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RUDE FELLOW - Eine alte Rechnung

2017 173 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

RUDE FELLOW: Eine alte Rechnung

Copyright

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

RUDE FELLOW: Eine alte Rechnung

Wildwest-Roman von Larry Lash

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 173 Taschenbuchseiten.

 

Ein harter, grober Rancher ist dieser Boss, rau und unerbittlich, Und selbst vor seinem eigenen Sohn macht er nicht halt, treibt ihn in eine Sache, mit der dieser Junge nicht fertig werden kann.

Doch da taucht ein Mann auf, der seinen geraden Weg geht, den Weg des Rechts und den Weg des Gesetzes. Eine alte Rechnung wird beglichen, und raue Männer reiten auf glühend heißen Sätteln über eine wilde, zügellose Weide.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover by N. C. Wyeth

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

1.

Al Carny war nicht der Mann, der sich von dem verkniffenen Gesicht des Sheriffs aus der Ruhe bringen ließ. Aus schmalen Augen sah er Steward Magnum abschätzend an. Keiner sprach. Die Spannung vermochte nicht das Schweigen zu brechen, das unheildrohend im Raum lag.

Die Uhr verkündete Mitternacht. Al zählte in Gedanken die Schläge mit.

„Mitternacht“, sagte Steward Magnum, den man der Einfachheit halber Stew nannte. Auf seiner faltigen Stirn glitzerten im Schein der Petroleumlampe Schweißtropfen. Er hockte hinter seinem alten Schreibtisch. Seine verarbeiteten Hände hielt er ineinander gekrallt und, weiß Gott, er schaute seinen Besucher so an, wie der Habicht einen fetten Hahn.

Aber nur der Teufel selbst und auch Stew wussten, dass dieser Vergleich für den Mann, der in lässiger, geschmeidiger Haltung dem Sheriff gegenüber saß, nicht zutraf.

Selten hatte Stew einen Mann wie Al Carny gesehen.

„Mitternacht“, wiederholte er mürrisch. „Und ich bin verdammt müde, mein junger Freund. Ich habe dir schon einmal gesagt, Joe Hay ist selbst Mann genug, um sich zu helfen.“

„Ich habe vierhundert Meilen hinter mich gebracht, um einen Job bei ihm anzunehmen. Sheriff ... Ich bin hier und will es versuchen ...“

„In Dreiteufelsnamen ... aber ich muss dich warnen. Joe Hay ist der gröbste Kerl, der sich jemals in dieser Gegend niedergelassen hat. Er hat in zwei Monaten alle Boys, die sich um den Job bei ihm bemühten, so fertig gemacht, dass sie die Bedingungsprüfung einfach nicht bestanden und als gebrochene Männer mit gebückter Haltung, gleich verprügelten Hunden, aus dem Land gezogen sind. Es waren gute Männer dabei, sehr gute Männer, die den Colt so tief trugen wie du.“

Er lauerte bei diesen Worten zu dem staubverkrusteten Cowboy hin, der ihn noch vor Mitternacht aus dem Schlaf weckte und in das Sheriff-Office gebracht hatte, um eine Auskunft zu holen. Yeah, ein Mann ritt nicht vierhundert Meilen, um sofort auf sein Ziel zuzusteuern. Dieser Al Carny, wie er sich nannte, schien genau zu wissen, was er machte und hatte sich gleich an die richtige Adresse gewandt …

„Ich kann dich nur warnen“, wiederholte der Sheriff bissig und gähnte leicht vor sich hin, strich sich über seinen Nachtanzug und spielte mit dem Orden auf dem Tisch, trommelte einen Marsch mit dem Zeige- und Mittelfinger, und brummte, da das Schweigen seines Gegenübers ihm unbehaglich wurde, mürrisch:

„Ich kann verstehen, dass der Lohn, den Joe Hay dem Mann verspricht, der für ihn reiten soll, einen Mann verrückt machen kann. By Gosh – hast du es nötig?“

„Ich habe einen Bruder, der die Schule in Phoenix besucht, Sheriff. Das kostet Geld, er bekommt es von mir. Er soll das werden, was er will, da in ihm das Zeug zu Größerem steckt, und ich weiß, er wird es schaffen.“

Stew nagte an seiner Unterlippe. Wieder schaute er seinen Besucher kritisch an. Er war alt und grau in diesem Land geworden und trug über zwanzig Jahre den Stern auf der Weste. In seiner langen Dienstzeit kreuzten allerlei Gestalten seinen Weg. Männer aller Gattungen, gute und schlechte Menschen. Mit der Zeit hatte sich Stew aus der Erfahrung im Umgang mit Menschen ein gutes Beurteilungsvermögen angeeignet, und wenn er recht sah, so saß ihm gegenüber ein Mann, dessen Typ ihm wohl zwanzig Jahre nicht zu Gesicht gekommen war.

Yeah, zwanzig Jahre lang nicht. Damals aber, als er noch nicht den Stern trug und gegen das Gesetz ritt, am Rio mit harten Männern Bügel an Bügel durch die Gegend trailte, tauchte ab und zu im rauesten Land eine Reitererscheinung auf, wie jene dort hinter dem Schreibtisch, der die gleiche katzenhafte Beweglichkeit zeigte, die selbe Art auf leisen Sohlen zu gehen, Schwerfälligkeit vortäuschend, die nur ein Laie als echt hinnehmen konnte. Breit waren seine Schultern und stark war sein Hals. Sechs Fuß groß mochte der Cowboy sein. Er war schlank und muskulös wie ein Panther.

Seine Kleidung, vom grauen Stetson angefangen, war abgenutzt und staubig, ebenso das Halstuch, das Baumwollhemd und die engen Reithosen mit den darüber geschnallten Chaps. Die Sporen an seinen hochhackigen Stiefeln hatten kleine Räder, nicht von jener Art, wie sie am Rio üblich waren, musste Magnum denken. By Gosh, er ritt einen Rappen, obgleich er das Tier des Cowboys nicht gesehen hatte, yeah, das konnte Magnum an den Haaren sehen, die auf der Innenseite der Chaps sich zeigten …

Wieder tastete er vorsichtig über die Erscheinung des Gastes und musterte ungeniert sein Gesicht. Es war prägnant, grobknochig geschnitten, breite Wangenknochen, eine hohe Stirn. Ein Kinn, das Kampfesmut verriet. Und dieses offene Gesicht, auf dem ein eigenartiges Lächeln sich einschlich, ein Lächeln, das aus dem Innern dieses Mannes kam und sich in den Mundwinkeln einkerbte, wurde von seltsam großen Augen beherrscht. Augen, die von unbestimmter Farbe waren, die lächeln und tiefernst sein konnten, sich in Sekunden wandelten – und plötzlich schwarz wie die Nacht wirkten. Die Augen waren von einer verblüffenden Ausdrucksfähigkeit und Lebendigkeit.

Von schwarzen buschigen Brauen, die die Farbe der Haare hatten, wurden sie überdacht – und jetzt hafteten sie auf Magnum, als wollten sie jeden Widerstand brechen, um alles zu erforschen.

Magnum fühlte sich unbehaglich, räusperte sich.

„Ich habe dich gewarnt, Freund – und kann nur noch einmal betonen, dass Joe Hay der Mann ist, der sich selbst beschützen kann. Aber ich will nicht der Mann sein, der deinem Glück im Weg steht. Wenn du zu ihm willst, dann reite aus der Stadt nach Osten am Prower Creek entlang. Drei Meilen etwa, und dann stößt du auf seine Pferde-Ranch. Übrigens ist sie die größte und schönste, die jemals existierte. Nun, Joe wird nicht das einzige Hindernis sein“, grinste er nun offen heraus. „Reite nur – und du wirst es erfahren, und so long!“

Langsam erhob sich Magnum. Die Müdigkeit war ihm deutlich anzusehen. Er begleitete seinen Gast, der ohne ein Wort zu entgegnen, aufgestanden war, zur Tür.

„So long, Sheriff.“

„Wir werden uns oft begegnen, Carny!“

„Die Ranch liegt nicht allzu weit von Dalton entfernt, warum also auch nicht, Sheriff“, kam die gleichmütige Erwiderung.

Stew Magnum grinste nun.

„Männer, die die Eisen auf die besondere Art geschnallt haben, werden immer auf Widerstand stoßen“, lächelte er ohne Freude. „Für eine Pferde- und Rinderstadt wie Dalton bedeutet das nicht gerade eitel Wonne.“

„Ich gehe jedem Kampf aus dem Weg.“

„Ist das eine Versicherung?“

„Nein, nur ein Teil meines Wesens, Sheriff“, grinste nun auch der nächtliche Besucher zurück.

„Damned, dann Glück, mein Sohn. Joe Hay ist das Gegenteil von dir, Cherioo.“

„Cherioo“, klang es zurück, und dann setzte sich Al Carny in Bewegung.

Eine Raubkatze, dachte Stew. Yeah, eine große Raubkatze – ein Tiger, der auf Beute zieht. Unwillkürlich schaute er dem Mann nach, bis er um die Hausecke hinter dem Sheriff-Office verschwunden war.

„Ich möchte nur wissen, weshalb Joe Hay einen Tiger braucht, da er doch selbst wie ein böses Raubtier ist ...“

Er zuckte die Schultern, wartete nicht erst, bis der Hufschlag ihm ankündigte, dass der Besucher sich auf den Weg gemacht hatte – nein, die Müdigkeit trieb ihn ins Haus zurück.

Ein Sheriff brauchte immer Schlaf, er kam zu kurz damit. Dalton war nicht die Stadt, wo sich gut erzogene Boys und schleifengeschmückte Mädchen zum Ringelreigen einfanden. In dieser Stadt wurde ein anderer Reigen getanzt, ohne das holde Geschlecht – mit den Colts in den Fäusten. Harte Burschen kamen und gingen.

