Lade Inhalt...

Corona, die Rebellin der Hölle: Tony Ballard #127

©2018 120 Seiten

Zusammenfassung

Corona, die Rebellin der Hölle

Tony Ballard Nr. 127

von A.F.Morland

Tony Ballard ist der Dämonenhasser. Er kämpft gegen die Mächte der Finsternis und begegnet dem Unfassbaren. Vampire, Dämonen, Werwölfe und andere Kreaturen der Schattenwelt sind seine unbarmherzigen Gegner. Erfolgsautor A. F. Morland schuf diese einzigartige Horror-Serie, die jetzt endlich auch im E-Book vorliegt.

Leseprobe

image
image
image

Corona, die Rebellin der Hölle

Tony Ballard Nr. 127

image

––––––––

image

von A.F.Morland

––––––––

image

TONY BALLARD IST DER Dämonenhasser. Er kämpft gegen die Mächte der Finsternis und begegnet dem Unfassbaren. Vampire, Dämonen, Werwölfe und andere Kreaturen der Schattenwelt sind seine unbarmherzigen Gegner. Erfolgsautor A. F. Morland schuf diese einzigartige Horror-Serie, die jetzt endlich auch im E-Book vorliegt.  

image
image
image

Copyright

image

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild Michael Sagenhorn

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

image
image
image

Corona, die Rebellin der Hölle

image

Corona blieb stehen. Sie war eine rassige, wilde Schönheit Langes, schwarzes Haar floß ihr in weichen, glänzenden Wellen auf die nackten Schultern.

Sie war gertenschlank. Ihre Blößen waren nur spärlich bedeckt, doch kein Mann hätte es wagen dürfen, sie ohne ihr Einverständnis zu berühren.

Sie hätte ihn auf der Stelle getötet.

Ein kunstvoll gearbeitetes, goldenes Diadem zierte ihren Kopf, und in dem roten Stein, der in der Mitte dieses Schmucks eingelassen war, glühte ein geheimnisvolles Feuer.

Corona wandte sich an den großen Mann, der neben ihr stand, »Das Tal der Träume«, sagte sie. »Wir sind am Ziel.«

Im Tal herrschten Gelbtöne vor. Sie reichten von ganz hell bis ganz dunkel -die Schatten zeigten eine seltsame Ockerfärbung. Es war ein ödes, trockenes Gebiet, heiß und trostlos.

»Einst lebte hier Taran, der schwarze Traumdämon«, erklärte Corona. »Aber das ist lange her.«

»Warum hat er das Tal verlassen?« fragte der Hüne neben Corona.

»Niemand kennt den Grund. Es ist auch nicht bekannt, wohin er gegangen ist. Vielleicht lebt er nicht mehr.«

»Er könnte aber ebensogut eines Tages hierher zurückkehren.«

»Auch das wäre denkbar.«

»Trotzdem möchtest du seine Felsenfestung beziehen?«

»Sie bietet uns den Schutz, den wir brauchen«, sagte Corona.

Sie hatte eine schwere Zeit hinter sich, war vielen Strapazen und Gefahren ausgesetzt gewesen.

Weil sie eine Rebellin war, weil sie sich nicht unterordnen wollte. Sie trug das Diadem der Macht, und sie wollte herrschen. Doch in den endlosen Weiten der Hölle mußte in erster Linie das geschehen, was Asmodis sagte, und das paßte ihr nicht.

Immer wieder lehnte sie sich dagegen auf, bis der Höllenfürst die Geduld verlor und den Dschungel, in dem sie mit ihren Getreuen lebte, niederbrannte.

Feuer ist in der Hölle nichts Ungewöhnliches, und normalerweise richtet es keinen Schaden an. Aber das Feuer, das Asmodis entfachte, wütete schrecklich.

Der Fürst der Finsternis legte den vernichtenden Brand an mehreren Stellen, und von da fraßen sich die Flammen mit einer verheerenden Gier auf das Zentrum zu.

Nur wenigen gelang es, sich zu retten. Die meisten fielen dem strafenden Feuer zum Opfer. Doch damit gab sich Asmodis noch nicht zufrieden.

Er strebte die totale Vernichtung der Rebellin und ihres Gefolges an, doch er kümmerte sich nicht selbst darum, sondern beauftragte Yetan, einen grausamen Teufel, damit.

Und Yetan zog mit seiner Horde los, um Asmodis’ Auftrag auszuführen. Man nannte ihn den Statthalter des Bösen, und er vertrat Asmodis’ Interessen so zuverlässig wie kein anderer.

Corona war vor ihm auf der Flucht. Noch war es ihm nicht gelungen, sie einzuholen, und hier, im Tal der Träume, würde er es sehr schwer haben, sie zu vernichten.

Wenn sie sich erst einmal in Tarans Felsenfestung befand, würde der Statthalter des Bösen kaum an sie herankommen. Sie würden jeden Angriff Zurückschlagen. So lange, bis sich Yetan zu Tode gestürmt hatte.

Corona war mit einem Schwert, einem Dolch und mit Pfeil und Bogen bewaffnet. Bereits als Kind hatte sie bei einem weisen Lehrmeister Unterricht genommen und gelernt, mit diesen Waffen umzugehen.

Sie kämpfte täglich, suchte sich die stärksten Gegner aus und maß sich mit ihnen. Sie durfte nicht einrosten und war bestrebt, sich laufend zu vervollkommnen.

