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Tony Ballard #128 - Tod dem Satan!

©2018 120 Seiten

Zusammenfassung



Tod dem Satan!

Tony Ballard Nr. 128

von A.F.Morland



Tony Ballard ist der Dämonenhasser. Er kämpft gegen die Mächte der Finsternis und begegnet dem Unfassbaren. Vampire, Dämonen, Werwölfe und andere Kreaturen der Schattenwelt sind seine unbarmherzigen Gegner. Erfolgsautor A. F. Morland schuf diese einzigartige Horror-Serie, die jetzt endlich auch im E-Book vorliegt.

Leseprobe

Tony Ballard ist der Dämonenhasser. Er kämpft gegen die Mächte der Finsternis und begegnet dem Unfassbaren. Vampire, Dämonen, Werwölfe und andere Kreaturen der Schattenwelt sind seine unbarmherzigen Gegner. Erfolgsautor A. F. Morland schuf diese einzigartige Horror-Serie, die jetzt endlich auch im E-Book vorliegt.  

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild Michael Sagenhorn

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Tod dem Satan!

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Loxagon, der Teufelssohn, hielt den Speer des Hasses mit beiden Händen fest, Mr. Siiver lag auf dem Boden, die Speerspitze war gegen seinen Hais gerichtet, Loxagon setzte dem Silbermann die scharfe Klinge an die Kehle und fauchte: »Wenn du mich noch einmal angreifst, töte ich dich. Für den Speer des Hasses ist deine Silberstarre kein ausreichender Schutz. Er würde dich mühelos durchbohren! Aber noch brauche ich dich lebend. Mit deiner Hilfe werde ich Tony Ballard vernichten!«

Cilo verlangte der Höllenhyäne das Letzte ab. Er war ein hervorragender Reiter, beugte sich weit über den Hals des Tieres, feuerte es mit lauten Zurufen an und schlug immer wieder mit der flachen Seite seines Schwertes zu.

Das Reittier - größer und kräftiger als eine gewöhnliche Hyäne - griff weit aus. Gestreckt flog es über die Steppe, einem düsteren Wald entgegen.

Cilo hätte wissen müssen, daß das Tier ein so scharfes Tempo nicht ewig durchzuhalten vermochte. Irgendwann würden die überforderte Hyäne die Kräfte verlassen, und sie würde zusammenbrechen.

Doch Cilo war als Reittierschinder bekannt. Wenn die Hyäne nicht mehr weiterkonnte, würde er ein Stück zu Fuß laufen und eine andere Reitmöglichkeit finden.

Das Tier keuchte schwer, sein Maul stand weit offen, die Zunge hing heraus. Auch Cilo keuchte, und der Schweiß glänzte auf seiner Stirn.

Er hatte allen Grund zur Eile. Er war einer von den wenigen, die überlebt hatten, Er hatte Yetans grausamer Horde angehört. Es gab sie nicht mehr.

Und Yetan, der Statthalter des Bösen, lebte auch nicht mehr... Alles war zerplatzt wie eine riesige Seifenblase, und Cilo war ein Überrest davon.

Die Hölle war an Vielschichtigkeit nicht zu überbieten. Sie existierte gewissermaßen auf verschiedenen Ebenen, die teilweise übereinandergelagert waren.

Es- war jedoch kein Problem, eine Ebene zu verlassen und eine andere zu erreichen. Eigentlich war es falsch, nur von einer Hölle zu sprechen.

Es gab viele - und überall lauerten Gefahren. Man konnte mordenden und plündernden Banden in die Hände fallen, von riesigen Ungeheuern angegriffen werden, dem Biß einer weißen Viper zum Opfer fallen, in deren schwarzen Zähnen sich ein besonders starkes Gift befand...

Solange Cilo der Horde angehört hatte, fühlte er sich verhältnismäßig sicher, denn er war einer von vielen gewesen, und somit hatten sich die Gefahren auf viele aufgeteilt.

Doch nun war er allein.

Und er war auf dem Weg zu Asmodis, dem Höllenfürsten, dem er einen großen Gefallen erweisen wollte. Er tat es allerdings nicht für Asmodis, sondern für sich selbst, denn er hoffte, daß sich der Höllenherrscher erkenntlich zeigen und ihn unter seinen Schutz stellen würde.

Aber es war noch weit bis zur Residenz des Teufels. Viele Hindernisse würden zu überwinden sein, und es war nicht sicher, ob Cilo sein Ziel jemals erreichte.

Er konnte nur hoffen, daß alles gutging.

Cilo erreichte den düsteren Wald. Er trieb sein Reittier hinein. Die Höllenhyäne strauchelte, wäre beinahe gestürzt. Cilo fluchte und drosch gleich wieder mit der Breitseite des Schwerts auf das Tier ein.

Und dann...

Eine Lichtung. Hüfthoch wucherten hier Pflanzen mit bizarren Blättern, zum Teil stachelig, grellbunt. Manche Pflanzen schienen Gesichter zu haben, mit Augen und Nasen, andere wiederum Mäuler mit Zähnen, die bestimmt sofort zubissen, wenn man ihnen zu nahe kam.

Ausgerechnet hier verließen die Höllenhyäne die Kräfte. Die Vorderbeine des Reittiers knickten ein, und Cilo flog in hohem Bogen durch die Luft.

Die Landung war verflucht unsanft und rüttelte Cjlo so kräftig durch, daß er einige Augenblicke benommen liegenblieb. Als er den Kopf dann hob und ihn schüttelte, um wieder einigermaßen klarzukommen, fiel ihm auf, daß er sein Schwert verloren hatte.

Er besaß nur noch seinen Dolch, aber das war zu wenig.

Sein Atem ging stoßweise. Er fuhr sich mit der Hand über die Äugen und kroch zur Hyäne zurück. Das Reittier war im Begriff zu verenden.

Cilo hatte kein Mitleid mit der Höllenhyäne. Im Gegenteil, er war wütend auf sie, weil sie nicht länger durchgehalten hatte. Ihr Bauch zitterte, und sie starrte ihn mit großen, langsam brechenden Augen an.

