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Bount Reiniger und der Auftrag im Sudan: N. Y. D. - New York Detectives

2017 120 Seiten

Leseprobe

Bount Reiniger und der Auftrag im Sudan: N.Y.D. - New York Detectives

Hans-Jürgen Raben

Published by Cassiopeiapress/Alfredbooks, 2017.

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Bount Reiniger und der Auftrag im Sudan: N. Y. D. - New York Detectives

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Krimi von Hans-Jürgen Raben

Der Umfang dieses Buchs entspricht 126 Taschenbuchseiten.

Die beiden amerikanischen Archäologie-Studentinnen Joan Carter und ihre Freundin Louella Johnson befinden sich im Sudan, um dort für ihre Diplomarbeiten Ausgrabungen zu machen. Während einer Exkursion werden sie von dem arabischen Menschenhändler Abdel Aziz entführt, der hofft, die hübschen weißen Mädchen für viel Geld an einen Scheich verkaufen zu können. Als Joans Vater Edmund Carter, ein reicher Bostoner Geschäftsmann, davon erfährt, engagiert er den bekannten New Yorker Privatdetektiv Bount Reiniger, damit dieser die Entführten findet und nach Hause zurückbringt. Zusammen mit dem zwielichtigen Captain Henderson verfolgt der Detektiv die Spur der Banditen und ihrer Gefangenen durch die Wüste ...

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Joan Carter - sie fällt einem modernen Sklavenhändler in die Hände und hat ein entsetzliches Schicksal zu erwarten.

Edmund Carter - er ist ein Gangster, aber für die Rettung seiner Tochter ist ihm nichts zu teuer.

Abdel Aziz - der Araber tötet gnadenlos, wenn es um seine Interessen geht.

Captain Henderson - als Pilot ist er ein Ass, aber gegen ein Maschinengewehr ist auch er machtlos.

June March - unterstützt Bount Reiniger bei seinen Ermittlungen.

Bount Reiniger - ist Privatdetektiv.

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1

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Joan Carter hob den Kopf und lauschte. Ihr war, als hätte sie das Trappeln von Pferdehufen gehört. Sie schüttelte den Kopf und arbeitete weiter.

Ein nur schwach sichtbares Relief erweckte ihre ganze Aufmerksamkeit. Vorsichtig befreite sie es mit einem kleinen Pinsel vom Staub der Jahrhunderte. Es zeigte einen ägyptischen Pharaonen. Bei der ganzen Anlage hier tief im Sudan schien es sich um einen Tempel zu handeln. Bisher hatte man so weit im Süden keine ägyptischen Überreste gefunden.

Da war wieder das Geräusch von Hufen. Joan warf einen Blick zu ihrer Freundin hinüber, die ebenfalls etwas gehört haben musste. Louella Johnson, kurz Lou gekannt, zuckte mit den Schultern.

Sie waren beide Studentinnen der Archäologie und standen kurz vor ihrem Abschluss. Die Arbeit über diese Ausgrabung sollte ihnen das begehrte Diplom verschaffen. Das Klima im Sudan war zwar mörderisch, aber sie besaßen hier eine einmalige Chance.

Joan Carter sah zu den beiden sudanesischen Arbeitern hinüber, die es sich mit ihren Schaufeln unter einem verkrüppelten Baum bequem gemacht hatten, nachdem sie einen Stichgraben an der ehemaligen Tempelmauer gezogen hatten. Sie schienen sich um das merkwürdige Geräusch nicht weiter zu kümmern.

Außer ihnen befanden sich auf dem Gelände noch zwei Soldaten. Junge Burschen in Khakiuniformen, die noch nicht allzu viel Übung mit ihrem Gewehr zu haben schienen. Joan war sich nicht sicher, ob sie zu ihrem Schutz oder zu ihrer Bewachung hier waren. Die beiden hatten sich ebenfalls in den spärlichen Schatten zurückgezogen und kümmerten sich nicht um die Arbeit der beiden Amerikanerinnen.

Ihr Verbindungsmann von der Altertümerverwaltung in Khartum war heute nicht erschienen. Aber das war überhaupt nicht schlimm, denn die Mädchen mochten den schmierigen Sudanesen nicht, der ständig mit lüsternen Augen um sie herumstrich.

Unter seinen Blicken kamen sie sich wie ausgezogen vor.

Plötzlich war das Hufgetrappel ganz nahe, und diesmal gab es keinen Zweifel, worum es sich handelte. Sogar die Soldaten schreckten aus ihrem Schlummer und blickten sich irritiert um.

Joan Carter ließ den Pinsel sinken und drehte den Kopf zu dem Hügelkamm, auf dem wie von Geisterhand ein halbes Dutzend Reiter erschienen waren. In einer lang gezogenen Reihe jagten sie auf den alten Tempel zu. Dabei schwenkten sie Schnellfeuergewehre in den Fäusten und stießen schrille Kampfschreie aus.

Die beiden Soldaten waren auf die Füße gesprungen und nestelten an ihren Waffen. Doch bevor sie die Gewehre in Anschlag brachten, wurde die morgendliche Stille durch das Knattern von ganzen Salven zerrissen. Die Angreifer hatten gut gezielt. Von mehreren Schüssen getroffen, sanken die Soldaten zu Boden.

Joan Carter stand zitternd an die Mauer gepresst, wenige Meter von ihrer Freundin entfernt, die vor Entsetzen aufschrie.

Sekunden später hatte die wilde Horde die Pferde gezügelt. Sie standen im Halbkreis vor den Mädchen. Die beiden sudanesischen Arbeiter ergriffen die Flucht ohne einen Versuch zur Hilfe zu machen. Joan konnte es ihnen nicht verdenken.

Einer der Reiter schoss hinter ihnen her, traf aber offenbar nicht.

Dann waren die Sudanesen hinter dem Hügel verschwunden, und keiner der Angreifer hielt es für nötig, sie zu verfolgen.

Joan fragte sich, was die Männer von ihnen wollten und warum man die beiden Soldaten sofort erschossen hatte.

Ihre Gedanken überschlugen sich, aber sie sah keine Möglichkeit, sich in irgendeiner Form zur Wehr zu setzen. Lou hatte mit dem Schreien aufgehört, schluchzte aber noch leise.

Zumindest hatte man sie nicht getötet, das ließ hoffen. Vielleicht handelte es sich um Banditen, die Lösegeld erpressen wollten. Joan musterte die Männer näher.

Man hätte sie für Gestalten aus dem vorigen Jahrhundert halten können - wenn die modernen Waffen nicht gewesen wären. Die Männer trugen M16-Schnellfeuergewehre aus amerikanischer Produktion. Und sie konnten offensichtlich damit umgehen. Joan warf einen scheuen Blick zu den toten Soldaten hinüber.

Bei den Angreifern handelte es sich um Araber. Die dunklen Gesichter waren unter verschiedenfarbigen Tüchern versteckt. Sie trugen weiße, wallende Gewänder und darüber schwarze Umhänge. Die Pferde, auf denen sie saßen, waren aus edelster Zucht. Nur: Diese Beduinen gehörten nicht in den Sudan!