»Ich werde dem Höllenfürsten nie verzeihen, was er uns angetan hat«, sagte Corona grimmig. »Wir werden uns hier von den Anstrengungen der Flucht erholen, und sobald wir uns stark genug fühlen, greifen wir den selbstherrlichen Höllenherrscher an. Er soll durch meine Hand sterben.« Sie musterte den Hünen. »Zweifelst du daran, daß ich das schaffe, Gor?«

»Ich zweifle nicht daran, daß du es versuchen wirst«, sagte Gor. »Aber ich glaube nicht, daß es dir gelingen wird. Überlebte Asmodis bisher nicht alle Intrigen und Angriffe?«

»Ich werde ihm mit einer sehr starken Waffe entgegentreten: mit dem Speer des Hasses. Damit kann ich ihn vernichten«, behauptete Corona zuversichtlich. »Mein Haß wird den Speer zur tödlichen Waffe machen. Ich werde mich rächen, das schwöre ich. Asmodis wird fallen. Er hätte mich in Frieden lassen sollen. Was er getan hat, wird für ihn zum tödlichen Bumerang.«

Wilde Leidenschaft blitzte in den Augen der Rebellin. Ihr Blick streifte die Handvoll Getreuen, die ihr geblieben waren.

»Wir müssen weiter«, sagte sie.

Yubb, auf dessen Rat sie immer sehr viel gab, meinte: »Wir müssen vorsichtig sein. Taran ist zwar nicht mehr hier, aber es ist immer noch gefährlich, dieses Tal zu betreten.«

Gor grinste höhnisch. »Hast du etwa Angst?«

In Yubb wallte sofort Zorn auf. Gor konnte sagen, was er wollte - Yubb reizte jedes Wort, das über die Lippen des Hünen kam. Er haßte diesen Mann, der nicht zu ihnen gehörte.

Aufgelesen hatten sie ihn auf dem Weg hierher, und Corona hatte Gefallen an ihm gefunden. Das hatte Yubb sehr schmerzlich getroffen, denn bis zu diesem Zeitpunkt war ihm Corona sehr zugetan gewesen.

Und nun nahm Gor diesen Platz ein. Yubb hatte das noch nicht verkraftet. Er war abgeschoben worden wie ein altes Gefäß, für das man keine Verwendung mehr hat, und Gor, dieser verdammte muskulöse Bastard, machte sich auch noch bei jeder Gelegenheit lustig über ihn.

Wie konnte Corona diesem Fremden, von dem sie nichts wußte, so leichtfertig ihre Gunst schenken? Er konnte ein Feind sein, ausgesandt von Asmodis.

Zuerst erschlich er sich Coronas Vertrauen - und dann tötete er sie.

Seit Gor bei ihnen war, hatte Yubb ein Auge auf ihn. Er wollte Corona zurückgewinnen, doch solange Gor da war, würde ihm das nicht gelingen. Er mußte sich etwas einfallen lassen. Es mußte möglich sein, Gor unauffällig aus dem Weg zu räumen.

Wenn es Yubb gelang, den starken Rivalen zu beseitigen und verschwinden zu lassen, konnte er hinterher behaupten, Gor wäre fortgegangen. Niemand würde ihm das Gegenteil beweisen können.

Corona würde wütend, verletzt und enttäuscht sein, und Yubb würde da sein, um sie zu trösten. Er würde ihr klarmachen, daß man Fremden gegenüber niemals so vertrauensselig sein dürfe, und es würde für Corona eine Lehre sein, die sie nie vergaß.

Yubb war zuversichtlich, daß er seinen Platz an Coronas Seite zurückerobern konnte. Er mußte sich nur in Geduld fassen und den richtigen Augenblick abwarten.

Wenn er Glück hatte, brauchte er nicht einmal einen Finger zu rühren. Gor konnte auch irgendeiner tödlichen Gefahr zum Opfer fallen. Das wünschte sich Yubb, während er den Hünen grimmig anstarrte und scharf sagte: »Ich habe vor nichts Angst. Merk dir das.«

Gor bleckte die Zähne. »Heißt das, daß du dich auch vor mir nicht fürchtest?«

Yubb griff sofort zum Schwert. »Ich bin jederzeit bereit, dir das zu beweisen!«

Coronas schwarze Augenbrauen zogen sich unwillig zusammen. Sie forderte Gor und Yubb auf, sich zu vertragen.

Gors Augen wurden schmal. »Solltest du einmal dein Schwert gegen mich richten, töte ich dich!« knurrte er.

»Ich scheue den Kampf nicht. Laß ihn uns gleich austragen!« verlangte Yubb.

»Schluß jetzt!« fuhr Corona scharf dazwischen. »Es geschieht immer noch das, was ich sage, und ich befehle euch, die Waffen stecken zu lassen.«

Yubb wies mit haß verzerrtem Gesicht auf Gor. »Er hat mich beleidigt, das lasse ich mir nicht gefallen!« Seine Hand umschloß immer noch den Schwertgriff. »Er ist ein Niemand. Wenn wir ihn nicht mitgenommen hätten, wäre er zugrunde gegangen. Und so dankt er es uns.«

»Corona hat entschieden, mich mitzunehmen«, sagte Gor, »Ihr bin ich zu Dank verpflichtet, nicht dir - und auch keinem anderen.«

Jetzt zog die Rebellin ihr Schwert. »Na gut, wenn du unbedingt kämpfen willst, dann kämpfe, Yubb. Aber mit mir!«

Yubb ließ den Schwertgriff los. »Das wirst du nicht erleben, daß ich einmal mein Schwert gegen dich richte«, sagte er und trat zwei Schritte zurück.

Corona nickte zufrieden. »Können wir endlich weitergehen?«

Yubb sagte nichts mehr, aber sein Blick verhieß nichts Gutes. Gor mußte verschwinden. Je eher, desto besser.

Über die sandfarbenen Hänge des Tals strich ein warmer Wind. Er führte einen fauligen Gestank mit sich, und ein süßlicher Verwesungsgeruch breitete sich über die kleine Gruppe, die von Corona angeführt wurde.

Bald stießen sie auf bleiche Knochen, und Aas lag verstreut umher. Irgendwo lauerte eine geheimnisvolle Gefahr, das spürten alle, und sie rückten näher zusammen, wobei die Männer den äußeren Ring bildeten, der die Frauen, die ebenfalls bewaffnet waren, umschloß.