Aber dieser Carny ist einer der härtesten Jungen, stellte der Sheriff fest, als er sich auf seinem Lager ausstreckte und vor sich hin gähnte. Seine Augen sind sanft und gut. Trotzdem, ich möchte nicht in sie hineinschauen müssen, wenn sie sich verengen. Dennoch war er besorgt, dass Carny es versuchen würde, in der Nacht auf der Hay Ranch einzutreffen. Nein, nicht mitten in der Nacht.

 

*

 

Das fand Al Carny auch. Seine anerzogene Höflichkeit sagte ihm, dass man wohl einen Gesetzesvertreter aus dem Schlaf holen kann, aber keinen Privatmann. Ersterer wurde vom Staat besoldet und war sozusagen verpflichtet, jederzeit einsatzbereit zu sein. Letzterer aber war ein gewöhnlicher Steuerzahler, und als solcher hatte er ein Recht, seine strapazierten Nerven des Nachts zu erholen.

Aber das war nicht der einzige Grund, der Al Carny veranlasste, noch in Dalton zu bleiben, seinen Rappen hinter sich an der Kandare führend auf den Saloon zuzusteuern.

Nein, vierhundert Meilen lagen hinter ihm, und jetzt, am Ende des Trails, reizten ihn Gitarrenmusik, das Gehämmer des automatischen Klaviers, das dunkle Lachen der Männer und das silberhelle Gelächter der Frauen.

Hinzu kam, dass der Sheriff sich sehr vorsichtig über Joe Hay ausgelassen hatte.

Jeder Mann hatte Freunde und Feinde. Der Sheriff schien wirklich neutral zu sein. Jetzt musste Al nur die Männer finden, die für ihn und gegen Joe Hay standen.

„Vorwärts, Lucky, morgen bekommst du das beste Futter und den herrlichsten Stall. Wir werden uns umhören und – tja, meine Kehle ist voller Staub, ein scharfer Old Crow könnte mir nicht schaden!“

So sprach er auf sein Tier ein, das ihm mit dem sauberen Maul immer wieder den Stetson bis über die Stirn schob, seinen warmen Atem ihm in den Nacken blies.

„Ah, komm nur, Lucky ...“

Dieser Rappe wurde nicht wie die an den Haltestangen dösenden Tiere mit dem Zügel festgebunden. Nein, Al führte den hochgebauten Wallach nur an die Holme heran zum Wassertrog und ließ die Zügel hängen. Er wusste, dass Lucky sich nicht einen Yard von der Stelle rühren würde. Nur einen Moment blieb Al stehen, streichelte mit sanfter Hand über den Rücken seines Reittieres, über den Hals, der wunderbar stark und wie mit Seide bespannt, die edle Rasse verriet. Yeah, alles an diesem Pferd war edel und musste einen Kenner entzücken. Angefangen von den stahlharten Hufen, die blauschwarz schimmerten, den feingliedrigen Fesseln, die keinen Fehler in der Stellung zeigten, bis zu dem herrlichen Körper, wie er nur in einer guten Laune Gottes geschaffen werden konnte. Es war eben ein Pferd, das so augenfällig wirkte, dass die Pferdediebe unverhohlene Gier zeigten und die Cowboys runde Augen bekamen.

„Ich bin bald wieder bei dir, Lucky“, flüsterte Al dem Rappen zu, rückte seinen Gurt höher und die Futterale seiner Colts zurecht, setzte sich den Stetson in den Nacken.

Er duckte sich unter dem Holm und schritt über die zertretene Treppe zur Schwingtür der Bar. Bevor er sie aufstieß, saugte er tief die Luft ein, dann sah er in die Runde.

By Gosh, nein, dieses öde, staubige Dalton unterschied sich in nichts von anderen Rinder- und Pferdestädten. Es war genauso traurig, hatte Wellblechbuden und Fassaden, Bohlenplanken, Gehsteige und eine einzige Walkstreet. Hier musste jeder, ob Cowboy oder Rancher, ja jeder Mann, mit der Härte des Lebens fertig werden.

Mit voller Geldbörse ging man in die Bar, und ausgenommen verließ man sie wieder. Manche verloren außer dem Geld ihre Ehre oder gar das Leben. Früher sollte ein Schild mit folgender Aufschrift vor der Ortschaft gestanden haben:

„Hallo, Reiter, zieh schnell weiter.

Reitest du dennoch in diese Stadt, bedeckt dich die Erde.

Es gibt keine Beschwerde.“

Yeah, solche und ähnliche Verse sollen ringsum von Dalton auf Tafeln und Wegweisern und in den Rinden alter, knorriger Bäume gestanden haben.

Es war eine raue Stadt. Die Zeit hatte das nicht geändert.

Al hatte sich sie angeschaut, als sie im Mondschein gebadet lag und das Heulen des Windes, der um die Hausecken stob, sich anhörte wie das Klagen längst Verstorbener. Laternen warfen ihren trüben Schein hin und her und wackelten mit jedem Windstoß an der Kette. Lärm erfüllte die Straße, einige trunkene Cowboys randalierten. Ein alter Mann stand auf der anderen Gehwegseite vor dem Store, einem Gebäude, das den willigen Anhängern einer Sekte als Gotteshaus diente.

Wildernde Hunde mit struppigem Fell suchten in den Kehrichthaufen nach Abfall. Diese Hunde sahen wie Überbleibsel aus der Zeit aus, als die Redmen sie noch mästeten und zu feierlichen Anlässen schlachteten. Sie boten einen abscheulichen Anblick.

Überhaupt, die ganze Stadt verriet raue Sitten. Wer hier Sheriff war, musste Nerven aus Stahl haben.

Soweit gingen Als Überlegungen, als ein Mann durch die Tür flog, nachdem der kräftige Stiefel eines Mannes dort gelandet war, wo sonst die Fläche zum Reiten sich befand.

Der auf solche Art Hinausbeförderte sauste so schnell und in einem so hohen Bogen an Al vorbei, wie ein Katapultgeschoss der Kavallerie bei der Erstürmung Santa Monicas. Er landete wie ein alter Sack im Staub, nachdem er vorher eine Birkenbohle des Verandageländers mit sich gerissen hatte. Hier wälzte er sich herum und kam nur langsam auf die Beine.

Im Lichtstrahl der Schwingtür wurden die Umrisse eines Burschen sichtbar, der groß und stark wie ein Gorilla die Tür ausfüllte. Er wandte sich dem kleinen, dürren Mann im Staub zu, der einige Unzen Sand aus dem Mund blubberte, spuckte, und wie irr auf seinen Peiniger sah.

„Wenn du noch nicht genug hast, Link, kannst du es noch einmal versuchen“, höhnte der Gorilla im Türeingang, von übermütiger Freude erfüllt. „Du kannst dir die gleiche Lektion noch einmal holen.“ Damit drehte er sich herum, und, ohne Al zu beachten, verschwand er in der Bar.

Der Kleine im Staub röchelte. Mit einem Satz sprang Al zu ihm hin.

„Dir ist nicht gut?“

„Mir ist schlecht“, knirschte der Kleine, wobei er im Sand hocken blieb wie ein störrischer Junge. Dieses und der von ihm verbreitete Alkoholdunst zeigten Al, wie sehr der Kleine betrunken war – so betrunken, dass er sich kaum aus eigener Kraft auf die Beine stellen konnte.

Also half Al nach, packte den Kleinen mit einem leichten Griff unter die Arme.

Er strampelte zwar und stieß Knurrlaute aus, ja, er wollte Al sogar in den Arm beißen.

Sanft hielt ihm Al die Nase zu. Sofort war der Kleine still.

„Wer bist du?“, zeterte er, als er wankend auf den Beinen stand und Al ihn losließ.

„Der Mann vom Mond“, grinste Al Carny freundlich.

„Hugh – das war schon immer der Mann, auf den ich gewartet habe“, lallte der Kleine.

Yeah, klein und zierlich war dieser Mann, so zart, dass seine Knochen jeden Moment brechen konnten. Graue Augen beherrschten sein schmales, krankhaft blasses Gesicht. Müde hing ihm der Schnurrbart über den Lippen. Aber nicht das interessierte Al, sondern die Tatsache, dass der Kleine waffenlos war.

„Du hast dich in die Höhle des Löwen gewagt. Er mag dich sicherlich nicht sonderlich leiden, wie?“

„Er liebt das Mädel, welches ich glutvoll verehre“, bemerkte Link Derrick mürrisch, wobei er sich in die Brust zu werfen versuchte, tapfer gegen die Alkoholgeister anging, die ihm das Hirn vernebelten und seine Glieder schlaff machten. „Ich gehe jetzt hinein.“

„Um auf die gleiche Art hinausgeworfen zu werden?“

„Es geschieht nicht, wenn du mir eine von deinen Kanonen gibst, Freund“, klang die Stimme des Kleinen fest.

Er hob den Blick und sah Al abwägend an, kicherte vor sich hin: „Oder?“

„Ich möchte nicht derjenige sein, der dich aus der Bar als toten Mann heraustragen muss“, gab ihm Al sanft zu verstehen.

„Oh, keine Sorge. Ich habe zwar wenig Muskeln, aber ich habe einen glatten Zug. Der Hund muss mir meine Eisen fortgenommen haben, als ich meinen Rausch ausschlief. Die Eisen und meine Geldbörse.“

„Gut, ich werde deine Zeche bezahlen, Freund“, grinste ihn Al schief von der Seite an, „und du bekommst noch einen Drink!“

„Ah“, der Kleine riss den Mund erstaunt weit auf, als wolle er Al mit Haut und Haaren verschlucken.