Der Mann suchte sein Schwert. Es lag halb unter der Hyäne. Er zog es unter dem Tier hervor, hätte ihr Leiden abkürzen können, fand es aber nicht der Mühe wert.

Grausamkeit und Härte prägen die Wesen, die die Hölle bevölkern. Cilo war eines davon. Hier war sich jeder selbst der Nächste, und echte Freundschaften gab es nicht.

Man nahm nur den eigenen Vorteil wahr und benützte andere, um ihn sich zu verschaffen. Das Üble war hier zu Hause. Nirgendwo war es präsenter als in der Hölle.

Cilo wollte das Schwert in die Scheide schieben. Plötzlich stutzte er.

Gefahr! schrie es in ihm, und er blickte sich sofort mißtrauisch um, denn das Reittier war nicht an Entkräftung verendet, wie er angenommen hatte, sondern an einem Pfeil, der aus dem Hinterhalt abgeschossen worden war!

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DER PFEIL STECKTE IN der Brust der Hyäne, hatte einen schwarzen Schaft und war am Ende mit einer schwarzen Feder versehen.

Cilo versuchte sich zu beruhigen. Er war ein kampferprobter Krieger, hatte viel zu Yetans bekannten Siegen beigetragen, In der Masse hatte sich Cilo immer sehr sicher gefühlt.

Seine Hand umschloß fest den Schwertgriff. Er war entschlossen, sein Leben so teuer wie möglich zu verkaufen. Wenn er es nur mit einem Gegner zu tun hatte, durfte es eigentlich keine Probleme geben.

Wenn es mehrere waren, wurde die Sache allerdings kritisch.

Cilo entfernte sich von der toten Hyäne, denn es war nicht ratsam, in ihrer Nähe zu bleiben. Derjenige, der das Tier abgeschossen hatte, würde den Reiter zuerst hier suchen, Cilo schob sich kriechend über den Boden. Einigen Pflanzen, die er für gefährlich hielt, wich er aus. Dornen hakten sich in den grob gewebten Stoff seiner Kleidung, die die Farbe von Erde hatte.

Ab und zu schnitt er sich mit der scharfen Klinge seines Schwerts den Weg frei. Zwischendurch blieb er ganz still liegen und lauschte, doch sein Gegner verriet sich mit keinem Geräusch.

Daß er ihm aber nur das Reittier abgeschossen hatte und weiter nichts von ihm wollte, konnte Cilo nicht glauben. Irgend etwas wartete noch auf ihn.

Er mußte die Lichtung verlassen. Im Schutz der Bäume würde er sicherer sein. Grimmig kroch er weiter, und plötzlich nahm er vor sich eine Bewegung wahr.

Er war bereit, aufzuspringen und zu kämpfen, doch das war nicht nötig. Das wuchernde Grün wurde von zarten, schlanken Mädchenhänden auseinandergeteilt, und Cilo sah ein schmales, schönes Gesicht.

Das Mädchen wollte ihm nichts Böses.

Es schien die Gefahr zu kennen die hier im Hinterhalt lauerte, und wollte ihm anscheinend helfen, sich in Sicherheit zu bringen.

Ihr schlanker, biegsamer Körper war fast völlig nackt Auf ihrer goldbraunen Haut lag ein faszinierender Schimmer, Wortlos bedeutete sie dem Mann, ihr zu folgen, und er kam ihrer stummen Aufforderung nach.

Sie kroch vor ihm her, bewegte sich mit einer bewundernswerten Geschmeidigkeit. Cilo war mit den Gegebenheiten nicht so vertraut wie sie, deshalb war er etwas langsamer. Und plötzlich war sie verschwunden, als hätte sie sich aufgelöst, Cilo hob vorsichtig den Kopf. »Hierher!« flüsterte das Mädchen.

Er schob sich weiter vorwärts, erreichte den Waldrand und entdeckte ein kreisrundes Erdloch, aus dem ihm das Gesicht des Mädchens entgegen schimmerte.

Er kroch zu ihr hinunter. Sie war ihm dabei behilflich, zog ihn in einen Gang, der sich schon nach kurzem verbreiterte. Das schien nicht bloß ein Versteck, sondern die Behausung des Mädchens zu sein, und sie schien hier allein zu leben. Es gab mehrere »Räume«, eine breite, mit weichem Fell bespannte Schlafstelle, und ein kleines Feuer flackerte in der Mitte eines Kreises aus Steinen.

»Ich bin Olara«, sagte das Mädchen, »Du kannst dein Schwert wegstecken. Hier bist du sicher. Wie ist dein Name?«

»Cilo.«

»Woher kommst du?«

»Kennst du den Hügel mit dem Speer des Hasses?« fragte Cilo.

»Das ist weit von hier. Wolltest du dir den Speer holen? Dein Haß reichte wohl nicht, das magische Eis, das ihn umschließt, zu schmelzen.«

»Ich gehörte zu Yetans Horde. Weißt du, wer Yetan war? Asmodis ernannte ihn zum Statthalter des Bösen. Er lebt nicht mehr. Viele von uns fanden den Tod, die Überlebenden wurden in alle Winde zerstreut.«

»Setz dich«, sagte Olara und wies auf das Bett, Cilo ließ sich darauf nieder. Das schöne Mädchen setzte sich neben ihn, »Wir waren hinter der Rebellin Corona her«, erzählte Cilo. »Asmodis schickte ihr das strafende Feuer. Sie entkam mit einer Handvoll Getreuen, und Asmodis wollte sie nicht selbst erledigen, deshalb setzte er Yetan auf sie an. Wir folgten ihr bis ins Tal der Träume, wo sie sich in Tarans Festung verschanzt hatte, aber wir fanden eine Möglichkeit, unbemerkt in die Felsenfestung des schwarzen Traumdämons zu gelangen, und unsere Schwerter hielten reiche Ernte. Nur Corona durften wir nicht töten, denn die wollte Yetan dem Höllenfürsten bringen. Es wäre klüger gewesen, ihr an Ort und Stelle das Leben zu nehmen. Da war ein Silberdämon in ihrem Gefolge. Wir hielten ihn für tot, doch das war er nicht. Er folgte uns und befreite Corona, und er begleitete sie zum Hügel mit dem Speer des Hasses, den sie sich holen wollte, um sich an Asmodis zu rächen, Yetan kannte eine Abkürzung. Wir waren schneller am Ziel als die Rebellin und der Silberdämon. Wir legten uns auf die Lauer und fielen über sie her, als sie eintrafen, doch die Sache lief schief. Vor allem der Silberdämon war ein Gegner, dem keiner von uns gewachsen war. Als er Yetan tötete, fiel die Horde auseinander, und jeder versuchte auf eigene Faust zu entkommen. Nur wenigen gelang es. Einer davon bin ich.«[1]

»Und Corona? Brachte sie den Speer des Hasses in ihren Besitz?« fragte Olara.

