Lade Inhalt...

Löhndorff Gesamtausgabe #2: Glück in Manila

2017 300 Seiten

Leseprobe

Löhndorff Gesamtausgabe #2

Ernst F. Löhndorff

Published by Casssiopeia-XXX-press, 2017.

ERNST F. LÖHNDORFF

GLÜCK IN MANILA

Roman

––––––––

image

IMPRESSUM

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Nach Motiven von Pixabay mit Steve Mayer, 2017

Redaktion und Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

––––––––

image

Klappentext:

ICH LEBTE SCHON SEIT Wochen und reichlich desillusioniert in Manila und hatte keine Pläne, wie es weitergehen sollte. Dann traf ich die schöne Daisy, die wiederum eine Gruppe von reichen und ziemlich verrückten Zeitgenossen kannte, die es sich in den Kopf gesetzt hatten, nach Gold zu suchen. Im Dschungel, weit abseits jeglicher Zivilisation! Und ich war verrückt genug, mich auf dieses riskante Abenteuer einzulassen.

Eine Frau allein unter mehreren Männern – jeder vernünftige Freund hätte mir inständig geraten, das lieber bleiben zu lassen. Zusammen mit der Gier nach Gold konnte so eine Expedition nur dramatisch enden. Ich glaubte aber, dass alles schon gutgehen würde. Aber da sollte ich mich gewaltig täuschen ...

Ein autobiografischer Roman von Ernst F. Löhndorff. Der Abenteurer und Weltenbummler schildert mit wortgewaltigen Bildern seine eigenen Erlebnisse auf den Philippinen. Authentisch und auch sehr persönlich zieht er die Leser in den Bann einer spannenden und dramatischen Geschichte.

***

image
image
image

Anita von Santa Ana

image

He, pass doch auf, du elefantenlatschiger Unhold! Merkst du nicht, dass du andauernd einer zarten, schönen Frau auf ihren Füßchen herumtrampelst? Goddamn!“

„Ich tat’s doch wahrhaftig nicht mit Absicht, Honigkind!“

„Bin nicht dein Honigkind! Vierzig US-Dollar kosten solche Tanzschuhe, und du bildest dir wohl noch ein, dass wir armen Mädchen sie im Zehn-Cent-Laden beim guten Onkel Woolworth kaufen? Scher dich zum Teufel! möcht’ ich am liebsten sagen; aber dieser dämliche Hausmanager schaut schon seit fünf Minuten zu uns herüber, und ich muss fein züchtig tun, denn ich brauche meinen verdammten Job!“

Plötzlich lächelt sie verführerisch. „Bist ein reizender Junge, und tanzen kannst du wie der Leibhaftige, ehe er zur Welt kam!“

Der misstrauische Manager, der keinen Ärger duldet, wird zum Glück abgelenkt und sieht woanders hin.

Sie fordert mich auf: „Wir wollen an deinen Tisch gehen, langes Elend! Daisy muss sich von ihren Strapazen mit dir erholen! Come on!“

Und sie steuert mich geschickt durch das Gewühl tanzender Paare und vollbesetzter Tische nach meiner Ecke. Aufseufzend lässt sie sich in einen Stuhl fallen und greift verächtlich nach der Coca Cola-Flasche. Saugt durch den Strohhalm den Inhalt aus. „Richtigen Stoff hast du wohl keinen, schöner Knabe?“

„Wenn du eine flache Hüftflasche voll Schnaps meinst, Darling: weil Amerika und naturgemäß diese schönen Philippinen-Inseln hier aus heuchlerischen Gründen wieder mal trocken sind, so könnte ich ja was bestellen.“

„Na, dann tu’s doch schon, langer Bengel!“

Eben tritt einer der fünf Manager – es ist derselbe, der uns kurz vorher beäugt hat – an unseren Tisch. Der sympathische, zierliche Filipino im tadellosen Tropenfrack verbeugt sich.

„Alles okay? Gefällt es Ihnen bei uns, Mister? Daisy ist ja auch eine unserer besten ‚Hostessen‘, und ich ...“

„Halt die Klappe, Felipe. Daisy hat grausamen Durst und könnte den ganzen Hudson nebst East River und eurem lausigen kleinen Pasigfluss hier austrinken.“

„Soll ich den Muchacho nach mehr Coca Cola, Eiskrem oder Eistee schicken?“

„Go to hell and to blazes mit deinem sanften Geschmuddel. Wir sind Weiber und Männer hier und verlangen was Kräftiges!“

„Alkoholische Drinks sind laut Gesetz unzulässig und leider streng verboten!“

„Vorhin war ich in den Toilettenräumen, und da war der Fußboden mit leeren Hüftpullen voll. Dann kam irgendein ganz böser Scheich, schenkte dir heimlich die ersten Kunstseidenstrümpfe und führte dich auf sonderbare, vergnügliche Abwege, fern von Pa und Ma!“

Aus vollem Halse lachend, stößt sie die Worte hervor: „Du scheinst ja ein ganz durchtriebener Himmelslotse zu sein! Hör zu: meine Eltern sind tatsächlich gute Leute. Und ich wurde nach etlichen Erlebnissen auf einmal Tanzgirl! Hast du was dagegen, Schatz und Honigknabe?“

„Nichts, o Kleopatra. Doch sag, du bist nämlich wirklich ’ne hübsche Puppe und hast alles, was eine solche braucht, warum bist du nicht nach Hollywood getürmt?“

„Da war ich, alter Quasselkopp! Da war ich! Und wenn uns jemand für jede schöne Frau, die dort vergeblich beim Film ankommen will, nur zehn Cents schenkte, so brauchten wir beide unser Lebtag nicht mehr zu schuften und könnten herrlich und in Freuden leben.“

„Erzähl mal, wie’s war, Sweetheart!“

Ich nehme einen herzhaften Schluck Gordons Dry Gin aus der Kaffeetasse.

„Erzähl mal!“, äfft sie mich nach und stößt kampflustig das runde, weiche Kinn vor. „Du dämlicher Fünfcentscheich, was glaubst du eigentlich, was Hollywood ist? Eine Erdbeertorte mit Schlagsahne? Nee? Eine Jauchegrube, auf der künstliche Lilien und Rosen und Vergissmeinnicht gedeihen? Mann, wenn du als Frau in dem Saftladen was werden möchtest, falls sie dich wirklich zu den verschiedenen Proben und Tests zulassen, dann musst du erst mal, unverblümt und ehrlich gesprochen, mit ’ner ganzen Horde fetter und magerer Scheichs, von denen aber das Ja und Amen abhängt, ins Bettchen gehen. Und denkst du dann, jetzt hast du sie, dann bist du schief gewickelt, denn du hast sie noch lange nicht, aber sie haben dich!“

Felipe gleitet wieder an unseren Tisch, lächelt entwaffnend und wendet sich an Daisy: „Es warten verschiedene Caballeros und Gentlemen auf dich, die mit dir tanzen wollen. Vergiss nicht, dass du auf Fixum und Prozente bei uns angestellt bist!“

Ich greife in die Tasche und halte ihm ein paar volle Tickethefte hin. „Das genügt wohl?“

Er überfliegt die Hefte, schiebt sie dann der Frau hin und verbeugt sich vor mir. „Die Dame ist bis drei Uhr früh Ihre Partnerin. Ob sie tanzt oder nicht, die Tickets sind bezahlt. Aber sie darf sich vor Ablauf der Zeit nicht entfernen!“

„Hau ab, old Felipe, wir sind anständige Leute!“, ruft sie dem sich Entfernenden nach und fährt dann in ihrer Erzählung fort: „Ja, und so ab und zu oder sehr häufig – denn alles ist ausgekochte Reklame und gehört zu Hollywood! – liest man in der Illustrierten, dass irgend so ein Regisseurbonze die ganze Welt bereist, per Flugzeug, Schiff, Auto, Hundeschlitten und Kamel. Alles nur auf der verzweifelten Suche nach irgendeinem bestimmten Baby von zwanzig Jahren für einen bestimmten Millionendollar-Großfilm. Und plötzlich, als er schon seufzend die Suche aufgeben und nach Hollywood heimkehren will, um dort unter zehntausend Weibern aller Typen seine Wahl zu treffen, da, hast du Worte, findet er sie! Entweder ging sie in einem kleinen europäischen Städtlein gerade mit dem Einkaufsnetz auf den Fischmarkt, um drei Bücklinge zu kaufen, oder sie saß am offenen Fenster in Muttis Küche und fütterte sanfte Tauben und freche Spatzen, oder sie sang silberhell das Gloria in der kleinen Dorfkirche.

