?“

„Schreiben Sie den Namen hinein, und geben Sie mir noch fünfhundert in bar auf die Hand. Dann reden wir nicht mehr drüber.“

Aus den fünfhundert in bar werden zweihundertfünfzig. Dann ist das Geschäft endlich perfekt. Als Tom Applebee die Bank verlässt, hat er ein Quittungsbuch und die Gewissheit bei sich, ein angesehener Mann zu sein.

McAdoo ist der erste Beweis dafür. Er begleitet ihn bis zum Ausgang, öffnet ihm die Tür und verbeugt sich.

„Wenn Sie einen Rat brauchen, wie man ein solches Kapital gewinnbringend anlegt, wenden Sie sich an mich, Mr. Applebee. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag, Mr. Applebee!“

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7

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In Harpers Inn stehen noch die Stühle auf den Tischen. Mrs. Harper und das Mädchen hantieren mit Aufnehmer und Schrubber im Gastraum. Ein halber Eimer Wasser klatscht über Tom Applebees Stiefelspitzen.

„Ich hoffe, das Stiefelputzen ist frei, Mrs. Harper?“

„Heeh, Alter, was wollen Sie hier? Machen Sie ...“

„Einen Drink, Mrs. Harper. Wahrscheinlich auch zwei.“

„Zum Teufel gehen Sie! Wer hat Sie hier hereingelassen?“

Er schleudert einen Silberdollar auf den Feudel. Die Wirtin stutzt.

„Oh, Sie haben Geld, Alter?“

„Einen Drink, habe ich gesagt! Whisky ist mir am liebsten. Kommen Sie nur nicht auf die Idee, mir Ihren billigen Indianer-Brandy vorzusetzen!“

Er nimmt einen Stuhl vom Tisch, dreht ihn um und setzt sich. „Und eine Zehn-Cent-Zigarre, wenn ich bitten darf!“

Tom streckt die Füße weit von sich und schlägt die Beine übereinander.

„Ein schöner Tag wird’s werden, denke ich. Haben Sie ein gutes Zimmer nach der Sonnenseite, Mrs. Harper?“

„Sie wollen hier wohnen?“

„Banditen haben mein Haus verbrannt. Bis das neue fertig ist, werde ich im Hotel wohnen. Wenn Ihnen ein reifer und wohlhabender Dauergast angenehm ist, Mrs. Harper ...“

Tom Applebee bekommt seinen Whisky und sein Zimmer, und er bekommt seine Zehn-Cent-Zigarre. Auch der Hauch eines angesehenen Bürgers umgibt ihn jetzt.

Er bekommt alles, was er so lange entbehren musste.

Gesellschaft zum Beispiel.

„Betty, beeil dich! Du hast nur noch das Stück an der Tür. Sieh zu, dass die Stühle von den Tischen kommen. Es ist ja ungemütlich hier. Was soll Mr. Applebee von uns denken? Und geh zu Vollmers und hol, was ich dir auf geschrieben habe. Beeil dich, Kind! — Haben Sie diesen frechen Blick gesehen, Mr. Applebee?“

Mrs. Harpers Redeschwall hat Betty nach draußen gefegt.

Tom lehnt sich zurück, dreht die Zigarre zwischen den Fingern und betrachtet die lange weiße Asche.

„Frech blicken sie alle, Mrs. Harper. Vor ’ner halben Stunde ist mir eine Schar schreiender Kinder nachgerannt und hat Spottverse auf mich gesungen. Ich weiß nicht, woher die heutige Jugend das hat. Da waren wir doch früher ganz anders.“

„So ist es, Mr. Applebee. Und Ihr Haus ist tatsächlich niedergebrannt diese Nacht?“

„Bis auf den Boden.“

„Aber den Banditen haben Sie ein Schnippchen geschlagen. Kerngesund sitzen Sie da. Trotzdem — ich möchte nicht in Ihrer Haut gesteckt haben. Es muss furchtbar gewesen sein. Ich kann es Ihnen nachfühlen.“

„Es waren vier — und alle sind tot. By Gosh, Mrs. Harper, ich komme bald dicht an die Hundert heran, und ich war noch dabei, als es die Mexikaner in Texas zu sagen hatten. Aber so eine Schlacht habe ich im Leben noch nicht mitgemacht. Phil Corner hat ins Gras gebissen. Ich denke, Sie wissen, wer Phil Corner ist ...“

„Phil Corner?“

Der Ruf kommt von der Tür her. „Phil Corner? — Sag das noch mal, Tom Applebee! Ich schlage dir die Seele aus dem Leib, wenn es eine Lüge ist!“ Mrs. Harper dreht sich nach dem neuen Gast um und zieht die Wangenfalten missmutig nach unten.

„Geh weg, Fellmer! Du kriegst heute nichts. Du kriegst auch morgen nichts. Dies ist ein anständiges Lokal. Hier wird nichts gepumpt.“

„Ich weiß, hier wird in bar bezahlt. Wetten, dass der alte Tom dir ’nen Silberdollar gezeigt hat, worauf du ganz verrückt bist?“

„Ich warne dich, Fellmer! Verlass dich nicht darauf, dass mein Mann noch schläft. Ich drücke dir allein dein Kreuz durch die Schwingtür.“

„Du bist eine Perle, Emily! Du wirst nicht so grob sein ...“

„Verschwinde!“

„Lassen Sie ihn“, sagt Tom geduldig und gönnerhaft. „Wenn er Durst hat, soll er auf meine Rechnung trinken. Hier sind zwei Dollar Anzahlung. Wir haben später noch mehr zu verrechnen.“

„Das ist ein Kerl, der Tom Applebee! Well, Partner, ich nehme an. Und ich werde dir morgen dasselbe bieten. — Es war Phil Corner, hast du gesagt, hm?“

Damit sitzt Fellmer Swarn am Tisch. Er hat noch die Whisky-Fahne von der letzten Nacht im Mund.

Betty hat inzwischen ihren Zettel im Store abgegeben und lässt sich die Einkaufstasche füllen. Auch Mrs. Silver ist zufällig im Laden.

„Tom Applebee hat Geld.“

„Natürlich, ich habe gesehen, wie er drei Säcke in die Bank schleppte. Ich hab ’ne geschlagene halbe Stunde gewartet. McAdoo hat sich vor Diensteifer überschlagen, als Tom sein Office verließ. Der hat jetzt ein Konto bei der Bank. Und er hat Dollars in der Tasche. — Wir haben ihn alle unterschätzt.“

„Bei uns hat er drei Silberdollars auf den Tisch gelegt“, sagt Betty naiv. „Er hat wirklich Geld, und er ist ein Gentleman. Mrs. Harper hat gesagt, er wird für vier Wochen bei uns wohnen.“

Dann ist sie draußen.

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Seit zwei Stunden marschiert Mike Warner am Ufer des Creek entlang. Inzwischen ist es Tag geworden. Der Big Sandy Creek fließt nach Kit Carson. Er wird die Stadt nicht verfehlen.

Und wenn er diesen Tom Applebee erwischt, wird er ihm beibringen, wie man sich für Hilfe bedankt, wie sie ihm Warner geleistet hat. Was will der Alte mit vier Pferden?

Was will er überhaupt?

Ist er tatsächlich nach Kit Carson geritten?

Bis jetzt ist Mike auf der richtigen Spur. Aber allmählich werden es mehr Abdrücke. Dann sieht er die Stadt.

In Harpers Inn hat man ein Ende gemacht. Tom Applebee ist auf die Straße getreten und sagt, dass er seine Pferde unterbringen will. Aber die Tagediebe und Schnorrer, die sich von ihm haben freihalten lassen, haben noch keine Lust, nach Hause zu gehen.

Sie wissen immer noch eine Frage, und sie stehen dicht um Tom herum.

Der sieht Mike Warner deshalb erst, als dieser schon ganz nahe heran ist.

„Hallo, Alter! Du hast es aber sehr eilig gehabt. Jetzt wirst du wohl mehr Zeit haben, was?“

Die Menschen treten an die Seite und lassen Applebee eine Gasse.

„Yeah!“, brummt der alte Mann und wird sofort wieder stumm.

„Komm mit, Tom, ich möchte mit dir reden!“

„By Jove, was hast du vor? Du glaubst doch nicht, dass du mich irgendwohin schleppen kannst und ...“

„Wir gehen auf dein Zimmer, wenn es dir angenehmer ist.“

„Woher weißt du ...?“

„Dir bleibt nichts anderes übrig, als in einem Hotel zu wohnen. Es genügt aber auch, wenn wir zwei allein bis zu den Pferden gehen. Nur fünfzig Yards über die Main Street. Ich werde dir die Zeit nicht stehlen. Du bist in drei Minuten wieder ein freier Mann.“

Wieder ein freier Mann ...

Tom hat große Lust, diese Ausdrucksweise richtigzustellen. Er tut es nicht. „Well“, knurrt er. „Ich muss sowieso hin und die Gäule holen. Du kannst mir dabei helfen.“

Er marschiert los. Mike Warner bleibt neben ihm. Sie sind allein. Von den anderen ist keiner mitgekommen. Sie stehen wie angenagelt.

„Wenn das der Revolvermann war“, flüstert Fat Wagoner, „dann ist Phil Corner ein Stinktier gewesen. Der hat ja nur einen Revolver.“

„Du hast wohl einen Whisky zu viel gehabt“, meckert Knife-Charley.

„Dieser Gent ist natürlich nicht der schlimme Warner. So was sieht man auf den ersten Blick.“

Fellmer Swarn zupft an seinem ausgefransten Schnauzbart und wird lustiger, je weiter sich die beiden Männer entfernen.

„Du wirst langsam alt, Knife-Charley. Versuch’s mal mit ’ner Brille. Wenn bei dir einer nur einen Revolver hat, dann hältst du ihn gleich für ’ne harmlose Jungfer. Ihr müsst den Leuten in die Augen gucken.“

„Sag bloß, das hättest du getan.“

„Und ob ich das getan habe! Ich schätze, es war das erste und letzte Mal. Ich habe übrigens ’ne Fuhre Holz bekommen und muss jetzt nach Hause, wenn ihr nichts dagegen habt.“

Mike hat kein Wort gesprochen, bis sie bei den Pferden sind. Tom wartet die ganze Zeit, dass er ihn wegen seiner sonderbaren Handlungsweise zur Rede stellt. Aber nichts davon geschieht.

Wie der Alte den ersten Zügel von der Haltestange löst, macht Warner endlich den Mund auf.

„Das ist Phil Corners Pferd, wenn ich mich nicht irre.“

„Phil Corner ist tot, Kid. Und diese Pferde gehören mir.“

„Bis auf eines. Und weil wir schon so ungerecht teilen, werde ich mir das aussuchen, das mir am besten gefällt.“

„Du bist sehr unvorsichtig, Mike Warner. Wir sind mitten in Kit Carson, und wenn du den Kopf ein Stück nach rechts drehst, siehst du das Office von Sheriff Rowland.“

„Ich hab’s schon gesehen, Alter. Es ist ein schönes Haus. Ich brauche es aber nicht. Ich brauche ein Pferd. Diesen Rapphengst werde ich nehmen. Sagen wir, ohne Sattel. Du kannst ihn dir später an deiner abgebrannten Hütte abholen. Mach’s gut, Tom Applebee!“

Mike Warner nimmt ihm die Zügel aus der Hand und steigt auf. Der Schwarze nimmt ihn ohne weiteres an und macht keine Schwierigkeiten.

Tom Applebee kann keinen Finger mehr rühren, bis Warner dreihundert Yards weg ist. Dann nimmt er die anderen drei Pferde und führt sie in Harpers Stall.

Fat Wagoner und Knife-Charley sind ihm gefolgt und lümmeln sich an die Pfosten des Hoftores.

„Jetzt sag uns endlich die Wahrheit, Tom! War er das?“

„Der?“

„Wer sonst?“

„Wer soll das gewesen sein?“

„By Gosh, Tom, du scheinst ja einen Heidenrespekt vor diesem Mister zu haben. Wenn er dir gedroht hat, werden wir zusammen zum Sheriff gehen. Der bringt die Sache noch heute in Ordnung.“

„Da ist nichts in Ordnung zu bringen, Gents. Kümmert euch um eure eigenen Sachen.“

„Hoo, jetzt wirst du auch noch grob. Aber den ganzen Morgen hast du verlangt, dass wir deinen Geschichten bei Harper zuhören und sie gar noch glauben.“

„Denkt, was ihr wollt! Ihr könnt ja in den Canyon hinausreiten und die Toten nachzählen. Aber seid vorsichtig. Bestimmt ist jetzt auch Mike Warner dort. Der hat da nämlich noch etwas zu erledigen.“

In diesem Moment kommt Glenn Doolin um die Ecke. Er hat bestimmt was gehört. In seinem Gesicht steht das Lauern.

Aber er sagt kein Wort. Er grinst nur etwas, spuckt ein Stück Kautabak aus und geht weiter.

„Das war Doolin“, sagt Wagoner, als ob nicht jeder wüsste, wer Glenn Doolin ist.

Natürlich war es Doolin!

Und jetzt hören sie den scharfen Galopp von Pferdehufen, der schnell leiser wird.

Natürlich war es Doolin!

Kein Zweifel, dass der jetzt über die Brücke am Creek reitet ...

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Mike Warner hat die Sättel gewechselt. Den, mit dem Phil Corner seine letzten Meilen zurückgelegt hat, lässt Mike neben dem Braunen liegen. Den eigenen legt er dem Rappen auf und schnallt ihn fest.

Dann ist er auch schon im Sattel und reitet.

Die Hütte ist bis auf den Grund niedergebrannt. Das Feuer schwelt noch etwas. Die Sonne kommt langsam höher. Es wird wärmer.

Mike Warner reitet nach Süden ...

Er muss dabei durch Kit Carson. Warum nicht noch einmal über die Main Street reiten? Vielleicht wird der alte Tom Applebee verstohlen hinter der Gardine seines Hotelzimmers stehen und wieder seine verrückten Gedanken spinnen.

Vielleicht wird sich bei ihm so etwas wie ein Gewissen regen. An Dankbarkeit denkt Mike Warner nicht. Dankbarkeit wäre zu viel verlangt von den Leuten.

Was kümmert ihn Applebee? Was kümmert ihn Kit Carson?

Auch hinter Arkansas gibt es gutes Weideland. Auch dort braucht man Männer, die im Sattel zu Hause sind ...

Aber noch in Kit Carson wird alles anders.

Er ist an Harpers Inn vorbei, auf der Höhe der Bank. Da sieht er sie.

Sie muss über die Straße. Sie hebt ihren weiten langen Rock, damit er nicht staubig wird.

Sie trägt einen großen Korb mit Früchten.

Mike Warner macht eine unbewusste Bewegung am Zügel. Der Rappe bleibt stehen. Mike wendet den Kopf.

Sie erreicht die andere Straßenseite, lässt den Stoff ihres Rockes los und dreht sich um.

Bis jetzt war sie sehr geschäftig. Sie hat irgendein Ziel, das sie schnell erreichen will. Aber jetzt dreht sie sich um und bleibt stehen.

Sie ist schön und jung. Sie hat dunkle ruhige Augen, tief wie der Westen in der sinkenden Sonne.

Und sie ist stehen geblieben.

Den Korb hält sie, als ob er leer wäre. Sie zittert nicht und hält seinem Blick stand. Oder sie sucht ihn sogar ...

Irgendwann muss sie dann verschwunden sein.

Mike Warner erwacht wie aus einem ewigen Traum. Menschen starren ihn an und ziehen sich zurück, als er sich bewegt. Der Rappe ist plötzlich voller Feuer, geht auf die Hinterhand, schwenkt herum und trabt auf Harpers Inn zu.

Der Reiter gleitet aus dem Sattel, bindet die Leine fest und tritt ins Haus, geht durch bis zur Theke.

„Ich möchte ein Zimmer, Mr. Harper.“

„Wie, bitte?“

„Ein Zimmer, zum Teufel! Hier sind zwanzig Dollar Anzahlung. Und ich möchte, dass es zur Straße liegt.“

Der Wirt wird krumm wie ein Büffelrücken.

„Sehr wohl, Mr. Warner ... Natürlich, ein Zimmer zur Straße. Es genügt, wenn Sie später bezahlen.“

„Ich zahle jetzt!“

„Wie es Ihnen beliebt, Mr. Warner. Wie es Ihnen beliebt.“

Tom Applebee hält den Atem an, als er hört, wie die Dielen knarren. Zwei Männer kommen herauf. Er kennt ihren Schritt.

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Es klopft an der Tür.

„Come in!“, sagt Mike Warner.

Es ist der Alte, der gestern noch wie ein Neunundneunzigjähriger aussah. Jetzt muss er weit über die Hundert sein.

„Es zieht. Mach die Tür zu, Tom!“ Mike liegt lang auf dem Bett und hat die Hände hinterm Nacken. Tom steht nur da und redet nicht.

„Was willst du?“

„Ich — yeah, Kid ...“

„Sag nicht Kid, Alter!“

„Ich geb dir hundert Dollar, Mike Warner.“

„Leg sie hierher!“

Applebee nestelt an seinem Hemd, holt einen Schein heraus und legt ihn aufs Bett. Mike nimmt ihn hoch, sieht ihn an und steckt ihn ein.