»Es gelang ihr, das magische Eis zu schmelzen«, erzählte Cilo, »aber dann gab es auch für sie eine überraschende Wendung. Plötzlich tauchte Loxagon, der Teufelssohn, auf und nahm ihr den Speer weg. Was weiter geschah, weiß ich nicht.«

»Wohin bist du unterwegs?« fragte Clara.

»Zu Asmodis. Ich möchte ihn warnen. Wenn ihm Loxagon mit dem Speer des Hasses gegenübertritt, ist er verloren.«

»Du stehst auf Asmodis' Seite?«

»Für einen von beiden muß ich mich entscheiden. Loxagan ist zu jung, zu wild, zu ungestüm. Wenn er den Höllenthron besteigt, wird es viel Unruhe geben. Ich bin dafür, daß alles so bleibt, wie es ist. Deshalb entschied ich mich für Asmodis.«

Neben dem Bett stand eine Tonschüssel mit klarem Wasser. Cilo erhob sich und wusch sich den Schweiß vom Gesicht, dann kehrte er zu Olara zurück. »Lebst du hier allein?« fragte er.

»Ja.«

»Hast du keine Angst?«

»Hier unten, in diesem Erdbau, bin ich ziemlich sicher.«

»Hast du ihn gegraben?« wollte Cilo wissen.

Das Mädchen schüttelte den Kopf. »Ich habe ihn zufällig entdeckt, als ich in das Einstiegsloch stürzte. Er ist so gut getarnt, daß er bisher noch niemandem aufgefallen ist. Ich werde wohl nie mehr von hier fortgehen,«

»Ist es hier für dich nicht zu einsam?«

»Manchmal schon«, gab Olara zu.

»Du bist ein sehr schönes Mädchen, solltest mit einem Mann Zusammenleben«, sagte Cilo.

»Es ist Platz genug für zwei in dieser Krdbehausung. Wenn ein Mann hier mit mir leben möchte, habe ich nichts dagegen.«

»Angenommen, ein Mann kommt und fordert dich auf, mit ihm zu gehen. Würdest du das tun?«

»Hast du vor, mich dazu aufzufordern?« antwortete Olara mit einer Gegenfrage.

»Vielleicht«, sagte Cilo. »Wie würde deine Antwort lauten?«

»Ich würde nein sagen, Hier fühle ich mich sicher. Ich lebe schon sehr lange hier, alles ist mir vertraut. Ich möchte nicht Weggehen.«

»Man hat dort oben mein Reittier abgeschossen. Hast du gesehen, von wem der Pfeil kam?« fragte Cilo grimmig.

»Nein, aber ich kann es mir denken«, antwortete Olara. »Es war ein schwarzer Pfeil mit einer schwarzen Feder, nicht wahr?«

»Ja«

Olara nickte mit finsterem Blick. »Dann sind sie also wieder unterwegs.«

»Wer?« wollte Cilo wissen.

»Die schwarzen Jäger. Man bekommt sie kaum mal zu Gesicht. Sie durchstreifen weite Gebiete. Ihre Jagdlust ist reine Mordgier. Sie töten jeden, den sie entdecken. Du hattest großes Glück, daß sie nur dein Reittier getroffen haben. Bestimmt suchen sie jetzt nach dir.«

»Wie viele sind es?« erkundigte sich Cilo.

»Ich habe keine Ahnung.«

»Tauchen sie oft hier auf?« fragte Cilo.

»Hin und wieder, in sehr unregelmäßigen Abständen. Man kann sich nicht darauf einstellen«, sagte das Mädchen.

»Dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, daß sie dich eines Tages aufstöbern«, bemerkte Cilo. »Und jedesmal, wenn sie wiederkommen, wird die Wahrscheinlichkeit größer.«

»Dann müssen sie aber erst noch hier hereinkommen«, sagte Olara kampflustig, »und das mache ich ihnen so schwer wie möglich.«

»Heute bin ich bei dir. Mein Schwert wird dich beschützen.«

»Gegen die schwarzen Jäger erreichst du nichts mit deinem Schwert«, behauptete Olara.

Es gab Höllenwesen, denen man tatsächlich mit einem Schwert nichts anhaben konnte, das wußte Cilo. Zum Glück waren es nur wenige.

Olara sagte, sie wolle sehen, ob die schwarzen Jäger inzwischen weitergezogen wären. Als sie aufstand, riet ihr Cilo, vorsichtig zu sein, damit die Feinde nicht auf sie aufmerksam wurden.

»Ich war noch nie unvorsichtig«, erwiderte das Mädchen. »Sonst wäre ich schon lange nicht mehr am Leben.«

»Womit kann man den schwarzen Jägern beikommen? Weißt du es?«

»Man braucht eine Waffe, die stärker ist als die Magie, die sie schützt.«

»Besitzt du eine solche Waffe?« fragte Cilo.

»Ich habe magische Fähigkeiten.«

Cilo musterte sie. »Bist du eine... Hexe?«

»Ja, aber du hast vor mir nichts zu befürchten. Wenn ich dir feindlich gesinnt wäre, hätte ich dich wohl kaum gerettet. In diesem Fall hätte ich dich den schwarzen Jägern überlassen können.«

Das leuchtete Cilo ein. Seine Hand, die sich um den Schwertgriff gelegt hatte, löste sich wieder davon.