„Was wollen Sie?“, brachte Joan schließlich stockend heraus.

Sie erhielt keine Antwort und hatte auch nicht ernsthaft damit gerechnet.

Dann erschienen noch drei Reiter auf dem Hügelkamm. Sie ritten langsam näher. Joan sah sofort, dass es sich um den Anführer der Bande handeln musste. Er war ganz in weiß gekleidet und trug auf dem Kopf ein seidenes Tuch. Seine beiden Begleiter waren sicher Leibwächter.

Der Mann in der Mitte war mit einer Maschinenpistole bewaffnet, die an seinem Sattel hing. Außerdem trug er einen schweren Colt an der Hüfte. Wären die Toten nicht gewesen, hätte Joan geglaubt, dass sie in einen Film geraten war.

Respektvoll öffneten die Männer ihren Halbkreis für den Anführer. Er trieb sein Pferd bis dicht vor Joan und beugte sich nieder, um sie genau zu betrachten.

Sein Gesicht war pockennarbig und feist. Er hatte deutliches Übergewicht. Das Gesicht wurde von einem dichten schwarzen Bart umrahmt, um die Augen unter schweren Lidern blickten stechend und falsch. Der Mann sah aus wie der perfekte Hollywood-Bösewicht. Aber dies alles war leider kein Film, sondern Wirklichkeit.

Der Mann nickte und stieß ein paar Worte in arabischer Sprache aus. Joan hatte sich während ihres Studiums mit Arabistik beschäftigt und verstand bruchstückhaft den Sinn der Worte.

Er hatte gesagt, dass er mit der Beute zufrieden sei, und Joan hatte keine Ahnung, was er damit meinte.

„Was wollen Sie von uns?“, wiederholte sie.

Der Mann stieg schwerfällig von seinem Pferd und trat auf sie zu. Sein Gang erinnerte sie an eine watschelnde Ente.

Ohne Vorwarnung schlug er sie ins Gesicht. „Ab jetzt reden Sie nur noch, wenn Sie gefragt werden.“ Sein Englisch hatte einen deutlichen Akzent.

Joan war zurückgezuckt. Die Stelle, wo die Hand sie getroffen hatte, brannte wie Feuer. Aber schlimmer als der Schmerz war die Demütigung, und der Hass loderte wie eine wilde Flamme durch ihren Körper.

„Wir werden Sie mit uns nehmen, und ich rate Ihnen, genau zu tun, was ich oder meine Männer Ihnen sagen.“

„Wollen Sie Geld?“

Er lachte leise. „Natürlich, aber nicht von Ihnen!“

Joan runzelte die Stirn, weil sie den Sinn der Worte nicht begriff. Vielleicht auch nicht begreifen wollte.

Lou hatte sich neben sie gestellt. „Das sind Menschenhändler“, flüsterte sie.

Joan starrte ihre Freundin verblüfft an. Langsam schüttelte sie den Kopf. „Doch nicht hier“, sagte sie verwundert. „Doch nicht im Jahr 1984!“ Der Anführer hatte sich wieder auf sein Pferd geschwungen, was ihm bei seiner Körperfülle nicht leicht fiel. Zwei seiner Männer hoben die Mädchen vor sich auf den Sattel, und Joan stieg die Schamröte ins Gesicht, als die harten Hände ihre Hüfte umklammerten.

Der Anführer rief seinen Männern wieder ein paar Worte zu, die sinngemäß sagten, dass er jeden über den Haufen schießen würde, der es wagte, sich in irgendeiner Form den Mädchen zu nähern - und er würde es merken, wenn einer auch nur einen schmutzigen Gedanken hätte. Die beiden seien schließlich sehr viel Geld wert.

Dann gaben die Männer ihren Pferden die Sporen, und die wilde Kavalkade preschte über die von der Sonne ausgedörrten Hügel. Joan Carter wurde langsam klar, dass sie einem sehr ungewissen Schicksal entgegenritt. Sie spürte, wie langsam die Angst in ihr hochkroch.

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2

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Bount Reiniger schob den schweren Vorhang zur Seite und ließ das Tageslicht ins Zimmer. Die Sonne blendete ihn, und er schloss die Augen zu schmalen Schlitzen. Genüsslich gähnte er und reckte seinen Körper. Immerhin hatte er ausgeschlafen, und das war in seinem Job unbedingt von Vorteil.

Er dachte an den Fall, den er gestern in Boston zur Zufriedenheit seines Auftraggebers abgeschlossen hatte. Es war ziemlich mühsam gewesen, und er hätte gern ein paar Tage Urlaub gemacht. Aber ein Privatdetektiv konnte sich das nicht immer aussuchen.

Er hatte die Nacht im Hotel Boston Peabody verbracht. Von seinem Fenster erkannte er das Band der Route Nr. 1. Ein paar Meilen weiter in nordwestlicher Richtung war die Suntaug Lake zu ahnen, ein beliebtes Ausflugsziel für die Gegend von Groß-Boston. Das Hotel hatte noch einen weiteren Vorteil: Von hier waren es nur zwölf Meilen bis zum Logan Airport, der auf einer lang gestreckten Halbinsel lag, die weit in die Massachusetts Bay hineinragte.

Bount überlegte, ob er vor dem Frühstück in die Sauna gehen sollte. Das Peabody mit seinem 209 Zimmern verfügte über alle Annehmlichkeiten. Der Preis von siebzig Dollar für die Nacht war allerdings auch nicht gerade billig.

In seine Gedanken, ob er nicht doch erst frühstücken sollte, schrillte das Telefon. Bount Reiniger blickte reichlich missmutig auf das Gerät an seinem Bett. Nach dem vierten Klingeln entschloss er sich, den Hörer abzunehmen.

Es war seine Mitarbeiterin June March, die während seiner Abwesenheit das Büro hütete.

„Ich hoffe, du hast gut geschlafen“, sagte sie.

„Es ist sieben Uhr morgens“, entgegnete Bount mürrisch.

„Unsinn!“, rief sie. „Es ist bereits neun. In Boston ebenso wie in New York.“

„Für diese Auskunft hätte ich auch die Zeitansage anrufen können.“

„Sicher - aber nicht für die Auskunft, dass wir einen neuen Klienten haben. Er sitzt hier bei mir und möchte dich unbedingt heute noch sprechen.“

„Wenn er bei dir ist, kann ich doch gleich mit ihm sprechen“, sagte Bount verwundert.

June druckste ein wenig herum. „Nun, es ist nicht unbedingt der neue Klient selbst ... äh ... es ist mehr ein Vertrauter, wie er sagt. Es handelt sich um einen Anwalt, und er sagt, dass sein Klient sozusagen auch unserer würde.“

„Könntest du diese Geschichte mal in die richtige Form bringen. Worum geht es überhaupt?“

„Soweit ich verstanden habe, geht es um eine Entführung. Aber der Mann, der hier bei mir sitzt, ist nicht befugt, darüber zu reden. Sein Boss wird dir alles erzählen, und vor allen Dingen ist es sehr eilig.“ Sie senkte ihre Stimme. „Das Wichtigste ist, dass in diesem Fall jedes Honorar gezahlt wird.“

Bount musste lächeln. Das war ein Argument, dem sich June nie verschließen konnte. Sie war immer in Sorge, dass genügend Geld auf dem Firmenkonto war. Und sie hatte natürlich recht. Die teuren Büroräume und der Wagen kosteten eine Menge Dollars. Schließlich wollte auch June selbst ihr Gehalt pünktlich bekommen.

