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Folge 5/6 Chronik der Sternenkrieger Doppelband

2018 350 Seiten

Leseprobe

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Chronik der Sternenkrieger – Folge 5 und 6

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Doppelband: Der Wega-Krieg / Zwischen allen Fronten

von Alfred Bekker

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EIN CASSIOPEIAPRESS E-Book

© 2005, 2008, 2012 by Alfred Bekker

© 2014 der Digitalausgabe by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich (Westf.)

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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MITTE DES 23. JAHRHUNDERTS werden die von Menschen besiedelten Planeten durch eine kriegerische Alien-Zivilisation bedroht. Nach Jahren des Krieges herrscht ein brüchiger Waffenstillstand, aber den Verantwortlichen ist bewusst, dass jeder neue Waffengang mit den Fremden das Ende der freien Menschheit bedeuten würde. Zu überlegen ist der Gegner.

In dieser Zeit bricht die  STERNENKRIEGER, ein Raumkreuzer des Space Army Corps , unter einem neuen Captain zu gefährlichen Spezialmissionen in die Weite des fernen Weltraums auf...

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ALFRED BEKKER schreibt Fantasy, Science Fiction, Krimis, historische Romane sowie Kinder- und Jugendbücher. Seine Bücher um DAS REICH DER ELBEN, die DRACHENERDE-SAGA,die GORIAN-Trilogie und seine Romane um die HALBLINGE VON ATHRANOR machten ihn einem großen Publikum bekannt. Er war Mitautor von Spannungsserien wie Jerry Cotton, Kommissar X und Ren Dhark. Außerdem schrieb er Kriminalromane, in denen oft skurrile Typen im Mittelpunkt stehen - zuletzt den Titel DER TEUFEL VON MÜNSTER, wo er einen Helden seiner Fantasy-Romane zum Ermittler in einer sehr realen Serie von Verbrechen macht.

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DIESES EBOOK ENTHÄLT folgende zwei Bände:

Band 5:  Der Wega-Krieg

Band 6:  Zwischen allen Fronten

Der Umfang dieses Ebook entspricht 220 Taschenbuchseiten.

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Band 5: Der Wega-Krieg

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»Austritt aus dem Sandströmraum«, meldete Ruderoffizier Lieutenant John Taranos. »Wir bleiben im Schleichflug«, wiederholte Commander Rena Sunfrost, Captain des Leichten Kreuzers STERNENKRIEGER, den Einsatzbefehl.

Das helle Licht der Wega strahlte auf dem Panoramabildschirm. Deutlich war der leuchtende Gasring zu sehen, der diese helle Riesensonne umgab. Sechsundzwanzig Lichtjahre waren es von hier aus bis zur Erde. Die Planeten der Wega gehörten zu den ältesten und nach wie vor wichtigsten Kolonien der Menschheit. Und genau hierher hatte der überraschende Vorstoß geführt, den die Flotte der Qriid vor einigen Wochen geführt hatte. Ein Stich ins Herz der Humanen Welten. Im Handstreich hatten die vogelartigen Qriid das System eingenommen und sich inzwischen hier eingenistet. Unzählige Flotteneinheiten der Invasoren waren inzwischen aus dem Sandströmraum materialisiert. Kriegsschiffe ebenso wie gewaltige Frachteinheiten.

Offenbar sollten die eroberten Kolonien so schnell wie möglich in die Kriegsproduktion der Eroberer integriert werden.

Rena Sunfrost erhob sich von ihrem Kommandantensessel.

Wir werden ihnen einen Strich durch die Rechnung machen, dachte sie. Die STERNENKRIEGER bildete schließlich nur die Vorhut eines Flottenverbandes, dessen Mission die Befreiung der Wega war...

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Die STERNENKRIEGER flog jetzt mit dem Austrittsschwung aus dem Sandström-Raum. Die Impulstriebwerke blieben abgeschaltet, um zu verhindern, dass deren typische Energiesignaturen vom Feind angemessen werden.

Da auch der Übertritt vom Sandströmraum in das Normaluniversum angemessen werden konnte, war der Austrittspunkt in eine Gaswolke gelegt worden, die etwa eine Ausdehnung von 10 Lichtminuten hatte und die Wega auf einer exzentrischen, um dreiundzwanzig Grad gegen die

Systemebene geneigten Bahn umkreiste.

Im Vergleich zum Sol-System, dessen Alter auf viereinhalb Milliarden Jahre geschätzt wurde, war die Wega jung. Und sie würde jung sterben. Die gesamte Lebenserwartung eines derartigen Riesen betrug gerade eine halbe Milliarde Jahre.

Kein Wunder also, dass sich im Wega-System viel weniger Planeten gebildet hatten, als man von der zur Verfügung stehenden Masse her hätte erwarten können. Die den Stern umgebende Gasscheibe sowie mehrere unterschiedlich große Gaswolken, die die Wega in größerem Abstand umkreisten, waren Zeugnisse einer noch nicht abgeschlossenen oder gescheiterten Planetenbildung.

»Die mittlere Umgebungstemperatur liegt bei 243 Kelvin«, meldetet Ortungsoffizier Lieutenant David Kronstein, der darüber hinaus auch für die Kommunikation zuständig war.

Das entsprach ungefähr Minus 30 Grad Celsius. Aber gemessen an der Kälte des Alls, dem absoluten Nullpunkt von ungefähr Minus 273 Grad Celsius war dieser Nebel heiß.

Auf jeden Fall sorgte er dafür, dass es für die Qriid sehr viel schwerer war, den Kontinuumswechsel zu orten.

Lieutenant Commander Raphael Wong, seines Zeichens Erster Offizier der STERNENKRIEGER, nahm an seiner Konsole ein paar Schaltungen vor. Sein unbewegt wirkendes Gesicht zeigte für einen Moment eine Furche mitten auf der Stirn, die sich aber sofort wieder glättete.

»Wir befinden uns exakt auf dem vorausberechneten Hyperbelkurs in Richtung Wega Stranger, Captain«, berichtete er.

»Das freut mich zu hören«, erwiderte Sunfrost. »Gut gemacht, Lieutenant Taranos.«

Genau von diesem Faktor hängt nämlich das Gelingen der gesamten Mission ab, ging es ihr dabei durch den Kopf.

»Wir werden auf jeden Fall ohne irgendeine Kursänderung nahe genug an Wega Stranger herankommen, um die Marines abzusetzen«, fuhr Wong fort.

»Ruder, wie lange wird die Flugzeit bis zum Zeitpunkt der größten Annäherung an Wega Stranger betragen?«, fragte Rena.

»Sieben Stunden, Captain«, antwortete Taranos.

An diesem Zeitrahmen vermochte die Besatzung der STERNENKRIEGER nicht das Geringste zu ändern, wollte sie weiterhin im relativ risikolosen Schleichflug daherkommen.

Renas Finger glitten über die Tastatur ihres eigenen Terminals. Auf einem Display erschien eine schematische Darstellung des gesamten Wega-Systems in Pseudo-Drei-D-Qualität. Die bedeutendsten Menschheitskolonien befanden sich auf Wega 4 und 5. Allein die Stadt New Hope auf Wega 4 – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Sonnensystem im Grenzbereich zu den Qriid – war mit ihren Milliarden Einwohnern eine Metropole gewesen, wie sie innerhalb der Humanen Welten ihresgleichen suchte.

Aber nun stand auch New Hope City unter der Kontrolle der vogelartigen Qriid. Über das, was mit der menschlichen Bevölkerung der Wega-Kolonien geschehen war, gab es nur Spekulationen. Im Oberkommando des Space Army Corps und im Humanen Rat ging man gleichermaßen davon aus, dass die Qriid es anstrebten, die Wega möglichst schnell zu einem Standort ihrer Kriegsproduktion zu machen, sodass ein Brückenkopf für die weitere Invasion und Einverleibung des von der Menschheit besiedelten Raumsektors folgen konnte.

Sunfrost und ihre Crew hatte eine Expedition in die Noirmad-Exklave vorgenommen, um mit einer Widerstandsbewegung so genannter Ketzer Kontakt aufzunehmen, deren Erstarken das Heilige Imperium der Qriid vielleicht von innen her erodieren lassen konnte. So zumindest die vage Hoffnung, die sowohl in der Admiralität des Space Army Corps als auch bei einigen maßgeblichen Köpfen im Humanen Rat geträumt wurde.

Da es sich bei der Noirmad-Exklave um einen Raumsektor handelte, der erst vor relativ kurzer Zeit dem Heiligen Imperium eingegliedert worden war, war hier die Vorgehensweise der Qriid besonders deutlich erkennbar. Nachdem sie einen Brückenkopf erobert und gesichert hatten, zielte ihre Vorgehensweise darauf ab, so schnell wie möglich für eine Wiederaufnahme der Industrieproduktion zu sorgen und bestehende Anlagen so umzurüsten, dass sie in die Kriegsmaschinerie des Imperiums integriert werden konnten.

Auf diese Weise verhinderten sie das, was so vielen großen Eroberern der irdischen Geschichte passiert war, angefangen von Alexander dem Großen bis Napoleon. Die Qriid schafften es, eine Überdehnung ihrer Kräfte zu verhindern –ein Faktor, der bei Expansionen sehr häufig außer Acht gelassen wurde. Die Qriid aber hatten im Verlauf ihres Heiligen Krieges die Bedeutung der Nachschubsicherung offenbar erkannt und ihre Konsequenzen daraus gezogen.

Rena zoomte eine bestimmte, weit oberhalb der Systemebene gelegene Region des Wega-Systems auf ihrem Display heran.

Die Bahnen der meisten anderen Wega-Welten befanden sich mit dem Gasring im Zentrum in einer Ebene. Es gab eine Abweichung von nicht mehr als zehn Grad dabei.

Natürlich existierten auch zahllose Materiebrocken, die auf völlig exzentrischen Bahnen die Wega umkreisten. Kometen, Asteroiden, Trümmerstücke von Planeten, die durch Kollisionen vernichtet worden waren...

Ein Fundort für die Archäologie des Kosmos, der noch nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft worden war.

Nur ein einziger dieser Brocken hatte die Größe eines Planeten und umkreiste Wega auf einer Bahn, die senkrecht zur Systemebene stand. Auf Grund dieser Exzentrik hatte man ihn erst Jahre nach der Ankunft erster Siedler mit dem Raumschiff NEW HOPE entdeckten Himmelskörper Wega Stranger genannt und nicht in die planetare Nummerierung aufgenommen.

Wega Stranger hatte etwa die Größe des Mars, wies allerdings eine wesentlich größere Dichte auf, sodass auf der Oberfläche eine Schwerkraft von 0,7g herrschte. Die Atmosphäre bestand aus schwefelhaltigen Gasen, Stickstoff, ein paar Edelgasen und Kohlendioxid. Der Druck war außerordentlich hoch und entsprach etwa einer Tauchtiefe von zwanzig Metern in einem irdischen Ozean. Wega Stranger besaß keine nennenswerte Eigenrotation. Auf der Tagseite wurde es daher trotz der großen Entfernung zum Zentralgestirn bis zu dreißig Grad Celsius warm, während auf der sonnenabgewandten Seite eine Kälte von Minus hundertfünfzig Grad Celsius herrschte. Die enormen Temperaturgegensätze zwischen den beiden Hemisphären von Wega Stranger sorgten für orkanartige Stürme, gegen die sich alles, was von der Erde, dem Mars oder anderen Planeten aus dem Einflussbereich der Humanen Welten her bekannt war, nur wie ein laues Lüftchen ausnahm.

Trotz der Blüte der nahen Wega-Kolonien war Stranger nie etwas anderes gewesen als ein relativ

nutzloser Materieklumpen, bei dem jegliche Terraformingmaßnahmen als zwecklos und zu aufwändig angesehen wurden. Das Problem war die überaus dichte Atmosphäre, deren Zusammensetzung darüber hinaus auch noch ausgesprochen brisant war. Niederschläge aus Schwefelsäure machen es selbst hartgesottenen Vertretern der Pflanzenwelt schwer, sich hier zu behaupten.

Aufklärungseinheiten des Space Army Corps hatten jedoch herausgefunden, dass die Qriid sich ausgerechnet Wega Stranger als Sitz ihres Kommunikations- und Koordinationszentrums ausgesucht hatten. Eine gigantische Station war im Schlepp von Kriegsschiffen aus dem Sandströmraum materialisiert und anschließend auf der sonnenzugewandten Seite von Stranger gelandet. Von hier aus wurden sämtliche Manöver der im Wega-System stationierten Kampfeinheiten der Qriid koordiniert. Stranger war wie geschaffen dafür.

Die Tatsache, dass dieser irreguläre Wega-Trabant nahezu keine Rotation aufwies, führte dazu, dass die Station stets dem System zugewandt war. Zumindest die nächsten Jahrzehnte.

Die dichte Atmosphäre wiederum war ein wirksamer Schutz gegen die Gauss-Geschütze der Space Army Corps Raumschiffe, denn deren würfelförmige Projektile verglühten dort, ehe sie ihre unglaubliche Durchschlagskraft entfalten konnten. Vom Weltraum aus war mit Gauss-Geschossen nichts auszurichten, dazu war schon eine Operation auf der Oberfläche notwendig.

Der Auftrag, mit dem die STERNENKRIEGER nach Stranger geschickt worden war, verlangte ein Höchstmaß an Präzision.

Im Schleichflug würde die STERNENKRIEGER an Stranger vorbeirasen und dabei einen Antigravpanzer vom Typ YXC-3 ausschleusen, der auf der sonnenabgewandten Seite landen sollte. Nicht einmal ein Bremsmanöver konnte die STERNENKRIEGER dabei durchführen. Das hätte eine Entdeckung beinahe garantiert. Aufgabe des Marine-Teams war es, die Kommunikationszentrale der Qriid auszuschalten.

Das musste exakt in dem Augenblick geschehen, wenn die neu formierte Hauptflotte der Humanen Welten eintraf und den Angriff auf die Invasoren einläutete.

Die Qriid-Verbände hatten sich bisher als überlegen erwiesen. Aber wenn sie plötzlich ohne Koordination dastanden, so war es vielleicht möglich, den Aggressor aus dem Wega-System wieder zu vertreiben.