„Was willst du noch?“

„Ich bin ein Schwein, Mike. Ich gebe es zu. Nur ...“

„Du meinst, hundert Dollar sind zu wenig?“

„McAdoo hat mir selbst nur zweihundertfünfzig gegeben.“

„Du kannst dir neues holen. Ich weiß ungefähr, wie hoch dein Konto sein muss.“

„Was willst du?“

„Das habe ich dich gefragt.“

„Reite weg von Kit Carson. Nicht meinetwegen, Mike, deinetwegen!“

„Ich weiß, du hast sie alle aufgehetzt.“

„Das darfst du nicht sagen. Schließlich hast du die Corner-Bande wie ein Wolf gerissen. Jeder im Town weiß, dass er dir dankbar sein müsste. Aber ihre Angst ist stärker. Reite, Mike, wenn dir dein Leben lieb ist. Nimm den Schwarzen und geh nach dem Süden. Hier sind noch mal hundert.“

„Danke, wenn ich reite, kann ich sie dir nicht zurückgeben.“

„Zurückgeben? Du willst das Geld nicht behalten?“

„Ich bin im Moment knapp bei Kasse. Aber das ändert sich wieder. Dann will ich nicht mehr dein Schuldner sein.“

„Du bist nicht mein Schuldner. Umgekehrt ist’s richtig.“

„Sieh mal an! Wie kommst du denn auf die Idee?“

„Du meinst, weil ich ein Lump bin, könnte ich so nicht reden, wie? Ich rede trotzdem so. Behalte das Geld und reite, Mike Warner!“

„Ihr seid euch alle einig in Kit Carson. By Gosh, ihr wollt einen harmlosen Weidereiter loswerden, weil ihr schwer geträumt habt. Und du opferst sogar zweihundert Dollar dafür. — Ich bleibe, Alter!“

„Sie werden dich umbringen.“

„Wer? Kennst du vielleicht schon den Mörder?“

„Den kennt keiner. Der kennt sich selber noch nicht. Irgendwie wird es kommen. Du bist nicht das Greenhorn, für das ich dich gehalten habe. Also brauche ich es dir auch nicht zu erklären.“

„Natürlich nicht. Du meinst, du hast die Leute genug aufgestachelt. Und einer in Kit Carson wird sich schon finden, der mich hereinlegt.“

„Für Leute wie dich hat immer einer eine Kugel.“

„Für Leute wie mich ... Schön hast du das gesagt. — Weshalb bist du gestern mit den vier Pferden weggeritten? Weshalb hast du mich hereingelegt?“

„Weit ich Angst hatte, Mike! Ich habe mich vor dir gefürchtet. Wie mir plötzlich alles klar wurde, als alles vorbei war ... Phil Corner, die anderen drei ... Du allein hast sie erledigt. Und Phil Corner war schließlich nicht irgendwer.“

„Schon gut, alter Tom! Vergessen wir das. Lass mich jetzt etwas schlafen. Ich bin verdammt müde.“

Tom Applebee geht langsam zur Tür. „Was hast du vor, Mike? Sag’s mir wenigstens.“

„Ich werde mir Arbeit suchen. Ich habe es dir lang und breit erzählt. Und wenn ich die ersten hundert Dollar erübrigen kann, kriegst du sie wieder. Geh jetzt!“

Der Alte schleicht rückwärts aus der Tür und schließt sie so vorsichtig, als hätte er einen Schwerkranken besucht.

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Als Glenn Doolin die Schwingtür nach innen drückt, schiebt er sie gegen eine Schulter. So eng ist es bei Harpers.

„Hey, was soll das?“, murrt der Getroffene, dreht sich aber sofort weg, als er Doolin erkennt. Der kümmert sich nicht um ihn. Heute gibt es größere Fische.

Mit den Händen schiebt er zwei Schultern auseinander und quetscht sich durch. An Tom Applebees Tisch hängen sie wie die Kletten. Das Ziel ist leicht auszumachen. Glenn Doolin steuert darauf zu.

„Hallo, Tom! Was los heute, wie? Musst schon ganz heiser sein vom vielen Reden. Aber erzähl sie noch mal, deine Story. Ich möchte sie auch gern kennenlernen.“

„Hau ab, Doolin! Ich bin tatsächlich bald heiser. Lass es dir von anderen erzählen. Inzwischen weiß ja jeder in der Stadt Bescheid.“

Doolins Gesicht wird noch freundlicher. Er schiebt sich noch näher ah den Tisch heran.

„Was du da sagst, finde ich gar nicht nett, Oldtimer. Wo wir doch immer so gute Freunde waren. Also, das letzte Mal heute. Aber ich will es einfach wissen. Besorg mir mal einen Stuhl!“ Natürlich ist für Doolin kein Platz mehr frei. Viele möchten freiwillig aufstehen und verschwinden. Nur hat keiner den Mut, den Anfang zu machen. Nicht einmal bei Glenn Doolin.

Inzwischen ist es so still geworden, dass man eine Nadel fallen hören konnte.

„Ich will dir was sagen, Tom, mit dem Stuhl wird’s schwierig werden. Komm mit! Wir gehn über die Straße in den Saloon. Den haben wir zwei heute Abend dann ganz für uns. Steh auf, Tom!“

„Nicht jetzt, Doolin. Ich bin müde. Komm morgen wieder!“

„Hör mal, alter Freund, du vergisst wohl ganz, was du mir versprochen hast. Du stehst jetzt auf und gehst in den Blue Bird Saloon. Ist das klar?“

So klar ist es im Augenblick noch nicht. Aber wie Tom Applebee dem Burschen richtig ins Gesicht sieht, weiß er, dass der Spaß für heute endgültig vorbei ist.

Obwohl er ihm gar nichts versprochen hat. Rein gar nichts.

Es ist so still, dass ...

So still wie in dem einsamen Canyon, bevor die Corner-Bande kam. Und noch einsamer.

Eigentlich müssten viele Leute da sein, die gegen diesen Spaß etwas unternehmen würden. Tom Applebee sieht sich auch nach allen Seiten um. Aber er findet keinen. Keinen einzigen Mann, der ihn ansieht.

„Well, Doolin. Wenn du meinst, dass drüben mehr Platz ist, gehen wir ...“

Sie haben einen freien Gang vor sich. Vom Tisch bis zur Tür.

Teufel, das ist ein Haufen von Feiglingen! Niemand rührt einen Finger. Jeder bringt seine Haut in Sicherheit. Glenn Doolin könnte ja schießen.

Wie?

Würde er wirklich schießen?

Tom Applebee und Glenn Doolin verschwinden in dem dunklen Loch, das in die Nacht hinausführt. Als sie weg sind, rauscht das Erstaunen durch den Saal. Die Stimmen überschlagen sich.

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Mike Warner steht auf der Straße, die vom Licht aus den Fenstern spärlich beleuchtet wird. Er ist allein. Keiner folgt ihm.

Die Straße ist leer.

Drüben, das muss der Blue Bird Saloon sein. Ein merkwürdig schweigsames Haus. Wenn man bedenkt, was in Harpers Inn los ist ...

Dann sieht er Tom Applebees Gestalt am Fenster.

Nur für einen kurzen Augenblick.

Wie ein unwirklicher Schatten ist er vorbeigehuscht.

Well!

Mike Warner geht hinüber, stößt die Tür auf und tritt in die ausgestorbene Halle. Sie ist wirklich wie ausgestorben. Die paar Menschen sitzen und stehen da wie Tote.

Der Wirt hält sich an der Platte seines Tresens fest und sein Blick wirkt wie erstarrt.

Nur ein Tisch ist mit vier Männern besetzt. Einer ist Tom. Den anderen kennt Mike vom Canyon her! Er war bei Slim Wolfe gewesen.

Diese Falle wird zuschnappen, Mike Warner.

Es sei denn, Mike Warner geht rückwärts wieder hinaus ...

Er ist noch nie im Leben rückwärts gegangen. Das kennt er nicht. Es ist auch nur so ein Gedanke, der schnell wieder verfliegt.

Sie wollen es wissen.

Ob es stimmt, was Tom Applebee erzählt hat? Der Alte ist ihr Gefangener. Keine Frage, sein Blick verrät es. Da liegt so viel Verzweiflung drin, wie Mike sie selbst noch nie erlebt hat.

Mike Warner geht vorwärts, winkt zu dem Alten hinüber.

„Hallo, Tom! ’ne vernünftige Idee, in den Saloon zu gehen. Hier tritt wenigstens keiner dem anderen auf die Füße. Evening, Gentlemen! Willst du mich nicht bekannt machen, Tom?“

Der Tisch ist besetzt. Aber Mike zieht noch einen Stuhl mit dem Fuß heran und setzt sich an die Ecke zwischen Tom und den anderen, deren Gesichter er schon gesehen hat.

„Wir haben uns heute schon mal gesehen, Mister.“

„Das ist Glenn Doolin“, sagt der Alte schnell. „Hier hast du Hardy Mills und Jack Vance.“

„Freut mich. Es riecht nach Whisky. Bringen Sie mir einen, Wirt!“

Jess Lime erwacht wieder zum Leben. Seine Bewegungen sind schnell, als könne der Whisky unterwegs verdunsten. Als er am Tisch ankommt und die Hand vorstreckt, um das Glas abzusetzen, fährt Glenn Doolins Faust hoch.

Das Glas zerspringt am Boden und der Whisky wird eine Pfütze auf dem Tisch.

Deutlicher geht’s nicht. Eisige Kälte kriecht Tom Applebee im Rücken herauf.

„Oh“, sagt Jess Lime. „Entschuldigen Sie! Ich hole sofort ...“

„Bleiben Sie!“, befiehlt Mike Warner.

„Entschuldigen wird sich Mr. Doolin, denn der hat die Schuld an der Sache.“

Glenn Doolin grinst. Es kommt alles so, wie er es gewollt hat.

Ich bin darauf hereingefallen, überlegt Mike. Ich hätte nichts sagen sollen. Bestimmt hätte es noch eine andere Lösung gegeben. Und jetzt ist es zu spät für einen Rückzug.

Glenn Doolin wird sich nicht entschuldigen. Er wird ...

„Sie irren sich, Warner. Es war Absicht! Es ist niemand hier, der mit Ihnen trinken möchte. Bestellen Sie sich Ihren Whisky an einem anderen Tisch!“

„Mike!“, ächzt der Alte. Er will aufstehen, kommt aber nur drei Zoll hoch. Dann sinkt er langsam wieder auf seinen Stuhl.

Und seine Augen werden größer.

Er begreift es nicht. Er kann es nicht fassen. Mike Warner macht sich unmöglich. Von dem wird kein Hund mehr einen Knochen nehmen.

Mike Warner steht auf und geht an den nächsten Tisch.

„Well, Gents, es war etwas eng bei Ihnen. Sie haben recht, Doolin. Ich werde meinen Whisky hier trinken. Ein neues Glas, Mr. Lime!“

„Bravo!“, schreit Hardy Mills gekünstelt. Er hat bestimmt etwas anderes erwartet, aber so läuft es auch nicht schlecht. „Der Killer sieht ein, dass er nicht zu anständigen Leuten an den Tisch gehört. Scheint doch ein ganz vernünftiger Kerl zu sein.“

Warum zieht Mike Warner nicht?

Das Fass ist voll zum Überlaufen. Wo hat es das gegeben, dass einer eine Beleidigung nach der anderen einsteckt? Ausgerechnet einer, der noch vor wenigen Stunden die Corner-Bande in den Sand gestreckt hat?

Wo hat es das je gegeben?

Im Unterbewusstsein hört Mike Warner die vielen Geräusche.

Niemand hat nach ihm den Saloon betreten. Aber draußen drängen sie sich an den Fenstern. Jetzt sieht er es. Gespenstische Gesichter in der Nacht.

Noch nie im Leben ist Mike Warner rückwärts gegangen ...

„Tom!“, sagt er da laut.

Der Kopf des Alten ruckt herum.

Mike Warner hat mit der Kniekehle seinen Stuhl zurückgeschoben. Er sitzt jetzt schräg am Tisch. Sein rechtes Bein ist lang gestreckt und der rechte Ellbogen ist auf die Lehne gestützt. Die Hand hängt drei Zoll über der Hüfte.

„Tom Applebee!“, sagt Mike Warner. „Ich habe etwas mit dir zu besprechen. Eine Sache, die nur uns zwei angeht. Komm hierher und bring dein Glas mit!“

Er ist ein Gefangener. Jedenfalls bilden sie sich das ein. Mike wird nicht zuerst ziehen. Die Leute hinter den Fenstern werden Zeuge sein.

„Nimm dein Glas, Tom!“

Der Alte schiebt die Hand auf der Tischplatte vor, bis der Mittelfinger ans Glas stößt. Die drei rauen Gesellen haben sich vorgebeugt und beobachten jede seiner Bewegungen.

Glenn Doolin räuspert sich, als Tom Applebee die Hand ausbreitet, um das Glas zu umfassen. Doch dann zuckt die Hand zurück. Nicht ganz, aber doch so viel, dass Toms Respekt erkennbar wird.

„Nimm das Glas, Tom!“, wiederholt Mike Warner. „Du bist ein freier Mann und kannst tun und lassen, was du willst.“

„Treib’s nicht auf die Spitze, Mike“, stöhnt der Alte. „Oder muss ich dir erst sagen, was hier gespielt wird?“

„No, Tom, das brauchst du nicht. Aber du machst alles verdammt kompliziert. Steh auf und setz dich hierher!“

„Doolin wird mich umbringen ...“

„Doolin wird sich hüten. Er will nur ausprobieren, ob seine Hand schnell genug ist. Wenn er es unbedingt wissen will, ist das nicht deine Sorge.“

„No, Mike, eigentlich nicht. — Pass auf, Doolin! Ich schlage vor, du wirst jetzt wieder vernünftig. Gegen Warner hast du wirklich nicht die geringste Chance.“

„Hör auf zu singen, Alter! Mach dich nicht lächerlich. Du kennst meinen Wunsch. Wir haben dich eingeladen, und deshalb trinkst du dein Glas an diesem Tisch leer, verstanden?“

„Sorry, Glenn! Du bist mir nicht stark genug. Auch nicht mit diesen beiden Partnern. Ich werde mich nie gegen den Besseren stellen, und der Bessere ist heute nun mal Mike Warner.“

Tom Applebee hat sich entschieden.

Er nimmt das Glas, steht auf, dass sein Stuhl nach hinten fliegt und umkippt ...

Mike Warner hat längst seinen Vorteil erkannt.

Die Gegner müssen zwei Männer gleichzeitig beobachten, die nicht in derselben Richtung sitzen. Mike dagegen hat alle vier genau vor sich.

Glenn Doolin hat sich langsam umdrehen müssen. Er sieht nicht mehr, was Tom Applebee im Einzelnen macht. Allein, dass er aufgestanden ist, genügt ihm.

Seine Hand stößt nach unten.

Viel zu langsam. Warner konnte sich dreimal überlegen, wie es sein wird. Er hat es sich genau ausgerechnet. Deshalb ist er schneller.

Nur ein Schuss fällt!

Der reißt ein Loch in Doolins Hand und nimmt den Revolver des Burschen mit nach unten.

Ein dumpfer Schlag auf dem Fußboden leitet Totenstille ein. Glenn Doolin hat nicht einmal gestöhnt. Aber das Blut auf seiner Hand — und wie sie schlaff nach unten hängt — das beweist genug.

Da fliegt die Schwingtür auf.

Nat Rowland steht im Eingang.

Auf seiner Brust leuchtet der Stern ...

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Nun, Warner, ich habe Sie gewarnt!“

Eine Sekunde hat er am Eingang verharrt. Dann marschiert er weiter wie eine ganze Büffelherde genau auf Warner zu.

„Sie haben geschossen. Ich sah es selbst vom Eingang aus. Ich war im Begriff, hereinzukommen.“

„Dann sind Sie etwas zu spät gekommen. Drei Sekunden früher hätten genügt, um die Sache richtig zu sehen. Aber ich habe ja Zeugen.“

„Aha“, schnauft Rowland. „Nun, Gents! Ich werde den Fall untersuchen.“

Hinter dem Sheriff haben ein paar Leute eine neutrale Zone vermutet. In einer halben Minute haben nacheinander mindestens zehn Männer den Saloon betreten. Vielleicht macht Lime doch noch sein Geschäft an diesem Abend.

Allerdings ahnt der noch nichts von dieser Chance.

Der geschwungene Treppenaufgang zum oberen Stockwerk ist mit einem dicken roten Läufer belegt, der den Schall der Schritte schluckt. Trotzdem ist nicht zu überhören, dass jetzt ein Mann herunterkommt.

Mike Warner erkennt den Großrancher Slim Wolfe, der auf der unteren Stufe stehen bleibt.

„Zuerst, schlage ich vor, wird man sich um den Verwundeten kümmern. Was ist los, Glenn?“

Wolfe kommt durch den Saal und geht auf Doolin zu, der starr auf seinem Stuhl hockt, kreidebleich im Gesicht ist und abwesend vor sich hin starrt. Als sein Boss vor ihm steht, hebt er den Kopf.

„Warner hat mir die Hand zerschossen. Das ist los! Und wenn sie wieder gesund ist, wird sie dafür sorgen, dass der Gunman seine Quittung bekommt.“

„Darüber reden wir später. Zeig deine Hand! — Du blutest ja wie ein Schwein. Scheinst nicht zu wissen, dass damit nicht zu spaßen ist, wie? Wenn du mehr als sieben Liter verlierst, bist du ein toter Mann. — He, Mister Lime, warum haben Sie noch keinen Verbandsstoff geholt?“

Der Wirt rennt nach hinten und kommt mit einem großen Blechkasten wieder. Wolfe nimmt drei Binden aus dem Koffer und reißt sie auf.

Glenn Doolin zieht die Hand zurück.

„Gib die Hand, alter Dickschädel! Ich werde sie verbinden.“

„Ich denke, das wird Caroline machen. Die kann das besser.“

„Stell dich nicht an! Carol schläft.“

„Dann weck sie!“

Slim Wolfe überlegt noch einen Moment, dann tut er, was sein Mann von ihm verlangt. Er geht die Treppe hinauf.

Slim Wolfe kommt zurück. Caroline mit ihm.

Das also ist Caroline Wolfe!

Ausgerechnet diese Frau ist Caroline Wolfe!

Sie kommt an den Tisch.

„Glenn!“, sagt sie. Es klingt besorgt. „Glenn, was haben sie mit dir gemacht?“

Sie nimmt seine Hand — und sieht Mike Warner für einen kurzen Augenblick an. Wahrscheinlich merkt es keiner außer Mike.

„Guten Abend, Miss Wolfe!“, hört er sich sagen. Vielleicht hat er auch eine knappe Verbeugung dabei gemacht. Er weiß es nicht mehr, als Caroline sich Doolins Hand zuwendet.

Nur eines steht fest: Er hat alles vergessen. Den Schuss, Doolins verwundete Hand, den Sheriff neben sich.

Sie ist Slim Wolfes Schwester. Und sie hat Augen so tief wie ein Bergsee und Hände wie eine Samariterin.

