Lade Inhalt...

Texas Wolf #36: Tal der wilden Mustangs

©2018 120 Seiten

Zusammenfassung

Thunder, der Blauschimmel-Hengst von Texas Ranger Tom Cadburn, ist ein herrliches Pferd. Als die beiden Rancher Falcon und Ballard Thunder zum ersten mal erblicken, gibt es nur noch eins für sie: dieses Tier wollen sie unbedingt haben. Egal, ob Cadburn damit einverstanden ist oder nicht. In einem günstigen Moment stiehlt Falcon Thunder und bringt den Hengst an einen abgelegenen Ort. Das hat auch Ballard mitbekommen, und nun versucht er seinem Rivalen die Beute streitig zu machen. Die beiden mächtigen Rancher haben jedoch vergessen, dass ein Mann wie Tom Cadburn sich nichts stehlen lässt – erst recht nicht, wenn es um einen Hengst wie Thunder geht. Zusammen mit dem Halbwolf Sam sucht er nach Spuren und findet bald erste Hinweise auf Thunders Verbleib. Wenig später präsentiert er den beiden Pferdedieben die Rechnung! Und zwar so, dass das keiner der beiden Halunken jemals vergessen wird ...

Leseprobe

Table of Contents

Title Page

Tal der wilden Mustangs

Klappentext:

Roman:

Texas Wolf

 

Band 36

 

Tal der wilden Mustangs

 

Ein Western von Glenn Stirling

 

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Klaus Dill

Redaktion und Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

 

Klappentext:

Thunder, der Blauschimmel-Hengst von Texas Ranger Tom Cadburn, ist ein herrliches Pferd. Als die beiden Rancher Falcon und Ballard Thunder zum ersten mal erblicken, gibt es nur noch eins für sie: dieses Tier wollen sie unbedingt haben. Egal, ob Cadburn damit einverstanden ist oder nicht. In einem günstigen Moment stiehlt Falcon Thunder und bringt den Hengst an einen abgelegenen Ort. Das hat auch Ballard mitbekommen, und nun versucht er seinem Rivalen die Beute streitig zu machen. Die beiden mächtigen Rancher haben jedoch vergessen, dass ein Mann wie Tom Cadburn sich nichts stehlen lässt – erst recht nicht, wenn es um einen Hengst wie Thunder geht. Zusammen mit dem Halbwolf Sam sucht er nach Spuren und findet bald erste Hinweise auf Thunders Verbleib. Wenig später präsentiert er den beiden Pferdedieben die Rechnung! Und zwar so, dass das keiner der beiden Halunken jemals vergessen wird ...

 

 

 

 

Roman:

Heiß brannte die Sonne auf die kleine Stadt am Rande der Brasada, sechs Meilen südlich des Red River. An eine vom Sturm zerzauste Holzhütte war ein Brett quer angenagelt, und man hatte mit weißer Farbe darauf geschrieben: „Vernon“.

Tom Cadburn, der Texas Ranger, hatte seinen herrlichen Blauschimmel-Hengst gezügelt und blickte in die einzige staubige Straße des Ortes hinein.

Vernon bestand aus noch nicht einmal zwei Dutzend Häusern, die jämmerlichen Hütten mitgerechnet. Die Hitze hatte ein Flimmern über den Dächern geweckt. Die Sonne stand hinter einem Gemisch aus Dunst und Staub wie eine fahlgrüne Scheibe am wolkenlosen Himmel und schleuderte scheinbar das pure Feuer auf die texanische Erde herunter.

Nur dreihundert Yard hinter der Häuserzeile begann die Brasada mit struppigen, ineinander verfilzten Büschen, mit Cottonwoods, gewaltigen Eisenholzbäumen, mit Buchen, Eichen, nackten Vulkanfelsen und Sümpfen.

Lautes Gebrüll schallte aus der Stadt, obwohl im grellen Sonnenlicht niemand zu sehen war.

Sam, das schwarze Wolfsblut mit den grünen Lichtern und den großen steilen Ohren, trottete mit heraushängender Zunge hinter Tom Cadburn her.

Tom war gerade an der ersten Hütte vorbei, als die Schwingtür des Saloons aufflog und krachend gegen die Bretterwand knallte. Ein Stuhl flog heraus, traf die Fahrbahn, warf Staub in die Luft und zersplitterte.

Tom Cadburn nahm den Hut ab und wischte über das Schweißband, während Thunder, sein Blauschimmel-Hengst, müde weiterlief. Tom Cadburn war ein sechs Fuß großer Mann mit blonden Haaren und blauen Augen. Er trug ein buntes, verstaubtes Hemd, ein gelbes Halstuch und eine schwarze Lederhose. Seine ebenfalls schwarze Lederjacke war hinter dem Sattel festgeschnallt. Am Hemd steckte das Abzeichen der Texas Ranger mit der Zahl Einundvierzig. Er hatte einen breiten Patronengurt umgeschnallt und einen schweren Colt 45 in der Halfter, und im Scabbard an seinem Sattel steckte eine Winchester 66.

Die Schwingtür des Saloons pendelte noch nach, flog wieder auf, und ein Mann taumelte über den Bretterweg, stürzte in den Sand und rollte durch den erneut aufsteigenden Staub.

Der Mann sprang wild fluchend auf, rannte die Stufen hinauf und jagte wie ein wilder Bulle in den Saloon hinein, in dem das Gebrüll immer lauter wurde.