Allerdings konnte das Space Army Corps keinesfalls seine geballte Macht für dieses größte militärische Unternehmen seiner Geschichte aufbieten, da sich die Qriid an allen Fronten dieses erst vor einigen Monaten wieder aufgeflammten Krieges auf dem Vormarsch befanden.

Soweit es noch gerade eben vertretbar war, hatten die Verantwortlichen in der Admiralität der Raumflotte dafür gesorgt, dass die Verteidigungslinien ausgedünnt wurden, um Einheiten für die Entscheidungsschlacht um die Wega freizumachen.

Alles hängt letztlich von Sergeant Rolfson und den Marines ab, überlegte Rena. Wenn die es nicht schaffen, das Kommunikations-und Befehlszentrum der Qriid auszuschalten, werden wir kaum eine Chance haben und ein zweites Tridor erleben – nur, dass wir diesmal nicht erwarten können, dass sich die Qriid plötzlich ohne jede militärische Notwendigkeit zurückziehen...

Rena Sunfrost wandte sich an Lieutenant Commander Wong.

»Sie haben die Brücke, Raphael.«

»Aye, aye, Captain.«

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Captain Sunfrost verließ die Brücke und ging in ihren Raum, der auch als Besprechungszimmer für die an Bord Dienst tuenden Offiziere benutzt wurde. Rena setzte sich in einen der Schalensitze und stellte per Interkom eine Verbindung zu Sergeant Oliver Rolfson her.

Das breite Gesicht des Kommandanten, der an Bord der STERNENKRIEGER stationierten Einheit von Marineinfanteristen, erschien auf einem kleinen Bildschirm.

»Sergeant, wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen für die Landemission?«, fragte Rena.

Rolfsons Gesicht wirkte angespannt und konzentriert, so als würde er Haltung annehmen.

»Ich habe die Marines über die bevorstehende Operation informiert und sie mit allen bekannten Details über die Bedingungen auf der Oberfläche vertraut gemacht. Wir werden uns von der Nachtseite her an die Kommunikationszentrale heranmachen und Sprengsätze anbringen. Wir werden sie so positionieren, dass die Station nicht völlig zerstört, sondern nur ausgeschaltet wird. Wir können später zurückkehren und sie eingehend unter die Lupe nehmen.«

»Sie werden womöglich qriidischen Landetruppen begegnen und in Gefechte verwickelt werden«, sagte Rena.

Das weiß er, sagte sie sich selbst. Sei nicht so nervös!

Rolfson nickte gleichmütig. »Ja, aber das werden wir durchstehen. Hauptsache, wir schaffen es, die Sprengsätze richtig zu platzieren. Danach können wir mit dem Antigravpanzer relativ schnell verschwinden und zur STERNENKRIEGER zurückkehren – vorausgesetzt, es geschieht nichts Unvorhergesehenes und Sie halten sich exakt an den Zeitplan, Captain.«

»Das werden wir, Sergeant. Das werden wir...«

Rena war sehr wohl bewusst, dass genau davon das Überleben der Marines abhängen würde, die an dieser Risiko-Operation beteiligt waren.

Äußerlich wirkt er unbewegt, überlegte Rena.

Doch inzwischen kannte sie ihn längst gut genug, um zu wissen, dass unter dieser manchmal abweisend und grob wirkenden Fassade durchaus kein gefühlskalter Eisblock steckte. Andererseits war er ein Marine – ausgebildet dafür, das Notwendige zu tun – selbst dann, wenn es Opfer kostete und sehr gefährlich war.

»Was ist mit den technischen Systemen des Antigravpanzers?«, fragte Rena.

»Sind vom neuen LI überprüft und optimiert worden«, gab Rolfson zurück.

Nachdem Lieutenant Catherine White Selbstmord begangen hatte – sie hatte den Tod ihres Freundes nicht verwinden können –, hatte Lieutenant Simon E. Erixon ihren Platz eingenommen, dessen fachliche Kompetenz für Sunfrost außer Frage stand.

»In Ordnung. Ich nehme an, Sie wissen, was für uns alle vom Gelingen Ihres Auftrags abhängt, Sergeant.«

»Ja, Captain.«

Rena unterbrach die Verbindung.

Jetzt hieß es nur noch warten und sich fürs Erste ruhig verhalten.

Der größte Feind, den die Crew der STERNENKRIEGER jetzt hatte, war die eigene Unvorsichtigkeit...

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Falran-Gor betrat den Tempelbereich der mobilen Station, die den Namen FÜNFTE STIMME DES IMPERIUMS trug. Es handelte sich um eine von insgesamt vier mobilen Kommandostationen, die von den Qriid in gerade eroberten Brückenköpfen eingesetzt wurden. ZWEITE STIMME DES

IMPERIUMS war im Zuge des Krieges, der seinerzeit zur Eroberung der Noirmad-Exklave geführt hatte, bei Kämpfen zerstört worden.

Falran-Gor schritt durch das Säulenportal, das zu den typischen Details aller Qriid-Tempel gehörte. Auf der glatten, mamorähnlichen Oberfläche der Säulen liefen Filmprojektionen von der Inthronisierung des neuen Aarriid, dem Stellvertreter Gottes und nominellem Herrscher des Heiligen Imperiums der Qriid.

Die eigentliche Macht ging natürlich nach wie vor vom militärischen Oberkommando der Tanjaj – das bedeutete Gotteskrieger – sowie der Führung der Priesterschaft aus.

Falran-Gors Blick blieb kurz an dem bewegten Abbild des neuen Aarriid hängen. Ein kleines Qriid-Küken, gerade seinen Eierschalen entschlüpft, aber mit dem ausgezeichnet, was unsere Priester die spirituellen Zeichen nennen...

Welche Verantwortung, welch geballter Erwartungsdruck lastete nun auf diesem kleinen Wesen, dessen spirituelle Begabung eine so gewaltige Bürde darstellte, dass Falran-Gor um keinen Preis des Imperiums mit ihm hätte tauschen wollen.

Und das, obwohl ein Aarriid durch die Einnahme heiliger Drogen eine erheblich größere Lebenserwartung besaß, als ein gewöhnlicher Qriid. Aber was war das für ein Leben? Es gehört noch viel weniger dir selbst, als es bei uns einfachen Soldaten Gottes der Fall ist, überlegte Falran-Gor.

Einige Augenblicke noch sah er wie gebannt auf dieses Vogelkind, das bislang kaum in der Lage war, seinen im Verhältnis zum Körper noch überdimensionierten Kopf aus eigener Kraft zu heben.

Das Universum in den Krallen eines Kükens – ist das nicht ein Bild von fast poetischer Tiefe?

Falran-Gor schritt weiter in den Tempel hinein, um seine Gebete der inneren Reinigung vorzunehmen. Einige andere Betende waren auch dort und verharrten in leicht gebeugter Haltung.

»Tanjaj sind wir, Krieger des Heiligen Krieges, geführt vom Aarriid«, so beteten sie. »Wir glauben an die Erwählung des Qriid-Volkes durch Gott; wir sind Gottes Volk und als solches einzigartig unter allen Intelligenzen des Kosmos. Wir schwören, die Geschöpfe des Chaos zu vertreiben oder in die Heilige Ordnung zu zwingen und dafür unsere ganze Kraft und unser Leben einzusetzen, auf das der Tag komme, an dem der Wille Gottes geschehe in der Gesamtheit der Raumzeit.«

Falran-Gor murmelte diese Worte mit.

Jedem Tanjaj war es vorgeschrieben, an den rituellen Reinigungen und Gebeten teilzunehmen, denn der Kampf gegen die Ungläubigen war eine heilige Handlung, die entweiht wurde, wenn sie von Qriid mit unreinen Gedanken oder Zweiflern durchgeführt wurde.

Oder gar Ketzern, wie sie gerüchteweise jüngst in der Noirmad-Exklave aufgetaucht waren. Dort sollte angeblich ein Prediger leben, der von sich behauptete, der nach den Legenden erwartete Friedensbringer zu ein. Ein Qriid, der sich Ron-Nertas nannte und verkündete, dass es keineswegs Gottes Wille sei, dass das Volk der Qriid für alle Zeiten den Heiligen Krieg in die Weiten des Universums trug.

Auch Falran-Gor hatte sich an den Frieden gewöhnt, und anfangs hatte er sich selbst dabei ertappt, wie sehr es ihm widerstrebte, erneut in den Krieg zu ziehen.

Es ist eine Frage der inneren Disziplin, ob man einer mentalen Schwäche nachgibt und zulässt, dass aus der spirituellen Krise des Einzelnen ein Kollaps des Imperiums und seiner Tanjaj-Flotte wird!, erinnerte sich Falran-Gor an einen Lehrsatz der Priesterschaft.

Das war es letztlich, was Falran-Gor an einem geweihten Ort wie diesem suchte.

Innere Ruhe.

Spirituellen Kontakt zu seinem Gott.

Die Gewissheit, das Richtige zu tun.

Gott allein war die maßgebliche Instanz. Das galt für den einfachen Rekruten ebenso wie den Oberbefehlshaber der Gotteskrieger, der die Ehrenbezeichnung Tanjaj-Mar trug.

Ein in Falran-Gors Gehörgang eingesetzter Funkmelder gab ein Signal von sich, das ihn aus seiner inneren Versenkung herausriss.

Eine Stimme ertönte. »General, ein Zwischenfall der Klasse 3 erfordert Ihre Anwesenheit in der Zentrale.«

Durch willentliche Bewegung eines in den Gehörgang hineinreichenden Muskelstranges wurde ein Bestätigungssignal ausgelöst und an die Zentrale gesandt, ohne dass einer der anderen Gläubigen dadurch gestört wurde.

Der kommandierende General der FÜNFTEN STIMME DES IMPERIUMS schritt auf seinen nach hinten gebogenen Vogelbeinen durch die Haupthalle des Tempels und unterdrückte ein geräuschvolles Aneinanderreiben der oberen und unteren Schnabelhälften, mit dem er seinem Ärger über diese Störung hätte den angemessenen Ausdruck verleihen können.

Aber in diesen geweihten Hallen ziemte sich das nicht. Da unterschied sich der Tempeltrakt einer

militärischen Kommandostation in keiner Weise von den Gotteshäusern, die es auf allen Qriid-Planeten gab.

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Wenig später erreichte Falran-Gor die Kommandozentrale der FÜNFTEN STIMME DES IMPERIUMS.

Die diensthabenden Tanjaj nahmen augenblicklich Haltung an, als der Stationskommandant und damit in Abwesenheit des Tanjaj-Mar Befehlshaber des neu eroberten Systems, das Teganay genannt wurde und die Katalogbezeichnung 10677 trug, den Raum betrat.

Der Tanjaj-Mar hatte bereits vor mehreren Qriidia-Wochen das Teganay-System mit seinem Flaggschiff verlassen und war nach Qriidia zurückgekehrt. Schließlich bestand die Aufgabe des Oberbefehlshabers in der Koordination sämtlicher Tanjaj-Verbände, die sich momentan an einer viele Lichtjahre durchmessenden Front System für System vorkämpften.

Dabei war deutlich erkennbar, dass die Raumflotte des Imperiums langsam aber sicher auf dem Vormarsch war und es nur eine Frage der Zeit sein konnte, wann das von den ungläubigen Menschen besiedelte Gebiet einverleibt werden konnte.

Der Vorstoß nach Teganay war dabei nur der berühmte Spritzer Frischblut auf einem Hsirr-Käfer-Menü gewesen.

Wahrscheinlich konnte der Krieg gegen die Humanen Welten dadurch erheblich verkürzt und ihre Zentralwelt viel schneller in Gefahr gebracht werden, als dies ursprünglich für möglich gehalten worden war.

Und danach?, fragte sich Falran-Gor.

Er kannte die Antwort.

Für das Heilige Imperium gab es keine Grenzen.

Die Ausdehnung des Wahren Glaubens musste so lange weitergehen, bis der Zustand des Aarriid-Tarishgar hergestellt war. Ein Stadium, in dem das Universum von Gläubigen beherrscht wurde und das Zeitalter der Heiligen Ordnung die Epoche des Heiligen Imperiums ablösen würde. Irgendwann, in einer unsagbar fernen Zukunft, die sich kein heute lebender Qriid auch nur vorzustellen vermochte.

Oberst Gar-Min, der Stellvertreter Falran-Gors, sprach den Stationskommandanten an. »Es kam zu einer ernsten Störung im Bereich des Fusionsmeilers 2. Der Kontrollraum war für Minuten von der Kommunikation abgeschnitten, es gab eine bedenkliche Temperaturentwicklung innerhalb des Meilers und außerdem überhöhte Strahlenwerte.«

»Wurde die Ursache ermittelt?«, fragte Falran-Gor.

»Die Ursache für die überhöhten Strahlungs- und Temperaturwerte war ein verstopftes Ableitungsrohr für Kühlgase. Es wurde inzwischen überbrückt. Die Ursache für die vorübergehende Kommunikationsstörung im Meilerbereich ist noch nicht ermittelt. Unsere Spezialisten arbeiten daran.«

Falran-Gor öffnete seinen Schnabel sehr weit, was als ein Zeichen für intensives Nachdenken gewertet werden konnte.

Dabei strich er sich mit der Kralle des Stichfingers – kein Qriid wäre auf den Gedanken gekommen, ihn »Zeigefinger« zu nennen – an der Unterseite des Schnabels entlang, wodurch ein ähnlich schabendes Geräusch entstand, als wenn er beide Schnabelhälften gegeneinander rieb. Allerdings war das jetzt entstehende Geräusch in einem deutlich höheren Frequenzbereich angesiedelt und ein Privileg des höheren Ranges. Kein niederrangiger Tanjaj hätte dies in Gegenwart eines höherrangigen getan. Dementsprechend galt diese Geste durchaus als ein Zeichen, das deutlich machte, wer das Sagen hatte.

Falran-Gor hatte diese Geste zunächst vollkommen unbewusst vollführt.

Warum habe ich es nötig, meine Autorität, die mir durch Rang und Amt verliehen ist, gerade in Gegenwart von Gar-Min derart zu unterstreichen?, fragte sich der Kommandant der FÜNFTEN STIMME DES IMPERIUMS.

Insgeheim kannte er die Antwort auf diese Frage natürlich.

