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Circle C-Ranch #23: Geier über der Circle C-Ranch

2017 120 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Title Page

Geier über der Circle C Ranch

Klappentext:

Roman:

CIRCLE C-RANCH

 

Band 23

 

Geier über der Circle C Ranch

 

Ein Western von Bill Garrett

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Edward Martin/ Schottland, 2017

Redaktion und Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Klappentext:

Big Miller und seine Kumpane sind auf der Flucht. Sie wollen so schnell wie möglich Mexiko erreichen, denn sie werden von einem Aufgebot aus Prescott verfolgt. Der Marshal und seine Deputies sind ihnen hart auf den Fersen, und die Distanz wird immer geringer. Miller und seine Leute haben nur eine Chance – sie brauchen dringend neue Pferde, wenn sie Mexiko sicher erreichen wollen. Und die gibt es auf der Circle C-Ranch!

Buster Tom Copper wird von Millers Banditen überrumpelt und erpresst. Wenn er den Banditen keine Pferde gibt, wird seine Frau sterben. Die Situation spitzt sich zu, als der Marshal aus Prescott und das Aufgebot die Circle C-Ranch erreichen. Nun hängt Betty Coppers Leben an einem seidenen Faden ...

 

 

 

 

Roman:

Weit und trostlos lag das unter der glühenden Sonne erstarrte Land vor den Männern, die restlos erledigt, müde und zerzaust auf dem windigen Höhenrücken die Pferde angehalten hatten. Sie suchten einen Weg nach Mexiko, hielten aber zunächst nur nach einem Fetzen Schatten Ausschau, in dem sie sich ausruhen und erholen konnten.

„Ihr werdet sehen, dieses verfluchte Land ist die Hölle und bringt uns um!“, ließ sich Tim Boulder vernehmen. Er war der jüngste von den fünf Männern und hatte unter der Hitze und dem erbarmungslosen Ritt am meisten zu leiden. Die Sonne hatte sein Gesicht verbrannt. Auf der Nase und den Wangen hing die Haut in Fetzen.

Nat Allison, der äußerlich von ihnen am wenigsten nach einem Straßenräuber und Strauchritter aussah, drehte sich nach dem Jungen um. „Nun kneif mal deinen Hintern zusammen, Kid!“, sagte er. „Noch haben sie uns nicht, und sie werden uns auch nicht kriegen.“ Er lächelte dabei und sah dann Miller an, der ihr Anführer war und seit Stunden kein Wort verloren hatte. „Die Richtung stimmt, Miller. Verlass dich darauf.“

Big Miller, wie er in ganz Arizona und drüben in Texas genannt wurde, verzog den Mund zu einem hämischen Grinsen.

„Darauf verlasse ich mich auch, Nat! Denn wenn wir auch nur einen Hauch vom Weg abgekommen sein sollten, reiten wir an der Wasserstelle vorbei. Du weißt selbst am besten, was das für uns bedeutet.“

„Dann können wir uns selbst aufhängen“, meinte der Mann neben ihm. Er sagte es zu Nat Allison, von dessen Fähigkeiten es abhing, ob sie Mexiko erreichen oder am Galgen enden würden.

Big Miller dehnte die Wangen zu einem teuflischen Lächeln. „Wenn wir uns selbst aufhängen müssen, wird Nat den Anfang machen. Das schwöre ich dir, Nat!“

Er hatte den letzten Satz förmlich hinausgeschleudert, brachte sein Pferd in Gang und ritt in die staubige Schüssel hinab, in der es außer enigen Kakteen nur Sand gab - über Meilen hinweg.

Die Männer folgten ihm dicht geschlossen und sahen sich fortgesetzt nach einem schattigen Fleck um, den es jedoch nirgends gab. Erst am späten Nachmittag, als sie das Becken verließen, nahm sie ein Klippenfeld auf, dessen wuchtige Quader und Felstürme wie riesige Grabsteine aus dem Sand ragten.

Big Miller lenkte seinen Braunen sofort hinter den ersten Felsblock und glitt dort im Schatten aus dem Sattel. Sie besaßen nichts, mit dem sie die Pferde hätten versorgen können. Weder Wasser noch Futter. Deshalb ließen sie die Pferde einfach stehen und wankten, hüftsteif und sattelwund, einer nach dem anderen, zur Felswand und ließen sich dort nieder.

Bell Rin, der ein großer und schwerer Mann war, ließ sich stöhnend an Big Millers Seite auf den Hosenboden nieder.

„Wir haben eine Fährte wie eine Herde Wildschweine hinterlassen“, sagte er grollend. „Wenn wir auch nur ein Stück zurückreiten müssen, weil Nat nicht aufgepasst hat, sind wir geliefert. Ich kenne den Marshal von Prescott. Das ist ein Hundesohn, der sich hier in dieser Gegend auskennt wie kein zweiter. Und dieser Bastard wird sich nicht scheuen, uns dort aufzuknüpfen, wo er uns erwischt. Das ist seine Art, sich zu rächen.“

„Hier gibt es weit und breit keine Bäume“, ließ sich Lew Laslow vernehmen. Er war fast fünfzig Jahre alt, genau wie Bell Rin und Big Miller.

„Der Marshal von Prescott hängt dich auch an einer Felswand auf“, brummte Bell. „Jedenfalls hat er so etwas schon fertiggebracht.“

„Wir müssten andere Pferde haben, andere Kleidung“, sagte Lew.