Nur Corona befand sich außerhalb dieses Kreises. Sie stand immer an der Spitze, ganz gleich, wie groß die Gefahr war, die ihnen drohte.

Gespannt blickte sich die Rebellin um. Gor und Yubb flankierten sie. Beide waren bereit, ihr Leben für sie zu geben.

Es war nicht mehr weit bis zur Festung des Traumdämons. Sie war in eine Felswand gehauen. Zum Eingang mußte man hochklettern. Er war bestimmt gut zu verteidigen. In Tarans einstiger Behausung konnte sie sich sicher fühlen. Vorausgesetzt, es hatte noch niemand vor ihnen davon Besitz ergriffen, Corona setzte ihre Schritte mit äußerster Vorsicht. Sie wich den Knochen aus, und ihre Hand ruhte auf dem Schwertgriff. Befand sich die Gefahr unter dem weichen, feinen Sand, der so harmlos aussah?

Ein widerlicher Gestank stieg aus dem offenen Kadaver eines verendeten Tiers. Corona ging trotzdem darauf zu, um sich die Verletzungen anzusehen, die zum Tod dieser Kreatur geführt hatten.

Sie sah tiefe Schnitte, die Wundränder waren verbrannt.

»Da!« schrie plötzlich einer der Männer und wies nach oben, »Flammengeier!«

***

image

DIE BRENNENDEN RAUBVÖGEL formierten sich in großer Höhe. Sieben gefiederte Feinde waren es, deren Schwingen eine beängstigende Spannweite aufwiesen.

Sie brannten, und die Luft, die wäh, rend des Fliegens über sie strich, nährte das Feuer, das ihnen anhaftete, ohne sie zu verbrennen. Sie zogen Kreise und sanken dabei tiefer.

»Sie werden gleich angreifen«, sagte Yubb.

»Versucht sie abzuschießen!« rief Corona und riß den Bogen von ihrer Schulter. Schon lag ein Pfeil auf der Sehne, die die Rebellin kraftvoll spannte.

Aber sie ließ Pfeil und Bogensehne noch nicht los, denn die Flammengeier kreisten noch zu hoch über ihnen. Einen Augenblick später stieß der erste Raubvogel herab.

Er legte die Flügel an seinen brennenden Körper und fiel wie ein Meteor vom Himmel. Er stieß dabei ein schauriges Krächzen aus und streckte seine Greifer mit den glühenden Krallen nach unten.

Corona zielte gewissenhaft.

Sie wirkte völlig ruhig. Jetzt lösten sich ihre schlanken Finger von der Sehne, und der Pfeil sauste nach oben, dem Flammengeier entgegen. Er durchbohrte die Brust des Raubvogels. Ein zweiter Pfeil traf das Tier, und es fing heftig an zu flattern, überschlug sich und landete zwanzig Schritte von Corona entfernt im Sand.

Drei, vier klatschende Flügelschläge noch, dann lag der Vogel still, und das Feuer erlosch.

Es gelang Corona und ihrem Gefolge, weitere drei Geier abzuschießen. Die anderen kamen durch, und man wehrte sich mit dem Schwert gegen die Angreifer.

Yubb hoffte, daß Gor den Angriff der Flammengeier nicht überlebte, und als sich einer der Raubvögel von hinten auf diesen stürzte, warnte er ihn nicht.

Aber Corona erkannte die Gefahr und griff sofort ein. Mit hochgeschwungenem Schwert eilte sie Gor zu Hilfe. Als der Flammengeier mit seinem großen Glutschnabel zuhacken wollte, surrte das Schwert der Rebellin auf ihn zu und schlug ihm den Kopf ab.

Als alle Flammengeier vernichtet waren, stimmten sie ein Freudengeheul an. Doch Corona drängte darauf weiterzugehen.

Sie schaute mißtrauisch nach oben, denn sie war davon überzeugt, daß es noch mehr von diesen Raubvögeln gab.

Während sich die Gruppe der Felsenfestung näherte, nahm Corona Yubb beiseite und raunte ihm zu: »Ich habe es genau gesehen.«

Yubb musterte sie fragend. »Was?«

»Du hättest Gor retten können, hast es aber nicht getan. Du wolltest, daß der Flammengeier Gor für dich aus dem Weg räumt. Ich sollte dich bestrafen.«

»Irgendwann wirst du erkennen, daß es falsch ist, diesem Fremden zu vertrauen. Hoffentlich kann ich dich dann vor Schaden bewahren«, sagte Yubb. »Gor spielt nicht falsch.«

»Woher willst du das wissen?«

»Ich fühle es. Ich habe mich für ihn entschieden. Er gehört von nun an zu mir und wird in Zukunft immer an meiner Seite stehen. Ich erwarte von dir, daß du meine Entscheidung respektierst, Yubb. Zwing mich nicht, dich als Feind zu betrachten.«

»Ich werde niemals dein Feind sein.«

»Wer Gors Feind ist, ist auch mein Feind!« sagte die Rebellin hart, beschleunigte ihren Schritt und ging kurz darauf neben dem Hünen.

***

image

SIE KLETTERTEN ÜBER gelbes Gestein zum dunklen, schmalen Eingang hoch. Gor wollte der Rebellin helfen, doch sie lehnte seine Hilfe ab. Durch einen langen Gang mußten sie hintereinander gehen, weil sie nebeneinander keinen Platz hatten.

Die Wände waren glatt und verströmten eine eigenartige Kälte. Es gab mehrere kleine Räume, die um einen großen Saal angeordnet waren, und durch schmale Schächte fielen helle Lichtbündel.

Aus dem Maul eines steinernen Drachen plätscherte klares, silbern perlendes Wasser. Yubb trank davon, und es schadete ihm nicht.

