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Sheng #15: Im Tal der Sklaven

2018 120 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Title Page

IM TAL DER SKLAVEN

Klappentext:

Roman:

SHENG – Der Kung Fu – Kämpfer

 

Band 15

 

IM TAL DER SKLAVEN

 

Ein Western von Uwe Erichsen

 

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Edward Martin/ Schottland, 2018

Redaktion und Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Klappentext:

Der Chinese Lee Wantschi ist am helllichten Tag von seiner kleinen Farm am Big Sandy Creek entführt worden. Sheng kennt die Familie und verspricht, alles zu tun, was in seiner Macht steht, um Lee Wantschi zu finden. Die Suche führt den Kung Fu-Kämpfer zum winterlichen Weston Pass – und zu einer abgelegenen Mine, wo Lee Wantschi und viele andere Chinesen unter menschenunwürdigen Bedingungen gezwungen werden, dort nach Gold zu graben. Bewacht werden sie von gewissenlosen weißen Halunken – und von chinesischen Mördern, die Mitglieder des Geheimbundes des Schwarzen Drachen sind. Sheng weiß, dass es seinen Tod bedeutet, wenn er zu viel riskiert. Aber er hat Lee Wantschis Familie sein Wort gegeben – und deshalb muss er jetzt sein eigenes Leben aufs Spiel setzen, um die Gefangenen aus den Händen ihrer Peiniger zu befreien.

 

 

 

 

Roman:

Sheng hatte den Hut tief in die Stirn gezogen. Den Kopf hielt er gesenkt, den Blick scheinbar starr auf das fast leere Glas gerichtet, das vor ihm auf der Theke stand.

Irgendwo im Haus klapperte eine Tür. Der Wind rüttelte an den Schlagläden vor den Fenstern. Der Barkeeper kratzte sein unrasiertes Kinn.

Sheng bewegte sich nicht. Aus den Augenwinkeln beobachtete er die beiden Männer, die neben ihm an der Theke standen. Schweigsame Gestalten. Von einer inneren Spannung beherrscht.

Es war kalt im Saloon. Das Sägemehl auf dem rohen Bretterboden roch feucht und stickig, dicker Staub bedeckte Tische und Stühle.

Die Goldgräber hatten die Stadt verlassen. Die Huren und Spieler, die Händler und Revolvermänner waren ihnen gefolgt.

Alle. Bis auf Butch Prewitt, den Besitzer des ,lronhorn Saloon’.

Und bis auf die zwei Kerle an der Theke.

Sheng spürte instinktiv, dass die beiden auf einen Menschen warteten, um ihn zu töten.

Vor zwei Stunden waren sie angekommen. Seit ihrer Ankunft hatte jeder von ihnen zwei Gläser Whisky getrunken. Dazu hatten sie etwas kaltes Fleisch gekaut, das sie bei sich trugen. Unter der herabgezogenen Krempe seines braunen Hutes konnte Sheng die abgewetzten Griffschalen ihrer schweren Revolver sehen. Die Waffen steckten in sorgsam gefetteten Halftern. Das Metall der Rahmen der Trommeln und der Läufe glänzte blauschwarz.

Butch Prewitt, der Barkeeper, kratzte seinen Bart, dann ließ er seine Blicke auffordernd zwischen Sheng und den beiden Kerlen hin und her wandern, um sich achselzuckend wieder seinem juckenden Bart zu widmen.

Ja, Sheng wusste: Diese beiden Männer waren gekommen, um zu töten.

Er kannte den Ausdruck in ihren Augen. Er hatte ihn in den letzten Jahren zu oft gesehen. Dazu kam die gespannte Haltung, die einsilbige Unterhaltung. Die Anzeichen waren nicht zu übersehen, sie teilten sich selbst dem Barkeeper mit, der vor dem Eintreffen dieser Männer geschwätzig und wichtigtuend herumgelaufen war und das Wenige, das er noch vorrätig hatte, seinem einzigen Gast anzudrehen versuchte.

Sheng hatte sich mit der letzten Flasche Limonade zufrieden gegeben. Lieber hätte er sich eine Tasse Tee zubereitet.

Aber auch er musste bereit sein, denn auch er wartete auf jemanden. Auf einen Mann, der durch die Stadt kommen sollte. Sheng hatte von diesem Mann gehört und wollte ihm einige Fragen stellen.

Die Haltung der beiden Revolvermänner veränderte sich, als sie das Knarren der Schwingtüren hörten. Ihre Köpfe fuhren herum.

Der fleckige schwere Filzvorhang vor dem Eingang geriet in Bewegung, er blähte sich vor dem Wind, der durch die geöffneten Flügel der Schwingtür fauchte. Kurz darauf schälte sich ein Mann durch den Stoff, er blinzelte in das schwache Licht der wenigen Lampen und rieb die kalten Hände aneinander.

Sheng hob den Kopf. Aus dunklen, leicht geschlitzten Augen blickte er den Neuankömmling an. Das war der Mann, auf den er wartete. Dieser Mann musste in der Lage sein, ihm Auskunft über das Schicksal einiger Landsleute zu geben.

Der Neuankömmling war ein breitschultriger Hüne, der in dem unförmigen Pelzmantel plump wirkte. Er hatte einen breiten eckigen Schädel mit tiefliegenden kleinen Augen, die rasch über die Gesichter der Anwesenden huschten.

Die Augen verengten sich. Blitzartig hatte der Mann die Gefahr erkannt, in der er schwebte.

Denn die beiden Revolvermänner waren gekommen, um ihn zu töten.

 

*

 

Der vordere der beiden Revolvermänner schob sich ein Stück nach vorn. Seine rechte Hand lag breit auf der Theke. Die Haltung des anderen wirkte jetzt starr. Seine Schusshand hing locker herab. Keiner von ihnen achtete auf Sheng, den schlanken großen Fremden, der unbewaffnet war. Unbewaffnet jedenfalls, wenn man nur Revolver und ähnliche Instrumente als Waffen bezeichnete.

Der Mann, der eben den Ironhorn Saloon betreten hatte, stellte die Beine auseinander. Die Füße steckten in derben Fellstiefeln, die bis zu den Knien mit Schlamm bedeckt waren. Seine Arme hingen herab. In der linken Hand hielt er die Lederhandschuhe, die er ausgezogen hatte. Der Mantel war zugeknöpft. Die Hände des Breitschultrigen kamen nicht an die Waffen heran, die er unter dem Mantel tragen mochte.

„Hi, Mac“, sagte einer der beiden Revolvermänner mit leiser Stimme, die sich mit dem Pfeifen des Windes vermischte.

Der mit Mac Angeredete bewegte die mächtigen Schultern unter dem schweren Mantel. Die kleinen Augen zuckten hin und her auf der Suche nach einem Ausweg aus dieser tödlichen Falle. Von dem Gesicht war unter dem mächtigen struppigen rötlichen Bart kaum etwas zu sehen. Eine hohe Fellmütze, die auch die Ohren bedeckte, ragte tief in die Stirn. Er stand da wie ein Angeklagter, der ein Urteil erwartet.

„Was wollt ihr Strolche von mir?“, stieß er schließlich hervor.