Big Miller drehte langsam den Kopf und sah den dreißigjährigen Nat Allison an. Doch Nat tat, als bemerkte er den Blick nicht und schwieg sich aus.

„Nat!“, rief Tim, der Junge, von der anderen Seite herüber. „Wir sind doch noch auf dem richtigen Weg?“

Nat nickte nur.

„Wir müssten andere Pferde haben und andere Kleidung“, sagte Lew wieder.

„Halt den Rand, Lew!“, brummte Big Miller. „Nat kennt den Weg, und die Richtung stimmt nach wie vor.“

„Das ist seine eigene Feststellung!“, schnaufte Bell gereizt. „Weißt du, ob das stimmt?“

„Ich glaube es!“, knurrte Big Miller. „Und jetzt halte den Rand!“

„Dein Glaube genügt mir nicht!“, zischte Bell und spie aus.

Big Miller sah Nat wieder an. Nat lehnte sich gegen die Felswand und zog sich den Hut ins Gesicht. „Dein verdammter Schuss, Bell, hat uns die Sache eingebrockt. Also jammere nicht.“

Bell sprang wütend auf. „Mein Schuss?“, schnaufte er und winkelte die Arme an. Er wollte sich auf Nat stürzen. Doch Big Millers Blick hielt ihn am Fleck.

„Ja, dein Schuss!“, sagte Nat quälend langsam.

„Halt du auch die Klappe, Nat!“, brummte Big Miller. „Ich will hier keinen Streit! Setz dich, Bell! Du wirst deine Kräfte noch brauchen.“

Bell spie Nat vor die Füße. „Hundesohn, verdammter! Wir alle haben geschossen. Wir alle!“

„Uns ist ja nichts anderes übrig geblieben“, sagte Nat unter dem Hut. „Nachdem der Marshalgehilfe auf dem Bauch lag und die ganze Stadt wie ein Haufen Verrückte über uns herfiel, mussten wir uns ja wehren. Aber den Assistentmarshal hast du erschossen. Das war gegen unseren Plan. Stimmt’s, Miller?“

„Er stand plötzlich vor mir und starrte mir in die Fresse!“, heulte Bell. „Was sollte ich denn tun?“

„Wenn ihr verdammten Sumpfbiber jetzt nicht Ruhe gebt, bringe ich euch beide um“, sagte Big Miller, klirrende Schärfe in der Stimme.

Nat lächelte unter dem Hut. Bell starrte von Big Miller zu Nat und setzte sich schwerfällig. „Wir sind noch nicht fertig miteinander, Nat!“, krächzte er hasserfüllt. „Das bilde dir bloß nicht ein!“

Da stand Lew auf. „Staub!“, stieß er krächzend hervor.

Die Männer erhoben sich und blickten gebannt nach Norden. Jenseits des Beckens hing ein dünner brauner Staubschleier vor dem stahlblauen Himmel über den Hügeln.

„Verdammt, das sind sie schon!“, schnaufte Big Miller und ging zu den Pferden. Doch er saß nicht auf, sondern lief um seinen Braunen und befühlte Flanken und Beinmuskeln des Tieres. Dann starrte er wieder nach Norden. Aus kleinen schmalen Augenschlitzen.

Die anderen verharrten und warteten voll Spannung auf seine Entscheidung.

„Wieviel Meilen sind das wohl?“, fragte er leise.

Tim und Bell zuckten die Schultern.

„Sechs!“, meinte Lew.

Big Miller sah Nat an. „Na los! Du kennst dich doch hier aus, verdammt noch einmal! Wieviel Meilen haben wir noch Luft?“

„Drei!“, sagte Nat und sah ihn an.

Big Miller schob sich den Hut aus der Stirn und musterte Nat überrascht. „Willst du miese Pfeife mir vielleicht klarmachen, dass wir den ganzen Tag jede Stunde nur eine Meile gemacht haben?“

„Du hast dir doch dein Pferd eben angesehen!“, versetzte Nat trocken.

„Mein Gott!“, schnaufte Lew wieder. „Wir müssen andere Pferde haben und andere Kleidung.“

„Wenn wir hier noch lange herumstehen und beraten, was wir zu tun oder zu lassen haben, kann ja inzwischen einer mit dem Hut winken, damit der Marshal von Prescott sieht, wo wir zu finden sind“, sagte Bell.

Big Miller sah ihm wütend in die Äugen. „Dein großes Maul, Bell! Reiß es nicht immer gleich so weit auf, sonst stopft dir vielleicht noch einmal einer die Faust hinein.“

Bell schluckte und schwieg.

„Nat!“, keuchte Big Miller. Er war plötzlich nass vom Schweiß. Das graue Haar klebte ihm feucht und strähnig an der Stirn. „Können wir nicht die Richtung ändern, um diese Brut in die Irre reiten zu lassen? Es muss doch hier irgendwo Verstecke geben!“

Nat wies gelassen nach Süden. „Die Gegend ist plattgeklopft wie ein Kuchenteller. Vor der Gila-Wüste haben wir überhaupt keine Chance, die Verfolger durch Kreuz- und Querreiten abzuhängen. Das weiß dieser Büffel hinter uns. Deshalb beeilt er sich ja so.“

Big Miller legte die Faust auf das Sattelhorn und zog sich hinauf. Auch die anderen traten an die Pferde und stiegen in die Sättel. Big Miller blickte noch einmal nach Norden. Dann ritt er an. Nat trieb sein Pferd an Millers Seite. Die anderen schlossen auf.