Und da findet er sie, und jetzt hat er seine neue Hauptdarstellerin! Sie kriegt einen Bombenkontrakt – heißt es in der Presse, und er nimmt sie mit ins gesegnete, gelobte Hollywood, die größte Kunstfabrik aller Zeiten. Vorher aber legt er ihr einen teuren Pelzmantel um die zarten Schultern und steckt ihr ’ne Handvoll Orchideen an den knospenden Busen. Und in Hollywood wird sie gedrillt und exerziert als Schminksoldatin, und Papa Regisseur verlangt natürlich seinen Tribut, und dann öffnet sich eine märchenhafte Karriere vor ihr – oder auch nicht. Kapiert?“

„Weiter, o Theodosia!“

„Unsinn, Daisy heiß ich! Na, und da sich’s erweist, dass sie als Star nicht viel taugt, kann sie immer noch Starlet werden, wenn sie Grips hat, und wenn nicht, dann Statistin, und wenn sie smart ist, so heiratet sie einen ehrlichen Scheich, der mit dem ganzen Hollywoodzimt nichts zu tun hat. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute! Sag mal, Daisykind, hast du gefilmt?“

„Keine Spur! Ich wollte natürlich, und hätte meine Seele und alles, was dazu gehört, verkauft. Aber ich bekam keine Chance bei diesem lausigen Affenpack. Also wurde ich Nummerngirl, weißt du, so ein etwas knapp bekleidetes Baby, das in den Varietépausen dem Volk die nächsten Nummern ansagt. Später Garderobiere, und du würdest Wellblechbaracken staunen, was man da so erlebt, o du meine Güte! Und dann hätte ich fast einen Gangster geheiratet. Maxie war wirklich ein Kavalier! Aber er kriegte eine Revolverkugel ab, und ich fuhr schleunigst nach Frisco und nahm Engagement nach Honolulu, als Revuegirl.

Und du kannst dir vorstellen, wie erstaunt meiner Mutti Töchterlein war, als sich’s herausstellte, dass man gar nichts von mir als Revuegirl wollte, sondern die ganze Geschichte bestand aus einem Haus. Einem hübschen Haus oben auf dem Berg bei Punchbowl Hill, mit einem Dutzend Mädels und ’ner sehr netten, eleganten Madam. Du begreifst wohl, was das für eine Bude war? Da machte ich Krach, und sie bekam es, als Überredung nichts nützte, mit der Angst und gab mir eine Abfindung, unter der Bedingung, dass ich Honolulu mit dem nächsten Schiff verließe. Und der Dampfer ging nach Manila, und da dies sozusagen amerikanischer Boden ist, blieb ich hier und nahm die Stellung im Santa Ana an.

Schlecht ist sie nicht, aber ich will ja auch nicht ewig hierbleiben. Sieh, man findet doch zum Beispiel Gold auf diesen Inseln! Die Zeitungen sind ja voll davon! Also will ich, wenn’s gut geht, mit einem Sack voll Gold, in Banknoten eingewechselt, eines Tages nach Hause in Gottes eigenes Land fahren, heiraten und Kinder kriegen. Das ‚Santa Ana‘ ist wirklich nicht übel. Man bleibt selbständig. Ein bisschen langweilig zwar, denn, wie du gesehen hast, sind außer mir noch vier weiße, waschechte USA-Girls hier. Die anderen sind lauter Filipinos und ein paar Japanerinnen und Chinesinnen dabei – das geht gerade noch, denn mit schwarzen Mädchen zum Beispiel würden wir nicht in einem Haus arbeiten. Für die farbigen Soldaten gibt es eigene Lokale.“

„Und die Filipinos und Japaner und Chinesen, sind das vielleicht keine Farbigen?“, frage ich schadenfroh.

„Gewiss – ich wurde schon öfters angepöbelt, aber nicht ernstlich. Von Weißen! Weil ich hier arbeite. Und dabei kommt die halbe weiße US-Army und Marine zu uns! Ich hab’ mich auch erkundigt, und es ist okay, dass wir hier arbeiten, sonst würden es die Behörden ja nicht dulden. Wir Weißen tanzen allerdings nur mit Weißen. Und daran hat’s im ‚Santa Ana‘ keinen Mangel.“

„Mir soll’s auch egal sein!“

„Wieso? Honeyboy, hast du mich nicht ein bisschen gern?“

„Klar!“

„Ein bisschen? Ganz viel? Mächtig? Toll?“

„Nur ein bisschen!“

„Grobian!“

„Liebling, erzähle weiter. Ich höre dir so gern zu.“

„Bin schon fertig. Nun, und ja, das Tanzen kostet Schühchen. Und was man sonst dabei alles erlebt! Du fändest keine Worte. Und wenn man am liebsten solch einem zweibeinigen Affenpinscher ein paar runterhauen oder ihm mit allen zehn Nägeln ins Gesicht fahren möchte, so muss man sanft und lieb säuseln: ‚Aber nein, Mister, es tat gar nicht weh, als Sie mir aufs Zehlein trampelten! Sie tanzen einfach wundervoll!‘„ Sie seufzt: „Zum Auswachsen ist das!“

„Beruhige dich, Honigmäulchen, und trinke lieber noch ein Schlückchen!“ Ich fülle von neuem ihre Tasse.

Einen guten Zug hat sie! Dieses hübsche, unschuldig blickende Mädel hat Haare auf den Zähnen und kennt die Höhen und Tiefen des Daseins. Und obwohl sie flucht wie ein Matrose, ist sie mir sympathisch.

„Höre, du bildest dir doch nicht etwa ein, weil ich dir mein armes Herz ausgeschüttet habe, dass ich für dich so ’ne Art Mädchen für alles werde?“

„Ich schätze, dass dergleichen äußerst nett wäre, nämlich so ein schönes Kind für alles zu haben. Natürlich nur fürs rein Seelische!“

„Erzähl das deiner Großmutter, du durchtriebener Seelenjüngling. Sag, was machst du in Manila? Kaufmann bist du nicht, Seemann auch nicht und Pflanzer ebenso wenig.“

„Vielleicht von allem etwas oder nichts. Weißt du, ich drifte so in der Welt herum, mache Augen und Ohren auf, betrachte mir die Leute und schreibe alles in mein Gehirn. Vielleicht kann man’s mal gebrauchen.“

„Spieler?“

„Nein!“

„Gangster bist du auch nicht, denn für so was hat unsereins Instinkt. – Ach, mein Maxie damals hat mir Brillanten versprochen!“, sagt sie seufzend.

„Von mir bekommst du höchstens Silber!“

„Kann ich mir denken, Geizkragen, widerlicher! Sag, bist du ein Zeitungsschreiber?“

„Auch nicht!“

Sie jubelt: „Jetzt weiß ich’s! Du bist einer von den modernen Goldgräbern oder Goldspekulanten, von denen die Inseln hier wimmeln.“

„Etwa solche, von denen ich gestern in der Manila-Zeitung eine Anzeige las: ‚Eilt! Eilt! Eilt! Kauft Aktien der Sabagoldgrube, solange sie noch billig sind, und beschreitet damit den Pfad der Millionäre. Ehrliche Interessenten, die finanzielle Einlagen machen können, wollen sich bitte bei Mohnkohn und Smithson, Box 17, Manila, Generalpostmasters care, melden?

„Gewiss verdienen diese Boys Geld!“

„Mohnkohn und Genossen sicher. Die anderen wohl wenig oder nichts!“

Sie legt ihre Hand auf die meine, beugt sich näher: „Du ...“

Plötzlich ausbrechender Lärm verschluckt ihre Worte. Am Nachbartisch sind sich zwei angetrunkene Kriegsschiffmatrosen über ein Filipinomädchen, das sanft lächelnd zwischen beiden sitzt, in die Haare geraten und packen einander an den Kehlen. Cocapullen, Gläser, Aschenteller und ein Stuhl schwirren durch die Luft. Dann fangen die beiden an zu boxen. Alles drängt sich näher und lacht, klatscht Beifall und will zusehen. Jäh bricht die Musik ab. draußen in der warmen Nacht trillert ein Pfiff.

„Eilt euch, Boys, gleich kommt die Polizei!“, warnt jemand, und der Blonde gibt dem Rothaarigen einen gewaltigen Uppercut ans Kinn. Der fällt hinten über, reißt einen Tisch um, bleibt röchelnd liegen.

„Bravo!“, ertönt es lobend von allen Seiten. Einer beugt sich über den Gefallenen und zählt laut: „One, two, three ... nine, ten!“ Er ist k.o. Und was er noch verkünden will, geht im Lärm unter, denn die Militärpolizei ist drei Mann stark erschienen, und alles schreit durcheinander, alles beteuert seine Unschuld!

Die smart uniformierten Hüter der Ordnung kümmern sich nur um die beiden Kampfhähne. Starke Hände packen diese am Kragen und schleifen sie, von ohrenbetäubenden Pfiffen des männlichen Publikums und dem Gekreisch der Mädels begleitet, ins Freie.

Schnarrend, blökend fällt die Musik in einen überspannten Foxtrott, und dicht schiebt Daisy ihr Gesicht vor das meine: „Wenn du Gold graben gehst, so nimm mich mit, big boy!“

„Du würdest natürlich mitbuddeln? Feine Rolle für dich! Das möchte ich eigentlich mal erleben!“

„Kochen könnte ich für dich und die Boys. Meine Mutti war auch eine Zeitlang Köchin in einem Minencamp.“

„Kochen? Eine Büchse braune Bohnen, ein paar Pfannkuchen aus Mehl und Wasser, sonntags ein Ei und eine Scheibe Speck, dann Kaffee und Tee. Da bliebe dir so viel freie Zeit, dass du vor Langeweile auf Abwege kämst. Und stellst du dir’s vielleicht amüsant vor, in einem Zelt zu schlafen bei diesem Klima, das tagaus tagein das ganze Jahr über Wolkenbrüche und Landregen bringt? Außerdem hab’ ich dir schon gesagt, dass ich kein Goldgräber bin.“

„Möchtest du tanzen?“, lenkt sie unvermittelt vom Thema ab.