Doolins Hände müsste man haben.

„Verdammt, Mike, jetzt brauch’ ich ’nen Drink!“, ächzt Tom Applebee.

Eine ganz gemeine Stimme hat der Alte. Schon in der Hütte im Canyon hat sie so unverschämt gekrächzt. Tom Applebee kann in der gefährlichsten Situation etwas sagen, es klingt immer, als ob er sich über die anderen lustig macht.

„Well, Tom! Du hast dein Gold verkauft. Bestell mir auch einen, und bezahl für mich.“

Er nimmt ihn am Arm und drückt ihn auf einen Stuhl. Tom hockt sich hin und stellt den Stuhl zurecht. Im Übrigen ist der Tisch besetzt.

„Yeah“, sagt Mike Warner. „Wohin setz’ ich mich?“

Er sagt es in einem Zustand, der nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun hat. Er fühlt sich wie in einem Märchen, das eine Jacarilla-Indianerin erzählt.

Aber die anderen erleben die Wirklichkeit.

Sie sehen den Killer Mike Warner an ihrem Tisch. Den Revolvermann, der Phil Corners Bande in einer Nacht auslöschte.

Sie verschwinden ...

Alle Teufel, dieses Volk in Kit Carson ist gespenstisch.

Mike erwischt noch einen am Ärmel. Der wird klein wie eine Getreidemaus und schließt mit seinem Leben ab, obwohl der Sheriff dabeisteht.

Mike Warners Rausch kommt nicht vom Whisky. Aber sein Zustand ist nicht viel anders.

„Bleiben Sie, Mister! — Warum stehen Sie auf? Warum stehen alle an diesem Tisch auf?“

„Ich muss jetzt wohl gehen, Mr. Warner. Es ist spät. Ich komme nie nach zehn Uhr nach Hause. Meine Frau ...“

„Ausgerechnet jetzt, wo ich einen Platz suche? — No, Mister! Bleiben Sie! Verstanden? Mr. Lime wird noch einen Stuhl bringen, und wir werden zusammenrücken.“

Der Stuhl ist schon da.

Mike Warner hockt sich auf die Ecke des Tisches.

„Bleiben Sie sitzen, Gentlemen! Glenn Doolin ist verwundet worden und wird verbunden. Sie können jetzt unmöglich gehen. — Tom, ich denke, du lädst auch diese Herren mit ein.“

Sechs Gläser und eine Flasche.

So verlangt es Tom Applebee ... Und sie trinken.

Mike Warner sucht die Gestalt mit dem langen breiten Rock. Aber er findet sie nicht mehr.

Caroline ist die Treppe hinaufgegangen, und Sheriff Rowland steht hinter ihm.

„Die Zeugenaussagen widersprechen sich, Mr. Warner. Darf ich jetzt vielleicht Ihren Bericht hören?“

Mike denkt, dass er eine Menge verpasst hat, während seine Gedanken auf Abwegen waren. Aber sein Kopf ist klar. Jetzt wieder.

„Ich habe nicht zugehört, Sheriff. Worum geht es?“

„Um den Streit mit Doolin. Wie war das also?“

„Nun, das war ganz klar. Ich saß am Nebentisch. Tom Applebee wollte sich zu mir setzen, weil wir etwas zu besprechen hatten. Aber Doolin war es offenbar nicht recht. Er zog gegen den Alten. Das war für mich der Anlass, einen Mord zu verhindern. Ich zog zwar später, aber ich war wohl schneller. Mehr kann ich nicht sagen.“

Es ist ganz still im Blue Bird Saloon. „Ich traue Ihnen nicht, Warner“, sagt Nat Rowland schwer. „Für heute können Sie gehen. Aber wenn ich eines Tages erfahre, dass sich drei Zeugenaussagen nur mit der Ihren decken, weil die Männer sich vor Ihrem Eisen fürchten, dann sind Sie reif für das Gesetz.“

„Ich verstehe, Sheriff. Ich beneide Sie nicht bei Ihrer schweren Aufgabe. Nicht immer ist der Schnellere auch der Schuldige. Aber man meint eben, es müsste so sein. — Ich wohne in Harpers Inn und werde noch ein paar Tage bleiben. Genügt Ihnen das?“

„Ich sagte, Sie können gehen, Mr. Warner.“

„Danke, Sheriff. So long!“

Tom Applebee wird zahlen. Mike findet die Luft nicht gut. Er geht hinaus auf die Main Street. „Schlaf gut, Tom! Auf morgen.“

Über Kit Carson ist der Mond aufgegangen und hat frische Luft mitgebracht. Mike Warner geht über die Main Street und atmet tief. Da fällt der Schuss der ihn von den Beinen reißt ...

Es ist ein Schlag in den Rücken.

Er dreht sich um. Aber er sieht nur das grelle Licht aus dem Blue Bird Saloon.

Und den Mond sieht er.

Dann hat er Sand in den Augen. Scharfen kalten Sand der Straße.

In der Schulter brennt ein Feuer ...

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Dieser elende Gauner! Dieses hinterhältige Schwein... Ich werde ihn umbringen!“

Es sind nur einige Menschen, die sich zu ihm hinausgewagt haben. Tom Applebee ist der Erste. Mike rollt sich auf die Seite und sieht hoch.

„Tom!“, stöhnt er.

Der Alte kniet neben ihm.

„Wer war es, Kid? Los, sag mir, wer es war! Ich bringe ihn um!“

„Willst du mir nicht lieber erst helfen? Ahh, meine Schulter! Nimm meine linke Hand, dann wird’s gehen.“

Auch Sheriff Rowland hilft, Warner wieder auf die Beine zu bringen. Sobald er steht, scheint es besser zu gehen.

Auch Slim Wolfe ist da. Er sagt kein Wort. Aber sein Blick ist ganz wild und auf irgendetwas gerichtet, das keiner sehen kann.

Mike Warner krümmt sich nach rechts zur Seite.

„Ich kann schon allein gehen.“

„Sie brauchen einen Doc, zum Teufel!“, knurrt Rowland. „Los, Tom, laufen Sie zu Doc Crockett und holen Sie ihn aus dem Bett! Er soll sofort zu Harpers Inn kommen.“

„Yeah!“, stöhnt Applebee und rennt wie ein Schuljunge auf Dr. Crocketts Adobehaus zu.

Rowland packt Warner unter den gesunden Arm.

„Ich bringe Sie auf Ihr Zimmer, Warner.“

„Was dagegen, wenn ich helfe?“, fragt Slim Wolfe.

„Danke, Rancher! Nicht nötig. Ich nehme den guten Willen für die Tat. Die Beine sind ja in Ordnung.“

Rowland schlägt die Decke zurück. Mike legt sich hin. Er will den Sheriff zurückstoßen, aber das schmerzt so stark, dass er ein leichtes Stöhnen nicht unterdrücken kann.

„Sie sind ja verdammt stolz, mein Freund! Damit machen Sie Ihrem Ruf nur Ehre.“

Mike hört wohl nicht hin. Jedenfalls reagiert er nicht darauf. Er hat die Augen geschlossen und liegt ganz still.

Er wehrt sich auch nicht, als Rowland sein Hemd aufreißt.

„Vorn ist nichts zu sehen. Drehen Sie sich auf den Bauch. Los!“

Dann kommt Tom Applebee mit Doc Crockett.

Die Kugel ist am Knochen hängen geblieben. Sie ist aus ziemlich weiter Entfernung abgeschossen worden und stammt aus einem 45erRevolver.

„Hätte der Schütze eine Winchester gehabt, wären Sie nicht so gut dabei weggekommen.“

„Schon möglich, Doc. Wann werden Sie operieren?“

„Sofort. Die Kugel muss ’raus. Dann wird’s schon werden.“

„Möchte wissen, wann.“

„In ein paar Wochen.“

Crockett operiert. Der Sheriff und Tom assistieren ihm und wundern sich, dass sie keinen Schrei hören.

Crockett gibt dem Verwundeten ein Beruhigungsmittel und geht. Rowland wartet, bis Mike eingeschlafen ist.

Tom Applebee bleibt die ganze Nacht bei ihm.

Am anderen Morgen kommen nacheinander drei Besucher.

Der erste ist Doc Crockett. Er erneuert den Verband und ist zufrieden, dass die Wunde nicht mehr blutet.

„Sie sind einer, der’s im Bett nicht lange aushält, Warner.“

„Das haben Sie gut beobachtet, Doc.“

„Jetzt redet Ihr Arzt, verstanden? — Wenn Sie nicht ganz still liegen, kann es Komplikationen geben. Ich will Sie nicht festbinden, obwohl es das Beste wäre. Versprechen Sie mir, dass Sie sich nach meinen Anordnungen richten werden?“

„Irgendwer hat mir erzählt, die Stadt hätte Angst vor mir. Ich bin nicht so eingebildet, das zu glauben. Trotzdem, einige werden wohl auf Applebees Story hereingefallen sein. Nageln Sie mich also ruhig hier fest, Doc! Sie machen sich um Kit Carson verdient.“

„Sie reden nicht wie ein Revolvermann.“

„Ich bin auch keiner.“

„Das zu beweisen, wird Ihnen schwerfallen. Aber Sie haben Zeit, über alles nachzudenken. Vielleicht überlegen Sie sich ein schönes Ziel im Süden, Warner. In New Mexiko zum Beispiel.“

„Sie hat wohl der Sheriff geschickt, was?“

Das stimmt natürlich nicht, denn als Crockett gegangen ist, kommt Rowland persönlich. Er fragt, wie es ihm geht — und so das Übliche.

Er redet ganz vernünftig mit dem Patienten, und dann schwärmt auch er plötzlich vom warmen Süden. Er denkt allerdings mehr an Texas und Arizona.

„Vielen Dank für die Ratschläge, Sheriff. Wir haben vier Wochen Zeit, das gemeinsam zu überlegen. Ich werde mich gesund schlafen, und Sie fassen den Mann, der auf mich geschossen hat. Ich wüsste ihn gern im Jail bei Ihnen.“

„Wir werden sehen, Warner. Selbstverständlich ist der Schuss auf Sie durch nichts gerechtfertigt.“

„Natürlich nicht. Aber nicht bei einem Revolvermann.“

„Ganz recht ... Haben Sie eine Vermutung, wer es gewesen sein könnte?“

„Es war Nacht, und hinten habe ich keine Augen. Sie können auch warten, bis ich wieder gesund bin. Ich würde Ihnen gern helfen.“

„Das wäre das Letzte, worauf ich Wert lege. Das Recht in Kit Carson ist meine Sache.“

„Wie Sie meinen.“

Sheriff Rowland geht nach unten.

Der dritte Besucher ist mehr als eine Überrumplung.

Mike Warner hat die Schritte draußen kaum gehört. Es könnte jemand vom Hauspersonal sein. Dann klopft es kräftig an die Tür.

„Come in!“, sagt Mike. Dann erstickt er fast.

Vor seinen Augen tanzen bunte Kreise. Er kann die heftige Bewegung nicht verhindern, und durch die Schulter zuckt es scharf, wie gestern Abend, als ihn die Kugel traf.

Eine heiße Welle der Erregung geht über sein Gesicht.

Ihre Augen sind tief wie der Westen. Sie steht vor ihm.

Hinter ihr fällt die Tür ins Schloss.

„Guten Morgen, Mr. Warner!“

„Guten Morgen, Miss Wolfe. Bitte, nehmen Sie doch Platz!“

„Danke, es soll nicht lange dauern.“ Trotzdem setzt sie sich. Als ob es nichts Selbstverständlicheres gäbe.

„Wie geht es Ihnen, Mr. Warner? Es war eine scheußliche Sache. Sitzt der Verband gut? Haben Sie keine Schmerzen?“

„Warum fragen Sie?“

„Berufliches Interesse, Mr. Warner. Ich war lange in einem Hospital tätig, bevor ich zu meinem Bruder auf die Ranch ging.“

„Deshalb verlangte Doolin auch, dass Sie ihn verbinden.“

„Ich denke, ja. Ich verstehe etwas davon.“

„Deshalb also! Die Krankenschwester macht Visite. Ein schöner Beruf, den Sie sich ausgesucht haben. Die meisten Frauen sorgen sich nur um einen Mann. Für Schwestern ist es ein Beruf. Sie sorgen für viele ... Sie lieben Glenn Doolin, Miss Wolfe. Deshalb sind Sie hier!“

In den Blick des Mädchens tritt etwas Rätselhaftes.

Yeah, denkt Mike Warner, ich habe was ganz Dummes gesagt.

Er wischt sich über die Stirn. Mit der linken Hand geht es.

„Sie wollen doch etwas von mir, Miss Wolfe.“

„Hab ich’s nicht schon gesagt?“

„Ich soll mir kein falsches Bild von Glenn Doolin machen. Wäre es das vielleicht?“

„Ja, das meine ich. Es wäre besser, Sie vergessen, was vorgefallen ist ... Im Blue Bird Saloon, meine ich.“

„Ich soll mich gesund pflegen lassen und dann verschwinden, wie? Wäre das nicht die beste Lösung?“

„Ich kann Sie nicht zwingen.“

„Aber Sie würden es gern sehen.“

„Es wäre auch für Sie am besten.“

„Ich glaube nicht, dass daraus etwas wird, Miss Wolfe. Ich würde Ihnen gern jeden Wunsch erfüllen, aber nicht diesen ... Ich suche Arbeit in Kit Carson — ehrliche Arbeit. Sonst nichts.“

„Das hört sich gut an. Aber ich weiß, dass es niemals gut ist. Haben Sie den Schuss aus dem Hinterhalt vergessen?“

„Soll das heißen, so macht man es in Kit Carson, wenn man einen unbequemen Fremden loswerden will?“

Caroline Wolfe antwortet nicht. Ihr Blick wandert für ein paar Sekunden durchs Zimmer und ist dann wieder bei Mike Warner.

„Entschuldigen Sie, dass ich Sie gestört habe, Mike Warner. Ich hoffe, Sie werden bald gesund sein. — Auf Wiedersehen!“

Es geht ganz schnell.

Sie steht auf, rückt den Stuhl unter den kleinen Tisch und dreht sich zur Tür. Dann ist sie verschwunden. Stumm.

Mike hört nicht einmal ihre Schritte auf der Treppe.

So ist das also, wenn sie geht.

Das Zimmer ist leer wie die Wüste.

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Jetzt liege ich genau eine Woche in diesem Drecksbett, Doc!“, protestiert Mike Warner laut.

„Als Sie sich hineinlegten, war es sauber“, behauptet Doc Crockett hämisch und grinst. Seit vier Tagen grinst er regelmäßig. Er ist deshalb nicht freundlicher geworden. Aber es scheint so, dass er mit Mikes Schulter Hoffnung hat.

Crockett gibt Tom Applebee die Klinke in die Hand. Der Alte kommt regelmäßig dreimal am Tag zu Warner und bleibt dann mindestens zwei Stunden. Außer Essen, Trinken und Schlafen hat er sonst nichts zu tun.

„Ich werde bald aufstehen.“

„Das bist du schon ein paarmal in diesen Tagen.“

„Nicht so — ich werde richtig aufstehen. Meine Schulter ist vollkommen in Ordnung. Und ich kann auch wieder schießen.“

„Sag jetzt bloß nicht, du redest im Wundfieber!“

Mike Warner greift unter die Decke, hält den Revolver im Liegen hoch und spannt den Hammer. Das hat keine zwei Sekunden gedauert.

„Oh, was soll das, du verunglücktes Greenhorn? — Du kannst einem wahrhaftig einen Schreck einjagen.“

„Ich werde morgen unten im Saal frühstücken. Bestell das Mr. Harper!“

„Ich denke, es soll ein Geheimnis sein.“

„Natürlich! Aber Harper muss es schließlich wissen. Sag ihm, dass er’s für sich behalten soll.“

„Wird gemacht, mein Sohn!“

Tom Applebee hat es dann eilig. Bestimmt geht er nicht gleich zum Spieltisch, sondern erst zu Mr. Harper.

Denn der muss es ja auch wissen. Als Wirt ...

Während unten im Saal der Betrieb lauter wird, denkt Mike Warner, dass er noch einmal richtig eine volle Nacht Schlaf nehmen wird.

Unter der Decke liegt der Revolver, geladen und geölt. Er ist ganz warm durch die Nähe des Körpers.

Spät in der Nacht wird Mike Warner wach. Irgendetwas hat ihn geweckt.

Dann hört er es.

Das Knarren der Treppe. Aber niemand geht durchs Haus. Irgendwo steht einer und wartet. Auch Warner wartet.

Jetzt scharrt jemand an der Tür ...

Es muss spät sein. Aber noch nicht allzu spät.

Aus dem Inn schallt kein Lärm mehr. Nur noch das Rumoren der letzten späten Gäste. Viele Pausen sind dazwischen. Die gehören den Pokerspielern.

Tom Applebee könnte noch am Tisch sitzen.

Auf der Treppe — das ist nicht der Alte.

Innerlich flucht Mike Warner, dass sein Bett knarrt, als er sich bewegt. Aber diesen Platz muss er verlassen.

Vorsichtig schiebt er die Beine unter der Decke weg und bringt sie auf die Dielen. Noch einmal macht das Bett ein Geräusch, als er aufsteht.

Auf nackten Füßen drückt er sich in die Ecke hinter der Tür.

Dann ist es still.

Ein dumpfes Hohooo! kommt von unten und verhallt wieder.

Das Scharren an der Tür wiederholt sich nicht.

Es kann eine Katze gewesen sein. Oder nicht?

Mike Warner ist kein Mensch, der solche Irrtümer begeht. Aber er will sich nicht überschätzen. Er hat acht Tage im Bett gelegen. Er spürt es an den steifen Knochen, und an der Schwäche, die ihn nach unten ziehen will.

Noch nie hat er solche Sehnsucht nach dem Bett gehabt, das drei Schritte weiter steht und noch warm ist.

Aber solche Sehnsucht kann man schnell vergessen.

Es war kein Irrtum! — Der Mann hinter der Tür drückt die Klinke Zoll um Zoll. Der Riegel gibt das Schloss frei. Die Tür geht auf.

