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BRADDOCK #17: Die Rache der Apachen

2017 120 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Title Page

Die Rache der Apachen

Klappentext:

Roman:

BRADDOCK

 

Band 17

 

Die Rache der Apachen

 

Ein Western von U.H. WILKEN

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author / Titelbild: Klaus Dill, 2017

Korrektorat: Kerstin Peschel

© dieser Ausgabe 2017 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Klappentext:

 

Der skrupellosen Corral-Bande ist es egal, was sie mit ihrem Verhalten ihren Mitmenschen gegenüber, für eine Welle des Tötens und Verderbens antreten. Sie sind Banditen, nehmen sich alles, wann immer sie etwas haben wollten. Und hierbei spielt es keine Rolle ob es Pferde, Geld einer Bank oder junge Indianerinnen beim Baden am Fluss sind. Sie schrecken dabei auch vor dem Töten nicht zurück.

Doch eines Tages überspannen sie den Bogen entschieden zu weit. Braddock und Yumah, die beiden Special Deputies, heften sich auf ihre Spur und jagen sie, wollen sie endlich dingfest machen und ihrem Treiben ein Ende setzen. Dabei geraten sie zwischen die Fronten und werden selbst zu gejagten, denn auch die Apachen sind auf Rache aus. Sie verfolgen den Weißen Mann, der ihre hilflosen Frauen hinterrücks getötet hat. Damit haben die beiden Deputies hinter sich das Fegefeuer, vor sich die Hölle. Schaffen sie es auch dieses Mal die Banditen zu fassen oder endet hier ihr Weg …?

 

 

Roman:

 

 

Gleich wird es Plommer erwischen.

Noch steht er an der Tür.

Acht sind schon draußen. Acht, die wild um sich schießen. Plommers Komplizen. Geduckt hetzen sie zu den angeleinten Pferden.

Plommer deckt den Rückzug. Drohend fuchtelt er mit dem Colt. Brüllend schüchtert er die Angestellten und Kunden im Schalterraum der Bank ein.

Draußen vor dem Gebäude schwingen sich die Komplizen auf die Pferde.

Einer schreit: „Komm, Plommer! Wir haben die Bucks!“

Plommer will sich rückwärtsgehend verdrücken, will zu den anderen, zu seinem Pferd.

Da dröhnt im Schalterraum ein Schuss. Aus verstecktem Winkel schießt ein Bankangestellter. Feuer schlägt aus dem verkürzten Lauf der Schrotflinte. Voll trifft die Ladung Rehposten den Banditen an der Tür. Zerfetzt wirbelt der Körper zur Straße hinaus. Schlenkernd überschlägt er sich im Staub, rollt zwischen die wild stampfenden Hufe.

Schrill wiehernd scheuen die Sattelpferde.

Brüllend treiben acht Banditen ihre Pferde an, preschen die Straße hinauf.

Vollgestopft mit Bankgeldern, baumeln Leder- und Leinensäcke schwer an den Sätteln.

Acht Banditen schießen aus allen Läufen. Blindlings und auch gezielt. Auf alles, was sich bewegt.

Schreiend flüchtet Silver City von der Straße. Alles geht in Deckung.

Nur einer nicht – und das ist der Bankangestellte, der Plommer umgelegt hat. In einem Anfall von Größenwahn und Selbstüberschätzung kommt er aus dem verräucherten Schalterraum hervorgelaufen. Er will den Banditen ein Andenken seiner Bank verpassen.

Diesmal reißt er einen Colt hoch. Der Schuss peitscht dem Reiterrudel hinterher. Die Distanz reicht gerade noch, um einen wirkungsvollen Treffer anzubringen.

Blei schlägt in die Schulter eines jungen Reiters.

Der Bandit zuckt, schüttelt sich wie im Krampf. Mit beiden Händen hält er sich am Sattelhorn fest. Das Pferd rast mit ihm weiter – und er gewinnt den Stadtrand.

Die anderen sind schon aus Silver City raus.

Staub treibt in dicken Schwaden über die Straße, hüllt alles ein. Dahinter entkommt die achtköpfige Bande wie ein Spuk.

Vor dem Bankgebäude beugt sich ein großer Fremder über den Toten.

Braddock betrachtet Plommer.

„So ist das Leben, Plommer. Es stirbt sich schnell.“

Ungerührt kaut Braddock auf dem erkalteten Stummel des Zigarillos. Dann spuckt er ihn neben Plommer zu Boden.

Bevor die Leute kommen, geht Braddock. Auf langen Beinen stakst er in den Mietstall.

Hier wartet Yumah neben den beiden gesattelten Pferden und dem bepackten Maultier.

Gelassen winkt Braddock ab. Auf dem sonnengebeizten Gesicht liegt grimmiges Lächeln.

„Das war die Corral-Bande. Jeder Halunke wird steckbrieflich gesucht. Tot oder lebendig. Alle Belohnungen zusammen ergeben die prächtige Summe von rund fünfzehntausend Dollar.“

Yumah lässt die Zügelenden los. Im bronzefarbenen Gesicht schimmern weiß die starken Zähne.

