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Texarkana

2018 120 Seiten

Leseprobe

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TEXARKANA

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Roman aus dem amerikanischen Westen

von W. W. Shols

Der Umfang dieses Buchs entspricht 105 Taschenbuchseiten.

Sam Ruby und sein Bruder Fred wollen nach Ende des Bürgerkrieges neu anfangen. Sie haben eine große Menge Rinder eingefangen, die überall frei herumlaufen, und treiben sie nach Fort Sunner, wo gute Dollars für die Tiere bezahlt werden. Unterwegs werden sie von Apachen überfallen - die Herde wird gestohlen, zwei Cowboys und Fred werden erschossen; der kann, bevor er stirbt, Sam noch berichten, dass der Anführer der Indianer ein Weißer war. Darauf macht sich Sam auf die Suche nach dem Mörder seines Bruders und gelangt nach Gunthunder Gap, wo sich eine Horde Banditen und ihr Anführer Tex Arkana niedergelassen haben. Hier hofft er den kaltblütigen Mord an drei tapferen Männern rächen zu können ...

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover: Klaus Dill mit Steve Mayer, 2017

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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1

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Die Hölle des Bürgerkrieges liegt hinter ihnen. Er heißt Sam Ruby, der andere heißt Fred. Sie sind Brüder.

Aus der blutigen Hölle kommen sie nach Hause, heimatlos und zerbrochen. Yeah, und überall in Texas läuft herrenloses Vieh herum. Einen Dollar pro Stück. Und keiner will es kaufen. Denn es gibt keinen Markt, keine Auktion und natürlich auch keine Käufer.

Für verdammt wenig Geld machen Sam und Fred die schwersten Arbeiten. Dann hören sie, dass die Regierung für elftausend Apachen, Navajos und Utahs bei Fort Sunner ein Reservat errichtet. Die Indianer sollen dort Berufe erlernen, die der Zivilisation nützlich sind. Sie müssen auch verpflegt werden, und elftausend Indianer verdrücken eine ganze Menge Fleisch. Plötzlich steigen die Rinderpreise auf dreißig Dollar pro Kopf. Damit gibt es wieder einen offiziellen Markt. Die Frage ist nur, wie man die Rinder auf den Markt bekommt.

Durch den Panhandle kann man die Herde nicht treiben, weil das Gebiet den Comanchen gehört und die Gefahr besteht, dass man erstens seine Herde und zweitens seinen Skalp los wird!

Südlich von New Mexiko herrschen die Apachen, und das ist genauso schlimm. Außerdem liegen in diesem Gebiet die gefürchteten alkalihaltigen Wasserstellen, die ein durstiges Rind innerhalb von zwanzig Minuten töten.

Der einzige Trail, auf dem sie einer Herde mit einiger Sicherheit treiben können, führt durch die felsigen Guadelupes. Und für diesen Trail entscheiden sich Sam und Fred.

Sie mieten zwei Cowboys, mit denen sie eine kleine herrenlose Herde zusammentreiben. Fünfzig Rinder, dreißig Dollar pro Kopf, macht fünfzehnhundert Dollar. Eine glatte Rechnung. Sam und Fred könnten sich damit ihre Traum-Ranch in Texas kaufen.

Sie treiben durch die Guadelupes ...

Und bald schon müssen die vier Männer feststellen, dass auch durch dieses Gebiet mehr Apachen streifen als sie glaubten.

Es geschieht an diesem Tage im Morgengrauen. Die Herde ruht in einem Hohlweg. Fred Ruby und die beiden gemieteten Cowboys stecken noch in ihren Schlafsäcken. Sam ist der Herde vorausgeritten, um den besten Weg zu erkunden ...

Plötzlich setzt von beiden Seiten des Hohlweges ein mörderisches Feuer ein. Der Angriff der Apachen kommt völlig überraschend.

Fred Ruby und die zwei Cowboys haben keine Zeit mehr, nach den Gewehren zu greifen. Pete und Ralph werden von Kugeln durchsiebt und sind auf der Stelle tot. Fred ist tödlich verwundet und hat noch eine Stunde zu leben.

Wie ein Hornissenschwarm stürmen die Apachen die Böschung herunter. Die Rinder springen auf die Beine und jagen in wildester Stampede davon.

Die Indianer streiten sich um die Waffen der drei Opfer. Einer hat den Haarschopf Fred Rubys gepackt und schwingt sein Skalpmesser. Doch ein Weißer hat den Revolver in der rechten Hand und warnt:

„Kein Skalp für dich, Rothaut! Reite lieber hinter dem Vieh her!“

Widerwillig folgt der Indianer diesem Befehl. Der Weiße steckt den Revolver ein und beugt sich über Fred Ruby. Gut gezielt, denkt er zufrieden und ruft den Indianern zu:

„Treibt die Herde in den Corral. Da werdet ihr auch Whisky und mehr Gewehre finden!“

Dieser verlockende Hinweis lässt die Apachen sofort zu ihren Pferden rennen; die Pferde der drei Opfer nehmen sie mit.

