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Top Grusel Thriller #16: Das Blutgericht der Insekten

2017 120 Seiten

Leseprobe

Top Grusel Thriller #16: Das Blutgericht der Insekten

A. F. Morland

Published by Casssiopeia-XXX-press, 2017.

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A.F.Morland - Das Blutgericht der Insekten

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Unheimliche Begegnungen mit den Mächten des Bösen, finstere Geschöpfe des Todes, die die Lebenden mit ihren namenlosen Schrecken heimsuchen und Dämonen, die durch einen unbedachten Gedanken gerufen wurden oder einem Ort anhaften wie ein böser Fluch – darum geht es in den Romanen der Reihe TOP GRUSEL THRILLER.

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author /Cover Klaus Dill

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Das Blutgericht der Insekten

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Die Straße stieg steil bergan. Links und rechts erstreckte sich weithin dichter Mischwald. Die Sonne brannte auf den Rücken des Briefträgers. Schwitzend schob er sein Fahrrad den Berg hinauf. »Verdammte Hitze!« beschwerte er sich. Er blieb stehen und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

Dabei fiel sein Blick auf einen breiten Busch, der nahe am Straßenrand wucherte. War das nicht eine Hand, die unter dem Busch hervorragte? Natürlich! Dort lag jemand.

Der Briefträger lehnte sein Fahrrad auf den Ständer. Dann eilte er zu dem Busch. Er ging um ihn herum und erstarrte im nächsten Augenblick. Sämtliches Blut wich aus seinem Gesicht. Seine Lippen waren fahl geworden. Er starrte entsetzt auf die nackte Mädchenleiche, die vor ihm mit seltsam verrenkten Gliedern im hohen Gras lag.

Das Kleid war vollkommen zerfetzt. Der Körper des kaum zwanzig Jahre alten Mädchens wies schreckliche Bißwunden auf. Übelkeit drehte dem Briefträger den Magen um. Er mußte sich von diesem schaurigen Anblick abwenden.

»Haben Sie die Tote erkannt?« fragte Keller.

Der Briefträger schüttelte den Kopf. »Sie ist nicht aus unserem Dorf. Es ist eine Fremde.«

»Möchten Sie uns immer noch nicht begleiten?« fragte Keller.

Der Briefträger hob seufzend die Achseln hoch. Er blickte den Inspektor mit trauriger Miene an und meinte: »Ich fürchte, ich muß wohl!«

Einer der Beamten holte den Dienstwagen aus der Garage.

Sie setzten sich in das Fahrzeug und fuhren zum Further Forst.

Das Rad des Briefträgers stand immer noch da, wo er es abgestellt hatte.

Ringsumher zwitscherten Vögel in den Bäumen. Die Sonne strahlte vom azurblauen Himmel. Die Hitze flimmerte über dem hohen Gras.

»Da!« sagte der Briefträger und wies auf den Busch, nachdem sie ausgestiegen waren. Hinter diesem Busch liegt sie.«

Die Polizeibeamten begaben sich hinter das Gebüsch.

Der Briefträger blieb bei seinem Rad stehen. Er wollte die Leiche kein zweitesmal sehen.

Gebannt blickten die Beamten auf die nackte Mädchenleiche.

Inspektor Keller spürte einen würgenden Kloß in der Kehle.

Hier schien eine Bestie gewütet zu haben. Der Körper des Mädchens wies fürchterliche Verletzungen auf.

Der Briefträger hatte nicht übertrieben.

Hatte er mit dem Monster auch die Wahrheit gesagt?

Alles in Keller sträubte sich gegen eine solche Wahrheit. So etwas war zu phantastisch. So etwas konnte es einfach nicht geben.

Keller schluckte. Er blickte einen seiner Kollegen an und meinte mit belegter Stimme: »Wir müssen die Mordkommission verständigen!«

***

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NOCH DACHTEN SIE, SO etwas wie uns könnte es nicht geben.

Bis vor kurzem hatte es uns tatsächlich noch nicht gegeben. Aber dann war ein wahnsinniger Wissenschaftler namens Hugh Chittah auf die Idee gekommen, uns zu schaffen.

Diese unselige Idee hatte seinen Untergang zur Folge gehabt.

Ich, Jerry Baker, hatte ihn umgebracht und hatte mich an seinem Blut gelabt. (Siehe auch Bastei-Gespenster-Krimi Nr. 6.)

Dann waren wir aufgebrochen, um der Menschheit den Kampf anzusagen. Wir, die Wesen mit den Fliegenköpfen. Unverwundbar. Nichts konnte uns etwas anhaben. Nichts konnte uns aufhalten oder vernichten.

Wir waren von England mordend und blutsaugend durch Frankreich gezogen und hatten Deutschland erreicht.

Wir hatten uns ungeheuer rasch vermehrt. Linda Caldwell, mein Weibchen, hatte mir unzählige Kinder geboren.

Doch dann war eines Tages der Rückschlag gekommen. Irgendeine heimtückische Krankheit hatte beinahe mit einem Schlag alle unsere Frauen und unsere Kinder hinweggerafft. Auch viele Männer waren gestorben, ohne daß wir gewußt hätten, wie wir dieser Krankheit, die in uns steckte, Einhalt gebieten konnten.

Tag für Tag hatte, ich neue Verluste.

Gewehrkugeln, Feuer, Waffen aller Art hatten uns nichts anhaben können.

Trotzdem wurden wir rasch weniger, und plötzlich war ich nur noch von einer handvoll Freunden umgeben.

Mit ihnen erreichte ich den Schwarzwald.

Mit ihnen und mit Linda Caldwell. Sie war das einzige Weibchen, das die Krankheit bisher überlebt hatte.

Aber auch in ihr keimte bereits der Tod.

Wir hatten uns in den Wald zurückgezogen. Tony, mein bester Freund, hatte die Gegend durchstreift, um nach neuen Opfern für uns Ausschau zu halten.

Linda war plötzlich zusammengebrochen.

Mir krampfte es das Herz zusammen. Ich starrte sie mit meinen riesigen Insektenaugen verzweifelt an. War das das Ende? Würde nun auch sie uns verlassen?

Ich streichelte ihren großen schwarzen Fliegenkopf. Seit ich mich in dieses neue Wesen verwandelt hatte, hatte ich kein solches Mitleid mehr verspürt.

Linda gab mir zu verstehen, daß ich nicht traurig sein solle. Sie würde immer bei mir bleiben. Auch nach ihrem Tod. Sie würde über mich wachen. Sie würde mich beschützen.

Es war rührend, daß sie mir das verständlich machte. Sie wollte mich damit trösten.

Ihr schöner Körper bäumte sich unter unsäglichen Schmerzen auf. Ein heftiges Zittern durchrieselte sie.

Ich hielt sie fest. Sie sollte sich nicht aufregen. Sie sollte sich nicht soviel bewegen.

Ihr Rüssel zuckte mir entgegen. Ich war verzweifelt, denn ich wußte, daß sie nicht mehr zu retten war.

Meine ganze Wut richtete sich gegen diese verdammte Krankheit.

Wie war sie einzudämmen? Wie war sie zu verhindern? Wodurch wurde sie hervorgerufen?

