Lade Inhalt...

Man kann nicht vor der Liebe fliehn

2017 120 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Man kann nicht vor der Liebe fliehen

Klappentext:

Copyright

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

25

26

27

28

29

Man kann nicht vor der Liebe fliehen

Arztroman von Glenn Stirling

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 163 Taschenbuchseiten.

 

Klappentext:

Dr. Günter Weigel glaubt nicht mehr an ein Glück für sich, nachdem er seine geliebte Frau und seinen kleinen Sohn verloren hat. Um sich zu betäuben, arbeitet er wie ein Besessener als Arzt auf einer Großbaustelle mitten in der Einsamkeit der Berge. Krankenhäuser in der Stadt, wo es auch Frauen gibt, interessieren ihn nicht mehr. Doch auf die Dauer kann auch er nicht vor dem Leben fliehen. Es holt ihn ein, als ein Schneesturm über den Bergen heult und nicht nur ihn mit Tod und Verderben bedroht. Es kommt in Gestalt einer aufreizend schönen Frau zu ihm …

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover: Nach Motiven von Pixabay mit Steve Mayer, 2017

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

1

Über die steilen Hänge des Bergwaldes zogen graue Schwaden. Die Gipfel der Berge lagen verhüllt von Hochnebel, und kreuz und quer durch die Matten bis hinunter zum sprudelnden Fluss zogen sich die Spuren schwerer Raupen und Lastwagen wie ein Spinnennetz aus gelben Fäden. Die noch unfertige Staumauer ragte steil und grau zwischen den Felsen ins neblige Nichts hinauf. Und ganz unten, wo einmal die Turbinen die Kraft des Wassers in elektrische Leistung umwandeln sollten, standen jetzt noch die lehmig-braunen Baracken der Arbeiter. Weiter links auf einer schmutzig-braunen Anhöhe befand sich das Baubüro mit den Unterkünften der Ingenieure. Ein Jeep, so schmutzig wie die Umgebung der Hütten, parkte vor dem Holzhaus.

Weiter entfernt, nach Norden zu, stürzte der noch nicht gebändigte Fluss am Girlsheimer Joch in die Tiefe, und ohne die Nebelschwaden, die alles verhüllten, hätte man von da aus in das weite Girlsheimer Tal sehen können – hinab auf die roten Dächer des Dorfes und über die weiten Wiesen und Felder des Hochtales hinweg. Jetzt aber sah man nichts davon, statt dessen nässte feiner Nieselregen unentwegt die morastige und zerfurchte Landschaft.

Trostlos, dachte Günter Weigel, als er die Stirn gegen die Scheibe des Barackenfensters presste und hinaus auf den Vorplatz blickte, der trist und verlassen wirkte, besonders jetzt am Samstagnachmittag. Da ständen drüben die lehmverschmierten Arbeitsmaschinen – schwere Bulldozer, Planierraupen, Erdbeweger und andere. Dort stand auch das verwitterte Schild, das mit einem roten Kreuz und einem Pfeil auf die Rettungsstation dieser gigantischen Baustelle hinwies.

Seit einem halben Jahr war Dr. Günter Weigel hier als Unfall- und Notarzt.

Am Anfang hatte es – wie fast immer auf solchen Baustellen – die meisten schweren Unfälle gegeben. Vor allem bei den Sprengarbeiten. Nun lief es ein wenig ruhiger, und seine Patienten bestanden in der Regel aus Grippekranken, wie das in dieser Herbstzeit nicht anders zu erwarten gewesen war. Immerhin hatte Günter auch die letzten drei Revierkranken gestern entlassen können, so dass sie übers Wochenende, ebenso wie fast alle anderen Arbeiter, zu ihren Familien fahren durften. Zurückgeblieben waren nur die Männer der Baustellenwache, der diensthabende Ingenieur als Chef – und er selbst.

Er lehnte noch immer am Fenster, und in der regennassen Scheibe spiegelte sich sein Gesicht. Es war ein ausgeprägt männliches Gesicht, in das sich schon tiefe Linien eingegraben hatten – Zeichen bitterer Erlebnisse, die sein Alter andeuteten. Er war fast achtunddreißig, ein nicht mehr junger Arzt für eine Baustellen-Notarztstation.

Nur wenige wussten, warum er dieses Los gewählt hatte.

Die ganzen Tage fürchtete er die bedrohende Stille des Wochenendes, diese Einsamkeit und Tatenlosigkeit, die ihn dazu brachte, an früher zu denken. Auch jetzt überkam es ihn wieder, und er sah die Bilder von einst: Das kleine, von Rosenstöcken umgebene Haus in der norddeutschen Kleinstadt, die junge Frau, in deren blondem Haar die Sonne blitzte, und den Buben, diesen strahlenden, pausbäckigen Vierjährigen.

Aber diesem Bild des trauten Glücks folgte jäh das andere, furchtbare. Dieselbe Frau sterbend und mit Blut besudelt, das Kind von einem Blut durchtränkten Tuch bedeckt, der verbeulte Wagen und die Polizisten, die den angetrunkenen Fahrer festnehmen. Ein Unfall, einer von Tausenden, aber für Günter Weigel der Unfall seines Lebens, an dem er direkt nicht einmal beteiligt gewesen war.

Sie hatten ihn geholt, als alles schon vorüber gewesen war und er nichts mehr abwenden konnte. Und später blieb nichts als das Urteil des Gerichtes, das den betrunkenen Autofahrer hart bestrafte, wovon Günters Frau und der Kleine nicht mehr lebendig wurden. Nie mehr.

Seitdem sah er diese beiden Bilder. Immer wieder, bei Tag und bei Nacht. Immer dann, wenn er allein war und Zeit zum Grübeln fand. Wie jetzt an diesem verregneten Samstag hier oben im Gebirge.

Ja, er war weggegangen und hatte seine Praxis einem Freund überlassen. Er war geflohen vor sich und seinen Erinnerungen. Doch sie folgten ihm wie Schatten. Er hatte die Fotos zurückgelassen – einfach alles, was ihn immer wieder mit Gedanken an früher marterte. Und doch konnte er eines nicht vernichten, nicht vergraben, nicht vor sich selbst verstecken: Sein Gedächtnis. Er konnte einfach nicht vergessen.

Manchmal versuchte er, sich über die Dinge zu stellen und sich einzureden, man könne diese Dinge rein medizinisch-psychologisch betrachten.

Es ist mehr als zwei Jahre her, sagte er sich dann und wollte sich zwingen, nüchtern und überlegen daran zu denken, wie an einen medizinischen Fall, der ihn direkt gar nicht betraf. Du willst nur in Wirklichkeit immer wieder daran denken und kultivierst in einem Anflug von manischer Depression diese Erinnerungen. Du schmückst sie womöglich noch aus und zerrst die Einzelheiten in die extremen Vorstellungen. Da hilft nur Arbeit. Es ist schlecht, dich hier oben in dieser Einöde zu vergraben und nur Männer zu sehen – tagein, tagaus. Aber du willst ja leiden, das ist es! Hier liegt das medizinische Problem. Es macht dir wollüstige Freude, dich zu quälen und zu martern, wobei du dir als Held vorkommst.