„Mann im Mond ... ich glaube, es muss ein Mann vom Mond sein, der nicht weiß, wer Trent Kerrigan ist.“

„Um das zu erfahren, lade ich dich ein, Freund!“

„Herr im Himmel, er wird dich in Stücke schlagen.“

„Ich stehe noch heil vor dir.“

„Ich ... ich gehöre zur Hay-Ranch, und Trent wird es sich überlegen, ob er Rude Fellow so herausfordern wird, dass sein verteufeltes Leben keinen Cent mehr wert ist. Du aber bist fremd, und du trägst deine Kanonen so, wie sie Trent Kerrigan zur Raserei bringen. Willst du jetzt noch hinein?“

„Ich habe Durst, Freund, und mein Geld reicht, um auch deine Rechnung zu bezahlen. Komm nur.“

„By Gosh, auf dich habe ich gewartet, Mann vom Mond“, erwiderte der Kleine feierlich, wobei er eine kleine Verbeugung machte. „Ich bin Link Derrick, ein kleiner Mann – und ein kleiner Broncobuster für kleine Pferde. An mir ist alles so klein, dass es sich kaum lohnt, mich zu beachten. Aber nur zu, Tiger – ich will der kleine Hund sein, der notfalls bellt. Ich gehe dir voran.“

Mochte der Kleine unscheinbar sein, aber in seinem dürren, ausgemergelten Körper steckte der Mut eines Löwen. Bevor es Al noch verhindern konnte, schritt er auch schon durch die Schwingtür.

Der Lärm verstummte. Lachen und Unterhaltungen brachen ab. Bleich schimmerten die Gesichter der Gäste durch die in halber Höhe schwebende blaue Tabakwolke hindurch.

By Gosh, die Luft war stickig, erfüllt von dem üblen Gestank abgestandenen, schalen Biers und billigen Fusels. Al roch es, hier gab es keinen Genever, keinen Old Crow, keinen Whisky – dafür aber billigsten Fusel, den der nach Keuchhusten aussehende, schmalbrüstige Keeper selbst brannte.

Eine Marke, die einem die Kehle aufraute und den Verstand so trübte, dass einem das Zeug noch nach Wochen übel aufstieß.

Al fröstelte es – nicht wegen des Whiskys, sondern wegen der bösen Stimmung, die ihm jäh körperlich fühlbar entgegenschlug wie eine plötzlich auf ihn zukommende Giftwolke.

Mitten im Raum blieb der Kleine stehen, und der Einfachheit halber Al gleich hinter ihm.

Er konnte über den Kleinen hinweg in das grinsende Gesicht des Gorillamannes sehen, der seinen mächtigen Oberkörper langsam von der Theke stemmte, wo er soeben an einer richtigen Schüssel mit gebranntem Fusel schlürfte. By Gosh – im Licht sah der Bursche noch scheußlicher aus als draußen vor der Tür im Schatten der Nacht, ein Kerl, wie er in diesen billigen Saloon passte, ein typischer Quartalssäufer. Niedrige Stirn, eingeschlagene Boxernase, Wulstlippen, die von einer schwammig-weißen Zunge genießerisch beleckt wurden.

Rau stieß er heraus: „Also doch?“

Nein, mehr sagte dieses Ungetüm von einem Mann nicht. Man merkte es seinem Grinsen an, dass es das beste Fressen war, was ihm seit langer Zeit vorgesetzt wurde. By Gosh, das Grinsen verzog sein scheußliches Gesicht zur Niedertracht. Seine kleinen, tief im Schädel steckenden Basiliskenaugen waren unterlaufen, sie glitzerten so bösartig wie die einer Schlange, bevor sie ihre Giftzähne dem Opfer in den Körper stößt.

Yeah, ein bemerkenswerter unheimlicher Mann, ein Roboter aus Muskeln und Sehnen, ein Berg aus Fleisch.

Al beachtete er nicht. Nur den Kleinen verschlang er mit seinen Blicken, bevor er die Schüssel ergriff und sie wie einen Humpen hochschwenkte, umkippte, so dass das fuselige Gesöff seine alkoholgewohnte Kehle herunterlaufen konnte.

So mochte der Riese Mangas Coloradas, die Sagengestalt der Apachen, auf einer Bergkuppe seinen Becher aus Büffelblut geleert, sich in den Hals gegossen haben. Der bloße Anblick dieses Muskelprotzes ließ es einem übel werden.

„Habe ich zu viel gesagt?“, flüsterte Link Derrick seinem Begleiter zu.

„Ich denke nein – diesem Ungetüm ist nur mit einer Bleikugel beizukommen.“

„Das ist auch mein Gedanke, Freund – gib mir eine Kanone.“

„Ich handhabe sie für dich, Fellow“, erklärte Al hastig.

„Was gibt’s da?“, brüllte Trent Kerrigan. „Zwerg, hast du einen Prügelknaben mitgebracht?“

„Er wird dir die Blumenkohlohren stutzen“, sagte der Kleine in kalter Ruhe, „der Mann vom Mond wird dich dressieren, Riesenbaby.“

Das Grinsen des Gorillas verstärkte sich, wurde erschreckend.

„Hört, hört“, schrie er leutselig den Gästen in der Bar zu, „der Zwerg hat sich einen neuen Mann der Hay-Ranch zur Rückendeckung geholt – hinaus!“

„Geh weiter auf die Theke zu“, flüsterte Al seinem Vordermann zu. „Zuerst den Drink und dann den Bullen.“

Obwohl er leise sprach, konnte jeder seine Worte verstehen, auch der Riese, so still war es im Raum. Er grinste geschmeichelt.

„Um so besser, trinkt nur ein wenig Milch. Boys, trinkt nur, und dann setzte ich euch beide an die Luft, das ist ein Höllenspaß.“

Der Keeper wagte keine Einwände, obgleich ihm die Sorge auf der Stirn stand, dass er lieber ein Geschäft machte, und sein Feuerwasser an den Mann brachte, als dass er sich die Einrichtung demolieren ließ. Er stand betrübt und begrüßte Al düster mit den Worten:

„Du hast dir einen schlechten Empfang ausgesucht, Freund.“ Dabei schielte er bleich auf die Eisen, die tief an Als Hüften hingen.

„Oh, keine Sorge. Ich schieße dir die Einrichtung nicht in Trümmer und werde dir nichts nachtragen, du kannst nichts dafür, wenn sich bei dir ein ungewaschener Gorilla herumtreibt.“

„So wünsche ich, dass du es siehst, Fremder“, lächelte der Keeper beruhigt. „Ich möchte nicht, dass du zum Sieb wirst, lass deine Kanonen auf alle Fälle dort, wo sie sind.“

Jetzt verstand Al. O yeah, diese Kerle hier, die sich zum Pokern und an den Faro-Tischen, am Cherioo-Rad und am Roulette niedergelassen hatten, kamen nur deshalb her, um die Kräfte dieses Riesenbabys zu bewundern, sie würden es nicht zulassen, dass man den Gorilla mit einer Kugel kitzelte. O nein, denn sie machten sich ein Vergnügen daraus, hielten es für eine Art Sport, eine Entschädigung für den Tag, an dem sie schwer arbeiten und im Schweiße ihres Angesichts ihr Geld verdienen mussten – und yeah, der Gorilla wusste, dass man ihn vor einer Schießerei schützte. Sein Grinsen war so hohnvoll, dass einem der kalte Angstschweiß auf die Stirn treten konnte.

Im Gegensatz zu ihm, zu diesem Grinsen, stand das schreckensblasse Gesicht der Lady, die nun aus einer Nebentür auftauchte und herangeschlendert kam.

Al gab seine Bestellung auf: „Zwei Doppelstöckige, Wirt!“

„Die haben du und Link nötig“, grinste der Keeper durch die Zähne.

„Meine Sorge.“

„Abwarten“, zog sich der Wirt zurück, und Link zupfte Al am Hemdsärmel.

„Das ist sie, Lady Halmington. Bessy heißt sie mit Vornamen. Ist sie nicht süß!“

Der Kleine war ganz hingerissen, so dass er sogar den drohenden Gorilla vergaß, und nur sie, die Angebetete, sah. Al sah sie auch, aber er war nicht einmal berührt, obwohl er während seines Vierhundert-Meilen-Rittes keine Frau gesehen hatte.

Yeah, über Geschmäcker ließ sich streiten. Die Lady war nicht sein Fall. Dafür aber um so mehr der Gorilla und der Kleine. Beide Männer, obwohl in ihrem Äußeren grundverschieden, himmelten die große, vollbusige Frau so verliebt an, dass Al ein Lachen in seiner Kehle zurückhalten musste. Herr im Himmel, überall gab es Goldgräberinnen, Nachtfalter. Ladies, die starken Männern den letzten Dollar aus der Tasche zogen. Diese hier aber war unter der dicken Schminke einfach nicht zu erkennen. Ihr Mund war ein roter Klecks im weißen Puder.

By Gosh. Al hielt unwillkürlich die Luft an, als die schwammige, ringgeschmückte Rechte der Lady unter sein Kinn griff und ihre Stimme ihm zuflötete: „Du willst Link helfen, Fremder?“

Es verschlang ihm den Atem. Hölle und Teufel, ein Kampf mit dem Gorilla hätte ihm weniger ausgemacht, als ihre Parfümwolke ertragen zu müssen. In dieser Not kam ihm Trent Kerrigan selbst zur Hilfe.

„Bessy, lass deine Hände von dem Wolf. Er hat keine Manieren.“

Verwundert schaute sie Al an, schüttelte mit dem Kopf, auf dem ein unordentlicher Haarwust zu einem Knoten vereinigt war.

