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Nächtliche Reiter

2017 120 Seiten

Leseprobe

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Nächtliche Reiter

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Western von Larry Lash

Der Umfang dieses Buchs entspricht 209  Taschenbuchseiten.

Nachtreiter nannte man die Männer, die sich unter Fred Wardens Führung gestellt hatten und sich gegen Lonergan und Corbin behaupten mussten, gegen zwei Männer, die geschäftstüchtig die turbulenten Kriegsjahre genutzt hatten, um sich ein Riesenreich auf der Weide um Rawlo zu errichten. Sie waren so mächtig, aber auch so hochmütig geworden, dass sie keine Fremden in ihrem Gebiet duldeten, und selbst den entlassenen Kriegsgefangenen der Südarmee den Durchgang durch ihr County verboten. Das änderte sich, als Fred Warden aus dem Krieg heimkehrte. Unter seiner Führung sammelte er Männer um sich, die gleich ihm durch alle Schrecknisse einer wilden Zeit gegangen waren.

Es dauerte lange, bis auch die Bürger von Rawlo begriffen, dass die Nachtreiter in Wirklichkeit für alle Unterdrückten und Betrogenen, für die Verfemten und alle jene ritten, die sich der rauen Macht Lonergans gebeugt hatten. Dann aber entschlossen sich auch diejenigen, die bereits allen Mut verloren hatten, das unwürdige Joch abzustreifen und für die gerechte Sache einzutreten und zu kämpfen.

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover nach einem Motiv von H. W. Dunton mit Steve Mayer, 2017

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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1.

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Wie aus dem Erdboden gewachsen standen die drei Männer plötzlich vor Jonny Warden. Bärtig waren sie, zerlumpt, abgerissen wie Satteltramps. In den hageren, zernarbten, vom Leben gezeichneten Gesichtern standen harte Augen. Das sah Jonny trotz der herrschenden Dunkelheit und auch, dass die schweren Colts, über deren Läufe hinweg sie ihn scharf und eingehend musterten, kein Kinderspielzeug waren, sondern richtige Waffen, aus denen in jeder Sekunde der Tod ihn anspringen konnte.

Der Mann, der ihm im Abstand von etwa zehn Yards gegenüberstand, grinste leicht zu den anderen beiden hin, die ihn rechts und links flankierten.

Dann sagte er rau und heftig: „Macht es kurz, hebt ihn aus dem Sattel!“

Sicherlich hatte ihn Jonnys Erschrecken glauben gemacht, hier nur ein leichtes Spiel zu haben, oder er sah in Jonny ein Greenhorn. Eins stand jedoch fest, Jonny spürte, wie sehr überlegen die drei abgerissenen Tramps sich fühlten. Alles an diesen Männern deutete auf Härte, Wildheit, Gewalt und Entschlossenheit hin. Am ausgeprägtesten fand er das gerade bei dem Mann, der den Befehl gegeben hatte. Seine weit auseinander stehenden, überhellen Augen schienen durch Jonny hindurchsehen zu wollen. Wer immer dieser Mann auch sein mochte, man sah trotz der Dunkelheit, dass er ebenso wie seine Partner die verdreckte, fast kaum noch zu erkennende Uniform der Südarmee trug.

Der Krieg hatte diese Männer entwurzelt, hatte sie gezeichnet, ihnen sein Brandmal aufgedrückt. Man brauchte kein besonderer Menschenkenner zu sein, um das erkennen zu können. Diese drei da gehörten zum Heer jener Verlorenen, die umherirrten, die nach der Entlassung aus der Gefangenschaft kein Zuhause mehr vorfinden würden. Es waren Männer, die man gedemütigt hatte, die Hunger und Entbehrungen ertragen gelernt hatten, Männer, die nun von sich aus einen Privatkrieg führten.

Blitzschnell begriff Jonny Warden, in welch eine böse Falle er hineingeritten war und sagte ruhig: „Ich habe nichts, was ihr brauchen könntet!“

Die drei Männer lachten rau auf. Ihr breitschultriger Anführer knurrte: „Da irrst du!“

Das war auch alles, was er sagte, und dann gab es keine Worte mehr. Es war, als strömte von den dreien zu Jonny eine eiskalte Welle hin. Er zog es vor, sich langsam, ohne Gewaltanwendung seiner Gegner, aus dem Sattel gleiten zu lassen. Gegen die Männer, wie er sie hier vor sich hatte, war ohnehin jeder Widerstand zwecklos. Hinzu kam, dass sie wie auf ein stilles Zeichen hin die Waffen gezogen, ihn somit gänzlich überrascht hatten. Was er aber tat, ging ihnen gegen den Strich.

„Wir wollten unsern Spaß mit dir haben“, sagte der Kerl rechts. „In diesem Lande, so sagte man uns, sind die Menschen besonders stolz und störrisch. Du aber scheinst nicht zu diesen zu gehören.“

„Ich sehe immer, wenn ein Spiel verloren ist“, antwortete Jonny betont ruhig und lässig, obwohl alles in ihm abwehrbereit und in wilder Erregung war. „Ich passe!“

„Schnalle ab und lass Gurt und Waffen fallen!“, wurde ihm dann befohlen.

Jonny tat es, was blieb ihm auch sonst übrig! Er fühlte, wie sehr diese drei Männer mit seinem Widerstand gerechnet hatten und nun enttäuscht waren, dass es so leicht war, ihn zu beugen. Sie beobachteten ihn, wie er langsam die Hände zur Schnalle hob, sie löste und dann Gurt und Waffen zu Boden gleiten ließ.

„He, Boss, er ist tatsächlich fügsam. Der erste vernünftige Kerl in diesem Lande“, grinste der Kerl, dem eine weiße Narbe quer über das Gesicht lief. Er trat dabei näher, nahe genug, dass er Jonny unter die Hutkrempe sehen konnte. Er tat es sehr genau, und wieder grinste er, diesmal noch stärker.

„Hm, ein junger Bursche, Boss, der sich noch nicht mal rasieren muss. Höre, Söhnchen, in deinem Alter sollte man nicht in die Nacht hinausreiten und sich lieber nicht zu weit von Muttis Schürzenzipfel entfernen. Jetzt bist du dein Pferd los! Yeah, ausgerechnet auf dein Pferd haben wir es abgesehen. Wir brauchen es, da sich eins unserer Tiere in einem Präriehundbau das Bein brach. Wir mussten es leider erschießen. Nun nehmen wir dein Pferd, ohne dass du die Aussicht hast, es jemals wiederzusehen oder auch nur einen Cent dafür zu erhalten. Du wirst ein gutes Stück zu Fuß zur Mama zurückmarschieren müssen. Das soll uns genügen. Wir haben dadurch genügend Zeit, zu verschwinden.“

„Man kann es nicht ändern, Gents.“

„Gents nennt er uns, hoho!“, meldete sich der andere bärtige Geselle. „Sicher sind wir Gents, ganz sicher, aber nur so lange, wie man hübsch brav ist und uns nichts quer in den Weg stellt!“

Er lachte dazu sein lautes, abgehacktes Lachen, das Jonny unangenehm und bitter in den Ohren gellte.

„Los denn, geh nur, aber recht langsam, Söhnchen!“

„Yeah, beeil dich nicht sehr“, unterbrach der Boss den anderen. „Vergiss, dass du drei heruntergekommene, ausgemergelte Gestalten in Uniformfetzen gesehen hast.“

„Das wird sich nicht vermeiden lassen“, erwiderte Jonny. „Aber vielleicht betrachten wir die ganze Sache so, als wenn ich euch mein Pferd für eine Weile leihe. Es hat nämlich seine Nachteile, wenn euch jemand mit dem Tier und dessen Brandzeichen der Drei-Balken-Ranch sieht!“

Wieder schauten ihn die drei voll Misstrauen an.

„Was willst du damit sagen?“, erkundigte sich rau der Anführer.

„Eben nur, dass gerade das Zeichen der Drei-Balken-Ranch in dieser Gegend weithin bekannt ist, und dass es schon zwei Männer vor euch versucht haben, das Land auf Pferden der Drei-Balken-Ranch zu verlassen. Sie kamen nicht weit. Pferde mit dem Drei-Balken-Brandzeichen sind immer von besonderer Güte, und jeder im Lande weiß, dass ihr Züchter sie nicht verkauft. Für durchziehende Soldaten aber wäre ein Pferd mit diesem Brandzeichen eine sichere Fahrkarte zur Hölle.“

„Söhnchen, wir kommen direkt aus der Hölle, aus dem Krieg und der anschließenden Gefangenschaft, und wir reiten immer noch mitten durch die Hölle hindurch“, entgegnete der Boss heiser.

„Der Krieg ist zu Ende. Es ist endlich Frieden. Jeder sollte das einsehen, jeder sollte wissen, dass von nun an die Gesetze zu respektieren sind. Viele wollen das aber noch nicht wahrhaben. Das Heer der Verlorenen wird von Tag zu Tag größer. Ihr solltet besser in eure Heimat zurückreiten.“

„Wir haben sie alle drei verloren“, klang es abgerissen und hart. „Wohin wir auch kommen, man jagt uns weiter. Überall stoßen wir auf Widerstand. Niemand gibt uns Arbeit, wünscht, dass wir bleiben. Was wir zum Leben brauchen, müssen wir uns mit Gewalt nehmen. Man meidet oder jagt uns. Niemand ist für uns zuständig. Zuerst wich man uns nur aus. Jetzt verschließt man die Türen vor uns und wartet mit angelegter Winchester, ob wir uns weiter zu nähern wagen. Yeah, so zwingt man uns, des Tags zu schlafen und nachts zu reiten. Schau uns alle drei nur richtig an, wir sind Ausgestoßene, Verlorene, ohne Heimat, ohne Ziel.“

„Ihr könnt das ändern!“, unterbrach ihn Jonny.