„Mit meinen Frachtkähnen auf deinen mit Rhinestones und Strass dekorierten Schühchen? Nee!“

„So trink noch eins. Bald ist’s drei Uhr, und dann darfst du mich heim begleiten. Ich wohne romantisch. In Intramuros. Süß, sage ich dir, in einem ganz alten spanischen Haus, noch von damals her, weißt du, als sie Manila erbauten!“

Rasch gebe ich ihr einen Kuss, und laut lachend sagt sie: „Natürlich nur bis zur Haustür, du ausgekochter Halunke, weiter nicht. Weißt du, wir sind ja nicht in Hollywood, und ich suche keine Chance.“

„Aber ich suche eine!“

„Das könnte dir wohl so passen, du Gauner! Aber damit ist es nichts!“

„Willst Nonne werden, schätze ich. In Manila gibt’s viele Klöster, Darling.“

„Nonne nicht, aber Goldgräberköchin. Mit Beteiligung an der Ausbeute.“

„Und für mich mit Beteiligung an der Kombüsenleitung?“

„Das käme drauf an, wenn der Boss recht nett wäre!“

„Schlag dir das aus dem Sinn, Honigkind.“

„Dann hör doch endlich auf zu quasseln, und bestell noch eine Kaffeekanne voll. Das Labsal in der Pralinenschachtel will ich nämlich aufheben für einsame Stunden einer einsamen Frau. – Sag mal, du bist kein Amerikaner?“

„Woher weißt du das?“

„Weil alle Amerikaner, schon bevor sie zu uns ins Santa Ana kommen, sternhagelvoll sind.“

„Ich bin aus Germany.“

Während der ganzen Zeit heult, brummt, schmeichelt und donnert die Jazzkapelle. In langen Schwingungen schlagen Echos von der hohen Decke und den weiten Wänden der aus Wellblech bestehenden Riesenbude zurück. Amerikanischer Vergnügungsrummel im „Santa Ana“ auf Manila!

Krach, Radau, sanftes erstklassiges Tanzen wunderbar geschmeidiger junger Paare – ekstatisches obszönes Tanzen halb Betrunkener, dazu Puderstaub in schillernden Wolken in der Luft, gemischt mit dem Staub aus den Dielen und Düften billiger Parfüms. Und die Wohlgerüche von Blumen und nasser Erde und vom wogenden Meer dort draußen in der Bay, über der die warme Tropennacht ruht.

Hier bei uns: Gelächter, Seufzer, Gläserklirren, trunkenes Rülpsen, fröhliche Ausgelassenheit. Grinsende, Kaugummi kauende Soldaten und Matrosen von der Garnison auf der Felseninsel Corregidor und den ankernden Kriegsschiffen in der grünblauen, unruhigen Meeresbucht.

Und Goldgräber moderner Art, in feinen Anzügen, mit Krawatten und Seidenhemden! Japaner und Filipinos und solche mit Chinesenblut und viele, viele andere, die hierherkommen, um sich zu amüsieren. Und viele Frauen: hellgelbe, braune und fast weiße Filipinas, in der Nationaltracht mit den weiten, aufgebauschten, gestärkten Gazeärmeln anzusehen wie schöne bunte Schmetterlinge. Zu den Blusen tragen sie moderne bunte Seidenröcke, hochhackige Sandaletten und weiße, süß duftende Inselblumen im getürmten blauschwarzen Haar, mit blitzenden dunklen Augen, rotem Mund und roten Fingernägeln zu einem lockenden Farbenspiel abgestimmt. Dazwischen diskret, aber doch sichtbar verstreut, einige vierschrötige, kurzbeinige japanische Rausschmeißer mit wahren Muskelgebirgen auf Armen und Brust.

Und mitten in dem Gewimmel bellende, herumlungernde Hunde, ein paar Katzen, einige zahme Äffchen, Papageien in Messingkäfigen, verzweifelt hin und her schwirrende Nachtfalter; Lampen, wie grelle Monde durch den Dunst schwelend; bunte Scheinwerferstrahlen, und dazu immer wieder und fast unaufhörlich Musik, knallende, jaulende, flehende und zirpende, wahnsinnige Musik.

Das ist „Santa Ana“, das große, volkstümliche Vergnügungslokal des kleinen Mannes in Manila. Genannt nach der Schutzpatronin der Inseln, nach der viele Dörfer, Städtchen, Kirchen und Kapellen auf den Philippinen heißen.

*

image

SCHON FANGEN DIE WEIßGEKLEIDETEN Kellner an, ihre letzten Aufträge einzukassieren, denn es muss gleich drei Uhr sein.

„Kleine Mädchen müssen schlafen geh’n, schlafen geh’n, schlafen geh’n ...“, summt Daisy, und aus ihren blauen Augen leuchtet echtes oder gut gespieltes Verlangen.

„Du solltest lieber, anstatt verrückte Goldgräberideen zu haben, das knisternde Banknotengold aus den Taschen leichtfertiger Männer graben“, rate ich lachend.

„Tu ich so nebenbei. Aber so interessant seid ihr Männer doch auch wieder nicht. Auch wenn ihr Geld habt.“

„Was wäre denn wirklich nach deinem Sinn?“

„Ein Mann, der, wenn er ’s erste mal ’ne hübsche Puppe sieht und kennenlernt, nicht gleich daran denkt, wie sie wohl ausgezogen wirkt und so weiter. Von mir aus könnt ihr mir alle gestohlen bleiben, wenn ...“

„Wenn?“

„Ach, trink aus, die Bude wird gleich zugemacht!“

Noch einmal, zum Abschluss, gibt die Jazzkapelle eine gut gelungene, wenn auch unfreiwillige Imitation einer Weltuntergangskakophonie zum Besten, bei der einem das Trommelfell zu platzen droht. Wir stehen auf.

Da gleitet eine wunderschöne exotische Frauengestalt, die ich kenne, an unseren Tisch. Mittelgroß, zierlich, mit fast weißer Haut. In dem aparten Gesicht leuchten ein paar große, schräg stehende dunkle Augen samtweich. Dazu ein herzförmiger roter Mund, gezirkelte Brauen, hochgetürmtes jadeschwarzes Haar mit den weißen Inselblumen, die so stark duften. Das ganze Persönchen ist in die bezaubernde, schmetterlingsgleiche Manilatracht gekleidet.

„Was suchst du bei uns, Anita? Siehst du nicht, dass wir zwei sind und drei zuviel wären?“, spricht Daisy, und ihre Stimme ist rau und spröde.

„Beruhige dich, weiße Frau, niemand will dir nehmen, was du in der Hand zu haben glaubst. Ich gehe gleich wieder.“

„Dann mach dich fort, hau ab, gelbe Ziege!“

Liebenswürdig lächelt Anita, machte eine unnachahmlich hoheitsvolle Handbewegung. Dann wendet sie sich an mich, und ihr streng nasales Amerikanisch wechselt mühelos hinüber in weiches, musikalisches Spanisch: „Ernesto, kennst du mich noch?“

„Wer sollte dich vergessen? Wir haben doch gestern zusammen getanzt, und du warst langmütig und geduldig mit dem Unbeholfenen. Und dann haben wir uns unterhalten und dann ...“

Sie nickt: „Es ist höflich und schön von dir, meiner so zu gedenken. Meine Mutter war eine Japanerin aus Hokkaido, und deswegen liebe ich Höflichkeit sehr. Ich will dich jetzt warnen!“

Die sanften Augen sprühen plötzlich Feuer, der kleine Mund ist streng zusammengekniffen, und die Worte zischen hervor: „Warnen vor dieser Frau an deiner Seite. Zu dir passt sie nicht!“

„Könnt ihr keine zivilisierte Sprache außer eurem spanischen Wischiwaschi reden? Ich verstehe keine Silbe davon“, mischt sich Daisy argwöhnisch ein.

„Warum soll ich mich hüten? Porque tengo de cuidarme? Ich kenne sie kaum.“

„Gerade deswegen. Sie taugt nicht viel, bildet sich aber das Gegenteil ein!“

Anita lächelt rätselhaft und macht eine entzückende kleine, halb asiatische, halb europäische Verbeugung. Und geht.

„Alles raus! Alles raus! Der Laden wird bis heute Abend geschlossen. Ladies und Gentlemen, alles raus, if you please!“, brüllen die Kellner schon ungeduldig.

Daisy stopft die Pralinenschachtel in ihre Handtasche, malt sich noch rasch die Lippen und drängt dann: „Los, komm! Oder willst du der kleinen Hure nachlaufen? Ich hindere dich nicht, bitte sehr!“

Sie blitzt und lockt dabei mit ihren Augen und weiß genau, dass sie schön ist, und ebenso genau weiß sie, dass Anita die anrüchige Bezeichnung nicht verdient. Aber Frauen sind so, wenn sie sich ärgern und eifersüchtig werden, spucken sie Gift wie die ärgste Klapperschlange.

*

image

DRAUßEN IST REINE, duftende, feuchte Nacht. Es ist dunstig, kaum dass die Sterne sichtbar sind. Menschen in hellen Kleidern streben plaudernd nach allen Richtungen, verschwinden schemenhaft. Autos surren, ihre Scheinwerfer leuchten trüb wie große, gelbe, halb verschleierte Augen. Und die Tropennacht brütet über und um alles.