Wieder krümmte sich Linda. Die Krämpfe ließen ihren jungen Körper zucken. Ich berührte sie sanft. Zum erstenmal war ich darüber unglücklich, daß meine Insektenaugen nicht weinen konnten.

Als sich die Krämpfe lösten, lag Linda still.

Entsetzt griff ich nach ihrem Puls. Es war keiner mehr zu spüren. Linda lebte nicht mehr. Das Weibchen, das an meiner Seite Hunderte von Menschen getötet hatte, war nun selbst gestorben.

Ich wollte es nicht glauben.

Was sollte ich jetzt ohne sie anfangen?

Meine Freunde hielten mich zurück.

Sie nahmen mir die Tote aus den Armen und legten sie behutsam auf den weichen Waldboden.

Dann begannen sie mit bloßen Händen ein Grab zu scharren. Sie legten die Leiche in die Grube und warfen Erde darauf.

Als Linda nicht mehr zu sehen war, löste sich die Verkrampfung in mir.

Ein Geräusch rief mich in die Wirklichkeit zurück.

Meine Männer versteckten sich hastig hinter den Bäumen.

Auch ich versteckte mich schnell. In mir erwachte sofort wieder der Jäger. Wenn sich uns ein Mensch näherte, war er verloren.

Wir sahen einen Schatten zwischen den Bäumen hindurchhuschen und lauerten auf unsere Chance.

Es war aber kein Mensch, der sich uns näherte. Es war Tony.

Tony war groß und breitschultrig. Ich verstand mich mit ihm ausgezeichnet. Während meiner Abwesenheit führte er das Kommando über die anderen.

Tonys Kopf wies Spuren von Menschenblut auf. Sein schwarzer Rüssel war ebenfalls voll Blut. Er teilte uns mit, daß er soeben ein junges Mädchen überfallen, getötet und sich an ihrem Blut gelabt hatte.

Sofort erwachte in uns allen eine unbändige Gier nach diesem heißbegehrten Lebenssaft.

Vergessen war Linda.

Wir wurden vom Hunger fortgetrieben und zogen los, um neue Opfer zu suchen und sie zu töten.

***

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ETWA ZWÖLF LEUTE ARBEITETEN am Tatort.

Der Polizeiarzt war ein weißhaariger Mann. Er trug eine schmale Sonnenbrille auf der Nase. Sein Anzug hing salopp an seiner knochigen Figur. Er hatte lange, feingliedrige Finger und einen dürren Hals.

Er trat kopfschüttelnd zu Inspektor Keller.

Zwei Männer legten die Leiche eben in einen Blechsarg. Das Sonnenlicht flirrte auf dem Deckel, den sie gleich darauf aufschraubten.

Keller rauchte eine Zigarette. »Nun, Doktor?«

Der Polizeiarzt hörte nicht auf, den Kopf zu schütteln.

»Sie hat keinen Tropfen Blut in den Adern.«

Kellers Kopf ruckte hoch. »Ist sie verblutet?«

»Haben Sie irgendwo eine Blutlache gesehen? Oder eine Stelle, wo das Blut des Mädchens in die Erde gesickert ist?«

Der Inspektor schüttelte den Kopf. »Nein.«

»Trotzdem ist ihr Körper ohne jeden Tropfen Blut.«

»Wie erklären Sie sich das?«

»Das Ganze ist äußerst sonderbar.«

»Das ist keine Erklärung, Doktor.«

»Ich fürchte, ich kann ihnen keine glaubhafte Erklärung geben, Inspektor.«

»Sie als Mediziner...«

»Soll ich Ihnen die Wahrheit sagen, Inspektor Keller?«

Roul Keller nickte. »Ich bitte darum.«

Der alte Polizeiarzt blickte zum verschlossenen Metallsarg, der soeben hochgehoben und zum Leichenwagen getragen wurde.

»Ich stehe vor einem Rätsel«, sagte der Arzt und schüttelte wieder langsam den Kopf. Er nahm die Sonnenbrille ab und fuhr sich über die müden Augen.

Keller machte noch einen Zug an seiner Zigarette. Dann warf er sie auf den Boden und trat den Stummel aus.

Roul Keller war fünfunddreißig Jahre. Er war hochgewachsen, brünett, kein schöner Mann, aber auch nicht häßlich. Er war eher unscheinbar. Sein Kopf war kantig. Er trug das Haar kurz geschnitten. Die Krawatte saß stets korrekt bei ihm, wie auch alle seine Meldungen immer korrekt und ohne jeden Makel waren. Er war die Gewissenhaftigkeit in Person. Seine Kollegen achteten ihn und respektierten ihn als gerechten, humanen Vorgesetzten.

Keller konnte hervorragend boxen, reiten und schießen. Er war intelligent, sprach mehrere Sprachen und war Junggeselle.

Der Polizeiarzt putzte sich geräuschvoll die Nase.

»Die Verletzungen, die die Leiche aufweist, sind äußerst ungewöhnlich, Inspektor.«

»Sind es denn keine Bißwunden?«

»Doch, doch. Aber so beißt kein Mensch, Inspektor.«, »Was wollen Sie damit andeuten?« fragte Keller hellhörig.

»Ich muß die Tote selbstverständlich erst obduzieren«, sagte der Polizeiarzt ausweichend. »Aber soviel kann ich jetzt schon sagen: Solche Verletzungen habe ich noch nie gesehen.«

Kellers Zunge huschte über die trockenen Lippen.

Er wies mit dem Daumen nach dem bleichen Briefträger, der sich bislang noch nicht dazu entschließen konnte, von hier fortzufahren.

»Er will einen Mann mit einem riesigen Fliegenkopf gesehen haben, Doktor.« Der Inspektor lachte ein wenig gequält. »Ich halte das selbstverständlich für einen ausgemachten Quatsch.«

Der Arzt horchte auf. Er riß sich die Sonnenbrille von den Augen und starrte Keller entgeistert an.

»Bisse von einer Fliege! Stark vergrößert! Das könnten die Verletzungen darstellen, die der Körper des Mädchens aufweist.«

Roul Keller hüstelte nervös. »Aber Doktor. Fangen Sie nicht auch noch mit diesem Humbug an.«

Der Arzt blickte Keller grimmig an. »Haben Sie eine andere Erklärung für diese seltsamen Verletzungen?«

»Ich?« fragte Roul Keller verwirrt. »Wieso ich? Ich bin doch kein Arzt.«

Der Polizeiarzt nickte. »Eben. Und ich muß Ihnen leider mitteilen, daß dieser Briefträger unter Umständen die Wahrheit gesagt hat.«

Keller schüttelte verzweifelt den Kopf. »Jetzt schnappe ich auch bald über. Ein Mensch, der auf seinen Schultern einen Fliegenkopf trägt! Wenn ich erst mal daran glaube, schlägt man mich für eine Zwangspensionierung vor, Doktor.«

Der Arzt wiegte den Kopf. »Ich würde mich an Ihrer Stelle trotzdem langsam mit diesem absurden Gedanken anfreunden.«

»Mann, wenn an dieser Sache wirklich etwas Wahres dran sein sollte, gibt das eine Katastrophe. Ein Ungeheuer in der Umgebung unseres Dorfes. Nicht auszudenken. Nächste Woche findet bei uns die Moto-Cross-Veranstaltung statt. Da wimmelt es hier nur so von Leuten. Stellen Sie sich das vor... Wenn das Ungeheuer dann auftaucht... Das gibt eine Panik... Ich darf gar nicht daran denken!« Keller schüttelte energisch den Kopf. »Nein, Doktor! Nein! Ich glaub's nicht. Sie werden sehen, dieser Mord ist die Tat eines Verrückten. Das allein ist ohnedies schon schlimm genug! Es muß nicht gleich ein Monster sein!«

***

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DAS INDUSTRIELLENEHEPAAR Inger und Gunnar Wobisch besaß mitten in dem dichten Wald eine feudale Villa. Ein Riesenkomplex mit großen Zimmern. Balkone, die von mächtigen Säulen gestützt waren. Ringsherum nichts als die immergrüne Natur und eine angenehme nervenschonende Ruhe.