„Ändern?“, ächzte der Narbige rau. „Söhnchen, es lohnt nicht, mit dir zu debattieren. Vergiss, dass du mit uns zusammengetroffen bist. Finde irgendeine Ausrede für den Verlust deines Pferdes. Das ist alles, was ich dir raten kann, und jetzt marschiere endlich los!“

Die drei hatten ihre Colts verschwinden lassen. Der Boss winkte ihm, zu gehen, doch Jonny zögerte noch.

„Wenn euch aber nun jemand eine Chance geben wollte, würdet ihr sie ergreifen?“, forschte er.

Die Wirkung war, dass sie alle drei in ein lautes und böses Gelächter ausbrachen.

„Pah, was sollte es für uns schon für eine Chance geben?“, erkundigte sich verbissen der Boss. „Niemand stellt nächtliche Reiter ein. Im Gegenteil, man hasst sie und jagt sie weiter. Man will sie aus dem Lande haben. Kein Sheriff, kein Marshal duldet uns länger als einige Stunden in seiner Stadt!“

„Es ist zu viel Böses geschehen“, unterbrach Jonny. „Zu viele sind durch den Krieg und die demütigende Gefangenschaft auf die schiefe Bahn gekommen und machen das Land unsicher. Die Sheriffs aber sind verpflichtet, dafür zu sorgen, dass der Friede im Lande bestehen bleibt und dass die entlassenen Soldaten heim reiten. Nicht nur für euch Männer aus dem Süden ist es hart, sondern ebenso für die Soldaten des Nordens. Auch bei ihnen werden viele nach ihrer Entlassung aus der Armee nichts mehr vorfinden und von vorn anfangen müssen. Es gibt auch hier bei uns verkohlte Trümmer von einst blühenden Farmen und Ranches.“

„Sag mal, woher weißt du das so genau, he?“

„Von meinem Bruder“, klang es leise, als spräche Jonny nur für sich selbst. „Er wurde entlassen aus der Nordarmee und kam zurück.“

„Um für den Mann zu reiten, der das mächtigste Brandzeichen des Landes führt, die Drei-Balken, he?“

„Nein!“, stieß Jonny durch die Zähne. „Mein Bruder reitet nicht mehr für die Drei-Balken, und ich auch nicht mehr. Ich habe meinen Dienst dort auf gegeben.“

„Und hast deinen Lohn bei dir?“, wollte der Narbige sogleich wissen.

Jonny nickte.

„Zwanzig Dollar“, sagte er ruhig. Er hätte jetzt lügen können, aber er tat es nicht. Er sah, wie die Gier in den Augen der Männer aufflammte und wieder erlosch. Er hörte das schwere Atmen des Mannes, der rechts von ihm stand.

„Zwanzig Dollar ist eine Menge Geld für uns, das wirst du begreifen!“

„Aber für zwanzig Dollar würde ich nicht zum Räuber werden und auch nicht für ein Pferd, das das Drei-Balken-Brandzeichen trägt. Ihr müsst schon sehr heruntergekommen sein.“

„Yeah, sehr!“, lachte der Boss zynisch auf, „so sehr, dass wir seit gut vier Tagen schon nichts Rechtes mehr zu essen bekommen haben. Zwanzig Dollar aber bedeuten einige gute Mahlzeiten, etwas Tabak, einige Whiskys und Ergänzung unserer Munition.“

„Dazu müsstet ihr erst einen Store finden, also in die Stadt reiten“, sagte Jonny ruhig. „Dort würde man euch aber wegen des Pferdes recht unangenehme Fragen stellen, denn ihr müsst noch wissen, ich nahm das Tier ohne den Willen des Eigentümers.“

Die drei sahen sich betroffen an. Der Boss lachte nicht mehr. Er legte Jonny Warden schwer die Hand auf die Schulter.

„So jung du bist, so gerissen bist du auch wohl. Du willst doch nicht etwa sagen, dass du den löwenfarbenen Wallach von der Drei-Balken-Ranch gestohlen hast?“

„Ausgeliehen“, grinste Jonny, der mehr und mehr seine Scheu vor den drei bärtigen Raureitern verlor. „Es stand mir doch zu. Lange genug bin ich für den Rancher geritten. Ich war noch ein halbes Kind, als man mich Anfang des Krieges in die Crew nahm. Im Kriege herrschte Mangel an Cowboys. Darum stellte man mich ein, und ich musste oft genug recht schwere Arbeit verrichten.“

„Und was sagte dein Bruder dazu?“

„Fred? – Oh, er ahnte nichts von all dem. Er war ja im Kriege und glaubte mich gut versorgt. Aber nur eine Woche, nachdem er fort war, brannte unsere kleine Ranch nieder, und Rustlers trieben unsere Herde ab, wobei sie die beiden alten Cowboys, in deren Obhut Fred mich ja glaubte, im Kampf erschossen.“

„Und jetzt erst, nachdem er zurückkehrte, hat dein Bruder davon erfahren?“

„Ja, erst jetzt“, sagte Jonny abgerissen. „Und er glaubt nicht, dass es Rustlers waren, die unser Heim zerstörten, die Herde nahmen und die beiden Oldtimer von der Welt fegten. Nein, Fred glaubt diesen Song nicht, den man überall in Umlauf setzte. Erst gestern kam er zurück, und ich erkannte ihn kaum noch. Er war genauso heruntergekommen und abgerissen wie ihr. Als er auf der Drei-Balken-Ranch auftauchte, gab es einen ziemlichen Wirbel. Er lehnte das Angebot des Ranchers, wieder für ihn zu reiten, glatt ab und erzählte mir im Beisein des Ranchers und einigen Männern, dass er geradewegs von zwei Gräbern komme und sich eine Menge zerborstener und verkohlter Balken angesehen hätte, yeah, dass er bereits seit gut einer Woche im Lande sei und viel umher geritten wäre, wobei man ihm allerlei erzählt hätte. Als ihn dann der Rancher fragte, warum er denn nicht gleich zur Drei-Balken-Ranch gekommen sei, sagte Fred nur, das sei nicht gut gegangen, denn er hätte etwas gesucht und auch gefunden. Der Rancher wollte natürlich wissen, was es denn sei, worauf ihm Fred antwortete, er hätte die alten Spuren gefunden. Ich sah deutlich, wie der Rancher erbleichte. Fred aber tat, als bemerkte er es nicht. Kündige, nimm deinen Lohn und komm zu unserer Ranch, war alles, was er mir dann noch befahl. Als er gegangen war, fiel mir des Ranchers, Dave Corbin, verändertes Wesen auf. Er sagte zu mir: Tut mir leid um deinen Bruder, Jonny. Etwas ist ihm quer über die Leber gelaufen. Zum Teufel, warum hast du ihm auch nie geschrieben, was mit eurer Ranch geschehen ist? Ich konnte ihm darauf nur antworten, dass ich es ja dreimal getan hätte, ohne eine Antwort zu bekommen. Dann fiel mir noch ein, dass ich alle die Briefe meinem damaligen Boss, Dave Corbin selbst, zur Weiterbeförderung übergeben hatte. Ich machte ihn darauf aufmerksam, aber er bestritt, jemals einen Brief von mir erhalten zu haben. Als ich festblieb und kündigte, sagte er: Höre, Jonny, überlege es dir gut, warum willst du zu den Trümmern eurer Ranch reiten? Gib nicht leichtsinnig deinen guten Job auf. Zur Zeit gibt es Cowboys mehr als genug. Sei nicht dumm! Weder du noch dein Bruder wird in Kürze noch etwas zum Beißen haben. Mit leeren Händen kann man keine Ranch aufbauen. Die Warden-Ranch ist tot. Aber ich bin davon überzeugt, dass es möglich ist, und wenn es einer schafft, dann ist es Fred. Das sagte ich noch dem Rancher.“

„Wir verstehen, Sonny“, grinste der Mann mit der Narbe. „Dieser Corbin ist der große Boss, und hinter ihm steht gewiss ein raues Rudel, nicht? Er gibt die Befehle. Er ist wohl ein Mann, der einen langen Schatten wirft, und alle beugen sich vor ihm. Im Krieg ist dieser Mann sicher erst recht groß geworden?“

„Genau!“, stieß Jonny trocken hervor. „Sein Einfluss ist so groß und weit, dass er bis in die verstecktesten Winkel reicht. Man sagt, dass er während des Krieges gute Geschäfte gemacht hat. Nun, ich war nur ein junger und einfacher Cowboy und nichts weiter. Ich ritt nur hinter seinen Rindern drein, sah aber dennoch, dass er sich Zug um Zug die Weide eroberte. Nur unsere Weidegebiete konnte er seinem Riesenreich nicht einverleiben. Ich bin noch zu jung, um an ihn verkaufen zu können. Und Fred war nicht da. Zwar grasten die Drei-Balken-Rinder auf unserer Weide und tun es auch heute noch, aber das Land ist eingetragen und gehört uns Brüdern. Und dieses Land liegt wie ein Keil in Corbins Rinder-Reich. Die Warden-Weide konnte er nicht kaufen. Die anderen aber, die er haben wollte, waren für ihn leicht zu bekommen. Es gab wenig Widerstand, denn die Nachbarn waren alte Leute, deren Söhne und beste Reiter im Kriege waren. Yeah, Dave Corbin schuf sich ein Riesenrinderreich und hat es durch eine harte und raue Mannschaft schützen lassen. Er duldet nur Leute um sich, die sich vor ihm beugen.“

„Dein Bruder aber, und auch du, ihr denkt wohl nicht daran?“

„Wenn Corbin feststellt, dass sein bestes Reittier fehlt, wird er es ganz genau wissen“, grinste Jonny.