Corona sagte, welche Räume sie für sich beanspruchte. Der Rest stand ihren Getreuen zur Verfügung. Gor durfte bei ihr wohnen, und das war Yubb ein Dorn im Auge, aber er fand sich vorläufig damit ab.

Er teilte mit Coronas Erlaubnis die Wachen ein, und er wies diese an, sofort Alarm zu schlagen, wenn ihnen etwas verdächtig Vorkommen sollte. Als die Nacht anbrach, lagen Corona und Gor nebeneinander.

»Was weißt du von Taran, dem schwarzen Traumdämon?« fragte Gor.

»Nicht sehr viel«, antwortete die Rebellin. »Nur, daß er sehr stark gewesen sein soll. Er tötete seine Feinde mit schrecklichen Träumen, die sie in den Wahnsinn trieben. Ein Teil dieser Kraft blieb in diesem Tal zurück. Man kann es spüren.«

Gor bestätigte das.

»Es ist mit ein Grund, weshalb ich dieses Ziel gewählt habe«, sagte Corona.

»Ich verstehe nicht, was du meinst«, sagte Gor. Er richtete sich auf und blickte auf die schöne Rebellin hinunter.

»Man sagt, demjenigen, der sich hierher wagt, offenbart sich im Traum die Zukunft. Aber man kann sich nicht darauf verlassen. Dazu kommt es nicht immer. Manchmal träumt man auch nur von der eigenen Vergangenheit.«

»Wer ist daran schon interessiert?« sagte Gor.

»Solltest du es nicht sein?« fragte Corona. »Als wir dich fanden, wußtest du nichts von dir. Du kanntest nicht einmal deinen Namen,«

»Ich heiße Gor.«

»Diesen Namen habe ich dir gegeben«, sagte Corona. »Wie du wirklich heißt, wissen wir nicht. Du bist ein Mann ohne Vergangenheit. Ein düsteres Geheimnis umgibt dich. Vielleicht kann ein Traum es lüften. Leider liegt es nicht bei uns zu entscheiden, was wir träumen. Wir können es uns nicht aussuchen, müssen die Träume nehmen, wie sie kommen. Wenn ich Einfluß darauf nehmen könnte, würde ich mir einen Zukunfts- und dir einen Vergangenheitstraum bescheren. Dann wüßten wir, woher du kommst und was uns erwartet.«

Gor lachte leise. »Ich kann dir sagen, was uns erwartet: Früher oder später wird Yetan, der Statthalter des Bösen, auftauchen und uns mit seiner grausamen Horde angreifen.«

»Hier drinnen sind wir ziemlich sicher vor ihm«, behauptete Corona.

»Unsere Feinde sind uns zahlenmäßig überlegen«, gab Gor zu bedenken.

»Das nützt ihnen wenig. Sie können nur einzeln in diese Festung gelangen. Ich allein könnte sie alle erledigen.«

»Du bist eine außergewöhnliche Frau, bewundernswert mutig.«

Sie strich über sein Haar. »Weißt du, was ich gern wissen würde? Wie viele Frauen es in deinem Leben schon gegeben hat.«

Er grinste. »Du bist die erste.«

»Weil du dich an die anderen nicht erinnerst.«

»Warum hast du dich gegen Asmodis aufgelehnt?«

»Er wollte mich völlig unterdrücken. Ich hätte nur tun dürfen, was ihm gefiel. Das hielt ich auf die Dauer nicht aus. Ich bin mit vielem, was Asmodis tut, nicht einverstanden, und ich kann auf meine Freiheit nicht verzichten. Lieber sterbe ich.«

»Du wirst nicht sterben. Nicht, solange ich dich beschütze«, sagte Gor.

***

image

DIE ERHOFFTEN TRÄUME stellten sich weder bei Corona noch bei Gor ein. Gor erwachte am nächsten Morgen ausgeruht, und als die schöne Rebellin die Augen aufschlug, fragte er sofort: »Nun, hast du geträumt?«

»Da war etwas«, sagte Corona. »Sehr verschwommen. So unklar, daß ich kaum etwas behalten habe. So kurz, daß man es nicht als Traum bezeichnen kann.«

»Ein Zukunftsbild?«

»Kann sein. Vielleicht wird es in den kommenden Nächten klarer. Mir war, als würde ich zwei Männer kämpfen sehen - beide groß und kräftig. Der eine... warst du...«

»Und der andere?«

»Ich weiß es nicht.«

»Vielleicht Asmodis?« fragte Gor. Corona schüttelte den Kopf. »Ich glaube nicht, daß er es war, und ich bin auch nicht sicher, daß der eine Kämpfer du warst. Wir haben noch viele Nächte vor uns. Einmal werden wir träumen, was wir möchten.«

»Was tun wir, wenn Taran zurückkommt?«

»Das ist kaum zu erwarten. Er ist schon so lange fort... Aber wenn er zurückkehrt, ziehen wir weiter.«

»Vorausgesetzt, er hat nichts dagegen.«

An diesem Tag lernten sie die Festung besser kennen. Sie entdeckten Geheimgänge, die zu unauffälligen Verstecken führten, und es gab gut verborgene Fluchtwege, die von außen nicht zu sehen waren.

»Hier bleiben wir sehr lange«, sagte Corona. »Wenn es Yetan nicht gelingt, unserer Spur zu folgen, können wir hier in Ruhe und Frieden leben.«

Es hörte sich seltsam an, wenn Corona, dieses kriegerisch aussehende Mädchen, von Frieden sprach, aber sie sehnte sich wirklich danach - nach dem Frieden nach der Rache. Denn auf diese wollte sie nicht verzichten.

Sie gehörte nicht zu jenen, die kuschten und sich duckten, wenn Asmodis sie schlug.

Corona, die Rebellin, schlug zurück! Aber dazu brauchte sie den Speer des Hasses.

Am Nachmittag sagte Yubb zu Gor: »Ich muß mit dir reden.«

Gor musterte den Rivalen nachdenklich und willigte schließlich ein. Sie zogen sich in einen kleinen Raum zurück, wo sie ungestört waren.