Das Ehepaar lebte hier in größter Zurückgezogenheit, sofern es sich nicht gerade auf Geschäftsreisen befand.

Beide hatten das Jet-set-Leben satt. Und zwar gründlich. Sie mochten die wilden Partys nicht. Sie liebten die Einsamkeit, die Stille, die Beschaulichkeit.

Inger und Gunnar Wobisch lebten hier mitten im dichtesten Wald wie zwei Einsiedler.

Zur Zeit waren sie auf Geschäftsreise in Caracas.

Morgen erwartete sie der Verwalter der pompösen Villa, Mathias Einert, wieder zurück.

Einert war ein gewissenhafter Mensch. Deshalb sah er nochmals nach dem Rechten, bevor das Ehepaar nach Hause kam.

Selbstverständlich fand er alles in Ordnung vor. Er hatte nichts anderes erwartet. Wer hätte sich die Mühe machen sollen, das Haus in Unordnung zu bringen?

Nach einem kurzen Rundgang durch alle Räume trat Mathias Einert aus der Villa.

Er suchte nach den Schlüsseln, um das Tor wieder abzuschließen.

Da hörte er plötzlich schnelle Schritte über den geharkten Kiesweg knirschen.

Er wandte sich um und ließ seine Augen prüfend über die nahe Umgebung huschen.

Knapp vor der Villa war ein parkähnlich angelegter Garten. Gleich dahinter grenzten große breite Büsche den gepflegten Rasen ab. Und weiter weg ragten die hohen Bäume dichtgedrängt zum hellen Himmel empor. Niemand war zu sehen. Mathias Einert schüttelte den Kopf. Man bildet sich oft Dinge ein die es nicht gibt. Vielleicht hatte er gar nichts gehört.

Er wandte sich wieder dem Haustor zu und suchte weiter nach den Schlüsseln.

Irgendwie konzentrierte er sein Gehör aber trotzdem auf die Umgebung.

Vögel zwitscherten. Ein Kuckuck war zu hören. Irgendwo klopfte ein Specht ratternd auf einen Baumstamm, während die Baumwipfel leise rauschten.

Da waren die Schritte plötzlich wieder.

Diesmal hatte er sich aber nicht geirrt.

Einert wirbelte herum. Seine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Da war jemand. Er konnte zwar niemanden sehen, aber es war jemand da.

Prüfend ließ er seinen Blick über die Büsche streichen.

Er vermutete, daß irgendein Pennbruder die Lage sondierte, um für die kommende Nacht ein Quartier zu haben.

Die Villa wäre ihm bestimmt sehr gelegen gekommen. Die Hausbar war reichlich gefüllt. Im Kühlschrank fand sich eine Menge zu essen.

Einert wollte dem Kerl die Absicht jedoch sogleich austreiben.

Er lief über den Kiesweg auf einen der Büsche zu. Er hatte gesehen, wie sich ein Zweig bewegt hatte. Die Blätter zitterten jetzt noch.

Einert blieb vor dem Busch stehen. »He!« schrie er ärgerlich. »Sie da! Kommen Sie sofort aus dem Gebüsch! Was haben Sie hier zu suchen? Dieses Grundstück ist Privateigentum! Haben Sie das nicht gelesen?« Nichts rührte sich.

Einert spürte aber, daß jemand in seiner Nähe war. Er spürte förmlich die Augen des Unbekannten auf sich ruhen. Der Verwalter war ein untersetzter Mann mit Halbglatze, breiten Schultern und einem muskulösen Nacken. Sein Gesicht war rundlich. Er neigte zu einem Doppelkinn.

»Lassen Sie das alberne Versteckenspiel!« schrie Mathias Einert zornig. Seine Stimme bebte. Er vermutete, daß der Kerl, der sich vor ihm versteckte, nun Angst hatte. »Ich weiß, daß Sie in diesem Gebüsch sind! Kommen Sie heraus! Sonst hole ich Sie!« Er wartete.

Als einige Augenblicke verstrichen waren, verlor er endgültig die Geduld. Er wollte sich von dem Herumtreiber nicht foppen lassen.

Einert kniff die Augen zornig zusammen. Er zuckte energisch mit den Achseln.

»Na, gut. Wie Sie wollen!« Er machte einige schnelle Schritte auf das Gebüsch zu und schlug die Zweige zur Seite.

Doch schon im nächsten Augenblick prallte er entsetzt zurück, Ein großer Mann mit einem Fliegenkopf auf den Schultern trat ihm entgegen.

Einert starrte den Mann entgeistert an. Er glaubte, den Verstand verloren zu haben. Verdattert schaute er auf den häßlichen Fliegenkopf. Die riesigen Insektenaugen glänzten im Sonnenlicht.

Einert wich bestürzt vor dem seltsamen Wesen zurück.

In den anderen Gebüschen raschelte es nun ebenfalls.

Gleich darauf traten noch mehr von diesen häßlichen Monstern hervor.

Der Verwalter wich Schritt um Schritt zurück. Kalter Schweiß brach aus seinen Poren und bedeckte seine Stirn. Er fuhr sich mit einer fahrigen Handbewegung über die Augen, als könnte er damit den Spuk fortwischen.

Doch die Ungeheuer blieben.

Sie gingen mit festen Schritten auf ihn zu. Noch wußte er nicht, daß sie ihn umbringen wollten, daß sie sein Blut trinken wollten.

Er wich keuchend zur Villa zurück. Sie folgten ihm.

Kalte Schauer rieselten ihm über den Rücken. Er hatte noch nie so schreckliche Angst gehabt wie heute...

***

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SIMON KRAFFT SCHNELLTE hoch. Er packte den Teller mit dem Hirsebrei und schleuderte ihn wütend nach der Krankenschwester.

»Was fällt euch ein, uns so einen verdammten Schlangenfraß vorzusetzen!« brüllte Krafft aufgebracht.

Die anderen Patienten hoben erstaunt die Köpfe und blickten ihn gespannt an.

Sie alle waren Patienten in einer Trinkerheilanstalt. Sie waren hier, weil der Alkohol sie zu menschlichen Wracks gemacht hatte.

Nun waren sie hier, um sich kurieren zu lassen. Es war die Hölle. Für alle. Auch für Simon Krafft.

Während die anderen ihr Schicksal jedoch mehr oder weniger geduldig zu meistern versuchten, bekam Krafft einen Tobsuchtsanfall nach dem anderen. Es verging nahezu kein Tag, wo er nicht randalierte, wo er nicht irgend etwas kaputtschlug und das Anstaltspersonal beschimpfte.