„Heilige Mavericks, so wolltest du wohl, dass man dich als den Pferdedieb ansehen sollte, obgleich wir dir das Tier nehmen wollten?“

„Stimmt!“, erwiderte Jonny. „Ich möchte nicht, dass man euch dafür in eine Grube legt.“

„Du unterschätzt uns“, sagte der Boss scharf. „Von dir Milchbart lassen wir uns nicht beschämen. Dein Angebot ist zwar reichlich starker Tabak, aber wir stimmen zu. Behalte den Wallach. Wir kommen mit dir!“

„Mit anderen Worten, ihr betrachtet euch als angeworben?“

„Dein Bruder hat nun drei Reiter“, bestätigte der Boss.

„Wenn das so ist, zahle ich gleich das Handgeld“, sagte Jonny und zog die zwanzig Dollar hervor. Er gab jedem fünf und behielt selbst nicht mehr.

Die drei schienen wie umgewandelt. Der Mann mit der Narbe sagte dumpf, wobei er die Dollars in seiner Hand betrachtete: „Wenn ich es recht sehe, habe ich soeben Handgeld bekommen für ein gewagtes Unternehmen. Der Krieg geht für uns also weiter. Das, Freunde, erleichtert mein Gemüt.“

„Wir werden keine Banditen, sondern wieder Kämpfer für eine gerechte Sache. Wer hätte das gedacht“, sagte der andere mit einem Lachen, das ihm jäh in der Kehle steckenblieb. „Ausgerechnet in Dave Corbins Paradies, das manchem von uns schon das Ende brachte. Ausgerechnet hier findet sich ein Mann, der Corbin die Stirn bieten will. Es geschehen wahrhaftig noch Wunder auf dieser

Welt. Wir glaubten, am Ende zu sein, und haben einen neuen Anfang gefunden. Im Augenblick kümmert es mich wenig, ob Revolverlohn gezahlt wird oder nicht. Wenn es nur bald ein gutes Essen gibt.“

„Corbin wird bald wissen, dass drei neue Reiter für die Warden-Ranch reiten.“

„Soll er“, grinste der Boss. „Im Grunde genommen ist dein Bruder genauso ein nächtlicher und verlorener Reiter wie wir. Warum sollen wir uns also nicht zu einem Verein zusammenschließen?“

„Yeah, der Verein der Verlorenen“, grinste Jonny, dem es jetzt richtig warm ums Herz wurde, sah er doch, dass diese drei Männer, die ihm vor Minuten noch so drohend und feindlich gegenüber gestanden hatten, in Wirklichkeit nichts anderes waren als die Männer, die überall auf der Weide zu finden waren. Nur einen Unterschied gab es, dass diese hier von der Verzweiflung und der Bitternis gehetzt und getrieben wurden, dass die Verzweiflung der Heimatlosen schier über ihnen zusammengeschlagen war. Diese drei griffen nach der dünnen Chance, und es war ihnen gleichgültig, dass es eine Chance eins zu hundert war. Sie hatten begriffen, dass nur wenigen der Verlorenen eine solche Gelegenheit geboten wurde. Dass sie annahmen, bewies deutlich, wie sehr es ihnen zuwider war, noch tiefer abzugleiten, in die Tiefe zu sinken, aus der es kein Entrinnen in ein ordentliches Leben mehr geben würde. Verein der Verlorenen, hatte Jonny gesagt. Sie nahmen es dem Jungen ab, ohne ihm gram zu sein, und das zeigte mehr als alle Worte, wie sehr sie sich mit ihm schon verbunden fühlten. Vielleicht schämten sie sich bereits, dass sie ihn regelrecht überfallen und ausrauben wollten.

Aber Jonny brachte wegen der üblen Lage, in der sie steckten, für sie Verständnis auf. Sie hatten die Schrecken eines Bruderkrieges hinter sich und kamen aus einer Gefangenschaft, die zermürbend und aufreibend gewesen war. Alle drei stammten sie aus dem Süden, aus Gebieten also, wo der Krieg wie eine vernichtende Walze gewütet und ihnen Heimat und Zukunft zerschlagen hatte.

Jonny erfuhr wenig später mehr von dem trüben Schicksal seiner neuen Partner, als sich der Boss hinter ihm in den Sattel geschwungen und die beiden anderen ihre Gäule aus dem Versteck geholt hatten und sie weiter in die Nacht hineinritten.

Es war viel Bitteres, was er zu hören bekam, wie es nur durch den Krieg, durch das Gespenst eines männermordenden Kampfes in Szene gesetzt werden konnte. Der Mann, den sie Boss nannten, hieß Reg Scott. Er berichtete, dass seine Familie bei Appomatox durch feindlichen Beschuss ums Leben gekommen war. Jos Darry, der Mann mit der bleichen Narbe, hatte die Nachricht, dass sein Vater von der Ranch vertrieben worden war, ein Jahr vor Kriegsschluss erhalten. Vergeblich hatte er sich bemüht, wieder eine Verbindung zu schaffen. Die Verbindung war eben unterbrochen, und es wurde ihm klar, dass er keine Heimat mehr hatte. Nur Bill Ringo, der dritte, hatte nichts, dem er nachtrauern musste. Er war bereits völlig allein, als er den Waffenrock der Südarmee anzog. Seine Frau hatte ihn vor dem Kriege verlassen. Er war zur Armee gegangen, weil er den Krieg als eine willkommene Abwechslung in seinem grauen Leben betrachtete. Doch auch er hatte wie viele andere schnell herausgefunden, dass dieser Krieg alles andere als ein unterhaltsames Spiel für abenteuerliche Burschen war. Bald verflogen auch die letzten Illusionen, und nur die nackte Wahrheit blieb, eine erschreckende Wahrheit, die jeder, der sie kennengelernt hatte, als eine bittere Erkenntnis mit sich herumschleppen würde.

Alle besaßen sie nichts weiter als das, was sie außer den Uniformen noch mit sich trugen. Neben ihren Colts war das nicht viel. Hinzu kamen noch die beiden klapprigen Pferde. Alle Männer waren ausgehungert, hohlwangig, hatten viele Meilen zurückgelegt und mit jeder Meile mehr feststellen müssen, dass man sie nirgends mochte. Andere entlassene Gefangene waren vor ihnen durchs Land gezogen und hatten hier übel gehaust. Nun aber scherte man alle über einen Kamm. Jeder, der einen Fetzen der Südstaatenuniform trug, wurde wie ein Ausgestoßener behandelt und abgewiesen.

Kein Wunder, dass die aufsässigen Männer Postkutschen überfielen, Banken ausraubten, dass sich mit jedem Tag mehr schlimme Dinge abspielten und es immer offenkundiger wurde, dass die heimkehrenden Soldaten zu einer Landplage wurden. Die Folge davon war, dass Aufgebote durch die Gegend ritten, die jede einsam reitende Männergruppe scharf anfasste. Jeder, der eine Uniform trug, wurde wie ein Desperado angesehen. Es waren wahrhaftig recht schlimme Zeiten.

In Dave Corbins Riesenrinderreich war es aber für einen Angehörigen der verlorenen Armee geradezu lebensgefährlich zu reiten. Dieses hatte sich inzwischen im Lande herumgesprochen, und jeder der entlassenen Gefangenen wusste es.

Nur schubweise wurden die Gefangenenlager frei. Die meisten Entlassenen machten einen großen Bogen um Corbins Weide-Reich. Scott, Darry und Ringo hatten aber keinen Umweg gemacht. In allen dreien war ein wilder Trotz lebendig. Sie waren aus dem Holz geschnitzt, aus dem man Texasjungen formte. Für sie schien es ein prächtiger Spaß zu sein, für einen Mann zu reiten, der es wagte, Dave Corbin entgegenzutreten. Man sah es ihnen an, dass der junge Jonny Warden in ihren Augen an Achtung gewonnen hatte, und dass sie seinen Stolz verstanden. Dass sie ihn angehalten hatten, um ihm das Pferd zu nehmen, war bereits vergessen.

„Dein Bruder, Jonny“, sagte Scott später, als sie die erste kurze Rast einlegten, „scheint mir ein Mann zu sein, der versucht, gegen eine Wand anzurennen.“

„Stimmt, darin unterscheidet er sich kaum von euch. Vielleicht ist das sein Fehler. Corbin hätte ihn nicht gemocht.“

„Mit anderen Worten, dein Bruder hätte es nicht so offen ankündigen sollen bei Corbin?“, schnappte Reg Scott, wobei er weit ins Land sah.

Jonny zuckte die Schultern.