Nein, sagte er sich, als müsse er die von sich gegen sich vorgebrachte Anklage entschieden zurückweisen. Ich will mich nicht quälen. Und ich will auch kein Held sein! Ich bin Arzt geworden, um anderen zu helfen. Dafür bin ich die langen Studienjahre armselig herumgelaufen und habe als Werkstudent geschuftet, um die Kosten zu verdienen. Und jetzt soll ich aufgeben?

Die Männer, überlegte er weiter, die hier oben arbeiten, brauchen mich. Was wäre aus Valentins Bein geworden, wenn man ihn erst zu Tal hätte bringen müssen? Schmidteder wäre längst tot, wenn es mich hier oben nicht gäbe. Oder Corenno, der kleine Italiener, der an die Mauer gequetscht worden war, oder Graumeier, dem ich in letzter Sekunde einen rettenden Luftröhrenschnitt machen konnte. Nein, hier oben habe ich eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. In dieser Welt der Felsen, des Schlamms, des Zements und der Motoren, in dieser Einöde, in der es nur Männer gibt, keine Frauen, die mich an Leni erinnern könnten, um die Qual zu vertiefen.

Leni ist tot, dachte er. Sie war die beste Frau der Welt, und ich habe mir geschworen, sie auch nach ihrem Tode nicht zu vergessen. Mit keiner anderen. Nie!

Er schüttelte den Kopf, während er wieder durch die regennassen Scheiben auf die trostlose Schlammlandschaft starrte.

Nie? Mein Gott, wie oft habe ich doch daran gedacht. Mit achtunddreißig ist man kein Urgroßvater, und zum Mönch tauge ich nicht. Warum dann diese Selbstkasteiung? Warum dieses Opfer, das Leni doch nie von mir gefordert hätte?

Ich werde schwach, dachte er. Ich rede mir ein, dass ich meinen Schwur brechen sollte. Ich versuche Argumente zu finden, um wie die anderen, die keine Familien haben, in die Stadt zu fahren, wo heute Abend Tanz ist. Einige gehen viel direkter auf ihr Ziel los. Der Sprengmeister zum Beispiel, dessen Frau irgendwo in Österreich sitzt und von ihrem Mann außer den regelmäßigen Geldsendungen nichts hat. Dafür amüsiert er sich jedes Wochenende mit einer lustigen Witwe in der Stadt. Die Zweitfrau, wie er dazu sagt. Anfangs habe ich es verurteilt, habe es verachtet. Aber tue ich das noch? Der Mann schuftet wie ein Bär und hat die Natur eines Bären. Die eigene Frau ist weit. Verständnis? Ja, vielleicht verstehe ich ihn doch.

 

 

2

Drüben, wo die graubraune Felswand aus dem Nebel ragte, ertönte ein scharfer Knall, dessen Echo sich verzerrt vielfach an den Felswänden wiederholte. Kurz darauf wieder ein scharfes Knallen, dann nochmals. Nachdenklich, was das sein könnte, blickte Günter Weigel durchs Fenster. Aber er konnte nichts als die im Dunst liegende Felswand sehen, die das Flusstal im Westen säumte. Stattdessen entdeckte er auf dem Vorplatz einen Mann im Regenmantel und in Gummistiefeln, der mit schweren Schritten den Platz überquerte und auf die Hütte der Bauleitung zukam.

„Holzinger“, murmelte er. „Ein Lichtblick, dass der oben geblieben ist. Vielleicht spielen wir nachher noch Skat ...“

Ja, sagte er sich, als er das wettergebräunte Gesicht des Ingenieurs sah, es ist Holzinger. Einer von denen, die immer dabei waren, seit ich mit den Ingenieuren und Stammarbeitern von einer Großbaustelle im Gebirge zur nächsten gezogen bin.

Wenig später betrat Hans Holzinger das Holzhaus. Er schüttelte sich wie ein Hund, und das Wasser flog nur so von seinem Gummimantel. Dann zog er sich den Südwester vom Kopf, streifte den Mantel ab und schlüpfte aus den Gummistiefeln. Sein wirres Blondhaar stand in scharfem Kontrast zum tief gebräunten Gesicht, in dem wiederum ein Paar fast wasserheller Augen leuchteten. Er war fast so alt wie Günter Weigel, wirkte aber durch seinen jugendlichen Haarschopf jünger.

„Mistwetter!“, knurrte er, stampfte zum Regal und zog sich seine Pantoffeln heraus. Als er sie über die dicken Socken gestreift hatte, sah er auf, lächelte wie ein Junge und sagte fröhlich: „Der Samstag kann beginnen, Günter. Was machen wir diesmal? Wieder Skat?“

„Es wird darauf herauskommen“, meinte Günter Weigel. „Oder hast du eine bessere Idee?“

„Ideen? Die sind im Baubüro vergraben. Und wer ist der dritte Mann?“

Bevor Günter antworten konnte, dröhnten wieder ein Knall und viele Echos herüber bis in die Hütte.

„Was ist denn das?“, fragte er.

Hans Holzinger lachte.

„Verrückte! Kapitalisten, die nicht wissen, was sie vor Langeweile tun sollen. Jäger aus München, Düsseldorf oder was weiß ich woher. Sie sind heute morgen mit dem alten Wadler gekommen – sechs Mann hoch. Vielmehr vier Männer und zwei flotte Käfer. Zünftig natürlich, die Häschen vor allem. Die eine blond und die andere schwarz. Aber Pfeffer! Tja, mein lieber Günter, so etwas kann sich anschaffen wie ein Auto, wer Geld hat wie Heu. Da fliegen die Bienen noch immer am liebsten hin. Gemsenjagd, und der Wadler Josef hat wieder ein bisschen Geld im Kasten, wenn die noble Herrschaft morgen Abend müde ins Tal wankt.“

„Gemsenjagd? Nun gut, aber die Mädchen?“

„Vielleicht sind es nicht nur Gemsenjäger. Vielleicht auch Schmetterlingssammler. Man soll, wenn man kann, das Leben in vollen Zügen genießen. Wie hat ein kluger Kopf einmal gesagt? Was man im Sitzen tun kann, soll man im Sitzen tun. Und nur ein Narr sitzt bei einer Arbeit, die man auch liegend machen könnte! Die Herren dort oben sagen sich, dass man auch in einer Berghütte nicht allein zu schlafen braucht, wenn es sich vermeiden lässt. Es ließ sich offenbar vermeiden. Aber nun wieder zu uns. Also Skat?“

„Wer spielt mit?“

„Immer die Suche nach dem dritten Mann!“ Hans Holzinger lachte wieder und zeigte zwei Reihen weißer Zähne, die in seinem dunklen Gesicht besonders hell leuchteten. „Ich kann Bast fragen. Bast spielt nicht besonders gut, aber ...“

„Das macht wenig Spaß. Schach?“, fragte Günter Weigel.

„Das ist eine Idee. Also Schach!“ Holzinger ging zum Schrank, öffnete die knarrende Tür und holte Brett und Figurenschachtel heraus. Er setzte beides auf den kleinen Tisch in der Zimmermitte und brachte den Tisch zum Fenster.