Daisy drängt nach dem Stand der hellgrünen oder orangefarbenen Manilataxis. Gibt dann, als wir eingestiegen sind, dem Fahrer das Ziel an: „Intramuros!“

Tief in Gedanken sitze ich und bin ihr dankbar, dass auch sie schweigt. Vom „Santa Ana“ in Manila bis Intramuros in Manila ist es nicht sehr weit. Aber die Zeit kommt mir lang vor, und ich kann nachdenken. Nun bin ich acht Tage in Manila, mit ordnungsgemäßem Visum von Acapulco gekommen. Mit etwas Geld. Viel für meinen Begriff, denn zweitausend Pesos hiesiger Wahrung entsprechen tausend Dollars. Damit kann man was anfangen und braucht keine Sorgen zu haben. Und warum soll ich nicht, da ich abends einen Frack tragen kann, ein paar Tage in einem der teuersten Hotels der Welt wohnen, dem neu erbauten „Manila Hotel“, wo der Tag ohne Pension mindestens fünfzig Pesos kostet, und an der teuersten Hafenpromenade der Welt gelegen ist?

Schon acht Tage spiele ich den reichen Nichtstuer. Gestern und vorgestern habe ich mich mit Anita unterhalten, und zwar so vernünftig und schön wie seit Jahren mit niemand. Heute mit Daisy. Diese ist ein raues Ding, vom rauen Leben berührt und dementsprechend eingestellt, aber nicht ohne Charme.

Anita träumt gern, und ich zuweilen auch. Im Übrigen kann ich aber sehr rau sein. Und Daisy? Gewiss hat sie erfahren, was nicht schwer ist, dass ich in dem teuren Bau wohne, und denkt, ich sei ein spleeniges, mit allerlei Zechinen beschwertes Opfer. Vielleicht aber denkt sie etwas ganz anderes. Gott allein weiß, was für Gedanken die Menschen in sich herumtragen.

Zu Anita zieht es mich voll und ganz hin. Andererseits zieht es mich halb zu Daisy, halb stößt es mich ab. Der Mensch ist so. Hat er etwas erreicht, so will er schon wieder mehr, ob’s nun Frauen sind oder andere Dinge.

Und auf einmal bin ich gespannt darauf, was sich während der nächsten Minuten wohl in Intramuros abspielen mag. Bisher hab’ ich eine Menge Frauen kennengelernt. Es waren beileibe keine Hausfrauen, die einen mit Charme und Geist an den häuslichen Herd fesseln, sondern eine Menge Flittchen aller Rassen und verdammt nette, die ich nicht vergessen möchte. Gott segne sie!

Und bin ich etwa nicht häuslich? Hohoho! Da ich mich ja hier auf Manila herumtreibe, vorher woanders war und nachher wieder dasselbe tun werde. Oder?

„He, alter Junge, was träumst du?“

„Von dir!“

„Okay, gehört sich wohl auch so!“

Draußen schwirrt die Nacht vorbei. Es ist dunkel, dunstig und feuchtwarm wie in einem Treibhaus. Genauso wie dort riecht es auch, mit einer Beigabe von Salzwasser und Seetang, toten Quallen und dergleichen. Intramuros!

image
image
image

Intramuros

image

Zwischen Mauern“ lautet die Übersetzung. Das alte, von Konquistadoren und frommen (teils auch unfrommen) Mönchen und ihren braunen und schwarzen leibeigenen Sklaven nach den Plänen bischöflicher und militärischer Baumeister im Mittelalter errichtete Manila.

Für uns der letzte romantische Rest damaliger Zeiten in einer heute fortschrittlichen Inselrepublik.

Hingeduckt liegt es zwischen der Kaipromenade und den Wohnvierteln neueren Datums, aber weit entfernt von der Escolta, jener hochmodernen Geschäftsstraße, die ihr Muster in vielen Städten Amerikas und Europas hat.

Ein paar graue, verwitterte Mauertrümmer und ein Stück winziges, dem Meer zugewandtes Glacis schützen Intramuros. Und es bildet ein farbenfrohes Gassengewirr, so eng, dass an vielen Stellen ein Automobil stecken bliebe. Bunte, stuckverzierte Häuser umrahmen dich, an denen schmale holprige oder sandige Gehsteige entlang führen.

Es ist still, wunderbar still im Vergleich zum Geschäftsviertel, wo die Tram klappert, die Autos hupen und die Menschen nach Geld jagen. Auch in Intramuros wimmelt es an vielen Orten und zu gewissen Stunden – wie überall auf der Insel Luzon, wo Ortschaften stehen – von Menschen. Denn stellenweise ist das Land fast überbesiedelt; aber nur dort, wo gute Straßen dies gestatten.

Ja, in Intramuros wimmelt es zum Beispiel von kleinen, dürftig bekleideten Kindern, von magern, staubigen Hühnern, Enten, unzähligen Katzen, Hunden und Krähen nebst Geiern, Schweinen, etlichen zahmen Affen und kleinen zweirädrigen Carretas, die mit Gemüse beladen von einem Vorspann geduldiger Büffel oder, wie sie hier genannt werden, „Carabaos“ gezogen werden. Mensch und Tier unterhalten sich, jeder auf seine Art. Schreien, Grunzen, Kreischen, Feilschen; aber alles ist ein Stück Natur und stört deshalb kaum.

Und du siehst mittlerweile weit über die Straße hängende, gebauschte Erker mit maurischen Verzierungen oder steinernen Heiligen, Engeln, Rittern, Blumen und Fabeltieren! Erblickst kunstvoll geschmiedete Fenstergitter und weißt, dass hinter den Mauern kleine, von strotzenden Gewächsen geschmückte Innenhöfe mit murmelnden oder auch längst versiegten Brunnen verborgen sind. Und denkst, dass einst unter diesen Fenstergittern bunt gekleidete, degenumgürtete Caballeros zur Gitarre schmachteten. Während der Mond orangen am blauen Himmel segelte, die Sterne blitzten und hinter den zierlichen Eisenstäben schwarze, sehnsüchtige Augen glühten, rote Lippen hinreißend seufzten und kleine weiße Hände mit noch weißeren Spitzentüchern und seidenen Fächern winkten.

Du hörst die jahrhundertealten, geisterhaften Echos der „Runde“ waffenklirrend einher stampfen, träumst den Abglanz des Fackelscheins und vernimmst verworren die Serenos, wie die Nachtwächter hießen – die, ihre Schnarren schwingend, langgezogen singen: „Media noche! Media nodie y todos en orden. Bendito sea Dios! Mitternacht und alles in Ordnung! Gesegnet sei Gott!“ ...

Und die Bewohner der Häuser hinter Fenstern aus kunstvoll geschliffenem Muschelglas, das die Morgenröte gefangen wie eine Perle in sich trägt, schlafen wohlbehütet und moskitogeplagt, während die Santa Hermandad wacht. So liegen sie in ihren mächtigen schweren Eichenholzbetten, die sie aus Spanien mitbrachten und die auf Marmorfußböden stehen wie Festungen, und das Lämpchen glüht rosa und bläulich unter dem Bild der Heiligen Ana. Zikaden zirpen, Nachtfalter summen und schwirren; Moskitos, Flöhe und Wanzen treten die Herrschaft über den Menschen an.

Vorbei, vorbei, alles vorbei, was damals lebte. Nur der Mond und die Sterne sind die gleichen wie eh und je, und auch die alten Häuser, die alten Möbel und die Muschelglasfenster sind noch da. Andere Menschen leben dahinter, und andere Moskitos, Flöhe und Wanzen leben und gedeihen, wie überall Gottes Welt gedeiht und lebt und stirbt und wieder aufersteht.

Nun ist wieder eine Nacht, wenige Jahre nach dem ersten großen Weltkrieg. Der Morgen nicht mehr fern, zwischen den Mauern und Höfen von Intramuros krähen die ersten Hähne, und es riecht nun stärker nach Blumen, Erde und salzigem Meer.

Das Taxi setzt uns auf einer winzigen altspanischen Plaza ab. Ein Brunnen sprudelt, rauscht und erzählt eintönig von gestern und heute. Ein mürber Steinheiliger wacht immer noch mit blinden Augen und zerbrochenem Schwert, und ein schlafender Büffel brummt tief und traumverloren. Das Auto summt davon. Mittelalter umgibt uns von allen Seiten.

Daisy führt mich in ein Gässchen, dessen Häuser abwechselnd rosa, blau, grün, weiß und lila sind und wo über kleinen, jetzt geschlossenen und verrammelten Läden mächtige Buchstaben an die Wände gemalt sind: „Al buen tono“ – zum guten Ton – „Al gusto de las Mujeres“ – zum Geschmack der Frauen – oder „A los siete barrilitos“ – zu den sieben Fässchen – und anderes mehr. Lauter romantische Bezeichnungen, wie sie sonst nur in Mexiko und dem übrigen Zentralamerika üblich sind.

Vor einem hellgrünen Haus über der schmalen, mit einem kleinen Gitterfensterchen versehenen soliden Tür steht ein frommer steinerner Ritter. Neben dem Tor hängt der uralte wuchtige Klopfer.

Stumm holt sie einen uralten riesigen Schlüssel aus der Handtasche und sperrt knarrend und klirrend auf. Lautlos weicht die Tür nach innen, enthüllt einen Spalt tiefster Schwärze. Und schon schlüpft sie hinein, die Tür schlägt zu, die Riegel dröhnen dumpf. Und hinter dem nun offenen Gitterfensterchen sehe ich als verschwommenes Oval ihr Gesicht.

„Ein süßer Abschied!“, entfährt es mir.

Dumpf klingt ihr Lachen von den alten Wänden zurück.