»Du kannst mir vertrauen«, sagte die Hexe. »Du gefällst mir. Vielleicht gelingt es mir, dich zu überreden, bei mir zu bleiben.«

»Ich muß zu Asmodis.«

»Was mischst du dich in Dinge, die dich im Grunde genommen nichts angehen?«

Cilo grinste und wiegte den Kopf. »Wenn Asmodis dich so reden hörte...«

»Er hört es nicht, und ich bin froh, nicht in seiner Nähe leben zu müssen.«

»Was hast du gegen ihn?«

»Ich lebte früher mit vielen Hexen zusammen, und ich fand die Unterwürfigkeit dieser Teufelsbräute widerlich. Als ich bewußt und trotzig gegen den Hexenkodex verstieß, wollten mich meine Schwestern dem Höllenfürsten opfern, doch es gelang mir zu fliehen, und seither lebe ich hier allein.«

»Haben deine Hexenschwestern nicht versucht, dich zu finden?«

»Die nehmen wahrscheinlich an, daß ich nicht mehr lebe, daß ich einer der vielen Gefahren zum Opfer gefallen bin«, sagte Olara. »Ich lebe hier einigermaßen zufrieden, und wenn ich Glück habe, werden mich die schwarzen Jäger nie entdecken.«

Sie entfernte sich.

Ein außergewöhnliches Mädchen, dachte Cilo.

Olara war nicht die erste Hexe, der er begegnete, und er hatte die Erfahrung gemacht, daß man diesen tückischen Weibern nicht trauen durfte. Die meisten hatten zwei Gesichter.

Olara schien diesbezüglich eine Ausnahme zu sein. Sie hatte ihn immerhin vor den schwarzen Jägern gerettet.

Sie wollte einen Mann haben, und sie hatte ihm offen gestanden, daß er ihr gefiel. Mit ihm wäre sie nicht gegangen, aber er hätte bei ihr bleiben können, in dieser Erdbehausung.

Sollte er hier sein weiteres Leben verbringen? Unter der Erde? Er war an eine grenzenlose Freiheit gewöhnt, würde sich hier sehr bald beengt fühlen. Er war nicht geboren für ein Leben in einem Erdloch, Nein, er konnte nicht bleiben, aber er wollte sehen, wie Olara wohnte, deshalb sah er sich die anderen »Räume« an.

Und plötzlich machte er eine haarsträubende Entdeckung!

Da war ein Schacht, dunkel und tief -und dort unten schimmerte ein bleicher Knochenhaufen!

Doch das war erst die halbe Überraschung. Es gab noch eine andere: An der Wand hing ein Bogen, und in einem Köcher steckten schwarze Pfeile mit schwarzen Federn!

Es gab keine schwarzen Jäger. Olara hatte sie erfunden!

Sie hatte Cilos Reittier abgeschossen!

***

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CILO HÖRTE HINTER SICH ein gemeines Kichern. Er wirbelte herum und sah Olara, die grausam grinste. »Du hast also einen Teil meines Geheimnisses entdeckt«, sagte sie. »Nun, dann sollst du auch den Rest erfahren!«

»Es gibt keine schwarzen Jäger!« schnaubte Cilo zornig.

»Du hast recht. Du mußt zugeben, daß ich mit Pfeil und Bogen gut umgehen kann.«

»O ja, aber es war ein Fehler, den Pfeil auf mein Reittier abzuschießen. Ein Fehler, den du gleich bitter bereuen wirst.« Cilo zog sein Schwert.

»Siehst du die Knochen dort unten? Das waren alles mutige Männer, die ich mir geholt habe. Auch sie waren bewaffnet«, behauptete Olara. »Ich habe dir doch von Wesen erzählt, denen man mit einem Schwert nichts anhaben kann. Du hast ein solches vor dir.«

»Was hast du mit diesen Männern gemacht?« fragte Cilo.

»Ich habe sie gefressen!« kreischte Olara, und im nächsten Augenblick begann sie sich zu verwandeln.

Sie nahm ein grauenerregendes Aussehen an. Ihre Hände wurden zu Maulwurfklauen - ein Beweis dafür, daß sie diese Erdbehausung selbst gegraben hatte.

Runzeln und Warzen bedeckten Olaras Gesicht, zwischen ihren schorfigen Lippen drängte sich eine graue Zunge hervor, und aus ihrem Unterkiefer wuchsen lange Eberzähne.

Sie fraß ihre Opfer.

Sie war eine Kannibalin!

Cilo drang mit dem Schwert auf sie ein, doch ihre Magie leitete die Schläge und Stiche immer wieder ab. Die tückische Höllenkannibalin war nicht zu treffen, doch das wollte Cilo nicht wahrhaben. Es mußte eine Möglichkeit geben, dieser gefährlichen Furie das Leben zu nehmen.

Er sprang hinter sie, stach zu, aber das Schwert traf nicht ihren Rücken, sondern ging knapp daran vorbei.

Olara drehte sich um. Ihre Augen begannen zu glühen, und sie knurrte hungrig. Mit einem unverhofften Magieschlag entwaffnete sie den Mann. Sein Schwert wirbelte durch die Luft und klirrte gegen die Wand.

Cilo wich zurück. Er besaß noch den Dolch, riß ihn aus dem Gürtel und erwartete die Kannibalin geduckt.

Sie lachte kreischend. »Hast du immer noch nicht begriffen? Du bist verloren!«

»Noch lebe ich, verdammtes Weib!« fauchte Cilo.

»Aber nicht mehr lange«, gab Olara hart zurück.

Sie griff den Mann an, packte ihn, riß ihn an sich. Er stach zu, und die Dolchklinge drang in ihren dürren Körper, doch sie spürte es nicht.

Beinahe hätte sie ihm mit ihren langen Hauern eine tödliche Verletzung zugefügt. Er ließ den Dolch los und sackte In ihrer Umklammerung nach unten.