Krafft war schon vom Äußeren her der Typ dafür. Er war zwei Meter groß. Sein Gesicht wies derbe Züge auf. Er hatte riesige Muskelpakete und einen brutalen Ausdruck um den Mund.

Der Hirsebrei war aus dem Blechteller geschwappt und war vor die Füße der Krankenschwester geklatscht.

»Das Mistzeug ist ja nicht zu verdauen!« brüllte Simon Krafft. Sein Gesicht war puterrot geworden. Die Adern traten wie dicke Seile aus seinem Hals. »Daran krepiert man ja! Ich will sofort den Oberarzt sprechen! Jetzt auf der Stelle, Schwester.«

Die Schwester war zart und schmächtig. Sie fürchtete den Wütenden. Trotzdem ging sie auf ihn zu.

Sie blickte ihm in die glühenden Augen. »Bitte, Herr Krafft. Beruhigen Sie sich wieder.«

Simon Krafft schlug mit der Faust auf den Tisch. Die Männer, die rechts und links von ihm saßen, zuckten erschrocken zusammen.

»Ich will mich nicht beruhigen, verdammt noch mal! Ich will etwas Ordentliches zu essen haben! Was habt ihr verfluchten Schweine denn mit uns vor? Wollt ihr uns vielleicht vergiften? Wir sind hier, damit ihr uns das Saufen abgewöhnt!«

»Setzen Sie sich wieder hin, Herr Krafft!« sagte die Schwester eindringlich.

Die anderen schauten gebannt auf den Tobenden. Heute sprach er ihnen einmal so richtig aus der Seele. Das Essen, das man ihnen Tag für Tag hier vorsetzte, war wirklich ein Skandal.

»Ich werde veranlassen, daß man Ihnen eine Spritze gibt!« sagte die Schwester.

»Eine Spritze!« lachte Krafft höhnisch. »Wenn ihr mit eurer Weisheit am Ende seid, nehmt ihr immer zu einer Spitze Zuflucht.«

»Sie dürfen sich nicht so aufregen, Herr Krafft.«

»Ach was...«

»Das schadet Ihnen.«

Simon Krafft lachte meckernd. »Nicht aufregen soll ich mich. Einfach fressen, was auf den Tisch kommt, was? Das könnt ihr mit mir nicht machen!«

Die Schwester schaute den schwierigen Patienten mit einem flehenden Blick an. Sie war allein in dem riesigen Speisesaal. Allein mit fünfzig Patienten. Wenn Krafft sie nun aufwiegelte, konnte das schlimme Folgen nach sich ziehen, »Sie müssen sich setzen, Herr Krafft«, sagte die Schwester ziemlich hilflos.

Krafft schob sein Kinn trotzig vor. »Das wollen wir doch gleich mal sehen, was ich muß! Ich will mit dem Oberarzt reden, habe ich gesagt! Gehen Sie, Schwester. Holen Sie ihn! Sonst schlage ich hier alles kurz und klein!«

Krafft schob den Stuhl polternd zur Seite. Die Schwester wich erschrocken vor ihm zurück. Sie lief zu einem Klingelknopf und drückte hastig darauf.

»Der Oberarzt ist nicht da!« keuchte sie ängstlich.

Krafft kam mit gesenktem Kopf langsam auf sie zu. Man konnte bei ihm nicht wissen, woran man war.

»Er ist nicht da?« fragte Krafft knurrend.

»Nein.«

»Sie lügen!« brüllte Krafft, sprang zu einem Tisch, riß ihn hoch und warf ihn um.

Die Patienten, die daran gesessen hatten, sprangen erschrocken auf. Ihre Teller klapperten zu Boden. Das Besteck klimperte hinterher. Der Hirsebrei ergoß sich zum Teil über ihre Schuhe.

Krafft hatte noch nicht genug Schaden angerichtet.

Blitzschnell griff er nach einem Stuhl und schleuderte ihn gegen ein vergittertes Fenster. Glas klirrte und prasselte auf den Boden.

Die Saaltür wurde aufgerissen.

Krafft wirbelte herum und starrte die beiden bulligen Wärter, die hereinkamen, feindselig an. Sie waren ebenso groß wie er, und sie waren um eine Spur breitschultriger als er.

Krafft ließ ein gefährliches Lachen hören. »Auf euch Figuren habe ich gerade noch gewartet!« zischte er. Er nahm die Fäuste hoch und pflanzte sich mitten im Saal breitbeinig auf. »Kommt her, ihr Schweine. Ich schlage euch die verfluchten Schädel ein!«

Sie kamen vorsichtig näher.

Sobald der eine in Kraffts Reichweite gekommen war, drosch der Patient seine Rechte nach dem Schädel des Wärters.

Der Mann war jedoch im Umgang mit renitenten Patienten einiges gewöhnt. Und er kannte eine Menge Kniffe und Tricks, die Krafft nicht kannte.

Kaum hatte Krafft seine Rechte abgefeuert, sprang der zweite Wärter hinzu.

Sie packten ihn an den Armen und versuchten, sie ihm auf den Rücken zu drehen.

»Schweine!« schrie Krafft keuchend und setzte sich zur Wehr, indem er mit den Füßen um sich trat. »Ihr verdammten Schweine! Ich schlage euch die Schädel ein!«

Krafft verschaffte sich mit zwei gemeinen Tritten Luft.

Der eine Wärter mußte ihn loslassen. Sein Gesicht war schmerzverzerrt. Krafft hatte ihn mit dem Knie in den Unterleib getroffen.

Sofort versuchte der wütende Patient, auch den zweiten Wärter abzuschütteln. Aber der Mann klebte fest an ihm.

Krafft schlug nach dem Kopf des Wärters und trat gleichzeitig wieder mit den Beinen. Der Mann brachte ihn aus dem Gleichgewicht und riß ihn zu Boden.

Der Tollwütige krachte schwer auf die Bretter. Der Wärter warf sich keuchend auf ihn. Sie wälzten sich auf dem Boden. Mittlerweile kam der zweite Wärter zu neuen Kräften. Zu zweit gelang es ihnen endlich, den tobenden Patienten zu überwältigen.

Sie rissen ihn keuchend hoch und stellten ihn auf die Beine.

Sein Atem raspelte. Mit seiner Kondition war es nicht weit her. Der Alkohol hatte in den letzten Jahren ziemlich seine Gesundheit untergraben. Das spürte er nun.

Sie hatten ihm die Arme auf den Rücken gedreht. Er hing erschöpft zwischen ihnen, konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Sein Herz raste wie verrückt. Schweiß bedeckte sein gerötetes Gesicht. Fast willenlos ließ er sich von den Wärtern abführen.

Auf dem Korridor flackerte Kraffts Zorn wieder auf.

»Laßt mich los!« brüllte er. Seine Stimme hallte durch das ganze Gebäude. »Laßt mich, ihr verdammten Schweine! Ihr wißt anscheinend nicht, mit wem ihr es zu tun habt! Das könnt ihr mit mir nicht machen!«

Sie brachten ihn in sein Zimmer, das er mit vier Patienten teilte.

Der eine Wärter ließ ihn los, um die Zwangsjacke zu holen, die sie ihm überstreifen wollten.

Krafft nützte diese Gelegenheit sofort.