Günter ging zum Ofen und holte die Kaffeekanne. Er brachte Tassen, Milch und Zucker und goss ein. Holzinger baute indessen die Figuren auf und meinte, mit einem kurzen Blick auf seine Kaffeetasse:

„Vergiss den Schnaps nicht und lass die Milch weg! Weiß oder Schwarz?“

„Schwarz – und du ziehst zuerst!“

Hans Holzinger hatte es offenbar so erwartet. Als Günter ihm noch Schnaps in den Kaffee goss, blickte Holzinger aus dem Fenster.

„Es schneit auf einmal. Der Winter geht los, und wir sind entweder in acht Tagen mit dem Überzug fertig oder erst im Mai. Was sagen die Wetterfritzen?‟

„Kaltluftfront von Osten mit Tiefausläufern. Schnee und Frost – aber nicht lange. Ein Tief kommt von Süden.“ Günter Weigel nahm Platz und starrte auf das Schachbrett.

Hans Holzinger schlürfte erst seinen Kaffee, dann setzte er den Königsbauern vor.

„Tief von Süden, das kann lange dauern, ehe es über die Berge kommt. Wenn mir der Zement festfriert, ist Schluss. Dann geht es nach Südafrika. Die haben dort Frühling. Aber zuvor ...“ Er rieb sich in sichtbarer Vorfreude die Hände. „Zuvor vierzehn Tage Urlaub. Was machst du in dieser Zeit, Günter?“

„Weiß nicht!“

„Miesepeter! Sieh mich an! Ich bin Junggeselle, aber nicht so ein verbiesterter wie du. Hör mal, ich kenne deine Story, aber allmählich solltest du wieder unter die Menschheit zurückkehren. Das hier oben ist okay, aber nicht auf die Dauer. Wenigstens einmal muss ein Bursche wie du und ich einen drauf machen. Wozu sind wir gut bezahlt? Also, ich nehme mir ein Flugzeug, und dann ab zu den Bahamas. Wenn die vierzehn Tage um sind, geht es direkt nach Kapstadt. Die Zentrale hat sich ausgerechnet, dass wir mit dem Gießen der Staumauer dort bis Mai im Groben fertig sind. Dann zurück hierher, und nächsten Sommer werden wir fertig. Wohin uns dann der liebe Gott und die Zentrale schicken, werden wir ja erleben. Du bist dran!“

Günter machte seinen Zug und zog mit der Dame quer übers Brett.

„Schach, mein Lieber!“

„Dann pass auf deine Dame auf!“, meinte Holzinger und setzte seinen Springer vor. Er warf einen Blick durch die Scheiben, an der jetzt Schneeflocken klebten. „Es wird stürmisch, und der Schnee kommt in Wänden. Wenn wir übers Wochenende einschneien, bleibt uns nur noch die Seilbahn.“

„Vorigen Winter ist auch die noch im passenden Augenblick kaputt gegangen. Du bist wieder dran, Hans!“

Hans Holzinger nickte, sah dann aber wieder zum Fenster hinaus. „Jetzt sitzen die Gemsenjäger auch in ihrer Hütte fest. Und die haben keine Seilbahn.“ Er lachte. „Noch zwei Stunden weiter soviel Schnee, und die kommen auch am Montag nicht mehr herunter.“

„Mit den beiden Gespielinnen werden sie es ertragen.“

„Falls der Wadler an genug Vorräte gedacht hat ... He, wenn ich jetzt nicht aufpasse, ist mein Springer futsch.“

Sie sahen beide auf ihr Spiel. Günter wollte gerade etwas sagen, als eine Bö so heftig gegen die Hütte prallte, dass die Wände und Scheiben zitterten.

„Hoppla, das sieht nach mehr als etwas Schnee aus!“, rief Holzinger und stand auf. „Mein Gerüst, alter Junge, ich denke verdammt nur noch daran.“ Er lief zum Kleiderhaken.

„Willst du etwa raus?“, fragte Günter.

„Du kannst ja mitkommen! Wenn die Verankerungen nicht halten, fällt der ganze Schlamassel auf die Nase, und wir können für dieses Jahr einpacken.“

 

 

3

Die erste Bö hatte den Sturm eingeleitet. Jetzt heulte und pfiff es durch alle Ritzen. Schnee prasselte förmlich an die Scheiben und deckte sie zu. Von Sekunde zu Sekunde wurde es schlimmer.

„Bleib drinnen, Hans!“, mahnte Günter. „Im Schneesturm herumzurennen ist idiotisch. Warte, bis es nachlässt!“

Hans Holzinger war zu erfahren, um jetzt dickköpfig zu sein. Er kannte solche Überraschungen im Gebirge. Da blieb nur das Warten.

„Ein Glück“, sagte er, „dass Samstag ist. Da sind die Jungs alle im Tal. Gestern, als alle am Bau waren, hätte so was Ärger gemacht.“

„Mir auch.“

„Ja.“ Holzinger nickte. „Sicher, da sind immer ein paar Spezialisten dabei, die sich auf die Nase legen. Teufel, Teufel, es haut wirklich ganz schön los.“ Er wollte das Licht einschalten, weil es im Raum mittlerweile fast dunkel geworden war. Aber das Licht ging nicht an. „Strom im Eimer, fein, was?“, knurrte er.

Der Sturm schüttelte das Holzhaus. Aber die Erbauer hatten auch gewusst, was hier oben drohen konnte. Das Gebäude war mit Stahlseilen gesichert.

Günter versuchte, etwas durch die Scheiben des zweiten Fensters am Giebel zu erkennen, doch das war unmöglich. Der wehende Schnee kam in Wänden geflogen. Weiter als drei, vier Meter war nichts zu sehen.

„Ich glaube, wir können am Montag einpacken“, sagte Hans Holzinger.

„Wie?“ Günter, der am anderen Ende des Raumes stand, hatte bei dem Heulen des Sturmes nichts verstanden. „Was ist?“, rief er.

„Montag packen wir!“, brüllte Holzinger.

„Bahamas und zurück?“

„Klar – und du solltest mitkommen.“ Holzinger ging zu Günter, aber er übersah einen Stuhl im Dunkeln, stieß mit dem Schienbein daran und fluchte wie ein Holzknecht.

„Ist was?“, fragte Günter.

„Ich habe eben versucht, dir Arbeit zu verschaffen. Es reicht nicht. Der verdammte Stuhl!“ Holzinger trat dicht neben Günter. „Warst du schon auf den Bahamas?“

„Nur mit dem Finger auf der Landkarte. – Hör nur, das wird immer schlimmer. Wir fliegen noch weg, was?“

„Wir bestimmt nicht. Das Haus sitzt fest wie die anderen Baracken auch. Aber die kühnen Nimrode aus Düsseldorf und München, die werden jetzt zittern. Und die kleinen Süßen erst!“

„Wenn die draußen überrascht worden sind, ist es ernst“, meinte Günter.

Hans Holzinger zuckte mit den Schultern. Aber im Dunkeln konnte Günter das nicht sehen.