»Was willst du?« fragte Gor unfreundlich.

»Ich habe eine schlaflose Nacht hinter mir«, sagte Yubb. »Ich wälzte Probleme... Vieles ging mir durch den Kopf, und ich kam zu der Einsicht, daß es keinen Sinn hat, wenn wir uns gegenseitig das Leben schwermachen. Du bist Coronas Favorit, hast mich von meinem Platz verdrängt, Amd ich bin bereit, mich damit abzufinden.«

Gor musterte sein Gegenüber mißtrauisch. »Wo ist der Pferdefuß?«

»Es gibt keinen«, beteuerte Yubb. »Ich bin entschlossen, mich unterzuordnen. Wenn Corona dich an ihrer Seite haben möchte, darf ich mich nicht dagegen auflehnen. Ihr beide seid für mich von nun an eine Einheit. Das bedeutet, daß dein Wort genausoviel Gewicht hat wie das von Corona.«

»Es wird dir nichts ausmachen, von mir Befehle entgegenzunehmen?«

»Nicht mehr. Das ist vorbei«, sagte Yubb. »Wahrscheinlich werden wir niemals Freunde werden, aber was mich betrifft, so werde ich dir von nun an mit Achtung und Respekt begegnen, wie es dem Mann geziemt, der an Coronas Seite steht.«

Damit hatte Gor nicht gerechnet. »Du scheinst es wirklich ernst zu meinen«, sagte er gedehnt.

»Zweifelst du an meinen Worten?«

»Ich muß gestehen, ich bin überrascht. Ich hatte mich darauf eingestellt, dir niemals den Rücken zuzukehren. Ich erwartete eher, daß du mir bei der erstbesten Gelegenheit deinen Dolch in den Rücken stoßen würdest.«

Yubb zuckte mit den Schultern. »Du hast dich geirrt.«

»Ein erfreulicher Irrtum«, sagte Gor. Yubb streckte ihm die Hand entgegen, und Gor schlug grinsend ein. Yubb holte zwei Silberbecher. »Die habe ich gefunden«, sagte er. »Und das, was sich darin befindet, habe ich selbst gebraut. Ich verrate dir später die Zusammensetzung. Erst trinken wir.«

Er hielt Gor einen der beiden Becher entgegen. Gor griff grinsend nach dem anderen.

»Du mißtraust mir immer noch?« fragte Yubb.

»Mir geht das alles zu schnell«, antwortete Gor. »Ich muß mich an die neue Situation erst gewöhnen. Nimm es mir nicht übel.«

Sie tranken.

»Schmeckt verdammt gut«, sagte Gor.

»Ihr werdet beide davon profitieren -du und Corona«, sagte Yubb. »Der Trank wird dich stärker und ausdauernder machen.«

Gor blickte in den halb leeren Becher. »Was hast du da hineingetan?«

Yubb zählte einige Ingredienzien auf. Gor kannte die meisten nicht.

»Es schmeckt hervorragend.«

»Und die Wirkung wird nicht lange auf sich warten lassen. Trink den Rest.« Gor setzte den Silberbecher an die Lippen und trank gierig.

»Weißt du immer noch nicht, wie dein richtiger Name ist?« fragte Yubb.

Gor schüttelte den Kopf.

»Manchmal erweitert dieser Trank auch das Bewußtsein«, sagte Yubb. »Kann sein, daß dir plötzlich Dinge einfallen, die Licht in das Dunkel deiner Vergangenheit bringen. Wir möchten alle wissen, woher du kommst, was du früher getan hast.«

»Vielleicht habe ich keine Vergangenheit«, sagte Gor, »Jeder hat eine Vergangenheit.«

»Dann wird sie mir einfallen.« Gor hielt Yubb den Silberbecher hin. »Kann ich noch etwas davon haben?«

»Es ist nichts mehr da.«

»Warum hast du nicht mehr gebraut?«

»Ich brauchte nicht mehr, um dich zu vergiften!« sagte Yubb trimphierend.

»Um mich zu...« Er wollte sich auf Yubb stürzen, doch dieser wich grinsend zurück. »Ich habe doch deinen Becher...«

»Ich rechnete mit deinem Mißtrauen. Ich war ganz sicher, daß du nicht den Becher nehmen würdest, den ich dir anbot. Du hast dich selbst für das Gift entschieden.«

Gor sah den Rivalen doppelt... vierfach... Yubbs grinsendes Gesicht bewegte sich vor seinen Augen, als würde er durch ein Kaleidoskop sehen.

Wenn er zupackte, griff er ins Leere. Eine heiße Woge durchraste ihn, weißer Schaum bedeckte seine Lippen. Ihm war, als würden Dolche durch seine Eingeweide schneiden.

Er röchelte, krümmte sich, preßte die Arme zitternd gegen seinen von Schmerzen durchtobten Leib. Er schwankte, verdrehte die Augen und brach zusammen.

Yubb grinste eiskalt. Es war leichter gewesen, als er gedacht hatte. Er hatte Gor großartig getäuscht.

»Dachtest du wirklich, ich würde so einfach auf Corona verzichten?« zischte Yubb. »Der Platz an ihrer Seite bedeutet auch Macht, und die darf mir kein dahergelaufener Bastard streitig machen!«

Yubb kannte die Wirkung des Gifts. Er hatte keine Lust, zu bleiben und sich den Todeskampf anzusehen. Zufrieden entfernte er sich, und er würde sehr erstaunt tun, wenn man ihm erzählte, daß Gor nicht mehr lebte.

***

image

ABER SIE ENTDECKTEN ihn zu früh. Gor lebte noch. Ladusa, die Dienerin der schönen Rebellin, schlug Alarm. Gor war nicht mehr bei Bewußtsein, aber wenn er sehr viel Glück hatte, konnte man ihn noch retten.