„Das hört sich gut an.“

„Aber die acht lassen sich nicht so einfach abknipsen, Yumah.“

„Natürlich nicht, aber irgendwie ist das zu schaffen. Ich weiß, Braddock: Bevor wir sie nicht aus dem Anzug geschossen haben, gibt es keine Kröten.“

„Es waren neun. Einer liegt schon auf der Schnauze. Plommer. Es hat noch einen anderen erwischt. Vielleicht kommt er durch.“

„Wer ist das?“

„Ich glaub’, Earl Garfunkel. Das ist der jüngste Bandit.“

„Wie schön für ihn. Und nun?“ Mit dunkelbraunen Indianeraugen blickt Yumah den großen Braddock an.

„Nichts nun.“

Was in diesen und in den späteren Minuten in Silver City geschieht, interessiert die beiden Special Deputies nur am Rande. Sie kümmern sich auch kaum um das Aufgebot, das Silver City überstürzt verlässt.

„Das Aufgebot reitet in Richtung Lordsburg, nach Süden“, sagt Yumah vom Stalltor aus. „Die Corral-Bande wird diesen Idioten was husten.“

Braddock bleibt ruhig auf der Futterkiste sitzen.

„Richtig“, sagt er und nickt. „Die Banditen reiten einen großen Bogen. Zunächst hinterlassen sie eine Art Zickzackfährte. Das ist sicher. Alles nur Bluff. Die wollen nicht nach Chihuahua, Mexiko. Was Earl Garfunkel braucht, ist ein Arzt. Und Ruhe. Wie wär’s mit Santa Rita?“

 

*

 

Er trifft den Nagel auf den Kopf.

Die Spur führt ostwärts und in die Gegend von Santa Rita.

Yumah sucht noch zwischen den Bergausläufern der Black Range nach den Halunken.

Braddock ist bereits in Santa Rita, im alten Buckingham. Im Saloon flackern schon die Lampen. Draußen kriecht die Dämmerung über die Hügel. Die Konturen der Häuser, Hütten und Ställe verschwimmen im Dunst.

Trotz des tumultartigen Betriebs im Saloon sitzt Braddock seelenruhig am Tisch und löffelt ebenso ruhig Bohnensuppe.

„Schmeckt’s?“

Plötzlich steht ein junges Ding an seinem Tisch. Das Mädchen ist jung, vielleicht siebzehn. Mit der dicken Schminke auf dem Gesicht sieht es so alt aus, wie es wohl gern werden möchte.

„Danke, Oma“, brummt Braddock. „Die Suppe schmeckt ganz hervorragend. Ich könnt’ mich glattweg reinsetzen.“

Das Mädchen muss sein letztes Wort missverstanden haben, denn es setzt sich zu ihm an den Tisch.

„Ich heiße Rita.“

„Wie dieses Nest? Sehr einfallsreich. Also Rita. Und was willst du? Den Teller ablecken, wenn ich fertig bin?“

„Gibst du mir einen aus?“ Rita lehnt sich an ihn, streicht über seinen Arm. „Nur einen. Ich bin bescheiden.“

Rita ist eins der Animiermädchen. Sie wird aufgrund der jungen Jahre wohl noch nicht verdorben sein. Er erinnert sich daran, sie in der Nähe des Hauses gesehen zu haben, wo der Arzt wohnt und seine Praxis hat.

„Natürlich bekommst du einen, Rita.“ Er schiebt den geleerten Teller zurück und klemmt ein Zigarillo in den Mundwinkel. „Da fällt mir was ein. Was wolltest du denn beim Doc?“

„Das sag’ ich dir nicht.“ Rita kichert. Irgendwas belustigt sie. „Darauf kommst du nie.“ Sie verdreht die blauen Augen, seufzt jetzt und schmachtet ihn an. „Wie heißt denn du?“

„Braddock. Du bist also beim Doc gewesen. Und du hast mich auch gesehen. Stimmt’s? Und jetzt bist du neugierig darauf, was ich in Santa Rita will.“ „Ich nicht. Ja, doch – so ungefähr.“ Rita ist keine Meisterin im Lügen. Sie windet sich, will vertuschen, was sie angedeutet hat. „Was interessiert mich das, was ein Braddock tut? Nichts.“

„Du sagst es, Rita: nichts. Ich will reinweg gar nichts. Was wolltest du? Einen Drink? Hier hast du ein Scheinchen. Hol für uns beide mal ganz fix ’ne Flasche vom besten Whisky.“

„Du gibst mir eine ganze Flasche Whisky aus?“ Rita strahlt. „Dann kann ich mich ja mal richtig besaufen!“ Braddock grinst, kratzt sich den Nacken und nickt. Versonnen lächelnd blickt er Rita nach, die sich durch das Gewühl einen Weg zur Theke bahnt. Er ahnt nicht, dass ihn ein unwahrscheinlicher Zufall mit diesem Mädchen zusammengeführt hat – ein Zufall, der Folgen haben wird.