„Er scheint mir viel von Frauen zu verstehen“, flötete sie schelmisch. „Ein prächtiger Mann, Trent!“

„Er wird in wenigen Minuten nicht mehr so prächtig aussehen“, grollte der Gorilla böse. „Lass ihn seinen Whisky trinken, Täubchen, und dann geh hin und bestelle seinen Sarg. Wahrscheinlich ist das wieder so ein Hirnverbrannter, der für Joe Hays Sonderaufgabe sich in den Sattel setzen will. Hier ist sein Trail zu Ende. Er wird die Hay-Ranch nicht mehr erreichen – los, beeil dich!“

Die letzten Worte galten Al, der sein Glas erhoben hatte, und Link, der bereits das Teufelszeug hinuntergoss.

Bessy Halmington kannte wohl die Tonart dieses Affenburschen und glitt von ihm weg zur Seite, früh genug, um von dem Inhalt des doppelstöckigen Whiskyglases, den Al Carny mit einem Ruck dem Gorilla in die Augen spritzte, nichts abzubekommen.

Sie kreischte und Trent brüllte, schlug die geballten Fäuste wie Schmiedehämmer durch die Luft und daneben. Der kleine Link sauste wie ein eifersüchtiger Hahn ihn im kühnen Sprung in den Nacken und trommelte seine Fäuste auf des Gorillas Kopf.

Blind vom ätzenden Whisky stolperte der Riese wie ein mächtiger Bulle über den hingestreckten Fuß Al Carnys, stolperte und krachte auf die Theke, riss sie mit und sauste mit ihr in die Spiegelscheibe hinein. Es barst und klirrte, prasselte herab. Eine Flasche sauste vom Regal, zerschellte an der Stirn des Urmenschen. Der breiige Inhalt lief Trent Kerrigan übers Gesicht und über den Hals. Was der von Al geschüttete Whisky nur vorübergehend besorgt hatte, wurde durch den Brei vollends erreicht. Trent konnte nichts mehr sehen, und sein Schrei erschütterte den Raum, ließ die Fensterscheiben klirren.

Er schüttelte den Kleinen so ab, wie ein ausgewachsener Grizzly einen kleinen Pudel. Doch Link, der in eine Ecke geschleudert wurde, federte wie von einer Gummiwand zurückgeworfen, mit einem schrillen „Jippieeeh“ zurück.

By Gosh, niemand saß – nein, alle standen und reckten die Hälse lang, brüllten vor Begeisterung mit, und man hörte deutlich, dass einige Schreier dabei waren, die Trent Kerrigan sicher schon einmal zurechtgestutzt hatte, und die es recht gerne sahen, dass ihm höllisch zugesetzt wurde. Schreier, denen noch in der Erinnerung die Wut hochkam, und die sich nichts sehnlicher wünschten, als dass es Trent ähnlich ergehen möge.

Es geschah mehr, yeah, viel mehr! Trent stemmte sich aus den Trümmern und stand mächtig breitbeinig, von Schnittwunden gezeichnet, aber sicher auf den Beinen. Er versuchte, sich den Brei aus den Augen zu reiben. Doch es blieb beim Versuch.

Al Carnys Faust schlug schwer in seine Magengrube. Al mochte schmal und zierlich gegen über dem fast dreihundert Pfund wiegenden Trent sein. Sein Schlag indes hatte die Wirkung eines Pferdehufes. Die harte Art eines Mannes, dem ein rassiges Vollblutpferd gehörte, ließ sich nicht leugnen. Trent riss, nach Luft schnappend, den Mund auf, ächzte laut und klatschte zu Boden.

„Schafft ihn fort“, sagte Al, indem er sich zu dem Keeper wandte. „Ich kann kein Blut sehen.“

„Allmächtiger“, pfiff es Pat Laksky, dem Keeper, von den Lippen. Seine Augen wurden glotzend, drohten aus den Höhlen zu fallen.

„Mann Gottes ... du wirst es noch bereuen ...“

„Möglich, Freund“, grinste ihn Al an. „Doch nun habe ich wirklich Durst!“

Der Keeper schluckte schwer.

„Du bist einer von der harten Sorte“, presste er schließlich heraus. „Aber ich warne dich, einen Mann wie Trent kann man auf die Dauer nicht zwingen.“

„Bring deine Zugnummer hinaus!“, unterbrach ihn Al. Gleichzeitig brachte seine Rechte mit Zauberschnelligkeit einen Colt in Anschlag. Die Mündung klaffte dunkel. Den Anblick konnte der Keeper anscheinend nicht vertragen. Er würgte noch stärker und schrie zwei Männern zu: „Bringt Trent auf sein Zimmer und macht ihn munter!“

„Sie werden sich lange bemühen“, lächelte Al, wobei er das neu eingeschenkte Glas leer trank und auf die Theke setzte.

„Tut mir leid, ich muss fort, habe es eilig.“

„Gehörst wohl zur Hay-Crew?“, schnappte der Keeper, wobei sich seine Augen verengten.

„Nein, ich bringe nur meinen Freund dorthin“, grinste ihn Al an, indem er auf Link Derrick zeigte, der sich japsend auf einen Stuhl niedergelassen hatte und wieder einzuschlafen drohte. „Ich will nur nicht, dass man ihn zum zweiten Mal unsanft weckt. Schicke Bessy von meinem Freund fort.“

„Verdammter Cowpuncher!“, schrie Bessy wütend, die jedes Wort der Unterhaltung hörte, und nun wusste Al es ganz genau, dass sie keine Lady war und wenig Wert auf eine solche Anrede legte.

„Geh zur Hölle und nimm ruhig diesen kleinen Trunkenbold mit zur Ranch. Er hat mir Spaß gemacht – yeah, mehr noch, er war wie ein Hahn auf dem Mist – geht nur.“

Kleiderrauschend schob sie sich durch die grinsenden Männer an der Theke vorbei. Ihre fahlen Wasseraugen streiften Al mit einem bösen Blick.

Er zuckte die Schultern, trat zum Kleinen, hieb die geballte Faust auf die Tischplatte, so dass sie wie bei einer Detonation erdröhnte. Sofort fuhr der Kleine in die Höhe, stieß seine Hand blitzschnell dorthin, wo sich sonst wohl die Revolver befanden.

„Was ist los?“, schrie er heftig.

„Die Mexikaner kommen, Freund – wie ist es?“

Unsicher blinzelte der Kleine.

„Bevor ich endgültig einschlafe, will ich gerne mit dir zum Mond gehen“, erklärte er, und Al zog ihn sanft in die Höhe, aus der Bar hinaus.

„Gehen wir?“

„Wohin?“, fragte der Kleine abgerissen.

„Zur Hay-Ranch.“

„Du willst mich begleiten?“

„Ich bin so frei.“

„By Gosh“, schluckte der Kleine. „Dann lege den Gurt ab – yeah, lass ihn irgendwo, aber komm nicht mit zwei Colts auf die Ranch. Rude Fellow könnte es ausprobieren wollen.“

Müde strich sich der Kleine über die Stirn, leckte die trockenen Lippen.

„Mir ist ganz flau im Magen“, sagte er, als sie nebeneinander zu den Pferden gingen. „Aber noch flauer wird mir zumute, wenn ich daran denke, dass du mich begleiten willst.“

„Ist Joe Hay ein Menschenfresser?“, erkundigte sich Al gespannt.

Der Kleine nickte verbissen.

„Ich weiß nicht, warum. Früher war er rau und hart, aber in Ordnung – jetzt bedrückt ihn etwas, und darum hat er seine Angebote in alle Welt hinausgeschickt, um einen rauen Mann zu haben. Wofür, weiß ich nicht. Ist mir auch egal. Es sind gute und böse Männer erschienen, aber Joe scheuchte sie alle fort. Keiner war ihm gut genug. Hell and Devil, seitdem sein Sohn verschwunden ist, ist er wie ein Teufel ... Es ist kein Auskommen mit ihm. Du wirst es selbst erleben, Junge, wenn du noch Lust haben solltest, mich zu begleiten. Vielleicht hast du auch Glück, dass du ihm nicht begegnest.“

„Ich will es aber!“, nahm Al ihm das Wort.

„Du willst?“, schnappte Link, jäh stehenbleibend, „warum in Dreiteufelsnamen?“

„Ich bin vierhundert Meilen geritten, um Geld zu verdienen – das ist alles!“

„Allmächtiger, dann willst du der Mann sein, für den mein Boss einen besonders glühenden Sattel bereit hält?“

„Vielleicht.“

„Sonny ... du denkst an krumme Dinge, an heiße Weide. Glaube mir, die sind nicht an diesen Sattelt geheftet – das kann ich mit gutem Gewissen sagen.“

„Was ist es sonst?“, ermunterte Al ihn weiterzusprechen.

„Komm und schau – vielleicht hörst du, und dann kannst du ja, wenn dir der Alte nicht schon vorher eine grimmige Lektion erteilt, dich immer noch entscheiden. Reiten wir?“

Der Kleine war an der Luft wieder einigermaßen munter geworden. Auch sein Gesicht hatten die Spiegelglassplitter angeritzt. Er sah nicht gerade gut aus.

Ohne Hilfe schwang er sich in den Sattel eines gescheckten, drahtigen Broncos und wartete. Seine Augen weiteten sich, als er sah, wie Al sich dem Rappen zuwandte.

„Großer Gott, wenn der Boss dieses Tier sieht, wird er es dir abkaufen oder dich aber von der Ranch jagen, darauf kannst du Gift nehmen. Wollen wir wetten?“

„Keins von beiden, Fellow ... los denn!“ grinste ihn Al an. „Vielleicht macht er mit mir eine Ausnahme.“

„Wenn du auch Trent, den Grizzly, in die Knie gezwungen hast, so hat das im Vergleich zu Joe nichts zu bedeuten ... du wirst es bald erleben!“

 

 

2.

Al nickte nur, schnalzte mit der Zunge. Sein großer, wundervoller Rappe setzte sich in Bewegung. Er ritt neben Link Derrick über die Straße – und nichts geschah. Hinter ihnen in der Bar blieb es still.