Der zweite Revolvermann löste sich von der Theke. Zwei Schritte neben seinem Partner blieb er stehen. Sheng sah ihre Rücken. Bei beiden zogen sich die rechten Schultern ein wenig in die Höhe. Der Wind ließ für einen Augenblick nach. Sheng hörte die keuchenden Atemzüge des Barkeepers.

Mac riss die Arme hoch. Mit den mächtigen Fäusten fetzte er seinen Mantel vorn auseinander. Die Hände der Killer zuckten zu den Waffen.

Mac konnte es nicht schaffen. Die Kugeln seiner Mörder mussten schneller sein.

„Schießen Sie nicht auf ihn“, sagte Sheng ruhig.

Seine Stimme hatte leise geklungen. Unvermittelt setzte der Sturm wieder ein, heftiger als zuvor rüttelte er am Haus und ließ die Türen schlagen.

Die Revolvermänner wirkten wie erfroren. Langsam ließen sie ihre Revolverhände sinken. Sie zogen die Köpfe zwischen die Schultern. Einer von ihnen drehte sich langsam um.

Er war der jüngste der beiden. Ein Bursche mit einem glatten Gesicht und messerdünnen Lippen. Die Augen hart wie Stein, über einer Nase, die er einem Raubvogel abgenommen haben musste.

Die Augen wurden groß und rund, und sie begannen zu funkeln.

Die Haltung des seltsamen Fremden hatte sich nicht verändert. Immer noch stand er da vor seinem fast leeren Limonadenglas, die Hände lagen auf der Theke. Neben ihm auf dem schmutzigen Boden stand die Deckenrolle.

Eine Waffe war bei diesem hageren Mann nicht zu sehen.

Der Bursche schrie wütend auf, wirbelte herum. Seine Hand mit den gekrümmten Klauenfingern fiel auf den Kolben des Revolvers.

Mac versuchte, seinen eigenen Revolver herauszureißen. Das schwere Fell des Mantels behinderte ihn. Die beiden Killer hatten ihre Verblüffung überwunden. Die Waffen fuhren aus den Halftern, die Mündungen schwenkten in die Höhe.

Niemand hörte die Schritte Shengs, wie niemand die Sprünge des Tigers hören kann. Zwei, drei Sätze, und er war hinter den Mördern. Er warf sich in die Luft unf riss den Kopf in den Nacken. Seine beiden Beine kamen hoch, noch waren sie in den Hüften und Knien leicht angewinkelt.

Sheng stieß den Schrei aus, der die Entladung seiner gesamten Energie begleitet. Die Füße waren gestreckt. Sie trafen die Rücken der beiden Mörder.

Die plötzlichen Stöße verwandelten die Männer in gespannte Bögen. Ihre Arme flogen in die Höhe. Mit ihnen die Waffen. Zugleich brüllten die Revolver auf. Das Blei fuhr in die geschwärzte Holzdecke.

Sheng fiel auf den Rücken, den er zu einem Buckel gekrümmt hatte. Er rollte herum und sprang auf die Füße. Gebeugt verharrte er am Boden, denn jetzt hatte der Mann, der Mac genannt wurde, seinen eigenen Revolver herausgerissen. Sein Daumen fuhr über den Hammer.

„Nicht!“, rief Sheng.

Die Waffe ruckte in der großen Faust, ein hellroter Feuerstrahl begleitete das tödliche Blei. Der Körper eines der beiden Revolvermänner bäumte sich auf.

Sheng sprang in die Höhe. Mac richtete den Revolver auf ihn. Sheng verharrte. Seine Augen bohrten sich in die kleinen Augen des Bärtigen.

Noch einmal zog der andere den Hammer seiner Waffe zurück. Er zielte auf Shengs Auge.

„Vielleicht hast du einen Fehler gemacht, Junge“, sagte er dumpf. Der Lauf bewegte sich einen Zoll zur Seite, und der Lauf spuckte Blei.

Die Kugel zerplatzte neben Sheng auf der Klappe des Ofens. Der große Mann lachte heiser auf und wühlte sich durch den Filzvorhang. Der Wind packte die Flügel der Schwingtür und schlug sie gegen die Außenwand.

Sheng rannte dem Mann nach.

Wolken jagten tief über den Himmel. Es herrschte finstere Nacht. An der Haltestange vor dem Saloon standen nur die beiden Pferde der Revolvermänner.

Sheng lauschte.

Er hörte den Wind, der den Lauf des Tigers begleitet. Der Wind verriet ihm nicht, wohin sich der große Fremde gewendet hatte.

 

*

 

Sheng ging in den Saloon zurück.

Die Szene hatte sich nicht verändert. Wie auf einem Bild, dachte Sheng. Der Wirt hinter der Theke, die Finger der linken Hand bewegungslos am Bart.

Am Boden einer der beiden Revolvermänner, seine Hände lagen auf dem Bauch, die Finger hatte er gekrümmt. Der Revolver war seiner Hand entfallen und lag jetzt unter der rechten Schulter.

Der jüngere der beiden, der Bursche mit dem glatten Gesicht und der Raubvogelnase, war auf die Knie gesunken, nachdem ihn Shengs Fuß in den Rücken getroffen und ihm den Atem genommen hatte. Seine Hände waren leer, der Revolver lag irgendwo unter einem der wackligen Tische.

Sheng kniete neben dem Verletzten nieder. Er legte seine Finger um die Handgelenke des Verletzten. Er wartete, bis der die Berührung spürte und bis sich die Verkrampfung der Hände löste. Dann bog er die Hände zur Seite.

„Ich brauche warmes Wasser“, sagte Sheng. Er hob kurz den Blick, um den Barkeeper anzusehen. Der ließ die Hand fallen, mit der er sein Gesicht bearbeitet hatte.

Der Bursche neben Sheng erwachte aus seiner Erstarrung. Er stieß ein zorniges Knurren aus. Seine Augen zuckten, als sie den Revolver neben der Schulter des Verletzten entdeckten. Die Klauenfinger stießen zu.

Sheng war schneller. Viel schneller. Der andere sah die blitzschnelle Bewegung gar nicht, die, dem Zucken des Schlangenkopfes gleich, zugriff und den Revolver am Lauf packte.

Die Augen der ungleichen Männer trafen sich. Sheng sagte nichts. Der andere musste beginnen. Er hatte dem Tod ins Auge gesehen, und er musste diesen Schock erst überwinden.

„Was hast du getan? Du Hund...“, keuchte der Bursche. Die Finger öffneten und schlossen sich. Auf den Knien stand er Sheng gegenüber, zwischen ihnen der Körper des Sterbenden.

„Ich habe Sie davor bewahrt, einen Menschen zu töten“, antwortete Sheng ruhig. „Sie brauchen mir nicht zu danken ...“

Der Bursche starrte Sheng an, als habe er es mit einem Narren zu tun.

„Was sagst du da? Ich brauche dir nicht zu danken? Nein, natürlich brauche ich dir nicht zu danken! Und Mac da draußen, er lacht sich ins Fäustchen! Aber glaubst du, er dankt dir, dass du ihm ein paar Tage geschenkt hast? Wir erwischen ihn! Und dich auch!“

Die Augen loderten kurz auf, dann zwang der Mann seine Gefühle unter einen kalt zupackenden Willen.