Tom Cadburn ritt bis zum Saloon und hielt an der Ecke des Hauses an. In der schmalen Gasse stand mehr als ein Dutzend Pferde im schwarzen Schatten eines Daches.

Im Saloon war eine wilde Schlägerei im Gange. Eine Flasche traf ein Fenster, die Scheibe zersplitterte berstend, und die Flasche landete auf dem Bretterweg, rollte darüber hinweg und fiel in den heißen Sand herunter.

Tom Cadburn blickte auf das Barmädchen, das unter dem Vordach im Schatten an der Wand lehnte. Das große Mädchen hatte ein sehr helles Gesicht und feuerrote Haare. Große grüne Katzenaugen leuchteten Tom Cadburn entgegen.

„Hallo!", rief das Mädchen.

Er lächelte und tippte an seinen verstaubten Hut, während er auf das immer lauter werdende Getümmel im Saloon hörte.

„Nennen Sie mich Cecil, und wer sind Sie?“, fragte das Mädchen, das zu einem Pfeiler kam und sich dagegenlehnte.

„Tom Cadburn."

Das Mädchen blickte auf das schwarze Wolfsblut, das neben dem Blauschimmel-Hengst stehengeblieben war. „Gehört der Wolf zu Ihnen?“

„Er ist nur ein halber Wolf. Und er heißt Sam und gehört zu mir.“

Cecil beugte sich ein wenig herunter, als Sam mit den Vorderpfoten auf die untere Stufe trat. „Darf man ihn streicheln?“

„Ich an Ihrer Stelle würde es lassen.“

Tom blickte auf die Schwingtür. Die flog eben wieder auf. Ein Mann stürzte auf den Bretterweg und schrie: „Warte, du Lump, dir schlage ich das Krumme aus den Ohren!“

„Dann komm her, Hombre!“, brüllte ein anderer im Saloon, aus dem das Krachen der Fäuste, das Splittern von Holz und das Bersten von Glas schallte.

Der Mann sprang auf und rannte in den Saloon hinein.

„Na, Meinungsverschiedenheiten?“, fragte Tom das Mädchen.

Cecil lächelte ihn strahlend an. Sie war ungefähr fünfundzwanzig Jahre alt, also um einiges jünger als er. Sie trug ein rotes Seidenkleid, das bis auf die schmutzigen Bretter reichte und mit silbernen Flittersternen benäht war. Sie sah im Lampenlicht und im Rauch eines Saloons vielleicht nicht übel aus. Hier zwischen greller Sonne und Schatten wirkte sie fad, primitiv und lächerlich.

„Ja, Meinungsverschiedenheiten“, erwiderte das strahlende Mädchen, das auch kräftige, perlweiße Zähne hatte.

„Zwischen wem?“

„Zwei Ranchmannschaften aus dieser Gegend. Ein gewisser James Ballard und ein Jeff Falcon. Ballard erkennen Sie an den schwarzen Haaren. Falcon ist dunkelblond. Nur, falls Sie die beiden begrüßen wollen.“

Wieder flog ein lästerlich fluchender Mann heraus, stürzte auf den Fußweg und rollte in den heißen Staub hinunter.

„Das ist Mark Kirk“, erklärte das freundliche Mädchen mit spöttisch blitzenden Augen. „James Ballards Vormann.“

Der Kerl war untersetzt, wuchtig und stoppelbärtig. Sein Gesicht war verzogen. Hass blitzte in seinen Augen. Er sprang auf und rannte die Treppe mit Wutgeheul hinauf und in den Saloon hinein.

Tom stieg ab, führte sein Pferd in den Schatten der schmalen Gasse und band es an.

„Sie haben ein sehr schönes Pferd, Texas Ranger.“ Der Blick des Mädchens glitt bewundernd über den Blauschimmel-Hengst.

„Dabei ist er ziemlich abgehetzt.“ Tom lockerte den Sattelgurt. „Er heißt Thunder.“

Das Pferd warf den Kopf in die Höhe und schnaubte.

„Was war denn das?“

„Thunder hat Sie begrüßt, Cecil. Wie viele Männer sind denn im Saloon?“

„So ungefähr ein Dutzend. Wollen Sie wirklich hineingehen?“

„Soll ich hier warten, bis die fertig sind?"

Wieder splitterte Glas. Eine Whiskyflasche landete zwischen Scherben auf dem Fußweg und lief mit leisem Gluckern aus.

„Schade darum“, sagte das Mädchen und zuckte die Schultern. „Na ja, da kann man nichts machen.“

 

*

 

Tom war auf den Bretterfußweg gestiegen, ging an dem Mädchen vorbei und in den Saloon hinein.

Die Männer - sie waren alle wie Cowboys gekleidet - schlugen mit den Fäusten aufeinander ein. Einer hieb einem anderen eine Schnapsflasche auf den Kopf, und der andere brach röchelnd zusammen.

Da kam einer auf Tom zu und brüllte: „Komm, Sternträger, du kriegst auch eine Ladung!“

Tom Cadburn blockte den Hieb des Kerls ab und schmetterte ihm die Faust auf die Nase. Der Cowboy ging heulend zu Boden. Tom stieg über ihn hinweg und duckte sich, als ihm ein Glas entgegenflog. Es ging über seinen Kopf hinweg, schrammte gegen die Wand,

Cadburn versetzte noch einem der wüsten Kerle einen Kinnhaken, so dass der Mann über einen Tisch hinwegflog und dahinter verschwand. Dann hatte er die Theke erreicht, räumte Scherben von ihr herunter und rief: „Keeper, Whisky!“

Ein dicker Mann mit grauen Haaren und einem runden Gesicht tauchte hinter der Theke wie aus einer Versenkung auf und blickte Tom verständnislos an.