Das an die Dunkelheit gewöhnte Auge sieht klar wie am Tage.

Mike Warner hält den Atem an, um sich nicht zu verraten. Die Tür pendelt zurück. Der Fremde dreht ihm den Rücken zu. Ein wuchtiger Berg von einem Fleischklotz, der nur das Bett sieht.

Und dann weiß er, dass es verlassen ist. Und er weiß, dass es vor Sekunden noch Geräusche in diesem Zimmer gegeben hat. Er zögert, nicht mehr, fährt herum. Nach der einzigen Ecke, aus der ihm Gefahr winken kann.

Mike Warner hat die Schusshand hoch und weiß, dass er so nicht schießen kann. So nicht. Er hat noch nie ohne Warnung geschossen. Auf keinen, der nicht vorher wusste, was ihm blüht.

Und er hat noch nie eine Woche im Bett gelegen, um aufzustehen und sofort eine bestimmte Sache auszuhandeln.

Er fühlt seine Knochen steif werden und kalten Schweiß über die Stirn rinnen.

Das fremde Gesicht liegt im Schatten. Er sieht nur den Umriss des Kopfes und zieht die Faust mit dem Eisen hoch.

Der Fremde duckt sich weg. Mike stößt ins Leere und hat den anderen im Magen. Der Anprall drückt alles hinter seinem Brustkasten zusammen.

Seine Rippen sind weich wie Butter. Der Brustkorb bietet keinen richtigen Schutz mehr. Er ist schlaff wie ein Pappkarton.

So hat Mike Warner noch nie gekämpft.

Neben seinem eigenen Krankenbett — und barfuß.

Dabei hat er sich stark gefühlt unter der warmen Decke und mit dem Revolver in der Hand. Die Hand gehorchte schon wieder. Sehr schnell sogar.

Aber der Körper? — Er ist nichts als ...

Den Kopfstoß hat er verdaut, wenn auch grüne Kreise vor den Augen tanzen. Aber jetzt hat der Bursche von einem Felsblock seine Arme um ihn geklammert.

Der wird natürlich auch nicht gern schießen. Der ist mit ganz anderen Absichten hergekommen. Der will ...

Mike denkt keinen Gedanken ganz zu Ende. Dazu ist keine Zeit. Er reißt das rechte Knie hoch, während durch seine rechte Schulter tausend spitze Nadeln fahren.

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Es ist, als ob ihn der Schuss noch einmal getroffen hätte. Dieselbe Kugel, an derselben Stelle.

Das reißt alles wieder auf, und es wird wieder bluten. Es wird ...

Er hat keine Luft mehr.

Jetzt wieder etwas ...

Die Klammer um den butterweichen Brustkorb löst sich. Er atmet so schnell er kann. Vielleicht das letzte Mal im Leben.

Die Ramme mit dem Knie hat ihm die Luft verschafft. Der Grizzly geht fünf Zoll nach hinten. Fünf Zoll nach hinten. Fünf Zoll — mehr nicht.

Aber er hat seine Arme gelöst.

Mike Warner reißt seine eigenen hoch. Er will sie hochreißen. Es wird nur eine lahme Bewegung daraus. Wie Blei klebt es an seinen Knochen. Eine Woche Krankenbett ...

Nie wieder krank sein, wenn ich hier jemals wieder herauskomme! Niemals wieder ...

Aber trotzdem sind seine Arme oben, als der andere wieder zupackt. Die Hände sind frei, wie die Klammer der haarigen Arme sich erneut um ihn schließt.

Er wartet nicht mehr, bis die grünen Ringe wiederkommen. Er stößt mit beiden Daumen vor. Die anderen acht Finger klammern sich hinter den Ohren des Mannes fest. Die Daumen finden die Augenbrauen und gleiten tiefer.

Er braucht die letzte Kraft.

Der fremde brüllt wie ein Stier, lässt los und dreht sich weg.

Mike Warner atmet durch. Ganz tief. Er kann nicht weitermachen. Er braucht eine Pause, die der andere ausnützt.

Aber der Schatten nimmt eine andere Richtung.

Warner sieht ihn am Fenster, das nur angelehnt ist. Der Mann ergreift die Flucht, schwingt sich hinaus aufs schräge Dach.

Mike ist plötzlich allein, taumelt vorwärts. Er denkt nicht daran, den heruntergefallenen Colt zu suchen. Er will nur sehen, wer es ist.

Der Mann hängt schon an der Regenrinne, hat die Füße dagegengestemmt und rollt sich herum, packt mit den Händen zu und schwingt den Körper herunter.

Mike sieht nur noch die Hände, dann nichts mehr.

Ein dumpfer Aufprall ...

Er will schreien, aber er tut es nicht. Wer schreit schon in solcher Lage, wenn man ein Revolvermann genannt wird?

Unter dem Dach wiehert ein Pferd. Ein Mann flucht ununterbrochen und hetzt das Tier, das in das Mondlicht springt. Pferd und Reiter sind nur ein Schatten. Rasende Hufe poltern über die Main Street.

Unten fliegen Türen auf.

Aus dem Blue Bird Saloon drängen vier Männer auf einmal.

„Hier ist gerade ein Verrückter gewesen, Hank. Knall ihn ab. Er stört die Ruhe im friedlichen Town, alter Junge. Hast du dein Eisen nicht dabei, du Schlafmütze? Wenn ich’s dem Boss sage ...“

Eine leichtfertige Faust unterbricht ihn.

Der Kerl fliegt lang auf die Straße und flucht dumpf in den Dreck unter seinem Gesicht.

Vor Harpers Inn stehen zwei Männer. Einer von ihnen ist Tom Applebee, der sofort zum oberen Stockwerk hinaufsieht.

„Yeah, das ist Mike Warner. Hallo Kid, du wirst dich erkälten! Bist du wahnsinnig geworden? — Was tust du nach Mitternacht am Fenster?“

Und schon rennt der Alte zurück ins Haus zur Treppe.

Warner weiß nicht, was er antwortet. Als Tom bei ihm ist, liegt er im Bett und zittert vor Kälte.

„He, Greenhorn, hast du geträumt oder ist der Geist eines Medizinmanns in dich gefahren? Ich wette, dass ich deinen Kopf eben im Fenster gesehen habe.“

„Hast du verloren oder gewonnen?“

„Wenn ich eine Ahnung hätte, wovon du sprichst.“

„Ihr habt doch gepokert, oder?“

„Da ist noch nicht viel bei herausgekommen. Möchte wissen, warum du dich jetzt fürs Pokern interessierst. Weshalb warst du am Fenster?“

„Ich brauchte frische Luft.“

„Das kannst du einem erzählen, der am Schwanz das Pferd besteigt. Einer ist weggeritten wie der Teufel, und ein paar Kerle von Wolfes Crew haben sich vor dem Saloon geschlagen.“

„Das hat nichts miteinander zu tun.“

„So, du hast es also gesehen ... Yeah! Was ist denn das?“

Tom ist mit dem Fuß an etwas Hartes gestoßen. Er hebt es auf. Es ist Mike Warners Revolver.

„By Gosh, Kid! Langsam zweifle ich selber dran, dass du ein Revolvermann bist. Du verlierst sogar dein Eisen im Bett.“

„Gib’s her!“, sagt Mike schnell und greift danach.

„Wie du willst. — Was war also los? Du hast doch wohl keine Zielübungen auf harmlose Reiter gemacht?“

„Warum nicht? Ich bin noch ziemlich schlapp auf den Beinen, und in den Armen noch viel mehr. Da, habe ich den ersten besten Mann anvisiert, der vorüberkam. Und der hat es gesehen. Da hat er seinem Gaul die Sporen gegeben.“

„Ich würd’s dir ja gern glauben, aber es klingt doch verteufelt unwahrscheinlich. Die anderen wissen, dass du im Fenster gelegen hast ...“

„Und was ist dabei? Du tust ja gerade so, als ob etwas ganz Aufregendes passiert wäre.“

„Wenn du im Fenster liegst, und ein anderer die Flucht ergreift, so kommst du garantiert wieder ins Gerede. Muss ich dir erst erzählen, dass man dir in Kit Carson nicht grün ist?“

Plötzlich grinst Mike Warner. Ihn reitet der Teufel.

Seit er gemerkt hat, dass er noch drei Tage Training braucht, um wieder fit zu sein, hat ihn seine Lage richtig gewurmt.

Jetzt wird er sie ärgern.

„Wenn du die Wahrheit erfährst, alter Gauner, kommt nicht viel Gutes dabei heraus“, sagt er.

Tom Applebee schnauft.

„Ich habe wohl verdient, die Wahrheit zu hören. Rede schon!“ '

„Wem hast du eigentlich erzählt, dass ich wieder aufstehen will?“

„Dem Wirt natürlich.“

„Und sonst?“

„Keinem.“

„Ich hatte aber Besuch. Vor fünf Minuten ist hier jemand eingedrungen!“

„Was du nicht sagst!“

„Du kannst gehen, wenn du mir nicht glaubst.“

„Ich werde mich hüten. Wer war es?“ Mike erzählt sein Erlebnis wahrheitsgetreu. Genau, wie es sich ereignet hat.

„Dann ...“, stöhnt der Alte. „Wer war es?“

„Ich müsste lügen, wenn ich jetzt einen Namen nenne.“

„Himmel! Du musst doch eine Idee haben. Ich kann deine Barthaare bei diesem Mondlicht einzeln erkennen. Und du willst mir erzählen ...“

„Ein Verdacht ist kein Beweis.“

„Yeah, immerhin hast du einen Verdacht. Wer war es, Kid?“

„Ich tippe auf — aber nein, das wäre nicht anständig von mir. Wahrscheinlich war es einer, den ich überhaupt nicht kenne. Ich kann mir denken, wer es gewesen ist. Irgendeiner von deinen Pokerbrüdern. Überlege mal scharf, wer euern Tisch vorhin verlassen hat.“

„Keiner.“

„Aber ich wette, du hast geredet. Du oder Harper. Und dann hat dieser Kerl sich gedacht, wenn Warner erst das Bett verlässt, haben wir wieder den Killer in Kit Carson auf der Main Street. Ich werde ihn vorher erledigen. Und dann ist der Bursche die Treppe ’raufgekommen.“

„Schon möglich, aber ich habe keine Ahnung, mein Junge. Sag mir jetzt, wen du in Verdacht hast!“

„Wenn ich mich irre, ist der Teufel los ...“

„Ich behalte es für mich. Mein Wort dürfte dir genügen.“

„Wenn du meinst. — Es war — well, ich denke, es war Glenn Doolin.“

Tom Applebees Kinnlade klappt nach unten.

Glenn Doolin ...

Das kann doch nicht sein.

Wenn es Doolin war, wird es morgen im Town einen Toten geben. Keinen, den Doc Crockett ins Jenseits gepflegt hat, sondern einen Toten mit einer Kugel im Kopf.

Aus einem Colt, der entweder Doolin oder Mike Warner gehört.

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Wissen Sie, was das ist, Mr. Warner?“, fragt Caroline. Damit meint sie den kleinen Derringer in ihrer Hand.

„Setzen Sie sich, Caroline!“

„Für Sie noch immer Miss Wolfe, verstehen Sie?“

„Setzen Sie sich, Miss Wolfe! Nett, dass Sie nach mir sehen.“

Sie steht glühend vor ihm. Den Stuhl sieht sie nicht von der Seite an. Nur Mike, und der findet es wunderbar.

„Ich könnte Sie erschießen, Mr. Warner. Und keiner würde mir ein Haar krümmen. Keiner würde daran zweifeln, dass es Notwehr war.“

„Gewiss, Miss Wolfe. Keiner würde Ihnen ein Haar krümmen. Aber Sie sind nicht hergekommen, um mich zu erschießen. Selbst wenn es um Glenn ginge, denn er würde es Ihnen nie verzeihen, dass Sie ihm die Arbeit abgenommen haben.“

Sie macht ganz kleine Augen. Sie will wütend aussehen. Mike Warner unterschätzt das nicht.

Der Name Doolin hat sie hergebracht. Auch wenn er sich wünscht, dass es einen anderen Grund hat. Und wenn der Grund wirklich ein anderer ist, dann weiß sie es selbst noch nicht.

Yeah, so wird es sein. So oder so ähnlich. So wird es sein ...

„Glenn Doolin war in der letzten Nacht nicht bei Ihnen, Warner. Haben Sie das verstanden?“

„Schön möglich. Wer behauptet das?“ Kann der Zorn eine Frau noch schöner machen? — By Gosh, er kann es! Er wird ganz verrückt, als er sie ansieht. Er ist drauf und dran, ihr alles zu sagen. Dann hört er wieder ihre Stimme.

„Sie behaupten das! Keine Sorge, ich verlange nicht, dass Sie alles zurücknehmen. Schon möglich, dass jemand zu Ihnen heraufgeschlichen ist, um Sie auf gemeine Art umzubringen.“

„Aber Glenn Doolin war es nicht, wollen Sie sagen?“

„Genau das.“

„Well, damit wäre die Sache also klargestellt. Ich hatte nur einen ganz leisen Verdacht, aber ich habe nie behauptet, dass er es wirklich war. Wenn Sie sein Zeuge sind, ist die Sache klar. Wenn er die ganze Nacht mit Ihnen ...“

„Ich töte Sie, Mr. Warner, wenn Sie es aussprechen!“

Ihre Stimme überschlägt sich. Sie schafft es nicht, diese Beleidigung hinzunehmen. Der Derringer in ihrer Hand zittert gefährlich.

Aber Mike bewegt sich nicht.

Er schließt die Augen und zählt.

Bei ,drei’ lebt er noch.

Dann sieht er sie an und dreht den Kopf dabei, der in einem weichen tiefen Kissen liegt.

„Sie wissen es also genau ...“

„Ich habe ihn gestern Abend noch verbunden, und ich habe seine Wunde gesehen. Er hätte den Verband abmachen können, natürlich. Aber er hätte sich niemals mit Ihnen schlagen können.“

„Er hat etwas gegen mich.“

„Die ganze Stadt hat etwas gegen Sie.“

„Natürlich, die ganze Stadt — ohne Ausnahme, wie?“

„Ich habe nicht jeden gefragt.“

„Aber sich selbst haben Sie gefragt.“

„Was hat das mit mir zu tun? Sie sind ein sonderbarer Mann, Warner.“

„Menschen wie wir sind immer sonderbar. Sie auch, Caroline.“

Der Derringer hängt schlaff in ihrer Hand. Ihr Blick flackert, und sie sieht nach dem Stuhl am Fußende des Bettes. Trotzdem nimmt sie ihn nicht. Sie bleibt stehen.

„Ich bin nicht sonderbarer als jeder andere in Kit Carson.“

„Das denken Sie. Ich sehe Sie anders.“

„Sehen Sie mich, wie Sie wollen. Aber sehen Sie mich nicht mehr lange. Reiten Sie weg, Warner!“

„Das geht nicht.“

„Sie haben es den Männern draußen versprochen, und die lügen nicht. Mein Bruder war dabei.“

„Ich weiß. Ich wollte auch reiten. Was kann mich schon an Kit Carson interessieren? Es ist genauso eine langweilige Stadt wie alle anderen in Colorado.“

„Aber plötzlich geht es nicht. Sie sind ein unberechenbarer Dickschädel, sonst nichts. Plötzlich müssen Sie bleiben.“

„Weil etwas Entscheidendes geschehen ist.“

„Das klingt sehr geheimnisvoll, Mr. Warner.“

„Unter Männern würde ich sagen, alles ist geheimnisvoll, wenn eine Frau im Spiel ist.“

„So, wenn eine Frau ...“

Jetzt spricht sie nicht weiter, weil ein Bruch in ihrer Stimme ist. Und weil Mike nichts mehr sagt, entsteht eine Pause.

Sie sieht zum Fenster hinaus. Begreift sie denn nicht, was längst zwischen ihnen klar ist?

„Machen Sie das Fenster bitte zu, wenn Sie gehen, Miss Wolfe!“

Er hört es am Geräusch, dass sie ihm gehorcht. Dann hört er die drei leichten Schritte, die sie bis zur Tür geht. Er spürt den Luftzug vom Flur her. „Caroline!“

Er dreht sich herum auf die andere Seite. Sie zögert.

„Wünschen Sie noch etwas, Mr. Warner?“

„Ja, ich glaube wohl. — Werden Sie mich wieder besuchen?“

„Wie kommen Sie denn darauf?“

„Es war schön, Sie zu sehen.“

„Danke, Sie sind fast ein richtiger Gentleman, Mr. Warner.“

„Sie wissen genau den Grund, weshalb ich in Kit Carson blieb. Sie machen mir nichts vor, Caroline.“

„So, meinen Sie?“

„Genau! — Und damit Sie endlich dieses Versteckspiel aufgeben, sage ich es klar und deutlich ...“

„Das brauchen Sie nicht. Auf Ihre Komplimente kann ich verzichten. Good bye, Mr. Warner!“

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Er kommt die Treppe herunter.

Es ist Nachmittag geworden, und er hat noch eine halbe Stunde lang den Arm geübt. Was soll es?

Er geht in den Gastraum. Er muss Leute sehen. Das Bett macht ihn nur noch kranker, laugt ihm die Knochen aus. Wie war es denn in der letzten Nacht?

Nur dieses verteufelte Bett hatte die Schuld, dass er nicht schnell genug war und den Burschen an der Regenrinne nicht erkannte.

In Harpers Inn sitzen sechs Männer. Der alte Fellmer Swarn darf nicht fehlen. Und von der Straße kommt gerade Tom Applebee herein. Die anderen kennt Mike nicht.

Tom stiefelt gleich auf ihn zu und ruft zu Harper hinüber.

„Ich hab’s Ihnen gesagt, dass er aufsteht. Bringen Sie uns jedem ein Steak, das den ganzen Teller zudeckt, Harper! Mein Pflegesohn braucht jetzt was in die Rippen.“

Er winkt Mike zu.

„Dies ist unser Platz, Kid! Setz dich, mein Junge.“

„Danke, Großvater!“, sagt Mike Warner. Der Alte grinst. Aber keiner von den anderen tut es. Dabei weiß Mike genau, dass man in jedem Inn an einem langweiligen Nachmittag gern über so was lacht.