„Na, schön, ich werde mir die Sache anhören“, sagte Bount. „Aber ob ich den Fall annehme, entscheide ich dann erst. Wo treffe ich den geheimnisvollen Mann?“

„Du wirst in einer Stunde im Hotel abgeholt. Warte bitte in der Halle. Ein Mann wird dich ansprechen.“

Bount hob die Augenbrauen. Das klang wie nach einer konspirativen Verschwörung. „Woher weiß der Mann, wo ich bin?“

„Ich habe es ihm gesagt, und der Mann meinte, sein Klient kennt das Hotel. Seine Tochter studiert in Boston an der Harvard Universität, und er selbst lebt zufälligerweise in Boston.“

„Und wieso kommt er dann auf die Idee, einen Privatdetektiv aus New York zu engagieren? In dieser Stadt gibt es mit Sicherheit auch ein paar gute Leute.“

„Den Grund wird er dir selber sagen. Es ist reiner Zufall, dass du dich gerade in Boston aufhältst. Aber man hätte dich ohnehin gefragt. Der Anwalt ist ja aus Boston hierhergekommen. Der Mann ist richtig entzückt, dass du schon dort bist. Seinem Klienten kommt es auf jede Stunde an. Es geht um Leben und Tod.“

Bount nickte. „Das geht es ja wohl immer“, murmelte er.

„Du wirst doch die Verabredung einhalten?“, fragte June misstrauisch.

„Natürlich. Ich bin in einer Stunde im Foyer. Ich bin gespannt, mit welchem Verrückten wir es diesmal zu tun haben.“

Bount legte auf und blickte sinnend zum Fenster hinaus. Mit der Sauna würde es also nichts werden. Denn er wollte wenigstens in Ruhe sein Frühstück einnehmen.

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3

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Bount saß gemütlich in dem breiten Ledersessel und rauchte eine Pall Mall. Er hatte sogar noch Zeit gehabt, eine Zeitung zu lesen, aber es gab nichts Neues außer den üblichen Katastrophen.

Er entdeckte den Mann, bevor der ihn sah. Und Bount wusste, dass dies seine Verabredung war. Allerdings war es mit Sicherheit nicht der Klient selbst. Das war nur ein neuer Handlanger.

Allmählich war Bount richtig scharf darauf, den neuen Klienten kennenzulernen, der über so viele Helfer verfügte.

Er musterte den Handlanger. Ein unscheinbarer Mann in einem Anzug von der Stange. Das Hemd war vor drei Jahren aktuell gewesen, und Krawatten dieser Breite wurden auch schon lange nicht mehr hergestellt. Er mochte Mitte dreißig sein und hatte ein unscheinbares Gesicht mit kantigen Zügen. Die Augen waren klein und standen zu dicht beieinander. Die Gesichtsfarbe war selbst für Boston zu blass.

Entweder war er ein Nachtmensch oder kam gerade aus dem Gefängnis. Irgendwie sah er nicht so aus, als würde er einer geregelten Arbeit nachgehen. Bount hatte einen Instinkt für diese Art Typen entwickelt. Dies war ein Mann für Jobs, bei denen man keine Fragen stellte. Bount entschloss sich insgeheim, was die Blässe anging, doch auf ein staatliches Gefängnis zu tippen.

Er trat mit einem raschen Schritt an den Mann heran, nachdem er seine Zigarette sorgfältig ausgedrückt hatte. „Suchen Sie mich?“

Der Mann legte den Kopf schief. „Mister Reiniger?“

Bount nickte. „Richtig. Sie sind ein Glückspilz. Versuchen Sie es doch mal als Kandidat bei einer Quiz-Sendung. Vielleicht gewinnen Sie eine neue Krawatte.“ Der Mann starrte ihn an, und seine Augen rückten noch näher zusammen. Aber er entschloss sich, die Bemerkung zu überhören. „Folgen Sie mir bitte. Der Wagen steht direkt vor der Tür.“

Er ging voraus zu einem Cadillac der neuesten Bauserie und öffnete die hintere Tür. Bount warf seine Reisetasche auf den Rücksitz und ließ sich in die weichen Polster sinken. Der Wagen verfügte über eine Klimaanlage und stark getönte Scheiben, sodass man von außen nicht in das Innere blicken konnte. Der Besitzer des Wagens schien erstens Geld zu haben und zweitens über eine Menge Misstrauen zu verfügen. Bount war gespannt, ihn kennenzulernen.

Sie fuhren auf die Hauptstraße und dann Richtung Süden über Cambridge nach Boston. Bount Reiniger kannte die Stadt nicht sonderlich gut, aber er wusste immerhin, dass es zum Hafen ging. Die Bürger der Stadt waren immer noch stolz darauf, dass von dieser Stelle der amerikanische Unabhängigkeitskrieg seinen Ausgang genommen hatte, als vor über zweihundert Jahren bei der Boston Tea Party die Ladung der englischen Schiffe über Bord geworfen wurden.

Der Wagen bremste und riss ihn aus seinen Gedanken. Sie hielten vor einem riesigen Bürohochhaus, dessen gläserne Fassade in der Sonne glitzerte. Wortlos führte ihn der Fahrer in die Lobby des Hauses und steuerte auf die Fahrstühle zu. Der Pförtner begrüßte den Mann mit einem Kopfnicken. Von Bount nahm er keine Kenntnis.

Als sie im Lift standen, und sein Begleiter auf den Knopf für den zehnten Stock gedrückt hatte, fragte Bount: „Wie wär’s, wenn Sie mir den Namen Ihres Arbeitgebers verraten würden - oder ist das geheim?“

Der Mann funkelte ihn böse an. „Sie werden gleich alles erfahren. Ein klein wenig Geduld.“

Der Lift bremste mit sanftem Ruck und sie stiegen aus. Der Flur war mit teurem Teppichboden ausgelegt, dessen gelbe Farbe allerdings zu Augenschmerzen führen konnte.

Eine gläserne Doppeltür öffnete sich wie von Geisterhand. Bount bemerkte die Linse der getarnten Fernsehkamera. Rasch überflog er das protzige Türschild aus Messing.

„Carter Inc.“ stand darauf. Kleiner darunter die Adresse. Das war alles. Der Name sagte Bount Reiniger überhaupt nichts. Aber Boston war nicht seine Stadt.

Sein Begleiter führte ihn über einen endlosen Flur, der mit dem gleichen scheußlichen Gelb ausgelegt war, zu einer Tür aus Palisander, vor der er stehen blieb, einen Knopf drückte und ein paar Worte in eine Sprechanlage flüsterte. Die Türen rechts und links des Ganges waren sämtlich geschlossen und es gab auch keine Schilder daran, wie es normalerweise in Büros üblich war. Bount konnte keinerlei Rückschlüsse auf die Art der Geschäfte dieser Firma ziehen.