 

*

 

Die Hufe der Pferde weckten ein dumpfes pochendes Geräusch aus dem sandigen Boden und trieben eine dünne Staubfahne empor, die bald so hoch hinter ihnen in die Luft hing, dass die Verfolger sie sehen mussten. Jeder der fünf Männer konnte sich deshalb nur zu gut vorstellen, wie sehr die Männer hinter ihnen die Pferde hetzten und trieben, um sie noch vor der Wüste zu erwischen.

Big Miller blickte immer wieder zurück. Nachdem sie eine Stunde unterwegs waren, vermochte er klar zu erkennen, dass ihre Feinde aufholten.

„Nat!“, krächzte er. „Es wird in drei bis vier Stunden dunkel. Da müssen wir doch irgendwohin ausweichen können. Die reiten uns ja förmlich zusammen.“

Nat sah zum Himmel auf und schaute zurück. „Erst müssen wir Boden unter den Hufen haben, auf dem wir keine Spuren hinterlassen“, sagte er dann zu ihm. „Jetzt hat es noch keinen Zweck. Außerdem sehen sie unsere Staubfahne. Die warten doch nur darauf, um uns irgendwie den Weg abschneiden zu können. Nein! Wir müssen weiter nach Süden!"

„Mein Pferd ist am Ende!“, schnaufte Lew und hielt an.

Auch Nat und Bell stoppten die Pferde. Dann hielt auch Tim an. Nur Big Miller ritt weiter. Er drehte sich im Sattel und schaute zurück.

„Wenn Lew meint, dass er sein Tier schonen muss, dann soll er zurückbleiben“, rief er.

Da ritten Tim, Nat und Bell wieder an. Lew sah sich um und fluchte. Dann trieb auch er sein Pferd vorwärts.

So ritten sie bald wieder dicht beisammen südwärts, jenem heißen und trockenen Wind entgegen, der ihnen aus der Wüste in die Gesichter blies. Ihre Augen waren seit Tagen entzündet, und der feine Sand, der ihnen mit dem Wind in die Atemwege drang, machte ihnen zu schaffen. Sie hatten Durst und besaßen nicht einen Schluck Wasser. Sie waren hungrig, doch ihre Verfolger ließen ihnen nicht die Zeit, um sich nach einem Stück Wild umzusehen und es zu jagen. Es war ihr Ritt um Leben und Sterben. Die fünf Männer wussten das.

Auf einmal tauchte vor ihnen in dieser kargen und verdorrten Weite Buschland auf. Ohne ein Wort über diese Entdeckung zu verlieren, machten sie die erschöpften Pferde noch einmal munter. Dadurch kamen sie dem Buschland rasch näher und kämpften auch den Verfolgern wieder eine Meile ab. Nach einer Stunde ritten sie auf schweißnassen Pferden in das Buschland ein.

Lews Brauner wollte nicht mehr. Doch jetzt kam Lew nicht mehr auf den Gedanken, ihn zu schonen. Dieses Buschland war eine Chance, die Verfolger zumindest etwas in die Irre zu führen. Doch noch ehe sie sich entschließen konnten, die Richtung zu ändern, erreichten sie plötzlich in diesem Buschland einen Arroyo, ein ausgetrocknetes Flussbett.

Big Miller hielt an und drehte sich nach Nat um, der dann neben ihm hielt. „Bist du dir immer noch im klaren, wo wir sind?“, fragte er gereizt. „Von diesem verdammten Arroyo hast du mir nämlich nichts erzählt.“

Die anderen drei hielten hinter Miller und sahen Nat an, wütend, aber auch ängstlich, weil sie befürchteten, dass ihnen Nats Irrtum tatsächlich das Leben kosten könnte.

Nat blickte den Arroyo hinauf und hinunter. „Das ist der Santa Cruz River. In diese Gegend wollte ich eigentlich nicht kommen. Aber es macht nichts. Wenn wir dem Arroyo folgen, sind wir genau richtig.“

„Nat!“, schnaufte Lew. „Der Santa Cruz River fließt an Fort Mason vorbei! Jedenfalls wenn er Wasser hat.“

Nat nickte. „Ich weiß Bescheid!“

„So, du weißt Bescheid!“, knurrte Big Miller gereizt. „Hast du verdammter Idiot vielleicht vor, in Fort Mason die Pferde zu wechseln?“

Nat streckt gelassen die Hand aus. „Der Arroyo führt direkt nach Süden. Etwa dreißig Meilen vor Fort Mason schwenkt er scharf nach Osten auf das Fort zu ab. Und an dieser Stelle werden wir den Arroyo wieder verlassen.“

„Und das ist dann unsere Richtung?“, fragte Big Miller bissig.

Nat nickte. „Wir reiten dann direkt auf die Wasserstelle zu.“

Big Miller wies wütend über die Schulter. „Und die Hundesöhne hinter uns? Meinst du wirklich, die werden hier stehenbleiben und lange rätseln, in welche Richtung wir geflohen sind?“

„Ich hab’ dir nur zugesichert, dass unsere Verfolger die gleichen Meilen reiten müssen wie wir!“, erwiderte Nat.

„Ja, aber sie haben bessere Pferde!“, bellte Big Miller.