Der Weiße durchsucht die Taschen der Männer, steckt ein, was er braucht, wirft weg, was ihm überflüssig erscheint. Dann steigt er die Böschung hinauf, schwingt sich auf sein Pferd und galoppiert hinter den Indianern her.

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Sam Rubys Gesicht versteinert, als er die wilde Herde auf sich zustürmen sieht. Er reißt sein Pferd herum und jagt die Böschung hinauf. Weit hinter sich hört er Gewehrschüsse, und da weiß er, dass es der Angriff ist, den sie schon beim Eintrieb in die Guadelupes befürchtet haben.

Jetzt erkennt er auch die Silhouetten der Apachenreiter, wirft sich hinter einen Felsen und feuert. Die Schüsse gehen in dem Brüllen der Rinder unter.

Urplötzlich ist alles vorbei. Der Spuk hinterlässt nur eine Staubwolke.

In gestrecktem Galopp reitet Sam Ruby zum Camp zurück. Schon von Weitem sieht er in der Frühdämmerung die drei reglosen Gestalten und stößt einen grimmigen Fluch aus. Er zügelt sein Pferd so, dass es sich auf die Hinterbeine stellt, springt ab und läuft zu seinem Bruder Fred.

„Um Himmels willen — Fred ...“ Er spricht den Satz nicht zu Ende und reißt ihm das Hemd vom Körper.

„Ich bin erledigt, Big Boy“, flüstert der Sterbende. „Gut, dass ich dich noch einmal sehe.“

Sam schluckt einen Kloß hinunter. „Rede keinen Unsinn! Du musst jetzt die Zähne zusammenbeißen. Wirst Schmerzen aushalten müssen, wenn ich dich auf die Seite drehe. Sonst ... sonst kann ich dich nämlich nicht verbinden, weißt du.“

„Mach's nicht so spannend, Big Boy ... Gib mir lieber was zu trinken, ich möchte nicht durstig sterben.“

Sam flößt seinem Bruder ein wenig Wasser ein.

„Diese verdammten Hunde!“, flucht er, kann aber nicht verhindern, dass ihm die Tränen kommen. „Wie sahen sie aus? Hast du jemand erkannt, Fred?“

„Da war auch ein Weißer ... 'Kein Skalp, Rothaut!' sagte er .... Unsere Taschen ... er hat sie umgekrempelt ...“

„Wie sah der Weiße aus, Fred?“

Doch sein Bruder weiß nur, dass er glänzende Stiefel mit silbernen Sporen und einen verzierten Revolvergurt trug, als er sich über ihn beugte. Von dem Gesicht des Banditen kann er nur sagen, dass es glatt und bartlos war.

Wenige Minuten später stirbt Fred Ruby in den Armen seines Bruders Sam.

Sam hüllt die Leichen in Decken, hebt im weichen Sand der Böschung drei Gräber aus, schaufelt sie langsam zu, nimmt den Stetson in die Hände und spricht ein kurzes Gebet.

Das Vieh und die fünfzehntausend Dollar, die es wert ist, verlieren an Bedeutung. Sam Ruby wird den Tod seines Bruders und der beiden Cowboys rächen. Er muss den Mann mit den glänzenden Stiefeln, den silbernen Sporen und dem verzierten Revolvergurt finden.

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Der Hohlweg mündet in eine mit Felsbrocken übersäte Ebene. Sam stellt fest, dass die Spuren auseinanderlaufen. Jede Spur verfolgt er so lange, bis sie auf dem steinigen Boden unkenntlich wird. Dann reitet er wieder zum Ausgangspunkt zurück und verfolgt die nächste Spur. Erst nach drei Tagen liegt die letzte Spur vor ihm, die letzte Hoffnung.

Aber auch diese Spur verliert sich im steinigen Geröll. Sam gibt nicht so leicht auf; er wird trotzdem weiterreiten, da immer noch die Möglichkeit besteht, dass die Spur an einer sandigen Stelle wieder zum Vorschein kommt.

Aber die Spur bleibt verschwunden.

Sam schöpft neue Hoffnung, als er eine Flussböschung sieht. Er steigt ab und führt sein Pferd am Zügel hinter sich her. Doch auch der weiche Ufersand ist unberührt. Resigniert nimmt er auf einem Felsen Platz, dreht sich eine Zigarette und lässt seinen Blick umherschweifen.

Immerhin entdeckt er wenigstens etwas. Hier muss ein Goldwäscher gearbeitet haben. Vielleicht ist er auch noch da, denn die Erdhügel sehen frisch aus. Und Sam sieht auch einen Pfad, der zum Fluss hinunterführt und auf eine Hütte zuläuft.

Sam wirft die halb angerauchte Zigarette weg, steigt in den Sattel und reitet den Pfad entlang, bis sein Pferd vor der Hütte steht.

„Hallo!“

Keine Antwort.

Er steigt ab, zieht die als Tür dienende Decke zur Seite und seinen Colt aus dem Holster. Denn Goldsucher leben gefährlich und schießen lieber zu früh als zu spät.

Aber der Raum ist leer. Ein roher Holztisch, ein aus Knüppeln zusammengebastelter Stuhl, ein eiserner Ofen mit Teekessel und eine hölzerne Pritsche sind das einzige Mobiliar. Die rechte Wandseite ziert ein Regal mit Handwerkszeug. Das ist alles.