„Treten Sie ein“, sagte sein Begleiter und gab den Weg frei.

Bount ging durch die Tür.

Auf den ersten Blick beeindruckte die Größe des Raumes. Die Einrichtung war teuer, aber nicht besonders geschmackvoll. Auch hier herrschte eine gewisse farbliche Verirrung vor. Seine Füße versanken fast in dem Teppich. Bis zum Schreibtisch, der vor dem riesigen Fenster stand, waren es mindestens acht Meter. Von hier oben aus war der ganze Hafen zu überblicken.

Hinter dem Schreibtisch erhob sich ein dicker Mann aus einem schweren Ledersessel. Er mochte um die Fünfzig sein und hatte ein kugelrundes Gesicht mit dicken Tränensäcken unter den Augen. Ein sorgfältig gestutzter Haarkranz lag wie ein Heiligenschein um seine Glatze. Er kam mit ausgestreckten Armen auf Bount Reiniger zu.

„Ich freue mich, dass Sie gekommen sind“, sagte er. „Mein Name ist Edmund Carter. Kommen Sie, wir nehmen dort drüben Platz. Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?“

Bount schüttelte den Kopf und ließ sich in den angebotenen Sessel der Sitzgruppe sinken. Jetzt erst bemerkte er den zweiten Mann, der bisher in einer Ecke gelehnt hatte. Er kam auf Bount zu und streckte die Hand fordernd aus. „Darf ich um Ihre Waffe bitten.“ Die Stimme klang, als sei er nicht gewohnt, zweimal das Gleiche zu sagen.

Bount grinste ihn an. „Tagsüber trage ich keine. Ich nehme doch an, dass ich im Übrigen bei Freunden bin.“

„Lass ihn!“, befahl Carter, und aus der Stimme war die Verbindlichkeit verschwunden. „Du kannst uns allein lassen. Schließlich habe ich unseren Gast eingeladen. Er wird wissen, was sich gehört.“

Nachdem der Leibwächter oder was er auch immer war, gegangen war, wandte Carter sich an Bount. „Tragen Sie wirklich keine Waffe?“

„Manchmal schon, aber ich halte nicht viel von Kanonen.“

„Sie sind hin und wieder recht nützlich.“

„Zweifellos, Mister Carter. Aber ich wäre Ihnen doch verbunden, wenn wir jetzt zur Sache kämen. Ich gestehe Ihnen zu, dass Sie mich neugierig gemacht haben, aber jetzt hätte ich doch gern ein paar Informationen. Warum haben Sie mich hergebeten?“

Carter nahm aus einer hölzernen Schatulle eine dicke Zigarre und rollte sie zwischen den Fingern, bevor er sie gründlich anzündete. Er bot Bount ebenfalls eine an, aber der bediente sich lieber aus seiner Packung Pall Mall.

„Sie sind der beste Schnüffler der Ostküste“, eröffnete Carter das Gespräch. „Und aus diesem Grunde sind Sie hier. Denn ich brauche den Besten, den ich kriegen kann.“

Bount war einigermaßen überrascht, denn ein solches Lob hatte er selten zu hören bekommen. „Mein Ruf wird sicherlich unterschiedlich beurteilt“, sagte er vorsichtig. „Mich würde interessieren, woher Sie diese Meinung haben.“

Carter paffte grinsend an seiner Zigarre. „Ich habe meine Quellen, und die Meinung war eindeutig. Ich möchte noch hinzufügen, dass diese Meinung nicht unbedingt von Ihren Freunden stammt.“

„Sondern?“

„Ich will ganz offen sein, Mister Reiniger. Meine Freunde sind nicht immer Ihre Freunde. Ich sage es gleich, ehe Sie sich Gedanken machen, denn man wird Ihnen eine Menge dummes Zeug über mich erzählen. Ich bin ein ganz normaler Geschäftsmann. Sie sind durch meine Büros gekommen. Ich habe eine Vielzahl von geschäftlichen Interessen in verschiedenen Ländern. Dies hier ist meine Holding, unter deren Dach einige Firmen zusammengefasst sind. Es handelt sich um Importfirmen, eine Spielzeugfabrik, eine Kinokette, Immobilien an der Ostküste bis hinunter nach Florida. Farmen im Mittelwesten, eine Großschlachterei in Chicago und eine Kette von Schnellimbissläden in Kalifornien. Ich bin Mitglied im Golfclub und zahle pünktlich meine Steuern.“

„Sie scheinen mir ein Vorbild für Amerika zu sein“, sagte Bount Reiniger sarkastisch. „Außerdem haben Sie Angst - sonst brauchten Sie keine Leibwächter.“

Carter stutzte, aber sein Grinsen kehrte gleich wieder. Bount hatte dennoch das harte Glitzern in den Augen bemerkt, und er wusste, dass er es mit einem ganz besonderen Kaliber zu tun hatte. Möglich, dass Carter ein seriöser Geschäftsmann war, aber beim Aufbau seines Imperiums war er bestimmt nicht zimperlich vorgegangen. Bount war sicher, dass es sein größtes Problem war, nicht in die besonders vornehme Bostoner Gesellschaft aufgenommen zu werden. Sein schlechter Geschmack war dafür ein zu großes Hindernis.

„Die Welt ist voller Gefahren“, sagte Carter düster. „Jeder muss sich heute schützen. Wie wichtig dies ist, werden Sie gleich erfahren. Mein Schutz hat nicht ausgereicht, und deshalb brauche ich Sie.“

„Sie sehen nicht besonders schutzbedürftig aus“, meinte Bount.

„Es geht auch nicht um mich, Mister Reiniger, sondern um meine Tochter. Sie können von mir halten, was Sie wollen, aber ich bitte Sie, meine Tochter Joan zu retten.“ Seine Stimme war leise geworden. Wenn Carter auch ein harter Mann war - dies meinte er ernst.

„Was ist mit ihr geschehen?“

„Man hat sie entführt. Zusammen mit ihrer Freundin Louella Johnson.“

„Entführung ist ein Bundesverbrechen. Ist das FBI bereits eingeschaltet?“

Carter schüttelte den Kopf. „Das FBI würde in diesem Falle herzlich wenig helfen. Die Entführung hat nicht in den Vereinigten Staaten stattgefunden, sondern im Sudan.“ Bount lehnte sich zurück. „Das ist in der Tat ziemlich weit weg. Was sagen die dortigen Behörden?“

Carter lächelte schwach. „Ich fürchte, Sie kennen den Sudan nicht, sonst würden Sie diese Frage kaum stellen.“

„Erklären Sie mir alles.“

„Meine Tochter Joan studiert hier an der Harvard Universität Archäologie. Zusammen mit einer Freundin war sie im Sudan an einem Ausgrabungsort beschäftigt. Es geht um irgendwelche ägyptischen Heiligtümer. Die beiden wollten darüber ihre Diplomarbeiten schreiben. Vor zwei Tagen wurden sie von einer Reiterhorde überfallen und entführt. Dabei sind die beiden Soldaten, die zu ihrem Schutz abgestellt waren, erschossen worden. Zwei einheimische Arbeiter konnten fliehen und haben den Überfall bei der Polizei gemeldet. Die ersten Nachforschungen verliefen im Sande. Die Entführer sind spurlos verschwunden.“