„Dieses Haus ist ein hoch anständiges, und meine Wirtin, die Senora Leocadia de los Valles, würde der Schlag treffen, brächte ich sogar bei Tag einen Caballero mit. So viel Spanisch kann ich nämlich auch! Hast du dir etwa eingebildet, sunny boy, dass ...? Nichts damit, mein süßer Zuckerpappi, gar nichts.“

„Na, dann bye bye und liebe Träume, du reizendes Geschöpf!“

Ich drehe mich um und gehe und höre nicht auf das plötzliche, dringende „Psst“ und auch nicht auf das lautere „Go to hell!“, sondern schreite weiter. Heilfroh und glücklich.

Daisy ist ein seltsames Wesen, manchmal sehr sympathisch, dann wieder weniger. Aber dass sie dachte, ich hätte auf ein Schäferstündchen gerechnet, finde ich sehr nett von ihr.

Wenn sie wüsste, wie ich mich freue, ehe ich ins Hotel gehe, noch ein halbes Stündchen auf der Promenade unter den hohen Palmen auf bequemer weißer Bank zu sitzen! Und das Meer wird rauschen und leise plätschern; die Schiffe schlafen im kleinen Innenhafen. Corregidor und die andere Insel dort draußen sehen wie Märchengebilde aus, die auf schimmerndem Wasser durch Nacht und Morgendunst einhersegeln ...

Und nachher? Ja, wenn Daisy das wüsste, so würde sie in diesem Moment aus dem Bett springen, ohne Rücksicht auf die Senora Leocadia, und mich holen.

Denn ich gehe ja nicht ins Hotel, sondern zu Anita vom „Santa Ana“.

image
image
image

Es glänzt das Gold der Inseln

image

7.083 Inseln, von ihrem Entdecker Magalhaes, der dort auch ein gewaltsames Ende fand, nach dem damaligen spanischen Herrscher Philipp II. die „Philippinen“ genannt.

Von diesen Eilanden ist über die Hälfte unbewohnt, und sie sind teils so klein, dass sie wie bunte Farbenbündel, Blumensträuße oder facettierte Edelsteine auf blauer See liegen. Viele sind auch nicht größer als eine Quadratmeile. Bleiben übrig: die Insel Luzon mit der Hauptstadt Manila, dann Mindanao. Und dazu kommen noch die Plenaden, deren Gruppe aus Mindoro, Panay, Bohol, Negros, Samar, Cebu und Masbate besteht. Alles zusammengerechnet sind es 296.373 Quadratkilometer aus Bergen, Seen, Urwäldern, bebauten Flächen und Hängen, Städten, Dörfern, Häfen und vielen, vielen drohenden, immer wieder Feuer und Verderben speienden Vulkanen. Dazu kommen Erdbeben und, von der See her, die furchtbaren Taifune. Und ein warmes, feuchtes, täglich Regen spendendes Tropenklima im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein wunderbarer, fruchtbarer, an Erzen, Edelhölzern, Reis, Zuckerrohr, Tabak, Kopra und Manilahanf unsäglich reicher Archipel. Und von alters her eines der klassischen Goldländer.

Im Mittelalter holten die Spanier viel Gold von hier, besonders von den Mambulaogruben auf Luzon. Um den gefährlichen und beschwerlichen Weg ums ungastliche Kap Hoorn zu vermeiden, blieben die spanischen Karavellen im Pazifik, das heißt; sie fuhren von Manila nach Acapulco in Mexiko, luden aus und fuhren zurück. Das edle Metall wurde mit Lasttieren über Land nach Vera Cruz an die Ostküste gebracht und auf andere Schiffe verladen, die, Kurs auf Europa nehmend, oft unterwegs von kühnen englischen, französischen oder holländischen Freibeutern ihrer goldenen Bürde beraubt wurden, während die Besatzung hinab in „Davy Jones’“ große Kiste wandern musste.

Ich stehe in der sonnenheißen, geschäftigen Escolta und betrachte tiefsinnig die vielen Büros, wo Gold gehandelt wird. Zwar nicht in Klumpen und gelbem, schwerem Sand, sondern mit Papieren, die jeden Tag oder jede Stunde anders stehen. Bald hoch, bald niedrig, genau wie das Malariafieber, das auf den Inseln heimisch ist.

Du kannst zum Beispiel, wenn du smart bist, eine Mine entdecken, das heißt ein Stück Berghang, in dessen kiesige Erde du oder dein Vertrauter vorher mittels einer Schrotflinte eine tüchtige Handvoll gekauften Goldstaub geknallt haben, so dass, wenn der gläubige Gimpel angeschwirrt kommt, du ihn an Ort und Stelle hinführen kannst.

Kratze dann vor seinem staunenden Auge ein bisschen mit dem Messer den Boden auf – du weißt ja die Stellen – und siehe, Goddamn, es glitzert. Gold! Und dann verkaufst du die Schürfrechte so teuer wie möglich und gehst auf Reisen.

Oder wenn du noch smarter bist, dann hast du gar keine „gesalzene Mine“, sondern lässt ein paar tausend oder zehntausend wunderschön gedruckte Aktien herstellen, die einen pompösen Namen haben, dazu glanzvolle Prospekte und das Gutachten eines nicht existierenden oder fragwürdigen Experten. Und du wirst allerlei Mammon für deine hübschen grün auf Gold gedruckten Goldaktien bekommen. Bilde dir aber nicht ein, dass du bei solchen smarten Geschäften in Manila ohne Konkurrenten dastehst! Alles, aber auch alles ist schon dagewesen, sagte der weise Ben Akiba ...

Auf den Philippinen ist allerdings Gold vorhanden. Sehr viel – stellt sich doch die Jahresproduktion auf rund dreizehntausend Kilogramm.

Und da stehe ich vor einem Büro in der Escolta, das einer Goldgesellschaft gehört, deren Aktien leider nicht mehr zu kaufen sind. Die welche haben, behalten sie natürlich, weil seit Jahren diese Gesellschaft ihren Aktionären in der Stunde, also vierundzwanzigmal am Tag, fünfzig Dollars pro share auszahlt. Ehe es so wurde, konntest du die Papiere für wenige Pfennige kaufen ...

In Manila wird mit Gold vielleicht wie nirgends sonst in der Welt spekuliert. Der Arme spekuliert mit Centavos und Pesos in Gesellschaften anderer Armer, die sich zusammenschließen, der Mittelstand spekuliert mit ein paar hundert Pesos und der Reiche mit tausend, Zehn und Hunderttausenden. Heute kannst du ein Geschäft machen, verkaufst du aber nicht schleunigst, so kannst du morgen schon arm wie Hiob sein. Das ist der „american gold boom“ auf Manila. Gold! Es glänzt, es lockt!

Mich hat’s schon mehrmals gehabt. Aber Gott sei Dank nie auf die Dauer. In Alaska, Zentralamerika und in Sibirien, damals, kurz nach dem Weltkrieg, als die Sowjetregierung in fast sämtlichen deutschen Zeitungen freie Goldgräber für Sibirien suchte. Von der Ausbeute dürfe man zoll- und abgabenfrei bis zu einem Kilogramm Feingold wieder ausführen, hieß es. Ich habe noch nicht mal hundert Gramm gefunden, ehe ich das kalte Land wieder verließ.

Umsonst! Misserfolg in Alaska, Pech in Zentralamerika und Pech am Amur. Nur Strapazen, die, zusammengerechnet, eigentlich mit Gold nicht zu bezahlen sind, ganz zu schweigen von gesunder Lebenserfahrung.

Und soll ich nun hier auf Manila, das heißt auf der Insel Luzon, nach Gold graben, weil ein tolles amerikanisches Tanzmädel mich auf die Idee brachte?

Soll ich wirklich?

Vorerst fahre ich mit einem laubfroschgrünen Kleintaxi in ein anderes Stadtviertel. Wo es kühlende Getränke gibt. Kommt Zeit, kommt Rat, ist ein guter Wahlspruch.

image
image
image

In Allahs Buch

image

In Allahs Buch weht sein Hauch, blättre um, und du wirst sehen, es steht im Voraus alles darin aufgezeichnet: wie dein Leben sein wird und was dir begegnet, sagten meine guten Freunde unten an den dürren Küsten des heißen Roten Meeres, wo sie zu Muhammed, dem Propheten, beten ...

Denn siehe: in der kleinen, schattigen Kneipe, wo ich eiskalten Orangensaft trinken will, sitzt vor einem Glas und kippt mit dem Stuhl und wippt mit der Fußspitze und lacht mir verschmitzt entgegen: Daisy!

„Sieht man dich auch mal wieder!“, grüßt sie, während ich mich hinsetze und dem gelb-braunen, lächelnden Boy meine Bestellung erteile. Und fährt fort: „Vier Tage warst du nicht bei uns im Santa Ana, du Herumtreiber.“

„Bin ich dort oder mit der Wellblechbude verheiratet?“ Ich schlürfe eiskalten Saft, der mit Zauberschnelle vor mich hingestellt worden ist.

„Ich dachte, dass du wieder mal Anita besuchen könntest. Sie schaut sich vergeblich die Augen nach dir aus.“

„Lüge nicht, Darling, denn das wolltest du mir kaum sagen!“

„So meinst du eingebildeter Scheich vielleicht, dass ich persönlich nach dir Ausschau halte?“

„Warum schon so früh am Tag Streit anfangen!“

„Du, ich habe dir neulich Nacht noch nachgerufen, aber du hattest es zu eilig, fortzukommen. Ich wollte ein Rendezvous mit dir ausmachen. Hast du heute Zeit? Ich bin frei.“

„Heut Nacht!“ Ich grinse anzüglich, und sie bricht aus: „Dass doch dieses Männerpack immer gleich ans Schlimmste denken muss.“

„Hm, wenn du das meinst, was ich dachte, so ist das doch nicht das Schlimmste. Im Gegenteil!“

Ihre Fußspitze trifft gegen mein Knie. Und nochmals, so dass mir ein Aufschrei entfährt.