Er packte die Hand des anderen und biß blitzschnell zu.

Der Wärter stieß einen röhrenden Schmerzensschrei aus. Nun übermannte ihn der Zorn.

Er drosch wütend auf den Patienten ein. Krafft hob schützend die Arme über seinen Kopf. Er mußte viele Treffer voll nehmen. Die schweren Fäuste des Wärters landeten in Kraffts Gesicht, In seiner Magengrube, an der Leber.

Krafft brach schwer angeschlagen zusammen und konnte sich nicht mehr alleine aufrichten.

Nun streiften sie ihm die Zwangsjacke über und wüschen ihm das Blut aus dem Gesicht.

Dann legten sie ihn in sein Bett.

»Ich bringe dich um!« lallte der Zusammengeschlagene. »Warte nur! Ich bringe dich eines Tages um!«

»Halt jetzt endlich die Klappe, Krafft!« knurrte der wütende Wärter. »Sonst kriegst du noch mehr Hiebe. Jetzt bin ich erst so richtig in Fahrt. So eine Type wie du hat uns hier gerade noch gefehlt.«

Krafft kniff die angeschwollenen Augen zusammen. »Ich bringe dich um, du Sau! Sieh dich vor! Ich mache dich kalt. Bei der erstbesten Gelegenheit lege ich dich um.«

Die Wärter beachteten ihn nicht weiter. Sie verließen das Zimmer.

Krafft begann vor Wut zu heulen. Er zerrte schluchzend an der Jacke.

Eine dürre Schwester kam bald danach und gab ihm eine Spritze.

Das Serum sollte ihn beruhigen, aber Krafft war nicht zu beruhigen. Der Zorn nagte in seinen Eingeweiden. Er spürte regelrecht Schmerzen.

Alles in ihm schrie nach Rache«.

Eine halbe Stunde später kamen die vier Patienten, die mit ihm im selben Zimmer schliefen.

Krafft schluchzte immer noch vor Wut. »Ich hau' ab!« zischte er. »Ich bleibe nicht länger in dieser gottverdammten Anstalt. Ich hau' ab! Und den Wärter, dieses Aas, bringe ich um!«

Einer der Zimmergenossen sagte beschwichtigend: »Sei doch vernünftig, Simon. Warum machst du es dir noch schwerer als' du's ohnedies schon hast?«

Kraffts Augen glühten. »Ihr werdet es erleben! Ich lege diese verdammte Sau um.«

»Beruhige dich, Simon«, sagte ein anderer. »Das geht vorüber. Dieses fürchterliche Stadium haben wir alle in irgendeiner Form durchgemacht.«

Krafft starrte auf die gegenüberliegende Wand. Seine Zähne knirschten. Dieses Geräusch ging den anderen durch Mark und Bein. Sie schauderten.

»Er hat mich zusammengeschlagen!« sagte Krafft mit haßtriefender Stimme. »Dieses Schwein hat mich brutal zusammengeschlagen! Das wird er büßen. Und hinterher hau' ich ab!«

***

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EINERT ZITTERTEN DIE Knie.

Er Wirbelte wie von der Tarantel gestochen herum und rannte zum Villeneingang.

Wir folgten ihm.

Ich sah die panische Angst in seinen Augen. Das peitschte meine Gier nach seinem Blut noch mehr hoch.

Er erreichte schlotternd das Tor.

Armer Irrer, dachte ich. Glaubst du wirklich, uns noch entkommen zu können?

Er riß das Tor auf.

Wir folgten ihm. Er sprang förmlich in das Haus und knallte die Tür zu, Doch bevor er den Schlüssel von innen ins Schloß stecken und umdrehen konnte, waren wir an der Tür.

Wir warfen uns gegen das schwere Holz.

Die Tür platzte förmlich auf. Der Mann wich mit angstgeweiteten Augen weiter vor uns zurück. Wir weideten uns an seiner Furcht, ließen ihn vorerst noch Todesängste ausstehen, ehe wir über ihn herfielen.

Wir brauchten das. Es tat uns gut, wenn unsere Opfer Angst hatten.

Es war ein unglaublich angenehmes Gefühl, die Todesschreie der Menschen zu hören.

Wir traten in eine weite, hohe Halle. An den Wänden hingen wertvolle Ölgemälde. Ich sah teure Bodenvasen. Wir gingen auf dicken Teppichen.

Einert wich bis zu einer hölzernen Trennwand zurück.

Er stieß mit dem Rücken dagegen und erschrak. Nun konnte er nicht mehr weitergehen.

Er war verloren.

Wir kreisten ihn ein und starrten ihn an.

In meinem Inneren wütete der Hunger. Meinen Freunden ging es gewiß genauso wie mir, aber wir wollten noch warten. Wir wollten diesen Mann nicht sofort töten. Das wäre für uns zuwenig gewesen. Wir wollten ihn schreien hören. Wir wollten seine Todesangst sehen, wollten seine Furcht in uns aufnehmen, ehe wir sein Blut tranken.

Tony war fortgelaufen.

Ich hörte, wie er mehrere Türen aufriß.

Als er wiederkam, hatte er in der einen Hand vier zehn Zentimeter lange, Nägel. In der anderen Hand hielt er einen schweren Hammer.

Ich begriff nicht sofort, was er mit diesen Dingern machen wollte.

Er teilte es mir in unserer Zeichensprache mit.

Wir waren alle von seiner teuflischen Idee begeistert.

Als Tony unseren Kreis durchbrach und sich dem zitternden Verwalter näherte, schrie dieser gellend auf.

Der Schrei brachte uns in Verzückung. Wir wollten mehrere solcher Schreie hören. Wir waren sicher, daß wir mehr davon hören würden.

Jetzt gleich.

Meine Freunde waren Tony behilflich.

Ich wartete.

Der Verwalter brüllte verzweifelt, als meine Freunde seine Arme packten und hochrissen. Ich hörte das Hämmern. Ich hörte die Schmerzensschreie unseres Opfers. Mein Hunger wurde immer größer. Ich konnte mich kaum noch zurückhalten. Mein Körper zitterte wie unter einem heißen Fieber. Ich lechzte nach Blut, konnte es kaum noch erwarten, bis meine Freunde fertig waren. Dazu gellten immer wieder diese herrlichen Schreie durch das Haus.

Als Tony und die anderen von dem Verwalter abließen und zurücktraten, schluchzte der Mann nur noch.

Tony hatte ihn an die hölzerne Trennwand genagelt.

Ich sah das Blut, das von seinen Händen troff. Die Gier übermannte mich. Ich konnte mich nicht länger beherrschen, sprang zu dem Mann und sog mit meinem schwarzen Rüssel hastig den roten Lebenssaft in mich hinein.

Dicht neben meinem Kopf schrie der Mann. Das krönte den Genuß.

Zwischen zwei Gemälden hingen gekreuzte Schwerter an der Wand.

Tony und ich holten uns die blitzenden Waffen.

Der Verwalter verlor fast den Verstand, als wir wieder auf ihn zugingen. Wir zerfetzten seine Kleider. Dabei ließ es sich nicht vermeiden, daß wir ihm auch ein paar tiefe Schnittwunden zufügten.

Als wir das hervorquellende Blut sahen, war es um unsere Beherrschung geschehen.