Sam geht hinaus und sieht sich die nähere Umgebung der Hütte an. Er entdeckt einen Schacht mit einer Seiltrommel, wie man sie bei alten Ziehbrunnen findet. Das Seil ist locker.

Sam legt sich auf den Bauch und blinzelt hinunter. Aus der dunklen Tiefe des Schachtes dringt ein schwaches Stöhnen.

„Hallo! ... Sind Sie verletzt?“

Wieder keine Antwort, nur das Stöhnen bleibt.

Er holt sein Lasso und lässt die Schlinge hinunter.

„Falls Sie mich hören und die Leine fassen können, dann streifen Sie die Schlinge über Ihre Schultern!“

Das Lasso bewegt sich nicht, und Sam beschließt, selber hinunterzuklettern. Seine Füße berühren knapp den Boden. Er lässt die Leine los, zündet ein Streichholz an.

Im flackernden Lichtschein kann Sam Ruby nur flüchtig das graubärtige Gesicht des mit dem Rücken zur Wand sitzenden Mannes erkennen. Um ihn herum liegen Sprossen und Holme einer zerbrochenen Leiter. Der Mann sitzt reglos da, starrt abwesend vor sich hin und weiß offenbar nicht, was vorgefallen ist.

Sam streift die Lassoschlinge über seine hageren Schultern, klettert voraus und zieht ihn mit der Seilwinde nach oben.

Sam füllt einen Becher mit Wasser und führt ihn an die trockenen Lippen des Mannes. Endlich erwacht er, streckt seine zitternden Hände aus, und Sam muss den Becher fast gewaltsam zurückreißen.

„Nicht so hastig, Amigo, sonst bringen Sie sich noch selber um.“

Kraftlos lässt der Mann die Arme fallen.

„Bleiben Sie ruhig liegen, ich mache uns was zu essen.“ Sam zündet den Ofen an, findet in einer Ecke des Regals bereits zerlegtes Wildbret und wirft es in den Kessel. Die Bohnen in einem kleineren Kessel müssen schon vor längerer Zeit eingeweicht worden sein, denn das Wasser ist fast restlos verdunstet.

Zu guter Letzt bringt Sam doch einen nahrhaften Eintopf zustande und füttert den Mann mit einem Blechlöffel. Aber das Essen scheint ihn anzustrengen. Nach dem vierten Löffel schläft er ein.

Unter dem Leinenkittel trägt der Mann saubere Arbeitshosen und ein blaues Flanellhemd. Die Schuhe mit den flachen Absätzen passen zu seiner Tätigkeit. Doch was soll der Kittel bedeuten?

Die Abenddämmerung bricht an. Sam findet eine Talgkerze, zündet sie an und stellt sie auf den Tisch. Der Mann ist jetzt wach und beobachtet ihn dabei.

„Noch einen Schluck Wasser und etwas mehr Brühe ... Ich glaube, ich bin bald über dem Berg.“

Obwohl seine Stimme schon energischer klingt, muss Sam ihn wieder mit dem Blechlöffel füttern.

„Sie haben nicht schlecht gekocht. Aber ich begreife nicht ganz, wie Sie mich finden konnten. Dieser Platz liegt doch am Ende der Welt.“

„Ich bin hinter einer gestohlenen Rinderherde her.“

„Apachen?“

„Und an ihrer Spitze ein weißer Mann.“

„Tut mir verdammt leid, Sir. Wollen Sie mir nicht die ganze Story erzählen?“

Sam Ruby tut ihm den Gefallen.

„Yeah“, schließt er endlich, „und so trieben wir die Herde über den einzigen Trail, der uns einigermaßen sicher erschien. Vor drei Tagen überfielen uns im Morgengrauen die Apachen. Ein Weißer war der Anführer. Mein Bruder Fred und die zwei Cowboys wurden in ihren Schlafsäcken erschossen. Wäre ich nicht vorausgeritten, hätte mir das gleiche Schicksal geblüht.“

„Aber wenn Sie nicht anwesend waren — woher wissen Sie dann, dass ein Weißer der Anführer war?“

„Die beiden Cowboys starben sofort, doch Fred lebte noch, als ich im Camp eintraf. Er schilderte mir auch sein ungefähres Aussehen.“

„Interessant.“

„Glänzende Stiefel mit silbernen Sporen und einen verzierten Revolvergurt. Kennen Sie ihn zufällig?“

Der Mann antwortet nicht gleich, also scheint er etwas zu wissen.

„Nun?“, fragt Sam.