„Sei jetzt vernünftig. Also du hättest Zeit! Ich möchte heut Abend – vor zehn Uhr fängt’s nicht an – eine Hahnenkampfarena besuchen, und dazu muss eine Dame hier männliche Begleitung haben.“

„Pfui! Arme Tiere!“

„Was heißt hier arm! Wenn sie nicht kämpfen wollen, so brauchen sie’s ja nicht zu tun. Aber die Biester sind so toll wie die Menschen und gehen ran wie General Grant im amerikanischen Bürgerkrieg!“

„Ich habe am Abend eine geschäftliche Verabredung; aber um zehn Uhr bin ich fertig und kann dich treffen. Sagen wir im japanischen Café dort drüben an der Ecke?“

„Okay. Geschäftliche Verabredung, mein Augapfel! Da lacht sogar ein dreijähriges Kind! Wirst wohl mit Anita zu reden haben. Mir egal! Sag, hast du dir die Sache mit dem Goldgraben überlegt? Ich mache wirklich mit!“

„Daisylein, in diesem Klima kann kein Weißer auf die Dauer schwerste körperliche Arbeit leisten. Wenn sie’s auch immer wieder versuchen.“

„Na klar! Du, ich lernte beim Tanzen neulich einen Landsmann aus Boston kennen, einen Scheich, sag ich dir! Der richtige Zuckerpappi, aber noch rüstig und voller Saft und Pläne. Sein Vater hat Gold gegraben, als 1848 der kalifornische Rummel losging. Und auch gefunden und hinterlassen. Der Sohn, mein Bekannter, der im besten Alter steht, steckt voll der tollsten, herrlichsten Ideen. Der kann reden wie’n Märchenerzähler, und man muss einfach zuhören.“

„Was für eine Legende hat er dir denn aufgebunden?“

„Keine Legende! Was der sagt, hat Hand und Fuß. Er will ein paar Claims abstecken, und dann wollen wir, er, ich und du und noch einer und außerdem ein Japaner – denke nur! – anfangen. Er meint, Japaner sind auch Menschen, und es sei unrecht von uns, sie gelbe Affen und gelbe Gefahr zu schimpfen!“

„Womit er recht hat. Der Mann wird mir sympathisch.“

„Siehst du! Du machst also mit, Honeyboy!“

„Nichts da, Darling!“

„Ich hab ihm aber erzählt, dass du Erfahrung hättest. Du könntest uns doch die guten Plätze zeigen!“

„Wenn ich die wüsste, würde ich sie gerade euch auf die Nase binden, du Kind!“

„Ja, aber man sieht es doch dem Boden an. Oder nicht?“

„Teils, teils. Aber dazu gehört jahrelange Erfahrung, gehören geologische Kenntnisse, und auf beides kann ich keinen Anspruch erheben!“

Sie macht ein Gesicht wie ein betrübtes kleines Mädel, und ich rede weiter: „Übrigens kann man Gold – allerdings dreht es sich um das Wieviel und ob sich die Arbeit lohnt – in dieser Gegend fast überall finden, besonders in der Nähe alter Vulkane. Und wer weiß, wenn du hier, wo wir sitzen, tief genug graben würdest, ob du kein Gold fändest!“

„Der alte John will die ganze Sache finanzieren. Zelte, Proviant, und was man sonst braucht.“

„Der hat ’nen Spleen!“

„Gewiss. Aber wenn er sich’s leisten kann, warum nicht? Er liest den ganzen Tag Goldgräber- und Wildwestgeschichten. Übrigens wohnt er im gleichen Hotel wie du, er hat ein Luxusappartement. Kennst du ihn? John Davies.“

„Nein, ich habe nur eines der billigen Zimmer zu fünfundzwanzig Dollar pro Tag ohne Verpflegung und esse woanders, weil ich nicht reich genug bin. Auch ist das Hotel ziemlich voll.“

„Ich mache euch bekannt. Morgen Abend im Santa Ana!“

„Fein. Bin einverstanden, aber ich lege mich nicht fest.“

„Und wenn ich dich recht schön bitte?“ Sie streichelt meine Hand.

„Du scheinst den gleichen Fimmel zu haben wie er. Was aber meines Erachtens gar nicht zu deinem Charakter passt, denn du bist ’ne praktische Puppe. Aber vielleicht siehst du in Old John eine Goldgrube, die man ohne schwere Arbeit ausbeuten kann. Ich habe nichts dagegen, wenn du dein Glück machen kannst. Ich schätze, ein Mann könnte weit Schlimmeres tun, als dich zu heiraten.“

„Thank you, Mister. Ich will doch für euch kochen!“

„Verrückt! Total übergeschnappt!“

„Und wenn ich dich ganz lieb bitte und dir sage, dass du, falls du mitmachst, alles von mir verlangen darfst, Liebling?“

„Alles?“

Sie nickt, beugt sich näher und gibt mir, zur stillen Freude des aufmunternd lächelnden Filipinos, einen langen Kuss.

Ich bin nicht aus Eis und komme nach dem Geschmack von Daisys Lippen langsam darauf, dass diese tolle Magazinstory, die Old John, Daisy und ich und noch zwei andere ausführen sollen, mir mehr und mehr gefällt. Schließlich habe ich nichts dabei zu verlieren, höchstens zu gewinnen, da John alle Spesen trägt. Und wenn man nicht mehr mitmachen will, so kehrt man der Sache einfach den Rücken, und ich denke, dass Daisy in solchem Fall wohl das Gleiche tun mag. Mit mir! Alle diese krausen Gedanken huschen sekundenschnell durch mein Gehirn.

„Du kannst mich morgen mit Old John bekannt machen!“, sage ich, und nun küsst sie mich vor Freude ab. Und darauf versteht sie sich wirklich so gut, dass es eine Wonne ist und dass es mich abwechselnd heiß und kalt überläuft.

Es ist recht nett hier in der kleinen, kühl riechenden, von grünem Dämmerlicht erfüllten Bude, während draußen der grelle Sonnenschein glänzt und die bunt gekleideten Filipinos vorbeiziehen wie im Film. Nebst dem Schankboy sind wir um diese Zeit die einzigen Anwesenden. Und Juan, oder wie er heißen mag, hat nichts gegen unsere Küsserei. Wir rücken unsere Sessel aneinander und sitzen Hand in Hand, uns abwechselnd in die Augen sehend und Orangeade schlürfend.

„Du zeigst uns auch ’ne gute Stelle?“, fängt sie wieder naiv an.

„Natürlich! Ich führe euch in die Wildnis, betrachte mit Kennerblicken den Boden, schnüffle herum und spucke dann aus, worauf ich sage: „Hier, wo die Spucke ist, müsst ihr graben, boys und girls! Und schon beim ersten Spatenstich findest du ein Nugget, so groß wie dein Lieblingsteddybär, den du als kleine Göre hattest.“

„Unausstehlicher Halunke!“, schmollt sie, und ich denke, dass wir zwar kein Gold oder nur wenig finden werden, dass aber die ganze Angelegenheit eigentlich ein lustiger Spaß ist und einst eine herrliche Erinnerung meiner „Memoiren“ bilden wird. Ein alter Yankee aus Boston – von dort kommen die prüdesten Menschen der USA her, dann eine Ex-Gastgeberin aus dem Santa Ana, ferner noch einer, und dann ein Japaner und schließlich ich!

Ich weiß, dass ich Daisys Worten Glauben schenken kann, sonst klänge es nämlich zu fantastisch. Aber ich weiß aus Erfahrung: wer Abenteuer sucht, den meiden sie, und wer sie nicht will, zu dem kommen sie.

„Daisy, gib mir noch einen Kuss, mein Liebling!“

image
image
image

Lampen der Erinnerung

image

Wenn es auf der Welt einen Friedhof gibt, in dem, aus Menschenaugen betrachtet, die dort ruhenden Toten der Auferstehung am nächsten zu sein scheinen, dann hier in Manila!

Ich halte meine Verabredung mit Anita ein – Daisy hat sich nicht geirrt! – und begleite sie auf den Friedhof, zum Grab ihrer Schwester.

An fast allen Orten der Erde sind nach Einbruch der Dunkelheit die Gottesacker menschenleer, von stillem, feierlichem Schweigen erfüllt, aber hier ist’s anders. Die Verstorbenen sollen wissen, dass man Tag und Nacht ihrer gedenkt!

Schon von weitem wundere ich mich, als wir aus der Carreta klettern, über den feenhaften, strahlenden Lichterglanz, der uns den Weg weist.

„Es ist wunderschön!“, sagt die kleine exotische, wunderschöne Frau, blickt mich aus ihren Samtaugen lächelnd an und drückt zärtlich meinen Arm.