„Fairness gilt nichts bei Corbin“, entgegnete er heiser. „Ich bin lange genug für ihn geritten. Sicherlich hätte ich sonst nie sein Lieblingspferd aus dem Corral geholt, wenn Corbin immer fair gehandelt hätte. Nein, diesen üblen Streich hätte ich ihm sonst nicht gespielt.“

„Es wird immer aufregender“, mischte sich nun auch Bill Ringo ins Gespräch. „Nach deiner Darstellung sieht es so aus, als hätte Corbin eine Witterung erhalten?“

„Ganz gewiss, und zwar eine, die ihm scharf in die Nase brennt“, lachte Jos Darry dunkel vor sich hin. „Wenn mich nicht alles täuscht, wird es noch eine Menge Kummer und Verdruss geben. Auch du, mein Junge, hast verteufelt selbständig gehandelt und alles getan, um deinen früheren Boss mächtig zu verärgern!“

„Ich hatte es nicht schlecht bei Corbin“, gestand Jonny.

„Du hieltest vor allem die Augen geschlossen. Du wolltest nichts sehen. Erst als dein Bruder aus dem Kriege kam, machtest du die Augen auf, und was du zu sehen bekamst, erschreckte dich.“

„So ungefähr ist es“, bestätigte Jonny rau. „Reiten wir weiter. Um Mitternacht können wir dort sein, wo die traurigen Überreste der Warden-Ranch stehen. Mein Bruder wird euch willkommen heißen.“

„Das wäre das erste Willkommen nach Jahren“, lächelte Reg Scott verkrampft, wobei er sich mit glänzenden Augen über den Bart strich. „Corbins Weidereich gefällt mir. Selbst bei Nacht gefällt es mir immer besser, und je länger ich hinschaue, um so besser finde ich dieses Land. Es war doch gut, dass wir keinen Bogen geschlagen haben.“

„Das, Boss, wird sich noch herausstellen!“

„Nenne mich nicht mehr Boss, wies Scott Bill Ringo ab. „Von nun an wird der Boss Fred Warden heißen.“

„Wenn er so gut ist wie du, Reg, nehme ich seine Befehle gern an.“

„Er ist besser, Reg! Bevor der Krieg ausbrach, ritt er als Vormann auf Dave Corbins Ranch und half ihm, seine Riesenweide aufzubauen. Damals waren sie noch Freunde gewesen. Aber eines Tages war es aus damit.“

„Und du ahnungsloser Engel weißt nicht, warum?“

„Doch!“

„So? – Dann heraus mit der Sprache! Was trennte die beiden Freunde?“

„Eine Frau“, erwiderte Jonny Warden, wobei er tief den Atem einzog. „Yeah, es war eine atemberaubend schöne Frau.“

„Seltsam, immer steckt eine Frau dahinter“, knurrte Bill Ringo vor sich hin. „Meine ging mit dem besten Freund auf und davon. Aber es hat mir nicht geschadet. Doch es ärgert mich trotzdem, dass es immer wieder die Frauen sind, die die schönsten Freundschaften zwischen Männern zerschlagen. Man kommt aber auch eines Tages darüber hinweg. Das Leben geht immer irgendwie weiter.“

„Sie war so schön“, fuhr Jonny fort, „dass sich ihretwegen einige Männer mit heißen Kugeln aus der Welt fegten und andere mit den Fäusten aufeinander losgingen. Doch sie war nicht nur schön, sie war auch anmutig, und so komisch es klingen mag, sie konnte auch fest zupacken, wenn es mal nötig war, und kochen und alles das, was eine rechte Frau in diesem Lande können sollte.“

„Eines Tages aber fand sie heraus, dass Corbin ihr eine bessere Zukunft bieten könnte als dein Bruder, nicht?“

„Das Verrückte daran ist, dass sie meinen Bruder vorzog.“

„Deinen Bruder? Damned, du störst meine besten Gedanken!“, ereiferte sich Reg Scott. „Corbins Eifersucht wurde also so stark, dass er deinen Bruder entließ?“

„Nein, Fred war es, der ging.“

„Um so besser“, sagte Reg. „Er ist also sehr stolz?“

„Er ging in den Krieg und ließ sie zurück. Und jetzt ist sie Dave Corbins Frau“, antwortete Jonny in einem Ton, als spräche er zu sich selbst. „Sie aber hat nicht vergessen, dass er sich ohne eine Erklärung von ihr löste.“

„Als Corbins Frau hat es sie nicht mehr zu interessieren“, erwiderte Scott kalt. „Das alte Lied. Sie konnte nicht warten und kam nicht schnell genug in die Arme eines anderen Mannes. Dein Bruder hat wahrhaftig nichts verloren. Übrigens, wie willst du denn wissen, dass sie sich noch für deinen Bruder Fred interessiert?“

„Sie gab mir einen Brief an meinen Bruder mit“, sagte Jonny leise und blickte in die Runde. Ihm war es, als wäre er mit den drei bärtigen, hohlwangigen Männern schon seit Jahren Bügel an Bügel geritten, so vertraut waren sie ihm.

Bill Ringo pfiff leise durch die Zähne. Reg Scott zupfte einen Grashalm aus und kaute nachdenklich darauf herum. Jos Darry nickte nur und stieß dann durch die Zähne:

„Das erschwert natürlich die Sache. Es wird immer spannender. Schon lange habe ich mich nicht mehr so wohl gefühlt wie jetzt. Reiten wir weiter. Schlimmer, als es für uns war, kann es nicht mehr werden.“

Er pfiff ein Rebellenlied vor sich hin, stand auf und ging zu den Pferden, die weiter im Hintergrund bei einer Baumgruppe standen. Auch Ringo erhob sich, reckte die müden Glieder, trat dann auf den Hügelkamm hinauf und schaute in die weit ausgebreitete Ebene. Der Wind stöhnte im Gehölz. Schneegeruch lag in der Luft. Von den Ästen tropfte es feucht herab. Es war kalt. Schon seit Wochen war es unangenehm kalt, und der Wind hatte die Laubbäume entblättert, so dass sie kahl standen und mit ihren bloßen Ästen gespenstisch in den grau verhangenen Himmel wiesen. Der Winter stand vor der Tür. Man spürte schon seinen Atem. Es roch nach Eis und Schnee. Irgendwo unten im weiten Tal blökte ein Rind. Unbestimmbare Geräusche kamen aus dem Wald.

„Helen Corbin hat Fred eigentlich nie vergessen können“, sagte Jonny aus seinen Gedanken heraus. „Vielleicht heiratete sie nur den Rancher, weil er ihr keine Ruhe ließ, oder sie nahm ihn aus Trotz gegenüber Fred.“

„Frauen sind unberechenbar“, erwiderte Reg Scott. „Jetzt aber lass die Katze aus dem Sack! Dein Bruder will also gegen Corbin angehen?“

„Yeah, ich fühlte es deutlich, als die beiden sich gegenüberstanden. Die Anwesenheit von Helen und mir mochte wohl bestimmend dafür gewesen sein, dass die beiden es nicht gleich auf der Stelle austrugen. Etwas war in Freds Augen, das deutlich genug sagte, wie Fred von Corbin dachte. Corbin wird sich in Acht nehmen müssen, wenn er es war, der unsere Ranch niederbrannte, wenn auf seinen Befehl hin die beiden Oldtimer auf unserer Ranch sterben mussten. Yeah, ich bin sicher, dass er Corbin nicht wegen Helen hasst, wenn es auch für ihn schwer genug gewesen sein mag, sie bei seiner Heimkehr als die Frau von Corbin vorzufinden.“

„Also handelt es sich um die Ranch! Fred will die alten Spuren finden?“

„Wie ich ihn kenne, wird er sie finden.“

„Dann müsste er schon die Spürnase eines Fährtenhundes oder die unerhörten Fähigkeiten eines Apachenspähers haben!“

„Ihr werdet es bald herausfinden“, dehnte Jonny, dem es kalt geworden war. „Im Übrigen gleicht Fred auch äußerlich einem Apachen.“

„Nicht sehr verlockend“, meldete sich Jos Darry, ohne sich umzuwenden. „Wir Texaner haben immer etwas gegen diese Indianer gehabt, und sie gegen uns. Du hättest dir wahrhaftig einen besseren Vergleich einfallen lassen können, Sonnyboy!“

Er brach ab, duckte sich und wirbelte im nächsten Moment herum.

„He, Sonnyboy“, sagte er leiser zu Jonny gewandt. „Reiter kommen aus der Richtung der Drei-Balken-Ranch. Kannst du dir einen Vers darauf machen?“

„Sicher, sie suchen den Löwenfarbenen von Corbin“, grinste er. „Du kannst dir jetzt ausrechnen, was wohl geschehen wäre, wenn sie euch mit diesem Wallach angetroffen hätten. Auf Pferdediebstahl steht in diesem Lande die Todesstrafe. Mit einem Pferdedieb macht man kurzen Prozess!“

„Nun, dann bereiten wir uns lieber auf eine freundliche Begegnung vor“, erwiderte Jos grimmig, wobei er den überlangen Lauf seines Revolvers streichelte. „Sie reiten genau auf unserer Fährte. Das mag bedeuten, dass sie bald hier auftauchen werden. Für uns hätte es keinen Zweck, noch fliehen zu wollen. Unsere Pferde sind vollkommen fertig. Die brauchen erst ein paar Tage Schonung.“

„Was denn, wer denkt hier denn ans Fliehen?“, dehnte Scott. „Jos, du hast tatsächlich das beste Gehör von uns allen, oder hört ihr etwa schon verdächtige Geräusche, Bill, oder du, Jonny?“

Bill Ringo, der lässig bei den Pferden stand, lachte dunkel vor sich hin.