Und Mike weiß auch, weshalb sie nicht lachen wollen.

Das Steak gehört wohl zu Toms Einladung. Dafür bestellt Mike einen großen Topf schwarzen Tee mit viel Zucker. Nach dem derben Essen darf es auch ein Whisky sein.

„Jetzt bist du also da“, sagt Applebee, nachdem sie schweigend gegessen haben. „Kannst dir wohl denken, worauf ich neugierig bin.“

„Keine Ahnung.“

„Wie geht es jetzt weiter?“

„Ich werde mir Arbeit suchen.“

„Deine Besucher haben dir andere Vorschläge gemacht. Und die sind nicht schlecht.“

„Hast du an der Tür gelauscht?“

„Nicht, als Caroline Wolfe bei dir war.“

„Das weißt du auch, hm?“

„Natürlich. Ich weiß auch, dass sie den langen Weg von der Ranch hergemacht hat. Vor ein paar Tagen hat sie mit ihrem Bruder im Blue Bird übernachtet, weil sie wohl mehr im Town zu erledigen hatten. Aber jetzt sind sie wieder zu Hause.“

„Wolfe kommt nicht in Frage. Der hat schon abgelehnt. Aber es gibt ja wohl noch mehr Rancher in der Gegend.“

„Du willst also arbeiten? Du willst tatsächlich arbeiten, und zwar hier bei uns?“

„Ich habe mich ja wohl deutlich genug ausgedrückt.“

„By Jove, das hast du! Aber warum willst du unbedingt so schnell sterben, Kid? Wetten, dass Doolin sich bei seinem Boss Urlaub genommen hat und von morgens bis abends in aller Einsamkeit seine angeschlagene Hand trainiert?“

„Daran hat er noch eine Weile zu üben — genau wie ich.“

„Dann gibt es noch einen, der auch von hinten auf dich schießt.“

„Nur bei Nacht, Alter ... Außerdem wirst du ihn ja bald haben.“

Tom Applebee rollt verlegen mit den Augen.

„Schlag dir das aus dem Kopf, Mike. Die Spur hat sich in der Hölle verloren, wenn es je eine gegeben hat. Und Sheriff Rowland hat andere Sorgen, als einem Geist nachzujagen, den man nicht fassen kann.“

„Was für Sorgen sind das, wenn in Kit Carson alles seine Ordnung hat?“

„Seit du da bist, ist das anders.“

„Danke, das war deutlich. Ich müsste dir noch nachträglich hier an Ort und Stelle den Hals umdrehen. Dir allein habe ich es zu verdanken, dass sie mich einen Gunman nennen.“

„Hier sind noch mal hundert Dollar. Du hast keine Schulden mehr bei mir.“ Tom Applebee schiebt ihm den Schein hin.

„So kannst du deine Schuld nicht abbezahlen, Alter. Mit dem Lappen kann ich mir keine Anerkennung kaufen.“ Sollte ich das denn für dich tun?“

„Lass nur. Das tu ich schon selber. Ich brauche nur einen Tipp. Du kennst die Leute hier.“

„Ein Rancher, wo du arbeiten kannst, wie?“

„Erfasst.“

„Den gibt’s hier nicht.“

„Hier gibt’s ’ne Menge, wette ich.“

„Aber nicht solche, die dir Arbeit verschaffen.“

„Ich brauche nur die Adresse. Das andere mache ich schon selbst.“

„Yeah, da hinten sitzt Larry Lingo. Sieh jetzt nicht hin. Er schielt gerade herüber.“

Mike Warner dreht sich trotzdem um und mustert den Burschen in der Richtung, die Toms Auge angedeutet hat.

Lingo hat ein Gesicht wie ein Toter und ungepflegte Haare. Er lässt sich nichts anmerken.

Mike dreht sich zurück.

„Der ist Rancher?“, fragt er misstrauisch.

„Nicht Lingo“, sagt Tom, „Lingo hockt hier und lässt sich volllaufen. Der arbeitet für Hump Craig. Und Craig habe ich vorhin in der Stadt gesehen.“

„Wo finde ich ihn?“

„Warte hier! Wenn Lingo am Whisky schnuppert, wird er ihn abholen, bevor er nach Hause reitet. In diesem Zustand vergisst Larry Gott und die Welt. Craig wird ihn holen müssen.“

„Sag mir Bescheid, wenn er kommt!“

„Er ist schon da.“

Tom Applebee hebt die Nase und streckt sie in die Richtung der Tür.

Der Mann, der die Schwingtür aufgestoßen hat, geht genau auf Larry Lingos Tisch zu. Er guckt sich nicht lange um. Lingo scheint eine Lieblingsecke zu haben.

„Hallo, Mr. Craig!“, sagt Mike Warner und steht auf. Craig geht dicht an ihm vorbei. Nur ein Stuhl steht zwischen ihnen. Aber der Rancher sieht nicht zur Seite und geht weiter.

Mike ist aufgestanden, um höflich zu sein. Jetzt kocht es in ihm. Aber so geht die Sache schief. Er wird weiter höflich bleiben müssen.

Hump Craig sieht aus wie einer, dem man bedenkenlos über den Weg trauen kann. Das soll wohl keine Beleidigung sein. Craig macht es wie jeder andere in Kit Carson, der den Gunman nicht reizen will. Er sieht ihn nicht.

Jetzt ist er bei Lingo am Tisch, der ihn aus glasigen Augen anschielt.

„Steh auf, Larry! Wir reiten nach Hause.“

„Noch nicht, Boss ...“

„Steh auf!“

„Der Schuft da will dich sprechen, Boss. Er hat dich von der Seite angequatscht. Und mich hat er beleidigt. Ich mache die Sache mit ihm klar. Und dann reiten wir.“

Larry Lingo stemmt sich an der Tischplatte hoch. Er hat so viel Whisky im Körper, dass er heute für keine Arbeit mehr taugt, und erst recht nicht, um mit Mike Warner etwas klarzumachen. Mikes Rechte könnte in einer Armbinde hängen, er wäre diesem Trunkenbold immer noch überlegen.

Lingo taumelt auf ihn zu. Etwas zu schnell, als dass Craig ihn noch halten könnte. Mike macht nur einen schnellen Schritt zur Seite und zieht den leeren Stuhl mit. Larry Lingo kracht schwer auf die Sitzfläche. Ein Wunder, dass der Stuhl es aushält.

Wie er hilflos dahängt, packt Warner ihn am Kragen. Er nimmt die linke gesunde Hand dazu und zerrt das Gewicht des Betrunkenen hoch.

Lingo fuchtelt mit den Armen, als wären sie die Flügel eines Windrads. Mike packt eine Hand und reißt sie nach hinten auf Lingos Rücken. Gleichzeitig stößt er ihn nach vorn und baut ihn vor Hump Craig auf.

„Bedienen Sie sich, Mr. Craig!“

Ehe der Rancher zufassen kann, hat Lingo sich mit der Gewalt eines angeschossenen Stieres losgerissen.

Seine Hand stößt nach unten, aber Mikes Faust ist schneller — die gesunde. Der linke Haken schnellt von unten herauf und findet Lingos Kinn. Der taumelt nach hinten, als seine Hand noch weit vom Kolben entfernt ist.

Ein Tisch fängt ihn ab und kippt langsam mit ihm um.

Dann ist Craig dazwischen.

„Schon gut, Warner! Sie brauchen sich nicht mehr um ihn zu kümmern. Das ist jetzt meine Sache. — Komm hoch, Larry, und pack dich! Den Rest besprechen wir zu Hause.“

Mit einem blitzschnellen Griff hat Craig seinem Mann den Revolver aus dem Gürtel geholt. Der Anblick seiner eigenen Coltmündung macht ihn nüchtern.

„He, Boss, der Spaß geht aber zu weit.

„Hinaus, auf der Stelle! Oder du kannst gleich hierbleiben. Den restlichen Lohn bekommst du, wenn du wieder nüchtern bist.“

So hat Larry Lingo nicht kalkuliert. Er kommt endlich zur Vernunft. Gehorsam trottet er auf die Tür zu.

„Ich würde Sie gern sprechen“, sagt Mike Warner. „Eine Minute werden Sie Zeit haben, Mr. Craig.“

„Eine halbe vielleicht. Aber ich wüsste nicht, was wir miteinander zu besprechen hätten.“

Auf die Augen will Mike sich nicht mehr verlassen. Da hat er sich schon bei Caroline Wolfe getäuscht. Die Menschen in Kit Carson sehen ihn an wie ein treues Pferd, aber sie wollen nichts mit ihm zu tun haben.

Auch dieser Hump Craig nicht, dem man beim ersten Anblick glaubt, dass er aufrichtig bis auf die Knochen ist.

„Ich suche Arbeit, Rancher. Ich verstehe was davon.“

„Vielen Dank, Mr. Warner, ich brauche keinen neuen Mann.“

„Jetzt hör mal zu, Hump!“, scharrt Tom Applebee Und schiebt sich zwischen die beiden. „Außer Phil Maddock hast du nur diesen versoffenen Lingo in deiner Crew. Du brauchst also garantiert jemanden, den du nicht dreimal in der Woche aus dem Saloon holen musst. Für Mike Warner lege ich meine Hand ins Feuer.“

„Daran liegt es nicht. Ich brauche keinen. Tut mir leid, Mr. Warner. Versuchen Sie’s woanders. Für Lingos Benehmen bitte ich um Entschuldigung.“

Damit dreht er sich um und folgt seinem betrunkenen Weidereiter.

Mike fühlt sich elender als die ganze letzte Woche im Bett. Er bestellt einen Whisky und trinkt ihn nur halb aus.

„Komm mit, Tom! Zeig mir, wo die Pferde stehen!“

Tom Applebee ist gehorsam wie ein Hund. Er holt die Pferde aus dem Stall und bringt sie zum Eingang des Hofes. Mike steigt in den Sattel und reitet los. Er schlägt gleich einen scharfen Trab ein, nimmt den nächsten Weg zum Flussufer und reitet aufwärts.

Er scheint ein ganz bestimmtes Ziel zu haben. Der Alte ist neugierig geworden.

„Vielleicht bringst du jetzt endlich mal deine Zähne auseinander und sagst, was du vorhast, verdammter Junge. Das ist der Weg zu meiner Hütte.“

„Deine Hütte gibt es nicht mehr.“

„Eben drum bin ich neugierig.“

„Das bin ich auch.“

By Gosh, denkt der Alte, der Bursche hat ja immer noch Fieber. Aber aus dem rätselhaften Gunman holt er kein Wort mehr heraus.

Bis sie den Canyon erreichen.

Warner scheint sich für das verlassene Tal zu interessieren. Sie steigen aus dem Sattel und gehen herum.

Da liegt der Haufen Asche, der einmal die Hütte gewesen ist. Wo die Toten gelegen haben, ist der Platz leer. Auch Mikes Pferd ist verschwunden. Der Sheriff hat aufgeräumt, ehe die Geier ihr Mahl beenden konnten.

Mike geht zu den Pferden zurück und setzt sich auf einen Stein. Er reißt einen der wenigen Grashalme aus dem Boden und dreht ihn zwischen den Fingern.

Tom Applebee stellt sich breit und krummbeinig vor ihn hin.

„Langsam wirst du mir unheimlich, Kid. Vielleicht bist du ja im Kopf nicht ganz richtig. Und solange du einen Revolver trägst, ist das natürlich doppelt schlimm.“

„Keine Angst, Alter! Ich tu’ dir nichts.“

„Bis jetzt stimmt das. Aber für einen normalen Oldtimer ist es kein leichtes Brot, mit einer Gestalt von deiner Sorte durchs County zu reiten und kein Wort zu reden.“

„Du redest die ganze Zeit.“

„Und du gibst mir Rätsel auf. Was willst du hier? Das ist doch ein verrückter Spleen.“

„Ich brauche ein paar Minuten Einsamkeit.“

„Dazu hättest du mich nicht mitzunehmen brauchen.“

„Du kennst den Weg.“

„Ich bin nicht sicher. Ich kenne viele Wege, aber wo du reiten willst, da kann einem der Spaß vergehen.“

„Wir werden Hump Craig besuchen.“

„Das hast du dir gedacht!“

„Wir werden Hump Craig besuchen“, sagt Mike Warner noch einmal, und es klingt nicht lauter als vorher. Applebee starrt ihn an, durch ganz kleine Schlitzaugen. Dann wird sein Körper weich, als ob keine Knochen mehr darin wären.

„Well, ich kenne den Weg. Wenn du dir was davon versprichst.“

„Ich will arbeiten. Das verspreche ich mir davon.“

„Du verstehst wohl kein Englisch, wie? Hast du nicht gehört, was Craig auf dein Angebot geantwortet hat?“

„Das liegt daran, dass ich falsch gefragt habe. In Kit Carson gibt mir keiner die Antwort, die ich haben will. Ihr Kerle habt alle Angst voreinander.“

„Aber wenn du allein vor ihn hintrittst, wird er die Antwort geben, die du brauchst, was? Du meine Güte, Mike Warner, du bist doch ein Gunman. Ich habe es von Anfang an gewusst. Du bist ein Revolvermann, ein Killer. Lass nur! Natürlich hatte auch ich Angst vor dir. Aber das ist jetzt vorbei. Meine Tage sind so oder so gezählt, und ich habe nun mal nicht vor, im Bett zu sterben.“

„Du vergisst dein dickes Bankkonto. Jahrelang hast du auf deinem Gold gehockt und den Spott der Leute ertragen, weil sie dich für einen armen Teufel und Aufschneider hielten ...“

„Diplomatie nennt man so was.“

„Schon gut, du Diplomat. Aber wer auf seinem Vermögen hockt, ist nun mal ein Geizkragen. Und Geizkragen lieben ihr Leben mehr als alles andere. Du hast Angst vor dem Tod, Tom Applebee.“

„Das soll dich jetzt nicht kümmern. Steig auf! Ich zeige dir den Weg.“

„Und du wirst mitkommen.“

„Was hast du sonst gedacht? — Ich will sehen, ob dir jetzt die richtige Frage einfällt. Ich bin verteufelt neugierig drauf, Kid, ob du so gescheit bist, wie du immer tust. Wenn du vorher wetten willst — ich sage, Craig schickt dich in den Pfeffer.“

„Craig hat schon ja gesagt. Ihr anderen habt es bloß noch nicht gemerkt.“ Tom Applebee weiß nicht, was Mike meint, dass er denkt, die richtige Antwort in Craigs Augen gelesen zu haben. Er nimmt seine krummen Beine zusammen und stiefelt auf sein Pferd zu.

Sie reiten zurück zum Creek, ein Stück flussabwärts durch die Furt und dann nach Westen, wo die Sonne tief am Himmel steht.

Er ist ein Revolvermann, denkt Tom. Merkwürdig, dass mir das heute nichts mehr ausmacht ...

Verteufelt merkwürdig!

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Es wird bald Nacht werden.“

„Das macht nichts, ich kenne den Weg.“

Kurz darauf erreichen sie eine Straße. Tom sagt, dass sie direkt zu Hump Craigs Ranch führt. Und er wäre jetzt wirklich neugierig.

Der scharfe Galopp bringt sie schnell vorwärts.

Auf der platten Ebene stehen hier und da ein paar Buschwälder. Durch einen von ihnen führt die Straße. Die Sonne blendet nicht mehr so, als sie in den Schatten der Bäume reiten.

Aber der Wald ist nicht groß.

Sie sind schnell hindurch. Ehe sie herauskommen, stemmt Warners Schwarzer die Beine in die Erde und steht.

Mike sieht es.

Das Bündel am Straßenrand. In der Nähe wiehert ein Pferd.

Mike fliegt aus dem Sattel und rennt hin. Tom Applebee ist hinter ihm.

„Da hast du’s! Das Unglück nimmt kein Ende mehr. Alles im County ist verhext.“

Hump Craig liegt auf dem Rücken. Mike beugt sich zu ihm.

„Er lebt noch.“

Yeah! — Sie sehen keine Wunde. Hump Craig liegt nur da und ist vollkommen fertig. Er sieht die beiden Männer nicht einmal.

Tom schüttelt ihn. Da reißt er die Brust hoch, dass sein Kopf schlaff nach hinten fällt. Er stöhnt und erbricht sich. Und er hat Blut im Speichel.

Mike stößt den Alten vor die Brust, dass er rückwärts in den Sand rollt.

„Hast du keine Augen im Kopf, alter Trottel?“

Vorsichtig nimmt er beide Schultern des Rancher und legt ihn langsam zurück. Dann ist auch Blut an seiner linken Hand, Blut von der Schulter.

By Gosh, er hat Blei in der linken Schulter. Genau da, wo auch Warners Wunde sitzt. Das kann fein Zufall sein, aber ...

„Ich bringe dich um, Applebee, wenn du jetzt nicht parierst. Komm her und halte ihn fest! Aber komm nicht auf die Idee, ihn ganz aufzurichten. Das wird ihn töten.“

Verstört kommt der Alte hoch und gehorcht. Mike sieht nach dem Pferd und holt es.

„Wie weit ist es noch bis zur Ranch?“, fragt er.

„Ungefähr eine Meile. Das Land da von gehört schon Craig.“

„Well, halt den Gaul fest!“

Mike nimmt den Besinnungslosen und hält ihn quer vor dem Körper. Am Sattel schiebt er ihn hoch und legt ihn darüber. Im Schritt reiten sie zur Ranch.

Das Haus ist verlassen. Aber ihr Lärm lockt Phil Maddock an, der nicht weit entfernt an einem Corralzaun arbeitet. Er hat eine harte Frage auf den Lippen, als er Mike und den Alten sieht. Er schluckt sie herunter, als er auch seinen Boss erkennt.

„Was bedeutet das, Gents? Was ist mit Craig geschehen?“

„Fassen Sie zu, Maddock! Wo ist sein Bett? Er muss sofort flach liegen.“

Sie bringen Craig ins Haus und legen ihn hin. Maddock bringt warmes Wasser und wischt ihm den Mund und das Hemd ab.

„Wir müssen ihn auf den Bauch drehen“, redet Mike Warner weiter. „Fass zu, Alter! — Well.“

Dann legt er dem Rancher den Kopf zur Seite, damit er atmen kann, und schlitzt ihm das Hemd mit dem Messer auf.