„Yeah, ich kenne ihn. Sein Name ist Arkana. Er kommt aus Kalifornien und wird Tex genannt.“

Sam beugt sich vor und greift nach den Aufschlägen des Kittels. „Wo kann ich ihn aufstöbern?“

„In einem Versteck namens Gunthunder Gap. Die Kluft ist der einzige Eingang zu einem natürlichen Corral, der von hohen Felswänden umsäumt wird. Arkana ist übrigens nicht allein. Er hat dem Tal einen anderen Namen gegeben: Texarkana — die Verbindung seines Vor- und Nachnamens.“

„Und wo liegt dieses — Texarkana?“

„Würde ich das sagen, wäre Ihnen damit kaum gedient. Sie wollen Tex Arkana umbringen und werden dabei selber umgebracht.“

Sam schüttelt ihn heftig. „Wo liegt das Tal?“

„Ich muss erst einmal nachdenken. Sie haben mir das Leben gerettet. Ich kann's nicht verantworten, meine Freunde in den Tod zu schicken. Lassen Sie mich die Sache überschlafen.“

„Zeigen Sie mir den Weg zum Gunthunder Gap — nach Texarkana!“

„Nicht jetzt. Wenn ich ausgeschlafen habe, vielleicht, aber nicht jetzt.“

Mürrisch kehrt Sam auf seinen Stuhl zurück. Der Mann dreht sich auf die andere Seite und schließt die Augen.

Sam wartet bis Mitternacht. Dann will er den Mann wecken. Aber der rührt sich nicht. Sam geht hinaus, um sein Pferd zu tränken. Dann breitet er seine Decken auf dem hartgestampften Lehmboden aus, verschränkt die Hände im Nacken und grübelt ...

Sam schläft ein und erwacht früh. Er zündet den Ofen an und hat das Frühstück fertig, als der Mann die Augen aufschlägt.

Während des Frühstücks fällt kein Wort, erst beim Abräumen sagt Sam: „Meinen Namen habe ich Ihnen schon genannt, aber Sie noch immer nicht den Ihren.“

„Wells. Abraham Wells. Die Leute, die mich kennen, nennen mich Langhaar-Wells und halten mich nicht für besonders intelligent. Aber Dummsein ist manchmal viel klüger. Die Indianer sehen in mir sogar einen Wahnsinnigen und haben darum einen gewissen Respekt. Wahnsinnig ... das ist leicht gesagt. Um meinen Ruf als Idiot und Wahnsinniger zu festigen, trage ich diesen Kittel und lasse meine Haare einfach wachsen. Seit vielen Monaten sind Sie der erste Mensch, mit dem ich spreche. Sonst unterhalte ich mich mit den Vögeln oder gehe mit mir selber zu Gericht ... Well! ... Im Gunthunder Gap kaufe ich ein und tippe auf die Gegenstände, die ich brauche. Meine Goldkörner reichen stets gerade so. Dann denken die nämlich, dass bei mir nicht viel zu holen ist. Die Texarkana-Burschen machen sich über mich lustig und wissen nicht, wie dumm sie sind.“

„Sie reden wie ein ... wie ein Professor, Mister Wells. Wer Ihnen zuhört, muss den Eindruck gewinnen, dass Sie einmal studiert haben. Mir ist das ja egal, aber ich frage mich, wie ein Mann Ihresgleichen in diese gottverlassene Gegend kam.“

„Vielleicht fühle ich mich hier ganz wohl?“

Sam weiß, dass das nicht die richtige Antwort ist, aber er lässt sie gelten. Abraham Wells spricht weiter:

„Vor vier Tagen krachte die Leiter zusammen. Ich kam mit heilen Knochen davon, doch leider nicht raus, weil das Seil riss. Glauben Sie mir, ich hatte jede Hoffnung aufgegeben.“

„Well, ich habe Ihnen das Leben gerettet“, lenkt Sam ein. „Darum sollten Sie mir dankbar sein und erklären, wie ich auf dem schnellsten Weg zum Gunthunder Gap oder Texarkana-Tal komme!“

„Ich überlege noch immer, Sam Ruby.“

„Entweder reden Sie jetzt, oder ich lasse Sie wieder in das Loch hinunter!“ Sam wird langsam ungeduldig.

„Das macht mir nichts aus“, ist die gelassene Antwort. „Mein Leben ist nutzlos, und die Welt wird mich nicht vermissen.“

„Helfen Sie mir Zeit sparen“, seufzt Sam. „Früher oder später finde ich den Gunthunder Gap ja doch, zum Geier!“

„Gewiss, gewiss. Sie sind ein Mann, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert. Sie werden Tex Arkana finden und ihn töten. Jedes Menschenleben ist kostbar, jedes ohne Ausnahme.“

„Arkana hat jedenfalls nicht danach gehandelt!“, braust Sam auf.

„Haben Sie Papier und Bleistift?“

Endlich, denkt Sam, reißt ein Blatt aus seinem Notizbuch und fischt einen Bleistiftstummel aus der Tasche.

Abraham Wells zeichnet eine Skizze. Demnach befindet sich der Gunthunder Gap oder das Texarkana-Tal inmitten wild zerklüfteter Mountains, und der Pfad führt über steile Klippen und Schluchten hinweg. Wells schiebt ihm den Zettel zu.

„Jetzt kann ich Sie nur noch zu größter Vorsicht ermahnen. Die Leute sind hartgesottene Outlaws, deren Sicherheit von diesem Versteck abhängig ist. Sie streiten sich manchmal untereinander, und es sind Burschen darunter, die Tex Arkana erschießen würden, um selber die Führung zu übernehmen. Aber das gemeinsame Versteck stellt die Ordnung letzten Endes wieder her.“

Sam studiert aufmerksam die Skizze und steckt sie ein.