Vom ersten Augenblick an, da dieser relativ junge Offizier im Rang eines Obersten auf die FÜNFTE STIMME versetzt worden war, hatte Falran-Gor die unterschwellige Rivalität gespürt, die Gar-Min ihm gegenüber zu empfinden schien. Er wartet nur darauf, dass ich einen Fehler mache und dafür zur Rechenschaft gezogen werde, sodass er dieses Kommando übernehmen kann. Aber da wirst du dich noch ein wenig gedulden müssen, Gar-Min... Ich habe keinesfalls vor, mich so einfach von meinem Platz verdrängen zu lassen... Auch wenn du von noch so hoher Ebene aus protegiert zu werden scheinst.

Gar-Mins Raubvogelaugen, die wie bei allen Qriid weit auseinander standen, musterten den Stationskommandanten auf eine Weise, die Falran-Gor nicht gefiel.

Ich werde auf der Hut sein!, nahm er sich vor.

»Die Fehlersuche hat absolute Priorität«, befahl Falran-Gor jetzt unmissverständlich. »Der Einsatz an Spezialisten ist zu verdoppeln, um herauszufinden, was da nicht gestimmt hat.«

»Sehr wohl, ehrenvoller Kommandant.«

Aus deinem Mund klingt diese Anrede fast wie Hohn, dachte Falran-Gor. Ich kann immerhin für mich in Anspruch nehmen, bei allem, was ich tat, immer das Wohl des Heiligen Imperiums und die Grundsätze unseres Glaubens im Auge gehabt zu haben. Du aber scheinst mir vor allem an einem Aufstieg interessiert zu sein. Aber das allsehende Auge Gottes sieht auch das, Gar-Min! Vergiss das nie...

Der Kommunikationsoffizier meldete sich zu Wort.

»Kommandant, wir erhalten wieder eine Transmission von der Planetenoberfläche.«

»Auf den Schirm damit!«, forderte Falran-Gor.

»Es handelt sich ausschließlich um ein Audiosignal! Unser Translatorprogramm übersetzt es gerade.«

Wenig später ertönte die wohl modulierte Qriid-Stimme des Translators. »Achtung! Falls Sie diese Transmission empfangen können, so sind Sie im Begriff, eine Welt zu betreten – oder haben dies bereits getan –, die Eigentum der Firma Far Galaxy mit Hauptsitz auf der Erde ist. Sie werden aufgefordert, sich zu entfernen. Das Betreten von Wega Stranger ist untersagt und wird strafrechtlich verfolgt...«

»Das ist bereits die dritte Transmission dieser Art«, berichtete der Offizier. »Sie stammt von einer Funkboje, die mit einem Mini-Antigravaggregat ausgestattet ist und permanent durch die Atmosphäre dieser Welt schwebt.«

»So hat sie also buchstäblich der Wind hierher geweht«, stellte Falran-Gor fest.

»Ja, Kommandant. Sollen wir sie vernichten?«

Falran-Gor zögerte. Es waren bereits mehrere derartiger Funkbojen gefunden worden, deren Aufgabe es offenbar war, Raumschiffe von der Landung auf jenem Planeten abzuhalten, der von den Schnabellosen Wega Stranger genannt wurde und dessen Qriid-Name Teganay-La lautete.

Von Anfang an hatte sich Falran-Gor gefragt, was diese intensiven Warnungen zu bedeuten hatten. Natürlich war Teganay-La – der Name bedeutete »Außenseiter von Teganay« und bezog sich auf die exzentrische Bahn – eingehend gescannt worden. Man hatte Reste einer kleinen menschlichen Siedlung gefunden. Schätzungsweise fünfzig bis hundert Schnabellose hatten hier mal gelebt. Es war nicht ganz sicher, ob es sich tatsächlich um eine Siedlung wagemutiger Pioniere oder eine Forschungsstation gehandelt hatte. Ansonsten gab es ein paar Lagerstätten mit extrem strahlenverseuchten Substanzen, bei denen es sich zweifellos ebenfalls um zivilisatorische Rückstände der Menschen handelte.

Eigenes Leben gab es definitiv nicht auf Teganay-La. Die Umweltbedingungen waren einfach zu extrem. Die säurehaltigen Niederschläge, der hohe Druck und die mörderischen Stürme sorgten dafür, dass die Entstehung höherer Lebensformen als unmöglich angesehen wurde. Auf Teganay-La waren möglicherweise Mikroorganismen beheimatet. Das konnte nicht völlig ausgeschlossen werden, aber ein Wissenschaftler-Team an Bord der FÜNFTEN STIMMME DES IMPERIUMS arbeitete intensiv daran.

Da die mehr als einen Kilometer lange und fast halb so breite Station jedoch hermetisch von der Außenwelt abgeschirmt war und über völlig autonome Versorgungssysteme verfügte, hielt man es

für vollkommen ausgeschlossen, dass Mikroorganismen gleich welcher Art in das Innere der Station vorzudringen vermochten.

Zumindest war das bei allen anderen, baugleichen Stationen dieses Typs noch nie vorgekommen, obwohl sie bereits seit Jahrzehnten von Qriidia-Jahren in Gebrauch waren.

»Versuchen wir, die Boje einzufangen und sie so wenig wie möglich dabei zu zerstören«, beschloss Falran-Gor. »Ich möchte, dass dieses Ding genau untersucht wird. Dass von den Bojen keine Gefahr ausgeht, dürfte inzwischen ja wohl feststehen.« Er wandte sich an seinen Stellvertreter. »Hast du irgendwelche Vorschläge, Gar-Min?«

»Wir könnten versuchen, das Antigravaggregat mit Hilfe eines gezielten elektromagnetischen

Störimpulses auszuschalten und das Objekt mit einem Antischwerkraftfeld aufzufangen.«

»So soll es geschehen«, befahl Falran-Gor.

Eine Bildsprechverbindung wurde aktiviert. Auf einem kleinen Nebenbildschirm erschien der Kopf von Branan-Tor, dem Chefwissenschaftler der Station. Sein hohes Alter zeigte sich unter anderem durch die rissigen Beißkanten an den Innenseiten des Schnabels und das ergraute Gefieder im Halsbereich. Außerdem hatte das Augeninnere im Lauf der Jahre einen Gelbstich bekommen, was durch degenerative Veränderungen von Hornhaut und Linse verursacht wurde.

Aber auch wenn Branan-Tors Körper bereits unübersehbare Zeichen des Alters zeigte, so blieb er doch einer der brillantesten Geister, die Falran-Gor während seiner gesamten bisherigen Laufbahn kennen gelernt hatte.

»Was gibt es, ehrenwerter Branan-Tor?«, fragte Falran-Gor, der dem Wissenschaftler immer mit besonderer Hochachtung begegnet war.

Der Stationskommandant DER FÜNFTEN STIMME DES IMPERIUMS war voller Bewunderung für dessen Leistungen. Ein bisschen Neid mischte sich, wenn er ganz ehrlich zu sich selbst war, ebenfalls in dieses Gefühl hinein. Falran-Gor hatte als halbwüchsiges Qriid-Kücken ebenfalls von einer wissenschaftlichen Karriere geträumt. Davon, astronomische Phänomene zu enträtseln oder Materialien mit völlig neuartigen Eigenschaften zu erfinden.

Aber dieser Traum war nicht in Erfüllung gegangen. Zu jener Zeit, als für Falran-Gor die Ausbildung anstand, war der ewige Heilige Krieg in einer ausgesprochen heißen Phase. Die obligatorischen Begabungstests hatten bei ihm gute Werte ergeben. Werte, die eine wissenschaftliche Laufbahn durchaus als viel versprechend erscheinen ließen. Aber das Heilige Imperium brauchte Soldaten. Offiziere, Taktiker, Kommandanten mit der Fähigkeit, komplexe Einheiten zu befehligen, wie sie eine gigantische Station von der Größe der FÜNFTEN STIMME durchaus darstellte.

Und so war sein Weg vorgezeichnet gewesen. Ein Weg, der in eine vollkommen andere Richtung gegangen war, als es seinen Neigungen entsprochen hätte.

Gott ruft dich und setzt dich an den Platz, den man dir zuweist!, erinnerte er sich an einen der in den

Ausbildungsanstalten kursierenden Slogans, die über die Flachbildschirme flimmerten, unterlegt von bewegten Bildkollagen, die Fabrikarbeiter, Techniker, Ärzte und Wissenschaftler zeigten. Auch Eierlegerinnen, die die Küken aufzogen, bis sie die intellektuelle Reife hatten, in die Ausbildungsanstalten zu gehen.

Selbst Priester waren hin und wieder zu sehen gewesen, die ihr Leben dem Studium der Schriften und der Interpretation der Überlieferungen gewidmet hatten.

Aber vor allen Dingen hatten diese Filmsequenzen Soldaten gezeigt. Von denen hatte das Heilige Imperium zu allen Zeiten den größten Bedarf gehabt.

Wir dienen dem Imperium – nicht umgekehrt!, hatte ein anderer dieser Slogans gelautet.

Die Stimme des Chefwissenschaftlers der FÜNFTEN STIMME riss Falran-Gor aus seinen Erinnerungen.

»Ehrenwerter Kommandant, ich habe das ausgetauschte Rohrelement einer ersten Analyse unterzogen. Er wirkte zunächst wie eingeschmolzen. Die Scan-Ergebnisse sagen nun allerdings, dass es auf molekularer Ebene chemisch vollkommen verändert wurde. Ich habe so etwas noch nicht gesehen.«

»Gibt es aus den bisherigen Erkenntnissen schon irgendwelche Schlussfolgerungen?«, fragte Falran-Gor.

»Nein.«

»Ich möchte auf dem Laufenden gehalten werden.«

»Selbstverständlich, ehrenwerter Kommandant.«

Die Verbindung wurde unterbrochen.

»Technische Schwierigkeiten hat es immer gegeben«, meldete sich Gar-Min zu Wort.

Ja, und wir wissen beide, worin die Ursache dafür liegt.

Auch wenn keiner von uns das jemals offen aussprechen würde, um nicht wegen mangelnder Glaubenszuversicht von seinem Posten entfernt zu werden!, durchfuhr es Falran-Gor.

Die Produktionskapazitäten des Heiligen Imperiums waren bis auf das Äußerste ausgereizt. Jedes Einsparpotential, jede Neuerung, die in irgendeiner Form zur Senkung des Ressourcenverbrauchs beitrug, fand Eingang in die Produktion.

Und die wichtigste Ressource war die Zeit.

In immer schnelleren Intervallen musste Nachschub an Ersatzteilen, Energiezellen, Trasergeschützen, Antriebsaggregaten, Fusionsmeilern und vielen anderen Dingen geliefert werden, um die Einheiten der Tanjaj-Flotte kampfbereit zu halten. So sehr sich das Heilige Imperium auch bemühte, die neu eroberten Gebiete in die Kriegsproduktion zu integrieren, so war es doch manchmal nicht zu vermeiden, dass das Reich schneller wuchs als die Industriekapazitäten.

Das alles ging auf Kosten der Qualität.

Jeder wusste das, aber fast niemand sprach offen darüber.

Und die wenigen, die es doch taten, bereuten es schnell. Ein Ende der militärischen Karriere war noch das Geringste, was man in solchen Fällen zu erwarten hatte. Es konnte auch zu einer Anklage wegen Sympathie für das Ketzertum bedeuten – denn alle Maßnahmen, die für Abhilfe hätten sorgen können, bedeuteten gleichzeitig eine Verlangsamung der Expansion.

Der Gedanke, dass es vielleicht gar nicht Gottes Wille war, den Krieg in alle Ewigkeit fortzusetzen, lag da recht nahe...

»Ehrlich gesagt machen mir die Säureschäden an den Bodenverankerungen deutlich mehr Sorgen, als ein paar der übliche Schwierigkeiten mit einem der Meiler!«, gestand Min-Gar.

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Rena betrat die Brücke.

Der Zeitpunkt der größten Annäherung an Wega Stranger war gekommen – und damit die Ausschleusung des Antigravpanzers.

Dieser Panzer war voll raumtauglich, auch wenn er im Gegensatz zu den regulären Landefähren, die durchaus für den Planet-zu-Planet Verkehr innerhalb eines Sonnensystems geeignet waren, nur bescheidene Flugbeschleunigungswerte vorweisen konnte. Er war vor allen Dingen für den Einsatz in unmittelbarer Nähe der Oberfläche konzipiert.

Da er auch über ein Gauss-Geschütz sowie über eine Möglichkeit zum Abschuss kleinerer Lenkwaffen verfügte, betrug seine Länge knapp über 15 Meter. Er fand gerade im Hangar der L-1 Platz. Die von Pilot Titus Naderw etatmäßig geflogene Landefähre lag zurzeit in einem Hangar auf Spacedock 13. Auf Grund des stets akuten Platzmangels an Bord der STERNENKRIEGER hatte man sie bei dieser Mission einfach nicht mitnehmen können.

»Antigravpanzer bereit zum Ausschleusen«, meldete Raphael Wong. »Das Marines-Team ist an Bord und meldet Startbereitschaft.«

Sunfrost wandte sich an David Kronstein, den Kommunikationsoffizier. »Geben Sie mir Rolfson!«

»Sofort, Captain.«

Auf dem Hauptschirm in der Zentrale der STERNENKRIEGER erschien das Gesicht des Kommandanten ihrer Marines.

Rolfson hatte sich entschlossen, selbst diesen Einsatz zu leiten. Seine Erfahrung war sicherlich ein wichtiger Faktor, der zum Gelingen der Operation beizutragen vermochte.

Rolfson hob die Augenbrauen. »Captain?«

»Ich wünsche Ihnen viel Glück, Sergeant.«

»Danke, Captain. Aber solange wir kein ausgesprochenes Pech haben, erledigen wir die Mission erfolgreich.«

Rena nickte zustimmend zu diesem Optimismus. »Wir unterliegen zwar der Funkstille, aber im größten Notfall...«

»Aye, Captain. Ich habe verstanden.«

»Gut.« Sie unterbrach die Interkom-Verbindung.

Tatsächlich hatte Rena strengste Order, keinerlei Kontakt zur herannahenden Flotte unter dem Kommando von Admiral Miles Pranavindraman Singh aufzunehmen. Ebenso durfte man sie natürlich nicht in der Nähe von Wega Stranger entdecken.