„Nun machen Sie schon, ich meine Sie!“

Tom wurde am Arm gepackt und herumgezerrt. Er sah einen schwarzhaarigen Mann mit schrankbreiten Schultern vor sich, ungefähr dreißig Jahre alt. Er dachte, das könnte Ballard sein, wich der tellergroßen Faust aus und stieß den Mann zurück, als der gegen ihn prallte.

James Ballard stürzte auf einen Stuhl, der unter seinem Gewicht in Trümmer ging. Der Mann fluchte fürchterlich.

Da wurde Tom von einem anderen angegriffen, der ebenfalls breit wie ein Kleiderschrank war, dunkelblond und groß, und kaum älter als Ballard. Tom hielt dem Mann die Faust fest, drehte sich blitzartig herum, riss sich den Arm des Mannes auf die Schulter und krümmte sich zusammen.

Jeff Falcon brüllte, als Cadburn ihn sich über die Schulter warf. Im nächsten Augenblick krachte der Mann auf den Rücken.

Inzwischen war Ballard aufgesprungen und wollte die günstige Gelegenheit nutzen und Tom von hinten angreifen.

Darauf hatte das schwarze Wolfsblut mit den wachsamen grünen Augen aber nur gewartet. Sam flog wie von der Sehne abgeschnellt in die Höhe. Seine messerscharfen Zähne packten den Ärmel vom bunten Hemd des Mannes und ein bisschen von der Haut mit. Und als Sam zurückfiel, da zerfetzte der Ärmel, der Mann schrie, und Blut lief ihm über den Arm.

Ballard schrie so laut, dass alle anderen die Rauferei einstellten.

Sam schüttelte sich und ließ den heruntergerissenen Stoff aus den Zähnen fallen. Ballard war wütend und wollte nach Sam treten, aber das hätte er besser nicht getan.

Denn Sam fiel ihn wieder an und zerriss ihm die Hose. Das ganze linke Hosenbein fetzte bis hinunter zu dem verstaubten Texasstiefel auf, und das behaarte bleiche Bein des Mannes war zu sehen.

Inzwischen war der andere Rancher aufgestanden. Ein Teil der Männer grinste schadenfroh, die anderen wussten nicht, wo sie hinblicken sollten.

„Kann ich jetzt einen Whisky bekommen?“, fragte Tom. „Ich bin seit sechs Stunden bei dieser Hitze unterwegs. Und Wasser für meinen Wolfshund!“

James Ballard blickte mit gesenktem Kopf in der Runde herum. Das Grinsen der Cowboys machte ihn rasend, aber er beherrschte sich, weil das Wolfsblut noch immer sprungbereit vor ihm hockte, den Kopf ein wenig schiefgelegt und die Schnauze offen, so dass die schimmernden Zähne zu sehen waren.

„Verschwindet!“, zischte Ballard giftig. „Los, haut ab! Wartet draußen!“

Jeff Falcon sagte nichts dazu.

Einer nach dem anderen gingen die Männer rückwärts hinaus, wischten sich das Blut und den Schweiß von den Gesichtern.

Der Keeper schenkte zitternd ein Glas zur Hälfte voll Whisky, stellte es Tom hin und schob die Sodawasserflasche daneben. Dann ging er in die Küche.

Tom schenkte das Glas aus der Wasserflasche ganz voll.

In der Küche knarrte eine Wasserpumpe. Lautes Saugen schallte in den Saloon.

Das Mädchen kam herein, lachte schrill und hielt die Hand vor den Mund.

Ballard starrte das Mädchen wütend an. „Ist bei dir eine Schraube locker?“

„Du müsstest dich mal im Spiegel sehen, James!“, rief das Mädchen. „Mein Gott, sieht das komisch aus!“

Falcon, der andere Rancher, grinste nun ebenfalls wieder.

Der Keeper tauchte auf und stellte eine Schüssel mit Wasser auf die Theke. „Genug?“

„Ja.“ Tom nahm die Schüssel und stellte sie für den Wolfshund auf den Boden.

„War das etwa der Wolf?“, fragte das Mädchen mit kaum verhülltem Hohn. „Dass dir so etwas passieren kann, James!“

Ballard wurde immer wütender. Blitze schossen aus seinen Augen. Wieder fiel sein Blick auf den anderen Rancher, dessen Grinsen triebhaft geworden war.

Da konnte James Ballard sich nicht mehr halten. Er wirbelte herum und schlug zu.

Falcon wurde überrascht und bekam die Faust gegen die Schläfe. Benommen taumelte er zurück und knallte gegen die Wand. Ballard lief mit dem herabhängenden Hosenbein und dem teilweise fehlenden Ärmel nach und wollte erneut angreifen.

Aber Jeff Falcon hatte einen Stuhl an der Lehne gepackt, hob ihn rechts aus und wirbelte ihn mit aller Kraft nach links. Ballard wurde wie von einer Keule getroffen und taumelte gegen Tom, der ihn zurückstieß.

Sam hatte den Kopf gehoben und knurrte gereizt. Wasser troff ihm von den Lefzen.

Angeschlagen schwankte Ballard seinem Widersacher entgegen.

Das Mädchen lehnte sich neben der Tür an die Wand.