Nun treten wir durch das Portal, und vor uns, links und rechts, überall stehen mannigfache Kreuze, Statuen, Steine, Kapellchen, Mausoleen, und alles ist im wahrsten Sinn des Wortes von unzähligen bunten Blumen aller Art, die Mehrzahl aber künstlich aus allem möglichen Material, übersät, und dazwischen und darüber glitzern und flammen Hunderttausende von Glühlampen und die roten, blauen, grünen, grellweißen, violetten, eben erst modern werdenden Neonröhren. Ein fantastischer Anblick! Man glaubt sich in einer Zaubergrotte mit dem Sternhimmel als Wölbung darüber, die erfüllt ist von tausend Düften, durchschwirrt vom Gemurmel der Menschen, dem Gleiten und Klappern ihrer Schuhe, dem Luftzug ihrer Gewänder.

„Ist’s schön, Ernesto?“

Ja, dieses flammende, glitzernde Schauspiel ist einmalig und wirklich schön, aber ich würde es dennoch vorziehen, einst in einem Grab zu ruhen, über dem nachts schwere, schweigende Schatten sich ausbreiten und tiefste Ruhe herrscht.

Ich sage dies der Frau an meiner Seite.

„Bei uns brauchen sich aber die Toten nicht zu fürchten, wenn sie nachts allein sind, weil alles für sie erleuchtet ist. Es sind Lampen der Erinnerung an jene, die uns auf Erden das Liebste waren!“, sagt sie fromm. Sie führt mich an ein kleines Grab, das von schneeweißen, teils künstlichen, teils echten, stark duftenden Blümchen überrieselt ist. Dieselben Blüten, die Anita und fast alle Frauen aus dem Volk in ihren lackschwarzen Haaren tragen.

Sie faltet die Hände, neigt sich, spricht ein kleines Gebet. Ich bete im stillen mit, denn immer wenn ich auf einem Kirchhof weile, geht’s mir so, es überkommt mich gleichzeitig Scheu und ein Gefühl des Friedens. Ich habe während meiner Wanderjahre, wenn ich in irgendeinem fremden Land obdachlos war und keine Mittel hatte, mehr als einmal im Schutz eines Mausoleums friedlich und glücklich geschlafen. Der Gedanke an die Toten und an meinen eigenen Tod tat mir wohl.

Anita fasst meine Hand und langsam, inmitten der vielen, meist einfachen Leute, die hier promenieren und ihre Lieben besuchen, gehen wir weiter, nach dem Ausgang, wo die Carretas klappern, Kutscherpeitschen knallen und wandernde Händler laut ihre Waren anpreisen, wo vor den Buden noch Naphtafackeln lodern, Petroleumlampen goldflirrende Kreise malen oder auch – seltsamer Gegensatz – Neonreklamen bunten Zauber ausstrahlen.

Anita hat Eile, ihr Dienst im Santa Ana beginnt bald. Wir nehmen ein Taxi, das uns zu der einem riesigen Flugzeughangar gleichenden Wellblechbaracke bringt.

„Kommst du nachher?“ Verführerisch schaut sie mich an.

„Falls ich komme, bin ich um drei Uhr hier, Querida!“

„Aber nicht vor dem Eingang, Carino, sondern dort drüben. Si?“

„Pues si, mi amor!“

Gleich einem buntschillernden Schmetterling schlüpft sie in das Gebäude.

image
image
image

Wala oder Sobrama

image

Ich habe öfters Windhundrennen mitgemacht und dabei gewettet und wie alle übrigen begeistert getobt und gebrüllt, wenn die schlanken grauen Tiere losrasten. In Florida war’s. Aber das hier ist noch toller, aufpeitschender!“, sagt Daisy und fasst mich unter, damit wir im Gewühl einander nicht verlieren.

Eine geräumige, hohe Drahteinfriedung mit einer riesigen Zeltplane als Dach darüber nimmt uns auf, als wir unseren Obolus entrichtet haben.

Bunt drängen sich aufgeregte, lachende und schwatzende Menschen durcheinander. Vorherrschend Filipinos, zahlreiche Chinesen, wenige Japaner und Inder und ziemlich viele Amerikaner der besseren Stände mit ihren Damen und viele, viele Urlauber von Corregidor, Cavite und den Panzerschiffen. Die Amerikanerinnen sind die einzigen Frauen, die diesen Ort besuchen.

Alles steht herum oder kribbelt durcheinander und belagert den Totalisator. Es sind dort zwei Anschläge, und zwar weder in Spanisch noch in Englisch, sondern in der Landessprache, dem Tagaloq. Sie lauten „Wala“ und „Sobrama“. Das eine heißt „ohne Hut“, das andere „mit Hut“.

Es kämpfen nämlich immer zwei Hähne miteinander, die von ihren Besitzern auf dem Arm in die Arena getragen werden. Der eine hat einen Hut auf, der andere ist barhäuptig. Alte Hahnenkampftradition.

Wala – Sobrama!

Bald sind die amphitheatralisch ansteigenden Sitzreihen gerammelt voll, ebenso die Stehplätze. Viele wetten nicht am Totalisator, sondern untereinander, wobei ein Dritter zwischen zweien den neutralen Bankhalter spielt. Doch wetten die Einheimischen nicht aufs Geratewohl, sondern sie betrachten und begutachten die Hähne, die mit ihren Besitzern auf der Erde kauern.

Eine Schnur hält jedes Tier am Bein fest. Toller Jubel bricht aus, wenn die „Gladiatoren“ – ein schwarzer und ein brauner – aufeinander los stieben und plötzlich, ehe sie sich berühren, durch einen Ruck an der Schnur zurückgerissen werden.

Hunderte und Tausende von Pesos und Dollars werden gesetzt.

„Wala! Wala!“, kreischt plötzlich wie besessen eine ältere Amerikanerin zum Gaudium der Filipinos, die diesen etwas anrüchigen Ort nicht für den Besuch ihrer Frauen freigeben.

„Sobrama!“, schreit, für mich peinlich, weil alle uns angrinsen, neben mir Daisy und schwingt ein Bündel Banknoten in der Hand.

„Wala, Wala, Miss!“, antwortet ein geschniegelter Eurasier in Weiß, und ein tropenbrauner Amerikaner nimmt beider Geld in Verwahrung.

„So wette doch!“, lockt sie mich, und überall ertönt das hysterische Geschrei der in künstlicher Fieberhitze zitternden Menschen. Endlich schrillen Pfiffe, womit ein Teil des ungeduldigen Publikums ausdrückt, dass angefangen werden könne.

Menschen mit glühenden Augen, erregtem Mienenspiel, zuckendem Körper, das Gesicht schweißüberströmt.

Nun treten die Besitzer des ersten Paares in die Arena. Der eine mit Hut, der andere ohne. Die Tiere tragen spannenlange, spitze und haarscharfe Messer an den Sporen. Nochmals hält man die Hähne einander so dicht gegenüber, dass ihre Schnäbel sich berühren, wobei die Kämme dick und rot anschwellen. Und von einem Aufschrei der Menge begleitet, lässt man sie plötzlich los.

Geduckt, mit den Flügeln den Sand peitschend, fahren sie aufeinander zu, springen sich an, fetzen mit den furchtbaren Sporenfüßen, dass die Federn stieben. Überspringen und überfliegen sich gegenseitig, dabei mit den Füßen nach unten hackend.

Dank den Messern, mit denen die Tiere von den Menschen bewaffnet wurden, dauert ein Kampf nie lange. Zwischen dem schwarzen und dem braunen Hahn keine fünf Minuten, bis die Eingeweide aus dem Leib des Schwarzen quellen und er hinsinkt, krampfhaft strampelnd und flügelschlagend.

Aber der braune Sieger hat ebenfalls genug, denn auch ihm hängt das halbe Innere heraus. Triumphierend kräht er, fällt dann um und regt sich nicht mehr.

Merkwürdig, dass dieses sonst so sanftmütige, sympathische Volk einem derart grausamen, fast ekelhaften Sport huldigt, sich vor Begeisterung heiser schreit und den letzten Centavo verspielt.

In vielen exotischen Ländern ist der Hahnenkampf gang und gäbe, aber meist verboten; er wird daher heimlich ausgeübt. Nicht so auf den Philippinen, wo die Amerikaner das Heft in der Hand haben. Sie sind genauso besessen davon wie die Einheimischen; auch käme es wahrscheinlich zur Revolution, wollte man ihn untersagen. Sogar die amerikanischen Frauen sind teilweise davon begeistert. Siehe Daisy!

Gerade streicht sie frohlockend ihren Gewinn ein, wettet dann gleich wieder auf den nächsten Hahn. „Sobrama! Sobrama! Fünfzig Pesos!“, und sagt zu mir: „Dummkopf, wette doch. Du kannst eine Menge verdienen dabei!“

„Oder verlieren. Weißt du, Darling, ich habe schon allerlei erlebt und bin abgebrüht genug, aber diesen Sport finde ich unfair und ekelhaft.“

„Schön ist er gerade nicht, aber Geld, Geld kann er einbringen. Das ist doch schließlich die Hauptsache im Leben, großer Junge!“

„Oder auch nicht. Mach voran und wette, damit wir bald fort können.“

„Es duellieren noch fünf andere Paare!“, erklärt sie und wendet sich an ihren Gegenpart, mit dem sie eifrig gestikuliert.

Abermals ein kurzer Kampf auf der sand- und federnstiebenden Arena dort unten. Und wieder bleiben ein toter und ein sterbender Hahn auf dem Platz. Beim dritten Paar geht der Sieger ohne Kratzer hervor und wird mit ohrenbetäubendem Jubel gefeiert und von seinem Besitzer abgeküsst, als wäre er eine kostbare Geliebte.