»Ausschleusung ist erfolgt«, meldete Kronstein Augenblicke später.

»Kurs des Antigravpanzers wurde sehr exakt gesetzt«, meldete Lieutenant Taranos. »Zumindest für jemanden, der kein Pilot ist.« Diese etwas bissige Bemerkung hatte sich der Chefpilot und Ruderoffizier der STERNENKRIEGER einfach nicht verkneifen können.

»Sie vergessen, dass die Landung per Antigravpanzer zur Ausbildung eines Marine gehört«, versetzte Waffenoffizier Lieutenant Robert Ukasi, der bislang geschwiegen hatte.

»Ich habe im Übrigen gestern beobachten können, wie Corporal McConnarty im Simulator trainiert hat.«

»So?«

»Er hat zwar keine Reflexe wie ein J'aradan wie Sie, John, aber er macht seine Sache ganz gut, soweit ich das beurteilen kann!«

Zornesröte erfasste jetzt John Taranos' Gesicht.

»Meine Herren, ich darf Sie doch sehr bitten!«, schritt jetzt der Captain ein und bedachte Ukasi mit einem tadelnden Blick.

Reflexe wie ein J'aradan zu haben, war auf der STERNENKRIEGER fast schon zu einem geflügelten Wort geworden, seit während der Erprobung des Prototyps einer neuartigen – und wie sich später herausstellte, noch reichlich unausgereiften –Antimateriewaffe, ein Agent der ausgesprochen menschenähnlichen J'aradan enttarnt worden war. Diese Rasse unterschied sich von Menschen unter anderem durch ihr sehr viel schnelleres, durch die größere Leistungsfähigkeit ihrer Augen bedingtes Reaktionsvermögen.

Taranos, der noch ziemlich junge Pilot der STERNENKRIEGER, hatte sich derartige Bemerkungen in letzter Zeit des Öfteren gefallen lassen müssen. Um so etwas einfach ignorieren zu können, fehlte ihm noch die nötige Gelassenheit und Reife.

Auf dem Panoramaschirm der STERNENKRIEGER war der Antigravpanzer kurz zu sehen, als er von der Wega angestrahlt wurde.

»Ortung, halten Sie die Augen offen und analysieren Sie alles, was Sie an Qriid-Kommunikation empfangen können, soweit es sich entschlüsseln lässt«, forderte Captain Sunfrost.

»Aye, Captain«, bestätigte Kronstein, dem natürlich bewusst war, dass sich der Großteil der Kommunikation in der zur Verfügung stehenden Zeit kaum dechiffrieren ließ. Aber allein eventuelle Veränderungen im Signalaustausch zwischen der Kommandostation auf Wega Stranger und den überall im Wega-System verteilten Kampfeinheiten der Qriid konnte sehr aufschlussreich sein.

Raphael Wong wechselte einen kurzen Blick mit Rena. Sein Gesicht blieb allerdings dabei vollkommen unbewegt. »Bei der Ausschleusung entstand ein minimaler Energieausstoß. Ich hoffe, dass keine der im Wega-System befindlichen Qriid-Einheiten etwas davon aufgezeichnet hat.«

»In jedem Fall werden wir weiter toter Mann spielen«, erwiderte Rena. Solange dieses Spiel noch funktioniert...

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»Wir tauchen jetzt in die äußeren Atmosphärenschichten von Wega Stranger ein«, meldete Kelleney, einer der Marines, die Sergeant Rolfson für die Landemission ausgewählt hatte.

Kelleney bediente die Ortungsanzeigen des Antigravpanzers, während Corporal Bat McConnarty, nach Sergeant Rolfson zweiter Mann im Marines-Team der STERNENKRIEGER, vor der Pilotenkonsole saß.

Von der Ausbildung her war dazu jeder Marine in der Lage.

Aber selbstverständlich war nicht bei allen der Trainingsstand in dieser Hinsicht auf demselben Niveau. Bei den Tests im Simulator hatte Bat McConnarty eindeutig die besten Ergebnisse erzielt, weswegen Rolfson ihn als Piloten einsetzte.

Die Anfangsphase dieser Mission war ebenso kritisch wie das Anbringen der Sprengsätze an der eigentlichen Kommandostation, deren Bauplan sich Rolfson auf die zu seinem Platz gehörende Konsole holte.

Wie alle an diesem Einsatz beteiligten Marines hatte er bereits den ebenfalls raumtauglichen schweren Kampfanzug angelegt. Das dazugehörige Gauss-Gewehr war an einer Magnethalterung neben Rolfsons Schalensitz befestigt. Ein Griff genügte, und er hatte es in der Hand. In den Anzügen wirkten die Marines auf den ersten Blick plump und unbeweglich, aber das täuschte gewaltig. In jeden dieser Anzüge war jede Menge Spitzentechnologie integriert. Arme und Beine waren servoverstärkt. Diese Funktionen wurden durch geringfügige, aber genau dosierte Muskelanspannung oder gezielter Berührung bestimmter Punkte ausgelöst. Es handelte sich um einen wesentlichen Bestandteil der Marines-Ausbildung, die Anzüge auf eine Weise beherrschen zu lernen, dass sie so vertraut waren, wie eine zweite Haut – die im Vergleich zur eigenen wesentlich widerstandsfähiger war.

Ein Ruck ging durch den Antigravpanzer vom Typ YXC-3.

Bereits die obersten Luftschichten von Wega Stranger waren dichter als es die irdische Atmosphäre in tiefsten Senken war, etwa am Toten Meer. Die Druckverhältnisse in den tieferen Schichten waren schlichtweg mörderisch.

Durch den Schwung, den der YXC-3 bei der Ausschleusung erhalten hatte, war die relative Geschwindigkeit sehr hoch, ohne dass dafür irgendein Antriebssystem nötig gewesen wäre.

Jetzt trat durch die planetare Atmosphäre eine brutale Bremswirkung ein, die eigentlich durch die Aktivierung des Antigravaggregats hätte abgemildert werden müssen.

Aber darauf musste so lange wie möglich verzichtet werden, um dem Feind keine anmessbaren Energiesignaturen zu liefern.

Die Aktivierung eines Antigravaggregats war messbar, sofern irgendeines der zahllosen Qriid-Schiffe, die sich derzeit in und um das Wega-System aufhielten, gerade diesen Raumsektor im Visier seiner Ortungssysteme hatte.

Für die Kommandostation auf der Tagseite von Wega Stranger galt dies natürlich nicht, denn der YXC-3 befand sich auf der Nachtseite und somit im Ortungsschatten.

Die Kampfanzüge der Marines glichen die Auswirkungen dieser überaus scharfen Bremsung zum Großteil aus.

Die Atmosphäre von Wega Stranger hatte eine Dicke von fast hundert Kilometern. Die Schwerkraft des Planeten sorgte jedoch schon bald dafür, dass die durch die dichte Atmosphäre bedingte Bremswirkung durch die Gravitationskraft mehr als ausgeglichen wurde. Der YXC-3 beschleunigte und raste mit immer höheren Werten auf die Oberfläche zu.

Erst bei Tiefenkilometer dreißig wagte es Rolfson, den Befehl zur Aktivierung des Antigravaggregats.

Der Sturzflug wurde abgebremst. Die auf die Marines wirkenden g-Kräfte ließen nach. Der YXC-3 sank bis auf eine Tiefe von wenigen Metern über der Oberfläche und schwebte auf seinem Antigravfeld in Richtung der westlichen Tag/Nacht-Grenze von Wega Stranger.

Durch die Sichtfenster war so gut wie nichts zu sehen. Dort draußen herrschte finstere Nacht, das Sternenlicht drang nicht durch die wolkenverhangene Atmosphäre.

Ein Infrarotbild wurde a uf den Hauptschirm des YXC-3 projiziert. Aber selbst im Infrarot-Modus war die Sicht auf Grund der ungewöhnlich dichten Atmosphäre schlecht. Das Oberflächenrelief war relativ gering ausgeprägt. Es gab kaum Erhebungen, die ein Niveau von zweihundert Metern überstiegen. Ein Grund dafür mochten die mörderischen Windverhältnisse sein, die im Laufe der Jahrmillionen offenbar jegliche Erhebung buchstäblich niedergebügelt hatten.

Auch fehlten kraterähnliche Objekte, da es auf Stranger keinen aktiven Vulkanismus gab und die dichte Atmosphäre einen wirksamen Schutz gegen den Aufprall der meisten Meteoriten bedeutete.

»Draußen herrschen gemütliche minus 130 Grad – es muss Sommer hier sein!«, witzelte Ray Kelleney.

»Also auf zu einem Spaziergang!«, ging Vrida Mkemua auf diese Bemerkung ein. Sie war neben Angelina Chong und Della Braun einer von drei weiblichen Marines, die an dieser Mission teilnahmen.

Norbert Gento und James Levoiseur ließen sich an einer in der Nähe ihrer Sitzplätze befindlichen Konsole das anzeigen, was man bisher durch Spionsonden über das Innenleben der Kommandostation wusste.

Levoiseur war neu im Team, aber Rolfson hatte bereits schnell gemerkt, was für eine Bereicherung der von dem am Rande des Einflussgebietes der Humanen Welten gelegene Planeten Francedeux stammende Levoiseur war. Er hatte alle Eigenschaften, über die ein guter Marine Rolfsons Meinung nach verfügen sollte – insbesondere eine ausgeprägte Fähigkeit zur Improvisation. Darüber hinaus hatte er einen Spezialkurs zur effektiven Anbringung von Sprengsätzen absolviert und war damit für das Team unentbehrlich.

Die Marines Lester Ramirez, Hen Alvarson und Piero Maggio alberten lautstark im hinteren Bereich des wie ein lang gezogener Quader geformten YXC-3 herum, während Marine Nguyen Van Dong dazu das Kontrastprogramm lieferte, indem er vollkommen ruhig dasaß. Das Helmvisier war offen, die Augen dafür geschlossen, so als würde er innere Kräfte für die kommenden Aufgaben sammeln.

Van Dong war ebenfalls erst für diesen Einsatz auf die STERNENKRIEGER gekommen.

Er war einer der ersten Absolventen eines neu eingerichteten Lehrgangs für Qriid-Technik, in dem den Betreffenden das bisher gesammelte Wissen über die technologischen Fähigkeiten des Gegners vermittelt wurde. Insbesondere ging es dabei natürlich um Schwachstellen, an denen man einen Angriff effektiv ansetzen konnte.

Das Problem in Bezug auf die Kommandostation von Stranger Wega war allerdings, dass man bisher kaum etwas über diese Art Stationen gewusst hatte.

Sämtliche Informationen stammten von Spionsonden und Aufklärungsmissionen, die am Rande des Wega-Systems durchgeführt worden waren – zumeist durch kleinere Einheiten wie Leichte Kreuzer oder Zerstörer. Die hatten sich allerdings stets in sicherem Abstand gehalten, um keine Gegenreaktion der überlegenen Qriid-Verbände zu riskieren.

Dementsprechend lückenhaft waren die Angaben.

Bat McConnarty gab einen Kurs in den Bordrechner des YXC-3 ein und schaltete auf Autopilot. Bei einer extrem niedrigen Gleithöhe war dies angebracht, um Bodenunebenheiten automatisch ausweichen zu können. Darüber hinaus bereiteten die enormen Winde von mehreren hundert Stundenkilometern mehr Probleme, als McConnarty zunächst vermutet hatte. Deren Auswirkungen waren auf Grund der dichten Atmosphäre ungleich größer, als es bei vergleichbaren Erscheinungen auf der Erde oder gar in der dünnen CO2-Atmosphäre des Mars der Fall war. Die Stürme hatten selbst bei geringeren Windgeschwindigkeiten eine unvergleichbar größere Wucht.

Schon während des Landeanflugs war der YXC-3 fast tausend Kilometer von seinem ursprünglich vorgesehenen Landegebiet weggetragen worden. Ein Umstand, der nicht weiter tragisch war, solange der YXC-3 im Ortungsschatten der Stranger-Nachtseite blieb.

»Wir können den Kurs nicht halten«, erklärte McConnarty. »Uns bleibt nichts anderes übrig, als schräg mit dem Wind voranzukommen, damit wir nicht dessen geballte Kraft gegen uns haben. Weiter nördlich müsste es gegenläufige Winde geben, die unsere Fahrt unterstützen.«

»Wie kommen wir dann mit dem Zeitplan hin?«, fragte Sergeant Rolfson besorgt.

»Der Zeitplan hat genug Toleranz dafür. Allerdings sollte dann später, sobald wir auf der Tagseite sind, nicht mehr allzu viel schief gehen, wenn wir Stranger rechtzeitig zum Rendezvous mit der STERNENKRIEGER verlassen wollen.«

Rolfson nickte knapp.

Sein Gesicht machte einen verbissenen, grimmigen Ausdruck. Er mochte es nicht, wenn Dinge nicht planmäßig verliefen. In diesem Fall blieb wohl keine andere Wahl, als dem Vorschlag des Corporals zu folgen.

Eine schematische Darstellung, die auf einem der Displays jetzt angezeigt wurde, veranschaulichte den Weg, den der YXC-3 auf Grund der extremen Windverhältnisse an der Oberfläche von Wega Stranger jetzt zu nehmen hatte.

»Dann bekommen wir wenigstens noch etwas mehr von diesem gastlichen Planeten zu sehen«, sagte der Sergeant ironisch.

Jetzt meldete sich Della Braun zu Wort.

Ihre Aufgabe war es gegenwärtig, die Kommunikation zu überwachen. Während einer angeordneten Funkstille war das normalerweise ein nicht allzu arbeitsintensiver Job.

»Wir empfangen ein Signal, Sergeant!«, meldete Braun.

»Spezifizierung?«, fragte Rolfson.

»Audio und unverschlüsselt im allgemein zugänglichen SDE-Code. Soll ich die Transmission abspielen?«

»Tun Sie das, Braun.«

Eine weibliche Stimme ertönte. Wohl moduliert, aber streng und sehr bestimmt. »Achtung. Falls Sie diese Transmission empfangen können, so sind Sie im Begriff, eine Welt zu betreten – oder haben dies bereits getan –, die Eigentum der Firma Far Galaxy mit Hauptsitz auf der Erde ist. Sie werden aufgefordert, sich zu entfernen. Das Betreten von Wega Stranger ist untersagt und wird strafrechtlich verfolgt...«

»Ich wusste gar nicht, dass Wega Stranger Eigentum des Far Galaxy Konzerns ist«, merkte James Levoiseur an.