„Miller!“, ließ sich da Bell vernehmen. „Es dämmert! Die Kerle sind immer noch drei Meilen hinter uns. Reiten wir den verdammten Arroyo doch einfach entlang. Aber nicht nach Süden, sondern nach Norden hinauf. Ich wette, wenn die hier auf den Arroyo stoßen, werden sie wie blinde Hühner in den Arroyo reiten und nach Süden ziehen.“

Big Miller sah Bell an und grinste. Dann schaute er sich rasch um. Die Sonne war schon untergegangen. Vom Osten her kroch die Nacht ins Land.

„Verdammt, das könnte gehen!“, sagte er. „Das ist wirklich eine brauchbare Idee von dir, Bell.“

„Und was, meinst du, erwartet uns im Norden?“, fragte Nat. „Wir haben kein Wasser. Ohne Wasser erholen sich die Pferde nicht.“

„Da unten liegen Rinderfladen!“, rief da Tim und wies in den Arroyo hinab.

Die Männer spähten angestrengt in die gewiesene Richtung. Sahen aber nichts. Tim schwang sich flink aus dem Sattel und kletterte die steile Uferböschung hinunter. Lew fluchte, saß ab und folgte ihm.

Sie liefen beide im Arroyo entlang, bückten sich hier und dort und kamen dann wieder herauf.

„Ja, Rindermist!“, rief Lew. „Der Junge hat recht. Hier muss eine Ranch in der Nähe sein.“

„Wie kommst du denn darauf?“, fragte Nat. „Irgendwelche Leute können hier Rinder entlang getrieben haben.“

„Bevor wir in das Buschland ritten, habe ich schon einmal Rinderdreck gesehen“, meinte Tim aufgeregt.

„Auf die Pferde!“, rief Big Miller den beiden zu. „Wir reiten in den Arroyo hinein und wenden uns südwärts. Dabei hinterlassen wir hier auf dem Ufer deutliche Spuren. Wir bleiben auf dieser Seite und reiten dann gleich da drüben entlang zurück nach Norden. Lew, Bell! Ihr steigt dann ab und verwischt unsere Fährte. Vorwärts, wir haben keine Sekunde zu verlieren.“

Er trieb sein Pferd an, suchte sich eine steile Uferstelle und führte den Braunen hinunter. Die Böschung war so steil, dass der Braune auf der Hinterhand einknickte und eine breite Schleifspur hinterließ, die deutlich verriet, dass Big Miller die Absicht hatte, südwärts zu reiten.

Die anderen folgten seinem Beispiel. Sie ritten auf der westlichen Seite über vierhundert Yard weit in dem Arroyo entlang, dann schwenkten sie zum anderen Ufer hinüber und ritten zurück. Lew und Bell übergaben ihre Pferde, zerrten die Decken aus den Packen und begannen, die Fährte zu verwischen, was in dem steinigen Flussbett nicht schwierig war; denn sie hatten nur wenige Abdrücke hinterlassen.

Die Dämmerung war mittlerweile so weit fortgeschritten, dass die Staubglocke ihrer Verfolger nicht mehr zu sehen war.

 

*

 

Buster Tom Copper, der Boss der Circle C Ranch, begleitete seinen ältesten Sohn hinaus. Cliff, der in Tucson US-Marshal war, gab dem grauhaarigen Mann die Hand.

„Lass es dir gutgehen, Vater!“, sagte er. „Wenn Mutter morgen von Camp Lowell zurückkommt, werde ich ihr die Kiste Nägel auf den Wagen laden.“

„Vergiss das nicht, mein Junge!“, brummte Buster Tom. „Es liegt an dir, ob wir mit der Arbeit hier weiterkommen oder nicht.“

Der Marshal schwang sich in den Sattel, hob noch einmal die Hand zum Gruß und verließ die Ranch. Kurz darauf polterten die Hufe seines Pferdes schon auf der Holzbrücke, die über den Arroyo des Santa Cruz River führte.

Buster Tom schaute ihm nach, bis er in der heraufziehenden Dämmerung nicht mehr zu sehen war. Dann stützte er sich auf die Handleiste des Geländers und blickte über den Sickertümpel hinweg nach Süden. Das faltige wetterbraune Gesicht des fast fünfzigjährigen Mannes wirkte an diesem Abend ein wenig müde und abgespannt. Doch es war weniger die Arbeit, die ihm zusetzte. Es war mehr die Einsamkeit auf der Ranch, die ihn nun manchmal umfing. Nicht, dass sie ihn grämte. Er wurde sich ihrer nur stärker bewusst.

Rosalie, seine Tochter, war mittlerweile mit Captain Joe Harricks verheiratet und lebte in Camp Lowell. Betty, seine Frau, weilte dort seit Tagen zu Besuch. Cliff war Marshal in Tucson, und Jimmy, sein jüngster Sohn, ersetzte kaum das Leben und bunte Treiben, das einstmals in dem großen Ranchhaus geherrscht hatte, so wild und ungestüm Jimmy auch war. Buster Tom war allein. Alle Männer arbeiteten bei der Herde. Sogar auf den Dachposten war verzichtet worden.

Buster Tom ging dann zum Stall, um die Tür zu schließen. Als er zum Haus zurücklief, hörte er Reiter kommen. Sie näherten sich von Westen her, tauchten rasch hinter dem Frachtschuppen auf und schwangen sich aus den Sätteln, als sie den Rancher mitten im Hof erblickten.

Es waren Jimmy, Ol und Hep Waller. Während die Pferde langsam zum Speichersee trotteten, näherten sich die drei dem Haus, vor dem Buster Tom stehenblieb und wartete.