„Nein, aber lass sie nur kommen! Wir haben keinen Tabak mehr, und einer der Burschen wird hoffentlich wohl etwas Tabak mit sich herumschleppen.“

„Oder vielleicht Kautabak!“, fuhr Jos dazwischen.

„Sicherlich tragen sie aber alle schnelle Eisen in den Halftern“, sagte Jonny warnend, „und das, meine ich, dürfte uns alle ganz besonders angehen.“

„Nicht doch, Junge“, widersprach Scott. „Mit Waffen kann man uns nicht mehr erschrecken, selbst wenn sie eine Kanone mit sich schleppen würden. Uns interessiert im Augenblick nur ihr Tabak und vielleicht noch dieses oder jenes Pferd von den Burschen. He, Jos und Bill, ihr wisst, was ihr zu tun habt!“

„Alles klar, Boss!“

„Wenn sie uns den Löwenfarbenen nehmen, müssen zwei von uns zu Fuß weitertrailen. Verlangt jemand nach wundgelaufenen Füßen mit Blasen und zerrissenen Stiefeln?“

„Wir danken bestens!“

„Dann los, Gents!“

„Wir wollen sie freundlich empfangen, und darum, Jonny, verschwinde du so lange hinter den Pferden im Gebüsch!“

Da Jonny noch zögerte, der Hufschlag einer kleinen Kavalkade jetzt bereits jedem von ihnen deutlich hörbar wurde, sagte Jos Darry, der sich schon in Bewegung setzte: „Tu, was er sagt, Milchgesicht. Verstecke dich, meinetwegen so lange, bis du einen Vollbart bekommen hast, aber befolge Regs Anordnungen. Du wirst sehen, er hat eine ganz besondere Gabe, im richtigen Moment immer das Richtige zu tun!“

„Ihr kennt nicht die Drei-Balken-Mannschaft ...“

„Das macht gar nichts, Sonnyboy! Wir werden sie ja jetzt kennenlernen“, mischte sich Bill Ringo ein, der sich seitwärts von den Pferden aufgestellt hatte. „Du wirst es nicht glauben. Aber neue Gesichter sehe ich für mein Leben gern, vor allem, wenn sie nachher lang und länger werden!“

Dass Ringos so lässig hingesprochene Worte sich tatsächlich erfüllen möchten, war etwas, was Jonny Warden sehnlichst wünschte. Drei harte Kämpfer, die ein Schicksalswind zusammen vor sich hergetrieben hatte, aber nicht beugen konnte, sollte Jonny wenig später in Aktion sehen. Er verfolgte aus seiner Deckung, in die er nach Anweisung Reg Scotts gelaufen war, das Kommende.

Bisher hatte er geglaubt, dass außer seinem Bruder Fred sich wohl niemand den Raureitern der Drei-Balken-Ranch entgegenstellen würde. Reg Scott und seine beiden Männer schienen es aber nur als ein unterhaltsames Katz-und-Maus-Spiel zu betrachten. Keiner von ihnen hatte auch nur einen Augenblick lang einen ernsten Fluchtgedanken gehabt.

Während Reg Scott betont ruhig dort stehenblieb, wo man ihn gut sehen konnte, zogen sich

seine Partner schnell zurück, so dass sie von dem rasch näher kommenden Reitertrupp von fünf Männern nicht mehr gesehen werden konnten.

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2.

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Im letzten Augenblick erst sahen die ankommenden Reiter die am Hügelkamm abgestellten klapperdürren Pferde der entlassenen Soldaten. In der Tat hatte die Nordarmee aus Kriegsbeständen den Heimkehrern nur Schindmähren überlassen, die sich selbst kaum auf den Hufen halten konnten. Zwischen diesen uralten Veteranen aber stand hoch aufgerichtet der löwenfarbene Wallach von Corbin, während seine traurigen Artgenossen knickbeinig mit struppigem Fell und eingefallenen Flanken vor sich hin dösten.

„Dort steht ja Rebell!“, schnappte einer der Reiter, und ein anderer sagte: „Damned, das kann jeder sehen, und ich glaube, dieser Kerl dort wird uns sagen können, wie der Wallach hierherkommt.“

Im Nu hatten sie Reg umringen wollen, doch der zog den Colt. Ja, er zauberte ihn heraus und war schon zur Seite gesprungen. Der lange Lauf seines Colts schwang von einem zum andern Reiter, und diesen Reitern sah man an, dass sie sich von Regs abwartend ruhiger Haltung hatten täuschen lassen.

Der riesige Anführer der kleinen Kavalkade, der auf einem besonders kräftig gebauten Pferd hockte, hob erstaunt seine buschigen Augenbrauen. Seine kleinen, tief in den Höhlen liegenden Augen betrachteten Reg scheinbar belustigt.

„Mit dem Ding da schüchterst du niemand von uns ein, Stranger“, sagte er leichthin, als übersehe er die drohend gegen ihn gerichtete Mündung. „He, du weißt genau, wie ich das meine, hoffe ich!“

„Versucht es lieber nicht! Zwei von euch nehme ich mit“, gab Reg lässig zu verstehen.

„Auch das ist zweifelhaft, Fremder“, knurrte der Anführer, ohne Reg auch nur einen Augenblick aus den Augen zu lassen. „Es gibt eine Menge Leute, die schnell ziehen können. Jeder von uns ist so ein Mann. Du wärest tot, ehe du es herausgefunden hättest. Also sei vernünftig und sage deinem Freund, dass er hervorkommen soll!“

„Er hat einen von euch ebenfalls im Visier“, entgegnete Reg. „Die Chancen stehen also fünfzig zu fünfzig. Fangen wir an!“

„Damned, der hat es aber eilig, in die Hölle zu kommen!“, knurrte jemand böse aus dem Haufen. „Wieder so ein Sattelstrolch in unserem County. Dabei weiß doch ein jeder, dass das Gebiet für Langreiter und Sattelpiraten gesperrt ist. Er hat Recht, wozu lange verhandeln, fangen wir an!“

Die Reiter waren auseinandergerückt. Sie nahmen an, dass nur ein weiterer Mann versteckt in der Nähe lauern konnte, und versuchten so, diesen Helfer herauszulocken. Aber das war umsonst.

Auf Reg Scotts breitflächigem Gesicht vertiefte sich das Grinsen, als er die fahrige Unruhe bei den Reitern bemerkte. Der riesige Anführer der Kerle rutschte nervös im Sattel hin und her. Je stärker diese Unruhe wurde, um so mehr fühlte sich Reg dem rauen Rudel überlegen.

By Gosh, von denen hatte niemals einer in einem Feuergefecht gelegen, keiner den Krieg erlebt. Nein, diese Art Gentlemen eigneten sich nicht zum Soldaten. Es war Unkraut, das übel wucherte, wenn es nicht bekämpft wurde. Es ekelte Reg so sehr an, dass er zur Seite spie und jeden der Gegner einzeln scharf ansah. Nach dieser schnellen, aber eindringlichen Musterung wusste er, dass der Vormann der Gruppe aufgeschnitten hatte, denn nur der riesige Kerl selbst war ein Revolvermann von einer gefährlichen Art. Die andern aber waren nur Saloncowboys und hartgesottene Burschen, die sich nur im Rudel wohl und stark fühlten. Im Augenblick aber fühlten sie sich nicht sehr wohl. Auch der Riese schien das zu spüren. Jeder seiner Reiter musste glauben, dass er es war, den der versteckte Schütze auf dem Korn hatte.

„Wir suchen einen Pferdedieb“, sagte daher der Riese einlenkend.

„Und was habe ich damit zu tun?“, fragte Reg prompt. „Weder mein Partner noch ich selbst haben ein Pferd von einer fremden Weide geholt.“

„Und der Löwenfarbene dort ist euch wohl zugelaufen?“

„Wenn du es genau wissen willst, ja! Das liebe Tier hatte wohl kein richtiges Zuhause mehr und wollte sicherlich gute Gesellschaft haben.“

„Unterlass solche Scherze! Wir wissen, wer der Dieb ist. Wo habt ihr ihn aus dem Sattel geholt?“

„Den Pferdedieb?“, grinste Reg. „Sieh an, wie man sich doch in einem Menschen täuschen kann! In der Tat saß auf dem Wallach ein netter junger Mann, der es furchtbar eilig hatte, uns das Pferd zu verkaufen.“

Die Geduld des Riesen war zu Ende. Er gab seinen Leuten einen kleinen Wink. Reg begriff sofort. Der Riese wollte sich mit seiner Meute zurückziehen. Jedes weitere Gespräch war ihm verdorben worden. Aber einmal aus dem Feuerbereich heraus, würde diese Kavalkade mit rauchenden Revolvern zurückkommen. Dann aber würde es verteufelt heiß hergehen. Reg schien es zu ahnen und sagte fast feierlich sanft: „Bleibt, Gents! Keiner reitet davon!“

Der Riese fuhr zusammen. Heftig fauchte er zurück: „Zum Teufel, was soll das?“

„Dass ich eben nicht glaube, dass ihr ohne den schönen Wallach davonpilgern werdet. Ich stelle fest, dass das Tier das gleiche Brandzeichen auf der Flanke trägt wie eure Pferde.“

„Wir holen ihn uns noch!“

„Dann versucht es doch jetzt!“

„Damned, für wie groß hältst du dich eigentlich, he? Wie lange glaubst du uns noch so anbellen zu können?“

„Solange es mir passt und meine Zeit ausreicht.“

„Und wie soll es weitergehen?“

„Herunter von den Gäulen!“

Reg Scotts Stimme, die bisher zwar gefährlich, aber doch sanft geklungen hatte, war jetzt metallisch hart, wie früher auf dem Exerzierplatz, als er noch als Sergeant Kavalleristen gedrillt und auf den Krieg vorbereitet hatte. Allen diesen Kerlen war aber so ein Kommandoton fremd und sichtlich unangenehm. Sie duckten sich wie Wölfe, die man in die Enge getrieben hatte und die sich zum Ausbruch vorbereiteten. Regs Befehl war in ihren Augen eine Unverschämtheit. Ein Fremder, einer aus der Kolonne der nächtlichen Reiter, erdreistete sich, ihnen Befehle zu erteilen? Das war etwas, was ihnen wie ein Knäuel im Halse steckenblieb.