Rita wird nach dem achten Whisky redselig. Sie verwechselt Namen, Personen und eigentlich alles. Und weil es im Saloon immer voller, lauter und wärmer wird, greift Rita sich immer öfter unter die Bluse und drückt den feuchten Stoff von den Brüsten weg. Dabei geht ein Knopf nach dem anderen auf.

Entweder ist Rita kindlich naiv, oder sie geht einer bestimmten Sache beherzt zu Leibe. Munter plappert sie vor sich hin, kichert und bohrt Braddock mit dem Zeigefinger kurz in die Nase. Unwillkürlich fährt er zurück. Rita kann sich darüber totlachen.

Allmählich geht sie ihm auf den Geist. Auch ihre Offenherzigkeit kann ihn nicht zum Bleiben veranlassen. Unter dem Vorwand, dass er mal müsste, verschwindet er.

Rita ist darüber nicht traurig. Eher verstimmt.

„So ein Mist!“, sagt sie vor sich hin. „Ich weiß noch immer nichts von ihm. So was Blödes. Na, denn auf mein Wohl.“

Sie setzt die Flasche an, trinkt sie leer und verlässt den Tisch. Im Gewühl fällt es nicht auf, dass sie sich aus dem verräucherten Saloon stiehlt.

Draußen atmet sie tief ein. Im herausfallenden Lichtschein ist Rita deutlich zu erkennen. Das stört sie offensichtlich nicht. Im Gegenteil: Sie genießt es, von den vorbeigehenden Männern begafft zu werden.

Dabei muss sie wissen, dass ihre weiße Bluse durchsichtig ist und sich feucht wie eine zweite Haut auf die prallen Brüste gelegt hat. Sogar die dunklen Knospen ihrer Brustwarzen schimmern hindurch.

Jeder Mann blickt darauf. Nicht jeder ist cool. Mancher bekommt Stielaugen, schwülstige Gedanken und fiebriges Zittern in den Knochen.

Rita riskiert, vergewaltigt zu werden.

Sie fordert die Männer geradezu heraus. Wenn dann so was geschieht, ist es allein ihre Schuld.

Doch Rita macht es nichts aus, dass die Bluse durchsichtig ist – so wie der dünne Rock, der weit ihre schlanken Hüften und Beine umhüllt.

Dieses Mädchen kann gar nicht so naiv sein!

Das ist Braddocks Meinung. Er beobachtet Rita. In der dunklen Hausnische gegenüber dem Saloon ist er nicht zu entdecken.

Rita bleibt noch vor dem Buckingham, als wolle sie sich mit jemandem treffen. Sie blickt nach rechts, nach links – und plötzlich ist sie aus der Lichtbahn gehuscht. Barfuß in Sandalen läuft sie schräg über die Straße. Zehn Meter an Braddock vorbei.

Der folgt.

Irgendetwas an diesem Mädchen hat ihn stutzig gemacht. Rita kam von allein an seinen Tisch. Bevor er sie im Buckingham-Saloon traf, sah er sie am Hause des Arztes.

Die Corral-Bande braucht einen Doc. Anstatt nach Süden zu reiten, ritt die Bande nach Osten. Das bedeutet für Braddock, dass die Halunken diese Stadt Santa Rita und die Umgebung kennen. Zumindest einmal sind sie schon hier gewesen. Yumah. sucht weiter nach der Bande. Vielleicht hat er das Versteck der Bande bereits aufgespürt. Aber der angeschossene Bandit muss nach Santa Rita gebracht werden.

Earl Garfunkel kann schon in Santa Rita sein.

Braddock folgt Rita, um herauszubekommen, wer in Santa Rita wissen will, was er, Braddock, hier sucht.

Er lächelt grimmig. Das sonnengebeizte raue Gesicht verzieht sich dabei. Und er lächelt richtig sarkastisch, als er beobachtet, wie Rita am Haus des Arztes vorbeigeht, sich umsieht und dann zum Hof hin verschwindet.

Noch ist alles normal. Noch hat das Geschehen nichts mit einem gewissen Wahnsinn zu tun. Dies wird später sein. Jetzt erst einmal häufen sich Zufälle, die man auch Schicksalsfügung nennen kann.

Als Braddock den Hinterhof erreicht, schließt sich gerade das kleine Stalltor. Der Stall steht drüben, auf der anderen Seite vom Hof. Dort ist aber nicht die Praxis des Arztes. Im Stall stehen ein Pferd und ein kleiner leichter Buggy, ein Einspänner, den der Doc für Arztbesuche außerhalb von Santa Rita benutzt.

Braddock glaubt nicht, dass Rita die Stadt verlassen will. Was aber sucht sie dann im Stall?

Der Hof ist verlassen.

Aus einem Hinterfenster des Arzthauses sickert durch einen Vorhang Lichtschein.

Lautlos gleitet Braddock an den Stall heran, verharrt neben der Bretterwand. Angespannt horcht er.