„Tun Sie am besten so“, rät Wells, „als wären Sie vom Weg abgekommen und rein zufällig hineingestolpert. Vielleicht können Sie auch den Eindruck erwecken, als seien Ihnen die Hüter des Gesetzes auf den Fersen. Keine schlechte Visitenkarte für Texarkana.“

„Und meine Rinder? Glauben Sie, dass Arkana meine Herde ...?“

„Ja. Noch ein lebenswichtiger Tipp: Arkana und seine Apachen haben mit Sicherheit gewusst, dass die Herde von vier Reitern begleitet wurde. Drei sind tot. Der Verdacht, dass der vierte Reiter das Vieh suchen wird, liegt auf der Hand. Und sie werden das Vieh so lange versteckt halten, bis der vierte Reiter die Suche aufgibt und nach Texas zurückkehrt. Dann verkaufen sie die Herde in Fort Sunner oder in einem anderen Armeeposten. Würden Sie Ihr Vieh wiedererkennen?“

„Ja. Die Rinder tragen verschiedene Brandzeichen. Wir haben sie gewammt. Wissen Sie, was eine Wamme ist?“

„Nein. Jedenfalls nicht in Verbindung mit Viehzucht.“

„Man nimmt ein scharfes Messer und hebt damit ein Stück des weichen Halsfells ab, sodass es hinunterklappt und man daran die Tiere schon von weitem erkennt.“ Er steht auf. „Können Sie sich schon auf eigenen Beinen bewegen?“

„Alles, was ich brauche, ist Nahrung, Wasser und Ruhe.“

„Well, dann werde ich mich auf den Weg ins Gunthunder Gap machen.“ Damit setzt Sam seine Worte auch schon in die Tat um, rollt die Decken zusammen, geht hinaus und sattelt sein Pferd.

Abraham Wells reicht Sam zum Abschied seine knochige Hand.

„Wollen Sie sich's nicht noch mal überlegen?“

„Mein Entschluss steht fest!“, sagt Sam hart.

„Noch einen Tipp, Mister Ruby: Wenn Ihnen Tex Arkana zu Gesicht kommt, werden Sie ihn sofort zur Rechenschaft ziehen wollen. Verlieren Sie nicht den Kopf und achten Sie darauf, dass niemand in der Nähe ist. Sind Sie erst einmal im Texarkana-Tal drin, kommen Sie so leicht nicht mehr heraus. Hat keinen Sinn, wenn Sie Arkana erschießen und dann von anderen umgelegt werden. Und jetzt — vaya con dios!“ Er drückt noch einmal Sams Hand und blickt hinter ihm her, bis er verschwunden ist.

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Nach drei Tagen erreicht Sam den Gunthunder Gap und die einzige Stelle, von der aus man den Eingang der Schlucht sehen kann. Es ist eine schmale Kluft mit senkrechten Wänden, die höher als tausend Fuß sind. Es sieht aus, als habe eine riesige Axt eine Kerbe in den Bergrücken geschlagen.

Kaum ist Sam ein paar Pferdelängen nach links geritten, ist die Kerbe verschwunden; die Wände scheinen sich zusammengeschoben zu haben und als kompaktes Massiv vor ihm zu liegen. Eine optische Täuschung, denkt Sam.

Nach zweistündigem Ritt tritt die Kerbe wieder in Erscheinung und gibt einen Blick in die Schlucht frei. Sam reitet näher.

Kein Zeichen einer menschlichen Niederlassung, nur die breite Wagenspur verrät Leben. Aber Sam hört das donnernde Echo von Gewehrschüssen und näher kommende Hufschläge.

Ein Reiter, der wild auf sein Pferd einschlägt, versucht den Ausgang der Schlucht zu erreichen. Ein zweiter Reiter tauchte auf, ein dritter und vierter. Erreicht der Flüchtende die von Felsen geschützte Mulde, ist er außer Gefahr.

Sam sucht ein geeignetes Ziel. Einer der Reiter kommt in einem Winkel von fünfundvierzig Grad auf ihn zugaloppiert. Es kann nicht mehr lange dauern, dann hat er ihn entdeckt. Darum schießt Sam zuerst. Die Kugel durchbohrt den Kopf des Pferdes, das sich überschlägt und tot ist, ehe es den Boden berührt. Der Reiter schlägt hart auf, rollt ein Stück weiter und bleibt liegen.

Sam reitet auf ihn zu und steigt aus dem Sattel. Die vier Verfolger halten in einiger Entfernung und starren ihn verblüfft an.

Sie rutschen aus den Sätteln und kommen näher.

Der Gestürzte richtet sich auf und fährt mit der Hand über sein Gesicht, als wische er ein Spinngewebe weg. Er ist höchstens siebzehn, achtzehn und greift sofort nach dem Colt. Doch Sam hat seinen Revolver schon in der Hand.

„Versuchen Sie das lieber nicht, junger Mann!“

Hilflos blickt der Boy um sich, sieht die näher kommenden Männer, lässt seinen Kopf auf die Knie sinken und bricht in Tränen aus.