„Weiß du“, sagte Holzinger, „das sind so Burschen wie von unserer Direktion. Auf den kleinen Leuten herumtrampeln, beim Lohn sparen, bei der Weihnachtsgratifikation so tun, als hätten sie sich die aus den Rippen geschnitten, und ansonsten den dicken Wilhelm spielen. Hör mir mit solchen Leuten auf!“

„Aber die Mädchen – da denkst du doch humaner, schätze ich“, spottete Günter.

„Ja, mein Kaliber wäre das schon.“

„Außerdem gibt es nichts, was dir eine Frau bedeuten könnte?“

„Ich weiß nicht. Sie wollen immer gleich Familien gründen und heiraten, möglichst in Weiß. Das ist schlimmer als zehn solcher Unwetter.“

„Es gibt Frauen, Hans, die einem Manne alles sein können. Nicht nur nachts.‟

„Glaubst du? Du gehst von dir aus. Das war sicher ein Glücksfall. Aber die meisten ... Es ist wie beim Tee. Erst schmeckt er, aber dann steht er zu lange und wird schal und bitter. Der Rat meines Vaters war bestimmt nicht übel.“

„Welcher Rat?“

„Mein Vater war passionierter Reiter-Offizier im ersten Weltkrieg, weißt du ja. Wir hatten ein Gestüt. Er redete nur von Pferden. Sein Rat ist auch so.“

„Dann sag endlich, was er geraten hat!“

„Er sagte immer: Such dir das schönste, liebste und reichste Mädchen weit und breit. Wenn es was taugt, dann rüste alles zur Hochzeit. Und wenn es kurz davor ist, dann sattle das schnellste und beste Pferd und reite in entgegengesetzter Richtung so weit du nur kommst.“

Günter lachte. „Der Rat taugt nichts.“

„Ist das deine Überzeugung? Warum vergräbst du dich dann hier? Weil du genau weißt, dass du nie wieder ein Mädchen wie deine Frau finden wirst.“

„Möglich“, erwiderte Günter und lehnte sich an die im Sturm bebende Wand. „Vielleicht habe ich mir das aber auch nur eingeredet. Vielleicht irre ich mich sogar.“

Diesmal war es Holzinger, der lachte.

„Bravo, das genau wollte ich bestätigt wissen! Aber hört das denn gar nicht mehr auf?“ Der Sturm donnerte jetzt, und vom Berg polterten Steinbrocken aufs Hüttendach. „Das gibt Ärger, Günter! Mein Gerüst ist garantiert futsch.“

„Die Direktion wird dir den Urlaub streichen“, spottete Günter. „Ade Bahamas.“

„Denkst du, Puppe! Hauptsache, die Seilbahn bleibt heil! Sonst sitzen wir hier wirklich fest. Zum Glück haben wir wenigstens Vorräte genug oben.“

„Hunger kannst du dir beschaffen. Nachher, wenn wir Schnee schaufeln müssen, um überhaupt noch aus dem Bau zu kommen“, sagte Günter. „Denk mal an letzten Winter ... Erinnerst du dich?“

„O ja, auch wieder so ein Knall von denen oben in der Direktion. Um Biegen und Brechen sollten wir weitermachen. Erst als mehr Material zu Bruch ging, als die Sache wert war, haben sie es eingesehen und den Winter Winter sein lassen. – Du, ich meine, es ließe nach!“

„Optimist. Ich denke nur immerzu an die dort drüben in ihrer Berghütte. Wenn sie überhaupt drinnen sind ...“

Günter blickte wieder aus dem Fenster, obwohl er nichts sah. Seine Brauen waren zusammengezogen. Eine tiefe Falte lief über seine Stirn.

 

 

4

„Ich hab’ es gleich gesagt, dass wir nimmer wegkommen, wenn es stürmt, und jetzt hocken wir da. Mistwetter, damisches!“ Der alte Wadler drückte sich fester in die Felsspalte und zog den Kopf ein, als ihm der Schnee wie Schaum aus einem Feuerlöscher ins Gesicht flog. Er war um eine hochdeutsche Aussprache bemüht, damit die Leute aus dem Norden ihn auch verstanden.

Neben dem alten Wadler drückten sich noch zwei Männer an den Felsen. Zum Schutz gegen Schnee und Kälte hatten sie ihre Hüte tief ins Gesicht gezogen, die Schals um Kinn und Hals gewunden und die Mantelkragen hochgeschlagen. Vor ihnen lag der schmale Felspfad, und dahinter fiel der Berg jäh bis hinunter zum Grunde der Schlucht ab.

Die beiden Gewehre der Männer lagen auf dem Pfad, aber im Handumdrehen waren sie mit Schnee bedeckt. Der eben noch gangbare Weg zur Hütte war zu einer Todesleiter geworden – schneebedeckt und vereist. Es ging so schnell, dass der Wadler hier angehalten hatte, weil es einfach kein Weiterkommen mehr gab. Dabei war die Hütte nicht weiter als fünfhundert Schritt entfernt.

„Wo nur Keller bleibt!“, sagte einer der beiden Jäger.

„Wenn er schlau ist, der Herr Konsul“, sagte der Wadler laut, um das Heulen des tobenden Sturmes zu übertönen, „hat er es droben auf dem Eck aufgegeben. Aber wenn er weiter ist – ja mei …‟ Er sprach nicht aus, was dann war, aber die beiden Jäger an seiner Seite wussten, wie er es meinte. Zwischen dem Eck oben, wo Felszacken Schutz boten, und dem Platz hier gab es nirgendwo auf dem Pfad nur einen Winkel, um sich schützend zu verbergen. Wer dort unterwegs überrascht worden war, drohte zu erfrieren. Vielleicht verlor er auch den Halt und stürzte ab.

Der Wadler war wütend.

„Alles wegen dem damischen Bock. Getroffen hat ihn eh keiner. Und ich Rindviech hab’ gewartet und gewartet, und jetzt steh’n wir sauber da.“

Immer mehr Schnee wehte auf den Pfad und hüllte auch die Männer ein. Gleichzeitig wurde es eisig kalt.

Der Wadler zürnte den beiden immer noch und brüllte in den Sturm hinein:

„So einen Gamsbock gibt es überhaupt nicht, dass man sich dafür umbringt.“

„Aber, Wadler, nun seien Sie doch mal friedlich!“, sagte der große Mann neben dem alten Pirschgänger. „Dass es so schlimm wird, hat doch keiner geahnt.“

„Ich schon, Herr Kalinke. Ich spür’ es ja, seit es Tag ist. Aber gehört hat keiner auf mich. Überhaupt keiner! Immer dem damischen Bock nach! Und jetzt ist Brotzeit. Heiliges Donnerwetter!“

Kalinke schwieg. Er war mehr als einen Kopf größer als der untersetzte Wadler. Er hatte im Gegensatz zu ihm ein schmales, sehr ausgeprägtes Gesicht, das von eisgrauen Schläfen umrahmt wurde. Um seinen Mund standen tiefe Fältchen, doch die schmalen Lippen verrieten, dass er hart sein konnte. Das scharfe Kinn, das er jetzt vom Schal entblößte, um den Schnee von der Wolle zu streifen, wies auf Energie hin.