Im Innern des Stalls blakt eine Stallfunzel. Er sieht den trüben Schein durch die Bretterfugen schimmern.

Ein Buggy ist erkennbar. Er hört das Stampfen von Pferden. Das sind mindestens zwei.

Irgendwer flüstert.

Das Flüstern eines Mädchens ist von dem Flüstern eines Mannes nicht zu unterscheiden. Braddock kann nicht feststellen, wer noch im Stall ist. Das kann sogar ein zweites Mädchen sein.

Vielleicht irrt er sich. Vielleicht trifft Rita sich mit einem Freund, Stroh raschelt. Die Gebisskette eines Pferdes rasselt schwach.

Wieder Flüstern. Wieder ist kein Wort zu verstehen. Dann Schritte. Leichte Schritte wie von einem Mädchen. Das stimmt auch. Rita nähert sich dem Stalltor. Braddock hört das leise Knarren der hölzernen Angeln. Rita kommt hervor und schließt hinter sich das Stalltor. Das ist auch von innen mit demselben Riegel zu öffnen. Das Mädchen blickt sich um – dann entfernt es sich zur Straße hin.

Genau in diesem Moment kommt jemand durch die Hintertür aus dem Haus.

Der Doc.

Rita hat weder die Zeit noch die Gelegenheit, ihm unbemerkt auszuweichen. Er hat sie bereits entdeckt. Grüßend hebt er die Hand an – ziemlich müde. Vielleicht eine Geste der Geringschätzigkeit.

„Hast du ihn gerade besucht, Rita?“, fragt er.

Sie nickt, bleibt stehen, schließt die Bluse.

„Ich finde, es geht ihm schon viel besser, Doc. Das war gute Arbeit. Er isst sogar schon was.“

„Und säuft auch wieder“, stellt der Doc fest und bleibt vor Rita stehen. Deutlich sind seine asthmatisch rasselnden Atemzüge zu hören. Erstes Mondlicht fällt auf sein rosiges Gesicht. „Hast du ihm denn Whisky gebracht?“

„Ich? Ja, natürlich ich! Wer denn sonst, Doc?“

„Ja, wer?“ Der Arzt winkt ab. „Ihm geht es also schon viel besser, findest du? Dann werde ich zum Stammtisch gehen. Nein, nicht zu euch in den Buckingham-Schuppen. Wenn was los sein sollte, dann verständige mich sofort. Ich bin im Royal.“

Der schwergewichtige Arzt im speckig glänzenden Anzug will gehen. Rita greift nach seinem Arm, hält ihn sanft fest.

„Da ist ein großer Fremder in der Stadt, Doc! Was er hier will, weiß ich nicht. Er hat mich am Tisch sitzenlassen.“

„Na, und?“ Der Doc verzieht das rosige Gesicht. „Du bist ihm vielleicht mit deinem ewigen Gequatsche auf die Nerven gegangen.“

„Ich soll Ihnen sagen, wer in die Stadt kommt, wer fremd ist, Doc!“, sagt Rita wütend. „Also tu ich das! Der Kerl heißt Braddock. Er hat mich in der Nähe Ihres Hauses gesehen und mich gefragt, was ich bei Ihnen wollte, Doc.“

Da beugt sich der Doc zu Rita hin und flüstert irgendwas. Rita lacht auf und sagt: „Darauf bin ich noch gar nicht gekommen, Doc!“

„Weil du nur immer das eine im Kopf hast, Mädchen, und nicht die Folgen!“, versetzt der untersetzte Arzt mit grimmigem Lächeln. „Es bleibt dabei: Du verständigst mich jedes Mal, wenn jemand nach Santa Rita kommt, der fremd ist. Ich will mit dem Gesetz nicht aneinandergeraten, verstehst du? Das ist der Grund. No, no, keine Ausflüchte, Rita! Ich hab’ noch etwas Hirn im Kopf, klar? Ich kann mir so einiges zusammenreimen. Du hast dich in den Burschen verknallt. Schon seit einiger Zeit, nicht wahr? Jetzt ist er zurückgekommen, und dein Herz macht Sprünge wie ein Mustang. Reißt mich ja nicht in irgendeine schmutzige Sache rein, du und dein Freund. Ich geh in den Royal.“

Er macht sich nicht erst die Mühe, nach dem Verwundeten im Stall zu sehen. Langsam geht er vom Hof und verschwindet zur Straße hin.

Rita sieht ihm nach, zuckt die Achseln und läuft dann zum Buckingham zurück, vielleicht hoffend, dort Braddock anzutreffen.

Braddock wartet am Stall.

Mit Vermutungen gibt er sich nicht ab. Tatsachen sind ausschlaggebend. Im Stall ist jemand. Er kann sich denken, wer. Aber er will ihn sehen. Nicht morgen, sondern jetzt.

Kaum hörbar raschelt wieder Stroh. Ein Pferd stampft unruhig. Es ist vielleicht noch gesattelt. Das andere und vielleicht ein drittes ist nicht zu hören. Dann knackt es metallisch. Das Geräusch stammt von einer Waffe.