„Ich brauche warmes Wasser“, wiederholte Sheng. „Und Sie sollten den Ofen anzünden.“

Der junge Bursche lachte. „Er verreckt so oder so.“

Sheng zog das blutgetränkte Hemd in die Höhe. Er sah die große Wunde, und er musste dem Urteil des Burschen zustimmen. Er streckte eine Hand aus und zog den Pelzmantel des Sterbenden von der Bank. Er breitete das warme Kleidungsstück aus, um es über den Sterbenden zu legen, dessen Atem jetzt schwach und flach mit kurzen heftigen Zügen über die bläulichen Lippen kam. Auch die Ohrläppchen und die Lider färbten sich jetzt blau.

„Du bist ein Narr!“, schrie der Bursche. Er machte Anstalten, den Mantel von dem Verletzten zu reißen. „Für einen solchen Pelz bezahlen mir die Goldsucher im Winter fünfhundert Dollar!“

Der Mann war nicht aufzuhalten. Sheng wusste es. Die gierigen Hände zerrten an dem Pelz.

Sheng suchte die Augen des anderen. Der Mann wich dem Blick aus. Sheng stieß die linke Hand vor.

Der Glattgesichtige stieß einen gurgelnden Schrei aus. Der Tigermann nahm die Hand zurück.

„Verweigern Sie Ihrem Freund nicht die letzte Wärme dieses Lebens“, sagte er, ohne den anderen anzusehen. Shengs Augen lagen auf dem Gesicht des Sterbenden.

Er erinnerte sich an eine Nacht, in der ihn sein weiser Lehrer Li Kwan holte. Sheng war damals sieben Jahre alt. Li Kwan führte ihn in die karg eingerichtete Zelle, in der viele Kerzen brannten. Sechs Mönche umstanden das Lager ihres Bruders, eines jungen Mönchs, der einige Tage zuvor bei dem Versuch, ein Kind aus einem Brunnen zu retten, verschüttet und schwer verletzt worden war. Das Kind war schließlich doch umgekommen, und der junge Mönch musste ebenfalls sterben.

Sheng hatte das Gesicht des Freundes gesehen. Es war von Schweiß bedeckt gewesen. Langsam löste sich die Spannung der Muskeln, und Sheng wusste, dass der Tod in den Körper auf dem Lager kroch. Die Mönche hatten den Sterbenden warm zugedeckt. Es war das letzte, das sie für den sterbenden Bruder tun konnten.

„Vergiss nie den Namen deines Freundes“, hatte Li Kwan gesagt. „Dann hat der Tod für dich einen Namen ...“

„Kuan Schu“, sagte Sheng leise.

Er blickte überrascht auf. Er hatte den Namen seines toten Bruders laut genannt. Der junge Bursche war auf die Füße gesprungen.

„Du verdammter Hund! Du wagst es... Du bist ein Gelber! Du weißt nicht, wen du vor dir hast!“

Sheng senkte den Blick. So war es gewesen, seit er den Boden dieses großen und schönen Landes betreten hatte. Die Menschen glaubten ihn hassen zu müssen, weil sie in ihm das Mitglied einer anderen Rasse sahen. Sheng legte seine Hand auf die Stirn des Sterbenden. Die letzte Wärme. Er hörte die Worte seines Lehrers. „Lass ihn die Wärme dieses Lebens mitnehmen in sein neues Leben ...“

Der Revolvermarin drehte sich um und rannte zur Tür. Er fetzte den Vorhang zur Seite, wobei er wütend schrie: „Ich lege dich um, du gelbes Vieh! Ich habe noch mein Gewehr!“

Er warf sich durch die Schwingtür. Zwei Schüsse dröhnten.

Der Mann blieb in der Tür stehen. Seine Hände klammerten sich an die Flügel der Tür. Sheng sah die großen Löcher im Rücken des Burschen, und er senkte den Kopf.

Er spürte die plötzliche Kälte des Todes in seiner Hand, und sanft drückte er dem toten Revolvermann die Lider über die Augen.

Im gleichen Moment stürzte der andere schwer zu Boden. Er war tot, noch ehe er auf die Bretter schlug.

 

*

 

Der Barkeeper hielt jetzt eine schwere doppelläufige Schrotflinte in den zitternden Händen. Die Läufe der Waffe waren abgesägt.

Sheng blickte den Mann an. „Sie brauchen das Gewehr nicht mehr“, sagte er sanft. Er ging an der Theke entlang in den Hintergrund des Saloons. Er stieß die Tür unter der Treppe auf, die ins Obergeschoss führte.

Der Wind zerrte an dem Holz. Sheng betrat den dunklen Hof. Hier roch es nach Urin. Er schloss die Tür hinter sich und lief mit langen geschmeidigen Sätzen um den langgestreckten Bau herum, bis er die Hauptstraße erreichte.

Seine Füße versanken im Schlamm. Die Plankenwege, die einmal vor den Häusern gelegen hatten, waren von den letzten Bewohnern dieser Stadt längst verheizt worden.

Sheng stand und lauschte in das Heulen des Windes, der von den schroffen Flanken der Berge herabstrich. Fern im Osten zeigte der Himmel einen helleren Streifen, durch den silbernes Mondlicht drang und die eisbedeckten Grate der Berge aufleuchten ließ. Die Wolken jagten über den Himmel wie Drachen.

In der Ferne verklang Hufschlag.

Der fremde Mann ritt nach Süden.

Sheng betrat den Saloon durch die Vordertür. Der Barkeeper hielt immer noch das Gewehr in den Händen Als er Sheng bemerkte, ließ er es sinken.

Sheng stieg über den Leichnam des jungen Revolvermannes hinweg. Er fasste ihn unter den Schultern und zerrte ihn mitten in den Raum, damit er die Tür schließen konnte. Er trat an die Theke.

Der Barkeeper starrte seinen Gast an. „Trinken Sie einen Whisky mit mir?“, fragte er.

Sheng schüttelte den Kopf. „Ich trinke keinen Alkohol. Wenn es Ihnen nichts ausmacht, machen Sie mir bitte etwas Wasser heiß.“

Sheng legte seine Deckenrolle auf die Theke und holte die kleine Teebüchse heraus.

Der Barkeeper starrte ihn an, seine Augen huschten über die beiden toten Männer, dann nickte er hastig und verschwand in der Küche. Sheng hörte ihn am Herd hantieren.

Die Stadt war bereits tot. Kein Mensch lebte hier mehr außer dem Besitzer des Ironhorn Saloon. Die Straße, die durch die Stadt führte, kam von Fairplay herauf und führte in gerader Linie zum Weston Pass, fast zwölftausend Fuß hoch. Eine eisige Hölle schon jetzt im Herbst. Die Goldsucher waren weiter nach Westen gezogen. Die neuen Namen mit dem verheißungsvollen Klang lauteten Cripple Creek, Aspen, Central City. Und irgendwo dazwischen lag ein Tal, in dem jemand Gold gefunden hatte. Gold, das in anderen Erzen gebunden war und umständlich herausgelöst werden musste. Dort wurden angeblich Chinesen für diese Arbeit herangezogen. Landsleute, die wie Sklaven gehalten wurden. Billige Arbeitstiere. Vor einigen Wochen hatte er im Süden zum ersten mal von diesem Tal gehört. Ein Gerücht, bis er jemanden traf.