Ich schließe die Augen und versinke in Wachträume. Aber Daisy reißt mich aus meiner Versunkenheit und brüllt mir ins Ohr: „Zweihundertundsiebzig Pesos habe ich gemacht in ’ner knappen Stunde. Das ist ein anderer Verdienst als bei dem Job im Santa Ana!“

„So mach doch selber eine Arena auf!“, rate ich boshaft, und sie lacht. „Das ist nicht so einfach. Und erfreulich ist’s ja absolut nicht, aber bedenke das schöne Geld!“

„Dann heirate einen Hahnenmanager. Dir ist nicht zu helfen. Lass uns verschwinden, oder geht der blutige Scherz immer noch weiter?“

„Leider nicht. Schluss für heut mit Wala und Sobrama!“

„Gott sei Dank. Komm, wir wollen ein kühles Lokal aufsuchen, ich muss den widerlichen Geschmack wegspülen!“

„Ich zahle!“, triumphiert sie, und wir verlassen neben den anderen das Kampfzelt.

Ich brumme dabei: „Einmal und nicht wieder!“

„Liebst du mich?“, kann sie ausgerechnet jetzt fragen und macht ein bitterböses Gesicht, als ich nichts erwidere. „Höre, du sanfter Heinrich, du bist wohl mit Milchsuppe aufgepäppelt worden?“

„Du vielleicht nicht?“

„Brr, bist du ein Ekel! Da ist Old John viel netter!“, beklagt sie sich nachher im Auto.

„Ist ganz logisch. Man sagt nicht umsonst, dass ältere Herren Qualitäten hätten!“, höhne ich, und sie knufft mich in die Rippen. Lacht dann, hat schnell wieder gute Laune. „Wollen wir irgendwohin gehen und tanzen?“

„Mädchen, bist du nicht froh, wenn du mal eine Nacht pro Woche nicht herum zu hopsen brauchst? Jammerst doch immer über deine armen Schühchen und Zehlein!“

„Und sowas nennt sich Gentleman!“

„Hab ich noch nie behauptet!“

Wieder muss sie lachen. „Aber nett bist du doch!“

„Zuweilen sogar sehr!“

„Wirklich sehr? Ganz toll sehr?“

„Im Moment gerade nicht. Na, komm schon, kuschel dich näher, obwohl’s in dieser Taxe zu heiß zum Knutschen ist. Aber ich begreife allmählich, warum man in diesen Ländern so wenige offene Autos sieht. Es regnet ja alle zwei Stunden und blitzt und donnert, und draußen auf See bläst der Taifun dazu.“

„Bist selber ein alter Taifun! He, Boy, stopp, hier wollen wir aussteigen!“

Die Gäste des Lokals betrachteten mich abschätzend und Daisy bewundernd. Sie ist auch wirklich ein süßer Anblick, und man kann sich überall mit ihr sehen lassen, denn sie versteht sich zurückzuhalten.

»Zwei Ginfizz!“, bestellt sie und knabbert Erdnüsse und Salzmandeln, fragt beiläufig, wie lange ich heute Zeit hätte, und betrachtet mich dabei von der Seite. Als ich vorsichtig sage: „Bis Mitternacht!“, neckt sie: „Meinst du nicht drei Uhr, Liebling, wenn das Santa Ana zugemacht wird?“

„Dann liege ich längst im Bett!“

„Bei Anita, du Schuft! Hör zu, und mach mich nicht böse. Ich hab gewonnen heut und traktiere. Soviel du willst.“

„Bis Mitternacht kann man allerhand trinken, Schatzkind. Morgen ist auch noch ein Tag!“

„Du, wenn ich ernstlich wütend werde, dann ... Ja?“

„... dann könnte es sein, dass ich dich überhaupt nie mehr ansehe, und wenn du vor mir auf den Knien lägest!“

Ich überlege die ganze Zeit. Warum sie mir zur Feindin machen? Denn obgleich sie mich bald anzieht und bald abstößt, weiß ich, dass sie viele gute Seiten hat und ein guter Kamerad sein kann, der mit dem Partner durch dick und dünn geht. Anita dagegen? Hm, quien sabe ...

Ich entschuldige mich und eile nach der Telefonzelle, rufe im Santa Ana an und verlange Felipe. Ihm sage ich, er möge Anita ausrichten, dass ich heute verhindert sei. Und hänge rasch ein, mich elend, feig und schmachvoll fühlend.

*

image

ES WIRD EIN GANZ LUSTIGER Abend, und kurz vor Mitternacht bringt uns eine Taxe wieder nach der winzigen, geheimnisvoll stillen Plaza, wo der alte Brunnen mit sich selber plaudert und der wehrhafte Steinheilige träumt. Intramuros!

Dann gehen wir durch die bunten, schweigenden, ausgestorbenen Gassen bis an das Haus, dessen großer Türschlüssel Daisys Handtasche fast ausfüllt.

Die Senora Leocadia de los Valles bekommt keine Krämpfe, weil ihre Mieterin nächtlicherweile einen Caballero mitbringt. Wir hören und sehen sie gar nicht, als wir, fröhlich plaudernd, mit Hilfe der Taschenlampe die ausgetretene Steintreppe nach oben klettern.

Draußen schlagen die Glocken von den zahlreichen Kirchen und Klöstern Manilas die Mitternachtsstunde. Von der See her fegt der Zipfel eines regengeladenen, brausenden kleinen Taifuns über das Häusermeer.

Und lang, lang und schön ist die Tropennacht ...

image
image
image

Die Golden Riches Company

image

In der glasbedeckten Gartenveranda des exklusiven Manilahotels wurde unsere „Goldschatz-Gesellschaft“ eines wunderbaren Spätabends gegründet. Sämtliche Mitglieder besiegelten das Ereignis mit Handschlag ohne Geheimtuerei. An der Spitze der Gesellschaft steht: John Cyrus Davies aus Boston, einer Stadt in Gottes eigenem Land, aus der nicht nur die allerprüdesten Sektierer, sondern auch verdammt ehrliche und smarte Kaufleute herkommen.

Old John hat in seinem Leben nicht viel gearbeitet, weder mit den Händen noch mit seinem klugen Gehirn. Er hat’s nicht nötig. Dafür sorgt das Erbe seines Vaters und Großvaters, die dem hoffnungsvollen Sohn und Enkel eine Reihe gewinnbringender Läden in New York, Boston, Philadelphia, Atlanta und Chicago hinterließen. Und, was dazu gehört und wichtig ist: auch die richtigen, ehrlichen und fachkundigen Geschäftsführer. Die in seinem Namen angefertigte und abgesetzte Damen- und Herrenkonfektion gestattet John ein fortwährendes Dolce far niente, interessant gemacht durch viele Hobbys, oder, wie man zu Deutsch sagt, Steckenpferdlein.

Sein Hauptspleen erstreckt sich auf alles, was mit moderner oder alter Goldgräberei und Wildwest zusammenhängt, und darin sind seine theoretischen und geschichtlichen Kenntnisse einfach erstaunlich. Frage Old John, wie die große Silbermine in Tombstone, Arizona entdeckt wurde, er weiß es mit allen Indianer- und Killerdetails. Frage ihn, wie der Pater hieß, der kurz vor dem großen Erdbeben und der Zerstörung von San Francisco 1904 die denkwürdige Versammlung der „freien Kurtisanen von Frisco“ in seiner Kirche leitete, und Old John ist im Bilde.

Die rauen Cowboys, Sheriffs und Killer, die in jeder Hand eine kleine fünfundvierzigkalibrige, Feuer und Blei speiende Coltkanone hielten, und jene geschniegelten Spieler mit dreikarätigen Brillantkrawattennadeln und Fingerringen, die eine todbringende, einschüssige Derringerpistole in der Brusttasche trugen, gibt es Gott sei Dank nicht mehr. Ebenso wenig die burschikosen Goldgräber, die ein Pfund Goldstaub oder Nuggets am Farotisch verloren und lachend wieder in die Berge stiegen, um neuen Vorrat zu holen. Auch die ausgekochten, straußfederraschelnden Damen mit den reinen Engelsgesichtern und dem stahlharten Teufel im Herzen sind nicht mehr in sagenhaften Spielhöllen, wo allabendlich Schüsse knallten und Messer Blut schluckten, zu finden.

Ganz ausgestorben ist freilich nichts; es bietet sich auch der heutigen und, wie man sagt, besseren Welt dar, nur unter anderer Tarnung und nicht mehr so brutal offen wie einst. Manches aus alten Zeiten hat sich dennoch kaum verändert, ist kaum übertüncht mit dem Mauerkalk der Zivilisation. Noch gibt es jene alten, prächtigen, wetterharten Prospektoren, die mit einem Sack Proviant, Schaufeln, Hacken, Wasserbehältern auf dem Rücken eines geduldigen Eselchens und der Winchester über der Schulter, die Pfeife oder das Priemchen im Mund, in die öde, gefährliche, fast wasserlose Sierra ziehen, von golden schimmernden Träumen getrieben. Und die vielleicht alles in allem nur so viel gelbes Gold in der Einöde finden, um notdürftig ihr Leben fristen zu können. Mag auch sein, dass sie überhaupt nichts finden und in der Wüste am Durst zugrunde gehen. Ja, das gibt es noch in Arizona, New und Old Mexiko und sogar in Kalifornien!

Details

Seiten
300
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738915228
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v383666
Schlagworte
löhndorff gesamtausgabe glück manila

Autor

Zurück

Titel: Löhndorff Gesamtausgabe #2: Glück in Manila