„Herunter von den Pferden, sagte ich. Ich wiederhole es nicht noch einmal. Steigt ab, Gents, aber ganz hübsch langsam und brav. Versuche keiner, nach seinem Colt zu greifen!“

„Er scheint von einer tollwütigen Schlange gebissen worden zu sein“, brummte jemand übellaunig. „Der spielt sich bestimmt nur so groß auf!“

Obwohl diese Worte wie eine Aufforderung an die andern wirkten, vermochten sie jedoch nicht, den Bann zu brechen. Niemand wagte etwas. Sie kletterten langsam von den Pferden, und der Riese sagte widerwillig anerkennend: „Du hast also meinen Trick durchschaut und glaubst nun, einen Schritt weitergekommen zu sein. Machen wir doch dem unnützen Gerede ein Ende! Wir übernehmen den Wallach, so wie du und dein Partner den Pferdedieb übernommen habt, und damit ist die Sache erledigt.“

„Kaum! Vielleicht wollten wir gerade von eurem Boss die Belohnung für den Wallach kassieren!“

„Eine Belohnung?“ Der Riese grinste erheitert. „Hölle, dann habt ihr ihn also erwischt?“

„Yeah!“

„Und seine Taschen umgekrempelt?“

„Wir sind doch keine Desperados und Wegelagerer!“

„Dafür aber um so ärmere Burschen. Machen wir uns nichts vor! Gebt also den Brief heraus!“

„Einen Brief?“

„Yeah“, nickte der Riese schwer.

„Wir haben aber keinen.“

„In diesem Falle würde ich euch bitten, mit uns zu reiten und an Ort und Stelle festzustellen, ob es der Wahrheit entspricht.“

„Die Befehle gebe ich, nicht du, Dicker!“, schnitt ihm Reg hart das Wort ab. „Aber wir sind nicht dumm genug, um auf einen solchen Vorschlag hereinzufallen.“

„Verstehe mich nicht falsch! Dass du mit allen Wassern gewaschen bist, habe ich bereits gemerkt. Corbin kann solche Leute, wie ihr es seid, immer gebrauchen, und ich denke, wir werden uns irgendwie schon einigen können!“

Bevor Reg antworten konnte, meldete sich Jonny Warden aus dem Versteck: „He, Tennsitter, beantworte erst einmal die Frage, woher denn Dave Corbin Kenntnis von dem Brief hat!“

Dieser Zwischenruf stürzte alles über den Haufen. Der Riese zuckte wie unter einem Peitschenschlag zusammen. Seine Augen weiteten sich, als drohten sie aus den Höhlen zu fallen. Sein Gesicht zuckte nervös, und die Rechte ballte sich zur Faust, als wollte er sie gegen den unsichtbaren Gegner schmettern.

„Das ist es also!“, keuchte er dann.

„Oh, ich hatte vergessen, dir zu sagen, dass ich nicht nur einen Partner, sondern noch zwei weitere Partner im Hintergrund habe. Yeah, ihr seid in eine üble Falle gestolpert, Gents. So könnt ihr weder den guten Wallach, noch den für euren Boss sicher wertvollen Brief bekommen. Tut mir leid, Freunde!“

Fünf wüste Kerle sahen sich an, wussten sie jetzt doch, dass drei weitere Gegner in ihrem Rücken sie bewachten. Aus war es mit der Verfolgung, und nun tauchte auch Jonny Warden aus dem Gebüsch bei den Pferden auf. Er hielt den Colt im Anschlag.

„Reg“, sagte er, „ich musste diesen Vormann sprechen. Er wird mir verraten, woher Corbin die Information über den Brief hat.“

„Scher dich zum Teufel!“, schrie der Riese böse. „Dir, den Nachtfalken und deinem sauberen Bruder wird es noch schlecht ergehen!“

„Abwarten, Tennsitter!“, erwiderte Jonny rau, wobei er vor dem riesigen Kerl stehenblieb. „Dich also hat man auf meine Fährte gesetzt. Das kam dir wohl sehr zustatten, wie? Du hast mich immer tyrannisiert, wenn du nur konntest, und es könnte dir so in den Kram passen, mich als Pferdedieb hinzustellen. Es wäre dann so einfach, nicht? Ein Pferdedieb hat ja keine Chance, so wenig Chancen, wie man sie den Oldtimern der Warden-Ranch gab. Mein Bruder hat mir die Augen geöffnet. Er wird auch noch andern Leuten die Augen über Dave Corbin, den großen Boss der Drei-Balken-Ranch, öffnen. Und jetzt gebe ich euch einen Rat, verschwindet! Ich kann euren Anblick nicht mehr ertragen und begreife nicht, wie ich Jahr um Jahr mit euch reiten konnte, wie ich deine Niederträchtigkeiten aushielt, Tennsitter. Ab heute bin ich fertig mit euch und der Drei-Balken-Ranch!“

„Nicht so eilig!“, unterbrach ihn Reg. „Wenn wir schon ein Pferd mit dem Brandzeichen der Drei-Balken haben, brauchen wir es ja nicht unbedingt dabei zu belassen. Darum, Gentlemen, übernehmen wir eure Pferde. Ihr aber werdet hübsch brav marschieren. Das wird euch abkühlen!“

„Dich nehme ich mir noch mal besonders vor!“, schnappte Tennsitter mit bleichem Gesicht.

Reg machte eine kleine Verbeugung.

Aus der Deckung heraus sagte Jos Darry erfreut: „Sergeant, es ist doch immer dasselbe, die größten Burschen haben das kleinste Gehirn im Schädel. Tennsitter, wenn du nur etwas Verstand hättest, würdest du ahnen, wie gern Sergeant Scott deine Einladung annehmen würde. Für dich wäre es aber besser, wenn du dir gleich einen Sarg mitbringen würdest. Marschiert jetzt los! Wenn man sich schon unterhalten möchte, dann gewiss nicht mit einem so üblen Gesindel. Es stinkt hier mächtig in der Umgebung, seitdem ihr hier auftauchtet, finde ich.“

„Hier riecht es auch!“, meldete sich da Bill Ringo trocken. „So einen üblen Geruch habe ich nur einmal in der Nähe eines Skunks ertragen müssen. Schiebt los, Gents, und zeigt die Hacken!“

Hierin schienen sich die Männer einig zu sein. Es war für die vier ein Schauspiel, den Riesen zu beobachten, der fast vor Wut zu platzen drohte. Man sah es ihm deutlich an, dass er sich nur mit letzter Kraft zusammenriss. Er war es auch, der dann zuerst ging, ohne seine Leute dazu aufzufordern. Aber schnell schloss sich einer nach dem andern an, und die Pferde blieben ruhig an ihrem Platz zurück. Dieser schweigsame Abzug hatte etwas Drohendes an sich, als riefen sie das Wort Pferdedieb den zurückgebliebenen Männern zu.

Yeah, die Crew des riesigen Vormannes zog ab, geschlagen, gedemütigt und dennoch froh, noch so billig davongekommen zu sein. Nicht ein einziges Mal blickten sie sich um. Es stand auch fest, dass sie nicht versuchen würden, zurückzukommen. Im Augenblick waren sie erledigt. Aber sie würden diese Niederlage auch nicht einfach hinnehmen.

„Es war mir bereits übel, als ich die Kerle ankommen sah“, sagte Reg, der abermals zur Seite ausspuckte. „Wenn das die Raureitercrew der Drei-Balken war, brauche ich keine weitere Erklärung mehr. Dann ist mir auch klar, dass es hier Desperados und Rustlers gab, denn genau aus solchen Leuten ist die Crew zusammengesetzt. Der Schlimmste von ihnen aber ist dieser riesige Kerl.‟

„Ein Irrtum, Reg! Über ihm stehen noch zwei, nach deren Pfeife er tanzt. Im Augenblick aber interessieren sie uns nicht. Reiten wir lieber. Es stehen uns nun genug Pferde zur Verfügung!“

„Eine kleine Remuda. Genug Pferde für den Anfang auf der neuen Warden-Ranch!“, kicherte Jos Darry.