Dadurch hieben die Zähne daneben. Jetzt umklammerte Cilo die Kannibalin ebenfalls. Ihm war eine Idee gekommen, Vielleicht würde ihr die eigene Scheußlichkeit zum Verhängnis werden.

Manchmal klappte das.

Wenn man solchen Wesen einen Spiegel vorhielt, so daß sie sich selbst sahen, gingen sie an ihrem grauenvollen Anblick zugrunde.

Spiegel gab es hier unten keinen, aber das Wasser in der Tonschüssel!

Cilo hob die Kannibalin hoch. Sie war nicht schwer. Er taumelte mit ihr durch die unterirdische Behausung. Sie dachte, er wolle sie ins Feuer werfen, und sie lachte wieder grell.

»Feuer? Du versuchst es mit Feuer? Nur zu. Es wird mir nichts anhaben!«

Aber er schleppte sie am Feuer vorbei, und als er die Wasserschüssel erreichte, drehte er sich mit ihr. Er beugte sich vor, damit sie sich beide in der glatten Wasseroberfläche spiegelten. Olara heulte auf, Zu spät begriff sie, was Cilo beabsichtigte, Sie wollte das Wasser mit der magischen Glut ihrer Augen zum Verdampfen bringen, und es begann auch sehr schnell zu sieden und zu kochen.

Aber der »Spiegel« hatte bereits seine Wirkung getan.

Die Hitze, die von Olaras Äugen ausging, kam zurück. Cilo ließ die Kannibalin los. Sie zuckte. Es hatte den Anschein, als wollte sie einen irren Tanz aufführen, wobei sie ihr Gesicht mit den Klauen zu schützen versuchte.

Cilo wich zurück und beobachtete, wie ihre häßliche Fratze verfiel, teigig wurde und vom Schädelknochen abrann.

Sie schwankte immer heftiger, und als sie sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte, fiel sie vornüber ins Feuer. Da sich ihr magischer Schutz offenbar aufgelöst hatte, vermochte ihr das Feuer sehr wohl zu schaden.

Mit wilder Gier stürzten sich die Flammen auf die Kannibalin, ergriffen völlig von ihr Besitz und fraßen sie restlos auf.

Nicht einmal Asche blieb von Olara übrig.

***

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EIN UNBESCHREIBLICHES Triumphge, fühl erfüllte Cilo. Wahrscheinlich deshalb, weil er selbst schon nicht mehr an einen Sieg geglaubt hatte.

Er holte Dolch und Schwert, warf einen letzten Blick in den Knochenschacht, drehte sich dann um und verließ Olaras unterirdische Behausung.

Sie hatte gut gelogen, hatte ihn hervorragend getäuscht, aber er war zu klug für sie gewesen. Stolz ging er am Feuer vorbei. Niemand würde es mehr nähren. Irgendwann würde es verlöschen, und nur die Knochen würden an Olaras Greueltaten erinnern.

Cilo stieg aus dem Erdloch und blickte sich um. Vor ihm lag die Lichtung, und ziemlich genau in der Mitte davon lag sein Reittier. Er mußte sich ein neues suchen, denn er haßte es, zu Fuß zu gehen. Die meiste Zeit seines Lebens hatte er auf dem Rücken von Reittieren verbracht, und daran sollte sich auch in Zukunft nichts ändern, Cilo ging den Waldrand entlang. Von »schwarzen Jägern« keine Spur.

Der Marsch durch den Wald kam ihm endlos vor.

Plötzlich vernahm er das Scharren von Hufen. Er sprang sofort hinter den breiten Stamm, eines Baumes und preßte sich gegen die rissige Rinde.

Die Geräusche kamen nicht näher, Cilo drehte sich und schaute am Baum vorbei. Er sah ein Geisterpferd, skelet -tiert, gesattelt. Wo befand sich der Keiler?

Ihn konnte Cilo nirgendwo entdecken. Vielleicht sammelte er Holz für ein Feuer. Wenn er zurückkam, würde sein Pferd nicht mehr da sein. Denn Cilo hatte vor, es ihm zu stehlen.

Vorsichtig löste sich Cilo von dem Baum. Zwischen ihm und dem Geistergaul gab es noch einige andere Bäume. Er nützte jeden als Deckung. Als er auf wenige Schritte an das Tier herangekommen war, hob es seinen Skelettkopf und wandte die leeren Augenhöhlen in Cilos Richtung, Das Tier, von einer geheimnisvollen Geisterkraft belebt, stieß ein nervöses Schnauben aus. Wenn der Reiter in der Nähe war, hätte er spätestens jetzt argwöhnisch werden müssen.

Wäre Cilo an seiner Stelle gewesen, hätte er sich zu dem Tier begeben und nach dem Rechten gesehen, doch der Reiter ließ sich weiterhin nicht blicken.

Das konnte Cilo nur recht sein. Er hatte wieder ein Reittier, Ob Höllenhyäne oder Geisterpferd, das war ihm egal. Hauptsache, er brauchte nicht zu Fuß zu laufen.

Es passierte, als Cilo hinter dem Baum hervortrat - da setzte ihm plötzlich jemand ein Messer an die Kehle!

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CILO ERSTARRTE. VERDAMMT, was für einen Gegner hatte er hinter sich? Der Mann hatte sich so lautlos an ihn herangeschlichen, als würden seine Füße den Boden nicht, berühren.

»Tu’s nicht, ich beschwöre dich!« stieß Cilo atemlos hervor, »Nenn mir einen vernünftigen Grund, weshalb ich dich am Leben lassen sollte«, schnarrte der Mann hinter ihm, »Ich bin kein Feind,«

»Du hattest die Absicht, mich zu bestehlen.«

»Das ist nicht wahr!« krächzte Cilo. »Wie ein Dieb hast du dich angeschlichen.«

»Ich bin ganz bestimmt kein Dieb.«

»Dann bist du vielleicht ein Meuchelmörder, ein Halsabschneider!«

»Auch nicht. Ich war lediglich vorsichtig. Ich wußte nicht, wen ich hier antreffen würde. Du kannst mir doch meine Vorsicht nicht übelnehmen. Ich werde dir beweisen, daß ich es nicht auf dein Pferd abgesehen habe und daß ich in friedlicher Absicht hier bin. Erstens kann ich überhaupt nicht reiten, und zweitens möchte ich dich warnen.«

»Warnen? Wovor?«

»Das Messer...« sagte Cilo. Er verlieh seiner Stimme einen zitternden Klang, damit sich der Mann sicher fühlte, Von einem feige schlotternden Bündel brauchte er nichts zu befürchten. »Ich kann kaum noch sprechen vor Angst«, behauptete er.