»Im Moment ist Wega Stranger faktisch wohl auch eher Eigentum der Geierköpfe«, erwiderte  Norbert Gento – aber niemand fand seine Bemerkung wirklich witzig.

»Wo befindet sich der Ausgangspunkt der Transmission?«, wandte sich Rolfson an Ray Kelleney.

Dessen Zeigefinger glitt über den Touchscreen seines Terminals. Durch leicht verstärkten Druck gelangte er an Untermenues und Befehle. Es gab zwar auch eine normale Eingabetastatur, aber die Bedienung war mit den dicken Handschuhen des Kampfanzugs kaum möglich. Der Touchscreen hingegen war genau daran angepasst.

»In etwa tausend Metern Entfernung befindet sich ein Objekt, dass durch Wind auf uns zu getrieben wird«, meldete Kelleney. »Es handelt sich um eine Warnboje mit Antigravaggregat, die durch die Atmosphäre schwebt.«

»Geht irgendeine Gefahr für uns davon aus?«, hakte Rolfson nach.

»Nein, Sergeant.«

»Dann ignorieren wir es einfach.«

Angelina Chong meldete sich zu Wort und sagte: »Aber die Qriid könnten darauf aufmerksam werden. Noch befinden wir uns zwar im Funkschatten der Kommandostation, aber...«

»Wenn wir etwas gegen die Boje unternehmen, gehen wir ein größeres Risiko ein, selbst wenn sie über einen Verfolgermodus verfügt«, war Nguyen Van Dong zu vernehmen.

Rolfson atmete tief durch. »Van Dong?«

»Ja, Sergeant.«

»Sorgen Sie dafür, dass unser Gauss-Geschütz einsatzbereit ist.«

»Aye, Sergeant.«

»Alvarson! Sie und Levoiseur kümmern sich um die Raketen. Falls das Ding zu aufdringlich wird, müssen wir es ausschalten, bevor wir die Tag/Nachtgrenze überschreiten –selbst auf die Gefahr hin, dass die Detonation auf der Station oder durch ein in der Nähe befindliches Qriid-Schiff geortet wird.«

»Jawohl, Sergeant!«, bestätigten Levoiseur und Alvarson wie aus einem Mund.

»Ich versuche, das Ding mal etwas näher heranzuzoomen«, kündigte Kelleney an.

Der Hauptbildschirm des YXC-3 zeigte jetzt im Infrarotmodus einen veränderten Ausschnitt.

Die Umrisse der Boje waren deutlich zu erkennen. Sie hatte Kugelform. Einige antennenartige Fortsätze ragten aus ihrer Zentraleinheit heraus. Der Durchmesser betrug einen Meter.

Waffensysteme konnten nicht geortet werden, allerdings verfügte sie über einen sehr starken Sender und den angemessenen Energiesignaturen nach auch über Sensoren zur Ortung, die denen ähnelte, die auf Raumschiffen eingesetzt wurden.

»Kein Wunder!«, kommentierte Ray Kelleney diese Tatsache, nachdem er Sergeant Rolfson die Fakten kurz erläutert hatte. »Schließlich hat der Far Galaxy Konzern sehr vieles von dem hergestellt, was sich an elektronischem Innenleben in den Schiffen des Space Army Corps befindet! Für mich hat das jetzt den Vorteil, dass ich die Signaturen der einzelnen Bauelemente sehr leicht identifizieren kann.«

»Na großartig«, knurrte Rolfson.

Über seine Konsole stellte er eine Verbindung zum Bordrechner her und rief sämtliche verfügbaren Informationen über Wega Stranger ab. Viel war es nicht, und das wenige, was verfügbar war, hatte der Sergeant in Vorbereitung auf diesen Einsatz auch schon mehr als einmal durchgearbeitet.

Tatsächlich war da ein Hinweis auf die Besitzverhältnisse.

Danach war Wega Stranger vor dreißig Jahren vom Far Galaxy Konzern erworben worden.

Was der Konzern mit diesem Himmelskörper seinerzeit angefangen hatte, darüber fehlten jegliche Informationen.

Müllhalde, Testgebiet oder Abbaugebiet für seltene Metalle oder Mineralien – das alles lag im Bereich des Möglichen.

Aber diese eindringliche Warnung, die der Konzern hier hinterlassen hatte, musste seinen Grund haben.

Vielleicht diente sie nur einer rechtlichen Absicherung, um eventuellen Haftungsansprüchen zu entgehen, falls sich private Raumschiffe hierher verirren sollten, ging es Rolfson durch den Kopf. Es war auch möglich, dass hier noch irgendwelche gefährlichen Substanzen lagerten. Wenn es bei der Invasion der Qriid hier noch einen Forschungsposten des Konzerns gegeben hätte, so wäre davon etwas in dem uns zugänglichen Dossier vermerkt gewesen, glaubte der Kommandant des Marine-Einsatzteams an Bord der STERNENKRIEGER.

Schließlich wäre die eventuell vom Konzern zurückgelassene Infrastruktur an Gebäuden oder Ähnlichem möglicherweise ein Faktor gewesen, der bei der Einsatzplanung eine Rolle gespielt hätte.

Aber nichts davon war in dem Datensatz zu finden.

Für Rolfson ergab sich daraus der Schluss, dass Wega Stranger lange vor der Invasion der Qriid im Wega-System von den Konzernwissenschaftlern verlassen worden war.

»Die Boje folgt uns«, stellte Ray Kelleney jetzt fest. »Ich schätze, je schneller wir das Ding ausschalten, desto besser für uns.«

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Branan-Tor strich mit der linken Klaue das ergraute Halsgefieder glatt. Der Blick des Chefwissenschaftlers der FÜNFTEN STIMME DES IMPERIUMS ruhte auf dem Display, das ihm die Scanergebnisse der untersuchten Proben anzeigte.

Jahrzehntelang schon war Branan-Tor im wissenschaftlichen Dienst der Tanjaj tätig, was immer bedeutet hatte, in erster Linie Gotteskrieger und erst in zweiter Hinsicht Wissenschaftler zu sein. Die Wissenschaft war nur dann willkommen, wenn sie der Verbreitung des Glaubens diente.

Die bei manchen Spezies weit verbreitete Idee der Freiheit von Lehre und Forschung wurden von den Qriid-Priestern als individualistische Verirrung abgelehnt. Mochte es auch hinter den Kulissen

harte Auseinandersetzungen zwischen Priesterschaft und dem Tanjaj-Militär gegeben haben, so bestand zumindest in dieser Hinsicht zwischen beiden Gruppen vollkommene Übereinstimmung.

Den größten Teil seines sich langsam dem Ende zuneigenden Lebens hatte Branan-Tor also als Wissenschaftler in Tanjaj-Uniform verbracht. Als Krieger, der nicht mit dem Hand-Traser auf den Feind losging, sondern die wissenschaftliche Erkenntnis als mitunter kriegsentscheidende Waffe

verwendete. Als junger Tanjaj hatte er an der Eroberung der Noirmad-Exklave teilgenommen und

zur Vertreibung, Vernichtung oder Unterwerfung ganzer Spezies beigetragen.

Nichts davon belastete sein Gewissen, denn Branan-Tor hatte in voller Überzeugung gehandelt, den Willen Gottes zu tun – so, wie die Priester ihn interpretierten und die Tanjaj ihn auszuführen hatten, auf das das Heilige Imperium der universellen Heiligen Ordnung weichen konnte. Ein großes Ziel, dem jeder Qriid sich und seine eigenen Bedürfnisse bedingungslos zu unterwerfen hatte.

Ein Wissenschaftler bildete da keine Ausnahme.

Nur einige wenige Jahre des Friedens hatte Branan-Tor innerhalb seines bisherigen Lebens erlebt. Die Jahre zwischen dem Tod des letzten Aarriid und der Inthronisierung seines Nachfolgers.

In diesen Jahren hatte sich Branan-Tor der Grundlagenforschung zugewandt und damit letztlich das getan, was ihm immer schon vorgeschwebt hatte. Forschung zu betreiben, ohne einen eng begrenzten und meistens militärisch definierten Rahmen gesetzt zu bekommen. Der Wahrheit über das Sein und die Natur des Universums besser verstehen lernen, ohne diese Erkenntnisse sogleich in einen Kriegsvorteil gegen irgendeine fremde Spezies umwandeln zu müssen. Und mochte dieser Vorteil auch nur in der energiesparenden Herstellung von Energiezellen für Hand-Traser liegen, die es ermöglichte, die Produktion mit denselben Ressourcen um wenige Prozentpunkte hinter dem Komma zu optimieren.

Branan-Tor hätte es niemals öffentlich zugegeben, aber er hatte diese Jahre genossen, in denen er ein Forschungsinstitut an der Universität von Qatlanor auf Qriidia geleitet hatte.

Die Inthronisierung des neuen Aarriid, die Milliarden von Qriid auf hunderten von Welten in wahre spirituelle Verzückung versetzt hatte, war für Branan-Tor kein glückliches Ereignis gewesen.

Dass der heilige Krieg jetzt fortgesetzt wurde, um auch das Territorium der Humanen Welten in das Imperium aufzunehmen und der göttlichen Ordnung zuzuführen, war kein Geheimnis gewesen.

Auch Branan-Tor hatte damit gerechnet, bald wieder eingezogen und auf irgendein Kriegsschiff in den Einsatz geschickt zu werden. Die Analyse von Schwachstellen des Gegners trat an die Stelle der Analyse der Feinstruktur des Universums. Dass Branan-Tor jedoch so bald schon abkommandiert worden war, damit hatte er nicht gerechnet.

Hatte ein alter Tanjaj – der sein Leben dem Krieg des Glaubens gegen das Chaos des Unglaubens gewidmet hatte – nicht das Recht dazu, seine letzten Lebensjahre dem zu widmen, was ihm selbst wichtig war?

Ein Gedanke, der öffentlich geäußert schon fast an die Ideen des Ketzers Ron-Nertas heranreichte, der in jüngster Zeit in der Noirmad-Exklave von sich reden machte. Ein Qriid, der angeblich Wunder tun konnte, dem keine Waffe und kein gedungener Mörder hatten schaden können – und der damit für eine immer größere Zahl von Gläubigen bewies, dass er den Willen Gottes auf seiner Seite hatte.

Kurz bevor Branan-Tor an Bord der FÜNFTEN STIMME beordert worden war, war auch noch seine langjährige Eierlegerin gestorben, was den Wissenschaftler zusätzlich deprimiert hatte.

So sehr, dass er innerlich den sich, über Schnabelpropaganda und illegale Kommunikationskanäle verbreitenden Ideen des ketzerischen Predigers Ron-Nertas sogar zugestimmt hatte.

Gehörte ein Qriid nicht auch sich selbst und nicht nur dem Dienst am Imperium? Hatten nicht wenigstens diejenigen, die bereits unsagbar viel für die Ausdehnung dieses Imperiums geopfert hatten, ein Recht auf etwas individuelles Glück, worin auch immer das für den Einzelnen bestehen mochte?

Du bist alt und wirst es nicht mehr erleben, dass sich die Ideen der Ketzer durchsetzen, ging es ihm durch den Kopf.

Wenn er jünger gewesen wäre, so hätte er sich ihnen vielleicht sogar angeschlossen und mitgeholfen, dass sich ihre Gedanken überall dort durchsetzten, wo Qriid in den Krieg zogen.

Aber dazu fühlte sich Branan-Tor zu alt und verbraucht.

Müde war er, und manchmal wünschte er sich, dass es einen Tod gab, der diesen Namen wirklich verdiente. Kein Weiterleben der unsterblichen Seele, die schließlich vor ein göttliches Gericht gestellt wurden.

Lethargie und Resignation hatten Branan-Tor beherrscht.

Erst dieser eigenartig verformte Materieklumpen, bei dem es sich einst um eine Rohrverbindung gehandelt hatte, rief seine Lebensgeister wieder auf den Plan.

Etwas Vergleichbares war ihm in all den Dienstjahren, die er inzwischen auf dem Buckel hatte, noch nicht unter das Mikroskop gekommen.

Branan-Tor betrachtete den Klumpen, der eine schwarzbraune Farbe hatte, durch das Objektiv eines Scanners an, den er gerade nachjustierte.

Tatsächlich, ging es ihm durch den Kopf. Veränderungen bis auf subatomarer Ebene.

Es gab bislang keinerlei Erklärung dafür.

»Ich habe die Strahlungsdaten des Meilers überprüft«, drang die Stimme von Paros-Say in seine Gedanken. Paros-Say war ein junger Assistent, der Branan-Tor zugeordnet worden war.

Branan-Tor hob den Schnabel und erzeugte ein schabendes Geräusch, das so viel sagen sollte wie: »Und? Was ist dabei herausgekommen?«

»Es gibt keinerlei Fehlfunktion innerhalb des Meilers, die für den Störfall verantwortlich gemacht werden kann. Vielmehr scheint es umgekehrt zu sein: Die Verformung und Verstopfung dieses Rohrelements, hat den Störfall erst ausgelöst. Das bestätigen auch die Aufzeichnungen sämtlicher Messdaten.«

»Aber es muss eine Ursache dafür geben!«, beharrte Branan-Tor.

In diesem Augenblick öffnete sich die Schiebetür zum Labortrakt, in dem Branan-Tor arbeitete, und Palran-Gor, der Kommandant persönlich betrat den Raum.

Er ließ den falkenhaften Blick seiner dunklen Augen schweifen.

Branan-Tor und Paros-Say nahmen sofort Haltung an.

Mit einer Bewegung seiner Krallenhand bedeutete der Kommandant ihnen, bequem zu stehen.

»Ich bin hier, um mir dieses rätselhafte Objekt, oder wie immer man es auch nennen mag, einmal selbst anzusehen«, erklärte Falran-Gor.

»Bitte, ehrenwerter Kommandant!«, antwortete Branan-Tor und deutete dabei auf den Scanner. »Wenn man durch das Objektiv schaut, sieht man eindeutig, dass hier eine so tief greifende Veränderung vorgenommen wurde, dass mir dafür bislang jedwede Erklärung fehlt.«

Falran-Gor warf einen Blick durch das Objektiv. Er verstand nicht allzu viel davon. Ob das, was er sah, tatsächlich den von Branan-Tor nahe gelegten Schluss rechtfertigte, musste er dem erfahrenen Wissenschaftler einfach glauben.