„Corbin hat Hunderte zur Verfügung. Er kann drei Dutzend Männer in die Sättel jagen. Ihm gehören drei Vorwerke und die halbe Stadt. Jetzt seht ihr ganz klar, dass es gewiss kein Vergnügen sein wird, für die Warden-Ranch zu reiten.“

„Dein Bruder aber und du haltet euch wohl für groß genug? Nun, wir sind zwar völlig abgerissen, aber wir sind es gewohnt, immer gegen eine Übermacht kämpfen zu müssen. Auf jeden Mann der Südarmee kamen ungefähr zwanzig Mann der Nordarmee. Ich denke, es hat sich in dieser Beziehung nicht allzu viel geändert, und außerdem“, sagte Jos Darry nachdenklich, „werden auch noch nach uns Nachtreiter versuchen, durch dieses County zu kommen. Ich bin sicher, dass es dann nur Männer sind, die in der Südarmee zur Auslese zählten. Also, Jonny, kein Grund, sich zu ducken, kein Grund, nach einem Schlupfwinkel zu suchen. Es ist ganz sicher, dass noch einige Burschen zu uns stoßen, die nur um einer guten Mahlzeit Willen diesen Privatkrieg nach dem großen fortsetzen werden.“

Man gab ihm keine Antwort. Wenige Minuten später ritten sie auf den erbeuteten Tieren weiter.

„Pah, Pferdediebe sind wir jetzt geworden“, kicherte der narbige Darry vor sich hin. „Das hatte man mir nicht an der Wiege gesungen.“

„Leutnant Darry“, meldete sich nun Ringo. „In der Gefangenschaft sind wir noch schlimmer als Pferdediebe behandelt worden. Ich kann davon ein Lied singen. Sie haben mich einmal dabei erwischt, als ich mir eine Sonderration besorgen wollte. Von fünf Kerlen haben sie mich zusammenschlagen lassen. Es waren Burschen, die mich an Corbins Raureiter erinnern, die gleichen Typen, die gleiche Witterung. Hol’s der Teufel! Es wäre ein größerer Spaß gewesen, wenn wir sie erst zusammengedroschen und dann losgelassen hätten. Was glaubt ihr, wie die gerannt wären!“

„Dazu wirst du noch einmal Gelegenheit bekommen!“, versicherte Reg Scott. „Wir sind in Corbins Weidereich vogelfrei. Aber ist es nicht genau das, wozu man uns nach der Entlassung aus der Gefangenschaft machte? Damned, nächtliche Reiter! Aus dem Dreck kommen wir so schnell nicht heraus!“

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3.

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Die Trümmer der einstigen Warden-Ranch bestanden aus verkohlten Balken, den Resten eines Mauerwerks und dem Kamin, der sich wie ein mahnender Finger gen Himmel reckte und zu den Sternen wies, die durch die aufgerissene Wolkendecke sichtbar wurden. Von den früheren Stallungen war nur eine Wand stehengeblieben. Hinter dieser Wand, die den kalten Wind abfing, hielten die Reiter an. Keiner sagte etwas, denn diese Stätte der Verwüstung erinnerte die Nachtfalken an die eigene verlorene Heimat. Der Krieg hatte sie abgestumpft gegen Bilder menschlichen Versagens. Weit Schlimmeres hatten sie schon zu sehen bekommen.

Die eingerissenen Corrals, die niedergebrannte Ranch, die auf einem herrlichen Fleckchen Erde auf einer Anhöhe stand, all diese bitteren, stummen Zeugen der Zerstörung hatten auch den Krieg gekennzeichnet. Daran waren sie gewöhnt. Und darum sagte auch niemand etwas dazu. Jonny kannte diese Stätte der Verwüstung. Oft genug war er hinausgeritten und hatte, im wogenden Gras liegend, mit offenen Augen von jenen glücklichen Tagen geträumt, die er als Junge hier verlebt hatte.

Nicht weit von der stehengebliebenen Schuppenwand zog sich niedriges Gebüsch den Abhang hinunter. Im Tal brauste ein Bach. Hohe Bäume füllten den Talgrund aus. Vier Gräber gab es am Hang, Gräber, die Jonny Warden immer wieder angelockt hatten.

„Dein Bruder, Jonny, hat dich nicht erwartet“, meinte Reg Scott, indem er aus dem Sattel glitt.

„Er wollte aber doch hier sein“, antwortete er voller Unruhe. „Sicherlich hat ihn der Hufschlag unserer Pferde aufgescheucht. Er kommt bestimmt. Ich bin sicher, dass er sich erst vergewissern will, wer zu Besuch kam. Mit einem Reiter hatte er gerechnet, und es kamen gleich vier mit acht Pferden. He, Fred, komm heraus, ich bin’s! Ich habe Freunde mitgebracht!“

Als sich niemand meldete, sagte Reg: „Dein Bruder lässt sich nicht so einfach hervorlocken, nicht so. Ich beginne zu ahnen, dass man schon ganz neue Tricks anwenden müsste, um ihn bluffen zu können.“

„Wie meinst du das?“

„Dass dein Rufen auch so ein Trick sein könnte.“

„Ah, ich verstehe, ein Trick, um ihn in Sicherheit zu wiegen und leicht stellen zu können. By Gosh, Tennsitter wäre das aber nicht eingefallen, eher dafür Hod Grady oder Dun Owen. Wir werden Geduld haben müssen, Reg.“

„Dein Bruder scheint genau zu wissen, worauf es ankommt. Du hast uns wirklich nicht zu viel von ihm erzählt. Ich denke, es wird mir nicht schwerfallen, ihn meinen Boss zu nennen ...“

Er brach ab, wollte wie die anderen sein Pferd zu dem schützenden Winkel der Mauer führen, aber in dem Moment erhob sich eine gertenschlanke, hochgewachsene Gestalt, als wüchse sie direkt vor ihm aus dem Erdboden hervor.

Beim Himmel, indianerhaft geschmeidig, unheimlich fast, wuchs er vor ihnen auf. Dieser Mann hatte etwas Tierhaftes an sich, wenn auch auf den ersten Blick die Ähnlichkeit mit Jonny festzustellen war. Und wenn man vergleichen wollte, so war Jonny gegen ihn ein Kätzchen, dieser Mann aber mit den breiten Schultern und der schmalen Taille, mit dem abgewetzten Offiziersrock der Nordarmee, ein ausgewachsener Tiger. Reg schien es so, als hätte er auch phosphoreszierende Augen, oder das gelbe Leuchten in ihnen irritierte ihn zu sehr. Jonny hatte nicht zu viel damit behauptet, sein Bruder wäre wie ein Apache.

Sein Gesicht war schmal geschnitten, mit leicht vorstehenden Wangenknochen. Der Mund war ein harter Strich, dass er fast grausam verschlossen wirkte. Fred Warden hatte keinen Bart, dafür lugten ihm die pechschwarzen Haare unter dem Stetson hervor.

Für Reg Scott war der Anblick des Mannes so faszinierend, dass er den Atem anhielt und unwillkürlich zum militärischen Gruß die Hand an den Hutrand tippte. Hinter sich hörte er Jos Darry leicht aufstöhnen und Ringos erregtes Schnaufen. Sicherlich wirkte dieser weiße Apache auf die beiden ebenso verrückt eindrucksvoll wie auf ihn selbst.

Für alle drei aber war jetzt nach Beendigung des Krieges und Entlassung aus der Gefangenschaft der plötzliche Anblick eines ehemals feindlichen Offiziers von gleicher Wirkung wie etwa ein rotes Tuch vor den Augen eines Kampfstieres. Es riss an ihren Nerven und löste kaum begrabene Erinnerung gen aus; ließ eine Kluft sich öffnen und immer breiter werden, je länger dieser Mann in der blauen Uniform einfach stumm dastand und sie durchdringend anblickte. Es wäre eine unüberbrückbare Kluft geworden, wenn nicht Fred Warden mit sanfter und volltönender Stimme ruhig gesagt hätte: „Willkommen, Kameraden!“

Yeah, dieses Wort von einem ehemaligen Gegner wischte alles Misstrauen und jeden Gedanken an Vergeltung fort. Man hatte das Gefühl, dass drüben ein Mann stand, der genau wie sie im Dreck gelegen und die Schrecknisse des Krieges, wenn auch auf der anderen Seite, miterlebt hatte und von den Nachwirkungen angeekelt wurde; einer, der nicht zu den sogenannten Siegern zählte, die laut mit dem gewonnenen Krieg prahlten. Nein, er war genauso geschlagen wie sie.

Seine Hand reckte sich Reg Scott entgegen. Der ergriff sie verwirrt und murmelte etwas undeutlich in seinen Bart. Darm machte er Platz für Jos Darry und Bill Ringo, die ebenfalls Fred Warden die Hand schüttelten.

Wenn die drei geglaubt hatten, dass es jetzt viele Fragen geben würde, sahen sie sich angenehm überrascht.

„Es wird für uns alle reichen“, sagte Fred ruhig. „Kommt zum Essen!“

Yeah, das war eine Aufforderung, die nach ihrem Herzen war! Bill lachte ungeniert auf, und alle anderen stimmten befreit in dieses Lachen ein. Es brach völlig den Bann, der auf allen lag. Ja, dieser Captain war richtig. Er fragte nicht lang, wie sie zu den sechs Pferden mit dem Brandzeichen der Drei-Balken-Ranch gekommen waren und auf welche Weise sie die Bekanntschaft mit Jonny gemacht hatten. Er fragte auch nicht nach dem, was sie erlebt hatten. Er lud sie einfach zum Essen ein, und das war es, was deutlich zeigte, wie sehr er die Wünsche eines Soldaten kannte.

Rasch stellten sie ihre Pferde ab und folgten ihm. Hinter dem Hang hatte Fred Warden eine Kochstelle errichtet, die so geschickt lag, dass der Rauch gut abziehen konnte. Zwar hatte er das Feuer selbst gelöscht, doch der große Topf mit dem noch heißen Essen stand bereit.