„Ein Schuss von hinten ... By Jove, der Rückenschütze!“, stöhnt Tom Applebee. „Das war Larry Lingo, wette ich.“

„Es kommt nicht darauf an, wer es war. Wir müssen Craig durchbringen. Wenn er Blut in der Lunge hat ...“

Den Rest können sich die anderen selbst zusammenreimen.

Mike untersucht ihn.

„Der Schuss sitzt reichlich hoch, höher als die Lungen. Trotzdem ...“

Er öffnet Craigs Mund. Das Zahnfleisch blutet. Es könnte davon kommen.

Aber ein Arzt muss her.

„Tom, du wirst zu Doc Crockett reiten. Er soll sofort ...“

Der Verwundete stöhnt und bewegt sich.

„Boss!“, ruft Phil Maddock. „He, Boss! Reden Sie!“

„Sie glauben wohl an Wunder, Maddock, wie?“

Der Weidereiter sieht Mike verwirrt an.

„Sie heißen Warner, stimmt’s? Sie sind der Mann aus dem ...“

„Der bin ich, Maddock. Und jetzt zerbrechen Sie sich nicht Ihren kleinen Kopf! Craig wird sterben, wenn Sie jetzt nicht alles richtig machen.“

„Ich kann nur den Arzt holen. Das sieht gefährlich aus. Ehe ich was falsch mache, hole ich Crockett lieber selber.“

„Sie bleiben hier! Der alte Tom kann reiten. Sie wissen hier Bescheid. Und ich werde Sie brauchen. Los, verschwinde endlich, Alter!“

Applebee quetscht sich durch die Tür nach draußen. Man hört Hufschlag, als Hump Craig die Augen aufschlägt. „Warner ...“

Er hat ihn erkannt. Das ist schon etwas.

„Bleiben Sie ruhig liegen, Craig. Mein Freund holt Doc Crockett. Der wird Sie wieder zusammenflicken.“

„Ihr Freund?“

„Ich meine Applebee, wenn Sie das besser verstehen. Bewegen Sie sich nicht! Haben Sie Schmerzen?“

Craig blickt an ihm vorbei unter die Decke.

„Ich hätte ihn längst zum Teufel schicken sollen. Längst hätte ich das ... Er säuft den Whisky wie Wasser, und dann ist er kein Mensch mehr. — Ja, mein Kopf, dann ... Er hat mich ...“

„Sie meinen Lingo, wie?“

„Genau den. Ich sag’s Ihnen, Warner, er hat geflucht und gestöhnt, als wir nach Hause ritten. Er hat was gegen Sie.“

„Die ganze Stadt hat was gegen mich. Aber das ist jetzt Nebensache.“

„Er sucht Sie, Warner. Er rennt in sein Unglück. Aber vielleicht erwischt er Sie zuerst. Gehen Sie nicht nach Kit Carson, bleiben Sie hier!“

„Warum hat er das getan?“, fragt Maddock im Hintergrund. „Mein Gott, Boss, Sie sind nicht der — nicht Mr. Warner.“

„Damit Sie uns nicht mit Fragen den Nerv töten, will ich es Ihnen sagen“, erklärt Mike. „Natürlich hat er es auf mich abgesehen. Aber Craig stand dem im Wege. Und Lingo hat sich in den Kopf gesetzt, dass es heute noch passieren muss. Er denkt, ich bin in Kit Carson. Er hat seinen Boss umgelegt, damit es heute noch geschehen kann. — In jeder Stadt gibt es so ein paar verrückte Dummköpfe. Die riechen Blut, wenn man von einem Neuen sagt, dass er ein Gunman sei. Manchmal stimmt es nicht, und dann reizen sie einen harmlosen Mann, bis der unvorsichtig wird und eine Kugel kassiert. Dann gibt es einen Helden mehr im Town.“

„Aber manchmal stimmt es, wie, Mr. Warner?“

„Mag sein. Nicht jeder ist ein Killer, der schnell mit dem Colt umgehen kann. Es gibt auch ganz lahme Feiglinge, die die Bezeichnung eher verdienen. Die legen sich irgendwo in den Hinterhalt und begehen kaltblütig einen Mord. Entweder schießen sie des Nachts oder weit draußen auf der Weide, wo es keine Zeugen gibt. Aber Larry Lingo wird nicht davonkommen.“

„Mich fragt wohl keiner mehr, wie?“, will Craig wissen.

Mike dreht sich wieder zu ihm um. „Sie werden warten, bis der Arzt kommt. Versuchen Sie zu schlafen. Das ist das Beste, was Sie tun können.“

„Schlafen werde ich noch sehr lange. Aber vorher muss noch einiges in Ordnung gebracht werden. — Sie haben mich heute im Town etwas gefragt, Warner. Und ich habe Sie angelogen.“ „Die Frage war nicht so gestellt, dass Sie lügen könnten, Craig. Sie beschäftigen sich zu viel mit unwichtigen Dingen.“

„Fahren Sie mir nicht dauernd übers Maul! Ich bin hier der Boss. Und Sie wollen bei mir arbeiten.“

„So ist es.“

„Ich hab’s mir anders überlegt. Sie können hier anfangen. Am besten sofort, wenn — Sie noch wollen.“

„Ich will, Boss. Und ich werde mich nach Ihren Befehlen richten, sobald Sie wieder gesund sind.“

„Das könnte Ihnen so passen! Ich bin der Boss, auch wenn ich im Bett liege ... Reiten Sie nach Kit Carson! Lassen Sie den alten Tom nicht allein. Und sagen Sie dem Sheriff, dass ich Sie eingestellt habe. Phil wird es bezeugen.“

„Das mag schon sein. Nur — unter diesen Umständen werde ich nicht lange bleiben. Sie spielen mit Ihrem Leben. Sie dürfen sich nicht bewegen.“

„Ich bin der Boss.“

Hump Craig schreit es aus seinem Kissen. Er reißt den Kopf hoch und starrt die beiden Männer verbissen an. Dann schluckt er. Seine Augen werden leer. Er fällt zurück.

Phil Maddock macht einen Schritt nach vorn und hält wieder ein. Langsam dreht er sich um.

„Er ist tot, Warner. Und Sie haben ihn auf dem Gewissen. Sie sind ein ...“ Seine Hand fliegt nach unten. Es sieht nur so aus, dass sie fliegt. Er ist aufgeregt und konzentriert sich gar nicht. Er denkt zu viel auf einmal. Er greift sogar daneben.

Aber dann hat er das Eisen hoch, und der Hammer schnappt hörbar in die Spannung.

„Sie werden jetzt sterben, Warner!“ Mike rührt sich nicht. Auch nicht vor dem schwarzen Loch in der kreisrunden Mündung.

Maddocks Hand fällt nach unten. „Warum ziehen Sie nicht, Killer? Sind Sie plötzlich feige geworden, oder waren Sie es immer?“

„Ich will Sie nicht töten, Phil. Das wird’s wohl sein. Und Sie sind auch keiner von denen, die auf einen abdrücken, der nicht mitmacht.“

„By Gosh! Der Killer ist ein Feigling!“

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Nat Rowland steigt aus dem Sattel und schwingt die Leine um den Hitchtrail. Es ist nicht mal ein Knoten drin. Der Fuchs läuft so und so nicht weg. Er braucht bloß den Pfahl vor der Nase.

Und Rowlands Gedanken sind ganz woanders.

Knife-Charley sieht er erst im letzten Augenblick, als er das Office betreten will. Der kleine krummbucklige Gauner stößt sich aus dem Schatten der Veranda und blinzelt in die tief stehende Sonne. Und er grinst.

Man muss nicht empfindlich sein, seine heisere Stimme wirkt auf jeden wie eine Beleidigung.

„Wenn Sie’n paar Dollars springen lassen, Sheriff, bin ich Ihr Mann heute.“ Dabei hält er schon die Hand wie einen Teller hin.

Rowland möchte hineinspucken, aber dann schlägt er den Arm nur zur Seite, der ihm den Weg versperrt.

„Das ist nicht schön von Ihnen, Sheriff“, meckert Knife-Charley demütig. „Ich kenne Ihre Sorgen. In Ihrer Haut möchte ich jetzt nicht stecken. Sie wollen ja wieder gewählt werden, denke ich.“

„Was willst du, alter Gauner?“

„Ein paar Dollars. Für die heißeste Zeit nur. Ich riskiere ja auch was dabei.“

„Ich weiß nicht, wovon du redest.“

„Sie brauchen mir keinen Stern zu geben. Ich mach’s ohne Eid und den ganzen Firlefanz. Wenn’s vorbei ist, will ich ein freier Mann sein.“

„Vielleicht sagst du endlich, was du willst! Ich habe wenig Zeit.“

„Du hast eine heiße Nacht vor dir, Sheriff“, fährt Charley fort und zwinkert wieder. Diesmal sieht er nicht in die Sonne. Er zwinkert, wie es seine Art ist. „Eine heiße Nacht, by Gosh! — Sie schleichen im Town herum, bis sie sich gefunden haben. Und dann wird’s heiß.“

„Sieh mal an!“

Die Ironie überhört der Tagedieb. Sein Kopf glüht. Er sieht aus wie einer, der sich tatsächlich Sorgen um den Frieden der Stadt macht. Aber Rowland weiß, dass Knife-Charley sich immer nur wichtig machen will. Was anderes hat nie bei ihm dahinter gesteckt. Wenn er einen Trottel findet, macht er ihn wohl auch fertig. Beim Whisky, beim Pokern und beim Messerwerfen ... Sonst?

Dem Sheriff und dem Friedensrichter ist er bis heute aus dem Weg gegangen.

Seine plötzliche Zutraulichkeit wirkt verdächtig. Vielleicht ist es aber nur das Fieber, das auch alle anderen in Kit Carson gepackt hat.

„Glenn Doolin ist im Town“, sagt der Krummrücken lauernd. „Der geht nicht eher, bis die Sache aus der Welt ist.“

„Geh schlafen, Charley! Einen besseren Rat kann ich dir nicht geben. Wenn ich einen von euch erwische, dass er Dummheiten macht, wird’s für euch heiß!“

„Die Lehre brauche ich nicht, Sheriff. Die Dummheiten werden andere machen. Doolin sagt, er war es nicht, der bei Harper an der Dachrinne gehangen hat. Und für diese Beleidigung wird er den Gunman aus den Stiefeln schießen. Sagt er wenigstens. Nur — der andere ist ein Killer, wie ihr wisst. Vielleicht findet Doolin einen Trick, aber einer von beiden lebt nicht mehr lange. Das wisst ihr genau wie ich.“

„Darum brauche ich deine Ratschläge trotzdem nicht. Verschwinde!“

„Aber ihr wisst nicht, was in Larrys Kopf vorgeht.“

„Welcher Larry?“

„Larry Lingo, Sheriff. Lingo hat sich heute im Inn volllaufen lassen. Das wisst ihr nicht. Craig hat ihn wie üblich abschleppen müssen. Das wäre nicht schlimm, nur ist diesmal der Revolvermann mit von der Partie gewesen, und der hat Larry wie einen Haufen Dreck behandelt. Larry steckt voll Gift bis oben hin ... Jetzt wird’s kompliziert, wie, Sheriff?“

„Wo ist Lingo jetzt?“

„Er versteckt sich.“

„Mehr weißt du auch nicht, was?“

„Ich weiß ja, dass er zurückgekommen ist. Deshalb rede ich die ganze Zeit mit Ihnen. Es gibt nicht nur einen, der mit dem Revolvermann eine Rechnung glattmachen will. Deshalb mein Angebot. Ihr werdet ein paar Augen mehr brauchen als sonst. Eben, weil ihr alles nach Recht und Gesetz macht. Der Gunman wird sich keine Blöße geben. Ihr müsst schon genau hinsehen, wenn ihr ihn überführen wollt.“

Nat Rowland überlegt. Oder er tut wenigstens so.

„Komm rein!“, sagt er dann, stößt die Tür auf und geht an seinen Schreibtisch. Aus einer Schublade holt er die Kasse, schließt sie auf und gibt Knife-Charley drei Silberdollar. Der Gauner strahlt über das ganze Gesicht.

„Dafür bin ich für eine Woche Ihr Partner, Sheriff.“

„Schon gut! Verschwinde jetzt! Halte die Augen offen, und wenn du was Verdächtiges bemerkst, kommst du her und machst mir eine Meldung. Sonst nichts, verstanden? Du passt auf und sagst es mir, wenn du was Verdächtiges bemerkst. Mach nichts auf eigene Faust.“

„Ich werde mich hüten!“ Knife-Charley verschwindet. Fünf Minuten später ist der erste Dollar unter die Leute gebracht.

Im Blue Bird Saloon.

Sheriff Rowland schließt alle Fächer in seinem Office zu und dann die Tür.

Über Kit Carson ist es Nacht geworden, als er auf die Main Street tritt. Die Sonne hat sich hinter dem Horizont versteckt. Die Luft ist noch schwül.

Er windet die Leine von der Haltestange und führt den Fuchswallach nach hinten in den Stall, wo Stroh und Hafer bereitgestellt sind.

Er geht wieder nach vorn durch die schmale Gasse zwischen dem Jail und der Apotheke.

Auf der Main Street wartet ein langer Schatten auf ihn.

Fat Wagoner.

Er erkennt ihn an den unförmigen Hüften, die ihn plump wirken lassen. „Hallo, Sheriff!“

Wagoner grüßt ihn genauso aufreizend wie Knife-Charley und steht stur da wie ein Felsblock.

„Hallo, Fat!“

„Es wird eine heiße Nacht werden, Sheriff.“

„Ich breche dir das Genick, wenn du nicht sofort verschwindest, du Satan!“

„He, Sie sind aber gereizt. Behalten Sie einen klaren Kopf heute Nacht, Sheriff. Doolin hat noch was vor.“

„Wenn du meinst, mit Warner, dann kannst du ganz beruhigt sein. Warner ist weggeritten. Sag’s den anderen!“

„Und er wird wiederkommen. Doolin sitzt im Blue Bird Saloon.“

„Und lässt sich volllaufen, wie?“

„Genau! Aber nicht mit Whisky. Der will einen klaren Kopf behalten.“

„Sag bloß, er trinkt Wein.“

„Nicht mal das, Sheriff. Er hat sich was heiß machen lassen, schwarzen Tee. Und er hat auch keinen Verband mehr an der Hand. Tim Shoowy hat ihn gefragt, warum er den Revolver so tief hängen habe. Da hat Glenn ihn nur angestarrt, und Tim ist nach Hause gegangen. Seitdem reden sie nur davon, dass die sehnigen Hereforder viel besser sind als alle Longhornherden im ganzen County. Die Longhorns fressen uns noch die Haare vom Kopf, ehe sie vernünftige Dollars bringen. Aber ich sage Ihnen, Sheriff, dass Glenn Doolin was ganz anderes im Kopf hat.“

„Schon gut, Fat. Du bist ein alter Nichtsnutz. Und wenn du in Lemmons Drugstore noch mal lange Finger machst, ist meine Geduld am Ende.“

„Ich weiß gar nicht, wovon Sie reden, Sheriff.“

Trotzdem wartet er nicht ab, was Nat Rowland sonst noch zu sagen hat. Er dreht sich um und verschwindet in einer Nebenstraße. Der Sheriff ist allein.

Glenn Doolin hat keinen Verband mehr an der Hand. Und er trinkt heißen schwarzen Tee ...

Tee hat er noch nie getrunken. By Gosh.

Und auch den Gürtel hat er noch nie tiefer geschnallt!

Glenn Doolin ist in der Stadt!

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Phil Maddock ist rot bis hinter die Ohren.

Mike Warner steht wie ein toter Klotz vor ihm.

Aber nicht Mike Warner ist tot. Tot ist der Rancher Hump Craig.

Maddock zittert. Seine Hände hängen neben den Hüften und pendeln hin und her. Er schwitzt Angst — feuchte, heiße Angst.

Feigling! Hat er gesagt. Aber er weiß, dass es nicht stimmt. Er hat in die Augen des Revolvermannes gesehen, und es ist ihm heiß und kalt über den Rücken gelaufen.

Dieser Mann hat Phil Corners Bande aus den Stiefeln geschossen, einen nach dem anderen, und er hat keinen Kratzer dabei abbekommen.

Ich werde ihm den Gefallen nicht tun, dass ich vor ihm auf den Knien rutsche. No, das werde ich nicht.

So denkt Maddock, der einsame Weidereiter von der Craig-Ranch.

Er will mich bluffen. Er treibt sein Spiel mit mir. Er lässt sich nicht aus der Reserve locken. Er vertraut nur auf seine Schnelligkeit.

Er ist ein Gunman!

Auch wenn keine Zeugen da sind, träumt er von seiner Ehre. Er wird nicht ziehen, bevor ich wirklich etwas unternehme. Er ist stolz. Er denkt, dass ich die letzten Sekunden meines Lebens habe, und er glaubt, dass er trotzdem schneller sein wird.

Er zieht nicht!

No, er tut es nicht ... Wie ein Feigling.

Dabei ist er nichts als ein Killer.

Er will mich umbringen ...

Da dreht ihm Mike Warner den Rücken zu. Dreht sich zu Hump Craig um, dem keiner mehr helfen kann.

„By Gosh, Warner, verkriechen Sie sich nicht hinter den Toten! Ich will Ihre Augen sehen. Tragen wir es aus.“

„Wie standen Sie zu ihm?“, fragt Mike, während er Hump Craig ansieht. „Waren Sie sein Freund, Maddock? Oder haben Sie nur sein Geld genommen?“

Der Killer versucht alle Tricks. Wahrscheinlich ist das seine Stärke.

„Ich reite bis nach Nevada!“, stöhnt Maddock. „Ich bin weit weg, wenn ich Sie in den Rücken geschossen habe, Mr. Warner, und der Sheriff meine Spur sucht ...“

Jetzt kommt Mike Warner herum. Aber er greift immer noch nicht zu. Er hat nur einen Colt. Einen mühsam ziselierten Peacemaker vom Kaliber 45. Der hat glatt seine 60 Dollar gekostet.