Falcon donnerte Ballard die Faust ins Gesicht, und der knallte mit dem Rücken gegen die Theke. Falcon setzte nach, weil Ballard schon die Augen verdrehte. Aber als er wieder zuschlug, hatte James Ballard eine Flasche gepackt und donnerte sie Falcon auf den Schädel. In der gleichen Sekunde traf ihn die Faust auf den Punkt, und seine Knie gaben nach. Er stürzte mit dem Gesicht nach unten auf den Boden, und die Flasche rollte gegen die Wand.

Falcon, der mit rollenden Augen schwankte, wollte sich an einem Tisch festhalten, hatte aber dazu nicht mehr die Kraft. Seine Hand rutschte ab, und er fiel über den anderen.

Tom trank sein Glas leer und sagte zu dem Wolfsblut: „Sauf nur weiter, die haben offenbar erst mal genug.“

Das Mädchen kam näher. Der dicke Keeper beugte sich über die Theke und starrte ungläubig auf die beiden zusammengebrochenen Männer.

„Bleibt, wo ihr seid!“, befahl auf der Straße eine Stimme.

Tom blickte auf die Schwingtür, konnte draußen aber nur Sonnenlicht und Staub sehen.

„Der Hilfssheriff“, erklärte das Mädchen. „Ich würde auch was trinken, Tom. Wie ist es denn damit?“

„Es geht in Ordnung.“

„Hast du gehört, Tennessee? Der Texas Ranger hat ein Herz für ein armes Mädchen und gibt einen für mich aus. Nun mach schon, bevor ich verdurste!“

Sam machte die Schüssel leer und leckte sich über die Schnauze.

Ein alter Mann mit langen weißen Haaren, die ihm bis auf die Schultern reichten, tauchte auf, schob die Schwingflügel nach innen und kam herein. Der Mann war ungefähr fünfundsechzig Jahre alt. Er trug einen schäbigen, zerknitterten Anzug mit fettig glänzenden Ärmeln und abgeschabten Kanten. An seiner Jacke steckte ein Stern. Sein Gesicht war schmal und faltig, und er hatte listig funkelnde Augen.

„Hallo“, sagte der Hilfssheriff von Vernon. „Was sucht denn ein Texas Ranger bei uns?“

„Ich will hier nur mal übernachten, wenn es möglich ist“, erwiderte Tom sofort. „Ich bin auf dem Wege nach Amarillo.“

„Es ist möglich, was, Tennessee?“, fragte der alte Hilfssheriff.

„Wenn er Geld hat“, brummte der Keeper. „Noch einen Whisky?“

„Am besten, Sie stellen die Flasche her, dann brauchen Sie die Hand nicht so oft zu bewegen“, erwiderte Tom. „Ob ich mein Pferd im Stall unterbringen kann? Mein Name ist Tom Cadburn.“

„Sie werden Ihr Pferd unterbringen, wenn es Ihnen die Cowboys nicht wegnehmen“, erklärte der Hilfssheriff. „Das sind nämlich alles Pferdenarren, müssen Sie wissen. Die sehen, wenn ein Gaul was ist. Und die beiden hier sind die schlimmsten. Die sind darüber zu Gegnern geworden und verwenden ihre Zeit darauf, sich zu bekämpfen wie Feuer und Wasser. Und ich bin Heston Mercer, Mister Cadburn.“

Der alte Hilfssheriff blickte sich um, ging hierhin und dahin und schob die verschiedenen Trümmer auseinander. Dann kam er zurück und sagte: „Mit hundert Dollar dürfte der Schaden bezahlt sein, was?“

Die Stirn des Salooners legte sich in Falten, als müsste er erst nachdenken.

„Es ist besser, du sagst nichts." Der alte Hilfssheriff grinste. „Es ist dein bestes Geschäft, und du machst es schließlich jeden Monat mindestens zweimal.“ Mercer ging zu den beiden Männern, durchsuchte sie und nahm jedem von ihnen fünfzig Dollar ab, die er auf den Tresen warf. „Das geht doch in Wahrheit glänzend, Tennessee.“

„Und Sie machen nichts dagegen, Mercer?", fragte Tom leicht erstaunt.

„Warum sollte ich etwas dagegen machen? Die Cowboys können die Abwechslung gebrauchen und die Stadt das Geld. Und wenn ich das nicht zulassen würde, suchen die beiden sich eine andere Stadt. Das wäre ja wirklich zu schade!“

Ballard bewegte sich seufzend und rollte auf die Seite, so dass sein nacktes Bein nach oben kam.

„Der sieht ja gut aus.“ Der alte Hilfssheriff schüttelte den Kopf. „So hab’ ich ihn noch nie gesehen.“

Da kam Ballard richtig zu sich, öffnete die Augen und schaute im Saloon herum.

Sam knurrte warnend.

„Genug“, sagte Tom leise. „Keeper, wenn Sie nicht bald ein Stück Fleisch für den Wolf bringen, versucht er noch, wie Mister Ballard schmeckt!“

Tennessee Porter, der Keeper, lief in die Küche. Das Mädchen lachte.

Ballard zog seufzend die Beine an, stützte sich auf einen Stuhl und stand auf.

Auch Falcon bewegte sich.

James Ballard starrte das Wolfsblut an, wischte sich über das Gesicht und kam noch benommen schwankend an die Theke. Er nahm die Flasche und trank aus ihr. (

Falcon hatte sich gesetzt und rieb über seinen Kopf.