Einen verzweifelten jungen Chinesen, der seinen Vater suchte.

Suig Wantschi war verzweifelt. Seine Mutter erwartete ihr fünftes Kind, als vier Männer Lee Wantschi am hellichten Tag von der kleinen Farm am Big Sandy Creek entführt hatten. Die Familie würde verhungern, wenn Lee nicht vor dem Frühjahr zurückkehrte. Sheng hatte der Frau bei der Geburt des fünften Kindes beigestanden. Es war ein kräftiger Junge, und Sheng hatte den jungen Sung Wan verpflichtet, seine Mutter und seine Geschwister nicht zu verlassen.

Seitdem folgte Sheng einer schwachen Spur. Die Spur war heißer geworden, als ein Gerücht an sein Ohr drang. Ein Überfall auf das Außenlager einer Abteilung der Colorado Railroad. Von den vierzig chinesischen Arbeitern, die den Gleisunterbau einer Nebenstrecke nach Baldwin in den West Elk Mountains vorbereiteten, waren elf erschossen und vierundzwanzig verschleppt worden.

Sheng hatte mit den Überlebenden dieses Gemetzels gesprochen. Er hatte sich die Männer beschreiben lassen und sich jedes Wort, das während des Überfalls gesprochen worden war, berichten lassen.

Dann war er weitergezogen. Sein Ziel musste jenseits des Weston Passes liegen. Es war keine gute Jahreszeit, um über die Berge zu gehen. Jenseits der hohen Range lag die Wildnis.

Aber dort hielten sich viele Unglückliche auf. Viele von ihnen würden den Winter nicht überleben, und die Menschenjäger würden ausschwärmen, um Ersatz zu fangen.

Und dann hatte Sheng von dem Mann gehört, der das Lager mit Fleisch versorgte. Ein Jäger.

„Wie hieß der Mann, der ...“ Sheng suchte nach dem richtigen Wort. Butch Prewitt stellte eine Kupferkanne mit heißem Wasser und eine derbe Porzellantasse vor Sheng auf die Theke.

„Sie meinen Mac?"

Sheng nickte. Sollte er sich geirrt haben?

„Ja, Mac. Er hat die Strolche umgelegt. Geschieht Ihnen recht!“, der Keeper nickte bekräftigend.

Sheng gab ein paar grüne Teeblätter in die Tasse und ließ dann das heiße Wasser darüberlaufen.

„Wollen Sie etwas Whisky in den Tee gießen? Viele tun das ...“

Sheng lächelte und schüttelte den Kopf. Er nahm einen kleinen Schluck, dann setzte er die Tasse wieder ab.

„Ich denke, er heißt Nicholson?“

„Kann schon sein. Er ist Schotte, deshalb nennen sie ihn alle Mac. Er kommt alle paar Wochen hier durch. Was machen wir mit denen?“

Sheng sah sich um. „Wir müssen sie begraben“, sagte er.

„Gut. Das machen wir morgen. Sie können hier schlafen...“ Prewitt biss sich auf die Lippen. „Zum Teufel... ich habe sonst kein Zimmer ...“

„Es macht mir nichts aus“, sagte Sheng. „Ich schlafe hier auf der Bank.“

„Möchten Sie etwas essen? Ich habe Bohnen da und auch etwas Speck.“

„Jetzt nicht. Morgen früh. Ich möchte schlafen.“

 

*

 

Gemeinsam ließen sie die beiden Männer in die Grube hinab. Die Grube war nicht sehr tief geworden, denn der felsige Untergrund hatte der Spitzhacke widerstanden. Sheng begann zu schaufeln, als er plötzlich das Klatschen einer Peitsche, die heiseren Schreie des Kutschers und das Rumpeln von Wagenrädern hörte.

Sheng arbeitete gleichmäßig weiter. Butch Prewitt, der Besitzer des Ironhorn Saloon und letzter Bewohner einer ehemals blühenden Goldgräberstadt, war nicht mehr zu halten. Er fürchtete, das Geschäft des Tages zu verpassen.

„Das ist Ronnie Tirado!“, rief er. „Er kömmt einmal im Monat aus Pueblo herüber. Für dieses Jahr zum letzten mal!“

Sheng blickte kurz auf. Sie befanden sich auf dem Friedhof der Stadt, hoch über den schäbigen Holzhütten mit den prächtigen Bluff-Fassaden, von denen die meisten bereits den Stürmen zum Opfer gefallen waren.

Ein schwerfälliger Planwagen rumpelte über die Steinbrücke, und die sechs Zugpferde stemmten sich ins Geschirr, als die Räder diesseits der Brücke bis zur Nabe im Schlamm versanken.

Ein Mann sprang vom Bock, zwei andere blieben oben und hieben mit ihren Peitschen auf die Rücken der Pferde ein. Der Mann hatte ein volles Gesicht mit leuchtenden roten Backen.

„Das ist Ronnie Tirado!“, schrie Butch begeistert. „Komm mit, wir machen das Grab später fertig!“

Sheng schüttelte den Kopf. „Geh nur“, sagte er. „Ich mache allein weiter.“

Butch rannte den Hang hinab, und Sheng sah ihn zwischen zwei Bretterbuden verschwinden. Der Frachtwagen rollte über die einzige Straße der verlassenen Stadt und entschwand hinter den verbliebenen Fassaden Shengs Blicken.

Sheng schaufelte die Gräber zu, dann säuberte er seine Schuhe und die Schaufeln, und in einem gleichmäßigen gleitenden Lauf lief er dann den Weg zurück.

Der Wind hatte sich in der Nacht gelegt, und es war auch etwas wärmer geworden. Die Wolken hingen jedoch tief und hüllten die Gipfel der schroffen Berge ein. Die Felsenstraße zum Pass verschwand bereits nach wenigen hundert Yards in den wallenden weißen Nebeln.

Sheng musste weiter. Der fremde Mann, Nicholson oder Mac, wie er auch genannt wurde, war nach Süden geritten, weg vom Pass. Sheng musste ihm folgen. Mac wusste, wo sich das Lager befand, in dem Shengs Landsleute gefangen gehalten wurden.

Warum war der Mann nach Süden geritten?

Sheng glaubte die Antwort zu kennen. Mac glaubte, mit einem Pferd besser ausgestattet zu sein, und im Süden waren die Wege besser, das Land nicht so schroff. Er hatte nämlich erkennen müssen, dass er Todfeinde besaß, denen er nicht schon dadurch entronnen war, dass er zwei gedungene Mörder getötet hatte.

Mac würde fliehen, wenn er ein kluger Mann war.

War er klug?

Sheng stellte die Werkzeuge in den Schuppen hinter dem Saloon, dann betrat er das Haus durch die Hintertür.

Es war noch sehr früh am Tag. Das Gespann des Ronnie Tirado musste irgendwo draußen vom Unwetter überrascht worden sein, denn sonst wäre der Driver bestimmt am vergangenen Abend bis zum Ironhorn Saloon weitergefahren.