„Nun, langt zu!“, sagte Fred aufmunternd, und es klang nach einer kameradschaftlichen Einladung. Wie sehr Fred aber damit ihre Herzen gewann, ahnte er wohl selbst nicht. Unbewusst hatte er genau das Richtige getan, hatte gezeigt, dass für ihn die Wirrnisse des Krieges, in dem sie sich auf feindlicher Seite gegenübergestanden hatten, beendet waren, obwohl er noch immer den blauen Rock trug. Für ihn gab es nun keine Gegner mehr. Der unglückselige Bruderkrieg war gottlob beendet. All das Üble und Schreckliche musste vergessen werden für eine gemeinsame Heimat.

Jonny trug den großen Topf zur Mauer. Die Männer holten ihr Geschirr herbei. Reg teilte das Essen aus und wollte zuerst Fred den Blechteller füllen. Der winkte lächelnd ab.

„Nein, zuerst ihr! Ich habe keinen so großen Hunger.“

„Ich denke, es wird kaum etwas übrigbleiben, Boss!“

„Macht nichts! Ich habe im Tal unten mein Pferd stehen und schon Lebensmittel aus der Stadt herbeigeschafft.“

„Dann gibt es vielleicht sogar noch eine zweite Mahlzeit?“

„So viel, dass ihr euch richtig satt essen könnt. Langt nur tüchtig zu!“

„Wir werden kaum satt zu kriegen sein“, grinste Jos, und Bill fügte hinzu: „Es wird wohl so sein, Boss, dass bei einer einzigen Mahlzeit alle deine Lebensmittel draufgehen.“

Er hatte nicht ganz unrecht. Dreimal musste noch nachgekocht werden, ehe diese ausgehungerten Männer wirklich gesättigt waren, und Fred munterte sie zu immer neuem Nachgreifen auf.

Erst nach dem Essen kam ein Gespräch in Fluss. Fragen wurden gestellt und beantwortet. Jonny übergab an Fred den Brief von Helen Corbin. In aller Beisein riss Fred den Umschlag auf und entfaltete das Schreiben. Die anderen beobachteten ihn gespannt. Aber in seinem wie aus Erz gegossenen Gesicht regte sich kein Muskel. Er hatte sich in der Tat in der Gewalt wie ein Indianer. Aus dem Mienenspiel eines anderen hätte man seine Gefühlsregungen lesen können, nicht aber bei Fred. Seine schmalen Hände mit den feingliedrigen Fingern hielten den Brief an die zuckenden Flammen des Feuers, dass die Buchstaben vor seinen Augen tanzten. Niemand merkte, wie er sich mit aller Gewalt zusammenreißen musste.

„Fred!“, las er, und es kam ihm vor wie ein Hilferuf aus dunkler Nacht. „Du bist in Gefahr! Niemand hat hier mit Deiner so frühzeitigen Entlassung aus der Armee gerechnet. Dein plötzliches Auftauchen hat einige Männer auf gescheucht, die sich von Dir bedroht fühlen. Ich muss Dich treffen, gleich, was Du von mir denken magst, ob Du es innerlich ablehnst oder nicht. Du musst kommen! Es geht um Deine und Deines Bruders Zukunft! Für mich selbst verlange ich nichts mehr. Ich trage selbst die Schuld, weil ich nicht warten konnte und Corbins Drängen nachgab. Ja, ich wurde seine Frau, und von diesem Augenblick an wurden mir die Augen geöffnet. Ich sah und hörte Dinge, die ungeheuerlich sind. Ich habe fortlaufen und fliehen wollen. Vergeblich! Ich wurde die Gefangene der Drei-Balken-Ranch, und immer mehr stellte ich fest, dass mein Gatte in Wirklichkeit gar nicht der große Boss ist, sondern nur eine Figur in dem Spiel eines Mannes, der auch verantwortlich ist für die Trümmer der Warden-Ranch und die Gräber in ihrer Nähe. Den Namen dieses Mannes und seiner Helfershelfer aber möchte ich nur Dir persönlich nennen, wenn Du am letzten Tag des Monats bei Sonnenuntergang an der Pferdekopffurt sein kannst. Ich bitte Dich nochmals, sei vorsichtig, denn in diesem Lande hast Du keine Freunde. Das Land wird beherrscht von Männern, die rücksichtslos alles niederstoßen, was sich ihnen entgegenstellt. Ihre Spitzel sind weit über das Land verstreut und selbst im Sheriff-Office zu suchen. Sie treiben sich auf der Weide und in der Stadt umher. Sie haben während des Krieges eine großartig klappende Organisation aufgebaut. Ja, Fred, es wäre besser für Dich gewesen, wenn Du nicht zurückgekommen wärst und Deinem Bruder Jonny nicht die Augen geöffnet hättest. Ich weiß aber auch, dass Du kaum den Rat annehmen würdest, mit Jonny das Land zu verlassen, und den Kampf gegen das Unrecht aufnehmen wirst, dass Du der alten Fährte folgen wirst, bis zu dem Tag, an dem sie Dich zu jenen Männern hinführen muss, die die Warden-Ranch auslöschten, ihre Rinder abtrieben und verantwortlich für die Gräber sind. Ich schreibe diese Zeilen wenig später nach Deinem Zusammentreffen mit meinem Mann. Jonny, Dein Bruder will unsere Ranch verlassen. Ich fühle, dass er sich nicht mehr aufhalten lässt. Ich will ihm deshalb diesen Brief mitgeben. Es ist jedoch ein gewisses Risiko, denn man misstraut mir, und man beobachtet mich. Man hat noch nicht vergessen, dass ich schon drei Fluchtversuche unternahm. Dieser Brief würde, falls er in die falschen Hände kommt, mir den Boden unter den Füßen wegziehen. Vernichte ihn, sobald Du meine Zeilen gelesen hast!“

Es war keine Unterschrift darunter. Doch war es ihre Handschrift, die Fred gut in Erinnerung hatte. Langsam schoben sich seine Hände den züngelnden Flammen des Lagerfeuers zu. Der Brief sank hinein, und hell auflodernd verzehrten ihn die Flammen. Schwarze Aschenflocken trieb der Wind in die Nacht hinein.

Keiner fragte, doch alle sahen ihn an.

„Eine Warnung, Freunde! Jemand glaubt, dass wir keine Chancen hätten, jemand, der sehr gut unterrichtet zu sein scheint, aber nicht wusste, dass die Lage sich bereits durch die Pferde der Drei-Balken-Ranch verschlimmert hat. Wir können hier nicht bleiben.“

Er erhob sich und starrte in die Nacht nach einem fernen Punkt, wandte sich dann an die drei ehemaligen Soldaten der Südarmee.

„Ich kann nicht verlangen, dass ihr euch uns anschließt und mit uns Bügel an Bügel reitet, um einer verfahrenen Sache Willen bei uns bleiben wollt. Ihr könnt nichts gewinnen. Mein Bruder und ich sind arm. Wir können auch keinen Lohn zahlen, und nur des Essens wegen quer durch die Hölle zu trailen, ist eine Sache ...“

„Red nicht weiter, Fred Warden!“, unterbrach ihn Reg Scott fest. „Wir haben uns eingemischt, und damit haben wir uns entschieden. Es genügt, wenn wir zu essen bekommen. Eines Tages vielleicht wirst du uns auch Lohn zahlen können, oder wir sinken in die Grube. Keiner von uns dreien hat mehr eine Heimat. Wir sind verloren wie dein Bruder und du. Wir können ebenso wenig jetzt noch aussteigen wie ihr. Uns würde man leicht einen sechsfachen Pferdediebstahl anhängen. Nein, wir wollen sehen, wie es weitergeht. Es scheint so, als wenn sich in den Kriegswirren überall Elemente festsetzten, die uns alten Soldaten das Leben schwer machen wollen. Nun gut, der Krieg ist zu Ende, fangen wir also an, das Land zu säubern! Überall wird das geschehen müssen, und jeder wird seinen Teil dazu beitragen. Ich schätze, dass du dieses Land genau kennst.“

„Jeden Winkel“, sagte Fred ruhig. „Dieses Land ist wild und hat viele Verstecke. Doch je größer die Crew ist, die mit uns reitet, desto weniger ist sie uns eine Hilfe. Zwei Männer können sich leichter verbergen.“

„Mit anderen Worten, ihr beiden seid zu nächtlichen Reitern geworden. By Gosh, in welchen Zeiten leben wir!“

„In den Zeiten des großen Umbruchs“, erwiderte Fred. „Ein Krieg hat immer böse Nachwirkungen, die alle Gesetze zu sprengen scheinen. Im ganzen Lande gärt es. Hilfe kann man nirgends erwarten, weder von der Armee, die alle Hände voll zu tun hat, noch von dem Gesetz, das gerade im Westen noch auf zu tönernen Füßen steht. Wir werden uns selbst helfen müssen, und das, Freunde, kann sehr bitter werden.“

„Wem sagst du das?“, knurrte Scott bitter. „Seit Jahren sind wir nichts anderes mehr gewöhnt. Es hat sich für uns nicht viel geändert. Wir reiten für die Warden-Ranch, gleich wie es endet. Wir erkennen dich als unseren Boss an, doch das brauche ich wohl nicht besonders zu betonen. Es wäre an der Zeit, einiges klarzustellen, Boss! Nach Jonnys Worten hattest du keine Ahnung davon gehabt, was inzwischen mit der Warden-Ranch geschah?“

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738915754
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2017 (Dezember)
Schlagworte
nächtliche reiter

Autor

Zurück

Titel: Nächtliche Reiter