„Ich habe euch jedem fünfzig Dollar für Porter abgenommen“, sagte der alte Hilfssheriff. „Und ich denke, das war’s dann für diese Woche mal wieder!“

Falcon stand auf, schleppte sich an die Theke und wischte sich über den Mund.

Porter stellte ihm schnell eine Flasche hin, bevor die Schlägerei erneut losgehen konnte. Falcon wischte über den Flaschenhals und trank.

Ein Gesicht unter einem Cowboyhut tauchte draußen vor der Schwingtür auf. „He, Boss, da steht ein tolles Pferd!“, rief der Mann. „Ich wette mit dir, so ein Pferd gibt es in fünfhundert Meilen Umkreis nicht noch mal.“

Falcon stellte die Flasche ab und schleppte sich durch den Gang und hinaus. Ballard trank noch einmal, dann folgte er dem anderen.

„Und vergessen Sie nicht, sich eine neue Hose zu besorgen!", rief der Hilfssheriff ihm nach.

Ballard ging hinaus.

„Verdammt“, sagte Falcon.

„Dann will ich Thunder mal besser in den Stall bringen. Komm, Sam! Ich komme gleich wieder!“ Tom wandte sich ab und verließ den Saloon ebenfalls.

 

*

 

Die Männer standen in einem Halbkreis in der grellen Sonne. Die Schlägerei schien vergessen zu sein. Alle blickten auf den Blauschimmel-Hengst am Rande des Schattens, zu dem Tom Cadburn nun trat.

Das schwarze Wolfsblut stand noch oben auf dem Fußweg. Auch der alte Hilfssheriff war herausgekommen und hatte die Hände in die Hüften gestemmt. Er trug einen Revolver, dessen achtkantiger Lauf unter der Jacke zu sehen war.

„Würden Sie ihn verkaufen?“, fragte Falcon rau. „Ich biete Ihnen hundert Dollar dafür.“

„Hundert Dollar“, sagte Ballard verächtlich. „Lächerlich. Ich gebe zweihundert, Mister!“

„Zweihundertfünfzig!“, rief Falcon.

Der alte Hilfssheriff grinste listig. Ballard fluchte abscheulich, hieb sich mit der Faust in die linke Hand und sagte: „Dreihundert! Mann, dreihundert Dollar sind ein Vermögen für ein Pferd!“

„Hat denn jemand gesagt, dass Sie dreihundert Dollar für mein Pferd bieten sollen?“, fragte Tom kühl.

„Dreihundertfünfzig!“, rief Falcon. Ballard fuhr herum und hob die Faust.

„Es ist für heute genug!", schimpfte der Hilfssheriff, schlug die Jacke zurück und legte die Hand auf den Kolben des Colts.

Ballard ließ die Faust sinken. „Vierhundert, Mister. Mein letztes Angebot!“

„Vierhundertfünfzig!“, rief Falcon.

Ballard fluchte lauter. „Also, fünfhundert!“

Tom hatte den Zügel losgemacht, schob das Pferd zurück und zog seinen Kopf herum.

„Hören Sie nicht?“, zischte Ballard. „Ich gebe fünfhundert Dollar für den Gaul!“

„Ich verkaufe das Pferd aber nicht.“

„Zur Hölle, wieviel wollen Sie denn dafür haben?“, knurrte Falcon gereizt.

„Nichts. Ich verkaufe ihn nicht. Geben Sie den Weg frei!“

„Und wenn ich nicht will?“

„Dann müssen Sie sich gleich auch Hemd und Hose kaufen“, entgegnete Tom Cadburn.

Falcon blickte auf das Wolfsblut mit der offenen Schnauze und den leuchtenden grünen Augen. Er trat wie automatisch zurück.

Tom ging durch die schmale Gasse zwischen den Männern, die sich gebildet hatte. Thunder scheute und wieherte.

Die Männer traten weiter zurück und blickten Tom Cadburn und seinen Tieren nach. Der alte Hilfssheriff beobachtete die Männer, bis Tom Cadburn im Mietstall verschwunden war. Dann stieg er vom Fußweg herunter und überquerte die Straße.

„So was hatten wir noch nie“, murmelte Ballard, der sich über den Mund wischte. „Verdammt, so was Schönes hab’ ich noch nicht gesehen. Der ist klug, der Hengst, das sieht man auf den ersten Blick. Und Rasse. Ausdauernd und schnell. Ich würde was drum geben, wenn ich ihm mal ins Maul hätte schauen können, um seine Zähne zu sehen.“

„Er dürfte sechsjährig sein“, entgegnete Falcon leise.

Ballard blickte ihn aus zusammengekniffenen Augen finster an. Er hatte vergessen, was er für einen lächerlichen Anblick den Leuten von Vernon bot. „Woher willst du das denn wissen?“

„Ich weiß es eben. Ich sehe so was. Ich hab’ immer mehr als du gesehen. Ein Kenner wie ich sieht es an der Farbe des Felles. Es wäre weißer, wenn er älter sein sollte...“

„Gerade du ein Kenner!“ Ballard schnaufte verächtlich. „Aber schön, dann ist er eben sechsjährig. Das ist das Alter, wo sie am stärksten sind. Den bekomme ich, verstanden!“

„Er verkauft ihn nicht.“

„Das wollen wir erst mal sehen.“

„Er verkauft ihn bestimmt nicht“, beharrte Falcon. „Das habe ich ihm angesehen. Ich an deiner Stelle würde mich um Hemd und Hose kümmern! Die Männer grinsen schon, und die Frauen schütteln die Köpfe.“

Ballard blickte in der Runde herum, konnte in der Schwärze unter den Vordächern aber nichts erkennen. Er warf noch einen Blick auf den Mietstall, dann drehte er sich abrupt um und ging zum Store.