„Glauben Sie, dass es um Lösegeld geht?“

Carter schüttelte den Kopf. „Nach dem, was ich gehört habe, handelt es sich bei den Entführern um Menschenhändler. Ich fürchte, meine Tochter ist auf dem Weg in den arabischen Raum, um dort verkauft zu werden. Der moderne Sklavenhandel blüht dort wie eh und je.“

Bount verzog ungläubig sein Gesicht. „Das meinen Sie doch nicht im Ernst!“

„Leider ist es so. Ich habe im ersten Moment auch nicht daran geglaubt, aber meine Informanten haben mir bestätigt, dass für irgendwelche geheimnisvollen Harems auch heute noch Frauen entführt werden. Es ist ein lukratives Geschäft, denn für Europäerinnen oder Amerikanerinnen werden hohe Summen gezahlt. Es gibt in der jüngsten Vergangenheit genügend Beispiele für solche Fälle. Nach ein paar Jahren tauchen die Mädchen eventuell wieder auf. Sie landen in obskuren Tanzclubs oder gleich in Bordellen.“ Seine Stimme wurde schwächer.

Bount runzelte die Stirn. „Es fällt schwer, sich so etwas vorzustellen. Aber nehmen wir an, Ihre Tochter ist tatsächlich von solchen Sklavenhändlern entführt worden. Welche Spuren gibt es bis jetzt?“

„Ein Geschäftsfreund von mir, der in Kairo lebt, ist gestern nach Khartum geflogen und hat sich mit den Behörden in Verbindung gesetzt. Ich habe vorhin mit ihm telefoniert. Die Behörden wollten erst nicht so recht mit der Sprache heraus, aber dann hat man doch zugegeben, dass sehr wohl die Bande existiert, die schon mehrfach Frauen und Mädchen entführt hat. Bisher waren es allerdings nur Einheimische, sodass diese Tatsache unter den Teppich gekehrt werden konnte. Zum ersten Mal sind jetzt Ausländer die Opfer. Noch hat die Presse keinen Wind von der Sache bekommen, aber wir haben gedroht, einen Riesenwirbel zu veranstalten, wenn sich die Polizei nicht ins Zeug legt. Trotzdem fürchte ich, dass deren Bemühungen vergeblich sein werden.“

„An diesem Punkt komme ich wohl dann ins Spiel“, sagte Bount Reiniger. „Ich denke, dass ich den Fall übernehmen werde, auch wenn die Möglichkeiten gering scheinen. Ich kenne weder das Land noch habe ich Kontaktleute. Man wird ja versuchen, die Mädchen rasch außer Landes zu schaffen.“

Carter nickte. „Der Weg geht über Dschibuti in Ostafrika und von dort über das Meer zur Arabischen Halbinsel. Mit Karawanen geht es dann wie in alten Zeiten durch die Wüste zum Persischen Golf oder nach Oman. Die Banditen können schließlich keine offiziellen Wege benutzen. Sie müssen sich immer abseits der normalen Straßen bewegen. Flugzeuge oder Schiffsverbindungen scheiden aus dem gleichen Grund aus. Das ist unsere einzige Chance. Auf ihrem Weg müssen die Entführer Spuren hinterlassen. Noch eines möchte ich Ihnen sagen: Geld spielt keine Rolle. Ich bin ein vermögender Mann. Ich will nur meine Tochter zurückhaben.“

„Ich habe feste Sätze für meine Arbeit. Mit mehr Geld ist der Erfolg nicht zu erzwingen.“

Carter machte eine Handbewegung. „Dann verfügen Sie über einen unbegrenzten Spesenetat. Glauben Sie mir, dass mit Geld manches zu erreichen ist.“

Das glaubte Bount ihm unbesehen. Carter war ein Mann, der überzeugt war, mit Geld alles zu erreichen. Was die Spesen anging, war es natürlich wirklich von Vorteil, Geld zu haben. Bount war sicher, eine Menge Schmiergelder unters Volk bringen zu müssen. Allerdings hatte er noch keinen blassen Schimmer, wo er ansetzen sollte. Aber er hatte zugesagt, und er würde zumindest alles versuchen.

„Sie fliegen in zwei Stunden nach New York, und von dort weiter über Paris nach Khartum, in die Hauptstadt des Sudan. Die Tickets liegen bereit.“

„Woher hatten Sie die Gewissheit, dass ich den Auftrag annehmen würde?“, fragte Bount.

„Ich kenne Ihren Ruf, und ich weiß, dass ich mich auf Sie verlassen kann. Meine Informanten ließen in dieser Beziehung nicht den geringsten Zweifel. Ich kann nicht sagen, dass ich Ihren Beruf sonderlich schätze, aber ich respektiere ihn.“

„Vor allem dann, wenn Sie einen Privatdetektiv selber brauchen.“ Bount lächelte.

Carter reagierte darauf nicht. „Da ist noch etwas. Sie haben nämlich eine Spur, wenn Sie ankommen. Man kennt den Namen des Anführers der Bande. Es handelt sich um einen Araber namens Kassem Abdel Aziz. Es ist den sudanesischen Behörden nie gelungen, ihn zu fassen - und er treibt sein Unwesen schon seit zehn Jahren. Seine Bande ist bestens bewaffnet und kennt offenbar sämtliche Schleichwege in Ostafrika. Finden Sie diesen Mann, und legen Sie ihm das Handwerk.“

„Ich denke, es ist wichtiger, Ihre Tochter und deren Freundin zu finden. Der Bandit ist erst in zweiter Linie wichtig.“

Für einen kurzen Augenblick verzerrte sich Carters Gesicht, und darunter wurde die Raubtiermaske sichtbar. Carter bekam sich aber sofort wieder unter Kontrolle. Er spielte den biederen Unternehmer, aber das war nur eine Rolle. Der lodernde Hass verschwand aus seinem Gesicht und machte wieder einem jovialen Ausdruck Platz.

„Wenn Sie meine Tochter haben, haben Sie auch diesen verdammten Araber! Das ist wohl kaum zu trennen. Ich will, dass er ausgeschaltet wird. Endgültig!“

„Ich bin kein Killer, Mister Carter. Ich werde versuchen, diesen Mann zu stellen, aber ich werde ihn ganz gewiss nicht ohne Weiteres töten.“

Jetzt lächelte Carter. „Das sollen Sie auch nicht. Dafür werden andere Leute sorgen.“

„Wie darf ich das verstehen?“

„Sie werden jemanden in Ihrer Begleitung haben. Zwei Männer, die Sie schon kennen. Sie werden nichts von ihrer Anwesenheit spüren, aber sie werden da sein. Frank Aiello, das ist der Mann, der Sie hergebracht hat, und Ron Lawson, der Sie vorhin nach der Waffe fragte. Es sind sehr zuverlässige Männer, die mir seit Jahren ergeben sind.“

„Ich denke, dass es sich eher um zwei Gangster handelt“, sagte Bount Reiniger ruhig.