»Ich benötige die Hilfe des Kommandanten«, begann dieser nun.

»Bitte! Ich bin ganz Ohr!«

»Ich müsste einen Zugang zu den gesammelten Logbuchdaten der FÜNFTEN STIMME DES IMPERIUMS erhalten.«

»Wozu?«, fragte Falran-Gor.

»Um herauszufinden, ob es einen auch nur irgendwie vergleichbaren Störfall an Bord dieser Station schon einmal gegeben hat.«

»Dem ehrenwerten Chefwissenschaftler ist bekannt, dass diese Daten der Geheimhaltung unterliegen und nur besonders autorisierten Personen zugänglich gemacht werden dürfen?«

»Gewiss«, sagte Branan-Tor. »Aber mir ist auch bekannt, dass der Kommandant das Recht hat, den Kreis der zugangsberechtigten Personen zu erweitern, wenn dies der Mission oder der Abwendung einer Gefahr dient.«

»Und das ist hier der Fall?«

»Ich denke schon, denn es gibt hier zwei Möglichkeiten: Entweder wir haben ein Problem, dessen Ursache in der Station selbst liegt und das bereits früher einmal auftrat, aber vielleicht in seiner Tragweite seinerzeit nicht richtig erkannt worden ist.«

»Und Möglichkeit Nummer zwei?«, hakte der Kommandant nach.

»Die Ursache liegt außerhalb.«

»Der ehrenwerte Chefwissenschaftler denkt doch nicht, dass etwas von außen eingedrungen sein könnte – was auch immer das sein mag!«

»Ich bin Wissenschaftler«, erklärte Branan-Tor. »Und das bedeutet, ich darf keine Hypothese vorschnell ausschließen, solange dafür keine ausreichenden Gründe vorliegen.«

Falran-Gor überlegte kurz. Schließlich bestätigte er die Forderung des Wissenschaftlers mit einem krächzenden Laut und fügte noch hinzu: »Ich werde Anweisung geben, die Autorisation ohne Verzögerung zu erteilen.«

»Danke, ehrenwerter Kommandant.«

Der Kommunikator, den Falran-Gor an seinem Gürtel trug, erzeugte einen schrillen Laut im oberen Frequenzbereich. Der Kommandant der FÜNFTEN STIMME DES IMPERIUMS nahm das Gerät und aktivierte es.

Es war die Zentrale.

Auf dem kleinen Bildschirm erschien das Gesicht des Ortungsoffiziers. »Ehrenwerter Kommandant, wir haben eine verdächtige Energiesignatur gemessen. Ein Objekt drang offenbar in die Atmosphäre von Teganay-La ein. Unser Rechnersystem interpretierte die eingehenden Sensorendaten mit einer Wahrscheinlichkeit von 83 Prozent als einen Meteoriteneinschlag, aber kurz bevor dieses Objekt im Ortungsschatten der Nachtseite verschwand, wurde eine Signatur aufgezeichnet, die große Ähnlichkeit mit der Signatur von Antigravaggregaten hat, wie sie das Space Army Corps verwendet.«

»Soll das heißen, das Menschen auf Teganay-La gelandet sind?«

»Es ist nicht ausgeschlossen – um wen es sich dabei auch immer handeln mag. Es könnten ebenso gut flüchtige Gefangene sein wie ein gezielt für eine Kommandooperation hierher entsandte Einheit.«

Ein Krächzen entrang sich dem Schnabel des Stationskommandanten. Sollten es die Menschen tatsächlich wagen, ausgerechnet hier zum Gegenangriff anzusetzen? Die Wahrscheinlichkeit erschien ihm nicht sonderlich hoch, zumal in der weiteren Umgebung bislang keine größeren

Konzentrationen von Space Army Corps Kriegsschiffen geortet worden waren.

»Ich möchte, dass ein paar Kampfgleiter in das betreffende Gebiet geschickt werden«, befahl

Falran-Gor.

Seine Entschlossenheit wurde durch einen Schnabellaut unterstrichen, der durch das Übereinanderreiben beider Schnabelhälften erzeugt wurde.

Branan-Tor empfand eine ähnliche emotionale Aufgewühltheit, aber er konnte sich gerade noch zurückhalten, ebenfalls einen derartigen Schnabellaut zu erzeugen. Der Stationsarzt der FÜNFTEN STIMME hatte ihm nahe gelegt, auf Grund des altersbedingten sehr porösen Zustandes der inneren Schnabelleisten auf emotionale Äußerungen dieser Art besser zu verzichten.

»Jawohl, ehrenwerter Kommandant!«, bestätigte der Ortungsoffizier den Befehl Falran-Gors.

»Außerdem möchte ich, dass der Beobachtung des nahen Raumgebietes höchste Priorität zugemessen wird. Sollte tatsächlich eine Landeeinheit des Space Army Corps bis auf die Nachtseite von Teganay-La gelangt sein, so muss sich irgendwo in der Nähe noch eine größere Schiffseinheit mit Überlichtantrieb verborgen halten! Alles andere würde keinen Sinn ergeben!«

»Befehle werden ausgeführt, ehrenwerter Kommandant.«

»Für das gesamte System erhöhte Gefechtsbereitschaft der Stufe zwei«, ordnete Falran-Gor weiter an. »Außerdem sind zwei Kriegsschiffe umgehend in das Orbit von Teganay-La zu beordern. Und die Installierung von Relaissatelliten soll nicht länger verschoben werden. Wir müssen endlich sehen können, was auf der Nachtseite geschieht...«

Der Kommandant unterbrach die Verbindung.

Ein dumpfer, grollender Laut kam aus der Tiefe seines Kehlkopfs.

»Gestattet der ehrenwerte Kommandant eine Frage?«, war die Stimme von Branan-Tor zu vernehmen.

Falran-Gor wandte den Kopf.

»Dir sei sie gestattet«, erklärte der Kommandant der FÜNFTEN STIMME.

»Warum sind die Relaissatelliten nicht längst im Orbit?«

Falran-Gor zögerte kurz mit der Antwort, ehe er schließlich hervorbrachte: »Weil zuerst minderwertige Komponenten ausgetauscht werden mussten, die mit dem sechspoligen Magnetfeld von Teganay-La nicht zurechtkamen.«

Es ist immer dasselbe!, dachte Branan-Tor, Anscheinend steht das Imperium kurz davor, seine Kräfte doch zu überdehnen...

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Es gibt nichts Zermürbenderes, als warten zu müssen!, ging es Rena Sunfrost durch den Kopf, während sie einen der Aufenthaltsräume an Bord der STERNENKRIEGER betrat, um sich eine Tasse Kaffee aus dem Getränkespender zu ziehen.

An einem der Tische saß Bruder Guillermo, ein Angehöriger des Forscherordens der Olvanorer. Als Berater genoss er an Bord einen offiziersähnlichen Status, auch wenn er Zivilist war. Er unterhielt sich mit Titus Naderw, dem Piloten der L-1, die bei dieser Mission auf Spacedock 13 hatte zurückgelassen werden müssen, um Platz für den YXC-3 zu schaffen.

Rena hatte durchaus registriert, dass dies Naderw außerordentlich geärgert hatte. Aber es gab sachliche Gründe dafür, die L-1 auf Spacedock 13 zurückzulassen und nicht etwa eine der beiden anderen an Bord der STERNENKRIEGER befindlichen Landefähren – sie war einfach turnusmäßig zur Überholung dran.

»Ich habe auf Spacedock 13 mit ein paar Jungs gesprochen, die diese Prototypen der Jäger fliegen, die gerade erprobt werden«, erzählte Naderw. »Vielleicht erleben sie bei der Befreiung der Wega ja ihren ersten Einsatz.«

Bruder Guillermo schien das Thema nur mäßig zu interessieren. Die Vorzüge unterschiedlicher Waffensysteme waren nun wirklich nicht sein Spezialgebiet, geschweige denn, dass er sich dafür besonders interessiert hätte. Aber der Olvanorer war einfach zu höflich, im Naderw das offen auf den Kopf zu zusagen.

»Ich habe nur gerüchteweise von diesen Jägern gehört«, meinte der Ordensbruder und nippte an seinem Synthodrink.

Titus Naderw war Feuer und Flamme, in seinen Augen leuchtete es. »Die sind natürlich auch hoch geheim, aber über die Pilotenkameraden kriegt man natürlich doch schon das eine oder andere mit, wenn Sie verstehen, was ich meine, Bruder Guillermo.«

»Ich denke schon«, erwiderte Bruder Guillermo zurückhaltend.

Der Olvanorer hatte die Anwesenheit des Captains längst bemerkt. Titus Naderw hingegen nicht. Er war viel zu sehr von seinem Gesprächsthema fasziniert, als auch noch darauf zu achten, wer sich sonst noch mit ihm im Raum befand.

»Sie müssen sich eine etwa 25 Meter lange Rakete mit einer sehr engen Pilotenkabine vorstellen, Guillermo.«

»Ich glaube, das gelingt mir gerade noch so«, erwiderte Guillermo mit einem nachsichtigen Lächeln.

»Die Dinger sind im Grunde fliegende Gauss-Kanonen mit Antrieb. Natürlich sind sie viel wendiger, als alles, was unsere Flotte bisher so an Raumschrott entwickeln konnte, denn abgesehen von der Gauss-Kanone ist das Herzstück des Ganzen ein neuartiger Mesonenantrieb, der im Unterlichtbereich jeden herkömmlichen lonenantrieb in den Schatten stellt. Die Beschleunigungswerte sind geradezu phantastisch und durch den geschickten Gebrauch von Bremsdüsen lassen sich damit Manöver fliegen, von denen wir bislang allesamt nur träumen konnten.«

Titus Naderw atmete tief durch.

Die Faszination, die dieser Pilot der neuen Technik entgegenbrachte, blitzte geradezu aus seinen Augen heraus.

Rena konnte sich ein Schmunzeln kaum verkneifen, während sie ihren großen Braunen, eine Kaffeespezialität aus dem in der irdischen Subregion Österreich gelegenen Stadt Wien, aus dem Automaten zog.

»Dann nehme ich an, dass dieser Antrieb sich über kurz oder lang in sämtlichen Einheiten des Space Army Corps durchsetzen wird«, vermutete Bruder Guillermo.

Aber Naderw schüttelte entschieden den Kopf.

»Nein«, sagte er bedauernd. »Ausgeschlossen.«

»Wieso?«

»Das habe ich die Jägerpiloten auch gefragt und die haben mir gesagt, dass alle Versuche bislang gescheitert sind, einen Mesonenantrieb in größere Raumfahrzeuge einzubauen. Das soll mit der so genannten Massegrenze zusammenhängen. Der Mesonenantrieb hat jedoch eine derart hohe Effektivität bei der Energieausbeute, dass Körper ab einer bestimmten Massegrenze förmlich zerrissen werden. Diesen Mechanismus hat man aber noch nicht ganz verstanden, geschweige denn, dass es mögliche wäre, für die auftretenden Probleme Abhilfe zu schaffen.«

»Das klingt alles sehr interessant, Mister Naderw, aber...«

»Wissen Sie was? Ich habe schon darüber nachgedacht, ob ich nicht um Versetzung zu den neu aufgestellten Jägerverbänden bitten soll, sobald ich offiziell davon erfahre. Ein guter Pilot müsste dort eigentlich immer willkommen sein, und so schlecht sind meine dienstlichen Beurteilungen ja bislang nun wirklich nicht, dass ich mich da verstecken müsste!«

Jetzt mischte sich Rena Sunfrost ein.

»In diesem Punkt haben Sie zweifellos Recht, Mister Naderw«, sagte sie. »Allerdings würde ich es begrüßen, wenn Sie uns wenigstens noch bis zum Ende dieser Mission erhalten bleiben und nicht etwa auf die Idee kommen, mit der L-2 oder L-3 zu den sicherlich bald eintreffenden Kampfverbänden überzuwechseln...«

Naderw zuckte regelrecht zusammen. »Captain, das war...

Ich meine...ich habe...«

»Ist schon gut, Naderw. Sie sind ein erstklassiger Pilot und leider auch einer, dem das bewusst ist. Auf Dauer werde ich Sie mit guten Worten wohl kaum halten können.«

»Es war nur so ein Gedanke, Ma'am.«

»Falls mehr daraus wird, sagen Sie mir Bescheid«, bat sie lächelnd. »Über Ihre dienstliche Beurteilung brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen.«

»Danke, Captain.«

Etwas verlegen blickte Naderw auf die Uhr. »Ich muss jetzt auch los«, sagte er. »Meine Bereitschaft beginnt.«

Naderw erhob sich und machte eiligst, dass er davonkam.

Rena setzte sich zu Bruder Guillermo an den Tisch.

»Diese Jägereinsätze sind doch sicher extrem gefährlich, oder?«, fragte der Olvanorer.

Rena zuckte die Achseln. »Genau wissen wir das erst, wenn sie wirklich im Kampf eingesetzt wurden, aber es ist anzunehmen, dass das Risiko für den Jägerpiloten viel höher ist als für ein Besatzungsmitglied regulärer Kriegsschiffe, die über eine viel bessere Defensivbewaffnung verfügen. Bei den Jägern kann davon ja keine Rede sein. Nicht einmal einen Plasma-Schirm besitzen die Dinger. Die einzige Abwehrmöglichkeit besteht in ihrer Schnelligkeit....«

Rena redete wie automatisch daher und verstummte schließlich, als sie Bruder Guillermos Blick bemerkte.

Sie interessieren sich ebenso wenig für technische Einzelheiten dieser Jäger wie ich!, schien sein Blick zu sagen und das traf natürlich zu. Renas Gedanken waren ganz woanders.

Einige Augenblicke lang schwiegen sie beide.

»Sie denken an Ihren Mann?«, fragte Bruder Guillermo schließlich zögernd.

Eigentlich handelte es sich um eine Feststellung, auch wenn die Betonung dazu nicht ganz passen wollte.

Es ist geradezu gespenstisch, wie genau er über das Innenleben seiner Mitmenschen Bescheid weiß!, durchfuhr es Rena.