 

*

 

Hilfssheriff Heston Mercer lehnte mit vor der Brust verschränkten Armen an einem Pfosten im Stall und sah Tom Cadburn zu, der das Pferd absattelte, ihm Wasser in einen Eimer goss und Futter aus der Kiste holte. Den Stallmann, der ihm helfen wollte, wehrte er ab.

„Dann eben nicht“, brummte der Mann.

Heston Mercer warf durch das verstaubte kleine Fenster einen Blick hinaus.

Der größere Teil der Cowboys stand noch friedlich mit Falcon zusammen. Die wüste Schlägerei schien vergessen zu sein.

„Die sind verrückt auf Ihr Pferd“, sagte der alte Hilfssheriff gedehnt.

„Das habe ich gemerkt. Aber ich will es nicht verkaufen.“

„Das haben die gemerkt.“

Tom kam aus der Box. „Dann ist ja alles in Ordnung.“

„Das denken Sie“, schränkte der Hilfssheriff ein. „Ballard und Falcon denken sicher anders darüber."

„Können Sie das näher erklären?“

„Warum nicht.“ Heston Mercer ließ die Hände sinken. „Falcon und Ballard waren drei Jahre lang Partner und haben mit Geschick und Ellenbogen eine große Ranch aufgebaut. Mit Rindern, die sie aus der Brasada holten, wo sich kein Mensch seit dem Krieg um sie gekümmert hatte, und wo sie völlig verwildert waren.“

„Sogar Stiere haben die aus der Brasada geholt!“, rief der Stallmann. „Das sind Teufelskerle, Texas Ranger! Die holen den Satan aus der Hölle, wenn es sein muss!“

„Aha.“ Tom blickte wieder auf den alten Hilfssheriff. „Und wieso haben die beiden jetzt jeder eine Ranch?“

„Das hätte ich Ihnen schon erklärt, wenn Rink mich nicht andauernd unterbrechen müsste.“

„Einmal hab’ ich dich unterbrochen, verdammt!“, schimpfte der Stallmann.

„Jetzt war es schon zweimal“, konstatierte der alte Hilfssheriff. „Hältst du nun endlich mal die Klappe? Du redest ja doch nur Blödsinn! Also, Mister Cadburn: Eines Tages hatten sie drüben im Indianerterritorium wilde Pferde entdeckt. Sie ließen die Longhorns Longhorns sein, ritten los und fingen Mustangs. Und dabei fiel ihnen ein Hengst auf, um den sie sich lange vergebens bemühten. Jedoch irgendwann hatten sie ihn. Nun behauptete jeder der beiden, er hätte den Hengst gefangen und ihm würde er gehören. Sie haben sich geprügelt, haben die Mannschaft gespalten, haben sich gegenseitig die Sattelgurte zerschnitten und was weiß ich, was wir nie erfahren haben. Es ging so weit, dass der eine den Schuppen anbrannte und der andere das Haus. Dann entfernten sie sich fünf Meilen voneinander, kämpften um das Vieh und sahen sich ein ganzes Jahr nicht mehr. Hier in der Stadt begegneten sie sich wieder und gingen sofort mit allen Leuten aufeinander los. Dabei ist es bis auf den heutigen Tag geblieben. Das haben Sie ja gesehen.“

„Ja, das habe ich gesehen. Und weiter?“

„Wenn die was sehen, was ihnen gefällt, dann wollen sie es beide haben“, brummte der Stallmann. „Und dann ist es besser, wenn man es ihnen gibt. Sollen die beiden Narren sich doch danach gegenseitig die Schädel deswegen einschlagen. Was geht uns das an!"

.Es geht uns eine Menge an, aber wir können es nicht ändern“, sagte der alte Hilfssheriff. „Ich rate Ihnen, schleunigst zu verschwinden, falls Sie das Pferd nicht doch für eine Stange Geld verkaufen wollen!“

Tom schlug dem Pferd auf die Hinterhand und strich dann dem großen Wolfshund über den Kopf, der neben ihm an der Trennwand saß.

„Ich werde nicht verkaufen und nicht verschwinden. Ich gedenke heute hier in der Stadt in einem richtigen Bett zu schlafen.“

„Na, dann gute Nacht“, brummte der Stallmann und schwang sich auf die Futterkiste. „Denen ist es egal, ob es ein Texas Ranger oder ein Strauchdieb ist, auf den sie losgehen, wenn sie was wollen. Die fragen danach nicht, Mister! Und ich weiß jetzt ziemlich genau, dass die auf Ihr Pferd scharf sind.“

„Ihr habt ja Angst vor den Kerlen.“ Tom ging zur Tür.

Sam stand auf.

Tom schaute sich um und sagte: „Du bleibst hier, Sam! Und wenn sich einer an Thunder heranwagen sollte, dann gebt es ihm zusammen, damit er auch was davon hat!“

„Verrückt“, brummte der Stallmann. „Na, mir kann es ja egal sein, was, Sheriff?“

Tom hatte den Stall verlassen. Der alte Hilfssheriff ging hinter ihm her. Sam legte sich in der Box an der Trennwand ins Stroh. Misstrauisch beobachtete er den Mann auf der Futterkiste, der seine Maiskolbenpfeife aus der Tasche gezogen hatte und voll Tabak stopfte.