Carter beherrschte sich. „Wir waren uns darüber einig, dass meine Geschäfte mit diesem Fall nichts zu tun haben. Es geht einzig und allein um das Leben meiner Tochter. Die beiden Männer sind zu Ihrer Unterstützung da - wenn Sie es wollen. Aber sie fliegen in jedem Falle nach Khartum. Sie brauchen sich nicht zu kennen, aber die beiden werden Ihnen folgen. Ich erwarte von Ihnen nichts weiter, als dass Sie die Spur von Kassem Abdel Aziz aufnehmen. Den Rest erledigen meine Leute. Sie verstehen ihre Arbeit.“

Bount nickte. „Das glaube ich sofort. Ich will mit Ihren Gangstern nichts zu tun haben. Sie sollen mir aus dem Wege gehen. Wenn sie mir in die Quere kommen, breche ich die Suche ab. Ich lasse mir prinzipiell nicht ins Handwerk pfuschen.“

Carter nickte. „Ich sagte doch schon, dass Sie die beiden überhaupt nicht sehen werden.“

„Sie kennen meine Bedingungen. Sorgen Sie dafür, dass sich alle Beteiligten daran halten.“

„Wie Sie wollen. Ich werde genaue Instruktionen erteilen. Noch eine Hilfe kann ich Ihnen geben. Mein Geschäftsfreund erwartet Sie in Khartum. Captain Henderson wird Ihnen alle Informationen geben, die er bisher hat.“

„Captain?“

Carter zog eine Karte aus der Tasche und schob sie über den Tisch. „Er heißt Tom Henderson. Er war Captain in der US-Army und lässt sich seit seinem Abschied aus der Armee gern mit seinem ehemaligen Rang anreden. Eine Marotte, weiter nichts. Sie finden hier seine Adresse in Khartum. Wenden Sie sich nach Ihrer Ankunft an ihn. Sie können sich auf ihn verlassen.“

Bount Reiniger steckte die Karte ein, nachdem er einen flüchtigen Blick darauf geworfen hatte. Die Adresse war mit Bleistift darauf geschrieben worden. Die gedruckte Adresse in Kairo war durchgestrichen. Als Berufsbezeichnung hatte Henderson „Wirtschaftsberater“ angegeben. Das konnte eine Menge heißen. Bount war jedenfalls skeptisch, was die Geschäftsfreunde von Edmund Carter anging.

„Ich denke, Sie müssen jetzt gehen“, sagte Carter. Er zog ein dickes Bündel Dollarnoten aus der Brusttasche. Es waren nur Hunderter. „Das ist für Ihre ersten Spesen. Henderson wird Ihnen dann geben, was Sie außerdem brauchen. Beeilen Sie sich, sonst verpassen Sie noch Ihre Maschine.“

Bount nickte mit dem Kopf. „Ich hoffe, dass ich Ihre Tochter finde. Haben Sie ein Bild von ihr?“

„Oh, das habe ich vergessen. Hier ist es.“ Er schob ein Hochglanzfoto über den Tisch, das ein strahlendes Mädchen von ausgesprochener Schönheit zeigte.

„Das ähnelt aber gar nicht dem Vater“, sagte Bount.

Carter biss die Lippen zusammen. „Joan ähnelt ihrer Mutter, aber meine Frau ist schon vor fünf Jahren gestorben.“

Im Hinausgehen sah Bount seinen Begleiter, Frank Aiello. Er kaute an den Fingernägeln und warf ihm einen missmutigen Blick zu.

Bount grinste ihn an. „Mit den bunten Klamotten wirst du da drüben überhaupt nicht auffallen.“

Aiello funkelte zurück. „Wollen Sie mit uns zum Flughafen fahren?“

Bount schüttelte den Kopf. „Ich nehme lieber ein Taxi. Wir wollen von Anfang an getrennte Wege gehen. Am liebsten wäre es mir, wenn ich dich überhaupt nicht mehr zu Gesicht bekäme.“

Fröhlich pfeifend verließ Bount Reiniger die Büroräume. Der Wortwechsel war zwar sinnlos, aber er hatte ihm gut getan, und das brauchte er dringend für seinen Seelenfrieden.

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Es war unerträglich heiß. Joan Carter fühlte sich schmutzig, und sie hätte manches für ein Bad oder eine Dusche gegeben. Aber daran war in ihrer augenblicklichen Lage nicht zu denken.

Ihre Bewacher hatten das Lager aufgeschlagen. Für heute würde die Reise also ein Ende finden. Joan hatte keine Ahnung, wo sie sich befanden. Am Stand der Sonne hatte sie nur herausgefunden, dass ihr Weg sie nach Osten führte. Die Reiter hatten anfangs ein scharfes Tempo vorgelegt, und bei der unbequemen Haltung auf dem Sattel hatten ihr sämtliche Knochen wehgetan.

Nach ein paar Meilen trafen sie auf einen weiteren Araber, der mehrere gesattelte Pferde bei sich führte: Die beiden Mädchen bekamen ihr eigenes Reittier. Das war schon eine deutliche Erleichterung. Man fesselte ihnen die Hände, aber so, dass sie die Zügel bedienen konnten. Außerdem wurden die Pferde jeweils von einem ihrer Bewacher an einer Leine geführt. Flucht schied damit aus.

Die Sonne brannte den ganzen Tag gnadenlos vom Himmel. Das Kopftuch war völlig verschwitzt, und die dünne Bluse klebte wie ein nasser Sack am Körper. Joan bemerkte die Blicke der Männer, aber keiner wagte es, näher an sie heranzukommen.

Ihre Freundin Lou versuchte, die neue Situation mit Fassung zu ertragen, aber sie war kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Man hatte ihnen verboten, miteinander zu reden, sodass noch nicht einmal ein paar trostreiche Worte möglich waren.

Joan war verzweifelt, aber sie war fest entschlossen, alles durchzustehen, was auf sie zukam.

Für die beiden Mädchen hatte man rasch ein winziges Zelt aufgeschlagen, in das sie sich zurückziehen mussten. Unter der Plane war es unerträglich heiß.

„Was werden sie mit uns machen?“, flüsterte Lou.

Joan zuckte die Schultern. „Wenn deine Vermutung richtig ist, wollen sie uns verkaufen. Ich kann mir nur nicht vorstellen, an wen. Es wird doch niemand wagen, das Opfer einer Entführung in seinen Palast zu sperren. Man sucht doch nach uns.“

Lou schüttelte den Kopf. „Es ist schon oft passiert. Jährlich verschwinden Tausende von Frauen und tauchen zum Teil nie wieder auf. Ich habe wenig Hoffnung, dass man uns befreit.“

Joan ergriff den Arm ihrer Freundin. „Mein Vater wird nach uns suchen. Die beiden Arbeiter sind entkommen. Sie werden berichten, was geschehen ist. Mein Vater verfügt über viel Einfluss, außerdem hat er einen Haufen Geld. Er wird alle Hebel in Bewegung setzen.“

„Dein Vater sitzt in Boston, das ist verdammt weit weg - auf der anderen Seite der Erde. Wie will er uns helfen?“

„Er liebt mich sehr, auch wenn er mich nicht in seine Geschäfte sehen lässt. Aber ich bin sicher, dass er das Mögliche unternehmen wird.“

Die Zeltbahn wurde zur Seite geschoben, und die beidem Mädchen zuckten erschrocken zusammen. Der Anführer der Bande erschien in der Öffnung und musterte sie mit Wohlgefallen. Er rieb sich die dicken Finger und kicherte leise.