„Wo ist denn Matt Jackson?“, erkundigte sich Buster Tom nach seinem Vormann. „Ist er etwa draußen geblieben, um den Laden dort zu schmeißen? Das konnte doch einer von euch jungen Burschen übernehmen, Jimmy!“

„Wir sind ja noch lange nicht fertig!“, schnaufte Jimmy verärgert. „Wir benötigen da draußen frische Pferde bei der Schinderei. Fast vierhundert Rinder haben sich in das Kakteenfeld verlaufen.“

„Heute Abend wollen die Jungs noch frische Pferde haben?“, fragte Buster Tom.

„Mute denen bloß heute nichts mehr zu“, sagte Jimmy und grinste, als sie alle drei vor Buster Tom stehenblieben. „Die haben die Schnauze ganz schön voll.“ Er spähte an seinen Vater vorbei ins Haus. „Ist Mutter schon zurück?“

„Nein! Sie kommt erst morgen“, erklärte Buster Tom. „Cliff ist hier gewesen. Vor zehn Minuten hat er sich wieder verabschiedet.“

„Hat er die Nägel mitgebracht?“, fragte Hep gespannt.

„Er wird die Kiste morgen meiner Frau mitgeben“, sagte Buster Tom.

„Diese verdammten Nägel!“, schimpfte Jimmy. „Dabei liegen sie schon Wochen im Store. Aber keiner bringt sie mit. Jeder vergisst sie. Jetzt haben wir den Salat. Fast die ganze Herde ist in die Gila Bend hineingelaufen.“

„Du übertreibst!“, besänftigte Buster Tom, weil er zuletzt in Tucson gewesen war und ebenfalls nicht an die Nägel gedacht hatte. „So weit laufen die Rinder nie in die Wüste hinein. Sie zurückzuholen wird doch noch eine Arbeit sein, die zu schaffen ist. Ihr seid doch alle draußen. Seid ihr da immer noch nicht genug Leute?“

„Boss, Sie haben gut reden!“, brummte Hep. „Bei dieser Affenhitze!“

„Affenhitze!“, polterte Buster Tom mit sonorer Stimme. „Früher habe ich das alles mit Matt Jackson allein gemacht. Fragt mal Matt! Da war der Betrieb viel gefährlicher, und es war auch heißer, als es heutzutage ist. Aber wir waren eben Kerle, aus echtem Schrot und Korn. Lass euch das mal von Matt erzählen, wie wir zwei das gemacht haben! Wochen sind wir nicht aus den Sätteln gekommen! Wochen! Und geklagt? Geklagt hat keiner. Das wäre uns gar nicht in den Sinn gekommen. Jammern und klagen! Wollt ihr die Wüste damit erweichen?“

Jimmy sah ihn verdrossen an. „Das wäre vielleicht noch zu machen“, schnaufte er. „Jedenfalls eher, als dir etwas abzuringen.“

Ol und Hep wandten sich verärgert ab und liefen zum Corral hinüber, um die Pferde herauszuholen. Als sie die Torstangen abwarfen, konnte Buster Tom die beiden Cowboys fluchen hören.

„Was haben sie denn?“, wandte er sich an Jimmy, der neben ihm stehengeblieben war und sich den Schweiß mit dem Halstuch aus Gesicht und Nacken wischte.

„Na hör mal!“, keuchte Jimmy. „Du bist vielleicht gut! Musst du den Leuten Tag für Tag erklären, was ihr, du und Matt, früher für Kerle gewesen seid? Die müssen ja meinen, in deinen Augen überhaupt nichts wert zu sein.“

„Du bist wohl verrückt, donnerte Buster Tom. „Jetzt wollt ihr mich wohl noch für alles verantwortlich machen? War es mein Job, hin und wieder mal dort draußen am Zaun entlangzureiten, um nach dem Rechten zu sehen? Ich bin hier der Boss, aber nicht das Mädchen für alles. Da bin ich schon so großzügig und verzichte darauf, jeden von euch an jedem Morgen vorzukauen, was er zu tun hat, weil ich meine, jeder hat das inzwischen selbst begriffen. Aber nein! Keiner kommt auf die Idee, sich dort mal umzusehen. Dabei bist doch du mit Kane erst gestern in der Gegend gewesen.“

Jimmy stapfte wütend auf. „Das habe ich mir gedacht! Jetzt bleibt es auf meinem Buckel hängen.“

Er wandte sich ab und lief zu Ol und Hep hinüber, die mit Geschrei und Lassoschlägen das Dutzend Pferde aus dem Corral trieben.

Buster Tom lief seinem Sohn mit langen wiegenden Schritten nach.

„Wozu denn das jetzt noch?“, brüllte er über den Hof. „Das könnt ihr doch morgen früh erledigen. Die Männer benötigen doch die frischen Pferde erst bei Sonnenaufgang.“

Die drei saßen schon in den Sätteln. Ol und Hep rissen ihre Tiere herum und jagten dem Dutzend Pferde nach, das in wilder Karriere in Richtung des Wells Fargo-Schuppens davonraste. Auch Jimmy wollte den Pferden nachreiten. Doch als er seinen Vater kommen sah, ließ er seinen Braunen noch einmal um die Hand gehen und neigte sich aus dem Sattel.

„Müsst ihr denn jetzt noch hinaus?“, rief Buster Tom.