Wir stürzten uns auf den Brüllenden, bissen immer wieder zu und sogen das Blut des Opfers aus seinem Körper.

Eine ungeahnte Wärme ging in uns über. Wir fühlten uns unglaublich wohl. Das Blut kräftigte uns.

Wir ließen erst von dem Mann ab, als er sich nicht mehr rührte.

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TAGS DARAUF WAR DAS, was der Briefträger angeblich gesehen haben wollte, das Gespräch Nummer eins am Stammtisch des Dorf Wirtshauses.

Die Männer hatten vom Lachen gerötete Wangen. Bier und Wein hatten ein übriges dazu beigetragen. Die Männer versuchten einer den anderen zu überschreien.

»Ehrlich gesagt, ich habe den Briefträger immer schon für einen Spinner gehalten«, sagte ein dürres Männchen, dessen weißer Bart vom vielen Zigarrenrauchen braune Nikotinflecken aufwies. »Was er aber nun für einen Blödsinn verzapft...«

»Ein Mann mit einem riesigen Fliegenkopf soll das Mädchen umgebracht haben«, lachte ein dicker Kerl. Er war kurzatmig und mußte wie ein Fisch auf dem Trockenen nach Luft japsen.

»Wie er bloß auf so eine Idee kommt«, sagte der längste in der Runde.

»Weiß man schon, wer das Mädchen ist?« fragte der Kleine.

»Soll aus der Stadt mit dem Bus gekommen sein«, rief der Wirt.

»Allein?« fragte der Dicke.

»Scheint so«, erwiderte der Wirt achselzuckend!

Der Lange bestellte noch ein Bier.

»Am Ende hat der Briefträger das Mädchen selbst überfallen. Und nun erzählt er überall die Schauergeschichte von dem Ungeheuer, um den Verdacht von sich abzulenken«, lachte der Dicke.

Die anderen lachten nicht. Der Spaß war ihnen zu geschmacklos.

»Na ja«, lenkte der Dicke ein. »Wenn er doch so verrückt ist, muß man auch mit so etwas rechnen.«

Karl Mader, ein Mann mit gewelltem Haar und buschigen Augenbrauen, schüttelte ärgerlich den Kopf.

»Blödsinn. Der Briefträger ist doch kein Mörder.«

»Glaubst du ihm vielleicht die Geschichte?« fragte der Dicke und kippte seinen siebten doppelten Klaren.

»Das nicht«, erwiderte Mader. »Aber umgebracht hat er das Mädchen ganz sicher nicht.«

»War ja nicht so ernst gemeint«, machte der Dicke einen Rückzieher.

Karl Mader trank sein Bier aus.

Seine glasigen Augen zeigten an, daß er heute wieder einmal ziemlich über den Durst getrunken hatte.

Als er sich erhob, schauten ihn die Zechkumpane erstaunt an.

»Von euren Scherzen kann ich nicht leben!« grinste Mader in die Runde.

»He, du willst doch nicht schon gehen?« kicherte der kleine Dürre.

»Ich muß morgen schon ganz früh aus den Federn«, sagte Mader achselzuckend. »Hab' ein paar Geschäfte in der Stadt zu erledigen.«

»Ach was, Geschäfte«, lachte der Lange. »Deine Alte steht daheim mit einem Holzscheit hinter der Tür. Wenn du nicht rechtzeitig nach Hause kommst, kriegst du von ihr Prügel!«

Die Runde lachte schadenfroh.

»Ist doch was Schönes, verheiratet zu sein«, kicherte der Dürre.

Mader störte das Gelächter nicht. Heute war er mal dran, verspottet zu werden. Morgen war es wieder ein anderer.

Er schüttelte ringsherum die Hände und verließ das Wirtshaus.

Vor der Tür blieb er stehen und sog die würzige Nachtluft in die Lungen.

Dann machte er sich auf den Heimweg.

Sein Schritt war unsicher. Nun begann er das viele Bier zu spüren. Es machte ihm jedoch nichts aus. Er hatte es nicht weit nach Hause.

Sein Heimweg führte ihn am kleinen Dorffriedhof vorbei.

Inmitten des Friedhofs stand eine kleine Kapelle. Ihr Turm ragte hoch und spitz zum rabenschwarzen Himmel empor.

Die Friedhofsmauer wurde vom Mondlicht angestrahlt. Dahinter lagen gepflegte Gräber, standen marmorne Grabsteine und kunstvoll geschmiedete Eisenkreuze.

Als Mader das offenstehende Friedhofstor erreichte, blieb er stehen. Das schmiedeeiserne Tor war verbogen und ließ sich schon lange nicht mehr schließen, Niemand kümmerte das.

Mader hatte Verlangen nach einer Zigarette. Deshalb war er stehengeblieben.

Er durchstöberte seine Taschen und fand schließlich die Zigarettenschachtel. Mit unsicheren Fingern holte er ein Stäbchen heraus und schob es sich zwischen die wulstigen Lippen. Dann zündete er sie mit seinem Feuerzeug an.

Er genoß den ersten Zug mit geschlossenen Augen.

Da hörte er plötzlich ein Geräusch auf dem Friedhof.

Erstaunt wandte er sich um.

Schritte. Es waren Schritte, die er gehört hatte. Er schüttelte den Kopf. Verrückte Idee, mitten in der Nacht den Friedhof aufzusuchen, dachte er.

Er blickte durch das Tor.

Der Alkohol benebelte seine Sinne ein wenig. Er war nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen, doch das störte ihn nicht. Er hatte diesen Zustand gern.

Wieder vernahm er die Schritte.

Dann tauchte eine Gestalt zwischen zwei Grabsteinen auf.

Gleich darauf war die Gestalt wieder verschwunden. Mader glaubte, sie hinter einem breiten Holzkreuz stehen zu sehen.

Für ihn gab es nur einen Menschen, der sich um diese Zeit noch auf dem Friedhof herumtrieb: Max, der Totengräber.

Mader trat durch das Friedhofstor.

Er versuchte mit seinem verschleierten Blick die Dunkelheit Zu durchdringen.

»Hallo, Max!« rief er in jene Richtung, in der er den Totengräber vermutete.

Als sich die Gestalt auf ihn zubewegte, grinste er freundlich.

Der Mond schien nicht hell genug, um ihn sofort erkennen zu lassen, wer sich da auf ihn zu bewegte.

Als die Gestalt dann auf drei Meter herangekommen war, riß Karl Mader entsetzt die Augen auf.

Gebannt starrte er auf den riesigen Fliegenkopf.

Mit einem Schlag war er unglaublich nüchtern. In seinen Adern schien das Blut zu kochen. Ihm war heiß und kalt zugleich.

Er stand wie angewurzelt da. War nicht in der Lage, sich zu bewegen.

»Es - es gibt ihn also doch!« stöhnte Mader verdattert. »Es gibt diesen Kerl!«

Der breitschultrige Mann kam langsam auf ihn zu. Das Licht des Mondes spiegelte sich in den riesigen Insektenaugen.

Mader hatte das Gefühl, daß der unheimliche Kerl nicht ganz sicher auf den Beinen war.

Der Mann streckte die Arme nach ihm aus.

Mader wich einen Schritt zurück.

Die Hände des Kerls zuckten. Sie zitterten.