 

*

 

James Ballard kam in einem neuen bunten Flanellhemd und einer mit Nieten besetzten Levishose aus dem Store und zur Mitte der Stadt zurück.

Tom war stehengeblieben und schaute zu den Männern hinüber, die die Pferde losgemacht hatten.

Aus dem Hof neben dem Mietstall rollte ein Ranchwagen mit flachen Planken, auf dessen Bock einer der Cowboys saß. Mit einem Brenneisen hatte man in die Bordwand gebrannt: „Ballard Ranch / Vernon“.

„Fahr zu, Bud!“, rief Ballard und winkte mit seinem Hut, den er abgenommen hatte.

Der Mann auf dem Bock knallte mit der Peitsche. Die Pferde wieherten und rissen den Wagen förmlich vorwärts. Von den Hufen und Rädern wurde Staub in die Luft gewirbelt. Wieder knallte die Peitsche, und der wilde Zuruf des Cowboys schallte durch die Stadt.

Ballard setzte seinen Hut auf und kam schräg über die Straße. Sein Schatten wanderte vor ihm her und erreichte Tom Cadburn. Der bullige Rancher mit den schrankbreiten Schultern blieb stehen. Ballards blitzende Augen musterten Tom.

„Hören Sie, ich muss das Pferd haben! Ich kann nachts nicht mehr schlafen, wenn ich es nicht bekomme!“

„Dann versuchen Sie doch am Tag zu schlafen“, sagte Tom.

Der alte Hilfssheriff grinste schadenfroh.

Tom ging an dem fluchenden Mann vorbei, aber Ballard packte seinen Arm, zog ihn herum, ließ aber jäh los, als Tom in der anderen Hand den Colt hatte und den Hammer spannte.

Der Hilfssheriff pfiff durch die Zähne.

Ballard trat zurück. „Ich will Ihnen doch nichts tun, Mann! Ich will den Hengst kaufen und nichts weiter!“

Tom schob den Colt 45 in die Halfter. „Dann fassen Sie mich gefälligst nicht an. Und lassen Sie das auch bei meinen Tieren! Der Wolfshund zerfetzt Sie, Mister Ballard!“

„Ich will das Pferd kaufen!“

„Es würde Sie gar nicht tragen, Mann“, sagte Tom schroff.

„Dazu bringe ich jedes Pferd. Wenn es nur darum geht, das hat nichts zu sagen.“

„Es geht nicht nur darum. Es geht darum, dass das Pferd nicht zu verkaufen ist.“

James Ballard blickte nach links und durch die offenstehende Tür in den Stall. Undeutlich sah er den Blauschimmel-Hengst mit dem violettbraunen Fell, der schwarzen Mähne und dem schwarzen Schweif. Und Ballard sah auch Sam mit den funkelnden grünen Augen. Das Wolfsblut hatte den Kopf gehoben und stieß ein leises, schier endloses Knurren aus.

„Sechshundert!“, stieß Ballard hervor. Schweiß war ihm ausgebrochen und lief in dicken Perlen über sein Gesicht.

„Sind die denn immer so?“, fragte Tom den alten Hilfssheriff.

„Hab’ ich Ihnen doch gesagt. Ballard, lasst den Texas Ranger in Ruhe, das rate ich euch. Legt euch nicht mit dem Gesetz an!“

Falcon kam über die Straße und blieb ein Stück von Ballard entfernt abwartend stehen.

„Auch nicht, wenn ich noch mehr biete?“, zischte Ballard.

„Nein, es ist sinnlos.“ Tom wandte sich ab und ging zum Saloon hinüber.

„Macht keinen Ärger“, sagte der alte Hilfssheriff zu den beiden Ranchern. „Mit einem Texas Ranger ist es etwas anderes als mit einem Tagedieb, nach dem kein Hahn kräht. Die Texas Ranger verstehen keinen Spaß. Und dort, wo einer verschwindet, tauchen zwei andere auf! Die lassen nichts auf sich beruhen!“

„Bildest du dir ein, jetzt hätten wir Angst?“, fragte Ballard verächtlich.

Auch Falcon grinste spöttisch, wandte sich aber ab und ging zu seinem Pferd zurück.

„Was will er denn überhaupt hier?“, fragte Ballard, nahm den Hut ab und fuhr sich mit gespreizten Fingern durch das mattschwarze Haar.

„Nichts. Er ist morgen wieder weg, und ihr werdet ihn vergessen. Ihn und sein Pferd!“

Ballard schaute zum Saloon hinüber. Tom Cadburn war nicht mehr zu sehen. Aber die Schwingtür pendelte noch aus.

Falcon saß schon auf seinem Pferd, winkte seinen Männern und trieb das Pferd an. Das Tier scheute, machte einen Satz und preschte wie ein Wirbelsturm die Straße hinauf.

Mit lautem Gebrüll raste der ganze Haufen hinter dem Rancher her.

Im Staub standen die anderen, die zu Ballard gehörten. Aber eine Minute später waren auch die unterwegs, folgten dem ersten Reiterhaufen und verschwanden in der rötlichen Staubwand, in der es in der Sonne glitzerte.

 

*

 

Der alte Hilfssheriff lief durch den Staub wie durch Nebel und stieg auf der anderen Straßenseite zum Fußweg hinauf. Er betrat den Saloon und sah im Halbdunkel Tom Cadburn, das große Barmädchen in dem roten Kleid und den Keeper, der die Trümmer in einer Ecke zusammenräumte und danach die Reste der geborstenen Fenster aus den Rahmen entfernte.