Kalinke hatte diese Energie. Otto Kalinke, Generaldirektor aus Düsseldorf, mit zweiundfünfzig Jahren ein Mann im allerbesten Alter, mit kühlem Verstand und der Lebenslust eines Menschen, der wusste, was einem das Dasein schenkte und was er sich davon leisten konnte. Er hatte jahrzehntelang wie ein Pferd geschuftet und jetzt erreicht, was er schon als junger Student wollte. Jetzt war er oben – ganz oben! Geld spielte keine große Rolle mehr. Er hatte es.

Auch Dr. jur. Fritz Staufer, der jetzt neben Kalinke frierend die Hände rieb und von einem Bein aufs andere trat, hatte es. Er – Anwalt großer Industrieunternehmen – für Kalinkes Hüttenwerke die juristische Grundlage, wie es Kalinke immer formulierte.

Staufer hatte immer gelebt und bestimmt nicht schlecht. Er war schwer, vollblütig und mit seinen sechsundfünfzig Jahren ein Mann, der sich nichts entgehen lassen wollte – weder Frauen, Vergnügen, noch Hobbys. Auch er hatte es geschafft. Eigentlich schon früher als Kalinke, dafür nicht so umfangreich. Drei große Mietshäuser in Köln und Düsseldorf gehörten ihm, und ein dickes Aktienpaket sollte ihm auch im Alter das Leben erträglich machen. Die Ehe war lange kaputt. Staufer wusste sich sein Vergnügen zu erkaufen. Die mit ihm gealterte Ehefrau spielte für ihn nur noch kostenmäßig eine Rolle. Aber das konnte er sich leisten. Auch die Kur in Bad Ems, die sie seit dem Sommer belegt hatte.

Er dachte nicht an sie. Eigentlich dachte er im Augenblick überhaupt an keinen anderen. Er hatte nur Angst. Ein Held war er nie gewesen, der im Gerichtssaal so imposante Staufer. Sein geschliffen scharfer Verstand war in diesen Minuten panischer Angst um die eigenen zweihundert Pfund Lebendgewicht gewichen.

Bei Kalinke war das anders.

Er dachte an Konsul Keller aus München. Die ganze Jagd hatte ja nur deshalb stattgefunden – ein Geschäft, weiter nichts. Keller hatte den rumänischen Auftrag, den Millionenauftrag, den er allein gar nicht bewältigen konnte. Die Jagd, angenehme Hüttenstunden, dazu die Gesellschaft der beiden Mädchen – so hatte man sich näherkommen, in gelösterer Atmosphäre reden und abschließen wollen. So war es geplant gewesen. Und nun dieser verdammte Schnee und die Kälte! Und wo Keller steckte, wusste der Kuckuck.

Wadler hingegen erkannte als einziger der drei, in welcher Gefahr sie sich befanden. Wenn der Schneesturm nicht bald nachließ, wurde es schlimm. Er verfluchte das Geld, das ihm diese reichen Männer für die Pirsch zahlten, verfluchte sie mit all ihrem Mammon, den er immer so bewundert hatte, wenn sie zweimal, dreimal im Jahr zur Hütte gekommen waren.

Natürlich brauchte er das Geld. Der neue Fernseher war auf Raten gekauft, die Liese, seine zweite Kuh, war beim Kalben eingegangen, ohne dass sie versichert gewesen war. Seine beiden Töchter standen auch nicht rosig da. Die eine war dauernd krank und lebte bei den Eltern, die andere hatte einen Mann, der sie prügelte.

Nein, dachte der Wadler, so schön ist das Leben gar nicht. Aber wenn es mich hier erwischt, was soll aus meiner Frau werden? Seit sie die Tochter pflegte, hatte sie vom Leben auch nichts gehabt.

Und er selbst? Vor drei Jahren hatte er seine Stellung als Jäger beim Grafen Landegg verloren, weil der Graf Schulden hatte und den ganzen Wald und die Jagd an den Staat verkaufen musste. Der Staat hatte eigene Jäger. Forstbeamte, wie es so schön hieß. Und nun war Schluss. Was sollte er denn in seinem Alter noch anfangen?

Warum nur hatte er immer Pech? Vor einem Jahr schon einmal – damals mit dem Berliner Immobilienmakler und dessen Jungen. Der Junge war abgestürzt, und Wadler musste tief in die Klamm hinab. Der Junge überlebte – aber als Krüppel. Danach kamen die Gerichtsverhandlungen, dazwischen immer wieder Verhöre. Nun, dem Wadler konnten sie nichts nachsagen. Aber etwas blieb immer hängen.

Und nun der Konsul! Was war mit ihm? Warum hatte dieser Mann nicht auf ihn gehört? Nie tat er, was der Wadler aus langer Erfahrung riet. Er kenne den Berg und diese Jagd so gut wie der Wadler, hatte er immer behauptet. Und jetzt?

Vielleicht hatte er Glück gehabt, der Herr Konsul Keller. Er war ja wirklich ein alter Jäger, erinnerte sich der Wadler. Gegen den Anwalt und den Direktor war er geradezu ein Einheimischer.

Trotzdem hatte der Wadler ein banges Gefühl. Sein Gespür, wie er es nannte, kündete Unheil. Vor Unheil aber fürchtete er sich. In seinem Leben war es oft genug über ihn hereingebrochen. Er begann insgeheim zu beten, Gott möge den Herrn Konsul sicher führen, damit es nicht noch einmal solchen Ärger gab wie mit dem Jungen aus Berlin vor einem Jahr.

Lass den Sturm aufhören!, flehte der Wadler in sich hinein. Lass es aufhören mit Schneien, damit ich die Leute hier wegbringen kann. In die Hütte – oder noch besser hinüber zur Baustelle vom Stauwerk …

 

 

5

Der Schnee hatte alles eingehüllt wie in ein Leichentuch. Sogar die Steilwände der Felsen waren damit bedeckt, und der Sturm presste den weißen Schleier dagegen. Doch die Nebel mussten weichen, und hoch oben an der Spitze der Steingiganten schien die Sonne, während weiter unten der Sturm nachließ und die letzten Schneewolken vor sich her in die tieferen Täler trieb. Hinter dem Schnee kam eisige Luft, aber sie war klar wie ein Forellenwasser.

So wurde sichtbar, was von dem jähen Auftakt des Winters blieb. Unten auf der Baustelle des Stauwerks ragten nur die Dächer der Hütten aus dem Schnee. Das große Gerüst an der Betonmauer hatte dem Sturm getrotzt, aber auf seinen Planken lag der Schnee wie Sahne auf einer Torte. Weiter drüben in den Bergen verriet nur der First der Jagdhütte von ihrer Existenz. Alles andere war angehäuft mit Schnee.

Die Klamm hinauf zum Gamseck glich einem Gletscher. Der Steig an ihrem Rand lag völlig von angewehtem Schnee versperrt. Und noch weiter oben am Eck schien jetzt die Sonne auf eine riesige Wehe, die den ganzen oberen Teil der Klamm und das Plateau unter sich begraben hatte, wo vor Stunden noch die Jäger angesessen hatten.