„Ja!“, rief Jimmy gereizt zurück. „Wir müssen ja endlich mal unter Beweis stellen, was in uns steckt. Ich werde die Nacht über draußen bleiben und Matt zu dir schicken. Da könnt ihr beiden alten Burschen von den Zeiten schwärmen, in denen ihr hier alles mit der linken Hand gemacht habt."

Er gab seinem Pferd die Sporen und jagte davon.

Buster Tom blieb stehen und ballte die Hände. „Das werden wir auch tun!“, brüllte er. „Nur schade, dass du dabei nicht zuhören kannst!“

Der Hufschlag verhallte in der Ferne. Buster Tom wandte sich gereizt ab, stapfte zornig zum Corral und wuchtete die schweren Torstangen in die Halterung. Nach dieser kurzen Anstrengung war sein Zorn verraucht. Leise vor sich hinpfeifend ging er zum Haus zurück.

 

*

 

Es war fast dunkel. Er lief hinein und zündete im Wohnraum die große Lampe an. Dann suchte er nach der Zeitung, die ihm Cliff aus Tucson mitgebracht hatte. Sie lag auf dem Tisch. Buster Tom klemmte sie sich unter den Arm und lief zu dem alten Ziegenledersessel. Dabei fiel sein Blick auf die Tür, die er offen gelassen hatte. Er zündete die Laterne über der Tür an. Dabei drang schwacher Hufschlag an seine Ohren. Matt konnte das noch nicht sein. Dann bemerkte er, dass der Hufschlag von Süden kam.

Er hängte die Laterne an den Haken, warf die Zeitung durch die Tür auf einen Stuhl und trat aus dem Lichtschein, um besser sehen zu können. Er hörte lange Zeit nichts mehr, weil sich der Wind gedreht hatte. Doch dann sah er Reiter dicht an der Brücke aus dem Arroyo geritten kommen. Sie schienen das Licht längst gesehen zu haben, denn sie kamen sofort herübergeritten.

Buster Tom zählte fünf Mann. Er hatte kein gutes Gefühl, als die Männer auf das Haus zugeritten kamen. Es war dunkel, so dass er ihre Gesichter nicht erkennen konnte, als sie zwanzig Yard von ihm entfernt hielten und abstiegen.

Buster Tom trat um das Haltegeländer und ging ihnen ein paar Schritt entgegen. Drei Männer kamen auf ihn zu. Die anderen beiden führten die fünf Pferde zum Brunnen hinüber.

„Wir können doch Wasser von Ihnen haben, Mister?“, fragte einer der drei,

„Aber natürlich!“, erwiderte Buster Tom freundlich. „Wer sind Sie denn?“

Die drei antworteten nicht, kamen näher und blieben dann fünf Schritte von ihm entfernt stehen. Da sah Buster Tom, dass sie alle drei die Colts schon in den Fäusten hielten,

„Was soll das heißen?“, grollte Buster Tom und hob die Hände. „Ist das ein Überfall?“

„Rand halten, Mister!“, bekam er zur Antwort. „Die Fragen stellen wir.“

„Und Sie meinen, das heißt auch, dass ich die Fragen beantworte?“, versetzte Buster Tom gereizt. „Nehmt euch Wasser! Meinetwegen könnt ihr auch Proviant bekommen. Aber dann packt euch! Das ist hier kein einsames altes Haus, sondern ein Ranchbetrieb mit fast zwanzig Leuten!“

Einer der drei trat nahe an ihn heran und hielt ihm die Revolvermündung vor den Leib. „Wer ist im Haus? Die sollen ’rauskommen!“

„Im Haus ist keiner!“, schnaufte Buster Tom und hob die Hände noch ein Stück höher.

„Sie sagten doch eben etwas von zwanzig Leuten!“, schnarrte ihm der Mann ins Gesicht. „Ich warne Sie, Mister! Sie haben es nicht mit irgendwelchen Komikern zu tun, wenn Sie das meinen sollten. Ich bin Big Miller!“

Buster Tom starrte dem Mann in die Augen. Er war in seinem Alter. „Von einem Big Miller habe ich nie etwas gehört“, sagte er.

Der Mann sah sich kurz um. „Bell, hast du das mitgekriegt? Er hat noch nie etwas von mir gehört!“

„Das werden wir rasch ändern!“, lächelte der Mann im Hintergrund.

„Wer sind Sie, und wo befinden wir uns hier?“, begann Miller zu forschen.

„War das hier nicht einmal eine Wells Fargo Station?“, fragte einer der beiden anderen und kam nach vorn.

„Es ist noch eine Station“, erklärte Buster Tom in der Hoffnung, die Kerle rasch loszuwerden. „Manchmal kommen drei Frachtwagen in der Woche.“

„In der Woche!“, grinste Miller und verstärkte den Druck mit der Coltmündung. „Und dann wechseln die hier Pferde, nicht wahr?“

Buster Tom nickte. „Ja! Natürlich!“

„Dann können Sie uns sicherlich auch mit frischen Pferden aushelfen“, meinte der andere.

„Im Moment habe ich nicht ein Pferd im Corral“, sagte Buster Tom.

„Halten Sie Ihren Rand, Sie Lügner!“, brummte Miller. „Los, seht euch um, Nat! Wir, Mister, wir gehen indessen ins Haus. Mal sehen, ob der Laden für die Nacht etwas taugt.“

Miller nahm Buster Toms Colt mit einem blitzschnellen Griff an sich und schob ihn mit beiden Waffen ins Haus. Einer der anderen folgte ihnen und warf die Tür hinter sich zu.