Sheng setzte sich an einen Tisch, nicht weit von Tirado und seinen beiden Männern entfernt. Die drei warfen ihm mürrische Blicke zu. Prewitt musste dem Händler erzählt haben, was vorgefallen war, denn immer wieder traf Sheng ein Blick aus den tiefblauen Augen Tirados.

Der Keeper hatte das Feuer im Ofen angezündet. Er lächelte Sheng zu, dann lief er in die Küche und brachte eine Portion Bohnen mit Speck, die er vor ihn auf den Tisch stellte. Sheng begann zu essen. Langsam, wie es seiner Art entsprach.

Die Fuhrleute schlangen ihr Essen hinunter. Tirado wischte mit dem Handrücken über seinen Mund, dann stand er auf und kam zu Sheng. Er drehte einen Stuhl herum und setzte sich rittlings darauf.

Eine Weile sah er Sheng beim Essen zu. Schließlich verzog sich das frische Gesicht zu einem vertraulichen Grinsen.

„Du bist eine Chinese, eh? Ich hab ein Auge für euch.“

Sheng sah dem Mann in die Augen. „Ich bin Halbchinese“, sagte er.

„Das ist für mich dasselbe“, lachte der Fuhrunternehmer und Händler. Das Lachen hielt an, doch die blauen Augen hatten einen ernsten Ausdruck angenommen. Sheng spürte das Lauernde im Blick des Mannes. „Du hast Mac geholfen, mit zwei Halunken fertig zu werden?“

Sheng nickte. „Haben Sie ihn gesehen?“

Der Ausdruck der Augen veränderte sich nicht. „Hätte ich ihn sehen müssen?“

„Ja, denn er ist nach Süden geritten. Und Sie kamen von dort.“

Tirado stieß die Luft aus den aufgeblähten Backen.

„Mann, der wird wie der Leibhaftige geritten sein. Es gibt hier Schluchten und Täler, und ein Mann wie Mac kennt diese Gegend. Nein, ich habe ihn nicht gesehen, und ich habe ihn auch nicht gehört.“

Wie er das sagte, klang es bedauernd.

Die blauen, so harmlos und unschuldig wirkenden Augen ließen Sheng nicht mehr los. Der Mann runzelte die Stirn, dann öffnete er die Lippen, leckte mit der Zunge darüber.

„He, hast du nicht Lust, für mich zu arbeiten?“, fragte er dann.

Sheng sah, wie die Köpfe der beiden anderen herumfuhren. Er sah ihre verblüfften Mienen, den rasch in Unsicherheit und Zorn umschlagenden Ausdruck darin.

Ronnie Tirado drehte sich um. „Ist es nicht so, Jungs? Einen fleißigen Burschen können wir doch immer brauchen!“

Die beiden Kerle begannen zu grinsen, dann nickten sie heftig.

Tirado drehte sich wieder um. Seine Apfelbäckchen glänzten. „Siehst du? Ich zahle dir acht Dollar die Woche, dazu freie Verpflegung, wenn wir unterwegs sind.“

Sheng schüttelte den Kopf. „Nein, danke“, sagte er und stand auf. Er drehte sich um. Sein Deckenbündel lag unter der Treppe. Er nahm es auf und legte den Riemen über seine Schulter.

Butch Prewitt stand hinter der Theke und polierte ein Glas. Sheng blickte ihn an.

„Was muss ich bezahlen?“, fragte er ruhig.

Butch stellte das Glas ab und lehnte sich gegen die Theke. Er brachte seinen Mund nah an Shengs Gesicht. „Nichts. Du warst mein Gast.“

„Ich bin hier hereingekommen als Reisender. Ich habe in deinem Gasthaus getrunken, geschlafen und gegessen.“

„Es ist in Ordnung, Mann. Die beiden Kerle hätten mich anschließend umgelegt, weil ich ein Zeuge gewesen wäre. Ich verdanke dir mein Leben. Dafür darf ich dich doch zum Essen einladen, oder erwartest du mehr?“

Sheng schüttelte den Kopf. Er lächelte und sagte: „Mach’s gut. Ich komme vielleicht bald zurück.“

„So long, Sheng. He, was ist mit den Pferden? Nimmst du dir eins?“

Die Pferde der beiden Revolverschwinger standen im Stall hinter dem Saloon.

„Ich brauche kein Pferd“, sagte Sheng. Er drehte sich um und ging zur Tür, er schlüpfte durch den Vorhang, den Butch wieder aufgehängt hatte, und dann trat er auf die Straße.

Nicholson oder Mac, wie er genannt wurde, war nach Süden geritten. Weit konnte er in der sturmdurchtosten Nacht nicht gekommen sein. Sheng schulterte sein Bündel fester. Er wanderte nach Süden, auf die Steinbrücke zu, die über den schäumenden Fluss führte.

Er hörte und spürte die Bewegung hinter sich. Die Flügel der Schwingtür schlugen gegeneinander. Er hörte das metallische Klicken zweier einrastender Revolverhämmer.

„He, Schlitzauge, dreh dich mal um!“

Eine derbe Stimme mit einem unbarmherzigen Unterton.

Langsam ging Sheng weiter, er setzte gleichmäßig Fuß vor Fuß. Er hatte erkannt, dass diese Männer etwas Bestimmtes von ihm wollten, er wusste nur noch nicht, was. Er wollte feststellen, wie weit sie zu gehen bereit waren.

„He, du verdammtes Schlitzauge!“

Zwei Schüsse peitschten. Eine Kugel strich heiß an seinem Kopf vorbei, wobei sie die Krempe des Hutes berührte. Die andere klatschte neben seinem linken Fuß in den Schlamm, wo sie braunen Lehm aufwarf.

Sheng blieb stehen und drehte sich um.

Die Männer hatten die Hüte ins Genick geschoben. Sie waren bullige Kerle mit blonden Haaren und struppigen Bärten. Sie lachten sich an.

„Komm schon, Chinamann, sei kein Frosch! Steig auf! Du wirst sogar gefahren!“

Einer von ihnen deutete einladend auf den Planwagen. Der andere trat hinter den Wagen und begann, die Plane über dem Schlussbrett zu lösen.

Der Revolver des anderen wies auf seinen Kopf, der Hammer war gespannt. Langsam ging Sheng die wenigen Schritte zurück.

„So ist es richtig, Freundchen! Du kommst mit uns! Immer schön friedlich!“

Der Kerl lachte hämisch.

Shengs Augen wanderten umher. Die Scheiben des Saloons waren längst zerbrochen und durch aufgenagelte Bretter ersetzt worden. Ronnie Tirado verließ sich offenbar ganz auf seine Männer.

Sheng trat hinter den Wagen. Der Kerl mit dem schussbereiten Revolver versetzte ihm einen Tritt. Der Tritt brachte den Revolver für einen Moment aus der Schussrichtung.

Sheng hob das rechte Bein. Er hakte den Fuß unter die Wade des Angreifers und riss das Bein in die Höhe. Der Mann stieß einen verblüfften Schrei aus, als er nach hinten stürzte.

Sheng wirbelte herum. Der zweite Mann hielt immer noch seinen Revolver in der Faust. Er ließ die Waffe hochkommen.

Sheng versetzte ihm einen Schlag auf den Oberarm und einen Stoß gegen das Brustbein.

Schreiend stürzte er über seinen Partner in den Schlamm.