Winzig wie Ameisen wirkten die drei Männer, die sich an einer Vertiefung des Felsens neben dem Klammsteg zusammengedrängt hatten. Aber der Mann, der sie von hier oben aus dem Felsspalt sah, konnte nicht mehr so laut rufen, dass sie ihn dort unten hörten. Blutunterlaufen die Augen, das Gesicht von Todesangst gezeichnet, hing er völlig erschöpft zwischen den Felsgraten. Sein linkes Bein war eingeklemmt, sein linker Arm wirkte seltsam verdreht. Vom Sturz in die Felsspalte hatte die Felljacke einen langen Riss, durch den man das Hemd sah, das an einer Stelle unter dem Arm blutig war.

Er war kein Leichtgewicht, aber er war auch nicht dick und ein Lebemann-Typ wie sein Freund Staufer. Konsul Leo Keller aus München kannte sogar die Berge. Nur das Jagdfieber war schuld, dass er den Bock unbedingt hatte bergen wollen. Doch der Schneesturm war schneller gewesen, und alles Weitere war dem dreiundfünfzigjährigen Manne zum Verhängnis geworden. Er hatte auf dem Rückweg keine Sicht gehabt, war in diese Felsspalte geraten und an die acht Meter abgestürzt. Glück im Unglück trotzdem, denn wäre er nicht von der enger werdenden Spalte eingezwängt worden, läge er womöglich ganz tief unten in der Klamm.

Er hatte furchtbare Schmerzen. Sein linker Arm schien gebrochen zu sein. Mit der Schulter war er gegen den Fels geprallt und an ihm entlang geschrammt. Auch mit seinem Bein stimmte etwas nicht. Es war eingeklemmt, aber er hatte kein Gefühl im Fuß. Nur oberhalb des Knies verspürte er ziehende Schmerzen. Und er fror.

Vorhin hatte er geschrien. Wie es einer in Bergnot zu tun hatte – sechsmal in einer Minute in gleichen Abständen. Er hatte das ein paarmal getan, doch nun konnte er nur noch krächzen. Vorhin war er vom Sturm überbrüllt worden, jetzt, da man ihn vielleicht gehört hätte, besaß er nicht mehr die Kraft.

Was er sehen konnte, nahm ihm jede Hoffnung. Bis zu ihm hin gab es keinen Weg und Steg mehr, der nicht hoch verschneit oder verweht gewesen wäre. Selbst wenn sie ihn fanden, brauchten sie viele Stunden, um ihn überhaupt zu erreichen.

Er dachte an einen Hubschrauber. Aber oberhalb von seinem Platz gab es keinen Fleck, wo einer hätte landen können.

Er sammelte noch einmal alle Energie und schrie aus Leibeskräften. Da aber löste sich, von den Schallwellen erschüttert, über ihm ein Schneebrett und stürzte auf ihn herab. Nun steckte er noch tief im Schnee, glaubte zu ersticken und ruderte mit dem gesunden rechten Arm, um den Kopf frei zu bekommen. Es gelang ihm zu seinem Glück, doch mehr schaffte er nicht. Bis zum Hals steckte er im Schnee, der nun im Nacken taute und ihm den Rücken herabrann.

Es ist aus – es ist ganz aus!, dachte er verzweifelt. Nun konnten sie ihn von unten auch nicht mehr sehen.

Als er den Kopf hob, sah er über sich einen breiten Rest des abgestürzten Schneebrettes. Wenn sich das auch noch löste, erstickte es ihn. Schreien konnte er auch nicht mehr. Die Felsspalte wirkte wie ein Schalltrichter nach oben.

Die Schwäche übermannte ihn, und er ließ den Kopf sinken. Vor seinen Augen begannen rote und gelbe Punkte zu tanzen. Das Geflimmer verwischte, und er sah Bilder – erst undeutlich, dann schärfer. Es war, als blättere er in einem Fotoalbum. Er sah die Stationen seines Lebens.

Da war der Augenblick, als er – noch schmal und eckig – sein Abiturzeugnis erhielt. Dann er als Soldat – Fähnrich Keller. Später eine Szene beim Tanz auf einem Ball, kurz nach dem Krieg, und er sah sich in schlotterndem Zellwollanzug mit Renate an der Bar, wo man Rübenschnaps ausschenkte, das Glas für fünf Mark. Ein Bild vom Start der Inter-Commerz folgte, die Gesichter der Gründer, und nur einer lebte davon noch – er selbst. Eine Szene vom Urlaub mit Renate in Florida …

Die Bilder rasten jetzt, schneller, immer schneller, und wurden unscharf, aber dann kam eines wieder: Renate, seine Frau. Nicht mehr blond und schlank wie damals, sondern wie er sie verlassen hatte: dick, grau und verbittert. Aber dieses Bild schwand, und dann war es, als senke sich ein tiefschwarzer Vorhang über alles. Die Bewusstlosigkeit war über Keller gekommen. Sein Kopf sackte noch tiefer in den Schnee.

 

6

Sie waren durch das Fenster, dem einzig möglichen Ausgang, nach draußen gestiegen, und jetzt schippten sie eine Gasse von dort zur Tür. Dieser Gang war so hoch wie das Dach, und Günter Weigel fragte sich, ob überall so viel Schnee liegen mochte.

Er hielt vor der Tür mit Schaufeln inne und wandte sich zu Hans Holzinger um, der kunstvoll Stufen in den Schnee stach, um eine Treppe herzustellen, die vom Gang hinauf auf die Oberfläche der Schneedecke führte.

„Bald wie in einem Kriegsfilm, was? Schützengraben mit Fensterplatz“, rief er scherzend. „Klara, die Holde, hat sich auch rausgemacht. Sie scheint, als hätte es den Sturm nie gegeben.“ Er wies zum Himmel, wo nur noch wenige Wölkchen segelten und die Sonne den Rand der Schneegasse wie eine Decke aus Diamanten glitzern ließ.

„Sieh mal nach, ob überall soviel Schnee liegt. Die Burschen von der Sonntagswache müssen doch auch irgendwo auftauchen“, meinte Günter.

Holzinger lachte und kletterte seine Treppe hinauf. Oben hielt er die Hand schirmend über die Augen, weil ihn die schon ziemlich tief stehende Sonne blendete.

„Wenn du für Wintersport schwärmst‟, rief er von oben, „wird sich dein Herz erwärmen. Schnee, soweit das Auge des müden Wanderers reicht! Die Heinis von der Sonntagswache warten wahrscheinlich auf den Frühling. Vor ihrer Baracke rührt sich nichts. Aber zu telefonieren brauchen wir auch nicht. Der Mast ist verschwunden. Die Leitung wird todsicher zerrissen sein. Aber mein Gerüst, alter Junge, mein Gerüst hat überlebt.“

„Hol der Teufel dein Gerüst! Was ist mit der Jagdhütte?“

„Frag nicht, komm selbst herauf! Ich sehe sie gar nicht.“

„Moment!“ Günter lief den Gang zurück zum Fenster, kletterte in die Baracke und holte sein Fernglas.

Im Vorbeigehen hob er den Telefonhörer ab, aber da rührte sich nichts. Also doch kaputt! Er verließ die Hütte wieder und kletterte zu Holzinger herauf, der nun nach links zur Seilbahn blickte und ein bedenkliches Gesicht machte.

„Was ist?“, fragte Günter.