Ein großer, breitschultriger Mann versetzt dem Jungen einen Fußtritt gegen die rechte Schulter, dass er hintenüberkippt. Der Mann dreht sich auf dem Stiefelabsatz um und starrt Sam an. Sein Gesicht ist hart. Seine Lippen sind dünn wie ein Strich. Die Augen sind kalt wie Gletschereis. Er trägt eine schweißgetränkte Kalbslederweste, die mit einem fünfzackigen Silberstern verziert ist, auf dem der Name Texarkana eingeritzt ist.

„Zum Teufel, wer sind Sie?“

Sam antwortet nicht.

„Ich habe Sie etwas gefragt, Mister!“

„Sie sollten sich bei mir bedanken“, erwidert Sam. „Oder wollten Sie den Burschen nicht aufhalten?“

„Stimmt.“

„Das habe ich für Sie getan. Und wer, zum Teufel, sind Sie?“

Der Mann grunzt etwas. „Sie werden schon noch dahinterkommen“, sagt er, und zu dem hinter Sam stehenden Mann: „Bring den Boy ins Camp zurück. Er soll laufen!“

Der Befehlsempfänger packt einen Arm des Jungen und reißt ihn auf die Beine. „Los, Tim — ein Spaziergang tut dir gut.“

Der Boy sieht Sam an und spuckt aus. „Ohne Sie wäre ich schon aus diesem stinkenden Loch verschwunden. Warten Sie nur ab, das zahle ich Ihnen heim!“

Der Wächter schlägt zu; erst mit der Handfläche, dann mit dem Handrücken. Klatsch! Klatsch! „Du hast den Mund zu halten, verstanden?“

Wieder schießen dem Jungen die Tränen aus den Augen. Sein Begleiter führt ihn ab.

Noch immer tauschen Sam und der athletische Mann forschende Blicke aus.

„Sollen wir uns gleich Becker anschließen?“, fragt jemand.

„Nein. Achtet auf diesen Vogel!“

Blitzschnell reißt Sam den Colt hoch und spannt den Hammer.

„Ich bin ein bisschen nervös. Wenn mir jemand ein Blei in den Rücken jagen will, zuckt bestimmt mein rechter Zeigefinger, und Sie kriegen Bauchschmerzen.“

Der Mann fühlt sich weder direkt angesprochen noch beleidigt. „Sie sind ein kaltblütiger Gent, hm? Behalten Sie Ihre Kanone, aber kommen Sie mit uns!“

Sam steigt auf sein Pferd. Seine beiden Leibwächter reiten links und rechts hinter ihm. Er kann nichts dagegen tun. Wollen sie ihn umbringen, kann er genauso wenig daran ändern.

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Minuten später biegt die Reitergruppe in die Schlucht ein. Die Wände weichen zurück, die Straße wird breiter. Sam sieht ein Dutzend schäbige Hütten, die statt der Fenster nur glaslose Löcher aufweisen. Eine größere Hütte scheint der Store zu sein, und ein lang gestrecktes Bauwerk ist der Saloon, wie das Schild an der Tür zu erkennen gibt. 'Red Dog' verkünden die Buchstaben. Vor Saloon und Store stehen Männer herum. Sam sieht den Boy; wie ein störrisches Kalb treibt ihn der Mann namens Becker die staubige Street entlang. Als sie am Store vorbeikommen, läuft mit ausgebreiteten Armen ein Girl auf ihn zu und ruft: „Tim! Oh, Tim!“

„Weiter!“, herrscht Becker den Jungen an.

Das Girl geht neben ihm her und hat einen Arm um Tims Hüfte gelegt, als wolle es ihn beschützen.

Vermutlich seine Schwester, denkt Sam und hört den Jungen sagen: „Ich hätte es ja geschafft, Lys, wenn dieser Hund nicht mein Pferd abgeknallt hätte!“

Das Mädchen folgt seinem Blick. Es hat hübsche Augen, ist aber nicht unbedingt schön zu nennen. Es hat ein ebenmäßiges Gesicht und das braune Haar in Zöpfe geflochten. Möglich, dass es ohne die klobigen Schuhe und das sackähnliche Kleid wesentlich an Reiz gewonnen hätte.

„Komm, Tim“, sagt sie zärtlich, „ich fahre dich nach Hause.“

„Hast du gehört, King?“, meint Tims Begleiter zu dem Schwerathleten. „Sie will ihn nach Hause fahren.“

„Sie wird ihn weder nach Hause noch sonst irgendwohin fahren“, lautet Kings schroffe Antwort. „Er bleibt hier, das Weitere wird sich finden.“ Damit verschwindet King im 'Red Dog', und Sam erhascht einen Blick von der Bar und den Spieltischen.

Das Girl bleibt an der Seite Tims, der ihr von seiner missglückten Flucht erzählt. Sam merkt das an ihren zornfunkelnden Augen. Aber daran darf er sich nicht stören; er ist in Texarkana, im Gunthunder Gap, und nur das allein zählt.

Dann erscheint King wieder auf der Schwelle des 'Red Dog' und wird von einem anderen Mann begleitet. Sam sieht die beiden erst, als sie nur noch ein Dutzend Schritte entfernt sind. Aber er kann den Mann neben King deutlich erkennen: schlank, dunkelhaarig, glänzende Stiefel mit Silbersporen, verzierter Revolvergurt und eine Brokatweste mit silbernen Knöpfen!