„Was haben Sie eigentlich gegen mich, Maddock?“

Dieser Gunman ist der Teufel.

Mit der Unschuld eines Kindes stellt er die Frage ... Was haben Sie eigentlich gegen mich?

Er hat auch das Gesicht eines Kindes. Etwas Ratloses liegt in seinem Blick. Als ob er einen Freund sucht ...

Das ist die Waffe, mit der er seine Gegner besiegt hat.

„Was ich gegen Sie habe, Warner? — Genau das, was jeder gegen Sie hat. Sie sind ein Killer! Sie töten schneller, als jeder andere es begreift. Deshalb gibt es hundert Männer, die es immer mit Ihnen aufnehmen werden. Und einer von diesen hundert wird Sieger bleiben. Sie können mich töten, Warner. Trotzdem erwischt Sie einer von uns. Einer von uns hundert, Warner. — Am besten, Sie reiten noch diese Nacht. Kit Carson ist stärker als Sie.“

Mike Warner drückt Hump Craig die Augen zu. Dann geht er auf die Veranda des Haupthauses und setzt sich auf die harte Holzbank. Phil Maddock scheint gar nicht mehr für ihn zu existieren.

Aus der oberen Tasche seiner Lederweste holt er Tabak und Papier hervor. Er dreht sich eine Zigarette und zaubert Feuer aus der Sohle seines Stiefels.

Maddock steht, in der offenen Tür, immer noch mit dem Colt in der Hand.

„Well, Warner, Sie haben Banditen getötet, deshalb kann Ihnen nicht einmal der Sheriff an den Kragen. Aber Sie bleiben der Revolvermann.“

„Ein besseres Motiv lassen Sie wohl nicht gelten, wie?“

„Tut mir leid, nein, Killer! Auch Hump Craig würde noch leben, wenn Sie nicht gekommen wären.“

„Ich fühle mich nicht schuldig, Maddock. Ich habe die Corner-Bande besiegt und Tom Applebees Leben gerettet. Ich konnte nicht wissen, was alles danach kommt ... Ich will nicht den Tod, nicht meinen, nicht Ihren, nicht den eines anderen. Hier ist mein Revolver ...“

Mike Warner entwaffnet sich selbst.

Er legt das Eisen auf den Tisch.

„Was soll das?“, fragt Phil Maddock und wagt es nicht, die Waffe auf dem Tisch anzufassen.

„Ich habe Tom Applebee in die Stadt geschickt. Dabei ist mir nicht wohl. Den Arzt brauchen wir nicht mehr. Aber ich habe das Gefühl, Tom braucht uns. Deshalb sollten wir in die Stadt reiten.“

Phil Maddock überlegt sehr lange. Dann gibt er Mike Warner den Peacemaker zurück.

„Well, Killer, reiten wir nach Kit Carson ...“

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Er tritt gegen die Mitte der Schwingtür, dass beide Flügel gleichzeitig auffliegen. Er kommt herein wie ein Gunman und ist nicht zu übersehen.

Es scheint in der Luft zu liegen.

Larry Lingo ist nicht der Einzige, der der Meinung ist, dass Mike Warner noch in dieser Nacht sterben muss. Einer von ihnen wird es sein, der einen Strich unter das Leben des Revolvermannes zieht.

Es liegt in der Luft von Kit Carson ...

Sie wollen ihn töten, weil er ein Revolvermann ist. Aber sie möchten auch sein wie er. So schnell und so stark. So, dass man sie nicht übersehen kann.

Es steht noch nicht fest, dass Glenn Doolin es machen wird. Glenn Doolin könnte Pech haben. Seine Hand zum Beispiel ... Sie ist noch nicht wieder ganz in Ordnung, auch wenn er den Verband nicht mehr trägt.

Die Theke ist voll besetzt.

Alle sehen, wie Larry Lingo stehen bleibt und die Lage sondiert, wie er dann weitermarschiert. Zwischen Fellmer Swarn und Fat Wagoner ist die Front der anderen am schwächsten. Dort schiebt er sich an die Theke. Swarn macht ihm freiwillig Platz.

Swarn ist zu alt, um noch den Ehrgeiz zu haben, einem Revolvermann das Wasser reichen zu können.

„Whisky!“, zischt Larry Lingo. Er braucht gar nicht so dabei zu schreien.

Es ist still genug im Raum, dass es jeder hören kann.

Harper greift nach einem Glas und der Flasche. Da hält jemand, der drei Hocker weiter sitzt, seine Hand fest.

„Erst ich, Harper.“

Es ist Hardy Mills aus Slim Wolfes Mannschaft. Der schiebt sein Glas hin. Will er Streit?

Harper beobachtet ihn aus den Augenwinkeln.

„Erst ich“, wiederholt Mills, „und dann die anderen. Nur nicht Lingo. Sie haben wohl vergessen, dass sein Boss ihn gerade abgeholt hat, weil er voll ist. Sie werden Ärger kriegen, Harper.“

„Den Ärger hast du schon, Hardy!“

Lingo springt von seinem Hocker herunter und stellt sich so hin, dass die Männer an seiner Seite ihm nicht im Wege sind. „Sag das noch einmal, Hardy, und dann erkläre den Gents hier genau, wie du es meinst.“

Mills dreht sich nicht um. Er redet mit Harper.

„Vergessen Sie nicht mein Glas. Ich habe einen Whisky bestellt!“

Als er aber hört, wie hinter seinem Rücken ein Hammer gespannt wird, ist es aus mit seiner Ruhe. Lingo ist immer noch voll Whisky, dass er ihm aus den Augen tropft. Der wagt es, mitten im Town unter einem Dutzend Zeugen sein Eisen zu ziehen.

Der wagt es wirklich. By Gosh ...

Und wenn Hardy Mills sich jetzt umdreht, kann keiner garantieren, was geschieht.

„Der Whisky gehört mir, Hardy! Gib ihn mir, und das Missverständnis ist vergessen.“

Wie gnädig. Irgendwo in einer Ecke will schon einer zu lachen beginnen. Aber dann gibt es ein kurzes dumpfes Geräusch. Im Holz der Theke zittert ein Bowiemesser in rasenden Schwingungen. Genau zwischen Mills und Lingo ist es hindurchgeflogen. Allmählich beruhigt es sich.

Knife-Charley.

Der Werfer geht hin und zieht es heraus.

Der kleine krummbucklige Mann scheint am Nachmittag etwas gewachsen zu sein. Jedenfalls wirkt er plötzlich größer als sonst.

Er steht zwischen den beiden, und jeder ist ihm so nahe, dass er ihn mit den Händen greifen kann.

Keiner ist überrascht. Es ist so Charleys Art, sein Messer zu werfen. Dann geht er hin, holt sich die Klinge wieder und sagt langsam!

„Sorry, ich hätte auch woanders hinwerfen können.“

Heute sagt er es nicht. Das ist der Unterschied.

Er bleibt einfach schweigend zwischen den beiden stehen und versucht sich groß zu machen. Vielleicht steht er auch auf den Zehenspitzen, nur macht sich keiner die Mühe, auf den Fußboden zu sehen. Er könnte was verpassen ...

Lingos Revolver hängt am gestreckten Arm. Er kann nichts machen, weil Charley das Messer noch vor der Brust hält.

„Was willst du, alter Gauner?“, schnaubt Lingo endlich. „Verschwinde! Das hier geht dich nichts an!“

„Was du nicht sagst, Larry! — Im ganzen Town gibt es keine zehn Leute mehr, die noch normal sind. Alles zittert vor Mike Warner.“

„Der vor ein paar Stunden mit Tom Applebee weggeritten ist und vielleicht nicht mehr wiederkommt.“

„Das glaubst du selbst nicht, Larry. Du wärst deinem Boss nicht weggelaufen, wenn du den Spaß nicht miterleben wolltest. Du weißt genau, dass Glenn Doolin in der Stadt ist und mit Warner abrechnen will.“

„Yeah, und wenn es so wäre, ist das meine eigene Sache, Charley. Verschwinde, mach’ mich nicht wütend!“

„Steck das Eisen ein, Larry!“

„Sag nur, dass du mir was befehlen willst.“

„Hör zu, mein Junge: Vor einer halben Stunde hatte ich eine Unterhaltung mit Nat Rowland. Der Sheriff und ich sind uns schnell einig geworden. Ich bin sein Deputy, verstanden?“

Larry Lingo wirft den Kopf nach hinten. Er will laut lachen, aber das Lachen erstickt ihm im Halse.

Die Sekunde, in der er nicht aufpasst, benutzt Charley. Er stellt ihm die Messerspitze auf die Brust und gibt so viel Druck dahinter, dass der andere den Stahl auf der Haut spürt.

Das macht ihn nüchtern. Sogar der trübe Whiskyblick verschwindet aus seinen Augen.

„Ich bin der Gehilfe des Sheriffs“, sagt Charley noch einmal mit Nachdruck. „Ich habe keinen Eid geleistet und trage keinen Stern, verstehst du? Trotzdem sind Rowland und ich uns einig. Wir erwarten Ärger genug ... Reite zu Craig, rate ich dir!“

„Yeah!“, stößt Larry Lingo hervor. Seine Wut ist grenzenlos. Aber er gehorcht.

Wenigstens bis auf die Straße wird er gehen.

Natürlich kommt Mike Warner zurück, dieser Gunman, der ihn bis auf die Knochen blamiert hat.

„Mit dem alten Applebee ist er weggeritten. Dieser verrückte Alte. Ein Herz und eine Seele sind sie wieder, und es besteht kein Zweifel, dass sie beide etwas gegen Kit Carson ausbrüten. Sie gehören nicht hierher. No ...“

Die Gäste bei Harper sehen nur noch seinen Rücken. So laut, wie er hereingekommen ist, geht er nicht. Er ist kleiner und leiser geworden. Genau um das Stück kleiner, was Knife-Charley gewachsen ist.

„Himmel, das hast du gut gemacht“, sagt Hardy Mills zu ihm. „Der Kerl muss verrückt geworden sein. Spannt den Hammer hinter meinem Rücken — vor einem Dutzend Zeugen.“

„Natürlich ist Larry Lingo verrückt geworden. Genau wie ein paar andere in der Stadt. Du hast doch Einfluss auf Glenn Doolin, Hardy, hm?“

„Wie meinst du das?“

„Du solltest zu Jess Lime in den Saloon ’rübergehen und es ihm ausreden.“

„Wie, Jess Lime?“

„Unsinn! Glenn sollst du es ausreden. Der hat keine Chance gegen Mike Warner. Und wenn Glenn tot ist, wird er noch im Unrecht sein.“

„Geh doch selbst hin! Du bist doch der Deputy — oder wenigstens so was Ähnliches. Und — warum tut Rowland es nicht selbst? Er ist der Sheriff. Er kann offiziell mit ihm reden.“

„Er kann kein Verbrechen verfolgen, bevor es geschehen ist.“

„Er weiß aber, was in der Luft liegt.“

„Doolin kann so oft und so lange ins Blue Bird gehen, wie es ihm gefällt. Dagegen kann der Sheriff nichts machen. Und eine Warnung, die hört er sich besser von einem Freund an. Sprich mit ihm, Hardy! Es ist besser für uns alle, für ganz Kit Carson. Mike Warner ist ein schneller Mann, aber er hat noch keinen Streit bekommen. Er hat es bis heute fertiggebracht, immer im Recht zu sein. Das sollte euch zu denken geben.“

„Yeah, denken sollen wir. Schulmeister hättest du werden sollen, Charley. Möchte wissen, wie du es fertiggebracht hast, deine Meinung so schnell zu ändern. Wenn man dich hört, denkt man, du wärest Warners bester Freund.“

„Warner hat keine Freunde. Vielleicht den alten Tom. Höchstens den.“

Draußen fällt ein Schuss ...

Knife-Charley und Hardys Mills sind gleichzeitig an der Tür und auf der Straße. Die Augen müssen sich erst an die Dunkelheit gewöhnen.

Sie sehen nichts. Die Main Street liegt wie ausgestorben.

Dann steht drüben im Blue Bird Saloon eine Gestalt in der Tür. Eine einzelne ...

Die war vorher noch nicht da.

Glenn Doolin ...

„Glenn!“, schreit Hardy Mills. „Hast du was gesehen?“

„Ich komme gerade heraus. Hat bestimmt einer auf den Mond geschossen. Ist drüben Stimmung, Hardy?“

Glenn Doolin überquert die Main Street und geht auf die beiden zu.

„Die Stimmung hier ist mies“, sagt Charley, bevor Mills antworten kann. „Hardy wollte gerade nach Hause gehen.“

„Dann kommt in den Saloon herüber. Wir — verdammt, was war das?“

Knife-Charley hat sich umgedreht

Da ist wieder das Stöhnen. Glenn Doolin rennt los. Die anderen hinterher.

Vor Doc Crocketts Haus steht ein lediges Pferd, das aus Phil Corners Bande stammt. Tom Applebee hat es zuletzt geritten.

Der Alte liegt versteckt hinter einem abgestellten Buggy.

Er liegt auf dem Bauch und versucht, den Kopf zu heben. Seine Finger krallen sich in den Sand der Straße.

Knife-Charley ist zuerst bei ihm. Er schiebt die Hand unter seinen Kopf, die andere legt er um die Schulter. Da spürt er das warme Blut.

„Doc Crockett!“, schreit Charley. „Zum Teufel, Hardy, schlag ihm die Tür ein! Er muss sofort herauskommen.“

Mills poltert die Stufen hinauf.

„He, Charley“, stöhnt der Alte, „habt ihr Mike nicht gesehen? No, ich bin ein alter Trottel. Mike wird nicht kommen. Er wartet auf mich. Sag ihm, dass ich nichts dafür kann.“

Tom Applebee liegt auf der Seite.

„Und geht zum Sheriff und sagt ihm, dass Mike Warner mein einziger Freund war. Der Sheriff muss es wissen. Hast du gehört, Hardy?“

„Der Sheriff hört schon“, sagt Nat Rowland hinter ihnen. Er hat den Schuss gehört und ist aus dem Office gekommen. „Wer war es, Tom? Hast du den Kerl gesehen?“

„Er hat mich in den Rücken geschossen. Sein Schatten — ich habe ...“

„Hast du ihn gesehen?“

„Den Schatten, ja! — Er war es. Er hat auch ... Doc Crockett ist hier im Town ... Helft ihm — Hump Craig meine ich. Er hat ihn in den Rücken — Crockett soll reiten ...“

Endlich hat Mills den Arzt herausgeholt. Er hantiert noch an seiner Kleidung.

„Was ist mit Hump Craig?“

„Er stirbt, wenn — wenn Sie nicht sofort zur Ranch ...“, stöhnt Tom Applebee.

„Du meine Güte, Sie werden sterben, Applebee, wenn Sie nicht sofort stillliegen. Fassen Sie an, Gentlemen! Aber vorsichtig!“

„Finger weg!“, schnarrt Tom. „Mir hilft keiner mehr. Ich brauche kein — kein Bett zum Sterben. Das wäre ein Spaß für euch ... Reitet zur Craig Ranch, Doc! Sofort — Sheriff, schicken Sie diese Leute ... Glenn kann ... Doolin, vergiss, weshalb du heute ... hier bist. Er hat ihn in den ... in den Rücken ... Mike ist bei ihm, Sheriff ... Mike Warner ist mein Freund ...“

„Schon gut, Tom, wir wissen es. Kümmere dich jetzt um dich selbst. Du bist ein zäher Knabe.“

„Es ist wichtig, Sheriff, auch für Mr. McAdoo. Sagen Sie’s ihm. Mike Warner — yeah, ich alter Esel! Ich habe das ... Gold ... Mike Warner hat sie besiegt. Phil Corners ganze ... Corners ganze Crew ... Reitet, Gents!“

Er hat sich aufgebäumt. Vielleicht will er noch mal Craigs Namen sagen. Oder den von Mike Warner.

Dass der sein bester Freund ist.

Da fällt er zurück.

„Reiten Sie, Doc“, befiehlt Nat Rowland rau. „Diesem Mann können Sie nicht mehr helfen.“

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Die Posse besteht aus fünf Mann.

Der Arzt und der Sheriff sind dabei. Aus Wolfes Mannschaft Glenn Doolin und Hardy Mills. Und dann Knife-Charley.

Sie reiten im silbernen Mondlicht über den Big Sandy Creek nach Westen.

Die Nacht ist hell geworden.

Sie sehen die beiden Reiter, die schnell näher kommen.

„Da sind sie!“, ruft Maddock. „Der Alte hat den Arzt bei sich.“

„Den Doc und noch ein paar Leute mehr“, sagt Mike Warner. „Da stimmt was nicht, Maddock!“

Er zügelt seinen Schwarzen. Auch Phil Maddock hält an. Der aufgehende Mond steht hinter ihnen. Sie sehen nur die Silhouetten der Reiter. Aber Mike hat ein Auge für Tom Applebees Figur.

„Der Alte fehlt“, sagt er ernst und heiser. „Das ist der Sheriff ...“

„Und Glenn Doolin.“

Die fünf Reiter halten an, als sie Warner und Maddock erreichen.

„Hallo, Doc! Sie müssen entschuldigen, wenn Sie mich hier mitten in der Nacht auf einem Pferd vorfinden. Ich hatte leider keine Zeit, mich nach Ihren Anordnungen zu richten.“

„Soll das ein Witz sein, Warner?“, braust Crockett auf. Bis zum Augenblick war er offenbar immer noch verschlafen und wütend über die Störung seiner Nachtruhe. „Sie haben Tom Applebee zu mir geschickt ...“

„Natürlich. Aber Tom ist nicht bei Ihnen.“

„Das kommt später. Gehen Sie endlich aus dem Weg, wenn Mr. Craig meine Hilfe braucht“

„Er braucht Ihre Hilfe nicht mehr. Er ist tot.“

„By Jove, holen Sie mich deshalb ...“

„Am Totenbett flucht man nicht, Doc. Jedenfalls nicht ein Mann mit Ihrer Bildung. Und da Sie schon da sind, Sheriff Rowland — wir haben noch mit Craig sprechen können. Er hat Larry Lingo betrunken aus Harpers Inn geholt und ihn entwaffnet. Lingo hat es verstanden, sich unterwegs in den Besitz seiner Waffe zu bringen. Dann schoss er Craig in den Rücken. Larry Lingo ist ein Mörder, Sheriff. Verhaften Sie ihn. Es gibt genügend Zeugen, die eine Anklage unterstützen werden.“

„Yeah, Warner, das brauchen Sie uns nicht mehr zu sagen. Wir wissen es. Tom hat es uns selbst gesagt.“

„Tom? — Wo ist er? Warum ist er nicht bei Ihnen?“

Die Antwort kommt nicht.