Joan nahm allen Mut zusammen. „Wenn Sie uns augenblicklich freilassen, werden wir den Zwischenfall vergessen. Sie sind entschieden zu weit gegangen. Wir sind Amerikanerinnen.“

„Aber das ist ja das Schöne!“, rief der Mann und hob die Augen zum Himmel. „Allah in seiner Gnade hat euch in meine Hände gegeben. Das ist ein großer Tag und ein Grund zum Feiern. Meine Männer erwarten von mir eine Sonderprämie, denn sie wissen auch, dass ihr ein großartiger Fang seid, den wir nicht alle Tage machen.“

„Was haben Sie mit uns vor?“, fragte Lou mit zitternder Stimme.

Der Mann schlug die Hände zusammen. „Auf euch wartet das Paradies. Ihr seid glücklich zu schätzen. Unsere Reise wird einige Zeit in Anspruch nehmen, aber am Ende wartet ein Palast auf euch - und ein sehr nobler Prinz mit ausgezeichneten Manieren. Er wird euch mit Schmuck und teuren Kleidern überschütten. Ihr werdet zufrieden sein.“ In Joans Kehle bildete sich ein trockener Kloß. „Sie wollen uns also an einen verdammten Scheich verkaufen?“

„Oh, nicht an irgendeinen Scheich! Es wird ein bedeutender Mann sein, nicht mehr zu jung und von hoher Gelehrsamkeit. Ihr werdet ihm seine Tage versüßen, denn Allah hat ihn leider mit einer Krankheit geschlagen, die es ihm verbietet, seinen Palast zu verlassen. Aber das ist von Vorteil für euch, denn so wird er sich euch ständig widmen können. Ich habe ihm schon mehrere Mädchen verkauft, aber es waren nie die richtigen. Ihr seid es! Er wird mich gut bezahlen!“

Joan versuchte, Verachtung in ihre Stimme zu legen. „Was sind wir denn so wert?“

Der Mann grinste verschlagen. „Viele tausend Dollars. Nach dieser Reise werde ich mich zur Ruhe setzen können. Ihr seid der krönende Abschluss meiner Laufbahn.“

„Sie müssen wahnsinnig sein“, sagte Joan.

Ihr Gegenüber schüttelte den Kopf. „Keineswegs. Als man mir sagte, welcher Fang in der Nähe ist, habe ich nicht gezögert und bin zu diesen Ruinen aufgebrochen. Der Erfolg übertrifft meine Erwartungen. Ich hörte bereits von eurer Schönheit, aber die Wirklichkeit ist viel besser als jede Erzählung.“

„Wer hat Ihnen von uns erzählt?“

„Ich habe viele Freunde in diesem Land. Sie tun mir einen Gefallen, und ich bezahle sie für einen guten Tipp. Diesmal bekommt der Informant eine besondere Belohnung. Aber ich werde ihm sagen müssen, dass seine Beschreibung unzureichend war.“

Joan funkelte den Araber an. „Dieses miese Schwein wird dafür bezahlen, ebenso wie Sie. Sie können doch nicht im Ernst daran glauben, dass Sie mit einer solchen Sache durchkommen. Selbst in diesen Ländern hier gibt es Gesetze und eine Polizei.“

Der Araber lachte meckernd. „Sicher, meine Täubchen. Aber ich verstehe mein Geschäft, und keine Polizei wird mir dazwischenfunken. Ihr braucht euch keine Hoffnungen zu machen, dass man euch befreit. Es ist sinnlos. Meine Männer sind mir treu ergeben. Sie werden jeden Fluchtversuch zu verhindern wissen.“

„Wenn sie auf uns schießen, werden unsere kostbaren Körper Schaden nehmen“, entgegnete Joan sarkastisch.

„Es gibt andere Methoden - die man nicht sieht. Aber ich rate euch nicht, etwas in dieser Richtung zu versuchen. Meine Männer würden gern mit euch ins Bett gehen, aber sie wagen es nicht, solange ich es ihnen verbiete. Das könnte sich ändern. Also denkt an meine Worte. Wenn ihr wollt, könnt ihr jetzt zum Essen kommen. Meine Männer haben einen saftigen Hammelbraten besorgt.“ Joan schüttelte sich vor Abscheu. „Danke, ich habe keinen Hunger. Aber wir würden uns gern waschen.“ Der Araber hob die Schultern. „Das ist nicht möglich. Es gibt hier keine Wasserstelle. Morgen werden wir ein kleines Dorf erreichen. Dort gibt es einen Brunnen. Bis dahin müsst ihr euch gedulden. Ruht euch aus, denn wir haben morgen einen langen Tag vor uns. Die Reise bis an unser Ziel ist noch weit.“

„Sie sind ein Schuft!“, stieß Louella hervor.

„Aber nicht doch, ich bin nur Geschäftsmann. Gegen euch persönlich habe ich überhaupt nichts. Ich verkaufe euch nur wie eine beliebige Ware. Ich bin Händler - und das hat eine lange Tradition in unserem Land. Schon mein Vater hat sich in diesem Geschäft betätigt. Er hat mir alle Geheimnisse, die man kennen muss, hinterlassen. Und heute habe ich seine Erfolge schon weit übertroffen.“

„Großartig“, sagte Joan Carter. „Sie können wirklich stolz auf Ihre Familie sein. Aber ich prophezeie Ihnen heute, dass Sie diesmal zu weit gegangen sind. Sie kennen meinen Vater nicht. Er wird Sie jagen, bis er Sie zur Strecke gebracht hat.“

Der Araber schüttelte den Kopf. „Sie sollten mir nicht drohen, liebes Kind. Ich benehme mich auch korrekt. Ich bin ein gebildeter Mann und habe es nicht nötig, mich beschimpfen zu lassen. Also mäßigen Sie sich, sonst müsste ich andere Saiten aufziehen.“

Er ließ die Zeltbahn fallen und verschwand draußen. Die beiden Mädchen waren wieder allein.

„Was sollen wir bloß machen?“, klagte Lou.

„Im Augenblick können wir nichts tun“, sagte Joan. „Gegen die Männer haben wir keine Chance. Aber unsere Zeit kommt noch. Wir werden wieder in zivilisiertere Gegenden gelangen. Irgendwo werden wir eine Nachricht hinterlassen können, die jemand weiterleitet. Mach dir keine Sorgen, man wird uns befreien. Die Männer werden uns nichts tun. Wir müssen nur durchhalten. Du musst stark bleiben.“

„Ich weiß nicht, wie lange ich das schaffe. Hoffentlich kommt bald Hilfe!“

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5

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Die Hitze traf ihn wie ein Schlag. Der Unterschied zwischen dem klimatisierten Flugzeug der Air France und der Außentemperatur war gewaltig. Der Schweiß lief Bount in Strömen über den Rücken. Bisher hatte er auch noch keine Zeit gehabt, sich entsprechende Kleidung zu besorgen. Das musste er rasch erledigen.