„Soll ich dir neues Glas bringen, Tennessee?“, rief draußen der Besitzer des Stores mit keifender Stimme.

Tom trank einen Schluck aus seinem Glas.

„Es hat Zeit bis morgen“, sagte der Keeper durch das zerschlagene Fenster. „Nur nichts überstürzen!“

„Aber ich wette, du hast den Schaden schon bezahlt bekommen!“ Die Stimme des Storebesitzers drang lauter und keifender herein.

Der alte Hilfssheriff kam durch den Saloon und lehnte sich an den Tresen.

„Morgen kaufe ich Glas!“, knurrte der Keeper. „Heute nicht. Und ob ich den Schaden bezahlt bekommen habe oder nicht, geht dich einen feuchten Dreck an! Ich habe schließlich den Schaden."

„Und ich habe das Glas!", schimpfte der Storebesitzer, der nicht zu sehen war. „Und ich beschaffe es immer extra wegen dir. Es gehen sonst keine Fenster kaputt.“

„Du langweilst mich, zur Hölle!“ Der Keeper kam mit schlurfenden Schritten durch den Saloon und ging hinter den Schanktisch. Er blickte den alten Hilfssheriff an. „Auch einen Whisky?“

„Ich denke schon."

Der Keeper schenkte ein.

„Macht Spaß, was, Tennessee?“

Heston Mercer grinste freundlich. „Was?“

„Die anderen ein bisschen zappeln zu lassen. An der ausgestreckten Hand!“

Heston Mercer streckte den Arm aus und bewegte die Finger, als wollte er eine Marionette tanzen lassen.

Tennessee Porter fluchte. „Ich springe doch nicht, wenn die anderen pfeifen. Schließlich ist es mein Geld!“

„Das ich dir beschafft habe“, setzte der alte Hilfssheriff hinzu. „Dir allein würden die beiden Halunken für den Schaden doch keinen roten Cent geben!“

Tom trank wieder einen Schluck. „Ich brauche noch Fleisch für meinen Wolfshund, Mister Porter.“

„Sie sollten am besten heute noch weiterreiten", mischte sich der alte Hilfssheriff ein, der sein Glas zwischen den Fingern herumdrehte und auf den Whisky blickte.

„Wegen der beiden?"

„Wenn die ein schönes Pferd sehen, setzt bei denen der Verstand vollkommen aus. Das ist wie eine Krankheit, wie Fieber, die können im Grunde nichts dafür. Die sind dann wie bescheuert.“

„Ja, das scheint mir auch so.“ Tom stellte sein Glas ab. „Aber deswegen bringe ich mich nicht um die Ruhe, die ich verdient habe. Ich bleibe, Sheriff. Ich habe mir vorgenommen, mal in einem richtigen Bett zu schlafen, und das werde ich tun.“

Der alte Hilfssheriff nippte an seinem Whisky und leckte sich über die Lippen. „Hast du für mich nichts Besseres gefunden. Tennessee?"

„Das ist der gleiche, den der Texas Ranger und Cecil auch trinken!“, schimpfte der Keeper.

„Wir würden auch was Besseres nehmen“, sagte das Mädchen. „Nicht wahr, Tom, das würden wir doch tun?“

„Wenn etwas Besseres da ist.“ Tom zuckte die Schultern. „Warum denn nicht?“

Fluchend stellte der Keeper eine andere Flasche auf den Tresen. Sie war verstaubt und trug einen Aufkleber aus Kentucky. „Aber der kostet zehn Dollar die Flasche!“

„Teufel, langst du heute wieder rein!“, rief der alte Hilfssheriff. „Wo wir dir so geholfen haben. Aber so ist das eben in der Welt. Na ja, da trinken wir eben den Fusel, was soll’s!“

Tom lächelte den alten Mann mit dem weißen langen Haar an. Dann blickte er auf den mürrischen Keeper.

„Der Sheriff kommt immer erst, wenn es so gut wie vorbei ist“, sagte Porter. „Nie früher.“

„Warum sollte ich früher kommen?“, fragte der Hilfssheriff. „Dir kann es doch egal sein, ob ein Stuhl oder eine Scheibe mehr in die Brüche gehen oder nicht. Du bekommst schon dein Geld. In der Regel viel mehr, als du zu bekommen hast.“

Tom trank sein Glas leer. „Was Ordentliches zu essen für mich, Mister Porter. Ich kippe bald aus den Stiefeln.“ Er ging zu einem Tisch in einer Ecke und setzte sich.

„Sie wollen also wirklich bleiben?“, fragte Mercer.

„Natürlich, das habe ich doch gesagt.“

„Es scheint, als hätte der Texas Ranger vor den wilden Ranchern von Vernon keine Angst“," sagte das Mädchen.

„Darum geht es doch gar nicht, Cecil!“, schimpfte der Hilfssheriff.

„Worum dann?“ Die Stirn des großen Barmädchens legte sich in steile Falten.

„Ballard und Falcon sind wilde, aber im Grunde genommen anständige Kerle.“

„Nur mit einem gewaltigen Tick für schöne Pferde.“

Das Mädchen nickte. „Das hast du schon gesagt.“

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738916300
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Januar)
Schlagworte
texas wolf mustangs

Autor

Zurück

Titel: Texas Wolf #36: Tal der wilden Mustangs