Corona aktivierte die Magie, die sich in ihrem goldenen Diadem befand. Der rote Stein verfärbte sich, strahlte gelbes Licht auf den Hünen, sickerte ein und verhinderte ein Fortschreiten des Giftes, Aber die magische Wirkung würde nicht lange anhalten. Sobald sie nachließ, arbeitete das Gift wieder, und noch einmal würde es sich nicht aufhalten lassen.

Es mußte schnellstens ein Gegengift beschafft werden.

Das Gift der weißen Viper!

Ein seltenes Reptil. Aber es kam auch im Tal der Träume vor.

Corona schickte nach Yubb.

Als er Gor auf dem Boden liegen sah, riß er die Augen auf. »Was hat er?«

»Du weißt es ganz genau!« herrschte ihn die Rebellin wütend an. »Du verfluchter Giftmischer! Ich habe dich gewarnt. Dachtest du, ich würde nicht darauf kommen, daß du hinter diesem Giftanschlag steckst?«

»Ich schwöre dir, ich habe damit nichts zu tun, Corona. Er muß irgend etwas gegessen oder getrunken haben...«

»Schweig!« schrie Corona. »Du kriegst die Strafe, die dir gebührt, und ihn wird das Gift einer weißen Viper retten.«

»Draußen kreisen vielleicht schon wieder Flammengeier über dem Tal. Und Yetan kann schon in der Nähe sein. Es wäre nicht klug, die Festung zu verlassen, um nach einer weißen Viper zu suchen.«

Corona wies auf ihn. »Entwaffnet ihn!«

Die Rebellin würde ihn zum Tod verurteilen. Wenn er schon sterben mußte, dann mit dem Schwert in der Hand. Er riß es aus der Scheide und bedrohte damit Corona.

»Widerrufe deinen Befehl, sonst durchbohrt dich mein Schwert!« schrie er.

Corona hob furchtlos den Kopf. »Stoß zu. Ich habe keine Angst.«

Yubb dachte, sie als Geisel nehmen zu können. Wenn er Corona in seine Gewalt brachte, würde es niemand wagen, sich ihm in den Weg zu stellen.

Dann konnte er die Festung verlassen und gehen, wohin er wollte. Er würde sich zu Yetan durchschlagen und ihm seine Dienste anbieten. Der Statthalter des Bösen würde ihn mit offenen Armen empfangen.

Yubb sprang vorwärts, doch ehe er die Rebellin packen konnte, landete die Breitseite einer Schwertklinge auf seinem Hinterkopf und streckte ihn nieder.

»Entwaffnen und einsperren!« befahl Corona. »Er wird bald bereuen, was er getan hat!«

Man schaffte ihn fort.

Corona ließ Gor in ihre Gemächer bringen, und dann schickte sie ihre Getreuen los.

»Bringt eine weiße Viper! Aber beeilt euch, sonst stirbt Gor!«

Männer und Frauen verließen die Festung und schwärmten draußen aus, um irgendwo eine weiße Viper aufzustöbern. Für Corona begann ein banges, nervenzermürbendes Warten.

Nur zwei Männer bewachten den Eingang, alle anderen hatten die Festung verlassen. Wie tot lag Gor in den Armen der schönen Rebellin. Sie hatte lange nicht mehr geweint, doch nun liefen Tränen über ihre Wangen und tropften auf Gors Gesicht.

Sie hatte ihm den weißen Schaum von den Lippen gewischt, und sie war froh, daß er keinen Schmerz spüren konnte. Sie konnte nichts mehr für ihn tun.

Nur noch warten und hoffen.

***

image

ÜBER DEM TAL DER TRÄUME kreisten keine Flammengeier, und Yetan und seine Horde war auch nicht in der Nähe. So konnten Coronas Getreue gefahrlos nach einer weißen Viper suchen.

Zwei Mädchen entdeckten nach mühsamem Aufstieg so ein weißes Reptil. Zusammengerollt lag es auf dem ockerfarbenen Stein und regte sich nicht.

Vorsichtig näherten sich die Mädchen dem Tier. Sie wußten um die Gefährlichkeit dieser Schlangen. Der Biß der weißen Viper war nicht nur äußerst schmerzhaft, sondern auch tödlich.

Nur Gor würde daran nicht sterben, denn die Wirkung des einen Gifts würde jene des anderen aufheben.

Die Mädchen verständigten sich mit Handzeichen. Eine würde die Schlange reizen, die andere blitzschnell zupacken. Trotz aller Schnelligkeit mußte der Griff aber auch sicher sein.

Wenn das Mädchen, das zupackte, die Schlange nicht knapp hinter dem Kopf erwischte, war es verloren.

Langsam hob die ›Fängerin‹ die Hand. Sie konzentrierte sich auf das Reptil, während ihre Begleiterin die Viper erschreckte, indem sie sich nach vorn beugte und so tat, als wollte sie die Viper mit beiden Händen vom Felsen fegen.

Die Schlange war nicht ängstlich. Weiße Vipern waren wegen ihrer Angriffslust bekannt und gefürchtet. Das Biest machte seiner Gattung auch sofort alle Ehre.

Zischend schnellte es dem Mädchen entgegen, das sich rasch in Sicherheit brachte, während das andere Mädchen entschlossen Zugriff. Sie packte hart zu, damit ihr das Reptil nicht entgleiten konnte.

Wütend wand sich der Schlangenkörper um das Handgelenk des Mädchens. Das Maul des Reptils öffnete sich, und lange schwarze Giftzähne wurden sichtbar.

Es verbreitete sich wie ein Lauffeuer, daß man die Suche beenden konnte. Alle kehrten in die Felsenfestung zurück, und Corona übernahm die Giftschlange mit großer Vorsicht.

Ladusa half ihr, den Reptilienleib vom Handgelenk der Fängerin zu winden. Die Viper schlang sich sofort um Coronas Gelenk, aber das war nicht gefährlich.