„Er hat vorläufig genug“, murmelte der Kleine grimmig. „Aber wenn er das alles verdaut hat, hast du einen Todfeind hier in Dalton, Amigo, vielleicht auch zwei, denn es ist klar zu erkennen, dass Pat Laksky den Gorilla angeworben hat.“

„Und hinter Pat steht eine Meute guter Killer, wie?“

Überrascht hob Link den Kopf, bemerkte abgerissen: „Das ist ein guter Gedanke. Ich werde ihn aufgreifen und ihn hin und her gehen lassen. Vielleicht finde ich etwas. Doch vorerst bin ich zu faul und zu müde, um zu denken. Der Whisky dieses Keuchhustenkeepers hat mir mehr zugesetzt, als eine Herde Büffel, und in meinem Bauch wälzt sich ein feuriger Strom gegen die Magenwände. Mir ist verdammt übel.“

Vor der Stadt hielt er seinen Bronco an, schüttelte sich und krächzte: „Wenn man das Gesöff bis oben am Halse stehen hat, stülpt sich bei der Schlingerbewegung im Sattel der Magen um, ob man will oder nicht.“

„Du hast deine Erfahrungen darin?“

„Oh, jeden Zahltag bekomme ich es zu spüren“, grinste der Kleine totenbleich. „Dieses Mal habe ich es sogar an meinem verlängerten Rückgrat gespürt. Ich kann kaum sitzen.“

Das sah man. Der Kleine rutschte im Sattel hin und her, als hätte man ein Feuer unter seinem Hintern angezündet.

Und weiter ging der Ritt am Prower Creek entlang. Er plätscherte stetig neben ihnen. Ein kristallklarer Bach, fußtief im kiesigen Bett. Manchmal verengte er sich, und das Wasser wurde in Stromschnellen gepresst. Rechts und links an den Ufern standen Weidendickichte, und das Gelände hob sich allmählich. Schon nach einiger Zeit konnten die Reiter die gigantischen Black Mountains wie bizarre Mauern aufragen sehen – und wenig später sahen sie die Hay-Pferde-Ranch sich aus der Nacht herausheben, ein niedriger, breiter Bau, an den sich Schuppen und Stallungen schmiegten. Sie sahen die Fences und Corrals, die Palisaden, Restbestände aus vergangener Zeit, die das Anwesen zu einer Festung machten. Ein breiter, ausgetrampelter Pfad führte zum Ranchtor.

Link grinste dünn zu seinem Begleiter hin.

„Nun trennen sich unsere Wege“, sagte er dumpf. „Du musst dich selbst auf der Hay-Ranch einführen. Ich will nicht, dass mir der Alte den Kopf von den Schultern reißt. Ohne Kopf herumzulaufen, kann man einem anständigen Mann nicht zumuten.“

„Du hast jetzt schon keinen“, unterbrach ihn Al scherzhaft.

Der Kleine stieß hörbar die Luft aus und geiferte: „Was soll’s?“

„Wer in Bessy verschossen ist, hat den Verstand verloren.“

„Ah, daher der Wind. Es stimmt, sie ist eine Bestie, aber was kann man gegen seine Gefühle machen. Nimm du dich nur in Acht dort!“ Er deutete mit jäher Bewegung zur finster liegenden Ranch. „Dort gibt es auch etwas, was einen Mann aus den Stiefeln werfen kann. Und es ist schlimmer noch als alle Tricks des Alten. Das war nur ein Rat ... so long!“

Bevor Al etwas erwidern konnte, stieß sein Begleiter die Sporen in die Flanken seines Broncos, und das Tier raste mit ihm los – so, dass der Staub unter den Hufen wie Fontänen hochspritzte. Im gestreckten Galopp ritt der Kleine zur Ranch. Bevor er noch das Ranchtor erreichte, klang eine Bassstimme von dem Vorbau der Ranch zu ihm hin.

„Link, du versoffenes Whiskyfass, treibst du dich noch einmal in Dalton ohne meine Erlaubnis herum, nagele ich dich mit den Ohren an eine Box. Wen, zum Teufel hast du Idiot mitgebracht?“

Der Reiter stoppte jäh, so, als hätte ihn und sein Tier die mächtige Faust eines Riesen aus heiterem Himmel getroffen. Allein schon diese Wirkung ließ ahnen, dass nur sein Chef sich vor ihm am Ranchtor in der Dunkelheit befinden musste, denn, bevor er noch etwas sagen, sich aus seiner grenzenlosen Überraschung erholen konnte, grollte die raue Stimme schon weiter.

„Reite ganz langsam, mein Sohn, und sag deinem Begleiter, dass er die Hände still halten soll. Ich habe ihn bereits über Kimme und Korn festgenagelt. By Gosh, und ich schieße verdammt genau.“

Al trieb mit den Schenkeln seinen Rappen näher. Er sagte laut: „Das ist ein seltsamer Empfang für einen Mann, der für Joe Hay in den Sattel klettern will.“

„Um das zu erkennen, muss ich dir unter den Hutrand sehen, Boy“, knurrte Joe Hay böse.

„Dein Misstrauen geht ziemlich weit – so, dass es sich selbst gegen deine eigenen Leute richtet, Fellow“, erwiderte Al ärgerlich, hob leicht die Hände und ritt so hinter dem Kleinen her, dass ein einziger Schenkeldruck genügte, damit der Kleine zum Kugelfang wurde.

Joe Hay warnte laut. Als er plötzlich still wurde, hieb Al seinem Rappen die Absätze in die Weichen. Yeah, länger durfte er nicht mehr warten. Deutlich sah er die große Gestalt neben dem Tor, die im Mondlicht blinkende Winchester, die schnelle Bewegung des Mannes.

Wie von einer Tarantel gestochen, brach sein Rappe zur Seite aus, und zwar in die Flanke des Broncos, so dass der Kleine kopfüber über das Sattelhorn hinweg gegen Joe Hay prallte und mit seinem stürzenden Körper die Winchester aus den Händen des Riesen schlug.

Bevor sich Links Reittier laut wiehernd auf die Hinterhand warf, der Riese sich nach der entfallenen Winchester bücken konnte und Link auf die Beine kam, sauste Al Carny über den Hals des Rappen hinweg, wie ein Katapultgeschoss auf den Riesen zu. Seine Faust krachte unter das Kinn des Ranchers, schmetterte ihn zur Seite. Al landete den zweiten Faustschlag so schnell, dass der Rancher um die eigene Achse kurvte, langsam in die Knie ging und vom Boden her Al Carny mit geweiteten Augen anblickte. Heiser stieß er durch die Zähne: „Willkommen!“

By Gosh, das hatte Al nicht erwartet – mit keuchendem Atem und geballten Fäusten stand er breitbeinig, bereit, den dritten und entscheidenden Schlag in der Überrumpelung fortzusetzen. Doch das Willkommen lähmte seine Entschlusskraft.

„Ein seltsames Willkommen“, knurrte er böse.

Doch der Rancher grinste, stemmte sich auf seine mächtigen Prankenhände in die Höhe, und Al hatte Gelegenheit, den alten Burschen genau zu betrachten. Hell and devil ... er war eines Anblicks wert. Man wurde unweigerlich an ein Nashorn erinnert – gewaltig, dickfellig und heimtückisch.

Dieser Mann zeigte Ausmaße, die Trent Kerrigan fehlten. Er war noch größer, gewaltiger – ein wahrer Klotz von Muskeln und Sehnen, ohne den geringsten Fettansatz. Seine Hände hätte man mit Schaufeln vergleichen können. Der Kopf zog besonders die Aufmerksamkeit auf sich, war es wert, genau studiert zu werden. Er war erschreckend hässlich. Die wettergegerbte Haut spannte sich über die stark vorstehenden Backenknochen. Eine Hakennase von gewaltigem Ausmaß, blutleere, dünne Lippen, Augen, die tief in den Höhlen steckten. By Gosh, ein Urwaldmensch konnte nicht schrecklicher aussehen. Er glich einer Sagengestalt aus der Dämonenwelt. Zwei Köpfe größer noch als der sechs Fuß hohe Al Carny war er – und so breit in den Schultern, dass man vor ihm zurückwich und erst tief Luft holen musste, um seinen Anblick ertragen zu können.

Es war ein Wunder, dass zwei Schläge unter das Kinn ihn so hart mitnehmen konnten. Das Kinn aber schien sein weicher Punkt zu sein ... die Achillesferse, wie man so sagt. Er stand langsam auf und reckte sich, fegte den Kleinen leicht beiseite, so dass diesem das Glotzen und Staunen verging. Link sprang auf, ohne ein Wort zu verlieren, machte sich schleunigst in die Nacht davon.

Als er weg war, sagte der bärbeißige Rancher mit einem Anflug von Freundlichkeit: „Willkommen, Boy. Du hast ein gutes Pferd, eine schnelle Hand ... ob du auch andere Qualitäten zeigst, wird sich herausstellen. Du willst für mich reiten?“

„Ich bin immer noch interessiert“, erwiderte Al gelassen. Er ließ den Alten nicht aus den Augen, heftete die Augen an seinen Körper. Yeah, er wusste noch nicht, wie er ihn einzuschätzen hatte. In dem breiten Gesicht des Oldtimers zeigte sich keine Regung, es wurde ausdruckslos, wie aus Stein gehauen.

„So? Trotz der immerhin ungewöhnlichen Begrüßung?“

„Sie war nach meinem Geschmack“, grinste Al leicht vor sich hin. „Vierhundert Meilen bin ich geritten, um meine Stellung bei dir anzutreten.“

„Du brauchst Geld?“

„Yeah.“

„Du bist offen.“

„Ich habe es immer zu sein versucht.“

„Wenn es nun eine heiße Sache ist?“

„Solange sie nicht gegen das Gesetz verstößt, bin ich zu haben.“

„Man warnte dich?“, warf der Alte die Frage auf, ohne den Einwand zu beachten.