Der Mann zögerte.

»Ich bin harmlos«, beteuerte Cilo, der sich wieder gefangen hatte.

Der Mann schnaubte verächtlich, packte Cilo an der Schulter, drehte ihn herum und stieß ihn gegen den Baum, »Du möchtest mich also warnen.«

»Ja«, sagte Cilo, den anderen rasch musternd. Er mußte ihn innerhalb weniger Augenblicke einschätzen, durfte sich keinen Fehler erlauben.

Wie gefährlich war der Mann? War es ratsam, ihn anzugreifen? Oder war es vernünftiger, ihm das Geisterpferd zu lassen und sich nach einem anderen Reittier umzusehen?

Der Mann war groß und hager. Seine Brust war mit Blech gepanzert, das Messer, das er in seiner Hand hielt, war lang und hatte eine breite Klinge.

Andere Waffen sah Cilo nicht.

»Ich nehme an, du hast die Absicht, dorthin zu reiten, woher ich komme«, sagte Cilo. Er wies in die entsprechende Richtung. »Es wäre besser, wenn du einen anderen Weg einschlagen würdest.«

»Wieso?«

»Weil du in dieser Richtung nämlich auf eine Lichtung kommst, die zum Jagdrevier einer tückischen Kannibalenhexe gehört. Das verfluchte Weib stellte mir eine raffinierte Falle.«

»Und das hast du überlebt?«

»Ich hatte sehr viel Glück«, behauptete Cilo. »Aber noch einmal würde ich mich nicht auf die Lichtung wagen.« Der Fremde ließ das Messer sinken, aber sein Mißtrauen war noch nicht ganz zerstreut, »Warum warnst du mich?« fragte er. »Es könnte dir doch egal sein, was mit mir geschieht.«

Das war in der Hölle die Regel. Keiner kümmerte sich um den anderen, wenn er davon nicht in irgendeiner Form profitierte.

Cilo ließ seine Augen blitzen. »Ich hasse dieses Weib, Wenn ich verhindern kann, daß ihr jemand in die Falle geht, tu ich’s.«

Das leuchtete dem Fremden ein. Er nickte und steckte das Messer weg.

Fast im selben Augenblick handelte Cilo. Er riß sein Schwert heraus und stach zu, Entsetzen und Verblüffung weiteten die Augen des Fremden, während er zusammenbrach.

Cilo beugte sich über den Sterbenden. »Du hättest dich auf dein Gefühl verlassen sollen«, sagte er höhnisch. »Ich habe tatsächlich die Absicht, dich zu bestehlen. Man darf eben nicht glauben, was einem ein Fremder erzählt.«

Das hörte sich klug und belehrend an, dabei hatte Cilo vor kurzem selbst geglaubt, was ihm die Kannibalenhexe erzählte.

»Und außerdem«, lugte er spöttisch hinzu, »gibt es kaum jemanden, der besser reitet als ich.«

Er bewies es, indem er auf das Geisterpferd sprang, nach den Zügeln griff und wie ein Wirbelsturm davonsauste.

Der Fremde verfluchte ihn mit ersterbender Stimme...

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ICH HATTE MICH AUS dem Schlafzimmer gestohlen, als meine Freundin Vicky Bonney noch friedlich schlummerte. Ich wollte ihr eine kleine Freude machen und das Frühstück ans Bett bringen.

Es kam ohnedies viel zu selten vor, daß ich mal ein bißchen Zeit für Vicky erübrigen und sie verwöhnen konnte, doch heute durfte nichts dazwischenkommen.

Ich trug einen lindgrünen Kaschmirschlafrock, gähnte herzhaft und kratzte mir die Kopfhaut.

Als ich die Küche betreten wollte, erschien Boram, der Nessel- Vampir, »Guten Morgen, Herr.«

Ich nickte. »Alles in Ordnung?« Boram gab das Nicken zurück, und ich verschwand in der Küche. Ich kochte Tee und Kaffee, bereitete zu, was das Herz begehrte.

Nur das Wetter spielte nicht mit Es regnete. Graue Wasserschnüre hingen vor den Fenstern, doch das konnte ich leider nicht ändern.

Vorsichtig trug ich das vollbeladene Tablett nach oben und klopfte behutsam. Vieky konnte es nur hören, wenn sie wach war.

»Komm schon rein!« rief Vicky.

Ich öffnete die Tür mit dem Ellenbogen. Meine Freundin saß im Bett. Sie sah aus wie ein blonder Engel, und ihre veilchenblauen Augen strahlten vor Begeisterung.

»Hast du gut geschlafen, Schatz?« erkundigte ich mich.

»Wunderbar, Und nun servierst du mir das Frühstück ans Bett. Wieso verwöhnst du mich so? Du hast doch nicht etwa ein schlechtes Gewissen?«

»Daß ihr Frauen hinter allem einen Pferdefuß vermutet«, sagte ich kopfschüttelnd. »Darf man nicht mal nett zu euch sein, ohne gleich verdächtigt zu werden?«

»Entschuldige, Tony«, sagte Vicky. Ich stellte das Tablett auf ihre Knie, entledigte mich meines Schlafrocks und ging auch wieder zu Bett. Dann frühstückten wir zusammen, und Vicky fand es herrlich.

»Sieht aus, als würden wir hier etwas feiern«, sagte Vicky schmunzelnd.