Gespannt sahen alle zu, wie sich Corona über den vergifteten Hünen beugte. Sie streckte die Hand mit der Schlange aus, führte das weiße Reptil an den Hals des Mannes heran, und einen Augenblick später biß die Viper zu.

Damit hatte das Reptil getan, was es tun sollte. Es freizulassen wäre gefährlich gewesen, deshalb hielt es Corona hoch, und Ladusa tötete die weiße Viper mit dem Dolch. Erst dann ließ Corona die Schlange fallen und schob sie mit dem Fuß zur Seite.

Am Hals des Hünen waren zwei kleine Punkte zu sehen. Hatte er genug Schlangengift abbekommen? Noch war nicht gewiß, ob Gor überleben würde.

Für Corona drohte die Spannung unerträglich zu werden. Kein Muskel regte sich in Gors Gesicht. War die Vergiftung bereits zu weit fortgeschritten gewesen? Wirkte das Schlangengift nicht mehr?

»Gor!« sagte Corona. Sie schüttelte ihn. »Gor!« Sie schlug auf seine blassen Wangen, aber er öffnete die Augen nicht. »Gor!«

Zum erstenmal reagierte er. Sein Brustkorb hob und senkte sich. Er tat einen tiefen Atemzug, und dann öffnete er unsicher die Augen. Er griff sich sofort an den Hals, spürte die kleinen Wunden.

»Der Biß einer weißen Viper«, sagte Corona. »Für jeden anderen tödlich - für dich die Rettung. Wie fühlst du dich?«

»Schwach«, antwortete Gor.

»Ich werde dich pflegen. Du wirst rasch zu Kräften kommen«, versprach die Rebellin.

»Was ist passiert?«

»Yubb gab dir Gift zu trinken. Er ist sehr schnell mit Gift zur Hand. Ich hätte dich vor ihm warnen müssen, aber ich dachte nicht, daß er es wagen würde, dich zu beseitigen.«

Gor nickte. »Ich erinnere mich. Er wollte mit mir reden, ich stimmte zu.« Corona verlangte, man möge sie mit Gor allein lassen, Ihre Getreuen zogen sich zurück. Ladusa hob die tote Schlange auf und nahm sie mit.

»Wo ist Yubb?« fragte Gor.

»Ich ließ ihn einsperren.«

»Bring mich zu ihm. Ich werde ihm mit dem Schwert...«

»Du bist noch zu schwach. Ich werde ihn bestrafen«, sagte Corona, und ein harter, unerbittlicher Ausdruck erschien in ihren Augen.

Sie rief Ladusa und trug der Dienerin auf, Gor jeden Wunsch zu erfüllen, dann verließ sie den Raum und begab sich zu Yubb. Er hockte in sich zusammengesunken auf dem Boden.

»Du mußt das verstehen, Corona«, sagte er. »Lange Zeit durfte ich den Platz an deiner Seite einnehmen, mein Rat war dir stets willkommen, und plötzlich taucht dieser Fremde auf, und ich bekomme von dir einen Tritt...«

»Steh auf!« befahl Corona schneidend. »Du hast es gewagt, dein Schwert gegen mich zu erheben, wolltest den Mann vergiften, dem ich verbunden bin.«

»Ich habe dir meine Beweggründe genannt...«

»Du hättest dich nicht so sehr vergessen dürfen. Damit hast du mich gezwungen, das Urteil über dich zu fällen.« Yubb stand langsam auf. Corona zog ihr Schwert. »Was hast du vor?« fragte er heiser.

»Du mußt sterben, Yubb.«

»Ich bin unbewaffnet, wehrlos.«

»Gor war auch wehrlos. Ahnungslos trank er dein Gift.«

»Aber er ist nicht daran gestorben.«

»Das ist nicht dein Verdienst«, sagte die schöne Rebellin scharf.

Sie setzte Yubb die Schwertspitze an die Kehle. »Komm mit! Öder möchtest du lieber gleich hier sterben?«

Er folgte ihr, und sie verließ mit ihm die Festung. Er mußte vor ihr zur Talsohle hinunterklettern.

Unten angelangt, blieb er stehen. Er drehte sich um. »Laß mich laufen, Corona. Schenk mir mein Leben. Ich gehe fort. Du siehst mich nicht wieder. Heb dir deine Rachegelüste für Asmodis auf.«

Corona sprang neben ihn. »Geh!« sagte sie knapp.

»Wohin?«

»Zur Mitte des Tals.«

Er gehorchte. Als er die Talmitte erreicht hatte, wandte er sich abermals um. »Und was nun?«

Wieder aktivierte Corona die Diadem-Magie. Ein roter Lichtstrahl stach aus der steinernen Träne, spaltete sich und raste auf Yubbs Füße zu. Wie Peitschenenden schlangen sich die Strahlen um Yubbs Gelenke. Ein kräftiger Ruck, und er fiel auf den Rücken, Wieder attackierte ihn Coronas Magie. Diesmal traf sie seine Hände, und dann lag er - ausgespannt zu einem großen X—auf dem Boden. Magisch gefesselt.

Er schrie und versuchte sich von den Fesseln zu befreien, doch das war ihm nicht möglich. Wild bäumte er sich auf, und er rief immer wieder Coronas Namen.

»Das kannst du nicht tun!« brüllte er.

Überall im Tal war seine Stimme zu hören.

»Du siehst, daß ich’s kann«, gab Corona eisig zurück. »Ich hätte dir kein Leid zugefügt, wenn du in deinem gekränkten Stolz nicht den Verstand verloren hättest. Was du getan hast, schreit nach Sühne,«

»Ich bin bereit, mich zu verantworten. Laß mich mit Gor kämpfen. Ich bin auch bereit, mit dir die Klinge zu kreuzen...«

»Das bist du nicht wert, deshalb wirst du hier liegen, bis dich die Flammengeier entdecken. Dieser Tod ist eines tückischen Verräters würdig.«

»Corona«, schrie Yubb, »Komm zurück! Laß dein Schwert hier, damit ich mich verteidigen kann.«

Sie blieb stehen und schaute über die Schulter zurück, »Hatte Gor eine Chance?«

»Dein Schwert!« flehte Yubb.