„Yeah, von mehreren Seiten.“

„Ich weiß – selbst Link wird es getan haben“, knurrte der Alte wütend. „Alle haben sie Angst vor mir, alle, nur du nicht?“

„Ich habe dich vorher nicht richtig gesehen, Fellow“, unterbrach Al. „Vielleicht hätte ich es mir dann auch überlegt.“

„Ich brauche keinen Mann, der lange überlegt, wenn die Gefahr auf ihn zukommt“, bemerkte der Oldman böse, indem er neugierig zu dem Rappen hinschaute und es wild in seinen Augen flackerte.

By Jove, man fühlte es, er war ein Pferdenarr. Ein Mann, der von einem guten Gaul verrückt gemacht werden konnte.

„Verkauf ihn mir“, forderte er plötzlich, und wieder bewies er, dass er sprunghaft von einem Thema zum anderen wechselte – seltsam lebendig und überraschend.

Als Grinsen wurde schärfer.

„Ich gebe ihn nicht her.“

„Wenn es ein Hengst wäre, würde ich ihn dir abnehmen, ohne groß zu fragen, du würdest eine Geldabfindung bekommen und die Sache wäre erledigt ... da es aber ein Wallach und er zur Zucht nicht geeignet ist – überlasse ich ihn dir!“

„Sehr großzügig“, murmelte Al Carny ironisch.

Der Alte rieb sich nicht einmal das Kinn. Er hatte die Schläge anscheinend verdaut, während Als Fäuste noch halb lahm waren und ihm die Hände bis in die Fingerspitzen scheußlich schmerzten.

Nachdenklich, mit schief gehaltenem Kopf, betrachtete er das ausladende Kinn des Alten. Yeah, es war ein Kinn wie aus Granit gemeißelt, fest gefügt ... ein Kinn, das die Kraft zu haben schien, den Hufschlag eines Pferdes zu ertragen.

Ihre Augen verkrallten sich. Zwei Männer standen sich gegenüber, zwei Kämpfer, und jeder versuchte, den anderen mit seinen Blicken zu durchdringen.

Dann grinste Joe Hay, zeigte seine gelben Pferdezähne. „Komm ins Haus, Sohn“, sagte er, wobei er seine Pranke ausstreckte. Nur zögernd nahm sie Al. Der Druck der Pranke war erträglicher, als er es sich vorgestellt hatte.

„Ich will die Hand eines Revolvermanns nicht gleich zu Brei quetschen“, grinste ihn der Alte fröhlich an. „Du wirst sie noch brauchen.“ Er ließ los und nahm die Winchester vom Boden, schrie, zum Bunkhouse gewandt: „Komm heraus, Link, und versorge die Pferde!“

Er brauchte nicht zweimal rufen. Link flitzte verstört aus der Unterkunft, kam schnell heran und flüsterte Al zu: „Du lebst noch, das ist gut, dann brauche ich noch keinen Sarg zu bestellen.“

„Ah, halt den Mund – stelle den Rappen in die beste Box und gib ihm das schönste Heu, verstanden?“

„Yeah, Boss.“

„Was war heute mit dir los, du kannst deinen Rücken kaum beugen?“

„Einer trat dort hinein, wo er am längsten ist“, fauchte der Kleine wütend und rieb sich die wunde Stelle.

„Trent?“

„Yeah, Boss.“

„Ich habe dir verboten, nach Dalton in die Bar zu gehen!“

„Ich habe daran denken müssen, dass ich ein Gentleman bin und mir ab und zu die Füße vertreten muss.“

„Und bist in der Gosse gelandet?“

„Nicht ganz, Boss – dieser Boy hat mir den Rücken gestärkt und hat Trent auf seine Größe zurechtgestutzt, so war es.“

„Und wo sind denn deine Eisen?“

„Als ich stockbetrunken war, muss mir jemand den Gurt genommen haben“, klagte der Kleine bekümmert.

„Es ist schon das dritte Mal, dass man dir den Gurt abnahm und du Schläge einstecken musstest – hast du es ihm jetzt zurückgezahlt?“

„So gut ich konnte, Boss. Wenn ich nicht so müde gewesen wäre, hätte ich Trent zertrümmert und in Stücke geschlagen, so wahr mir Gott helfe.“

Er wollte zur Kandare des Rappen langen, doch im gleichen Moment schrie er laut und vor Schreck grell auf. Der Stoff wurde ihm vom Körper gerissen und der halbe Ärmel seines Baumwollhemdes hing dem auskeilenden Rappen im Maul – die Hufe flitzten so scharf neben Links Kopf durch die Luft, dass der Kleine die Engel im Himmel Harfe spielen hörte.

Wie durch ein Wunder schlugen die Hufe fehl, und Link konnte sich mit einem verzweifelten Sprung in Sicherheit bringen. Doch, o Grauen, der Rappe kam wie ein geflügeltes Ungeheuer hinter ihm her. Link schrie abermals, rannte. Der Rappe streckte den Hals heraus, weit blähten sich seine Nüstern, und seine Augen funkelten im Mondlicht, hell und glänzend.

„Komm nur, Lucky, ich bringe dich schon selbst in eine Box“, sagte Al ruhig und sofort ließ der Rappe von der Verfolgung, kam zurückgetrabt und stieß mit seinem Maul Al ins Gesicht.

„Bravo, jetzt kenne ich das Pferd. Wenn der Reiter genau so ist ... aber das wird sich bald herausstellen“, erklang die Bassstimme des Ranchers Al von der Seite her zu. „Manche Männer haben gute Pferde.“ Der versteckte Sinn dieser Bemerkung lag klar zu Tage.

Al wandte dem Alten seinen Blick zu. „Bis jetzt weißt du nur, dass ich in deinen Sattel klettern will. Vielleicht überlege ich es mir.“

„Oh, es sind genug vor dir davongeritten, weil sie entweder den Ansprüchen nicht genügten, oder aber weich wurden. Link ist durch deinen Rappen weichgemacht worden, Boy – bei mir würde der schwarze Satan keine Chance haben!“

„Du kannst es versuchen.“

„Auch dann, wenn du hinterher deinen Sattel tragen musst?“, kicherte Joe Hay.

„Mit Blei kann man selbst einen Elefanten bezwingen“, dehnte Al wütend – und die Antwort kam sofort.

„Blei ist das beste Mittel, um sich Ärger vom Hals zu schaffen“, grollte Joe bissig, wandte sich scharf um und sagte über seine Schulter hinweg: „Du triffst mich im Saloon ...“

Mit diesen Worten stampfte er davon ... ein mächtiger, eigensinniger Mann, der sich keinen Brei um den Mund schmieren ließ. Ein Mann, dessen Absichten undurchsichtig waren wie die Nacht, die drohend und finster über dem Land lag.

 

*

 

Al Carny führte sein Reittier. Link, der sich einigermaßen von dem Schrecken erholt hatte, ging ihm voran. Er blieb auch bei Al, als das Tier abgehalftert war und sattellos in der Box an seinem Futter kaute.

„Ich komme heute kaum noch zum Schlafen“, sinnierte er. „Es ist ein Glück, dass ich mir heute einen gehoben habe – denn das alles, was sich heute ereignete, hätten meine Nerven im nüchternen Zustand kaum ausgehalten. By Gosh, früher, yeah, das waren noch Zeiten auf dieser Ranch. Die Sonne schien in alle Winkel hinein, es war ein Leben wie im Himmel! Seitdem aber Joes Frau den schönsten Platz im Garten für sich beansprucht und Grand Hay, der Sohn, spurlos verschwunden ist, wurde der Boden auf dieser Ranch zu heiß ...“ Er senkte seine Stimme zu einem Geflüster herab, wisperte dicht an Als Ohr: „Vielleicht will er dich auf den Trail setzen – nun, du wirst sehen.“

Vor der Stalltür trennte sich der Kleine von Al, trippelte schwankend und etwas steif zum Bunkhouse.

Al wartete, bis die Tür hinter Link zugeschlagen war, saugte dann die kalte, herbe Nachtluft tief in die Lungen. By Gosh, yeah – Wehmut und Sehnsucht lagen darin. Harzgeschmack der tiefen, meilenweiten Nadelwälder und der Odem der Gebirgswelt, das alles vermischte sich zu einem kostbaren Aroma. Herrlich war dieses Land der Schluchten und Wälder, der Berge und Seen, der schnell fließenden Creeks, in denen Forellen und Barsche schwammen.

Es war ein Land, in dem ein Mann den Wunsch haben konnte zu bleiben, am Ende seines Lebenszieles zu sein. Nachdenklich betrachtete er das Ranchhaus, jetzt, von Nahem betrachtet, war es groß und wuchtig. Das weiche Licht einer Petroleumlampe flackerte auf und wurde sichtlich höher gedreht.

Langsam überquerte er den Ranchhof, trat leichtfüßig über die verwitterten Stufen zur Veranda – dann öffnete er.

Der Saloon, wie ihn der Oldtimer nannte, befand sich gleich dahinter. Rechts neben dem Eingang wurde der Gewehrständer sichtbar, angefüllt mit Modellen aller Art, sogar bis zur kurzläufigen Schrotbüchse.

In dem weiten Raum, an dessen Wänden sich handgeschnitzte Schränke befanden, fiel der gemauerte Herd mit den Ohrensesseln davor sofort ins Auge.

An einer Kette hing ein großes Rad herab.

„Ein Brandzeichen“, grinste der Alte.

Noch deutlicher als im Mondlicht enthüllte die Petroleumlampe das verwitterte Gesicht des Ranchers. Er hockte vor dem Eichenholztisch, hielt die Ellenbogen auf die Platte gestemmt und deutete mit einer Kopfbewegung an, dass sein Gast sich ihm gegenüber setzen sollte.