Mit den anderen Passagieren marschierte er zum Empfangsgebäude. Die wenigen Schritte unter der glühenden Sonne waren anstrengend, und der lange Flug um die halbe Welt machte ihm zu schaffen. Dies war nicht das Land, wo er seinen Lebensabend verbringen mochte.

Er sah sich nicht um, obwohl er wusste, dass die beiden Figuren in Carters Diensten irgendwo hinter ihm waren. Sie waren natürlich in der gleichen Maschine geflogen. Das akzeptierte er noch, weil es keine bessere Verbindung gab. Sie hatten sich auch an die Abmachung gehalten und ihn nicht belästigt. Er war gespannt, wie lange das anhielt. Während des Fluges hatte er die beiden nicht zur Kenntnis genommen, und sie hatten sich auch weit weg von ihm gesetzt.

Bount betrat das Gebäude und war dankbar für die angenehme Kühle. Er war neugierig, ob er ein Einreisevisum bekommen würde. In den Unterlagen stand, dass dafür gesorgt sei.

Er reihte sich in die Schlange ein, die gemächlich weiterrückte. Die sudanesischen Zollbeamten ließen sich Zeit und machten ihren Job in aller Ruhe. Sorgfältig stempelten sie Pässe und Einreisekarten.

Bount dachte an das Material, das er sich telefonisch hatte durchgeben lassen. Nicht umsonst wollte er in Boston mit dem Taxi zum Logan Airport fahren. Er brauchte für ein paar Minuten keinen Aufpasser. Das Telefonat, das er führte, war nur kurz. Aber sein Freund und Informant hatte ihm versprochen, bis zu seinem nächsten Anruf, den er vom Flughafen Charles de Gaulle in Paris führen würde, alles zusammenzutragen, was er über Edmund Carter finden würde.

Es war nicht viel gewesen, aber doch aufschlussreich. Carter war eigentlich italienischer Abstammung. Er war mit seiner Familie als sechsjähriger aus Neapel eingewandert. Über seine Jugend war wenig bekannt, er verbrachte sie in den Slums von New York. Später amerikanisierte er seinen Namen, wie es viele Einwanderer taten. Das war nichts besonderes. Mit zwanzig Jahren ging er nach Boston und baute sich dort in relativ kurzer Zeit ein beeindruckendes Unternehmen auf.

Zweimal hatte man ihn wegen Steuerdelikten angeklagt, aber es kam nie zu einer Verhandlung. Man sagte ihm Verbindungen zum organisierten Verbrechen nach, aber auch dafür gab es nie einen Beweis.

Nach den ersten zehn Jahren in Boston hatte er seine Geschäftszweige geändert. In den ersten Jahren hatte sich Carter mit Nachtclubs und anderen leicht anrüchigen Dingen beschäftigt. Es hieß auch, dass er während des Koreakrieges seine ersten Waffengeschäfte gemacht hatte. Ob er heute noch in diesem Geschäft tätig war, wusste man nicht.

Carter hatte anfangs sehr zurückgezogen gelebt, und kaum ein Reporter kam an ihn heran. Das hatte sich erst in den letzten Jahren geändert, als er versuchte, mit allen Kräften in der Bostoner feinen Gesellschaft Fuß zu fassen. Das war ihm bisher nicht gelungen, auch wenn er für alle möglichen Zwecke Geld stiftete und Mitglied im Golfclub war. Die sogenannten feinen Leute schnitten ihn.

Immerhin hatte er es geschafft, seine Tochter in Harvard studieren zu lassen. Sie stand kurz vor ihrem Abschluss und war derzeit auf einer Studienreise in Ostafrika.

Das wusste Bount bereits. Und nun war auch sein Bild über seinen Auftraggeber ins rechte Licht gerückt. Seine Vermutungen hatten sich bestätigt. Carter war ein Mann, der mit nicht ganz seriösen Methoden nach oben gekommen war. Sicherlich hatte er dabei Kontakte zur Unterwelt gehabt, und solche Kontakte rissen nie ganz ab. Er war vielleicht kein Gangster im Wortsinne, aber nahe dran, und ein Teil seiner Geschäfte spielte sich vermutlich auch heute noch hart am Rande der Legalität ab.

Bount hatte die Kontrolle erreicht. Der Zöllner stempelte sein Visum hinein, ohne ihn auch nur anzusehen.

Schon war Bount Reiniger durch und holte sich seine Reisetasche vom Band. Die Adresse, zu der er wollte, hatte er im Kopf. Captain Henderson würde sein erstes Ziel sein.

Er trat wieder in die Hitze und stieg in das erste Taxi. Der baumlange Schwarze hinter dem Steuer grinste ihn an. „Wohin?“

Bount nannte ihm die Adresse. Der Wagen besaß keine Klimaanlage, und die kunstledernen Polster waren so heiß, dass man Spiegeleier darauf hätte braten können. Bount kam sich vor, als ob er in einer Sauna säße. Und zwar in einer fahrbaren.

Er drehte nur einmal den Kopf, um festzustellen, ob die beiden Figuren ihm folgten. Er sah sie in ein weiteres Taxi steigen. Also würden sie an ihm dran bleiben. Nun, sie störten zunächst nicht. Irgendwann würde er sie natürlich abschütteln müssen, aber das hatte Zeit, bis er mehr wusste.

Der Fahrer setzte ihn vor einem flachen Haus ab, das ein Stück von der Straße entfernt lag. Der Garten war ziemlich verwildert, und das Haus war über und über mit farbenprächtigen Bougainvillea überwuchert. Die Adresse stimmte.

Bount nahm seine Reisetasche und marschierte auf das Haus zu, das einen unbewohnten Eindruck machte. Kurz hinter ihm stoppte das andere Taxi. Bount grinste. Die beiden blieben im Auto sitzen.

Unwillkürlich tastete Bount unter die Achsel. Aber dort war nichts. Er hätte keine Chance gehabt, seine Automatic durch die Kontrollen zu bringen, und hier im Sudan hätten sie ihn trotz seines Waffenscheins vermutlich gleich eingelocht. Doch wenn er den sogenannten Geschäftsfreund von Edmund Carter richtig einschätzte, sollte es keine Schwierigkeit sein, eine Waffe zu besorgen.

Es gab kein Türschild, aber bevor Bount den Finger auf den Klingelknopf legen konnte, öffnete sich die Tür.

„Mister Reiniger?“, fragte der Mann. „Ich habe Sie erwartet. Kommen Sie bitte herein.“

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738914498
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v380728
Schlagworte
bount reiniger auftrag sudan york detectives

Autor

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Titel: Bount Reiniger und der Auftrag im Sudan: N. Y. D. - New York Detectives