Sam blickt dem Mann unauffällig nach, kann aber nicht verhindern, dass seine rechte Hand den Revolverknauf umfasst. Die beiden Banditen hinter ihm bringen ihre Gewehre sofort in die Horizontale. Nur ruhig, mein Junge, denkt Sam, du bist jetzt in Texarkana und wirst eine bessere Gelegenheit finden.

„Du wolltest also weglaufen, Tim“, hört Sam die Stimme Arkanas. „Was sagen deine Angehörigen dazu, hm?“

Lys hat noch immer den Arm um Tim gelegt, und Arkana mustert ihre Gestalt, als sähe er ein seltenes Tier.

„Du weißt, Tim, deine Schwester wäre ein hübsches Girl, wenn sie nicht in diesem Sackkleid herumlaufen würde. Sie wäre die Sensation im 'Red Dog'.“

„Ich bin nicht hübsch“, stammelt das Girl.

„Aber du könntest es sein. Mal sehen, was wir aus dir machen können. All right, bring deinen Bruder nach Hause und gib Acht auf ihn.“

„Einen Augenblick!“, mischt sich King ein. „Er darf nicht frei herumlaufen.“

„Wer hat hier zu bestimmen?“

„Zur Hölle, Tex, er wird's wieder versuchen!“

„Dann wirst du es verhindern. Wie konnte er dir überhaupt entwischen? Hättest deine Augenlider mit Streichhölzern stützen sollen!“

„Ich hab' nicht geschlafen!“, sagt King eifrig. „Er ist noch ein Kind. Ich dachte nicht, dass er's riskieren würde.“

„Den Mann in mein Office!“, kommandiert Arkana und geht weiter. Er überquert die Straße und hebt sorgfältig die Füße, damit seine Stiefel nicht staubig werden.

Lys und Tim steigen auf einen Wagen und fahren davon.

„Mitkommen!“, schnarrt King.

Sam bindet sein Pferd an und folgt King zum 'Red Dog'. Bis auf den Bartender und drei leichte Girls ist der Saloon leer. Sam, von King gefolgt, marschiert an ihnen vorbei.

„Die Seitentür dort!“

Sam stößt die Tür auf und tritt ein. Der Raum ist verhältnismäßig groß: ein Schreibpult, einige Stühle, ein Safe und ein Mann. Der Mann sitzt hinter dem Schreibpult und heißt Tex Arkana. Sam möchte ihm am liebsten über das Pult hinweg an die Kehle springen, aber er zwingt sich zur Ruhe.

„Warum haben Sie mich kommen lassen?“, fragt er.

Die schiefergrauen Augen blinzeln. „Ich möchte Ihnen einige Fragen stellen. Das ist bei uns so üblich. Name?“

„Sam Ruby. Ihr Name würde mich natürlich auch interessieren.“

„Arkana. Bis wir uns besser kennen, bin ich für Sie Mister Arkana.“ Er lehnt sich zurück. „Einen hübschen Revolver haben Sie da. Darf ich mal sehen?“

„Dürfen Sie. Aber das Schießen überlassen Sie mir. Es ist ein Colt, seltene Ausführung, Kaliber 44, und hat die gleichen Vorzüge wie die Kanone Ihres Mitarbeiters King. Allerdings ist er einundzwanzig Unzen leichter.“

„Und schneller zur Hand“, sagt Arkana gedankenvoll. „Wer hat Sie eigentlich nach Texarkana ... ins Gunthunder Gap geschickt?“

„Wenn Sie nicht mehr von mir wissen wollen ... Ich hatte mich vergaloppiert. Da sah ich einen Reiter und vier andere hinter ihm herpreschen. Ich brachte ihn zum Halten.“

„Warum?“

„Weil ich wissen wollte, weshalb die vier hinter ihm her waren. Kommen wir zur Sache, Mister Arkana. Ich habe Texas den Rücken gekehrt, weil mir das Klima nicht bekam. Dann habe ich hier in den Guadelupes den Weg verloren, und jetzt bin ich hier. Ihr ausgezeichnetes Versteck kommt mir wie gerufen, wenn ich ehrlich sein soll.“

„Wenn Sie uns als Banditen betrachten, dann ... Mit welchem Gebiet sollten wir uns schon befassen, hm? Hier ist doch weit und breit nichts zu holen. Oder sind Sie anderer Meinung?“

„Bei so einem idealen Versteck spielt die Entfernung keine Rolle, schätze ich. In New Mexico gibt es Towns mit Banken und Stores. Well, und jetzt treiben die Texaner ihre Rinderherden nach Fort Sunner und müssen durch die Guadelupes. Ich habe gehört, dass die in Fort Sunner so dringend Fleisch brauchen. Sie kaufen einfach jede Herde und fragen nicht lange, wo sie herkommt. Wenn Sie ein Mann sind, der eine Gelegenheit blitzschnell erkennt, dann habe ich nur Ihre eigenen Gedanken ausgesprochen.“