Sheng bückte sich. Rasch brachte er die Waffen der Männer an sich. In hohem Bogen schleuderte er die Schießeisen über einen flachen Schuppen hinweg, und ehe die beiden Angestellten des Händlers ihre Umgebung wieder wahrzunehmen imstande waren, hatte Sheng sich wieder in Bewegung gesetzt.

Als Ronnie Tirado nach seinen Männern sehen wollte, verschwand Sheng gerade in einem Föhrengehölz jenseits der Steinbrücke.

 

*

 

Sheng lief, bis er den Platz entdeckte, wo der Händler mit seinem Frachtwagen, den Pferden und den Männern die Nacht verbracht hatte.

Die Stelle lag am Fuß einer steilen Granitklippe. Hartes Gras bedeckte den Platz, und es gab frisches Wasser. Von hier aus führte der Weg in Serpentinen abwärts.

Obwohl sich diese Stelle noch weit unterhalb der Baumgrenze befand, wirkte sie äußerst kahl und öde. Die Felsen reckten sich zu steil in den Himmel, um größeren Bäumen Raum zum Leben zu gewähren. Es gab nur einige Strauchkiefern, die ihre schmalen Wurzeln wie Krallen in das Gestein schlugen.

Die Wolken waren tiefer herabgesunken, und Shengs Kleidung hatte sich voll Feuchtigkeit gesogen. Er umrundete den Platz, bis er die Spur des Bärtigen gefunden hatte.

Mac oder Nicholson musste den Rest der Nacht irgendwo weiter oben verbracht haben, als er das Feuer des Händlers wahrgenommen hatte. Warum, fragte sich Sheng, hatte Mac nicht im Lager des Händlers Schutz vor dem Unwetter und vor der Kälte der Nacht gesucht? Misstraute er nach dem feigen Mordanschlag im Ironhorn Saloon jetzt jedem, der seinen Weg kreuzte?

Sheng folgte der Spur. Mac hatte sich versteckt, bis der Wagen des Händlers an ihm vorbeigezogen war. Dann erst hatte er seinen Weg fortgesetzt. Sein Vorsprung konnte kaum mehr als zwei, drei Stunden betragen.

Sheng verließ die holprige Straße und glitt einen steilen, mit Geröll bedeckten Hang hinab. Unter seinen Füßen lösten sich kleine Felstrümmer, die vor ihm her in die Tiefe kollerten.

Auf halbem Weg hielt er sich am windzerzausten Geäst einer Nusskiefer fest. Langsam ließ der Tigermann seinen Blick über die Wildnis schweifen. Er sah den kaum erkennbaren Verlauf der Straße weiter unten, und er fragte sich, wie es möglich war, hier vollbeladene Wagen heraufzubringen. Es musste der erwartete hohe Profit sein, der die Männer antrieb. Die Goldgräber oben in den Bergen bezahlten wahrscheinlich jeden Preis für das, was sie benötigten, und der bevorstehende Winter trieb die Preise noch weiter in die Höhe. Die wahren Goldgräber waren Männer wie Tirado, und in gewisser Weise auch Jäger wie Mac.

Ein Dickhornschaf trat zögernd tief unterhalb des Hanges aus einem dichten Gestrüpp. Es hob seinen breiten Kopf mit dem geschwungenen Gehörn. Witternd blieb es stehen, um sich dann herumzuwerfen und wieder ins Dickicht zu brechen

Sheng setzte seinen Weg fort. Mit der Klettertour über den Steilhang hatte er gegenüber der gewundenen Straße mehr als eine halbe Meile gespart. Noch einmal ließ er sich einen Hang hinabgleiten. Als er danach wieder die Straße erreichte, bemerkte er den frischen Pferdedung, der noch dampfte.

Langsamer ging er weiter. Die Konturen begannen bereits zu verschwimmen. Feuchtigkeit tropfte aus den Zweigen der Kiefern und überzog das Gestein mit dunkler Nässe. Zu seiner Rechten fiel das Gelände jetzt sehr steil ab, während sich an seiner linken Seite eine glatte Felswand erhob, deren Ende in den Wolken lag.

Sheng folgte der Straße, die kaum mehr darstellte als einen Sims, der am Felsen klebte. Der Sims folgte dem Verlauf des Felsens und knickte nach links ab. Als Sheng sich um die Felsnase herumschob, sah er die beiden Pferde vor sich.

Im ersten Augenblick war Sheng leicht erstaunt, weil er die Spuren nicht richtig gelesen hatte.

Ein Bronco, klein, genügsam und zäh, mit einem schweren Sattel und zwei Packtaschen.

Und ein Muli, ebenfalls bepackt mit einem eingerollten Zelt, mit Waffen und Häuten.

Aber keine Spur von Mac, obwohl der Jäger nicht weit sein konnte.

Sheng blieb abwartend stehen. Das Gelände bot einem Mann nicht viele Möglichkeiten, sich zu verstecken. Die aufragende Felswand war zu steil, die wenigen Spalten zu schmal. Blieb der steil abfallende Hang.

Sheng blickte nach unten. Er sah in ein tiefes bewaldetes Tal. In den Kronen der hohen Kiefern fing sich der Nebel. Der Tigermann sah die Bewegung der Hand, und er sah die Mündung der schweren Sharpsbüchse, die auf dem Weg lag. Und er sah den Kopf des Jägers über dem Kolben der Waffe. Das Auge, das ihn über den Lauf der Waffe hinweg anpeilte.

„Was willst du von mir?“, fragte er barsch.

„Ich möchte mit Ihnen reden“, antwortete Sheng. Er bewegte sich nicht.

Mac schwang eins seiner stämmigen Beine über die Kante und zog sich auf den Weg. Der Bronco trat unruhig zur Seite. Das Muli warf unwillig den Kopf hoch. Die Mündung der Sharps blieb auf Shengs Brust gerichtet.

„Ich wüsste nicht, was wir zu bereden hätten“, sagte Mac feindselig. Breit wie ein Fels stand er jetzt vor dem schmächtig wirkenden Sheng. Und dennoch wirkte der bärtige Hüne schwächer, weil er eine Waffe auf einen unbewaffneten Mann richtete.

„Ich habe Sie gesucht“, sagte Sheng ruhig. „Sie heißen doch Nicholson?“

„Und wenn?“ Die Augen tasteten Sheng ab. Verächtlich verzog er das Gesicht unter dem struppigen Bart. Sheng erwiderte den Blick, ohne etwas zu sagen, bis der andere den Mund öffnete und brummend hervorstieß: „Ja, ich bin Nicholson. Gordon Nicholson, aber alle Welt nennt mich Mac, weil ich aus Schottland komme, und weil die Leute glauben, in Schottland heiße jeder irgend etwas mit Mac. So, jetzt habe ich verdammt lange geredet. Warum hast du mich gesucht?“

„Weil ich Sie brauche. Sie sollen mich in das Lager führen.“

„In welches Lager?“ Macs Stimme glich einem Hauch.

„In das Lager, in dem die Chinesen leben.“

Macs große Gestalt erstarrte für einen Augenblick, und als das Leben zurückkehrte, lud er mit einer heftigen Bewegung die Büchse durch.