„Nicht schlecht!“, meinte Miller und blickte sich im Wohnraum anerkennend um. „So dicht an der Wüste sollte man soviel Luxus gar nicht vermuten. Setzen Sie sich, Copper!“

„Hören Sie mal zu!“, begehrte Buster Tom auf. „Sie können doch nicht einfach hier hereingeschneit kommen und...“

Miller rammte ihm beide Coltmündungen in den Leib, dass ihm die Luft wegblieb. Er sackte in die Knie. Miller versetzte ihm noch einen Schlag mit dem Coltknauf in den Nacken, dass er vornüberstürzte und benommen liegenblieb.

„Jetzt wissen Sie wohl, was wir hier können und was nicht!“, brummte Miller. „Pack ihn auf den Stuhl da drüben, Lew, und gibt auf ihn acht! Sollte er den Helden spielen wollen, den eisenharten alten Knacker, dann blas ihm eine Kugel zwischen die Augen.“

Miller verließ das Haus. Jener Lew trat heran und stieß Buster Tom die Stiefelspitze in die Seite.

„Sie werden doch nicht annehmen, dass ich Millers Befehl wörtlich nehme!“, brummte er. „Los, stehen Sie auf und pflanzen Sie sich selbst auf den Stuhl dort. Aber plötzlich! Ich bin kein sehr geduldiger Mann, müssen Sie wissen.“

Buster Tom richtete sich mühsam auf, rieb sich den Nacken und den Leib und wankte zu dem gewiesenen Stuhl hinüber.

Lew grinste und bedrohte ihn mit dem Revolver. „Sehen Sie, Copper! Ich lege immer Wert darauf, dass ich gleich beim ersten Mal richtig verstanden werde. Verhalten Sie sich ruhig und gescheit, dann haben Sie auch eine Chance, den morgigen Tag noch zu erleben.“

Buster Tom sah Lew an und lauschte gebannt, ob von den anderen etwas zu hören war. Ihre Stimmen drangen durch das Fenster ins Haus. Er konnte hören, dass sie drüben am Stall und am Corral waren.

Lew sah sich nach einem Stuhl um, bewegte sich rückwärts auf den Ziegenledersessel zu, in dem Buster Tom vor wenigen Minuten noch hatte auf seinen Vormann warten wollen, und setzte sich.

„Ein ziemlich hartnäckiges Aufgebot ist hinter uns her“, erklärte Lew. „Aber wir haben die Halunken in die Wüste geschickt. Feiner Laden, den Sie hier haben. Ich denke, wir bleiben die Nacht und reiten dann morgen früh weiter. Wenn Sie keine Scherereien machen, Copper, haben Sie dabei auch nichts auszustehen.“

Buster Tom hörte gar nicht zu. Seine Aufmerksamkeit galt den anderen. Er erhielt jedoch keine Chance, die Dinge zu ändern. Die Männer kamen ins Haus. Einer brachte die Laterne von draußen mit herein und stellte sie auf den Tisch.

„Sind Pferde da, Miller?“, fragte Lew interessiert.

Miller sah ihn nicht einmal an, stapfte auf Buster Tom zu und baute sich drohend vor ihm auf. „Wieso haben sie nur zwei Pferde im Stall, wenn das hier eine Wells Fargo Station ist?“

„Uns sind Rinder weggelaufen“, erklärte Buster Tom. „Vor einer halben Stunde haben meine Männer die restlichen Arbeitspferde aus dem Corral geholt.“

„Seht euch im Haus um!“, brummte Miller und ging zum Tisch. „Lew, geh in die Küche und bereite uns etwas zu essen.“

„Wollen wir nicht eine Wache aufstellen?“, fragte Nat.

Miller nickte. „Well, übernimm du zuerst. Steig aufs Dach! Das ist dazu wie geschaffen, wie ich gesehen habe. Lew wird dir später etwas zu essen bringen und dich dann auch ablösen.“

Bell und Lew verschwanden in den unteren Räumen. Tim und Nat stiegen die Treppe zum oberen Stockwerk empor.

Nach einer Weile kam Tim wieder herunter. „Miller, die haben ja richtige Betten im Haus!“, rief er überrascht.

Miller grinste und sah Buster Tom an. „Was hast du denn gedacht, wo wir hier sind, Junge! Wir sind bei stinkfeinen Leuten.“

„Hier werdet ihr bloß nicht lange bleiben können“, sagte Buster Tom.

„Das bestimmen wir!“, erklärte Miller gelassen.

„Sie vergessen meine Leute da draußen!“

„Ich denke nur an Sie, Copper!“, sagte Miller. „Wenn ich Ihren Leuten klarmache, dass wir Sie in Stücke schießen, ziehen die glatt wieder ab. Wetten?“

Lew hantierte in der Küche. Nach einer Weile kam auch Bell wieder zum Vorschein. „Hier ist’s richtig!“, sagte er zu Miller und grinste. „Ich denke, wir sollten uns mal ordentlich ausschlafen.“

„Wir werden sehen“, erklärte Miller.

 

*

 

Später kam Lew mit Essen herein. Die Banditen nahmen am Tisch Platz und fielen mit wahrem Heißhunger über die Speisen her. Miller lud Buster Tom zu dem Mahl ein. Buster Tom bedankte sich jedoch und blieb auf seinem Stuhl sitzen.