»Du brauchst es nicht. Schließ die Augen und warte. Irgendwann werden sie kommen. Sie werden über dir kreisen, du wirst sie hören und wissen, daß das Ende nahe ist, aber du wirst nichts dagegen unternehmen können.«

»Das ist eine grausame Strafe!«

»Für eine grausame Tat«, entgegnete Corona hart und kehrte in die Festung zurück.

Draußen brüllte Yubb. Er rief Gor. »Sieh, was sie mit mir macht. Für dich wird sie sich ein Ende ausdenken, das vielleicht noch grausamer sein wird. Sie kennt kein Erbarmen. Wenn sie genug von dir hat, entledigt sie sich deiner. Wenn du dir das ersparen möchtest, mußt du ihr zuvorkommen. Töte sie, Gor, Aber töte sie rechtzeitig!«

Er schrie fast die ganze Nacht, Erst als der Morgen graute, verstummte er so plötzlich, daß Gor und Corona glaubten, die Geier hätten ihn zum Schweigen gebracht, aber als sie dann vor die Festung traten, sahen sie, daß er noch da war und wartete.

Gor ging es besser. »Ein Schwertstreich hätte genügt«, sagte er.

Corona sah ihn ärgerlich an. »Keine Kritik! Ich tue, was ich für richtig halte!«

»Er wird verdursten.«

»Oder die Geier fressen ihn. Mir ist das eine so recht wie das andere«, sagte die schöne Rebellin leidenschaftlich. »Wer mich angreift, hat keine Gnade zu erwarten. Diese Erfahrung wird auch Yetan schon bald machen. Wir werden ihn hier erwarten und vernichtend schlagen. Und dann ziehen wir weiter.«

»Um einen neuen Lebensbereich zu finden?«

Die Rebellin schüttelte wild ihre schwarze Mähne. »Um den Speer des Hasses zu holen. Und dann greifen wir Asmodis an!«

»Du wagst sehr viel.«

»Ich schrecke vor nichts zurück!« behauptete Corona. »Asmodis' Tage sind gezählt.«

***

image

YETANS HAUT WAR DUNKELBRAUN, fast schwarz. Er hatte dreifingrige Hände mit fleischfarbenen Krallen. Sein Körper war gedrungen. Er machte den Eindruck von geballter Kraft.

Seine Augen waren weiß, hatten keine Iris, keine Pupille. Dennoch war Yetan nicht blind. Im Gegenteil, er hatte so scharfe Augen wie ein Adler.

Er und seine wilde Teufelshorde ritt auf hyänenähnlichen Tieren, die fast so groß wie Pferde waren.

Der wilde Haufen hatte sich zusammengerottet und wartete auf die Rückkehr des Fährtensuchers.

Warten war nicht gerade die große Stärke des Statthalters des Bösen. Er hatte sein Leittier an einen Baum gebunden und ging ungeduldig auf und ab.

Cyrus, sein Stellvertreter und Vertrauter, versuchte ihn zu beruhigen, derm Yetan war gefährlich jähzornig, und wenn etwas nicht so ablief, wie er sich das vorstellte, konnte er sehr leicht explodieren, und wer sich dann in seiner Nähe befand, hatte nichts zu lachen.

Cyrus hatte langes, struppiges Haar und trug ein dickes, zotteliges Fell. Er war dem Statthalter des Bösen hündisch ergeben und führte jeden seiner Befehle unverzüglich aus.

Er war stets bemüht, Yetan bei Laune zu halten, denn das kam ihm selbst zugute. Zwischen den Wutanfällen kam Cyrus mit Yetan ganz gut zurecht.

Wäre Cyrus kein Höllenwesen gewesen, hätte man sagen können, er redete mit Engelszungen auf Yetan ein, doch er merkte schon, daß es nichts nützte. Yetan wollte sich nicht beruhigen.

»Es kann doch nicht so schwierig sein, ihre Spur zu finden«, knurrte der Statthalter des Bösen.

»Ludger ist unser bester Fährtensucher«, sagte Cyrus.

»Er war der beste. Nun wird er alt. Seine Augen lassen nach, er wird träge. Ich sage dir, er spielt uns etwas vor, aber mich kann er nicht täuschen. Ich weiß, was mit ihm los ist. Er ist als Fährtensucher nicht mehr zu gebrauchen.«

»Ich habe nicht den Eindruck, daß Ludger...« wagte Cyrus zu erwidern. Er wußte, daß er sich sehr viel herausnahm. Erschrocken brach er ab.

Yetan starrte ihn mit seinen weißen Augen durchdringend an. »Du ergreifst für ihn Partei!«

»Du darfst das nicht falsch verstehen...«

»Ich verstehe es schon richtig«, sagte Yetan. »Hast du dich nicht dafür eingesetzt, daß Ludger erst Fährtensucher wird?«

»Ich habe mich für ihn verwendet, weil ich von seinen überragenden Fähigkeiten überzeugt war«, sagte Cyrus.

»Was mußte er dir dafür geben, damit du ihn zur Nummer eins machst?« fragte Yetan lauernd.

Cyrus erschrak wieder. »Nichts«, sagte er schnell. »Gar nichts.«

»Du fürchtest, ich könnnte dich zur Verantwortung ziehen, wenn Ludger versagt. Ist es nicht so?«

Cyrus leckte sich die Lippen, »Das wäre nicht richtig.«

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738918250
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (März)
Schlagworte
corona rebellin hölle tony ballard
Zurück

Titel: Corona, die Rebellin der Hölle: Tony Ballard #127