„Hau ab, Mann!“, schrie er. „Hau ab, oder, bei Gott, ich jage dir eine Kugel in den Leib!“

 

*

 

Seufzend erhob sich der Wind. Tief unten rauschte er durch das Geäst der Kiefern, er strich kalt und feucht herauf, wobei er den Nebel vor sich hertrieb. Das Muli und der Bronco schnaubten und drängten sich an die Felswand.

„Hau ab! Los, ich will dich nicht in meiner Nähe haben!“

Der Wind nahm dem großen Mann die Worte vom Mund und wehte sie gegen die Felsen.

Sheng rührte sich nicht.

„Ich werde nicht gehen“, sagte er. „Sie müssen ohnehin ein Lager aufschlagen, und ich werde die Nacht in der Nähe verbringen, wenn Sie mich nicht an Ihr Feuer bitten.“

„Ich habe noch nie mein Lager mit einem Chinesen geteilt. Hau ab, du Hundesohn, oder ich schieße! Es macht mir gar nichts!“

„Doch, es macht Ihnen etwas aus, Sonst hätten Sie es bereits getan. Eben hatten Sie noch eine Gelegenheit gehabt. Warum haben Sie da nicht abgedrückt?“

Mac lachte heiser auf. Ganz kurz nur. Die feuchte Luft dämpfte das Lachen, erstickte es wie unter einer Decke.

„Die Gelegenheit eben war nicht besser oder schlechter als sie es jetzt ist.“

Die mächtigen Fäuste rüttelten an der Waffe wie an einem Knüppel, als wolle Mac auf diese Weise die Drohung verstärken.

Mac hatte Angst. Dieser große hünenhafte Mann hatte Angst. Reglos stand Sheng vor ihm. Die Deckenrolle hing über seiner Schulter, der Wind ließ die Krempe seines Hutes flattern. Aus dunklen Augen blickte er den Mann an, der getötet hatte.

Die zwei Banditen im Saloon. Den einen innerhalb des Saloons, aus der Panik heraus. Den zweiten draußen. Er hatte ihm aufgelauert wie ein feiger Mörder.

Dennoch wusste Sheng, dass dieser Mann kein Mörder war. Der Schuss aus dem Hinterhalt, der den jungen Revolvermann getötet hatte, war einem Akt der nackten Furcht entsprungen;

Aber trotzdem verstand Sheng diesen Mann und sein Verhalten nicht, er verstand nicht, warum ihm zwei Revolvermänner aufgelauert hatten.

Sheng wusste, dass Mac bei dem Überfall auf das Eisenbahncamp in den West Elk Mountains dabeigewesen war. Die Überlebenden, die Sheng gesprochen hatte, hatten ihn beschrieben. Mac, ein paar weiße Schießer und sieben Chinesen. Erbarmungslose Gesellen. Allerdings hatte keiner der Überlebenden mit Sicherheit sagen können, ob der weiße Jäger mit dem roten Bart getötet hatte oder nicht.

„Hau ab, du Mistkerl!“, schrie Mac.

Sheng rührte sich nicht. „Warum wollten die Männer Sie töten?“

„Das weiß ich nicht! Und wenn ich wüsste, würde ich es dir nicht sagen!“

„Warum bringen Sie mich dann nicht in das Lager, in dem die Chinesen leben?“, fragte Sheng ruhig.

„Weil ich es nicht will.“

Macs braune Augen verengten sich, die Hand spielte unruhig am Gewehr. Mac trat einen Schritt zur Seite. Er packte die Zügel des Muli und zerrte das Tier von dem Bronco weg. Rückwärts setzte er sich in Bewegung.

Da wusste Sheng, dass der Mann nicht auf ihn schießen würde. Sheng blieb stehen, bis der Mann hinter dem nächsten Knick seinen Blicken entschwand.

In diesem Augenblick begann es zu schneien. Große nasse Flocken sanken weich und lautlos von einem unsichtbaren Himmel herab.

 

*

 

Die Bahn, über die das goldhaltige Gestein zu Tal rauschte, bestand aus mühsam von Hand bearbeiteten Brettern, die auf rohen Holzstempeln ruhten. Das Wasser des Creek, der durch das Tal schäumte, bevor die Goldsucher es entdeckten, war oben in der schmalen Felsrinne aufgestaut worden. Das Wasser schoss jetzt durch die hölzerne Bahn und beförderte das Erz zu Tal, wo es in hohen Schütten gesammelt wurde.

Links und rechts der Rutsche klebten Plattformen aus. Balken und Brettern an den Felswänden. Undeutlich erkannte man die dunklen Öffnungen, die in die Stollen führten. In längeren Abständen erschienen Männer auf den Plattformen. Sie trugen Körbe, deren Inhalt sie in die Rutsche schütteten.

Erz. Goldhaltiges Gestein.

Die Männer waren Chinesen. Vier oder fünf lebten in jedem Stollen. Sie trugen Lumpen um ihre ausgemergelten Körper. Keiner voh ihnen hob jemals den Blick. Sie arbeiteten wie Tiere, mit den gleichmäßigen Bewegungen von Maschinen. Ihre Augen glichen erloschenen Feuern. Stumpf und glanzlos wie Asche.

Hoffnungslosigkeit war das beherrschende Gefühl unter den Männern, die in den Höhlen leben mussten. Denn sie wussten von keinem Leidensgenossen, der jemals einen Stollen wieder verlassen hätte - als Lebender verlassen hätte.

Es gab kein Entrinnen. Die Felswand war steil und glatt, die Rutsche lag zu tief, und das Wasser, das hindurchschoss, war kalt und reißend und mit dem goldhaltigen Erz versetzt. Die Leitern waren von den Wänden genommen worden. Nein, es gab keine Chance.

Am Abend, wenn die Dunkelheit der Arbeit zwangsläufig ein Ende setzte, durften sie das Seil mit dem Korb in die Tiefe lassen. Dann kamen unten die Essensträger vorbei. Der Tonkrug wurde mit frischem Wasser gefüllt, es gab etwas Mehl und Bohnen, und manchmal, wenn der Jäger ein erlegtes Stück Wild gebracht hatte, fanden sie auch etwas Fleisch im Korb und dazu Brennholz. Dann flammten bald die Feuer auf, und die Eingänge der Höhlen glommen wie Augen in der Nacht.

Niemals jedoch gab es Reis, selten Obst oder Gemüse, und jetzt, wo der Winter bereits in der Luft lag und der erste Schnee oben am Pass niedergegangen war, würde Nachschub fast ganz aussetzen.

Die Männer litten Qualen, die sie still erduldeten, weil sie an einen Sinn für ihr Leiden glaubten, obwohl keiner von ihnen in der Lage gewesen wäre, diesen Sinn auch zu erkennen.

Das Tal mündete in einen flachen Talkessel, der mit seinen steilen Wänden ringsum an die Form einer Schüssel erinnerte. Dort standen vier Blockhütten und die Schuppen mit den Maschinen, in denen das Erz zerkleinert und ausgewaschen wurde. Das Wasser, das über die Rutschen herabkam, trieb auch die Maschinen an.

Die Rutsche stand auf mächtigen Balken. Das Wasser, das das Gestein herabtransportiert hatte, rauschte nacheinander durch zwei der Schuppen und verschwand dann schäumend in der Felsspalte, die fünfhundert Fuß tiefer in einem kleinen See endete.