Plötzlich erschien Nat im oberen Stockwerk. „Miller!“, rief er herab. „Da kommt ein Reiter. Von Westen! Er hat es ziemlich eilig.“

„Wenn es nur einer ist, brauchst du doch nicht so zu schreien!“, brummte Miller und stand auf. „Kehre auf das Dach zurück! Bell, Lew! Rasch hinaus mit euch! Tim, du bleibst bei mir.“

Bell und Lew nahmen die Gewehre in die Fäuste und liefen hinaus in den Hof.

Miller setzte sich wieder. „Wenn der Kerl anklopft, rufen Sie ihm zu, dass er hereinkommen soll“, sagte er zu Buster Tom. „Aber ich warne Sie für den Fall, dass Sie irgend etwas verkehrt machen.“

Der Hufschlag war bald auch im Haus zu hören. Dann fiel er schon drüben vor dem Stall auf dem Sattelplatz zusammen. Danach war lange Zeit nichts mehr zu hören. Doch plötzlich flog die Tür auf.

Miller und Tim rissen die Revolver hoch.

Es waren jedoch Bell und Lew, die Matt Jackson hereinschleiften. Schnaufend und schwitzend zogen sie den Vormann ins Zimmer und traten dann keuchend zurück. Matt Jackson war bewusstlos.

Miller stand auf. „Wer ist das?“, wandte er sich an Buster Tom.

„Mein Vormann!“

Lew und Bell waren vollkommen außer Atem.

„Dieser Hundesohn!“, schnaufte Lew, rieb sich das Kinn und trat nach Matt Jacksons Hinterteil. „Dieser Satan hat mir eine geschmiert, dass ich Sterne gesehen habe.“

Miller stieß Lew zurück. „Deshalb brauchtest du doch jetzt nicht mehr auf ihm herumzutrampeln. Warum habt ihr ihn nicht hereinkommen lassen?“

„Er wollte in den Stall. Da hat er unsere Pferde gesehen“, sagte Bell. „Eigentlich müsste einer die Tiere absatteln gehen.“

„Die Pferde bleiben gesattelt!“, sagte Miller scharf. „Wie heißt Ihr Vormann?“, wandte er sich an Tom Copper.

„Matt Jackson!“

Miller stieß den Bewusstlosen mit dem Stiefel an. „Komm hoch, Matt! Steh auf, alter Junge! Es war ein glattes Versehen.“

Bell und Lew grinsten. Lew rieb sich immer noch das Kinn. Buster Tom kochte vor Zorn, dass die Halunken seinen Vormann dermaßen zusammengeschlagen hatten. Am liebsten hätte er Bell und Lew mit Fausthieben zur Tür hinausbefördert und Miller gleich hinterher. Doch einer der Banditen hielt immer den Colt auf ihn gerichtet.

Miller starrte eine Weile auf den Vormann. „Wasser!“, sagte er dann, als sich Matt Jackson nicht rührte.

Lew lief sofort in die Küche und kehrte mit einem Eimer Wasser zurück, holte aus und schüttete Matt das Wasser ins Gesicht.

Matt Jackson schlug sofort um sich und griff nach der Halfter, doch den Colt hatte ihm bereits einer abgenommen. Dann richtete er sich prustend auf die Ellenbogen, rieb sich das Wasser aus den Augen und blickte sich verwundert um.

„Unternimm nichts, Matt!“, sagte Buster Tom. „Hier sind ein paar Männer erschienen, und wir sind in ihrer Gewalt.“

Miller nickte Buster Tom grinsend zu. Dann stieß er Matt Jackson abermals än. „Steh auf, Vormann!“, lächelte er.

Matt Jackson stand auf, hob die Arme und blickte betroffen von einem zum anderen. „Ein Überfall?“, fragte er Buster Tom.

„Nein! Nur eine Einquartierung!“, brummte Lew grinsend.

Miller stieß Matt Jackson mit dem Colt an, um ihn auf sich aufmerksam zu machen. „Hör mal zu, Freund!“, sagte er. „Du machst jetzt nur die Klappe auf, wenn du gefragt wirst. Und die Fragen, die stelle ich!“

Matt Jackson sah ihn an und hob die Arme höher.

„Wo sind eure Pferde?“, fragte Miller.

Matt drehte den Kopf und sah Buster Tom wieder an. „Wollen die Kerle Pferde von uns haben?“

„Ja!“, antwortete Buster Tom und weitete die Augen, um Matt zu warnen. Aber Matt nahm das Zeichen nicht auf. Als er sich Miller wieder zuwandte, stand auf einmal Lew vor ihm und schlug ihm die Faust mit Wucht unter das Kinn.

Matt stolperte rückwärts, riss zwei Stühle mit und krachte hinten gegen die Wand.

Miller lief ihm sofort nach. Lew massierte sich die Knöchel und schnaufte zufrieden.

„Ich protestiere!“, polterte Buster Tom. „Ich protestiere aufs schärfste gegen diese Behandlung.“

Miller verzog den Mund, hielt Matt Jackson den Revolver vor den Bauch und schüttelte den Kopf. „Du musst hier nicht den Maulhelden spielen, Vormann! Ich hatte doch eben gesagt, dass ich hier die Fragen stelle.“

„Tu, was er verlangt, Matt“, sagte Buster Tom.

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738914627
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v380894
Schlagworte
circle c-ranch geier

Autor

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Titel: Circle C-Ranch #23: Geier über der Circle C-Ranch