»Meinen Ex-Mann«, korrigierte sie den Olvanorer.

»Ah, ja... Pardon.«

»Sie haben Recht«, gab sie zu. »Ich habe ihn zuletzt auf Wega IV gesehen, als wir hier waren, um Sarah Hannover zu eskortieren. Seitdem ist viel geschehen.« 

»Haben Sie seit der Invasion durch die Qriid noch einmal etwas von Tony Morton gehört?«

»Nein. Nur, dass er als vermisst gilt.«

Selbst den Namen hat er sich gemerkt, vergegenwärtigte sich Rena. Bruder Guillermo war zweifellos ein ausgesprochen aufmerksamer Zuhörer. Einem, dem man vielleicht manchmal auch Dinge anvertraut hat, die besser ungesagt geblieben wären, überlegte Rena.

Sie zuckte die Achseln. »Es ist schon eigenartig – wir sind getrennt, aber trotzdem verbindet uns immer noch etwas. Ein unsichtbares Band... Mein Gott, ich weiß auch nicht, wie ich es beschreiben soll.«

»Das ist nur natürlich. Schließlich haben Sie sich mal geliebt, wie ich doch annehme.«

»Ja.«

»Und diese Tatsache wird immer Teil Ihrer Persönlichkeit bleiben, Rena«, versicherte der Mönch.

Sie sah ihn an, und er begegnete ihrem Blick ruhig und mit einer erstaunlichen Gelassenheit.

Wer von uns beiden ist nun eigentlich acht Jahre älter und reifer?, fragte sie sich etwas verwirrt. Aber Alter und Reife scheinen sehr individuell zu sein und sind wohl nicht immer in Jahren zu messen...

Sie hätte sich eigentlich noch gerne mit Bruder Guillermo unterhalten, aber in diesem Moment schrillte ein akustisches Signal durch den Aufenthaltsraum und die Schiffskorridore.

Gelber Alarm!, durchfuhr es sie.

Rena hob ihre Hand und aktivierte den Armbandkommunikator. »Captain an Brücke, was ist los?«

»Eine Aufklärungssonde der Qriid hat Kurs in unsere Richtung genommen«, erklärte Raphael Wong.

»Ich bin gleich bei Ihnen, I.O.«

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9

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Als Rena Sunfrost wenig später auf der Brücke erschien, herrschte dort hektische Aktivität.

»Objekt nähert sich weiter und beschleunigt noch«, stellte Ortungsoffizier Lieutenant David

Kronstein fest.

»Energiesignaturen zeigen eine Übereinstimmung von über 98 Prozent mit bisher georteten Beobachtungssonden der Qriid. Außerdem melden unsere Sensoren gerade ein zweites, ähnliches Objekt, das aus der Stratosphäre von Wega Stranger heraustaucht.«

»Nimmt es ebenfalls Kurs auf uns?«, hakte der Erste Offizier sofort nach.

Kronstein starrte einige Augenblicke lang auf das Display, nahm ein paar Schaltungen am Terminal vor und schüttelte schließlich entschieden den Kopf.

»Negativ«, erklärte er und drehte sich um. »Das muss aber nichts heißen, es macht keinen Sinn, zwei Beobachtungssonden auf ein und denselben Kurs zu schicken. Das Beobachtungsfeld wird dadurch nicht größer.«

Wong wandte sich an Sunfrost. »Captain, Sie sehen ja, was hier los ist. Vor ein paar Minuten hat unsere passive Ortung das Auftauchen des ersten Objekts gemeldet, das offensichtlich von der Oberfläche aus gestartet wurde. Jetzt taucht ein zweites auf... Auch wurden Funktransmissionen von der Kommandostation zu den im Wega-System stationierten Schiffen gesandt. Wir versuchen sie zu entschlüsseln, aber das kann eine Weile dauern.«

»Offenbar handelt es sich um Anweisungen zu konkreten Manövern«, erklärte nun Kronstein im Brustton der Überzeugung.

»Wie kommen Sie darauf, David?«, fragte Rena.

»Drei Schiffe haben mit Positionsveränderungen reagiert, nachdem die Signale bei ihnen angekommen sind. Mindestens eine dieser Einheiten hat Fahrt in Richtung Wega Stranger aufgenommen. Daran besteht für mich überhaupt kein Zweifel mehr, auch wenn der Computer aus den bisher aufgezeichneten Flugdaten nur eine Wahrscheinlichkeit von 46 Prozent errechnet. Jetzt 47...«

»Ich fürchte, in einer Viertelstunde wird der Bordrechner Ihnen hundertprozentig Recht geben«, meinte Wong trocken.

Rena ließ sich im Schalensitz des Captains nieder und schlug die Beine übereinander.

Mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger der linken Hand berührte sie die leichte Erhöhung, die sich am Halsansatz unter ihrer blauen Space Army Corps Uniform abzeichnete. Sie trug dort das Projektil einer primitiven Steinschloss-Waffe an einer Kette um den Hals, das ihr auf Dambanor II einst beinahe das Leben gekostet hatte, weil sie die Gefahr nicht richtig eingeschätzt hatte. Etwas, was ihr seitdem nie wieder in vergleichbarer Weise geschehen war. Dennoch lautete ihr Wahlspruch nach wie vor: Bedenke, dass du sterblich bist.

Ganz besonders galt das während so riskanter Operationen, wie jener, an der die STERNENKRIEGER im Augenblick teilnahm.

»Ihre Interpretation, Raphael!«, verlangte Sunfrost.

»Ich neige zu der These, dass man uns entdeckt hat, Ma'am.«

»Wie hoch würden Sie die Wahrscheinlichkeit dafür ansetzen?«

»Ich bin kein Rechner, Captain«, wandte er ein.

»Versuchen Sie es trotzdem.«

»Sagen wir: mindestens fünfzig Prozent. Vielleicht haben Sie die STERNENKRIEGER und den YXC-3 noch nicht entdeckt. Aber ihnen muss irgendetwas auf den Schirm gekommen sein, was ihr Misstrauen erregte und sie dazu veranlasst hat, vorsichtiger zu sein.«

»Ein weiteres Objekt wurde soeben von der Oberfläche aus ab in den Weltraum geschossen«, meldete Kronstein. »Diesmal unterscheidet sich die Signatur allerdings.«

»Eine Lenkwaffe?«, fragte Sunfrost.

Kronstein schüttele den Kopf. »Der Vergleich mit dem Archiv bisher aufgezeichneter Qriid-Signaturen ergibt eher eine Übereinstimmung mit einem Satelliten...«

»Offenbar beunruhigt es die Qriid plötzlich, dass sie keine Ahnung haben, was auf der Nachtseite von Wega Stranger geschieht«, meinte Waffenoffizier Robert Ukasi.

»Wir können nichts weiter tun, als abzuwarten und uns so passiv wie irgend möglich zu verhalten«, sagte Rena. »Andernfalls würden wir den Erfolg der Mission gefährden.«

»Eine Mission, die vielleicht bereits entdeckt wurde«, erwiderte Wong.

Rena biss sich auf die Unterlippe.

Er hat Recht, musste sie sich widerstrebend eingestehen. Sie wechselte einen kurzen Blick mit ihrem Ersten Offizier und wandte anschließend das Gesicht wieder dem Panoramaschirm zu. Es gibt zwei Optionen. Wir können passiv bleiben und hoffen, dass die Ortungssysteme der Qriid noch eine halbe Ewigkeit damit zubringen, den Raum um Wega Stranger sowie dessen Nachtseite systematisch abzusuchen. Vielleicht geht alles nach Plan, und es gelingt Sergeant Rolfson und seinen Leuten, die Kommunikationszentrale auszuschalten, wenn die Flotte eintrifft und die Schlacht um Wega beginnt.

Aber es gab auch eine zweite mögliche Entwicklung, die Rena ganz und gar nicht gefiel.

Was, wenn die STERNENKRIEGER oder der YXC-3 längst entdeckt war und die beobachteten Manöver der Qriid-Schiffe nichts weiter als die Vorbereitungen für einen Angriff waren? Wenn es den Qriid gelingt, die Besatzung des YXC-3 und die STERNENKRIEGER außer Gefecht zu setzen, läuft der Großteil unserer Flotte in eine tödliche Falle!, durchfuhr es Rena siedend heiß. Es sei denn, die STERNENKRIEGER gab vorher ihre Funkstille auf und warnte die herannahenden Einheiten des Space Army Corps.

In dem Fall war die Operation gescheitert, und es würde vielleicht Jahre dauern, bis sich wieder eine Gelegenheit ergab, die Qriid aus dem Wega-Sektor zu vertreiben.

Die Entscheidung lag ganz allein bei Rena. Was sie auch tun oder unterlassen mochte, die Konsequenzen konnten in jedem Fall furchtbar sein...

Es ist ein Poker-Spiel, dachte sie. Und gewinnt da nicht immer der, der gut zu bluffen vermag?

»Wir warten ab«, entschied sie.

»Aye, aye, Captain«, murmelte Raphael Wong.

Seine asiatischstarre Mimik ließ keinerlei Rückschlüsse darüber zu, welcher Ansicht er selbst in dieser Angelegenheit war...

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10

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Lichtjahre entfernt...

Die Space Army Corps Flotte sammelte sich unweit eines planetenlosen Dreifachsterns mit der Bezeichnung Triple.

Triple Red war ein roter Riese; Triple Orange eine Sonne mit dreifacher Sol-Masse, die aber trotzdem noch zum Spektraltyp G gehörte, während es sich bei Triple White um einen weißen Zwerg handelte.

Darüber, wie dieses Dreifachsonnensystem entstanden war, gab es verschiedene Theorien. Tatsache war aber, dass eine Entstehung von Planeten aufgrund des geringen Abstands der Triple-Sonnen untereinander nicht stattgefunden hatte. Die enormen Gravitationskräfte hätten jeden Himmelskörper zerrissen, der zwischen diese kosmischen Mühlsteine geraten wäre.

Beinahe hundert Space Army Corps Einheiten hatten inzwischen das Triple-System erreicht. Der Großteil davon waren Zerstörer und Kreuzer. Etwa zwanzig Dreadnoughts bildeten den Kern dieser Flotte, die sich darauf vorbereiteten, das Wega-System zu befreien.

Admiral Miles Pranavindraman Singh blickte nachdenklich auf den Panoramaschirm seines Flaggschiffs, der Dreadnought ATLANTIS. Eine Staffel der neuen, mit Mesonenantrieb ausgestatteten Jäger tauchte am rechten Bildrand auf.

»Unsere Piloten scheinen ihre Maschinen bestens zu beherrschen«, meldete sich Captain Dan Laguna zu Wort, der Kommandant der ATLANTIS.

Admiral Singhs Gesicht blieb regungslos, als er antwortete: »Sie werden auch verdammt gut sein müssen, wenn es zur Schlacht um das Wega-System kommt!«

Die Jäger flogen ein rasantes Ausweichmanöver. Die Flugbahnen aller an dem Manöver beteiligten Maschinen wirkten dabei sehr koordiniert.

»Die ungeheuer großen Beschleunigungswerte mussten durch Antigravaggregate ausgeglichen werden, die jedoch auf Grund des außerordentlich knapp bemessenen Platzes und der bestehenden Massegrenze, bis zu der ein Mesonenantrieb anwendbar war, nicht sehr leistungsfähig waren. »Zu schade, dass es auf absehbare Zeit keine Mesonentriebwerke in herkömmlichen Kriegsschiffen gibt!«, äußerte Admiral Raimondo, der sich ebenfalls an Bord der ATLANTIS aufhielt.

Auch wenn er derzeit eigentlich für seine Tätigkeit im Humanen Rat freigestellt war und sein gegenwärtiges Amt eher politischer Natur erschien, hatte er sich doch nicht nehmen lassen, an dieser außergewöhnlichen – und vielleicht kriegsentscheidenden – Operation teilzunehmen. Raimondo nahm dafür auch die Kritik in Kauf, die es mit Sicherheit hinterher von allen Seiten hageln würde.

»Der Mesonenantrieb beruht auf der maximierten Energieumwandlung auf subatomarer Ebene, die einen bisher ungeahnten Effektivitätsgrad bei der Materie/Energieumwandlung erlaubt«, sagte Singh. »Genau dieses Höchstmaß an Effektivität bei der Energieausbeute ist das Problem. Überschreitet das beschleunigte Objekt eine bestimmte Masse, wird es buchstäblich auseinander gerissen. Zumindest war das bei allen Testobjekten so, mit denen so etwas versucht wurde.«

Raimondo bleckte die Zähne zu einem harten Lächeln. »Es wäre nicht das erste Mal, das ich gerne das eine oder andere Naturgesetz zu Gunsten der Menschheit ändern würde!«

»Wie auch immer, der taktische Plan, den ich für das Vorgehen im Wega-Sektor entwickelt habe, hängt in starkem Maß von den Jägern ab. Ich brauche Ihnen ja nicht zu sagen, wie überlegen uns die Qriid sind. Und in der Zeit seit der Invasion dürften sie noch viel gewaltigere Mengen an Kriegsgerät und Nachschub herbeigeschafft haben. Unsere Aufklärer haben jedenfalls einen regen Raumverkehr registriert. Aber wenn wir mit gezielten Jägerangriffen die Einheiten ausschalten,

die über Kommandofunktionen verfügen, können wir diesen Nachteil mit etwas Glück ausgleichen. Der zweite wichtige Faktor in meinem Plan ist die Marines-Mission auf Wega Stranger. Wenn es der von der STERNENKRIEGER abgesetzten Einheit gelingt, die Kommandostation der Qriid auszuschalten, wird es wohl kaum noch eine koordinierte Abwehr der Geierköpfe geben.«

»Ja, Ihr Plan hat mich vom ersten Moment an fasziniert, da Sie ihn im Krisenstab vorgetragen haben«, gab Raimondo zu.