Eine Weile ist es ruhig.

Danach stöhnt jemand schwach und bewegt sich am Boden.

Ein angeschossener junger Bandit kann Braddock nicht gefährlich werden.

Aber der Bursche hat seine Waffe feuerbereit gemacht. Warum gerade jetzt, fragt Braddock sich. Ein richtig hartgesottener Bandit hat seine Waffen stets feuerbereit, rechnet ständig mit Gefahr. Die Corral-Bande wird immerhin steckbrieflich gesucht – jeder einzelne und alle zusammen!

Es heißt, dass einige Mitglieder richtige Spezialisten sind, was das Töten der Mitmenschen betrifft.

Einer schießt verteufelt gut mit dem Gewehr, der andere mit dem Colt. Der eine sticht gern mit dem Messer zu, der andere würgt, wieder ein anderer sprengt gern alles in die Luft. Das alles hat jedes Mal was mit Töten und Rauben zu tun.

Braddock schleicht nach vorn und blickt auf den kleinen Querbalken in der Halterung des Stalltors. Dieser Riegel braucht nur wenig angehoben zu werden – dann ist das Stalltor bereits geöffnet. Diese kleine Bewegung kann im Innern des Stalls bei dem trüben Lichtschein nur rein zufällig bemerkt werden. Leider gibt es kein hinteres Tor oder eine Tür.

Braddock muss also vorn hinein.

Nur schwach und verworren dringt der Lärm aus den beiden Saloons herüber. Dieses Geräusch wirkt einschläfernd, besonders auf denjenigen, der verwundet worden ist. Damit rechnet Braddock. Er wartet noch, horcht – und als er nichts hört, öffnet er unendlich langsam und vorsichtig das Stalltor.

Durch den Spalt blickt er in das Innere.

Vor dem leichten Wagen liegt eine Gestalt. Eine Decke hüllt den Mann ein. Schwarzes Haar ist erkennbar. Die Figur ist schlank. Die linke Hand ruht auf der Decke. Sie verrät, dass es ein junger Mann ist. Vom Gesicht kann Braddock nur die Stirn sehen, die dunklen Augenbrauen, mehr nicht.

Der junge Mann ruht auf einer Strohunterlage. Neben ihm im Stroh liegt ein blutdurchtränkter Verband. Das Blut ist bereits eingetrocknet. Und gleich neben dem Verband liegt eine leere Flasche. Ein Gewehr lehnt am Wagenrad.

Im Hintergrund stehen drei Pferde. Braddock erkennt deutlich, dass eins der Pferde gesattelt ist. Neben dem anderen liegt der Sattel am Boden. Das dritte Pferd ist ein Wagenpferd.

Braddock hat sein Pferd im Mietstall stehen. Dort liegt auch, versteckt neben einer alten Futterkiste, sein Marlin-Gewehr. Im Moment ist er nur mit einem Colt bewaffnet. Wer ihn kennt, weiß, dass diese Bewaffnung völlig ausreicht, besonders in der Stadt, wo weitreichende Schüsse nicht erforderlich sind.

Er lässt den Colt noch im Holster stecken. Mit einer unmittelbaren Gefahr rechnet er nicht. Der junge Bandit atmet ruhig unter der Decke.

Lautlos bewegt Braddock sich in das Innere des Stalls, macht tastende Schritte, bewegt sich wie ein Schatten an dem Schlafenden vorbei.

Er will zu den Pferden.

Besonders das gesattelte Pferd interessiert ihn.

Für wen ist dieses Pferd gesattelt, fragt er sich. Nicht für den Verwundeten, auch nicht für das Mädchen Rita. Die Kleine wird ihren Freund nicht alleinlassen. Und für den beleibten Arzt ist ein Reitpferd nicht gerade das richtige Fortbewegungsmittel.

Seine Sinne sind in höchster Alarmbereitschaft.

Er spürt die Gefahr wie eine körperliche Berührung.

Und er fühlt sich beobachtet!

Im Stall ist noch jemand. Dem gehört das gesattelte Pferd.

Braddock braucht nicht lange zu überlegen. Der angeschossene junge Bandit ist nicht allein in Santa Rita. Ein Komplize hat ihn hergebracht, ist hiergeblieben. Und das Mädchen Rita weiß von diesem Komplizen. Wahrscheinlich hat sie mit ihm geflüstert. Der Doc wird wahrscheinlich nichts von diesem anderen, zweiten Mann wissen. Er wird glauben, dass dem Verwundeten beide Pferde gehören.

Kaltblütig dringt Braddock weiter vor.

Der Gegner wird bereitstehen. Irgendwo hier im Dunkeln lauert er. Ein Schuss würde die nähere Umgebung rebellisch machen. Auch würden die Pferde verrückt werden und wild auskeilen. Der Verwundete am Boden wäre in großer Gefahr, zu Tode getrampelt zu werden.

Noch bewegt Braddock sich langsam. Er will den Gegner täuschen. Doch plötzlich schnellt er auf das Sattelpferd zu. Durch diese Bewegung bringt er den Gegner aus der Ruhe.