Sonderbar, dass die harten Männer von Kit Carson sich nicht stark genug fühlen. Mike Warner weiß es schon. Die Männer brauchen sich nicht anzustrengen.

Er sieht Glenn Doolin in der Posse.

Sonderbar, ausgerechnet diesen Mann. Freiwillig ist er bestimmt nicht mitgekommen. Das Schicksal hat ihn mit hergespült. Auch die zweifelhafte Figur des Messer-Charley ist noch da.

Doch dann geschieht es, dass Glenn Doolin seinem Gaul ein Zeichen gibt und ihn durch die Reihe nach vorn bringt.

„Tom Applebee ist tot, Revolvermann“, sagt Glenn Doolin, und die Nacht scheint tausend Echos zu haben — mitten in der flachen Ebene. „Tom Applebee ist tot, und ich werde Ihnen vorrechnen, wer die Schuld daran hat.“

„Wir haben seine Aussage“, unterbricht ihn Sheriff Rowland. „Schuld ist immer der Mörder, Glenn! Mach also keine großen Sprünge. So bringst du’s nicht zu einem guten Ende. Lingo hat Tom Applebee in den Rücken geschossen. Lingo war verrückt. Er konnte es nicht ausstehen, dass Tom als Einziger im Town zu Mike Warner hält. Ich habe genau zugehört, was Hardy Mills uns zu sagen hatte. Lingo ist wütend aus dem Inn gelaufen und dann hat er Tom gesehen und geschossen ... Ich muss in die Stadt zurück! Wir werden uns hier trennen, Doc. Sie reiten natürlich zur Craig-Ranch.“

„Da ich schon einmal aus dem Bett bin ...“

„Schon gut, ich weiß, wie Sie Ihre Pflicht als Arzt auffassen. Ich werde Sie begleiten, wenn ich mich auch lieber um Larry Lingo kümmern würde.“

„Das brauchen Sie nicht, Sheriff“, sagt Mike. „Den Mörder von Tom Applebee werde ich für Sie fangen.“

„Sie fangen niemanden in Kit Carson, Warner. Sie als Letzter! Sie halten sich aus allem heraus.“

„Wie Sie wollen. Teilen Sie die Arbeit ein, Sheriff.“

Rowland drängt sich an Doolin vorbei.

„Maddock, Sie reiten mit zur Ranch.“

„Warten Sie’s ab, Sheriff. Ich reite, wohin ich will.“

„Zum Teufel, ihr seid wohl alle verrückt geworden?“

„Ich reite mit Warner. Deshalb bin ich nicht verrückt. Welche Richtung nehmen Sie, Warner?“

„Kit Carson.“

„Well, dann suchen Sie sich einen anderen aus, Sheriff.“

Schließlich meldet sich Hardy Mills, den Arzt zu begleiten. Die Posse wartet, bis die beiden in der Nacht verschwunden sind. Dann wendet Nat Rowland sein Pferd. Die anderen folgen ihm zurück nach Kit Carson.

Bis zur Stadt fällt kein Wort mehr.

Als sie in die Main Street einbiegen, fahren die Menschen auseinander, die an Tom Applebees Leiche eine Versammlung abgehalten haben.

Tom liegt noch so da, wie er gestorben ist.

Mike Warner gleitet aus dem Sattel und bückt sich zu ihm in den Sand. Der Alte hat noch die Augen offen. Er drückt sie ihm zu.

Die ganze Stadt scheint versammelt zu sein.

Ganz Kit Carson.

Die Stadt mit der größten Bedeutung im ganzen County.

Die Stadt mit Ruhe und Frieden.

Die Stadt, durch die Herden von Longhorns und Hereforders ziehen, ohne dass ein Schuss fällt.

Die Stadt mit dem starken Sheriff.

Die Stadt, in der seit Ewigkeiten Frieden herrscht.

Heute Abend ist Kit Carson gierig geworden.

Man hat einen Toten ...

Zwischen Flaggier und Seibert hat man die Corner-Bande gehabt. In Galatea haben sie vor drei Wochen einen Pferdedieb gelyncht. In Aroya wurden vor einem halben Jahr zwei Bankräuber auf frischer Tat ertappt und von Sheriff Stabbs und seinem Deputy Earp niedergemacht, ehe sie mit ihrer Beute verschwinden konnten.

Kit Carson wartet noch auf seine Sensation.

Heute ist sie da!

Schon vor einer Woche lag sie in der Luft, als Mike Warner Phil Corner besiegte. Aber das geschah weit draußen im Canyon des alten Applebee am Big Sandy Creek.

Und dann ritt Tom in die Stadt. Der Alte, der so viele Märchen über das Gold zu erzählen wusste. Der sich selbst für einen reichen Mann ausgab, und der ihnen auf Ehre und Gewissen sagte, dass ihm ein richtiger Gunman aus der Patsche geholfen hat.

Mike Warner gleitet aus dem Sattel. Die anderen sind zurückgeblieben.

Mike Warner kniet neben Tom Applebee und holt sich die Gewissheit. Dann steht er auf und geht an den Zügel des Schwarzen.

„Man sagt, Larry Lingo wär’s gewesen, Sheriff. Werden Sie Lingo verhaften?“

„Darauf können Sie Gift nehmen, Warner! Sie brauchen sich nicht um ihn zu kümmern. Sie können schlafen gehen. Wie Sie wissen, hat Doc Crockett Ihnen noch nicht erlaubt, aufzustehen.“

„Schon gut. Es ist spät. Ich werde mich hinlegen. Für die Beerdigung stifte ich hundert Dollar. Verwahren Sie das Geld, Sheriff.“

Mike zieht den Schein aus der Tasche. Rowland nimmt ihn.

„Sie sind verrückt, Warmer ...“

„Schon möglich. Nehmen Sie den besten Stellmacher, Sheriff. Er soll ein Kreuz zimmern. Und für das Geld verlange ich einen Spruch auf dem Kreuz.“

„Und wie soll er heißen?“

„Das sag ich Ihnen morgen.“

„Sie sollten es jetzt sagen, Warner“, meldet sich Glenn Doolin. „Morgen könnte es zu spät sein.“

„Wie kommen Sie darauf?“

„Nur‘so.“

„Well dann schreiben Sie! — ,Tom Applebee’.“

„Sonst nichts?“

„Sonst nichts!“

„Sie stiften hundert Dollar. Sie waren sein Freund. Sie sollten sich erwähnen.“

„Tom Applebee hatte keine Freunde. Gute Nacht, Gents!“

Mike Warner nimmt sein Pferd an die Leine und führt es zu Harpers Inn. Er bringt es in die letzte freie Ecke im Stall und gibt ihm Hafer. Dann steigt er über den Hintereingang die Treppe hinauf.

Vor der Zimmertür wartet ein Mann.

Der schwache Schein der Kerosinlampe im Treppenhaus erhellt sein Gesicht. Es ist Jack Vance, der Mann aus Slim Wolfes Mannschaft.

„Hallo, Vance!“

„Hallo, Warner!“

„Das ist meine Tür. Wollen Sie nicht Platz machen?“

„Natürlich.“

„Danke! — Gute Nacht, Vance!“

„Nicht so eilig, Gunman. Sie können natürlich auf Ihr Zimmer gehen. Aber Sie wissen wohl, dass heute noch etwas zu erledigen ist.“

„Fragen Sie meinen Arzt, Vance. Der wird es Ihnen genau sagen.“

„Ich kann also zu Glenn gehen und ihm sagen, dass Sie darauf verzichten, die Sache aus der Welt zu schaffen? Ich kann es in ganz Kit Carson erzählen, wie?“

„Meinetwegen. Gehen Sie jetzt, Jade, ich bin müde.“

So ist das also.

Jack Vance begreift es noch nicht ganz. Mike Warner geht an ihm vorbei in sein Zimmer. Leise drückt er die Tür ins Schloss und dreht den Schlüssel um.

Zögernd geht Vance die Treppe herunter. Auf der letzten Stufe bleibt er noch einmal stehen und lauscht nach oben. Vielleicht überlegt Warner es sich noch. Aber nichts geschieht.

Vance geht weiter. Bis auf die Straße, wo die Männer warten.

„Er kommt nicht, Glenn.“

„Du lügst, Jack!“, sagt da Phil Maddock. „Du warst gar nicht bei ihm.“

„Geh doch selbst ’rauf und frage ihn. Aber beeil dich, sonst ist der kranke Feigling noch eingeschlafen.“

Mike Warner steht hinter dem offenen Fenster und hört jedes Wort. Er hat wieder mit dem Peacemaker geübt. Drei, viermal, und die Hand ist noch immer verteufelt schwach.

By Gosh! Man kann schnell seinen Namen verlieren und einen neuen kriegen. Auch wenn sie beide nicht zutreffen.

Vom Revolvermann zum Feigling, das ist ein kurzer Weg in den Augen der Leute. Dabei will Mike Warner nichts anderes als ein Stück ehrliche Arbeit. Ehrliche Arbeit und ...

Er tritt ans Fenster und blickt auf die Männer hinunter. Aber er sieht ein Gesicht, das gar nicht da ist.

Einen Augenblick hat es die Züge des alten Tom Applebee, doch plötzlich ist es eine Frau. Ein junges lebendiges Gesicht, so tief wie ...

„Da ist er!“, schreit Fat Wagoner plötzlich heiser und zeigt nach oben.

„He, Warner!“, ruft Glenn Doolin. „Hoffentlich schlafen Sie gut heute Nacht.“ Sein Lachen klingt fast zufrieden.

By Gosh, auch Doolin scheint einverstanden zu sein, dass die Sache so glatt abgeht. Im Stillen ist er froh, nicht vor Warners Eisen treten zu müssen.

„Sie müssen das verstehen, Glenn“, sagt Warner leise von oben. „Solange der Sheriff im Town ist, wird er was dagegen haben.“

„Wenn das eure ganze Sorge ist“, mischt sich Fat Wagoner wieder ein. „Rowland und Knife-Charley sind weggeritten. Sieht gerade so aus, als ob sie eine Spur von Lingo erwischt hätten.“

„Well“, nickt Mike Warner von oben, „wenn das eine Garantie ist.“

„Mein Pferd gegen Ihren Stetson, Revolvermann!“

Warner schließt das Fenster. Eine Minute später tritt er auf die Straße.

So schnell kann das gehen.

Man denkt, man ist müde. Doch man hat wohl seine Ehre zu verteidigen. Aber wie es nötig wäre, ist es gegen das Gesetz, und deshalb geht man ruhig schlafen.

Aber irgendeiner sagt plötzlich etwas, und man steht da. Ein seltsames Gefühl geht durch den rechten Arm, und die Fingerspitzen suchen eine ganz bestimmte Stelle in der Nähe des Holsters.

Die Männer weichen zurück. Instinktiv, und Schritt für Schritt. Nur Glenn Doolin bleibt stehen.

„Du kannst es dir aussuchen, Killer“, sagt er, „wie du’s hinter dich bringen willst.“

So ist das also. Man kann es sich aussuchen, wo man sterben will. Das ist der letzte Wunsch, den Mike Warner erfüllt bekommt.

Die Kugel für ihn steckt schon in der Trommel...

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Er muss an Tom Applebee denken — und an Caroline Wolfe. An die Menschen, die ihn hierhergebracht haben.

Aber wenn man es genau betrachtet, ist eigentlich nur Phil Corner schuld. Auch Tote können sich noch rächen.

„Nimm dir einen Mann, Doolin“, hört Warner sich sagen. „Der soll es mit meinem aushandeln.“

„Such dir was anderes aus, Killer! Hier in Kit Carson findest du keinen Partner.“

„Das werden wir sehen. Jeder weiß, dass ich der Schnellere von uns bin. Deshalb wird es nicht schwierig sein.“

„Nimm nur den Mund voll, Warner! — Ich habe schon einen. Hallo, Jack! Komm auf meine Seite!“

Jack Vance geht langsam zu Glenn Doolin hinüber. „Willst du mein Partner sein, Jack?“

„Weshalb fragst du? Das ist doch selbstverständlich.“

Jack Vance kann vor Erregung kaum sprechen. Alle hören es und wissen nur eins: Hier rennen zwei Männer in ihr Unglück. Der Gunman hat sie blind gemacht. Sie sind sich nicht im Klaren darüber gewesen, was es bedeutet, dass vor der Stadt die ganze Corner-Bande in weniger als zwei Stunden von einem Mann unschädlich gemacht wurde.

Jetzt wissen sie es.

Jetzt! — Und können nicht mehr zurück.

„Ich brauche einen Partner, Gents“, sagt Mike Warner in die Nacht. „Aber nur einen.“

Doch sie drängen sich jetzt nicht nach vorn. Weil sie alle Bürger von Kit Carson sind.

Wenn Tom Applebee noch lebte, wäre es keine Frage.

Tom Applebee ist tot, und Mike Warner hat keinen Freund mehr in Kit Carson.

„Well, dann bin ich mein eigener Partner!“

Er dreht sich weg. „Bestimmen Sie den Ort, Doolin!“

Plötzlich tritt Phil Maddock aus der Reihe.

„Nehmen Sie mich, Warner!“

„Was, ausgerechnet Sie?“

„Keine Fragen mehr, Warner! Sie haben keine große Auswahl!“

„Nun, das mag schon sein. Vielen Dank also. Wenn Sie jetzt Doolins Colt kontrollieren würden ...“

Sie untersuchen gegenseitig die Waffen, dann gehen sie auseinander. Die Menschen verschwinden in der Nacht. Kit Carson wird zur toten Stadt. Wer seinen Kopf vorwagt, riskiert eine Kugel — bis einer tot ist.

Mike Warner oder Glenn Doolin ... Oder zwei ...

Auch Vance und Maddock riskieren ihr Leben. Sie können nicht mehr zurück.

Das Mondlicht liegt hell auf der Main Street.

„Bestimme du den Weg, Phil“, sagt Mike Warner. „Du kennst dich hier besser aus.“

„Ich würde nicht weit gehen. In den Gärten hinten hat es sowieso keinen Sinn. Wenn du dir eine Chance ausrechnest, sollten wir hierbleiben und warten.“

„Eine Chance? Ich denke, du weißt, dass ich ein Revolvermann bin. Gibst du Doolin vielleicht die Chance?“

„Reden wir nicht davon, dazu ist es zu spät.“

„Aber hier warten und auf einen Schuss in den Rücken spekulieren, das ist nicht, was ich mir wünsche.“

„Wir könnten uns trennen.“

„Wir bleiben zusammen!“

„Well ...“

Eine halbe Stunde vergeht.

Es ist weit nach Mitternacht. Aber hinter den Fenstern stecken hundert verängstigte Gesichter.

„Sie rühren sich nicht, die Feiglinge“, murrt Maddock ungeduldig.

„Haben wir uns gerührt? — Nervös, wie?“

„Ich weiß nicht, wo der Sheriff steckt. Aber er wird zurückkommen. Wir haben nicht viel Zeit.“

„Well, dann werde ich jetzt drüben zu dem Trog an der Wasserpumpe gehen. Bleib hier, bis ich in Deckung bin. Wenn du eine Bewegung erkennst, halte drauf!“

Maddock nickt.

Warner richtet sich im Schatten des Hauses auf. Dann tritt er in das helle Licht und geht quer über die Main Street. Er geht so langsam, als wäre es ein Spaziergang. Als er über die Mitte hinweg ist, setzt er zum Sprung an.

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Ein Schuss fällt. Er hört die Kugel pfeifen, die hinter ihm vorbeijagt.

„Well, Gents, jetzt habe ich euch aus der Reserve gelockt! Man wartet nicht, wenn man ein Ziel hat. Es kann sich noch so langsam bewegen, plötzlich verschwindet es ...“

Er liegt hinter dem Trog.

Der Schuss kam aus der Nebenstraße hinter der Apotheke. Sie haben sich an der Ecke verschanzt. Sie haben den Rücken frei.

Das kann gut oder schlecht sein. Für Maddock wird es gefährlich werden. Wenn er nur vernünftig ist und in seinem Loch bleibt.

Mike Warner schiebt sich vor.

Die Hausecke!

Zwei Minuten vergehen ... Doolin wird die Stellung wechseln, wenn er vernünftig ist.

Oder er wird bleiben, wenn er es ganz schlau anfängt.

Da ist eine Bewegung!

Mike Warner drückt ab. Die Kugel reißt einen Holzsplitter aus der Hausecke. Als Querschläger surrt sie weg.

Glenn Doolin springt und wirft sich hin, rollt zurück hinter einen Stapel Fässer. Mikes Schuss geht in den Sand.

Maddock ist aus seiner Deckung heraus, er rennt und feuert. Darauf hat Jack Vance gewartet. Er nimmt sich Zeit, hält weit genug vor und trifft Maddock, überschlägt sich und rollt bis hinter den Trog.

Mikes Kugel war aus dem Lauf, als Vance sich drei Zoll zu weit vorwagte. Jack Vance stößt einen Schrei aus. Sein Revolver fällt in den Sand. Er hält sich den Arm.

Mike Warner fasst Maddocks Hand, die ihm am nächsten ist, und zieht den Partner zu sich heran.

„Zur Hölle!“, stöhnt der Weidereiter. Tote stöhnen nicht.

„Du lebst, Phil.“

„Mein Bein — er hat mein Bein erwischt.“

„Dafür ist jetzt sein Arm angekratzt. Ich bin ein Idiot! Ich hätte euch nicht reinziehen sollen.“

Details

Seiten
500
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738918366
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (März)
Schlagworte
western sammelband romane rächer gnade

Autoren

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Titel: Western Sammelband 4 Romane: Rächer ohne Gnade und andere Western