Arkanas Augen wandern zu King hinüber. „Na?“

„Ich glaube, wir sollten diesem Vogel lieber ein Freibillet zur Hölle zwischen die Rippen jagen. Das ist meine Meinung! Er kann ein Spion sein, und wenn er noch so treuherzig dreinblickt. Wir haben genügend Leute und brauchen uns auf kein Risiko einzulassen!“

„Er hat uns geholfen, Tim einzufangen. Der wäre bestimmt mit einer Gruppe Kavalleristen zurückgekehrt.“

„Wenn er ein Spion ist, können wir genauso gut auffliegen!“

„Da muss er erst mal hier rauskommen. Wir werden schon sehen. Er kann einstweilen den Platz von Flemming einnehmen.“ Arkana wendet sich an Sam und erklärt: „Dieser Flemming ist nicht mehr in unserer Mitte. Seine Füße wurden größer als seine Stiefel, und er starb an Bleivergiftung.“ Dann wieder zu King: „Du weißt, dass jeder Fuß eine bestimmte Stiefelgröße nicht überschreiten darf.“

„Ach, zum Teufel!“, faucht King.

„Er kann mich nicht leiden“, grinst Sam. „Vielleicht hat er Angst, dass es mir hier eines Tages besser gefällt als ihm? Jedenfalls habe ich einen Bärenhunger und möchte Ihnen beiläufig verraten, dass ich nur noch sechsundsiebzig Cents in der Kasse habe.“

„Erledige das, King“, brummt Arkana.

King ist wieder dagegen. „Tex, ich sage dir, dass der Kerl ...“

Arkanas eiskalter Blick verschlägt ihm die Sprache. Als er sie wiederfindet, sagt er müde: „Los, Ruby, raus hier!“

„Versuchen Sie nicht, uns an der Nase herumzuführen“, murmelt Arkana, „das kann ich gar nicht oft genug betonen.“

„Ich bleibe hier, obwohl — das kann ich auch nicht oft genug betonen — ein cleverer Bursche wie ich ohne Weiteres verschwinden könnte.“

Arkana lächelt dünn. „Da müssten Ihnen Flügel wachsen oder King die Augen zugefallen sein.“

Sofort fühlt King sich angesprochen. „Du hackst in letzter Zeit ziemlich oft auf mir herum, Tex!“

„So?“ Arkana beugt sich vor und weit über das Pult. „Hätte Ruby nicht Tim Cox gestoppt, hättest du jetzt schon deinen letzten Seufzer gemacht!“

„Los, los, Ruby, raus hier!“, murrt King noch einmal.

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King führt Sam, um ihn den anderen vorzustellen, auf einen Sprung in den Saloon und später in seine Unterkunft.

Eine kleine Hütte, deren wackliges Mobiliar jede Gefängniszelle zieren könnte.

Sam setzt sich auf die Pritsche und dreht sich eine Zigarette. Bisher hat er seine von Langhaar-Wells empfohlene Rolle gut gespielt. Jetzt muss er Arkana nur noch beweisen, dass auf ihn Verlass ist — dann kann dieser sein Testament machen.

Sam raucht die Zigarette, stellt eine Liste aller Gegenstände auf, die er braucht, und geht damit zum Store. Es ist eine lange Liste, doch er braucht nichts zu bezahlen.

Er befiehlt dem Storekeeper, die Ware in eine große Kiste zu packen, auf der er sitzen kann. Er legt sie auf seine Schulter und kehrt, sein Pferd hinter sich herführend, in seinen Karnickelbau zurück. Er pflockt das Pferd auf einer saftigen Rasenfläche an und betrachtet die Wände des riesigen Felsenkessels.

Dann trägt er die Kiste ins Haus. Als er alles ausgepackt und im Regal verstaut hat, macht er sich auf den Weg zum 'Red Dog'. Dort werden sich mittlerweile die führenden Köpfe der Bande eingefunden haben. Er sieht zwei Männer herauskommen. Sie tragen Gewehre. Zwei Hunde trotten hinter ihnen her.

Hunde! Sam weiß jetzt, aus welchem Grunde Tim am Tage flüchtete, denn nachts wird der Schluchteingang von dressierten Hunden bewacht. Die Wächter beziehen soeben Posten.

Im 'Red Dog' sind ein gutes Dutzend Männer versammelt, und nicht alle sehen wie Banditen aus.

Sam geht an die Bar. Die Männer sehen ihn an, doch keiner macht den Mund auf. Er bestellt einen Whisky, nimmt dem Salooner die Flasche aus der Hand und setzt sich damit an einen Tisch.

Die drei Girls stehen an der Bar und unterhalten sich mit den Männern. Die Rothaarige blickt zuerst ihn und dann Tex Arkana an, der kaum merklich mit dem Kopf nickt.

Das hat etwas zu bedeuten, denkt Sam, und hat sich nicht getäuscht. Ein riesiger Kerl von wenigstens hundert Kilo Lebendgewicht belästigt auf einmal die Rothaarige. Aber das Girl weiß sich zu wehren und versetzt ihm einen Tritt ans Bein.

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738916645
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v387324
Schlagworte
texarkana

Autor

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Titel: Texarkana