Kaum ist er am Pferd, da hört er ein Sirren. Das ist kein Wurfmesser. Er duckt sich blitzschnell, taucht unter dem Pferd hindurch und wirft sich hin, rollt zur Seite. Hinter ihm trifft die Sense den Hals des Pferdes. Das Tier tobt, wiehert, röchelt entsetzlich. Bricht zusammen, schlägt zuckend um. Die Beine schlagen noch aus. Dabei ist das Tier bereits tot. Der Kopf liegt im Stroh. Die Sense knallt gegen die Bretterwand. Ein Mann stürzt nach draußen.

Im Nu ist Braddock auf den Beinen.

Er rennt hinterher, zieht den Colt.

Als er aus dem Stall stürmt, blitzt es vor ihm auf dem Hof auf. Blei faucht vorbei. Er wirft sich hin, entgeht der nächsten Kugel. Der Halunke flüchtet weiter.

Braddock folgt mit einer wahnsinnigen Wut im Bauch. Er ist imstande, den Halunken mit bloßen Händen fertigzumachen, restlos – bis kein Leben mehr in ihm ist.

Geduckt rennt er hinterher.

Der Bandit flüchtet um den Stall auf den Nachbarhof. Wohin er will, ist noch nicht klar.

Jetzt hat Braddock ihn wieder vor Augen. Deutlich ist er im Mondschein zu sehen.

Während des Laufens dreht sich der Halunke halb herum und schießt wie irre. Dabei stößt er kreischende Laute aus.

„Hör auf, du Idiot!“, brüllt Braddock wütend. „Bleib stehen, verdammt!“

Natürlich missachtet der Halunke die verpackte Warnung. Er rennt weiter und will erneut schießen. Diesmal kann er die Chance haben, Braddock zu treffen und damit zu töten.

Denn Braddock hat keine Deckung.

Jäh steht Braddock still. Genau in dieser Sekunde feuert er das Blei aus dem Colt. Der Schuss trifft. Mit einem Kopfschuss bricht der Bandit zusammen.

Mit großen Schritten geht Braddock zu ihm hin. Ungerührt beugt er sich über den Toten. Dabei lädt er den Colt nach.

Dann sagt er: „Du Saukerl.“

Dabei denkt er an das Pferd, das dieser miese Kerl mit der scharfen Sense geköpft hat. Der tödliche Hieb galt ihm. Nicht auszudenken, wo jetzt sein Kopf

wäre.

Braddock macht kehrt und geht zurück.

Mit gezogenem Colt dringt er in den Stall ein, springt zur Seite, wirft sich hin.

Nichts passiert.

Da erhebt Braddock sich und sieht das zerwühlte Lager im Stroh verlassen. Der Bandit hat sich mit eigener Kraft auf die Beine gebracht und sich hinausgeschleppt.

Braddock weiß, wo er ihn finden wird.

Auch er verschwindet, noch bevor einige Männer von der Straße herüberkommen.

 

*

 

Die Corral-Bande zählt sieben Mann.

Einer hat sich in Santa Rita verkrochen.

Auf dem Weg zum Animiermädchen Rita kommt Braddock am Royal vorbei. Im Royal ist der Halunke nicht. Braddock überzeugt sich davon. Der beleibte Arzt sitzt mit alten Freunden am Stammtisch. Man hat ihn noch nicht gerufen.

Im Buckingham tut sich nichts Neues. Auch weiterhin Hochbetrieb. Der Tabakrauch ist so dick, dass alles wie eingenebelt aussieht.

Unter den anderen Animiermädchen ist Rita nicht so leicht herauszufinden. Braddock kommt lässig herein, als sei draußen nichts gewesen. Suchend blickt er sich um. Dabei denkt er an den Gefährten und Freund – an Yumah. Noch immer ist Yumah in der Black Range. Hier könnte er Yumah gut brauchen. Denn er kann nicht an zwei Orten zur selben Zeit sein.

Schon will er kehrtmachen und den Arzt heimlich beobachten. Denn der junge Bandit Earl Garfunkel braucht bestimmt noch ärztliche Hilfe.

Da entdeckt er Rita ganz hinten zwischen den Tischen und Männern, lachend und lallend. Rita hat Schwierigkeiten, sich auf den Beinen zu halten. Sie muss inzwischen eine weitere Flasche Whisky geleert haben.

Braddock runzelt die Stirn. Lächelnd schiebt er sich durch die Menge. Nur langsam kommt er dem Tisch näher, auf dem Rita Platz genommen hat.

In seinen Augen ist sie ein ganz putzmunterer Feger, der voll auf naiv eingestellt ist. Das wirkt. Sie hat es wahrscheinlich so faustdick hinter den Ohren, dass sie schon schlecht hören kann.

Rita und Earl Garfunkel – ein ideales Paar auf dem Abwärtsweg in die Hölle.