Obwohl der Anblick dieses Kerls schauderhaft war, wirkte er in diesem Augenblick irgendwie hilflos.

Er begann zu wanken.

Mader starrte den Kerl gebannt an.

Der Unheimliche ließ die Arme sinken. Sie fielen schlaff herab.

Plötzlich gaben seine Knie nach.

Er fiel wie ein gefällter Baum um und blieb reglos liegen.

Mader konnte nicht glauben, was er sah. Er starrte auf den Kerl, der da vor ihm auf der Erde lag.

Er warf plötzlich die Zigarette weg, wandte sich hastig um und rannte zum Wirtshaus zurück.

Keuchend schleuderte er die Tür zur Seite und stürzte in den rauchgeschwängerten Gastraum.

»Ich habe ihn gesehen!« schrie er mit heißen Wangen. »Er liegt auf dem Friedhof. Ich dachte, es wäre Max!«

Maders Zechkumpane schauten ihn verständnislos an.

»Sag mal, wovon sprichst du eigentlich?« fragte der Lange.

»Er liegt auf dem Friedhof. Er ist tot!«

»Wer ist tot?« fragte der Dicke und sprang erstaunt auf.

»Der Kerl!« keuchte Mader.

»Was für ein Kerl?«

»Der, von dem der Briefträger erzählt hat!«

»Der mit dem Fliegenkopf?« fragte der Wirt und kam aufgeregt hinter dem Schankpult hervor.

»Ja«, nickte Mader aufgeregt.

»Mensch, willst du uns auf den Arm nehmen?« fragte der Dürre und erhob sich nun ebenfalls.

Einer nach dem anderen stand auf. Sie starrten alle gebannt auf Mader. Sie waren nicht ganz sicher, ob er die Wahrheit sagte.

Es war schließlich nicht leicht, so eine phantastische Geschichte einfach zu glauben.

»Du hast doch vorhin selbst gesagt, daß es so etwas nicht gibt, Karl!« sagte der Lange.

Der Dürre begann nervös zu kichern und trank sein Weinglas mit einem Ruck leer.

»Einen Augenblick lang habe ich mich von dir erschrecken lassen«, sagte der Dürre nervös. Er wandte sich kichernd an die anderen. »Der will uns doch nur einen Bären aufbinden!«

Mader schüttelte grimmig den Kopf. »Ich sage euch, ich habe ihn gesehen! Er liegt auf dem Friedhof. Kommt mit. Ich zeig' ihn euch.«

»Denk an deine Alte, die mit dem Holzscheit hinter der Tür steht«, lachte der Lange.

Alle stimmten in das Gelächter ein.

Doch Mader blieb todernst.

»Er liegt auf dem Friedhof, sage ich euch!«

Der Dicke blickte in die Runde. »Was ist? Machen wir ihm die Freude? Gehen wir mit ihm?«

»Na klar«, rief der Lange.

»Soll ich die Polizei anrufen?« fragte der Wirt.

»Blödsinn«, grinste der Dicke. »Stell dir vor, was Inspektor Keller mit dir macht, wenn du ihn wegen einem Jux quer durch das Dorf jagst.«

»Wir lassen unseren Kumpel nicht im Stich!« kicherte der Dürre. Er hakte sich bei Mader unter. »Komm, Karl. Wir gehen. Zeig uns, was dich so erschreckt hat.«

Sie zogen grölend aus dem Wirtshaus und marschierten lachend zum Friedhof.

»Wo ist er denn?« fragte der Lange, als sie das Friedhofstor erreicht hätten«.

Mader mußte sich zusammenreißen, um als erster durch das Friedhofstor zu gehen.

Seine Zechkumpane folgten ihm kichernd.

Auf dem Friedhof verließ sie dann ihr Mut. Sie wurden still.

Mader wies mit dem ausgestreckten Arm nach vorn.

»Dort...«

Er erstarrte.

Da, wo der Mann zusammengebrochen war, lag niemand mehr.

Seine Freunde lachten ihn aus.

»Ich verstehe das nicht...«, stöhnte Mader benommen.

»Wo ist der Kerl?« höhnte der Dicke.

»Seht ihr was?« fragte der Dürre.

Mader wandte sich mit bleichen Wangen Um. »Ich schwöre euch bei allem, was mir heilig ist, hier hat der Kerl gelegen.«

»Und wo ist er jetzt?« fragte der Lange.

»Er war doch tot«, grinste der Dicke. »Du hast gesagt, er ist tot.«

Der Lange legte Mader die Hand freundschaftlich auf die Schulter.

»Ich sag' dir, was mit dir los ist, Karl. Du hast geträumt. Du hast einfach mit offenen Augen geträumt. So was kommt manchmal vor. Du hast am Stammtisch ziemlich was geladen. Da sieht man manchmal Dinge, die es gar nicht gibt. Wir haben vorhin viel über den Kerl geredet. Du hast auf dem Heimweg an ihn gedacht. Und dann hast du irgend jemanden gesehen.«

Mader preßte die Lippen fest aufeinander und schüttelte heftig den Kopf.

»Ich habe ihn gesehen«, sagte er immer wieder. »Ich habe ihn gesehen. Ihr könnt von mir denken, was ihr wollt. Ich weiß, daß ich den Kerl gesehen habe!«

***

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UM DIESE ZEIT FUHR der schwarze Mercedes des Fabrikanten Gunnar Wobisch über die schmale Zufahrtstraße durch den dunklen Wald.

Die Scheinwerfer stachen wie lange Milchfinger in die Nacht.

Wobisch war vierzig. Er hatte den Betrieb mit dreißig Jahren von seinen Eltern übernommen. In diesen zehn Jahren war es ihm gelungen, die Kapazität seiner Firma zu verdoppeln.

Wobischs Eisen- und Stahlprodukte kannte man heute nahezu auf der ganzen Welt.

Gunnar Wobisch war blond, hager, hatte wässerige Augen und einen schmalen Schnurrbart, der beinahe nicht auffiel, weil er blond war.

Obwohl Wobisch alles andere als ein Hüne war, konnte er ungemein hart arbeiten.

Nach getaner Arbeit zog er sich in seine abgeschiedene Villa im Schwarzwald zurück und war jedem dankbar, der seinen Wunsch respektierte und ihn in seiner Einsamkeit nicht störte.

Seine Frau Inger lehnte müde in der Polsterung und lauschte der einschmeichelnden Musik, die aus dem Autoradio kam.

Sie hatte die Augen geschlossen und schien zu schlafen.

Gunnar blickte zu ihr hinüber. Sie war eine schöne Frau. Immer noch. Obwohl auch sie schon ihren vierzigsten Geburtstag gefeiert hatte.

Inger hatte langes blondes Haar, das ihr schmales Gesicht wie Engelshaar umschmeichelte. Ihre Nase war klein und zierlich.

Sie hatte keine üppigen Formen, doch die Maße waren ansprechend.

»Müde?« fragte Gunnar leise.

Sie öffnete die Augen und sah ihn lächelnd an. »Ein bißchen«, sagte sie. Ihre Stimme war weich und wohlklingend.

»Wir sind gleich zu Hause«, meinte Gunnar.

Inger blickte nach vorn durch die Windschutzscheibe. Der schwarze Wald war ihr vertraut. Nur noch ein kurzes Stück. Dann waren sie wieder zu Hause.