In zwei der vier Hütten lebten Chinesen, Gefangene wie die Unseligen in den Stollen, und doch waren sie glücklicher dran. Sie mussten nicht auf rohem Fels schlafen, in Höhlen, von deren Wände die Feuchtigkeit tropfte und in die die Kälte ihre unsichtbaren Arme schob.

In der dritten Hütte lebten die Aufseher. Sie hatten den Innenraum unterteilt, denn vier von ihnen waren Weiße, acht Chinesen. Die chinesischen Aufseher waren schweigsame Gestalten, finster dreinblickende Männer mit kahlgeschorenen Köpfen und seltsamen Tätowierungen auf den Armen. Die Amerikaner, selbst brutale Gesellen, gaben vor, die Chinesen zu verachten, in Wirklichkeit fürchteten sie sich jedoch vor diesen Männern, die mehr als einmal bewiesen hatten, wie grausam und unbarmherzig sie sein konnten.

Die Waffen der chinesischen Aufseher hingen über ihren Lagern. Kurzschwerter mit leicht gekrümmten Klingen, haarscharf geschliffen, blitzend selbst im schwachen Schein der Petroleumlampen, die unter der Decke baumelten. Die Griffknöpfe hatten die Form von Drachenköpfen, in denen Rubine die Augen darstellten. Die Rachen dieser Ungeheuer waren weit aufgerissen.

In der vierten Hütte lebten zwei Ingenieure, zwei ältere Chinesen und deren Leibwächter. Die Wände und der Boden dieser Hütte waren mit Fellen bedeckt. In einem eisernen Ofen brannten knackend die Holzscheite. Auf dem Tisch stand eine Schale mit frischen Früchten.

Die Chinesen trugen weite schwarze Gewänder, die mit Goldstickereien verziert waren. Es war der Drache, der in allen Motiven wiederkehrte. Die schwarzen Gewänder waren das Zeichen ihrer Würde. Im Gegensatz zu den Kämpfern, die blutrote Gewänder trugen, durften sie sich in schwarze Seide hüllen. Als die Mandarine des Geheimbundes.

Diese Männer dienten dem Schwarzen Drachen, dem Geheimbund, der über die ganze Welt verbreitet war, strebten die Mitglieder dieses Bundes doch die Weltherrschaft an.

Das abgelegene Tal in den Rocky Mountains stellte einen wichtigen Zweig des amerikanischen Teils der Organisation dar - hier wurde Gold gefördert. Das Gold, mit dem der Geheimbund seine Aktivitäten finanzierte, die alle auf ein Ziel gerichtet waren - auf den Erwerb der Schriftrolle mit den Lehren des Tao Chi. Diese Lehren sollten dem Schwarzen Drachen Macht über die ganze Erde bescheren.

Fieberhaft suchte der Bund die in alle Winde verstreuten sieben Mitglieder des Klosters vom Weißen Lotus, von denen jeder ein Stück dieser so überaus wichtigen Schrift verwahrte.

Der älteste der beiden, in schwarze Seide gehüllten Männer deutete auf die prall gefüllten Leinenbeutel. Einer der Leibwächter verneigte sich tief. Zum Zeichen seiner Würde trug er einen langen Zopf am sonst kahlen Schädel. Das Kurzschwert steckte in der Schärpe an seiner Seite.

Der Mann nahm die beiden Beutel auf. Er stellte sie neben dem Ofen ab, der andere öffnete die Klappe im Boden, und die Beutel mit dem Gold verschwanden in der dunklen Höhle, wo sie von zwei Wächtern bewacht wurden.

Lin Tschiao neigte lauschend den Kopf, ehe er die flache Schale aus hauchdünnem Porzellan an seine farblosen Lippen führte und einen kleinen Schluck des würzigen Tees probierte. Er lauschte dem Heulen des Sturmes, der im Gerüst der Rutsche pfiff und das Holz zum Schwanken brachte.

„Wir bekommen einen frühen Winter“, meinte er.

Der Vorhang wurde zur Seite gezogen. Die Chinesen wandten ihre Gesichter dem Mann zu, der im Spalt erschien. Ein knochiger mittelgroßer Mann mit einem braunledernen Gesicht und flacher Nase. Sein Mantel war nass.

„Es hat soeben zu schneien begonnen“, verkündete er mit lauter Stimme. Er hieß Kenneth Tomlinson und war der Chefingenieur. „Wenn wir die Produktion wie bisher den Winter durch fortsetzen wollen, müssen wir mit hohen Verlusten rechnen.

Lin Tschiao neigte den Kopf. In seinem faltigen Gesicht bewegte sich kein Mukel.

„Wir wissen es, Mr. Tomlinson“, sagte der Chinese. „Unsere Brüder werben noch weitere Leute an ...“

„Und Vorräte brauchen wir auch, bevor der Pass unpassierbar wird!“

„Machen Sie sich keine Sorgen, Mr. Tomlinson, Ronnie Tirado wird in den nächsten Tagen eintreffen.“

Tomlinson nickte, offenbar nicht voll beruhigt. Er wusste, worauf er sich eingelassen hatte. Auf Menschenraub und Mord. Jetzt gehörte er dazu, er fühlte sich fast wie einer der Sklaven, und dumpf ahnte er, dass es auch für ihn kein Entrinnen aus dieser Sklavenmühle mehr gab. Er würde leben, solange die Stollen noch genug goldhaltiges Erz hergaben. Mehr konnte er nicht erwarten.

„Was ist mit dem Jäger?“, fragte er.

Lin Tschiao lächelte unmerklich. Der Jäger und Tomlinson. Die beiden hätten nicht miteinander reden dürfen.

„Mac, wie Sie ihn nennen, Mr. Tomlinson, wird uns keine Schwierigkeiten mehr machen. Ganz bestimmt nicht.“

Tomlinson dachte an die beiden Revolverschwinger, die vorgestern aufgebrochen waren Jetzt kannte er den Grund, weshalb sie das Lager verlassen hatten. Eine Gänsehaut lief ihm über den Rücken. Sie waren hinter Mac her. Mac hatte plötzlich Manschetten bekommen und wollte nicht mehr mitspielen. Mac war für die beiden Mandarine zur Gefahr geworden.

Tomlinson nickte düster und zog sich zurück.

„Mr. Tomlinson macht sich Sorgen“, bemerkte der zweite Chinese in dem schwarzen goldbestickten Gewand. Er wandte Lin sein Gesicht zu. Seine alten Augen waren hinter den faltigen Schlitzen kaum zu erkennen. Seine Haut glich einer Walnuss, von feinen Rillen durchzogen.

Lin lächelte leicht. „Unsere Freunde in Coolidge haben bereits Kontakt zu einer Gruppe chinesischer Arbeiter aufgenommen. Etwa dreißig Männer, die mit Beginn des Winters von der Bahnbaugesellschaft entlassen werden sollen. Mit diesen Männern werden wir es schaffen...“

Der andere neigte den Kopf. „Und wenn uns Sheng in die Arme läuft...“

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738918120
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v415740
Schlagworte
sheng sklaven

Autor

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Titel: Sheng #15: Im Tal der Sklaven