Sie weiß noch nichts. Das sieht er ihr an. Sie hat nicht so gute Nerven, um so ausgelassen und fröhlich zu wirken. Das ist echt. Demnach hat der junge Bandit Garfunkel noch keine Verbindung mit ihr aufgenommen. Rita glaubt ihn im Stall hinter dem Haus des Arztes in Sicherheit. Auch vom Tod des Komplizen weiß sie noch nichts.

Sie lacht, kreischt und fällt einem der Männer vom Tisch aus um den Hals. Der Mann umschlingt sie, dreht sich mit ihr – und sie kann über seine Schulter hinweg auf Braddock sehen.

Der grinst und winkt ihr verstohlen.

„Lass mich mal los!“, sagt sie zu dem Verehrer und strampelt. „Du zerquetschst mich, du Grobian! Gib lieber ’ne Flasche Whisky aus!“

Der Mann setzt sie auf die Füße zurück, und sie tätschelt sein Gesicht, gleitet um ihn herum und ist flink wie ein Wiesel an Braddocks Seite.

„Das hat aber lange mit dir gedauert, Braddock!“, sagt sie schmollend. „Weißt du, was das ist? Nicht normal!“

„Während du hier einen auf Schleuse machst und dich langsam volllaufen lässt, hab’ ich Wasserfall gespielt, mein Kind“, entgegnet er grinsend. „Ich hab’ dir was mitgebracht. Komm mal eben mit.“

Rita zögert.

„Siehst du nicht, dass ich was zu tun habe? Ich kann doch nicht meinen lieben Grobian alleinlassen! Ich hab’ zu viel Gefühl investiert, verstehst du? Er ist jetzt soweit – er gibt mir eine Flasche Whisky aus und ist dann süß wie ein kleiner Junge!“

Braddock nickt grimmig.

„Da kommt dein süßer kleiner Junge, Rita! So klein ist der gar nicht mehr. Der will mir an die Wäsche!“

Dicht vor Braddock und Rita bleibt der bärtige Mann drohend stehen. Angriffslustig bewegt er die breiten Schultern. Wulstig schiebt er die Unterlippe vor.

„Lass meine Kleine los, du Mistkäfer!“, sagt er zu Braddock. „Sonst fliegst du gleich auf die Fresse!“

„Beruhige dich, Liebling“, fleht Rita und zieht dabei sanft am Bart des Verehrers. „Ich gehöre dir allein. Das ist mein Bruder!“

„Quatsch! Du hast keinen Bruder!“, schnaubt der Bärtige. „Geh mal zur Seite, damit ich ihn auseinandernehmen kann!“

Braddock grinst stärker.

„Hast du gehört, Rita? Dein Sülzkopf will mich zerpflücken. Mann, Rita – wie bist du nur an so einen verfilzten Schnauzbart geraten? Der Junge hat ein Brett vorm Kopf. Bei dem schlägt gleich der Holzbock zu!“

Die anderen mischen sich nicht ein, warten ab. An den Nebentischen achtet kein Mensch auf den kleinen Streit. Überall lachen, grölen und johlen Männer, kreischen Mädchen, klirren Gläser.

„Holzbock?“ Der Bärtige ballt die Hände, hebt die Ellbogen an. Im Gesicht zuckt es verräterisch. Doch bevor er zuschlagen kann, holt Braddock blitzschnell mit der Faust aus und knallt sie dem Kerl wie einen Hammer auf den Kopf. Ächzend dreht sich der Bärtige um die eigene Achse, poltert zu Boden und bleibt stöhnend zwischen dem Gestühl liegen.

Während sich die anderen um den niedergeschlagenen Mann scharen, zieht Braddock das Mädchen sanft hinter sich her. Beide verschwinden durch die Hintertür aus dem Saloon.

Hinten am Rande des Hofes bleiben sie im Schatten des Hauses stehen. In bleiches Mondlicht getaucht, liegt der Hinterhof vor ihnen.

„Verdammt“, sagt Rita, „jetzt spendiert er keine Flasche mehr!“

„Vergiss ihn, Rita.“ Braddock zieht das Mädchen an sich. „Still! Ich glaub’, er ist noch da!“

„Wer?“, flüstert Rita.

„Das weißt du doch, Rita“, raunt er. „Ich hab’ ihn hier auf dem Hof gesehen! Ich glaub’ er will zu dir, aber er traut sich nicht in den Saloon rein. Wegen der vielen Leute und so.“

Mit großen blauen Augen blickt sie ihn fragend an.

„Vom wem redest du eigentlich, Braddock? Was hast du mir mitgebracht?“

„„Na, ihn! Großer Gott, nun tu doch nicht so blöde, Rita! Nein, nicht den Doc! Der will von dir im Moment auch gar nichts wissen.“

„Ach – so?“, dehnt sie. „Den meinst du? Meinen Freund? Ach, du meine Güte!“ Sie seufzt. „Ich hab’ doch so viele Freunde, Braddock! Wer kann das schon sein, ich meine, hier auf dem Hof?“

„Ich weiß nur, wie er mit Vornamen heißt, Liebling. Earl – oder so ähnlich. Vielleicht wartet er drüben – dort, wo der Haufen Brennholz liegt. Ruf’ ihn doch mal.“

Braddock will das Mädchen zum Lockvogel machen. Denn nur auf Rita wird Earl Garfunkel hören. Und der Bandit wird bestimmt in der Nähe sein.