»Ich mag diese Geschäftsreisen nicht«, sagte sie. »Sie sind eine einzige Strapaze.«

Gunnar lachte leise, während er sich auf die Fahrbahn konzentrierte.

»Ich kann dich gut verstehen. Aber leider sind sie ab Und zu äußerst wichtig. Die meiste Zeit leben wir ohnedies völlig zurückgezogen hier draußen. Manchmal bleibt es uns dann eben nicht erspart, unser Märchenschloß zu verlassen. Um so lieber kommt man hinterher wieder nach Hause. Findest du nicht?«

»Ich weiß, daß es sein muß«, lächelte Inger und rekelte sich. Sie rutschte näher an ihn heran und legte ihren Kopf sanft auf seine Schulter. »Wenn wir zu Hause sind, nehme ich gleich ein Bad. Ich fühle mich von Kopf bis Fuß schmutzig.«

»Mir geht es genauso«, lächelte Gunnar.

Die letzte Kurve.

Dann streiften die Scheinwerfer des schwarzen Mercedes die friedlich in den Wald gebettete Villa.

»Wir haben es geschafft«, lächelte Gunnar Wobisch und drehte das Radio ab. »Wieder daheim!« sagte er und kletterte aus dem Fahrzeug.

Er war seiner Frau beim Aussteigen behilflich. Das Gepäck ließ er vorläufig im Wagen. Er wollte sich erst mal in der Villa einen Drink machen, während Inger ihr Bad nahm. Das Gepäck hatte bis morgen früh Zeit.

Sie erreichten die Tür.

Gunnar Wobisch holte den Schlüssel hervor, der an einer langen Silberkette hing und schob ihn ins Schloß.

Verwundert stellte er fest, daß nicht abgeschlossen war.

»Nanu«, sagte er erstaunt- und stieß die Tür auf, um Inger eintreten zu lassen. »Einert hat abzuschließen vergessen. Das ist ihm bisher noch nie passiert. Er ist doch sonst immer so übergenau.«

Sie traten ein.

»Hoffentlich hat sich inzwischen keiner gefunden, der die Villa ausgeräumt hat«, lächelte Gunnar Wobisch.

Inger ging mit tappenden Schritten durch die Halle.

»Würdest du bitte Licht machen, Gunnar.«

Wobisch tastete nach dem Schalter.

Der riesige Kronleuchter flammte auf.

In diesem Augenblick stieß Inger einen gellenden Schrei aus.

»Gunnar!« kreischte sie entsetzt und wies mit zitternder Hand auf die große Blumenvase, die auf dem Tisch neben dem Treppenaufgang stand.

In dieser Vase steckte der abgeschlagene Kopf des Verwalters.

Wobisch eilte zu seiner Frau, die in Ohnmacht zu fallen drohte. Bestürzt starrte er auf den Kopf in der Blumenvase.

Ekel würgte die Frau. Sie war nahe daran, sich zu übergeben. Sie krümmte sich in den Armen ihres Mannes und schaute starr in eine andere Richtung, um diesen grauenvollen Anblick nicht länger ertragen zu müssen.

Doch schon sprang sie der nächste Schock an.

Sie starrte mit weit aufgerissenen Augen auf den an die hölzerne Trennwand genagelten Körper des Verwalters und begann schrill und abgehackt wie wahnsinnig zu schreien.

Gunnar schauderte beim Anblick der gräßlich entstellten Leiche.

Er nahm hinter sich eine Bewegung wahr.

»Gunnar!« kreischte seine Frau bestürzt. »Was ist das? Was sind das für schreckliche Ungeheuer? Hilf mir, Gunnar! Um Gottes willen, hilf mir!«

Sie schrie verzweifelt.

Nun sah uns auch Gunnar Wobisch.

Wir hatten ihnen den Weg zur Tür abgeschnitten. Sie waren in ihrem eigenen Haus gefangen.

Ich spürte bereits wieder dieses unbändige Verlangen nach Blut. Wir spürten es alle. Der Verwalter hatte uns nicht gereicht. Außerdem war das schon gestern, gewesen. Wir hatten einen ganzen Tag lang hungern müssen.

Nun war wieder Blut da.

Wir waren entschlossen, es uns zu holen.

Gunnar Wobisch hielt mit dem linken Arm seine kreischende, sich wie verrückt gebärdende Frau umklammert, während er mit der Rechten seine Luger aus dem Jackett riß, die ihn auf allen seinen Geschäftsreisen begleitete.

Der verrückte Kerl. Ich mußte innerlich lachen. Was wollte er mit der Pistole gegen uns ausrichten? Wir waren unverwundbar. Man hatte schon mit Schnellfeuergewehren auf uns geschossen. Die Kugeln waren von uns abgeprallt, ohne uns etwas anhaben zu können.

Es war lächerlich, daß er die Pistole auf uns richtete.

Wir ließen uns davon nicht abschrecken.

Ich sah, wie die grenzenlose Aufregung in seinem Gesicht zuckte. Ich sah die heillose Angst in seinen Augen.

Er drückte ab.

Die Kugel saß genau an meinem linken Rippenbogen.

Sie prallte von mir ab. Ich spürte nicht einmal den Aufschlag.

Seine Frau verlor den Verstand.

Sie riß sich kreischend von ihm los. Mit lauten Schreien, mit angstverzerrtem Gesicht, mit weit aufgerissenen Augen versuchte sie die Tür zu erreichen.

»Inger!« brüllte Gunnar Wobisch hinter ihr her.

Er feuerte auf Tony und auf einen meiner Freunde. Der Erfolg blieb derselbe.

»Inger! Bleib stehen!« schrie er verzweifelt.

Er erkannte die Katastrophe schon, bevor sie über ihn hereinbrach.

Inger lief meinen Freunden genau in die Arme. Sie schrie, sie schlug um sich. Sie jammerte und weinte.

Gunnar Wobisch wirbelte wie ein Blitz herum. Er stürzte sich auf das Telefon und fegte den Hörer von der Gabel.

Mit zitternden Fingern wählte er die Nummer der Polizeistation.

»Inspektor Keller!« meldete sich am anderen Ende die bekannte Stimme des Beamten.

Wir hatten es nicht eilig, Wobisch zu erledigen. Er war verloren. Daran konnte auch dieses Telefonat nichts mehr ändern.

Wir kreisten ihn langsam ein.

Inger Wobisch wimmerte nur noch leise vor sich hin. Ihre Stimme war kaum noch zu hören. Ihr Blick war glasig und starr auf den Boden gerichtet. Ihr Gesicht zeigte blankes Entsetzen. Das lange Haar hing wirr von ihrem Kopf. Sie schien tatsächlich verrückt geworden zu sein.

»Hier spricht Wobisch!« schrie der Industrielle in die Sprechmuschel. »Bitte kommen Sie schnell, Inspektor...«

Tony drosch ihm seine Faust gegen die Schläfe.

Wobisch kippte nach hinten weg.

Einer unserer Freunde riß die Telefonleitung aus der Wand. Ich schleuderte den Telefonapparat durch die Halle.

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738914672
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v381010
Schlagworte
grusel thriller blutgericht insekten

Autor

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Titel: Top Grusel Thriller #16: Das Blutgericht der Insekten