Im gleichen Moment, als Al dem Wunsch des Gastgebers nachkommen wollte, flitzte die Riesenpranke unter den Tisch. Al jedoch duckte sich, und seine Hände brachten augenblicklich die Colts in Anschlag, bevor der andere seine noch über die Tischplatte gebracht hatte.

„All right“, knurrte der Alte befriedigt, wobei er seine Kanonen vor sich auf den Tisch schob. „Du hast nicht nur eine gute Hand zum Zuschlagen, sondern auch zum Ziehen, dazu ein gutes Pferd. Du könntest der richtige Mann sein.“

„Der deinen Sohn aus der Patsche holt, wie?“

Der Alte zuckte nicht einmal zusammen, schmetterte nur die Faust auf den Tisch, und es klang so, als ob er sich in seine Bestandteile auflösen und zu Brennholz werden sollte.

„Das hat dir die kleine Ratte ins Ohr gesungen.“

„Die ganze Stadt spricht davon“, unterbrach ihn Al ruhig. Doch der Alte knirschte nur die Zähne aufeinander. Seine Augen wurden dunkel wie die Nacht.

„Und wenn – mein Sohn ist fort, daran ist nichts zu ändern. Du sollst herausfinden, wo er ist, und du sollst ihn, ob tot oder lebendig, hierher zurückbringen, Boy.“

„Um das zu können, muss ich Fragen stellen.“

„Ich höre.“

„Sind Anhaltspunkte vorhanden?“

„Mein Sohn verschwand vor drei Monaten. Ich war der letzte, der ihn überhaupt sah. Er sah dort am Fenster Cowboys und blickte hinaus, etwa dorthin, wo die Straße nach Dalton sich befindet. Plötzlich sprang er auf, ergriff seinen Gurt und schnallte ihn im Lauf um. Wenig später sah ich ihn auf einem Rotfuchs davongaloppieren. Das ist eigentlich alles.“

„Hatte er Feinde?“

„Yeah, es waren auch meine Gegner“, klang es rau.

„Wer?“

„Rod Granzy.“

„Doch nicht der rote Granzy?“

„Genau der.“

„Allmächtiger ... du hast dir einen zähen Brocken ausgesucht.“

„Er unterhält eine Bande.“

„Ich habe davon gehört. Granzy soll erst vor Kurzem aus dem Zuchthaus entlassen worden sein und schon eine Bande auf die Beine gesetzt haben, die aus lauter Teufeln besteht.“

„Er konnte nur Teufel um sich scharen, da er selbst der Leibhaftige ist“, unterbrach der Alte grimmig. „Um es dir leicht zu machen, will ich dir erklären, dass Granzy vor Jahren mein Partner war. Wir trailten zusammen, kreuz und quer, überall dort, wo es Geld zu verdienen gab und wo ein Mann einen Zipfel des Glücks erwischen konnte. Wir fanden Gold, Silber, eine Kupfermine. Wir jagten das Chinchilla und den Biber, jagten am großen Bärensee im Norden und durchstreiften die Wüste im Süden. Manchmal waren wir reich und dann bettelarm, wir nahmen alles, wie es auch kam und wurden mit Allem fertig – nur nicht mit unserer Liebe. Wir liebten dieselbe Frau, und sie entschloss sich für mich. Von der Zeit an war Rod Granzy mein Feind – und sein Hass gegen mich wurde so groß, dass er Himmel und Hölle in Bewegung setzen wird, um mich zu vernichten. Ich fühle mich von ihm bedroht.“

„By Gosh!“

„Yeah ... es sind zwei Aufgaben, die dir zufallen: Meinen Jungen zurückzubringen und mich zu schützen, denn ich war derjenige, der Granzy ins Zuchthaus brachte. Du wirst nun verstehen, dass fünfzehn Jahre Zuchthaus den Hass eines Mannes noch beträchtlich weiter schüren können, nicht?“

„Nur zu gut“, sagte Al dumpf.

Sein Gegenüber nickte stumm.

„Und vor drei Monaten wurde er entlassen?“

„Yeah ...“

„Hell and devil“, entfuhr es Al ungewollt.

„Yeah, mehr kann man dazu nicht sagen“, entgegnete der Alte. „Ich denke, dass mein Junge ihn gesehen hat und deshalb aufgebrochen ist, um es von Mann zu Mann auszutragen. Vielleicht ist mein Sohn Grand tot, liegt am Trailrand irgendwo. Wenn Letzteres zutrifft, wirst du mir sagen müssen, wo sein Grab liegt.“

„Warum hast du es nicht selbst versucht“, murmelte Al bedächtig, indem er seine Beine vorschob, sich entspannte. Rau und verbissen klang das Lachen des Riesen zu ihm hin.

„Ich bin nicht mehr ganz fit. Eine Kugel von Granzy hat mein Rückgrat verletzt. Wenn ich mich länger als zwei Meilen im Sattel halten kann, muss ich dem Teufel danken. By Jolly, aber ich bin noch schnell und stark genug, um mir die Möchte-gerne, die Angeber und Salon-Cowboys vom Hals zu halten. Was ich brauche, ist ein echter Mann, ein sehr schneller Mann, ein Mann, der ähnlich veranlagt ist, wie ich es in meinen besten Tagen war. Ich habe dafür einen Blick. Du hast deine Prüfung verdammt gut bestanden.“

„Ich würde es an deiner Stelle nicht noch einmal riskieren“, fauchte Al böse.

Der Alte fiel ihm jedoch ins Wort. „Es war hell genug, um in deine Augen zu sehen, es war keine Gefahr für mich dabei – ein Mann mit deinen Augen kämpft fair. Nun, das wäre aber für Rod Granzy nicht angebracht, du müsstest deine Methoden ändern, Boy!“

Er beugte sich weit über den Tisch, kalt blickte er Al an – kalt und abschätzend. „Ich zahle einen hohen Preis.“

„Aus diesem Grund bin ich hier.“

„Die Hälfte sofort?“

„Das Ganze sofort – und überwiesen an meinen Bruder“, bestimmte Al.

Das Grinsen des Alten erlosch.

„Ein toller Vogel, der Bruder, wie? Er braucht eine Stange Geld?“

„Aber nicht, um es zu verprassen ... Er geht zur Schule, Fellow.“

„Die meisten sterben an Gehirnverkalkung. Ich habe nichts für studierte Männer übrig, aber du musst es wissen. Lass die Adresse deines Bruders hier ... er soll alles bekommen. Du wirst sehen.“

„Außer Proviant und Munition“, grinste Al.

Jetzt lachte der Alte und fragte dann: „Du willst sofort beginnen?“

„Yeah.“

„Nun, dann die letzte Prüfung, mein Junge. Heh, Linda, komm herein!“, schrie der Alte zur Nebentür hin.

 

*

 

Die Tür öffnete sich, und im gleichen Moment wusste Al, dass es wirklich die größte und schwerste Prüfung seines Lebens war. Wer diesem Mädchen in die violetten, wunderschönen Sternenaugen sah, vergaß sich selbst, verlor die Umwelt, die Beziehungen und konnte keinen Blick mehr von ihr lassen.

Oh, Himmel, Pest und Schwefel, alle guten Geister stehen mir bei, dachte er aufgeregt, als er ihr schmales, feingeschnittenes Gesicht sah, in dem die Augen brannten und loderten und das von roten Ringellocken umrahmt war. Schmal war die Nase, rot und fein gezeichnet der Mund, etwas üppig geschaffen, um dem Verstand eines Mannes den Garaus zu machen. Die hochgespannten Augenbrauen und die langen Wimpern prägten die Reize ihres Gesichtes besonders deutlich. Hochgereckt war ihr Hals. Die gelbe Reitbluse bildete einen reizenden Kontrast zu dem schwarzen Tuchrock. Ihre Hüften waren so schmal, dass man sie mit den Händen umfassen konnte – und dennoch ... sie wirkte größer, als sie in Wirklichkeit war. Wie eine Königin sah sie aus, wenn sie die Reitgerte eng an den schwarzen Reitrock, der mit Silberornamenten verziert war, presste.

Silbersporen glänzten an ihren schwarzen Stiefeln.

Sie sah Al unverwandt an ... so, als wolle sie ihn mit ihrer faszinierenden Erscheinung bezwingen. In ihrem Blick lag Lockung, Charme, lag das undeutbare Verlangen einer reifen Frau, brach etwas hervor, was die Nerven aufpeitschte und das Blut in Wallung brachte.

Erregt schlug sein Herz. Vor seinen Augen zog es wie Nebelfetzen hin und her.

Ihr Anblick bürdete ihm mehr auf, als er vertragen konnte, denn sie war das Ideal eines Mannes, die Verkörperung der Frau, die ihm in seinen Träumen begegnet war, und die nun in höchster Vollendung vor ihm stand.

Das war einfach unfassbar, nicht zu glauben. Er atmete schwer, fühlte, wie ihre Erscheinung ihn beeindruckte und ihn gefangen nahm, so dass er keiner Regung mächtig war. Nach einer Weile des schweigenden Anblicks stand er linkisch auf, riss sich gewaltsam zusammen und nahm seinen Stetson vom Kopf. In diesem Augenblick krachte die Faust des Alten auf sein Kinn, so dass ihm der Schmerz wie eine Flutwelle von der Kinnspitze bis in die Zehen hinabzog. Der unnachgiebige Druck der Faust riss seinen Nacken nach hinten und warf seinen Körper zu Boden. Al wälzte sich mit einer katzenhaften Bewegung herum und zog blitzschnell.

Aber nicht der Alte stand im Schussbereich, sondern das Mädel, und sie lächelte. Yeah, sie lächelte so zauberhaft, dass Al schwer schluckte und dann langsam die Waffen zurückgleiten ließ.