»Das tun wir doch. Habe ich es dir nicht gesagt? Wir feiern deinen Nicht-Geburtstag.«

»Warum gerade den?«

»Weil er öfter ist«

Vicky beugte sich zu mir herüber und umarmte mich. »O du mein großer, dummer Junge. Soll ich dir etwas verraten? Ich liebe dich ganz schrecklich.« Ich grinste, »Ich wüßte nicht, was daran schrecklich wäre.«

»Weißt du, worauf ich Lust hätte?«

Ich lachte, »Darüber ließe sich reden. Wir müssen bloß das Tablett beiseitestellen.«

Vicky knuffte mich. »Ihr Männer denkt immer nur an das eine.«

»Denkst du denn an etwas anderes?«

»Allerdings«, sagte Vicky. »Laß uns in den Wagen steigen und aus der Stadt rausfahren.«

»Es regnet. Ist das deiner geschätzten Aufmerksamkeit entgangen?«

»Na und? Wir sind nicht aus Zucker. Wenn wir die richtige Kleidung tragen, kann uns der Hegen nichts anhaben. Wir könnten mit Gummistiefeln durch Schlammpfützen stapfen, den Regen trinken, der uns ins Gesicht klatscht.«

»Jetzt schlägt die blühende Phantasie der Dichterin durch«, sagte ich amüsiert, »Ein Vormittag irgendwo draußen, eine kleine Wanderung, nur wir beide allein. Würde dir das nicht gefallen?«

»Doch, aber leider ist mein Vormittag bereits verplant, Ich treffe Tucker Peckinpah. Wie wär’s mit dem Nachmittag?«

»Da habe ich schon etwas vor«, sagte Vicky seufzend.

Es war das alte Lied.

Uns blieb eine Stunde, und die nützte ich so, daß wir beide auf unsere Kosten kamen.

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ICH SAß IN MEINEM SCHWARZEN Rover, und die Scheibenwischer schoben das Regenwasser unermüdlich zur Seite. Ich war zu einer verfallenen Abtei unter, wegs, einem ehemaligen Monstertreffpunkt.

Insektenmenschen hatten sich dort eingefunden und einem glühenden Götzen gehuldigt - dem Abbild von Loxagon, der das Treiben dieser Ungeheuer unterstützt hatte.[2]

Es war mir gelungen, den lebendig gewordenen Götzen mit Shavenaar, dem Höllenschwert, zu vernichten, doch seither gab es im unterirdischen Gewölbe der Abtei jenen Höllenschlund, dem der Götze entstiegen war, und niemand wußte, wie man ihn schließen konnte.

Wir konnten lediglich hoffen, daß er sich eines Tages von selbst schloß, und wir mußten dafür sorgen, daß er in der Zwischenzeit zu keiner Menschenfalle wurde.

Ich hatte Tucker Peckinpah gebeten, sich darum zu kümmern. Innerhalb kürzester Zeit hatte der reiche Industrielle die bestmöglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen, die ich heute inspizieren sollte.

An die Abteiruine grenzte ein verwahrloster Friedhof. Ich hatte noch deutlich vor Augen, wie ich dort um mein Leben gekämpft hatte.

Die Friedhofsmauer war an mehreren Stellen durchbrochen gewesen. Das war sie jetzt nicht mehr.

Ich hielt vor einem Gittertor an. Ein großer Mann in wetterfester Kleidung kam auf mich zu und bedeutete mir, das Fenster zu öffnen.

»Sie sind Mr. Ballard, nicht wahr?«

»Ja«, antwortete ich.

»Darf ich Sie bitten, sich auszuweisen?«

Ich zeigte ihm meine ID-Card. Er verglich das Foto mit meinem Gesicht, nickte schließlich und gab mir den Ausweis zurück.

»In Ordnung; Mr. Ballard, Einen Augenblick, ich öffne das Tor.«

»Ist Mr. Peckinpah bereits hier?«

»Er erwartet Sie in der Abtei«, sagte der Mann.

Mein Partner hatte die beste Wachmannschaft auf die Beine gestellt, die er für sein Geld kriegen konnte. Ehemalige Polizisten und Geheimagenten -absolut integer, absolut zuverlässig und gewissenhaft. Niemand konnte die Abtei ohne ihr Wissen und ihre Erlaubnis betreten.

Ich fuhr auf die dunkle Ruine zu. Wie ein schwarzer Scherenschnitt ragte sie im Grau des Regens auf. Ich stieg aus und wurde von einem zweiten Mann noch einmal kontrolliert.

Erst dann durfte ich die Abtei betreten. Der Regen peitschte durch die glaslosen Fenster. Scheinwerfer, von Generatoren gespeist, warfen mir ihr grelles Licht entgegen.

Als ersten sah ich Cruv, den häßlichen Gnom von der Prä-Welt Coor. Er trug einen Maßanzug, und eine schwarze Melone wölbte sich auf seinem Kopf, damit er etwas größer wirkte.

Er war Peckinpahs Leibwächter und nahm diese Aufgabe sehr ernst. Man sah es dem kleinen Kerl nicht an, aber er kämpfte mit dem Herz eines Löwen.

Seine Hand ruhte auf dem Silberknauf eines Ebenholzstocks. Er schimpfte über das Wetter.

»Ich wußte nicht, daß du wasserscheu bist«, sagte ich schmunzelnd. Ich neckte ihn gern - ohne jemals die Absicht zu haben, ihn zu verletzen.

Tucker Peckinpah erschien. Er nahm die dicke Zigarre aus dem Mund und reichte mir die Hand. »Tony, schön, daß Sie kommen konnten«, sagte der Industrielle und strich sich über das stark gelichtete graue Haar. Er war nicht mehr der Jüngste, wirkte aber immer noch äußerst vital.

Peckinpah hatte ein Goldhändchen für lukrative Geschäfte. Ohne zu übertreiben, konnte man sagen, daß er von Minute zu Minute reicher wurde.

Und diesen immensen Reichtum setzte er ein, um die Hölle zu bekämpfen. Wenn eine Aktion gegen die schwarze Macht Erfolg versprach, fragte er nicht nach den Kosten.