„Die Seilbahn. Gib mir mal das Glas!“ Holzinger nahm es ihm aus den Händen und spähte hinüber zu der Stelle, wo der Betonmast der Arbeitsseilbahn stand. „Sieht mies aus. Die Gondel ist losgerissen worden und hängt jetzt dreißig Meter weiter unten – natürlich aus den Rollen. Das kostet uns mindestens fünf Stunden, bis sie wieder richtig sitzt. Und ohne Telefon ins Tal geht es überhaupt nicht. Die müssen unten die Maschine rückwärts fahren.“

„Mit anderen Worten, wir sitzen hier oben fest. Aber es sind doch Skier da.“

„Stimmt! Aber bis jetzt hat es noch nie geschneit, deshalb sind sie noch im Materiallager. Das müssen wir erst freischaufeln. Sieh dorthin, Günter!“ Holzinger zeigte auf eine lange Baracke, von der nur der First zu sehen war.

Bei der vordersten Arbeiterbaracke tauchten nun drei Männer auf, die sich einen Gang aus dem Fenster hinauf auf die Wehe geschafft hatten. Sie winkten herüber. Einer rief etwas, doch über die fast zweihundert Meter Entfernung konnte weder Günter noch Holzinger sie verstehen.

„Schön, dass die jetzt auch aufgetaucht sind.“ Hans Holzinger gab ihnen Zeichen, zur Hütte der Bauleitung herüberzukommen. „Sie müssen zu uns. Hier sind Schaufeln, Seile und alles andere. – Da, dein Glas!“

Günter nahm es und blickte hinüber zur Jagdhütte auf der anderen Seite der breiten Schlucht. Die Jagdhütte war nicht zu erkennen, nur ein kleines Stück von ihrem First und der backsteinerne Kamin.

„Da raucht und rührt sich nichts, am Ende hat es sie unterwegs erwischt“, sagte er, aber Holzinger hörte kaum hin.

Ihn interessierte seine Baustelle – die Seilbahn, das Gerüst, das Telefon, eben all die Dinge, mit denen er zu tun hatte. Er und seine Männer, sagte er sich, mussten hier sein, weil es ihr Arbeitsplatz war. Aber jene dort drüben, die mussten nicht im Gebirge herumklettern und sich der Gefahr aussetzen. Es war, seinem Standpunkt nach, ihr freier Entschluss gewesen. Also bedeutete das ihr kalkulierbares Risiko. Er aber hatte andere Sorgen.

Günter Weigel wusste, was Hans Holzinger dachte. Dazu kannte er ihn viel zu gut. Er schimpfte zwar dauernd auf die Direktion und alles übrige, was damit zusammenhing, doch seine Arbeit bedeutete ihm alles.

Während Holzinger ungeduldig verfolgte, wie die drei Männer sich einen Weg durch den hohen Schnee zur Hütte der Bauleitung hin bahnten, betrachtete Günter durch das Glas die Felswand drüben. Er suchte das Gelände Stück für Stück bis zum Einschnitt ab, wo die Klamm in die größere Schlucht mündete, die einmal bis zur halben Höhe der Staumauer mit Wasser gefüllt sein würde. Er wusste, dass dort ein Steig längs der Klamm verlief, aber er war nun so hoch mit Schnee angeweht, dass man seinen Verlauf nur ahnen konnte.

An einer Stelle gewahrte Günter etwas Dunkles. Er konnte aber trotz des sehr guten Glases nicht ausmachen, was es war. Es hätte auch gut ein Felsvorsprung sein können. Er suchte weiter oberhalb und sah jetzt fast unterm Eck etwas, das ihm auffiel. Er wusste nicht, warum ihm etwas auffällig vorkam, aber da verhielt sich Verschiedenes nicht normal. Eine Felsspalte war es, und völlig verblüffend erschien es Günter, dass sie im Gegensatz zu den anderen Felsen blank und wie abgewischt war.

Vielleicht war der Schnee von oben nur heruntergefallen und hatte die Steilwände mit blankgefegt, sagte er sich. Trotz dieser einleuchtenden Erklärung musste er immer wieder zu jener Stelle sehen. Er konnte auf diese Entfernung nicht mehr als diese Einkerbung im Felsen sehen.

Nun suchte er wieder weiter unten, wo dieser dunkle Felsvorsprung gewesen war. Zufällig strahlte die schon tiefstehende Sonne nun ein paar Meter mehr von der Klamm an – auch jene Stelle. Und dann sah er etwas blitzen, schließlich eine Bewegung, als ob jemand winke.

„Hans, da stecken welche in der Klamm!“, rief er seinem Freund zu.

Holzingers Gelassenheit war mit einem Male wie weggewischt.

„In der Klamm? Zeig mal!“

„Ja – dort!“

Günter gab ihm das Glas, und Holzinger sagte, während er die Stelle beobachtete:

„Tatsächlich, der eine scheint zu winken. Jetzt wieder – alle zehn Sekunden. Bergnotzeichen. Aber der Steig ist zu, völlig zu. Bis wir dort sind, ist es tiefe Nacht. Es sieht aus, als wollten sie sich selbst schon den Weg freimachen. Aber da ist ...“ Er schwieg plötzlich und schwenkte das Fernglas höher. „Günter!“, rief er plötzlich. „Weiter oben, unterm Eck, da ist noch einer. Eine Spalte ist dort – die Sonne scheint in den oberen Teil. Ich sehe das jetzt ganz genau. Da gibt einer Spiegelsignale. Morsezeichen. Kannst du morsen?“

„Gib mir das Glas!“, sagte Günter aufgeregt. „Nimm dir was zu schreiben!“

Indessen waren die drei Arbeiter angelangt, aber sie sahen wohl, dass drüben in den Felsen etwas geschehen sein musste, und so schwiegen sie. Gespannt beobachteten sie die beiden Männer.

Der Ingenieur Hans Holzinger war ihr Chef, von ihm würden sie ihre Anweisungen bekommen, aber sie schätzten auch den Arzt. Die drei waren keine neuen Leute. Einer hatte schon bei der Gesellschaft gearbeitet, bevor Dr. Günter Weigel als Unfallarzt zu ihnen gekommen war. Irgendwann waren auch sie schon von ihm behandelt worden, und nicht nur deshalb hatten sie ihn gem.

„Schreib!“, sagte Günter, und Holzinger, der seinen Kugelschreiber und einen Fetzen Papier in der Hand hielt, schrieb:

„Bin eingeklemmt. – Arm gebrochen. – Helft!“

Holzinger hatte seinen Entschluss schon gefasst. In seinem Beruf musste man sich schnell entscheiden können.

„Männer, hört zu! Zuerst zum Materialschuppen! Grabt nicht, schlagt das Dach ein und steigt von oben hinunter! Jeder nimmt sich ein Paar Ski, zwei Paar bringt ihr uns mit. Den Bergungsschlitten auch herausholen, Decken und Seile mitbringen. Steigeisen, Seile, Schaufeln und alles andere, was wir brauchen, holen Doktor Weigel und ich aus der Bürobaracke. Los, Männer! Und zieht euch warm genug an! Für Vorräte sorgen wir. Auch für die Lampen.“

„Doktor Weigel, sollten wir denen dort drüben nicht Antwort geben?“, fragte ein bärtiger Arbeiter, der sonst zum Sprengkommando gehörte.