„Dad ... er ist ein Mann wie die anderen auch“, hörte er sie zu ihrem Vater sagen, der ruhig hinter ihr stand und sich grinsend die Faust rieb. „Aber er hat besondere Qualitäten, wenn ihn auch sonst nichts von den anderen unterscheidet, die nur die Augen aufreißen, blöde starren und sich linkisch benehmen können. Die letzte Probe hat er nicht bestanden!“

„Yeah, Darling, für einen Mann, der deinen Bruder holen und mich beschützen soll, hat er sich reichlich dumm benommen. Er hat seine Lektion bezogen. Komm nur wieder zu dir, Boy, Linda serviert dir das Abendbrot.“

Ohne auf einen Einwand zu achten, drehte sich der knorrige Riese um und verschwand durch die Tür. Sogleich verschwand das Lächeln aus ihrem Gesicht.

„Stehen Sie auf, und starren Sie mich nicht so an!“, sagte sie barsch zu Al.

By Gosh, er versuchte es, ohne auf ihre Worte etwas entgegnen zu können.

„Stumm sind Sie anscheinend auch“, bemerkte sie mit einem mitleidigen Lächeln.

„Vor Staunen, Madam“, murmelte er verstört.

„Wohl über den Empfang auf der Hay-Ranch, wie?“, entgegnete sie.

Er rieb sich nachdenklich das Kinn. Es war stark angeschwollen. Bestimmt würde ihm heute das Essen Schwierigkeiten bereiten.

„Auch“, murmelte er, wobei er sie aus verkniffenen Augen musterte. Nein, jetzt war sie nicht mehr so überwältigend. Der Schlag vors Kinn hatte ihn mächtig abgekühlt. Zu allem Ärger erschien nun auch der kleine Link und grinste ihn breit an.

„Du lebst immer noch?“, schnarrte er.

„Yeah, nur um dir eine Hanfkrawatte über deinen neugierigen Hals zu streifen, Freund“, kam es unwirsch aus seinem Mund. „Verschwinde, bevor ich aus dir ein Beefsteak mache.“

Link tat ihm den Gefallen und tauchte unter, kam nicht wieder zum Vorschein. Das Mädel servierte.

By Gosh, seine Augen wurden rund. Es gab schwarzen Kaffee, ganz nach dem Herzen eines Raureiters, heiß und stark, dazu Rouladen, gespickt mit durchwachsenem Speck, Kartoffeln und Soße sowie Salat. Als er alles in sich hineingestopft hatte, brachte sie noch einen Apfelkuchen!

„Ich dachte, Sie würden nicht essen können“, sagte das schöne Mädchen ironisch.

„Mir ist nichts in der Gurgel steckengeblieben“, parierte er ihre Bemerkung.

„Es soll Männer geben, die einen Kuhmagen haben. Ich habe es nie glauben wollen, jetzt bin ich überzeugt. Guten Appetit.“

„Es reicht gerade, Madam“, schluckte er kauend.

„Eine Frage, haben viele Männer diese Art Prüfung hinter sich gebracht?“

Ihre Augen strahlten fröhlich.

„O ja, es war ein Vergnügen, keiner hielt es durch. Die meisten hatten schon am Ranchtor eine Bleikugel unter der Haut und mussten sich in Dalton drei bis vier Wochen in ärztliche Behandlung begeben. Andere schafften es bis zum Saloon.“

„Zum Ringplatz“, unterbrach er frech.

Sie ließ sich nicht stören und ihr Lachen, welches den lieblichen Glanz ihrer Erscheinung zurückzauberte, wurde heller.

„So kann man den Raum hier auch nennen, Cowboy. Jedenfalls hielten sie den Anblick der Kanonen nicht aus und zogen entmutigt ab. Andere mussten mit Tragbahren abgeholt werden. Dreimal hat es aber auch Dad schlucken müssen. Er nahm den Bleisegen hin. Yeah, Dad ist schon ein ganzer Mann.“

„Das habe ich gespürt“, ergänzte er lächelnd.

„Oh, das freut mich. Sie nehmen es wie ein richtiger Mann hin. Wann beginnen Sie mit Ihrer Arbeit?“

„Erst wenn Sie mir mein Zimmer gezeigt haben, ich ausgeschlafen bin und die herrlichen Speisen verdaut sind. Die Beikost habe ich bereits verdaut, Madam“, knurrte er.

Jetzt lachte sie silberhell, ein klingendes, bezauberndes Lachen, das ihn den Groll vergessen ließ. By Gosh, jetzt wusste er, von wem auf dieser Ranch die größte Gefahr ausging, und das war zweifelsohne sie. Ein Mädchen mit Pfirsichhaut, roten, glutheißen Lippen und betörenden Augen. Ein Mädchen, dem das flammende Gelock weich auf die Schultern, wie in zärtlicher Liebkosung, niederfiel.

Yeah, in ihrer Nähe möchte man bleiben, bis der Jüngste Tag anbrach.

 

 

3.

In dieser Nacht schlief er wundervoll. Er träumte süß und töricht. Ein Mädel mit flammendem Goldhaar streichelte im Traum zärtlich seine Wangen, zauste sein öliges, schwarzes Haar und strich zart mit ihren Fingerspitzen über die große Stirnnarbe, so dass er die feinen Nägel sehen konnte, das Kribbeln unter der Haut spürte, das ihre Berührung auf der alten Narbe auslöste.

By Gosh, yeah, unter ihrer zarten Hand brannte die Narbe stärker als bei Wetterumschlag, Föhn, Sturm und Regen. Sicherlich hatte der Mex, der ihm die Narbe über der Stirn am Rio durch einen Säbelhieb beigebracht hatte, sich nicht träumen lassen, dass diese Narbe Als Wetteranzeiger war.

Sie zeigte im Traum auf schönes, günstiges Wetter. Er lag im Büffelgras unter strahlender Sonne, von blauen Bergen umgeben ... Silberwolken zogen dahin ... und vor ihm saß sie ... das Mädel mit dem Goldhaar …

Sie tanzte, bewegte die gelenkigen, wunderbar gewachsenen Glieder, und das Schleiergewand um ihren gertenschlanken und doch so reizvollen Körper flatterte im Winde …

Er sah ihr zu …

Konnte nicht anders, als sich unendlich erbauen an der Gelöstheit ihrer Bewegungen ... an dem Spiel ihrer Glieder ... By Gosh, welcher Mann würde es nicht tun? Welcher Hartgesottene würde nicht weich wie Butter bei so einem Anblick werden, den selbst die Vorstellung von einem rassigen Pferd nicht ersetzen konnte.

Und plötzlich, als er so im Schauen versunken war ... stürzte ein Schwarzer aus dem Gebüsch.

Ihr Schrei gellte in den herrlichen Sonnentag ... Er fuhr wie von einer Tarantel gestochen in die Höhe und die Detonation eines Schusses zerriss fast sein Trommelfell …

„Ausgeschlafen, Mister?“, höhnte es vor ihm.

Seine ausdruckslosen, verschlafenen Augen wurden hellwach. Ein grimmiges Lächeln zuckte um seinen Mund ... Vor ihm stand ein pechschwarzer Mann, dem wohl mit einer Speckschwarte die Haut abgerieben wurde ... Ein Schwarzer, der so breit wie ein Kleiderschrank war und einen Nacken besaß, vor dem ein ausgewachsener Bulle vor Neid platzen konnte.

Das Weiße in seinen Augen leuchtete, und seine Lippen waren rot und seltsam feurig.

„Ausgeschlafen?“, grinste er, wobei er das Brett, mit dem er heftig auf den Boden geschlagen hatte, liebevoll streichelte. Doch plötzlich wurde sein Gesichtsausdruck starr, und die Augen rollten hin und her, zugleich aber wurde seine Haltung merklich ängstlich und unsicher.

Er blickte geradewegs in die Mündung des schweren 45er Colts, der kaum sichtbar unter Als Decke auf ihn gerichtet war.

„Mit solchen Methoden soll man verteufelt vorsichtig sein, Freund“, mahnte Al leise.

Der Schwarze schluckte ... bewegte sich unruhig hin und her.

„Der Boss hat es befohlen“, stammelte er endlich. „Tun Sie das Ding weg, Mister.“ Bob warf das Brett zur Seite, hob beide Hände ... Deutlich sah man die Muskelpakete unter seinem knapp sitzenden, roten Baumwollhemd.

Ein prächtiger Bursche ... The Rude Fellow hatte sich in der Tat eine verteufelte Mannschaft ausgesucht.

„Sage dem Boss, er soll meinen Schlaf nicht stören“, gähnte Al ungeniert und reckte sich. „Nimm die Hände herunter, Boy. Wenn du es noch einmal versuchen solltest, mich in einer solch unartigen Weise zu wecken, wird dir keine Zeit mehr zum Beten verbleiben ...“

„Halleluja“, stammelte Bob, wobei er seine verlorengegangene Haltung langsam wieder zurückgewann. „Mister, demnächst werde ich Sie sanft wecken.“

„Höre, black Boy ... ich wünsche, nie geweckt zu werden. Zwei Dinge schätze ich nämlich auf der Welt, meine Ruhe und gutes Essen. Wir haben uns wohl verstanden?“

„O yeah, Mister ... Boss wünscht dich zu sprechen.“

„Nach dem Frühstück, Boy, vorher habe ich keine Sprechstunde ... Geh in die Küche und melde, dass ich Proviant für eine Woche und einen Vorschuss für meine persönlichen Ausgaben brauche.“

„Ich eile, Mister.“ Der Schwarze schien sichtbar froh, so weggekommen zu sein. Wie der Blitz verschwand er aus dem Raum, und Al drehte sich im Bett ... und staunte.

Details

Seiten
173
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738915433
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v384944
Schlagworte
rude fellow eine rechnung

Autor

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Titel: RUDE FELLOW - Eine alte Rechnung