»Ich wusste gleich, dass Sie der richtige Mann dafür sind, ihn auch durchzuführen.«

»Danke, Sir.«

»In diesem Zusammenhang möchte ich, dass Sie wissen, dass ich voll und ganz hinter Ihnen stehe.«

»Sir, es ist im Space Army Corps kein Geheimnis, dass der Rat ohne Sie immer noch über die Vorgehensweise debattieren würde.«

Raimondo nickte dankend. »Wie Ihnen sicher zu Ohren gekommen ist, hat Ihre Berufung zum Oberbefehlshaber über die Operation Befreiung der Wega hier und da für etwas böses Blut gesorgt. Insbesondere einige überlebende Offiziere der Wegaflotte hatten sich wohl Hoffnungen darauf gemacht, dass der Stab stärker mit Männern und Frauen aus ihren Reihen besetzt ist – und vielleicht sogar von einem Wega-Veteranen geführt wird.«

»Sie denken an Vizeadmiral Smith-Bauer«, schloss Singh.

»Unter anderem, ja. Aber ich bin dafür, dass Fakten entscheiden – und nicht Emotionen. Sie verstehen, was ich meine?«

»Voll und ganz, Sir.«

»Die Tatsache, dass ich an Bord der ATLANIS bin, heißt keinesfalls, dass ich die Absicht habe, Ihnen in irgendeiner Form reinzureden. Sie sind derjenige, auf dessen Mist dieser Plan gewachsen ist. Und Sie werden es auch sein, der hier jede militärische Entscheidung trifft. Ich befinde mich nicht im aktiven Dienst.«

Singh nickte zufrieden.

Es hatte tatsächlich in der Admiralität des Space Army Corps einiges an Wirbel über die Besetzung des Oberbefehls über die Flotte zur Befreiung der Wega gegeben. Raimondo hatte sich persönlich zu Gunsten Singhs stark gemacht, obwohl er sich normalerweise aus Personalentscheidungen weitgehend heraushielt. In diesem Fall aber schien ihm die Angelegenheit einfach zu wichtig zu sein. Das Schicksal der Menschheit stand auf dem Spiel. Wenn die zur Befreiung der Wega zusammengerufene Flotte ebenso aufgerieben wurde – wie es bei den Verteidigungseinheiten seinerzeit der Fall gewesen war –, so würde es sehr schwer werden, die Qriid am weiteren Vordringen bis ins Sol-System zu hindern.

»Der Staffelkommandant der Jäger meldet sich«, übertönte die Stimme des Kommunikationsoffiziers der ATLANTIS das Gespräch der beiden Admirale.

»Stellen Sie ihn durch!«, befahl Captain Laguna.

Auf einem Nebenbildschirm erschien der Kopf des Staffelkommandanten.

Er trug einen raumtauglichen Schutzanzug mit autonomer Sauerstoffversorgung, denn die Jäger verfügten über keinerlei Systeme zur Erzeugung von Atemluft. In der Pilotenkabine herrschte zwar beim Start – üblicherweise aus einem Dreadnought-Hangar – zwar ein normaler Luftdruck, aber es fand keinerlei Erneuerung des Sauerstoffanteils statt. Ein Pilot ohne Schutzanzug hätte kaum eine halbe Stunde überleben können.

»Hier Staffelkommandant Bram Rosch«, meldete sich der Pilot. Von seinem Gesicht war außer Augen und Nasenansatz nicht viel zu sehen. Immerhin befand sich am Helm eine Kennung, auf der Name, Vorname, das Schiff, auf dem man stationiert war und der militärische Rang verzeichnet waren.

»Testflug der 3. Staffel wurde ohne Zwischenfälle beendet. Landung im Hangar verlief problemlos. Sämtliche Systeme funktionieren einwandfrei.«

»Freut mich zu hören, Commander«, erwiderte Captain Dan Laguna.

Bald schon werden wir diese Vögel unter realen Kriegsbedingungen erproben. Erst dann werden wir sehen, was sie wirklich taugen, ging es Miles Pranavindraman Singh durch den Kopf. Aber vorher müssen noch die Marines der STERNENKRIEGER ihren Job erledigen...

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11

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Mit einem Speziallaser schnitt Paros-Say ein Stück aus dem Materieklumpen heraus, zu dem das verstopfte Rohrelement auf rätselhafte Weise geworden war.

»Fertig«, stieß der wissenschaftliche Assistent hervor.

»Wir werden diese Probe einem gezielten Strahlenbombardement aussetzen, um dadurch weitere

Informationen über die subatomaren Strukturen zu erhalten, die offenbar ein paar Anomalien zeigen«, erklärte Branan-Tor.

Paros-Say nahm die Probe und legte sie in einen Behälter.

Die Krallenhand, die er dazu benutzte, war durch einen Spezialhandschuh bedeckt, dessen Oberfläche aus einem Kunststoff mit Lotuseffekt bestand, sodass die Gefahr einer Verunreinigung der Probe durch irgendwelche Rückstände gegen null ging.

»Wo man hinschaut, sechseckige Strukturen«, staunte unterdessen Branan-Tor, während er sich auf seinem Display eine Vergrößerung der Materialoberfläche im Nanobereich anzeigen ließ. »Selbst die Moleküle haben feste Sechseckgitter gebildet...«

»Wie Kohlenstoffringe im Diamant«, ergänzte Paros-Say.

Der Chefwissenschaftler ließ einen zustimmenden Krächzlaut hören.

Der springende Punkt war nur, dass diese Anordnung auch Elemente betraf, die normalerweise überhaupt nicht zu dieser Molekularform neigten.

Aber diese Neigung zur sechseckigen Form setzte sich auch im subatomaren Bereich fort. Selbst die Oberfläche von Protonen und Neutronen schienen davon gezeichnet zu sein.

»Als ob jemand auf der Nano-Ebene eine Schrift hinterlassen hat«, murmelte Branan-Tor.

»Eine Schrift, die nur aus einem einzigen Zeichen besteht?«, fragte Paros-Say skeptisch, der sich über die Energie des alten Qriid nur wundern konnte.

Seit dem Zwischenfall im Sicherheitsbereich von Meiler 2 war Branan-Tor aus seiner Lethargie erwacht. Hatte Paros-Say bis dahin es immer als eine Zumutung empfunden, für einen offensichtlich ohne jeden Elan seinen Job machenden alten Forscher-Tanjaj Hilfsdienste leisten zu müssen – obwohl sein Ehrgeiz ihn doch in ganz andere Gefilde der Erkenntnissuche tragen sollte –, so hatte sich das Verhalten des Älteren nun komplett geändert.

Alles natürlich im Dienst des Glaubens und des Heiligen Imperiums. Ehrgeiz – dass hatte man Paros-Say frühzeitig in den Lehr- und Erziehungsanstalten eingebläut, die er im Laufe seines Lebens besucht hatte – durfte niemals nur ein Ehrgeiz sein, der lediglich dem Individuum diente. Er musste stets durch den Vorteil legitimiert werden, den die Gemeinschaft dadurch hatte. Außerdem sollte kein Qriid-Forscher jemals die Ehrfurcht vor Gott und dem Aarriid verlieren. Vielleicht war das ein Grund dafür, weshalb Paros-Says Aufstieg mittlerweile trotz hervorragender Leistungen ins Stocken geraten war. Der Assistent hatte nicht zum ersten Mal das Gefühl, dass man in den oberen Befehlsetagen seine Karriere ganz bewusst verlangsamen wollte.

Jetzt jedoch stand er gemeinsam mit Branan-Tor vor einer großen Entdeckung. Nie hatte er ein Phänomen gesehen, bei dem die naturwissenschaftlichen Prinzipien derart auf den Kopf gestellt zu sein schienen. Dieser Klumpen Materie war unter einem Hochleistungsscanner betrachtet nichts anderes als pure Ordnung.

»Könnte es sich um Leben handeln?«, fragte Paros-Say plötzlich. »Ich meine nicht die Art von Leben, die wir kennen und die unsere Priester als von Gott erschaffen akzeptieren würden.«

»Das ist ein gefährlicher Grad, auf dem du dich bewegst, Paros-Say«, sagte Branan-Tor.

Die ganze Erfahrung eines langen Wissenschaftler-Lebens schwang in diesen Worten mit – die Erfahrung eines gebrannten Kindes, das sich mehr als einmal vor den intoleranten Kommissionen eifernder Tugendwächter hatte rechtfertigen müssen, nur weil er getan hatte, was seiner Auffassung nach seine Aufgabe gewesen war: die Grenzen qriidischer Erkenntnis zu erweitern.

Plötzlich bemerkte Paros-Say eine Bewegung in dem aus einem speziell für den Laborgebrauch entwickelten Kunststoff bestehenden Behälter. Einzelne Partikel lösten sich aus der Probe heraus, schwebten empor und wirkten wie ein Schwarm von winzig kleinen Fliegen.

Paros-Say stieß ein erschrockenes Krächzen hervor. Er ließ den Behälter fallen, der voll und ganz von den fliegenartigen Partikeln erfasst wurde. Sie durchflogen dessen Außenhaut, als wäre diese kein Hindernis.

Innerhalb von Sekunden war von der ursprünglichen Quaderform des Behälters nichts mehr zu sehen. Die fliegenartigen Partikel verdichteten sich wieder, durchdrangen das Stück Materie, zu dem der Behälter zusammengeschmolzen war und verbanden sich schließlich zu einem amorphen Klumpen, der erstarrte.

Branan-Tor hatte längst gehandelt und seinen Kommunikator aktiviert. »Achtung, hier Branan-Tor! Eindringlingsalarm im Labortrakt!«

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12

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Das gleißende Licht der Wega – sechzig Mal heller als die Sonne der Erde – kroch scheinbar über den Horizont. Der YXC-3 näherte sich der Grenze zwischen der Tag- und der Nachtseite von Wega Stranger.

Den Marines an Bord des Antigravpanzers bot sich durch die Sichtfenster ein einmaliger Anblick. Schon seit Minuten hatte keiner von ihnen ein Wort gesagt.

Die Temperatur stieg beständig und lag inzwischen schon bei dreißig Grad minus.

Die Windgeschwindigkeit hatte hingegen nachgelassen. Die Werte lagen unter hundert Stundenkilometer, da sich der YXC-3 gerade inmitten einer wandernden Hochdruckzone befand.

Für Wega Stranger waren das sehr ruhige Werte, die einem windstillen Sommertag auf der Erde entsprachen.

»Ich messe schon seit geraumer Zeit immer wieder äußerst seltsame Strukturen auf der Oberfläche«, war plötzlich Kelleneys Stimme zu hören, der nach wie vor die Ortungskonsole bediente. Er wandte sich an Rolfson. »Ich gebe Ihnen die Daten mal auf Ihre Konsole, Sergeant, damit Sie sich das auch ansehen können.«

»Wir sind nicht hier, um irgendwelche Naturwunder zu bestaunen, Kelleney«, knurrte Rolfson, dessen Konzentration dem bevorstehenden Einsatz galt.

»Sergeant, es handelt sich bei dem aufgezeichneten Phänomen vielleicht um ein Wunder, aber ob das viel mit Natur zu tun hat...«

Rolfson aktivierte seine Anzeige.

Infrarotbilder der Oberfläche flimmerten über das Display.

Die Bilder waren gestochen scharf und von ausgesprochen guter Qualität.

Kelleney übernahm die Kontrolle über Rolfsons Anzeige und zoomte die Bodenstrukturen noch näher heran.

Rolfson war verblüfft. »Hey!«

Er hob die Augenbrauen, und der Kinnladen fiel ihm ein Stück hinunter, aber da sein Kopf nach wie vor vom Helm seines Kampfanzugs bedeckt wurde, bekam keiner seiner Männer diesen Augenblick der Fassungslosigkeit mit.

Der Boden bestand überwiegend aus feinem Staub, gemischt mit geröllartigen, größeren Brocken, die maximal Faustgröße besaßen. Hin und wieder gab es Mulden, in denen sich die säurehaltigen Niederschläge sammelten. Ätzende Dämpfe stiegen von diesen Orten empor.

Das wirklich Erstaunliche waren die Strukturen im Staub.

Über viele Kilometer hinweg waren dort Muster zu erkennen. Da waren größere Geröllbrocken, die aneinander gelegt Muster aus Sechsecken bildeten, was man erst zu erkennen vermochte, wenn man mit der Infrarotortung sehr nahe an die Oberfläche heranzoomte.

»Das ist unmöglich!«, stieß Olafson hervor.

»Das habe ich auch gedacht, aber unsere Infrarotortung ist in Ordnung«, erwiderte Kelleney.

»Sieht aus, als hätte jemand alle Gesteinsbrocken, die Größer als ein Fingernagel sind, aus dieser riesigen Streusandbüchse herausgesiebt und damit Muster gelegt!« Rolfson lachte rau.

»So was habe ich am Strand mit Muscheln gemacht, als ich gerade laufen konnte!«

Auch die anderen riefen die Bilder von ihren Konsolen aus ab.

»Haben Sie irgendeine Erklärung dafür, Kelleney?«, fragte Rolfson.

»Spontane Selbstordnung der Materie oder schlichtweg eine optische Täuschung wie diese angeblichen Marsgesichter, die Astronomen von der Erde aus im späten zwanzigsten Jahrhundert zu erkennen glaubten«, mischte sich Bat McConnarty ein.

»Offenbar ist Wega Stranger ein interessanterer Ort, als es auf den ersten Blick den Anschein hatte!«, war Vrida Mkemuas von Ironie geprägter Kommentar. Sie schaltete das Display ihrer Konsole ab. Wir sind hier, um die Wega-Kolonien zu befreien! Wie kann man sich da auch nur eine Minute mit irgendeinem Naturphänomen aufhalten, das für die bevorstehende Operation nicht die geringste Relevanz hat? Über viele Kilometer zogen sich diese Strukturen dahin.

Rolfson fragte sich, weshalb die unablässig wehenden Winde es nicht geschafft hatten, sie zu zerstören. Normalerweise hätte dies der Fall sein müssen. Selbst bei »ruhigem« Hochdruckwetter transportierte der Wind so viel Staub, dass die Sechseckstrukturen schon nach wenigen Minuten hätten vollkommen verschwunden sein müssen.

»Scheint hier einen großen Mosaikkünstler mit eingeschränkter Kreativität zu geben«, feixte  Norbert Gento.

»Ja, die Varianz der Motive lässt etwas zu wünschen übrig!«, stimmte Lester Ramirez lachend zu.

Details

Seiten
350
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738916553
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Mai)
Schlagworte
folge chronik sternenkrieger doppelband

Autor

Zurück

Titel: Folge 5/6 Chronik der Sternenkrieger Doppelband