„Ja, ich hole nur den Handscheinwerfer.“

Holzinger lief schon los. Wenig später, als die Arbeiter noch zum Materialschuppen unterwegs waren, kam er mit dem Handscheinwerfer zurück. Günter nahm ihn und blinkte im Morsesystem in Richtung auf die Klamm:

„Wir kommen. – Haltet aus!“

Großer Gott, dachte er dabei, wenn wir es nur schaffen! Aber wir müssen es einfach schaffen, weil die, die auf uns warten, sonst verloren sind!

 

 

7

Die Sonne war schon hinter den Bergen versunken, und ein kühler Wind wehte durchs Hochtal. Um diese Zeit erreichten Dr.. Weigel, Holzinger und die drei Arbeiter die unmittelbare Nähe der Jagdhütte. Bis hierher war der Weg mit Skiern noch passabel gewesen, doch nun kamen sie so nicht weiter.

Auf dem hoch mit Schnee bedeckten Vorplatz der verwehten Jagdhütte hielten sie an. Offenbar in der Annahme, in der Hütte könnte niemand sein, sagte Holzinger:

„Noch ein Stück, dann schnallen wir ab und müssen uns den Steig entlang einen Weg bahnen. Habt ihr alles bereit?“

„Wir müssen sehen, was in der Hütte ist!“, wandte Günter ein. Er blickte zum Haus hin, von dem sie nur das Dach und auch das nur teilweise sehen konnten.

„Zeitverlust. Da ist doch keiner.“

„Sehen wir besser nach. Ich werde es machen. Ihr anderen könnt ja schon vorausgehen und mit der Gasse beginnen.“

„Allein bleibt mir niemand im Berg‟, bestimmte Hans Holzinger. „Wahres, bleiben Sie beim Doktor! Wir anderen machen vorwärts!“

Während Holzinger mit den beiden anderen Männern loszog, fuhren Günter und der bärtige Arbeiter Wahres zur Hütte. Sie legten ihr Gepäck ab, machten die Skier los und begannen mit den Handschaufeln zu graben.

Sie arbeiteten schweigend. Worte waren nicht notwendig. Plötzlich aber hielt Wahres inne, machte sich den Kälteschutz vom rechten Ohr weg und lauschte.

„Doktor, da ist was!“, sagte er.

Günter zog sich die Pudelmütze vom Kopf, um besser hören zu können, und vernahm nun auch Stimmen – Frauenstimmen.

„Die Mädchen, Doktor. Die Mädchen sind hier!“, murmelte Wahres, kraulte sich den mit Eiskristallen behangenen Bart, und begann unaufgefordert wieder zu graben.

Bald darauf hatten sie den oberen Teil der Tür freigelegt. Jetzt rief jemand von drinnen, aber er war nicht zu verstehen. Dann schrie eine Frauenstimme: „Hilfe! Holt uns hier heraus!“

Schon der ziemlich hysterische Ton verriet Günter, dass die Ruferin mit den Nerven herunter sein musste.

„Geduld, wir kommen!“, antwortete er und grub weiter. Ein paar Minuten später ließ sich die Tür öffnen.

Verblüfft starrten er und der bärtige Wahres in den dunklen Raum, der nur durch das Licht erhellt wurde, das durch die Tür einfiel. Jetzt, in der einbrechenden Dämmerung, war das nicht viel.

Auf einer Bank am Kachelofen saß ein dunkelhaariges Mädchen mit verheultem Gesicht – Hände, Hals, Kinn und den einst eleganten Après-Ski-Anzug mit Ruß beschmiert. Daneben, mit einem Strick um den Leib und noch schwärzer – einem Kaminfeger ähnlicher als einem Jäger -, stand ein Mann. Über ihm, am Ofen, war das Rohr zum Kamin herausgerissen. Es sah aus, als hätte dieser Mann versucht, durch den Kamin nach oben zu klettern.

Etwas weiter links stand ein blondes Mädchen, das keine Spuren von Ruß an sich aufwies. Aber auch in seinem Gesicht waren die Tränen geflossen, und der gehetzte Blick, den es den Männern in der Tür zuwarf, verriet Verzweiflung.

Sehr rasch begriffen Günter und Wahres, warum es für die drei nur den Kamin als Fluchtweg gegeben hatte. Sämtliche Läden und die Tür der Hütte gingen nach außen auf. Dagegen aber presste sich der Schnee. Auf die Idee, das Dach von innen zu zerschlagen, waren die drei wohl nicht gekommen.

„Es ist alles gut“, sagte Günter lächelnd. „Ist jemand verletzt?“

Das blonde Mädchen trat vor und sah aus angstvoll geweiteten Augen zu ihm auf.

„Mein Vater – und die beiden anderen ... was ist mit ihnen? Haben Sie die gefunden?“

„Gefunden schon, aber noch nicht geborgen. Sie sind in der Klamm, wenn sie die beiden Männer und jenen dritten meinen, die in der Klamm und oben am Eck in Bergnot sind. Einer, der ganz oben am Eck, ist offenbar verletzt.“

„O Gott!“ Das Mädchen schrie auf und presste sich dann die Hände vors Gesicht.

Jetzt näherte sich der Mann, der wie ein Kaminfeger aussah. Er war groß, nicht sehr breit und machte nicht gerade den Eindruck eines Sportsmanns. Auch sonst erschien er Günter ziemlich linkisch.

„Fräulein Kalinke wollte, dass wir nach den Männern suchen. Aber der Sturm und der viele Schnee …‟ Er zuckte wie zur Entschuldigung die Schultern. Dann fügte er wie bei der Vorstellung auf einer Party hinzu: „Übrigens, mein Name ist Faber. Und das ist Fräulein Dehmel.“

„Weigel“, murmelte Günter und wandte sich wieder ab. „Wir haben keine Zeit zu verlieren. Bleiben Sie alle drei hier und warten Sie! Gehen Sie nicht auf eigene Faust weiter.“

„Ich will mit!“, rief Fräulein Kalinke. „Ich muss zu meinem Vater!“

„Das geht nicht. Bleiben Sie hier!“, entschied Günter scharf.

„Aber hören Sie mal!“, mischte sich Faber ein. „Sie ist die Tochter und rechte Hand von Direktor Kalinke, UREG-Hüttenwerke!“

„Und ich bin der Arzt der Rettungsstation vom Girlsheimer Joch. Ich sage, Sie alle drei bleiben hier, basta!“

„Bitte, Herr Doktor, bitte!“, flehte Fräulein Kalinke.

„Helga, gib es auf, der hat ein Herz aus Stein, das sieht man doch!“, sagte die Dunkelhaarige mit seltsam rauchiger Stimme.

Günter sah kurz zu ihr hin. Die Rußflecken im Gesicht irritierten ihn etwas, aber dann glaubte er doch, ein Urteil fällen zu können.

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738914580
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2017 (November)
Schlagworte
liebe

Autor

Zurück

Titel: Man kann nicht vor der Liebe fliehn