»Bei diesem Mistwetter jagt man nicht einmal einen Hund aus dem Haus«, sagte Tucker Peckinpah, »Ich war am Überlegen, ob ich den Wagen oder das Surfbrett nehmen sollte«, scherzte ich. »Der Wind bläst kräftig genug, und Wasser wäre auch reichlich vorhanden gewesen.«

»Die Wachen haben Sie bereits gesehen.«

»Zwei Männer - sehr gewissenhaft«, sagte ich.

»Es sind insgesamt zwanzig Mann auf dem Gelände verteilt«, erklärte mir der Industrielle, »Jeder besitzt ein Funkgerät, über das er die anderen alarmieren kann, falls es nötig sein sollte. Die Friedhofsmauer wurde ausgebessert. Sämtliche Luftschächte wurden mit schweren Gittern versehen, und nun werde ich Ihnen die beiden Panzertüren zeigen, die den Abgang sichern.«

Peckinpah forderte mich auf, ihn zu begleiten. Cruv kam ebenfalls mit.

»Irgendwas Neues, Tony?« fragte der Knirps.

»Nein«, antwortete ich. »Oder doch: Cuea ist verschwunden.«

Peckinpah blieb stehen. »Verschwunden?«

»Ich sprach gestern mit Metal. Die Hexe wollte ihn mitnehmen.«

»Wohin?«

Ich hob die Schultern. »Ihr Sohn weiß es selbst nicht. Er nimmt an, daß sie in die Hölle zurückkehrte. Sie glaubt, daß Mr. Silver nicht mehr lebt, deshalb sieht sie keinen Grund, länger hier zu bleiben. Sie hat übrigens versucht, mir das Höllenschwert zu stehlen.«

»Ja, das haben Sie mir schon berichtet«, sagte der Industrielle. »Loxagon steckte dahinter. Es wäre sehr wichtig für ihn, das Höllenschwert wieder in seine Hände zu bekommen. Da ist noch eine Rechnung mit seinem Vater offen. Was wird Metal nun tun?«

»Ich weiß es nicht.«

»Wir sollten ein Auge auf ihn haben,« Wir gingen weiter. »Glauben Sie auch, daß Mr. Silver nicht mehr lebt?« erkundigte sich Tucker Peckinpah.

Meine Miene verfinsterte sich. »Ich will mich einfach nicht damit abfinden«. sagte ich rauh. »Aber je länger ich kein Lebenszeichen von ihm bekomme, desto dünner wird der Strohhalm, an den ich mich klammern kann.«

Peckinpah blieb vor einer Tür stehen, die die Aufschrift VORSICHT! HOCHSPANNUNG! trug.

»Steht die Tür tatsächlich unter Strom?« fragte ich.

»Nicht jetzt«, sagte Tucker Peckinpah. »Aber wenn wir die Abtei verlassen.«

Er öffnete die Tür - zwanzig Zentimeter Panzerstahl, wie er mich wissen ließ. Sie mußte irre schwer sein, war aber so optimal gelagert, daß man sie mit dem kleinen Finger bewegen konnte.

Dahinter befand sich eine zweite, ebenso dicke Tür. Tucker Peckinpah öffnete die mechanische Verriegelung, und wenig später gingen wir die abgetretenen Stufen hinunter.

Ölfunzeln hatten hier gebrannt, als ich zum erstenmal über diese Stufen schritt. Jetzt brannte elektrisches Licht.

Wir erreichten den Raum, in dem ich den Glutgötzen bezwungen hatte. Es kam mir so vor, als wäre es erst vor wenigen Stunden passiert, so frisch war die Erinnerung noch.

Der Höllenschlund war kreisrund. Rotes Feuer loderte in seiner Tiefe. Wenn ich da hineinsprang - was würde dann mit mir geschehen? Würde das Feuer mich fressen? Oder würde ich durch den Schlund fallen und irgendwo in der Verdammnis landen?

Ich war schon in der Hölle gewesen, aber ich kann nicht behaupten, daß ich weiß, wie es dort aussieht. Ich hatte nur einen Teil dieses riesigen Reichs, das von Asmodis beherrscht wurde, gesehen. Vielleicht war es nicht einmal die Spitze des Eisbergs gewesen.

Wenn ich damit Mr. Silver hätte retten können, hätte ich nicht gezögert, mich in diese brennende Tiefe zu stürzen.

»Niemand kommt in diesen Raum«, sagte Tucker Peckinpah. »Vielleicht wächst der Schlund mit der Zeit zu.«

»Das wünsche ich mir ebenfalls«, sagte ich. »Wenn nicht, müssen wir in Erfahrung bringen, wie man ihn schließen kann,«

»Haben Sie an den Sicherheitsvorkehrungen etwas auszusetzen?« erkundigte sich der Industrielle. »Haben Sie irgendwelche Verbesserungsvorschläge?«

»Im Moment nicht, Partner, Die Praxis wird zeigen, ob die Maßnahmen genügen.«

Argwöhnisch warf ich noch einen Blick in die Tiefe, bevor ich mich umdrehte. Kürzlich war dem Schlund ein Götze entstiegen. Es konnte bald wieder jemand aus dieser verdammten Öffnung kommen. Bei diesem unangenehmen Gedanken bildete sich in meiner Kehle ein dicker Kloß.

Wir stiegen die Stufen hinauf. Ais wir die Doppeltüren erreichten, sagte Cruv: »Meinen Stock. Ich habe meinen Stock vergessen,«

Tucker Peckinpah wollte die erste Tür bereits schließen. Er hielt in ne und ließ den Gnom durch, damit er sich den Stock, der gleichzeitig eine Waffe war, holen konnte.

Der Kleine sprang mit seinen kurzen Beinen die abgetretenen Stufen hinunter, und wir warteten zwischen den beiden Türen auf ihn.

»Was halten sie von einer Expedition in die Hölle, Tony?« fragte Tucker Peckinpah.

»Um Mr. Silver zu suchen?« fragte ich.

Der Industrielle nickte.

»Daran habe ich auch schon gedacht, und ich habe bereits Metal gebeten, mich zu begleiten, aber er ließ mich abblitzen.«

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738917598
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Februar)
Schlagworte
tony ballard satan
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Titel: Tony Ballard #128 - Tod dem Satan!