„Bist du verrückt?“, fährt Rita auf. „Der ist nicht hier!“

„Das sagst du. Ich sag’ was anderes, Rita. Du glaubst, dass er noch hinter dem Arzthaus im Stall ist? Unsinn. Da ist er nicht mehr. Ich hab’ dich vorhin übrigens zum Haus des Arztes laufen sehen.“

„Na, und? Ich war auch beim Doc!“ „Und was wolltest du von ihm? Du bist nicht angeschossen worden!“

„Woher willst du das wissen, he?“ Rita ist fast empört. „Ich heiße doch nicht Johanna, die Verrostete!“

„Nun mach mir bloß nichts vor, Rita“, mahnt er gespielt ernst. „Oder bekommst du ein Baby?“

„Ja! Hurra!“ Rita lacht laut auf. Sehr laut sogar. Zu laut. „Hurra, ich krieg’ ein Baby!“ Schlagartig wird sie ernst. „Aber von wem?“, fragt sie sich wie bekümmert.

„Vielleicht von Earl?“, hilft er nach. „Bist du dir da sicher?“, fragt sie zurück.

„Wieso ich? Was hab’ ich denn damit zu tun, he? Los, ruf deinen Babymacher, deinen Earl! Ich will euch helfen, Rita! Earl hat irgendwas schrecklich Dummes getan, und jetzt suchen sie nach ihm. Du darfst ihn nicht im Stich lassen. Denk an euer Baby.“

„Hör auf damit, Braddock!“ Rita ist richtig wütend. „Verschwinde und lass mich allein!“

Darauf hat er gewartet.

„Und ich Idiot hab’ geglaubt, dass du nur mich liebst, Rita!“, sagt er verschnupft. „Es stimmt also. Du liebst diesen Earl. Und nicht mich. Dann werdet glücklich miteinander. Und sauf nicht so viel, sonst kommt dein Baby gleich mit einem Schwimmerausweis auf die Welt.“

Wütend tritt sie auf, stampft zornig. „Hau endlich ab!“

Da verzieht er sich, geht um das Haus und presst sich an die Hauswand. Reglos steht er in der Hofeinfahrt. Im Schlagschatten ist er kaum zu entdecken. Der Lärm im Saloon überdeckt manches Geräusch in der kleinen Stadt. Dennoch hört er Rita nach Earl rufen.

Geduckt gleitet er zurück, verharrt dicht an der Hausecke, blickt auf den Hof hinaus.

Rita ist in den Mondschein hinausgelaufen, ruft wieder. Plötzlich kommt schwankend ein junger Mann hinter dem Pferdestall hervor.

Braddock erkennt ihn sofort wieder: Earl Garfunkel. Im Moment ist ihm Garfunkel lebendig wichtiger. Es ist auch wichtig, dass Garfunkel sich auf freiem Fuß befindet. Durch ihn will Braddock an die Corral-Bande herankommen. Vermutlich wird der junge Bandit die Stadt noch in dieser Nacht verlassen, und Rita soll ihm Pferd, Ausrüstung und Proviant beschaffen, weil er zu geschwächt ist.

Rita und Earl kennen einander nicht erst seit gestern. Das Mädchen hat viel für ihn übrig. Es zeigt sich besorgt, fast ängstlich. Und jetzt stützt es ihn und entfernt sich mit ihm vom Hof.

Was die beiden miteinander flüstern, versteht Braddock nicht. Er bleibt im Hintergrund. Mehrmals blickt Rita schnell zurück. Beide bewegen sich in die Nebel am Stadtrand hinein. Braddock sieht sie nicht mehr. Lautlos geht er weiter. Auf einmal hastet Rita allein davon.

Da setzt Braddock sich auf den erkalteten Boden, wartet und kaut auf einem Zigarillostummel herum. Auf Rauchen muss er verzichten.

Er macht sich nicht die Mühe, nach dem jungen Garfunkel zu suchen. Der Bandit könnte ihn entdecken und aus dem Versteck hervorschießen.

Rita sorgt dafür, dass die Spur nicht abreißt. Schon wenig später kommt sie mit einem gesattelten Pferd am Zügel heran und geht vorbei. Braddock erkennt den Proviantsack und die Wasserflasche am Sattelhorn.

„Earl?“, ruft sie leise, vom Nebel halb verschluckt.

„Ja, Rita“, antwortet Garfunkel. Mühsam schleppt er sich heran. „Das ist ja mein Pferd! Wie bist du in den Stall gekommen?“

Schaudernd hebt Rita die Schultern an, als sei ihr sehr kalt.

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738914795
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v382022
Schlagworte
braddock rache apachen

Autor

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Titel: BRADDOCK #17: Die Rache der Apachen